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Full text of "Jahrbuch der Drahtlosen Telegraphie und Telephonie Vols 33-34"

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Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie 
und Telephonie 


Zeitschrit fir Hochirequenztechnik 


NINA 


Gegründet 1907 


Unter Mitarbeit 
von 


Dr. h. c. Graf v. Arco (Berlin), Dr. L. W. Austin (Washington), Postrat Dr. F. Banneitz 
(Berlin), Prof. Dr. H. Barkhausen (Dresden), Dr. W. Burstyn (Berlin), Prof. Dr. A. Esau 
(Jena), Prof. Dr. H. Faßbender (Berlin), Dr. L. de Forest (New-York), Prof. Dr. F. Kiebitz 
(Berlin), Postrat Prof. Dr. G. Leithäuser (Berlin), Dr. S. Loewe (Berlin), Dr. C. Lübben (Berlin), 
Dr. E. Lübcke (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. A. Meissner (Berlin), Prof. Dr. H. G. Möller 
(Hamburg), Dr. E.Nesper (Berlin), Dr. B. van der Pol jr. (Eindhoven), Ingenieur Dr. V.Poulsen 
(Kopenhagen), Prof. Dr. L. Pungs (Braunschweig), Dipl.-Ing. B. Rosenbaum (Berlin), 
Dr. K. Rottgardt (Berlin), Prof. Dr. H. Rukop (Köln), Dr. A. Scheibe (Charlottenburg), 
Oberingenieur O. Scheller (Berlin), Prof. Dr. W. Schottky (Berlin), Prof. Dr. A. Sommerfeld 
(München), Dr. F. Trendelenburg (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. M. Wien (Jena), 
Prof. Dr. H. Wigge (Köthen-Anh.) 


herausgegeben von | 
Professor Dr. Dr. ing. E. h. J Zenneck una Privatdozent Dr. E. Mauz 
Schriftleitung: Dr. E. Mauz | 
73 


Dreiunddreißigster Band 
mit 452 Bildern im Text. 


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T!E NEW YORK 
PUBLIC LIBRARY 


48377794A 


ASTOR, LENOX AND 
TILLEN FOUNDATIONS 
R 1930 L 


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Inhaltsverzeichnis. 


A. Originalarbeiten. 


Seite 
Aigner, Franz, Das Problem der ökonomischten Viel- 

fachtransponierung (Mit 2 Bildern im Text) 9 u. 47 
Ardenne, Manired von, Die aperiodische Verstärkung 

von Rundfunkwellen (Mit 15 Bildern im Text) 166 
Burstyn, W.. Die unmittelbare Messung von Entier- 
nungen durch elektrische Wellen (Mit 2 Bildern 

im Text) i 181 
Dieckmann, Max, Beitrag zur Beschreibung des Inter- 
ferenzgebietes in der Nähe von Empfangsantennen 

(Mit 10 Bildern im Text) 161 
Fassbender, H., und Kurlbaum, G., Abhängigkeit. der 
Reichweite sehr kurzer Wellen von der Höhe des 

Senders über der Erde (Mit 7 Bildern im Text) . 52 


Freese, H., Beseitigung der Nebenfrequenzen beim sta- 


tischen Frequenzwandler (Mit 33 Bildern im Text) 1 u 41 


Freese, H., Erwiderung auf die Bemerkungen von 
E. Kramar und F. Gutzmann 

Gerth, F., und Scheppmann, W., Untersuchungen über 
die Ausbreitungsvorgänge ultrakurzer Wellen (Mit 
6 Bildern im Text) . . 2 2 202. s 

Giebe, E.. und Scheibe, A., Internationale Vergleichun- 
gen von Frequenznormalen für elektrische 
Schwingungen (Mit 1 Bild im Text) . 

Gloeckner, M. H., Der Bordpeilempfänger im Flugzeug 


(Mit 26 Bildern im Text) . . 92u. 
Gutzmann, F., Bemerkung zu der Arbeit von 
H. Freese: „Beseitigung der Nebenfrequenzen 
an statischen Frequenzwandler‘“ (Mit 1 Bild im 
TERN te a ea An en An ee an Sa 
Hell, Rudolf, Direktzeigendes funkentelegraphisches 


Peilverfahren (Mit 12 Bildern im Text) 
Hermanspann, P., Untersuchungen an Drosseln mit ge- 

e DER Kern u 10 Bildern im 

Text . ‚ . à 


225 


23 


176 


81 


Hermanspann, P., Hochfrequenz-Gleichrichter-Anlage 
mit automatischer Konstanthaltung der Gleich- 
spannung (Mit 24 Bildern im Text) 

Hollmann, H. E., Zum Problem der Erzeugung kurzer 
elektrischer Wellen durch Bremsfelder (Mit 6 Bil- 
dern im Text) 

Kallmann, Heinz E., Rechteckige Verformung von Re- 
sonanzkurven nach einem neuen Prinzip und ihre 
Anwendung beim Empfang sehr kurzer Wellen 
(Mit 20 Bildern im Text) . 


Kirschstein, F., Zur Theorie des rückgekoppelten 
Röhrensenders. ber ein anschauliches Verfahren 
zur Behandlung des Amplitudenproblems (Mit 
14 Bildern im Text) REES BR SEE 

Kramar, E.. Bemerkung zu der Arbeit von 
H. Freese: Beseitigung der Nebenfrequenzen 


beim statischen Frequenzwandler . 

Krüger, K., und Plendi, H., Über die Ausbreitung der 
kurzen Wellen bei kleiner Leistung im 1000 Kilo- 
meter-Bereich (Mit 8 Bildern im Text) . 

Kurlbaum, G., s. Fassbender. 

Lazareff W., Über die Unstabilität der Frequenz der 
Röhrengeneratoren und deren Stabilisation (Mit 22 
Bildern im Text) . 

Pedersen, P. O., Bemerkung zu der Arbeit von J. 
Fuchs: Das Verhalten kurzer Wellen in un- 
mittelbarer Nähe des ee o Ztschr. 32, S. 
170. 1928) . . : Rue: 

Plendl, H., s Krüger, K. 

Scheibe, À., S. Giebe. E: 

Scheppmann, W., s. Gerth, F. 

Schlesinger, Kurt, Neutralisation des 
stärkers (Mit 5 Bildern im Text) . 

Uller, Karl, Wellen-Induktion in der drahtlosen Tele- 
graphie ß 


Resonanzver- 


B. Zusammenfassender Bericht. 


Hollmann, H. E., Die Erzeugung kürzester elektrischer 
Wellen mit Elektronenröhren en 31 Bildern im 
Text). . E A 


66 u. 


Seite 


101 | 


C, Mitteilungen 


Eichhorn. Gustav, Das Radiophon (Mit 4 Bildern im 


Text) 

Reichspostzentralamt, Neue “Hilfsmittel für akustische 
Messungen . 

Teiefunken, Kraft-Verstärkerröhre RE 604 (Mit 1 Bild 
im Text) 

Telefunken, Zwischenstecker für "indirekt beheizte 


Wechselstromröhren (Mit 5 Bildern im Text) 


Seite 
30 
184 
15 
15 


Druckfehler-Berichtigung zum Zusammenfassenden 
Bericht von H. E. Hollmann d aa 


aus der Praxis. 


Telefunken, Eine neue Lautsprecherröhre (Mit 1 Bild 


im Text) 
Telefunken, Ein neuer ArMATI a 1 Biid 
im Text) i i 
Teucke, Karl, Neue Glinmlichtgleichrichter (Mit 


7 Bildern im Text) . 


D. Patentschau. 


Lübben, Carl, Patentschau (Mit 93 Bildern im Text) . 


212 


201 


223 


85 


55 


66 


63 


Seite 


183 


183 


145 


33, 108, 148, 184 u. 225 


E. Bücher. 


Eingegangene Bücher » 
Bücherbesprechungen: 

Eichenwaid, Prof. Dr. A. ne, Vorlesungen 
über Elektrizität > 


Hund, Dr.-Ing, Aug. (Zennec k). 
meßtechnik, ihre wissenschaftlichen 
tischen Grundlagen . Fr 


er 
und prak- 


Seite 
158 


160 


40 


Kappelmayer, O. (Lübcke), Funkmusik und Schall- 
plattenmusik. 30. Band der „Bibliothek des Radio- 
Amateurs“ 

Keen, R. (Zenn eck), Wireless Direction Finding and 
Directional Reception . i 

Keinath, Dr.-Ing., Georg (Mau 2), Die Technik elek- 
trischer Meßgeräte. I. Band RR und Zu- 
behör, II, Band Meßverfahren . $ 


Seite 


Kretzschmar, F. E. (v. Auwers), Die Krankheiten 
des Bleiakkumulators, ihre Entstehung, Beseiti- 
gung, Verhütung 


Lang, Albert (Pauli), Französischer Sprachführer 
für den Fernsprechweitverkehr. Ill. Band der 
„Einzeldarstellungen aus der elektrischen Nach- 
richtentechnik“ m ee a a a au ar 


Seite 


120 


160 


Maier, Gustav (Winter-Günther), 
der Elektrotechnik 

Palmer, L. S. (Zenneck), Wireless Prineiples and 
Practice . 

Strecker, Karl (Wi T Gü eh: e P Jahebuch: der 
Elektrotechnik Sa 


Grundzüge 


F. Referate. 


Aiken, C. B. (Zenneck), Eine Präzisionsmethode 
zur Messung hoher Frequenz (Mit 1 Bild im Text) 

Anderson, C. N. (Zenneck), Die Beziehung zwischen 
der transatlantischen drahtlosen Telegraphie mit 
langen Wellen und anderen Erscheinungen, die 
durch die Sonnentätigkeit beeinflußt werden . 

Armstrong, E. H. (Zenneck), Mittel gegen die Wir- 
a arm ospiarisolier Störungen (Mit 4 Bildern im 

ext) = A a re ee a ae a 

Ballantine, St. (Hermanspann), Detektorwirkung 
durch Gitter-Gleichrichtung in einer Hochvakuum- 
Röhre (Mit 2 Bildern im Text) . f . 

Barelss, M., s. Simon, H. 

Beatty, R. T. (Lübcke), Die Stabilität eines Röhren- 
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Belt, T. A. E., und Hoard, `N. (Lübcke), Synchro- 
nisieren von Hochspannungsnetzen mit Vakuum- 
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Cohen, B. S, (L üb cke), Normalgeräte für Telephonie 
und die Prüftechnik von Mikrophonen und Tele- 
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1 Bild im Text). 

Dreher, C. (Zennechk), Kontroll- Vorrichtungen beim 
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Dye. D. W. (Lübcke). Messungen des effektiven 
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Eine neue Endröhre . 

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Hoard, N., s. Belt, A. E. 

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dern im Text) 

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ext.. a sa ae e e a a d 

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Hulburt, E. O. (Zenn Bes: Signale um die Erde her- 
um (Mit 3 Bildern im Text) . 

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Mc Ilvain, K., und Thompson, W. S. (Zi ennec k), "Die 
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119 


234 


#9 


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Anoden-Kapazität von Schirmgitterröhren (Mit 1 
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der Empfangsintensität (Mit 3 Bildern im Text) . 


Seite 


120 
40 


119 


Seite 


119 


236 


233 


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196 


200 


194 
228 
198 
119 

39 


Seite 
Wheeler, H. A. (Zenneck), Die Messung von Röhren- Wright, C. A. und Bowdich, F. T. (Zenneck), Die 
en en ue b Messung der Induktivität von Drosselspulen (Mit 
White, S. J. = on E. T Baier y i 1 Bild im Text) X 
Williams, N. Zennec ie Schutzgitterröhre . : l 
Wilmotte, R. M. (Lübcke). Die Stromverteilung an Zandonini, E, M., s. Jolliffe, C. B. 
einer Sendeantenne . 229 | Literaturübersicht (Z e n neck) 
Sachregister. 
Seit 
Akustik: Magnetomechanische Oszillatoren. Eine An- Elektronen-Röhre: Zwischenstecker für indirekt be- 
wendung der Magnetostriktion zur Erzeugung heizte Wechselstromröhren 

nieder- und hochfrequenter elektrischer Schwin- Elektronen-Röhre: Kraft-Verstärkerröhre RE 604 

gungen, von Schallwellen und zur Messung der Elektronen-Röhre: Das analoge Verhalten eines 

elastischen S a e A Kristalldetektors und einer Vakuum-Röhre . 
akustische Messungen. Neue Hilfsmittel für — — . Elektronen-Röhre: Oszillographische Aufnahmen von 
Antenne. Die Stromverteilung auf einer Sende- — . 229 Röhrencharakteristiken ESS 
Antennen. Beitrag zur Beschreibung des Interferenz- Elektronen-Röhre: Eine Brücke Jit "Messung der 

gebietes in der Nähe von Empfanes- —. . . 16! direkten Röhrenkapazitäten : 

Atmosphäre. lonisation in der oberen Erd- — 78 | Eliektronen-Röhre: Die Messung von Röhrenkapazitäten 
Atmosphäre: Der Ursprung des Nordlichtes 78 durch eine Transformatorenschaltung . 
Atmosphärenschicht Messungen der effektiven Höhe Elektronen-Röhre: Die Schutzgitter-Röhre . 

der leitenden — und die Störunz am 19. Aue. 1927 192 | Fiektronen-Röhre: Eine neue Lautsprecherröhre 
en Ara un a a au a Elektronen-Röhre: Eine neue Endröhre . ; 

schen Aufnahme der Zwischenintensität von draht- 

Josen. Stationen und von — — 2 | Elektronem-Röhre:, Syuchronisierune von Hochspan 
atmosphärischer Störungen, Mittel gegen die Wirkung 190 Flekt & Röhre: De durch: Gitter- 
Atmosphärische Störungen s. auch Ausbreitung 2 ee ne BR Hoch k ah 
Ausbretungsvorgänse Untersuchungen über die — | manema, Eine Brückenmeihnde Sur Messung 

ultrakurzer ellen . Pu Tee y = 3 A ] 
Ausbreitung der kurzen Wellen ‚Über die. ER N ee zwischen den Elektroden einer 

bei kleiner Leistung im 1000 Kilometer-Bereich . 85 s E Te O E T 
Ausbreitung Die — von elektromagnetischen Wellen Elektronen-Röhre: Gasgefüllte Glühkathodenröhren 

in einem inhomogenen Medium vom Charakter der Elektronen-Röhre: Über die Messung der Citter-Ano- 

Heavisideschicht . . 234 den-Kapazität von Schirmgitterröhren . 
Ausbreitung: Wellen-Induktion in der drahtlosen Tele- Elektronen-Röhre: Ein kompensiertes Röhrenvoltmeter 

graphie . . 15 | Elektronen-Röhre: Detektorwirkung der Doppelgitter- 
Ausbreitung: Die Beziehung” zwischen der transatlan- röhre DR e eg 

tischen drahtlosen Telegraphie mit langen Wellen Elektronen-Röhre: Direkt gekoppelter Detektor und 

und anderen Erscheinungen, die durch die Ionen- Verstärker mit automatischer Gittervorspannung 

tätigkeit beeinflußt werden. . 38 | Empfang Über den verzerrungsfreien — einer modt- 
Ausbreitung: Abhängirkeit der Reichweite sehr kur- lierten Welle und seine Beziehung zur Selek- 

zer Wellen von der Höhe des Senders über der tivität des Empfängers . 

Erde. 3 52 | Empfane sehr kurzer Wellen. Rechteckige Wedo 
Ausbreitung: Bemerkung zu der Arbeit von 1. Fuchs: mung von Resonanzkurven nach einem neuen 
Das Verhalten kurzer Wellen in unmittelbarer Nähe Prinzip und ihre Anwendung beim — — -- — 
des Senders . 66 | Empfang: Ein Apparat zur automatischen Aufnahme 

Ausbreitung: Die Polarisation der Wellen in der draht- der Zeichenintensität von drahtlosen Stationen und 
losen Telegraphie 79 von atmosphärischen Störungen ee. 

Ausbreitung: Beitrag zur Beschreibunr des Interferenz- Empfanesintensität. Automatische Regelung der — 
gebietes in der Nähe von Fmpfangs-Antennen 161 | Empfanesintensität Über die Beziehungen der — zu 

Ausbreitung: Die unmittelbare Messung von Entfer- Lufttemperatur und Luftdruck . . , 
nungen durch elektrische Wellen . 181 | Empfänger: Das Problem der ökonomischten Viel- 

Ausbreitung: Signale um die Erde herum. . 100 fachtransponierung . a Q u. 

Ausbreitung: Kurzwellen-Echos am Nordlicht . 189 Empfänger: Über Superregeneration 

Ausbreltimg: Über die Beziehungen der Empfangs- Endröhre. Eine neue — re 

intensität zu Lufttemperatur und Luftdruck 157 | Erzeugung kürzester elektrischer Wellen Die ee E 
Bordpeilempfänger Der — im Flugzeug . . 92 u. 132 mit Elektronenröhren . . 27, 66 u. 
Dickenänderunzen Beobachtung und Registrierung Erzeugung kurzer elektrischer Wellen Zum Problem 

von — dünner Drähte . ee ee nr 17 der — — — — durch Bremsfelder . . 

Drosseln Untersuchung an — mit geschlossenem Erzeugung nieder- und hochirequenter elektrischer 

Hypernik-Kern . f sl Schwingungen Magnetomechanische Oszillatoren . 
Detektors Das analoge. Verhalten eines Kristall- — Frequenz Über die Unstabilität der — der Röhren- 

und einer Vakuumröhre . . ..  JJ9 generatoren und deren Stabilisation ee 
Detektorwirkung — der Doppelgitterröhre . . 200 | Frequenz. Fine Präzisionsmethode zur Messung 
Detektorwirkung — durch Gitter-Gleichrichtung in hoher — Ve a a 

einer Hochvakuum-Röhre : 235 | Frequenz. Präzisionsmessung der — 
Detektor Direkt gekoppelter — und Verstärker mit Frequenznormalen Internationale Vergleichungen "von 

automatischer Gittervorspannung . 235 — für elektrische Schwingungen . 

Elektrometer Ein einfaches Goldblatt- — für Hoch- Frequenzwandler. Beseitigung der Nebenfrequenzen 

frequenzmessungen . 229 beim statischen — . ; l u. 
Elektronenröhren. Die Feldkräfte auf die "Glühdrähte Flugzeug. Der Bordpeilempfänger. im. — u, 

von — 3 80 | Flugzeug: Direktzeigendes funkentelegraphisches Peil- 
Elektronenröhre "Umgekehrte — mit Spannungs- verfahren es A : 
reduktion j 196 | Gasgefüllte Glühkathodenröhren . NR 
Elektronen-Röhren. Die Erzeugung. kürzester elektri- Gitter-Gleichrichtung Detektorwirkung durch — in 
scher Wellen mit — A i . 27, 66 u. 101 einer Hochvakuum-Röhre ; 


Seite 


199 


119 


157 


195 
101 
128 
117 

55 


119 
193 


176 


41 
132 


138 
232 


235 


Gleichrichter: Die deutsche Raython-Röhre : 
‘ Gleichrichter-Anlage Hochfrequenz- — mit automa- 
tischer Konstanthaltung der Gleichspannung 

Glimmlichtgleichrichter. Neue — . Tu 

Heaviside-Schicht s. Ausbreitung. 

Hochirequenz-Gleichrichter-Anlage mit 'automatischer 
Konstanthaltung der Gleichspannung í 

Hypernik-Kern, Untersuchungen an Drosseln mit ge- 
schlossenem — . 2 ß 

Induktivität Die Messung der — von Drosselspulen 

Interterenzgebietes Beitrag zur Beschreibung des — 
in der Nähe von Empfangs-Antennen . 


Isolatoren Zur Konstruktion von — für drahtlose 
Telegraphie 

Kapazitäten. Eine Brücke zur Messung der „direkten 
Röhren“- — . 

Kapazitäten Die Messung von Röhren- m. “durch eine 


Transformatorenschaltung . 
Kapazität Über die Messung der "Gitter-Anoden- — 
von Schirmgitterröhren ß io oy 
Kerr-Effekt Der — in Wasser bei Hochfreauenz . 
Kondensatoren Messungen des effektiven Widerstan- 
des von — bei Hochfreauenz . . Dr 
Kontroll-Vorrichtungen beim Rundfunk- Betrieb. 
kurzer Wellen. Untersuchungen über die Ausbrei- 
tungsvorgänge ultra- — — 
kurzer Wellen Abhängigkeit der. Reichweite sehr 
— — von der Höhe des Senders über der Erde . 
kurzer Wellen Bemerkung zu der Arbeit von J. 
Fuchs: Das Verhalten — — in unmittelbarer 
Nähe des Senders. . i 
kurzen Wellen Über die Ausbreitung der — — bei 
kleiner Leistung im 1000 Kilometer-Bereich 
kurze Wellen. Die Selbsterregungsbedingungen 
Rückkopplungsröhrensendern für sehr — — 
kurzer Wellen. Rechteckige Verformung von Reso- 
nanzkurven nach einem neuen Prinzip und ihre 
Anwendung beim Empfang sehr — — . . . 
Kurzwellen-Echos am Nordlicht . . 
kurzer elektrischer Wellen Zum Probelm der Er- 
zeugung — — — durch Premsfelder . in y 
kürzester elektrischer Wellen Die Erzeugung — — — 
mit Elektronenröhren 2 Ser 


bei 


Lautsprecherröhre. Eine neue — u 

Literatur über drahtlose Telegraphie im Luftfahrt- 
wesen A a e Gg ; 

Literaturübersicht 

Luftfahrtwesen. Literatur über drahtlose Telerraphie 


im — PER . 
Magnetostriktion Magnetomechanische Oszillatoren. 
Fine Anwendung der — zur Erzeugung nieder- und 
hochfreauenter elektrischer Schwingungen. von 
Schallwellen vnd zur Messung der elastischen Kon- 
stanten von Metallen ie I A 
Messune der Feldstärke Die — — — des Rundfunk- 
senders in Philadelphia - 
Messung hoher Frequenz. 
A ee FBF Far 
Messung von Entfernunsen Die "unmittelbare — — — 
durch elektrische Wellen . 
Messung Eine Brücke zur — der 
kapazitäten“ 
Messung Die — von Röhrenkapazitäten “durch eine 
Transformatorenschaltnng 
Messung Die — der Indıktivität von Drosselspilen 
Messungen des effektiven Widerstandes von Konden- 
satoren bei Hochfrequenz 
Messung Eine Brückenmethode zur — “der Impeden- 
zen zwischen den Elektroden einer Röhre . 
Messung Präzisions- — der Frequenz . 
Messung Über die — der Gitter- Anoden- Kapazität 
von Schirmgitterröhren . . 
Messung: Normalreräte für Telephonie und die Prüf- 
technik von Mikrophonen und Telephonen . 
Messung: Beobachtung und Registrierung von Dik- 
kenänderungen dünner Drähte. . Pe er 
Messung: Ein kompensiertes Röhrenvoltmeter . 


Eine Präzisionsmethode 


„direkten Röhren- 


Großdruckerei Paul Dünnhaupt. 


27, 66 u. 


Seite 


196 
121 
145 
121 


8l 
199 


161 
119 
198 
198 


233 
220 


229 


ud 


Messungen. Ein einfaches Goldblatt-Elektrometer für 
Hochfrequenz- — 

Mikrophonen Normalgeräte für Telephonie und. die 
Prüftechnik von — und Telephonen 

modulierten Welie Über den verzerrungsfreien. 
Empfang einer — — 
Selektivität des Empfängers 

Nordlichtes. Der Ursprung des — 

Nordiicht. Kurzwellen-Echos am — . 

Peilung: Der Bordpeilempfänger im Flugzeug. 

wesen en Direkt zeigendes funkentelegraphi- 
sches — . : E" Be E 

Piezo-Flektrizität 

Polarisation der Wellen 
losen Telegraphie 

Radiophon. Das — T 

Raython-Röhre. Die deutsche un a 

Reichweite Abhängigkeit der — sehr kurzer: Wellen 
von der Höhe des Senders über der Erde . 

Resonanzkurven Reckteckige Verformung von — 
nach einem neuen Prinzip und ihre Anwendung 
beim Empfang sehr kurzer Wellen . FOR 

Resonanzverstärkers. Neutralisation des — 

Röhren s. Elektronenröhren. 


Die DPS in der draht- 


Röhrencharakteristiken. Oszillographische Aufnah- 
men von — NES 

Röhrengeneratoren Über die Unstabilität der Fre- 
quenz der — und deren Stabilisation . 

Röhrensenders. Zur Theorie des rückgekoppelten — 

Rökrenverstärkers 


Die Stabilität eines — mit ab- 
gestimmten Kreisen und Rückkopplung . f 
Röhrenvoltmeter. Ein kompensiertes — . 
Rückkopplung s. Elektronen-Röhre. 

Rundfunk-Betrieb. Kontroll-Vorrichtungen beim — . 

Rundfunksenders. Die Messung der Feldstärke des — . 

Rundfiunkwelen. Die aneriodische Verstärkung von — 

Schirmgitterröhren. Über die Messink der Gitter- 
Anoden-Kapazität von — . : A 

Schutzgitterröhre. Die — 

Schwingungen. Einige neue Methoden der Verbindung 
mechanischer und elektrischer — . 

Selektivität des Empfängers. Über den Verzerrungs- 
freien Empfang einer modulierten Welle und seine 
Beziehung zur — — —. aoa 2 2 2000. 

Sender s. auch Rundfunk. 

Signale — um die Erde herum. . 

Sonnentätigkeit Die Beziehunr zwischen. der trans- 
atlantischen drahtlosen Telegraphie mit langen 
Wellen und anderen Erscheinungen, die durch die 
— beeinflußt werden ; 

Stromverteilune Die — auf einer "Sendeantenne- ; 

Superregeneration, Über — 

Synchronisieren — von Hochspannungsnetzen 
Vakuumröhren De ia i 

Telegraphie. Drahtlose — . 

Teiephonen. Normalgeräte für Telephonie und "die 
Prüftechnik von Mikrophonen und — 

Theorie Zur — des rückgekopnelten Röhrensenders 

Verstärkers. Neutralisation des Resonanz- — 

Verstärkers Die Stabilität eines Röhren- — mit ab- 
gestimmten Kreisen und Rückkopplung j 


“mit 


Verstärker. Ein neuer Kraft- — . 

Verstärker Ein — für Oszillographen . . 

Verstärker. Direkt gekoppelter — mit automatischer 
Gittervorspannung . A g 

Verstärker. Die umgekehrte Rlektronenröhre als 


Leistungs- — mit Spannungsreduktion . 
Verstärkerröhre Kraft- — RE 604. . 
Verstärkung Die aperiodische — von Rundfunkwellen 


Vielfachtransponierung. Das Problem der ökono- 
mischten — . Pe g 3 

Wellenausbreitung s. "Ausbreitung. 

Wellen-Induktion — in der drahtlosen Telegraphie 

Widerstandes Messungen des effektiven — von Kon- 
densatoren bei Hochfreauenz . 

Zwischenstecker — für indirekt beheizte Wechsel? 
stromröhren . ao ag Oo O R g 
Köthen i. Anh. 


und seine Beziehung zur 


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| u " Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie 


und Telephonie 


Gegründet 1907 


F s T a E nr 
boars EÈ Banda f 


- Unter Mitarbeit 
von 


Dr. h. c. Graf v. Arco (Berlin), Dr. L. W. Austin (Washington), Postrat Dr. F. Banneitz 
(Berlin), Prof. Dr. H. Barkhausen (Dresden), Dr. W. Burstyn (Berlin), Prof. Dr. A. Esau 
(Jena), Prof. Dr. H. Faßbender (Berlin), Dr. L. de Forest (New-Yoik), Prof. Dr. F. Kiebitz 
(Berlin), Postrat Prof. Dr. G. Leithäuser (Berlin), Dr. S. Loewe (Berlin), Dr. C. Lübben (Berlin), 
Dr. E. Lübcke (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E h. A. Meissner (Berlin), Prof. Dr. H. G. Möller 
(Pamburg), Dr. E.Nesper (Berlin), Dr. B. van der Pol jr. (Eindhoven), Ingenieur Dr. V. Poulsen 
(Kopenhagen), Prof. Dr. L. Pungs (Braunschweig), Dipl.-Ing. B. Rosenbaum (Berlin), 
Dr. K. Rottgardt (Berlin), Prof. Dr. H. Rukop (Köln), Dr. A. Scheibe (Charlottenburg), 
Oberingenieur O. Scheller (Berlin), Prof. Dr. W. Schottky (Berlin), Prof. Dr. A. Sommerfeld 
(München), Dr. F. Trendelenburg (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. M. Wien (Jena), 
Prof. Dr.H. Wigge. (Köthen-Anh.), 


herausgegeben von 
Professor Dr. Dr. ing.E. h. J. Zenneck una Privatdozent Dr. E. Mauz 


Schriftleitung: Dr. E. Mauz 


M:KRAYN 
BERUN-W 


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3 01 S u ee ~ Januar 1929 

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|Zeisehei ür HOCHITGAUENZIEGHNIK 


HUN 


H 29 


AA s. 1-40 
E - Hett., 


Monallich erscheint ein Heft. Abonnementspreis des Bandes (l/, Jahr) RM. 20.—, Freis des 
einzelnen Hefles RM. 3.50. Alle Buchhandlungen sowie die Verlagsbuchhandlung nehmen Be- 
stellungen an. Inserate werden mit RM. —.15 pro mm Höhe und 41mm Breite berechnet. 


Bei Wiederhol E 
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Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m. b. H. 


Berlin, Hallesches Ufer 12 


liefert | 


' Alle für drahtlose Telegraphie und Telephonie erfcrderlichen 
Geräte entsprechend dem neuesten Stand der Technik Bl: 


Vollständige Sende=- und Empfangsanlagen D 
jeder Reichweite für den Nachrichten- und Sicherungsdienst 
im Land=-, See» und Luftverkehr 


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spannungs=- u. Niederspannungsleitungen mittels Hochfrequenz 


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14 Unabhängig von Temperatur- 
Schwankungenistdie Anzeige, 
die Zeiger-Einstellung rasch 
und gut gedämpft. Sicheres 
Abiesen,we:lFadenzeiger und 
Spiegelbogen das Auge nicht 
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Mebkbereiche vereint dieses 
leichte handliche Gerät. Ein 
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Umschaltung. 
Kleinste Mehbereiche: 

30 mA, 150 mV 
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-FRANKFURTmaın 


Band 33 


Januar 1929 


Heft i 


Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie 


‚ Zeitschrii für Nochireguenziechnik 


Seite Seite 
H. Freese: Beseitigung, der Nebenfrequenzen beim statischen © Carl Lübben: Patentschau. (Mit 18 Bildern im ext) ; . 33 
Frequenzwandler. (Mit 16 Bildern im Text) ; 
F. Aigner: Das Problem der ökonomischten Vielfachtran«- ‚ Referate 


ponierung . ; . 9 
Karl Uller: Welleninduktion in der drahtlosen Telegunphie . 15 
F. Gerth und W. Scheppmann: Untersuchungen über die 
INESNDERADES ultrakurzer Welien. Mit 6 Bildern 
im Text) . 
H. E. Hollmann: Züsammenlassondër Bericht. Die Ereicing 
kürzester elektrischer Wellen mit Elektronenröhren. it 
7 Bildern im Text) . ; ; 27 
G. Eichhorn: Mitteilungen aus der Praxis, Das „Radiophon“. 
(Mit, 4 Bildern im Text) ; j 


C. N. Anderson (J. Zenneck): Die Beziehung zwischen der 
transatlantischen drahtlosen Telegraphie mit langen Wellen 
und anderen S A, die durch mg SONTE TEMESI 


heeinflußl werden . : ; . 38 
H. A. Wheeler (J. Jeun ck): kurmati Regelung der 

Empf.ngsintensität. (Mit 3 Bildern im Text) . 39 
K.McIlvain und W.S. Thompson (J. Zenneck): Die Messung 

der Feldstärke des Rundfunksenders in Philadelphia . 39 
Bücherbesprechungen . f TE ; ; ; : : . 40 


Manuskripte für das Jahrbuch, möglichst mit kiischierfăhigen Figuren versehen, sind an die Schriftleitung Dr. E. Mauz, Frankfurta. M., Physikalisches 
Institut, Robert Mayerstr. 2, zu senden. Die Herren Autoren werden gebeten, eine kurze Zusammenfassnng des wesentlichen Inhalts ihrer Arbelt jedem Manuskript beizufügen. 
Abonnements und Inserate sind zn richten an M. Krayn, Verlagsbuchbandiung Berlin W 10, Geuthiner Straße 39, Postscheck-Konto Berlin 32647. 


Beseitigung der Nebenfreauenzen 
beim statischen Frequenzwandler. 


Von H. Freese’). 


Inhaltsübersicht. 
Einleitung. 


I. Ermittelung der Nebenfrequenzen. 


A) Rechnerischer Weg. 
a) Sekundärkreis. 
b) Tertiärkreis. 
B) Experimenteller Weg. 
1. Meßverfahren. 
a) Apparatur zurFrequenzvervielfachung. 
b) Entdämpfter Wellenmesser. 
c) Braunsche Röhre. 
2. Meßergebnisse. 
a) Sekundärkreis. 
b) Tertiärkreis. 


H. Beseitigung der Nebenirequenzen. 
A) Zusammensetzung von Absorp- 
tionskreisen. 
a) Parallel geschaltete Absorptionskreise. 
b) Gekoppelte Absorptionskreise. 
c) Kontrolle der richtigen Einstellung. 
B) Einfügung der Absorptions- 
kreisein die Schaltung. 
a) Die verschiedenen Anordnungen. 
b) Sekundärkreis. 
c) Tertiärkreis. 
“Zusammenfassung. 


Einleitung. 


Um ohne Benutzung rotierender Maschinen eine 
gegebene Frequenz zu vervielfachen, macht man be- 


kanntlich?) beim statischen Frequenzwandler von dem 
nicht linearen Verlauf der Ferromagnetisierungskurve 
Anwendung. Die scharfe Krümmung dieser Kurve 
hat zur Folge, daß einem sinusförmigen Stromverlauf 
nur ein von der Sinusfiorm stark abweichender 
Spannungsverlauf — bzw. auch umgekehrt — ent- 
sprechen kann. So läßt sich im Frequenztrans- 
formator eine stoßförmige Sekundärspannung her- 
stellen, und an diese legt man einen Schwingungs- 
kreis, der auf ein Vielfaches der Stoßfrequenz ab- 
gestimmt ist. 

Es ist nun klar, daß die vervielfachte Frequenz 
ihrerseits nicht rein sinusförmig sein kann, auch dann 
nicht, wenn die Kreise so abgestimmt sind, daß der 
Stoß selbst keine Komplikationen verursacht (vgl. 
Plendl, Sammer, Zenneck, 1. c.), weil ein 
neuer Anstoß vom Primärkreis her immer erst nach 
einigen Schwingungen erfolgt, in der Zwischenzeit 
jedoch die Amplituden der Sekundärschwingung nach 
Maßgabe der Dämpfung mehr oder weniger absinken. 
Es besteht also eine Amplitudenschwankung, die wie 
jede periodische „Modulation“ auch durch die Exi- 
stenz von Nebenwellen beschrieben werden kann. 

Im folgenden soll nun, sowohl durch Rechnung wie 
durch Versuche gezeigt werden, um welche Fre- 


1) Gekürzte Dissertation der Techn. Hochschule München. 

2) Schmidt, E. T. Z. 4. S. 910. 1923. — Plendl, 
Sammer, Zenneck, Jahrb. f. drahtl. Tel. 27. S.101. 1926. 
— Guillemin, Arch. f. Elekırotechn. 17. S. 17. 1926. — 
Hilpert und Seydel, E. T. Z. 47. S. 433, 472, 1014. 1926. 
48. S. 492. 1927. — Kramar, Jahrb. f, draht. Tel. 32. 
S. 10, 46. 1928. 


2 . NH. Freese: 


quenzen und Intensitäten es sich bei diesen Neben- 
wellen handelt (I) und wie sie eventuell beseitigt 
werden können (II). 
L. Ermittelung der Nebenirequenzen. 
: A. Rechnericher Weg. | 
a) Sekundärkreis. 


Es liege die Schaltung von Bild 1 mit folgenden 
Voraussetzungen vor: 


I I 
Bild 1. 
Schema der Frequenztransformatlon. 

Der Strom iu in Kreis I sei rein sinusförmig: 

in = Jı - sin zt. 
Der Kreis II sei auf ein ungerades Vielfaches der 

Primärfrequenz abgestimmt: 

or =m: wr; Tı=m- Tır; m = ganz, ungerad. 


Die Spannung an der Sekundärseite des Frequenz- 
wandlers sei stoßförmig und die Stoßbreite sei ein 
Optimum, nämlich gleich 1, Tz). 

Die Rückwirkung! sei so gering, daß vw, sich 
während der Stoßhalbperiode nicht ändert?). 

Diese Annahmen ergeben einen Sekundärstrom 
von der Form des Bildes 2. Der analytische Ausdruck 


ld 2. 
Idealisierte Kurvenform des Sekundärstromes. 
dieser Form ist nicht einheitlich für den ganzen Ver- 
lauf, sondern zerfällt in die Teile: 
irr = Ja: e7 * - sin wırt zwischen 0 und !/> 7"; 
. e’ T], . e-% - sin ot » 1/3 T, n 
Diese Funktion werde nach Fourier in die Har- 
monischen der Primärfrequenz zerlegt. 
irre = È an cos nort + ÈX bn -sin nort (F ao +) 

Wenn zur Abkürzung gesetzt wird 

or +n or = (m-n) or = o+; 

orz; — n or = (m — n) v = O=, 
so ergibt sich nach einigen Zwischenrechnungen: 


im === Jo 


A 2Jo 
n = T; xX 
eTl ®t t- | —\ 
+01? | Ho oaea Pr 
anie Ber 
bn = = 
gt Ir 2°: 
eITı, ee a — e of_— è =o 
òH? 34+0_ Fo? ho 


3) Guillemin 1. c, Kramar 1. c. 


Tr. 


m a nn o 
a e —————-[ 


Wird jetzt adh an Stelle von å das logarithmische 
Dekrement d eingeführt, so ist mit 


| 
b=d/Tir=md/Tr: 0m o— mn “ 
| 


Ti 
(1) „tea, ( ze) 
2z(mtn) 2r(m—n) 
mF itm tn? T mi Ferm | 
(2) bes, 1X 
m 3 | m-d 
Fran (mn? (md)? +-4r? mn) 


Die resultierende Schwingung der n. Harmonischen ist 
int = An COS n w7 t + bn sin nog t = Jn sin (n o7 t + on) 


wobei J, = V a? Æ brè; tg Qn = n: bn. 


01357971 "n SPN 


Bild 3. 
Berechnetes Intensitätsspektrum für Verdreifachung. 


Hier interessiert nur die Amplitude Jn der resul- 
tierenden n. Harmonischen. Sie folgt also aus (1) und 
(2) durch Quadrieren und Addieren zu `` 


mòd 


Bamfe 2—I)-J 
Viim- 2472 n? (m + n)?]- [(m d}? (md)? + 47? (m (m—n)? | 


Da weder bei der zahlenmäßigen Auswertung noch 
bei der experimentellen Messung dieser Absolut- 
wert betrachtet werden soll, so sei als Endformel die [ 
relative Stärke der n. Harmonischen auf die der 3} 
m. Harmonischen, also die Nebenfrequenz . auf = 
Nutzfrequenz an 9 
Jn — in 
N ee im 


Ya n Fion m] CH 
[n F 4am FT: (0n D) F ia (mn) 


Diese Größe ist für eine Reihe. von Werten a 
m und d berechnet und prozentual in Bild 3—5 = 


Funktion von = aufgetragen. Bild 3 gilt für 


Verdreifachung der Frequenz (m =3); Bild 4 gilt für 
Verneunfachung (m = 9); Bild 5 gilt für Verfünfzehn- > 
fachung (m = 15). 


mit in/in bezeichnet und damit das Verhältnis der Effektiv- 


*) In den graphischen Darstellungen ist stets die Ordinate [ 
werte gemeint, welche ja im experimentellen Teil gemessen werden, 


` 


Ku R. 


Beseltigung der Nebenfrequenzen beim statischen Frequenzwandler. 3 


Nur die ungradzahlig vielfachen Frequenzen von 
wg haben endliche Intensitäten. Dazwischen würde 
eine diese Maxima verbindende Resonanzkurve — 
von unendlicher Schärfe — dauernd den Wert 0 
haben. Darum sind auch nur die endlichen Maximal- 
werte ohne verbindende Kurve in den Bildern zu 


POR 


l 
100 
e 
EVER 


re yo, 


Bild 4. 
Berechnetes Intensitätsspektrum für Verneunfachung. 


sehen Sie liegen um so höher, je stärker die Dämp- 

fung und je höher die Vervielfachung. 
Für d$=0 ist, wie (3) zeigt 

infim = 0 für alle n + m 

==] für alle a = m. 


Bei völlig ungedämpftem Sekundärkreis würden also 
gar keine Nebenfrequenzen, sondern nur die Nutz- 
frequenz auftreten, vorausgesetzt immer, daß die Ab- 
stimmung des Kreises so gewählt ist, daß beim Stoß 
keine Störungen auftreten. 


e 


orne Di 


Bild 5. 
Berechnetes Intensitätsspektrum für Verfünfzehnfachung. 


~ b) Tertiärkreis. 

Alles bisher Gerechnete bezieht sich auf den Strom 
¿yy des Sekundärkreises in Bild 1. 

Wird nun an diesem Strom abermals ein auf das 
m-fache der Primärfrequenz abgestimmter Kreis Ill 
angekoppelt, so entsteht die Schaltung von Bild 6, 
die der praktischen Anwendung entspricht (II = Ar- 


. beitskreis, III =: Antennenkreis). Jetzt erhebt sich die 


Frage nach Frequenz und Intensität der Nebenwellen 


‚im Tertiärkreis. 


Von vornherein ist Aehnlichkeit mit dem erzwin- 
genden Strom ¿zzu vermuten. Im Intensitätsspektrum 


werden auch hier wie dort nur die ungraden Viel- 
fachen der Grundfrequenz auftreten. Die Größe des 
Stromes ĉn» einer bestimmten n. Harmonischen folgt 
einfach aus der entsprechenden EMK eœn dividiert 
durch die Impedanz Zn, welche der auf die m. Har- 
monische eingestellte Tertiärkreis für die n. Harmo- 
nische hat. Voraussetzung dabei ist, daß die Kopp- 
lung zwischen Sekundär- und Tertiärkreis lose genug 
ist, um eine Rückwirkung des Tertiärkreises auf den 
sekundären unmerklich zu machen. 


ad 


hr M HI 
Bild 6. 


Schema der einstufigen Frequenztransformation mit getrennten 
Arbeits- (II) und Antennenkreis (III). 


Wie beim Sekundärstrom interessiert auch hier 
das Verhältnis in/im, das Verhältnis der Neben- 
frequenz zur Nutzfrequenz. 

Die bisher nicht mit Index versehenen Größen 
injim und d erhalten jetzt den Index II und zum 
Unterschied dagegen die neu zu betrachtenden des 
Tertiärkreises den Index III. 

Das gesuchte Verhältnis ist: 


(4) | (inlim) 111 — (en/em) zur (Zn/&n)ııı 
Darin ist: 
(5) (en! em) IL = 


(in/im)rı-n/m bei induktiver Kopplung von II auf II, 
(infim)sr-1 bei ohmscher Kopplung von II auf Ill, 
(inlin)ım m/n bei kapaziter Kopplung von II auf II. 


Nur der Fall rein ohmscher Kopplung werde verfolgt. 
Das Endergebnis ist dann nach Multiplikation bzw. 
Division mit dem Frequenzverhältnis auch für induk- 
tive und kapazitive Kopplung gültig. 

Um den zweiten Faktor in (4) auf bequeme Form 
zu bringen, werde allgemein die Impedanz durch De- 
krement und Verstimmung ausgedrückt. 


Eu ee 


Der Kreis III mit dem auf die m. Harmonische ab- 
gestimmten L und C bietet also 
der n. Harmonischen einen Widerstand 


w Wmi? 
1 n 22) 
a=} +H) (= On 
der m. Harmonischen einen Widerstand 


Zm =T 


Damit wird: 


Aus (4) bis (6) folgt 
(7) (infim) rrr = (infim) Ir r 
i +) F =] 


worin für (ir/im)rı der Wert aus Gleichung (3) ein- 
zusetzen ist. 


4 H. Freese; 


nn 


Gleichung (7) zeigt: 
Nur für n=m oder auch für dr = œ wird 


(infim) = (infim) ir 
sonst ist immer 
(inlim)rıı < (in im) 


d. h. alle Nebenwellen sind im Tertiärkreis relativ 
zur Hauptwelle schwächer als im Sekundärkreis, und 
zwar bei demselben drsr um so schwächer, je weiter 
sie von der Nutzwelle abliegen. Ist drrr=0, so 
kommen im Tertiärkreis überhaupt keine Nebenwellen 
zur Ausbildung. | 


B. Experimenteller Weg. 


Wie die Rechnung zeigte, steigt die Stärke der 
Nebenwellen mit zunehmender Dämpfung. Beide 
Größen lassen sich durch Versuche bestimmen, 
erstere durch Aussonderung mit Hilfe eines sehr 
selektiven Wellenmessers, letztere durch Aufnahme 
von Oszillogrammen mit der Braunschen Röhre. 
Durch Vergleich der so erhaltenen Spektren und 
Oszillogramme kann man dann prüfen, wie weit die 
Voraussetzungen zutreffen, die den Rechnungen des 
vorigen Abschnitts zugrunde liegen. 


1.Meßverfahren. 
a) Apparatur zur Frequenzvervielfachung. 


Die Bestandteile der Vervielfachungsapparatur 
waren im wesentlichen dieselben, wie sie schon in 
der Arbeit von Plendl, Sammer, Zennek 
(l. c.) beschrieben sind: 

Die Stromquelle ein 5 kVA-Generator der 
AEG, Periodenzahl 500 pro Sekunde. 

Die Induktivitäten große Luftspulen von je 
0,02 oder 0,036 H oder Spulen mit offenem Eisenkern*). 

Die Kapazitäten Papierkondensatoren von 
Siemens & Halske im Primärkreis, Luft, Glas- 
platten- und Glimmerkondensatoren im Sekundär- 
und Tertiärkreis. 

Der Frequenztransformator aus Hoch- 
frequenzblechen von Telefunken ein Ring von 60 mm 
Innen-, 90 mm Außendurchmesser und 50 mm Höhe 
mit 54 Primär-, 53, 26 oder 8 Sekundärwindungen. 

Die Instrumente wie in Abschnitt b) näher 
ausgeführt: Hitzdrahtzeiger von Hartmann & 
Braun, Vakuumthermoelement von Siemens & 
Halske, Drehspul-Galvanometer von Edel- 
mann, im Primärkreis auch ein technisches Dreh- 
eiseninstrument und zur Frequenzkontrolle ein 
Zungenfrequenz-Messer von Hartmann & Braun. 


b) Entdämpfter Wellenmesser. 

Bei der Zusammenstellung des Wellenmesser- 
kreises war in erster Linie folgendes zu beachten. Als 
Grundfrequenz standen 500 Per./Sek. zur Verfügung. 
Die dadurch bedingten großen Induktivitäten bringen 
große Verluste, d. h. starke Dämpfung in den Wellen- 
messerkreis. Andererseits mußten unmittelbar neben 
der Hauptwelle sehr schwache Nebenwellen zu 
messen sein. Bei Vorversuchen zeigt es sich, daß ein 
Wellenmesser mit Luftspulen von 0,04—0,06 H und mit 
Luft- und Glasplatten-Kondensatoren allenfalls noch 
zur Analyse des stark gedämpften Sekundärstromes, 


4) Winter-Günther undZenneck, Phys. Ztschr. 25, 
S, 210, 1924, `.. 


aber nicht mehr zu der des Tertiärstromes ausreichte. 
Es blieb schließlich nichts anderes übrig, als eine 
Entdämpfung durch schwach rückgekoppelten Röhren- 
generator zu versuchen, welche auch mit einem RS 5- 
Rohr von Telefunken bei 2,2 Amp. Heizstrom und 
200 V Anodenspannung gelang. 

Mit der Erreichung hoher Selektivität war gleich- 
zeitig die Empfindlichkeit des Wellenmessers ge- 
steigert, so daß ich hoffte, als Indikator ein Vakuum- 
thermoelement verwenden zu können, um mit einer 
einmaligen Eichung des ganzen Wellenmessers auszu- 
kommen. Die Analyse von Strömen im Tertiärkreis 
verlangte jedoch in den meisten Fällen (besonders des ! 
Abschnitts 11) eine viel höhere Empfindlichkeit, so daß | 
erst die Anwendung eines Detektors (Karborund) | 

Masıch. 
500- 


m -a Te 


Wellenmesser 


Bild 7. 
Wellenmeß- und Eichanordnung. 


diesen Anforderungen genügte. Damit fiel aber auch 

die Möglichkeit einer einmaligen Eichung, weil die 

Konstanz des‘ Detektors nicht für längere Zeiten ge- , 
sichert war. Zudem machte die starke Verschieden- | 
heit der Ordinaten eines Spektrums besonders 

schwach gedämpfter Ströme einen mehrmaligen | 
Wechsel der Empfindlichkeit innerhalb 
einer Meßreihe notwendig und so empfahl sich schon 
aus diesem Grunde die Wiederholung der Eichung 
bei jedem Wechsel der Empfindlichkeit. Als Eich- ; 
kreis diente ein zweiter Röhrengenerator oder für Í 
stärkere Ströme eine 8000 - Perioden - Maschine | 


(Lorenz). 

Die gesamte Wellenmeß- und Eichanordnung zeigt 
Bild 7. Um das Schema möglichst übersichtlich zu 
lassen, sind die Instrumente für © und a direkt in die 
Strombahn hineingezeichnet, deren Strom sie messen. ; 
obwohl das nicht den tatsächlichen Verhältnissen ent- / 


spricht. Sie wurden darum gestrichelt. In Wirklich- 
keit war das Instrument für è je nach Größe dieses 
Stromes durch Präzisionshitzdrahtzeiger von Hart- 
mann & Braun (Meßbereiche bis 0,04; 0,5; 1 und 
6 A) oder durch ein Vakuumthermoelement von 
Siemens & Halske in Verbindung mit einem | 
Edelmann-Galvanometer dargestellt. Das Meß- > 
gerät für a bestand, wie schon erwähnt, aus einem | 
Karborunddetektor, der mit aperiodischem Kreis an ; 
die Induktivität des Wellenmesserkreises angekoppelt 

war. Am Blockkondensator des aperiodischen Kreises 


m mo ee - a l nn o M 


ae eei i a aee ar TI 


z = = SPEER 


lag ein Edelmann- Galvanometer, dessen objektiv 
abgelesener Lichtzeigerausschlag mit a bezeichnet 
werden soll. Durch Umschalter konnte die Koppel- 
spule a mit dem Instrument nacheinander in den zu 
messenden Strom oder in einen der Eichstromkreise 
gelegt werden. Die Kopplung von a auf b ist in 
weiten Grenzen variabel. 

Konstante Betriebsverhältnisse der entdämpfenden 
Röhre vorausgesetzt, hat die Eichung folgende Ab- 
hängigkeiten zu berücksichtigen. 


1. Zusammenhang des Galvanometerausschlags a 
mit dem Strom im Wellenmesserkreis. 

z. Zusammenhang des Stromes im Wellenmesser- 
kreis (Spule 5) mit dem Strom im zu unter- 
suchenden Kreis (Spule a). 


Zu 1. soll den tatsächlichen Verhältnissen ent- 
sprechend angenommen werden, daß bei etwaiger 
Aenderung der Detektor-Empfindlichkeit sich nicht die 
Form dieser Kurve ändert, sondern nur der Maß- 
stab der Stromachse, d. h. eine einmal aufgenom- 
mene Eichkurve hat immer Geltung, wenn man den 
Maßstab der Stromachse mit einem Eichpunkt fest- 
stellt. Das ergibt eine Schar von Eichkurven mit der 
Frequenz als Parameter. Die Lage der einzelnen 
Kurven zu einander ist von der Detektorempfindlich- 
keit unabhängig’). 

Den Zusammenhang 2. bestimmt außer der Fre- 
quenz allein die Kopplung ab. Er ist stets linear, so 
daß also auch mit einem Eichpunkt bei beliebiger 
Frequenz der Maßstab für die ganze Geradenschar 
ermittelt werden kann. 


Aus 1. und 2. folgt, daß der Zusammenhang, auf 
den es schließlich ankommt, nämlich zwischen Aus- 
schlag « und dem Strom i im zu untersuchenden 
Kreis, durch eine Kurvenschar mit der Frequenz als 
Parameter gegeben ist, deren Strommaßstab nur von 
der Detektorempfindlichkeit und der Kopplung ad ab- 
hängt und bei allen — ungewollten oder gewollten — 
Aenderungen dieser beiden Größen mit einem 
einzigen Eichpunkt bei beliebiger Frequenz festzu- 
legen ist. f 

Jetzt bleibt nur noch die Frage, wie die vorher 
geforderte Voraussetzung reproduzierbarer Betriebs- 
verhältnisse der Röhre zu erfüllen ist. Heizstrom und 
Anodenspannung machen keine Schwierigkeiten. 
Anders die Rückkopplung. Sie war induktiv, dem- 
nach frequenzabhängig und sollte für jede Wellen- 
messereinstellung gerade bis knapp an die Selbst- 
erregung herangehen. Als bequemste Lösung zeigte 
sich die Verwendung von Spulen mit offenem Eisen- 
kern). Hier war die Einstellung der Rückkoppelspule 
gut reproduzierbar und konnte auf dem Eisenkern 
markiert werden. 


Schließlich sei noch bemerkt, daß bei der end- 
gültigen Auswertung dieser Messungen in einfacher 
Weise eine kleine Korrektur ermittelt und angebracht 
wurde, welche den ungewollten Einfluß berücksichtigt, 
den eine sehr intensive Harmonische (z. B. die Haupt- 
frequenz) auf die Messung einer bedeutend schwäche- 
ren Nebenwelle um so mehr ausübt, je weniger 
frequenzverschieden beide sind. 


5) Die Kopplung des aperiodischen Kreises an den Wellen- 
ımesserkreis soll immer unverändert bleiben, 
6) Winter-Günther und Zenneck, lc. 


Beseitigung der Nebenfrequenzen beim statischen Frequenzwandler. 5 


nn dd nn ŘŘŘŮ 
a re a un Im 


ce) Braun sche Röhre. 


Die Oszillographie mit der Braunschen Röhre 
erfolgte in der bekannten’) Weise durch Herstellung 
stehender Lissaious-Figuren derart, daß die 
horizontale Ablenkung durch einen Strom der Grund- _ 
frequenz (wz), die vertikale durch einen solchen 
der vervielfachten Frequenz (m-wj) bewerkstelligt 
wurde. Man kann daraus ohne weiteres den zeit- 
lichen Verlauf des Stromes von der vervielfachten 
Kreisfrequenz m- wsdurch Umzeichnen konstruieren’), 
(wie z. B. im Bild 9 a und 8 geschehen ist), wenn der 
Strom von der Grundfrequenz sinusförmig ist. Um 
ihn rein sinusförmig zu bekommen, wurde nicht, wie 
oft üblich, einfach der Primärstrom des Frequenz- 
transformators durch Ablenkungsspulen geschickt, 
denn die ursprüngliche Sinusform dieses Stromes hat, 
wie in früheren experimentellen Arbeiten?) gezeigt 


Bild 8. 
Ablenkungskreis an der Braunschen Röhre. 


wurde, eine deutliche Einbuchtung während der 
sekundären Stöße. Ich legte darum einen besonderen 
Kondensatorkreis für sich an die Maschine, der außer 
C noch einen Ohmschen Spannungsteiler enthielt. 
Die variable Spannung des letzteren und die gesamte 
Kondensatorspannung wurde in hochohmige Ablen- 
Kungsspulen mit 2X 2200 Windungen geschickt, wie 
es in Bild 8 zu sehen ist. Durch beliebige Mischung 
von Ohmscher und kapazitiver Spannung hat man 
es so in der Hand, die Phase der Grundschwingung 
gegen die der Oberschwingung zu verschieben und 
damit der Lissajous-Figur die für die Aufnahme 
günstigste Gestalt zu geben. Die Ordinatenablenkung 
durch die zu untersuchende vervielfachte Frequenz 
war ebenfalls magnetisch, weil die vorhandene Röhre 
keine Kondensatorplatten besaß. Die Ablenkungs- 
spulen waren aus dickem Draht und hatten 2X 90, 
2 X 120 oder 2X 180 Windungen. Sie dienten gleich- 
zeitig zur indirekten, induktiven Kopplung an den 
Wellenmesser, sind also identisch mit Spule a im 
Bild 7. 

Für das Vakuum sorgte die Vakuumanlage des 
Institutes mit Vorpumpe von Siemens-Schuk- 
kert und eine Quecksilberdiffusionspumpe von 
Hanff & Buest. 

Der Elektronenstrahl wurde von einer zwei- 
plattigen Wim shurst- Maschine (40 cm Platten- 
durchmesser) geliefert, durch eine Spule zwischen 
Kathode und Blende gerichtet und durch eine zweite, 


1) Plendl,Sammer,Zenneck, l.c. Hilpert und 
Seydel, 1i. c. Kramar l. c, 

8) Nötig ist es durchaus nicht — jedenfalls nicht für den 
vorliegenden Zweck — ; man sieht an den unmittelbaren Auf- 
nahmen ebensoviel wie an den entzerrten. 

9) Plendl, Sammer, Zenneckl,c., 


6 | H. Freese: 


sehr flache Spule unmittelbar nach Verlassen der 
Blende konzentriert. Durch diese Maßnahme und die 
besondere Form der Kathode ist erreicht worden, daß 
der Fleck auf dem Zinksulfidschirm außerordentlich 
fein wurde, wie es die folgenden Aufnahmen erkennen 


O 1 3 57 9 41151719212325 Oms, 


Bild 9. 
Sekundärkreis schwach gedèm pft, auf Maximalausschlag 
abgestimmt, 


“Bild 9. - Bild 9b. 


Bild 9a 


Bild 9%. 


lassen. Anfängliche Bedenken, den Zinksulfidschirm 
wegen seiner geringen Durchlässigkeit?) (die Auf- 
nahmen mit durchfallendem Licht waren bequemer 
auszuwerten) gegen einen Kalziumwolframatschirm 
zu tauschen, wurden schließlich zugunsten des 
ersteren aufgegeben, als sich herausstellte, daß dieser 
.nur sein geeignetes Plattenmaterial benötigte!®). Die 
hochempfindlichen Hauff-Ultra und Herzog- 
Ortho-Isodux mit 21°- und 23°-Scheiner versagten 
gegenüber der grünen Lumineszenz des Zinksulfids, 
wogegen die mit nur 16 bis 17°-Scheiner angegebene 
Perutz:- Perorto-Grünsiegelplatte gerade in diesem 
Farbgebiet ausgezeichnet arbeitete und im normalen 


10) Vgl. Zenneck. Phys. Ztschr. 10, S. 377, 1909. 


käuflichen Zustand ohne weitere Sensibilisierung denn | 
auch ausschließlich verwendet wurde. Der Aufnahme- ‘ï 
apparat hatte ein Busch objektiv .mit dem Oefi- 
nungsverhältnis 1:2. Die Belichtungszeiten für die 
gezeigten Oszillogramme betrugen normalerweise 2 
bis 3 Sekunden. 


2.MeßBergebnisse. 
a) Sekundärkreis. 

Wie bei der Durchrechnung soll zunächst der 
Sekundärkreis in der einfachen Schaltung von Bild 1 
untersucht werden. Man denke sich also die Spule a 
in Bild 7 und 8 als einen Teil der sekundären Induk- 
tivität, wie es die zu jedem Spektrum gezeichneten 
Schaltschemen ia auch zeigen, in denen übrigens der 
Primärkreis grundsätzlich weggelassen wurde. 

In den Spektren sind immer nur die Spitzenpunkte 
der einzelnen Resonanzmaxima eingezeichnet, weil 


Bild 10b. 


Bild 10a. 


nur diese gemessen wurden. Zwischen ihnen muß 
man sich die Täler jedesmal bis zur Abszissenachse 
heruntergehend vorstellen, wie es der in Abschnitt B 
1b erwähnten Korrektur entspricht. Die Punkte mit 
leerem Kreis O stellen dann den Strom des Oszillo- 
gramms a dar, welcher bei dem jeweils eingezeich- 
neten Schaltschema ohne weitere Zusätze zustande 
kam. Die Punkte mit vollem Kreis © bedeuten die 
Analyse des Oszillogramms b, welches entsteht, wenn 
an den Punkten p des Schaltschemas Absorptions- 
kreise liegen, worüber im Abschnitt II zu reden sein 
wird. Hier im Abschnitt I sind also nur die Punkte O 
und die Öszillogramme a zu betrachten. 


Bild 9 gibt die Ergebnisse bei möglichst schwacher, 
Bild 10 die bei absichtlich verstärkter Dämpfung des . 
Sekundärkreises; mit Bild 5 haben Bild 9 und 10 die | 
Erscheinung gemeinsam, daß tatsächlich 

1. alle Nebenfrequenzen mit zunehmender Dämp- 

fung an Intensität zunehmen, 


Beseitigung der Nebenfrequenzen beim statischen Frequenzwandler. 7 


— 


O 1 3 57 9 18151719212325 wm, 


Bild 11. 
Sekundärkreis schwach gedämpft, auf kleinere Frequenz: 
abgestimmt. 


Bild 1la. Bild 11b. 


O 1 3 5 7 9 1113151719212325 Om 


Bild 12. 
Sekundärkreis schwach gedämpft, auf größere Frequenz 
abgestimmt. 


Bild 12a. 


2. die tieferen Nebenfrequenzen bei allen Dämp- 

fungen stärker sind als die höheren. 

Wie schon experimentell!) und rechnerisch?) 
länger bekannt ist, beeinflußt die Abstimmung des 
sekundären Kreises stark die Kurvenform, z. B. bei 
Verdreifachung und Verfünffachung wurde gezeigt, 


Bild 12b. 


1) Plendi, Sammer, Zenneck,l.c. 
12) Guillemin, l. c. 


daß der Sekundärkreis zweckmäßig auf eine etwas 
kleinere Frequenz als die des maximalen Ausschlags 
abgestimmt wird, wogegen gerade für Verfünfzehn- 
fachung festgestellt wurde, daß die Stoßbreite mit der 
halben Periode der Oberschwingung gut zusammen- 
paßt und daß der reinste Kurvenverlauf bei Abstim- 
mung auf Maximalausschlag zu erreichen ist. Meine 
Aufnahmen von der Verfünfzehnfachung zeigen, daß 
letzteres auch für meine Anordnung zutrifft: Während 
bei Bild 9 und 10 der Sekundärkreis auf Maximal- 
ausschlag eingestellt war, zeigt Bild 11 die Abstim- 
mung auf kleinere Frequenz, Bild 12 die Abstimmung 
auf größere Frequenz. wə soll die Einstellung für 


- 


7 


o 
wd 
G9 
(n 
N 
© 
S 
a 
a 

w I 
B 
N 
x 


Tertiärkreis schwach gedämpft, auf Maximalausschlag abgestimmt, 
fest an II gekoppelt. | | 


Bild 13a. Bild 13b. 


maximalen Ausschlag bedeuten. Der Schwerpunkt 
des Intensitätsspektrums verschiebt sich etwas im 
Sinne der Abstimmung. Sonst treten selbst bei dem 
ziemlich scharfen Knick in Oszillogramm 12a weiter 
keine Besonderheiten auf. 


b) Tertiärkreis. 


‚Geht man von Schaltbild 1 auf 6 über und unter- 
sucht nun: den Tertiärstrom ebenso wie ĉžzz in Bild 9, 
so erhält man Bild 13 für schwache und Bild 14 für 
starke Dämpfung des Tertiärkreises. Wie bisher sind 
wieder nur die Punkte O und die Oszillogramme «a 
zu betrachten, ebenso in den für diesen Abschnitt 
noch folgenden Bildern. Zunächst fällt in Bild 13 und 
14 die Umkehrung des Intensitätsverhältnisses von 
13. und 17. Harmonischer auf. Das kommt daher, daß 
Il induktiv an II gekoppelt war (siehe Abschnitt 
Ab). Bei Berücksic':tigung dieses Sachverhalts wird 
dann die Rechnung dahin bestätigt, daß die Stärke der 
13. und 17. Nebenwelle etwa auf das òzzzfache sinken. 


Aus den Schaltskizzen zu Bild 13 und 14 ist zu 
ersehen, daß hier III direkt an II gekoppelt war, und 


"8 H. Freese: Beseitigung der Nebenfrequenzen beim statischen Frequenzwandler. 


0O 1 3 57 91113151719 212325 Ms, 


Bild 14. 
Tertiärkreis stark gedämpft, auf Maximalausschlag abgestimmt, 
fest an II gekoppelt. 


- Bild 14a. Bild 14b. 


EERE EE TEETE- Oto, 


Bild 15. 
Tertiärkreis stark gedämpft, auf Maximalausschlag geimi 
lose an II gekoppelt. 


Bild 15a. Bild 15b. 


zwar war die Kopplung so fest, daß das Verhältnis 


0 = 
für 14 0 


2 
310’ betrug. Wird die Kopp- 


irfirırfür 13 = 


- bei denen irrfirm = 


lung loser gemacht, so entstehen die Bilder 15 und 16, 


400 
bezw. — u war. Zwecks leich- 


0 

40 38 
terer Variation war die Koppelung hier außerdem 
indirekt gewählt. | 


Bild 16 ist nun aber nicht, das muß besonders 
betont werden, aus 15 wie 14 aus 13 durch Vergrößern 
der Dämpfung hervorgegangen. Vielmehr ist sowohl 
15 wie 16 mit demselbendrrzaufgenommen worden-wie 
14, nämlich mit etwa 130 Q rein Ohmschen Zusatz- 
widerstand, bestehend aus dem NHitzdrahtstrom- 
zeiger für 0-40 mA. Der Unterschied liegt in der 


ing 


en r 0 EEE — o nn EEE, „EEE, ee AA meee a — pp a yp a, , Á — 


O 1 3 57 9 1 B151719212325 m, 


Bild 16. 
Tertiärkreis stark gedämpft, auf kleinere Frequenz abgestimmt, 
lose an II gekoppelt. 


Bıld 16a. Bild 16b. 


Abstimmung. In Bild 15 sieht man, obwohl die Abstim- 
mung wie in Bild 14 in II und III auf Maximalaus- 
schlag eingestellt wurde, daß die 17. Harmonische 
über dreimal größer ist als die 13. Um wieder ein 
ähnliches Verhältnis wie in Bild 14 zu erhalten, muß 
man III auf kleinere Frequenz einstellen, und das ist 
in Bild 16 geschehen, und zwar um soviel, daß bei 
konstantem Sekundärstrom und konstanter Koppelung 
zwischen II und III der Tertiärstrom durch die Ver- 
stimmung von 40 auf 35 mA sank. Diese veränderte 
Abstimmung des Tertiärkreises hat ihre Bedeutung 
vor allem für die Wirkung der Absorptionskreise, und 
darum soll erst am Schluß des Abschnittes II noch 
einmal darauf eingegangen werden. 


(Eingegangen am 13. August 1928.) 
(Schluß folgt.) 


|. m m nn 
—— u ii. ” ac Dar = ei Rocca 


F. Aigner: Das Problem der ökonomischten Vielfachtransponierung. 9 


Das Problem | 
der ökonomischten Vielfachtransponierung. 


Von F. Aigner, Wien. 


Uebersicht. 


Ein Selektionsvergleich zwischen Neutrodyn- und 
Transponierungsgerät sichert aus Gründen prak- 
tischer Natur letzterem den Vorzug. Es wird daher 
nach Methoden gesucht, die es gestatten, durch mög- 
lichst ökonomisch durchgeführten vielfachen Wellen- 
wechsel die Stufenzahl auch von Großempfängern für 
jede feste Welle leicht innerhalb der praktischen 
Stabilisierungsgrenze halten zu können. Endlich wird 
noch ein Wellenwechselverfahren behandelt, 
Radioempfänger von bisher nicht erreichbarer Trenn- 
schärfe liefert, ohne daß hierdurch einerseits das für 
eine vorgegebene Telegraphiergeschwindigkeit er- 
forderliche Dekrement, noch auch andererseits das 
für Rundfunkzwecke notwendige akustische Dekre- 
ment unterschritten wird. 


Inhaltsangabe: 
A) Einleitung. 
13) Apparate mit normaler Selektion. 
a) Problemlösung für modulierte Wellen mit Hilfe 
zweier fest schwingender Lokalfrequenzen. 
b) Problemlösung für modulierte Wellen mit Hilfe 
eines fest schwingenden Oberwellengenerators. 


C) Apparate mit erhöhter Trennschärfe. 

. a) Problemlösung für unmodulierte Wellen mit 
Hilfe einer fest schwingenden Lokalfrequenz 
unter Zuhilfenahme der Frequenzverviel- 
fachung. 

I) Problemlösung für modulierte Wellen mit Hilfe 
einer fest schwingenden Lokalfrequenz unter 
Zuhilfenahme spezieller Helmholtz scher 
Kombinationsschwingungen. 


A. Einleitung. 


Bevor das Thema einer Vielfachtransponierung 
eine in praktischer Hinsicht zu rechtfertigende Unter- 
suchungswürdigkeit gewinnt, muß vorerst festgestellt 
werden, ob und in welchen Belangen der gegen- 
wärtige Einfachtransponierungsempfänger andere 
Apparatenkonstruktionen übertrifft. Hier kommt offen- 
bar lediglich ein Vergleich mit dem sogenannten 
Neutrodyn - Apparat in Frage, der die ankommenden 
Wellen in stabilisierten Hochfrequenzverstärkern in 
mehreren Stufen auf die erforderlichen Amplituden 
bringt. 


Selektionsvergleich zwischen 
Neutrodyn- und Transponierungs- 
Apparat. 


Bezüglich der Selektionseigenschaften dieser 
beiden Apparatetypen ist die irrige Meinung, daß ein 
Super aus rein theoretischen Gründen selektiver sein 
müsse als ein Neutrodyngerät gleicher Kreisanzahl, 
viel verbreitet. 

Daß dies nicht der Fall ist, sondern bei richtig ge- 
bauten Apparaten die theoretische Selektion in beiden 
Fällen genau gleich groß ist, zeigen folgende Ueber- 
legungen: 


das. 


Es sei ng die variable Frequenz des Lokalgenera- 
tors im Transponierungseingang, nf die Frequenz der 
Fernwelle; dann stellt 


Nnf—hyg = ha (1) 


die Differenzfrequenz als Helmholtz sche Kombi- 
nationsschwingung dar, wobei im Sinne des Super- 
prinzipes in Gleichung (1) na die kleinste Frequenz 
ist. Bedeutet,x eine positive Zahl größer als Null, 
so gilt infolge der-bei der Transponierung erfolgten 
Wellenstreckung ganz allgemein. daß 


nf = £a. (2) 


Die Trägerfrequenzen der rechts und links »#f un- 
mittelbar benachbarten Telephoniestationen lauten 


12. (3) 


wenn 2 A = 10.000 Hertz gesetzt wird, da nach inter- 
nationalen Vereinbarungen die Telephoniestationen 
Trägerfrequenzen besitzen, die gegenwärtig ein ganz- 
zahliges Vielfaches von 2A sind. Berechnet man be- 
züglich dieser Nachbarsender die prozentuale Ver- 
stimmung vor und nach der Transponierung, so ist 
leicht er sichtlich, daß diese Verstimmung für na «-mal 
größer ist als für xs. Denn es gilt: 
4 =2A)— 200 d 

(nf > nf _ 200 or, (4) 


hoo. 


np 


und 


100. C 2D — na 
nad 4 


200 ' 
=. 20: (5) 


‚0 j 
Wa hf 


Die hier errechnete x-fache Selektion des Supers ist 
jedoch bloß eine scheinbare. Denn für Telephonie- 
Empfänger gibt es hinsichtlich der akustisch zulässigen 
Kreisdämpfung den physiologischen Dämpfungs- 
faktor ô!) 

ò =n- Ò, (6) 


wobei » die Trägerfrequenz und ð das log. Dekre- 
ment des Abstimmkreises darstellt, das nicht unter- 
schritten werden darf, da sonst die hohen Modu- 
lationsfrequenzen gegenüber den tiefen bereits be- 
nachteiligt werden. Diese physiologische Konstante 
ô ergibt sich nach bisherigen rohen Feststellungen?) 
zu ungefähr 

(6a) 


Berechnet man nach Gleichung (6a) das zu einem Neu- 
trodyn-Apparat gehörige log. Dekrement əş und eben- 
so das zu einem Super gehörige Va, so ergibt sich: 


= n. 108 sec, 


— const = nf: Of = na da (7) 
oder 
Ua Ra 
Na u Pe R (8) 


1) F. Aigner, „Ist nach dem gegenwärtigen Stand von Wissen- 
schaft und Technik die Konstruktion eines elektrischen Fernsehers 
durchführbar?“ Ztschr. für Hochfrequenztechnik, 25, S. 57, 1925, 

2) Hier fehlen bisher leider exakte Messungen. 


10 


un nn a nn I NE I nn 


und demnach 


FA = X. Ü pe (8a) 


Das heißt aber, der Zwischenfrequenzkreis hat eine 
x-mal größere Dämpfung zu bekommen als der Fern- 
wellenkreis, was d.n früher errechneten Selektions- 
gewinn des Supers gerade kompensiert. 

Noch übersichtlicher wird die Störung von Nach- 


barstationen in einem Kreis bestimmter Dämpfung 
durch die Einführung der Resonanzschärfe R 
JU M IT 


was unter sinngemäßer Anwendung der bisher ge- 
wählten Indizes liefert: 


R; =z- Ra. (10) 


Die Gleichungen (£a) und (10) besagen. daß der Fern- 
wellenkreis eine x-mal größere Resonanzschärfe er- 
halten kann als der x-mal längere Zwischenfrequenz- 
kreis, ohne daß sich in der akustischen Uebertragungs- 
güte etwas öndert. Daher liefert ein Störer mit 
x-facher Verstimmung für den Zwischenfrequsnzkreis 
genau die gleichen Verhältnisse wie für einen x-mal 
schärferen Fernwel'enkreis für eine blcß 1/æ ver- 
stimmte Störung. Es ist demnach bei gleicher Kreis- 
anzahl die Selektion von Neutrodyn und Suner, falls 
beide unter Beachtung der akustischen Forderungen 
gebaut sind, genau gleich groß. 

Allerdings ist dieses theoretische Resultat in der 
Praxis für ein Neutrodyngerät nicht ohne weiteres 
zutreffend. Denn hier handelt es sich im wesent- 
lichen darum. ob bei vorgegebener Selektion und da- 
mit theoretisch vorgegebener Kreisanzahl sich die er- 
rechnete mittlere Kreisdämpfung auch praktisch er- 
reichen läßt. Dies ist nun im mittleren Rundfunk- 
gebiet zwischen 200 bis 600 Meter für einen einzelnen 
Kreis durchaus nicht der Fall. Denn berechnet man 
ganz roh unter Berücksichtigung von (6a) für eine 
300-m-Welle das geforderte log. Dekrement 9... eines 
solchen Kreises, so ergibt sich: 


st:10? 
Fon = 706 08° = 7:10. (1 1) 
Für den zulässigen Verlustwiderstand W gilt: 
, W 
Pao m, SE —=n.10"°. (12) 


Der Selbstinduktionskoeffizient L der Abstimmspule 
ist bei einem Drehkondensator von maximal 500 cm 
Kapazität für den Rundfunkbereich zwischen 200 bis 
600 m 


L = 2: 10? Henry. (13) 
Aus (12) folgt demnach 
W—=2an L-10-3 = 1,3 Ohm. (14) 


Soll demnach ein einzelner Kreis die kleinste akustisch 
zulässige Dämpfung erhalten, so darf sein gesamter 
Verlustwiderstand bei 300 m Welle nicht mehr als 
1,3 Ohm betragen. Nun ist aber der Verlustwider- 
stand der besten heute im Handel befindlichen Dreh- 
kondensatoren rund Y» Ohm, während der Verlust- 
widerstand sorgfältig hergestellter Spulen normaler 
Abmessungen von 2,10-* Henry bei 300 m Wellen- 
länge rund 8 Ohm ausmacht. Es ist somit ersichtlich. 


F. Aigner: 


daß der geforderte Minimalwiderstand weit über- 
schritten wird. Noch wesentlich ungünstiger liegen 
die Verhältnisse für das Kurzwellengebiet infolge der 
daselbst dominierenden Stromverdrängung. Man muß 
daher beim Entwurf eines Neutrodyngerätes mit dem 
praktisch erzielbaren Minimalverlust eines Einzel- 
kreises als dem Primären rechnen, um für eine vor- 
geschriebene Selektion daraus die erforderliche An- 
zahl von Kreisen zu ermitteln. Legt man etwa eine 
Selektion zugrunde, die sich ergibt, wenn bei 8000 
Hertz Verstimmung die Amplitude auf 1% ihres Reso 
nanzwertes abfallen soll, was noch eine brauchbarc 
Musikwiedergabe liefert, so erfordert dies bereits 
einen dreikreisigen Neutrodynempfänger?). Würde 
man hingegen im Interesse einer besseren Musik- 
wiedergabe für die genannte Verstimmung bloß eine 


1 
Amplitudenschwächung von V? zulassen und dabei 


die frühere Selektion verlangen, so müßte bereits die 
Zahl der Kreise drei übersteigen. Das heißt mit 
anderen Worten, es ist die theoretisch mögliche mini- 
male Kreisanzahl praktisch nicht zu erzielen. Dies 
ist erst für Wellen von etwa 1,5 km aufwärts mög- 
lich, also erst fir Wellenlängen, mit denen ein Trans- 
ponierungsgerät arbeitet. Hierin liegt eine prinzi- 
pielle Ueberlegenheit des Ueberlagerungsempfängers 
ganz abgesehen vom Vorteil seiner fest abgestimmten 
Kreise und der mit beiden Momenten zusammen- 
hängenden wirksameren Verstärkung pro Stufe. 

Als Nachteil wird dem Super häufig eine geringe 
Antennenselektivität vorgeworfen. sowie der Um- 
stand als äußerst lästig hervorgehoben, daß infolge 
der Beziehung 

ng -— N, = a (15) 
hf, —- ng = ha 


zwei Stationen „7, und nf, nicht zu trennen sind. 
Beides läßt sich jedoch durch geschickte Wahl der 
Zwischenfrequenz vermeiden. 

Die Gleichungen (15) liefern durch Addition 


N—n = 2 na. (15a) 
Um demnach eine gute Antennenselektion zu er- 
halten, ist lediglich erforderlich, die Differenz 


möglichst groß zu machen. 
hat daher mit einer möglichst kurzen Zwischen- 
frequenzwelle Aa zu arbeiten, wobei aber nach 
früheren Bemerkungen 


ìa > 1,5 km (15b) 


sein soll. Wählt man etwada =2.5 km, womit man 
den ganzen zukünftigen Rundfunkbereich beherrscht. 
so entspricht dies einem na = 12 kHz. Dies liefert 
unter Berücksichtigung von (15a) für n, den Wert 


N, = Nf + 24.24. 


d. h. erst der 24. Nachbarsender des jeweils ein- 
gestellten Senders ns, liefert die gleiche Zwischen- 
frequenz. Daß es dabei zu keinem Empfang des 
soweit abliegenden Störers kommt, dafür genügt in 
der Regel die normale Einkreisselektion des An- 
tennengebildes. 

Damit aber nf, auch unter ungünstigen Verhält- 
nissen nicht stört, kann man einen weiteren sehr ein- 


Fin gut gebauter Super 


3) W., Runge, „Der abgestimmte HIGCHIREQUENZVELSIATKETT, 
Telefunken-Zeitung, 11, S. 50, 1927. 


Bu e e a e a e aan. 


fachen Kunstgriff in der Form anwenden, daß man ^” f, 
durch entsprechende Wahl von na so festlegt, daß 
sämtliche Sender nfs, nach dem internationalen Wellen- 
verteilungsplan überhaupt nicht existieren, sondern 
die n,,-Werte stets in die Mitte zweier möglicher be- 
nachbarter Sender zu liegen kommen. Dies ist so zu 
erreichen: Sind a und b positive ganze Zahlen größer 
als Null, so gilt infolge des Wellenverteilungsplanes 
für die zu empfangenden Sender zf, der Ansatz 


np =a:2 A. (16) 


Die im Sinne der Gleichung (15) auftretenden Stör- 
sender zf, sollen nun nicht existieren, sondern die 
nf, -Werte genau in die Mitte zweier möglicher auf- 
einander folgender Sender zu liegen kommen; daher 
müssen sie die Form haben 


np = (bE 4)-24 (17) 
woraus sich, wenn man b— a =c setzt, 
na = (205 1-5 (18) 


ergibt. Die Zwischenfrequenz hat also als ein un- 
geradzahliges Vielfache von 2500 Hertz gewählt zu 
werden, was immer möglich ist. Sollte trotz dieser 
einfach und kostenlos durchzuführenden Vorsichts- 
ımaßregeln die Eingangsselektion in einem besonders 
ungünstigen Falle ausnahmsweise noch immer nicht 
genügen, so wird für einen solchen Extremfall eine 
einfache Wellenfalle zum Ziele führen‘). Wird über- 
dies noch durch eine geeignete Brückenschaltung 
Rückstrahlungsfreiheit der Antenne bezüglich der 
Generatorfrequenz rn, erzielt, dann ist der Super in 
so vielen Momenten dem Neutrodyngerät überlegen. 
daß eine Studie über Vielfachtransponierung, also 
maximalen Ausbau dieses Prinzipes, durchaus ge- 
rechtfertigt erscheint. 


= Zweck und Ziele 
der Vielfachtransponierung. 


Der Zweck der Vielfachtransponierung ist zunächst 
ein zweifacher. Einmal kann durch die erhöhte Zahl 
von Abstimmkreisen auf festen Wellen die Selektion 
wesentlich erhöht werden, ferner gelingt es viel 
leichter als bei der Einfachtransponierung, die 
Zwischenfrequenzverstärker zu stabilisieren, da der 
mehrmalige Wellenwechsel gestattet, die Stufenzahl 
für eine Zwischenfrequenzverstärkung in einer bau- 
technisch leicht zu beherrschenden Grenze zu halten. 
Bei den heutigen leistungsfähigen Röhren kann über- 
dies der Zwischenfrequenzverstärkerteil des Appa- 
rates in Reflexschaltung gebaut werden, so daß trotz 
des für den Wellenwechsel erforderlichen Mehr- 
aufwandes an Röhren schließlich immer noch ein 
Röhrengewinn gegenüber dem gleichkreisigen Super 
bei Einfachtransponierung resultieren kann. 

Nachdem die Vielfachtransponierung keineswegs 
die heute leichte Bedienbarkeit eines normalen Supers 
erschweren soll, darf ein solches Gerät außer einem 
Transponierungseingang, der die Fernwelle auf eine 
feste Zwischenfrequenz ^, bringt, keinerlei variable 
Abstimmelemente enthalten. 


1) Die beste Lösung liefert eine neutralisierte Vorröhre, da 
sie Selektionserhöhung und Rückstrahlungsfreiheit bedingt, Der 
überwiegende Vorzug einer Vorröhre ist aber der, daB die 
Apparatur mit „ilnearer“ Charakteristik beginnt, somit Störungen 
niederfrequenter Natur als Folgeerscheinungen von Differenz- 
schwingungen aus hochfrequenten Störungen ausgeschlossen sind, 


Das Problem der ökonomischten Vielfachtransponierung. 11 


Das Untersuchungsziel der Frage hinsichtlich der 
Vielfachtransponierung ist ebenfalls ein zweiiaches. 
Zuerst ist im Sinne der Oekonomie die Frage nach 
dem Minimalbedarf von festen Lokalfrequenzen zur 
Erzeugung neuer Zwischenfrequenzen zu beantworten. 
Dieses Problem ist im Abschnitt B behandelt. Ferner 
ist die Frage aufzuwerfen, ob durch Zuhilfenahme 
anderer Prinzipien dem Vielfachtransponierungsgerät 
unter sonstiger Beibehaltung seiner Vorteile nicht 
Eigenschaften, besonders hinsichtlich der Trenn- 
schärfe, gegeben werden können, die gegenwärtig mit 
keiner Apparatur erreichbar sind. Lösungen dieser 
Aufgabe finden sich im Abschnitt C. 


B. Apparate mit normaler Selektion. 


a) Problemlösung für modulierte 
Wellen mit Hilfe zweier 
fest schwingender Lokalfirequenzen. 


Wie schon erwähnt, ist eine praktisch wichtige Be- 
dingung für einen Vielfachtransponierungsempfänger, 
daß seine Bedienung nicht komplizierter wird als 
die eines Einfachtransponierungsgerätes. Demnach 
wird zunächst mit Hilfe eines mit variabler Frequenz 
arbeitenden Transponierungseinganges die erste feste 
Differenzfrequenz „, erzeugt. Diese arbeitet dann 
auf einen ein für alle Male fest eingestellten Appa- 
ratenteil, der unter andern die weiteren Frequenz- 
transformationen zu besorgen hat. Eine triviale und 
bekannte Lösung dieser Aufgabe ist die, jeder neuen 
Zwischenfrequenz einen eigenen Lokalgcenerator zu- 
zuordnen. 

Zweck der folgenden Untersuchungen ist nun der, 
das Minimum der erforderlichen Lokalgeneratoren 
festzulegen. Es ist offenbar, daß zunächst die Zahl 
der schwingenden Lokalgeneratoren die Zahl zwei 
nicht unterschreiten kann. Denn ein Lokalgenerator 
ist im Transponierungseingang erforderlich und für 
weitere Transponierungen unbrauchbar, da er eine 
von der jeweiligen Fernwelle abhängige Frequenz be- 
sitzt, während alle folgenden Transponierungen fest 
eingestellte Lokalwellen benötigen. Von diesem 
variablen Lokalgenerator als unbedingt erforderlich, 
soll in allen weiteren Betrachtungen abgesehen 
werden, denn er bildet lediglich ein Hilfselement für 
die eigentliche Apparatur. Es soll nun die Frage 
untersucht werden, wann und unter welchen Um- 
ständen eine Vielfachtransponierung mit bloß zwei 
fest schwingenden Generatorfrequenzen n, und ns als 
einem offenbaren Minimum möglich ist. 


Als Eingangszwischenfrequenz der Apparatur fun- 
giert n.. Es ist klar, daß mit dieser festen Eingangs- 
frequenz n, und den beiden festen Generatorfrequenzen 
n, und ns nur in der Weise neue und untereinander 
verschiedene Differenzfrequenzen erhalten werden 
können, wenn man eine neue beispielsweise mit Hilfe 
von ns gewonnene Differenzfreouenz %o nunmehr zur 
Gewinnung einer weiteren Differenzfrequenz n, mit 
der anderen festen Generatorfrequenz nr kombiniert, 
das neue ns wiederum mit rn: usw.; man hat daher 
zwischen den Generatoren dauernd zu wechseln. Auf 
diese Art erhält man eine Reihe von Differenz- 
frequenzen, die mit Hilfe von ^s gewonnen werden, 
und eine zweite Reihe, die ihre Entstehung nr ver- 
dankt. Der allgemeine Ansatz für diese beiden Reihen 
lautet, wenn etwa mit ns begonnen wird und k alle 


12 F. Aigner: 


positiven ganzzahligen Werte größer als Null an- 
nehmen kann, folgendermaßen: 


Tabelle Nr. 1 


n,-Reihe | n.-Reihe 
nn, | Nn N, = Nə 
chen a Er 
n — No = Ng Ns —NRng = N4 


np —Nk—1) T k1 


Da n, n, und ns noch willkürlich wählbar sind. 
kann man für obige Reihen zunächst so ziemlich alles 
erhalten, was man will. Die Praxis verlangt jedoch 
folgende leicht zu begründende Einschränkungen: 

1. Um Rückkopplungsgefahren zu begegnen. 
müssen alle neuen Differenzfrequenzen untereinander 
verschieden sein. 

2. Um ein Interferenzpfeifen zu vermeiden, 
müssen einerseits sämtliche Differenzfrequenzen, aben 
auch n, und ns Harmonische einer bestimmten, noch 
frei zu wählenden Grundschwingung ». sein. Dann 
und nur dann ist ein Interferenzpfeifen dieser Schwin- 
gungen untereinander und auch mit den bei den ver- 
schiedenen Transponierungen unvermeidlich ent- 
stehenden Kombinationsschwingungen höherer Ord- 
nung vermeidbar. 

3. Muß gefordert werden, daß die eine der beiden 
Reihen, die, wie sich später zeigen wird, eine fallende 
ist, mit der Differenzfrequenz Null endet (Reflexions- 
sperre). Denn wäre dies nicht der Fall, so würde 
sich diese Reihe so fortsetzen lassen, daB negative 
Werte für die Differenzfrequenzen resultieren; dies 
würde aber physikalisch neue „existierende“ Diffe- 
renzfrequenzen bedeuten, da bei den Helmholtz- 
schen Kombinationsschwingungen durch ein negatives 
Vorzeichen lediglich eine Phasenbestimmung gegeben 
ist. Durch eine solche Fortsetzbarkeit ins Negative 
wäre aber Punkt 1 verletzbar, wie folgendes Beispiel 
zeigt: nı = 50, n, — 160, ns=90 angenommen, würde 
No = + 40 und ng = — 40 liefern. Es muß daher die 
infolge Null-Werdens der fallenden Reihe geforderte 
Reflexionssperre vorhanden sein. 

Es ist ersichtlich, daß die mathematische Ver- 
arbeitung dieser drei aufgestellten Forderungen Be- 
dingung für die drei Werte %4, nr und ns liefert, daß 
aber die allgemeine Lösung ein sehr kompliziertes 
zahlentheoretisches Problem darstellt. Doch kann 
durch entsprechenden Verzicht auf alle Lösungs- 
möglichkeiten, wie sich zeigen wird. die Aufgabe 
wesentlich vereinfacht werden. 

Betrachtet man in Tabelle Nr. 1 die x,- und die ns- 
Reihe und bezeichnet 


NWr—lis = m, (19) 
so wird, wovon man sich durch Zurückrechnen leicht 
überzeugen kann, 


hok—1 = A, + a) 


nok = Ia — (k—1)-m (20) 


und 
Man erhält somit für die mit ungeraden Index 


bezeichneten Differenzschwingungen, also für die r- 
Reihe, eine ansteigende und für die mit geradem Index 


bezeichneten Differenzschwingungen, also für die %s- 
Reihe, eine fallende Reihe. 

Die Forderung 3 nach einer Reflexionssperre ist 
demnach durch die Gleichung erfüllt 


(21) 


Nunmehr ist Forderung (1) für alle Differenz- 
frequenzen mit positivem Vorzeichen zu erfüllen. 
Das Gleichungssystem (20) besagt, daß offenbar 
innerhalb einer Reihe an sich kein Wert dem andern 
gleich wird, sobald m > 0 ist, was bereits aus prak- 
tischen Gründen implizit als selbstverständlich vor- 
ausgesetzt wurde. Wohl aber besteht noch die Mög- 
lichkeit, daß Glieder der einen Reihe sich mit Gliedern 
der anderen Reihe zahlenmäßig decken. Es sind daher 
Kriterien zu suchen, die solche Möglichkeiten aus- 
schließen. 


Ein solches Kriterium ist vorhanden, wenn sich 
die beiden Reihen, von denen die eine fällt, die 
andere steigt, zahlenmäßig nicht überschneiden. Es 
ist demnach eine Speziallösung für die Forderung (1) 
dann sicher gegeben, wenn das größte Glied x» der 
fallenden Reihe kleiner bleibt als das kleinste Glied 
n, der steigenden Reihe. Man erhält demnach als 
eine Sonderlösung, die die Bedingungen (1) und (3) er- 
füllt, zur Bedingungsgleichung (21) noch die weitere 
Bedingung hinzu, daß 


ltr > ha. (22) 


Forderung (2) endlich ist mathematisch dann sicher 
erfüllt, wenn alle auftretenden Zahlen ganze Zahlen 
sind, was immer erreichbar ist, oder wenn alle auf- 
treienden Zahlen ganzzahlige Vielfache irgendeiner 
Zahl sind, was sich ebenfalls unschwer erhalten läßt. 


Als rein zahlenmäßiges Beispiel für die soeben 
erhaltene Speziallösung sei folgendes angeführt: 
n, — 20, u,==41 und ns = 38. 


Tabelle Nr. 2 


n,-Rethe || n,-Reihe 


Nng = 23 Í Ny = 15 


,=236 | nm =12 
=239 | n= 9 
Ny = 32 Nio = 6 
n1=35 Ina 3 
ee 


Die bisher gefundene Lösung genügt zwar den 
gestellten Forderungen, hat jedoch den Nachteil, daß 
der Frequenzumfang der Differenzfrequenzen stets 
ziemlich groB wird. was insbesondere für einen 
Röhren sparenden Zwischenfrequenzreflexverstärker 
unangenehm ist, da hierdurch seine Stabilisierung 
nicht unwesentlich erschwert wird. Auch wäre es 
gerade für eine Zwischenfrequenzreflexverstärkung 
sehr erwünscht, die eine Zwischenfrequenzreihe in 
einen Reflexverstärker so zu verstärken, daß die 
Kurzschlußstellen der kombinierten Abstimmkreise 
dieses Verstärkers Resonanzstellen der anderen in 
einen zweiten Reflexverstärker verstärkten Reihe 
wären, deren Kreisnullstellen wiederum zahlenmäßig 
die zu verstärkenden Frequenzen der anderen Reihe 


—; a 
i ~ -e |, e, 


€ T, a — — = 


darstellen würden. Die Erzielung solcher Verhältnisse 
wäre deshalb sehr wichtig, um eine Verschleppung 
der einzelnen Frequenzen in falsche Röhren zu ver- 
hindern und dadurch die Rückkopplungsgefahr auf ein 
Minimum zu reduzieren. 

Mathematisch formuliert bedingt dieser Wunsch 
zunächst zwei sich überschneidende Reihen. Hier 
gibt es auch tatsächlich eine Speziallösung, die ohne 
einen großen mathematischen Aufwand durch die 
einfache Ueberlegung zu erhalten ist, daß die Forde- 
rung (1) dann sicher erfüllt wird, wenn die eine der 
beiden ineinandergreifenden Reihen für ihre Glieder 
durchwegs gerade, die andere Reihe hingegen durch- 
wegs ungerade Zahlen aufweist. Dies erfordert die 
Erfüllung folgender Gleichungen: 


n =2v’—+1 | 
no = 2 u (23) 
m = 20 


Dabei stellen «x, » und o positive ganze Zahlen größer 
als Null dar. 

Zur Erfüllung der Bedingung (3) bleibt natürlich 
die Gleichung (21) aufrecht. 

Um endlich die Bedingung (2) zu erfüllen, sind 
verschiedene spezialisierende Ansätze möglich. Ein 
einfacher Ansatz für den Fall der kammartig inein- 
andergreifenden Reihen ist etwa der, daß », eine frei 
zu wählende Frequenz darstellt und die übrigen 
Werte der »,-Reihe die aufeinanderfolgenden un- 


geradzahligen Harmonischen von n, sein sollen, 
während die Glieder der »s-Reihe aufeinander- 
folgende geradzahlige Harmonische der gleichen 


Grundschwingung », sein mögen. Man erhält dann 


folgende Reihen: 
Tabelle Nr. 3 


n„-Reihe E 


nr = 2 (k—1).n, 


| n, -Reihe 
n = n | l 
n, — h= Nz = 3 Nı | 


' ns— n3 = 2 (k—2).n, 


Np — Ni N, — ön 


| 


N p— NA k—1) 2k11 (2 k-1)-n, j N Tk] =2 (k—=k) -nı = 0 


a, 


Die bisherigen Forderungen ergeben für 7r, s und 
m folgende Werte: 


Wegen Ns. = 0 wird 


Ns =M kl. (24) 
Da nach Tabelle Nr. 3 
ng p—1 = (2 k— 1) -n (24a) 
ist, so wird 
ns = (2 k—1) n» (24b) 


Ferner 
links, 


hnr = ta FẸ rg == (2 k— 2) n H3 n= (2k 4-1)n, (25) 
also | 


ist laut Tabelle Nr. 3, zweite Gleichung 


n, = (2k 1). (25a) 


Endlich wird laut Gleichung (19) unter Berücksich- 
tigung von (24a) und (25a) 


mM = Nr—Nns = 2 n (26) 


Das Probiem der ökonomischten Vielfachtransponierung. ; 13 


Diese Lösung liefert im ganzen 2 k-Transponie- 
rungen, wovon allerdings die letzte %4 =0 unbrauch- 
bar ist. Ferner wird man zweckmäßig auch əx—ı 
weglassen, da sie gleich zs ist, wie Gleichung (24) 
lehrt. Man erhält daher 2(k—1) Transponierungs- 
frequenzen, die die aufeinanderfolgenden Harmo- 
nischen der Grundschwingung », darstellen. Wählt 
man etwa, um ein Beispiel zu geben, k = 6, so wird 
n, = 13 n, und ns= 11n,, was folgende Reihen liefert: 


Tabelle Nr. 4 


B n „Reihe l n -Reihe 


nn 


ni = N | lln— n =n» = 10n, 


13n;— 10n; = nz = In, | Iln— 3n =n; = 8n 


l3nı;— 8n; = n; = õn; E 


| Ilm — õn =n = ôn 
nn m 


l3n,— 6n, = n; = Tn; | 1m Tn =ng= An, 


lön,— An, = ng = 9, ' 1n,— In, = nio = 2n; 


13n; — 2n; = n= llm, E 11n,—1 In, = Na 0 


Diese beiden Reihen haben insbesondere für 
Zwischenfrequenz-Reflexverstärkung den schon früher 
angedeuteten Vorteil, daß sie die Anwendung völlig 
symmetrischer Zobel-Foster-Kreise*) gestatten, 
die jeweils für die eine Reihe Pole und dazwischen 
für die andere Reihe Nullstellen haben. 


Ferner haben die beiden Reihen hinsichtlich der 
Aufteilung der Harmonischen durchaus die gleichen 
Eigenschaften wie die Stator- und Rotor-Reihe einer 
Goldschmidt-Maschine?); es entspricht die rr- 
-Reihe der Rotorreihe und die ”s-Reihe der Stator- 
reihe genannter Hochfrequenz - Maschine. Diese 
Uebereinstimmung ist keine zufällige, sondern eine 
beabsichtigte Nachbildung des bei der Gold- 
schmidt- Maschine auftretenden Frequenzprinzipes. 


Die beiden fest schwingenden Generatoren können 
zwei quarzgesteuerte Lokalsender sein; die Frequen- 
zen r und rs können aber auch als Harmonische 
einem einzigen Generator, der dann zweckmäßig 
ebenfalls quarzgesteuert ist, entnommen werden. 


Es genügt demnach für Vielfachtransponierungen 
im Minimum das Vorhandensein von bloß zwei festen 
Generatorfrequenzen, die überdies noch infolge ihres 
durch anderweitige Forderungen bedingten harmoni- 
schen Charakters aus einem einzigen Lokalgenerator 
isoliert werden können. 


Es liegt im Prinzip der Methode, daB Lösungen 
vorstehender Art innerhalb der gewonnenen Differenz- 
frequenzen das Superprinzip nicht restlos erfüllen 
können, sondern auch Differenzfrequenzen auftreten 
müssen, deren Zahlenwerte zwischen denen der er- 
zeugenden Frequenzen liegen. Bei der Verwendung 
von Richtverstärkern in den Transponierungssätzen 
ist dies völlig belanglos, da dort die Zwischenfrequenz 
erst im Anodenkreis entsteht, wo sich in Form des 
Filters bereits ein auf sie abgestimmter Sperrkreis 
befindet. Anders liegen die Verhältnisse diesbezüg- 
lich bei Verwendung eines Audions. Hier entstehen 


1) R. M. Foster. „A Reactance Theorem“, The Bell System, 
Techn. Journ. 3, S. 259, 1924, 

5) R. Goldschmidt, Hochfrequenzmaschine für die direkte 
Erzeugung von clektrischen Wellen für die drahtlose Telep traphie, 
Ztschr. f. Hochfrequenztechnik, 4, S. 341, 1911. 


14 F. Aigner: Das Problem der ökonomischten Vielfachtransponierung. 


die Hemholtzschen Kombinationsschwingungen 
schon im Gitterkreis. Für Zwischenfrequenzen, die 
das Superprinzip erfüllen, bildet dann der Gitter- 
ableitsilit den für ihre Verstärkung erforderlichen 
Gitterwiderstand. Ist aber das Superprinzip nicht er- 
füllt, liegt also die Zwischenfrequenz zwischen den 
erzeugenden Frequenzen, dann kann sich leicht der 
Fall ereignen, daß der Gitterkreis zusammen mit dem 
Audionkondensator einen kapazitiven Widerstand für 
die Zwischenfrequenz darstellt, der zu klein ist, um 
eine ausreichende Verstärkung dieser Frequenz zu 
vermitteln. In solchen Fällen wird es dann not- 
wendig, für die Zwischenfrequenz auch ins Gitter 
einen abgestimmten Sperrkreis einzubauen, der ihre 
Verstärkung sichert. 


b) Problemlösung für modulierte 
Wellen mit Hilfe eines fest schwin- 
genden Oberwellengenerators. 


Die im vorigen Abschnitt gegebene Lösung für ein 
Vielfachtransgerät hat ergeben, daß im Minimum 
zwei auf fester Welle schwingende Lokalgeneratoren 
erforderlich sind, die gegebenenfalls auch einem ein- 
zigen Lokalgenerator als harmonische Oberschwin- 
gungen entnommen werden können. 


Die Oberwellen eines Generators lassen sich aber 
noch auf eine ganz andere Weise ausnützen, was zu 
einer weiteren Lösung einer Vielfachtransponierung 
führt, bei der überdies das Superprinzip streng bei- 
behalten werden kann. Der Gedanke ist folgender: 


Ein Oberwellengenerator schwingt mit einer kon- 
stanten Grundfrequenz n. Es ist dann, falls k eine 
ganze positive Zahl größer als Null bedeutet, kn seine 
k-te Harmonische. 


Vermittels eines variablen Transponierungsein- 
ganges wird wiederum zunächst eine erste feste 
Differenzfrequenz do erzeugt. Bedeutet e eine noch 
später festzulegende positive Zahl größer als Null, so 
soll d„ die Form haben 


d =(3+] H. (27) 


Die so erhaltene Differenzfrequenz d. wird nun mit 
der k-ten Harmonischen kn des Oberwellengenerators 
kombiniert und liefert eine neue Zwischenfrequenz d, 
von der Form 


k k 
k-n— +2)» =a, (27a) 


die infolge des Ansatzes (27) das Superprinzip er- 
füllt, da sich ihre Erzeugenden um weniger als eine 
Oktave unterscheiden. 


Der nächste Schritt ist die Kombination von d, 
mit der (k—1)-ten Harmonischen des Oberwellen- 
generators, was die neue Differenzfrequenz d, liefert. 
Diese wird mit der (k—2)-ten Harmonischen des 
Oberwellengenerators kombiniert und ergibt d}. Und 
so wird das Verfahren fortgesetzt, bis schließlich mit 
Hilfe der Grundschwingung n des Oberwellen- 
generators die letzte Differenzfirequenz entsteht. 


Diese Vorschrift ergibt zunächst folgendes Gleichungs- 
system: 


k- n— (; +e ) -e= (5 Be, en == di 
w-=na—(3 — +) r= fite) 
9-14) n= (ji) n= 
9 (, -1 — e) n= (g2 He) aa 3 
a) (g 24.) (5-2) 4; 


Dieses System ist so angelegt, daß für die d-Reihe 
durchweg das Superprinzip gewahrt wird, falls &e< 1 
bleibt. Der Gleichungsansatz ist auch insofern 
logisch, als die mit steigendem Index versehenen 
Differenzfrequenzen in ihrer Amplitude infolge an- 
gewandter Verstärkung steigen und dementsprechend 
mit steigenden Generatoramplituden kombiniert 
werden, da das geschilderte Verfahren mit der 
höchsten Harmonischen beginnt und mit der 
amplitudenstärksten Grundschwingung schließt. 


Grenzen für e und seine zahlenmäßige 
Bestimmung. 


Die Grenzen für e sind durch das Superprinzip 
bereits festgelegt. Es gilt hierfür 


0 <e <l. (29) 


Zu einer kleineren oberen Grenze führt folgende 
Betrachtung. Zwei aufeinanderfolgende Schwingungs- 
zahlen der d-Reihe unterscheiden sich entweder um 
2en oder um (1—2e)'n, wobei diese beiden Diffe- 
renzen in (28) systematisch abwechseln. Nun muß 
aber zwecks Vermeidung von Rückkopplungen und 
auch im Sinne des Prinzipes gefordert werden, daß 
nirgends zwei Werte der d-Reihe einander gleich 


werden. Es muß demnach 
(1 —2e.)-u> 0 (29a) 
oder 
e <4 (29b) 
Demnach ist e folgendermaßen eingeengt 
0<e<} ' (80) 


Wahl von e zwischen seinen Grenzen. 


Es wird aus den bereits im Abschnitt B. a) aus- 
einandergesetzten Gründen auch hier wiederum ver- 
langt, daß die d-Reihe eine harmonische Reihe dar- 
stellt. Um überdies auch wieder für einen Zwischen- 
frequenzreflexverstärker symmetrische Zobel- 
Kreise anwenden zu können, müssen alle Frequenz- 


intervalle in dieser Reihe gleich groß sein. Es muß 
daher gelten: 
2e n —=(1—2e)-n (31) 
oder 
e= 4 (32) 


g: 


Karl iler: Wellen-Induktion in 


Dann lautet das Gleichungssystem (28): 


2 2 p— 
Im EEL „2 De 
2k—1 2 k—3 ; 
C r ee = 4 n = de 
2 k—3 2k—5 
(k—2): n— a U n = ds u 
(k—3) ne n=d, (2 
(Ki). a ten am N == oe ) n=dızı 
für / -= 0, 1, 2,3; 2: weh 


Setzt man 7/4 = no so ergibt sich die allgemeine Be- 
ziehung 


4 (k—i) :no—[2 k—(2 i—1)] no = [2 k—(2 i + 1 )] no = 


Es stellt demnach die d: + ı-Reihe die unmittelbar 
aufeinanderfolgenden ungeradzahligen Harmonischen 
der Grundschwingung no dar, während die Generator- 
frequenzen geradzahlige Harmonische der gleichen 
Grundschwingung sind. Um an einem Zahlenbeispiel 


Wellen-Indulition in der 


der drahtlosen Telegraphie. 15 


das Verfahren zu zeigen, sei etwa k=4 gewählt. 
Dann ergibt sich: 


Tabelle Nr. 5 
16n,— In, = Tno = di 


= l2n,—7n9 = Eng = də 
8no—öno = Sno = d; 


d4no—bno = Ino = d, 
wobei ¿== 0, 1, 2, 3, und 9 n, = do ist. 


Der laboratoriumsmäßige Zusammenbau von Ge- 
räten, die auf den in diesem Abschnitt B. beschrie- 
benen Verfahren beruhen, hat ihre praktische Reali- 
sierungsmöglichkeit durchweg klar erkennen lassen. 
Allerdings ergaben sich, insbesondere beim Bau der 
verschiedenen Zwischenfrequenzreflexverstärker, zahl- 
reiche Schwierigkeiten, deren Aufzählung und erzielte 
Bekämpfung hier jedoch zu weit führen würde. 
Darauf einzugehen erübrigt sich um so mehr, als die 
bisher entwickelten Möglichkeiten einer Vielfach- 
transponierung lediglich Vorstufen zu den eigentlichen 
Schlußkonstruktionen mit wesentlich gesteigerter 
Trennschärfe darstellen, die nunmehr im folgenden 
Abschnitt behandelt werden sollen. 


(Eingegangen am 13. August 1928.) 
(Schluß folgt.) 


I mn nn M 


drahtlosen Telegraphie. 


Von Karl Uller, Gießen. 


Inhaltsübersicht: 


Die drahtlosen Wellen sind Drahtwellen, d. h. von 
Unstetigkeitsflächen geführte Wellen. Die Theorie 
derselben ist nur auf Grund des Ausdruckes für das 
Interferenz-Prinzip annahmenfrei darstellbar. Die Er- 
zeugung geführter Wellen wird Wellen-Induktion ge- 
nannt. Es gibt eine direkte, wenn die Wellenquelle 
in einer U-Fläche liegt, eine indirekte, wenn die 
Quelle außerhalb liegt und die auslaufende Welle 
durch Sonder-Einfall zum Teil oder ganz in eine ge- 
führte umgewandelt wird. Beide Fälle kommen auch 
in der drahtlosen Telegraphie vor. 


Elastische Wiederkehr - Wellen in dem Körper 
Erde sind in der Erdbeben-Kunde schon seit langen: 
bekannt. Daß es aber auch elektrische Wiederkehr- 
Wellen gibt, d. h. Wellen, welche die Erde ein- oder 
mehreremal umkreisen, ehe sie unmerklich werden, 
ist erst vor kurzem zum erstenmal in der Geschichte 
der drahtlosen Telegraphie festgestellt worden??). 
Damit scheint mir der geeignete Zeitpunkt gekommen 
zu sein, mich über die Natur und die Herkunft der 
„drahtlosenWellen“ im Zusammenhang auszusprechen, 
zumal in der Literatur theoretische Ansichten ver- 
breitet sind, die fehl gehen und daher einer objek- 
tiven Deutung der Experimente im großen Stile im 
Wege stehen, die an sich schon schwer eindeutig aus- 
zulegen sind, eingedenk dessen, daß in der Natur 
keine reinen Verhältnisse vorliegen. 


Die an der leitenden Erdoberfläche erzeugte Welle 
ist eine Welle besonderer Art, eine geführte Welle, 
wie wir sie auch an Drähten haben. In paradoxer 
Form können wir somit sagen: Die Wellen der 
drahtlosen Telegraphie, gelegentlich 
auch drahtlose Wellen genannt, sind 
Drahtwellen‘)*). Ihr Wesen sowie ihre Ent- 
stehung ist aber bis vor einigen Jahren unerkannt 
gewesen. In einem mehr als zwei Jahrzehnte langen 
Studium ist es mir gelungen, sowohl das Wesen als 
auch die Entstehung dieser merkwürdigen Wellenart 
aufzudecken. Ich habe von den Ergebnissen mehreres 
an mehreren Stellen veröffentlicht (siehe weiter 
unten unter Literatur), scheinbar jedoch ohne ver- 
standen worden zu sein. Daher möchte ich hier ein- 
mal nur die Grundgedanken möglichst deutlich her- 
ausheben unter möglichster Verdeckung des mathe- 
matischen Gerüstes. Dabei ist das Experiment, das 
uns die drahtlose Telegraphie an der Erde bietet, be- 
sonders geeignet, weil hier die Wellenlänge klein ist 
gegen den Erdumfang, so daß „Eigenschwingungen“ 
nicht in Frage kommen, die die Einsicht in den 
wahren Sachverhalt sehr erschweren. 


Geführte Wellen, auch gebundene genannt, sind 
Wellen, die an der Oberfläche eines Mittels oder 
beiderseits der. Trennfläche zweier verschiedener 
Mittel oder gleicher Mittel in Bewegung zueinander 
— geführt von ihr — entlanglaufent) +3) +$) 15) 24) 28), 
Diese Wellen muß es in der wahren Wellentheorie, 


16 Karl Uller: 


der Wellenkinematik, notwendig geben. Eine solche 
besteht aus ein oder mehreren Wellenflanken, welch 
letztere durch de Wellenkohärenz-Bedin- 
gung zusammengehalten werden. Diese besagt?) +°): 
Alle an einer Unstetigkeitsfläche zusammenhängenden 
Wellen haben stets gleiche Spurgeschwindigkeiten, 
mag die Fläche ruhen oder sich bewegen, mag der 
Stand des Beobachters sein, welcher auch immer. 
Es zeigt sich nun, daß die Führungsfläche stark ein- 
greift in den Wellenbau, welcher deshalb in mancher 
Hinsicht viel verwickelter ist als der einer in einem 
einzigen homogenen Mittel sich von der Quelle aus 
frei ausbreitendei: Welle. Es wird der geführten 
Welle eine eigene Fortpflanzungsgeschwindigkeit und 
Wellenlänge sowie eine eigene Verlöschung vor- 
geschrieben. Die geführte Welle ist um so aus- 
geprägter, je unterschiedlicher beschaffen und bewegt 
beide Mittel sind. Da in stark ausgeprägten geführten 
Wellen die Energie hauptsächlich längs der Führungs- 
fläche sich ausbreitet, so kann eine solche Welle eine 
viel größere Reichweite erlangen als eine freie Welle, 
die sich in einem einzigen homogenen Mittel nach 
allen Richtungen hin frei ausbreitet. Die gebundene 
Welle klammert sich sozusagen an ihre U-Fläche und 
läßt sich in mehr oder weniger flächiger Ausbreitung 
dahin führen, wohin diese sich erstreckt, wohingegen 
eine freie Welle das Bestreben hat, geradeaus zu 
laufen. Bildliich muß man daher der freien Welle, 
auch unter Berücksichtigung ihrer Beugungsneigung, 
eine Steifigkeit zuschreiben, der geführten Welle hin- 
gegen eine Biegsamkeit. Insbesondere in der Elektro- 
magnetik, wo es Körper gibt von ganz ungeheuer 
hoher Leitfähigkeit, ist die geführte Welle I. Art von 
faßt : vollendeter Fortführung und Konzentration, so 
daß man auf die Vorstellung von einer Strömung in 
einem Rohre kommen konnte. An Verzweigungen 
der Führungsflöche gabelt die Welle sich unter Ent- 
wicklung einer rücklaufenden gebundenen Welle. Es 
kann natürlich die Führung auch eine mehrfache sein, 
indem mehrere U-Flächen und dementsprechend 
mehrere Wellenflanken für ein und dieselbe Welle 
vorhanden sind. Besonders wenn die U-Flächen 
parallel gelagert sind, ist bei ausgeprägten geführten 
Wellen die Reichweite eine noch viel größere. 


In der Natur finden wir die ein - oder mehrfach 
geführte Welle auf allen Gebieten der Physik, nicht 
nur als elektrische Leitungswellen längs Drähten und 
Kabeln sowie längs der Erde und den lonisations- 
schichten der Atmosphäre, ferner als Blitze und 
Leuchtkugeln‘®), sondern auch als elastische Draht- 
und Plattenwellen, welche die Vorgänge in der 
Schall- und Bebenkunde beherrschen, sowie als 
Wärmewellen, Schwerewellen’*) °*) usw. Leicht sicht- 
bar ist das Wesen der geführten Welle, das Sich- 
führenlassen, in der Glimmlicht-Röhre: die Wellen — 
denn mit- und gegenlaufende Wellen sind es — folgen 
der Glas-Röhre, wie lang und wie gewunden sie auch 
sei; eine freie Welle könnte nicht den Windungen fol- 
gen. Die geführten Wellen sind theoretisch und prak- 
tisch von viel größerer Bedeutung und Verbreitung als 
die freien Wellen. Sie können keine einfachen Wellen 
sein; infolgedessen setzt ihre Darstellung die Kennt- 
nis des allgemeinen Baues mindestens der Planwelle 
von elementarer Schwankungsform voraus, über 
welche ich mich wiederholt verbreitet habe. 


Die allgemeine Theorie der geführten Welle 
konnte bisher nicht aufgestellt werden mangels 
Kenntnis eines allgemeinen Wellen-Prinzipes, das ich 
Interferenz-Prinzip") genannt habe. Aus 
vorgelegten Feldgleichungen gewinnt man nämlich 
zwar allemal für die ins Auge gefaßte Feldgröße eine 
partielle Differentialgleichung ‘des Raumes und der 
Zeit — für das elektrische Feld & in einem ruhenden 
Mittel (e; u; A) z. B. 


in Ai y2 
€+- C rotrot € = 0 (1) 


—-, aber man darf sie nicht „Wellengleichung‘ 
nennen, wie es geschieht, da sie lediglich eine einzige 
Feldbedingung darstellt, die einer jeden beliebigen 
Ueberlagerung sich beliebig durchkreuzender, beliebig 
vieler Wellen-Individuen von gleicher Feldnatur auf- 
gedrückt ist; wir können sie aber Wellenzustands- 
gleichung nennen. Jede Welle ist eben ein Unteil- 
bares. Wollen wir daher die Gleichungen für eine 
Welle kennen lernen, dann müssen wir die Tatsache, 
daß im Gegensatz zu stationären Feldern Wellen sich 
nicht zu einer Welle überlagern lassen, zu mathema- 
tischem Ausdruck bringen. Dies geschieht, wenn wir 
den Satz aufstellen: In jeder Welle gibt es charakte- 
ristische Flächen ® = const., Wellenflächen, die 
eutsprechend der Tatsache, daß jede Welle ihre 
eigene Geschwindigkeit und eigene Verlöschung hat 
-- der Eigengesetzlichkeit unterliegen, daß sich ihre 
Gradienten Ww nicht geometrisch addieren lassen. 
Hierin spricht sich die Wellen-Individualität mathe- 


matisch aus. Dieses Interferenz-Prinzip, mathematisch 


formuliert und eingeführt, zerlegt die vorgelegten Feld- 
gleichungen in ein System von Gleichungen, die ich 
das Gleichungssystem der Welle nenne, und unter- 
wirft insbesondere w bestimmten Bedingungen. Wie 
unberechtigt es ist, Differentialgleichungen obiger Art 
als Wellengleichung anzusprechen, erkennt man auclı 
daran, daß man aus ihnen weder ersehen noch errech- 
nen kann, wie viele Welienarten sie möglich machen 
-— man denke an die Elastik“), besonders die in schwe- 
ren Mitteln?) oder an die Elektromagnetik in elek- 
trisch’) oder magnetisch?) aktiven Mitteln —, noch viel 
weniger die Geschwindigkeiten und Verlöschungen 
der möglichen Wellen, und weiter, daß es so etwas 
wie geführte Wellen und Induktion gibt. Erst mit 
dem Gleichungssystem der Welle ist es möglich, die 
Theorie der geführten Wellen ohne offene oder ver- 
steckte Annahmen zu entwickeln. Denn es ist dreier- 
lei erforderlich: 1. weil es sich um eine Welle handelt, 
die Kenntnis des Gleichungssystems der Welle, welche 
vorgegebene Feldgleichungen bedingen; 2. weil es sich 
um zwei- oder melırflankige Wellen handelt, die Er- 
füllung der Wellenkohärenz-Bedingung; und 3. weil 
es sich um eine physikalische Welle handelt, die Er- 
füllung physikalischer Grenzbedingugen an den Füh- 
rungsflächen. So erhält man die geführten Wellen 
für jede gegebene Form der Erregung in der Wellen- 
quelle. Je nach dieser Form kann aber die Ausbrei- 
tung quantitativ stark verschiedenes Aussehen haben; 
man denke z. B. an den Einfluß der Frequenz oder 
der Dämpfung. 


Von außerordentlicher Bedeutung für die Wellen- 


theorie sind die Wellen von elementarer 


Schwankungsform. Sie haben die mathema- 
tische Form?)?°)*°) 


Ç == 4 fe : eirt— t) + e* ; ei O*t—p*) 


2\- 
= et Ee cos (v +—P')—e” -sin (v t— P')), (2) 


worin e=e-+ie” und Ø =p’ +ip” beliebige 
reine Ortsfunktionen sind und y eine Konstante, die 
ebenfalls komplex sein darf; ein angefügtes Sternchen 
deutet den konjugiert komplexen Ausdruck an. In 
v=y’ +i” nennen wir »’ die Frequenz 2 a/r der 
Quelle und y” die Dämpfung der Quelle bzw. ihren 
Schwall, je nachdem y” positiv oder negativ ist; sie 
messen gleichzeitig die Frequenz der Welle bzw. den 
zeitlichen Abfall oder Anstieg der Intensität an einem 
durch den Topographen r angegebenen Ort. Es gibt 
also im allgemeinen zwei charakteristische Flächen, 
die wir Wellenflächen nennen: die Phasenflächen Ø’ 
—const. und die Verlöschungsflächen Ø” = const. 
Dementsprechend gibt es nicht eine Wellennormale, 
sondern ein Wellenrormalenpaar: die 
Phasennormale grad Ø’ =w’ und die Verlöschungs- 
normale grad Ø” =w”, und demzufolge zwei Ge- 
schwindigkeiten in einer Welle, die der Phasen und 
die der Amplituden. Diese Zweiheit bewirkt, daß das 
Wellenbild sich nicht starr verschiebt”). Die Größe 
e- nennen wir den Wellenvektor. Die beiden 
Wellennormalenw’ undw”könneneinen, 
zunächst beliebigen Winkel miteinan- 
der bilden, der den Wellenbau sehr verwickelt 
macht. Zudem hängt sowohl die Verlöschung e%” 
als auch die Phasengeschwindigkeit »’/|w’| und die 
Amplitudengeschwindigkeit »’/|w’’| sowie die Wellen- 
länge 2r/liw’| von diesem Winkel ab. Nur wenn w” 
und w” parallel oder antiparallel liegen oder eines 
von beiden verschwindet, ist der Bau der Wellen 
relativ einfach. Aber gerade die nicht- einfachen 
Wellen spielen im folgenden eine Rolle. 
Bei dieser Wellenform lassen sich nun auf dem 
Gebiete der Elektromagnetik')')'°) folgende 
Sätze herleiten: 


A. Längs der Trennfläche zweier ruhender Mittel 
gibt es eigentümliche, an die Trennfläche gebundene 
und von ihr geführte elektromagnetische Ausbrei- 
tungsmöglichkeiten höherer Ordnung, und zwar nur 
zwei Arten. 

B. In der gebundenen Welle I. Art zwingt diese 
U-Fläche das magnetische Feld überall an ihr in 
diese Führungsfläche hinein. Ferner liegt das mag- 
netische Feld infolgedessen quer zur Fortpflanzungs- 
richtung. — In der gebundenen Welle II. Art 
zwingt die U-Fläche überall an ihr das elektrische 
Feld in diese Fläche hinein; es gibt somit in ihr 
keine elektrischen Ladungen. Ferner liegt das 
elektrische Feld infolgedessen quer zur Fortpflan- 
zungsrichtung. Dieser Zwang der Führungsfläche 
auf den Bau der gebundenen Welle ist unabhängig 
von den Eigenschaften der Mittel und von benach- 
barten U-Flächen. wahrscheinlich auch unabhängig 
von der Art der Erregung der Welle in der Quelle. 

C. Diese gebundenen Wellen zeigen Verlöschung, 
auch längs der U-Fläche, eine Verlöschung, die 
selbst dann äuftritt, wenn beide Mittel völlig kon- 
servativ sind. Aus einem experimentell festgestell- 
ten Verlöschungsfaktor kann man also nicht auf 
den Grad der Energie-Verschluckung schließen. 


Wellen-Induktion in der drahtlosen Telegraphie. 17 


$ 


D. Die U-Fläche zwingt einer jeden der beiden 
möglichen gebundenen Wellen eine ganz bestimmte, 
längs U konstante Normalkomponente der Wellen- 
normalen in jeder der Wellenflanken auf — also 
nicht konstante Tangentialkomponente der Phasen- 
normalen, wie man in einigen Unterfällen bisher 
mangels einer Theorie angenommen hat. In diesem 
Satze spricht sich deutlich eine Führung der Welle 
seitens der U-Fläche aus. 

E. In einer Ueberlagerung von gebundenen 
Wellen I. Art ist als Folge von B. die elektrische 
Spannung zwischen zwei Punkten an zusammen- 
hängenden U-Flächen unabhängig vom Integrations- 
wege des Linienintegrals der Feldstärke längs den 
Unstetigkeitsflächen. — Entsprechendes gilt für die 
magnetische Spannung in einer Ueberlagerung von 
gebundenen Wellen II. Art. 


Diese Sätze enthalten zugleich auch strenge 
Kriterien, geführte Wellen von ungeführten an U zu 
unterscheiden. 


Wenden wir die Theorie auf die Verhältnisse in 
der drahtlosen Telegraphie an, so zeigt 
zunächst die Betrachtung der beiden elektrischen 
Konstanten von Luft (rein oder ionisiert) und elektro- 
Iytisch leitender Erdoberfläche sowie insbesondere 
der magnetischen Permeabilität beider Mittel, daß nur 
die gebundene Welle I. Art größere Reichweiten ver- 
spricht. Demgemäß ist diejenige Quellen-Anordnung 
am günstigsten. bei der ein Antennen-Stamm aufrecht 
steht und mit der Erde gutleitend verbunden ist, und 
dabei die Schwingung so erregt wird, daß nahe der 
Erdungsstelle ein Strombauch zustande kommt?). Die 
erzeugte gebundene Welle geht dann von der An- 
tenne unmittelbar an die Erdoberfläche über. Dannit 
nun das wesentliche dieser gebundenen Ausbreitung 
rein hervortrete, ersetzen wir die Atmosphäre durch 
reine und homogene, also schwerelose Luft und die 
Erde durch eine homogene, leitende Kugel. So läuft 
denn die axialsymmetrisch vorausgesetzte Welle — 
geführt von der Kugeloberfläche — nach allen 
Himmelsrichtungen gleichmäßig divergierend und an 
Stärke abnehmend weiter, um jenseits des Kugel- 
äquators konvergierend durch den Gegenpol zu 
laufen, wobei die Stärke relativ wieder zunimmt. 
Der Gegenpol ist aber keine beson- 
sondere Senke, welche die Welle ver- 
schluckt! Er wirkt nicht spiegelbild- 
ähnlich zur Quelle auf die Welle ein, im 
Gegensatz zu einem rechnerischen Ergebnis von Herrn 
Kiebitz, das auf Grund von Annahmen zustande 
gekommen ist”). Im Gegenteil, es läuft die Welle 
vielmehr involutorisch durch sich selbst hindurch, 
indem im Pol sich die Tangential-Komponenten auf- 
heben und die elektrischen Normalkomponenten ver- 
stärken, divergiert wieder, durchläuft in ihrer ganzen 
Front gleichzeitig den Kugeläquator, durcheilt kon- 
vergierend den Quellpunkt — die Quelle haben wir 
für die ausgelaufene Welle als nicht vorhanden an- 
zusehen —, und tritt sodann von neuem die mehr 
oder weniger flächenhafte Umkreisung an, von der 
Kugelfläche in Bau und Ausbreitung gezwungen, 
ein Verhalten, das bei einer freien 
Welle selbst unter voller Berück- 
sichtigung der Beugungsneigung un- 
denkbar wäre Dabei ist selbst bei 


das ma- 
am Leiter tangential. 
Nach der ersten halben Umkreisung tritt die 
Welle in Interferenz mit sich selbst, falls die 
Wellenerregung in der Quelle hinreichend lange 
andauert. So umkreist die Welle die Kugel theore- 
tisch unendlich oft, wobei aber die Stärke, abgese- 
hen von Schwankungen, mit wachsender Laufzeit 
abnimmt, auch wenn nirgendwo Energieverschluckung 
stattfinden kann. Denn durch seitliche Energieaus- 
strahlung, hauptsächlich in den freien Außenraum hin- 
ein, verliert diese Welle unaufhaltsam Energie, und 
das macht sich mathematisch bemerklich in dem Auf- 
treten des Verlöschungsfaktors e””. Schwingt die 
Quelle ungedämpft sinusförmig und ist insbesondere 
die Halbwellenlänge der geführten Welle, die nicht 
identisch ist mit der der freien Welle, gerade so groß, 
daß ein ganzes Vielfache von ihr den Kugelumfang 
umspannt, so würde sich ein angenähert stehender 
Wellenzustand herausbilden mit Knoten und Bäuchen, 
wenn die Wellenlänge unabhängig von der Laufzeit 
wäre. Das ist aber nach der Theorie nicht der Fall. 


Sehr merkwürdig ist nun, daß auch bei 
einerdie Kugeloberfläche umhüllenden 
Leiterschale (Heaviside-Schicht), ohne 
daß der Sender mitihr leitende Verbin- 
dung hat, sehr große Reichweiten, wie 
sie die Wiederkehr-Wellen erweisen, 
zu erzielen sind, ja. daß auch ohne Er- 
dung Fernwirkungen, wenn auch nicht 
sogute, festzustellen sind! Sehr merk- 
würdig, daß anderseits auch beliebig 
orientierte Empfangsdrähte imstande 
sind, vonderankommenden Welle auf- 
zufangen! Man hatte da sogleich die Erklärung 
bei der Hand, daß eben zahlreiche reflektierte und 
gebrochene Wellen zustande kämen. Was könnte es 
denn auch arders sein! Das ist aber eine Verlegen- 
heits-Antwort. Von dieser Art Wellen, die freie 
Wellen sind, stelle man sich vor, daß die Wellen 
Wiederkehr-Wellen sein sollen, nachdem sie durch 
zahlreiche, fortgesetzte Reflektionen an gekrümmten 
Flächen gebrochene Wellen und damit erhebliche 
Energie verloren haben. Und diese steifen Wellen 
sollen es sein, die bei dem Einfall an den Empfangs- 
drähten gebrochen den Verschlingungen und Wick- 
lungen folgen können sollen. An Metall gebrochene 
elektrische Wellen laufen sich aber bei hoher Fre- 
quenz auf sehr kurze Strecke tot, so daß es in 
Drähten nicht einmal zu fortgesetzten Reflexionen und 
Brechungen kommen kann. Und Wiederkehr-Wellen 
gibt es auch, wenn keine Hüllfläche existiert, und so- 
mit keine fortgesetzten Reflexionen und Brechungen 
möglich sind. Nein, diese Erklärung ist keine. In 
Wahrheit entstehen auch dann durch 
Wellen-Einfall geführte Wellen. Aber 
das ist ja doch nach unseren bekannten Reflexionsfor- 
meln unmöglich, wird man einwenden. Hier haben nun 
neue Gedankengänge einzusetzen, deren 
Grundzüge ich schon vor Jahren entwickelt und z. T. 
veröffentlicht habe. Sie erscheinen aber der vulgären 
Wellen-Vorstellung gegenüber so fremdartig, daß der 
willige Leser sie nur schwer versteht, und gar der 
Theoretiker von heute, ohne sich in die notwendig 
neue Darstellung zu vertiefen, sie als nach seiner 


beliebig geformtem Sender 
genetische Feld 


18 Karl Uller: 


HERE IE FERN A SI BEER EEE NEE GIEEERE EE E E E EE gt nen 
mn > 


Meinung unmöglich verwirft. Und doch beruhen sie 
auf streng mathematischen Beweisen. 

Wenn man sich mit den geführten Wellen innig 
befaßt, so wird man auch auf die Beantwortung der 
Frage geführt, wie sie entstehen können. Die 
Untersuchung hat nun nach langwierigem Suchen und 
Lernen folgendes ergeben. Die nächstliegende Er- 
zeugung gebundener Wellen ist diejenige. 
bei welcher der Sitzder Störung, die Wellen- 
quelle, in der U-Fläche selbst liegt; man 
denke an die Erzeugung elektrischer Spannung in- 
folge Reibung oder infolge von Bewegung eines 
Körpers durch ein statisches Magnetfeld hindurch. 
Es gibt aber außer dieser, direkten, Entstehungsweise 
noch eine andere, sehr merkwürdige, eine in- 
direkte Erzeugung, nämlich durch Sonder- 
Einfall einer nicht-einfachen Welle 
gegen eine U-Fläche, wobei. die anlau- 
fende Welle ganz oder zum Teilin eine 
gebundene Welle. umgewandelt wird. 
Auch diese Entstehungsart muß es nach der Wellen- 
kinematik notwendig geben. Es genügt für den 
Existenz-Beweis, wenn wir in der Quelle elementare 
Erregung (e™!) voraussetzen und in (2) e und w als 
konstante Vektoren behandeln. Letzteres verlangt 
p’ = (w r) und Ø” = (w” r). d. h. die beiden Wellen- 
flächen werden als Wellenebenen vorausgesetzt. In 
diesem Sinne sprechen wir von einer Planwelle. 


Der Einfall einer „Sinuswelle“ gegen die Ober- 
fläche eines Mittels oder gegen die Trennfläche 
zweier Mittel ist auf allen Gebieten der Physik be- 
reits mathematisch behandelt worden, aber, wie wir 
sogleich erkennen werden, nicht erschöpfend. Man 
hat für die zurückgeworfenen und für die 
gebrochenen Wellen-Amplituden Aus- 
drücke bekommen von der Form 


aa Zr FR: RER Za 
dr = nr Aa: Aa = g Ao (3) 
wobei die Z und N reine Funktionen des Einfalls- 


winkels und des Brechungswinkels sind in Verbindung 
mit den Eigenschaften der Mittel. Es kann vor- 
kommen, daß der Nenner N verschwindet, — z. B. 
bei normaler Inzidenz —, dann aber verschwinden 
stets zugleich auch die Zähler, so daß die 4. und Au 
endlich ausfallen. Indiesen Formeln sind aber die 
anlaufende Welle (a) sowie die Sekundärwellen (r) 
und (d) alle von der denkbar einfachsten Form 


d  cos{» t—la rth yty) + ô (2’) 


vorausgesetzt, Wellen, in denen es neben kon- 
stanten Amplituden nur Phasenebenen gibt. 
Das ist aber nur .der speziellste Unterfall aus dem 
allgemeinen Falle (2), wonach in einer Welle zwei 
unter einem Winkel sich schneidende Wellenflächen 
existieren. Beschränken wir die bei der voraus- 
gesetzten Erregungsform (e'"‘) in der Quelle wesent- 
lichen Merkmale der Welle nicht, wie es aber in der 
Form (27) geschehen ist, sondern ziehen wir die bei 
der vorausgesetzten Erregungsform (e'"H) allgemeine 
Wellenform (2) heran, welche Form ich eingehend 
analysiert habe °) °°) ?°), so gelangen wir mit ihr beim 
Einfallproblem zu den allgemeinen Formeln für 
den Planwellen-Einfall’). Mit ihnen sind wir 
sicher, daß wir alle überhaupt mög- 


Dem mue- Bun. u — || 00.00 


nn a u E 


lichenAusbreitungserscheinungen,die 
mit dem Einfall einer Planwelle ver- 
bunden seinkönnen,inderHand.haben. 

Gerade diese allgemeinen, bisher unbekannten 
Einfall-Formeln brauchen wir im folgenden, weshalb 
ich sie für die verschiedensten Gebiete der Physik 
vor Jahren entwickelt habe*)*)”)°)P). Sie haben wieder 
die Form (3), jedoch sind die Z und N jetzt außer- 
ordentlich verwickelt und zeigen kaum eine Aehnlich- 
keit mit den früheren Ausdrücken. Sie offenbaren 
sich nämlich als reine Funktionen der Wellen- 
normalenpaare %«,.W,Wa aller bei Einfall in Rechnung 
zu setzenden möglichen Wellen der vorgegebenen 
Feldgleichungen, ferner der Frequenz und Dämpfung 
der Quelle sowie der Eigenschaften beider Mittel. Sie 
sind komplex; diese Komplexität kann auch auf- 
treten, wenn die Mittel völlig konservativ sind. In- 
folgedessen ist es nunmehr möglich, daß N den Wert 
O annimmt, ohne daß zugleich die Z verschwinden. 


Wenn nun N=0, dann werden die Einfall- 
formeln hinfällig; in ihnen ist angesetzt: eine 
einfallende Welle, eine rückgeworfene und eine 
gebrochene Welle. Dann ist also der Ansatz 
dieser drei freien Wellen hinfällig! Physikalisch 
geschieht aber etwas. Denn eine bestimmte Welle 
mit bestimmter Energie läuft unter bestimmten 
Winkeln gegen die U-Fläche an. Dann liegt 
alsoeinNeuesvor,einSonderanlauf, 
der uns nötigt, für ihn das Einfall- 
Problem von neuem und von einem 
neuen Gesichtspunkt aus aufzuneh- 
men. Wenn wir von den geführten Wellen und 
ihrer theoretischen Darstellung herkommen, ist die 
Lösung dieser Merkwürdigkeit, die den bisherigen 
Einfall-Formeln, weil viel zu spezialisiert, nicht 
angesehen werden konnte, zu finden: die an- 
laufende Welle geht bei Sonder- 
anlauf (N=0) ganz oder zum Teil in 
eine geführte Welle über '’)):”). Dieser 
Vorgang ist, wie der Einfall überhaupt, ein wellen- 
kinematischer und erst in zweiter Linie plıysika- 
lisch mitbestimmt. 


Insbesondere in der Elektromagnetik ruhen- 
der Mittel läßt sich der Beweis folgender- 
maßen an')'). Wir bezeichnen mit Ë die vom 
Mittel (1) nach dem Mittel (2) gerichtete Normale der 


U-Ebene und geben der gebundenen Welle den’ 


Zeiger b. Dann ist in der gebundenen Welle 


I. Art 
(wo, N _ (ws, É) 
le, le, (4,) 
und in der gebundenen Welle Il. Art 
(wu, D _ (wa, Ë) 
Op, g Am. l (a) 
In den Konstanten 
ANY y 
Ile == e- £) y: Un = H: Y (5) 


bedeutet } die elektrische Leitfähigkeit sowie « und {x 
die elektrischen bzw. die magnetischen Erregungs- 
beiwerte, die im allgemeinen komplex und abhängig 


Wellen-Induktion in der drahtlosen Telegraphie. 19 


von » sind; 4 z V ist die Lichtgeschwindigkeit. Die 
Wellenkohärenz-Bedingung verlangt 
Wo = Wit (6) 


wenn wir mit dem Zeiger t die Tangentialkomponente 
eines Vektors andeuten. 

Da ferner in einer Planwelle die Beziehung w?’ = 
Ge mwm =a herrscht, so haben wir durch Zerlegung 
(m? J- w =a, so daß mit Rücksicht auf (6) 


(wa, D = + V wi; (W,d=FV a —win. (7) 


hier und im folgenden bei festgehaltener Richtung 
von f alle Wurzelzeichen absolut genommen. Ueber 
eine der beiden Normalkomponenten (iwEf) kann man 
verfügen, also das +- oder —-Vorzeichen wählen, 
dann aber ist das Vorzeichen der anderen nach (4) 
bestimmt. Befassen wir uns zunächst mit der ge- 
führten Welle I. Art. Von den vier möglichen Vor- 
zeichenverbindungen nach (7) läßt die Kohärenz- 
gleichung (4,), wie gesagt, zwei offen, so daß 


V aw _ 
e u 


sa (4) 
e 


l J 


Bei festgehaltener Richtung von f und 
bei gegebenem Wwy bleibt also das Vor- 
zeichen der Normalkomponente (ws, Ý 
oder (m,f) willkürlich, also verfügbar. 
Anderseits, bei Einfall, zerlegen wir in allen 
drei Wellen den elektrischen Wellenvektor e in 
e, = (ed (wi) | und „end ii 
| w; J w; 


d. h. in eine komplexe Komponente „parallel“ und 
eine komplexe Komponente „senkrecht“ zu der 
durch (f; w.) definierten komplexen „Einfalls- 
ebene“. Für die beiden, von der im Mittel (1) an- 
laufenden Welle (Wa; ĉa) ausgelösten Sekundärwellen 
(w; e,) und(wa;ea) erhalten wir sodann die Bestim- 
mungsstücke für die P-Komponenten 


(8p) 
(et) = me nn (ed); (eat) tn (mat) (ed 
mit N, = e, (Wat) + ae, (Wat) 

und für die S-Komponenten 

le, [w h= — = tna (Bda a) (ealwat)) 

T (8s) 
(lealwat]) = — Gm (0D aD) . (ea [0a É]) 
mit N, = — an, (WA) —an., (Wat) 


In diesen eindeutigen Ausdrücken treten als Normal- 
komponenten der anlaufenden und gebrochenen 
Wellennormalenpaare die eindeutigen Werte 


(wat) = + V az — wu ; (wat) = + V wu. (9) 


auf. Die Zweideutigkeit der Kohärenz- 
gleichung (4) für die gebundene Welle 
erlaubt nun, daß man bei Sonderanlauf 
sie identifizieren kann mit der dann 
auftretenden unzweideutigen Bedin- 
gung: N.=0! Die Identität ist nach (8p) ereicht, 


20 


wenn wir über das Vorzeichen in (4,’) so verfügen, 
daß 


le,’ V a; — wis F ae, V az— war = 0 (10) 
Die Kohärenzgleichung (4,’) der geführten Welle geht 
durch Quadrieren, wobei die Zweideutigkeit verloren 

' geht, über in die Beziehung 


2 __ m de, — lla Ale, 
wu 


z 2 — War (11) 
Me, — lo, 

in Falle Ne =o, die wir die Induktions-Be- 
dingung nennen. Wenn nun die Welle 
(wa; ĉea) gerade soanläuft, daßinihr Wa 
die Gleichung Ne =o befriedigt, also 
Gleichung (11) erfüllt, dann ruft diean- 
laufende P-Komponente nicht eine 
rückgeworfene und eine gebrochene 
P-Komponenteins Leben, — denn die Ein- 
fallformeln (8 p) werden dann ja ungültig und somit 
der vorausgesetzte Ansatz hinfällig —, sondern 
eine bestimmte gebundene Pu.-Kompo- 
nente als Ergänzung zur anlaufenden 
Pı-Komponente. Beide, fest verbunden 
miteinander durch die U-Fläche laufen 
gemeinsam als induzierte Welle I. Art 
längs U und geführt von U fort. Die mit- 
anlaufende S-Komponente dagegen spaltet sich in eine 
zurückzeworfene und in eine gebrochene freie Welle 
gemäß den Finfallformeln (8,). 

Ich nenne den geschilderten und be- 
legten Vorgang Wellen-Induktion, 
weil die Faradaysche Induktion, die 
bisher als ein Ur-Phänomen angesehen 
wird,in Wahrheiteben dieser Vorgang 
derErzeugunggebundenerelektrischer 
Wellen ist. Das gilt für jede elek- 
trische Welle, mag sie erregt werden 
wie auchimmer. mag sieim Laufe ihrer 
Ausbreitung sich gestaltet haben wie 
auch immer. Die drahtlose Telegraphie 
führt uns in der Ausbreitung ihrer Wellen diesen Vor- 
gang lediglich im Großen vor, wo die Wellenlänge 
klein ist gegen die Abmessung der Erde. Hier ist 
derselbe viel leichter zu durchschauen, wenn man 
einmal seine Notwendigkeit erkannt hat, als bei den 
üblichen Leiterschleifen., wo die Erscheinung durch 
die ungeheuer vielen mit- und gegenlaufenden ge- 
führten Wellen sich unter einem Wellenzustand ver- 
deckt, der den Findruck eines quasistationären Zu- 
standes macht. Indirekte Wellen-Induktion kann es 
auf allen Gebieten der Physik geben, in der Elektro- 
magnetik ist sie wegen der ganz ungeheuer großen 
Unterschiede in den tatsächlichen Leitfähigkeiten un- 
gewöhnlich stark ausgeprägt. 

Daß die indirekte Wellen-Induktion in der Elektro- 
magnetik auftritt, lehrt für den Sehendgewordenen 
die Gesamtheit aller Erfahrungen, und zwar in sv 
großem Umfanege, daß die Grundgesetze des Feldes 
eben auf diesen ‚„‚Induktions-Erfahrungen“ aufgebaut 
. worden sind. Reine Reflexion und Brechung kennen wir 
dagegen bisher nur bei ungeheuer hohen Frequenzen. 
In der drahtlosen Telegraphie erbringen gerade die 
Wiederkehr-Wellen den unwiderlegbaren Beweis für 
die indirekte Wellen-Induktion, indem auch ohne Ver- 
bindung der Wellenquelle mit einem Leiter (Erde. 


Karl Uller: 


Heaviside-Schicht) geführte, ja doppeltgeführte 
Wellen zustandekommen können. 
In der induzierten P-Welle gilt weiter noch 


(wst) == + (Wat) = 


de, 


(ww, ; (12) 


lle, 


(ent) = (eaf); (lee); (13) 


(2an ren ee "War (14 
le, Wat 


en.t == Ent = Eat — — 
Führen wir die Induktions-Bedingung (11) in die 
spezifizierte Kohärenzgleichung (10) für die ge- 
bundene Welle ein, so erhalten wir die Induk- 
tions-Vorbedingune®”) ?). 


dr Vita: Vai, = o, (15) 


beide Wurzelzeichen wieder absolut genommen, Nur 
wenn diese komplexe Vorbedingung, in 
der keines der beiden Mittel bevorzugt 
erscheint, erfüllt ist, ist indirekte In- 
duktion einer gebundenen Planwelle 
L. Art möglich. Dagegen ist direkte In- 
duktion immer möglich. 

Sind z. B. beide Mittel absulute Nichtleiter und 
beide mit positiver Dielektrizitätskonstante behaftet, 
dann ist eine indirekte Induktion I. Art unmöglich, 
mag die Welle eine ungedämpfte Phasenwelle (»” = 0) 
oder eine phasenlose Welle (y = o) sein, obgleich ge- 


führte Wellen an einem solchen Mittelpaar möglich 
sind. 


Bei der Erörterung der Induktions-Vorbedin- 
gung!*), die nicht nur von den elektromagnetischen 
Eigenschaften beider Mittel, sondern auch von 


der Form der U-Fläche abhängt sowie, was zu be- 
tonen ist, von der Art der Wellenerregung in der 
Quelle, empfiehlt es sich zu setzen ae =m, so daß 


le u Dee li n 
| (ee Y m = f 9 fim] —m e E ml’). 


Die Kriterien werden sehr weitläufig, da noch hinzu- 
kommt, daß die a, und «,, die neben den Eigen- 


x 
schaften des Mittels auch noch- die Frequenz und 
Dämpfung der Quelle enthalten, alle Werte zwischen 
— oo und + œ annehmen können. Außerdem ist woh! 
zu beachten, daß (15) nur für Planwellen von ele- 
mentarer Schwankungsform entwickelt worden ist. 
Hier spielt nun noch folgende Eigentümlich- 
keit des Induktions-Vorganges gegen- 
dem gewöhnlichen Einfall hinein”). Bei gewöhnlichen 
Einfall verschwindet die einfallende Welle aus der 
Welt in dem Maße, wie sie die U-Fläche erreicht. An 
ihre Stelle treten die rückgeworfene und die ge- 
brochene Welle, als Abkömmlinge und Erben der 
Energie. Es findet keine Rückwirkung der U-Fläche 
auf die einfallende Welle statt. In einer Planwelle 
insbesondere ist die anlaufende Welle (Wa) gleich de: 
von ferne einfallenden (W,;). Die Stärke der ein- 
fallenden Welle und ihr Bau bleiben erhalten. Bei 
Sonder-Einfall hingegen verschwindet die anlaufende 
Welle nicht; sie wird vielmehr zu einer Flanke der 
geführten Welle. Dadurch, daß sie an der U-Fläche 
nicht verschwindet, geht von U eine Rückwirkung aui 
die einfallende Welle aus: diese wird abgewandelt. 


Wellen-Induktion in der drahtlosen Telegraphie. 


Le nn m nn nn nn nn mn 


verbogen, in dem Maße, wie sie der Führungsfläche 
folgt; wir sprechen daher in diesem Falle besser von 
einem Wellen-Anlauf mit Einlauf, im Gegensatz zu 
einem Einfall mit Rückwurf und Brechung. Von der 
Energie der einfallenden Welle (W;) geht dabei ein 
Teil auf die sich entwickelnden induzierten Wellen- 
flanken über, d. h. die Stärke der anlaufenden Welle 
(Wa) an U würde längs U abnehmen, wenn nicht auf 
der ganzen Breite Energie zugeschoben würde. Aus 
dieser Darlegung geht hervor, daß der Wellen-Einlaui 
in seiner ganzen Ausdehnung nicht ganz befriedigend 
durch Planwellen wiedergegeben werden kann, dit 
ja nur im groben, wenn auch im wesentlichen, Wellen 
beschreiben. Zum mindcsten ist die Rechen-Erleich- 
terung w = const. unbefriedigend. Gibt man diese 
Beschränkung auf, um auf die Feinheiten des Vor- 
ganges eingehen zu können, so tritt an die Stelle der 
Beziehung Ww? = a die allgemeinere: WwW? = a— i 
div w. Die oben entwickelten Formeln bleiben be- 
stehen, man hat nur a durch b =a —-i div Ww zu er- 
setzen. Nunmehr ist oben also b nicht mehr eine 
Konstante, sondern eine Größe, die auch von 
Lagerungsdichte der Wellenflächen sowie von ihrer 
mittleren Krümmung abhängt, was vor alłem für dic 
Induktions-Bedingung (11) von Bedeutung ist, wäh- 
rend die Kohärenz-Gleichung (4) und somit die In- 
duktions-Vorbedingung (15) davon unberührt bleibt. 


Allgemein läßt sich sagen: Indirekte In- 
duktion ist allemal möglich, wo ein 
Brewster-Effiekt Ausfall einer re- 
flektierten elektrischen P-Kompo- 
nente nicht festzustellen ist. Denn 
für den Brewster-Eiffekt'')'*)°°) gilt bei Plan- 
wellen die Vorbedingung 


lle, Vun lle’ V è, ==0: (16) 


In der Elektromagnetik kommt es, wie die Erfahrung 
lehrt, bei nicht ungeheuer großen Frequenzen, selır 
leicht zu Induktionen; man kann sie bei mäßigen Fre- 
quenzen oder phasenlosen Erregungen nur sehr 
schwer vermeiden. Bei Anlauf der Welle von Luft 
gegen Metall muß derselbe fast streifend sein. Im 
übrigen ist in Hinblick auf (13) noch zu beachten, 
daß, auch wenn die Induktions-Möglichkeit (15) sowie 
die Induktions-Bedingung (11) erfüllt sind, dennoch 
keine Induktionswelle I. Art zustande kommt, wenn 
eaf) = 0, die anlaufende elektrische Welle also keine 
/’-Komponente hat. 

Unter anderen Bedingungen. die aus (8s) mit 
Nn=o und (4.) herleitbar sind, ist auch durch An- 
lauf einer elektrischen S-Komponente die Induktion 
einer gebundenen Welle II. Art möglich, die aber nur 
bei ferromagnetischen Mitteln größere Bedeutung 
haben kann'®)?) =). Die ensprechenden Formeln 
zeigen «a. und «,, vertauscht. 


Mit beiden Arten von Induktionswellen sind im all- 
gemeinen bewegende Kräfte verbunden”). 
Die induzierten Wellen sind nachweislich nicht- 
einfach, d. h. ws» und w”, liegen nicht einander 
parallel oder verschwinden nicht. Infolgedessen 
können auch die induzierenden Wellen, die anlaufen- 
den, nicht einfach sein. Weiter gibt es deshalb un- 
endlich viele Anlaufmöglichkeiten, die zur Induktion 
führen, da ia in der Induktions-Bedingung (11) der 
Winkel zwischen wa, und w’ar beliebig vorgegeben 


21 


_— 


sein kann. Dem kann man für ungedämpfte Wellen 
die Fassung geben: Die Induktionsmöglichkeit hängt 
auch von der Elliptizität des magnetischen Feldes in 
der anlaufenden Welle ab. Der Vorgang ist ein- 
deutig, doch gibt es unendlich viele Eintritts-Möglich- 
keiten. Das ist ein das Verständnis erschwerender 
Unterschied gegenüber dem Einfall einer einfachen 
Welle, von dem man bisher in der Physik allein weiß. 
Nur in gewissen, idealisierten Fällen, die bisher aber 
allein behandelt und zu Unrecht verallgemeinert 
worden sind, kann man mit der Phasennormale allein 
operieren. Diese Fälle jedoch spielen bei der In- 
duktion keine Rolle. Deshalb ist mein Nachweis?) +) **) 
von so großer Wichtigkeit, daß es allgemein in einer 
wirklichen Welle eine Zweiheit von Wellen- 
flächen geben muß. womit ein Verlöschungsfaktor 
e P” verbunden ist. Auch bei unserem Sonder- 
einfallproblem hat natürlich die ganze anlaufende 
Welle als vorgegeben zu gelten. Der Winkel zwischen 
War und War bestimmt sich von Ort zu Ort erst aus 
dem Gesamtvorgang von der Quelle bis über die 
Induktion hinaus, eine Riesenaufgabe, die nicht ein- 
mal grundsätzlich der hervorragendste Mathematiker 
von heute anzugreifen vermag. 


Es sind auch mehrfache Induktionen an 
mehreren benachbarten U-Flächen möglich, so daß 
mehrfach geführte Wellen entstehen, die besonders 
dann sehr große Reichweiten erzielen können, wenn 
die U-Flächen einander parallel gelagert sind. Einen 
solchen Fall dürfte die wahrscheinlich vorhandene, 
leitende Heaviside-Schicht hoch in der Atmosphäre 
mit dem Erdboden hervorrufen; als Begleiterscheinung 
können dabei auch Gebiete verminderter Empfangs- 
stärke auftreten. Wir haben dann sozusagen ein 
Lecher-System im großen. An ihm kommt es durch 
direkte (an der Erde) und indirekte (an der Heaviside- 
Schicht) Induktion zu einer doppelt-geführten Welle, 
wobei auch eine rückgeworfene und eine gebrochene 
Welle abgespalten werden können, nämlich wenn die 
anlaufende elektrische Welle eine S-Komponente ent- 
hält. Aber auch sonst noch gibt es zahlreiche 
!’-Flächen in der Atmosphäre. Wahrscheinlich ist 
auf Induktion an solchen der häufig beobachtete 
„Schwund“ beim Empfang zurückzuführen. Da 
Heaviside-Schicht und Erdboden nicht metal- 
lisch leiten, so kann die Geschwindigkeit der doppelt- 
geführten Induktionswelle erheblich abweichen von 
der Lichtgeschwindigkeit, sie ist auch eine andere 
als die der einfach geführten Welle am Erdboden oder 
die der einfach geführten Welleander Heaviside- 
Schicht. Daher ist es abwegig den neuen Wieder- 
kehr-Wellen Lichtgeschwindigkeit zuzuschreiben und 
aus der gemessenen Laufzeit auf die Weglänge und 
aus ihr auf die Höhe der Heaviside-Schicht zu 
schließen?) °°). Schließlich ist noch zu erwähnen, daß 
die Feststellung von Wiederkelir-Wellen den Beweis 
für die Nichteinfachheit der Wellen der drahtlosen 
Telegraphie mit sich führt. 

Unstetirkeitsflächen sind nützliche, ja notwendige 
Abstraktionen zwecks Vereinfachung der Rechnung. 
In der Natur aber liegen stets Schichten vor, wenn 
auch meist mit sehr stark veränderlichen Eigen- 
schaften. Berücksichtigen wir ferner die Inhomogeni- 
tät der Luft infolge der Schwere und ihre lonisation. 
so erfährt die Welle im Zwischenmittel eine zusätz- 


22 


liche lokale Krümmung, konvex oder konkav, je nach- 
dem die zusätzlichen scheinbaren Erregungsbeiwerte 
und die Leitfähigkeit nach oben oder nach unten zu- 
nehmen. Von diesen sekundären Annäherungen an 
die Wirklichkeit sieht man am besten ab, wenn man 
lediglich das Wesen des Ausbreitungsvorganges in 
der drahtlosen Telegraphie erfassen will. 

Auch für einen Fall elastischer indirekter Induk- 
tion habe ich bereits den Beweis erbracht?”). Ich hoffe 
nun deutlich gemacht zu haben, daß die Wellen- 
Induktion, die direkte sowohl wie die indirekte, 
ein Ur-Phänomen an Unstetigkeits- 
flächen ist von genau der gleichen 
wellenkinematischen Notwendigkeit 
wie die Rückwerfung und Brechung 
einer Welle?). Jede Wasserfläche, gegen die 
eine veränderliche Luftbewegung einfällt, zeigt in den 
entstehenden Wellen anschaulich die indirekte Induk- 
tion. Freilich, wer nur Feldgleichungen und Grenz- 
bedingungen kennt, dem bleibt die Induktion ver- 
borgen. Und wenn man ihn auf diesen Vorgang in 
der Natur stößt, so bleibt er ihm als Wellen-Vorgang 
unerklärlich. Man muß zum Verständnis erkannt 
haben: 1. daß die bisher angenommene Wellenflächen- 
Lagerungsdichte nicht die wahre grad ® = w ist; 
2. daß es nicht-einfache Wellen gibt, d. h. Aus- 
breitungsformen mit zwei wandernden Größen, also 
mit unstarr sich verschiebendem Wellenbilde; 3. daß 
es geführte Wellen gibt, im Gegensatz zu den frei 
sich ausbreitenden; 4. daß es in geführten Wellen 
eine mehrdeutige Existenz-Bedingung gibt, der mehr- 
fache Bauformen entsprechen. Die Wiederkehr- 
Wellen liefern einen Beweis im großen für die wahre 
Theorie der Wellen-Induktion. 


Zusammenfassung. 

Die Entdeckung der Wiederkehr-Wellen (Quäck 
1926) lehrt, daß die drahtlosen Wellen in Wahrheit 
Drahtwellen sind, d. h. geführte Wellen. Das ist eine 
Ausbreitung flächiger Art, bei der eine Unstetigkeits- 
fläche als Führungsfläche dient und der Welle eine 
bestimmte Geschwindigkeit und Verlöschung auf- 
drückt. Die Theorie dieser Wellen konnte bisher 
nicht aufgestellt werden, weil ein allgemeines Wellen- 
Prinzip, das Interferenz-Prinzip, bisher seinen mathe- 
matischen Ausdruck nicht gefunden hatte. Hat man 
ınit ihm das Gleichungssystem der Welle ermittelt, 
so hat man die geführte Welle an der Grenze zweier 
Mittel aus je zwei Wellenflanken zusammenzusetzen, 
die durch die Einführung der Wellenkohärenz-Bedin- 
gung auf ihrem Verlaufe längs U. zusammengehalten 
werden. Sodann erst sind die physikalischen Grenz- 
bedingungen einzuführen. Auf diesem annahmenifreien 
Wege gelangt man zu charakteristischen Sätzen, von 
denen fünf angeführt werden. — Die direkte und die 
indirekte Entstehungsweise dieser gebundenen Wellen 
nennt Verf. Wellen-Induktion. Die indirekte kommt 
durch Sonder-Einfall einer nicht - einfachen Welle 
gegen eine U-fläche zustande, indem dann eine Vor- 
bedingung erfüllt ist, die sich auf die Eigenschaften 
des Mittelpaares, die Form der U-Fläche und die Art 
der Wellen-Erregung bezieht. Von Wichtigkeit ist 
ferner, daß diese Wellen nicht-einfach sind. Im all- 


Karl Uller: Wellen-Induktion in der drahtlosen Telegraphie. 


gemeinen gibt es nämlich in einer Welle eine Zwei- 
heit von Wellenflächen: die der Phase und die der 
Verlöschung, die beide sich unter einem beliebigen 
Winkel schneiden können. Nunmehr wird verständ- 
lich, daß auch — entsprechend der Erfahrung —, 
wenn der Sender nicht geerdet ist, dennoch, mittel- 
bar, durch indirekte Induktion an der Erde geführte 
Wellen mit der auffallend großen Reichweite zu- 
standekommen. Und gibt es eine Heaviside-Schicht 
in der Atmosphäre, so kann sich, ebenfalls durch in- 
direkte Induktion, an ihr und an der Erde sogar eine 
doppeltgeführte Welle ausbilden. 


Literatur. 


1) K. Uller, Beiträge zur Theorie der elm. Strahlung, Diss. 
Rostock S. 61, 67, 71, 1903. 

2) --, Die Mitwirkung der Erde und die Bedeutung der 
Erdung, Jahrbuch der drahtl. Telegraphie 2, S. 8, 1908/09. 

3) —, Die kinematische, die physikalische Welle, Ebenda 8, 
S. 438, 1914. 

4) —, Eine Wellenstudie, Elster-Geitel-Festschrift 1915, S. 521. 

5) —, Zurückwerfung und Brechung elastischer Wellen, Ver- 
hdig. d. D. Phys. Ges. 16, S. 835, 1914. 

6) —, Desgl. für elektromagnetische Wellen; Ebenda 16, 
S. 875, 1914. 

7) —, Desgl. an natürlich-drehenden Körpern; Ebenda 16, 
S. 926, 1914, 

8) —, Desgl. an magnetisch-aktiven Körpern; Ebenda 16, 
S. 997, 1914. 

9) —, Desgl. an kristallinischen Körpern ; Ebenda 17, S. 20,1915. 

10) —, Die Spannungen im elm. Felde; Phys. Zeitschrift 16, 
S. 376, 1915. 

11) —, Die Gültigkeitsbedingungen des Brewsterschen 
Gesetzes; Ebenda 17, S. 13, 1916. 

12) —, Das Interferenz-Prinzip; Ebenda 18, S. 101, 1917. 


13) —-, Elastische Oberflächen-Planwellen;, Annalen der 
Physik 56, S. 463, 1918. 
14) —, Die elektromagnetische Zweimittel-Planwelle; Jahrb. 


d. drahti. Telegraphie 15, S. 123, 1919. | 

15) —, Einige Sätze aus der Theorle der gebundenen elm. 
Wellen; Zeitschrift f. Physik 3, S. 361, 1920. 

16) —, Doppler-Effekt an bewegterUnstetigkeitsfläche, Ebenda4, 
S. 109, 1921. 

17) —, Die elektromagnetische Wellen-Induktion I; Ebenda 8, 
S. 89, 1921. 

18) —, Desgleichen II, Ebenda 8, S. 193, 1922. 

19) —, Desgleichen IlI, Vortrag, Hessengau d. D. Phys. Ges. 
Gießen 1922. 

20) —, Die elm. Induktions-Vorbedingungen ; Verhdig. d. D. 
Phys. Ges. 1922, S. 51. 


21) —, Ueber die Verzerrungswellen-Induktion;, Ebenda, 
S. 8, 1922, , 
22) —, D'e Verzerrungswellen in schweren Mitteln, Zeitschr. 


f. angewandte Math. u Mech. 6, S. 106, 1926. 

23) —, Hysterese und Reversibilität; Zeitschr. f. Physik 38, 
S. 72, 1926. 

21) —, Die geführten Schwerewellen an der Grenze zweier 
fließenden Mittel; Zeitschr. f. angew. Math. u, Mech. 7, S. 129, 1927. 

25) —, Die Entwicklung des Wellen- Begriffes I, Gerlands 
Beiträge zur Geophysik 18, S. 398, 1927. 

26) —, Analyse der Planwelle von elementarer Schwankungs- 
form sowie ihre Verwendung zur angenäherten \Viedergabe einer 
allgemeineren Wellenform; Ebenda 20,°S. 123, 1928. 

2) —, Wellen-Induktion; Ebenda 19, S. 134, 1928. 

28) —, Die mehrfachgeführten Wellen in mehreren fließenden 
Mitteln; Zeitschr. f. angew. Math. u. Mech. 8, S. 283, 1928. 

29) E. Quäck, Mit Kurzwellen rund um die Erde; Jahrb. f. 
drahtl. Telegraphie 28, S. 177, 1926. 

30) K. W. Wagner; Ueber die Ausbreitung kurzer elektrischer 
Wellen rund um die Erde; Sitz. Ber. d. Berl. Akad. Phys.-Math. 
Klasse 16/12, 1926; 21/7. 1927, 

3) F. Kiebitz, Ueber die Ausbreitung elektrischer Wellen 
an der Erdoberfläche ; Telegr. u. Fernsprech-Technik 15, S. 207,1926. 


(Eingegangen am 11. Mai 1928.) 


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F. Gerth uud W. Scheppmann: Untersuchungen über die Ausbreitungsvorgänge ultrakurzer Wellen. 23 


Untersuchungen über die Ausbreitungsvorgänge 
ultrakurzer Wellen. 


Von F. Gerth und W. Scheppmann. 
Aus den Laboratorien der C. Lorenz- Aktiengesellschaft, Berlin-Tempelhof. 


Inhaltsübersicht. 
Theorie. 
I. Reichweitenversuche mit der 3-m-Welle im 
Flugzeug. 


ll. Reichweitenversuche vom Brocken. 
Zusammenfassung. 


Aus den bisherigen Reichweitenversuchen mit 
ultrakurzen Wellen, d. h. mit Wellen unterhalb 10 m. 
schien hervorzugehen. daß diese Wellen in bezug auf 
die Ausbreitung im Raum sich wesentlich anders ver- 
halten, als die für den Nachrichtenverkehr auf größere 
Entfernungen immer mehr und mehr verwendeten 
Kurzwellen oberhalb 10 m. 

2 


N 


® 
Bild 1. 


Darstellung der Reichweite x bei Senderhöhe A. 


= Versuche mit Wellen unter 10 m wurden in 
Deutschland vor allem auch am Institut für technische 
Physik der Universität Jena von Prof. Esau und 
seinen Schülern ausgeführt. 

Die nachstehend beschriebenen Versuche sind in 
direkter Zusammenarbeit mit Prof. Esau und teils 
auf dessen Anregung, teils auf die von W. Hahne- 
mann unternommen worden. Sie wurden durch die 
Laboratorien der C. Lorenz - Aktiengesellschaft, 
Berlin-Tempelhof, ausgeführt, und zwar im wesent- 
lichen unter Mitwirkung der Herren Karplus, Dr. 
Gresky, Dr. Hornung von der Firma 
C. Lorenz-Aktiengesellschaft und Dr. Busse von 
der Universität Jena. 

Schon bei früheren Reichweitenversuchen mit 
Wellen von 3 bis 4 m hatte sich herausgestellt, daß 
die Reichweiten mit der Höhe des Senders bzw. des 
Empfängers über dem Erdboden zunahmen, und zwar 
derart, daß die Annahme aufgestellt wurde, für die 
Reichweiten sei in der Hauptsache die direkte und 
nicht die dem Erdboden entlanggehende Strahlung 
maßgebend. 

Um diese Annahme, auf deren praktische Bedeu- 
tung am Schluß hingewiesen ist, zu prüfen, wurden 
die nachstehenden Versuchsreihen ausgeführt, bei 
welchen der Sender oder der Empfänger oder beide 
sich an erhöhten Punkten befanden. 


Theorie. 


Geht man von der Annahme aus, daß die Reich- 
weiten in der Hauptsache durch den direkten Strahl 


zwischen Sender und Empfänger begrenzt sind, so 
erhält man die größtmögliche Reichweite sehr leicht 
nach folgender Ueberlegung. 

Stellt in Bild 1 der Kreis die als Kugel gedachte 
Erde mit dem Radius r dar und k die Höhe des 
Senders über der Erdoberfläche, so geben die Mantel- 
linien des von dem Punkte P an die Kugel gelegten 
Tangentialkegels die äußerste Grenze an, für die noch 
direkte Strahlung von P aus möglich ist. Die Länge 
dieser Tangenten beträgt <= V 2rh—h oder, da 
k? gegen 2r h zu vernachlässigen ist, x =Y2rh. Die 
Reichweite ist somit proportional der Quadratwurzel 
aus der Höhe und da r>6,4.10° m ist, x = 3550 
V him) = 3,55 km V hm): 

Bild 2 zeigt die Abhängigkeit der Reichweiten der 
direkten Strahlung von der Höhe des Senders über 


- der Erdoberfläche. Befindet sich auch der Empfänger 


am erhöhten Punkt und bezeichnet man die Höhe 
des Senders über der Erdoberfläche mit k, und 
die des Empfängers mit h,, so erhält man als größte 
Reichweite der direkten Strahlung x = V2r (Vh + 
Vha) oder x = 3550 (Vh + Vh) in m. 


H 
CENENE RERE” AN 
CENTERET 
ERBEREEPSERRERE 


E A 
Ester 
BEE Saar 


ng 
-r -r 


angenteni; 
S 


0 100 200 300 409 500 000 700 600 900 1000 1100 1800 1900 400 1800 
Höhe in mir. —— 


Bild 2. 
Abhängigkeit der Reichweite der direkten Strahlung von der 
Höhe des Senders über den Erdboden. 


Man kann demnach für diesen Fall die Reichweite 
aus Bild 2 ablesen, indem man einfach die Reich- 
weite für die beiden Höhen addiert. Gleichzeitige 
Erhöhung von Sender und Empfänger über dem Erd- 
boden bedeutet also eine Vergrößerung der Reich- 
weite. 


Innerhalb dieses Tangentialkegels wird die Strah- 
lungsenergie einem quadratischen Abnahmegesetz 
folgen, während über diesen Kegel hinaus nur Beu- 
gung stattfinden kann, wobei die Energie bei Ver- 
größerung des Abstandes vom Sender und Empfänger 
viel rascher als vorher abklingen wird. 


Ebenso ist anzunehmen, daß die Energie im 
Schatten eines zwischen Sender und Empfänger be- 


-24 


nn nn nn nn a 


findlichen und zur Wellenlänge großen Hindernisses, 
da sie nur durch Beugung in diesen Schatten gelangen 
kann, nur ein Bruchteil der Energie der direkten 
Strahlung sein wird. 


beider Geräte 


F. Gerth und W. Scheppmann: 


Teil durch Kabel verbundenen Hochfrequenzteile 

erkennen. Der Sender war für 

Telephonie und tönende Telegraphie eingerichtet. 
Bild 4a zeigt den Höchfrequenzteil des Senders, 


Bild 3. 


-a s 


aR u Pr EX Ie 
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i Bild 4a. 
Hochfrequenzteil des Senders. 


l. Reichweitenversuche mit der 3-m-Welle im 
Flugzeug. 
Die für die Versuche verwendeten Geräte waren 
so gebaut worden, daß der Hochfrequenzteil von dem 
übrigen Teil des Gerätes getrennt aufgestellt werden 


konnte und mit diesem durch ein gepanzertes Kabel 
verbunden war. : 


Bild 3 stellt das Gesamtbild von Sender und Emp- 
fänger dar. Man kann deutlich die mit dem übrigen 


Bild 4b. 
Hochfrequenzteil des Empfängers. 


die Röhre mit dem zwischen Anode und Gitter liegen- 
den Schwingungskreis. Die Schwingungsleistung des 
Senders betrug ungefähr 1—2 Watt. Der Empfänger 
enthielt Superregeneration und zweifache Nieder- 
frequenzverstärkung. Bild 4b stellt den Hochfrequenz- 
teil des Empfängers dar. 

Für die Versuche stand durch die dankenswerte 
Vermittelung Dr. Heraths vom Reichsverkehrs- 
ministerium ein Junkers-Kabinen-Flugzeug der Type 
F. 13 zur Verfügung. Der Hochfrequenzteil des 


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* Empfangsversuchen. 


„ Untersuchungen über die Ausbreitungsvorgänge ultrakurzer Wellen. 


Senders wurde außerhalb des Flugzeuges unter dem 
Rumpf gefedert angebracht, der Empfänger stand 
vollkommen innerhalb der Kabine, wobei die Hoch- 
frequenzteile gefedert direkt an einem Fenster 
standen. Bei den Versuchen wurde an sämtlichen 
Geräten, sowohl im Flugzeug als auch am Boden, 
ohne jede Antenne gearbeitet. 

Die ersten Versuche wurden so ausgeführt, daß 
im Flugzeug nur gesendet und an einer Bodenstation 
empfangen wurde. Zunächst wurde die Reichweite 
festgestellt, wenn das Flugzeug in 1000 m Höhe flog. 
Die Lautstärke betrug dabei bis zu einer Entfernung 
von ungefähr 30 km r 8—10 und nahm von da an all- 
mählich ab, bis in 50 km Entfernung der Empfang 
vollständig ausblieb. In Entfernungen bis ungefähr 
10 km war die Empfangslautstärke gleich stark, wenn 
das Flugzeug in Höhen von 100 bis 1200 m flog. 
Unter 100 m nahm die Lautstärke ab und unter 30 m 
setzte der Empfang schon in ungefähr 5 km Ent- 
fernung vollständig aus.. 

Der Empfang im Flugzeug war das schwierigere 
Problem, da man den Empfänger nicht in gleicher 
Weise wie den Sender außerhalb des Flugzeuges an- 
bringen konnte, da Abstimmung und Rückkopplung 
bedient werden mußte. 

Außerdem störte das Zündgeräusch des Motors, 
das beim Anlaufen desselben als ein starkes knacken- 
des Geräusch auftrat, so daß ein Empfang ganz un- 
möglich ‘schien. Bei Vollgas wurde jedoch die 
Störung des Zündgeräusches ganz erheblich leiser 
und trat nicht mehr störend in Erscheinung. 

In 100.m Höhe wurden die ersten Telegraphie- 
zeichen aufgenommen. Die Lautstärke betrug un- 
gefähr r 4-6. Es konnte bis auf eine Entfernung 
von ungefähr 10 km gehört werden. Dieses Er- 
gebnis deckt sich mit . denjenigen Versuchen, bei 
denen der Hochfrequenzteil des Senders innerhalb 
der Kabine stand. Manchmal blieb schon innerhalb 
Reichweite der Empfang aus. Offenbar 
schirmte dabei das Flugzeug in irgendeiner Stellung 
den Empfänger gegen den Sender ab. Beim Landen 
des Flugzeuges konnte bis auf eine Höhe von un- 
gefähr 30 m gehört werden, und zwar nahm die Laut- 
stärke von 100 m an gleichmäßig ab. 

Bei sämtlichen bisher geschilderten Versuchen war 
innerhalb der Reichweitengrenzen Telephonie und 
Telegraphie gleich gut aufnehmbar. 

Die Energie des Bodensenders betrug bei diesen 
Versuchen ebenfalls 1—2 Watt. | 

Da die bei den Empfangsversuchen im Flugzeug 
erzielten geringen Reichweiten ihren Grund in der 


. starken Absorption der metallischen Flugzeugteile 


hatte, mußte eine Verstärkung der Senderenergie des 
Bodensenders wesentlich größere Reichweiten er- 
geben. 

Infolgedessen wurden weitere Versuchsflüge 
unternommen, bei denen auf einem erhöhten Punkt, 


: und zwar auf dem Fuchsturm bei Jena, ein Sender 
-von ungefähr 70 Watt Strahlungsleistung, der aut 
" einen abgestimmten Dipol arbeitete, aufgestellt wurde. 


Es wurde während eines Fluges von Berlin nach 


‘ Nürnberg und in umgekehrter Richtung von Nürnberg 


nach Berlin empfangen. 
Bild 5 gibt ein anschauliches Bild von diesen 
Der Sender wurde zuerst in 


einer Entfernung von 45 km und in einer Höhe von 


25 


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600 m gehört. Der Empfang begann mit einer Laut- 
stärke von r 4—5 und steigerte sich bald auf r 9—10, 
während dieser Zeit stieg das Flugzeug noch auf 
10C0 m Höhe. Beim Weiterfliegen blieb die Laut- 
stärke innerhalb der Entfernung von 50—80 km nahe- 
zu konstant; von da an nahm sie stark ab, bis in 
ungefähr 100 km Entfernung der Empfang vollständig 
aussetzte. Auf dem Rückflug wurde der Sender zuerst 
in 40 km Entfernung bei etwa 500 m Höhe gehört. 
Anfangs nahm die Lautstärke auch wieder stark Zu, 
bis beim Weiterfliegen in: ungefähr 90 km Entfer- 
nung wieder kein Empfang mehr möglich war. Die 


.Gross-Berlin 


Flughafen . 
Potsdamo 


feichweitenversuch-Im Corat. 


„ie „Entfernung n km. 


DS Munchberg“ "0 Hoghöhe in m. für den 
sage Zen Oeke flyg: in Kammern (500). 


III Lautstärke. 5 MM -r 10. 


Fürth © c MINOC 


Bild 5. 
Flugstrecke und Angabe der Reichweiten und des Verlaufes, der 
Empfangslautstärken. 


Flughöhe betrug dabei allerdings nur noch 350 ın. 
Wahrscheinlich ist dadurch die geringere: Reichweite 
beim Rückflug zu erklären. | 

Dazu ist noch zu bemerken, daß der Empfang im 
Flugzeug immer erst einsetzte, wenn es sich seitlich 
von der Sendestation befand und am besten wurde, 
wenn es von der Station wegflog. 

Es ist möglich, daß diese Erscheinung aii einer 
Abschirmung durch die Tragflächen des Flugzeuges 
beruht, die sich unterhalb vor der Kabine befinden., 
in der der Empfänger stand, so daß sie zwischen 
Sender und Empfänger lagen, wenn das Flugzeug auf 
die Sendestation zufliegt. 

Vergleicht man die Ergebnisse der Blusen 
versuche mit der obigen Theorie, so findet man, daß 
sie dieser im allgemeinen entsprechen, insbesondere 
scheint die rasche Abnahme der Lautstärke von der 
Erreichung einer bestimmten Minimalhöhe des Flug- 
zeuges gegenüber dem Erdboden für die Theorie zu 
sprechen. Durch die wechselnden Abschirmungs- 
verhältnisse infolge der verschiedenen Stellung des 
Senders zum Flugzeug schälen sich allerdings die 


d6 F. Gerth und W..Scheppmann: Untersuchungen ü über die Ausbreitungsvorgänge ultrakyrzer Wellen. ER 


a un nn 


nach der vorstehenden Theorie zu erwartenden Reich- 
weitengrenzen nicht klar heraus, so daß noch weitere 
Versuchsreihen unternommen werden mußten. 


II. Reichweitenversuche vom Brocken. 


Es wurde ein Sender größerer Leistung auf dem 
Gipfel des Brockens in einer Höhe von 1140 m über 
Meereshöhe aufgestellt. Zum Empfang wurde das 
vom Brocken nordöstlich gelegene Gelände (ca. 
150 m Meereshöhe) gewählt, das ziemlich- eben und 
von dem aus direkte Sicht zum Brocken möglich ist. 
Die zu erwartende Reichweite für direkte Strahlung 
wäre also ca. 110 km. ° 

Der Sender, der in Bild 6 wiedergegeben ist, be- 
saß eine Telefunkenröhre Type RS 229 g, die mit 
einer 500-periodigen Anoden-Wechselspannung von 
ungefähr 2000 Volt betrieben wurde. Die Welle des 


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Bild 6. 

Hochfrequenzteil des Senders auf dem Brocken. 
Senders betrug 3,20 m. Der Sender arbeitete auf 
einem abgestimmten Vertikaldipol von der Länge 
1,6 m. Der Empfänger war der gleiche, wie der bei 
den Flugzeugversuchen verwendete, war also mit 


Superregeneration und zweifacher Niederfrequenz- 
verstärkung ausgerüstet. 

Es wurde entweder ohne Antenne oder mit einer 
Horizontal-Antenne von etwa 2% m Länge oder mit 
einer Tlochantenne von ungefähr 8 m Länge 


_ empfangen. 


Der Sender wurde zunächst in unmittelbarer Nähe 
des Erdbodens auf dem Gipfel des Brockens auf- 
gestellt. Es ergab sich dabei eine Reichweitengrenze 
in den verschiedenen Richtungen zwischen 76 und 100 
km, und zwar blieb bei allen Versuchen die Emp- 
fangslautstärke bis zu einer gewissen - Entfernung 
fast konstant und nahm über diesen Punkt hinaus 
sehr schnell bis auf Null ab. 


Die Breite dieses Gebietes der schnellen Laut- 
stärke-Abnahme schwankte zwischen 6 und 15 km. 
Offenbar gelangt in dieses Gebiet nicht mehr die 
direkte, sondern nur die abgebeugte Strahlung. 

Die in den verschiedenen Richtungen etwas ver- 
schiedenen Reichweiten werden ihren Grund in den 
verschiedenen Höhenlagen der Empfangsorte und in 
der welligen Natur des Zwischengeländes haben. 

Zur weiteren Nachprüfung der Theorie wurde in 
einer Versuchsreihe die Sendeenergie stufenweise im 
Verhältnis von ungefähr 80 : 1 geändert. Dabei stellte 
es sich heraus, daß bis zu einer Grenze von 79 km 


sämtliche Energiestufen, allerdings mit verschiedener 
Lautstärke, noch gut empfangen werden konnten. 
Von da an nahm die Lautstärke rasch ab und in 
85 km Entfernung war nur noch die größte Energie 
aufnehmbar. Dieser außerordentlich instruktive 
Versuch, bei dem die Reichweite des Senders sich 
trotz einer Energieveränderung von 1:80 nur un- 
wesentlich verschiebt, zeigt sehr deutlich, daß die 
Reichweite in der Hauptsache auf den direkten Strahl 
beschränkt ist, und daß die Unterchiede der Reich- 
weiten nur dadurch zustande kommen, daß im Ge- 
biet der abgebeugten Strahlung die geringe Energie 
schneller auf den Reizschwellwert des Empfängrs ab- 
klingt, als die größere. 

Die nächsten Versuche wurden so ausgeführt, daß 
der Sender auf dem Turm des Brockengipfels (un- 
gefähr 1160 m ü. d. M.) aufgestellt wurde. Die Reich- 
weite steigerte sich in einer Richtung, in der sie bei 
dem vorhergehenden Versuche 95 km betrug, um 
etwa 20 km auf etwa 115 km. 

Bei Verwendung von Empfangsantennen war im 
Gebiet der direkten Strahlung kein merklicher Unter- 
schied der Lautstärke gegenüber einem Empfang 
ohne Antenne vorhanden. Im Beugungsgebiet konnte 
dagegen die Reichweite durch Verwendung einer 
Empfangsantenne um einige Kilometer erhöht werden; 
so lag bei den zuletzt beschriebenen Versuchen die 
Grenze des Gebietes der direkten Strahlung bei 
107 km. Die Grenze des Empfanges war in der 
Beugungszone ohne Antenne 115 km und mit einer 
8 m langen Hochantenne 120 km. 

Vergeicht man die so gefundenen Ergebnisse mit 
der obigen Theorie, so ergibt sich volle Ueberein- 
stimmung. Für eine relative Höhe des Brockens über 
der Umgebung des Empfangsgeländes, von etwa 
1000 m, ergibt sich aus Bild 2 als Grenze für das Ge- 
biet der direkten Strahlung x = 110 km. 

Man ersieht daraus, daß die bei den letzten Ver- 
suchen erzielten Reichweiten direkter Strahlung, bei 
denen der Sender in einer Höhe von mehreren Wellen- 
längen über der unmittelbar benachbarten Umgebung 
steht und also offenbar ungestört in den Raum aus- 
strahlt, in verhältnismäßig guter Uebereinstimmung 
mit der Theorie sind. Befand sich der Sender in un- 
mittelbarer Nähe des Erdbodens, so war die Reich- 
weite geringer, als nach der Theorie zu erwarten ist. 
Dieser Unterschied findet vielleicht seine Erklärung 
darin, daß infolge der großen Erdbodennähe eine 
Strahlungsbeeinflussung eintritt, die dieselbe Wirkung 
hat, als ob der Ausstrahlungspunkt um einen be- 
stimmten Betrag nach unten zu verschoben wird. 

Zur weiteren Nachprüfung der Theorie wurde eine 
zweite Versuchsserie ausgeführt, wobei sich der 
Sender in ungefähr halber Höhe des Brockens be- 
fand, und zwar wurde er auf dem Armleutberg bei 
Wernigerode in ungefähr 500 m über Meereshöhe, 
also etwa 350 m über der Umgebung aufgestellt, und 
zwar von vornherein auf einem ungefähr 16 m hohen 
Turm, um störende Einflüsse durch : den Erdboden 
auszuschließen. Die Empfangsversuche wurden in der 
Richtung Braunschweig—Celle ausgeführt, nach der 
vom Sender aus direkte Sicht herrscht. Bis zu einer 
Entfernung von ungefähr 66 km war keine merkliche 
Abnahme der Lautstärke vorhanden. Von da ab ging 
die Lautstärke stark zurück, bis in ungefähr 77 km 
Entfernung der Empfang aussetzte. 


-6: nn — — i m TE 


H. E. Hollmann: Zusammenfassender Bericht. 


Der Empfang war ohne und mit Empfangsantenne 
ziemlich gleichwertig. Während noch bis 76 km Ent- 
fernung bei Fortlassung der Sendeantenne und ver- 
minderter Energie eine Lautstärke von r 1 zu hören 
war, war bei 77 km Entfernung mit Senderantenne 
und größter Senderleistung der Sender bereits nicht 
mehr zu hören. 


Vergleicht man diese Empfangsergebnisse mit 
denen nach der Theorie zu erwartenden, so erhält man 
für eine durchschnittliche Höhe des Senders von 
350 m über dem Versuchsgelände aus Bild 2 eine 
Reichweite von ungefähr 67 km. Nach den Messungen 
beträgt das Gebiet der direkten Strahlung 66 km, das 
Gebiet der abgebeugten Strahlung 11 km. Die Ueber- 
einstimmung mit der Theorie erwies sich somit auch 
bei diesen Versuchen als sehr gut und gibt eine 
weitere Bestätigung für dieselbe. 


Zusammenfassung: 


Aus früheren Versuchen entstand die Annahme. 
daß die Wellen unter 10 m dem Gesetz der Licht- 
ausbreitung folgen, es wurden daher die in dieser 
Arbeit beschriebenen Versuche zwischen Flugzeug 
und Erdboden und zwischen Brockengipfel und Um- 
gebung ausgeführt, um diese Annahme zu prüfen. Die 
Resultate der Versuche bestätigen sie. 

Diese Wellen werden wie das Licht durch da- 
zwischenliegende gegen ihre Wellenlänge große 
Hindernisse abgeschirmt und nur ein geringfügiger 


Die Erzeugung kürzester elektrischer Wellen mit Elektronenröhren. 27 


Betrag der Amplitude wird in den Schattenkegel hin- 
eingebeugt. Die Amplitude nimmt im Gebiet der 
direkten Strahlung voraussichtlich quadratisch, dar- 
über hinaus sehr rasch ab. Im Gegensatz zu den 
Wellen über 10 m wurden Fading-Erscheinungen bis- 
her noch nicht beobachtet, offenbar liegt also keine 
Rückstrahlung oberer Schichten der Atmosphäre vor. 
Vom sichtbaren Licht unterscheiden sie sich für 
die Praxis vorteilhaft insofern, als sie durch da- 
zwischen liegenden Nebel in ihrer Reichweite nicht 
beeinflußt werden und die ihre Ausbreitung hindern- 
den Schattenkörper sehr viel größer sein können als 
beim Licht. In den ultrakurzen Wellen (< 10 m) 
steht somit ein Nahverkehrsmittel von außerordent- 
licher Bedeutung zur Verfügung, dessen Wert vor 
allem darin liegt, daß die Reichweite bestimmt be- 
grenzt ist und über eine gewisse Entfernung mit 
Sicherheit nicht hinausgeht, daß zur Ueberbrückung 
aieser Entfernung nur sehr geringe Energie erforder- 
lich ist. und daß im Gegensatz zu den Lichtwellen 
Rauch und Nebel ohne merkbare Amplituden- 
schwächung durchdrungen werden kann. Ferner ist 
eine Zusammenfassung des Strahles unter Benutzung 
von verhältnismäßig kleinen Spiegeln leicht möglich. 
Diese Wellen bringen also für viele Anwendungs- 
gebiete gegenüber den elektrischen Wellen größerer 
Dimensionen die Vorteile der Optik, ohne einige 
wesentliche Nachteile derselben zu besitzen. 


(Eingegangen am 16. November 1928.) 


Zusammenfassender Bericht. 


Die Erzeugung kürzester elektrischer Wellen 
mit Elelitronenröhren. 


Von H. E. Hollmann. 
Physikalisches Institut der Technischen Hochschule Darmstadt. 


Inhaltsübersicht. 
l Schwingungserzeugung durch Rück- 
kopplunge. 


ll. Schwingungserzeugung durch Steu- 
erung der Elektronenbewegung in 
-Bremsfeldern. 


1. Elektronenschwingungen nachBarkhausen- 
Kurz. 


a) Die Pendelbewegung der Flektronen um das 
Gitter. 


b) Abhängigkeit der 
vom Gasdruck. 


c) Einfluß der Raumladung. 
d) Der EinfluB eines angekoppelten Schwin- 


Elektronenschwingungen 


gungskreises. 

2. Das gleichzeitige Auftreten von Bark- 
hausen-Kurz- und Gill- und Morrell- 
Schwingungen. 

3. Theoretische Untersuchungen der Elektronen- 
schwingungen. 


4. Verschiedene Arten von Elektronen- 

schwingungen: 

a) Elektronenschwingungen 
Raum. 

b) Gill- u. Morrell-Schwingungen höherer 
Frequenz. 

c) Elektronenschwingungen zwischen den 
Gitterstäben. 

5. Die Energie der Elektronenschwingungen. 

6. Elektronenschwingungen im Magnetield. 

7. Die Aussiebung von Oberwellen. 

Die Erzeugung gedämpfter elektrischer Wellen in 
der Größenordnung von Dezimetern und Zentimetern 
ist verhältnismäßig einfach, arbeitete doch schon 
Heinrich Hertz!) mit Wellen von etwa einem 
halben Meter Länge. Seitdem ist es einer großen 
Zahl von Forschern gelungen, den Frequenzbereich 
des Hertzschen Funkenoszillators durch Verringe- 
rung seiner Abmessungen stetig zu erhöhen (R i g h i?); 
Lebedew°); Lampa’); Möbius), wobei der 
von Nicols und Tear’) hergestellte Oszillator mit 


im Gitter-Anode- 


38 


einer Grundwelle von 1,8 mm wohl das kleinste, 
mechanisch noch herstellbare Schwingungssystem 
darstellt. Die höchsten Frequenzen ergab der 
„Massenstrahler“ von Arkadiew.a”), der mit einer 
kürzesten Welle von 0,13 mm bereits weit in das Ge- 
biet der langwelligen Wärmestrahlen hineinreicht. 
Leider ist die Energie der mit Funken erzeugten 
kurzwelligen Schwingungen äußerst gering, und 
für physikalische Untersuchungen, wie z. B. Disper- 
sions- und Absorptionsmessungen, macht sie ihre 


Dar 


Bild 1. 
Dreipunktschaltung. 


starke Dämpfung fast unbrauchbar. Seit der Ent- 
wickelung der Elektronenröhre ist es daher das Be- 
streben gewesen, den Frequenzbereich der un- 
gedämpften Schwingungen, wie sie die Röhre zu er- 
zeugen gestattet, nach oben auszudehnen. Dabei 
treten jedoch erhebliche Schwierigkeiten auf, infolge 
deren bis heute die mit Funkenoszillatoren erzeugten 
Frequenzen auch nicht annähernd erreicht worden 
sind. | 


Éa 


Bild 2. 
Kurzwellenoszillator von Gutton und Touly. 


I. Schwingungserzeugung durch Rückkopplung. 

Zunächst liegt es nahe, die Arbeitsweise der 
Elektronenröhre, wie sie im Bereich längerer Wellen 
Anwendung findet, auch für die Erzeugung höchster 


Frequenzen beizubehalten, indem lediglich die Eigen- 


frequenz der Schwingungskreise durch Verringerung 
ihrer äußeren Abmessungen erhöht wird. Dabei 
müssen alle nicht unumgänglich nötigen Schalt- 
elemente, welche die Frequenz herabsetzen könnten, 
vermieden werden, und daher sind Anordnungen mit 
zusätzlichen Rückkoppelorganen, seien sie induktiver 


H. E. Hollmann: 


oder kapazitiver Art, wenig geeignet. Aus diesem 
Grunde wurden die kürzesten Wellen in der Schaltung 
des Bildes 1 erhalten, bei dem die auf das Gitter 
zurückgeführte Rückkoppelspannung unmittelbar an 
der Induktivität des Schwingungskreises abgegriffen 
wird (Spannungsteiler- oder Dreipunktschaltung). In 
dieser Schaltung erhielten Gutton und Touly’) 
bereits im Jahre 1919 mit einer gewöhnlichen Empfän- 
gerröhre Wellen von 1,5 m Länge; ihre Anordnung 
zeigt das Bild 2. Die Induktivität des Schwingungs- 
Kreises besteht nur noch aus einem einzigen Draht- 
ring, während die Kapazität allein durch die innere 
Röhrenkapazität ersetzt wird. Um Gitter und Anode 
die erforderlichen Gleichspannungen zuführen zu 
können, ist der Schwingungskreis im Spannungsknoten 
durch einen Blockkondensator unterteilt. Bei Wellen- 
längen in der Größe von einem Meter wird schließ- 
lich der Schwingungskreis nur noch aus den zum 


Bild 3a. 


Bild 3b. 
Dreipunktschaltungen mit Paralleldrahtsystemen. 


Schaltungsaufbau unvermeidlichen Leitern gebildet, 
wodurch sich die Anordnung auf die aus Bild 3a und b 
ersichtliche Weise vereinfacht. Das Schwingungs- 
system besteht lediglich aus zwei teleskopartig aus- 
ziehbaren Metallrohren, die an der einen Seite durch 
einen Blockkondensator C’ überbrückt sind, oder aus 
zwei parallellaufenden Drähten, auf denen sich zur 
Abstimmung eine Kondensatorbrücke verschieben läßt. 
Mit der letzten Anordnung erzielte Hollmann’) 
unter Verwendung einer Empfängerröhre der Type 
„Ultra 110“ eine kürzeste Welle von 92 cm. Seine 
Anordnung weicht von dem Schema des Bildes 3b 
insofern ab, als die Anodenspannung vom Gitter durch 
einen unmittelbar vor dasselbe gelegten Blockkonden- 
sator C” abgeriegelt wird, wie aus dem Bild 4 hervor- 
geht. Es hat sich herausgestellt, daß eine Gitter- 
ableitung bei den hohen Frequenzen nicht erforderlich 
ist. Durch geeignete Ausbildung und Anordnung des 
hochfrequenten Schwingungssystems konnte die Welle 
des Senders stetig bis auf 10 m vergrößert werden, 
wobei die jeweiligen Frequenzen durch Eichkurven 
genau festgelegt waren. 


Die Schaltung des Bildes 3a wurde von Huxford 
augewandt!°), der damit eine Welle von 1 m her- 


Zusammenfassender Bericht. 


stellte. Mit der gleichen Anordnung gelang es Berg- 
mann), unter Verwendung kapazitätsarmer Röhren 
auf eine Welle von 82 cm herunterzukommen, wobei 
die Intensität der Schwingungen recht beträchtlich 
war. 

Anordnungen, die besonders leicht zum Schwingen 
neigen und sich daher auch zur Erzeugung hoher Fre- 
quenzen vorzüglich eignen, sind die sogenannten 


Bild 4. 
l m Sender von Hollmann. 


Balance- oder Symmetrieschaltungen, bei denen die 
phasenrichtige Rückkopr'ung durch die gegenläufige 
Schaltung zweier Röhren bewirkt wird, und wie sie 
zuerst von Eccles und Jordan’) zur Schwin- 


 gungserzeugung angegeben worden sind. Zur Er- 


zeugung kurzer Wellen ist eine solche Symmetrie- 
anordnung von Hohlbor n”) ausgebildet worden, 


Bild 5. 
Gegentaktanordnung von Holborn. 


welcher bis zu einer Wellenlänge von 2,4 m herunter- 
' kam. Seine Schaltung zeigt das Bild 5. R und R’ 
. sind die beiden Senderöhren, von deren Gitter und 
“ Anoden je ein Paralleldrahtsystem ausgeht, das durch 


' eine verschiebbare Brücke abgegrenzt wird. 


j 


Das 


' schwingende System besteht also aus den beiden in 


‘ Serie liegenden inneren Röhrenkapazitäten und den 


w 
» 


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Selbstinduktionen der Drahtschleifen. In der Mitte der 
Ueberbrückungen befinden sich die Spannungsknoten, 
so daß dort die Gleichspannungen zugeführt werden 
können, ohne den Schwingungsvorgang zu beein- 
trächtigen. Die Schwingungen setzen nur bei richtiger 
Abstimmung des Gitter- und Anodensystems ein, doch 
ist die Abstimmung infolge der zunehmenden kapazi- 


; tiven Kopplung um so breiter, je kürzer die Welle ist. 
‚ Außerdem kann der Fall eintreten, daß die beiden 


Die Erzeugung kürzester elektrischer Wellen mit Elektronenröhren. 


"Gutton 


29 
Röhren nicht im Gegen- sondern ‘im Gleichtakt 
schwingen, und unter Umständen die in den Batterie- 
zuleitungen liegenden Hochfrequenzdrosseln in einer 
weit längeren Welle anregen; auf diese Erscheinung 
und ihre Ursache hat zuerst Kiebitz!) eingehend 
hingewiesen. 


O Ég 


= 
OD CN 
Br ee 


Bild 6. 
Symmetrieschaltung mit induktiver Rückkoppelung. 


Findet in der Holbornschaltung eine Rückkopplung 
nur über die innere Gitter-Anodenkapazität der Röhren 
statt, so läßt sich der Wirkungsgrad der Anordnung 
dadurch verbessern, daß Gitter- und Anodenkreis 
außerdem noch induktiv miteinander gekoppelt 
werden. Damit jedoch die für den Rückkoppeleffekt 
erforderliche Phasenverschiebung von 180 Grad 


Heizung 
Bild 7. 
Gegentaktröhre von Englund. 


Anoden 


zwischen Gitter- und Anodenwechselspannung er- 
halten bleibt, müssen die Anschlüsse eines der beiden 
Schwingungskreise gekreuzt werden: So zeigt das 
Bild 6 diese Schaltung mit einer Kreuzung der Gitter- 
zuleitungen. Die induktive Kopplung bewirkt zwar 
eine Steigerung der Schwingungsintensität, doch setzt 
sie andererseits die Frequenz herunter; die Schaltung 
ist daher vor allem im Bereich von Wellen von 
mehreren Metern Länge recht brauchbar). Durch 
Benutzung besonders kapazitätsarmer Röhren gelang 
indessen Bergmann") die Erzeugung einer Welle 
von 1,7 m, während Mesney'’) 15 m erreichte. 
und Pierret?) stellten Wellen von 


30 Gustav Eichhorn: 


mn nn An mn nn nn nn nn 


110 cm Länge her, indem sie die Kreuzung der Elek- 
trodenzuleitungen fortließen, aber die induktive Kopp- 
lung beibehielten. Um die verhältnismäßig langen 
Zuleitungen kapazitätsarmer Röhren zu beseitigen, 
konstruierte E ng lu ndt?) eine Spezialröhre, die in 
Bild 7 schematisch wiedergegeben ist. Sie besteht 
aus zwei getrennten Dreielektrodensystemen, die in 
eine gemeinsame Glasglocke eingeschlossen sind und 
zusammen geheizt werden. Die beiden Gitter und 
Anoden sind durch je einen Drahtbügel von wenigen 
Zentimetern Länge miteinander verbunden. Die 
Anodenspannung wird im Schwingungsknoten des 
Anodenbügels zugeführt, während sich eine Gitter- 
ableitung in Uebereinstimmung mit früheren Beobach- 
tungen (l. c. 9) anderer Autoren als überflüssig er- 
wies, unter Umständen sogar die Schwingungen zum 
Aussetzen brachte. Die kürzeste Welle dieser An- 
ordnung betrug 1,05 m, doch war die Energie trotz 
Ueberlastung der Röhre nur gering; es dürfte damit 
die unterste Grenze für Symmetrieanordnungen er- 
reicht sein. 


Physikalisch ist für alle Rückkoppelanordnungen 
eine Höchstgrenze der Frequenz gegeben erstens 
durch die Abnahme der Wechselspannungen an den 
Röhrenelektroden, indem infolge der durch die un- 
vermeidliche Röhrenkapazität bedingten Aenderung 
des Verhältnisses C/L der Strom auf Kosten der 
Spannung zunimmt, und zweitens dadurch. daß die 
Laufzeit der Elektronen zwischen den Röhrenelek- 
troden nicht mehr gegen die Periodendauer zu ver- 
nachlässigen ist. Daher kann den Rückkoppelbedin- 
gungen, soweit sie eine bestimmte Anfachungs- 
spannung sowie deren Phasenlage vorschreiben, nicht 
mehr Genüge geleistet werden. 


Rechnerisch läßt sich die Höchstgrenze der Fre- 
quenz erfassen, wenn man die Laufzeit eines Elek- 
trons von der Kathode zur Anode bestimmt. Sie ist 


mn nn nn 


gegeben durch die Beziehung: 


eh, a 


t 
m. 


| 
worin d den Anodenradius und v die Anodenspannung 
bedeutet. 

Für einen Anodenradius von 0,5 cm und eine 
Anodenspannung von 500 Volt gleich 5.10! abs. Ein- 
heiten ergibt sich daraus eine Laufzeit von 0,7.10-° . 
sec. Vergleicht man damit die Halbperiode einer | 
Welle von 1 m, nämlich 1,7.10”° sec, so ergibt sich. ; 
daß tatsächlich schon hier die obige Elektronenlauf- | 
zeit nicht mehr zu vernachlässigen ist, sondern daß | 
die Grenze in der Nähe von 1 Meter Welle liegen 
muß, wie es auch mit den experimentellen Ergeb- | 
nissen der verschiedenen Autoren übereinstimmt. | 


Literaturverzeichnis zu Abschnitt I. 


1) H. Herz: Wied. Annalen 1887. S.421. Ges. Werke: | 
Bd. Il. S. 184. 
>) R. A. Righi: Rend. Cent. Acc. d. Lincei 2. S. 505. 1893. 
.Lebedew: Wied. Ann. 56. S. 1. 1896. ' 
. Lampa: Wien. Ber. 105. S. 587, 1049. 1896. | 
| 
\ 


Marvy 


. Möbius: Ann. d. Phys. 63. S. 293 1920. 
rn Nichols u.J.D.Te ar: Phys. Rev. 21. S.587. 1923. 
‚Glagolewa-Arkadiewa: ZS.f.Phys.24 S.153. 1924. | 


EHE 
8 IQ 


ar 


ag 
utton u. Touly: Compt. rend. 168. S. 271. 1919 
Hollmann: Radio Umschau 1927. S. 177. Val. 
: A. Deubner: Ann. d. Phys. 84. S. 429. 1927. 
‚Huxford: Phys. Rev. 35. S 686. 1925. 
ergemann: Ann. d. Phys. 85. S. 961. 1928. 
.„Ecclesu.Jordan: Electrician 83. S. 299. 1919. 
olb orn: ZS. f. Phys. 6. S. 328. 1921. 
iebitz: Jahrb. d. drahtl. Telgr. 25. S. 4. 1925. : 
. Hollmann: ZS. f, phys. und chem, Unt. 39. 
1925. 
rgmann: Ann. d. Phys. 82. S. 504. 1927. 
sny: L'onde elecir. 3. S. 26. 1924. 
tton u. E. Pierret: L’onde electr. 4. S. 387. 


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(Fortsetzung folgt.) 


Das „Radiophon‘. 


Fine Neuheit zur Wahrnehmbarmachung der Sprechströme in Röhren-Radioempfängern. 


Von Gustav Eichhorn, Zürich. 


Versuche, Schwerhörigen den Rundfunk wahr- 
nehmbar zu machen, sowie prinzipielle Ueberlegungen 
führten mich zur Ausbildung meiner bisher als 
„Radiophon“) bezeichneten Vorrichtung, über die 
nachstehend berichtet werden soll, nachdem nunmehr 
die Patentlage?) geklärt ist, und zwar unter Benut- 
zung eigener Versuchsergebnisse und solcher von 
lesen Eisl, Doktorand im Physikalischen Institut 


a Die Bezeichnung ist insofern nicht glücklich, da die Radio- 
Industrie dieses Wort für die verschiedenartigsten Geräte im 
Empfänger benutzt, in Amerika sogar für eine Mikrophonanordnung 
im Sender. 

2) Es wurden bisher erteilt: Schweiz: Hauptpatent Nr. 119852 
vom 16 April 1927, Zusatzpatent Nr. 122 767 vom 1. Oktober 1927. 
Deutschland: D. R. P. 461 711 (7. Juni 192%, patentiert vom 
13. Mai 1927 ab). Frankreich: Nr. 640 744. England: Bri- 
tisches Patent Nr. 277355. Ferner Anmeldung in den Ver- 
einigten Staaten von Amerıka, 


| 
Mitteilungen aus der Praxis. 
| 


der Technischen Hochschule in München, bei Herrn 
Geheimrat Prof. Dr. J. Zenneck, dem ich auch an 
dieser Stelle dafür meinen Dank ausspreche. 


A. Beschreibung. 


Das Verfahren beruht darauf, daß man den mensclı- 
lichen Körper in den Anodenstromkreis (in dem sich ; 
sonst Telephonhörer bzw. Lautsprecher befindet) ein- 
schaltet, in der Weise, daß man den einen Pol eines 
Röhren-Radioempfängers mit dem menschlichen , 
Körper direkt in Verbindung bringt durch eine An- į 
schlußleitung, die metallisch mit der Hand oder irgend- 
einer andern Körperstelle berührt wird, während der 
andere Pol durch eine Anschlußleitung verbunden ist 
mit der metallisierten Seite einer einseitig metal- 
lisierten Fläche aus einem isolierenden Stoff, der J 
besten aus einem sog. Halbleiter (z. B. iia 


\ 


rung der 


f 


-r Ve en Ir w a u T 


Mitteilungen aus der Praxis. Das Radiophon. 31 


Pergamentpapier, Pergamyn, dünnes Fell, Leder usw.) 


besteht, dessen nichtmetallisierte Seite gegen das 
Ohr oder an Partien des Kopfes in der Nähe des aku- 
stischen Gehörzentrums gehalten wird, so daß mit 
dieser Schicht Kontakt stattfindet. Die Pole können 
beliebig gewählt werden, es ist also keine Polarität 
vorhanden; trotzdem ist ein Polwechsel manchmal 
vorteilhaft. 

Bekanntlich haben wir im Hörerkreis eines Röhren- 
Radiogerätes den Anodengleichstrom und die 
Sprechwechströme, die sich einander über- 
lagern. Die Versuche mit dem ‚„Radiophon“ ergeben, 
daß seine Empfindlichkeit wesentlich von der über- 
lagerten Gleichstromspannung abhängt; solche muß 
um so größer sein, je niedriger die Wechselspannung, 
die gehört werden soll, ist. In allen Fällen nimmt die 


‚u m = 
a A N ET 
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T Ds x 
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\ 
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IZAT SZEITER 

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QTA 


Bild 2. 


Hörbarkeit der Lautstärke mit Zunahme der Gleich- 
spannung zuerst sehr rasch und bei weiterer Steige- 
rung nur sehr langsam zu. Die Gegend, von der an 
die Lautstärke nur noch langsam zunimmt mit Steige- 
Gleichspannung, beträgt bei geringer 
Wechselpannung etwa 120—150 V, bei größerer 
Wechselspannung viel weniger. 

Bild 1 stellt den Hörer im Schnitt dar. Bild 2 gibt 
einen Teil des Bildes 1 von rechts gesehen wieder. 
Die Vorrichtung des Bildes 1 besteht aus einem Hand- 
griff 3 mit muschelförmigem, abgeschlossenem Hohl- 
raum 4 (der aber nicht unbedingt nötig ist). Darauf 
wird eine einseitig metallisierte Fläche, bestehend aus 
dem vorerwähnten Halbleiter (wobei 5 die metalli- 
sierte Seite, 6 die nicht metallisierte Seite ist), gelegt, 
indem ein Ring 7 mit zentraler Oeffnung 8 über das 
Gewinde 9 geschraubt wird, welcher die kreisförmige 
Fläche 5, 6 gegen die kreisförmige Auflagefläche 10 
preßt. Das ganze Fassonstück ist aus isolierendem 
Material (Hartgummi, Cornit u. dgl.). 

In einer Aussparung 11 im Handgriff münden die 
Enden der doppeladrigen Anschlußleitung 12 aus. Von 
den von der Isolation befreiten Enden derselben ist 
das eine an die Anschlußkappe 13, das andere an die 
Anschlußkappe 14 eines konstanten hochohmigen 


' Telefunken-RE 134 gut bewährt hat, bei 


Widerstandes 15 (z. B. Telefunk-Ohm) angeschlossen. 
Ein Metallstreifen 16 verbindet die Kappe 13 mit dem 
Metallschild 17, welcher die Aussparung 11 des Hand- 
griffes 3 überdeckt. Eine Leitung 18 führt zu einem 
Metallring (der etwas vorstehend in die Auflagefläche 
eingelassen ist), auf den die metallisierte Seite des 
kreisförmigen Halbleiters zum Kontaktmachen auf- 
gelegt wird. Eine dünne kreisförmige Gummischeibe, 
die innerhalb des Kontaktringes zwischen metallisier- 
tem Halbleiter und Auflagefläche liegt, verhindert das 
Auftreten störender Eigenschwingungen. 

Auf diese Weise enden von den beiden Drähten 
der AnschlußBleitung 12 der eine am Metallschild 17, 
der andere an der Metallseite 5, während der Hoch- 
ohmwiderstand parallel dazu geschaltet ist. 

Dieser hochohmige Widerstand in der Größen- 
ordnung von etwa 100000 Ohm beseitigt vollständig 
das sonst gelegentlich zu konstatierende „Scherbeln“ 
(Unbeständigkeit) der übertragenen Töne und Sprache. 
Die Ursache des Scherbelns liegt in einem Nicht- 
konstantbleiben der optimalen Röhrenspannungen, 
was die ganze Schaltungsordnung mit sich brachte. 
Die anzuwendenden optimalen Anodenspannungen 
der Röhren hängen von den benutzten Typen ab; 
doch empfiehlt sich als Endröhre eine solche, die mit 
mindestens 70—100 V arbeitet. 


B. Theorie und Untersuchungen. 


Theorie: Wie schon aus vorstehender Beschrei- 
bung ersichtlich (worauf nachher noch zurückzu- 
kommen ist), wird ein elektrostatischer Effekt aus- 
genutzt in einem Kondensator, dessen eine Belegung 
gebildet wird durch die metallisierte Fläche des 
Dielektrikums (Halbleiters), dessen andere Belegung 
der menschliche Körper ist, sobald er in Kontakt mit 
diesem Dielektrikum gebracht wird. Für die auf- 
tretenden Vorgänge mechanischer Natur lautet die 
Bewegungsgleichung: 


dx dz x 
Ma TR 


wo also K die Kraft ist, mit der sich die Belegungen 
anziehen. Es bedeuten m, r, c Masse, Bremswider- 
stand und Elastizität des Systems, x ist die Ampli- 
tude, £ die Zeit. Die Kraft K ist von der angelegten 
Spannung V, dem Abstand a der Belegungen sowie 
ihrer Fläche F und der Dielektrizitätskonstante x des 
Dielektrikums abhängig. Für die Größe dieser an- 
ziehenden Kraft gibt einen numerischen Anhaltspunkt 
die Formel: Ä 


1 F- y? 


K= Z g4.02.981-90 000 Tamm 


Bei dem geringen Abstand der Belegungen ist für ge- 
nügende Amplituden gesorgt, auch lassen sich, wie 
vorher erwähnt, Eigenschwingungen leicht vermeiden. 
Die Verwendung hinreichend großer Flächen ‘bedingt 
eine größere Ausführungsform des „Radiophons“ als 
beim gewöhnlichen Kopfhörer. Die zum Betrieb er- 
forderliche Gleichstromspannung (s. später) von 130 
bis 200 Volt, die also der normalen Anodenbatterie 
entnommen wird, setzt eine Endröhre von genügender 
Leistung voraus, als welche sich beispielsweise die 
richtiger 
Gittervorspannung bis zu 25 Volt, damit die Röhre 


32 Gustav Eichhorn: Mitteilungen aus der Praxis. Das Radiophon. 


bei diesen Spannungen auf dem geradlinigen Teil der 
Charakteristik arbeitet. 

Untersuchungen: Die Untersuchungsanord- 
nung wird durch Bild 3 (Schaltungsbild mit Legende) 
veranschaulicht. 


M = Wechselstrommaschine (Tonfrequenz). 
K = Veränderliche Kopplung. 

C = Blockkondensator. 

T =: Transformator. 

P = Potentiometer. 

W = hochohmiger Widerstand (bis 100 0000). 
V = Elektrostatisches Voltmeter. 

A u. B = Anschlußklemmen für Radiophon. 


1 


Bild 3. 


Versuche mit dem „Radiophon“: 

l. Kopplung, sehr lose, Wechselspannung A—B ca. 
1 Volt eff.. kein Gleichstrom überlagert: Kein 
Höreffekt. 

2. Kopplung und Wechselspannung wie im Falle 1, 
ferner Gleichstrom überlagert: Je höher die an- 
gelegte Gleichspannung, desto besser der Hör- 
effekt. | 

Bei ganz schwachen Wechselspannungen, wir 
sie die Wechselstromsirene oder ein normales 
Radioempfangsgerät liefert, beginnt der Höreffekt 
bei etwa 70 Volt zugeschalteter Gleichspannung 
und steigert sich merklich bis ungefähr 150 Volt 
Gleichspannung. 


laultslarke — 


a) 


Ueber/agerre 
7ovol* tso Voll VEASPEnnung 


Je höher die Wechselspannung, desto eher setzt 
bei Ueberlagerung einer Gleichstromspannung der 
Höreffekt ein. Bei Zuschalten von’ Gleich- 
spaimungen größer als 150—160 Volt, keine 
wesentliche Zunahme der Lautstärke. 

Ungefähre Abhängigkeit der Lautstärke von 
der Zusatzgleichspannung und der Wechsel- 
spannung zeigt Bild 4. 

3. Je höher die Wechselspannung wird, desto mehr 
verschieben sich die Kurven nach links bei 
Spannungen von etwa 3 Volt eff. hat man schon 
einen schwachen Höreffekt ohne Zuschalten von 


Gleichspannung. Durch Steigerung der Wechsel- 
spannung läßt sich ohne Ueberlagerungvon 
Gleichspannung? ein mindestens ebenso 
guter Effekt erzielen wie im Falle a). 


Im gezeichneten Falle c) beträgt die effektive 
Wechselspannung ungefähr 120—150 Volt. 
Bei konstant gehaltener Wechselspannung tritt die 
untere Oktave des Tones um so deutlicher hervor 
(und verdrängt schließlich die obere Oktave ganz) 
je größer die überlagerte Gleichspannung. 


5. Bei Kurzschließen der Kapazität C war in keinem 
Falle eine Aenderung des Effektes bemerkbar. 


6. Parallelwiderstand W (im Radiophon Telefunk- 
Ohm 100000 Q) vermindert ein wenig die Laut- 
stärke, ist aber aus vorher genanntem Grunde ini 
praktischen Gerät unentbehrlich. 


7. Je trockener die dielektrische Zwischenschicht (die 
übrigens u. U. auch fehlen kann, doch gehört die 
Applikation der hohen Anodenspannungen am 
Kopf nicht gerade zu den Annehmlichkeiten). desto 
besser ist der Höreffekt. Wird sie in ganz ge- 
ringem Maße angefeuchtet, so vermindert sich der 
Effekt erheblich und kann sogar zum Verschwinden 
gebracht werden. Aus diesem Grunde wird im 
praktischen Gerät die äußere Oberfläche der 
Schicht mit einem Lacküberzug zum Schutz gegen 
Feuchtigkeit versehen. der bei dem vor- und nach- 
erwähnten „Cellophan“ überflüssig ist. Das beste 
Zwischenschichtiraterial liefern, wie schon er- 
wähnt, die sogenannten Halbleiter, besonders 
ein gewisses Perganıyn oder auch echtes Perga- 
ment, ferner Cellophan (welcher sehr günstige 
Stoff für die neuesten Werkstattmodelle ausschließ- 
lich benützt wurde), einseitig metallisiert, z. B. nach 
dem Metallspritzverfahren oder mit echtem Blatt- 
gold, das mit einer feinen Lage von pulverisierteni 
Albumin (getrocknetes Eiweiß) als Bindemittel 
heiß (70--80° C) unter starkem Druck aufgepreßt 
wird. Es kann aber bei entsprechender Steigerung 
sowohl der Wechsel- wie der Gleichspannung auch 
mit anderem Material der Effekt gut wahr- 
genommen werden. Es wurden u. a. benutzt: 
Kalbfell (wie für Trommeln benutzt) über eine 
Kupferplatte aufgezogen, Holz. Pappe, Karton. 
Schreibpapier, Preßspan etc.. mit Stanniolbela « 
oder aufgepreßter dünner Zinkplatte oder Kupfer- 
platte, Spiegel bzw. feines Glas mit Spiegelbelax. 
Glasplatte (photographische Platte) mit Stanniol- 
belag, Metallblech mit Schellacküberzug oder ein- 
seitig ganz fein cmailliert, u. a. m. Vergleichs- 
versuche mit dem gewöhnlichen Kopfhörer er- 
gaben, daß bei diesem die Lautstärke größer 
ist als beim Radiophon mit überlagerter Gleich- 
spannung; dagegen ist bei letzterem die Wieder- 
gabe klangreiner und natürlicher, was 
sich besonders bei Sprachwiedergabe deutlich 
manifestiert und auch ohne weiteres erklärlich 
wird durch die Vorstellung, die man sich vom 
Wirkungsprinzip des .Radiophons“ machen muß. 


3) Normalerweise beim praktischen Gerät ist aber die über- 
lagerte Gleichspannung des Anodenkreises unbedingt erforderlich. 
Beseitigt man sie durch Zwischenschaltung von Transformatoren 
oder Kondensatoren, so wird der Höreffekt unbrauchbar; läßt 
man diese Zwischenschaltung bestehen und führt nunmehr aus 
einer Sonderbatterie wieder Gleichspannung herein. so ist sofort 
wieder der gute Höreffekt vorhanden. 


5 Im a_a - ...ın. 
om nn m mMM a aMŇ—IM En. u” Sn or ~ = 


` zeugten Stromes 


ni. 


TOT pea, De 


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Patentschau. 


C. Wirkungsprinzip. 


Der Beobachter hält also das „Radiophon“ mit 
der nichtmetallisierten Seite der Halbleiterfläche in 
Kontakt mit dem Ohr. Die erzielte Wahrnehmung 
ist am stärksten direkt am Ohr oder in unmittelbarer 
Nachbarschaft desselben; sie bleibt jedoch auch noch 
bestehen bei Kontakt mit anderen Stellen des Kopfes., 
wie Wangen, Schläfen, Stirnpartien, sogar oben auf 
dem Kopf sind noch Stellen schwacher Wahrnehmung 
vorhanden. Das weist also auf eine physiologische 
Einwirkung direkt auf die sensitiven Gehörorgane hin, 
was auch bestätigt wird durch das Versuchsergebnis. 
daß Schwerhörigen‘), deren Trommelfiell nicht 


denen man sich von Mund zu Ohr kaum verständlich 
machen kann, meistens noch ganz gut telephonieren können. 
Die Erklärung liegt darin, daß die Schallschwingungen sich 
einen anderen Weg suchen als den gewöhnlichen. Für 
gewöhnlich arbeitet bekanntlich das menschliche Ohr in 
der Weise, daß Schallschwingungen von der Luft über- 
mittelt werden und so an das Trommelfell gelangen, das 
zum Mitschwingen veranlaßt wird; hierdurch werden ver- 
mittels der sinnreichen inneren Ohreinrichtungen der Ge- 
hörknöchelchen, die die Trommelfellbewegung von großer 
Amplitude und geringer Kraft in solche von geringer Am- 
plitude und großer Kraft verwandeln, des Labyrinths und 
der sogenannten Basilarmembrane, bestehend aus 15000 bis 
20000 feinen Fasern, die mit den feinen Endigungen des 


. Hörnervs unter Vermittlung des komplizierten sogenannten 


Cortischen Organs verbunden sind, schließlich Nervenreize 
ausgelöst, die auf das Gehirn übertragen werden. Wenn 


à) Es ist eine bekannte Tatsache, daß Schwerhörige, 


mehr ordentlich funktioniert, deren sensitives 
(dehörzentrumabernochintaktist, noch 
gute Wahrnehmungen des Rundfunks auf diese Weise 
vermittelt werden können. 


Es ist deshalb, wie ich in Uebereinstimmung mit 
Herrn Eis] das Wirkungsprinzip deuten möchte, an- 
zunehmen, daß die Haut oder andere Weichteile in 
nächster Nähe des Ohres infolge elektrostatischer 
Wirkung in Schwingungen versetzt werden, die sich 
richt auf das Trommeliell, sondern direkt auf die 
inneren Gehörsorgane übertragen, was natürlich auch 
für die Physiologen und Ohrenärzte von großer Be- 
deutung ist. 


der Schwerhörige telephoniert, so haben wir etwas andere 
Vorgänge, nämlich an Stelle der Luftschwingungen treten 
akustisch-mechanische Schwingungen der Knochenpartien 
des Kopfes, in Uebereinstimmung mit einem längst be- 
kannten Experiment, daß der Schwerhörige, soweit er 
wegen defekten Trommelfells taub ist (wie z. B. zahlreiche 
Kriegsbeschädigte), eine erregte Stimmgabel sofort’ gut 
hört, wenn er den Stiel zwischen die Zähne nimmt. Hugo 
Gernsback, Herausgeber der in enormer: Auflage von 
Hunderttausenden von Exemplaren erscheinenden amerika- 
nischen Monatsschrift „Radio News‘, hat dies für Radio 
zu nützen gesucht in seinem sogenannten „Osophon“, ab- 
geleitet von dem lateinischen Wort für Knochen. Es ist 
weiter nichts als ein kräftig gebauter elektromagnetischer 
Telephonhörer, dessen Membrane emen stielförmigen An- 
satz hat, der in den Mund zwischen die Zähne genommen 
wird. Es verschwand aber bald wieder von der Bild- 
fläche, da natürlich ein solches Verfahren wenig bequem ist. 


Patentschau. 


Von Carl Lübben. 


Unterdrückung störender Pulsationen 
bei Hochfrequenzmaschinen. 


D.R.P. 466 630, Klasse 11a‘, Gruppe 1 (Lorenz, Pat. 


vom 13. August 1926, ausgegeben am $. Oktober 1928. 


Hochfrequenzmaschinen haben bekanntlich einen 
sehr kleinen Luftspalt im Verhältnis zu ihrem Durch- 
messer. Da es praktisch nicht möglich ist, rotierende 


Bild 1. 


Körper mit großem Durchmesser genau zentrisch 
laufen zu lassen, so treten Schwankungen des Luft- 
spaltes auf, die entsprechende Schwankungen des er- 
verursachen. Erfindungsgemäß 
sollen diese dadurch beseitigt werden, daß durch 
einen Induktionsregler mit einer synchron rotierenden 
Wicklung eine Gegenmodulationsspannung erzeugt 
wird. In Bild 1 ist auf der Welle der Hochfrequenz- 
maschine H ein Drehtransfiormator T angeordnet. Die 
Erregerwicklung ist über die Schleifringe 1,2 mit den 


Klemmen der Hochfrequenzmaschine verbunden, wäh- 
rend die feststehende Sekundärwicklung in Serie mit 
der Maschine liegt. Die erzeugte Hochfrequenz wird 
an den Klemmen 3,4 abgenommen. 


Drehzahlregler für Hochirequenzmaschinen. 


D.R.P. 465 984, Klasse 21c, Gruppe 59 (Lorenz), 
Pat. vom 23. Mai 1926, ausgegeben am 28, September 
1928. 


Bild 2. 


Mit der Hochfrequenzmaschine H (Bild 2) ist ein 
Schwingungskreis C, L gekoppelt, der auf die vor- 
geschriebene Drehzahl abgestimmt werden kann. Im 
Resonanzfall sind die Spannungen an der Selbst- 
induktion Z und am Kondensator C gleich. Beide 
Spannungen liegen an einem Differential - Hoch- 
frequenzrelais. Dieses besteht aus einem Wage- 
balken W, der auf beiden Seiten Spulen 1,2 trägt. 


94 Patentschau. 


Gegenüberliegend befinden sich zwei feste Spulen 3,4. 
Bei Abweichungen der Drehzahl von der Resonanz 
wird der Wagebalken nach der einen Seite ab- 
gelenkt, so daß die Spule eines Relais eingeschältet 
wird. Dieses Relais verändert die Drehzahl so lange, 
bis wieder Gleichgewicht eingetreten ist. 


Fliehkraitreglier für Hochirequenzgeneratoren. 

D.R.P. 465 964, Klasse 21c, Gruppe 59 (Telefunken), 
Pat. vom3. Juli 1923, ausgegeben am 28. Oktober 1928. 

Zur wirksamen Regelung der Umdrehungszahl von 
Hochfrequenzgeneratoren verwendet man Fliehkraft- 
regler, bei denen ein Gewicht G (Bild 3) mit zwei 
Federn f verbunden ist. Unter dem Einfluß der Zentri- 
fugalkraft erfährt das Gewicht bei jeder Umdrehung 


Bild}3. 


eine einmalige Hin- und Herbewegung und schließt 
und öffnet so den Kontakt K. Erfindungsgemäß soll 
zu der Feder- und der Zentrifugalkraft als dritte 
Kraft die eines Magnetfeldes oder die Kombination 
eines solchen mit der Schwerkraft zur Verwendung 
kommen. Zu diesem Zweck besteht das Gewicht G 
aus weichem Eisen. Das Magnetfeld wird durch den 
Polschuh P eines Magneten geliefert. 


Einschaltung von Frequenztransiormatoren. 

D.R.P. 466 764, Klasse 21a‘, Gruppe 6 (Lorenz), 
Pat. vom 27. Oktober 1926, ausgegeben am 12. Ok- 
tober 1928. 

Beim Einschalten statischer Frequenztransforma- 
toren muß die hohe Anfangsselbstinduktion beim Ein- 
schalten beseitigt oder überwunden werden. Dies 
kann durch Vormagnetisierung oder Kurzschließen 
eines Teiles der Transformatorwicklung erfolgen. 


Nach dem Einspringen ist die Vormagnetisierung bzw. 
der Kurzschluß sofort wieder aufzuheben. Letzteres 
ist nachteilig, weil ein starker Strom unterbrochen 
wird. Erfindungsgemäß wird dies dadurch beseitigt, 
daß bei der in Bild 4 dargestellten Anordnung zu- 
nächst die parallel zur Maschinenselbstinduktion 
liegende Selbstinduktion L abgeschaltet ist, so daß 
beim Einschalten ein sicheres Einspringen stattfindet. 
Um ein zu starkes Anwachsen des Stromes zu ver- 
hindern, ist noch ein Widerstand W eingeschaltet. 
Nach dem Einspringen wird die Selbstinduktion L 
eingeschaltet und dann der Widerstand W kurz- 
geschlossen. 


Frequenzteiler. | 

Brit. Pat. 295930, 296827 (Stand. Cables. Ltd. 
20. August und 13. Juni 1927), veröffentlicht am 17. 
bzw. 31. Oktober 1928. 

Zur Frequenzteilung, d. h. zur Erzeugung einer 
Frequenz, die %, % der Grundfrequenz oder eine 
Subharmonische der Grundfrequenz ist, werden die 
in den Bildern 5 und 6 dargestellten Anordnungen 


an ò. 


vorgeschlagen. Bei der in Bild 5 dargestellten Schal- 
tung bildet der Anodenkreis drei Zweige. Der eine 
Zweig, der die Widerstände W,, W, enthält, ist so 
abgeglichen, daß der Arbeitspunkt am unteren Knick 
der Charakteristik liegt. Der Kondensator C wird 


| 
J 


über den Widerstand W, periodisch geladen und über 
die Röhre im Takt der Steuerspannung entladen. 
Durch das Zusammenarbeiten beider Frequenzen ent- 
steht die Frequenzteilung. 

Bei der in Bild 6 wiedergegebenen Anordnung sind; 
zwei Röhren durch die Kondensatoren C, Ca wechsel- 
scitig gekoppelt. Die Gitterkreise beider Röhren! 
werden von der gleichen Eingangsfrequenz gesteuert. 


| 
Bild 6. 


Bild 7. 


Kurzwellen-Röhrensender. IR 


Brit. Pat. 294946 (Honeyball, 31. Januar 1927) 
veröffentlicht am 26. September 1928. kri 


Der Schwingungskreis eines Kurzwellenröhren- 
senders soll erfindungsgemäß als Rahmenantenne aus- 
gebildet sein, wie dies das Bild 7 zeigt. Die Strom- 
quellen sind mit der Röhre über Drosseln D oder 
über Sperrkreise CL verbunden. 


Fading-Beseitigung. 
Brit. Pat. 295 693 (Marconi, 17. August 1927), ver- 
Öffentlicht am 10. Oktober 1928. 


Die Fading-Störungen sollen erfindungsgemäß 
dadurch beseitigt werden, daß der Polarisations- 
zustand der ausgestrahlten Wellen periodisch ge- 
ändert wird. Außerdem kann auch die Wellenrichtung 
schwach geändert werden. Zur Durchführung dieses 


Bild 8. 
Verfahrens wird die in Bild 8 wiedergegebene An- 


ordnung vorgeschlagen, bei der mehrere Richt- 
antennen (Dipole) 1, 2, 3, 4 über einen Verteiler V 
abwechselnd mit der Hochfrequenzquelle H ver- 
bunden werden. Der Verteiler kann durch rotierende 
Kondensatorplatten ersetzt werden, die zwischen 
4 festen Plattenpaketen umlaufen. Auch die Ver- 
wendung eines Mehrphasengenerators ist möglich. 


Schutz gegen Ueberbelastung von Piezokristallen. 

D.R.P. 466 765, Klasse 21a*, Gruppe 8 (Telefunken), 
Pat. vom 26. Juni 1927, ausgegeben am 11. Oktober 
1928. 


Um zu verhindern, daß ein Piezokristall in zu 
starke Schwingungen gerät und zerstört wird, soll die 
in Bild 9 dargestellte Anordnung verwendet werden. 
Vor dem Piezokristall P ist zu diesem Zweck eine 
Begrenzungsröhre R vorgeschaltet. 


Befestigung von Piezokristallen. 
Brit. Pat. 295081 (Lucas, 21. Mai 1927), veröffent- 
licht am 26. September 1928. 
Um die Dämpfung des schwingenden Piezo- 
kristalls herabsetzen, soll der Kristall nur an den 


Patentschau. | 35 


Punkten unterstützt bzw. befestigt werden, an denen 
Schwingungsknotenpunkte vorhanden sind, wie dies 
das Bild 10 zeigt. 


LIIEZZZZZLZZZREZZZZZZZZIZRZR 
N 


G À 7 
iee 


Bild 10. 


Piezoelektrische Wellenkontrolle. 

D.R.P. 467629, Klasse 21a, Gruppe 71 (Radio- 
frequenz), Pat. vom 16. Mai 1915, ausgegeben am 
26. Oktober 1928. 

Die Erfindung betrifft die Sichtbarmachung piezo- 
elektrischer Schwingungen. Der Piezokristall P 
(Bild 11) befindet sich zwischen Elektroden Æ, und E: 
so, daß zwischen Kristall und einer Elektrode ein 


VEIZZZZZZZZZZIIIIIEZEIZD Í. 7 
ASS SSSSLS SSS SS Z 
F- 


Bild 11. 


Zwischenraum vorhanden ist. Durch geeignete Be- 
messung des Zwischenraumes und der an den Elek- 
troden angelegten Wechselspannung treten beider- 
seits der Stabmitte Leuchterscheinungen auf. Um die 
Leuchterscheinung intensiver zu machen, wird die 
ganze Anordnung zweckmäßig in ein mehr oder 
weniger evakuiertes Glasgefäß eingeschmolzen. 


Herstellung piezoelektrischer Kristalle. 

D.R.P. 467 594, Klasse 21a*, Gruppe 8 (Telefunken), 
Pat. vom 28. Juli 1927, ausgegeben am 26. Oktober 
1928. 

Es hat sich gezeigt, daß die aus einem Mutter- 
kristall geschnittenen Piezokristalle nicht immer ein- 
wandfrei sind. Die Fehler sind darauf zurückzuführen, 
daß einzelne Siliziummoleküle an den Oberflächen 
haften bleiben. Diese sollen erfindungsgemäß da- 
durch beseitigt werden, daB die Piezokristalle mit 
Flußsäure behandelt werden. 


Piezo-Verstärker. 
Brit. Pat. 295997 (Thomson-Houston, 22. August 
1927), veröffentlicht am 17. Oktober 1928. 
Das Bild 12 zeigt eine Entladungsröhre mit Piezo- 
kristall P, das an Stelle der Kathode angeordnet ist. 


VLA 


Bild 12. 


Die Verhältnisse sind so gewählt, daß bei der vor- 
handenen Anodenspannung eine Entladung durch die 
gasgefüllte Röhre nicht eintritt. Erst unter dem Ein- 
fluß des schwingenden Piezokristalls wird die Ent- 
ladung einsetzen. Die eine Elektrode 5 des Piezo- 
kristalls dient als Steuerzgitter. 


36 E _Patentschau. 


-O Sem en u e e -a a a en nn ee a et nn 
— mm 0. 77 


Piezo-Modulation. 


Brit. Pat. 295 957 (Robinson, 17. März 1927), ver- 
öffentlicht am 17. Oktober 1928. 


Zur Modulation hochfrequenter Schwingungen soll 
das Piezokristall P (Bild 13) eines piezogesteuerten 
Röhrensenders als Piezo-Mikrophon ausgebildet sein. 
Zu diesem Zweck ist die eine Elektrode des Piezo- 
kristalls als Membran ausgebildet. 


Bild 13. 


Modulationsschaltung. 


D.R.P. 467 022, Klasse 21a*, Gruppe 14 (Köne- 
mann), Pat. vom 7. Juli 1925, ausgegeben am 16. Ok- 
tober 1928, 


Zur Beeinflussung hochfrequenter Schwingungen 
soll im Hochfrequenzkreis ein Sperrkreis C, L (Bild 14) 
eingeschaltet werden, dessen Eigenfrequenz durch die 


Bild 14. 


Steuerströme beeinflußt wird. Am einfachsten kann 
dies dadurch geschehen, daß als Selbstinduktion Z 
des Sperrkreises die Sekundärspule eines Transfor- 
mators dient, der im Mikrophonkreis eingeschaltet ist. 


Modulations-Schaltung. 


D.R.P. 465501, Klasse 21a, Gruppe 14 (Lorenz), 
Pat. vom 22. Mai 1926, ausgegeben am 21. September 
1928. 


Bei Verwendung großer Betriebswellen für Hoch- 
frequenztelephonie ist das ganze zu übertragende 
Frequenzband im Verhältnis zur Trägerfrequenz so 
breit, daß bei den praktisch vorkommenden Resonanz- 
kurven der Antenne die Seitenfrequenzen bereits er- 
heblich geschwächt werden. Die Verbreiterung der 
Antennenresonanzkurve hat den Nachteil, daß Ober- 
und Seitenwellen auftreten. Es wird daher vor- 
geschlagen, die Trägerwelle zunächst in einem wenig 
gedämpften Kreis zu erzeugen und die Modulation 
dann in einem Schwingungssystem vorzunehmen, 


‘dessen Resonanzkurve verbreitert ist. Das Bild 15 


zeigt eine Schaltung dieser Art. Der Antennenkreis 


ist. als zweiwelliger Kreis I und II ausgebildet. Die 
Modulation findet mittels der Drossel D im Antennen- 
kreis statt. 


Bild 15. 
Drehbarer Peilrahmen. 
Brit. Pat. 204988 (Telefunken, 3. August 1927). | 
veröffentlicht am 26. September 1928. 


Die Kopplungsspulen Ka und K,(Bild 16) zwischen 
Peilrahmen ınd Goniometer eines Peilgerätes sind als 


— 


AN IPI A -ER 


Et 


Bild 16. 


Flach- oder Zylinderspulen so ausgebildet und an- 
geordnet, daß bei Drehung des Rahmens die Kopplung - 


D.R.P. 465 502, Klasse 21a, Gruppe 48 (Dieck- 
mann, Hell), Pat. vom 1. April 1927, ausgegeben am 
21. September 1928. 


In größerer Entfernung eines Senders steht der 
elektrische Feldvektor senkrecht zum magnetischen. 
Bei gut leitender Oberfläche steht der elektrische 
Feldvektor senkrecht zur Bodenoberfläche, während 
er bei schlecht leitendem Boden etwas geneigt ist. 
Bringt man eine Dipolantenne in das Feld eines ent- 
fernten Senders, so wird die im Dipol induzierte > 
Spannung proportional der Dipollänge multipliziert 
mit dem Sinus des Neigungswinkels zwischen Dipo! 
und Horizontalebene sein. Bringt man daher eine 
Dipolantenne parallel zu den Tragflächen eines Luft- 
fahrzeuges an, so kann aus der im Dipol induzierten 
Spannung der Neigungswinkel des Luftfahrzeuges er- 


unverändert bleibt 

P 
Bestimmung der Neigung eines Luitfahrzeuges. 
mittelt werden. | 


Bei Verwendung von zwei Dipolantennen, eine 
längsschiff, die andere querschiff, kann sowohl die 
seitliche als auch die Neigung in der Fahrtrichtung 
getrennt ermittelt werden. 


Beseitigung von Peiliehlern. 

D.R.P. 465982 Klasse 21a*, Gruppe 48 (Neder- 
landsche Tel. Maatschappij „Radio-Holland“). Pat. vom 
16. Oktober 1927, ausgegeben am 29. September 1928, 
holl. Priorität vom 7. Oktober 1926 — identisch mit 
brit. Pat. 278753. 

Vergleiche das Referat in dieser Zeitschrift, Bd. 31, 
S. 30, 1928. | 


Antennensystem. 

D.R.P. 467 322, Klasse 21a, Gruppe 64 (Robinson), 
Pat. vom 29. März 1923, ausgegeben am 23. Oktober 
1928, brit. Priorität vom 5. Mai und 18. Oktober 1922. 

Die in den Tragteilen (Masten, Abspannungen u. 
dgl.) einer Antennenanlage induzierten Ströme beein- 


trächtigen die Ausstrahlung in erheblichem Maße. Um 


Ben Ze 


se In 


dies zu verhindern, pflegt man den Mast in Ab- 
schnitte zu unterteilen, die gegeneinander isoliert sind. 
Diese Maßnahme reicht aber nicht aus, da die indu- 
zierten Ströme außer Phase sind und so nachteilig 
wirken. Erfindungsgemäß sollen die verschiedenen 
Abschnitte des Mastes elektrisch derart abgestuft 
sein, daß sie ein allmählich zunehmendes Potential 
besitzen und in Phase mit dem Antennenstrom sind. 
Bei der in Bild 17 dargestellten Anordnung soll dies 


` z. B. dadurch erreicht werden, daß die einzelnen Teile 
> des Mastes mit Punkten eines Schwingungskreises 


C, L verbunden sind, der ebenfalls mit Hochfrequenz 


i gespeist wird. 


Geheimtelegraphie. 
D.R.P. 466687, Klasse 21a, Gruppe 52 (Int. 
Western EI. Co.), Pat. vom 29, Juni 1924, aus- 


, gegeben am 13. Oktober 1928, amer. Priorität vom 


“ 31. Juni, 31. Juli und 18. Dezember 1923. 


wa 


a 


ta N. te ta TOT 


. geteilt werden, 
‚ andere nach vorleriger Umkehr ausgesendet werden 
„ sollen. 


Zur Geheimhaltung bei: Hochfrequenztelegraphie 
soll das ganze Sprachband in mehrere Teilbänder 
von denen einzelne unverändert. 


Jedes Teilband muß so gewählt werden, daß 


“ es für sich unverständlich ist. 


Patentschau. 


37 


Oxydkathode. 


Pat. Nr. 467 675, Klasse 21g, Gruppe 13, aus- 
gegeben am 26. Oktober 1928, Patenterteilung am 
11. Oktober 1928, Dr. Erich F. Huth, G. m. b. H. 


Zur Herstellung von Oxydkathoden soll erfindungs- 
gemëß ein schwer schmelzbarer Grundstoff (Wolf- 
ram und Molybdän) verwendet werden, der mit einem 
Oxyd oder Chlorid der dritten oder neunten Gruppe 
von Mendeleieff’s periodischen System in Pulverform 
vermischt und nach dem Pressen in Barren bis zum 
Schmelzpunkt des Grundstoffes erhitzt wird. Als 
Oxyd bzw. Chlorid kommen vor allem in Frage: 
Strontium- oder Kalziumoxyd, Bariumperoxyd, Pala- 
diumchlorid, Platin-Ammoniumchlorid, Kalziumchlorid. 


Glühkathoden. 


Pat. Nr. 466 462, Klasse 21g, Gruppe 13 (Siemens 
& Halske A.-G.). Pat. vom 20. September 1928, aus- 
gegeben am 8. Oktober 1928. 


Zur Herstellung von Glühkathoden verwendet man 
Hafnium oder Hafniumlegierungen. Erfindungsgemäß 
erhält man besonders wirksame Glühkathoden, wenn 
man auf einem hoch schmelzbaren Trägermetall einen 
Hafniumüberzug durch Reduktion einer Hafnium- 
verbindung mit Hilfe eines Alkalimetalls herstellt. 
Man kann z. B. Hafniumoxyd verwenden und durch 
das Oxyd von Alkalimetallen reduzieren. 


Röhrenelektrode. 

Pat. Nr. 467 467, Klasse 21g, Gruppe 13 (Siemens 
& Halske A.-G.), Pat. vom 11. Oktober 1928, aus- 
gegeben am 23. Oktober 1928. 

Die Lebensdauer der stark erhitzten Elektroden 
in Röhren ist verhältnismäßig gering. Erfindungs- 
gemäß soll eine Verbesserung dadurch erzielt werden, 
daß die Anodenbleche aus Hafniummetall hergestellt 
werden. 


Oxydkathoden. 


Pat. Nr. 467323, Klasse 21g, Gruppe 13 (Süd- 
deutsche Telefonapparate, Kabel- und Drahtwerke 
A.-G.), Pat. vom 4. Oktober 1928, ausgegeben am 
23. Oktober 1928. 


Zur Herstellung von Oxydkathoden verwendet 
man Trägerfaden, die zunächst mit einem Metall 
überzogen und dann nachträglich oxydiert werden. 
Erfindungsgemäß soll der zu oxydierende Metall- 
überzug auf elektrolytischam Wege hergestellt 
werden. 


Glühkathoden. 

Pat. Nr. 466075, Klasse 21g, Gruppe 13 (Seibt), 
Pat. vom 13. September 1928, ausgegeben am 1. Ok- 
tober 1928. 

Zur Herstellung von Glühkathoden mit hoher 
Fmissionsfähigkeit sollen Mätalldrähte oder Bleche 
mit einem Ueberzug von geglühten Sulfiden der Erd- 
kalien, insbesondere Kalzium- oder Barium - Sulfid 
versehen werden. 


Röhre für Wechselstromheizung. 


Brit. Pat. 295598 (Grammont, 11. August 1927), 
veröffentlicht am 10. Oktober 1928. 


38 Referate: 


nn nn nn a nn De nn 


Um störende Geräusche durch den Heizwechsel- 
strom herunterzusetzen, soll die Kathode aus zwei 
Fäden 1 und 2 (Bild 18) bestehen, die kreuzweise 
verbunden sind. 


Bild 18. 


Die neuen deutschen Hochfrequenz-Patente 


m nn 


Klasse Aus- 
Nr. : und gabe- Inhalt 
Ä Gruppe tag 

465 408 | 2124/58 ` 22.9.28 | KSendevertahren 

*465 501 | 2la?/1l4 21.9.28  Modulationsschaltung 

»465 502 314448 20. 9. 28 Bestimmung der Neigung von 
0 Lufifahrzeugen 

465 696 | 2lat/6 | 22.9.28 | | Selbstinduktionsspule 

465 697 | 2lat/6 , 22.9.28 i Selbstinduktionsspule 

465 698 | 21a4/14 | 22. 9. 28 | Modulation mittels voimagn. 
| Drossel 

465 773 | 21a,77 | 27.9.28 | Röhrenfassung 

465 803 | 21g/10 | 25. 9.28 Kondensator 

465 826 | 2la4/70 | 27.9 28 | Einstellvorrichtung 

465 830 | 21g/10 | 25.9.28 | Blockkondensator 

465 832 | 21g/15 | 26.9.28 | Mechan. Gieichrichter 

*465 964 | 210/59 | 28.9.28 | Fliehkraftregler 

465965 | 21g/11 ; 29.9.28 | Gleichrichter 

*465 982 212/48 29. 9. 28 | Beseitigung von Peilfehlern 

465 984 re : 28.9.28  Drehzahlregler 

465 987 : 21e/27 | 27.9.28 | Prüfung von Kondensatoren 

466 030 : 21a4;22 ; 29,9. 28 | Beseitig. atm. Störungen 

466 031 ' 2144/29 29, 9.28 : Vielstufiger Röhrenverstärker 

„466.075 | 21g/13 | 1.10.28 | Glühkathode 

466 126 218/10 11.10.28 ` Drehkondensator 


Herstellung von Magnetkörpern 
Untersuchung von Perlen 
Magnetisches Material 
Bildtelegraphie 
Hochohmwiderstand 
Störbefreiung 
Hochohmwiderstand 


467 053| 21g/31 |18. 10. 28 
467 055 

467 056 
467 122 
467 133 
467 194 | 
467 200 ; 2le/55 


21g/31 , 18. 10. 28 
21g/31_ | 18. 10. 28 
21a1/32 |23. 10. 28 


© Klasse | Aus- | 
Nr. und gabe- Inhalt 
' Gruppe | tag 
466 137 | 210/55 ! 3.10.28 | Hochohmwiderstand 
466 138 | 21c/55 : 3. 10.28 | Hochohmwiderstand 
466 200 | 21a4/77 | 3.10.28 | Röhrenfassung 
466 456 | 21a1/32 | 5. 10.28 | Synchronisierungsverfahren 
466 457 | 21a2?/11 | 6.10.28 | Lautsprechermembran 
466 460 | 21a4/22 , 8.10.28, Störbefreiung 
#466 462 | 2ig/l3 : 8.10.28 | Herstellung von Glühkathoden 
466 533 | 21g/10 , 6.10.28 | Kondensator 
466 534 | 21g/10 — 8.10.28 | Veränderlicher Kondensator 
466 582 | 21a!/32 | 8. 10. 28 | Bilderübertragung 
466 583 | 21c/22 : 9 10.28 | Einpoliger Stecker 
+466 630 | 2la4/1 | 9.10.28 | Beseitigung störender Pulsationen 
+466 687 | 21a4/52 | 13.10.28 | Geheimtelegraphie 
+466 764 | 21a4/6 |12. 10. 28 | Frequenzvervielfachung 
+466 765| 21a4/8 į11, 10.28 | Schutzeinrichtung fürPiezokristal'e 
466 885 | 21a2/8 | 12, 10.28 | Umwandlung elektrischer Schwin- 
Ä | gungen in Schallwellen 
466 953 | 21a2/l1 | 17.10.28 | Hohlkugelmembranen 
466 960 | 218/29 | 15.10.28 | Lichtelektrische Zelle 
*467 022 | 21a4/14 | 16. 10. 28 Modulationseisrichtung 


2la2/3 |22.10.28 | Schaltung für elektrostatische 
2 Mikrophone 

21a2/41 |22. 10.28 | Verstärkerschaltung 

21la4/35 |22. 10.28 | Röhrenschutzschaltung für Laut- 

sprecher 

218/10 |22.10.28 | Drehkondensator 

218/10 |22. 10,28 | Drehikondensator 

*467 322 | 2121/64 ; 23. Antennensystem 

*467 323 | 218/13 | 23. 10. 28 | Oxydkathode 

467 343 | 21g/10 | 24.10.28 | Drehkondensator 

467 344: 21g/31 24. 10.28 | Magnetisches Material 

467 421 21a2/12 | 24.10.28 | Umformer 

*467 467 | 21g/13 | 23.10.28 | Entladungsröhre 

+467 594 | 21a°/8 |26, 10.28 | Herstellung von Piezokristallen 

*467 629 2134/71 26.10.28 | Piezoelektrische Wellenkontrolle 

467 652: 21g/15 | 27.10.28 | Pendelgleichrichter 

*467 675, 21g/13_ '26.10.28 | Glühkathode 


467 236 | 


467 237 | 
467 279° 


467 291 | 
467 292 


Die mit * bezeichneten Patente sind in diesem Heft aus- 


führlicher referiert. 


Referate. 


C. N. Anderson. (American Telephone und Tele- 
graph Co.) Die Beziehung zwischen der 
transatlantischen drahtlosen Tele- 
graphie mit langen Wellen und anderen 
Erscheinungen, die durch die Sonnen- 
tätigkeit beeinflußt werden. (Correlation 
of long wave transatlantic radio transınission with 
other factors affected by solar activity.) Proc. Inst. 
Radio Eng. 16, S. 297—347, 1928. 


In der Arbeit werden folgende Erscheinungen in 
Betracht gezogen: 


1. Zahl der Sonnenflecken, 2. Sonnenstrahlung 
(Solarkonstante), 3. magnetisches Erdfeld und seine 
Aenderungen, 4. Luft-Elektrizität, 5. Nordlicht, 6. Erd- 
ströme, 7. drahtlose transatlantische Uebertragung mit 
langen Wellen bei Tag und Nacht und bei Sonnen- 
auf- und -untergang. Der Verfasser stellt das Wich- 
tigste, was über diese Erscheinungen bekannt, aber im 
allgemeinen wohl denjenigen, die sich hauptsächlich 


mit drahtloser Telegraphie beschäftigen, nicht geläufig 


‘ist, in sehr verdienstvoller Weise unter Verwendung 


vieler Abbildungen zusammen. 


Das Ergebnis gibt er selbst in folgender Form an. 
Hohe Feldstärken der drahtlosen Uebertragung bei 
Tag (f= 57 000/sec) erhält man während Perioden 
von besonders starker magnetischer Tätigkeit. In den 
meisten Fällen treffen die magnetischen Störungen 
früher ein, als die hohen Feldstärken bei der draht- 
losen Uebertragung. Es kommt aber auch vor, daß 
das plötzliche Emporschnellen zu hohen Werten der 
Feldstärke vorangeht und gelegentlich auch, daß ein 
allmählicher Anstieg zu den hohen Werten erfolgt 
ohne jeden Zusammenhang mit magnetischen Stö- 
rungen. Von Interesse ist ein Fall von ungewöhnlich 
niedriger Feldstärke und gleichzeitig besonders ge- 
ringen magnetischen Störungen einige Wochen vor 
und nach dem 1. Dezember. Am 7. Dezember ging 
der Sonnenäquator (Gegend von besonders geringer 


EEE REN zu 


n 


‚Verstärker nur wenig verstärken, 


Referate. 


: Sonnentätigkeit) durch die Verbindungslinie Sonne-- 


Erde hindurch. 

Besonders starke Störungen der drahtlosen Ueber- 
tragung bei Nacht (immer bei f= 57 000/sec) er- 
scheinen- immer gleichzeitig mit den magnetischen 
Störungen. Aber während der Uebergang zu nor- 
malen Bedingungen bei dem magnetischen Erdield ge- 
wöhnlich nur wenige Tage dauert, kann es sich bei 
der drahtlosen Uebertragung unter Umständen um 
6—8 Wochen handeln. 

Geht man auf die Störungen von geerdeten Tele- 
graphenlinien näher ein, so zeigt sich, daß die Zeiten 
des Beginns und des Maximums dieser und der ma- 
gnetischen Störungen nicht zusammenfallen. Man 
muß also der Auffassung beipflichten, daß diese bei- 
den Erscheinungen, Erdströme und Störungen des 
magnetischen Feldes der Erde, in keinem einfachen 
Zusammenhang stehen. 

Der Verfasser meint, man müsse wohl dasselbe 
von all den anderen, oben aufgeführten Erscheinungen 
sagen, die er in seiner Arbeit behandelt hat. 

J. Zenneck. 


H. A. Wheeler. Automatische Regelung 
der Empfangsintensität. (Automatic volume 
control for radio receiving sets.) (Proc. Inst. Radio 
Eng. 16, 30—39, 1928. (Aus der Hazeltine- 
Corporation.) | 

Der Gedanke, der in dem nebenstehenden Schema 
Bild 1 sich ausdrückt, ist der folgende: Der durch den 
Gleichrichter gleichgerichtete Trägerstrom liefert eine 


Lnlengi- 


[NE 7sregel adi 


+ Handbeir. 


ME- 
Vers/arker 


latge- 


cher 


.— 
oufomasısche bilfervorsponnung 


Bild 1. 
Gleichspannung an das Gitter des Hochspannungs- 


verstärkers. Je höher diese Spannung ist, um so ge- 
ringer wird die Verstärkung durch diesen Verstärker. 
Man erreicht dadurch, daß bei starken Zeichen die 
bei schwachen 


Zeichen dagegen gute Verstärkung geben. Infolge 


| davon hängt die Intensität des Lautsprechers in viel 


HE DETI 
Rahmen EHTOR N£FDETEKTOR 


Zwischen- 
freqvenz- 
Versjsrher 


AbsHmm- 


Aondensslor 20.000 \Ohm 


Bild 2. 


geringerem Maße von der Intensität der auftretenden 
Zeichen ab als ohne diese Regelung, die im übrigen, 
wie das Bild zeigt, auch noch durch eine von Hand 
betätigte unterstützt wird. 

Der Verfasser weist schon darauf hin, daß ein 
ähnlicher Gedanke in dem Brit. Pat. der West. EI. 


Co. 259664 vom 14. 7. 1925 enhalten ist. In der Dis- 
kussion macht:G:. W. Pickard darauf aufmerksam, 


daß er in einer Veröffentlichung vom 12. Dezem- 


stark bemerkbar. 


89 


ber 1923 in den Proc. of the Inst. of Radio Eng. die- 
selbe Idee ausgesprochen hat. | 
E. Bruce (Bell Tel. Lab.) berichtet über eine 
Anordnung (Bild 2) mit Zwischenfrequenz, bei der die 
regelnde Gileichspannung dem Anodenkreis des 
Niederfrequenz-Detektors entnommen und dem Gitter 
des Hochfrequenz-Detektors zugeführt wird. Was 
diese Anordnung leistet, zeigt die gemessene Charak- 
teristik von Bild 3, in dem als Abszissen in logarith. 


71000 10000 100000 7.000000 
Hochfregvenz-Spannung in aa auf dem 
ersten Detektor 


Bild 3. 


Maßstab die Werte der Hochfrequenzspannung auf 
den ersten Detektor in uV, als Ordinaten die Span- 
nungen, die auf den Niederfrequenz-Detektor wirken, 
aufgetragen sind. Bruce sowohl wie Pickard 
betonen, daß die praktische Bedeutung solcher Anord- 
nungen dadurch vermindert wird, daß mit dem Steigen 
und Fallen der. Zeichenintensität auch die Intensität 
der atmosphärischen Störungen und ebenso der Ge- 
räusche des Empfängers steigen und fallen. 
J. Zenneck. 


K. Mcelivain und W. S. Thompson. Die Mes- 
sung der Feldstärke des Rundfunk- 
senders in Philadelphia. (A Radio field 
strength survey of Philadelphia.) Proc. Inst. Radio 
Eng. 16, S. 181—192, 1928. 


Die Verfasser haben über einen langen Zeitraum 
an den verschiedensten Stellen in und um Philadelphia 
die Feldstärke des dortigen Rundfunksenders ge- 
messen und ihre Messungen in Form von Kurven 
gleicher Feldstärke in die Karte von Philadelphia und 
seiner Umgebung eingetragen. Bezüglich der Einzel- 
heiten muß auf die Originalarbeit verwiesen werden. 

Von allgemeinerem Interese sind eine Anzahl 
von Einzelbeobachtungen. In der Stadt machen sich 
die lokalen Einflüsse von benachbarten Gebäuden 
Die Werte, die man an einer Seite 
einer Straße bekommt, sind nicht identisch mit den- 
jenigen an derselben Stelle, aber auf der anderen 
Seite der Straße. Ebenso sind sie am Boden unter 
Umständen verschieden von den Werten auf einem 
3—4-stöckigen' Haus an ungefähr derselben Stelle. Der 
Bau eines Gebäudes mit -Eisen-Konstruktion änderte 
die Feldstärke’in”der Nähe und dahinter erheblich. 
Besonders geringe Abnahme zeigte die Feldstärke 
längs des Delaware-Flusses, vielleicht zum Teil ein- 
fach deshalb, weil dort keine schattenwerfenden Ge- 
bäude vorhanden sind. J.Zenneck. 


i 40 _ _Bücherbesprechunget. 


Hochfrequenzmeßtechnik. Ihre wissenschaft- 
lichenundpraktischen Grundlagen. Von 
Dr.-Ing. A. Hund. 2. vermehrte und ver- 
besserte Auflage. XVII und 526 Seiten mit 287 
Textfiguren. 8°. Berlin 1928, Verlag von Julius 
Springer. Geb. Mk. 39,—. l 

Der Verfasser, der Mitglied des Bureau of Stan- 
dards und durch seine Arbeiten auf dem Gebiet der 
Hochfrequenzmeßtechnik sehr gut bekannt ist, hat in 
diesem Buche wohl alles besprochen, was für Messun- 
gen auf dem Hochfrequenzgebiet in Betracht kommt. 
Es zerfällt in einen vorwiegend experimentellen Teil, 
Kapitel I—XXIII, der die verschiedenen Meßmethoden, 
und einen mehr theoretischen Teil, Kapitel XXIV bis 
XXVIII, der die methematische Behandlung von Hoch- 
frequenzproblemen umfaßt. Der experimentelle Teil 
ist besonders reichhaltig, wie die folgenden Kapitel- 
überschritten zeigen: I. Hochfrequenzgeneratoren, 
ll. Spannungs- und Stromwandler, II. Die Phasen- 
wandler, IV. Die Frequenzwandler, V. Die Gleich- 
richtung von Strömen, VI. Strom-, Spannungs- und 
Energieverstärker, VII. Die Kathodenstrahlröhre als 
Hochirequenzoszillograph, VHI. Differentialsysteme, 
IX. Apparate und Systeme für die Messung von Hoch- 
frequenzströmen, X. Spannungsmessung, XI. Bestim- 
mung der Wellenlänge, Periodenzahl und Perioden- 
dauer, XJI. Bestimmung der Wellengruppenfrequenz 
und der brauchbaren Schwingungen per Wellenzug, 
XII. Bestimmung der Kapazität, XIV. Die Bestimmung 
des Koeffizienten der Selbstinduktion, XV. Bestim- 
mung der Koeffizienten der gegenseitigen Induktion 
und der Kopplung, XVI. Bestimmung des wirksamen 
Widerstandes, XVII. Die Messung von Hochfrequenz- 
leistungen, XVI. Bestimmung des Dekrements, des 
Leistungsfaktors, der Phasenverschiebung und der 
Resonanzschärfe, XIX. Messungen an Lichtbogen- 
generatoren, XX. Ferromagnetische Untersuchungen, 
XXI. Vakuumröhrenmessungen, XXI. Antennenunter- 
suchungen, XXII. Verschiedene Meßmethoden. — Es 
gibt kaum eine ernst zu nehmende Meßmethode, die 
in dem Buch nicht enthalten ist. 

Angenehm hat mich berührt, daß Messungen mit 
Hilfe der Braunschen Röhre sehr eingehend be- 
rücksichtigt sind. Es steht ja kaum irgendein anderer 
Apparat zur Verfügung, der auf dem Gebiet der 
Hochfrequenz eine so vielseitige Verwendung zuläßt 
und so schnell und anschaulich über Schwingungs- 
vorgänge unterrichtet, wie diese Röhre. Ich habe mich 
deshalb immer gewundert, daß es so lange dauerte, 
bis sie in solchen Laboratorien, die auf dem Hoch- 
frequenzgebiet arbeiten, Eingang gefunden hat. 

Vielleicht ist der Verfasser in dem Bestreben, die 
Meßmethoden möglichst vo.lständig aufzuführen, 
etwas zu weit gegangen; ich könnte mir jedenfalls 
vorstellen, daß das Buch gewinnen würde, wenn bei 
einer Neuauflage eine Anzahl weniger wichtiger 
Methoden weggelassen würden. Empfehlen möchte 
ich auch bei einer Neuauflage, an manchen Stellen den 
deutschen Ausdruck zu verbessern und manche un- 
gewöhnlichen Bezeichnungen durch die. in Deutsch- 
land üblichen zu ersetzen. J. Zenneck. 


Wireless principles und practice. Von L. S. 
Palmer. 504 Seiten mit 307 Textfiguren. 8°. 
London 1928, Longmans, Green and Co. 


 Bücherbesprechungen. 


| 
Das Buch ist das Ergebnis ernster Arbeit. Das 
| 


—| 


geht aus der sorgfältigen Besprechung der einzelnen | 
Fragen mit Sicherheit hervor. Schon die ausführlichen : 
L.iteraturangaben am Ende jeden Abschnitts und die | 


zahlreichen Literaturhinweise im Text machen einen ' 
guten Eindruck; sie zeigen, daß der Verfasser sich der : 


nicht leichten Aufgabe unterzogen hat, die Literatur | 
aller Länder über diesen Gegenstand zu studieren. ' 


Der Inhalt umfaßt ungefähr alles, was man billiger- 
weise von einem modernen Lehrbuch der drahtlosen 
Telegraphie erwarten kann. 

Vorausgesetzt wird beim Leser die Kenntnis der 
theoretischen Physik, soweit man sie bei der Theorie 


der Wechselströme im weitesten Sinne des Wortes | 
und bei der Ausbreitung von elektromagnetischen | 


Wellen braucht. 

Die Darstellung ist im allgemeinen durchaus klar. 
Aber sie dürfte meinem Geschmack nach manchmal 
etwas einfacher und knapper sein. Das Wichtige 
würde wohl besser "hervortreten, wenn manches 
Nebensächliche weggelassen und manche Zwischen- 
rechnung unterdrückt würde. 

Mervorheben möchte ich, daß man dem Buche an- 
merkt, daß der Verfasser, der früher Radioengineer 
bei der Britischen Admiralität war, die drahtlose 


Telegraphie nicht nur aus Büchern und dem Labora- ! 


torium, sondern auch aus der Praxis kennt. 
J.Zenneck. 


Wireless direction finding and directional recep- 
tion. Von R. Keen. 2. vermehrte Auflage, 
Seiten mit 329 Textfiguren. 8°. 
lliffe u. Sons. London, Ltd., Onset House, 
street 1927. Preis 21,— s. 


Das Buch behandelt alle Fragen, die bei der 


— 


$ 


490 i 
„The Wireless World“ i 
Tudor ` 


— un. 
Pre 


Funkpeilung und ihrer Anwendung in der Praxis auf- : 


treten, die Eigenschaften von Antennen für gericlı- 


tete Aussendung und gerichteten Empfang von Wellen, : 
Radiogoniometer, die verschiedenen Kartenarten, die ; 
Ausnützung der Funkpeilung in der Navigation, ihre 
Störungen, z. B. durch den Nachteifekt, Einrichtungen ' 
für Funkpeilungen am Lande, auf Schiffen und auf | 


Flugzeugen und endlich die Ermittlung und Abstellung 
von allen möglichen Fehlern an solchen Einrichtungen. 
Die Darstellung ist elementar in dem Sinne, daß 


an die Vorkenntnisse des Lesers, insbesondere an die : 


m 4s 4% 


mathematischen, nur äußerst geringe Anforderungen . 
gestellt werden. Sie ist aber durchaus nicht elementar. : 
wenn man damit eine Darstellung meint, die nur auf , 
die Elemente der Sache eingeht. Im Gegenteil werden : 
in dem Buch ungefähr alle, zum Teil durchaus nicht ! 
einfachen Fragen eingehend besprochen, die bei Ver- (‘ 
wendung der drahtlosen Telegraphie für BONS 


und Ortsbestimmung interessieren. 

Der Verfasser versteht es ganz ausgezeichnet, ` 
sclche Fragen in einfacher Sprache und durch schema- ' | 
tische Figuren klar zu machen. Die Anschaulichkeit ` 


seiner Darstellung ist meinem Geschmack nach nicht ` 


leicht zu übertreffen. 

Dem Buch ist am Schluß ein ausführliches Literatur- 
verzeichnis von 374 Arbeiten auf diesem Gebiet bei- 
gegeben. 


; 


Ich empfehle das Buch jedem, der sich über die |. 


physikalischen Grundlagen oder über die Praxis der | 
Funkpeilung unterrichten will. J. Zenneck. 


Februar 1929 ’ / Heft 2 


h der drahtlosen Telegraphie 
und Telephonie 


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a Gegründet 1907 

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1 Unter Mitarbeit 3 
von ‚| 


Dr. h. c. Graf v. Arco (Berlin), Dr. L. W. Austin (Washington), Postrat Dr. F. Banneitz | 
(Berlin), Prof. Dr. H. Barkhausen (Dresden), Dr. W. Burstyn (Berlin), Prof. Dr. A. Esau | 
(Jena), Prof. Dr. H. Faßbender (Berlin), Dr. L. de Forest (New-York), Prof. Dr. F. Kiebitz 
(Berlin), Postrat Prof. Dr. G.Leithäuser (Berlin), Dr. S.Loewe (Berlin), Dr. C. Lübben (Berlin), 
Dr. E. Lübcke (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. A. Meissner (Berlin), Prof. Dr. H. G. Möller 
(Hamburg), Dr. E.Nesper (Berlin), Dr. B. van der Pol jr. (Eindhoven), Ingenieur Dr. V.Poulsen 
(Kopenhagen), Prof. Dr. L. Pungs (Braunschweig), Dipl.-Ing. B. Rosenbaum (Berlin), 
Dr. K. Rottgardt (Berlin), Prof. Dr. H. Rukop (Köln), Dr. A. Scheibe (Charlottenburg), 
Öberingenieur O. Scheller (Berlin), Prof. Dr. W. Schottky (Berlin), Prof. Dr. A, Sommerfeld 
(München), Dr, F. Trendelenburg (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. M. Wien (Jena), 
Prof. Dr. H. Wigge (Köthen-Anh.), 


herausgegeben von 
Professor Dr. Dr. ing.E.h.J. Zenneck una Privatdozent Dr. E. Mauz 


Schriftleitung: Dr. E. Mauz 


M:KRAYN 
BERLUN-W- 


Fa 


Monatlich erscheint ein Heft. Abonnementspreis des Bandes (1> Jahr) RM. 20.—, Preis des 
einzelnen Heftes RM. 5.50. Alle Buchhandlungen sowie die Verlagsbuchhandlung nehmen Be- 


S. 41—80 


[88:2 1908 


Heft 2 stellungen an. Inserate werden mit RM. —.15 pro mm Höhe und 41mm Breite berechnet. 
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Kreiszylinder sind Platiniridium-Bänder als Hit- 
bänder angeordnet. Die Bänder dehnen sich durch 
die vom Mebstrom erzeugte Wärme, — die An- 
derungen der Bandlänge wird durch den Spann- 
faden auf den Zeiger übertragen. Dies einzigartige 
Gerät gibt peinlich genau Anzeige — ist verwend- 
bar bis 300 Amp. 


Band 33 


Februar 1929 


Heft 2 


| Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie 


Leilschrilt ür NOGHIFEQUENZIECHNIK 


INHALT 
Seite Seite 
H. Freese: Beseitigung der Nebenfrequenzen beim statischen | H. E. Hollmann: Zusammenfassender Bericht. Die Erzeugung 
Frequenzw andler. (Mit 17 Bildern im Text.) ; ; ; . 4 Ben nt Wellen mit Elektronenröhren. "Mit A 
F. Aigner: Das Problem der ökonomischten Vielfachtrans- _ | Miste ilingen aus der Praxis, Telefunken: Kraftverstärkerröhre 
ponierung. (Mit 2 Bildern im Text.) . 4 RE 604. (Mit 1 Bild im Text.) — Zwischenstecker für indirekt be- _ 
H.Faßbender und G. Kurlbaum: Abhängigkeit ni keni He a E (Mit 5 Bildern im Text). ` . TD 
weite sehr kurzer Wellen von der Höhe "des Senders über Referate 
der Erde. (Mit 7 Bildern im Text.) eo . 52 | G.Marconi(J.Zenneck): Drahtlose Telegraphie (Mit 2 Bildern im en 
W. Lazaref: Ueber die Instabilität der Frequenz von Rohrähgene: Text.) . . . . . . ; # 
- | E.O.Hulburt (J. "Zenneck): Tonisation in der oberen Erdatmo- 
ratoren und deren Stabilisierung. (Mit 22 Bildern im Text.) 55 an Mit a Ta Der denne 13 Nor Hehe 78 
Kurt Schlesinger: Neutralisation des Resonanz- ne u J.Hollinzworth (J.Zenneck): Die Polarisation der Wellen in 
5 Bildern im Text) . 63 drahtlosen Telezraphie. (Mit 2 Bildern im Text.) 79 
P.O. Pedersen: Bemerkung z zu dem Aufaatz von 1. Fuchs: Das Ver- . Pohlhausen (W. Espo): Die 'Feldkräfte auf die Glühdr: ähte 
halten kurzer Wellen in unmittelbarer Nähe des Senders 68 von Elektronenröhren . so 


Manuskripte für das Jahrbuch, möglichst mit klischlerfähigen Figuren versehen, sind an die Schriftieitung Dr. E. Mauz, Frankfurta. M., Physikalisches 
Institut, Robert Mayerstr. 2, zusenden. Die Herren Autoren werden gebeten, eine kurze Zusammenfassung des wesentlicheu Inhalts ihrer Arbeit jedem Manuskript beizufügen. 
Abonnements und Inserate sind zu richten an M. Krayn, Verlagsbuchhandlung Berlin W 10, Genthiner Straße 39, Postscheck-Konto Berlin 32647. 


Beseitigung der Nebenfrequenzen 
beim statischen Frequenzwandler. 


Von Hermann Freese. 
Schluß.*) 


H. Beseitigung der Nebenirequenzen. 


Von den vielen Möglichkeiten, die schon zur Be- 
seitigung von Störfrequenzen angegeben sind"), soll 
hier eine untersucht werden, und zwar die, daß man 
den unerwünschten Nebenfrequenzen durch eine 
Stromverzweigung Gelegenheit gibt, sich außerhalb 
desjenigen Leiterteils auszugleichen, der nur die reine 
Nutzfrequenz führen soll, daß man also an die 
Punkte p der Schaltskizzen Absorptionskreise legt, 
welche für die schädlichen Frequenzen geringen, für 
die Nutzfrequenz dagegen hohen Widerstand haben. 


Das bisher angewandte Meßverfahren eignet sich 
sehr gut dazu, die Wirkung derartiger Schaltungen 
in doppelter Weise erkennen zu lassen: einmal im 
Spektrum durch Sinken der Nebenwellen, sodann 
dadurch, daß im Oszillogramm die maximalen 
und minimalen Werte der Amplitude während einer 
Periode des Primärstroms sich weniger voneinander 
unterscheiden als vorher. 


Bezüglich der Beschaffenheit der Absorptions- 
kreise würde es am günstigsten sein, wenn ihr eigenes 
Stromspektrum (bei konstanter Spannung) sich mit 
dem des zu reinigenden Stromes deckt, nur mit den 
einen Unterschied, daß an Stelle des Hauptmaximums 
ein Tal liegen muß. Man könnte also an eine Sieb- 


*) I, Teil ds. Ztschr. 33, S. 1, 1929, H. 1. 
13) D. R. P. 431256; 432680; 440545; 443403; 444261 
448060; 450395; 452092. Brit. Pat. Nr. 207781; 263825; 


266178; 267916. Franz. Pat. Nr. 566555; 628407; 629953. 


kette mit gerader Gliederzahl und fester Kopplung 
denken. Abgesehen von der großen Komplikation, die 
dadurch eingeführt wird, zeigt aber die Rechnung"*), 
daß die einzelnen Maxima sich nicht so um die Sym- 
metrielinien des mittelsten Minimums gruppieren, daß 
sie gerade alle mit den in unserem Falle vorhandenen 
Frequenzen zusammenfallen. Für jedes zur Haupt- 
frequenz symmetrisch liegende Paar von Neben- 
frequenzen läßt sich jedoch ein eigenes zwei- 
gliedriges Absorptionssystem verwenden. Um deren 
Wirkung überhaupt kennen zu lernen, soll im folgen- 
den die Absorption nur für 1 Paar von Nebenfrequen- 
zen, nämlich für die wichtigsten bei Verfünfzehn- 
fachung, die 13. und 17. angewandt werden. 


A. Zusammensetzung von Absorptionskreisen. 
a) Parallel geschaltete Absorptionskreise. 


Das geforderte Absorptionssystem wurde einmal 
auf eine in Brit. Pat. Nr. 263825 (Lorenz) am 
2. Ill. 27 veröffentlichte Weise zusammengestellt, 
nämlich aus zwei parallelgeschalteten Schwingungs- 
kreisen, von der der eine (C-, L-) auf die 13., der andere 
C+L4.) auf die 17. Harmonische abgestimmt ist, und 
„war so, daß die Parallelschaltung beider grade für 
die 15. Harmonische als Sperrkreis wirkt (Bild 17). 
Die Kreisbestandteile waren mit geringen quantita- 
tiven Aenderungen dieselben wie die weiter unten in 


4) Riegger, Wiss. Veröff. a. d. Siemens Konz. 1, S. 126, 
1922, Heft 3. 


42 


H. Freese: 


b) für die gekoppelten Kreise angegebenen. Ueber 
ihre Charakteristik siehe c) Kontrolle der richtigen 
Einstellung. 


b) Gekoppelte Absorptionskreise. 


Ein Absorptionssystem mit den verlangten Eigen- 
schaften wurde außerdem nach Vorschlag von Herrn 
Geheimrat Zenneck durch zwei gleichgestimmte 
induktiv festgekoppelte Schwingungskreise realisiert. 
(Bild 18.) Die Größe der ungekoppelten Eigenschwin- 
gung dieser Kreise muß dann angenähert gleich der 
Nutzfrequenz, die Koppelfrequenzen gleich den zu ab- 
sorbierenden Nebenfrequenzen sein. Die genauen 
Größen folgen aus der bekanntent) Beziehung: 


; N\?_{[N\° 
Kopplungsgrad K = 1—5) =(5) z= 


worin N = ungekoppelte Eigenfrequenz, 
N, = größere Koppelfrequenz, 
N, = kleinere Koppelfrequenz. 
Hier ist also N, = 17, N.=13, somit N = 14,6 und 


K’ = 0,26. 
L 
Bild 17. Bild 18. 
Parallelgeschaltete Absorptions- Gekoppelte Absorptionskreise. 
kreise. 


Die Kreise wurden aus je einer Luftspule von 
0,036 Fl und je einem Luftdrehkondensator mit parallel 
geschalteten Glasplattenkondensatoren (ca. 10000 cm 
in jedem Kreis) gebildet und die Luftspulen koachsial 
auf 53 mm Abstand gebracht. Ueber die Charakteristik 
dieses Systems siehe bei c) Kontrolle der richtigen 
Einstellung. 


c) Kontrolle der richtigen Einstellung 


Daß die nach a und b berechneten Kreise nun auch 
wirklich die 13. und 17. Harmonische durchlassen, die 
15. aber sperren, wurde schließlich durch Aufnahme 
der Stromfrequenzkurve bei konstanter Spannung 
nachgeprüft. Der reine Sinusstrom für diese Messung 
stammte von dem Eichröhrengenerator des Bildes 7, 
die konstante Spannung von etwa 0,7 V wurde an 
dem bereits erwähnten Hitzdrahtamperemeter von ca. 
130 Q Widerstand abgenommen und der Strom durch 
die Absorptionskreise durch Vakuumthermoelement 
und Galvanometer gemessen. Bild 19 zeigt die so er- 
haltenen Resonanzkurven und mit ihnen die für das 
folgende wichtige Tatsache, daß in unserem Fall die 
parallelen Absorptionskreise ca. halb so viel Wider- 
stand hatten wie die gekoppelten. 

Bei den meisten Versuchen wurden die parallelen 
Absorptionskreise verwendet, und zwar aus rein tech- 
nischen Gründen: die Einstellung der Kopplung machte 
die Handhabung der anderen Kreise unbequemer. Zu- 
dem mußten ihre Induktivitäten viel weiter von dem 
empfindlichen Wellenmesser entfernt gehalten werden, 


15) z, B, Zenneck, Lehrbuch. 


i 


weil sie sich nicht in der horizontalen Lage verwen- 
den ließen, welche zur Vermeidung der Streufeld- 
einflüsse durch die übrige Anordnung geboten war. 
Es werden darum im folgenden von den gekoppelten 
Kreisen nur einige Bilder gebracht, die, wie schon 
Bild 19, beweisen, daß in der Tat kein prinzipieller 
Unterschied zwischen den beiden Arten von Absorp- 
tionskreisen besteht. 


B. Einfügung der Absorptionskreise in die Schaltung. 


a) Die verschiedenen Anordnungen. 

Nach der Patentschrift von Lorenz werden die 
parallelen Abskorptionskreise an einen Teil der 
sekundären Induktivität gelegt und an diesem Teii 
dann der Tertiärkreis angekoppelt. Es ist zu er- 
warten, daß es nicht einerlei sein kann, wie groß 
dieser Teil der sekundären Induktivität ist. Ist er 
extrem klein, so kann die Wirkung der Absorptions- 
kreise nicht erheblich sein, weil dann natürlich auch 
die Nebenfrequenzen leichter durch diesen Teil als 
durch die Absorptionskreise fließen, welche auch bei 
der Resonanzabstimmung immer noch einen gewissen 
Verlustwiderstand nn Wird er sehr groß, so 


95S79MNR A EHLEEL, 
Bild 19. 
Resonanzkurven der Absorptionssysteme. 


bedeutet das eine feste Ankopplung der Absorptions- 
kreise an den Sekundärkreis und dadurch werden ver- 
wickeltere Koppelfrequenzen entstehen. Die Versuche 
bestätigen diese Erwartung, und zwar nicht nur für 
induktive, sondern auch für kapazitive und reine 
Widerstandskopnlung des Absorptionssystems an das 
sekundäre sov’ohl wie an das tertiäre. Für induktive 
Kopplung wird das in folgendem dargelegt werden. 
Neben diesem Einfluß der Ankopplung des Ab- 
sorptionssystems wird dabei noch von einen zwei- 
ten, der mit der Abstimmung des zu reinigenden 
Systems in Zusammenhang steht, zu reden ist. 
Vorher aber sei als wichtigste Tatsache die be- 
tont, daB die erwartete Reinigung durch ein Absorp- 
tionssystem wirklich in weitgehendem Maße zu er- 
reichen ist. Um sich davon zu überzeugen, betrachte 
man die im vorigen Abschnitt schon gebrachten 
Bilder 9, 10 (für Sekundärkreis) und 13, 14 (für 
Tertiärkreis), die ungefähr mit den günstigsten Vor- 
bedingungen betreffs der erwähnten beiden Einflüsse 
gemacht wurden. Jetzt kommen also die ÖOszillo- 
gramme b und die Punkte ®© der Spektren zu ihrer 
Bedeutung, die, wie schon früher gesagt, die Verhält- 
nisse darstellen, wenn zwischen den Punkten p des 
jeweiligen Schaltschemas ein Absorptionssystem liegi. 
Im allgemeinen geben die Oszillogramme ein besseres 


mean 


M: 


ui 


po 


Beseitigung der Nebenfrequenzen beim statischen Frequenzwandler. 43 


Bild von der Wirkung des Absorptionssystems als 
die Spektren. Die Punkte O und © in den Spektren 


O 1 3 5 7 9 11 8B 151719212325 m», 


Bild 20. 
Wie 9, nur statt paralleler Absorptionskreise gekoppelte. 


Bild 20a. Bild 20b. 


Sranane 
HERTE 


O 1 357 9 11 13 15 17 19 2123 25 


Q) 
Ms; 


Bild 21. 
Wie 10, nur statt paralleler Absorptionskreise gekoppelte. 


Bild 21a. 


Bild 21b.' 


sind für jede Frequenz unmittelbar zusammen ge- 
messen, so daß der Vergleich zwischen beiden von 
der absoluten Meßgenauigkeit unabhängig ist. 
Im folgenden sollen die einzelnen Ergebnisse zunächst 
für einen sekundären, dann für einen tertiären Kreis 
diskutiert werden. 


b) Sekundärktreis. 

Im Sekundärkreis war von den vorhin genannten 
Einflüssen nur der eine nennenswert, nämlich der der 
Ankopplung des Absorptionssystems. Der andere, 
der Einfluß der Abstimmung, bringt nichts Neues; 
das Absorptionssystem wirkt bei Bild 11 und 12, die 
ia, wie Seite 7 beschrieben wurde, sich von 9 nur 
durch schwache Verstimmung des Sekundärkreises 
unterscheiden, nicht merklich anders als in 9 auch. 

Wie schon gesagt, war für 9 die Ankopplung des 
Absorptionssystems gerade am günstigsten gewählt, 
und genau dieselbe wurde auch in Bild 11 und 12 bei- 
behalten. In dem jedesmal mit eingezeichneten 
Schaltschema ist die Stärke dieser Ankopplung durch 


O 1 3 57 9 1183151719212325 m, 


Bild 22. | 
Wie 9, nur Absorptionssysteme fester an Il gekoppelt. 


Bild 22b. 


Bild 22a. 


die Windungszahl der parallel zum Absorptionssystem 
liegenden Koppelinduktivität gekennzeichnet, hier für 
den günstigsten Fall durch eine Windung. Koppeit 
man noch loser an, so ist überhaupt keine Wirkung 
des Absorptionssystems zu konstatieren, ÖOszillo- 
gramme a und b sind identisch, ebenso die Lage der 
Punkte O und © im Spektrum. Deshalb wurden da- 
von gar keine Bilder gemacht. Für den günstigsten 
Fall (Bild S—12) gilt nun ganz besonders, daß die 
Oszillogramme deutlicher sind als die Resonanzkurve. 
Die Oszillogramme zeigen eine klare Entdämpfung 
des Kurvenzuges, während man in den Spektren 
sieht, daß nur die höheren Nebenwellen (17. und 19. 
Harmonische) etwas geschwächt werden, während die 
13. fast unverändert bleibt. Bei der 11. ist sogar ein 
geringer Anstieg unverkennbar. Die weiter weg 
liegenden Nebenwellen bleiben schwach und kaum ge- 
ändert. Um ungefähre Zahlenangaben über diese 
günstige Kopplung zu machen: der Widerstand der be- 
trachteten Koppelinduktivität beträgt für die 15. Har- 
monische etwa die Hälfte der Widerstandsminima von 
Bild 19. Dieses Zahlenverhältnis gilt für die ge- 
koppelten Absorptionskreise genau so wie für die 


st 


parallelgeschalteten, so daß der Absolutwert 
jenes Teils der sekundären Induktivität für die ge- 
koppelten Absorptionskreise etwa doppelt so groß sein 
mußte wie für parallelgeschaltete, wenn die Wirkung 
des Absorptionssystems in beiden Fällen dieselbe sein 
sollte. Mit dieser Einstellung wurden Bild 20 und 21 
für gekoppelte Absorptionskreise gemacht. Der 
Befund unterscheidet sich kaum von dem in Bild 9 und 
10 (parallele Absorptionskreise), womit also ge- 
zeigt ist, daß bei Berücksichtigung der Widerstands- 
verhältnisse die beiden in II A. beschriebenen Ab- 
sorptionssysteme tatsächlich die gleichen Wirkungen 
haben. 

Verstärkt man nun die Ankopplung des Absorp- 
tionssystems weiter, so kommt man, wenn sich 


Bild 23. 
Wie 22, schwach gedämpft, Absorptionssystem jedoch noch 
fester an II gekoppelt. 


Koppelwiderstand zu Resonanzwiderstand des Ab- 
sorptionskreises wie etwa 1:1 verhalten, zr Bild 22 
(schwach gedämpft). Hier ist die Wirkung des Ab- 
sorptionssystems schon entschieden ungünstig. Das 
läßt nicht nur die Schwebung in den Oszillogrammen, 
sondern auch das Spektrum deutlich erkennen. Zwar 
werden 13, und 17. Harmonische wesentlich ge- 
schwächt, dafür steigt aber die 11. auf Beträge, welche 
nicht einmal die 13. und 17. vor Anlegen des Ab- 
sorptionssystems erreichen. 


Um zu sehen, wo das bei immer stärkerer An- 
kopplung des Absorptionssystems hinführt, bedarf es 
gar nicht mehr der Analyse mit dem Wellenmesser. 
Vielmehr zeigen schon allein die Oszillogramme 


Bild 24. 
Wie 23, aber stark gedämpft. 


Bild. 23 (schwach gedämpft) und Bild 24 (stark xe- 
dämpft), daß die 11. Harmonische zur Hauptfrequenz 
also größer als die eigentlich gewünschte 15. Harmo- 
nische wird. Besonders schön ist in diesen beiden 
Bildern zu sehen, wie bei zunehmender Dämpfung dic 
4 Amplituden, welche schon in Bild 22 und 23 die 
kleinsten waren, ganz verschwinden, so daß schließ- 
lich 11 Amplituden in Bild 24 übrigbleiben. 


Bei Bild 25 (schwach gedämpft) und 26 (stark ge- 
dämpft) endlich hat der Anteil der Induktivität, an 
welchen die Absorptionskreise gekoppelt sind, den 
Betrag von etwa 50% der gesamten in II enthaltenen 
Induktivität erreicht. Während Bild 25 die obere 
Koppelfrequenz (21.» ) deutlich zeigt, ist in 26 besser 
die untere (9.0 ) zu erkennen. Für die praktische 


H. Freese: 


———— en 


Anwendung können die starken Ankopplungen der 
Bilder 22 bis 26 keine Bedeutung mehr haben. 


Zu Bild 23—26 ist noch einmal darauf hinzuweisen, 
daß sie nur mit eingeschalteten Absorptionskreisen 
(wie die- Oszillogramme ©% bisher) aufgenommen 
wurden, weil die Aufnahmen bei ausgeschalteten 
Absorptionskreisen kaum von den entsprechenden 
früheren Bildern 9a usw. abweichen. 


P 
Bild 25. 
Wie 23, schwach gedämpft, aber Absorptionssystem sehr fest 
an lI gekoppelt. 


c) Tertiärkreis. 


Wie schon gesagt wurde, ist der Einfluß der An - 
kopplung der Absorptionskreise im Tertiärkreis 
derselbe wie im Sekundärkreis. Zwei Fälle zufester 
Ankopplung an den Tertiärkreis zeigen die Oszillo- 
gramme 27 und 28 (beide für gleiche Dämpfung), wo 


Od 


26. 
Wie 25, ee iak gedämpft. 


man dieselbe erst zweifache, dann dreifache 
Schwebung erkennt, welche dem auch für den 
Sekundärkreis in Bild 22—26 festgestellten Anwachsen 
weiter entfernter Nebenfrequenzen entspricht. An- 
dererseits sind die schon in Bild 13 und 14 gezeigten 
Stromformen vonissssicher zu wenig von dem Ab- 
sorptionssystem beeinflußt. Darum läßt sich auch von 


Bild 27. 
Tertiärkreis, schwach gedämpft, wie 13, Absorptionssystem jedoch 
fester an II gekoppelt. 


dem Anwachsen der 11. Harmonischen noch nichts 
Deutliches in diesen Bildern bemerken. 


Das ist schon anders bei Bild 29 (schwach ge- 
dämpft) und Bild 30 (stark gedämpft)'), wo die 
Punkte p an einer andern Stelle des Tertiärkreises 
liegen (siehe Schaltskizze), nämlich so, daß die Ab- 
sorptionskreise jetzt fester an deu Tertiärkreis ge- 
koppelt sind. Ihr Einfluß auf die 11. Harmonische ist 
jetzt wieder in deutlichem Anstieg zu sehen. Etwas 


16) Deutlicher bei der schwachen un (13 und wa als 
bei der starken (14 und 30). 


Br p Ma wur 


Beseitigung der Nebenfrequenzen beim statischen Frequenzwandler. 


besser als im Spektrum zeigt sich hier in den Oszillo- 
grammen, daß die entdämpfende Wirkung der Ab- 


sorptionskreise, d. h. der Unterschied zwischen Oszillo- 


gramm a und b in 29 und 30 günstiger ist als in 13 
und 14. 


Bild 28. 


Tertiärkreis, schwach gedämpft, wie 27, Absorptionssystem jedoch 


noch fester an Ill gekoppelt. 
Diese günstige Ankopplung der Absorptionskreise 


an den Tertiärkreis liegt auch bei den Bildern vor, 


welche jetzt noch unter dem Gesichtpunkt des er- 
wähnten Einflusses der Abstimmung betrachtet 


werden sollen. Zu Bild 15 und 16 wurde schon im 
Abschnitt I bemerkt, daß sie den Einfluß der Ab- 
stimmung des Tertiärkreises auf die Wirkung des Ab- 
sorptionssystems für den Fall loser Kopplung zwischen 


o 1 3 5 7 9 1113151719212325 a, 
Bild 29. 


Tertiärkreis, schwach gedämpft, Absorptionssystem günstig an 


III gekoppelt. 


Bild 29. 


Bild 29a. 


‚ HI und III erkennen lassen. Deutlicher aber wird der 


ET e 


Einfluß der Abstimmung sichtbar in Oszillogrammen, 


. die bei Kurzschluß. des Ampèremeters von 130 Q 
. Widerstand, also bei viel kleinerer tertiärer Dämp- 


kagi ht 
-+ 


fung aufgenommen wurden. Solche Oszillogramme 
sind in Bild 31—33 zum Vergleich nebeneinander ge- 
stellt, und zwar bedeutet: 

31 Abstimmung des Tertiärkreises auf kleinere 


; Frequenz (genau wie bei Bild 16), 


32 Abstimmung des Tertiärkreises auf maximalen 


: Ausschlag (genau wie bei Bild 15), 


45 


33 Abstimmung des Tertiärkreises auf größere 
Frequenz. 

Wie schon in Bild 15 und 16 zu sehen war, ist auch 
hier die Abstimmung des Tertiärkreises auf eine etwas 
kleinere Frequenz günstiger für die Wirkung des Ab- 
sorptionssystems als die Abstimmung auf maximalen 
Ausschlag. Danach ist es nicht verwunderlich, daß 
die Abstimmung auf größere Frequenz noch un- 
günstiger als die auf Maximalausschlag ist. Nicht nur 
die Oszillogramme 33a und b zeigen das, sondern es 
wurde auch durch eine rohe Analyse der Kurven- 
form bestätigt, bei der ich unter Verzicht auf die 


013579 mM % 151719212325 On, 


Bil 
Tertlärkreis, stark gedämpft, adsurptlonssystem günstig an Ill 
| gekoppelt. 


Bild 39a. Bild 30b. 


Amperemeterablesung doch erkennen konnte, wie der 
schon bei Bild 15 und 32 beträchtliche Anteil der 
17. Harmonischen noch auf etwa den doppelten Be- 


trag stieg. Im Hinblick auf die Abstimmung 
unterscheidet sich also die Anwendung des Absorp- 
tionssystems im Tertiärkreis von der im Sekundär- 
kreis, wo die ohnehin intensiveren Nebenwellen relativ 
weniger auf die Abstimmung reagieren. 


Zusammeniassung. 


I. Die stoßweise Anregung eines gedämpften 
Sekundärkreises. wie sie bei der Frequenzverviel- 
fachung in einer Stufe stattfindet, hat das Erscheinen 
unerwünschter Nebenfrequenzen zur Folge, auch dann, 
wenn durch richtige Abstimmung des Sekundärkreises 
dafür gesorgt ist, daß der Stoß seibst keine Kompli- 
kationen herbeiführt. 

Durch Fourierzerlegung wird berechnet, daß 
diese Nebenfrequenzen 

l. nur als ungerade Vielfache der Primärfrequenz, 

2. um so intensiver auftreten, je weniger ihre 

Frequenz von der (sekundären) Nutzfrequenz 
verschieden ist und ie größer das Dekrement 
des Sekundärkreises ist. 


46 


H. Freese: Beseitigung der Nebenfrequenzen beim statischen Frequenzwandler., 


Die Rechnung wird dann auf einen Tertiärkreis 
ausgedehnt und ergibt für diesen qualitativ das gleiche 
wie für den sekundären, nur mit bedeutend ge- 
schwächten Nebenwellen. 

Zwecks Realisierung des 
werden Versuche angestellt, welche einerseits die 
Kurvenform des sekundären und: tertiären 
Stroms, anderseits die Stärke der Nebenwellen er- 
kennen lassen. Das erste Ziel wird durch Oszillo- 


rechnerischen Teils 


graphie mit der Braunschen Röhre, das zweite 


Tu SEE Bild 31. 


' Bild 3). 
Biid 32. 
Bild 33. 


durch Aussieben der Nebenwellen mit einem 
Wellenmesser erreicht, der zu diesem Zweck 
durch eine bis fast zur Selbsterregung rückgekoppelte 
Röhre entdämpft sein muß. Die Versuche bestätigen 
die Rechnung. 

II. Sie werden weiterhin dazu verwendet, die 
Wirkung von Absorptionskreisen zu untersuchen, 
welche so beschaffen sind, daß sie die schädlichen 
Nebenwellen vom Nutzkreis fernhalten, ohne die Nutz- 
welle selbst:erheblich zu schwächen. 

Untersucht werden zwei Absorptionssysteme der 
geschilderten Beschaffenheit. 

Das -eine dieser Systeme ist nach Brit. Pat. Nr. 
263825 (Lorenz) aus zwei parallelgeschalteten 
Kreisen zusammengesetzt, welche einzeln auf die der 
Nutzfrequenz unmittelbar benachbarten Störfrequen- 
zen, parallel jedoch als Sperrkreis auf die Nutz- 
frequenz selbst abgestimmt sind. 

Das andere Absorptionssystem besteht nach Vor- 
schlag von Herrn Geheimrat Zenneck aus zwei auf 
die Nutzfrequenz abgestimmten Kreisen, die gerade 
so eng aneinander gekoppelt sind, daß die Koppel- 
frequenzen den beiden Störfrequenzen entsprechen. 

Die Ergebnisse dieses zweiten Teils der Versuche 
sind folgende: 


Bild 32. 


1. Die beiden Systeme sind in ihrer Wirkung nicht 
merklich verschieden. 

2. Es gibt eine günstige Stärke der Ankopplung des 
Absorptionssystems an das-zu reinigende. Un- 
terhalb dieser Stärke bleiben die Absorptions- 
kreise praktisch wirkungslos, oberhalb schwächen 
sie zwar diejenigen Nebenfrequenzen, die sie 
schwächen sollen, verstärken aber dafür andere, 
weiter entfernt liegende. Das gilt sowohl für 
Reinigung im Sekundär- wie im Tertiärkreis. 


t Bild _33. 


Tertiärkreis, sehr schwach gedämpft, auf zu kleine Frequenz abgestimmt. 
Tertiärkreis, sehr schwach gedämpft, auf Maximalausschlag abgestimmt. 
Tertiärkreis, sehr schwach gedämpft, auf zu große Frequenz abgestimmt. 


3. Bei Verwendung des Absorptionssystems im 
Sekundärkreis zeigten sich bei Verfünfzehn- 
fachung kleine Verstimmungen des Sekundär- 
kreises ohne besondere Einflüsse, während es 
bei Verwendung in einem lose an den sekun- 


dären gekoppelten Tertiärkreis besser war, | 


diesen Tertiärkreis nicht auf Maximalausschlag, 
sondern auf etwas kleinere Frequenz anal 
stimmen. 


Die Anregung zu dieser Arbeit ging von Herrn 
Geheimrat Zenneck aus. Ich möchte dafür, wie für 
Leitung und Bereitstellung von Institutsmitteln meinen 
besonderen Dank aussprechen. Auch sei Herrn Dr. 
Winter-Günther für vielseitige, immer bereite 
Hilfe herzlich gedankt. 

Schließlich möchte ich die Tatasche dankend er- 
wähnen, daß im Verlauf der Untersuchungen Apparate 
zur Verwendung kamen, welche unserem Institut von 
seiten der Notgemeinschaft der. Deutschen Wissen- 
schaft, der Helmholtz- Gesellschaft und des Bun- 
des der Freunde der Technischen Hochschule München 
bereitgestellt waren. £ 


(Eingegangen am 20. August 1928.) 


F. Aigner: Das Problem der ökonomischten Vielfachtransponierung. 47 


Das Problem 
der ötonomischten Vielfachtransponierung. 


Von Franz Aigner, Wien. 
Schluß.*) 


C. Apparate mit erhöhter Trennschärie. 


a) Problemlösung für unmodulierte 

Wellen mit Hilfe einer einzigen fest 

schwingenden Lokal-Frequenz unter 

Zuhilfenahme der Frequenzverviel- 
fachung. 


Bei den bisher besprochenen Lösungsversuchen 
einer ökonomischten Vielfachtransponierung wurde 
der jeweilige Wellenwechsel stets mit Hilfe des 
Ueberlagerungsprinzipes durchgeführt. Hierfür waren 
im Minimum zwei fest schwingende Hilfsirequenzen 
erforderlich. 

Nunmehr soll zunächst die Frage untersucht 
werden, ob und unter welchen Bedingungen eine 
einzige fest schwingende Lokalfrequenz » eine Viel- 
fachtransponierung ermöglichen könnte. Dies ist 
offenbar nur in der Art denkbar, daB die zweite an 
sich für das Vielfachtransponierungsproblem grund- 
sätzlich dann als notwendig erkannte Lokalwelle, 
falls der Wellenwechsel durchweg mit Hilfe des 
Ueberlagerungsprinzipes erfolgt, durch einen anderen 
physikalischen Vorgang ersetzt wird, der eine 
Frequenzänderung gestattet. In dem hier in Frage 
kommenden Frequenzgebiet der elektromagnetischen 
Wellen sind bloß zwei solche physikalischen Möglich- 
keiten bekannt: einmal die Erzeugung Helmholtz- 
scher Kombinationsschwingungen ohne Lokalhilfs- 
frequenz, aus deren Komplex zwecks Wellenwechsel 
eine passende ausgewählt werden kann und ferner 
die direkte Methode der Frequenzvervielfachung. Es 
kann demnach die zweite Lokalfrequenz entweder 
durch ein Element ersetzt werden, das ohne Zuhilfe- 
nahme einer Lokalfrequenz Helmholtzsche Kom- 
binationsschwingungen liefert, und aus diesen zwecks 
Wellenwechsel eine bestimmte auf Grund ander- 
weitiger Veberlegungen zweckmäßige Kombinations- 
schwingungen isoliert werden, oder eine direkte 
Frequenzvervielfachung Anwendung finden. Diese 
beiden Möglichkeiten stehen als Ersatz einer der 
beiden festen Lokalfrequenzen zur Verfügung. Hier 
soll zunächst die zweite Möglichkeit studiert werden 
und zwar für Telegraphieempfang, also für unmodu- 
lierte Sender, an dem speziellen Beispiel der 
Frequenzverdopplung. 

Naturgemäß soll diese Methode, um die Abwei- 
chung vom Ueberlagerungsprinzip begründet zu recht- 
fertigen, auch einen über den reinen Transponierungs- 
empfänger hinausgehenden Mehreffekt bringen. Dies 
ist auch tatsächlich in bezug auf die heute so wich- 
tige Erhöhung der Trennschärfe der Fall, ohne daß 
durch diese so gewonnene spezielle Art von Selek- 
tionserhöhung Einschränkungen praktisch unbrauch- 
barer Art, wie etwa eine Herabsetzung der Tele- 
graphiegeschwindigkeit eintreten würden. 


Betrachtet man einen Sender und seine rechts und 
links dazu liegenden Nachbarsender, so ergeben sich 


#) I. Teil ds. Ztschr. 33, S.9, 1929, H. 1. 


Lestimmte Abstände für diese beiden Störsender vom 
Empfangssender. Wird nun in einer Empfangs- 
apparatur die Empfangsfrequenz verdoppelt, so kann 
zunächst bei gleichbleibender Telegraphiergeschwindig- 
keit die Resonanzschärfe des auf die doppelte 
Frequenz abgestimmten Empfangskreises verdoppelt 
werden; überdies wird aber der nunmehrige Abstand 
der störenden Nachbarsender verdoppelt. Bei einer 
Wiederholung des Verfahrens wird dieser Abstand 
vervierfacht. Es rücken daher die Nachbarsender als 
Störsender immer weiter von dem zu empfangenden 
Sender ab, was einer wesentlichen Steigerung der 
Trennschärfe entspricht. Diese Art der Selektions- 
erhöhung durch künstliches Auseinanderziehen der 
Sender berührt im Gegensatz zu einer Selektions- 
erhöhung infolge Verkleinerung des Dekrementes bei 
gegebener Frequenz das Sendetempo nicht, was einen 
hoch einzuschätzenden praktischen Vorteil bedeutet. 
Fragt man andererseits nach dem wesentlichen Nach- 
teil dieser Methode, so ist er dadurch gegeben, daß 
man sich bei öfterer, und dann erst stark nützlicher 
Anwendung der Frequenzverdopplung in einer geo- 
metrischen Progression, also äußerst rasch dem Ge- 
biet der kurzen Wellen nähert, für das die zulässig 
kleinen Dekremente praktisch nicht mehr herstellbar 
sind, wodurch bald als tatsächliches Gesamtresultat 
eine Selektionsverminderung eintritt. Das Verfahren 
ist demnach praktisch sehr stark eingeschränkt und 
erfolgreich bloß für Telegraphiestationen sehr großer 
Wellenlänge anwendbar. Für Kurzwellen ist es 
selbstredend vollkommen undiskutabel. 


Wird jedoch eine derartige reine Frequenzverdopp- 
lung mit dem Transponierungsprinzip, das seinerseits 
wiederum lange Wellen zu gewinnen erlaubt, in 
zweckmäßiger Weise kombiniert, so eröffnet eine 
solche Kombination, insbesondere bei Anwendung der 
Vielfachtransponierung, Aussichten auf Empfänger- 
konstruktionen mit außerordentlich gesteigerter 
Trennschäfrfe. 


Ein solches ökonomisches Zusammenarbeiten ab- 
wechselnder Frequenzverdopplung und Wellen- 
streckung mit Hilfe des Ueberlagerungsprinzipes kann 
auf folgende Art erzielt werden: 


Nach Erzeugung einer ersten Differenzfrequenz 7, 
aus der Fernfrequenz »; mit Hilfe eines auf variabler 
Frequenz ng schwingenden Transponierungseinganges 
passiert », einen Frequenzverdoppler, der es in 2 2, 
umformt. Diese Frequenz gelangt nun in einen auf 
der festen Frequenz » schwingenden Transponierungs- 
teil; hier entteht y — 2n, = n, Durch weitere Ver- 
dopplung im selben Verdoppler wird aus %ə die neue 
Frequenz 2n,. Diese wird durch Rückführung in das 
früher erwähnte, auf der Frequenz » schwingende 
Transpon:serungsgerät in »—2n,=n, verwandelt. 
Damit ist das Verfahren in seiner Fortsetzungs- 
möglichkeit genügend ersichtlich gemacht; man er- 


48 


hält folgendes in der Tabelle Nr. 6 angedeutetes 
Frequenzschema. 


Tabelle Nr. 6 
Nna—Nr = n —> 2n; 
> 2n, 
v—2n = Mg ——> 2n 


v—2n, = ns 


kerraessssnnanee nee neue en Een anne nen Trennen nn en 


»—2n; = N, 


Daß in der Gesamtapparatur an entsprechenden 
Stellen Verstärker eingeschaltet sind, braucht nicht 
eigens hervorgehoben werdın. Zwei einfache, bei n, 
abgebrochene Zahlenbeispiele für die Tabelle Nr. 6 
und für k=3 sind folgende: 


Beispiel Nr. 1 
v = 250,000 Hertz | 
m= 75000 5. 
l 2n, = 15u,000 , 
= m=100,000 , 
= 2n, =200,000 , 
= n= 50,000 . 
Beispiel Nr. 2 
v = 400,000 Hertz 
nı = 125,000 , 
2m, = 250,000 . 
= m=150,000 . 
© 2m, =300,000 , 
© ng =100,000 , 


àv = 0-75 Km 
Ài = 2-4 » 
yha=1.2 


Diese beiden Beispiele sind lediglich zum Auf- 
zeigen der Methode ganz wilıkürlich gewählt. Sie 
lieicrn 2k — 1 = 5 n.ue Frecuinzen, die aus früheren 
Gründ.n wıed.rum harmonisch gewahlt s.nd, und 
zwar stellın sie Harmonische einer Grundschwingung 
von 250,0 Hertz dar. In beiden Beispielen ist bei 
jeder Transponierung das Superprinzip erfüllt, was 
allerdings nicht notwendig ware. Es ist dadurch zu- 
nächst lediglich die normale Anwendungsmöglichkeit 
eines Audion im Transponierungsteil gegeben. Zweck- 
mäßig wird man aber stets versuchen, das Super- 
prınzip zu erfüllen, um auf diese Weise möglichst 
lange Wellen zu erhalten, so daß man nicht Gefahr 
läuft, bei der Verdopplung in das Wellengebiet hin- 
einzukommen, in dem die Erzielung des zulässigen 
Kreisdekrementes bereits praktische Schwierigkeiten 
macht. 

Vorstehende Methode hat trotz des erzielten Vor- 
teiles erhöhter Trennschärfe insofern noch einen be- 
merkenswerten Mangel, als sie auf nicht modulierte 
Sender beschränkt ist. Lenn bei einem modulierten 
Sender, etwa einem Rundspruchsender oder einem 
Bildtelegraphen, würde der Frequenzdoppler nicht 
bloß die Trägerfrequenz, sondern auch die Seiten- 
bänder verdoppeln, was zur Folge hätte, daß nach 
einer m-malıgen Frequenzverdopplung die den Sender 


F. Aigner: 


modulierenden Frequenzen den Ausgangsdemodulator 
in der m-ten Oktave verlassen würden. 

Eine in jeder Hinsicht befriedigende Apparatur 
ist offenbar erst dann erreicht, wenn eine Ausdehnung 
vorstehenden neuen Frinzipes auch auf modulierte 
Sender gelingt. Eine solche Lösung soll im folgenden 
Abschnitt dargelegt werden. 


b) ProblemlösungfürmodulierteWellen 
mitMHilfeeinereinzigenfestschwingen- 
den Lokalfrequenz unter Zuhilfenahme 
spezieller Helmholtzscher Kom- 
binationsschwingungen. 


Die bereits erwähnte zweite Möglichkeit, den 
zweiten auf fester Welle schwingenden Lokalgenerator 
durch ein anderes einen Wellenwechseli bedingendes 
Element zu ersetzen, besteht in der Verwertung 
spezieller Helmholtzscher Kombinationsschwin- 
gungen. Sie müssen, wenn, wie nunmehr verlangt 
wird, auch der Empfang modulierter Wellen möglich 
sein soll, die Eigenschaft besitzen, daß sie zwecks 
Wellenwechsels zwar die Trägerfrequenz ändern, die 
Modulationsfrequenzen hingegen unverändert lassen. 
Betrachtet man einen modulierten Sender, so strahlt 
er im allgemeinen die Trägerfrequenz H und die 
beiden Seitenbänder H + N aus, falls N das Modula- 
tionsfrequenzband darstellt. Bei der Demodulation 
entstehen aus diesen Schwingungen sämtliche Helm- 
holtzsche Kombinationsschw.ngungen. Unter diesen 
sind für den vorliegenden Zweck alle diejenigen 
brauchbar, die die Form aH und aH +N besitzen, 
wobei a eine positive ganze von Null verschiedene 
Zahl ist. Kombinationsschwingungen dieser Eigen- 
schaft gibt es eine ganze Anzahl; zweckmäßig wird 
man ein System herausgreifen, das von möglichst 
niedriger Ordnung ist, um lange Wellen zu er- 
halten, d. h. man wird a = 2 setzen. Als Bauelement 
zur Gewinnung dieser Schwingungen eignet sich jeder 
Demodulator, am besten jedoch ein Richtverstärker 
mit einem auf 2H abgestimmten Anodenkreis. 

Der Gedanke, 2H und 2H + N zu verwenden, und so 
die Trennschärfe zu steigern, ist naheliegend und auch 
bereits vorgeschlagen worden. Der erste, der diesen 
Vorschlag machte, dürfte Grimes gewesen sein. Er 
nennt das Empfangsgerät, das mit einmaliger Frequ:nz- 
verdopplung im vorstehenden Sinne arbeitet, „Octa- 
Monic“). Für Rundfunkempfänger ist diese Oktav- 
Verstärkung zwar theoretisch interessant, praktisch 
jedoch kaum verwertbar, da der Selektionsgewinn in- 
folge Auseinanderzerrens der Sender in viel höherem 
Maße dadurch wieder verloren geht, daß man ins Ge- 
biet der kurzen Wellen mit seinen Dekrement- 
schwierigkeiten hineinkommt. Es ist im Prinzip nur 
für Langwellenrundfunkstationen und auch hier nur 
für die längsten Sender höchstens in einer Stufe mit 
Erfolg anzuwenden. 

Alle Schwierigkeiten entfallen jedoch, falls man das 
Octa-Monic-Prinzp in einem Vielfachtrans- 
ponierungsgerät zum Wellenwechsel an Stelle einer 
Anzahl von Transponierungen benützt. Der 
Vorgang bleibt im Wesen der gleiche wie der unter 
a) in diesem Abschnitt entwickelte. Der Unterschied 
ist zunächst led.glich der, daß an Stelle eines reinen 


6) L. W. Austin und W. F. Grimes, „Notes on beat re- 
ception“, Journ, Washington Acad. 10, S. 174, 1920. 


Das Problem der ökonomischten Vielfachtransponierung. 49 


Frequenzverdopplers ein Richtverstärker tritt. der 
die Isolierung der doppelten Trägerfrequenz mit den 
dazugehörigen, jedoch in den Modulationsfrequ?nzen 
unveränderten "Seitenbändern gestattet. Soll jedoch 
für die reinen Transponierungsfrequenzen ein 
Zwischenfrequenzreflexverstärker zwecks Röhren- 
ersparnis Anwendung finden, dann sind noch be- 
stimmte, im folgenden unter anderen näher angeführte 
Bedingungen zu erfüllen. 

Es wird wie bisher immer wiederum angenommen, 
daß ein auf variabler Frequenz schwingender Trans- 
ponierungseingang die erste feste Differenzfrequenz 
. m liefert. Dabei soll x, die Form haben 


N = U'n (35) 


wobei „ eine ganze positive von Null verschiedene 
Zahl darstellt; es ist demnach n, die u-te Harmonische 


brochen werden soll; dies hat auch einen praktischen 
Grund, als ein bis dahin fortgeführter Empfänger 
wohl für alle gegenwärtigen Anforderungen genügen 
dürfte. 

Was die Wahl des Operationszeichens von a in 
Gleichung (37) betrifft, so soll zunächst das positive 
Zeichen gewählt werden. Einz solche Wahl erscheint 
dadurch gerechtfertigt, als dann A, die längste Welle 
darstellt, die für die Schlußverstärkung, als am besten 
zu verstärken, verwendet werden soll. Da sie weder 
den festen Transrfonierungsteil noch auch den Richt- 
verstärker mehr zu passieren hat, so können diese 
Elemente, die dann von kürzeren Wellen, die weniger 
starke Verstärkung zulassen, durchsetzt werden, mit 
etwas schwächeren Röhren ausgerüstet werden. 
Allerdings ist dieses Moment nicht so schwerwiegend, 
daß nicht anderweitige Ueberlegungen gewichtigerer 


Bild 1. 
Schaltschema für Vielfachtranspnnierung 
mit Frequenzverdoppelung und Reflexschaltung. 


einer noch zu wählenden Grundschwingung no, Die 
Frequenz n, wird durch einen Richtverstärker ge- 
schickt und daselbst aus dem Komplex der entstehen- 
den Helmholtzschen Kombinationsschwingungen 
2n, mittels abgestimmten Anodenkreises isoliert, das 
dann die Form besitzt 


(36) 
Die Frequenz 2n, gelangt nunmehr in ein auf der 


festen Frequenz y schwingendes Transponierungs- 
gerät und liefert n, von der Form 


2n, =2 un 


(37) 


wobei a eine positive ganze von Null verschiedene 
Zahl darstellt. 
Aus (37) bestimmt sich die Frequenz » zu 


v = 2 ni + n = (3 u +£ a) no (38) 
Die Frequenz n, wird nunmehr durch den gleichen 


Richtverstärker wie früher n, geschickt, der es nun- 
mehr erlaubt, 2n. zu isolieren. 


v—2 N] = No = (u w a) "No, 


(39) 


Endlich wird 2n, wiederum mit y kombiniert und 
liefert die Differenzfrequenz n, in der Form 


v1 = ng = (u F a) -ty . (40) 


Und so kann das Verfahren fortgesetzt werden. Alle 
Frequenzen sind aus den schon früher erörterten 
Gründen wiederum Harmonische einer Grundschwin- 
gung, da a und u als ganze Zahlen gewählt wurden. 

Um ein Beispiel zu fixieren, soll im folgenden an- 
genommen werden, daß das Verfahren bei n, abge- 


2 ny = 2 (u F- a) no 


Natur auch die Wahl des negativen Operations- 
zeichens zulassen würden. Bei vorerst positiver Wahi 
des Operationszeichens in der Gleichung (37) ergibt 
sich demnach folgendes Gleichungssystem: 


Ny == U- no 
2n = 2 u-n 
v—2 nı = n = (u F a) -no 
2 na = 2 (u +- a) -no 
v—?2 no = ng = (u—a) -no 
v = (3 u+ a) -no 


Soll in den mit der festen Lokalfrequenz y durch- 
geführten Transponierungen das Sup®rprinzip gewahrt 
werden, was wegen der gewünschten langen Wellen 
erforderlich ist, so müssen sich die jeweiligen Er- 
zeugenden dieser Differenzschwingungen um weniger 
als eine Oktave unterscheiden; also muß 


= 
vL 4 no 


Da aber n, kleiner als ^% ist, genügt an Stelle von 
(42) die einzige Bedingung 
v L 4n 


Dies liefert nach Einsetzen der in (41) rechter Hand 
stehenden Werte 


(41) 


(42) 


(42a) 


>a (43) 


Zur Ermittlung weiterer Nebenbedingungen soll 
zunächst ein prinzipielles Schaltschema (Bild 1) für 
einen bis n, fortgesetzten Empfangsapparat folgen. In 
diesem Schema ist der variable Transponierungs- 
eingang mit 7,, der auf der festen Welle y schwin- 


` 50 F. Aigner: 


gende mit T, bezeichnet. V bezeichnet einen Zwischen- 
frequenzreflexverstärker für die Verstärkung der 
Frequenzen nı, na und n,; ferner R den Wellen- 
wechselrichtverstärker und endlich D einen Aus- 
gangsdemodulator. 

Aus dem Bild 1 ist zunächst ersichtlich, daß der 
Anodenzobelkreis in T, seine Kurzschluß-Stelle stets 
auf der Frequenz n, hat, somit eine Verschleppung 
von n, zurück auf den Gitterkreis von V nicht be- 
fürchtet werden muß, was für die Stabilität des Appa- 
rates durchaus wichtig ist. 

In T, entsteht außer den beiden gewünschten Diffe- 
renzfrequenzen n, und n, infolge der beiden vor- 
handenen Frequenzen 2n, und 2n. auch die Differenz- 
frequenz | Da 
O 2m—2n—=n (44) 


Dieses n’ muß nun ungleich n, und auch ungleich na 


nysa 
(73+8a) 


diesem Zobelkreis genau darauf zu achten, daß die 
beiden der Empfangsfrequenz n, benachbarten Stör- 
sender n, + 24°) nicht nach einem Wellenwechsel als 
transferierte Störer die anderen zu verstärkenden 
Frequenzen des Reflexverstärkers verseuchen. Wie 
sich hier die Verhältnisse durch den zweimaligen 
Wellenwechsel gestalten, ist schematisch in dem 
Bild 2 angedeutet. 

Horizontal sind Frequenzen mit der Maßeinheit A 
rechts und links von n, aufgetragen. Die nach oben 
gezeichneten Rechtecke bedeuten Frequenzgebiete, 
die im Reflexverstärker tatsächlich verstärkt werden 


sollen, während die nach unten gezeichneten Recht- - 


ecke Störfrequenzbereiche darstellen). Aus dem 
Bilde 2 ist ersichtlich, daß der zu verstärkenden 
Frequenz n, mit ihren Seitenbändern n, + A die 
heiden Störsender n, + 24 mit ihren Seitenbändern 


N,-2& n,t24 1,174 


(Nz+44) 3 


Bild 2, 
Frequenzverteilung für Schaltschema nach Bild 1. 


ausfallen. Wie eine einfache Rechnung zeigt, bedingt 


dies, daß 
| u+ 3a. (45) 


Außerdem soll aber n’ auch ungleich der Kurzschluß- 
frequenz n, des Anodenkreises von T, sein. Denn 
es ist für die Stabilität der Apparatur durchaus vor- 
teilhaft, diesen Kurzschluß aus Gründen der Ver- 
schleppungsgefahr nicht eigens mit einer in T, er- 
zeugten Frequenz überflüssigerweise auf die Probe 
zu stellen. Es muß daher, wie man sich ebenfalls 
sehr leicht überzeugen kann, 


u+ 2a. (46) 
Demnach bestehen bisher folgende Forderungen 
für a und u: 
u>a | 
u +F 2a (47) 
u 3a 


Damit ist zunächst für einen Empfänger in Gerade- 
ausschaltung, also ohne Anwendung des Reflex- 
prinzipes im Verstärker V, die Aufgabe bis auf die 
Wahl von a, u und n, gelöst. Zahlenwerte für diese 
Größen bestimmt dann der jeweilige Verwendungs- 
zweck der tatsächlichen Apparatur. 

Die bisher gefundenen Nebenbedingungen sind 
jedoch noch keineswegs ausreichend, wenn es sich, 
wie in Bild 1 skizziert, um einen Zwischenfrequenz- 
reflexverstärker für die drei Zwischenfrequenzen n,, 
n, und n, handelt. Zunächst bringt die Forderung 
nach symmetrischen Zobelkreisen im Reflex- 
verstärker V keine neuen Bedingungen. denn die Fre- 
quenzen n,, N, und n; sind auf Grund des Gleichungs- 
systemes (41) bereits an sich stets äquidistant, ge- 
statten also ohne weiteres den Bau eines symme- 
trischen Zobelkreises. Wohl aber ist gerade in 


so benachbart sind, daß die Seitenbandenden direkt 
aneinanderstoßen. Dies gilt zunächst für die tat- 
sächlichen Sender nf und nr+24, hat aber auch 
nach erfolgter Transponierung Gültigkeit, da die 
Transponierung an diesen Abstandsdifferenzen nichts 
ändert. 


Für die zweite Zwischenfrequenz ñ. sind die 
beiden früheren Störsender n, +24 nunmehr so 
lokalisiert, daß zwischen ihren Seitenbandenden und 
denen von a, bereits eine Lücke von 2 A besteht, was 
durch die inzwischen erfolgte Frequenzverdoppelung 
bedingt ist. Es muß daher hier, falls man etwa schon 
mit n, die Apparatur abbrechen würde, bereits darauf 
geachtet werden, daß das nunmehrige linke Seiten- 
bandende des linken Störers nicht in den rechten 
Frequenzbereich von Mn, aber auch aus Gründen 
eventueller Rückkopplungsgefahr nicht in den Fre- 
quenzbereich des rechten Störers von n, gelangt. 


Das sinngemäß gleiche gilt auch für die dritte 
Transponierungsfrequenz n, für die zwischen ihren 
Seitenbandenden und denen der nunmelhrigen Störer 
bereits infolge der zweiten Frequenzverdopplung ein 
Intervall von 6 A liegt. Um ganz sicher zu gehen, 
soll im Sinne des Bild 2 verlangt werden, daß das 
rechte Seitenbandende des rechten Störers der Fre- 
quenz n, noch einen Abstand A vom linken Seiten- 
bandende des linken Störers der Frequenz n, auf- 
weist. Dies vorausgesetzt, muß zwischen den Träger- 
frequenzen n, und n}, wie sich leicht abzählen läßt, 
ein Intervall von 13 A vorhanden sein. Daher muß 


11 — ng = ano = 13 A sein. (48) 
7) 24 = 10000 Hertz, 1. c. 


8) Die Null-Stellen des Zobelkreises sind ebenfalls in die 
Figur eingetragen. 


Bestimmung von q, u und ne. 
Auf Grund der Gleichung (18) im Abschnitt A soll 
aus Gründen bester Antennenselektion die Form 
von n, 


Ä A 
n =(2c+l) g (18) 


also ein ungradzahliges Vielfaches von 2500 Hertz 
sein. Setzt man der Einfachheit halber etwa 


p= d — 2500 Hertz, (49) 

so wird nach (18) und (41) 
u=2c071 (50) 
und nach (48) | 
a — 26 (51) 


Das Gleichungssystem (41) ist deinnach bis auf eine 
diskrete Anzahl von u-Werten nach Gleichung (50) 
bestimmt. 

Soll ein modulierter Sender etwa bis åf =2 km 
Wellenlänge noch empfangen werden, so kann 
/ı 2 2,3 km gewählt werden, um nicht allzu nahe an 
Afmax  heranzukommen. Andererseits soll aus 
Gründen der Antennenselektion — siehe Abschnitt A, 
Gleichung (15 a) — A, nicht zu groß, also nicht größer 
als etwa 3 km werden. Demnach gilt: 


2.3km <4 <3 km (52) 
oder 
130 000 Hertz > n, > 100 000 Hertz. (52a) 
Dies liefert schließlich 
40-4 <m <52.3 (52b) 
und somit folgende Werte für u: 
u= 41, 43, 45, 47, 49 und 51. (53) 


a hat sich als 26 ergeben, so daß die zwischen a und u 
erforderlichen Bedingungen (47) für alle 6 zulässigen 
u-Werte erfüllt sind. 

Die für diese verschiedenen u-Werte auftretenden 
längsten und kürzesten Wellenlängen }, und Az/, liefert 
die Tabelle Nr. 7. 

Tabelle Nr. 7 
43 | 45 | 47 | 49 | 51 
0-87 


7-1 


u 41 
< Aah 0-89 Km 
2g 7.9 Km 


SUSE HERE PEE SEHE OBEN 
0-85 | 0-82 | 0-80 | 0-78 
6.3 87 152 148 


Für die Stabilisierung eines Reflexempfängers ist 
es wichtig, daß sein Gesamtfrequenzbereich zwischen 
den Grenzirequenzen (u — a)-n, und (u -+ a).n. mög- 
lichst klein bleibt. Er ergibt sich zu 


a 
jar 
u— U 

und ist für die verschiedenen -Werte in Tabelle 


Nr. 8 eingetragen. 
Tabelle Nr. 8 


(54) 


49 | 510 


u 4l 43 | 45 | 47 
PE 6 | 6&9 | 71 73 | 735 7 
Be 15 17 9 | 2l 3| 25 
ae ee 35 33 | 31 


Das Problem der ökonomischten Vielfachtransponierung. 51 


Es ergibt sich der kleinste Wert von ß für #=5l, 
und man erhält dafür folgende in der Tabelle Nr. 9 


eingetragene Werte, wobei „=# = A, gesetzt 


wurde. 
Tabelle Nr, 9 


n, = öl 4, = 127 500 Hertz i, = 2.35 Km 
2 nı = 102 4, = 225 000 , 2i = 1.18 , 


n= 77 4, = 192 500 %3 =1.56 , 
2n = 154 4, = 385000 . lJa =0-78 . 
; n3 = 254, = 62 500 b Às = 4-80 v 

v = 179 4, = 447 500 . 2, = 670-39 m 


Dieses Zahlensystem ist an sich bereits brauchbar. 
Es haftet ihm bloß noch ein Nachteil an, daß A.l, für 
alle u-Werte, wie Tabelle Nr. 7 zeigt, unter einem 
Kilometer liegt, somit für diese Wellen das erforder- 
liche akustische Dekrement für einen Kreis direkt 
nicht mehr erreicht werden kann. (Siehe Abschnitt A.) 

Dieser letzte Nachteil des Zahlensystems nach 
Tabelle Nr. 9 kann nun dadurch behoben werden, 
daß in Gleichung (37) das negative Operationszeichen 
gewählt wird. Dadurch vertauschen 2, und As ihre 
Werte, so daß nunmehr å, die längere Welle wird. 
Auf diese Art enthält man an Stelle von (37) fol- 
gendes Gleichungssystem: 


N, = UNo 
2n = 2 u-n 
v = (3 u—a) -no 
No = (u—a) -no (55) 


2 no = 2 (u—a) -no 
ng = (u + a) ‘no 

Sonst ändert sich hierdurch nichts; insbesondere 
bleiben die in (47) aufgestellten Bedingungen zwischen 
a und u, wie man sich leicht überzeugen kann, un- 
verändert. Ebenso treten keinerlei neue Bedingungen 
hinzu. 

Für die u-Werte, die sich durch die Wahl von n, 
ergaben, also ebenfalls ungeändert bleiben, erhält 
man nunmehr folgende Werte für A, Az, As, l/a 22/2 
in km und für $£. 


Tabelle Nr. 10 


A me O nn m — 


à, | 2-92 | 2.79 | 2.66 | 2-55 | 2-45 | 2-35 
oa (79|71|63 |5752] 48 
2, | 1.78 | 1-74 | 1-70 | 1.64 | 1-60 | 1-56 
Aa | 1.46 | 1.40 | 1.33 | 1.28 | 1-23 | 1.18 
ñola | 3-95 | 3-55 | 3-15 | 2-85 | 2-60 | 2.40 


Pi 45 | 41 | 37 | 3-5 | 3.3 | 3-1 


Diese Tabelle zeigt, daß A,,„ zwar infolge der Wahl 
von n, nirgends den Wert 1,5 km erreicht, ihm je- 
doch für die kleineren Werte von u sehr nahe kommt. 
Es sind diesbezüglich mindestens die ersten drei 
Wertesysteme brauchbar. Die drei letzten Werte- 
gruppen sind auch deshalb auszuschalten, da in ihnen 
n, und 2n, zu nahe aneinander rücken, was für den 
Wellenwechsler R in Bild 1 bedenklich werden 


52 


m nn nn nn aa mn nn m m nn nn a 


kann. Man wird demnach den Wert „=45 wählen, 
da daselbst einmal die längste Welle 2, nicht zu lang 
wird und außerdem dafür 3 ein Minimum ist; Tabelle 
Nr. 11 enthält die dieser Wahl entsprechenden Werte 
eingetragen. 


Tabelle Nr. 11 


RR. Sa = 45 A, = = 112500 Hertz 


| 4=2-7 Km 

2m= 904, =225000 „ |AR=135 , 
= m= 194,= 47500 es eb 
2m= 384 = 500 „ | 44=3-15 , 
n= 714,=17750 . | 31T. 

‚=194,=2250 . i %=ll „ 


Dieses Beispiel ist voll befriedigend, da man den 
2n,-Kreis als den einzigen, dessen Frequenz etwas zu 
groß ausfällt, bei geeigneter Dimensionierung noch 
auf das erforderliche Dekrement bringen kann. Auch 
im Reflexverstärker haben sich hinsichtlich der Stabi- 
lisierung die Verhältnisse gegenüber dem Beispiel 
nach Tabelle Nr. 9 nicht wesentlich verschoben. 


Ueber die praktische Durchbildung der in diesem 
Abschnitt C gegebenen Empfängertypen®), deren 
Trennschärfen über die bisher erreichbaren Werte 


?) Auf diese Anordnungen sindSchutzrechteangemeldet worden. 


H. Faßbender und G. Kurlbaum: 


me e n a En 
aema e m m m — 


bekannter Empfängerkonstruktionen hinausgehen, soll 
später berichtet werden. 


Zusammenfassung. 


Es werden die Methoden untersucht, die eine Viel- 
fachtransponierung mit einem Minimum an Lokal- 
generatoren zulassen. Es konnte gezeigt werden, daß 
hierzu zwei Lokalgeneratoren auf festen Wellen aus- 
reichen, um praktisch beliebig oft zu transponieren. 
Werden zur Erzeugung der verschiedenen Differenz- 
frequenzen Oberschwingungen zugelassen, so genügt 
ein einziger auf fester Grundwelle schwingender 
Oberwellengenerator. 

Ferner gelingt die Vielfachtransponierung ver- 
mittelst einer einzigen fest eingestellten Lokalwelle, 
wenn überdies noch Frequenzvervielfachung zu Hilfe 
genommen wird. 

Im besonderen führt dieses gemischte Verfahren 
zu Empfängern wesentlich erhöhter Trennschärie. 
Letztere Methode läßt unter Verwendung spezieller 
Helmholtzscher Kombinationsschwingungen als 
Ersatz für die reine Frequenzvervielfachung auch den 
Empfang modulierter Sender bei entsprechend er- 
höhter Trennschärfe zu, ohne daß hierbei die jeweils 


erforderlichen Empfangsdekremente unterschritten 
werden müssen. 

Wien, Technische Hochschule, Physikalisches 
Institut. 


(Eingegangen am 13. August 1928.) 


Abhängigkeit der Reichweite sehr Kurzer Wellen 
von der Höhe des Senders über der Erde. 


Von H. Fassbender und G. Kurlbaum. 


125. Bericht der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt, 


E. V., Berlin-Adlershof (Abteilung für Funk- 


wesen und Elektrotechnik). 


Inhalt: 


Die Arbeit enthält eine Untersuchung der Ab- 
hängigkeit der Reichweite eines Röhrensenders 
mit sehr kurzer Welle (3,7 m) von der Höhe des 
Senders über dem Erdboden. Der Sender befand 
sich bei diesen Versuchen in einem Flugzeug, 
während der Empfänger am Boden aufgestellt 
war. Die Erhebung des Senders über dem Erd- 
boden wurde zwischen 50 und 2700 m verändert. 


In den letzten Jahren ist es gelungen, auch für den 
\Wellenb’ reich unterhalb 7 m geeignete Pöhrensend?r 
und -Empfänger!) zur U’berbrückung größerer Ent- 
fornungen zu schaffen. Bereits bei den erstcn Ver- 


1) B. Phelns and R. Kruse: The 3/, meter band officlally 
opened Q.S.T., August 1927,S.9. W Pfitrer: Die Selbsterregungs- 
bedirgunven bei Rückkopp'ungsröhrensendern für sehr kurze 
Wellen. E.N.T.5, S. 348 ff.. 1928. H. Wechsung: Rötren- 
generatar großer Leistung für sehr kurze elektrische Wellen, 
Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie 31, S. 176 
1928. O Cords: Unt rsuchungen an einem Empfangsgerät für 
kurze Wellen (—6m Wellenlänge). Jahrhuch d. drahtlosen Telegr. 
u, Teleph. 31, S. 1 und 39, 1928. H Wechsung: Sender und 
Emrfänger für ultrakurre Wellen. Funkbastler. S 195. 1928. 
E. Busse: Ultrakurze Wellen. Funkbastler. S, 687, 1928. 


suchen von Heinr. Hertz hatte sich die nahe Ver- 
wandtschaft dieser sehr kurzen Wellen mit den Licht- 
wellen hinsichtlich ihrer Ausbreitung gezeigt. Aehn- 
lich wie beim Licht verursachen Geländeerhebungen 
und Gebäude starke Schattenwirkungen. Andererseits 
lassen sich durch Aufstellung der Sende- und Emp- 
fangsgeräte auf freiliegenden Punkten erheblich er- 
höhte Reichweiten erzielen. Yagi’) hat den E.nfluß 
quantitativ untersucht, den eine Erhebung des Senders 
oder Empfängers über dem Erdboden um einige Meter 
auf die Größe der Empfangsströme hat. 


Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem 
Einf!uß, den eine Erhebung des Senders über dem 
Erdboden bis zu 2700 m auf die erzielten Empfangs- 
wirkungen hat. Zu dem Zweck wurde ein kleiner, 
von der Telefunken-Gesellschaft gebauter Sender 
für eine Wellenlänge von 37 m in ein Flug- 
zeug vom Baumuster Albatros L 74 eingebaut. Der 
Sender enthält als Schwing- und als Modulationsrohr 
in Heisingschaltung ie eine Telefunken-Empfangsröhre 
RE 352 und wurde durch einen Röhrentonsummer mit 


2) Yagi: Beam transmission of ultra short waves. Proc. I. R.E. 


S, 715, 1928, 


einer Frequenz: von rd. 800 Per/s moduliert. Als An- 
tenne diente ein Dipol von 170 cm Länge, der ent- 
sprechend Bild 1 unterhalb des Flugzeugrumpfes 
senkrecht zur Flugzeugachse angebracht war. Die 
Verbindung von Sender zum Dipol bildete eine durch 


Bild 1. 
Lage des Dipols am Flugzeug. 


einen Metallzylinder abgeschirmte Energieleitung. 
Der Sender liefert eine Antennenleitung von rd. 
1 Watt. 

Als Empfangsgerät diente ein Superregenerativ- 
Empfänger, wie er bereits von E. Busse in der 


1 2 


Bild 2. 
Schaltung des Superregenerativ-Empfängers. 


1—2 Dipol. 
4 Superregenerativ-Rohr. 5 Niederfrequenz- 
7 Meßgerät. 


3 Schwingaudion. 
verstärker. 6 Gleichrichter. 


oben erwähnten Arbeit beschrieben wurde, mit ange- 
schlossenem Niederfrequenzverstärker, Gleichrichter 
und Meßgerät (Bild 2). In einem Holzhäuschen am 
Rande des Flugplatzes in Adlershof war ein Dipol 
ausgespannt und der Empfänger aufgestellt worden. 
Das Flugzeug mit Sender bewegte sich auf einer 
Linie, die von Adlershof nach Südosten gerichtet ist. 
Da der Superregenerativ-Empfänger eine stark 
nivellierende Eigenschaft besitzt, so zeigt sich am 


nn rn rn 0. = arane aaae 


Meßgerät hinter dem Gleichrichter bei zunehmender 
Entfernung des Senders zunächst ein nahezu kon- 
stanter Ausschlag. Erst wenn die Entfernung sich der 
mit dem Empfänger überhaupt erzielbaren Reichweite 
nähert, geht der Ausschlag schnell zurück. Dieser 
Rückgang läßt sich durch eine empfindlichere Ein- 
stellung des Empfängers in weiten (Grenzen aus- 
gleichen. Die größere Empfindlichkeit bedingt jedoch 
gleichzeitig ein zunehmendes Rauschen des Super- 
regenerativ-Empfängers, in welchem schließlich die 
empfangenen Zeichen völlig untergehen. Ein ge- 
eignetes Maß für die Güte des Telegraphieempfanges 


anf. 


am Ir 


des Pieschrichte 


40 


Primarps, 


4 A 
Charakteristik des Gleichrichter-Meßgerätes. 


ist daher nur das Verhältnis der Ausschläge am Meß- 
gerät, die vom ankommenden Zeichen und vom all- 
gemeinen Störspiegel erzeugt werden. Um zahlen- 
mäßig vergleichbare Ergebnisse zu erreichen, wurde 
folgender Weg eingeschlagen: In Abhängigkeit von 
der Flughöhe wurden diejenigen Entfernungen fest- 
gestellt, bei denen die Güte des Empfangs gleich ist. 
Um ein bequem meßbares und leicht reproduzierbares 
Maß für die Güte des Empfanges zu erhalten, wurde 
diese so festgelegt, daß die vom ankommenden Zeichen 
und vom allgemeinen Störspiegel erzeugten Aus- 
schläge des Meßgerätes sich wie 2 : 1 verhalten. Da 
die Charakteristik des zur Messung verwendeten 
Gleichrichters genügend geradlinig ist (Bild 3), so 
kommt es auf die absolute Größe der Ausschläge nicht 
an. Wie sich zeigte, war noch ein ausreichender 
Telegraphieempfang vorhanden, wenn am Gleich- 
richter-Meß.nstrument eine Erhöhung des vom all- 
gemeinen Störspiegel erzeugten Ruheausschlages 
durch das ankommende Zeichen kaum noch erkennbar 
ist. Daher sind die so definierten Entfernungen er- 
heblich kleiner als die Grenzen des Telegraphie- 
empfanges. 


Die Ergebnisse dieser Messungen sind in derZahlen- 
tafel 1 zusammengestellt. Die Entfernungen wurden 
so bestimmt, daß das oben festgelegte Ausschlags- 
verhältnis am Empfangsort zeitlich verfolgt: wurde, 
während im Flugzeug dessen Standort in kurzen Zeit- 


54 H.Faßbender u. G. Kurlbaum: Abhängigkeit der Reichwei 


abständen festgestellt wurde. So war es nach Be- 
endigung möglich, für das festgelegte Ausschlags- 
verhältnis die Entfernung des Flugzeuges vom Emp- 
fänger zu bestimmen. 

Wie man in der Zahlentafel 1 erkennt, ergeben 
sich für den Hin- und Rückflug sehr verschiedene 
Entfernungen, und zwar sind die Entfernungen des 


Zahlentafell. 


Entfernungen 
für ein Ausschlagsverhältnis Zeichen/Störspiegel = 2/1 
in Abhängigkeit von der Flughöhe. 


| Flughöhe Entfernungen km 
m Hinflug Rückflug 


60 = 10,5 
75 13 _ 
80 ! 8,5 Z 
150 | 18,5 Ä = 
170 | — 15 
190 | = 18,5 
200 = 14 
210 | 20 — 
220 22,5 z 
230 27 22,5 
450 5 28 
500 | 36 22 
540 | — | 29 
680 53 _ 
700 = | 36,5 
930 41 — 
2500 — | 74 
2700 90 | = 


Hinfluges durchschnittlich größer als die des Rück- 
flugs. Der Grund herfür liegt in der unregelmäßigen 
Charakteristik des im Flugzeug eingebauten Dipols. 
Wesentliche Teile des Flugzeuges liegen beim Rück- 
flug zwischen Sender und Empfänger und absorbieren 
einen Teil der ausgestrahlten Energie. 


Zahlentaiel2. 


Grenzen des Telegraphieempfanges in 
Abhängigkeit von der Flughöhe. 


(Flugzeug fliegt vom Empfänger fort.) 


Grenzen des Tele- 


m graphieempfanges 
190 36 
200 34 
220 36 
450 94 
510 54 
680 67 
890 65 
2620 | 130 


In der Zahlentafel 2 sind ebenfalls in Abhängigkeit 
von der Flughöhe die Grenzen für den Telegraphie- 
empfang zusammengestellt. 
obigem zu erwarten war, wesentlich höher als die 
Entfernungen der Zahlentafel 1. 


Diese liegen, wie nach 


te sehr kurzer Wellen von der Höhe des Senders über der Erde. 


. 


Die auf dem Rückflug erhaltenen Entfernungen 
ergaben kein ricntiges Bild, da es hier sehr vom Zu- 
fall abhängt, wann die ersten schwachen Zeichen vom 
Empfänger aufgenommen werden. Daher sind in 


£ 
3 
£ 
N 
D 
Š 


Flug höhe 


1000 2000 N 3000 


200 
Bild 4. 

Entfernungen in Abhängigkeit von der Flughöhe für ein Aus- 

schlagsverhältnis von 2:1 beim Hinflug. 


Am 


200 


£nlfernun; ` 


100 


flughöhe 
m 3000 


2000 


Bild 5. 
Entfernungen in Abhängigkeit von der Flughöhe für ein Aus- 


u 


schlagverhältnis von 2:1 beim Rückflug. 


Bild6. - 
Grenzen des Telegraphieempfanges in Abhängigkeit von der 
Flughöhe beim Hinflug. 


Zahlentafel 2 nur die beim Hinflug festgestellten 
Grenzen des Telegraphieempfanges enthalten. 

In Bild 4 und 5 sind die Ergebnisse der Zahlen- 
tafel 1 graphisch aufgetragen. Bild 4 zeigt die Werte 
des Hinfluges, Bild 5 die des Rückfluges. In Bild 6 
sind die Werte der Zahlentafel 2 graphisch auf- 
getragen. 


za 


2 
L 
ı 


un 


h 


[4 


W. Lazaref: Ueber die Instabilität der Frequenz von Röhrengeneraloren und deren Stabilisierung. 55 


(m ne ae 
et nn erregen a en TA dp en nern eng nn mr Dune ern nr EEE En ee nn en nen ee m Een nn ET et u ar a Ri o -e 


Die einfachste Erklärung für die Zunahme der 
Reichweite mit der Flughöhe kann so gegeben werden, 
daß hei diesen sehr kurzen Wellen die Oberflächen- 
wellen eine so starke räumliche Dämpfung erfahren, 
daß sie für die Ausbreitung praktisch keine Bedeutung 
haben. Für den Empfang ausreichende Feldstärken 
sind daher nur dann vorhanden, wenn die gerade Ver- 
bindungslinie vom Sender zum Empfänger durch die 
Luft verläuft. Nach dieser Vorstellung wird also ein 
Empfang so lange möglich sein, als das Flugzeug sich 
oberhalb der im Empfangsort an die Erdoberfläche 


cos p ~ cos F otg 
für ««r: cos#- 1-4 


a: Y2hr 


Bild 7. 
Berechnung der theoretischen Reichweite. 


gelegten Tangentialebene befindet. Bezeichnet man in 
Bild 7 die Flughöhe A F mit h, die Reichweite A B mit 
a, den Erdradius mit r, so ergibt sich 


je 
r+h' 
e r 
21? rh’ 
Hieraus ergibt sich die theoretische Reichweite 
a= y2 rh. 

Die so ausgerechneten Werte sind in den Bildern 
4 bis 6 in Abhängigkeit von der Flughöhe als ge- 
strichelte Kurve eingezeichnet. 


Als wahrscheinlichster Grund für den Unterschied 
zwischen den gemessenen und errechneten Reich- 


a 


Für a<r wird cos ai= 


weiten dürfte der Umstand in Frage kommen, daß die 


Umgegend um die Empfangsantenne Bäume und Bau- 
lichkeiten aufweist. Um sich von den Einflüssen der 
nächsten Umgebung frei zu machen, wurde der Ver- 
such in der Art wiederholt, daß das Empfangsgerät 
auf der Plattform eines 15 m hohen Holzturmes auf- 
gestellt wurde. Für eine Flughöhe von 50 m ergab 
sich für ein Ausschlagsverhältnis 2:1 auf dem Hin- 
flug, eine Entfernung von 14,5 km und eine Grenze 
des Telegraphieempfanges von 36 km. Für eine Flug- 
höhe von 50 m berechnet sich bei Empfang unmittel- 
bar am Boden eine theoretsiche Reichweite von 
25 km. Legt man jedoch entsprechend den obigen 
Betrachtungen von einem Punkt 15 m oberhalb der 
Erdoberfläche die Tangente an diese, so ergibt sich 
für eine Flughöhe von 50 m eine theoretische Reich- 
weite von 39 km. Dieser Wert zeigt eine genügende 
Uebereinstimmung mit der Messung. 

Zum Schluß sei erwähnt, daß man Reichweiten von 
1—2 km erhält, falls Sender und Empfänger am 
Boden stehen und daß z. B. der Empfang sofort ver- 
schwand, wenn das Flugzeug mit dem eingebauten 
Sender, im Abstand von wenigen hundert Metern vom 
Empfänger entfernt, hinter die Flugzeughalle rollte. 


Zusammenfassung. 

1. In der Arbeit ist die Reichweite eines Flug- 
zeugsenders für 3,7 m Wellenlänge in Abhän- 
gigkeit von der Flughöhe gemessen worden. 
Während bei längeren Wellen seither eine Ab- 
hängigkeit der Reichweite von der Flughöhe 
durch Messung nicht nachgewiesen werden 
Konnte, ist hier eine starke Abhängigkeit vor- 
handen. 

2. Die Reichweiten, die auf ei èr Wellenlänge von 
3,7 m mit einem Flugzeugsender von 1 Watt 
selbst bei großer Flughöhe erreicht werden, sind 
wesentlich geringer als diejenigen, die auf den 
z. Z. allgemein benutzten kurzen Wellen unter 
gleichen Verhältnissen erzielt werden. Unter 
Zugrundelegung des derzeitigen Standes der 
Empfangstechnik im Gebiet der sehr kurzen 
Wellen ergibt sich daher auch weiterhin für 
die allgemeine Nachrichtenübertragung eine 
wesentliche Ueberlegenheit der bisher ange- 
wandten kurzen Wellen. Ob eine Anwendung 
der sehr kurzen Wellen für Sonderzwecke, wie 
z. B. die Nahpeilung, möglich sein wird, muß 
weiteren Untersuchungen überlassen bleiben. 


(Eingegangen am 24. November 1928.) 


Ueber die Instabilität der Frequenz von 
Röhrengeneratoren und deren Stabilisierung. 


Aus dem Laboratorium für elektrische Schwingungen des Ober-Physikers L. Theremin. 
Von W. Lazaref, Leningrad. 


Inhaltsübersicht: 


Einleitung. 
I. Theoretischer Teil. 
II. Experimenteller Teil. 


1. Die Abhängigkeit der Frequenz » vom Heiz- 
strome in bei Eao = const. und M == const. 


2. Die Abhängigkeit der Frequenz » von der 
Anodenspannung Fao bei M = const. und ver- 
schiedenen Werten von ĉr. 

3. Die Abhängigkeit der Frequenz w. von der 
gegenseitigen Induktivität M beize = const. 
und Eao = const. | 

4. Ueber den Gitterstrom des Generatorsystems. 


56 W. Lazaret: 


Ill. Vergleich von Theorie und Experiment. 
IV. Ueber die Stabilisierung der Frequenz. 


Zusammenfassung. 


Einleitung. 


Die durch zufällige Aenderungen der Speiseenergie 
verursachte Instabilität in dem Betriebszustand von 
Röhrengeneratoren bereitet manche Schwierigkeiten 
beim Arbeiten mit elektrischen Schwingungen. Im 
allgemeinen kann sich bei einer Veränderung der 
Speisebedingungen der Betriebszustand von Röhren- 
generatoren in doppelter Hinsicht ändern: nach der 
Leistung und nach der Frequenz. Wir werden die 
Röhrengeneratoren hinsichtlich ihrer Frequenz unter- 
suchen. 

Obgleich die Erscheinung der Instabilität der 
Röhrengeneratoren seit langem bekannt ist und viele 
Schwierigkeiten bei ihrer Anwendung verursacht, 
gibt es nur wenig Arbeiten, die dieser Frage ge- 
widmet sind. Wir wollen nur die grundlegenden 
und wertvollen Arbeiten von Edgeworth!) 
Strecker?) und Martin?) nennen. 

Das Ziel dieser Arbeit ist, die Ursachen für die 
Aenderung der Schwingungsfrequenz von Röhren- 
generatoren zu erklären und die Bedingung für eine 
Frequenzstabilisierung von hinreichender Genauigkeit 
zu finden. 


I. Theoretischer Teil. 


Für die Untersuchung haben wir die klassische 
Schaltung mit einer Transformatorenkopplung im 
Anodenkreis benützt (s. Bild 1). 


Bild 1. 
Prinzipielle Generatorschaltung. 


Bei der theoretischen Untersuchung werden wir 
von folgenden Bezeichnungen Gebrauch machen: 

1. ia = iao + Da Anodenstrom, tao Gleichstrom- 
komponente, a Wechselstromkomponente. 

2. Ea = Laot- Ea Anodenspannung, Eao Gleich- 
komponente, Œa Wechselkomponente. 

3. ig = igo + I, Gitterstrom, ?,o Gleichstromkonı- 
ponente, 3, Wechselstromkomponente. 

4. €, Gitterwechselspannung. 


5. k, =: Rückkopplungsfaktor. 

6. Ba Gleichstromwiderstand, Heizfaden- 
Gitter. 

T. Raes Widerstand Heizfaden-Gitter für die 


s7 
Gitterwechselstromkomponente. 
8. L, und L. Induktivität des Anoden- und Gitter- 
stromkreises. 
9. M Gegenseitige 
und L». 
1) Edgeworth, The Instit. of Electric. Engin. 64, S. 349, 1926. 


2) Strecker, Jahrb. d. drahtl.Telegr. u. Teleph. 22, S.244, 1923. 
3) Martin, Philosoph. Magazine 4, S. 922. 1927. 


Induktivität der Spulen L, 


10. R=jwL Reaktanz der Spule 1... 
11. R Ohmscher Widerstand der Spule Z.. 
12. d Dämpfungsfaktor des Schwingungskreises. 
13. y Phasenwinkel zwischen Sa, €. und Œ,- 
14. 3a=91+9cAnodenstrom, Š zinduktiver Strom, 
Sc kapazitiver Strom. 
15. @ = wot Aw Schwingungskreisfrequenz, 
l 


EEE LC 

Die Erfahrung zeigt uns, daß die Frequenzände- 
rung des Röhrengenerators von der Größe des Gitter- 
stromes abhängt, welcher seinerseits durch den Heiz- 
strom, die Anodenspannung und die gegenseitige In- 
duktivität der Spulen L, und L. bedingt ist. 

Man kann sich die Wirkung des Gitterstromes auf 
die Frequenz folgendermaßen vorstellen: Der Stronı 
Szin der Spule Z,, der auf die Spule Z, einwirkt, er- 
zeugt im Gitterkreise eine Spannung €, = joM3ı 
Die Spannung E,eilt dem Strome Ir: um 90° naclı und 
stimmt der Phase nach mit der Wechselstrom- 
komponente des Gitterstromes I, überein, wenn &y 
ein rein Ohmscher Widerstand ist. Der Gitter- 
wechselstrom 3, wirkt seinerseits auf den Anoden- 
strom, was eine Veränderung des Dämpfungsfaktors 
zur Folge hat, infolgedessen wir einen Phasenwinkel 
w zwischen dem Strom 3a und der Spannung €, be- 
kommen. Dieser Phasenwinkel y wird selbsttätig 
durch eine Veränderung der Kreisfrequenz w um den 
Wert Aw kompensiert. 

Aus der Theorie der elektrischen Schwingungen ist 
bekannt (Möller, Elektronenröhren; S. 104), daß 
eine Frequenzänderung mit dem Dämpfungsfaktor 
durch folgende Beziehung verknüpft ist: 


do _ (a) i 


142) 


Um denjenigen Wert zu finden, um welchen sich 
der Dämpfungsfaktor unter der Wirkung des Gitter- 
stromes verändert, wollen wir folgendermaßen ver- 


fahren. Es ist: 
—Ça = (j v Lı + R)Iım—joM3, (2) 
und 
EC, — w MĪL (3) 
weiterhin 
NERS €, A J w MĪL 
Iy = R, = RE (4) 
Setzen wir die Gl. (4) in (2), so bekommen wir: 
Saa 2 y? 
—ẸE, =) oL, S+ RÌ + — SL =joøo LSL 
g 5) 
2 M? ( 
wg NS 
B, 


Der Ohmsche Widerstand des Schwingungskreises 


‘ 
$ a 


: w M . 
wird um den Wert nn. vergrößert, dementspre- 
g 


chend wird also auch der Dämpfungsfaktor um den 


zw M? F 
Wert d, = Ad = L, È, vergrößert. 
Der ganze Dämpfungsfaktor wird 
aR no M’? 


d == d +d = oL, T L, R, (6) 


Ueber die Instabilität der Frequenz von Röhrengenerato:en und deren Stabilisierung. 57 


Der Dämpfungsfaktor wächst mit der Verminde- 
rung des Wechselstromwiderstandes Kathode—-Gitter, 
mit der Vergrößerung der Kreisfrequenz » und der 
gegenseitigen Induktivität M an. 

Der Ausdruck (6) kann folgendermaßen umge- 
schrieben werden: 


€, M 


Bekanntlich ist — @ n Setzen wir 


= ae 
e Caa 
diesen Ausdruck in die Formel für d, ein, so be- 
kommen wir: 


d = (7) 


Bild 2. 
Schaltung mit Meßgeräten. 


und die Gleichung (1) kann folgendermaßen umge- 
schrieben werden: 


ea) (8) 


w 


Alle diese Betrachtungen gelten, solange die Wir- 
kung der Kapazität, welche dem Widerstande £, 
parallel liegt, vernachlässigt werden kann. Die 
Kapazität des Gitterstromkreises besteht aus der 


Kapazität der Röhre, der Zuleitungsdrähte der Meß- 
instrumente und der Eigenkapazität der Spule Lə. 
Die Frage nach dem Einfluß dieser Kapazität wird 
weiter ausführlicher behandelt werden. 


II. Experimenteller Teil. 
Für die experimentelle Prüfung der Formel (8) 
wurden Messungen mit dem Generator ausgeführt, 
dessen Schaltung in Bild 2 wiedergegeben ist. 


Die Wechselspannung €. des Anodenkreises wurde 
mittels eines Saitenelektrometers Se gemessen, 
welches an die Klemmen des Kondensators C des 
Schwingungskreises gelegt wurde. Eine Kapazität C, 
wurde in Reihe mit dem Elektrometer Se geschaltet, 
welche die Möglichkeit gab, die Empfindlichkeit des 
Flektrometers in beliebigen Grenzen zu verändern. 
Die Spannung &. wurde mit einer Genauigkeit von 
0,1 V gemessen. 

Die Wechselspannung €, zwischen Gitter und 
Kathode wurde mit einem Quadrantenelektrometer 
von Bartels Be mit einer Genauigkeit von 0,1 V 
gemessen. Mit dem Elektrometer Be in Reihe wurde 
eine Kapazität Cə geschaltet. Die Gesamtkapazität 


des Elektrometers und des Kondensators Ca überstieg . 


nicht 25 cm. Die Gittergleichstromkomponente wurde 
mittels des Galvanometers G mit einer Genauigkeit 
von 2.10-° A bestimmt. Der Heizstrom wurde mittels 
des Milliamp&remeters mA (Genauigkeit 0,5 mA), die 
Anodengleichspannung mittels des Voltmessers V ge- 
messen. 

Wie schon erwähnt wurde, kann sich die Schwin- 
geungszahl eines Generatorsystems mit den Konstanten 
L, und C als Funktion von drei unabhängigen Para- 
metern verändern, nämlich: des Heizstroms ĉr, der 
Anodenspannung Fao und der Gegeninduktivität M 
zwischen den Spulen L, und ZL». 

Es wurde beobachtet, wie sich die Schwingungs- 
zahl des Generators in Abhängigkeit von diesen drei 
Größen verändert. Die Messungen wurden nach dem 
Interferenzverfahren ausgeführt. Zu diesem Zwecke 
war ein zweiter stabilisierter Generator gebaut, 
dessen Frequenz mit einer großen Genauigkeit kon- 
stant gehalten werden konnte. Bei einer Veränderung 
des Heizstromes von der Erregungsgrenze (45 mA) 
bis zu dem Maximalstrom (75 mA), welchen eine 


IE 


Bild 3. 
Ueberlagerungsschaltung. 


Röhre „Micro-TST“ ertragen konnte, blieb die 
Frequenz konstant mit einer Genauigkeit von 0,003%. 
Bei einer Veränderung der Anodenspannung von 5 V 
bis 100 V war die Frequenzänderung etwa 0,0001 %. 
Die Vorrichtung, mittels derer die Stabilisation er- 
reicht wurde, werden wir genauer in dem Abschnitte 
über die Stabilisation besprechen. 

Der Interferenzton des stabilisierten und des un- 
tersuchten Generators wurde über zwei Zwischen- 


58 


röhren (um die Zieherscheinung zu vermeiden) einem 
Zweiröhrenverstärker zugeführt, bei dem die erste 
Röhre als Gleichrichter, die zweite als Verstärker, 
der mit der ersten Röhre durch einen Niederfrequenz- 
transformator gekoppelt wurde, geschaltet war. Die 
Einwirkung des Verstärkers auf die Generatorfrequenz 
war dadurch beseitigt. Die Schaltung der ganzen 
Anordnung ist in Bild 3 wiedergegeben. 


Die Messungen wurden folgendermaßen ausge- 
führt. Es wurden zwei Parameter konstant gehalten, 
z. B. M und Ea, und der Heizstrom verändert. Da- 
durch wurde die Frequenz des untersuchten Gene- 
rators verändert, infolgedessen sich auch der Inter- 
ferenzton änderte. 


Bild 4. 
Kapazitätsänderung durch den Heizstrom 4 C = F (in). 


Um dem Generator seine ursprüngliche Frequenz 
wiederzugeben, mußte die Kapazität des Schwingungs- 
kreises verändert werden. Die Frequenz wurde nach 
dem Interferenzton eingestellt, welcher in unserem 
Falle 435 Hz betrug. Die Konstanz des Interferenz- 
tones wurde durch einen akustischen Generator re- 
guliert, welcher durch eine Normalstimmgabel ge- 
steuert wurde (435 Hz). Bei einer Aenderung der 
Frequenz des Generators entstanden Schwebungen 
zwischen dem normalen akustischen Generator und 
dem Interferenzton. 


1. DieAbhängigkeitderFrequenzwovom 
Heizstrome in bei Eao =ceonst und 
M=const. 


Einer Vergrößerung des Heizstromes in entspricht 
meist eine Verminderung der Frequenz w. Wir wollen 
diese Frequenzveränderung durch dieienige Aende- 
rung A C der Kapazität des Schwingungskreises aus- 
drücken, die bei unverändertem Heizstrome dieselbe 
Frequenzänderung Aw bewirken würde. Dann ist 
— A w ®© — AC = F (ia). Als Ausgangszustand wählen 
wir dabei aus den verschiedenen Betriebszuständen 
denjenigen aus, bei dem die Röhre mit der Maximal- 
kapazität im Schwingungskreise eine bestimmte Fre- 


W., Lazaref: 


Betriebs- 
in = 55 mA, 


quenz (œw = 2.10 sect) erzeugt. Dieser 
zustand lag in unserem Falle vor für 


Eao =80V und M=f(l), wo lL=5cm den Abstand 


zwischen den Spulen L, und L, bedeutet. Die Stellung 
des Drehkondensators im Schwingungskreis war da- 
bei 130°. 

Bei allen anderen Betriebszuständen müssen wir, 
um dieselbe Frequenz zu erhalten, eine Kapazität C 
in den Schwingungskreis einschalten, der eine Ein- 
stellung des Kondensators kleiner als 130° entspricht. 


Bild 5. 
Abhängigkeit des Gitterstromes vom Heizstrom 3g = F (in). 


Somit wird 4 C = 130° — C. Diese Differenz AC ist 
auf der Ordinatenachse der Kurven von Bild 4-8 
aufgetragen. 

Die Kurven von Bild 4 geben den Zusammenhang 
zwischen der Kapazität © und dem Heizstrom ĉn für 
M = const. und für verschiedene Werte von Eao 


g 05 70 15 20 253g mA 
Bild 6. 
Kapazitätsänderung in Anhängigkeit vom Gitterstrom 
A C = F (Sg). 
wieder. Diese Kurven zeigen uns, daß bei einer Ver- 


größerung vonEao die Abhängigkeit der Frequenz w 
von èr abnimmt. 


Bemerkenswert ist folgendes: Wenn wir die Kurve 
Sy = f(in) aufnehmen, so erweist es sich, daß sie 
dieselbe Form hat wie die Kurve 4 C° = f (în) (s. Bild 5). 
Wenn man nun die Kurve 4 0° = f(3,) konstruiert, so 
ergibt sich eine Gerade (s. Bild 6). 


FA 


Ueber die Instabilität der Frequenz von Röhrengeneratoren und deren Stabilisierung. 59 


2. Die AbhängigkeitderFrequenzwvon 
der Anodenspannung Eu bei M=const. 
und verschiedenen Werten von i. 


Die Abhängigkeit der Schwingungszahl von der 
Anodenspannung Eao bei konstantem M und in 
(Bild 7) zeigt einen anderen Verlauf als die Kurven 
AC =F (in). 


Bild 7. 
Kapazitätsänderung durch die Anodenspannung 4 C = F (Eao). 


3. Die Abhängigkeit der Frequenz æ von 
der gegenseitigen Induktivität M bei in 
=const. und Ee =const. 

Wir haben schon früher erwähnt, daß die Kreis- 
frequenz » auch von der gegenseitigen Induktivität 
M der Spulen L, und Z, d. h. von dem Grad der 
Rückkopplung abhängt. 


Bild 8. 
Kapazitätsänderung durch die Rückkopplung 4 C = F (}). 


 ImBild8 sind die Kurven angegeben für 4C = f(D, 
wo ! den Abstand zwischen den Spulen L, und L. 
bedeutet. Wir haben nur die Kurven für Eao =60 V 
und ¿»n = 55, 60 und 65 mA eingezeichnet. Die Kurven, 
die anderen Spannungen Eao entsprechen, haben die- 
selbe Form wie für Zao =60 V und unterscheiden sich 
nur dadurch, daß sie längs der Ordinatenachse nach 
unten verschoben sind, wenn Eaa >60 V ist und nach 
oben, wenn Eao < 60 V ist. 


Die Kurve von Bild 9 gibt die Werte der gegen- 
seitigen Induktivität M in m Hy in Abhängigkeit von 
dem Abstande l. 

Im Bild 10 ist ferner die Abhängigkeit zwischen k 
und 2 graphisch aufgetragen. 


Werte der gegenseitigen Induktivität in Abhängigkeit von der 
Spulenentfernung M = F (l). 


4. Ueber den Gitterstrom des 
Generatorsystems. 
Bei der Ableitung der Formel (7) haben wir über 
den Einfluß der Gitterwechselstromkomponente auf 


s À 
06 
02 

0 

Bild 10. 
Rückkopplungsfaktor in ANnBIEREN von der Spulenentfernung 
k=— č. = F (D). 
a 


den Schwingungskreis gesprochen. Da der Gitter- 
stromkreis eine unipoläre Leitfähigkeit besitzt, so 
können wir den Wechselanteil des Stromes dadurch 
gewinnen, daß wir die wahre Gitterstromkurve in eine 
Fourir-Reihe entwickeln. Nach der Entwicklung be- 
kommen wir eine Gleichstromkomponente 2,0, welche 


60 


W. Lazaref: 


mit einem Gleichstrominstrument gemessen wird, und 
eine Wechselstrorkomponente 3, mit der Kreis- 
frequenz w. Die beiden Komponenten sind uurch 
den Verlauf der Gitterstromkurve ig bedingt. Aus 
den Werten von 3, und €, (sie sind in Phase mitein- 
ander) können wir einen Schluß über den Gitter- 
widerstand ziehen. 

Der Verlauf der Gitterstromkurve jọ wird auch 
von dem Verlauf der Gitterspannungskurve be- 
einflußt, aber wir können diese Spannung mit einer 
genügenden Annäherung als sinusförmig ansehen. 

Der wirkliche Verlauf der Gitterstromkurve :, 
kann durch folgende Messungen ermittelt werden: 


32 


Gitterstrom in Abhängigkeit von der Gitterspannung ig = F (Eg). 


Wie schon oben erwähnt, genügt der Schwingungs- 
vorgang des Röhrengenerators folgendem Gesetz: 
©; = — kE., wo k den Rückkopplungsfaktor bedeutet. 
Der Gitterstrom wird nur während der positiven 
Halbperiode der Kurve Œ, erzeugt. Um die Strom- 
kurve :, zu bestimmen, konnte man sich damit be- 
gnügen, ihn nur während einer Viertelperiode zu 
messen, welche im positiven Gebiete der Kurve liegt, 
weil das zweite Viertel dem ersten vollkommen sym- 
metrisch ist. Die Stromkurve :, wurde nach der ge- 
wöhnlichen statischen Methode bestimmt. Es wurde 
ein bestimmter Betriebszustand (¿n und Eao) ge- 
nommen, bei dem uns die Amplituden von &,„und Eao 
bekannt waren, ebenso wie der Kopplungsfaktor k 
des Generatorsystems. An das Gitter wurden reihen- 
weise Spannungen von 0 bis + &,. angelegt, an der 
I 

h 

E yo 

ergaben und zwischen Eao und V = Eao— ~; lagen. 
Für diese Bedingungen wurde der Gitterstrom ?, ge- 
messen. Die Stromwerte îy, die sich dabei ergaben, 
müssen genau dieselben sein wie die Werte des 
Gitterstromes :,, die bei denselben Spannungen in 
dem Generatorsystem fließen. 

Im Bild 11 sehen wir die Gitterstromkurven čty 
die wir statisch gemessen haben. Solche Kurven, aus 
denen 3, und R, bestimmt werden können, haben 
wir für alle Betriebszustände des untersuchten Genc- 
ratorsystems gemessen. 


Wie zu erwarten war, hatte die Gleichstrom- 
komponente, welche unmittelbar an der Generator- 
röhre gemessen wurde, und welche sich aus der 
Kurvenanalyse ergab, für einen bestimmten Betriebs- 
zustand ein und denselben Wert. Dieser Umstand 


Anode solche, die sich aus der Gleichung V = Eao — 


macht es höchst wahrscheinlich, daß die tatsächliche 
Gitterstromkurve des Generatorsystems denselben 
Verlauf hat, den wir nach der statischen Methode 
gemessen haben. 


Ag N 
"N TT 
a E 


3,0 


20 
15 
70 
05 
OT 5 60 Ôr 65m 
Bild 12. 


Widerstand Gitter-Kathode in Abhängigkeit von der Heizstrom- 
stärke Rg = F (in). 


IHI. Vergleich von Theorie und Experiment. 


A 
Wir haben oben die theoretische Formel — 


b+Ha® 1 o M\ 
i (2375) =; (0+7 7 ) angeführt die das 


Gesetz wiedergibt, nach dem sich die Frequenz in 
Abhängigkeit von k, M und Rg ändert: die Größen 


Bild 13. 


Widerstand Gitter-Kathode in Abhängigkeit von der Anoden- 
spannung Rg = F (Eao). - 


k und R, sind ihrerseits durch eine verwickelte Be- 
ziehung mit in, Eao und M verknüpft. 


Die experimentellen Kurven für Ky und % wurden 
von uns für eine große Anzahl von Betriebszuständen 
bestimmt. Einige von diesen Kurven sind auf den 
Bildern 10, 12, 13 und 15 wiedergegeben. 


Ueber die Instabilität der Frequenz von Röhrengeneratoren und deren Stabilisierung. 61. 


Setzen wir in die theoretische Formel statt R, 


und & die zugehörigen Werte ein, die aus den experi- 
mentellen Kurven für verschiedene Betriebszustände 
entnommen werden können, so bekommen wir eine 


o) 


theoretische Kurve, die die Abhängigkeit von 


von den Größen ir, Eaound M wiedergibt. 


Bild 14. 


Widerstand Gitterkathode in Abhängigkeit von der Rückkopplung 
R (m. 


g=H 


Die auf den Bildern 15, 16 und 17 eingezeichneten 
Kurven zeigen die relative Frequenzänderung (in 
Prozenten) bei einer Aenderung des Heizstromes. 

"uw 


W 
% 
19 


3 62 


66 1, mÀ 
Bild 15. 


Relative Frequenzänderung in Abhängigkeit von der Heizstrom- 


A w A 
stärke z = F (in) für Eao = 80 V. 


Die oberen Kurven, die mit dem Zeichen I ver- 
sehen sind, sind dem Experiment entnommen, die 
unteren durch H bezeichneten Kurven sind nach den 
Formeln berechnet. 

Beide Kurven haben ungefähr denselben Verlauf, 


die quantitative Abweichung erklärt sich dadurch, 
daß 
Wechselstrom Rg geringer ist, als wir bei der Berech- 


in Wirklichkeit der Gitterwiderstand für den 


w 


nung angenommen haben. Die Gesamtkapazität des 
Gitterstromkreises ist. etwa 50 cm, der kapazitive 
Widerstand, der dem Ohmschen Widerstande 
Kathode—Gitter parallel liegt, folglich etwa 80 000 bis 
900000 Ohm. Diese Erklärung wird auch dadurch 


Al) 


O 9 56 58 64 


Bild 16. 
Relative Frequenzänderung in Abhängigkeit von der Heizstrom 


Aw 
stärke — = F (in) für Eao = 60 V. 


i, mA 


bestätigt, daß die Formel die experimentelle Abhän- 
gigkeit bei kleinen Eao besser wiedergibt, als bei 
großen. Bei den höheren Anodenspannungen liegen 
die Widerstandskurven R, höher als bei niedrigen 


66 mA 


| Bild 17. S oa o 
Relative Frequenzänderung in Abhängigkeit von der Heizstronı- 


A 
stärke — = F (in) = für Eao = 40 V. 


(s. Bild 12), und die Wirkung des kapazitiven Wider- 


standes auf den Gitterwiderstand ist hier größer als 
bei niedrigen Eao. | 

Die Bilder 18 und 19 zeigen die Kurven der 
relativen Frequenzänderung En (in Prozenten) in 


Abhängigkeit von der Anodenspannung Eao 


er ET u a ee 


62 
| 


- Die experimentellen Kurven sind mit dem Index I, 
die theoretischen mit dem Index II versehen. Die 
Bilder zeigen uns, daß die Kurven fast überein- 
stimmen. 


Aw 


g 


Bild 18. 
Relative Frequenzänderung in Abhängigkeit von der Anoden- 


A 
spannung — = F (Eao) für ir =65 m A. 


0 20 40 60 8O Lah 
Bild 19. 


Relative Frequenzänderung inęAbhängigkeit von der Anoden- 
A 
spannung — = F (Eao) für ih = 60 m A.: 


Bild 20. 


Relative EIEQUENZVELAN EINE in Abhängigkeit von der Rück- 
_ kopplung -> = F (l) für in = 60 m A. 


Die Bilder 20 und 21 zeigen die Kurven der 
relativen Frequenzänderungen in Abhängigkeit von 
der gegenseitigen Induktivität, oder, streng ge- 


nommen, £2 als Funktion des Abstandes I zwischen 


den Spulen Z, und L.. Wir bemerken hier eine große 
zahlenmäßige Abweichung zwischen der Erfahrung und 
der‘ Theorie. Diese Abweichung ist auch wahrschein- 
lich durch die obenerwähnten Gründe zu erklären. Die 


W. Lazaref: Ueber die Instabilität der Frequenz von Röhrengeneratoren und deren Stabilisierung. 


Kurven k = f (in)und k = f (Eao) sind nicht angegeben. 

Sie liegen der Abszissenachse fast parallel mit einer 

Abweichung von 10—20% (von 1 bis 1,2). Es ist auch 
A@ l 


Bild 21. 
Relative Frequenzänderung in Abhängigkeit von der Rückkopplung 


4e P) für in = 65m A. 
w 


bemerkenswert, daß die Frequenz des Gitterstrom- 
kreises bei diesen Kurven viel höher als die erzeugte 
Frequenz lag, also @g > œw wO œg die Eigenfrequenz 
des Gitterstromkreises bedeutet. 


IV. Ueber die Stabilisierung der Frequenz. 


Aw 
Wie oben erwähnt war, häugt Fr von M, k und 


R, ab. Dieses Verhältnis wird gleich Null, wenn 
M = 0, k =0 oder Rọ = œ ist. Aber die beiden 
ersten Bedingungen sind unmöglich, weil in diesem 
Falle die Schwingungserzeugung aufhören müßte. 
Wir haben den letzten Fall, also A,=o für die 
Stabilisierung benutzt. 


Bild 22, 
Schaltung eines Röhrengenerators mit Frequenzstabilisierung. 


Die Schaltungsanordnung des stabilisierten Gene- 
rators ist in Bild 22 wiedergegeben). Das Steuergitter 
einer Zweigitterröhre bleibt frei. Im Raumlade- 
gitterkreise liegt in Reihe mit der Induktivität ZL. 
eine Kapazität C,, deren Wert in den Grenzen von 
0,01 bis 2 «u F verändert werden konnte. 

Die Stabilisierung ist um so vollkommener, je 
kleiner die Leitfähigkeit dieses Kondensators ist. 
Die Frequenz eines Generators, der nach dieser 
Schaltanordnung gebaut ist, ist von dem Heizstrome 
fast unabhängig. Bei einer Veränderung des Heiz- 


1) Die unten beschriebene Anordnung für die Stabilisation 
wurde am 29. 10. 1927 in dem russischen Ausschuß für das 
Erfindungswesen patentiert. 


Kurt Schlesinger: Neutralisation des Resonanz-Verstärkers. 63 


stromes von 40 mA bis 75mA bei œ =2.10°, also 
f = 3,3.10* ändert sich die Frequenz um eine Periode: 
sie bleibt also konstant mit einer Genauigkeit von 
0,003%. Die Frequenzänderung in Abhängigkeit von 
der Anodenspannung ist noch kleiner, sie übertrifft 
in keinem Falle den Wert von 0,0001%. Der Bereich 
der erzeugten Frequenzen kann beliebig gewählt 
werden. Wir bekamen eine Stabilisierung bei f= 
435 Hz und bei /=3.10° Hz. 

Wir wollen nun die Vorgänge, die in dem stabili- 
sierten Generator stattfinden, betrachten. Da in 
unserem Falle der Ohmsche Widerstand der Kapazität 
C, und der Widerstand des Lampensockels 100 Meg- 
ohm gleich war, so erhielt das Gitter auch bei ge- 
ringen Strömen eine negative Ladung. 

Der Gitterstrom hatte im Augenblick, wo die 
Schwingungen einsetzten, den Wert von etwa 10— A, 
das Gitter war also bis zu einem beträchtlichen 
negativen Potential aufgeladen. 

Die Schwingungserzeugung findet nur in dem 
Gebiete der negativen Charakteristik statt; im Gitter 
fließt nur ein rein kapazitiver Strom (die Kapaziät 
des Systems Gitter-Kathode kann den Wert von 
10 cm erreichen). In diesem Falle ist vermutlich 
der Generatorstrom rein oder angenähert sinusförmig, 
weil sich keine Oberschwingungen bemerken lassen. 


Der oben erwähnte Generator kann nur mit einer 
tosen Kopplung arbeiten, bei einer festen Kopplung 
wird die Schwingungserzeugung unregelmäßig. 

Der von uns gebaute stabilisierte Generator 
könnte eine gute Anwendung bei Messungen finden. 
die nach der Schwebungsmethode ausgeführt wer- 
den. Er kann auch als Frequenznormal benutzt 
werden. 

Wir müssen noch eine Eigentümlichkeit in Betracht 
ziehen, welche man bei der Arbeit mit dem stabili- 
sierten Generator nicht vergessen darf. Der ganze 
Generator oder mindestens die Induktionsspulen 


— 


müssen elektrostatisch geschirmt werden, sonst 
können die Außenfelder dem Gitter eine solche 
negative Ladung geben, daß überhaupt keine Schwin- 
gungserzeugung entstehen kann. 

Die Vorzüge der Doppelgitterröhre im stabilisier- 
ten Generator können durclı den kleinen Durchgriff 
der Röhre erklärt werden. Was das zweite Gitter 
betrifft, so scheint es überhaupt keine Rolle zu 
spielen. 


Zusammenfassung. 


1. Es wird der Mechanismus der Frequenz- 
änderungen von Röhrengeneratoren bei einer Aende- 
rung von Heizstromstärke ir, Anodenspannung Eao 
und Kopplungsgrad geklärt. Die Ursache der Er- 
scheinung liegt in dem Gitterstrome g, dessen 
Wechselstromkomponente 9, auf den. Schwingungs- 
kreis wirkt und den Dämpfungsfaktor vergrößert. 

Die Erhöhung des Dämpfungsfaktors des Schwin- 
gungskreises ruft eine Phasendifferenz zwischen dem 
Anodenstrom 9a und der Anodenspannung €, hervor, 
was eine Veränderung der Frequenz zur Folge hat. 

2. Es wird ein stabilisierter Generator aufgebaut, 
der mit einer genügenden Genauigkeit seine Frequenz 
konstant hält, nämlich: bei einer Veränderung des 
Heizstromes von der Erregungsgrenze bis zum 
maximalen Heizstrome, den die Röhre zuläßt, ist die 
Frequenzänderung weniger als 0,003%. Bei einer 
zehnfachen Veränderung der Anodenspannung Zao 
also von 100 V bis 10 V, ist die Frequenzänderung 
weniger als 0,0001 % 

Herrn Professor D. Roiansky bin ich für seine 
wertvollen Ratschläge und Anweisungen, welche mir 
die Möglichkeit gaben, diese verwickelten Erscheinun- 
gen zu erforschen, zu großem Dank verpflichtet. 


Leningrad, Physikalisch-Technisches 
Roentgeninstitut. 


(Eingegangen am 7. Juni 1928.) 


Neutralisation des Resonanz-Verstärkers. 


Von Kurt Schlesinger, Berlin-Friedrichshagen. 


Inhaltsübersicht: 
A. Theoretischer Teil: 


1. Berechnung der Neutralisationskapazität. 
2. Frequenzabhängigkeit der Entkopplung. 


B. ExperimentellerTeil. 
Zusammenfassung. 


": A. Theoretischer Teil. 
1. Berechnung der Neutralisationskapazität. 


Belastet man ein Verstärkerrohr anodenseitig 
mit einem aus Parallelschaltung von Induktivität 7. 
und Kapazität C bestehenden Kreise und stimmt 
diesen auf dia Frequenz eines ebensolchen Gitter- 
Eingangskreises ab, so tritt Selbstschwingen ein. 
Dieses ist zwanglos aus der Analogie der Anordnung 
mit der Huth-Kühnschen Senderschaltung erklär- 
bar, d.h. es ist eine Folge der durch die Gitter- 
anodenkapazität Cya der Röhre bedingten kapazitiven 


Koppelung. 


Will man die Selbsterregung unterdrücken, so hat 
man dafür zu sorgen, daß auf einem zweiten Wege 


vom Eingangskreis ein kompensierender Strom zum 
Belastungskreis fließen und an den zu entkoppelnden 
Punkten desselben eine Spannung hervorrufen kann, 


Bild 1. 
Neutralisierter Resonanzverstärker nach Hazeltine. 


die der ersteren gleich nach Frequenz und Aınplitude, 
aber um z phasenverschoben ist. 


Die Wirkung der bekannten Dreipunktneutralisa- 
tion ist durch Umzeichnen zu einer Brückenschaltung 
erklärbar. Ä Ä 


64 . 


Bei 
Hazeltine versagt diese Erklärung. 

Bild 1 zeigt ein Glied eines: nach Hazeltine 
neutralisierten Resonanzverstärkers. . Mit den drei 
charakteristischen Röhrenkapazitäten Cya Car, Cgr ist 
sofort folgender elektrostatischer Ersatz der Röhre 
gegeben: | 


C, 
= h 

E RAR 

T Ed . JS 
BZ N A 
IS PL C. 
"Ta G PF Rep? i 
1 12 M lz 

Bild 2. 


Ersatzschaltung für den Resonanzverstärker. 


Wie man sieht, liegen Car und Cok zu La bzw. C,* 
parallel, d. h. sie wirken nur unwesentlich als Erhö- 
hung der Spulenkapazität mit. Wesentlich ist hin- 
gegen Cya oder C; als Koppelungselement. 

Unser Ziel sei nun die quantitative Behandlung 
der Schaltung sowie die Diskussion der Frequenz- 
abhängigkeit der Neutralisation. 

1. Wir bezeichnen:C\+ Cgx= C, ; die eingeprägte 
EMK ©, sei das Aequivalent einer durch Gegen- 
induktivität in Z, erzeugten Eingangsspannung. 


= S. 


der klassischen Neutrodyneschaltung von 


Kurt Schlesinger: 


— e r 


wird, also noch eine zur Erhöhung der Empfindlichkeit 
erwünschte Entdämpfung der Schwingungskreise im 
System verbleibt. 

Aus obigen 8 linearen Gleichungen ermitteln wir 
eindeutig die beiden uns interessierenden Ströme. 
CeVis Ja = Ce- Yow), worin die Leitwerte 9, 
und Y9, außer von den Systemdaten noch von der er- 
regenden Frequenz » von Œe abhängen. (Sie sind 
hier beide rein imaginär, da wir ja Wirkwiderstände 
nicht berücksichtigt haben.) 

Unsere Entkoppelung kann nun zu der Forderung 
Ja =0 oder 0 = [k; is—(1—-k3) Js] La führen, je nach- 
dem, ob wir das folgende Rohr direkt, wie üblich, an 
die Klemmen des Kondensators C, legen, oder es in- 
duktiv mit L, koppeln. 

J= 0 bedeutet Verschwinden der Spannung an 
Ca; tə kı = (1 — ki) Ja bedeutet Verschwinden des 
von L, erzeugten Flusses. 

Uns interessiert zunächst nur die erste Bedingung. 
Sie verlangt: 


DA E 0=f(w, Cr, Ci, Cos kis ko) 


Nun aber sind infolge der Resonanzabstimmung 
von Eingangs- und Ausgangskreis auf die Empfangs- 
frequenz die Gleichungen: w? L, 0, = œw? L: C, = 1 er- 
füllt. Hierdurch eliminieren wir œ und erhalten: 


f(c Iny Cə, kis ko) = 0. 
Die einfache Rechnung ergibt: 


l = 


kik 


0 <kia <1 sei das Verhältnis der von Li, ab- 
gegriffenen Windungszahl zur Gesamtwindungszahl, 
bezogen auf die gemeinschaftliche Rückleitung. 
Dann verhalten sich die entsprechenden Klemm- 
spannungen angenähert wie ki.: 1. 

Wir erhalten folgende 8 Gleichungen für die 8 
Ströme 


ù, Jy, Jay; Jai ta to, Ja, - 


€. =j w L (i—i — ki) Ja) H -—; jo A (1) 
Ji er Jag 5 Jar 
joC, joClag | jo Car 2) 
Jax 
J 173) La la— -J 109) M Ík: i—(1—k; ) Jo] = j Fhia (3) 
kJ, | 

= 20, +joL, k(l—k It; F m l 

+57 w k: Lo io--ia jo M= 0 
jo Mia=jo k jo La (1) 2y (6) 
ii =J +A + Jay (6) 
Jag = Jak F ia (7) 
Ja =J + i (8) 


Die Ohmschen Widerstände der Kreise sind hier- 
in vernachlässigt, was um so mehr gestattet ist, als 
praktisch die Entkoppelung des Systems nur gerade 
bis zur Unterdrückung der Schwingneigung getrieben 


I> 1 [/[La M 
M 6 6: M L ER u E 


1—k, Zn 


(9) 


1 
ER 
T’) Cas | 
2. Frequenzabhängigkeit der Entkoppelung. 
Bezeichnen wir den Wert der eckigen Klammer 


B a a 
abkürzend mit — und M : ki- k- Lə mit A, so haben 


M 
wir: 
A 
i—Ba® 2 


Cn ist also eine Funktion der Betriebsfrequenz, und 
zwar gehört zu kurzen Wellen eine größere Ent- 
koppelungskapazität als zu langen, d. h. es ist bei 
ieder Abstimmungsänderung ein Nachregulieren von 
Cn im bezeichneten Sinne erforderlich. 


Cn ES Ci 


Diesen Uebelstand kann man nun aber vermeiden. 
indem man B = O macht, was, wie aus Gleichung (10) 
hervorgeht, durch geeignete Wahl von k, und k., 
und nur dadurch, erreicht werden kann. Es muß also 
die folgende Bedingung für Frequenz- 
unabhängigkeit erfüllt sein: 


B=0 = | 
eV e (a a Ai) - (10) 
| WR Bee) 5 V Ann. E E er | 
Hoy Lo 0 : r Lo | 
E M? => 
worin o IE der Kopplungskoeffizient von La 
auf L. ist. . 


Man erkennt ferner, daß, um auch bei fester Kopp- 
lung, d. h. bei ọœ® 1, Frequenzunabhängigkeit er- 
reichen zu können, unbedingt beide Schwingungs- 
kreisinduktivitäten L, und L mit Anzapfungen zu ver- 


Neutralisation des Resonanz-Verstärkers. 65 


sehen sind; denn ließen wir etwa k, = 1 und machen 
ka variabel, so finden wir für o die Bedingung: 


1 1 
ee o < L l Ga 
La Ci 


= d. h. im Gleichheitsfalle wäre schon k, = 0. Es er- 
‚, gibt sich eine obere Grenze Okr, oberhalb deren sich 
. keine Frequenzunabhängigkeit mehr erreichen läßt. 


An einem Empfänger wurde] 7° — 0,49 bestimmt. 
2 


woraus sich Or = 0,41 ergibt, während praktisch fas’ 
stets festere Kopplung vorliegt. Man muß also auch 


Bild 3. 

Neutralisationskapazität als Funktion der Übertragerkopplung. 
(Der Wert von Cak bei Kurve b beträgt 475 cm, nicht 175 cm.) 
k, <1 wählen; praktisch ist meist k, = k, (=k), 
dann kommt: 


1 


k a= —— ——— 
1 La Cak 1 
+a rta. 
wenn L, = L, ist. 
Eine Ueberschlagsrechnung ergibt für o = 0,45 und 
Car < C: e 
Ilə 


z ngona í 


worin ao die Windungszahlen von L», La sind. 

Das kann als Anhaltspunkt für die Lage der An- 
zapfung dienen. Nebenbei gewähren diese An- 
zapfungen k < 1 noch den Vorteil, C, gegenüber Cag 
zu vergrößern; man findet ja: 


k? 


ASTE 7], 
= kann also unbequem kleine C„ dadurch vermeiden. 
Setzen wir nun wieder k, = k. = 1, so erhalten 


wir aus den allgemeinen Gleichungen folgende Be- 
ziehungen: 


La 
Get: Le für Jə—0 (11) 
r l 
L COO G 


Bei induktivem Anschluß der nächsten Stufe erhält 
man aus der entsprechenden Bedingung i = Q: 


Ae | 
Cr Cre e -EEE ) 


L La 1 
pype 


B. Experimenteller Teil. 


Die praktisch wichtigere obere Gleichung (11), 
die für direkten Anschluß des Detektors an die 
Klemmen von C, gilt, wurde nun einer experimen- 
tellen Nachprüfung unterworfen. Hierzu wurde Z, 


cm C C 
n 
459 a:Car- 68n _ = 
6 : Car.= 103. cm 
C:lan: 2125 cm 


N 


300 cm 


= Bild 4. 
Abhängigkeit der Entkopplungskapazität 
von der inneren Röhrenkapazität. 


mit einer Erregerspule schwach gekoppelt, die im 
Speisestromkreis eines Summers lag, während an C. 
ein Seib t- Detektor mit Telephon gelegt wurde. La 
und La waren Korbbodenspulen und befanden sich 
parallel in einem Schlittengestell, an dem ihr Ab- 
stand nach einer Skala eingestellt werden konnte. Die 


Car 


l 
A 


700 200 300 


: Bild 5. 
Zusammenhang zwischen den Aufbaukapazitäten C; und Car 
bei vorgegebener Entkoppelungskapazität Cn. 


Bestimmung der Kapazitäten geschah mit der Kapa- 
zitätsmeßbrücke von Telefunken, die der Induktivi- 
täten und Koppelungskoeffizienten ebenfalls mit der 
Brücke (Dolezalek). 

1 Ca =f (ọ) : Koppelungsabhängigkeit. 

Bild 3 zeigt den theoretisch erwarteten praktisch 
linear ansteigenden Verlauf. Vergrößerung von Cak 
hat auch Vergrößerung von Crn zur Folge. 

Polte man L, oder La um, so war keine Ent- 
koppelung mehr möglich, da dann o mit —o ver- 
tauscht wurde. Der Fall, daß 

La(C;+ Car) > La Ca ist — dann wäre: ja 
auch beim Umpolen noch Neutralisation möglich — 
kommt praktisch nicht vor. Er bedeutet ja, daß die 


66 


m nn nn 
_——m a TU I m I I U mn m nn mn nn 


Betriebsfrequenz größer sei als die Eigenfrequenz des 
aus der Anodenkreisinduktion und den inneren 
Röhrenkapazitäten gebildeten Schwingungskreises. 


2. Cam ch: Bild 4 zeigt den für (2 (1 + 0°) 


2 
= 0,2 zu erwartenden Verlauf. Der Einfluß von Car 


ist deutlich. 
3. Car = feci für C, = const. 


Man erwartet, daß Ca. linear von C; abhängt ge- 
mäß: Cak = m—C; z+! ‚ wo a, und a. Kon- 
stante sind. 

Die Steilheit dieser Geraden muß mit wachsendem 


Cn abnehmen. Dieser Zusammenhang ist gut be- 
stätiet worden (s. Bild 5). 


H, E. Hollmann: 


a a e mm nn 


Zusammenfassung. 


Es werden die Ohm-Kirchhoffschen Glei- 
chungen für das Ersatzschema der Hazeltine- 
Schaltung angeschrieben und aus ihnen für den Fall 
der Resonanzabstimmung die Kriterien abgeieitet, die 
zum Verschwinden des Spulen- bzw. Kondensator- 
feldes des Ausgangskreises notwendig sind. Die 
Frequenzabhängigkeit der sich aus beiden ergebenden 
Neutralisationskapazitäten wird gezeigt und als Mittel 
zu ihrer Beseitigung Anschluß des Entkoppelungs- 
zweiges an Anzapfungen der Kreisinduktivitäten er- 
kannt. Schließlich wird die Beziehung zwischen 
der Entkoppelungskapazität und charakteristischen 
anderen Systemdaten für den Fall verschwindender 
Kondensatorspannung im Ausgangskreis einer experi- 
mentellen Prüfung unterworfen, wobei quantitativ Ab- 
weichungen bis zu 10% auftreten, während qualitativ 
völlige Uebereinstimmung besteht. 


(Eingegangen am 3. August 1928.) 


Bemerkung zu dem Aufsatz von J. Fuchs: 
Das Verhalten kurzer Wellen 
in unmittelbarer Nähe des Senders. 


Von P. O. Pedersen, Kopenhagen. 
in der höheren, stark ionisierten Atmosphäre, oder (2) 


Zu der interessanten Mitteilung von Herrn J. 
Fuchs im November-Heft dieser Zeitschrift (Bd. 32, 
S. 170, 1928) möchte ich bemerken: Die beobachtete 
Abhängigkeit der Feldstärke vom Beleuchtungsstand 
der Sonne in kleiner Entfernung vom Sender ist 
möglicherweise verursacht entweder (1) durch par- 
tielle Reflektion an Diskontinuitätsflächen besonders 


Zusammenfassender Bericht. 
Die Erzeugung Kürzester elelitrischer Wellen 
mit Elelitronenröhren. 


Von H. E. Hollmann. 


Physikalisches Institut der Technischen Hochschule Darmstadt. 
Fortsetzung.*) 


II. Schwingungserzeugung durch Steuerung 
der Elektronenbewegung in Bremsfeldern. 


1.Elektronenschwingungen 
nach Barkhausen-Kurz. 

a) Die Pendelbewegung der Elektronen um das Gitter. 

Der erste, welcher eine hochfrequente Schwin- 
gungserzeugung ohne ein äußeres Schwingungssystem 
erhielt und durch die endliche Bewegung von Elek- 
trizitätsträgern zwischen den Röhrenelektroden er- 
klärte, war Whiddington®) Er arbeitete mit 
einer gasgefüllten Röhre, deren Anode stark positiv 
war, während das Gitterpotential nur wenige Volt 
über der Kathode lag. Whiddington denkt sich, 


*) Teil I, ds. Ztschr. 33, S. 27, 1929, H. 1. 


durch vom Erdboden hinter der Skipzone reflek- 
tierte Wellen. Beide Möglichkeiten sind erwähnt in 
meinem Buche: „Propagation of Radio Waves“, 
(Gad, Kopenhagen, 1927), die erstere auf Seite 66, 
136, 139, 213 und 235, die letztere auf Seite 214. 


(Eingegangen am 17. Dezember 1928.) 


daß die im Gitter-Anodenraum durch Stoßionisation 
gebildeten Gasionen vom  Heizfaden angezogen 
werden, mit großen Geschwindigkeiten auf denselben 
aufprallen und durch lokale Temperatursteigerung 
starke Emissionszentren schaffen. Auf diese Weise 
nimmt er eine periodische Elektronenemission an. 
welche von der Laufzeit der positiven Ionen abhängt: 
diese Zeit errechnet Whiddington für Hg Ionen 
zu 6,6-10° Hertz pro Volt Gitterspannung, was einer 
Wellenlänge von 430 m entspricht. In guter Ueber- 
einstimmung damit ergeben seine Messungen Fre- 
quenzen zwischen 7,0.10° und 4,0:.10° Hertz. Für 
Wasserstoff errechnet er eine Frequenz von 1,0.10' 
Htz und für reine Elektronenbewegung 4,0.10° At: 
oder eine Welle von 0,77 m. Experimentell hat 


i 


) 
5 gibt die an einer Sch o t t schen „M“-Röhre mit einem 


Zusammentassender Bericht. 


De EL EB Ta En EEE EBEN E ES EEE E E A S ERIK AE LS a esea E E a Fe 


Whiddington die 
nicht realisiert. 


Dagegen gelang es Barkhausen und Kurz”), 
durch besondere Gestaltung der Feldverteilung im 
Innern der Röhre reine Elektronenschwingungen 
zu erhalten, wobei gerade die den Frequenz- 
bereich der Rückkopplung abgrenzende Verweil- 
zeit der Elektronen in den Zwischenelektrodenräumen 
die Schwingungsfrequenz bestimmt. Im Gegensatz zu 
der üblichen Betriebsweise der Dreielektrodenröhre 
legen Barkhausen und Kurz an das Gitter eine 
hohe positive Spannung, während die Anode ein weit 
geringeres oder sogar negatives Potential erhält. In- 
folge der veränderten Feldverteilung findet dann eine 
Pendelbewegung der vom Heizfaden emittierten Elek- 
tronen um das Gitter statt, indem die mit hohen Ge- 
schwindigkeiten durch die Gittermaschen hindurch- 
fliegenden Elektronen im Bremsfeld der Anode um- 
gekehrt und zum Gitter zurückgetrieben werden; sie 
durchfliegen dasselbe ein zweites Mal, worauf sich 
der Vorgang im Gitter-Kathoderaum wiederholt. 
Damit die Pendelbewegung der Elektronen nach 
außen wirksam wird, ist allerdings die Annahme er- 
forderlich, daß die Bewegung der Elektronen „in einer 
gewissen Ordnung“ erfolgt, d. h. daß die Mehrzahl 
synchron und konphas schwingt; als Ursache geben 
Barkhausen und Kurz eine gegenseitige Beein- 
flussung der einzelnen Elektronen an. Nach Etten- 
reich?) kann man sich daher die Röhre vorstellen 
als ein „Riesenatom, dessen Elektronen phasengeord- 
nete Bahnen beschreiben“. 


Eine Bestätigung der Theorie von Barkhausen 
und Kurz ergibt sich daraus, daß die Wellenlänge 
der Elektronenschwingungen nur von den Dimen- 
sionen der Röhre und den Betriebsbedingungen, d. h. 
den angelegten Spannungen bestimmt, durch ein an- 
gekoppeltes Schwingungssystem hingegen nicht merk- 
lich beeinflußt wird. Unter der vereinfachenden An- 
nahme ebener Elektroden und gleicher Elektroden- 
abstände sowie unter Vernachlässigung der Raum- 
ladung geben Barkhausen und Kurz folgende 
Formel zur Berechnung der Wellenlänge an: 


letzten Verhältnisse jedoch 


worin E, die Gitterspannung in Volt und da den 
Angdendircimne set bedeutet?), während ihr Potential 
gleich dem der Kathode ist. Ist dagegen das Anoden- 
potential negativ, so gilt: 


VE, Ez E nn 
Darin bedeutet: dọ den Gitterdurchmesser') und 
Ea das Anodenpotential. 


In Bild 8 sind einige, einer Tabelle von Bark- 
hausen und Kurz entnommene Angaben in 
Kurvenform zusammengestellt, und zwar zeigen sie 


z= 


~ die Wellenlänge als Funktion der Anodenspannung für 


ein konstantes Gitterpotential. Die ausgezogene Kurve 


`“  Anodendurchmesser von 3,1 cm und einem Gitter- 


1) Anm.: Die Bezeichnung „Durchmesser* ist unter der Vor- 


Die Erzeugung. kürzester ‚elektrischer Wellen mit Elektronenröhren. | 67 


durchmesser von 0,7 cm gemessenen, die gestrichelte 
Kurve die nach obiger Formel errechnete Welle 
wieder. Ersichtlich fallen die theoretischen Werte 
etwas zu groß aus, was den vorausgesetzten Verein- 
fachungen zufolge nicht Wunder nimmt, doch wird der 
Verlauf der Wellenlänge durch die Theorie gut 


250 


300 Volt 
fz 
Bild‘;8. 
Wellenlänge der Barkhausen-Kurz- Schwingungen 
als Funktion der Anodenspannung. 


wiedergegeben. Außerdem fanden Barkhausen 
und Kurz eine starke Abhängigkeit der Wellenlänge 
von dem Heiz- hzw. Emissionsstrom, die ihre Theorie 
nicht zu erklären vermag; so schwankte die Welle 
zwischen 214 und 131 cın bei einer Verstärkung des 
Heizstromes von 0,80 auf 1.15 Amp., während nach 
ai . 


IM 
li 


MIIN + 
Elektrisches Feld und Laufbahnen zweier Elektronen im 
Innern einer Röhre mit negativer Anodenspannung. 


Zylinder 
2 U=0 Volf 


u40 Volt 


der Theorie eine konstante Welle von 270 cm zu er- 
warten war. Als kürzeste Welle erhielten Bark- 
hausen und Kurz mit einer Schottschen „K“- 
Röhre 43 cm, doch glaubten sie, lediglich durch Ver- 
kleinern des Anodendurchmessers und Erhöhung der 
Gitterspannung bis auf 10 cm herunterkommen zu. 
können. 

Charakteristisch für den Einsatz der Elektronen- 
schwingungen ist der trotz negativer Anode auf- 
tretende Anodenstrom, welcher der Spannung Es ent- 
gegen fließt, die Anodenbatterie also auflädt. Fine ge- 


naue Erklärung für diesen Strom geben Bark- 
hausen und Kurz nicht, sie schließen jedoch 
daraus, daß sich derselbe noch bei einer Anoden- 


1 aussetzung ebener Elektroden nur in übertragenem Sinne zu 
|, verstehen; gemeint ist der Abstand der zu beiden Seiten der 
| Kathode gedachten flachen Gitter bezw. Anoden. 


gr: 
Tu 


68 


spannung von — 100 Volt nachweisen ließ, daß „die 
Amplituden der die Schwingungen bildenden Wechsel- 
spannungen“ denselben Betrag erreichen müssen, 
worauf später noch weiter einzugehen sein wird. 
Ohne Kenntnis der Arbeiten von Barkhausen 
und Kurz fand Zilitinkewitsch?) in normalen 
Dreielektrodenröhren auf Grund des „Resonanz- 
charakters“ ihrer Stromspannungskurven Schwin- 
gungen, ohne daß ein Schwingungssystem vorhanden 
war. In einem mit Gitter oder Anode in Verbindung 
stehenden geraden Leiter erhielt er stehende Wellen. 
deren Länge ausschließlich durch die Elektroden- 
spannungen gegeben war. In Uebereinstimmung mit 
Barkhausen-Kurz erklärt Zilitinkewitsch 
die Schwingungen ebenfalls mit einer Pendelbewegung 
der Elektronen um das Gitter, wie es das seiner 
Arbeit entnommene Bild 9 veranschaulicht. Dort sind 
die elektrischen Felder zwischen den Elektroden bei 
schwach negativer Anode und die Laufbahnen zweier 
Elektronen dargestellt, die dreimal zwischen dem 
Heizfaden und der Potentialnullfläche vor der Anode 
hin und herfliegen, ehe sie auf das Gitter aufprallen. 
Zilitinkewitsch berechnet die Wellenlänge 
ebenso wie Barkhausen-Kurz aus der Elek- 
tronenlaufzeit und gelangt zu folgender Formel: 


u Br 
VV,\aı Ay 
darin bedeutet: 


V das Gitterpotential, 
dr den Abstand zwischen Faden und Gitter- 


fläche = (ry—rp 
ð den Abstand zwischen Gitter und Anode 
Te (ta—-1'g.) 


Für den Fall, daß das Anodenpotential von Null 
abweicht, ist òp der Abstand zwischen Gitter und 
Potentialnullfläche, der sich ergibt zu: 


. 
a 


worin Va die Anodenspannung bedeutet. 

a, und a» sind Proportionalitätsfaktoren, welche die 
zylinarische Form der Röhrenelektroden berück- 
sichtigen. 

Zilitinkewitsch erhielt mit einer franzö- 
sischen Verstärkerröhre Wellen von 40 cm Länge, 
während seine Rechnung 48 cm ergab; in einem 
anderen Fall maß er 70 cm und errechnete 71,6 cnı. 

Auch Zilitinkewitsch beobachtet den 
Schwingungseinsatz am plötzlichen Auftreten eines. 
der Anodenspannung Va entgegen fließenden Stromes 
und nimmt an, daß die regelmäßig um das Gitter sich 
bewegenden Elektronenmassen an den Elektroden 
Wechselspannungen induzieren, welche einmal den 
Schwingungszustand der Röhre regeln sollen, zum 
anderen in den Außenleitungen stehende Wellen her- 
vorrufen. 

Scheibe”) delinte die theoretischen Betrach- 
tungen von Barkhausen und Kurz auf den prak- 
tisch vorliegenden Fall zylindrischer Elektroden aus 
und fand folgende Formel zur Berechnung der Wellen- 
länge aus den Röhrendimensionen und Betriebs- 
bedingungen: 


4.c.r or Ir: 
ee er en ( f A +4 V in z) 
Voe T a 
M 


Darin bedeutet: 
ro den Radius des Heizfadens, 
rı den Radius des Gitters, 
ra den der Anode, 
li die Gitter- und 
Ea die Anodenspannung, 
c die Lichtgeschwindigkeit. 


auf das in der Originalarbeit angegebene Kurven- und 
Tabellenmaterial hingewiesen. 

Eine beträchtliche Steigerung der Schwingungs- 
intensität erzielte Scheibe durch einen Resonanz- 
kreis, indem er, dem Bild 3b entsprechend, an Gitter 
und Anode zwei parallel laufende und durch eine 
Brücke verbundene Drähte anschloß. Nach den Be- 
obachtungen von Scheibe ist dieses Schwingzungs- 
system in Uebereinstimmung mit der Theorie ohne 
Einfluß auf die Wellenlänge, sondern es steigert ledig- 
lich die Schwingungsintensität. Sowohl beim Ver- 
schieben der Abstimmbrücke, als auch beim Variieren 
der Elektrodenspannungen, also bei einer Aenderung 


Zur Ermittelung der Funktionen / (x) und g (x) | 


der erregenden Elektronenfrequenz, erhielt Scheibe. 


regelmäßige Resonanzkurven. 

Was die Schwingungsbereiche angeht, so findet 
Scheibe Elektronenschwingungen zwischen einem 
Anodenpotential Null und mehr oder weniger hohen 
negativen Werten, ohne daß seine Theorie über diese 
Begrenzung der Schwingungsbereiche irgendwelche 
Aussagen zuläßt. 
lichkeit, lediglich durch sehr hohe Elektroden- 
spannungen beliebig kurze Wellen zu erzeugen; als 
kleinste Welle erhielt Scheibe mit einer Schott- 
schen „K“-Röhre bei stärkster Belastung 24 cm. 


Die Elektronenschwingungen von Barkhausen 
und Kurz sind zu zahlreichen Arbeiten im Bereich 
kurzer Wellen herangezogen worden, sei es zur 
Untersuchung der 
Richtfähigkeit elektrischer Wellen [B erg m an n”): 
Cl Schaefer und J. Merzkirch®); Cl 
Schaefer und K. Wilmsen”); Schriev er”); 
sei es auf rein physikalischem Gebiet zur Unter- 
suchung der Absorption und Dispersion elektrischer 
Wellen [Ro manoff”); Bock’); Heim®)]. Bei 
allen diesen Arbeiten wird im Wesentlichen die Vor- 
stellung von Barkhausen und Kurz, wonach die 
Periode der Welle nur von der Zeit abhängt, die dic 
Elektronen bei ihrer Pendelbewegung um das Gitter 
brauchen, beibehalten. Erst in neuerer Zeit, seitdem 
sich die Mitteilungen über Unregelmäßigkeiten in der 
Schwingungserzeugung, wie sie mit der Theorie von 
Barkhausen und Kurz nicht in Einklang zu 
bringen sind, häufen, ist der Bewegungsmechanismus 
der Elektronen zum Gegenstand eingehender theore- 
tischer Untersuchungen geworden. Bevor diese jedoch 
besprochen werden können ist auf einige für die Vor- 
stellung vom Mechanismus: der Barkhausen- 
K urz- Schwingungen bedeutungsvolle experimentelle 
Beobachtung näher einzugehen. 


b) Abhängigkeit der Elektronenschwingungen 
vom Gasdruck. 


Nach der Theorie ist ein EinfluB des Gasdruckes 
im Inneren der Röhre zunächst nicht zu erwarten. 
wenn es sich um reine Flektronenschwingungen im 
Sinne von Barkhausen und Kurz und nicht 
etwa um die Bewegung von Gasionen handelt, wie 


Es ergibt sich daraus die Unmög- ' 


ne a EEE 


Ausbreitungsvorgänge und der ; 


u — 


u 


ua 


-—- 


R | | Zusammenfassender Bericht. Die Erzeugung kürzester elektrischer Wellen mit Elektronenröhren. | '69 


sie Whiddington fand; demgegenüber zeigt je- 
doch das Experiment, daß auch bei reinen Elektronen- 
schwingungen eine Einwirkung der in der Röhre vor- 
handenen Restgase stattfindet. Schon Scheibe 
(I. c.) deutet an, daß die starke Abhängigkeit der 
Wellenlänge vom Heizstrom, wie sie Barkhausen 
und Kurz angeben, nur bei abgeschmolzenen Röhren 
vorhanden ist. Bei Röhren, die hingegen noch mit 
‘der Pumpanordnung in Verbindung stehen, und deren 
Vakuunı unter 10° mm Hg gehalten wird, stellte 
Scheibe nur eine ganz geringe Beeinflussung der 
Frequenz durch den Heiz- oder Emissionsstrom fest. 


Grechowa*) untersuchte die Schaltung von 
Bild 11, bei der zwei Röhren durch ein veränderliches 
Paralleldrahtsystem miteinander verbunden sind. 
Beide Röhren standen mit einer Pumpanordnung in 
Verbindung; der Gasdruck wurde mittels- eines Ioni- 
sationsmanometers gemessen. Grechowa konnte 
in einem Druckbereich von 10% bis 5:10” mm Hg 
keine Aenderung der Frequenz nachweisen, während 
die Schwingungsintensität von 3-10? bis 10”? mm Hg 
stark abnahm, so daß in diesem Bereich der Schwin- 
gungsprozeß von lonen beeinflußt zu werden scheint. 
-= Eingehendere Untersuchungen über die Ein- 
wirkung des Gasgehaltes stellte Kapzov”) an. Er 


l arbeitete mit abgeschmolzenen und sorgfältig ent- 
gasten Röhren und variierte den Dampfdruck in den- 
selben durch Aenderung der Temperatur der Röhren- 
wandung. Die Schwingungsintensität beobachtete er 
am Auftreten des „negativen“ Anodenstromes. Kap - 

1? zov stellte eine beträchtliche Verlagerung der 
l I a 
t | 270 
> 
Bild 10. N 


Versuchsanordnung von Nettleton. 


Nettleton”) benutzte eine Versuchsanordnung, 
wie sie das Bild 10 schematisch zeigt. Gitter und 
Anode einer zylindrischen Röhre sind mit kurzen 
Linearantennen verbunden, mit denen zur Wellen- 
messung ein Lechersystem L gekoppelt ist. Zur 
Messung der Schwingungsenergie dient neben dem 
. Thermogalvanometer Gl das Voltmeter V, welches die 
Spannung der Anode angibt. Nettleton findet 


Bild 11. 
Zweiröhrengenerator von Grechowa. 


- Elektronenschwingungen nur bei einem Druck über 
- 5.10-° mm Hg. Seine experimentellen Kurven weisen 
< ein Energiemaximum bei einem Druck von 10° mm 
: Mg auf, wobei außerdem die Art der Gasfüllung eine 
- Rolle spielt. Er schließt daraus, daß eine Spur von 
© Gas für die Elektronenschwingungen unerläßlich ist. 


Pierret) stellte durch Kopplung zweier Röhren 
: Barkhausen-Kurz-Schwingungen her, deren 
Intensität größer war, als das Doppelte j?der ein- 
. zelnen Röhre und fand dabei, daß die Schwingungen 
- nicht sogleich nach dem Einschalten, sondern erst ge- 
. raume Zeit später einsetzten; er führt dies Verhalten 
: auf durch Erwärmung der Röhre freiwerdende Gas- 
> reste zurück. 


t 
2°C 


o 


7] cn? 
/emoerotur 


Röhre Nr. 24, Schaltung I, Q, = 18.9cm Q, =% J= 11,9 mA. 
oE,=2V. O E,=21V, © E= 20V, © E= 19V, ° E= 18V 
Bild 12. 

Wellenlängen bei verschiedenem Gasdruck nach Kapzov. 


Schwingbereiche mit einer Aenderung des Dampf- 
druckes fest und ebenso eine Aenderung der Wellen- 
länge. Als charakteristisches Beispiel seiner Ergeb- 
nisse sei das Bild 12 angeführt. welches für ver- 
schiedene Gitterspannungen die Wellenlänge als 
Funktion der Wandtemperatur angibt. Kapzov 
fand Barkhausen-Kurz -Schwingungen in einem 
Druckbereich von 3.107? bis 3.10—° mm Hg und bis 
herab zu 15 Volt Gitterspannung. Im Gegensatz zu 
Barkhausen und Kurz arbeitet er also unter- 
halb des Sättigungsstromes. 


Bei Vorhandensein von Hg-Dampf findet Kapzov 
eine kleinere Welle, als die Formel von Scheibe 
ergibt und erklärt diese Einwirkung des Gases durch 
Ionen, die größtenteils in unmittelbarer Nähe des 
Gitters gebildet werden, weil dort die Elektronen- 
geschwindigkeit am größten ist. In der Umgebung 
des Gitters bildet sich somit eine positive Raum- 
ladung. welche die Potentialverteilung zwischen den 
Flektroden beeinflußt und damit eine Einwirkung auf 
die Elektronenfrequenz gewinnt. 


c) Einfluß der Raumladung. 


Schon Barkhausen und Kurz (l. c.) weisen 
darauf hin, daß die Raumladung im Schwingungs- 
zustand der Führe vergrößert wird, weil sich die 
Zahl der im Gitter-Kathoderaum befindlichen Elek- 
tronen um die durch das Gitter zurückfliegenden ver- 
mehrt. und weil die Elektronen infolge ihrer Pendel- 
bewegung längere Zeit zwischen den Elektroden ver- 


70 H. E. Hollmann: 


— nn 


weilen. Experimentell weisen sie die erhöhte Raum- 
ladung vor der Kathode nach durch die Verflachung 
der Gitterstromcharakteristik, die eintritt, wenn die 
Anodenspannung von solchen positiven Werten, bei 
denen noch keine Schwingungen auftreten, nach nega- 
tiven Werten in den Bereich der Elektronenschwin- 
gungen geändert wird. 

Eine ähnliche Erscheinung beobachtete v. d. P 01°). 
In dem Bilde 13 ist eine von ihm aufgenommene 
Kurvenschar wiedergegeben, und zwar zeigt dieselbe 
den Emissionsstrom ĉa- îg als Funktion der Anoden- 
spannung Va für verschiedene Gitterspannungen Vg 


/ 
HH Br I/A 
HIT gi PHHH 
47 +7 PAT- Ar 
Bes mas 
en ASIAA A IAAF 
PØ DAAVAVAVAVA A! 


oo Pa -400 À +400 VOLT 
Bild 13. 
Erhöhung der Raumladung im Schwingungsbereich 
nach v. d, Pol. 
In dem Bereich Va = — 4,6 Vg bis Va = Vọ ist deut- 


lich das Absinken des Emissionsstromes unter den ge- 
strichelt angedeuteten Kurvenverlauf, wie er nach 
dem Bereich Vọ=0 zu erwarten ist, zu ersehen. 
Dieser Bereich deckt sich mit dem Gebiet, in dem 
Elektronenschwingungen auftreten. V. d. Pol ver- 
mutet, daß im Schwingungszustand der Emissions- 
strom von einer pulsierenden Raumladungswolke ge- 
regelt wird, eine Auffassung, die auch von Tank”) 
vertreten wird. Außerdem findet v. d. Pol ein perio- 
disches Auftreten von Elektronenschwingungen?®) mit 
zunehmender Gitterspannung und gibt als Ursache 
Labilitäten der Raumladung an. Experimentell wird 
seine Anschauung erhärtet durch das Auftreten von 
Mysteresisschleifen bei 
kennlinien, die auf eine verschiedene Verteilung der 
Raumladung schließen lassen. V. d. Pol ist der An- 
schauung, daß Schwingungen nur in Gebieten auf- 
treten können, welche durch Raumladungen gestört 
sind. Sobald indessen, wie bei Barkhausen- 
Kurz-Schwingungen, im Sättigungsbereich ge- 
arbeitet wird, ist diese Anschauung natürlich hinfällig. 

Aehnliche labile Verteilungszustände der Raum- 
ladung und ähnliche Hysteresisschleifen hat Gill) 
gefunden. Er untersuchte die Beziehung zwischen dem 
Anoden- und dem gesamten Emissionsstrom und 
fand einen Kurvenverlauf, wie ihn das Bild 14 wieder- 
gibt.- Gill erklärt das plötzliche Absinken bzw. An- 
steigen des Anodenstromes aus der durch die Raum- 
ladung verzerrten Potentialverteilung zwischen Gitter 
und Anode, wodurch ein Teil der durchs Gitter hin- 
durchtretenden Elektronen zur Umkehr gezwungen 
wird, bevor er die positive Anode erreicht hat. Die 


der Aufnahme von Röhren- 


—— 


von Gill theoretisch abgeleitete Kurve stimmt in 
ihrem Verlauf mit den experimentellen Kurven überein. 

Die Vorstellungen Kapzov’s (l. c.:35) von einer 
positiven, durch Gasionen verursachten Raumladung 
in unmittelbarer Nähe des Gitters wurde bereits er- 
wähnt; Kapzov berücksichtigt jedoch andererseits 
auch die negative Raumladung in der Umgebung des 
Glühfadens. Er gibt an, daß durch die negative 
Raumladung der Durchmesser des Glühfadens schein- 
bar vergrößert wird, und daß daher die Elektronen 
nicht bis unmittelbar an die Fadenoberfläche, sondern 
nur bis zum Potentialminimumzylinder hinfliegen. Dies 
kann in der Formel von Scheibe berücksichtigt 
werden, indem statt des Glühfadenradius der Radius 
des Potentialnullzylinders eingesetzt wird. Die von | 
Kapzov beobachteten: Erscheinungen, wie z. B. die 


en er 


in dem Bilde 12 angegebene Abhängigkeit der Wellen- 
länge von dem in der Röhre herrschenden Gasdruck, 
werden von Kapzov auf Grund der Theorie von 
Scheibe und der Wirkung sowohl der positiven 
wie der negativen Raumladung erklärt. 

Kapzov und Gwosdower“) geben eine 
mathematische Behandlung der Raumladung an, ins- 
besondere ihres Einflusses auf die Elektronenfrequenz 
und gelangen zu einer Korrektur der Scheibe schen 
Formel. Außerdem berücksichtigen sie die Austritts- 
geschwindigkeit der Elektronen aus dem Glühdraht. 
Bei der rechnerischen Behandlung des Problems sind 
sie allerdings auf Schätzungen angewiesen, erzielen 
jedoch eine größere Annäherung an die experimen- 
tellen Werte, als die Formel von Scheibe ergibt, 


l MA 4 
8 E37 YO Voli ; 
ta Anode 
6 Taane 
4 n z 
2 N 


2 y 6 8 10 122 4 16 
I,+1, 

Bild 14. 
Labilitäten der Raumladung nach Gill. 


und zwar nach längeren Wellen hin. Sie betonen 
jedoch, daß die negative Raumladung die Wellen- 
länge nicht unbedingt zu verlängern braucht, indem 
sie die Elektronengeschwindigkeit vermindert, sondern 
daß die Laufzeit der Elektronen auch verkürzt werden | 
kann, dadurch, daß die Potentialnullfläche vor “ 


F] 
| 


Anode näher an das Gitter herangerückt wird. 


d) Der Einfluß eines 
angekoppelten Schwingungskreises. 

Vergleicht man die Versuchsanordnungen der ver- 
schiedenen Autoren miteinander, so findet man, daß 
sie in ihrem elektrischen Aufbau, von wenigen Aus- 
nahmen abgesehen, vollkommen identisch sind: Sie 
lassen sich alle auf das Schema des Bildes 3a und b 
zurückführen. Diese Anordnung ist also unter den, 
verschiedensten Umständen geeignet, Schwingungen 
zu erregen, mag es sich um Rückkopplung, um Elek- 
tronenschwingungen oder um eine Strombahn mit, 
fallender Charakteristik — einen negativen Wider- 
stand — handeln. Ist im Bereich niedriger Frequenzen 


+ 


Zusammenfassender Bericht. Die Erzeugung kürzester elektrischer Wellen mit Elektronenröhren. 


eine Trennung der einzelnen Erregungsbereiche durch 
passende Wahl der Betriebsbedingungen ohne 
weiteres möglich, so treten im Bereich hoher Fre- 
quenzen dadurch, daß die Eigenwelle des Schwin- 
gungssystems in den Wellenbereich der Elektronen- 
schwingungen fällt, erhebliche Komplikationen auf. 
Daß, im Gegensatz zu der Theorie von Bark- 
hausen und Kurz und den Beobachtungen von 
Scheibe, eine Beeinflussung der Elektronen- 
frequenz durch ein äußeres Schwingungssystem statt- 
findet, ist von zahlreichen Forschern angegeben 
worden. Bereits, wenn zwei kurze Drähte als An- 
tennen mit Gitter und Anode verbunden sind, wie es 
der bereits besprochenen Anordnung von Nettle- 
ton (vgl. das Bild 10) entspricht, ist eine Beein- 
flussung der Wellenlänge selbst sowie ihrer Ab- 


Bild 15. 
Anordnung von Gill und Morrell. 


hängigkeit von den maßgebenden Faktoren beobachtet 


worden [Bo ck); Schaefer und Merz- 
kirch 1°); Kapzov!“); Wechsung*)]. Wurde 
mit solchen Antennen ein Lechersystem gekoppelt, 
so konnte daran, daß die Resonanzmaxima nicht fest- 
lagen, sondern beim Verschieben der Brücke „mit- 
geschleift“ wurden, noch ein Einfluß auf die Wellen- 
länge nachgewiesen werden [Schriever!‘2)]. 
Liegt dem Bild 3 u. 4 entsprechend, unmittelbar an 
den Röhrenelektroden ein geschlossenes Schwingungs- 
system, so ist die Beeinflussung der Elektronen- 
schwingungen naturgemäß am stärksten. 


Gill und Morell”) wiederholten die Versuche 
von Barkhausen-Kurz, und schlossen ebenfalls 
ein veränderliches Abstimmsystem an die Röhre an, 
wie es das Bild 15 schematisch darstellt. Zur Messung 
der Schwingungsenergie ist ein Thermoelement Th in 
die Brücke eingebaut und durch 2 Blockkondensatoren 
C und C’ gegen die Elektrodenpotentiale abgeriegelt. 
Die Wellenlänge wurde mittels eines getrennten 
Lechersystem gemessen. Im Gegensatz zu Bark- 
hausen und Kurz fanden Gill und Mor- 
rell, daß die Frequenz ihres Oszillators nicht 
nur von den Betriebsbedingungen und Röhren- 
abmessungen, sondern in starkem Maße von der Ab- 
stimmung des Schwingungssystems abhing, und sie 
geben der Meinung Ausdruck, daß die Schwingungs- 
ursache keinesfalls in den Elektronen allein zu suchen 
ist, sondern daß irgendein schwingungsfähiges System 
unerläßlich sei. Ein solches braucht nicht in Gestalt 
eines besonderen Schwingungskreises vorhanden zu 
sein, vielmehr können auch die Batteriezuleitungen 


„ und die Elektroden selbst unabhängige Schwingungs- 


Cai 
cY 


systeme bilden. 

Bei stetiger Steigerung der Gitterspannungen er- 
hielten Gill und Morrell periodische Intensitäts- 
maxima, deren Wellenlänge entsprechend den freien 
Schwingungen: des Paralleldrahtsystems abnahm, wie 


71 


———— un 


es aus dem Bilde 16 hervorgeht. Für zusammen- 
gehörige Werte von Vg, der Gitterspannung und 2 
fanden sie das Gesetz 2°. V= const. bestätigt; nur 
bei geringen Gitterspannungen, gegenüber denen das 
Spannungsgefälle des Heizfadens nicht mehr zu ver- 
nachlässigen war, traten Abweichungen auf. Außer- 
dem variierten sie das Anodenpotential von negativen 
nach positiven Werten hin und konnten jeweils durch 
Einregulieren der Gitterspannung und Heizung ein 
Maximum an Schwingungsenergie einstellen. Sie be- 
handelten die Vorgänge zunächst beim Anoden- 
potential Null und stellten eine Theorie auf, welche 
von der Voraussetzung einer Wechselspannung 
zwischen Gitter und Anode, und zwar hervorgerufen 
durch das äußere Schwingungssystem, ausgeht. Um 
festzustellen, ob Schwingungen auftreten, stellen sie 
die Energiebilanz auf für alle Elektronen, die dem 
Wechselfeld zwischen den Elektroden während einer 
Periode unterliegen. Für alle Frequenzwerte, die 
einer positiven Leistung entsprechen, sind Schwin- 
gungen unmöglich; von denen, die eine negative 
Leistung ergeben, erregt die Frequenz am leichtesten, 
deren Leistung ein Maximum aufweist. 


Später arbeiten Gill und Morrell) mit einer 
positiven Anode und finden, daß in diesem Fall ein 
durch Sekundärelektronen hervorgerufener negativer 
Widerstand die Ursache für die Erregung des Ab- 
stimmsystems in seiner Eigenwelle ist. 


z A= 586 457 366 307 262 cm 
0 16 2% 4 | 
2 20 a2 W% Volt 
Bild 16. 


Schwingungsbereiche nach Gill und Morrell. 


Die Vorstellungen von Gillund Morrell haben 
eine weitere Ausbildung erfahren durch die Theorie 
von Sahanek*), die nicht nur die Abhängigkeit der 
Wellenlänge von den einzelnen Faktoren, sondern 
auch die Bedingungen für den Schwingungseinsatz ge- 
nauer feststellt. Sahanek findet, daß, wenn auch 
die statische Charakteristik einer Dreielektrodenröhre 
eine steigende ist, die dynamische in einem bestimm- 
ten Frequenzbereich fallend werden kann, und daß 
ferner Schwingungen nur in Röhren auftreten, deren 
Gitter- und Anodenradien »”, und ra der Beziehung: 


20<!°< 5,0 
tg 


genügen, wobei jedoch zu beachten ist, daß durch die 
Raumladungen der scheinbare Durchmesser der Elek- 
troden geändert werden kann, wie es schon früher 
angedeutet wurde [Kapzow'!°®)]. 


Sahanek arbeitete mit Empfängerröhren, die 
obiger Bedingung genügten; das Gitter erhielt eine 
positive Spannung, die Anode war über einen Wider- 
stand von etwa 100000 Ohm mit dem Gitter ver- 
bunden und lud sich auf ein negatives Potential auf. 
An -Gitter und Anode einerseits und an Gitter und 
Kathode andererseits war ein kleiner Schwingungs- 


72 Ea H. E. Hollmann: 


nn. 


kreis mit veränderlichem Plattenkondensator ange- 
schlossen. Sahanek konnte durch Verstimmen des 
Anodenkreises die Wellenlänge in dem Bereich von 
90 und 113 cm variieren, während der Kathodenkreis 
nur auf die Schwingungsenergie einen Einfluß ausübte. 


Bild 17. 
Verschiedene Oszillatorschaltungen von Kapzov. 


Kapzovie®) vergleicht die verschiedenen im 
Bild 17 dargestellten Oszillatorschaltungen unterein- 
ander; wobei die Schaltung IV völlig der von 
Scheibe, Gillund Morrell u. a. benutzten An- 
ordnung entspricht. Er beobachtet in den einzelnen 


Acm 
737 
128 
125 © A,A, 20cm 
0 ©» n» 30" 
122 JS ı ” 43 ” 
119 on n Sn 
116 .n [7 60 „ 
113 nv » On 
Xu so 80 n 


74 
7 II a 

1 N 
68 N 

EB 
65 3 

RI 

62 JIe—ı 
s9 zen e, 


9, 40 50 60 70 80 90 %00 110 120 130 140 150 160 170 780 Čg 


Bild 18. 
Schwingungsbereiche nach Grechowa. 


Fällen eine verschiedene Beeinflussung der Frequenz 
durch die Länge ! der Abstimmdrähte derart, daß 
diese Abhängigkeit in Schaltung I nur gering, in 
Schaltung IV dagegen am stärksten war; hier fand 
Kapzov indessen die Angaben von Gill und 
Morrell, daß die Wellenlänge unabhängig von der 
Gitterspannung sei, nicht bestätigt. 


Anodenkreis ihres Zweiröhrengenerators die Wellen- 
länge stark beeinflußte; so konnte sie durch Verlänge- 
rung der Anodendrähte von 10 auf 45 cm die Wellen- 
länge von 50 auf 85 cm vergrößern. Der Gitterkreis 
beeinflußte die Wellenlänge nicht, doch trat das Maxi- 
mum der Schwingungsenergie bei Resonanz zwischen 
Gitter- und Anodenkreis auf. 


In einer späteren Arbeit untersuchte Gre- 
ch ow a) die Schwingungsbereiche und Wellenlängen 
als Funktion der Gitterspannung, indem sie dem 
äußeren Kreis verschiedene Abstimmungen gab. Das 
Ergebnis ihrer Messungen zeigt Bild 18. Dieses läßt 
jeweils verschiedene Schwingungsbereiche erkennen, 
deren Wellenlängen den Oberschwingungen des Hoch- 
frequenzsystems angenähert entsprechen. Die durch 
die Punkte maximaler Schwingungsenergie in den ein- 


Auch Grechowal) stellte fest, daB der | 


zelnen Bereichen gezogene, gestrichelte Kurve erfüllt 


C= 


Bild 19. 
Oszillator vonTank und Schiltknecht. 


die Bedingung 2°. V = const. Grechowa stellte die 
gleichen Untersuchungen auch mit einer einzigen 
Röhre an, ohne daß sich Abweichungen von ihrem 
Zweiröhrenoszillator ergaben. 

Tank und Schiltknecht*) benutzten die im 
Bild 19 dargestellte Anordnung, in der sowohl Gitter 
und Anode, als auch die Kathode mit je einem ab- 
stimmbaren Paralleldrahtsystem verbunden waren. 
Sie beobachteten ein periodisches Auftreten von 

50 


€ 
wr 
«in 
+5 
No 
200 
& 
95,7 
rs” 
0 
1001 - 100 


50 

Bild 20. 

Schwingungsbereiche nach Tank und Schiltknecht. 

Jp = Detektorstrom im Gitterkreis, l = Brückens'ellung im Gitter- 

kreis. Röhre Philips DH la. = 0, Eg = 40 Volt, Sättigungs- 
strom 10.0 MA. Ja: 1 Skalenteil = 0.00224 mA. 


Schwingungsbereichen, deren Frequenz sich linear mit 
der Länge des Abstimmsystems änderte, wëhrend der 
Frequenzbereich selbst immer derselbe bleibt. Als 
Beispiel ihrer Beobachtungen sei das Bild 20 ange- 
führt, das neben der Wellenlänge } auch den Anoden- 
strom la sowie den Gitterstrom /, als Funktion der 
Systemlänge zeigt. Die einzelnen Schwingungs- 
bereiche machen sich deutlich durch das plötzliche 
Auftreten eines Anodenstromes und ein entsprechen- 
des Absinken des Gitterstromes bemerkbar. Ersicht- 
lich handelt es sich bei den einzelnen Bereichen umj; 


Be gs 


RE a 


Zusammenfassender Bericht. Die Erzeugung kürzester elektrischer Wellen mit Elektronenröhren. 


eine mehrfache Erregung des Paralleldrahtsystems 
bzw. um ÖOberwellen desselben. 

Der Kathodenkreis, der mit dem Anodenkreis über 
die innere Röhrenkapazität gekoppelt ist, übt lediglich 
in Resonanznähe einen energieentziehenden Einfluß 
aus, ja, er vermag sogar die Schwingungen völlig 
auszulöschen. 

Wechsung!“) untersuchte Barkhausen- 
K urz-Schwingungen, wobei er zur Speisung der 
Elektroden Wechselspannungen benutzte. Eine Aende- 
rung der Wellenlänge trat hierdurch nicht ein, es 
wurden jedoch die Maxima auf dem Lecher system 
um so breiter, je höher die Speisefrequenz war. 
W echsung legte zwischen Gitter und Anode einen 
kleinen, variablen Kondensator, bei dessen Aenderung 
die Wellenlänge um 30% schwankte. 

Kohl“) beschreibt die Erzeugung von Wellen bis 
herunter zu 30 cm Länge. Die Frequenz seiner 
Schwingungen ist durch einen Schwingungskreis be- 
stimmt, der entweder aus den Elektrodenzuleitungen 
und den Elektroden selbst, oder aus einem im Inneren 
der Röhre untergebrachten Drahtbügel mit den Elek- 
troden als Kapazität gebildet wird. Erregt wird dieser 
Schwingungskreis auf zwei verschiedene Weisen: 
Erstens in der „Anodenschaltung“, in welcher die 
Anode das positive Potential hat, und zweitens in der 
„Gütterschaltung“, bei welcher das hohe positive 
Potential am Gitter liegt. Im letzten Fall scheint es 
sich um einen den Barkhausen-Kurz-Schwin- 
gungen analogen Schwingungsvorgang zu handeln, 
wie aus der von Kohl angegebenen Spannungs- 
abhängigkeit der Wellenlänge hervorgeht. Die Wir- 
kung der Anodenschaltung führt er auf einen durch 
die Elektronenbewegung verursachten negativen 
Widerstand zurück. 


2. Das gleichzeitige Auftreten von 
Barkhausen-Kurz- und Gill- und 
Morrell-Schwingungen. 


Die bisher angeführten Untersuchungen lassen 
deutlich erkennen, daß der Schwingungsmechanismus 
nach Barkhausen und Kurz noch keineswegs 
klargestellt ist; insbesondere, was den Einfluß und 
die Rolle des äußeren Schwingungssystems bei der 
Schwingungserzeugung angeht, gehen die Beobach- 
tungen und Meinungen der verschiedenen Autoren 
auseinander. 

Der erste, welcher zum Ausdruck brachte, daß ein 
an die Röhre angeschlosseness Schwingungssystem 
der Vorgang der Elektronenschwingungen nach 
Barkhausen-Kurz entscheidend zu beein- 
flussen vermag, war Tank!“ ’”). Er gibt an, daß ein 
Barkhausen-Kurzscher Sender, an den ein äußerer 
Schwingungskreis angeschlossen wird, alle charakte- 
ristischen Merkmale eines Koppelsystems mit Selbst- 
erregung (,les signes characteristiques dun système 


= couplé à autoexcitation“), wie z. B. Spring- und Zieh- 


Schwingungen nach Barkhausen-Kurz, 
‚ durch gekennzeichnet, daß die Frequenz durch die 


erscheinungen aufweist, und daß auch die Frequenz 
beeinflußt wird. 

Kapzov und Gwosdower!:*®) fanden, daß 
da- 


Betriebsverhältnisse und KRöhrendimensionen fest- 
ist, und solche nach Gill und Morrell, 


73 


benutzten ebenfalls ein veränderliches Paralleldraht- 


system in Verbindung mit der Schwingröhre und 
variiert für verschiedene Abstimmungen das Gitter- 
potential; dabei ergaben sich Frequenzkurven, wie 
sie das Bild 21 wiedergibt. Die Kurven lassen deut- 
lich zwei verschiedene Formen von Schwingungen 
erkennen und zwar bei niedrigen Gitterspannungen 


Acm ' 


w 
“oo 60 20. 100122. 10 100. 199 200 EIN 
Röhr, a" 


e 42. Ea"0 
Je L Je 
in: 30mA $ 73cm zomA MA berechnet 
O27» 20» Ô Wun 20v» 
© 9» 20n» S jn 20» 
Bild 21. 
Barkhausen-Kurz- und Gill- und Morrell- 


Schwingung nach Kapzov und Gwosdower. 


solche, deren Welle von der Spannung nahezu un- 
abhängig ist, dafür aber durch das Schwingungs- 
system geändert wird, also Schwingungen nach Gill 
und Morrell, und im Bereich höherer Git!er- 
spannungen solche, deren Frequenz allein durch die 
Röhrenspannungen gegeben ist, ohne daß das äußere 
System einen nennenswerten E.nfluß ausübt. Diese 
Schwingungen sind also reine Elektronenschwin- 
gungen nach Barkhausen-Kurz, was auch 
durch die qualitative Uebereinstimmung ihres Kurven- 
verlaufs mit der nach Scheibe (mit S bezeichneten) 
und nach Kapzov und Gwosdower errechneten 
Kurve (R) erwiesen wird. 

Die gleichen Erscheinungen beobachtete Holl- 
mann’). Er variierte die Abstimmung des äuß:ren 
Schwingungssystems und hielt jeweils die Betriebs- 
bedingungen konstant. Dabei ergaben sich Kurven- 
scharen, von denen eine charakteristische in Bild 22 
dargestellt ist. Hier heben sich die beiden Bereiche 
der Barkhausen-Kurz- und der Gill- und 
Morrell-Schwingungen noch deutlicher vonein- 
ander ab. So zeigen die Frequenzkurven in den Be- 
reichen „4“, den Barkhausen-K urz - Bereichen. 
einen nahezu linearen und horizontalen Verlauf, ver- 
lagern sich aber mit den Spannungen. In den „B"- 
Bereichen folgt die Frequenz exakt der Eigenwelle 
des Abstimmungssystems, ohne daß innerhalb der 
Meßgenauigkeit ein Einfluß der Spannungen zu er- 
kennen ist. Das mehrfache Auftreten der ver- 
schiedenen Bereiche ist einer Erregung des Parallel- 


‚gelegt 
drahtsystems in Oberwellen zuzuschreiben, wie es 


' deren Frequenz nur das äußere System bestimmt, in 
bereits Tank und Schiltknecht!°*) beobachtet 


‚ein und derselben Anordnung auftreten können. Sie 


‚hat. Für Lo 


74 


haben. Die von diesen beiden Autoren angegebenen 
Wellenkurven (vgl. Bild 20) dürften daher mit den 
von Hollmann gefundenen „B“-Bereichen identisch 
sein, während vermutlich in den „A“-Bereichen die 
Schwingungsenergie zu gering war, als daß Tank 
und Schiltknecht sie nachweisen konnten. Be- 
sondere Beachtung verdient der Umstand, daß 
Hollmann nur bei der jeweiligen höheren Ab- 
stimmung ein plötzliches Auftreten der Gill- und 
Morrel-Schwingungen feststellt, wobei, wie Mes- 
sungen auf dem Lechersystem beweisen, in einem 
geringen Bereich beide Schwingungen nebeneinander 
bestehen können. lm Gegensatz dazu findet nach 
tieferen Abstimmungen zu der Frequenzübergang 
stetig statt, so daß sich alle Frequenzen zwischen 
den „reinen“ Barkhausen-Kurz-Schwingungen 
und den „reinen“ Gill- und Morrell-Schwin- 
gungen herstellen lassen. Wurde die Dämpfung. des 
Abstimmsystems vergrößert, so verringerten sich die 
Bereiche der Gill- und Morrell- Schwingungen, 
bis sie bei genügend starker Dämpfung vollständig 
verschwanden. 


60 


Bild 22. 


Barkhausen-Kurz- und Gill- und Morrell- 
Schwingungen nach Hollmann. 


Hollmann erklärt die Gill- und Morrell- 
Schwingungen durch die Rückwirkung der an den 
Elektroden auftretenden Wechselspannungen auf den 
Bewegungsmechanismus - der Elektronen. Indem er 
der Gittergleichspannung £, eine Wechselspannung 
E, sinwt überlagert, erhält er unter denselben ver- 
einfachenden Voraussetzungen, wie sie Bark- 
hausen-Kurz getroffen haben, folgende Formel 
für die Wellenlänge: 


== 


1000 y Eg— Eo da 
„n 4E 
Eg— © 


9. 
er Agi 


worin da den Anodendurchmesser bezeichnet, wäh- 
rend das Gitter den halben Durchmesser der Anode 
= 0 geht die Formel in die von Bark- 
hausen und Kurz angegebene über (vgl. II 1a). 
Ferner ergibt sie, daß A mit zunehmendem £o kleiner 
wird, wie aus Bild 23 hervorgeht, in der für ein kon- 
stantes Æg von 500 Volt und einen Anodendurch- 


messer von 2 cm die für verschiedene Wechsel- 


H. E. Hollmann: Zusammenfassender Bericht. Die Erzeugung kürzester elektrischer Wellen mit‘Elektronenröhren. 


spannungsamplituden errechneten Wellenlängen in 


Kurvenform aufgetragen sind. Der plötzliche, bei 


einer bestimmten Abstimmung einsetzende Uebergang 


der Barkhausen-Kurz- in die Gill- und 


Morrell-Frequenz wird nach Hollmann durch 


einen Aufschaukelprozeß bewirkt, der sich jedoch, im 


E9500 Voit 


Bild 23. 


Abnahme der Wellenlänge mit zunehmender Wechsel- 
spannung an den Elektroden nach Hollmann. 


Gegensatz zu dem bekannten Aufschaukeln der 
Energie bei der Rückkopplung, auch auf die Frequenz 
erstreckt. Auch das allmähliche Abbiegen der Fre- 
quenzkurven von der in Bild 22 gestrichelt ein- 
gezeichneten Eichgeraden des Abstimmsystems findet 
unter Zugrundelegen dieses Aufschaukelvorgangs 
eine zwanglose Erklärung. 


Literaturverzeichnis zu Abschnitt Il, 1 und 2. 


19) C.R.Englund: Proc. Inst. Radio Eng. 15. S. 914. 1927. 

>) R. Whiddington: Radio-Rev. 1. S. 53. 1919 und 
Juni 1920. 

21) H. Barkhausen u. K. Kurz: Phys. ZS. 21. S. 1. 1920. 

2) R.Ettenreich: Verhdl. d. D. Phys. Ges. 1. S. 49. 1920. 

3) S.J.Zilitinkewitsch: Arch. f. El. 15. S. 470. 1926. 

>41) A. Scheibe: Ann. d. Phys. 73. S. 54. 1925. 

2) L. Bergmann: Ann. d. Phys. 67. S. 13. 1922, 

%) Cl. Schaefer und J. Merzkirch: ZS. f. Phys. 13. 

S. 173. 1923. 

7) Ci. Schaefer und K. Wilmsen: ZS. f. Phys. 24. 
S. 345. 1924. 


38) O. Schriever: Ann. d. Phys. 63. S. 645. 1920. 
23) W. 1. Romanoff: Phys. ZS. 28. S. 777. 1927. 
3) R. Bock: ZS. f. Phys. 31. S. 534. 1925. 

3) W. Heim: Jahrb. d. drahtl. Tel. 30. S. 160. 1927. 


32) L, L. Nettleton: Proc. Nat. Acad. Amer. 8. S. 353. 
1922. Referat: Jahrb. d. drahtl. Tel. 21. S. 359. 1923. 

3) M. E. Pierret: Compt. rend. 1925. 184. 

3) M. T. Grechowa: ZS. f. Phys. 35. S. 50 u. 59. 1926. 

35) N. Kapzov: ZS. f. Phys. 35. S. 129. 1925. 


3) B v. d. Pol: Physica 5. S. 1. 1925. 

3) F. Tank: Arch. de Genève 6. S. 420. 1924. 

3) B. v, d. Pol: Jahrb. d. drahıl. Tel. 25. S. 121. 1925. 

3) B. Gill: Phil. Mag. 49. S. 993. 1925. 

4) N. Kapzov und S. Gwosdower: ZS. f. Phys. 45. 
S. 114. 1927. 

a) W, Wechsung: Jahrb. d. drahtl. Tel. 32. S. 58. 1928. 

2) E. W. B Gill und J. H. Morell: Phil. Mag, 44. 

S. 161. 1922, Referat: Jahrb. d. drahtl. Tel. 1923. 3 33. 

8) E. W. B. Gill und J. H. Morell: Phil. Mag. 49, 
5.369. 1925. Referat: Jahrb. d drahtl.Tel. 27. S. 54. 1926. 

4) J. Sahanek: Phys. ZS. 26. S. 368. 1925. 

5), M. T. Grechowa: ZS. f. Phys. 388. S. 628. 1926. 

46) F, Tank u. E. Schiltknecht: Helv. Phys. Acta 1. 
S. 100. 1928. 

7) K. Kohl: Ann. d. Phys. 85. S. 1. 1928. 

8) H. E. Hollmann: Ann. d. Phys. 86. S. 129. 1928. ' 


(Schluß folgt.) 


| 
| 
| 
; 
| 
| 


| 


dT Ma As Á= a ada" Dan 


j 


F =n 


/ 


Be ai 


. klemmen angebracht. 


Mitteilungen aus der Praxis. Zwischenstecker für indirekt beheizte Wechselstromröhren. 


15 


Mitteilungen aus der Praxis. 
Kraft-Verstärkerröhre RE 604. 


Von Telefunken, Berlin. 


Für die Endstufe von Kraftverstärkern größerer 
Leistung, wie sie z. B. für Saallautsprecher und vor 
allem für elektrisch verstärkte Schallplatten-Wieder- 
gabe benötigt werden, fanden bisher meist kleine 
Senderöhren, z. B. die Telefunken-Röhre RV 218, 
Verwendung. Diese Röhre liefert zwar eine maximale 
Endleistung von 3,5 Watt, beansprucht jedoch auch eine 
erhebliche Heizleistung (7,5 V-1,1 A = 8,25 W) und ist 
erheblich teurer!) als die gewöhnlichen Endverstärker- 
röhren. _ 

Für viele Verwendungszwecke der Praxis und der 
wissenschaftlichen Laboratorien wird es daher will- 
kommen sein, daß Telefunken eine neue Kraft- 
verstärkerröhre mit Europasockel unter der Bezeich- 
nung RE 604 herstellt?), deren Kennlinien Bild 1 zeigt 
und die folgende Eigenschaften aufweist: 


Heizstromverbrauch . 0,65 A 
Heizspannung . 3,8—4 V 
Anodenspannung . max 200 V 
Emission . 200 mA 


l a) Preis 50 RM. 
2) Preis 25 RM. 


Steilheit . . . 2 . . . . 3,5 mA/V 
Durchgriff . . 2 2 2 020% 
Innerer Widerstand . . 


Die Röhre erfordert somit noch nicht 1/3 der Heiz- 
leistung der RV 218 und liefert bis zu 2,5 Watt unver. 
zerrte Ausgangsenergie. 


| Zwischenstecker 
für indirekt beheizte Wechselstromröhren. 


Von Telefunken, Berlin. 


Die indirekt beheizten Wechselstrom-Röhren sind 
jetzt so zuverlässig und störungsfrei, daß vielfach der 
Wunsch besteht, vorhandene Empfänger und Ver- 
stärker für den Betrieb aus dem Lichtnetz mit indirekt 
beheizten Röhren umzustellen. Dazu war bisher meisi 
ein erheblicher Umbau notwendig. Abgesehen davon, 
daß die Heizleitungen innerhalb der normalen Emp- 
fänger für die stärkeren Ströme der Netzheizröhre zu 
schwach sind, muß auch die Kathodenleitung (5. An- 
schluß der Röhre) getrennt von den Heizleitungen ge- 
zogen werden. Diese Schwierigkeiten beseitigt der 
von Telefunken herausgegebene Zwischenstecker 
(Type „BW“)'!), der es gestattet, ohne irgendeinen 
Eingriff in die Schaltung des Gerätes indirekt be- 
heizte Wechselströme in einem normalen Empfänger 
zu verwenden. 


Bild 1 zeigt eine Ansicht, Bild 2 das Schaltschema 
dieses Zwischensteckers. Er besitzt unten die 4 Steck- 
stifte, die in den Europa-Röhrensockel passen, und 
oben die 5 Steckbuchsen zum Aufnehmen der Netz- 
heizröhre. Außerdem sind noch seitlich zwei Schraub- 
Wie das Schema von Bild 2 
zeigt, werden durch Einsetzen des Steckers die bis- 


 herigen beiden. Heiz-Leitungen innerhalb des Emp- 


* fängers kurzgeschlossen. 
1) Preis 1,60 RM. 


Zu dieser Verbin- 


dung führt der Mittelstecker-der Wecliselstromröhıre, 
also die Leitung zu der emittierenden Schicht. Da 
innerhalb eines jeden Empfängers der negative Pol 


der Anodenleitung mit der einen Heizleitung ver- 
bunden ist, erhält somit die emittierende Schicht An- 
schluß an den Minus-Pol der Anodenbatterie. 


Die fleizanschlüsse der Wechselstromröhre führen 
zu den beiden Seitenklemmen. Diese Seitenklemmen 
werden, wie Bild 3 zeigt, unter Parallelschaltung der 
einzelnen Röhren durch zwei neue Heizleitungen an 


76 


den Netztransiorınator angeschlossen; ferner sind die 
(jetzt kurzgeschlossenen) beiden alten Heizleitungen c 
(also die sonst zum Heizakkumulator geführten 
Apparateanschlüsse) gemeinsam mit einem Transfor- 
natorpol zu verbinden. Dabei werden die Leitungen 
längs der Zwischenstecker blanke oder mit Rüsch- 
rohr isolierte Kupferdrähte von 1,5 mm Durchmesser 
benutzt, als Zuleitung zum Netztransformator da- 


gegen gummiisolierte, verdrillte Starkstromlitze. Man 


Bild 3. 


achte darauf, daß nirgends eine Berührung von 
blanken Stellen der Heizleitung mit Empfängerteilen 
eintreten kann. Die Heizwiderstände werden voll- 
kommen aufgedreht. 

Für viele Fälle — insbesondere bei Benutzung 
einer normaler Röhre für die Endstufe — ist es 
zweckmäßiger, wie Bild 4 zeigt, parallel zu den Aus- 
gangsklemmen des Netztransiormators b ein Poten- 
tiometer zu legen und die Leitungen c anstatt an eine 


REN 1104 
ZEN 1004 REN 1004 


Referate. 


— eu 


Transformatorklemme an den Schleifer des Poten- 
tiometers zu legen. Man stellt dann die günstigste 
Potentiometerstellung einmalig fest. 


Mat der Netztransformator einen Mittelabgriff, so 
werden die vereinigten Leitungen c an diesen Mittel- 
anschluß gelegt. 

Das Bild 5 zeigt im Schaltschema einen so ge- 
änderten Empfänger. Da man bekanntlich für die 
letzte Lautsprecher-Röhre bei Netzheizung auch eine 
normale Röhre (z. B. RE 134 oder die neue RE 124) 
benutzen kann, so ist es günstig, daß auch hierfür 


— wie Bild 5 zeigt — der Zwischenstecker ohne 
weiteres brauchbar ist. Die 5. Steckbuchse bleibt 
dann unbenutzt. 


Es werden auch auf Wunsch gleich nach Art der 
B.W.-Stecker gesockelte Röhren — also mit 2 Seiten- 
klemmen für die Heizleitungen geliefert. Sie 
tragen hinter ihrer normalen Typenbezeichnung den 
Zusatz „w“. | 


RE 134 
RE 124 


. Referate. 


G. Marconi. Drahtlose Telegraphie. 
(Radio Communication. (Proc. Inst. Radio 
Eng. 16, S. 40—69, 1928. Vortrag vor dem Am. Inst. 
El. Eng. und dem Inst. of Radio Eng. am 17. Okt. 1927. 


Der Vortrag behandelt im wesentlichen die Tele- 
graphie mit kurzen Wellen. In einem einleitenden Teil 
wird Geschichtliches über die Entwicklung der Kurz- 
wellen-Telegraphie in- und außerhalb der Marconi- 
Gesellschaft mitgeteilt. 

Eine wichtige Stufe in dieser Entwicklung und ein 
schlagender Beweis für die praktische Brauchbarkeit 
dieser Entwicklungsrichtung war die Verbindung des 


britischen Mutterlandes mit den Dominien Kanada, 
Südafrika, Indien und Australien durch Reflektor- 
stationen. Das englische Postministerium hatte 
folgende Bedingungen gestellt: 1. Im Sender sollten 
20 kW an die Anoden der Röhren in den Röhren- 
generatoren geliefert werden, 2. die gerichteten An- 
tennen sollten die Wellen so konzentrieren, daß die 
Energie, die außerhalb eines Winkels von 15° zu 
beiden Seiten der Reflektorachse . ausgestrahlt wird, 
5% der in der Richtung der Achse ausgestrahlten 
Energie nicht übersteigt. Entsprechendes sollte auch 
von dem Reflektor - System des Empfängers gelten. 


wo mm M -a a oe 


3. Beim Verkehr mit Kanada sollten gleichzeitig ge- 
sandt und empfangen werden pro Minute 100 Worte 
zu 5 Buchstaben und zwar im Mittel während täglich 
18 Stunden. Von dem Verkehr nach Südafrika bzw. 
Indien bzw. Australien wurde dasselbe verlangt, aber 
nur während 11 bzw. 12 bzw. 7 Stunden täglich. Bei 
den Abnahmeversuchen hat sich gezeigt, daß im Ver- 
kehr mit Australien, Südafrika und Indien ein Schnell- 
betrieb während mehr als 20 Stunden täglicn möglich 
ist und daß das Strahlenbündel viel enger ist, als es 
in der oben genannten Bestimmung festgelegt war. 


A B 
Ungerichtele Antenne fefleAutor von 
sm Sender vnd 70 wellenlöngen 

Empfänger Offnung im Sender 
Maı.Lavisiösrke=1| | u Empfänger 


95 


Max, Lauksiarke = 


do 


/ 
8 


Bild 1. 


Bei allen diesen Stationen besteht die Richtanteune 
aus einer Reihe von Antennendrähten in einer Ver- 
tikalebene und einer ebensolchen Reihe von Reflektor- 
drähten. Der Australien-Sender besitzt bekanntlich 2 
Antennensysteme, je eines auf jeder Seite des Reflek- 
torsystems, so daß die Wellen je nach Wunsch in der 
einen oder anderen Richtung auf dem Großkreis nach 
Australien gesandt werden können. Dem lag die 
Beobachtung zugrunde, daß während des Morgens in 
England die Wellen vorzugsweise in westlicher Rich- 
tung über den Atlantischen Ozean längs des Groß- 


kreises auf die in dieser Richtungg 14000 Meilen - 


vroßen Entfernung sich ausbreiteten, während sie 
nachmittags und während eines Teils der Nacht vor- 
zugsweise den östlichen Weg von 10000 Meilen über 
Furopa und Asien nehmen. 

Die Wellenlängen sind für Kanada 16,574 und 
32,397 m, für Australien 25 906 m, für Südafrika 16,146 
und 34,013 m, für Indien 16,216 und 34,168 m. 

Was durch die gerichtete Aussendung und den gc- 


` richteten Empfang der Wellen gewonnen wird, hat 


= Marconi durch die Bilder 1 und 2 illustriert. 


© Empfänger ist ihre bemerkenswerte Unempfindlichkeit - 


p 


- Störungen kein 


f 


Ein besonderer Vorteil der gerichteten Kurzwellen- 


gegen atmosphärische Störungen. Marconi ist der 


< Ansicht, daß bei solchen Stationen die atmosphärischen 


ernstes Hindernis für Schnell- 


telegraphie mehr bilden. 


Die Wirkung der Schwunderscheinungen wird 


r durch den Gebrauch der Reflektoren stark verringert, 


“ hauptsächlich deshalb, weil die Zeichen im Mittel er- 


Referate. 


77 
heblich stärker sind und infolge davon auch bei 
schlimmen  Schwunderscheinungen noch lesbar 
bleiben. 


Bei weitem am stärksten sind die Schwunderschei- 
nungen beim Verkehr zwischen Kanada und England. 
Es kommt öfters vor, daß zu Zeiten, in denen der 
kanadische Verkehr wegen Schwunderscheinungen 
ausfällt. die anderen Verbindungen mit Australien, 
Indien und Südafrika mit unverminderter Intensität 
weitergehen. Beobachtet wurde, daß schlimme 
Schwunderscheinungen im allgemeinen zusammen- 
jallen mit dem Auftreten von großen Sonnenflecken 
und starkem Nordlicht. Während solcher Zeiten ging 


öfter der Verkehr mit einer kürzeren Welle als der 


normalen besser, z. B. besser mit der Wellenlänge 
von 16 m, als mit der normalen von 26 m. 


Allgemein bekannt ist, daß sehr kurze Wellen 
von 16 m und darunter auf große Entfernungen bei 
Tageslicht und im Sommer besser empfangen werden. 
als während des Winters oder bei Nacht. 

Bezüglich der toten Zone ist bekannt, daß Wellen- 
längen von ca. 15 m mit größerer Stärke und Regel- 
mäßigkeit auf eine Entfernung von 5000 Meilen auf- 
genommen werden können, als auf eine Entfernung 
von wenigen 100 Meilen. Dagegen fand Marconi 
bei den Versuchen mit seiner Yacht niemals Zonen. 
in denen die Zeichen vollkommen verschwanden, wohl 
aber solche, in denen die Zeichen schwach und un- 
regelmäßig, ähnlich wie während Schwunderscheinun- 
gen waren. Es schien, daß in diesem Falle aucl 
immer eine Richtungsbestimmung durch die Peilgeräte 
unmöglich war. 


Ungerichtlete Antenne „ 
RESTE NER Reflektor von 2 Wellenlängen Dfnung 


en ae = 2 Weljenlängenöffnung 


Ele A 


E ner ie 
Für gleiche Feld- für gleichsiarke lej- 
Stärken in chen beim Gebrauch 
Punkt Ohnlicher Antennen 
| in Sender u EMP ang r 
TRIER 10880 210000 


Bild 2. 


Als Vorteile der kurzen Wellen vor den Jangen 
führt Marconi zusammenfassend folgendes. an: 


1. Nach den Gesichtspunkten bei der Internatio- 
nalen Radiotelegraphischen Konferenz in Washington 
können in dem Band von 5000—30 000 m Wellenlänge 
90 Stationen untergebracht werden, in dem Kurz- 
wellen-Band zwischen 5 und 100 m 3700. 

2. Tatsächlich können diese Zahlen für die Kurz- 
wellen-Sender noch erhöht werden, da bei ihnen dic 
Möglichkeit der gerichteten Aussendung und des ge- 


78 Referate. 


= meae a En mm LI I nn a 


richteten Empfanges vorliegt und die gegenseitige 
Störung deshalb viel geringer als bei Stationen ohne 
Richtwirkung ist. 

3. Viel größere Telegraphiergeschwindigkeit bei 
kurzen Wellen. 

4. Bei Kabeln sind die Kosten proportional der Ent- 
fernung, bei Kurzwellen-Stationen trifft dies durchaus 
nicht zu. Die Anlagekosten für die Kurzwellen-Station 
England und Australien auf eine Entfernung von 
10000 Meilen waren kleiner, als für die Station Eng- 
land-Kanada für eine Entfernung von 2500 Meilen. 

Marconi betont mit größtem Nachdruck den 
außerordentlichen Vorteil, der seiner Meinung nach in 


dem gerichteten Senden und Empfangen und der da- ` 


durch bedingten ungeheuren Energie-Ersparnis liegt. 
Nach seiner Ansicht lassen sich die verhältnismäßig 
großen Energien, die man zur Betätigung der 
Schreiber für Schnelltelegraphie braucht, kaum auf 
irgendwelche andere Weise durch die atmosphäri- 
schen Störungen und die Schwunderscheinungen hin- 
durch aufrecht erhalten. Es gibt Bedingungen, unter 
denen die Verwendung von Reflektoren geringere 
Vorteile bietet. Diese Bedingungen scheinen regel- 
mäßig in der toten Zone und außerdem auf alle Ent- 
fernungen zu Zeiten von Schwunderscheinungen vor- 
zuliegen. Beobachtet man also auf eine Entfernung 
die in der toten Zone der betreffenden Wellenlänge 
liegt, so kann man den Eindruck erhalten, als ob die 
Reflektoren sehr wenig nützten, ein Schluß, der viel- 
fach gezogen wurde. Auch die Tatsache, daß ınan un- 
ter Umständen außerhalb des ‚Strahls“ empfangen 
kann, spricht nicht gegen die Wichtigkeit der gerichte- 
ten Aussendung. Solche Beobachtungen mögen ihren 
Grund in extremer Empfindlichkeit des Empfängers 
oder auch in besonderen atmosphärischen Bedingungen 
haben. Man wird diese Streustrahlung um so mehr 
reduzieren können, je größer man die Dimension der 
Reflektoren und die Zahl ihrer Drähte macht. 
J. Zenneck. 


E. ©. Hulburt. Tonisationin der oberen 
Erdatmosphäre. (lonisation in the upper atmo- 
sphere of the earth.) (Phys. Rev. 31, 1018-1037, 1928.) 

Der Verfasser stellt zuerst die Erfahrungen zu- 
sammen, die man bisher mit der Ausbreitung der 
Wellen in der drahtlosen Telegraphie gemacht hat. 


Bezüglich der toten Zone ergeben sich aus den 


bisherigen Beobachtungen für die nördliche gemäßigte 
Zone an Sommermittagen die Werte: 


Wellentänge: 16 21 32 40m 
Tote Zone an Sommermittagen: 1000 600 300 200 Meilen 
Tote Zone an Wintermittagen: 1350 730 400 200 Meilen 


Die Aenderung der toten Zone mit der Tageszeit 
ist dem nebenstehenden Bild dargestellt und zwar gilt 
Kurve 1 für Sommer, Kurve 2 für Winter. Die Ordi- 
naten sind relative Werte. Der Verlauf der Kurven ist 
ungefähr derselbe für alle Wellenlängen unter 40 m. 
Die Grenzwellenlänge, mit der man eben noch einen 


zuverlässigen Verkehr auf große Entfernungen her-. 


stellen kann, ist 10,5 m für Sommer-Mittag, 17 m für 
Sommer-Mitternacht, 14 m für Winter-Mittag und 
23 m für Winter-Mitternacht, wobei diese Werte 
natürlich nur als Mittelwerte zu betrachten sind. 

Die bisherigen Berechnungen der äquivalen- 
ten Höhe ı der „reflektierenden“ 
Schicht ergeben folgendes: 


Breit und Tuve, Sommer- und Herbstnach: 
(Washington D. C.). 1=70 m, k = 90—220 km. 

Appleton und Barnet, Juninacht in England. 
1=400 m, h = 100—130 km. 

Appleton, Winternacht in England, A = 400 m. 
h = 300—400 km. 

Heising, Winternacht in New-York, } = 57 uu 
111 m, k = 250—630 km. 

Hollingworth, Sommertag in England, } = 
6000 und 14 000 m, k =75 km. 

a Wintertag!) in England, i= | 
6000 und 14000 m, k = 90 km. 

Taylor und Hulburt, Tagesmittel über das 
ganze Jahr, à = 40 m, e = 120—240 km. 

Der Hauptzweck der Abhandlung ist der, folgende , 
Eigenschaften der oberen Atmosphäre bzw. Vorgänge | 


in derselben einer kritischen Untersuchung zu unter- | 
ziehen: 


72 ee 9 2 2J 
Mittag Abend Mitternacht 


6 3 
Morgen 


1. Die Druckverteilung, 2. das Verschwinden der 
freien Elektronen, und zwar durclı Diffusion, ins- 
besondere in dem magnetischen Feld der Erde, Re- 
kombination der Elektronen und lonen, Vereinigung 
der Elektronen mit neutralen Molekülen, 3. Ionisatioı 
durch das ultraviolette Licht der Sonne. Hulburt 
kommt zu dem Schluß, daß an Sommertagen, unab- 
hängig von der Intensität der Sonnenstrahlung, ein 
Maximum der Elektronenkonzentration in einer Höhe 
von 190 km liegen müsse. 

Allgemein ist sein Resultat, daß die bisher bekann- ; 
ten Tatsachen der drahtlosen Telegraphie erklärbar | 
sind, wenn man in der Höhe von 100 km 10* Elek- 
tronen/cm? (oder 10° Ionen/cm?), in der Höhe von 
150 km 5.10! Elektronen/cm? (bzw. 10°—10%° Ionen}. 
cm®), in der Höhe von 190 km 3.10° Elektronen/cn’) 
annimmt. Für die Erzeugung dieser Elektroneı-| | 
konzentration ist aber das ultraviolette Licht der; 
Sonne durchaus hinreichend. Man hat also nich! 
nötig, andere Ursachen anzunehmen. l 

J. Zenneck. |; 


E. O. Hulburt. Der Ursprung des Nord-|: 
lichtes. (On the origin of the Aurora borealis.! ; 
Phys. Rev. 31, 1038—1039, 1928. 


1) Bei Nacht 10—20 km höher. 


77 =s 


Referate. 


Nacl der üblichen Auffassung ist das Nordlicht 


- hervorgerufen durch Träger (a- und 8-Strahlen), die 
` von der Sonne emittiert und durch das magnetische 


. Feld auf die Polarregionen konzentriert werden. Auf 
“ Grund seiner vorstehenden Untersuchung kommt der 


. Verfasser zu der Vorstellung, 
"violette Strahlung der Sonne 


daß die ultra- 
in den oberen 


Schichten der Atmosphäre, und zwar ganz ungefähr 
© in der Höhe von 200 km Elektronen und Ionen bildet, 


= das Nordlicht liefern. 


die längs der magnetischen Kraftlinien die Erde dif- 
fundieren, sich wiedervereinigen und die Energie für 
J. Zenneck. 


J. Hollingworth. Die Polarisation 


' Wellen in der drahtlosen Telegraphie. 
- (The polarisation of radio waves.) Proc. Roy. Soc. 
- A 119, 444—464, 1928. 


Die Messungen wurden in England (Slough) mit 
dem Langwellensender der Station St. Assise bei 


- Paris (A = 14350 m) gemacht. 


- Men Me 


1. Der Aufnahmeapparat bestand aus zwei 
vertikalen Rahmenantennen von 1,6 X 1,6 m? mit je 
54 Windungen. Die Ebenen dieser beiden Rahmen 
sind senkrecht zueinander und können zusammen um 


. eine vertikale Achse gedreht werden. Jeder der beiden 


Rahmen ist verbunden mit einer der beiden zuein- 
ander senkrechten Spulen eines Radiogoniometers, die 


‚ beiden Stromkreise sind auf die Empfangswelle ab- 


gestimmt. Die bewegliche Spule des Radiogonio- 


meters befindet sich ebenfalls in einem abgestimmten 


. Stromkreis, an dessen Kondensator Gitter und Ka- 


thode der ersten Verstärkerröhre eines Mehrfach- 
Verstärkers liegt. Der Anodenkreis der letzten Ver- 


- stärkerröhre wirkt auf den Kristalldetektor mit einem 


‚ die Größe der EMK, die 
= antennen induziert werden, zu messen. 


Saitengalvanometer mit Mikroskop-Ablesung. 


Bild 1. 


Wenn die Anordnung geeicht ist, so gestattet sic 
in den beiden Rahmen- 
Man kanı 


, damit auch den Phasenwinkel zwischen diesen beiden 
, EMK bestimmen auf Grund der folgenden Ueberlegung. 
* Sind die EMK in den beiden Rahmen gleichphasig, so 
` sind es, wenn ihre beiden Stromkreise auf die Emp- 


fangswelle abgestimmt sind, auch die Ströme in den- 


“ selben und in den eingeschalteten Radiogoniometer- 


Spulen. Das resultierende Feld zwischen denselben 


ist dann ein reines Wechselfeld; bei Drehung der be- 
“ weglichen Spule erhält man für eine bestimmte Stel- 


lung ein scharfes Minimum. Wenn dagegen eine 
Phasenverschiebung zwischen den beiden EMK be- 


der ` 


79 


stelt, so bekommt bei Abstimmung der beiden Strom- 
kreise das Feld zwischen den Radiogoniometer-Spulen 
eine Drehfeldkomponente. Infolge davon liefert die 
Drehung der beweglichen Spule bei keiner Stellung 
cin scharfes Minimum. Verstimmt man jetzt aber 
einen der beiden Kreise, so erhält der Strom in dem- 
selben eine Phasenverschiebung gegen die EMK. Man 


j Spule A 


‚» Spule B 


FR 


-S 7500- 5 
~ ’ 
W g 0-0 
2 PR ; l 
S 100d- o 
x 7 À De 
N yg 
a ot g o: 
50d- 
olası 
2000 2700 220 
Zeit (Greenwich) 


Bild 2. 


kann also durch richtige Wahl der Verstimmung die 
zwischen den beiden EMK bestehende Phasen- 
verschiebung kompensieren, die Ströme gleichphasig 
machen und wieder ein scharfes Minimum herstellen. 
Aus den Konstanten des Stromkreises und der Größe 
der nötigen Verstimmung läßt sich die Phasen- 
verschiebung zwischen den beiden EMK leicht ab- 
leiten. 


2. Meßmethode. Die beiden zueinander senk- 
rechten Rahmen werden so aufgestellt, daß ihre 
Ebenen mit der Richtung Sender-Empfänger einen 
Winkei von 45° bilden. Es wird angenommen, daß die 
Richtung, unter der die Luftwelle den Erdboden trifft, 
mit dieser den Winkel ö bildet, ferner, daß sie am 
Erdboden ohne Phasenänderung und Verringerung der 
Aınplitude reflektiert wird und daß sie geradlinig — 
also nicht elliptisch — polarisiert sei‘), endlich, und 
daß die Ebene ihres magnetischen Feldes gegen die 
normale, d. h. horiontale Ebene um den Winkel 3 ge- 
neigt ist. Wenn dann H, die Feldstärke der Boden- 
welle und k eine Apparatkonstante ist, so bestehen 
für die beiden EMK E, und E, die in den beiden 
Rahmen durch die Luft- und Bodenwelle induziert 
werden, die folgenden Vektor-Gleichungen 


y2-EK=H+2H’cosy-+2 Il’ sina sind (1) 
V2 -E K = Ho 4- 2H’ cosy — 2 H’ sin sin (2) 


1) Diese Annahmen werden durch spätere Versuche bestätigt. 


80 l nn Ei Referate. 


a EE E 


Mißt man E, und E. und hat man mit dem oben 
angegebenen Verfahren die Phasenverschiebung 
zwischen Æ, und E. bestimmt, so läßt sich das Drei- 
eck OBA (Bild 1) konstruieren, in dem die Vektoren 


0 A= v2- 5K, 0 B—=y? -Eo K 
und der X BOA = der Phasenverschiebung zwischen 
E, und E. ist. Ist C die Mitte zwischen A und B, so ist 
0C=H,+2H cosy CA=CB=2FHR' siny sin W. 


Der Vektor AB hat als Differenz der Vektoren OB und 
OA die Phase von H’ (vgl. die Gleichungen 1 und 2). 


Schlägt man also mit dem Radius H, einen Kreis um. 


0, der AB in den Punkten D und E schneidet, so ist 


Drehung der 
Ylarisahonsebene 
SL 
S 


vf wele 
o 


ofh 


Ta 
S 


Phasenverschieb 
zwischen Boden ul 
IN 


Ry 


 — am = 
-o e | D a 
-æ —— a | =e 


Reflexions - 
Coefficient 


2200 


S 


2130 
Z A / Greennich 1) 
Bild 3. 


entweder CD oder CE =2 H’.cosn (ob CD oder CE, 
muß durch eine besondere Ueberlegung ermittelt 
werden). Man erhält aus dem Dreieck also alle ge- 
suchten Größen. 

3. Ergebnisse. Als Beispiel ist in Bild 2 ein 
Satz von tatsächlichen Beobachtungen dargestellt — 
der Sonnenuntergang fiel im Mittelpunkt zwischen 
Sender und Empfänger auf 21,05 — und Bild 3 enthält 
die daraus berechneten Größen, Drehung der Polari- 
sationsebene gegenüber der normalen Lage (n), 
Phasenverschiebung zwisc"en der Luft- und Boden- 
welle und endlich das, was der Verfasser den Re- 
flexionskoeffizienten nennt. Er versteht darunter das 
Verhältnis der tatsächlichen Feldstärke der Luftwelle 
zu derjenigen Feldstärke, die die Luftwelle haben 
müßte, wenn die Reflexion in der Atmosphäre voll- 
kommen und wenn die Luft ein vollkommenes Dielek- 
trikum wäre. l | 

Bei Sonnenaufgang ist der Uebergang zwischen 
den Tag- und Nachtwerten plötzlicher, so daß der 


2030 


i 


Zeitpunkt der Aenderung festgelegt werden kann. Eı 
fällt immer zusammen mit der Zeit, in der sich die 
Sonne etwa 7° unter dem Horizont im Mittelpunkt 
zwischen Sender und Empfänger befindet. Die Sonnen- 
strahlen durchsetzen in diesem Moment die Atmo- 
sphäre über diesem Punkt in einer Höhe von 47 km. 
Dies würde also die untere Grenze für die von den 
Sonnenstrahlen ionisierte Schicht sein. Es ist aber 
anzunehmen, daß die Höhe, in der die lonisation ein 
Maximum hat, höher liegt, da die Sonnenstrahlen, die 
in der Mitte zwischen Sender und Empfänger einer 
Höhe von 47 km entsprechen, einen so langen Weg 
in der Atmosphäre zurückgelegt haben, daß sie noch 
kaum viel ionisieren können. 


Der Verfasser stellt ausführliche Messungen nach 
dieser Methode in Aussicht. Gleichzeitig sind Be- 
obachtungen auf Entfernungen unter 400 km im Gange. 

J. Zenneck. 


K. Pohlhausen. Die Feldkräfte auf die 
Glühdrähte vonElektronenröhren. Wis. 
Veröff. a. d. Siemenskonzern, 7, S. 109—119, 1928 
(Heft 1). 


Beim Bau von Hochvakuum-Ventilröhren, die zum 
Gleichrichten sehr hoher Wechselspannungen (100 kV 
und darüber) benutzt werden, ist man zur Erzielung 
größerer Leistung gezwungen, Kathoden-Mehrdraht- 
systeme zu verwenden, bei denen im Gegensatz zu 
einem von der Anode koaxial umgebenen Kathoden-. 
draht durch den Potentialunterschied zwischen Ka- 
thode und Anode erheblich Kräfte auftreten, die zu 
unzulässigen Ausbiegungen und zur Zerstörung der 
Glühdrähte führen können. 


Der Verfasser berechnet daher die elektrischen 
Kräfte für die praktisch wichtige Anordnung mit zylin- 
drischer Anode, bei der die Glühdrähte auf der 
Mantelfläche eines mit der Anode koaxialen Zylinders 
in gleichen Abständen verteilt sind. Gleichzeitig 
werden Ort und Größe des Kraftminimums innerhalb 
des Anodenzylinders bestimmt, da man an diese Stelle 
bei der Röhrenkonstruktion die Glühdrähte anordnen 
muß. 

Es ergibt sich, daß die Kraft auf einen Glühdralt 
bei Vorhandensein von 5 Glühdrähten ein Maximum 
hat und mit zunehmender Drahtzahl gegen Null geht. 
Bei Vorhandensein einer zentralen, auf dem Kathoden- 
potential befindlichen Metallstütze tritt eine beträcht- 
liche Vergrößerung der Kraft für Anordnungen mit 
weniger als 5 Glühdrähten ein, während der Einflub 
der Stütze bei mehr als 10 Drähten praktisch zu ver- 
nachlässigen ist. An einem Zahlenbeispiel, berechnet 
für ein praktisch ausgeführtes Rohr für 100 kV mit; 
10 Glühdrähten, wird die Kraft zu ca. 2 g pro Zenti- 
meter Drahtlänge berechnet, die sich bei Vorhanden- 
sein einer Zentralstütze um 7% erhöht. 


(Anm. d. Ref.: Aus dem bekannten Zusammenhang 
zwischen der nach den Formeln d. Verf. berechneten 
(jesamtseitenkrait und der Längskraft bei einer be- 
stimmten noch zulässigen Durchbiegung des Drahtes 
läßt sich mit Hilfe der dem Praktiker geläufigen Wert 
der Belastbarkeit von Kathodendrähten verschiedene! 
Durchmessers für die betreffende Arbeitstemperatur 
ohne weiteres die maximal zulässige Beanspruchung 
der Kathodenanordnung berechnen.) W. Espe 


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März 1929 


" Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie 
und Telephonie 


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5 4 
|| Gegründet 1907 i 
3 | 
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| Unter Mitarbeit 
= e von E 
Dr. h. c. Graf v. Arco (Berlin), Dr. L. W. Austin (Washington), Postrat Dr. F. Banneitz ; 
(Berlin), Prof. Dr. H. Barkhausen (Dresden), Dr. W. Burstyn (Berlin), Prof. Dr. A. Esau = 


(Jena), Prof. Dr. H. Faßbender (Berlin), Dr. L. de Forest (New-York), Prof. Dr. F. Kiebitz 
Berlin), Postrat Prof. Dr. G. Leithäuser (Berlin), Dr. S. Loewe (Berlin), Dr. C. Lübben (Berlin), 
Dr. E. Lübcke (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. A. Meissner (Berlin), Prof. Dr. H. G. Möller 
(Hamburg), Dr. E.Nesper (Berlin), Dr. B. van der Pol jr. (Eindhoven), Ingenieur Dr. V. Poulsen 
(Kopenhagen), Prof. Dr. L. Pungs (Braunschweig), Dipl.-Ing. B. Rosenbaum (Berlin), 
Dr. K. Rottgardt (Berlin), Prof. Dr. H. Rukop (Köln), Dr. A. Scheibe (Charlottenburg), 
Oberingenieur O. Scheller (Berlin), Prof. Dr. W. Schottky (Berlin), Prof. Dr. A. Sommerfeld 7 
München), Dr. F. Trendelenburg (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. M. Wien (Jena), 
Prof. Dr. H. Wigge (Köthen-Anh.) 


herausgegeben von 
Professor Dr. Dr. ing.E. h. J. Zenneck una Privatdozent Dr. E. Mauz 


Schriftleitung: Dr. E. Mauz 


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Monatlich erscheint ein Heft. Abonnementspreis des Bandes (1> Jahr) RM. 20.—, Preis des 

einzelnen Heftes RM. 3.50. Alle Buchhandlungen sowie die Verlagsbuchhandlung nehmen Be- 

stellungen an. Inserate werden mit RM. —.15 pro mm Höhe und 41mm Breite berechnet. 
Bei Wiederholung Ermäßigung. 


S 81—120 | 
re» 1929 


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Berlin, Hallesches Ufer 12 EN 


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liefert alle für drahtlose Telegraphie und Telephonie EN 
erforderlichen Geräte entsprechend dem neuesten Stand der Technik 


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| Vellständige Sende- und Empfanssanlasen x 
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jeder Reichweite für den Nachrichten- und Sicherungsdienst 
im Land=-, See» und Luftverkehr Se 
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„Würzburg.“ 


; ķ Funkpeilanlagen und Navigationssender i | 
å Einrichtungen für Telephonie längs Hochspannungsteitungen 
A mittels Hochfrequenz _ | a 
4 Rundfunksender jeder Leistung 3 S ee. 
| ; Sende=-, Verstärker- und Gleichrichter-Röhren 5 
| Empfänger und Röhren für den Rundfunk 

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1879 1 März 1929 
| i optisch? Anstay, 

$ | physihalisch-astronomische Werkstätte 

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E i JAHRE = 


Sa diesem Namen eröffnete Eugen Hartmann am 


> ELEKTRISC HH . März 1879 in Würzburg eine Werkstätte zum Bau 3 


i ee. Apparate auf Anregung von Friedrich 
MESSGERATE Kohlrausch. Dadurch wurde der Grundstein zu Unsere 


: | Unternehmung gelegt. Wir werden in diesem Gedenk- 


=} 


L 


jahr des 50jährigen Bestehens einige Rückblicke geben 
auf die Entwicklung der elektrischen Meßtechnik, soweit 
23 PX wir durch eigene Schöpfungen daran beteiligt waren. 


HARTMANN :BRAUN 


A-G FRAN KFURT M 


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Band 33 


März 1929 


Heft 3 


Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie 


Leiischriit iir hochireguenztechnik 


INHALT 
Seite Seite 
P. Hermanspann: Untersuchungen an Drosseln mit ge- Referate 
schlossenem Hypernik-Kern. (Mit 10 Bildern im Text.) . 81 | @. W. Pierce (A. Scheibe): Magnetomechanische Oerillatoren, 
K. Krüger und H. Plendl: Ueber die Ausbreitung der izen (Mit 2 Bildern im Text.) . . 117 


Wellen bei kleiner Leistung im 1000 Kilometer-Bereich. am 


8 Bildern im Text.) . 85 
M. H. Gloeckner: Der Bordpeilempfänger im Flugzeug. Oit 
17 Bildern im Text.) 92 


H. E. Hollmann: Zua ntmenfassender Bericht. Die Kizöngüng 
kürzester elektrischer wen mit ln Pu 


8Bildern im Text.) . . 101 
Carl Lübben: Patenteei: Mit 17 Bildern im Text.) : . 108 
Referate: 


B. S. Cohen (E. Lübcke):Normalgeräte für Telephonie und die 
Prüftechnik von UOP ROnSR T und TEIeBDODEn: nl 14 udn 
im Text) . à. .112 


W. Ogawa (W. Espe): Das anlage Verhalten eines Kristall- 
detektors und eiker Vakuumröhre ; . 119 

T. Wamsley (J. Zenneck): Zur Konstruktion von Isolatoren 
für drahtlose Telegraphie ; 

C. B. Aiken (J. Zenneck): Eine Präzisionsmethode zur "Messung 
hoher Frequenz N 5 . 119 

C. B. Jolliffe und E. M. Zandonini: Literatur über drahtlose 
Telegraphie im Luftfahrtwesen . . 119 


W. G. Cady (J. Zenneck): Piezo-Elektrizitit í À ; . 119 
ı Literaturübersicht (J. Zenneck) ; ; ; ; ; ; . 119 
Bücherbesprechungen . ; : ‚ g ; ; ; è . 119 


Manuskripte für das Jahrbuch, möglichst mit klischierfähigen Figuren versehen, sind an die Schriftleituag Dr. E. Mauz, Frankfurt a. M., Physikalisches 
Institut, Robert Mayerstr. 2, zu senden. Die Herren Autoren werden gebeten, eine kurze Zusammenfassung des wesentlichen Inhalts Ihrer Arbelt jedem Manuskript beizufügen. 
Abonnements und Inserate sind zu richten an M. Krayn, Verlagsbuchhandlung Berlin W 10, Genthiner Straße 39, Postscheck-Konto Berlin 32647. 


Untersuchungen an Drosseln mit geschlossenem HyperniK-Kern. 


Von P. Hermanspann'). 


Inhaltsübersicht. 
1. Messungen bei konstanter Frequenz. 


2. Die Frequenzabhängigkeit von Selbstinduktion 
und Verlustwiderstand. 


3. Eine Eigentümlichkeit der 
lagerung. 


4. Schwierigkeit bei der Bestimmung der wirk- 
lichen Wechselfeldstärke. 


Zusammenfassung. 


Gleichstromüber- 


Hypernik ist der Name einer modernen amerika- 
nischen Eisen-Nickel-Legierung, die in Amerika 
fabriziert wird und ausgezeichnete magnetische Eigen- 
schaften besitzt. Wir erhielten die zur Untersuchung 
benötigten Hypernik-Bleche von der Westinghouse 
Co. durch die gütige Vermittlung der Siemens- 
Schuckert-Werke. 

Empfohlen wird die Verwendung von Hypernik für 
Stromwandler, da durch seine hohe Anfangsperme- 
abilität und seine geringen Ummagnetisierungsverluste 
Uebersetzungs- und Phasenfehler klein werden’). 
Von Bedeutung ist Hypernik ferner für die Fernmelde- 
technik, wo Eisenlegierungen mit hoher Anfangs- 
permeabilität besondere Vorteile bieten. 

In Bezug auf diese Anwendungen sind die Eigen- 
schaften von Hypernik bekannt. Die vorliegenden 
Untersuchungen sollen zeigen, wie sich Spulen mit 
geschlossenem Hypernik-Kern in Schwingungs- 
kreisen verhalten. 


1) Dissertation der Tech. Hochschule München (I. Teil). 
2) E. T. Z. 43, S. 1575, 1927. 


1. Messungen bei konstanter Frequenz. 

Die Kerne hatten die im Bild 1 angegebenen 
Dimensionen. Die Dicke eines einzelnen Bleches be- 
trug einschließlich l.ackisolierung 0,39 mm. Die ein- 
zelnen Bleche eines Kernes wurden nicht durch 
Bolzen verbunden, sondern nur sehr fest mitein- 
ander verschnürt. Außerdem wurden die einzelnen 


| Alle Maße in "Um 
Bild 1. 


Bleche noch durch zwischengelegtes Oelpapier ge- 
trennt, so daß \Virbelströme nur innerhalb der Bleche 
fließen konnten. 

Die Messungen wurden nach der von R.S trig el) 
angegebenen Nullmethode durchgeführt, und zwar zu- 
nächst mit Wechselstrom der Frequenz 500/sec. Der 
magnetisierende Strom wurde durch eine Resonanz- 
leitung mit sehr großer eisenfreier Selbstinduktion 
praktisch sinusförmig gestaltet. Die Ergebnisse dieser 
Messungen zeigen die Bilder 2 und 3, und zwar so- 
wohl ohne Gleichstromvormagnetisierung (Kurven a), 


3) Jahrbuch der drahtl. Tel. 29, S. 10, 1927. 


82. 


als mit den Gleichstromvormagnetisierungen von 0,24 
Gauss (Kurven b), 0,94 Gauss (Kurven c), 1,88 Gauss 
(Kurven d). 

In diesen Bildern sind als Abszissen die Effektiv- 
werte der Wechselstromfeldstärke und als Ordinaten 


Le (Bild 2) und —- (Bild 3) auf- 


getragen’). Darin e L.die an der 
Drossel und Re ihren Verlustwiderstand. Re und Le 
sind definiert durch die Beziehung 


e=i(R,+jwL,), 


worin è den sinusförmigen Strom, e die Grundschwin- 
gung der Spannung an der Drossel bedeutet. 


die Verhältnisse 


Die Größe Lo*) ist eine Rechengröße, die physika- 
lisch die Induktivität der Drossel bedeutet für den 
Fall, daß der- Eisenkern fortgenommen würde und die 
geometrische Form des magnetischen Feldes dabei 
ad bliebe. Die Einführung der Verhältnisse 


e 


L; 
hält, die nur vom Material und von der Feldamplitude 
abhängen; sie lassen sich leicht mit den entsprechen- 
den Werten anderer Materialsorten vergleichen. 


und T hat also den Vorteil, daß man Werte er- 
o 


R 
Der allgemeine Charakter der Kurven T (Bild 3) 

o 
weicht wenig ab von den entsprechenden Kurven, die 
4) H. Winter-Günther, Jahrb. der drahtl. Tel. 29, S. 10,1927 


P. Hermanspann: 


R. Strigel für hochlegiertes Dynamoblech fand. 
L 
Dagegen zeigt die Kurve 1 (Het) (Bild 2) für 


schwache Felder ein ganz verschiedenes Verhalten. 
Während bei Dynamoblech die Eiseninduktivität von 
einem ziemlich niedrigen Wert für die Feldstärke 
H =0 zu einem scharf ausgeprägten Maximum an- 
steigt, zeigt die Hypernik-Kurve für kleine Feld- 
stärken einen Wert, der nicht viel kleiner ist als der 
maximale. Merkwürdig ist auch das Minimum bei 
ungefähr 0,35 Gauss’). 


L , 
Der eigentümliche Unterschied der Werte T bei 
oO 


Hypernik und normalem Dynamoblech zeigt sich 
natürlich auch schon in der statischen Magnetisie- 
rungskurve, und zwar in der Weise, daß die B-9- 
Kurve bei Hypernik sehr steil ansteigt. Die Bilder 4 


3 
gr 


1/4 


Bild 4. 


und 5 zeigten die ballistisch aufgenommenen Magne- 
tisierungskurven für Hypernik und hochlegiertes 
Dynamoblech. Die Vorteile von Hypernik zeigen sich 
also eigentlich nur bei sehr schwachen Feldern. 


2. Die Frequenzabhängigkeitvon 
Selbstinduktion und Verlust- 
widerstand. 


Um die Frage der Frequenzabhängirkeit von 
Selbstinduktion und Verlustwiderstand bei Hypernik- 


Lo 
| R. 
= f (H) und T. = f (B) für verschiedene Frequenzen 


Kernen zu untersuchen, wurde die Abhängigkeit 


aufgenommen. Die Bilder 6 und 7 zeigen das Ergeb- 
nis. Die Frequenzabhängigkeit zeigt sich also in der 
Weise, daß die Selbstinduktionswerte mit steigender 
Frequenz stark abnehmen und die Verlustwiderstände 
stark zunehmen. 

Zweifellos sind für diese Zu- bzw. Abnahme die 
Wirbelströme in den Blechen allein oder in erster 


5) Nach H. Winter-Günther (l. c.) läßt sich die Selbst- 
induktion der Eisendrossel in folgender Form darstellen: 
T 


7/8 cos? w tdt 
o 


L d$ 
Für 7- ist also in erster Linie die Größe von > maßgebend. 
Lo 48 


Untersuchungen an Drosseln mit geschlossenem Hypernik-Kern. 


Linie verantwortlich zu machen: die Art, wie die 
Induktivität und der Verlustwiderstand von der 


Aa I IT 
AE 
te AA I E 
AH 
UI ERRE 


u ð. 


— 


AREE 
HSR LENE 
Hen 


Bild 6. 


Frequenz abhängt, kann kaum anders gedeutet 
werden. Es war bedauerlich, daß uns keine dünneren 
Bleche zur Verfügung standen. 


83 


3. Eine Eigentümlichkeit 
der Gleichstromüberlageruneg. 


Bei Spulen mit Kernen aus Dynamoblech drückt 


Gleichstrommagnetisierung sowohl die Selbstinduk- 


tionswerte wie auch die Verlustwiderstände für ge- 
gegebene Wechselstromfeldstärke herab. Wie aus 


„aTITIIITT 
I I toda 
FRAAIE 
M Nahoi 
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e N N L 
TA NIENTE 


76 


7 
Bild 7. 


den Kurven im Bild 2 hervorgeht, kann dagegen die 
Selbstinduktion einer Hypernikdrossel durch eine 
schwache überlagerte Gleichstrommagnetisierung er- 
höht werden. Besonders deutlich tritt dies im Bild 8 


7 
Bild 8. 


hervor, das sich auf schwache Gleichstrommagneti- 
sierung bezieht. 


Diese Erscheinung nimmt aber nach kleinen 
Frequenzen zu ab. Bei 100 Perioden/sec läßt sich 
die Erhöhung der Selbstinduktion bei Gleichstrom- 
überlagerung durch direkte Messung ihres Betrages 
nicht mehr sicher feststellen. 


Es wurde nun versucht, mit einer Anordnung, die 
im Bild 9 wiedergegeben ist, diese Erscheinung auch 
für 50 Perioden/sec, wenigstens qualitativ, nachzu- 
weisen. D ist die Hypernikdrossel, deren Win- 


84 P. Hermanspann: Untersuchungen an Drosseln mit geschlossenem Hypernik-Kern. 


| l 
dungen w, über eine Resonanzleitung X =uol- 


=0 und ein Amperemeter mit 50- periodigem 
Wechselstrom magnetisiertt wurden. Die Gleich- 
stromquelle E magnetisiert die Drossel D vor über 
zwei große Drosselspulen Ds. Die Klemmen der 


Drosselwicklung w, liegen an Gitter und Kathode 


8 
(tii 


Bild 9. 


einer Dreielektroden-Röhre R. Variiertt man die 
Spannung zwischen Gitter und Kathode, so äußert 
sich dies in bekannter Weise durch Aenderung des 
Anodengleichstroms ta 

Für den Anodenstrom wurde ein Zeiger-Galvano- 
meter von Hartmann & Braun verwandt mit 
einer Empfindlichkeit von 3,6-10°° Amp./Skalenteil. 


2 /enfeile 


07 


02 


03 0,4 


Bild 10. 


Bei konstanter Gittervorspannung und konstantem 
Wechselstrom J wurde nun die Gleichstrommagnelti- 
sierung geändert und in Abhängigkeit davon der 
Anodenstrom i. gemessen (Bild 10). Eine schwache 
Erhöhung des Anodenstromes ist festzustellen. Das 
bedeutet aber, daß auch hier eine Vergrößerung der 
Selbstinduktion eintrat. 


4. Schwierigkeit bei der Bestimmung 
der wirklichen Wechselfieldstärke. 
Bei allen hier angeführten Messungen wurde die 

Stärke des Wechselfeldes aus dem Effektivwert Jeff 


des Wechselstroms bestimmt, der die Windungen r, 
durchströmte: 


Heff = kewi Jef . 


Dabei ist k der Proportionalitätsfaktor zwischen Feld 
und magnetisierenden Amperewindungen. Nun ist es 
aber auffällig, daß in den Bildern 6 und 7 die Maxima 
der Kurven mit zunehmender Frequenz zu größeren 
Feldstärken verschoben werden. Die Lage des 


L 
Maximums von T ist bedingt durch die Beziehung 


o 
zwischen % und 9, die sich im Bereich der unter- 
suchten Frequenzen kaum ändert‘). Die Verschiebung 
der Maxima zu größeren Feldstärken kann also nur 
eine scheinbare sein und hat folgende Ursache: | 


Die Magnetisierungskomponente Jim des magne- 
tisierenden Stromes liegt stets in Phase mit dem : 
magnetischen Flusse Ø. Senkrecht auf Jim bzw. 
p steht die induzierte Spannung E. Wegen der 
auftretenden Eisenverluste muß aber eine Strom- 
komponente vorhanden sein, die senkrecht zu Jim 
verläuft, da sie mit der Spannung Arbeit leisten muß 
(Jıw)-. Der gesamte Strom Jio, den der Strommesser 
anzeigt, ist demnach 


Jo=) Inst Ji w. 


Der Strom (Jim) der für das magnetische Feld / 
maßgebend ist, ist also kleiner als der gemessene 
Strom (Jio), und zwar um so kleiner, je größer Jıw 
oder je größer die Verluste sind. 


Da mit höherer Periodenzahl die Eisenverluste 
zunehmen, wird das Feld, das einem bestimmten ge- 
messenen Strom entspricht, kleiner. 


Zusammenfassung. 


1. Bei Spulen mit einem Kern aus MHypernikblechen 
wird die Induktivität und der Verlustwiderstand in 
Abhängigkeit von der Feldstärke untersucht und die 
erhaltenen Kurven mit entsprechenden bei legierten 
Dynamoblechen verglichen. 


2. Induktivität und Verlustwiderstand werden in 
Abhängigkeit von der Frequenz und in Abhängigkeit 
von einer überlagerten Gleichstrommagnetisierung ge- 
messen. In letzterer Beziehung zeigt sich, daß es 
möglich ist, die Induktivität einer Spule mit Hy pernik- 
Kern durch Ueberlagerung einer Gleichstrommagneti- 
sierung zu erhöhen. 


i A- 
n RD nn 


3. Zuletzt wird auf die Schwierigkeiten bei der 
Bestimmung der wirklichen Feldstärke hingewiesen. 


München, Physikalisches Institut der 
Technischen Hochschule. | 


(Eingegangen am 15. September 1928.) 


6) W. Kaufmann und E. Poker, Phys. Ztschr. 25, S.597,1925 


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5 


K. Krüger und H. Plendi: Ueber die Ausbreitung der kurzen Wellen bei kleiner Leistung im 1000 Kilometer-Bereich. 85 | 


3 Veber die Ausbreitung der kurzen Wellen bei Kleiner Leistung 


im 1000 Kilometer - Bereich. 


Von K. Krüger und H. Plendil. 


124. Bericht der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt, E. V., Berlin-Adlershof, 
(Abteilung für Funkwesen und Elektrotechnik), 


Inhaltsübersicht. 
Geräte. 


Versuche: 
a) bei gleichbleibender Entfernung; 
b) bei veränderlicher Entfernung. 


Zusammenfassung. 


In früheren Veröffentlichungen!) wurde von der 
Abteilung für Funkwesen und Elektrotechnik der 
Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt bereits auf 
die Vorteile hingewiesen, welche die Verwendung der 
kurzen Wellen im Flugfunkverkehr gegenüber den 
bisher ausschließlich benutzten langen Wellen mit 
sich bringt. Als solche Vorzüge erwiesen sich schon 
bei den ersten Versuchen die großen Reichweiten, 
welche mit Geräten von verhältnismäßig kleinen Ab- 
messungen und Gewichten erzielt wurden. 

Es lagen bisher zwar eine große Anzalıl von Un- 
tersuchungen?) über die Ausbreitung der kurzen Wel- 
len auf sehr große Entfernungen vor. Für den heu- 
tigen Luftverkehr mit Flugzeugen kommen aber Ent- 
fernungen bis zu etwa 500 km und in Ausnahmefällen 
bis zu 1000 km in Betracht, welche von den Bord- 
funkstellen durchgehend überbrückt werden sollen. 
Systematische Untersuchungen über die hierfür ge- 
eigneten Wellenlängen und erforderlichen Sender- 
leistungen sind jedoch bisher nicht bekannt geworden. 

Die Funkabteilung stellte sich daher die Aufgabe, 
eine Klärung dieser Fragen herbeizuführen. Es kam 
dabei vor allem auf die Untersuchung der Frage an, 
ob es möglich ist, mit einer einzigen Welle bzw. einem 
mehr oder minder breiten Wellenband den gesamten 
Entfernungsbereich durchgehend zu überbrücken, ohne 
durch das Auftreten von Schwächungszonen wesent- 
lich beeinträchtigt zu sein. Ferner war der Einfluß 
der Leistung sowie der Tages- und Jahreszeit auf die 
Ausbreitung dieser Wellen zu ermitteln. 


Geräte. 


In Tafel I sind die bei den jetzigen Versuchen be- 
nutzten Geräte zusammengestellt. 

Das unter Nr. 1 in der Tafel genannte Lorenz- 
gerät erzeugt seine Hochfrequenzenergie in einer ein- 
zigen quarzgesteuerten Stufe. Damit ist seine untere 
Wellengrenze auf etwa 40 m festgesetzt, da Quarz- 
kristalle mit heutigen Mitteln nur bis zu dieser Wel- 
Icnlänge herab betriebssicher hergestellt werden kön- 
nen. Die Tastung erfolgt dabei durch Unterbrechung 
der Anodenspannung, so daß die Quarzschwingung 


1) H. Faßbender, K. Krüger u. H. Plendl, Naturwissen- 
schaften 15, S. 357, 1927; H. Plendl, Zeitschr, f. techn. Physik 
11, S. 456, 1927; H. Faßbender, Luftfahrtforschg. 1, S. 121, 1928. 
K. Krüger, H. Plendl, Jahrb. d. drahtl. Tel. 31, S. 169. 1928; 

2) Literaturzusammenstellungen bei: A. Sacklowsky, E.N.T. 
4, S. 62, 1927; R. Mesny, Les Ondes Electriques Courtes, Paris, 
1927; R. Mesny, L’Onde Electrique 76, S. 129, 1928; L. W. 
Austin, Proc. Inst. Rad. Eng. 16, S. 348, 1928. 


bei jedem Niederdrücken der Taste von neuem ein- 
setzen muß. Diese Art der Tastung hat zwei Nach- 
teile: Durch den Stoß beim Einsetzen wird unter Um- 
ständen statt der Hauptwelle eine von den Neben- 
wellen des Quarzes, wie diese bei Kristallen geringer 
Abmessungen häufig auftreten, angeregt, was im 
Empfänger einem Umspringen des Tones bis zur Un- 
hörbarkeit entspricht. Ferner macht sich im Empfang 
die beim Einschwingen leicht auftretende geringe 
Frequenzänderung als Tonänderung störend bemerk- 
bar, besonders bei schnellem Tempo. 


Bild 1. 
Flugzeug-Kurzwellensender Bauart DVL-Telefunken 
(verbesserte Ausführung) 


Zur Behebung dieser Nachteile wurde zunächst 
der unter Nr. 2 in Tafel I beschriebene 2-Watt- 
Flugzeug-Kurzwellensender entwickelt. Dieses Ge- 
rät besteht nach Schaltart b (Tafel I) aus zwei Stu- 
fen. Die erste Stufe wird.von einem Quarzkristall 
gesteuert und hat einen Wellenbereich von 40 bis 
80 m. In der zweiten Stufe wird die Quarzfrequenz 
verdoppelt, die untere Wellengrenze also auf 20`m 
herabgedrückt. Getastet wird bei diesem Gerät die 
Anodenspannung (etwa 200 Volt) in der Verdoppe- 
lungsstufe, während sich die quarzgesteuerte Stüfe 
dauernd im Schwingungszustand befindet. Der von 
einem solchen Sender im Empfänger erzeugte Ueber- 
lagerungston ist völlig rein und frequenzkonstant, 
hebt sich daher aus den Störgeräuschen gut heraus 
und ist auch für schnelles Telegraphiertempo gut ge- 
eignet. Dieser Vorteil wäre auch dann vorhanden, 
wenn man in der getasteten zweiten Stufe an Stelle 
der Frequenzverdoppelung etwa eine Leistungsver- 
stärkung bei der Quarzfrequenz vornähme. In die- 
sem Falle wäre aber in den Pausezeiten, d. h. bei 
gehobener Taste, die Kopplung der durchschwingen- 
den Quarzstufe auf die Antenne zu groß infolge der 
auf die Quarz-Welle abgestimmten Kreise des Ver- 
stärkers. Beim Tasten eines solchen Senders würde 
daher der Ueberlagerungston im Empfänger während 
der Pausezeiten nicht aussetzen, sondern nur seine 
Intensität verringern. Dies würde aber die Lesbar- 
keit der Zeichen erschweren. 


86 


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K. Krüger und H. Plendl: 


Die quarzgesteuerte erste Stufe kann auch allein 
verwendet werden, wobei aber die eingangs geschil- 
derten Nachteile auftreten. Der zur Behebung der- 
selben erforderliche Mehraufwand durch Verwendung 
der Verdoppelungsstufe lohnt sich aber im allgemei- 
nen für Betriebsgeräte.e. Daher wurde in der ver- 
besserten Ausführung des Flugzeugkurzwellensenders 
(Nr. 3 in Tafel I) Quarzsteuerung und Frequenzver- 
doppelung in einen Kasten zusammengebaut. Der 
Wellenbereich der Verdoppelungsstufe beträgt 30 bis 
70 m. Bild 1 zeigt eine Ansicht dieses Gerätes und 
Bild 2 das Prinzipschaltbild desselben. 


i Bild 2. 
Prinzipschaltbild eines quarzgesteuerten Senders 
mit Frequenzverdopplung. 


Der Empfang im Flugzeug wird durch die vom 
umlaufenden Motor herrührenden Störungen wie Mo- 
tor- und Propellerlärm, Erschütterungen und Zünd- 
funken ziemlich erschwert. An einen guten Flugzeug- 
Kurzwellenempfänger werden daher besonders An- 
forderungen gestellt. Bei möglichst geringem Ge- 
wicht und Raumbedarf soll er eine sehr große Ver- 
stärkung geben, um den von außen auf das Ohr tref- 
fenden Störlärm zu übertönen. Ferner muß er stabil 


Bild 3. 
Flugzeug-Kurzwellenempfänger Bauart DVL-Telefunken. 


gebaut und gegen akustische Einflüsse geschützt sein, 
damit die stets vorhandenen mechanischen und 
akustischen Erschütterungen keine störende Einwir- 
kung auf den Empfang hervorrufen. Hauptsächlich 
wegen der unvermeidlichen Zündgeräusche ist es von 
Wichtigkeit, daß man beim Empfang einen reinen, 
konstanten Ton erhält, der sich gut heraushebt. 
Durch Erfüllung dieser Forderung wird der Empfang 
in der fliegenden Maschine selbst dann noch nicht 
vereitelt, wenn die Zeichenstärke einmal etwas unter 
den verhältnismäßig hohen Störspiegel sinken sollte. 

Für den größten Teil der Empfangsbeobachtungen 
im Flugzeug wurde der unter Nr. 5 aufgefülirte Emp- 
fänger verwendet. Derselbe stellt eine Spezialaus- 
führung des Telefunken-Großstations-Empfängers dar, 
und unterscheidet sich von letzterem dadurch, daß er 
statt des Ueberlagerers eine dritte Niederfrequenz- 
Verstärkerstufe und statt des Kupferkastens eineu 


leichteren Aluminiumkasten erhielt. Dieser Empfän- 
ger bewährte sich im allgemeinen gut, ergab aber 
keinen reinen Ueberlagerungston bei den Erschütte- 
rungen im Flugzeug. Ueber Zwischenstufen führte 
die Entwicklung zu dem in Tafel I unter Nr. 6 auf- 
geführten und in Bild 3 gezeigten Flugzeug-Kurz- 
wellenempfänger, der bei gleicher Empfindlichkeit im 
Gewicht und Raumbedarf bedeutend verbessert und 
auch in bezug auf Erschütterungen erheblich unemp- 
findlicher geworden ist. 


Die im folgenden Kapitel behandelten Unter- 
suchungen dienten außer der Schaffung von Be- 
obachtungsmaterial über Ausbreitungsvorgänge auch 
der Entwicklung und Erprobung der oben beschrie- 
benen Geräte. 


Gang der Versuche und Ergebnisse. 


Zur Lösung der eingangs erwähnten Aufgabe war 
es notwendig, die Versuche in folgender Weise ein- 
zuteilen. 


Bei gleichbleibender Entfernung 
wurde die Zeichenstärke in Abhängigkeit von der 
Tageszeit beobachtet mit verschiedenen Wellenlän- 
gen als Parameter. Außerdem wurden hierbei ver- 
schiedene Flugzeugantennen verglichen. Die Sende- 
leistung betrug im allgemeinen 2 Watt. 


Bei veränderlicher Entfernung wurde 
deren Einfluß auf die Zeichenstärke untersucht mit 
verschiedenen Wellenlängen als Parameter. Diese 
Beobachtungen wurden im allgemeinen nur bei vollem 
Tageslicht auf der ganzen Strecke vorgenommen. Sie 
verteilen sich über ein ganzes Jahr. Als Antennen 
wurden hierbei stets Horizontal-Dipole verwendet. 
Die vom Sender auf die Antenne übertragene Lei- 
stung betrug immer etwa 2 Watt. 


a) Versuche bei gleichbleibender Ent- 
fernung. 


Diese Versuche wurden zum großen Teil von zwei 
ortsiesten Stationen ausgeführt, deren eine in Berlin- 
Adlershof lag, während sich die andere in München 
befand. Die Entfernung beider Stellen von einander 
betrug 500 km. Gesendet wurde im allgemeinen von 
Adlershof aus, während in München der Empfang be- 
obachtet wurde. Um die Sendestelle in Adlershof 
über die ieweiligen Empfangsergebnisse ständig zu 
unterrichten, war in München neben dem Empfänger 
ein kleiner 2-Watt-Sender aufgestellt, der auf An- 
fragen sofort Nachrichten durchgeben konnte. Für 
die Vergleiche an Flugzeugantennen wurden über 
einer der beiden Stationen Rundflüge ausgeführt, 
während die andere Station den Empfang beobaclı- 
tete, so daß die Entfernung zwischen Sender und 
Empfänger praktisch konstant blieb. 

Die bei den Versuchen benutzten Sender waren 
in Adlershof im Hauptgebäude der Funkabteilung auf- 
gestellt, dessen Einrichtungen in früheren Arbeiten?) 
beschrieben sind. Soweit in Adlershof Empfangs- 
beobachtungen in Frage kamen, wurden diese zur 
Vermeidung von Störungen in einem abseits stehen- 
den Empfangshäuschen vorgenommen. Dieses Häus- 
chen war mit dem Hauptgebäude durch eine Doppel- 


3) vergl. Fußnote 1 u. ferner H. Faßbender, Jahrb. d. drahtl. 
Tel. 30, S. 173, 1927. 


Ueber die Ausbreitung der kurzen Wellen bei kleiner Leistung im 1000 Kilometer-Bereich. 87 


— oo] oo. 


leitung verbunden, so daß die Sender auch von dieser 
Beobachtungsstelle aus getastet werden konnten. 

Auch in München waren die Geräte in einem eige- 
nen kleinen Häuschen?) untergebracht. Die Antenne 
war hier ebenso wie in Adlershof ein Horizontaldipol 
von etwa 2 mal 8 m Länge mit bifilarer Energie- 
leitung. 

Die Versuche zwischen den beiden festen Sta- 


tionen bezweckten vor allem die Schaffung von Be- 


obachtungsmaterial über das Verhalten verschiedener 
Wellenlängen zu verschiedenen Tageszeiten. Es sollte 
festgestellt werden, ob und wieweit sich eine brauch- 
bare Verbindung über den vollen Tag mit Leistungen 
von 1 bis 10 Watt auf 500 km Entiernung herstellen 
läßt. Die verwendeten Wellen lagen zwischen 30 m 
und 65 m, wobei die Sender ausschließlich mit un- 
gedämpfter Telegraphie arbeiteten. 


Empfangsbeobachtung ber gleıchbleidender Entfernung SooAm) 
Jercertestung ewa 2 War 


EE i eer 00 ee a 
DIT Ai irren ungeeignet TEEN, 
u Bild 4. 
Darstellung der Empiang oona hang bei gleichbleibender 
ntfernung. 


Bild 4 zeigt einen Ausschnitt aus den Ergebnissen 
dieser Versuche für die drei hauptsächlich benutzten 
Wellen 37,2 m, 48,6 m und 65,2 m. Die schwarz an- 
gelegten Stellen geben die Zeiten des brauchbaren 
Verkehrs auf diesen Wellen an, während zu den 
durch weiße Stellen gekennzeichneten Zeiten keine 
Verbindung oder nur eine sehr schwache zustande 
kam. Die angegebenen Figuren beziehen sich auf 
Mitte April. Sie ändern sich mit der Jahreszeit ent- 
sprechend der Tageslänge. Das Bild stellt lediglich 
eine schematische Zusammenfassung einer größeren 
Versuchsreihe dar und erhebt keinerlei Anspruch auf 
quantitative Bewertung. 

Interessant ist, daß die in der Figur angegebenen 
Grenzen des Verschwindens und des Wiedererschei- 
nens bei den kürzeren Wellen verhältnismäßig selır 
scharf sind’). Der Uebergang von großer Lautstärke 
bis nahezu zur Unhörbarkeit vollzieht sich im all- 
gemeinen in wenigen Minuten. Zu diesen: Zeitpunkt 
wird der Empfang plötzlich sehr flackerig, d. h. die 
Schwunderscheinungen (Fadings) nehmen an Häufig- 
keit und Tiefe um ein vielfaches zu, während die 
Amplituden der Zeichenstärke rasch abnehmen. Die 
Empfangsintensität schwankt in dieser kritischen Zeit 
im Verlauf von wenigen Sekunden und zum Teil in 


4) Dieses Häuschen stand auf dem Gelände der Elektrotech- 
nischen Versuchswerkstätte G. m. b. H., welche auch die Hilfs- 
mittel, wie Anodenakkumulatoren, Heizbatterien usw., zur Ver- 
fügung stellte. 

5) vgl. auch R. A. Heising, Proc. Inst. Rad. Eng. 16, S. 75, 
1928; Ref. d. Jahrbuch 32, S. 138, 1928. 


88 


K. Krüger und H. Plendl: - 


Bruchteilen von Sekunden im Verhältnis 1:1000 und 


mehr. 


Aufstellung der Überlandflüge. 
Tafel II. 


a Te N Fe Sn ee en u wg ee 2 en a ey ee ea a ee] 
2 Beobach- 
; | Datum |Tageszeit | u% Flugstrecke tungsort 


— [Lfd 2 


| 2. VI. 28 | 120—1330 | 27,6 | Königsberg—Danzig | München 
| 6. VI. 28 115178 Danzig—Adlershof ; 
2| 2. VI. 28 120—1330 Königsberg—Danzig | Adlershof 
| 6. VI. 28,115 —17®@| „ | Danzig—Königsberg a: 
3125.1V.28, 9%W_—-1430 | 32,6 | Adlershof— München | Adlershof 
4 s 2 R s 5 München 
5/27.1V.28| 90—145] „ | München—Adlershf ,„ 
6 ; s ; ; » | Adlershof 
7; 1.V1.28 11015—189%| „ Adlershof—Königsberg 5 
8 í n . Š E München 
9| 19. I11.28' 90—15% | 37,2 |Adlershof—Königsberg| Adlershof 
10 i | % à 3 München 
11 | 23. 1,28 | 915—214% „ |Königsberg-Tempelhof x 
12 3 " B í 2 Adlershof 
13 | 11.V11.28' 9% —-17%| „ |Adlershof— 
| Friedrichshafen 
14 13. V11.28 | 950_1230| „ Fürth— Adlershof i 
15 | 28. IX; 27 | 1315—16% ! 40,0 | Norderney—Adlershof | Adlershof 
16 | 18.11.28 115—123; „ | Hamburg—Adlershof : 
17 | 27.11.28 | 130—170; „ Adlershof—Danzig 2 
28.11.28 | 105—131) , Danzig—fTilsit 2 
18 | 27.11.28 |130%0— 17%; „ >- Adlershof—Danzig | München 
28.11.28 105—1315) , Danzig—Tilsıt 2 
19 | 6. II. 28 | 100 _ 150 „ Adlershof — München | Adlershof 
20! 6.11.28 | 10% 15% | 40,0 ! Adlershof—München | München 
21: 8. 111.28 12®%—155| „ :München—Schkeuditz „ 
| £ | u | ; i ' Adlershof 
9, I-28 | 930—1100] „ ‚Schkeuditz—Adlershof: : 
23 |26.VII.28, 980—175) „ ` Adlershof—Köln | 
24|27.V1.28| 95—135| „ ; Köln—Adlershof ` , 
25!18.V11.28 | 830—1230 | 41,6 | Adlershof—München | Adlershof 
26 19.V11.28 |10%—1430) „ ; München—Adlershof ee 
27|31.V11.28 980—16%: „ , Adlershof—Köln A 
28 1.V111.28:100%—138 „ — Köln—Adlershof p 
29 124.VII.27 1330—1445 | 46,3 | Adlershof—Leipzig | Adlershof 
30 7 145—155; , Leipzig—Adlershof 2 
31 129.V111.27 110% 12% „  Adlershof—Hannover n 
32 = 1515-170. „ |! Hannover—Adlershof x 
33 /31.V11l.27: 930—145 , Adlershof—Köln . i 
34 | 1. 1X, 27 180—185 , Köln—Adlershof k 
35' 7.1X.27 1100—1550. „  Adlershof—München | y 
36! 9.1X.27 135—1830. „ ' München—Adlershof | : 
37| 13. X.27 105—175" , Essen— Adlershof | Flugzeug 
38 . " . » » | Adlershof 
39, 16.11.28 j101°—13%) „ | Adlershof—Hamburg | Adıershof 


40| 7.X.27 | 110—1330 | 49,8 
4] R 1545—17% 

42| 12. X. 27 | 1200—1730] , 
43 p l » » 
441 13.v111 28 1015—1430] 
45|4.VII.28 | 70—115 , 
46 6. VII. 28 110—179] _ 
47, 5. 1X.28 |100_16%| , 
48| 2.X.28 | 915—1730 

49! 3.X.28 | 100— 151 j 
50 | 8.VIII. 28 95—15% | 52,7 
51] 4. IX.28] 75—138] , 
52 

3 , 


' Adlershof—Hannover | Adlershof 
Hannover—Adlershof | 5 


Adlershof— Essen ; Flugzeug 
; ZW. Stolp u. 

. . | Königsberg 
‚Adlershof-Königsberg, Adlershof 


Königsberg-Adlershof = 
Adlershof— | 


Friedrichshafen £ 

Friedrichshafen— | A 

Adlershof 
 Adlershof— Fehmarn a 
- Fehmarn— Adlershof | 
'Friedrichshafen— 

Adlershof; Adlershof 
‚Adlershof— 


l 


| 1.111. 28 2 |Königsberg-Adlershof 
| > | 


Friedrichshafen, e Y 


München 


Š ; Adlershof 


Kurzzeitige Aenderungen in der Intensität treten 
vielfach auch zu den anderen Zeiten, besonders um 
die Mittagszeit, auf, nur in erheblich geringerem 
Maße, etwa 1:10 und seltener 1:100, abgelesen am 
Meßinstrument. Mit Rücksicht auf die logarithmische 
Empfindlichkeit des Ohres machen sich Intensitäts- 
schwankungen im Verhältnis 1:10 in der Tiörbarkeit 
nur wenig bemerkbar. Zu anderen Zeiten, besonders 
in den Abend- und Nachtstunden, schwankte die 
Empfangsstärke nur in geringen Grenzen, etwa 1:1,5, 
in mehreren Fällen wurde sogar eine völlige Konstanz 
der Zeichenstärke über mehrere Stunden am Gleich- 
richtermeßgerät beobachtet. E 

Eine wesentliche Beeinträchtigung des Empfanges 
durch Luftstörungen war bei allen Beobachtungen 
kaum feststellbar, sofern nicht gerade in der Nähe der 
Beobachtungsstelle Gewitterstimmung herrschte. Die 


Bild 5. 
Schemat. Darstellung des Grenzstrahles der Schwächungszone. 


Zeichenstärke lag mit 2 bis 8 mA, maximal sogar 30 
mA im allgemeinen erheblich über dem atmosphäfri- 
schen Störspiegel, der selten über 0,05 mA hinaus- 
ging. Unangenehm machten sich dagegen zeitweise 
Störungen örtlicher Herkunft (Kollektorfunken, Zünd- 
funken u. a.) bemerkbar, die sich aber bei geeigneter 
Wahl des Beobachtungsortes weitgehend vermeiden 
ließen. 

Ein Bild über die Ausbreitungs-Vorgänge könnte 
man sich etwa auf folgende Weise machen. 

Die bei Nacht bzw. in den frühesten Morgenstun- 
den auftretenden Fehlstellen der kürzeren Wellen 
(37,2 und 48,6 m in Bild 4) werden offenbar hervor- 
gerufen durch eine Verschiebung der kleinsten Ent- 
fernung, bei welcher die Raumstrahlung zur Erd- 
oberfläche zurückkehrt, d. h. durch ein nächtliches 
Auswandern der „Sprungentfernung“ vom Sender 
weg. Diesen Vorgang kann man sich etwa so vor- 
stellen, daß bei Nacht infolge der geringeren lonisie- 
rung der tieferen Schichten die Wellenstrahlung erst 
in größerer Höhe zurückgebogen wird, als wie am 
Tage. Die schematische Darstellung des Bildes 5°) 
veranschaulicht diese Vorgänge. Die untere Grenze 
der Heavisideschicht rückt bei Nacht allmählich 
in die Höhe von I nach Ill, wodurch der innerste zur 
Sprungentfernung gehörende Strahl von A nach C 
wandert. Zu einem gewissen Zeitpunkt passiert die- 
ser Grenzstrahl den Ort B des Empfängers, was ein 
rapides Absinken der Lautstärke zur Folge hat. Am 
Morgen läuft der Vorgang in umgekehrter Richtung 
ab und es erfolgt ein entsprechend rapides Zuneh- 
men der Empfangslautstärke am Orte B. Es ist also 
nicht notwendig, anzunehmen, daß die plötzliche 
Lautstärkenänderung beim Verschwinden und Wie- 


6) In der Abbildung ist der Übersichtlichkeit halber einfache 
Reflexion der Strahlen gezeichnet. Ferner ist zwecks Verein- 
fachung angenommen, daß sich der Grenzwinkel mit der Tages- 
zeit nicht merklich ändert. l 


| 


De e u y a e, 


) 


Ueber die Ausbreitung der kurzen Wellen bei kleiner Leistung im 1000 Kilometer-Bereich. 89 


dererscheinen der Welle durch eine entsprechend 
plötzliche Höhenänderung der Heavisid,e,schicht 
bedingt ist. 

. [m Gegensatz zu den bisher betrachteten kürzeren 
Wellen, bei denen der Empfang bei Nacht bzw. ‘in 
den frühen Morgenstunden ausfällt, liegen bei den 
ctwas längeren Wellen (z. B. 65,2 m in Bild 4) die 
Fehlzeiten um die Mittagsstunden herum. Der Ueber- 
gang erfolgt hier im Gegensatz zu den kürzeren 
Wellen allmählich. Die Ursache ist darin zu suchen, 
daß mit zunehmender. Wellenlänge die Bodenwelle 


“iger nn a PA ar“ 
$ 4 =: = nen ` 
4 = om s s 


ES 


"Bild 6. 
Flugzeug Junkers F 13 mit Kurzwellen-Dipol-Antenne 
(Drähte verstärkt nachgezeichnet). 


auf immer größere Entfernungen wirksam wird, wäh- 
rend die innere Grenze der Raumstrahlen mehr an 
den Sender heranrückt, so daß sich Raumstrahlung 
und .Bodenwelle überlappen. Es treten also 
Schwächungszonen, die, wie oben gezeigt, die Ur- 
sache für die plötzliche Lautstärkenänderung waren, 
hier nicht mehr auf. 


Ein ähnliches Ergebnis wie die oben beschriebenen 
Versuche zwischen den beiden festen Stationen hatten 
zahlreiche Rundflüge über Berlin-Adlershof und über 
Königsberg i. Ostpr.. welche zu verschiedener Tages- 
zeit und auch nachts ausgeführt wurden. Hierbei 
wurde mit verschiedenen Wellen aus der fliegen- 
den Maschine gesendet und der Empfang in Mün- 
chen beobachtet, wobei die Entfernung rund 500 
bzw. 1000 km betrug. Es zeigte sich bei diesen Ver- 
suchen, daß die am Boden gewonnenen Erfahrungen 
sich weitgehend auf die Verbindung zwischen Flug- 
zeug und Boden übertragen lassen. Bei den zahl- 
reichen Aufstiegen und Landungen ergab sich ferner 
kein merklicher Unterschied im Empfang, wenn das 
Flugzeug am Boden oder in der Luft sendete. Ebenso 
konnte kein wesentlicher Einfluß der Höhe’), in 
welcher vom Flugzeug gesendet wurde, festgestellt 
werden. 


Außerdem wurden bei diesen Rundilügen Ver- 
gleiche zwischen verschiedenen Arten von Sende- 
antennen durchgeführt. Der sonst stets verwendete 
Dipol wurde verglichen mit einer eindrähtigen 
Schleppantenne, die in einer Viertel-Welle bzw. Drei- 
viertel-Welle erregt wurde. Hierbei zeigte sich, daß 
der festverspannte Dipol der niemals ganz ruhig 
liegenden Schleppantenne in bezug auf Frequenz- 
konstanz, d: h. Reinheit des Ueberlagerungstones im 


?) Ein ähnliches Ergebnis wurde auch bei langen Wellen (900 m) 
gefunden, vergl. F. Eisner, H.Fassbender u. G. Kurlbaum, 
Jahrb. d. drahtl. Tel. 31, S. 109, 1928. Allerdings ändert sich dies, 
wenn auf der Uebertragungsstiecke Gebirgszüge liegen, deren 
Schatienwirkung die Langwellenverbindung mitunter erheblich be- 
einflussen kann. Dagegen können bei der Kurzwellenverbindung 
dazwischen: liegende Gebirgszüge keine Störung verursachen, da 
die hauptsächlich wirksame Raumstrahlung dieselben: überbrückt, 
einerlei, in welcher Höhe das Flugzeug sich befindet.- 


Empfänger, grundsätzlich überlegen war. Bezüglich 
der Lautstärke war die Dreiviertel-Schleppantenne 
dem Dipol etwas überlegen, während die Einviertel- 
Schleppantenne bedeutend unterlegen war. 


b) Versuche bei veränderlicher 
Entfernung. 


Während das vorhergehende Kapitel in erster 
Linie die Klärung. der Kurzwellenausbreitung in Ab- - 
hängigkeit von der Tageszeit zum Gegenstand hatte, 
dienen die im folgenden beschriebenen Versuche 
dazu, den Einfluß der Entfernung zwischen Sender 
und Empfänger auf die Empfangsstärke zu ermitteln. 
Für diesen Zweck standen Metallflugzeuge des Bau- 
musters Junkers F 13' zur Verfügung‘), die mit 
Dipolantennen ausgerüstet und mit entsprechenden 
Einbauten versehen waren. Die Außenansicht eines 
solchen Flugzeuges zeigt Bild 6, die Innenansicht mit 
dem neu entwickelten Kurzwellen-Sende- und Emp- 
fangsgerät für Flugzeuge stellt Bild 7 dar. 


Mit diesen Flugzeugen wurden zahlreiche Ueber- 
landflüge nach verschiedenen Richtungen innerhalb 
Deutschlands durchgeführt, bei denen in der Flaupt- 
sache vom Flugzeug aus ungedämpit mit 2 Watt 
Leistung gesendet wurde. Die Empfiangsbeobachtung 
wurde stets in Adlershof vorgenommen und vielfach 


Bild 7, 
Kurzwellengerät im Flugzeug Junkers F 13. 


gleichzeitig in München. Da bei allen Flügen Adlers- 
hof den Ausgangs- und Endhafen bildete, war bei 
Empfangsbeobachtungen von Berlin aus die größte 
Entfernung innerhalb Deutschlands auf etwa 600 kni 
beschränkt. Um auch Untersuchungen auf größere 
Entfernungen ausdehnen zu können, ohne dabei 
Deutschlands Grenzen zu verlassen, wurden einige 
Flüge nach Königsberg bzw. Tilsit durchgeführt, wo- 
bei die Empfangsbeobachtung in München eine größte 
Entfernung von über 1000 km zuließ. Außer dem 
2-Watt-Sender wurde bei den Flügen stets eig Emp- 
fänger mitgeführt, der einerseits zur Sender- 
überwachung diente, andererseits die Rückverbin- 
dung mit den beiden Beobachtungsstellen .ermög- 
lichte. Bei jedem dieser Ueberlandflüge wurde der 
eingebaute Flugzeugsender ständig in Betrieb ge- 
halten. Die Tastunz erfolgte automatisch durch einen 
mit Uhrwerk angetriebenen Zeichengeber. Außerdem 
wurden Standort- und Wettermeldungen durch- 
gegeben. | 


8) Auch in einem Dornier-Wal, dessen Flächen Stoffbe- 
spannung trugen, wurden Versuchsflüge ausgeführt. 


90 K. Krüger und H. Plendi: 


Bild 8 stellt die Beobachtungsergebnisse in Ab- 
hängigkeit von der Entfernung dar, wobei sich der 
Empfänger stets bei O befindet, während der Flug- 
zeugsender als sich in Richtung der Abszisse be- 
wegend vorzustellen ist. Jeder Empfangsbeobachtung 
eines Ueberlandfiluges entspricht ein wagerechter 
Streifen, wobei die mit A bezeichneten in Adlershof 
aufgenommen sind, die mit M bezeichneten in 
München. Die Streifen sind durchlaufend numeriert 


mm EAE Am Entfernung 


Empfänger | 
1 2 


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27, 
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3 m 26 Jür Verkehr ungeeignet 
Š agod a | II kein Emgfang 
$ m \28 A 
N Beodachtungsart 
E P A = Adlershof 
A M = München 
A F œ Flugzeug 
A 
A 
A 
A 


nıcht beobochrer F 


aaa dhh 
d a | 
» 


GIIBIDITT IST IB BBITTITTTB h 


Bild 8. 


und nach Wellenlängen geordnet. In der Darstellung 
entspricht der schwarz angelegte Teil einer für Ver- 
kehr gut brauchbaren Verbindung, die schrafiierten 
Stellen bedeuten flackernden, unsicheren Empfang, 
während die weißen Stellen den empfaiglosen Ent- 
fernungsbereich bezeichnen. Nähere Angaben zu den 
einzelnen Flügen, wie Datum, Tageszeit und Strecke, 
sind aus Tafel I] zu ersehen. 

Bei einem Ueberblick über die Darstellung des 
Bildes 8 tritt deutlich der wesentliche Unterschied 
zwischen den kürzeren und den längeren Wellen 
im Bereich von 27—55 m hervor. Die kleineren 
Wellen unterhalb etwa 38 m zeigen ausgeprägte 
Schwächungszonen, wogegen sie auf größere Ent- 
fernungen gut durchkommen. Zwischen etwa 40 m 
und 46 m treten Schwächungszonen nur noch verein- 
zelt auf, so daß die Sicherheit der Verbindung auf 
kleinere Entfernungen zunimmt. Bei größeren Wel- 
len von etwa 50 m und darüber machen sich keine 
Schwächungszonen mehr bemerkbar. Dieses Wel- 


Empfongsbeobachtungen eines Flugzeug -2 Watt - Senders dei verönderlicher Entfernung. 


lenband (um 50 m) erwies sich daher als geeignet für 
eine ständige Verbindung über den Entfernungs- 
bereich von etwa 600 km. 


Bestätigt wurde dieses für das 50-m-Band gün- 
stige Ergebnis durch mehrere in Bild 8 nicht er- 
wähnte Ueberlandflüge, bei welchen mit einem Eınp- 
fänger im Flugzeug die Zeichenstärke eines stationä- 
ren Senders beobachtet wurde. Dieser Sender ar- 
beitete in der Mehrzahl der Fälle ungedämpft auf 
48,6 m oder benachbarten Wellen mit etwa 60 Watt 
Antennenleistung. Von diesen Flügen erstreckten 
sich vier auf 600 km und ebensoviel auf 300-450 km 
Entfernung. Hierbei konnte mit genügend empfind- 
lichen Empfängern (Audion und 3 N. F. V.) durch- 
gehend eine genügende Zeichenstärke ohne Schwä- 
chungszonen beobachtet werden. 


In Bild 8 liegen die Schwächungszonen bei den 
Wellen 27 m und 32 m etwa zwischen 100 und 
400 km. Die beiden Grenzen dieser Zonen zeigen 
dabei ein völlig verschiedenes Verhalten: Während 
bei der inneren der Empfang allmählich abflaut, tritt 
bei der äußeren eine sprunghafte Aenderung der 
Lautstärke ein, entsprechend dem plötzlichen Ein- 
setzen der Raumstrahlung. Im Gebiet der Schwä- 
chungszone tritt durchaus nicht immer ein völliges 
Auslöschen des Empfanges ein, mitunter bleibt viel- 
mehr der Sender selbst mit dieser geringen Lei- 
stung von nur 2 Watt dauernd schwach hörbar. 
Ueberhaupt lassen sich für diese Zonen keine stren- 
gen Grenzen angeben, wie das Beispiel der Beobach- 
tung 6 in Bild 8 zeigt: mitten in dem Bereich, das 
sich bei allen anderen Beobachtungen in diesem Wel- 
lenband als ausgeprägte Schwächungszone erwiesen 
hatte, kam hier über einen größeren Entfernungs- 
bereich (ca. 120 km) eine gute Verbindung zustande. 


Es ist durchaus anzunehmen, daß die hier bei 
2 Watt Senderleisiung beobachteten Zonen starker 
Schwächung oder völliger Empfangslosigkeit bei ge- 
nügender Steigerung der Leistung etwa im Verhält- 
nis 1:1000 bis 1:10 000 nicht mehr störend hervortre- 
ten würden entsprechend den früher!) mit großen 
Leistungen (8 kW) gemachten Erfahrungen. Bei den 
damaligen Versuchen mit großer Leistung wurde ex- 
perimentell gezeigt, daß selbst bei erheblich kleine- 
ren Wellenlängen (15, 18 und 28 m) keine absolut 
toten Zonen feststellbar sind, im Gegensatz zu den 
Ergebnissen von Reinartz, Taylor-Hulburt 
und Heising’). Es wurden lediglich Zonen starker 
Schwächung der Empfangsstärke beobachtet, in 
Uebereinstimmung mit den etwa gleichzeitig ver- 
öffentlichten Untersuchungen von T. L. Eckers- 
ley'’), die außer ähnlichen Beobachtungsergebnissen 
auch eine theoretische Begründung dieser Erschei- 
nungen enthalten. 


9) Reinartz, Q.S.T., 9, S.9, 1925; A. H. Taylor, Proc. 
Inst. Rad. Eng. 13, S. 677, 1925; Rt. ds, Jahrbuch 28, S. 66, 1926; 
A.H.Taylor u. E. O. Hulburt, Q.S.T., 1, S. 13. 1925; A. H. 
Taylor und E. O. Hulburt, Phys. Rev. 27, S. 189, 1926; Rf. d. 
Jahrbuch 28, S. 30, 1926; E. O. Hulburi, Journ. Frankl. Inst. 
201, S. 597, 1926; R. A. Heising, J. C. Schelleng und G. C. 
Southwort, Proc. Inst. Rad. Eng. 14, S. 613, 1926; Ref d. Jahr- 
buch 29, S. 92, 1927. 

i0) T. L. Eckersley, Journ. Inst. El. Eng. 65, S. 600—644, 
1927; vergl. auch A. H. Taylor, Proc. Inst. Rad. Eng. 15, S. 707, 
1927; Rf. d. Jahrbuch 31, S. 57, 1928. 


Baii 


Bei der nächst höheren Welle von 37 ın waren 
die Beobachtungsergebnisse sehr verschieden. Wäh- 
rend sich im Falle 9 und 12 durchgehend ein schwä- 
chungsloser Empfang ergab, zeigten sich im Falle 
13 und 14 Stellen unsicheren Empfanges. Der Unter- 
schied kann in der verschiedenen Jahreszeit begrün- 
det sein: die ersten Beobachtungen sind Ende März, 
die letzteren Anfang Juli gewonnen. 

Im anschließenden Wellenband 40 bis 46 m zeig- 
ten sich bei etwa 20 beobachteten Flügen nur noch 
in drei Fällen Schwächungszonen mit einer größten 
Länge von 90 km. Hierbei ist zu bemerken, daß 
sowohl auf der Sendeseite wie auch am Empfänger 
ausschließlich horizontale Dipolantennen verwendet 
wurden. Neuere Erfahrungen aber lassen es durch- 
aus möglich erscheinen, daß bei Verwendung von 
Vertikalantennen oder einer Kombination verschie- 
dener Antennenarten auf der Empfangsseite die oben 
erwähnten Schwächungszonen nicht in diesem Maße 
in Erscheinung getreten wären. 

Abgesehen von diesen drei Ausfällen ergaben die 
Beobachtungen auf diesen Wellen und noch deut- 
licher diejenigen auf Welle 50 m durchgehend eine 
große Empfangslautstärke, die im allgemeinen einen 
sauberen Lautsprecherempfang lieferte. Es war stets 
möglich, mit dem Gleichrichtermeßgerät hinter den 
zwei Niederfrequenzverstärkerstufen des Empfängers 
kräftige, gut meßBbare Ausschläge zu erhalten. 


Der durchschnittliche Verlauf der beobachteten 
Zeichenstärke war etwa folgender. Bewegte sich 
das mit dem Sender ausgerüstete Flugzeug vom Be- 
obachtungsort weg, so nahm die Zeichenstärke inner- 
halb der ersten 20 km von etwa 15 mA ab bis auf 
5 mA und blieb dann während des ganzen übrigen 
Fluges bis zu einer gewissen kritischen Entfernung 
auf dieser Höhe. Bei den verwendeten Röhren im 
Meßgerät entsprach dieser Ausschlag einem starken 
Lauthörerempfang ohne Beeinflussung durch den 
Störspiegel.e. Bei Ueberschreitung dieser Entfernung 
fiel die Zeichenstärke rapide ab, es blieb aber immer 
noch ein brauchbarer Kopfhörerempfang bestehen. 
Diese kritische Entfernung ist in Bild S durch einen 
senkrechten Strich markiert. Sie wurde für die 37- 
und 40-m-Welle bei etwa 800 km, für die 53- und 
55-m-Welle bei etwa 400 km gefunden, während sic 
für die 50-m-Welle etwa bei 600 km crreicht war. 
Sie wächst also mit kleiner werdender Wellenlänge. 
Die Breite dieser kritischen Entfernung betrug etwa 
10—20 km und war in wenigen Minuten durchflo- 
gen. Es wurde sowohl die plötzliche Lautstärken- 
abnahme mit zunehmender Entfernung, als auch die 
ebenso rasche Lautstärkenzunahlme mit kleiner wer- 
dender Entfernung wiederholt beobachtet. Im Falle 
der Beobachtungen 10 und 11 in Bild 8 wurde z. B. 
für Welle 37,2 m bei Hin- und Rückflug dieselbe kri- 
tische Entfernung (780 km) festgestellt. 


Die beim Senden aus der fliegenden Maschine 
beobachteten Schwunderscheinungen (Fadings) wa- 
ren von derselben Größenordnung, wie sie bei kon- 
stanter Entfernung normalerweise beobachtet wur- 
den. Innerhalb der kritischen Entfernung, in wel- 
cher die Zeichenstärke groß und praktisch konstant 
war, konnte durch die etwa auftretenden Fadings 
niemals eine Beeinträchtigung der Verbindung fest- 
gestellt werden. Erst bei Ueberschreitung dieser 


Ueber die Ausbreitung der kurzen Wellen bei kleiner Leistung im 1000 Kilometer-Bereich. 91 


Entfernung machte sich der Einfluß der Fadings un- 
ter Umständen kurzzeitig störend bemerkbar. Die 
kritische Entfernung stellt daher die sichere Ver- 
kehrsreichweite der betreffenden Welle dar. 


Der oben beschriebene Verlauf solcher Bevbaclı- 
tungen erwies sich als unabhängig von der Flug- 
höhe. Die Zeichenstärke blieb ungeändert, einerlei, 
ob die Maschine während des Fluges sendete oder 
sich in derselben Entfernung am Boden befand. In 
mehreren Fällen war sogar dann noch Empfang mög- 
lich, wenn sich das Flugzeug, 500 km vom Beobaclı- 
tungsort entfernt, mitsamt seiner Sendeanlage in 
einer geschlossenen, eisenbewehrten Halle befand. 


Außer den oben beschriebenen Versuchen, bei 
denen sich der Sender im Flugzeug befand, wurde, 
wie schon erwähnt, auch eine Reihe von Empfangs- 
beobachtungen im Flugzeug vorgenommen. Diesel- 
ben dienten hauptsächlich der Entwicklung eines 
Flugzeug-Kurzwellenempfängers und hatten auch den 
Zweck, über die für den Verkehr mit Flugzeugen er- 
forderliche Leistung eines Bodensenders Aufschluß 
zu geben. Hierfür wurde hauptsächlich das bei den 
obigen Untersuchungen als günstig erwiesene Wel- 
lenband von 46-50 m benutzt. Die Erfahrungen 
wurden auf 10 größeren Ueberlandflügen gewonnen, 
deren größte Entfernungen zwischen 300 und 600 km 
lagen. 


Solange sich das Flugzeug mit  stillstehendem 
Motor am Boden befindet, lassen sich die bisher aui- 
geführten Beobachtungen ohne weiteres auf den 
Empfang in der Kabine übertragen. Bei umlaufcen- 
dem Motor treten jedoch die bereits erwähnten Stö- 
rungen auf, welche die Klarheit und relative Zei- 
chenstärke des Empfangs beeinträchtigen. Infolge 
dieser Störungen wird hier die Senderleistung von 
2 Watt im allgemeinen nicht mehr ausreichen, jeden- 
falls wird man den für den Verkehr mit Flugzeugen 
bestimmten Bodensendern sehr viel größere Leistun- 
gen geben. Mehrfach gelang es trotzdem, mit dem 
unter Nr. 5 Tafel I beschriebenen Empfänger, einen 
Bodensender mit 2 Watt Leistung, auf ungedämpfter 
Telegraphie durchgehend bis auf 450 km Entfernung 
mit ausreichender Lautstärke im Flugzeug zu emp- 
fangen. In den übrigen Fällen wurde vom Boden 
aus mit etwa 60 Watt Leistung gesendet, wobei der 
Empfang bis auf 600 km ausgefilogener Entfernung 
eine gute Zeichenstärke ergab. 


Die bisherigen Empfangsbeobachtungen in der 
fliegenden Maschine zeigen, daß die bei den vorher 
behandelten Versuchen gewonnenen günstigen Er- 
fahrungen mit den Wellen um 50 m auch hier cin 
vorteilhaftes Ergebnis liefern. Diese Untersuchun- 
gen sind aber noch nicht abgeschlossen. Sie be- 
dürfen vielmehr noch einer weiteren Klärung der 
Frage nach der für einen betriebssicheren Verkehr 
ausreichenden Leistung des Bodensenders. 


Ein wichtiger Punkt für weitere Untersuchungen 
ist ferner die Ausgleichung der Schwunderscheinun- 
gen (Fadings). Dieselbe bezweckt eine Verbesserung 
der Kurzwellenverbindung durch Schaffung einer 
gleichmäßigen, über längere Zeit konstanten Emp- 
fangslautstärke. Die Lösung dieser Aufgabe ist 
hauptsächlich in der Wahl geeigneter Antennen auf 
der Bodenseite zu suchen. 


92 


Zusammeniassung. 


Die vorliegende Arbeit dient zur Klärung der 
Frage, ob mit geringen Leistungen eine durchgeliend 
sichere Kurzwellenverbindung im Entfernungsbereich 
bis zu 500 bzw. 1000 km möglich ist. Die Versuche 
wurden teils zwischen zwei ortsfesten, 500 km von- 
einander entfernten Stationen durchgeführt, um die 
Abhängigkeit der Empfangsstärke von der Tageszeit 
aufzunehmen, teils zwischen Flugzeug- und Boden- 
station zur Ermittelung des Einflusses veränderlicher 
Entfernung. 

Als Ergebnis zeigte sich, daß tatsächlich eine 
ständige Verbindung mit 2 Watt Sendeleistung bei 
Verwendung qauarzgesteuerter ungedämpfter Tele- 
graphiesender möglich ist. Die günstigste Wellen- 
länge liegt hierfür bei etwa 50 m. Für diese Welle, 
die keine Schwächungszonen mehr zeigt, beträgt die 
sichere Verkehrsreichweite mit lautstarken Zeichen 
bei Tag etwa 600 km für die angegebene Leistung. 


Ein zweites Ergebnis der Untersuchungen ist die 
Feststellung einer: gewissen kritischen Entfernung, 
welche für jede Welle ein ähnliches Charakteristi- 
kum darstellt, wie die Schhwächungszone. Es ist dies 
die Entfernung, innerhalb welcher die betreffende 
Welle, abgesehen von zeitweise auftretenden 
Schwunderscheinungen, eine große und praktisch 
konstante Empfangsintensität liefert. In der Arbeit 
ist diese Entfernung auch als sichere Verkehrsreichh- 
weite bezeichnet. 

Die Erfahrungen bei veränderlicher Entfernung 
wurden auf einer größeren Zahl von Ueberlandflügen 


M. H. Gloeckner: 


(insgesamt 20000 km durchflogene Strecke) gewon- 
nen, bei denen im allgemeinen vom Flugzeug aus 
mit 2 Watt gesendet und am Boden empiangeıı 
wurde. 

Die dab 


Ausbreitungsbeobachtungen zeigen, 


| 


C 


| 


| 
| 


Schwächungszonen für Wellen unterhalb etwa 38 ın : 


bei 2 Watt Senderleistung stets auftreten, zwischen 
38 und 48 m aber nur noch vereinzelt, im Sommer 
stärker als im Winter. Das plötzliche Einsetzen der 
bei den Wellen unterhalb 50 m auftretenden Ausiall- 
zeit bei Nacht wird auf das Wandern der Schwä- 
chungszonen mit wechselnder Höhe der lonisierungs- 
schicht zurückgeführt. 

Von den weiter erhaltenen Ergebnissen sei beson- 


ders hervorgehoben, daß die Empfangslautstärke von : 


der Flughöhe unabhängig ist, ähnlich wie es bei den 
langen Wellen nachgewiesen wurde, und daß die 
Zeichenstärke die gleiche ist, einerlei ob von dein am 
Boden oder in der Luft befindlichen Flugzeug ge- 
sendet wird. 

Die für den Flug-Funkverkehr entwickelten Kurz- 
wellen-Bordgeräte werden beschrieben. Entsprechend 


den geringen Leistungen können Ausmaße und Ge- ` 


wichte der Flugzeugstationen sehr klein gehalten 
werden. Ein Generator für Energiebelieferung des 
Senders ist nicht nötig, vielmehr genügen hier 
Trockenbatterien. 
geug fest angebrachten Dipolantenne besteht die 
Möglichkeit, am Boden vor Start oder nach Lan- 
dung ebenfalls zu senden und zu empfangen. 


(Eingegangen am 11. Dezember 1928.) 


Der Bordpeilempfänger im Flugzeug. 
Von M. H. Gloeckner. 


126. Bericht der Deutschen Versuchsanstait für Luftfahrt, E. V., Berlin-Adlershof (Abteilung für Funkwesen 
und Elektrotechnik). 


Die Arbeit behandelt den neuen Telefunken-Flug- 
zeugbordpeiler und bringt die Ergebnisse einer Reihe 
von Versuchsflügen, die mit diesem Gerät ausgeführt 
wurden. 


Inhalt: 
I. Die Entwicklung des Flugzeugpeilers. 
H. Der Bordpeiler spez. 173 N. 


a) Allgemeine Anforderungen. 

b) Grundsätzliche Schaltung. 

c) Allgemeine theoretische Grundlagen. 

d) Erzeugung eines absoluten Peilminimums. 
e) Seitenbestimmung. 

f) Aeußere Anordnung. 

g) Grundsätzliches über die Funkbeschickung. 
h) Aufnahme der Funkbeschickung. 


Die Anwendung des Bordpeilers im Zielflug. 


a) Allgemeines. 

b) Reiner Zielflug. 

c) Flug zwischen zwei Sendern. 

d) Zielflug nach Kompaß und Funkpeiler. 


IM. 


IV. Zusammenfassung. 


I. Entwicklung des Flugzeugpeilers. 


Die technischen Voraussetzungen für den erfolg- 
reichen Einsatz von Luftfahrzeugen in den regel- 
mäßigen Luftverkehr und in den Flugdienst über 
große Entfernungen liegen nicht allein in der Güte 
des Flugzeuges und seines Motors, sondern im be- 
sonderen auch in der Zuverlässigkeit und Zweck- 
mäßigkeit der zur Anwendung kommenden: naviga- 
torischen Hilfsmittel. 


Unter diesen verdient der Funkpeilempfänger 
weitestgehendes Interesse. Ursprünglich für die 
Zwecke der Seeschiffahrt entwickelt und in dieser 
vielfach und erfolgreich erprobt, hatte er in der Luft- 
fahrt zunächst auf dem „Amerika-Zeppelin“ L. Z. 126 
Verwendung gefunden. Die navigatorischen Aufgaben 
waren zwar auf See wie in der Luft im wesentlichen 
die gleichen, doch gestalteten Abmessungen und Ge- 
wicht des seemäßig durchgebildeten Marinebord- 
peilers seinen Einsatz in die Luftfahrt unwirtschaft- 
lich; auch war der Wellenbereich von 575 bis 1300 m 
für die kontinentale Luftfahrt ungeeignet, und die 
Rahımenantennen-Konstruktion genügte nicht den Be- 
anspruchungen der Staudrücke, die bei den großen 


In Verbindung mit der am Flug- 


nung 


| #Fluggeschwindigkeiten auftraten. Endlich störten die 
"iZündfunken der Explosionsmotore den Empfang, ins- 
"besondere die aufgenommenen Telephoniesendungen. 


i Diese Gründe führten notwendigerweise dazu, von 
. der planmäßigen Ausrüstung der Flugzeuge mit Peil- 


é 


gerät zum Zweck der Eigenpeilung so lange Abstand 
‚ zu nehmen, bis ein geeigneter Peiler entwickelt und 
- im regelmäßigen Fabrikationsgang hergestellt war. 

T Um auf die Vorteile der Funkpeilung nicht ver- 


Zichten zu müssen, beschritt die Entwicklung den 
“ gleichen Weg, den sie bereits vor Jahren bei der 


Bild 1. 
Bordpeilempfänger spez. 47 N zu Versuchszwecken in ein Junkers 
Flugzeug F 13 eingebaut. Das Gerät findet zur Zeit Verwendung 
in Seeflugzeugen und ortfesten Peilstationen. 


Seeschiffahrt genommen hatte: die Peilstelle boden- 
ständig zu machen und den Sender ortveränderlich, 
d. h. die sogenannte Fremdpeilung einzuführen. 

Solche Flughafen-Peilfunkstellen sind in Deutsch- 
land von der Zentralstelle für Flugsicherung ein- 
gerichtet und zum Teil bereits in Betrieb genommen. 
Aber auch hier treten aus Einflüssen des Geländes 
und der Flugzeugantenne gewisse Schwierigkeiten auf, 
die es zunächst nicht erlauben, mit derselben Ge- 
nauigkeit zu arbeiten, mit der Peilungen über See 
genommen werden können. 

Die beiden Verfahren, die „Fremd“- und „Eigen“- 
Peilung, gegeneinander abzuwägen, ist nicht der 
Zweck dieser Zeilen. Wertvoll sind zweifellos beide. 
Für Peilungen über große Entfernungen wird jedoch, 
um eines hervorzuheben, die Fremdpeilung immer 
ausfallen, da die Energie des Bordsenders und damit 
die Reichweite des „Peilstrahles“ begrenzt sind, wäh- 
rend die Sender am Boden außerordentlich stark ge- 
macht werden können. 

So entstand sehr bald in Zusammenarbeit der 
Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt mit der Tele- 
funken-Gesellschaft aus dem Marinebordpeiler ein 


a Der Bordpeilempfänger im Flugzeug. | 93 


Zwischengerät, der Bordpeiler spez. 47 N, der in 
ein Junkers-Flugzeug (Baumuster F 13) eingebaut 
(Bild 1), in einer Reihe von Flügen erprobt wurde 
und sich grundsätzlich als brauchbar erwies. Vor 
allem gelang es, die Störungen vom Zündfunken des 
Motors zu beseitigen und den Telephonieempfang ver- 
ständlich zu machen, was für die sichere Erkennung 
eines als Funkbake dienenden Telephoniesenders von 
wesentlicher Bedeutung ist. l 


II. Der Bordpeiler spez. 173 N. 


a) Allgemeine Anforderungen 


Die Versuche und Erfahrungen mit diesem Gerät 
gaben die Richtlinien für den Bau des ersten eigent- 
lichen f UEZENEVOTADÇIIEPS der Telefunken-Gesell- 
schaft. 

Die Gesichtspunkte, die für die Durchbildung des 
Peilers maßgebend waren, lassen sich, wie folgt, zu- 
sammenfassen: 

Der Peilempfänger sollte 
mechanisch stabil sein, 
geringes Gewicht und kleine Abmessungen 
haben, 
leicht bedienbar sein, 
den normalen Betriebsempfänger ersetzen, 
elektrisch mindestens dasselbe leisten wie der 
bisher verwendete Peiler spez. 47 N. 


Der neue Bordpeiler wird allen diesen An- 
forderungen weitgehend gerecht. Bei gleichen elek- 
trischen Eigenschaften ist er bei einer Raumersparnis 
von rund 60% auf etwa die Hälfte des Gewichtes ge- 
bracht. Die gesamte Gewichtsersparnis einschließlich 


Tafel 1. 
Vergleichende Uebersicht über die Peilempfänger spez. 
47 N und spez. 173 N, 


ee ee 


Peiler Peiler 


Gegenstand spez. 47 Nispez. 173N 
Gewicht Empfänger . | 15 kg | 7,6 kg 
Deckenlager mit Peilscheibe 
und Zuführungskabel zum 
Empfänger . . .... 61, 3,71, 
Rahmeniing . . e.. 78, 30 „ 
Gewicht des Gerätes 28,9kg | 14,31 kg 
Heizakkumulator . . . . . 3,7 kg | 3,7 kg 
Anodenbatterie . .. .. ~ 43 5. 
= |Steuerzeiger. ......| l1 jl . l x 
Gesamt- 
gewicht | Peilanlage (s. 0.) . . 37,9 kg | 23,3 kg 


585 mm Se 275 mm 


Abmes- | Empfänger: Höhe 
sungen Breite 550 „ |375 „ 
Tiefe. 200 „ |252 „ 
Raum- Empfänger einschließlich Auf- 
bedarf hängung . . «| 95 dm? | 38 dm? 
Heizakkumulator . 20 „ 20. 
Anodenbatterie 38 „ 38 „ 
| Stemerzeiger. . . . . | 38. | 385 38 „ 38 
Platz- Platz- | Empfänger einschließlich Aut- | T einschließlich Auf- 
bedarf hängung: Höhe 630 mm | 350 mm 
Breite 585 „ 435 „ 
Tiefe. . . 260 „ 252 „ 


94 


Rahmen mit Deckenlager, Zuführungskabel und Peil- 
scheibe beträgt rund 40 %. Eine vergleichende 
Zusammenstellung enthält Tafel 1. 
Die Wirkungsweise des Gerätes erhellt aus dem 
'Schaltbild (Bild 2). 
b) Grundsätzliche Schaltung. 
= Der Rahmenkreis 1—2—3 wird mit Hilfe des Dreh- 
kondensators 2 auf die zu empfangende Welle ab- 
gestimmt und durch den Rückkopplungskondensator 4 
entdämpft. Die aufgenommene Energie gelangt über 


dere Flugzeugkörper 


A 
7 BD 
LH 
Aa DR 
3 Jseite 
9 Saleppantenne 
omi Flugzeughörper 


M. H. Gloeckner: 


toafreguenzrerslarkung — 


PENAC a El 


c)AllgemeinetheoretischeGrundlagen. 


Befindet sich die Rahmenantenne im Strahlungs- 
feld eines Senders, so wird bekanntlich nur dann eine 
Spannung in ihr induziert, wenn der Vektor des elek- 
tromagnetischen Feldes eine Komponente besitzt, die 
auf der Ebene des Rahmens senkrecht steht. Wird 
der Rahmen (Bild 3) um eine senkrechte Achse in 
einem homogenen, normal polarisierten Feld um 360° 
gedreht, so wird während der Drehung die Durch- 
flutung der Schleife zweimal einen größten Wert an- 


Audon _ 2. 


Auaectequerzverstachung 


Bild 2. 
Grundsätzliches Schaltbild des neuen Flugzeugbordpeilers spez. 
173N. Bemerkenswert ist die Anordnung für die Seitenbestimmung. 


einen Vier - Röhrenhochfrequenz - Drosselverstärker 
I—IV zu dem Audion V, dessen Gitterkreis gleich- 
falls abzustimmen ist. Auf die Gitterkreisspule 10 ist 
der Anodenkreis durch die Spule 11 induktiv rück- 
gekoppelt. Die Rückkopplung dient entweder eben- 
falls zur Dämpfungsreduktion beim Empfang modu- 
lierter Sender oder zur Erzeugung der Ueber- 
lagerungsfrequenz bei Anpeilung ungedämpfter Funk- 


Fortpflanzungsrintung 
der Wellen 


Bild 3. 
Schematische Darstellung des Empfangsrahmens im elektro- 
magnetischen Feld. 


baken. Die vom Audion gleichgerichteten, nunmehr 
hörbar gemachten Zeichen gelangen über den Filter- 
kreis 12 zum Drei-Röhren-Niederfrequenzverstärker 
VI, VIL, VIII und schließlich zu dem als Empfangs- 
indikator dienenden Telephon. 


Die letzte Röhre arbeitet mit besonderer Gitter- 
vorspannung. Zur Beeinflussung der Empfangslaut- 
stärke dient der Widerstand 13, der die Heizung der 
Hochfrequenzverstärkerröhre III regelt. 


nehmen, nämlich dann, wenn die Ebene des Rahmens 
senkrecht zum Feld steht (Fall a—a), und zweimal 
wird die Durchflutung der Schleife Null sein, wenn die 
Rahmenebene in die Richtung des Flusses fällt (Fall 
c—c). Die Durchflutung der Schleife und die Größe 
der im Rahmen induzierten elektromotorischen Kraft 


Bild 4. 
Schematische Darstellung der wirksamen Normalkomponente des 
elektromagnetischen Feldvektors Sn. 


sind abhängig vom Betrage der Normalkomponente 
Ondes Vektors H. Ist p der Winkel zwischen Rah- 
mennormale und Verbindungslinie Peiler-Sender, so 
ergibt sich aus Bild 4 


Hn = H cos (g—90°) 
Nach einer Drehung des Rahmens um 180° ändert 


sich in bezug auf den Rahmen die Seite, von der der 
Vektor Ö durch die Schleife hindurchtritt, d. h. in der 


| 
| 
i 
| 
| 
| 
| 


] 


gewählten Darstellung wird $r negativ. Die Ver- 
hältnisse sind in Bild 5 wiedergegeben. Dieses Schau- 
bild, das die Engländer mit „Kosinusdiagramm‘“ be- 
zeichnen, veranschaulicht die Richteigenschaften der 
Rahmenantenne. Es gibt ebenfalls Aufschluß darüber, 
daß das Peilen nach dem „Minimum“ zu genaueren 
Werten führen muß als das Peilen nach dem „Maxi- 
mum“, da die Aenderung von Ón mit dem Drehwinkel 
7? dort am größten ist. 


dOn d(® cos (pP —90°)) 
t — = -— l 
do do 
— Ñ cos g. 
Die maximale Peilschärfe liegt also bei ¢ = 0°, d. h. 
im Peilminimum. 


Es is — H sin (9—90°) 


Kosinusdiagramm. 


d) Erzeugung eines absoluten 
Peilminimums. 


In der Praxis zeigt sich nun, daß der Rahmen nicht 
allein von der magnetischen Komponente, sondern 
auch von der elektrischen des elektromagnetischen 
Feldes induziert wird. Dieser sogenannte „Antennen- 
cifekt“ führt dazu, daß es zunächst nicht möglich ist, 
ein absolutes Minimum — also völliges Verschwinden 


Bild 6. 
Der Einfiuß des „Antenneneffektes* auf das Peilminimum äußert 
sich dadurch, daß der Empfangston nicht verschwindet und die 
Peilschärfe zurückgeht. Eine Verlagerung des Minimums findet 
nicht statt. 


— des Empfangssignals im Telephon zu erhalten. Da 
nun eine Hochantenne von allen Seiten gleich gut 
empfängt, ist ihre Richtcharakteristik ein Kreis. Die 
aus beiden Feldern induzierten Spannungen setzen 
sich zu einer Resultierenden zusammen. Bild 6, in 
dem die den Feldern proportionalen Spannungen ein- 
getragen sind, zeigt das reine „Kosinus-Diagramm“ 
des Rahmenempfanges, das Kreisdiagramm des An- 
tenneneffektes und den daraus resultierenden 
„Rahmenempfang mit Antenneneffekt“. Bei der 
Addition beider Spannungen ist zu beachten, daß ihre 
Vektoren zeitlich um 90° in der Phase gegeneinander 


Der Bordpeilempfänger im Flugzeug. 95 


—— oo m nn a nn 
nn e — 


verschoben sind, was durch folgende Betrachtung 
leicht verständlich wird. Aus den Hertz schen 
Gleichungen der Wellenausbreitung folgt, daß im 
Gebiet reiner Strahlung, also bei genügender Entfer- 
nung vom Sender, der elektrische und magnetische 
Vektor in Phase sind. Das elektromagnetische Feld 
induziert eine Spannung &,„ im Rahmen, die seiner 
Aenderungsgeschwindigkeit proportional ist, also in 
ihrer Phase um 90° gegen den magnetischen Vektor 
des Feldes verschoben ist. Die vom elektrischen 
Vektor 5 herrührende Spannung Ee pulsiert aber in 
gleicher Phase mit dem elektrischen, also auch dem 
magnetischen Vektor des Feldes. Demnach sind beide 
Spannungen um 90° gegeneinander verschoben. Der 
Radiusvektor der Resultierenden Cres hat also für die 
Ralımenstellung (9 — 90°) den Betrag: 


Eres = VE; + Ei, cos? (9—90°) 


Der Antenneneffekt verursacht zwar keine Ver- 
lagerung des Minimums, beeinträchtigt jedoch die 
Schärfe der Peilung erheblich. Daher ist im Emp- 
fänger Vorsorge getroffen worden, den „Antennen- 
effekt“ des Rahmens zu beseitigen (vgl. Bild 2). 


Bild 7. 
Diagramm der nicht abgestimmten Hilfsantenne. Antennenstrom 
und Spannung sind phasenverschoben. 


Die Spule 3 des Rahmenkreises ist induktiv an 
eine Hilfsantenne — verwendet wird die normale 
Flugzeugschleppantenne — angekoppelt. Die Kopp- 
lung ist stetig veränderlich und gestattet, den Hilfs- 
antennenbedarf zur Beseitigung des schädlichen An- 
tenneneffektes nach Größe und Phase entsprechend 
zu entnehmen. Die Hilfsantenne wird in stark ver- 
stimmtem Zustand verwendet. In diesem Falle (Bild 7) 
eilt der Strom Sa in der Hilfsantenne wegen der stark 
kapazitiven Charakteristik ihres Widerstandes der 
Antennenspannung Ça um 90° voraus. Der Strom 
induziert in der Spule 3 eine Kompensationsspannung 
Ex, die in Gegenphase zur Spannung des Antennen- 
effektes liegt. 


e) Seitenbestimmung. 


Wie aus den Bildern 3 und 5 ersichtlich, fallen 
auf eine volle Umdrehung des Ralımens zwei Minima. 
Auf Grund der bisherigen Erörterung ist dadurch die 
Peilung solange nicht eindeutig, als nicht festgestellt 
werden kann, auf welcher Seite der Rahmenebene 
der Sender liegt. Die „Seitenbestimmung“ ist durch- 
führbar, wenn es gelingt, denjenigen Hilfsantennen- 
bedarf aufzubringen, der die Kompensationsspannung 
für die im Rahmen induzierte Aequivalentspannung 
des elektromagnetischen Feldes liefert und die 
Phasenbedingungen erfüllt. 


96 


War zur Erzielung eines absoluten Peilminimums 
eine Hilfsspannung zu erzeugen, die mit dem 
Antenneneffekt in Gegenphase schwingt, so wird 
jetzt zur Bestimmung der „Seite“ eine Spannung €; 
benötigt, die gegen die Antennenspannung Ẹa um 90° 
verschoben ist und in (Gegenphase zur Rahmen- 
spannung €, liegt (Bild 8), d. h. es muß sein: 


Ç, = = En. 


Ein einfaches bisher angewandtes Verfahren be- 
steht darin, die Hilfsantenne abzustimmen. Man er- 
reicht damit, daß im Gegensatz zum Fall der nicht 
abgestimmten Antenne (Bild 7) der Antennenstrom 
Ja mit der vom elektrischen Feld $ in der Antenne 
induzierten Spannung &, in Phase ist. Die vom 
Antennenstrom im Rahmenkreis induzierte Spannung 


Pr Im 
Bild 8. 
Diagramm des abgestimmten Rahmenkreises, Strom und 
Spannung sind in Phase, 


fällt dann, je nach dem Windungssinn der Koppel- 
spule in Phase oder Gegenphase zur Spannung €, 
im abgestimmten Rahmenkreis (Bild 8), die durch die 
elektromagnetische Komponente 9 des Feldes er- 
zeugt wurde und geeignet ist, diese bei entsprechen- 
der Einstellung der Kopplung Hilfsantenne—Ralımen 
(Amplitude und Richtungssinn) und Hilfsantennen- 
abstimmung (Phase) zu kompensieren. 

Dieses Verfahren erfordert jedoch Bedienung und 
ist für die Verwendung inı Flugzeug wenig geeignet. 
Einen Ausweg bringt eine gemeinsam mit der Ma- 
rine von der Telefunken-Gesellschaft entwickelte 
Schaltung, die hier Verwendung findet und die vor- 
liegende Aufgabe in eleganter Weise löst. 

Parallel zur Kopplungsspule (7) der Schleppantenne 
ist der veränderliche Widerstand (5) in Reihe mit der 
Induktionsspule (6) geschaltet (Bild 2). Der ver- 
änderliche Widerstand gestattet, die Phase 9a 
zwischen der in der Schleppantenne erzeugten Span- 
nung Ea und dem in der Spule 7 fließenden Strom 
X, und damit auch die Phase zwischen der Kompen- 
sationsspannung €, und der Ralhımenspannung En» zu 
beeinflussen. Die Wirkungsweise wird durch Bild 9 
und 10 erläutert. Bild 9 zeigt das Ersatzschema für 
die Hilfsantenne. C ist die dynamische Kapazität der 
Antenne, R ihr ohmscher Widerstand, 2 und %, sind 
die Induktivitäten der Schleppantenne und der Koppel- 
spule (7); R, ist der Widerstand und 2%, die Selbst- 
induktion (6) im Zusatzkreise.. SS, und %, sind die 
Zweigströme, und &, ist die den Zweigen gemein- 
same Spannung. 

Wie oben erwähnt, kommt es also bei der Seiten- 
bestimmung darauf an, die Rahmenspannung Èm zu 
kompensieren. Die benötigte Kompensationsspannung 
Œ, kann aber ein in der Antennenspule (7) fließender 
Strom Š, nur dann in der Rahmenkreisspule (8) 


M. H, Gloeckner: 


(Bild 2) induzieren, wenn sein Vektor senkrecht steht 
zu dem der Rahmenspannung €,.. Dieser Strom muß 
demnach in Phase sein mit der in der Schleppantenne 
vom elektrischen Feld $ erzeugten Spannung Ca, 
d. h. es muß Pa =Q sein. 


Bild 9. 
Ersatzschema des Antennenkreises für die Seitenbestimmung. 


Die Phasenbedingung läßt sich mit Hilfe des ver- 
änderlichen Widerstandes R, erfüllen, wenn die 
Kapazität C der verwendeten Schleppantenne ge- 
nügend groß ist. Die Verhältnisse lassen sich im 
allgemein gültigen Vektordiagramm des Bildes 10 gut 
übersehen: 


| Bild 10. 
Vektordiagramm für die Seitenbestimmung. Es wird angestrebt, 
den Phasenwinkel pa zwischen Œa und Œo klein zu halten. 


S0 + 3, = ŞS ist der Strom in der Antenne. An 
Q, (Spule [7]) liegt die Spannung &,, die dem Strom 
So um 90° voreilt. 

Die in der Schleppantenne vom elektrischen Feld 
erzeugte Spannung €, stellt sich dar als Summe aller 
Spannungsabfälle im Antennenkreis. Es ist also: 


Sr BEER: e 7 d€ 
e=2E€=F, IR +j oL I+ 3 


SR ist in Phase mit $, also // X zu zeichnen; jo Q% 
l 
und ToC X eilen X, also auch X.R um 90° vor bzw. 


nach. €. ergibt sich als Schlußlinie des Spannungs- 
diagramms. 


——— 0 a nn 
aA A 


| 


ne S Bann nn, 


Der Bordpeilempfänger im Flugzeug. 97 


Aus Bild 9 u. 10 läßt sich ersehen, daß die Auf- 
teilung der Spannung Ea in &.— €, und &, von der 
Größe des komplexen Widerstandes 

3 _ Rj w Po— w? L, £, 
ý R, +j w (£o + £) 
abhängig ist. 

Dieser ist aber in Betrag und Richtung eine Funk- 
tion von R,. Wird z. B. R, verkleinert, so werden 
auch %, und somit ©, kleiner und entsprechend 


Ea—E, größer, weil €a konstant bleibt. Da aber 
E.—E, in der Hauptsache aus dem Spannungsabfall 


1 
TC S bestimmt ist, wird sich der Vektor €, in 


J @ 


der Richtung nach X, drehen. Gleichzeitig bewirkt 


die Verkleinerung von R, daß die Ströme I, und $, 


Kennzeichen fürdie 
Serfendestimmung 


Bild 11. 
Funkpeilskala mit Seitenkennzeichen „rot“ und „blau“ sowie 
„Punktmarke* zum Ablesen der Peilung. Die Skala ist im Flug- 
zeug so angeordnet, daß die Linie 00-1800 in Flugzeuglängs- 
richtung liegt. 09 voraus; 180° achteraus. 


mehr und mehr in Phase fallen, was ebenfalls zur 
Verkleinerung von Qa beiträgt. 

Xo induziert also für Pa = 0 eine Spannung €, in 
der Spule (8) — diese wird durch den Schalter 9 zur 
Bestimmung der „Seite“ an Stelle der Spule (3) in 
den Rahmenkreis geschaltet —, die X, um 90° voreilt, 
und somit in Phase oder Gegenphase zur Rahmen- 
spannung Ẹ,, liegt, je nachdem, in welchem Sinne 
die Spule 8 durch die gewählte Stellung des Schal- 
ters 9 (Stellung 2 oder 3) an die Spule 7 an- 
gekoppelt ist. 

Die vorstehend dargelegte Anordnung ermöglicht 
eine einfach und schnell auszuführende Bestimmung 
der „Seite“, auf der ein angepeilter Sender liegt, denn 
zwischen der Stellung der Rahmenantenne und der 
des Schalters für die „Seitenbestimmung“ (Bild 2, 
Ziffer 9) besteht ein zwangläufiger Zusammenhang 
derart, daß jeder der beiden Stellungen des in das 
Empfangsmaximum gedrehten Rahmens nur eine Stel- 
lung (2 bzw. 3) des Kippschalters (9) (Bild 2) ein- 
deutig zugeordnet ist, in der der Empfangston ge- 
schwächt und damit für die „Seite“ bestimmend wird. 

Die entsprechenden Stellungen sind durch die 
Farben blau und rot am Schalter und an der Peil- 
scheibe (Bild 11) ein für allemal gekennzeichnet. 

Ist ein deutlicher Unterschied der Empfangslaut- 
stärken in beiden Schalterstellungen nicht vorhanden, 
so wird die Nachregelung des Phasenschiebers (5) 


Abhilfe schaffen, ohne daß die Phasen und Ampli- 
tudenbedingungen streng zu erfüllen wären. Bild 12 
zeigt das Diagramm der Seitenbestimmung für den 
allgemeinen Fall, daß die Hilfsspannung esıı weder 
in der Phase noch in der Amplitude auf die Rahmen- 
spannung €» abgeglichen ist (Kurve II). Dem gewähl- 
ten Beispiel ist eine Phasenverschiebung von 45° 
zugrunde gelegt. Die in den beiden Schalter- 
stellungen wirksamen Spannungen verhalten sich 
etwa wie 1:2. Die Kurve I zeigt das Diagramm für 
den Fall der streng durchgeführten Kompensation 
(Herzkurve). Die Hilfsspananung es ist dem Betrag 
nach gleich dem der Rahmenspannung em und liegt 
in Phase oder Gegenphase zu ihr. 


| Sender 


Allgemeines Diagramm 


Bild 12, 
Diagramm der Seitenbestimmung. Für den idealen Abgleich von 
Rahmen und Hilfsantenne auf Größe und Phase ergibt sich die 
„Herzkurve* (I). Auf eine volle Drehung des Rahmens um 360° 
fällt nur ein Minimum. Die Peilung wird eindeutig (Seitenbe- 
stimmung). Auch bei nur angenäherter Erfüllung der Abgleich- 
bedingungen ergibt sich — wenn auch weniger ausgeprägt — 
nur ein Minimum (I). 


f) Aeußere Anordnung. 


Die angestellten Betrachtungen über die innere 
Wirkungsweise des Peilempfängers werden es, ge- 
rade im Hinblick auf seine Verwendung als Meßgerät, 
verständlich erscheinen lassen, daß das Aeußere des 
Empfängers durch eine Anzahl von Schaltern und 
Einstellvorrichtungen auffällt, die an die Uebung und 
Erfahrung desjenigen, der das Gerät bedient, gewisse 
Anforderungen stellen. In Bild 13 ist der Bord- 
empfänger in der Frontansicht dargestellt. Auf die 
Bedeutung der einzelnen Schaltelemente ist durch 
entsprechende Stichworte hingewiesen. Besonders 
erwähnt seien die Wellenschalter, durch die gleich- 
zeitig Rahmenkreis, Audionkreis und Hilfsantenne für 


98 M. H. Gloeckner: 


nn 


den gewählten Wellenbereich entsprechend geschaltet 
werden, und der Ueberspannungsschutz, der, parallel 


zum Rahmen gelegt, den Empfänger vor Ueber- 


spannungen schützt, wie sie beim Wechselverkehr 
durch den eigenen Sender hervorgerufen werden 
können. Diese Einzelheiten sind aus Gründen der 


PO w TEISAL 


Hanınen Sbst mag ` 
4 f~ 


$ feinste Amp‘ 

KL s 

© Alfsuntrmnenköpeling 
 Hulfantenee 

| Marten 


Rahmererdung. 
Seallung auf: Peilern— 


Fhagensarder w 


Anschlüsse for den Rahmen  . TEI A 
tostor ren 


j Jhal! ung auf 2 eilene stimmung. Rahmenriccppl. ung Peilempförger: Rus Ein 


Zur Uebermittlung der Peilergebnisse an den Flug- 
zeugführer dient der Fernanzeiger. Er besteht aus 
einem Drehspulinstrument mit einer nach links 
zählenden Backbord- und nach rechts zählenden 
Steuerbordskala.. An das Instrument wird über einen 
entsprechend geeichten Spannungsteiler Spannung ge- 


Hodfrequtareiteizung 


Audion Alsfmeung 


_ Fernstellimggf = ` 


Keilensoailer = 


Au dionrätkagplung 


Anslüssefürdie ` 
S/romquelioen "  - 


Ansouis fa den frmanzeıger 


\ N opfhörer 


Bild 13. 
Frontansicht des Peilempfängers spez. 173‘N. 


Uebersichtlichkeit im grundsätzlichen Schaltbild 
(Bild 2) fortgelassen. Die gedrungene Bauart des 
Peilers macht naturgemäß eine sorgfältige Ab- 
schirmung im einzelnen und im ganzen zur not- 


legt. Das im Führersitz eingebaute Gerät zeigt das 
Bild 14. Es besitzt ferner Anschlußbuchsen für das 
Mithörertelephon und einen Schalter zum Einschalten 
des Empfängers. Die links sichtbare Glühlampe soll 


Bild 14. 
Fernanzeiger (Empfänger) im Fühiersitz des Flugzeuges D 570 
(Junkers F 13) zur Uebertragung der Kursberichtigung. Der 
Geber befindet sich am Funkpeilstand. Der in dem Bilde (Mitte 
oben) sichtbare Schalter gestattet dem Piloten, den Peilempfänger 
einzuschalten, um selbst mithören zu können. 


wendigen Bedingung, so daß auch das Gehäuse durch- 
weg aus Aluminium gefertigt ist. Die 8 Röhren 
(Type RE 144) sind durch eine in der Aufsichtsfläche 
angeordnete Klappe zugänglich. Die Stromversorgung 
der Röhren erfolgt durch einen Akkumulator von 
4 Volt Spannung. Den Anodenstrom liefert eine 
Trockenbatterie von 60 bis 100 Volt. 


den Flugzeugführer darauf aufmerksam machen, daß 
der Fernanzeiger betätigt wird. 


g) Grundsätzliches über die Funk- 
beschickung. 


Der in ein Flugzeug eingebaute Peiler ist an sich 
nicht ohne weiteres verwendungsfähig, denn der ein- 


-O 
ww 


JE u rn amea o, y ERREGT 


N o, 


1 


Der Bordpeilempfänger im Flugzeug. 99 


kommende Peilstrahl' eines Senders wird durch die 
Metallmassen des Flugzeuges abgelenkt. Diese „Bord- 
ablenkungen“, die aus der Seefahrt genügend bekannt 
und erforscht sind!), haben zwei grundsätzliche Ent- 
stehungsherde, die ihren funktionellen Zusammenhang 
ınit der rohen Funkpeilung, d. h. der Ablesung auf 
der Peilscheibe, kenrzeichnen. Und zwar wirken die 
Metallmassen des Flugzeuges in ihrer Anordnung wie 
Hoch- oder Rahmenantenne und führen zu einer Ver- 
zerrung des Empfangsfeldes, die rechnerisch erfaßbar 
ist. 

Da die strahlenden Teile des Flugzeuges nicht 
chne weiteres erkennbar sind, geht man in der 
Praxis den umgekehrten Weg und ermittelt aus der 


gebilden, die wie Hochantennen wirken und längs 
achteraus (+B) oder voraus (—B) bzw. an Steuer- 
bord (+C) oder Backbord (— ©) liegen. Diese 
antennenähnlichen Rückstrahler gehen also „halb- 
kreisig“ in die Funkbeschickungs-Charakteristik ein, 
da ihre Erregung richtungsunabhängig ist. Ihr Ein- 
fluß ist im Gegensatz zum A-Wert frequenzabhängig. 

Als Auswirkung schleifenähnlicher Rückstrahler in 
der Flugzeug-Längs- oder Querachse tritt das viertel- 
‚kreisige „D“ auf, das positiv ist, wenn der Peil- 
rahmen im Außenfeld einer Längsschleife oder im 
Innenfeld einer Querschleife steht, und negatives Vor- 
zeichen besitzt, wenn er dem Einfluß des Innenfeldes 
einer Längsschleife oder dem Außenfeld einer Quer- 


Bild 15. 
Versuchsflugzeug der DVL mit Peileinrichtung (Junkers F 13) 


und fest verspannter Hilfsantenne. 


Als Hilfsantenne ist jedoch 


im allgemeinen die normale Schleppantenne vorgesehen. ` 


empirisch festgestellten Bordablenkung durch . har- 
monische Kurvenanalyse Lage und Wesensart der 
Fehlerquelle. Dieses Verfahren gibt Mittel und Wege 
zu einer wirksamen Kompensation”), die zwar auf 
Schiffen oft angewendet, für‘ das Flugzeug jedoch 
nicht in Frage kommt, da sie mit dessen Eigenarten 
schwer vereinbar ist. | 

Aus Zweckmäßigkeitsgründen wird die Peilscheibe 
im Flugzeug so angebracht, daß die Linie 0°-—-180° 
in die Flugzeuglängsachse fällt und 0° voraus, 180° 
achteraus liegt. Die Ablesung ergibt dann die ‚rohe 
Funkseitenpeilung‘“ q, die um den Betrag der „Funk- 
beschickung“ f zu berichtigen ist, um den „Steuer- 
bordwinkel“ oder die „Funkseitenpeilung“ » zu er- 
halten. Es ist also: 


p=q4+ f 


Aus der Fischerschen Funkbeschickungs- 
theorie!) ergibt sich, daß die Funkbeschickung all- 
gemein darstellbar ist durch die Beziehung: 


f =F? (q) = 4 +B sing + C cos q -+ D sin 2q 
+ E cos 24 + K sin 4g, 


wobei den Koeffizienten der Glieder eine physika- 
lische Bedeutung zukommt. 

Der konstante Beiwert A ist 0, wenn der Rahmen 
symmetrisch im Flugzeug angeordnet und die Peil- 
skala zum Rahmen richtig orientiert ist. Die Bei- 
werte B und C rühren her aus Einflüssen von Leiter- 


1) F. A. Fischer, Die allgemeine Funkbeschickungsgleichung 
Ann. d. Hydr. Bd. 54, S. 340, 1926. 

2) Maurer u. F. A. Fischer, Die vom Schiff hervorgerufene 
Pun e g und ihre Kompensation ETZ, Bd. 46, S, 1901, 
H. 51, : 


schleife ausgesetzt ist. Eine notwendige Begleit- 
erscheinung des Beiwertes D ist der achtelkreisige 
Wert K. Die Zusammenhänge ergeben sich rein 
rechnerisch aus der Tatsache, daß die Erregung einer 
Längsschleife proportional ist dem Cosinus des 
Steuerbordwinkels (des unabgelenkten Funkstrahles), 
aiso proportional cos p. Das ausgestralilte Störfeld 
ist aus Symmetriegründen quer zur Flugzeuglängs- 
achse gerichtet und setzt sich mit dem ungestörten 
Feld des fernen Senders zu einer Resultierenden zu- 


sammen. Es ergibt sich die Proportionalitäts- 
beziehung: 

sin fœ sin q-cos p 
und da 


p=qa+tf 
ist, ergibt sich die Näherungsformel'): 
f = D sin 2q + K sin 4q 


Das Bestehen eines „E-Wertes“ in der Funk- 
beschickungskurve deutet auf das Vorhandensein von 
Schleifen in Richtungen, die um 45° rechtsdrehend 
gegen die D-Schleifen verschoben sind. Die an- 
gestellten Betrachtungen lassen sich auch hier ent- 
sprechend verwenden. 


Bild 15 stellt ein Junkers-Flugzeug, Baumuster 
F 13, dar, das mit der neuen Peilanlage versuchsweise 
ausgerüstet ist. Die Funkbeschickung wurde für diese 
Maschine aufgenommen und ist in Bild 16 wieder- 
gegeben. Die Beiwerte der untersuchten Wellen- 
längen enthält Tafel 2. 


Für den Verlauf der Funkbeschickungskurve ist 
der positive D-Wert von ausschlaggebender Be- 


100 


-- S -- u e a A 


deutung. Der Rumpf des Flugzeuges wirkt also ähn- 
lich dem des Schiffes wie eine induktive Längs- 
schleife, in deren Außenfeld der Peilrahmen steht. 
Der Wert A ist praktisch konstant und besagt, daß 
der Ralımen symmetrisch zur Flugzeuglängsachse 
liegt. Auch die B- und C-Werte sind verhältnismäßig 
EP TI Bo TIP T 
PTa ER Ha HE HE 1 RE N a AT 
Z Zoo | 


N | 
2 2 HR Ei o Ho ho 160 2080 20 30 2 
77, BEER EEE) BER R Sa [Er EEE a Be DE E 
ALL N BE Di N 9 BEE RE u u 


2|_ 25 ob 6b & 
4 unse Bann Ta ba am I Fr I a Ka 
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BES 
EB! 
en 
D_6b 
| 


Bild 16. 
Funkbeschickungskurven eines Junkers-Flugzeuges F 13 für ver- 
schiedene Wellenlängen. 


klein, so daß wesentliche Störstrahlungen aus Lei- 
tungsgebilden, die wie Hochantennen wirken, nicht 
auftreten. 


h) Die Aufnahme der Funkbeschickuneg. 
Da die Aufnahme der Funkbeschickung für ein in 
der Luft befindliches Flugzeug erhebliche Schwierig- 
keiten bereitet, muß sie auf dem Erdboden erfolgen. 
Dabei ist in folgender Weise verfahren worden. 


Tafel 2. 


Beiwerte der Funkbeschickung für ein Junkers-Flugzeug 
Baumuster F 13. 


BP Co 


0,2 | 0,1 

—0,03 —0,45 |—0,2 
—0,15 I—0,05 

—08 | 0,1 


0,25 i—0,15 


hölzernen Dreh- 
scheibe, wie sie für die Kompensation von Magnet- 


Das Flugzeug wurde auf einer 


kompassen Verwendung findet, in Fluglage auf- 
gebockt und sorgfältig festgemacht. Der Peilrahmen 
befand sich im reinen Strahlungsfeld eines rund 
20 km entfernten ortsfesten Senders. Gegen diesen 


M. H. Gloeckner: Der Bordpeilempfänger im Flugzeug. 


wurde das Flugzeug geschwojit und die jeweilige 
Drehung « durch optische Einpeilung eines Gelände- 
festpunktes mit einer auf der Drehscheibe aufgebauten 
Peilscheibe ermittelt. 

So ergab sich für jede Ablesung a der optischen 
Peilscheibe eine zugeordnete rohe Funkseitenpeilung 
q (Bild 17). 

Für die Ablesung a = 0 liege im Funkpeiler das 
Minimum bei q,; das bedeutet, daß die optische und 
die Funkpeilskala gegeneinander scheinbar um go 
verschoben sind. Die Funktion: 


(.to)—a=h=r(d 


gibt dann zwar den Verlauf der Funkbeschickung 
richtig wieder, nicht aber die Funkbeschickung selbst, 
da g, bereits mit dem Fehler der Bordablenkung be- 


haftet ist. Um diesen Betrag erscheint dann die 
Funkbeschickungskurve in der Ordinatenrichtung 
verschoben. 


Pen PAR en des 
VER ig Bezugsiinie für | | Alstrahls 


N, @tische funkpeiling® z 


Bild 17. 
Darstellung der Funkbeschickungsaufnahme eines Flugzeuges. 


Die tatsächliche Peilung des 
Strahles wäre für a = 0 


Po = da Ffos 


wobei /, der zu q, gehörige Beschickungswert ist. 

Der Uebergang von der optischen zur Funkpeilung 
ist für einen beliebigen Winkel a damit gegeben durch 
die Beziehung: 


a tpo =p; da p=q4 +f und f= fot f 


ist, ergibt sich: 


einkommenden 


} = p—q = a + p — 4 = a — (lau) + h 


Zur Ermittlung der Unbekannten f, blieb nur der 
etwas umständlicle Weg, das Flugzeug von der Drel- 
scheibe zu entfernen und den Peiler in gleicher 
Stellung und Anordnung für sich gesondert auf der 
Drehscheibe wieder aufzubauen. Für a = 0 ergab 
sich nunmehr die verbesserte Funkseitenpeilung p, 
unmittelbar, da ja die im Flugzeug liegenden Ursachen 
für die Funkstrahlablenkung beseitigt waren. 

Damit war auch f bestimmt aus 


fo = Po — Qo 


und die Funkbeschickung für jeden Wert von a ein- 
deutig festgelegt. 

Da die Richtung des einkommenden Funktstrahles, 
abgesehen von den Einflüssen des Flugzeuges, auch 


| 
\ 
| 


3 


solchen des Geländes zwischen Sender und Empfänger | 


ausgesetzt war, konnte einerseits die Kenntnis der 
Lage des Senders zur Ermittlung von f nichts bei- 
tragen, solange die Wegablenkung nicht ermittelt 
war, andererseits mußte für jede untersuchte Wellen- 


A O 


H. E. Hollmann: Zusammenfassender Bericht. Die Erzeugung kürzester elektrischer Wellen mit Elektronenröhren. 101 


länge die Bestimmung von /, erneut erfolgen, da die 
\Wegablenkung von der Wellenlänge abhängig ist. 


Es wäre denkbar, daß ein inhomogener Boden in 
der unmittelbaren Nähe der Drehscheibe den Funk- 
beschickungsverlauf dadurch fälschte, daß sich die 
Kapazitäten der an der Störstrahlung teilnehmenden 
Teile des Flugzeuges änderten. Obgleich diese Fehler 
gering sein dürften, ist beabsichtigt, Nachprüfungen 


vorzunehmen, die den Einfluß der Bodennähe auf die 
Funkbeschickung erfassen sollen. Die Drehscheibe 
selbst blieb auf die Funkbeschickung ohne Einfluß, 
denn für den in einem Holzgestell auf die Drehscheibe 
gesetzten Peiler war die Differenz zwischen optischer 
und Funkpeilung konstant. 


(Eingegangen am 25. Oktober 1928.) 
(Schluß folgt.) 


Zusammenfassender Bericht. _ 
Die Erzeugung Kürzester elelitrischer Wellen 


mit Elelitronenröhren. 
Von H. E. Hollmanı. 
Physikalisches Institut der Technischen Hochschule Darmstadt. 
Schluß*). 


3. Theoretische Untersuchungen 
der Elektrodenschwingungen. 


Die mannigfaltigen, in den bisher angeführten 
Arbeiten beschriebenen Erscheinungen beweisen, daß 
die einfachen Vorstellungen von Barkhausen und 
Kurz nur in groben Umrissen beibehalten werden 
können, und daß eine eingehende Erweiterung der 
Theorie erforderlich ist. Zur Zeit ist eine solche, 
allen Anforderungen genügende Theorie noch nicht 
vorhanden, doch sind verschiedene Ansätze gemacht 
worden, welche auf eine baldige Lösung des Problems 
schließen lassen. 

Die hauptsächlichen Punkte, welche durch die 
Theorie von Barkhausen-Kurz nicht erfaßt 
werden, sind: 

a) Das Auftreten eines, der negativen Anoden- 

spannung entgegenfließenden Anodenstromes. 

b) Die phasengleiche „gewisse“ Ordnung in der 

Elektronenbewegung. 


c) Die gleichzeitige Abhängigkeit der Frequenz i 


von den konstanten Zwischenelektrodenfeldern 
einerseits und von der Abstimmung des äußeren 
Schwingungskreises andererseits. 


a) Wenn nach Barkhausen und Kurz alle,. 


Elektronen vor der Anode umkehren und zum Gitter 
zurückfliegen, kann kein Anodenstrom auftreten; es 


muß daher eine Zahl von Elektronen geben, die nicht ' 


an der Umkehr vor der Anode teilnehmen, sondern 
auf dieselbe zufliegen. Zilitinkewitsch!“”) 
gibt an, daß ein Teil der Elektronen „auf irgendeine 
Weise eine additive lebendige Kraft“ erhalten muß, 
welche sie befähigt, sich widersetzende Niveauflächen 
zu durchdringen und gegen die abstoßende Anode an- 
zulaufen. Damit steht auch die Tatsache in Einklang, 
daß die freie Anode sich beim Einsatz von Schwin- 
gungen stark negativ auflädt, wie es Nettleton, 
Breit, Sahanek, Hollmann u. a. beobachtet 
haben. Ä ee 

Nach Kohl! *) ist der Anodenstrom nur ein 
energieverzehrendes Dämpfungsglied, hervorgerufen 
durch die Wechselspannungen an der Anode. Dabei 
setzt Kohl so hohe Amplitudenwerte voraus, daß die 
Anodengleichspannung kompensiert wird, und daß die 


Anode somit während der positiven Halbwelle ein 
positives Potential erhält. Seine Anschauung erfährt 
eine Stütze durch die Feststellung, daß beim Ersatz 
des vollen Anodenzylinders durch eine Spirale die 
Schwingungsenergie bis auf den fünffachen Betrag an- 
steigt. 

b) Pfetscher*) erklärt die Unterteilung der 
durch das Gitter hindurchfliegenden Elektronen in 


. 


fe a ae UT 1 
230’wt 320° 


Bild 24. 
Elektronenbewegungen im Wechselfeld nach Kapzov. 


solche, die auf die Anode zufliegen und solche, die 
wieder zum Gitter zurückkehren, durch die an den 
Elektroden auftretenden Wechselspannungen, wie es 
auch breits Gill und Morrell angegeben haben. 


Kapzov°) nimmt ebenfalls an, daß infolge der 
Wechselfelder zwischen den Elektroden ein Teil der 
Elektronen auf die Anode aufprallt, und somit aus 
dem weiteren Schwingungsvorgang ausscheidet, daß 
es aber andererseits auch Elektronen gibt, welche bei 
ihrer Rückkehr in den Gitter-Kathodenraum auf den 
Glühfaden mit endlicher Geschwindigkeit auftreffen. 
Die Aussonderung der Elektronen durch die Anode 
oder Kathode bewirkt nach Kapzov eine Ein- 
schränkung aller bei dem Elektronentanz vor- 
kommenden Phasen und ist die Ursache für die von 


102 


Barkhausen und Kurz geforderte „gewisse 
Ordnung“ in der Elektronenbewegung, wobei die 
Auslese durch den Heizfaden auch bei negativer 
Anode, bei der kein Anodenstrom melır auftritt, den 
Schwingungseinsatz rechtfertigt. 

Kapzov stellt die Bewegungsgleichung auf für 
alle unter der Einwirkung eines Wechselfeldes von 
der Frequenz wi stehenden Elektronen und führt 
unter vereinfachenden Annahmen eine numerische 
Integration seiner Gleichungen durch. Für einen be- 
stimmten Fall 


("a= 0,8 cm; r, = 0,31 cm; Bg = 100 Volt; 
E, == Ea = 10 Volt) 


erhält er die in Bild 24 wiedergebenen Balınkurven 
von 6, zu verschiedenen Zeiten wi den Heizfaden ver- 
lassende Elektronen. Dabei bedeutet wt = 0 den An- 
fang einer Schwingungsperiode der Gitterspannung, 
während wE=360° die nach der Formel von 
Scheibe ermittelte, und der Berechnung zugrunde 
gelegte Periode des Wechselfeldes ist. Wie man sicht, 
kehrt ein im Moment wt = —80° den NHeizfaden 
verlassendes Elektron wieder zu demselben zurück, 
wogegen ein bei wt = +80° ausgehendes Elektron 
auf die Anode aufprallt. Alle, die Kathode zwischen 
ot = — 70° und + 70° verlassende Elektroden führen 
eine Pendelbewegung um das Gitter aus, deren 
Periode in Uebereinstimmung mit der Theorie von 
Hollmann unterhalb der nach Scheibe errech- 
neten liegt; Kapzov errechnet die Elektronen- 
frequenz für eine beliebige Erregerfrequenz wi des 
Wechselfeldes; setzt man beide einander gleich, da 
die Wechselfelder ia durch die Elektronenschwin- 
gungen hervorgerufen werden, so geht die Theorie 
von Kapzov in die von Hollmann, allerdings 
unter weitgehenden Vereinfachungen aufgestellte über. 

In einer bereits zitierten, umfassenden und über- 
sichtlichen Arbeit legen Tank und Schilt- 
knecht!“*) dar, daß die Steuerung der Elektronen- 
bewegung unter Mitwirkung eines äußeren Schwin- 
gungskreises stattfindet, indem die Raumladungs- 
dichte des Emissionsstromes durch die den 
Elektrodengleichspannungen überlagerten Wechsel- 
spannungen periodisch geändert wird. Ihre Theorie 
führt zu einem Ausdruck für die Raumladung ọọ, der 
sich aus zwei Teilen zusammensetzt, nämlich der 
statischen, konstanten Raumladung o» und einer ver- 
änderlichen Komponente Ao vom Charakter einer 
stehenden Welle, welche trotz konstanten Emissions- 
stromes eine variable Feldstärke hervorruft. Tank 
und Schiltknecht geben auf Grund dieser theo- 
retischen Unterlagen eine Erklärung dafür, daß die 
Schwingungen nur im Sättigungsbereich auftreten, 
also an eine bestimmte Gittermindestspannung ge- 
bunden sind, daß aber ebenso auch nach zunehmen- 
den Gitterspannungen hin eine Grenze gesetzt ist, 
weil der „Anfachungsfaktor“, welcher in Analogie 
zum rückgekoppelten Röhrensender die „Güte“ der 
Schaltung und der Röhre erfaßt. %, umgekehrt pro- 
portional ist. Für die Abhängigkeit der Wellenlänge 
vom Eınissionsstrom finden sie die Beziehung: 


Ia- å? = const. 
Um den Wellenbereich auf die Hälfte herab- 


zusetzen, muß die Gitterspannung vervierfacht und 
der Emissionsstrom verachtfacht werden, und aus 


H. E. Hollmann: 


diesem Grunde ist der experimentellen Erzeugung 
sehr kurzer Wellen rasch eine Grenze gesetzt, welche 
zur Zeit bei 20—30 cm liegen dürfte. 


Die vorstehenden, von verschiedenen Autoren ge- 
teilten Meinungen, daß die Gleichphasigkeit der Elek- 
tronen nur durch die unter Mitwirkung eines äußeren 
Schwingungskreises in den Elektroden induzierten 
Wechselspannungen bewirkt wird, glaubt Holl- 
mann!“*) experimentell widerlegt zu haben, indem 
er jede Einwirkung eines äußeren Schwingungs- 
systems auf den Elektronenmechanismus durch beider- 


seitige kapazitive Ueberbrückung der Elektroden 
unterdrückte. Es ergab sich, daß in diesem Fall nur 
die Gill- und Morrell-Schwingungen ver- 


schwanden, daß hingegen die Barkhausen- 
Kurz - Schwingungen, ohne daß eine Aenderung der 
Frequenz festzustellen war, bestehen blieben. Nach 
diesen Beobachtungen muß daher noch dahingestellt 
bleiben, auf welche Weise tatsächlich eine Unter- 
teilung der Elektronen vor der Anode stattfindet. 

c) Die von verschiedenen Autoren mitgeteilte Be- 
obachtung, daß die Wellenlänge der Elektronen- 
bewegung von zwei verschiedenen Faktoren, nämlich 
den Elektrodengleichspannungen und den Wechsel- 
feldern des äußeren Schwingungskreises beeinflußt 
wird, gibt Anlaß zu verschiedenen theoretischen Deu- 
tungen und Untersuchungen. 


Kohl!°?) sucht die synchrone Bewegung der 
Elektronen durch eine Steuerung durch die Elek- 
tronen-Wechselspannungen und die hierdurch ver- 
ursachte periodische Verlagerung des Elektronen- 
umkehrpunktes vor der Anode zu erklären. Er setzt 
damit voraus, daß die Frequenz seiner Schwingungen 
durch die Eigenperiode des Schwingungskreises fest- 
gelegt ist. Den auch bei unveränderter Abstimmung 
des Senders vorhandenen Einfluß der Spannungen er- 
klärt Kohl’) mit einer Aenderung der Gitter-Anode- 
Kapazität, deren Wert durch das „Elektronen-Gas- 
Dielektrikum“ zwischen den Elektroden bestimmt 
wird. Die Dielektrizitätskonstante hängt nach Ein- 
stein ab von der Elektronendichte und Wellen- 
länge. Kohl findet in Uebereinstimmung mit dem 
Experiment bei zunehmender Gitterspannung und bei 
zunehmendem Emissionsstrom eine Abnahme der 
Wellenlänge. 


Pfetscher!*) entwickelt eine eingehende 
mathematische Theorie, welche die beiden Faktoren, 
das Schwingungssystem und die Elektrodenpotentiale, 
gleichzeitig zu erfassen sucht. Seine Betrachtungen 
beschränken sich indessen auf den Fall eines Anoden- 
potentials Null und die Annahme einer totalen Unter- 
teilung vor der Anode, d. h. die Hälfte aller Elek- 
tronen soll auf die Anode auftreffen, die andere 
Hälfte soll zum Gitter zurückfliegen. 


Tank und Schiltknecht!“*) erklären die 
gleichzeitige Abhängigkeit der Frequenz von den 
obigen Faktoren als einen Koppeleffekt, indem sie 
das äußere System und die zwischen Kathode und 
Anode oszillierende Raumladung als zwei miteinander 
gekoppelte Schwingungsgebilde aufffassen. Die Ver- 
minderung der EFlektronenfrequenz mit zunehmender 
Wellenlänge des Abstimmsystems und ebenso die 
Verbreiterung der einzelnen, in Bild 20 angegebenen 
Schwingungsbereiche folgt aus der allgemeinen 
Theorie der Koppelschwingungen. 


— 


_—— 


Sahanek?) ergänzt seine Theorie von einem 
dynamischen negativen Widerstand zwischen Gitter 
und Anode. Er setzt ebenfalls voraus, daß den kon- 
stanten Elektrodenpotentialen periodisch wechselnde 
Spannungen überlagert sind und betrachtet den 
Energiegehalt, den ein durch das Gitter in den 
Anodenraum eindringendes Elektron abgibt bzw. auf- 
nimmt. An diese Betrachtungen knüpft Sahanek 
die Schlußfolgerung, daß eine Schwingungserzeugung 
mit ebenen Elektroden unmöglich ist, was jedoch mit 
Versuchen von Romanoff!“”) in Widerspruch 


steht; dieser konstruierte nämlich eine Röhre mit 
plattenförmigen Elektroden, wobei die ebenfalls 
plattenförmige Oxyd-Kathode durch Elektronen- 


bombardement geheizt wurde. 


Entgegen den obigen Beobachtungen findet Holl- 
mann, daß sich beide, sowohl durch die Spannungen 
als auch durch das äußere System gekennzeichneten 
Schwingungsformen unabhängig voneinander er- 
zeugen lassen, daß aber die Erscheinung einer gleich- 
zeitigen Abhängigkeit von beiden Faktoren nur auf 
den zwischen beiden „reinen“ Schwingungsformen 
auftretenden Uebergangsbereich beschränkt ist (vgl. 
Bild 22). So scheinen beispielsweise die von Gre- 
chowa angegebenen und in Bild 18 dargestellten 
Kurven darauf hinzudeuten, daß es sich bei der Mehr- 
zahl der von Grechowa ausgemessenen Schwin- 
gungsbereiche um ein Uebergangsgebiet handelt, denn 
es lassen sich Kurven finden, die unabhängig von Ly 
sind und nahezu horizontal verlaufen. 


Eine theoretische Erfassung der Uebergangs- 
bereiche dürfte danach erst dann Aussicht auf Erfolg 
haben, wenn die Vorgänge bei den charakteristischen 
(irenzformen der Elektronenbewegung, den Bark- 
hausen-Kurz- und den Gill- und Morrell- 
Schwingungen einer vollständigen theoretischen Deu- 
tung zugänglich geworden sind. 


4. Verschiedene Arten 
von Elektronenschwingungen. 


a) Elektronenschwingungen im Gitter - Anodenraum. 

Unter bestimmten Bedingungen fand Scheibe 
gleichzeitig zwei verschiedene Frequenzen, wobei sich 
eine gute Uebereinstimmung seiner Theorie mit der 
„längeren“ Welle ergab. Er konnte nachweisen, daß 
die „kürzeren“ Wellen ebensolche Abhängigkeiten 
von den maßgebenden Faktoren zeigten, wie die 
„längeren“, doch bestätigte das Experiment die An- 
nahme, die „kürzeren“ Wellen seien Oberschwin- 
gungen der „längeren“, nicht, sondern ergab erheblich 
von 2 abweichende Verhältniszahlen; zudem wurde 
die „kürzere“ Welle auch allein gefunden, ohne daß 
die „längere“ vorhanden war. 


Ebenso beobachtete Wechsung!“*) die „län- 
geren“ und „kürzeren“ Wellen und fand stark von 2 
abweichende Verhältnisse. 


Auch von Kapzov!”) wurden zwei ver- 
schiedene Frequenzbereiche festgestellt, die z. T. 
gleichzeitig auftraten, und ihrer Ursache nach eng mit 
den vorstehenden Schwingungsformen identisch sein 
dürften. Er konnte die eine oder andere Frequenz 
durch Veränderung der Länge des Abstimmsystens 
in der Schaltung‘ II (Bild 17) hervorrufen; auch nach 
seinen Messungen ergibt das Verhältnis beider Wellen 
nur angenähert 2, 


Zusammenfassender Bericht. Die Erzeugung kürzester elektrischer Wellen mit Elektronenröhren. 


Auf Grund eingehender experimenteller Unter- 
suchungen gelang es Hollmann!# Tell), die 
Ursache der kurzwelligen Schwingungen anzugeben. 
Dieser variierte nämlich die Durchlässigkeit des 
Gitters, inden er die Windungszahlen der Gitter- 
spiralen zwischen 2 und 22 für den Zentimeter Gitter- 
länge änderte, und stellte fest, daß die „längeren“ 
Barkhausen-Kurz-Schwingungen bei um so 
niedrigeren Gitterspannungen in die „kürzeren“ über- 
gingen, je engmaschiger das Gitter war. Hollmann 
beobaclıtete ferner, daß, wenn das Verhältnis beider 
Wellen nahe an 2 herankam, ein Springen der 
„kürzeren“ auf genau die Oberwelle der „längeren“ 


stattfand, daß also die Oberschwingung bevorzugt 
Acm N 
120 pn a 
„Längere” Wellen = 
100 
80 z 
60 THR ee Ba ne aa 
„Kürzere Wellen 
40 
— 18mm System 
20 


--- 26mm System 


120 240 360 480 Eg 
Bild 25. 
„Längere“ und „kürzere“ Wellen in Elektrodensystemen 


mit verschiedenen Anodendurchmessern. 


wird. In Uebereinstimmung mit Scheibe zeigte 
sich, daß die „kürzeren“ Wellen ebenso von den Be- 
triebsbedingungen abhingen, wie die „längeren“, so 


daß beide ihrer Natur nach eng zusammenhängen 
müssen. 
Pendeln nach der Vorstellung von Bark- 


hausen und Kurz die Elektronen um das Gitter, 
so erklärt Hollmann die kurzwelligen Schwin- 
gungen mit einer Pendelbewegung der Elektronen 
ausschließlich im Gitter-Anodenraum. Seine An- 
schauung findet eine Stütze in der Beobachtung, daß 
die „kürzeren“ Wellen bei einem engmaschigen Gitter 
bevorzugt werden: Dann durchfliegen nämlich die 
Elektronen das Gitter nur ein einziges Mal, prallen 
aber nach ihrer Umkehr vor der Anode sogleich auf 
die Gitterstäbe auf, oder vollführen eine Pendel- 
bewegung zwischen Gitter und Anode. Hollmann 
erbringt einen experimentellen Beweis seiner An- 
schauung, indem er die „längeren“ und „kürzeren“ 
Wellen in Systemen mit gleichen Gitteradien, aber 
verschiedenen Anodendurchmessern mißt. So zeigt 
Bild 25 beide Wellen als Funktion der Gitterspannung, 
und zwar beziehen sich die ausgezogenen Kurven auf 
einen Anodendurchmesser von 18, die gestrichelten 
auf einen solchen von 26 mm, während der Gitter- 
durchmesser in beiden Fällen 7 mm betrug. Daraus 
ist zu ersehen, daß beide Wellen in Uebereinstimmung 
mit der Theorie und früheren Beobachtungen mit an- 
steigender Gitterspannung abnehmen, und daß die 


104 
Wellenlänge bei dem größeren Anodenzylinder 
größer ist. Nach der Theorie von Hollmann muß 


jedoch der auf den Gitter-Kathodenraum entfallende 
Frequenzanteil, der sich aus der Differenz der 
„längeren“ und „kürzeren“ Welle ergibt, in beiden 
Fällen gleich sein, weil ja die Dimensionen dieses 
Raumes nicht geändert worden sind; diese An- 
schauung wird durch die wiedergegebenen Kurven 
vollauf bestätigt. Ebenso zeigt das Experiment, daß 
die Anodenspannung auf den imaginären Frequenz- 
anteil im Gitter-Kathodenraum keinen Einfluß auszu- 
üben vermag, sondern daß sich ihre Einwirkung auf 
den Gitter-Anodenraum beschränkt, wie es nach der 
Theorie nicht anders zu erwarten ist. 


b) Gill- und Morrell- Schwingungen höherer 
Frequenz. 
Von den „Elektronenschwingungen geringerer Fre- 
quenz“ erhielt Hollmann wiederum, wie bei den 
„längeren“ Barkhausen-Kurz- Schwingungen 


=: 


Fig. 26. 
Kurzwellengenerator von Hollmann. 


„Gill- und Morrell-Schwingungen höherer Fre- 
quenz“, indem er ein äußeres Schwingungssystem mit 
den Elektronenschwingungen nahezu in Resonanz 
brachte. Um die verhältnismäßig großen Elektroden 
von 20 mm Durchmesser und 10 mm Länge auf die 
hohen Frequenzen abstimmen zu können, mußten sie 
in der Halbwelle erregt werden, indem beiderseitig 
ein Abstimmsystem mit den Elektroden verbunden 
wurde. So entsteht ein Kurzwellenoszillator, wie ihn 
Bild 26 im Lichtbild wiedergibt. Die Welle ändert 
sich linear mit dem Abstand der beiden Konden- 
satoren, wobei sich bei einem kleinsten Abstand von 
23 mm eine kürzeste Welle von 20,8 cm ergab. Die 
Intensität der „kurzwelligen Gill- und Morrell- 
Schwingungen“ war im Vergleich zu den „reinen“ 
Elektronenschwingungen recht beträchtlich. 


c) Elektronenschwingungen zwischen den Gitter- 
stäben. 


Pierret’) beschreibt einen Zweiröhrengene- 
rator, mit dem er neben den bekannten Schwingungs- 
formen bis zu etwa 30 cm Länge einen zweiten Fre- 
quenzbereich von 14—18 cm Wellenlänge erhält. Er 
benutzt zwei französische Kurzwellenröhren der Type 


H. E. Hollmann: 


TMC, deren Gitter und Anoden durch zwei gerad- 
linige Drähte in Verbindung stehen. Das Gitter er- 
hielt eine Spannung von -++ 280, die Anode eine solche 
von —40 Volt. Die Intensität der Schwingungen war 
etwa gleich der der Barkhausen-Kurz- 
Schwingungen im Wellenbereich von 45—50 cm. 
Pierret erklärt die Schwingungen mit einer oszil- 
lierenden Bewegung der Elektronen zwischen den 
Gitterstäben, und zwar infolge der durch eine Rück- 
wirkung zwischen beiden Röhren hervorgerufenen 
Wechselspannungen. 


Bei Versuchen mit der gleichen Röhrentype ge- 
lang es Hollmann%), die Frequenz der Gill- und 
Morrell-Schwingungen bis auf etwa 36 cm herab- 
zusetzen. Zwischen diesen Bereichen fand er eben- 
falls kurzwellige Schwingungen von etwa 17 cm 
Wellenlänge, doch arbeitete er im Gegensatz zu 
Pierret mit einer einzigen Röhre. Die Gitter- 
spannung betrug 240 bis 320 Volt, und die Anoden- 
spannung konnte zwischen 0+4 Volt variiert 
werden, ohne daß sich eine bemerkenswerte 
Aenderung der Frequenz ergab. Sie nahm hingegen 
stark mit dem Emissionsstrom ab, und so erhielt 
Hollmann bei stärkster Belastung der Röhre als 
kürzeste Welle 13,2 cm. Die Schwingungen wurden 
durch einen auf das Gitter aufgesetzten Draht, der 
durch eine verschiebbare Metallplatte abgestimmt 
werden konnte, verstärkt. 


In einer folgenden Arbeit beschreibt Pierre t°°)'®) 
die gleiche Anordnung, wie sie Hollmann angibt. 
Er erweitert seine Theorie und stützt sich auf Unter- 
suchungen von McCarty’”). Dieser gibt an, daß 
auf ein in Richtung auf das Gitter fliegendes Elektron 
neben der in radialer Richtung wirkenden Kraft eine 
senkrecht dazu gerichtete Komponente auftritt, die 
von den einzelnen Gitterstäben herrührt. Mitten 
zwischen zwei Gitterstäben heben sich diese Kompo- 
nenten auf, und die auf das Elektron einwirkende 
Kraft ist Null. Wird das Elektron von diesem In- 
differenzpunkt aus ein kleines Stück x senkrecht zum 
Gitter ausgelenkt, so entstehen Kräfte, die es wieder 
in den Indifferenzpunkt zurückzubringen suchen. Setzt 
man die Gitterstäbe als geradlinig voraus und ist ihr 
Abstand gleich 2 a, so ergibt sich die Rückstellkraft zu 


4.g.e-% 
+r? 


worin q die Ladung pro Längeneinheit der Gitter- 
stäbe bedeutet. Bei den hohen Frequenzen kann «r 
gegen a vernachlässigt werden, und es ergibt sich die 
Frequenz der Elektronenbewegung zu 


2 T 
w —— q Re 
a m. 


Diese Elektronenschwingungen rufen nun im Gitter 
Wechselspannungen der doppelten Frequenz hervor. 
analog einem unter Einwirkung einer senkrecht ge- 
richteten periodischen Kraft stehenden Pendels, so 


daß sich die Frequenz der stehenden Wellen des | 


Gitterdrahites ergibt zu 


4 e 
vd) = — er 
ay m | 


Zusammenfassender Bericht. 


Die Erzeugung kürzester elektrischer Wellen mit Elektronenröhren, 


Se LER 


Pierret errechnet die Gitterladung seiner Röhre 
aus der Gleichung: 


und erhält eine Wellenlänge von 11,7 cm, während 
das Experiment 16,5 cm ergibt. V,„geht in die Glei- 
chung von Pierret unter der Wurzel ein, so daß 
eine Abhängigkeit der Frequenz von der Gitter- 
spannung wie bei den Barkhausen-Kurz- 
Schwingungen zu erwarten ist. Damit stehen indessen 
die Beobachtungen von Hollmann im Widerspruch. 
Ferner soll im Gegensatz zu Barkhausen und 
K ur z die Frequenz nicht allein vom Gitterradius ?,, 
sondern auch von dem Abstand zweier Gitter- 
drähte 2a abhängen*). 


5. Die Energie der 
Elektronenschwingungen., 


Im Vergleich zu den Rückkoppelanordnungen, mit 
denen Bergmann!) bei einer Welle von 92 cm 
noch kleine Glühlämpchen im Lechersystem zum 
Aufleuchten brachte, ist die Energie der durch Elek- 
tronenbewegung verursachten Schwingungen nur ge- 
ring. Zahlenmäßige Angaben, welche auf die Energie 
schließen lassen, finden sich nur bei wenigen Autoren 
und exakte Leistungsmessungen sind bei Frequenzen 
von 10° bisher überhaupt noch nicht bekannt ge- 
worden. 

Kohl) gibt als Maßstab den mittels eines Detek- 
tors oder Thermoelements in einem linearen Dipol- 
empfänger gemessenen Strom an, wobei natürlich 
auch die Entfernung maßgebend ist. So erhält er mit 
seiner 30-cm-Kurzwellenröhre in einer Entfernung von 
60 cm einen hochfrequenten Schwingungsstrom von 
maximal 1 mA. 

Hollmann weist die Intensität seiner Schwin- 
gungen auf die von Gill und Morrell angegebene 
Weise mittels eines in Strombauch des Schwingungs- 
kreises angebrachten Thermoelementes nach (vgl. 
Bild 15). Dabei zeigt sich, daß sich die Bark- 
hausen-Kurz- Schwingungen überhaupt nicht im 
äußeren System bemerkbar machen, daß aber die 
Gill- und Morrell- Schwingungen eine beträcht- 
liche Intensität erreichen. So erhielt Hollmann 
mit einer Schott-K-Röhre“ bis 0,5 Amp. bei einer 
Welle von 66 cm und mit einer französischen TMC- 
Röhre 0,12 Amp. bei 38 cm Welle. 


Entsprechend erreichten auch die Wechsel- 
spannungen im Schwingungsbauch des Abstimm- 
systems beträchtliche Werte. So kam z. B. ein 


zwischen die Drähte gebrachtes Neonröhrchen zum 
Aufleuchten, ohne daß die Elektroden mit den Drähten 
verbunden waren. Zahlenmäßige Angaben lassen sich 
aber daraus nicht entnehmen, weil die Zündspannung 
einer Glimmentladung bei Hochfrequenz stark herab- 
gesetzt wird?’)*). 

In einer späteren Arbeit beschreibt Hollmann“) 
eine Sendeanordnung für kurze Wellen, die haupt- 
sächlich die Gill- und Morrell- Schwingungen 
auszunutzen gestattet. Er untersucht die bei Rück- 


*) Eine nähere Untersuchung des von Pierret und 
Hollmann beobachteten kurzwelligen Schwingungs- 
bereichs folgt demnächst in dieser Zeitschrift. 


koppelanordnungen gebräuchlichen Modulationsver- 
fahren mit dem Ergebnis, daß die Modulation des 
Steuerelektrodenpotentials am wirksamsten ist. Mit 
dieser Apparatur konnten unter Benutzung eines 
Röhrenempfängers Entfernungen bis zu 500 Wellen- 
längen bei einer Welle von 75 cm überbrückt werden, 
ohne daß Reflektoren zur Anwendung kamen. 


Von verschiedenen Autoren sind Versuche an- 
gestellt worden, durch Parallelschalten mehrerer 
Röhren die Schwingungsenergie zu erhöhen. Der 
Zweiröhrengenerator yon Gr echo w a! ?!)) wurde 
bereits besprochen. Durch Hinzufügen weiterer 
Röhren nach Art des Bildes 27 konnte Grechowa 
die Schwingungsintensität weiter steigern, wie 
Messungen mittels eines Rahmenempfängers und De- 
tektors zeigten. Grechowa gibt an, daß die Aus- 
schläge des Detektorgalvanometers im Empfangskreis 


Bild 27. 
Mehrröhrengenerator von Grechowa. 


linear mit der Röhrenzahl steigen, so daß kein 
Hindernis besteht, durch Vermehrung der Röhren die 
Schwingungsenergie beliebig zu erhöhen. 


Auf ähnliche Weise koppelte Scheibe) zwei 
und mehrere Röhren miteinander. Er fand, daß durch 
das Parallelarbeiten zweier Röhren die Energie um 
mehr als das Doppelte der Einzelröhre, sogar bis auf 
das Siebenfache ansteigt. Dabei ist es nicht erforder- 
lich, daß beide Röhren mit ihren Systemen genau die 
gleiche Frequenz erzeugen, wenn sie getrennt erregt 
werden. Vielmehr findet beim Parallelarbeiten eine 
Mitnahme der Frequenz statt, wie beim fremd- 
gesteuerten Röhrensender. 


Ferner findet Scheibe, daß bei Fremderregung 
durch die eine Röhre die angekoppelte zweite schon 
bei 30—50% geringeren Emissionsströmen zu schwin- 
gen beginnt, als sie zum selbständigen Schwingen be- 
nötig. Hollmann nimmt an, daß es sich bei den 
von Scheibe erzeugten Schwingungen um Gill- 
und Morrell-Schwingungen handelt, was auch die 
Mitnahme der Frequenz erklären würde. Die Erwei- 
terung der Schwingbereiche wird dann dadurch be- 
wirkt, daß durch die Fremderregung der einen Röhre 
im zweiten Schwingungssystem eine Dämpfungs- 
reduktion stattfindet, die sich naturgemäß umgekehrt 
auswirkt, wie eine Dämpfungsverstärkung. Hierfür 
wies Hollmann eine Verkleinerung der Schwin- 
gungsbereiche nach, so daß sich im obigen Fall eine 
Verbreiterung ergeben muß. Auf Grund dieser gegen- 
seitigen Beeinflussung ist denn auch die von 
Scheibe angegebene Energiesteigerung auf mehr 
als das Doppelte zu erklären. 


Scheibe erhielt mit zwei parallelarbeitenden 
„Schott“-Röhren in einem angekoppelten Reso- 
nanzkreis, in dem ein Hitzdrahtluftthermometer lag), 
1,3 Milliwatt bei einer Wellenlänge von 80,8 cm, doch 
dürften diese Angaben weit unterhalb der tatsäch- 
lichen Senderleistung liegen. 


106 H. E. Hollmann: 


6. Elektronenschwingungen im 
Magnetfeld. 


Eine besondere Erscheinungsform von Elektronen- 
schwingungen beobachtete B reit). Er variierte 
den Gitterstrom und damit das Gitterpotential durch 
einen veränderlichen Widerstand. Den Einsatz und 
die Intensität seiner Schwingungen stellte er durch 
elektrometrische Messungen des Anodenpotentials 
fest. Aus der Deformation der Anodenpotential- 
Gitterstromkurve fand er, daß die Schwingungen 
einer starken Beeinflussung durch ein senkrecht zu 


100 Volt 


Bild 28. 
Die Schwingungsbereiche im Magnetron. 


den Elektroden gerichtetes Magnetfeld von Bruch- 
teilen eines Gauss unterliegen. Weitere Angaben 
über eine etwaige Aenderung der Wellenlänge usw. 
werden nicht gemacht. 

Tank!) gibt an, daß ein magnetisches, den 
Elektrodenachsen parallel gerichtetes Feld den Ein- 
satz von Elektronenschwingungen erleichtert. Treten 
bei positiver Anode normalerweise keine Schwin- 
gungen auf, weil alle Elektronen von der Anode an- 
gezogen werden und nicht zum Gitter zurückkehren, 
so gelingt es Tank und Schiltknecht!“®), durch 
ein Magnetfeld die Elektronenbahnen derart abzu- 
krümmen, daß noch bei einer Anodenspannung von 
-+ 100 Volt ein Anschwingen stattfindet. 

Ein ebenfalls in Richtung der Elektrodenzylinder 
verlaufendes Magnetfeld wendet Zä&ek°®) an. Er 
benutzt zur Schwingungserzeugung eine Diode, die 
lediglich aus dem Heizfaden und einer zylindrischen 
Anode besteht, und findet, daß die Frequenz von 
einem äußeren System unabhängig ist, dagegen in 
gleicher Weise von der Intensität des Magnetfeldes 
wie des elektrischen Feldes zwischen Anode und 
Kathode abhängt. Hierfür gibt er die Beziehung an: 


Zen U u A 
E Hy E V Ea—B 

worin Hx die kritische magnetische Feldstärke, bei 
der die Schwingungsenergie ein Maximum aufweist, 
und a, A und B Konstanten sind. Žáček erhielt als 


kürzeste Welle 29 cm bei einer Anodenspannung von 
300 Volt. 


Auch Y a g i“) und O ka be) benutzen eine Zwei- 
elektrodenröhre innerhalb eines Magnetfeldes. Wird 
die Stärke des Magnetfeldes geändert, so ist zu er- 
warten, daß der Anodenstrom nach Ueberschreiten 
eines kritischen Wertes der Feldstärke bis auf Null 
absinkt, in welchem Fall alle von der Katlıode emit- 
tierten Elektronen kreisförmige Bahnen beschreiben, 
deren Durchmesser kleiner als der Anodenradius 
bleibt, und wie es die unterste Kurve des Bildes 28 
für eine Anodenspannung von 100 Volt wiedergibt. 
Experimentell zeigt sich aber bei höheren Spannun- 
gen, daß der Strom nicht plötzlich auf Null absinkt, 
sondern daß ein Reststrom bestehen bleibt. In diesem 
Bereich setzen die Schwingungen ein, wie die weite- 
ren Kurven des Bildes 28 erkennen lassen. Um das 
Elektrodensystem auf die sehr hohen Frequenzen ab- 
stimmen zu können, schlitzten Yagi und Okabe 
den Anodenzylinder auf, wie es aus der schematischen 
Darstellung des Bildes 29 zu ersehen ist. Durch Ver- 
schieben des Punktes B sind die einzelnen Segmente 
samt ihren Zuleitungen auf 4A abzustimmen. Für 
dieses „Schlitzanodenmagnetron“ ergibt sich, daß die 
Wellenlänge nur von der Intensität des Magnetfeldes 
abhängt, während der Einfluß der Anodenspannung 
unmerklich gering ist; für ein gegebenes Anoden- 
potential ist dann jeweils durch Einstellung des 
Magnetisierungs- und Heizstromes ein Energie- 
maximum zu erhalten. Auf diese Weise erzielten 
beide Autoren äußerst kräftige Schwingungen von 
40 cm Welle, und konnten dieselben mittels eines 
Röhrenempfängers noch in 1 km Entfernung nach- 
weisen. Sie bedienten sich hierbei allerdings gerich- 
teter Antennenkombinationen. Bei einem Anoden- 
durchmesser von 2,2 mm und einer Anodenspannung 
von 1250 Volt erhielten sie eine kürzeste Grundwelle 
von 12 cm. 


Feldspvule 


IR WW x NN 
RR 


4 I 
NZ OA 


ZEZEN 
RERNI G 


BH I .ılı 


Ih v, 


Bild 29. 
„Schlitz-Anodenmagnetron“ von Yagi und Okabe. 


N 


In einer neueren Arbeit untersucht Okabe°®) auch 
die Einwirkung eines Magnetfeldes auf die in einer 
Dreielektronenröhre auftretenden Schwingungen. Seine 
Anordnung stimmt schaltungsmäßig mit dem in 
Bild 15 dargestellten Oszillator überein, nur daß die 
Röhre sich innerhalb einer. axialen Magnetisierungs- 
spule befindet. Die Beziehungen zwischen Wellen- 
länge, Magnetfeld und Elektrodenpotentialen sind im 
wesentlichen gleich denen bei der Zweielektroden- 
röhre. Es zeigen sich indessen unter den angegebenen 
Kurven verschiedene Frequenzbereiche, sodaß es 
sich teilweise um Barkhausen-Kurz-, teilweise 
um Gill- und Morell-Schwingungen handeln 


— dt 


| 


H. E. Hollmann: Zusammenfassender Bericht, 


Die Erzeugung kürzester elektrischer Wellen mit Elektronenröhren. 


107 


dürfte. Okabe beobachtete die Schwingungen auch 
ohne Magnetfeld, betont indessen, daß sie unter der 
Einwirkung eines magnetischen Bremsfeldes nicht nur 
intensiver, sondern auch leichter zu erhalten seien. 
Unter Zuhilfenahme einer mit dem äußeren Parallel- 
drahtsystem verbundenen Hilfselektrode erhielt 
Okabe in einer geschlitzten Zweielektrodenröhre 
einen maximalen Detektorstrom von über 0,1 Amp.; 
danach müssen die Hochfrequenzströme im Schwin- 
gungssystem ein Vielfaches dieses Betrages erreichen. 


Ta 


Zz 
0 25 50 . 75 100 en 


Bild 30. 
Jw = Detektorstrom im Wellenmessersystem, z = Brückenstellung 
im Wellenmessersystem. Röhre SchottM. Ea = —10 Volt, 
Sattigungsstrom 15 MA. 
Oberwellen im Schwingungssystem nach 
Schiltknecht und Tank. 


7. Die Aussiebung von Oberwellen. 


Auf Grund der verschiedenen Verweilzeiten der 
Elektronen in der Gitter-Kathode und im Gitter- 
Anodenraum ist zu erwarten, daß die Bark- 
hausen-Kurz -Schwingungen keinen rein sinus- 
förmigen Verlauf aufweisen, und daß sich daher Ober- 
schwingungen aussieben lassen werden. Versuche, 
auf diese Weise sehr kurze Wellen zu erhalten, 
schlugen jedoch größtenteils fehl, wenn auch, wie z. B. 
von Schaefer und Merzkirch!“®) in einzelnen 
Fällen an Stelle der nach dem Kurvenverlauf zu er- 
wartenden Grundwelle plötzlich die Oberwelle ge- 
funden wurde. 

Demgegenüber weisen jedoch Schiltknecht 
und Tank), ausgehend von einer Grundwelle von 
472 cm, eine Reihe von ÖOberschwingungen nach. 
Die Intensität der einzelnen Oberwellen hing von der 
Art der Erregung der Grundwelle, d. h. von den 
Spannungen und der Abstimmung des äußeren 
Systems ab. Messungen auf dem Lechersystem 
ergaben für obige Grundwelle die im Bild 50 dar- 
gestellte Verteilung der Maxima; die auf den ersten 
Blick völlig unsymmetrisch scheinende Kurve läßt 
sich bis zur neunten Harmonischen analysieren. 


H eim :!¢°?!) erregt zunächst das äußere System in 
der Grundwelle. Ungefähr im ersten Strombauch des 
Schwingungskreises I koppelt er dann auf die aus 
Bild 31 ersichtliche Weise ein zweites Drahtsystem Il 
an, dessen Länge für die erste Oberwelle A,/, betragen 
muß. Ausgehend von einer Grundwelle von 120 cm 
© erhielt Heim in diesem System auch die zweite 
® Oberschwingung mit 36 cm Wellenlänge sowie die 


dritte Harmonische, doch war deren Intensität bereits 
so gering, daß sie nicht mehr gemessen werden konnte. 

Grechowa'°) berechnet für ihren Zweiröhren- 
generator die sich aus den Gleichungen von 
Abraham’!) ergebenden Obertöne des Schwin- 
gungsgebildes. Diese stehen nicht in einem ganz- 
zahligen Verhältnis, weil die in den Schwingungs- 
bäuchen und -Knoten konzentriert zu denkenden 
Elektrodenkapazitäten je nach der Frequenz und dem 
Erregungszustand des Systems verschiedene Größe 
haben. Experimentell läßt sich nur eine geringe Zahl 
der aus der Rechnung hervorgehenden Obertöne an- 
regen. 

Zum Schluß sei noch eine Bemerkung hinzugefügt 
über die kürzesten bisher mit Elektronenröhren er- 


Bild 31. 
Anordnung zur Aussiebung von Oberwellen nach Heim. 


zeugten Wellen. Potapenko') benutzte eine 
Modifikation der Barkhausenschen Bremsield- 
schaltung und verhältnismäßig geringe Gitterspannun- 
gen von 100—150 Volt; er erhielt unterhalb der 
Barkhausenschen Formel 2°. Eg = const. Wellen 
bis zu 3,5 cm*). 


*) Nach einer brieflichen Mitteilung an den Verfasser. 


Literaturverzeichnis zu Abschnitt II, 3—7. 
4) O. Pfetscher: Phys. ZS. 29, S. 395, 1928. 


5) N. Kapzov: ZS. f. Phys. 49, 'S. 395, 1928. 

51) K. Kohl: Verhandl. d. D. Phys. Ges. 9. S. 36, 1928. 

5) J. Sahanek: Phys. ZS. 29, S. 640, 1928. 

5) M. E. Pierret: Compt. rend. 186, 'S. 1284, 1928. 

5) H. E. Hollmann: Ann. d. Phys. 86. S. 1062, 1928, 

5) M. E. Pierret: Journ, de Phys. 9, S. 97, 1928, 

5%) M, E. Pierret: Compt. rend. 186, S. 1601, 1928. 

5) L: F. McCarty: Phys. Rev. 30, S. 878, 1927. 

5) K. Kohl: Phys. ZS. 28, S. 878, 1928. 

5) F. Kirchner: Ann. d. Phys. 77, S. 287, 1925. 

60) E. Penning: Physica 1927, S. 80. 

6) H. E. Hollmann: Elektr. Nachr. Techn. 5, > 268, 1928. 

62) A. Scheibe: Jahrb. d. drahtl. Tel. 27, S. 1, 1926, 

63) A. Scheibe: Jahrb. d. drahtl. Tel. 25, S. 1, 1925. 

6) G. Breit: Journ. Franki. Inst. 197, S. 355. 1924, Journ. 
Opt.Soc.Am.9, S. 709, 1924, Phys. Rev. 23, S. 300, 1924. 

5) A. Zacek: Cas. pro pest. mat. 53, S. 378, 1923. Vgl. 
auch Jahrb. d. drahtl. Tel. 32, S. 172, 1928. 

66) H., Yagi: Proc, of Inst. Radio Eng. 16, S. 715. 1928. 

6), K. Okabe: Journ. Inst. E. E. Japan 1928, S. 284. 

8 K. Okabe: Techn. Rep. of the Tohoku Imp. Un. 7, 
S. 241, 1928. 

‘9E. Schiltknecht und F. Tank: Arch. de Geneve 
5, S. 215, 1925. 

10) M. T. Grechowa: Phys. Z S. 29, S. 726, 1928. 

71) M. Abraham: Theorie der El. Bd. 1, 6. Aufl. 

72) G. Potapenko: Im Erscheinen. 


108 Patentschau. 


Patentschau. 
Von Carl Lübben. 


Beseitigung von Oberwellen. 


D.R.P. 467692, Klasse 21a‘, Gruppe 1 (Lorenz), 
Pat. vom 4. August 1827 — identisch mit brit. Pat. 
294 977 —, ausgegeben am 1. November 1928. 


Die Entstehung von Oberwellen oder Nebenwel- 
len bei Röhrensendern ist sehr oft darauf zurückzu- 
führen, daß infolge von Streuinduktivitäten bzw. Ka- 
pazitäten in Verbindung mit einzelnen Abstimmele- 
menten Schwingungskreise gebildet werden, die eine 
Erregung der Störwellen veranlassen. Erfindungs- 
gemäß sollen die störenden Wellen dadurch unter- 
drückt werden, daß die Bildung von solchen Neben- 
kreisen verhindert wird. Eine solche Anordnung 


4 


Bild 1. 


zeigt z. B. das Bild 1, wobei der Schwingungskreis 
derart ausgebildet ist, daß zwischen den Elektroden 
der Röhren unmittelbar nur Kapazitäten liegen, so 
daß die Bildung von Nebenkreisen erschwert ist. 


Störbefreiung bei Hochfrequenzmaschinen. 


Franz. Pat. 643013 (Lorenz, 28. Oktober und 11. 
Dezember 1926), veröffentlicht am 8. September 1928. 

Bei Hochfrequenzmaschinen treten häufig stö- 
rende Trillertöne auf, die durch Ungenauigkeiten in 
der Ausbalanzierung der schwingenden Teile verur- 
sacht werden. Erfindungsgemäß sollen diese Stö- 
rungen dadurch beseitigt werden, daß besondere 
Ausgleichsmassen (Quecksilber) angebracht werden, 
um die Ausbalanzierung vollständig durchzuführen. 


Frequenzvervielfachung mittels Eisendrosseln. 

D.R.P. 468672, Klasse 2ia*, Gruppe 6 (Dornig), 
Pat. vom 5. März 1926, ausgegeben am 19. Novem- 
ber 1928. 


00? 


Bild 2. 


Bei der in Bilü 2 dargestellten Schaltung zur 
Frequenzvervielfachung werden zwei eisengeschlos- 
sene Drosseln 1 und 2 so erregt, daß ihre Selbst- 
induktionsspitzen zcitlich voneinander getrennt sind, 


wie dies Bild 3 zeigt. 


Bei richtiger Abgleichung der 


Amperewindungen beider Drosseln erfolgt ein pha- 
senrichtiges Zusammenarbeiten auf den gemeinsamen 


Nutzkreis. 


94 
Bild 3. 


Piezogesteuerter Röhrensender. 


Franz. Pat. 642969 (Radiofrequenz, 26. Oktober 


1926), veröffentlicht am 2. September 1928. 


In Bild 4 ist eine neue Schaltung für einen piezo- 
gesteuerten Röhrensender wiedergegeben, bei deın 


der Piezokristall P zwischen Gitter und einer Spule L 
geschaltet ist, die im Anodenkreis liegt. 


Piezogesteuerter Röhrensender. 
Amer. Pat. 1683130 (Gebhard, 16. Dezember 
1926), Pat. am 4. September 1928. 
Bild 5 zeigt die Schaltung eines piezogesteuerten 
Röhrensenders mit Rückkopplung. Um mit wenig 


NS 
S 
OOOO QQQ 


2 


ıIne----Aill 


Bild 5. 


Röhrenstufen eine möglichst große Energie zu er- 
zielen, ist zwischen Gitter und Anode ein Konden- 
sator Creingeschaltet, mit dem die Schwingungs- 
erzeugung so geregelt werden kann, daß eine mavi- 
male Energieabgabe erfolgt. 


Herstellung von Piezokristallen. 
D.R.P. 467593, Klasse 21a‘, Gruppe 8 (Telefun- 
ken), Pat. vom 20. Juli 1927, ausgegeben am 5. No- 
vember 1928 — identisch mit Brit. Pat. 294 174. 


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—— 


Vergleiche das Referat in dieser Zeitschrift 33, 
1929, Heft 1. 


Kurzwellen-Röhrensender. 


D.R.P. 468629, Klasse 2la*, Gruppe 9 (Lorenz), 
Pat. vom 6. Dezember 1927, ausgegeben am 19. No- 
vember 1928. 


Um ein einfaches leichtes Kurzwellensendegerät 
zu schaffen, soll erfindungsgemäß zur Steuerung des 
Senders ein Piezokristall verwendet werden und der 
Schwingungskreis bzw. der mit diesem gekoppelte 
Antennenkreis aperiodisch ausgebildet sein. Für die 
verschiedenen Wellenlängen sind verschiedene 
Piezokristalle vorgesehen, die mit unverwechselbaren 


Bild 6. 


Anschlußvorrichtungen versehen sind, durch die beim 
Einführen des betr. Piezokristalles die erforderlichen 
Schaltänderungen selbsttätig vorgenommen werden. 
In Bild 6 ist die Schaltung eines solchen Gerätes 
dargestellt. Der Anodenkreis ist ebenso wie der 
Gitterkreis aperiodisch ausgebildet und beide sind 
miteinander gekoppelt, um eine Rückkopplung zu er- 
zielen. Diese ist in vielen Fällen erforderlich, weil 
bei der Art der Schaltung der Piezokristall nicht 
immer ausreicht, die betr. Schwingung anzuregen. 


Kurzwellensender. 


Brit. Pat. 297 328 (TKD Nürnberg, 17. September 
1927), veröffentlicht am 7. November 1928. 


Zur Erzeugung kurzer Wellen wird die in Bild 7 
wiedergegebene Anordnung vorgeschlagen. In einer 
Röhre sind zu beiden Seiten der Glühkathode X 
Elektroden E, und E, angeordnet, die einen Konden- 
sator bilden. Mit diesen Elektroden ist der Schwin- 


= gungskreis S und mit diesem die Antenne A ver- 


- bunden. 


Patentschau. 


109 


Kurzwellensender. 


Brit. Pat. 297 775 (Marconi, 27. September 1927), 
veröffentlicht am 21. November 1928. 


Die Antenne A (Bild 8) ist zusammen mit den 
Elektroden der Röhre in einem gemeinsamen Behäl- 
ter eingebaut. Die Zuführungen a und 5 zu den Elek- 
troden und die Antenne 4 sind so angeordnet, daß 
die Uebertragung der erzeugten Schwingungen aui 
die Antenne durch die Zuleitungen a, b erfolgt. Die 
Kapazität der Antenne kann durch Metalizylinder C 


geändert werden, die an den Röhrenenden außen 
verschiebbar angeordnet sind. Die ganze Anordnung 
kann in einem parabolischen Reflektor eingebaut 
sein. 


Fading-Beseitigung. 
Brit. Pat. 298 463 (Siemens & Halske), 8. Oktober 
1927 — Zusatz zum Brit. Pat. 290 273, veröfient- 
licht am 5. Dezember 1928. 


Zur Beseitigung von Fadingstörungen verwendet 
man Kontrollfrequenzen, die am Empfänger die Laut- 
stärke steuern. Es wird vorgeschlagen, diese Kon- 
trollfrequenz zu modulieren und am Empfänger den 
Mittelwert des ganzen Kontrollirequenzbandes zur 
Kontrolle auszunutzen, um  Interferenzstörungen 
zwischen der Raum- und der Oberflächenwelle der 
Kontrollfrequenz zu verringern. 


Beseitigung des Fadingelffektes. 


D.R.P. 467595, Klasse 21a’, Gruppe 9 (Telefun- 
ken), Pat. vom 8. Mai 1926, ausgegeben am 2. No- 
vember 1928. 


Zur Beseitigung der Fadingstörungen sendet man 
das gleiche Signal auf verschiedenen Wellen aus. 
Gemäß der Erfindung sollen die beiden Sendefrequen- 
zen so gewählt werden, daß sie ungefähr um die 
doppelte Schwingungszahl eines gut hörbaren Tones 
auseinanderliegen. In diesem Falle kann man auf 
der Empfangsseite beiden Wellen die gleiche Hilfs- 
frequenz überlagern, die gleich der kleineren Sende- 
frequenz vermehrt um die halbe Differenz beider 
Sendefrequenzen ist. Beide Schwebungswellen ha- 
ben unter diesen Verhältnissen die gleiche Tonfre- 
quenz, so daß beim Ausfall einer Welle die andere 
hörbar bleibt. Als Differenz der beiden Sendefre- 
auenzen nimmt man zweckmäßig 2000. 


Fading-Beseitigung. 
Brit. Pat. 297 015 (Robinson, 12. April 1927), ver- 
öffentlicht am 7. November 1928. 


110 


An ee ee meter nn rn 


Zur Beseitigung der Fadingstörungen verwendet 
man bekanntlich auf der Empfangsstation mehrere 
Richtantennen, die in verschiedenen Ebenen liegen. 
Bei der in Bild 9 dargestellten Anordnung ist mit 
den Richtantennen 1 und 2 je eine Audionröhre Kè, 
R, verbunden. Durch einen kleinen Hilfssender Zt, 
werden die Gittervorspannungen der beiden Röhren 


Bild 9. 


It, und X, wechselseitig so gesteuert, daß jeweils nur 
eine Röhre wirksam ist und sich im gemeinsamen 
Empfangskreis der Empfang beider Antennen ge- 
trennt nacheinander überlagert. Bei der in Bild 10 


Bild 10. 


wiedergegebenen Anordnung erfolgt durch den Hilfs- 
sender eine abwechselnde Verstimmung der Gitter- 
kreise beider Rölıren mit dem gleichen Effekt wie bei 
der Schaltung nach Bild 9. 


Modulation von Röhrensendern. 


Brit. Pat. 298481 (Westinghouse Electric & Man. 
a 8. Oktober 1927), veröffentlicht am 5. Dezember 
928. 


Bei der in Bild 11 wiedergegebenen Anordnung 
zur Modulation von Röhrensendern ist parallel zuni 
Anodenkreis LC des piezogesteuerten Senders über 
einen Blockkondensator C, eine Selbstinduktion Lp 
geschaltet, die im Anodenkreis der Modulationsröhre 
M liegt. Die Größe der Selbstinduktion wird bei der 
Modulation beeinflußt, so daß entsprechende Fre- 


Patentschau. 


Zylinders vertikal orientiert ist, so entsteht eine ver- \ 


quenzänderungen im Anodenkreis der Hauptröhre aui- 
treten. v D i 


Bild 11. 


Verbesserung der Rundfunkübertragung. 


D.R.P. 467 596, Klasse 2lat, Gruppe 14 (Skinner Ft 
Organ Co., New York), Pat. vom 19. April 1923. Ẹ- 
amer. Priorität vom 8. Februar und 26. März 19%. |- 
ausgegeben am 29. Oktober 1928. à 


Bekanntlich wird die Qualität der Rundfunkdar- 
bietungen beim Senden und Empfangen oft stark ver- 
ändert. Erfindungsgemäß sollen diese Verzerrungen 
dadurch ausgeglichen werden, daß am Sender derf 
Vortragende mit einem Schallisolierhelm versehen |‘ 
ist, so daß er seine eigene Darbietung nicht hört. 


so daß der Darbietende den tatsächlichen Empiang $ 
hört und danach seine Darbietung regeln kann. N 


Richtantenne. | 


s 
Franz. Pat. 643 559 (Soc. Franc. Radioel., 12. April 
1927), veröffentlicht am 19. September 1928. li 


Zur Erzeugung einer scharf gerichteten Strahlung |: 
wird ein Antennensystem vorgeschlagen, das aus 
einem fortlaufenden Antennenleiter besteht, der im 
Zickzack auf einer Zylinderfläche angeordnet ist. In 
Bild 12 und 13 sind zwei verschiedene Antenncenior- o 


Bild 13. T 
t 
Wenn die Achse des | 


Bild 12. 
men dieser Art wiedergegeben. 


3 ; f A Als 
tikal polarisierte Strahlung, die sich horizontal aus- m 


breitet. Für die Feldstärke der in Bild 12 dargestell- |.. 
ten Anordnung ergibt sich: 


| 1 5 n? d 
343 [4-31 10.51 2° 


ki 
N 


| cos a3 cosoti 


wo d der Durchmesser des Zylinders ist. Aehnliche) | 
Formeln ergeben sich für andere Systeme. Es kön- |}. 
nen auch mehrere Zylinder zusammenwirken, die]; 
verschiedene Dralıtzahl besitzen. Sr 


Patentschau. 


i Richtantennensystem. 


Brit. Pat. 298 131 (Koomans, 3. Oktober 1927), ver- 
fentlicht am 28. November 1928. 


Es sollen gemäß der Erfindung Antennenpaare 
:rwendet werden, deren jedes aus parallelen Dräh- 
"n a, b (Bild 14) besteht, und die voneinander eine 
"be oder ganze Wellenlänge entfernt sind. Bei 
nem Abstand gleich einer halben Wellenlänge (wie 
Bild 14 dargestellt) sind die Zuführungsleitungen 


Bild 14. 
2kreuzt, um eine phasenrichtige Erregung der Ein- 


r 
-zldrähte zu erzielen. In bestimmten Intervallen 
„nd die Antennendrähte kürzer oder es ist an diesen 
tellen ein Antennenpaar fortgelassen. 


Verhinderung des Anpeilens. 


. D.R.P. 467 693, Klasse 21a‘, Gruppe 48 (Telefun- 
“en), Pat. vom 27. Mai 1925, ausgegeben am 9. No- 
„ember 1928. 


© Versuche haben ergeben, daß die Peilung eines 
„enders unmöglich wird, wenn der Sender gerichtet 
endet und die Ausstrahlungsrichtung einem raschen 
Vechsel unterworfen wird. Man kann in der Weise 
“erfahren, daß man eine Richtantenne rotieren läßt 
der mehrere Richtantennen wechselweise nachein- 
nder einschaltet. Gewöhnlich besitzen gerichtete 
antennen noch eine kleine ungerichtete Strahlung. 
Viese ist zweckmäßig durch eine zusätzliche un- 
‚erichtete Antenne zu kompensieren. 


u Peilgerät. ' 

: D.R.P. 430339, Klasse 21a‘, Gruppe 48 (Telefun- 
‚en), Pat. vom 20. April 1923, ausgegeben am 23. 
lovember 1928. 


Das Peilgerät, das dazu bestimmt ist, scharfe und 
indeutige Peilungen zu ergeben, besitzt einen Ralı- 
ıen, der mit Hilfe eines federgespannten Drahtseil- 
uges gedreht wird. Der Rahmen kann z. B. aui 
)eck eines Schiffes in einem Schutzkasten eingebaut 
ein, während die Empfangsapparatur unter Deck 
eschützt untergebracht sein kann. Um Rückwirkun- 
en zwischen Rahmenantenne und Hilfisantenne zu 
'ermeiden, wird eine reichlich große Hilfsantenne 
‚erwendet und diese nur sehr lose mit dem Rahmen- 
„reis gekoppelt. Zur Beseitigung der Rückwirkung 
„ann auch zwischen Hilfsantenne und Rahmenkreis 
‚in rückwirkungsfreies Kopplungsorgan (Röhre) ein- 
 ebaut sein. 


Abnahme von Hochirequenzschwingungen von 
Starkstromleitungen. 

.. D.R.P. 468 884 (Maschinenfabrik Oerlikon), Klasse 
“lat, Gruppe 59, Pat. vom 8. Juli 1925, schweiz. Pri- 
t rität vom 15. Juni 1925, ausgegeben am 23. Novem- 
"er 1928. 


{o 


111 


Zur Abnahme der Hochfrequenzschwingungen von 
Starkstromleitungen verwendet man Stromwandler. 
Da die Röhren und Empfänger gewöhnlich hohen 
Ohmschen Widerstand besitzen, so können an den 
Klemmen des Stromwandlers leicht gefährlich hohe 


— 00 —— 


7 
DOOU VQOQ 


00000 


Bild 15. 


Spannungen auftreten. Um dies zu verhindern, soll 
parallel zum Stromwandler T (Bild 15) eine Spule L 
von hoher Selbstinduktion geschaltet werden, die für 
die Hochfrequenz einen hohen Widerstand bietet, 
während das Auftreten hoher Ueberspannungen ver- 
hindert wird. 


Synchronisierung bei der Bildtelegraphie. 


D.R.P. 469012, Klasse 2la', Gruppe 32 (Dieck- 
mann, Hell), Pat. vom 28. November 1926, ausgegeben 
am 29. November 1928. 


Bei dem d’Arlincourtschen Synchronisierungsver- 
fahren läuft die Empfangswalze etwas schneller als 
die Sendewalze und ‚wird bei jeder Umdrehung so 
lange aufgehalten, bis die Bremsung durch das Syn- 
chronisierungszeichen gelöst wird. Durch eine Stö- 
rung, die in das Synchronisierungszeichen fällt, wird 
die Bremsung ebenfalls ausgelöst und dann unter 
Umständen während mehrerer Umdrehungen durch 
ein Bildzeichen synchronisiert. Erfindungsgemäß soll 
dieser Nachteil dadurch beseitigt werden, daß die 
Bremsung nur durch eine bestimmte Folge mehrerer 
Synchronisierungszeichen gelöst werden kann. 


Fernbildübertragung. 


D.R.P. 467 977, Klasse 21a’, Gruppe 32 (Lorenz), 
Pat. vom 6. April 1927, ausgegeben am 3. November 
1928. 


Für die telautographische Methode bei der Bild- 
übertragung verwendet man entweder mechanische 
Schreibeinrichtungen oder chemische Verfahren. Die 
Erfindung schlägt vor, ein Papier mit farbigem Un- 
tergrund zu verwenden, das mit einer dünnen Wachs- 
schicht bedeckt ist. Es genügt dann nur ein gerin- 
ger Druck, um diese Waclısschicht abzuschaben, so 
daß der Untergrund frei liegt und sich markiert. Es 
sollen sich auf diese Weise haarfeine Striche erzeu- 
gen lassen. Die Wachsschicht kann so dünn (0,001 
bis 0,003 mm) sein, daß ganz geringe Bewegungen 
eines Ankers oder einer Membran die Markierung 
hervorrufen. 


Bildtelegraphie. 

D.R.P. 468256, Klasse 21a, Gruppe 32 (Karolus), 
Pat. vom 5. April 1925, ausgegeben am 9. November 
1928. 

Die Erfindung betrifft eine mehrfache Bildüber- 
tragung, bei der mehrere Bildsendungen mit verschie- 
denen Trägerwellen gleichzeitig übertragen werden. 


112 


Zur Synchronisierung soll in diesem Falle nur eine 
einzige gemeinsame Synchronisierungsfrequenz ver- 
wendet werden. 


Röhre mit indirekt beheizter Kathode. 


Brit. Pat. 297 886 (Bullimore, 30. März 1927), ver- 
öffentlicht am 21. November 1928. 

In Bild 16 ist eine Röhre im Schnitt wiedergege- 
ben, die in der Achse eine Metallröhre als Anode A 
und außen die Kathode K besitzt. Die Kathode be- 
steht aus einem Zylinder aus einem geeigneten Iso- 


K SA S K 
Bild 16. 


lierstoff, der innen einen Oxydbelag und außen die 
Heizwicklung besitzt. Der innere Anodenzylinder 
kann zur Kühlung der Anode von einem Kühlmittel 
durchflossen sein. 


Wechselstromgeheizte Röhre. 


Brit. Pat. 297847 (Marconi, 29. Septeinber 1927), 
veröffentlicht am 21. November 1928. 


Bild 17. 


Zur Beseitigung des Wechselfieldes im Innern 
einer Röhre, deren Kathode unmittelbar mit Wechsel- 
strom beheizt wird, soll außerhalb der Anode A (Bild 
17) eine Hilfswicklung H angeordnet werden, die von 


469 013 


Referate, 


dem Heizwechselstrom ebenfalls durchflossen wird 
und bei geeigneter Windungszalil bzw. Abstand von 
der Anode das Wechselfeld des Heizfadens kompen- 
siert. 


Die neuesten deutschen Hochireguen?- Patente. 


Klasse 
und 
Gruppe 


| Ahseaber| | 
tag | 


Nr. In h á 


23. 11.28 
21a1/32 |29. 10. 28 
21a4/8 | 5.11.28 
2lat/9 | 3.11.28 
21a4/14 |29. 10.28 


21a4/22 |29. 
21g/13 |29. 
2lai/1 

21a4/48 
21a?/11 


21a1/32 
21a?/22 
21g/10 
21a2/21 
21g/13 
218/13 
21a4/70 
21a4/70 
21a!/32 
21g/10 
21a4/14 
21a4/14 
21a4/9 

21a4/6 

21g/10 
21g/13 
21g/10 
21g/10 
3lg/3l 

21a?/15 
21a1/72 
21c/22 

2121/59 


21a!/77 
21g/13 
21al/32 
2121/32 


*430 330 

467 591 
#467 593 
#467 595 
*467 596 


467 597 
467 674 
*467 692 
#467 693) 
467 941 


+467 977 
468 087 
468 092 
468 130 
468 164 
468 165 
468 221 
468 222 

*468 256 
468 270 
468 352 
468 353 

*468 629 

*468 672 
468 686 
468 723 
468 761 
468 787 
468 788 
468 818 
468 819 
468 821 

*468 884 


468 885 
468 956 
469 012 


21a4/48 Peileinrichtung 
Bildübertragung 
Herstellung von Piezokristallen 


Fadingbeseitigung 


tragung 
Störbefreiung beim Empfang 
Röhrengleichrichter 
Beseitigung von Oberwellen 
Verhinderung des Anpeilens 


Lautsprecher 
Bildübertragung 
Fadingbeseitigung 
regelbarer Kondensator 
Kopftelephonbügel 
Entladungsgefäß 
Kühlung bei Metallröhren 
Abstimmvorrichtung 
Feineinstellvorrichtung 
Bildtelegraphle 
Kondensator 
Drosselmodulation 
Drosselmodulation 
Kurzwellen-Röhrensender 
Fregzenzvervielfachung 
Drehkondensator 
Glühkathodenröhre 
Mehrfach-Kondensator 
Kondensator 
Entkoppelung von Stromkreisen 
Modulationseinrichtung 
Kurz-lang-Schaltung 
Federstecker 
Übertrager von 

schwingungen 
Röhrenfassung 
Heizung von Röhren 
Bildtelegraphie 
Bildtelegraphie 


DO OITEEIIN. ET 


Die mit * bezeichneten Patente sind in diesem Heft aus 


führlicher referiert. 


Referate. 


B. S. Cohen. Normalgeräte für Telephonie und die 
Prüftechnik von Mikrophonen und Telephonen (Appa- 
ratus standards of telephonic transmission, and the 
technique of testing microphones and receivers). 
Journ. Instit. Electr. Eng. 66, S. 165—203, 1928. 


Die weitgehende Verbindung der Telephonnetze 
der einzelnen Staaten untereinander führte dazu, auch 
international die einzelnen Bestimmungsstücke einer 
Telephonverbindung festzulegen. Die Schaffung ge- 
eigneter Normale bzw. Prüfvorschriften ist ein Teil 
der Aufgaben des Comité Consultatif International des 
Communications Telephoniques à Grande Distance 
(abgekürzt CCI). Verf. berichtet über diese Ar- 
beiten, insbesondere über solche, die in der Versuchs- 
abteilung der englischen Postbehörde durchgeführt 


sind. Die Untersuchungen über die Leitungen selbst 
interessieren nur indirekt, 
schnitte über Mikrophon- und Telephonprüfungen auch 
für Zwecke der drahtlosen Telephonie Bedeutung, 
zumal die drahtlose Verbindung von Postnetzen bei 
Ueberseegesprächen bereits praktisch durchgeführt 
wird. 

Die sogenannte Verständlichkeit einer 
Telephonübertragung hängt von drei Faktoren ab: 

1. Volumen. 

2. Verzerrung. 

3. Störgeräusche. 

Dabei ist unter Volumen auch die Lautstärke 
oder Amplitude zu verstehen. In absoluten Werten 


Verbesserung der Rundfunküber- | 


Membran für elektrodynamische 


Hoc’ ‚frequenz- 


r 


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|: 
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X: 


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~ 


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er - 


dagegen haben die Ab- ! 


| 
| 
| 
| 


kann es akustisch in Amplitude, Druck oder Leistung , 


\ 


. zedrückt werden. 


Referate. 


und elektrisch in Strom, Spannung oder Leistung aus- 
Für Vergleichszwecke kann es 
auch in den später definierten Uebertragungseinhei- 
ten angegeben werden. 

Die Verzerrung beruht auf unvollkommener 
Wiedergabe der Wellenform. Die Abhängigkeit der 
Amplitude von der Frequenz ist die sichtbare Dar- 
stellung, außerdem ist noch die nicht lineare Ver- 
zerrung zu berücksichtigen. Hier bleibt das Verhält- 


. nis zwischen Eingang und Ausgang nicht konstant, 


d 
4 


| 


|- 
N 


y dem Namen „Bel“ (nach dem Amerikaner Bell) und 


al 
f 


dabei werden Obertöne den Eingangsfrequenzen 
hinzugefügt. 

Die Störgeräusche beruhen 1. auf Uebersprechen, 
2. induktive elektrische Störungen von anderen elek- 
trischen Quellen, 3. äußere Geräusche, die sich dem 
eintretenden oder austretenden Schall überlagern, 
4. innere Geräusche, z. B. Brodeln und Knacken des 
Mikrophons. | 

Der Wirkunglsgrad von Mikro- und Telephonen 
wird durch das akustisch-elektrische bzw. elektrisch- 
akustische Verhältnis ausgedrückt. Diese können 
Druck- oder Leistungsverhältnisse sein. 

Der akustisch-elektrische Wirkungsgrad (Druck) 
ist für Mikrophone V/P, wo V die Mikrophon-Wechsel- 
spannung in Millivolt oder Volt und P die Schall- 


intensität ausgedrückt in dyn/cm? oder Mikrobar ist.. 


Hierbei ist die meteorologische Druckeinheit ein Bar 
(= 10° dyn/cm?). In der Physik wird häufig 1 bar 
— 1 dyn/cm? definiert. .Die Schallintensität wird also 
in Mikrobar und die Druckamplitude in der Schall- 
welle in dyn angegeben. — Der akustisch-elektrische 
Wirkungsgrad (Leistung) ist für ein Mikrophon 
W,./W,. wo W, die akustische Leistung in Mikrowatt 
und W., die elektrische Leistung in Mikrowatt in 
einem Kreis ist, welcher die gleiche Impedanz wie 
das Mikrophon hat. Für Telephone ergeben sich 
analoge Werte. 


Absolute und Vergleichsnormale 
für die Leitung. 

Wenn es Methoden gäbe, die akustisch-elektrischen 
Wirkungsgrade von Mikro- und Telephonen leicht und 
sicher zu messen, und zwar entweder mit Sprache 
oder mit einem der Sprache äquivalenten Schall- 
gemisch, dann könnte man eine absolute Normale für 
die Telephonübertragung aufstellen. Leider sind diese 
Messungen nicht leicht und bequem durchzuführen, 
deshalb begnügt man sich mit Vergleichsnormalen. 
Dazu nimmt man entweder hochwertige Stücke aus 
der normalen Fabrikation oder besondere Normalien, 
die annähernd eine vollkommene Uebertragung erge- 
ben und auf Grund ihrer physikalischen Daten repro- 
duzierbar sind, wobei die Amplitudenabhängigkeit von 
der Frequenz sowie die akustisch - elektrischen 
Wirkungsgrade genau bestimmt und annähernd un- 
verändert gehalten werden können. 

Als künstliches Kabel kommen Stücke von 48 km 
Länge in Frage, welche für 1 km folgende Werte 
haben: R=59 Ohm, C = 0,033 uF, L = 0,00061 Hy, 
G = 0,61 uS. Die beobachtete Lautstärke durch „km 
Normalkabel“ anzugeben, ist veraltet und überholt. 
Man nimmt jetzt definierte Verhältnisse von Leistung, 
Strom oder Spannung als Maß für die Uebertragung. 
Vorgeschlagen ist der Briggsche Logarithmus des 
Verhältnisse zweier Leistungen log!" P,/P, = 1 unter 


-struktion. 


10. log! P/P,=1 als „Decibel“ (Zehntel Bel) 
Für diese Einheit ist in Amerika der Ausdruck „T.U.“ 
(transmission unit) gebräuchlich. Er findet auch in 
England Anwendung. Andere Postverwaltungen be- 
nutzen noch #& Dieses ist der natürliche Logarith- 
mus des Stromverhältnisses: 


In® Jı/Ja = l. 
Diese Einheit wird auch „Neper“ genannt. Zwischen 


diesen verschiedenen Maßsystemen bestehen folgende 
Beziehungen: 


Einheit Formel èni aa En 
Bel | log? PJP, N 
Dezibel TU 10-10g!0 P,/Ps 10 
Neper li, Ine P/P 1,15 
Standardmeile bei 
800 Hertz — 10,88 


| 


Das Kohlekörner-Mikrophon. 
Das sogenannte Solid-Back-Kohlemikrophon für 


Zentral-Batteriebetrieb ist zahlenmäßig in der Welt 


Das Bild la zeigt die Kon- 
Dem Sprechtrichter gegenüber steht eine 
Metallmembran, welche am Rande mit weichem 


am meisten verbreitet. 


IM 


u 


geschliffen ALL 
zum Änpressen 
der Membran 


ru 1 
N 


LA WY) | 
wur 


MN 


- 


A € 


IN =: 
17 ; 
= q vord. Kohleelekt 
N! N PIONERIE Doliert A gelofet 
N hintere Kohleelektr. geschellachter 
Glimmer ii ng 
Membran 


Bild 1. 
Gummi gehalten wird. In der Mitte ist sie fest ge- 
koppelt mit einer kleinen Glimmermembran des 
Kohlemikrophons. Die Metallmembran ist zusammen 
mit dem Mikrophon auf etwa 1200 Hertz abgestimmt. 
Einzelheiten der Mikrophonkonstruktion sind aus 
den Bildern 1b und Ic zu ersehen. Die mit ca. 0,5 g 
Kohlegries gefüllte Kammer hat 16 mm ( und etwa 
3,5 mm Tiefe. Die größte Dimension eines Kohle- 
kornes ist 0,18 mm. Im Mikrophon sind also mehr 
als 100000 Körner und etwa 1 Million sogenannte 
Mikrophonkontakte enthalten. Der Ruhestrom fließt, 
wenn kein Schall oder mechanische Erschütterungen 
auftreten; seine Stärke hängt von der angelegten 
Spannung und räumlichen Lage ab. 
Das Bild 2 zeigt in Kurve A die Abhängigkeit 
des Mikrophonwiderstandes vom Strom in mA 
beim Zentral-Batteriebetrieb und in B beim Orts- 


114 


batteriebetrieb. Der Mikrophonstrom schwankt 
zwischen 10 und 400 mA. Das ZB - Mikrophon 
arbeitet noch bis 253 mA Strom. Kippt man das 
Mikrophon, dann nimmt der Ruhewiderstand zu, 
und zwar bei einer Neigung von 25° gegen die 
Senkrechte um etwa 50 v.H. Wird das Mikrophon 
besprochen, dann nimmt sein Widerstand zu infolge 
des Packeffektes und zwar mit steigender Lautstärke 
des auffallenden Schalles, vgl. Bild 3. Das Bild 4 


Ohm 


Q 


honwiderst 
S 


Mikrop 
RS 


& 


O 2004 
7° O 720 bo 20 360 B 


Bild- 2. 


zeigt den Verlauf des Widerstandes für eine längere 
Zeit. Ein Mikrophon war 24 Std. in Ruhe (a), dann 
wurden 5 Min. lang 25 mA Strom hindurchgeschickt (b), 
eine Minute gezählt mit gewöhnlicher Stimme (c), 
darauf das Mikrophon ruhig gehalten (d). Bei e 
wurde der Strom 2 Min. ausgeschaltet und bei /5 Min. 


Ohm 


X 

S ý Neigung 25° 
N Strom 95 mA 
dD W 

N 

$ 

u Negung 0° 

N SHOM 45mÄ 


Laltstärne 
Bild 3. 


wieder eingeschaltet. Im allgemeinen nimmt bei 
schwachem Schall der Widerstand zu. Große Schall- 
intensität hebt den Packeffekt auf und schafft nor- 
male Widerstandswerte.e Das Bild 3 enthält die 
Mittelwerte von 12 Mikrophonen für zwei Strom- 
stärken und Neigungen gegen die Senkrechte in Ab- 
hängigkeit von der Schallintensität. 


Schallmessungen am Mikrophon. 


Zur Messung der auf das Mikrophon auffallenden 
Schallintensität ist ein elektrodynamisches Telephon 
entwickelt. Dieses besitzt eine einigermaßen gleich- 
mäßige Frequenz-Amplitudenkurve. Die bewegte Spule 
wirkt über einem zweistufigen Transformator-Ver- 
stärker auf ein Gleichrichterrohr mit Mikroampere- 
meter. Das Feld des Mikrophons wird mit 200 mA 
erregt. Spricht man mit normaler Stimme auf das 
Mikrophon, dann erhält man 40 Skt. Ausschlag. Dieses 


entspricht etwa einer Schallenergie von 0,7 u Watt/cm?. 


Referate. 


Auf die Uebertragung ist noch die Schwächung durch | 
die Leitung selbst von Einfluß. Der Unterschied ; 
zwischen den längsten und kürzesten Verbindungs-| 
leitungen kann im Maximum zu 13 T. U. angenommen 
werden, also ein Leistungsverhältnis von etwa 20. 


Akustisch-elektrische Werte 
der Solid-Back-Mikroplone. 

Die in einer früheren Arbeit!) veröffentlichten 
Frequenz-Amplitudenkurven zeigen einen großen Ein- ı 
fluß des Mundstücks auf die Resonanzkurve. Material, ' 
Form und Dimensionen ändern den Wirkungsgrad um 
2—4 T.U. Im allgemeinen ist das S. B.-Mikrophon 
unterhalb 500 und oberhalb 2000 Hz unempfindlich, 
bei etwa 1000 Hz liegt eine scharfe Resonanz und ' 
eine breite zwischen 1500 und 2000 Hz. 

In einer Leitung ohne besonderen Widerstand er-: 
gab ein mit normaler Schallstärke besprochenes ' 
Mikrophon bei 1 cm Abstand 488 mV im Mittel und, 
bei 10 cm Abstand 65 mV. Die Leistungsabgabe desl 
Mikrophons ist bei 1 cm Abstand etwa 1800 „uW und 


SS Ohm | 
PNA ; 
SQ 
NN 40 | 
2 0 
2 4 0 1 ç 16 
-a>| icl de > 
Ir Ferm Min -i | 
Bild 4. 


bei 10 cm Abstand 32 uW. Nach Crandall und | 
Mackenzie) ist die mittlere Sprechenergie 
12,5 uW. Nach Rayleigh steht der Druck p in 
„bar mit der Energie P in „W/cm? für eine Schall- ; 
welle in freier Luft in der Beziehung p = y P. 215. 
Die aus dem akustischen Widerstand abgeleitete ! 
Zahl 415 gilt nicht für ein Mikrophon, sondern 
für eine Schallwelle in freier Luft. Da die akü- 
stischen Widerstände für die einzelnen Mikrophon- 
typen nicht stark differieren, kann man die Forme! 
für Vergleichswerte benutzen. Man erhält jetzt für 
den Abstand d des Mundes des Sprechers von demi 
Mikrophontrichter folgende Werte: 


Akust.-elektr; Druck-Span. . 


d | Gesamt- | Auffallende Druck s - 
in cm | schallenergie! Schallenerg. 5 : 


Wirkungsgr.! Wirkungsgr 
l cm 10 u W| 9,7uWj/cm? | 17 u bar 180 29 
lOcm| 0,15 « W | 0,01 2o 2 u bar 213 32 
10cm] 0,225 uW — 125 u bar 107 | 16 bis 22 ' 


Das S.B.-Mikrophon ist also ein Leistungsverstär-, 
ker mit dem Verstärkungsfaktor 200. 


Neuere direkte Vergleichsversuche mit einem 
Kondensatormikrophon nach Wente, welches mit 
der Rayleighschen Scheibe geeicht ist, ergaben 
die etwas abweichenden Werte der letzten Zeile. Die 
Mikrophone mit 50 mA Ruhestrom wurden aus 
10 cm Entfernung besprochen. Die Zahlen sind Mittel- : 
werte für 13 Standardmikrophone: 


EMK = 32 bis 55 mV. 
Elektrische Leistung 24 uW. 


1) B. S. Cohen, A. J. Aldridge u. Ws West, Journ. Inst 
Electr. Eng. 64, S. 1023, 1926, Abb. 14a und b auf Seite 10%. l : 
2) J. B. Crandall u. D. Mackenzie, Phys. Rev. Bd. 19, 

S. 221, 1922, 


Referate. 


115 


Das Bell-Telephon. 


Das Bell-Telephon mit 60 Ohm Spulenwiderstand 
ist ebenso verbreitet wie das Solid-Back-Mikrophon. 
Konstruktionseinzelheiten zeigt das Bild 5. In Eng- 
land werden folgende Zahlenwerte innegehalten: 
Mittlerer Luftspalt zwischen Membran und Polschuh 
= 0,34 mm; Windungszahl = 1210; Magnetische In- 
duktion = 445; Membran 4,75 cm (), 0,24 mm Stärke 


eG, 


mit 0,02 mm Lacküberzug; Membranresonanz frei 
~. 940 Hz, am Ohr œ~ 1100 Hz. Die Frequenz- 
Amplitudenkurven sind veröffentlicht?). Die Impedanz- 
diagramme des Telephons zeigen die Bilder 6. 6a ent- 
spricht einem akustisch ungedämpften Bell-Tele- 
phon, 6b dasselbe Telephon am Ohr, 6c dasselbe am 
künstlichen Ohr. Die Zahlen bedeuten Frequenzen in 
2 z Sekunden. 


700 . 140 
-> Wirkwiderstand 


760 220 


Die Verständlichkeit ergab bei der Prüfung mit 
einer sonst verzerrungsfrei arbeitenden Apparatur 
beim S. B. Mikrophon 81 v. H., beim Bell-Teleplion 
93 v. H. Das Spannungsdruck-Verhältnis wurde mit 
einem Kondensatormikrophon bestimmt, welches 
durch Vergleich mit der Rayleighschen Scheibe 
geeicht war. Für die Normalien der britischen 
Postbehörde ergab sich dies Verhältnis zu 0,271 
„bar/mV. Bei anderen Telephonen für normalen 
Gebrauch lag dieser Wert zwischen 0,183 und 0,291, 
im Mittel 0,22 u bar/mV. Ersetzt man die Sprache 
durch einen besonderen Sender, dessen Frequenz 
. periodisch in 0,2 sec. von 600 bis 1200 Hz. variiert 


3, Vgl. 1) S. 1035, 1039, 1059 und Abb. 15, 26 u. H. 


wird, dann wurde die charakteristische Leistung des 
Bell- Telephones im Mittel zu 84,5 u bar für 1 mW 
elektrische Energie nach der 3-Voltmetermethode 
gemessen. 


Von Interesse werden noch einige Beispiele der 
akustisch-elektrisch-akustischen Umsetzung sein. Für 
ein S. B.-Mikrophon erhält man im Mittel bei einer 
Schalldruck von 1 „ bar eine EMK von 16 mV. Der 
Telephon-Wirkungsgrad ist 0,22, also erhält man 
unter Vernachlässigung des Widerstandes in den Lei- 
tungen eine akustische Ausgangsenergie von 3,5 
ubar. Das Mikrophon verstärkt wesentlich mehr, als 
das Telephon an Energie verschluckt, so daß im 
ganzen noch eine Verstärkung übrigbleibt.e Nimmt 
man eine Zertralbatterieschaltung mit 300 Ohm 
Widerstand, so sinkt der akustisch-elektrische Wir- 
kungsgrad des Mikrophons auf 14,5 und der des 
Telephons auf 0,0495. Dann erhält man für jedes 
Mikrobar auf das Mikrophon auffallende Energie nur 
0,72 u bar abgegebene. Das entspricht einer Schwä- 
chung um 3T. U., während im ersten Falle die Ver- 
stärkung 11 T. U. betrug. Diese Zahlen stimmen 
sicherlich der Größenordnung nach. 


Vergleichsnormalien. 


Die bisherigen Normalien der Telephonübertragung 
schlossen sich eng an die verbreiteten Mikro- und 
Telephone an. An wirkliche Vergleichsnormalien muß 
man folgende Ansprüche stellen: 

1. Die Apparatur besteht aus 3 Teilen: Empfangs- 
seite, künstliche Leitung und Senderseite. 

2. Die Frequenz-Amplituden-Charakteristik aller 
drei Stücke muß für den Tonfrequenzbereich an- 
nähernd gleichmäßig und leicht zu messen sein. Nicht 
lineare Abweichungen sollen nicht auftreten. 


3. Die akustisch - elektrischen Wirkungsgrade 
müssen den handelsüblichen ähnlich gemacht werden 
können. 

4. Die Apparatur muß stabil und reproduzierbar 
sein. 

5. Ein Gerät, mit dem man den handelsüblichen 
Telephonen entsprechende Verzerrungen hervorrufen 
kann, muß eingeschaltet werden können. 

Die Empfangsseite enthält Mikrophon, geeignete 
Verstärker usw., und ist definiert durch den akustisch- 
elektrischen (Druck) Wirkungsgrad. Die äußeren 
Dimensionen des Mikrophons und die Art seiner Be- 
nutzung müssen festgelegt werden. Als Normal- 
mikrophon ist das Wentesche Kondensatormikro- 
phon mit gespannter Membran von 4,286 cm () an- 


116 


genommen. In einem Abstand von 4,1 cm ist ein 
Ring von 4,1 cm © bei 0,3 cm Drahtstärke befestigt, 
durch den die Stellung des Mundes fixiert ist. 

Der Schalldruck wird nach der Thermophon- 
methode von Arnold, Crandallund Wente oder 
mit der Rayleighschen Scheibe oder nach der Kom- 
pensationsmethode von E. Gerlach gemessen. Für 
l u bar Schallenergie soll das arithmetische Mittel 
der EMK 50 mV im Frequenzbereich von 500 bis 
2500 Hz betragen. Die Spitzenintensität ist für „o“ 
und „e“ 76 „ bar, für alle Vokale im Mittel 34 „ bar. 
Die Intensität der Konsonanten ist geringer. Das Ver- 
hältnis der maximalen zur mittleren Spitzenintensität 
ist 2,3:1 und der maximalen Spitzen- zur Durch- 
schnittsintensität ist 9:1. Zwischen 100 und 5000 Hz 
soll die Frequenz-Amplituden-Charakteristik so gleich- 
mäßig sein, daß der akustisch-elektrische Wirkungs- 
grad um nicht mehr als +2 T. U. schwankt. Für den 


Vergleichsempfänger 
A À y 
o IL 2.27 — N D, 


aw 


M — I! 
u N _ Akustische Kopplung 
Bild 7. 


gleichen Frequenzbereich soll die Ausgangsimpedanz 
600 Ohm + 5 % und einen Winkel + 10° sein. Das 
Gerät muß in Stufen von 1 T. U. zwischen + 10 T. U. 
verändert werden können. 

Die künstliche Leitung soll eine Charakteristik von 
600 Ohm + 1% und einen Winkel + 2° im Bereich 
von 100 bis 5000 Hz besitzen. Sie ist zwischen 0 und 
100 T. U. in Stufen von 0,2 T. U. einstellbar. 


Die Senderseite enthält das Telephon usw. und ist 
wieder durch den elektrisch-akustischen (Druck) 
Wirkungrad festgelegt. Als Telephon wird ein Bell- 
sches mit besonders gedämpfter Membran oder ein 
elektrodynamisches benutzt. Die Dimensionen der 
Telephonmuschel sowie der akustischen Kopplung sind 
festgelegt. (Bild 7.) Letztere ist nötig, um das 
Telephon auf eine geeichte akustische Meßeinrichtung 
wirken zu lassen. Der am Ende der akustischen Kopp- 
lung gemessene Druck soll sich zu der Eingangs- 
spannung des Telephons annähernd wie beim nor- 
malen handelsüblichen Telephon verhalten und ist 
vorläufig zu 50 u bar pro Volt im Frequenzbereich 
von 500 bis 2500 Hz festgelegt. Zwischen 300 und 
3000 Hz soll der elektrisch-akustische Wirkungsgrad 
um nicht mehr als + 4 T. U. und zwischen 100 und 
5000 Hz um nicht mehr als + 10 T. U. schwanken. Die 
Apparatur des Bell- Telephon-Laboratoriums ist von 
L. J. Sivian*) veröffentlicht. 

Die europäische Hauptnormale wird im Laborato- 
rium des Conservatoire National des Artes et Metiers 
in Paris aufgestellt werden. 

Kopien dieser Hauptnormale werden von den Ver- 
waltungen und Lieferfirmen der einzelnen Länder auf- 
gestellt werden, die man in Normalien 1. und 2. Ord- 


4) L. J. Sivian, Electr. Communication, Bd. 3, S. 114, 1924. 


Referate. 


nung einteilen kann. Hierbei entsprechen die 1. Ord- 
nung der Form der Hauptnormale und sind in ab- 
soluten Werten geeicht, während die 2. Ordnung aus 
praktisch verzerrungsfrei arbeitenden, hochqualifi- 
zierten Geräten bestehen werden. Vom Verfasser ist 
ein solches System angegeben’). Es besteht aus 
einem Wirbelstrommikrophon mit einer Empfindlich- 
keit von 0,0002 eines normalen Mikrophons, ange- 
koppelt mit einem Transformator 1:14 an einer 
Leitung mit einer Charakteristik von 600 Ohm, in 


a 


S 
`~ 


“Stufen von 0,1, 1 und 10 T. U. bis 96 T. U. ver- 


änderlich, einem 3stufigen Widerstandsverstärker 
und einem elektrodynamischen Telephon mit be- 
wegter Spule. Sie besitzt bei 300 Windungen von 
25 mm () eine Impedanz von 500 Ohm, wiegt mit 
ihrem Holzkern 1 g und ist an einer Membran aus 
geölter Seide befestigt. Der Abstand vom Ohr beträgt 
5 mm. Das Bild 8 zeigt die Frequenz-Amplituden- 
Charakteristik des Mikrophons einschließlich seines 
Verstärkers (Kurve A), zum Vergleich ist die des nor- 
malen Zentral - Batterie - Mikrophons danebengestellt 
(Kurve B). Dasselbe ist für das Telephon in Bild 9 A 


&00 


dyn pro cm?/Volt 
9 


z. 


0 2000 
Bild 9. 


geschehen. Bild 9B gibt die Kurve für ein Bell- 
Mikrophon, das an das Ohr gedrückt ist. Die Gleich- 
mäßigkeit des ganzen Systems ist aus dem Bild 10 
ersichtlich. Hier das Verhältnis des Druckes auf das 
Mikrophon P, zum Druck hervorgerufen von dem 
Telephon P, dargestellt. Bei 100 Hz ist das Ver- 
hältnis 40, bei 1000 Hz liegt das Maximum von 
84 und bei 4000 Hz ist es auf 14 gesunken. 
Maximum und Minimum unterscheidet sich durch 
den Faktor 6 oder 15,4 T. U. Die Apparatur ar- 
beitet so vorzüglich, daß eine Verständlichkeit von 
annähernd 100 v. H. erzielt wird. In Deutschland ist 
eine ähnliche Apparatur entwickelt worden. Der 
Hauptvorteil dieser Normalien liegt in der Vermeidung 
der Ungleichmäßigkeiten der Kohlemikrophone. 


5) B. S. Cohen, Post Office Electr. Eng. Journ. Bd. 19. 
S. 237, 1926/27. 


| 


O y S bka 


-y En | E O e a nn D -o a G a 


| 
| 


- partikelchen. 
. 8 mm Ø und 0,025 mm Stärke. 


Referate. 


Die Rayleighsche Scheibeals 
Schallmeßinstrument. 
Von der britischen Postbehörde ist zu absoluten 
Messungen im Schallfeld stets die Rayleigh sche 


Scheibe benutzt, da sie einfach und unveränderlich ist, 


und im Schallfeld die geringsten Störungen hervor- 
ruft. Man mißt mit ihr die Geschwindigkeit der Luft- 
Sie war eine Glimmerscheibe von 
Die Masse ist etwa 


: 0,002 g. Der Spiegel war O,lcm? groß und wog 


0,0005 g. Sie war an einem Glas- oder Quarzfaden 
von 30—40 cm Länge und einem Torsionsmoment von 
etwa 0,0017 dyn. cm aufgehängt. Man konnte mit ihr 


an 
Nwo 
N 
Ñ 60 
3 
X 2 
S 
0 2000 4000 Hz | 
Bild 10. 


bis zu Geschwindigkeiten von 2,5 mm pro Sekunde 
arbeiten. Bis 8000 Hz kann man mit der Scheibe 
ohne große Fehler messen. Es kommt hier darauf an, 
daß die Wellenlänge noch etwa 5mal größer als der 
Scheibendurchmesser ist. Ein Vergleich mit der Kom- 
pensationsmethode von Gerlach?) ergab Ueberein- 
stimmung bis auf 5 v. H., lag also im Bereich der 
Meßifehler. 


Der für Sprach- und Musikwiedergabe 
erforderliche Frequenzbereich. 


Dieser ist von der CCJ in Verbindung mit den 
Rundfunkorganisationen in folgende drei Bereiche ein- 
geteilt: 

1. Der ideale Frequenzbereich für vollkommene 
Wiedergabe von Sprache, Musik und der meisten Ge- 
räusche reicht von 30 bis 10 000 Hz. | 

2. Für die Wiedergabe von Sprache und Musik in 
hoher Qualität sind die Frequenzen von 100—5000 Hz 
erforderlich. 

3. Gut verständliche Sprache wird durch Frequen- 
zen von 200—3000 Hz wiedergegeben. 

E. Lübcke. 


G.W.Pierce.MagnetomechanischeOszil- 
latoren. Eine Anwendung der Magnetostriktion 
zur Kontrolle nieder- und hochfrequenter elektrischer 
Schwingungen, zur Erzeugung von Schallwellen und 
zur Messung der elastischen Konstanten von Metallen. 
(Magnetostriction oszillators. An application of mag- 
netostriction to the control of frequency of audio and 
radio elektric oscillations, to the production of sound, 
and to the measurement of the elastic constants of 
metals.) Proc. of the Amer. Acad. of Arts and 
Sciences. 63, 1-47, 1928. 

Die Magnetostriktion magnetischer Stäbe, d. h. die 
Stablängenänderung unter dem Einfluß eines magne- 
tischen Feldes, wird zur Erzeugung von elastischen 
Longitudinalschwingungen derartiger Stäbe aus- 


6) E. Gerlach, Wiss, Veröff. a. d. Siemenskonzern, III, 1, 
S 139, 1923. 


u a a a E a a A 


117 


genützt. Pierce benützt solche schwingenden Stäbe 
weniger als Resonatoren, sondern mehr als Stabili- 
satoren elektrischer Schwingungskreise, wobei das 
zur Erregung des Stabes nötige magnetische Wechsel- 
feld von dem Schwingungskreis selbst geliefert wird. 
In Bild 1 ist eine Selbsterregerschaltung gezeichnet, 
die von Pierce mit gutem Erfolg benutzt wird. Der 
magnetische Stab R liegt auf einer Schneide frei be- 
weglich auf. Ueber ihn sind zwei Selbstinduktions- 
spulen L, und L, geschoben, die in der angedeuteten 
Weise mit den Röhrenkreisen vcrbunden sind. Die 
Spulen dürfen natürlich dem Stab nicht anliegen, um 
die Beweglichkeit des Stabes nicht zu verhindern. Die 


zum Verst3rKder 


Bild 1. 


beiden Spulen L, und L> müssen in ihrem Wicklungs- 
sinn so orientiert und mit Gitter, Anode und Kathode 
verbunden sein, daß der von der Kathode über die 
Spule Z, nach der Anode und ein — angenommener — 
von der Kathode über L, nach dem Gitter fließender 
Strom im Stab magnetische Felder in gleicher Rich- 
tung hervorbringen. Ein variabler Plattenkonden- 
sator C liegt zwischen den beiden zu Anode und Gitter 
führenden Spulenenden von L, und L. Der Emissions- 
stromanzeiger A dient gleichzeitig dazu, das Einsetzen 
der Schwingungen anzuzeigen. Die Größen der Selbst- 
induktion von L, und L, und der Kapazität C sind 
so zu wählen, daß innerhalo des Variationsbereiches 
von C die Resonanz zwischen der Frequenz des elek- 
trischen Schwingungskreises und der Eigenfrequenz 
des Stabes liegt. Bei Abstimmung des Kondensators C 
macht sich das Einsetzen der durch den Stab ge- 
steuerten Schwingungen in einem sehr starken Strom- 
anstieg an A bemerkbar. 

In vielen Fällen wird es nützlich sein, die von dem 
magneto-mechanischen Oszillator gelieferte Energie zu 
versiärken. Dann koppelt man mit dem Oszillator 
von Bild 1 zweckmäßig einen Verstärker nach Bild 2, 
der mit dem Oszillator an den Punkten 1, 2, 3 zu- 
sammengeschaltet wird. Die Dimensionen dieses Ver- 
stärkers sind so gewählt, daß sie für die Verstärkung 
von Hör- und Hochfrequenzen passend sind. Es ist: 


C=0,luF; ,=2uF; R =0,5 MR. | 
Diese Oszillatorschaltung ist für Frequenzen von 


500 bis 3000 Hz gut geeignet. Bei Erzeugung von 
Frequenzen von 3000 bis 300000 Hz ist es vorteil- 


118 


hafter, die Enden der Spulen L, und L, in Bild 1 in 
der bei Sendern üblichen Weise so mit Gitter, Anode 
und Kathode zu verbinden, daß Schwingungen auch 
bei Abwesenheit des Stabes vorhanden sind. Der 
Stab dient dann nur zur Stabilisierung der Frequenz; 
das Einsetzen der Stabschwingungen erkennt man am 
Strommesser bei Variation von C durch ein Hinauf- 
schnellen des Stromes von dem ein- oder halbfachen 
des normalen Wertes auf das Mehrfache. Der Konden- 
sator C kann nach dem Einschwingen des Stabes be- 
trächtlich ohne wesentliche Aenderung der elek- 
trischen und mechanischen Frequenz des Systemes 
geändert werden. 


C, 


Ausgang 


zum Oszillator 


Bild 2. 


Um Frequenzverdopplung zu verhindern, sind die 
Stäbe zu polarisieren. Die meisten magnetischen 
Substanzen besitzen genügend starken remanenten 
Magnetismus, um Jahre hindurch als Oszillatoren ge- 
nügend empfindlich zu bleiben. 


Verschiedene Metalle und Metallegierungen wur- 
den in ihrer Eignung für die Oszillatoren untersucht. 
Insbesondere wurde die Stärke des Eiffektes der 
Magnetostriktion, der Frequenzkonstanz, der elek- 
trischen Einflüsse des Röhrenkreises untersucht. 
Reines Eisen und Fisen mit Kohlenstoffzusatz war 
wenig brauchbar; reines Nickel ist als Vibrator gut 
geeignet, hat aber andere Nachteile; Legierungen von 
Nickel und Eisen in bestimmter Zusammensetzung, 
z. B. mit 36% Nickel und 64% Eisen, ähnlich dem 
„invar“ oder „Stoic“, geben gute Vibratoren, haben 
aber große Temperaturkoeffizienten der Frequenz; 
Chromnickeleisen ist sehr gut brauchbar; „Monel“, 
bestehend aus 68% Ni, 28% Cu und geringen Zu- 
sätzen von Fe, Si, Mn, C gibt sehr kräftige Oszil- 
latoren, muß jedoch dauernd durch Hilfsmittel polari- 
siert werden. 


In zwei Tabellen wird die Abhängigkeit der Fre- 
quenz von der Länge der Stäbe mitgeteilt. Es ergibt 
sich für das käufliche „Stoic“-Metall folgende Be- 
ziehung: 


2% Länge (in m) X Frequenz = 4160 bei 20° C; 
für Nickelchrom: 
2 X Länge (in m) X Frequenz = 4981 bei 23° C. 


In der Tab. 1 sind experimentelle Daten mitgeteilt. 
die die Abhängigkeit der Temperaturkoeffizienten der 
Frequenz g, der Schallgeschwindigkeit kh und der 
Elastizität 5 vom magnetischen Material wieder- 
gegeben. Man sieht aus dieser Tabelle, daß der 
Temperaturkoeffizient g für Nickeleisen von — 171.10—* 
bis auf + 224 .10— steigt, er ist 0 bei 33% Ni und 
47% Ni leider ergeben Stäbe dieser Legierungen nur 


Referate. 


Tabelle 1. 


v = Schallgeschwindigkeit, g = Temperaturkoeffizient der 


Frequenz, h = Temperaturkoeffizient der Schallgeschwindigkeit, 
b = Temperaturkoeffizient der Elastizität. 


v g h b 
ee m/sec | x106 | x106 | x106 
Eisen 5074 — 171 — 159 — 354 
Nickel 4937 — 132 — 120 — 276 
Stoic 4161 -+ 224 -+226 -- 446 
Nichrome 4981 — 107 — 97 — 226 
Monel 4549 — 151 — 137 — 316 
Stainless-Steel 5430 — 136 — 135 — 282 
Steinles-Iron 5133 — 130 — 130 — 270 
Nickel-Eisen 
0/ Ni 
0 5074 — 171 — 158 — 355 
10 4919 — 164 —155 | — 337 
20 4582 — 159 — 151 — 326 
30 4527 -+135 + 144 -+ 261 
32 4540 — 101 — 98 — 205 
34 -+ 182 -+ 184 -+ 362 
36 4161 — 224 -+ 226 —- 446 
40 4075 +218 + 223 -+ 431 
50 4352 — 64 — 54 -— 138 
60 nicht schwingfähig 
70 l , 
80 4908 — 124 — 112 — 260 
90 4990 
100 4937 — 132 — 120 — 276 
Chrom-Eisen 
o Cr 
10 5290 — 153 — 143 — 316 
20 5448 — 90 — 80 — 190 
30 5392 — 102 — 92 — 214 
40 4329 — 9 — 8 — 192 
Si Cr Fe 
%% o tlo 
5 5 90 5166 — 118 
5 10 85 5285 — 111 
5 15 80 5192 — 112 
5 20 75 4806 — 144 
5 25 70 5473 — 140 
5 30 65 5387 — 133- 
5,16 4,53 90 — 82 
Kohlenstoff-Stahl 
o C 
0,8 5233 — 110 — 90 — 231 
1,0 5209 — 137 — 126 — 285 
1,5 5217 — 123 — 112 — 257 
schwache ÖOszillatoren. Pierce hat daher zur Er- 


zielung eines kleinen Temperaturkoeffizienten der Fre- 
quenz bei genügender Empfindlichkeit als Oszillatoren 
die Vibratoren aus verschiedenen Metallsorten zu- 


sammengesetzt und erzielte Koeffizienten von — 50000 
; l l , 
bis — 5000: Er setzt zu diesem Zwecke z. B. die 


Vibratoren so zusammen, daß er einen Kernstab aus 
einem Metall mit positivem Temperaturkoeffizienten 
. deren 
Er er- 


der Frequenz mit einer Metallhülse umgibt, 
Frequenztemperaturkoeffizient negativ ist. 


reicht es hierdurch, daß eine praktische Unabhängig- 


"keit von der Temperatur eintritt. 


i 


Der Verfasser gibt ferner Anwendungsbeispiele für 
die Oszillatoren als Frequenznormale und für ihre 


* Eichung. Fin Anhang gibt theoretische Erläuterungen. 


A. Scheibe. 


W. Ogawa. Das analoge Verhalten 


eines Kristalldetektors und einer Va- 

kuumröhre. (Analogy between the crystal detec- 

. tor and a vacuum tube.) Phil. Mag. 6, S. 175—178, 
1928. 


- findet, 


Der Verfasser hat die Elektroden eines Kupfer- 


, Bleiglanz-Detektors in geringer Entfernung als Elek- 


troden in ein Vakuumentladungsrohr eingebaut, in dem 
durch Anlegen einer hinreichend großen Wechsel- 
spannung eine Glimmentladung erzeugt wird. Er 
daß eine solche Röhre einen Gleichrichter- 


' effekt‘) in derselben Richtung liefert, wie man ihn mit 
' dem analogen Kupfer-Bleiglanz-Detektor erhält, trotz- 


dem bei beiden Elektroden auf gleiche Größe und Be- 
schaffenheit geachtet war. Versuche mit anderen 


: Detektorkomponenten bestätigten das analoge Ver- 


halten der als Detektor- und Vakuum - Elektroden 


: untersuchten Materialien. 


Auf Grund dieser Ergebnisse und der Ueber- 


- legung, daß der Raum zwischen zwei sehr nahe bei- 


einanderliegenden Detektorelektroden als Vakuum- 
raum angesprochen werden kann, kommt der Ver- 


-~ fasser zu dem Schluß, daß ein Kristalldetektor nichts 


weiter ist als eine kalte Vakuumröhre mit zwei Elek- 


. troden, die eine gegeneinander verschiedene Elek- 


tronenemission (Austrittsarbeit) aufweisen. Der ein- 
zige Unterschied gegenüber der Vakuumröhre besteht 


-< beim Detektor nach Ansicht des Verfassers darin, daß 


bei ihm infolge der nicht zu vermeidenden metallischen 


“ Berührung an einigen Punkten eine schlechte lso- 
-lation der Detektorelektroden gegeneinander vorliegt 
(Rückstrom!), weshalb zur Aufrechterhaltung des not- 


Í 


r 
hoa 


zur Messung hoher Frequenz. 


wendigen Potentials an den eigentlichen Detektor- 
punkten eine schlechte Eigenleitfähigkeit des Detektor- 
kristalls verlangt werden muß. W. Espe. 


T. Wamsley. Zur Konstruktion von Iso- 
latorenfürdrahtloseTelegraphie. (Notes 
on the design of radio insulators.) Proc. Inst. Radio 
Eng. 16, S. 361—372, 1928. 

In der Arbeit werden eine Reihe von prinzipiellen 
Fragen besprochen über das Material und besonders 
über die Form von Isolatoren und ihre Verbindung 
mit den leitenden Teilen der Sendestationen, z. B. 


über den Einfluß von Rippen und ähnliches. 


J. Zenneck. 
Eine Präzisionsmethod«e 
(A precision 
method for the measurement of high frequencies.) 


C. B. Aiken. 


- Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 125—136, 1928. 
je 


1. Die Methode beruht auf Folgendem. Wenn man 


1) Der Gleichrichtereffekt wurde in etwas roher Weise elek- 
` trolytisch mit Hilfe aer Elektrodenrotfärbung einer vom Röhren- 
strom durchflossenen NaSO, — Phenolphtalein — Lösung nach- 


"gewiesen. Quantitative oszillographische Messungen sind leider 


j. 
y 
fr 
be 


A 
et 
er 


f 


nicht gemacht (Anm. d. Ref.). 


Jahrbuch der Elektrotechnik. Uebersicht über die 


Referate. 


119 


mit einem Röhrengenerator einen Wellenmesser lose 
koppelt und die Frequenz des Wellenmessers f all- 
mählich variiert, so ändert sich die Frequenz der 
Schwingungen des Röhrengenerators in der Weise, 
wie es das nebenstehende Bild zeigt. Solange die 
Frequenz des Wellenmessers weit ab von der Reso- 
nanz ist, bleibt die Frequenz des Röhrengenerators 
ungeändert fə. Je mehr man sich der Resonanz nähert, 
um so mehr ändert sich die Frequenz des Röhren- 
generators. Die Aenderung erreicht kurz vor Eintritt 
der Resonanz ein Maximum (A), um nach demselben 
rasch im Resonanzpunkt auf Null abzufallen. Nach 
Ueberschreiten der Resonanz wiederholt sich die Er- 
scheinung in entgegengesetzter Richtung. 


A 


Beobachtet man nun Schwebungen des Röhren- 
generators mit irgendeinem Hilfsoszillator und stellt 
man diesen so ein, daß für /, die Frequenz der 
Schwebungen Null wird, so läßt sich der Resonanz- 
punkt B sehr scharf festlegen. 

Als Hilfsoszillator kann man insbesondere einen 
Fernsender von irgendeiner bekannten Normal- 
frequenz oder dessen Harmonische verwenden. 

2. Die Theorie dieser Methode wird von dem Ver- 
fasser sehr sorgfältig diskutiert und es wird gezeigt, 
welche Bedingungen erfüllt sein müssen, wenn man 
größte Genauigkeit erreichen will. J. Zenneck. 


C. B. Jolliffe und E. M. Zandonini. Bureau of 
Standards. Literatur über drahtlose e- 
legraphieim Luftfahrtwesen. (Bibliogra- 
phy on aircraft radio.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 
S. 985—999, 1928. 

Eine Liste von 275 Arbeiten, die sich auf die Ver- 
wendung der drahtlosen Telegraphie im Luftiahrt- 
wesen im weitesten Sinn des Wortes bezieht. 

J. Zenneck. 

Piezo-Elektrizität. In den Proc. Inst. Radio Eng. 
16, S. 521—535, 1928, veröffentlicht W. G. Cad y eine 
selr sorgfältige Zusammenstellung der Literatur mit 
Einschluß der Patent-Literatur über Piezo-Elektrizi- 
tät, insbesondere ihre Anwendung im piezo - elek- 
trischen Quarzoszillator und Resonator. 

J. Zenneck. 
Literaturübersicht. 


In den Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 1000—1014, 
1028, findet sich eine vom Bureau of Standards ange- 
fertigte Zusammenstellung der Literatur über die Ar- 
beiten, die vom Januar bis April 1928 über drahtlose 
Telegraphie und verwandte Gebiete erschienen sind. 

J. Zenneck. 


Bücherbesprechungen. 


Elektrotechnik. Unter Mitw. zahlreicher Fachgen. u. 


t wichtigeren Erscheinungen auf dem Gesamtgebiet der m. besond. Unterstütz. des Zentralverb. der Dt. Elek- 


trotechn. Ind. Hrgg. v. Dr. K. Strecker. Il. 
Jahrg. Das Jahr 1922. Mit VHI u. 241 S. in 8°. Ver- 
lag von R. Oldenbourg, München und Berlin 1924. 


Dasselbe 13. Jahrg. Das Jahr 1924. Mit X 
und 269 S. in 8°. München und Berlin 1926. Preis 
geb. 15,40 RM. 


Das Streckersche Handbuch, dessen 11. und 
13. Jahrg. hier vorliegen, stellt sich bekanntlich die 
Aufgabe, jeweils über die wichtigeren Veröfientlichun- 
gen und Ereignisse eines verflossenen Jahres zusam- 
menhängend zu berichten. Das Gesamtgebiet der 
Flektrotechnik ist in vier große Abschnitte (Elektro- 
mechanik, Elektrochemie, Elektr. Nachrichten- u. 
Signalwesen, Messungen und wissensch. Untersgn.) 
eingeteilt, denen ein allgeineiner Abschnitt (Rechts- 
verhältnisse, Techn.-Wirtschaftliches usf.) vorange- 
stellt ist. Jeder dieser Abschnitte ist in äußerst über- 
sichtlicher Weise in viele Kapitel unterteilt, in denen 
ein auf dem betr. Einzelgebiet namhafter Fachmann 
referiert. Hierdurch sowie durch die weitgehende 
Berücksichtigung der gesamten techn. Literatur (das 
Verz. führt über 250 in- und ausländische Zeitschrif- 
ten, Industrieorgane, Patentblätter usf. an) ist eine 
gewisse Gewähr dafür gegeben, daß Arbeiten von 
einigem Interesse nicht übersehen wurden. Da der 
Umfang eines Bandes nicht mehr als 250 Seiten be- 
tragen soll, so konnte natürlich selbst über wichtige 
Arbeiten nur mit wenigen Sätzen berichtet werden. 
Besonders für eine erste Orientierung ist das Jalır- 
buch vorzüglich geeignet, so daß es schon längst für 
jeden, der auf dem Gebiet der Elektrotechnik oder 
der Elektrophysik selbständig arbeitet, ein unentbehr- 
liches Hilfsmittel geworden ist. 

H. Winter-Günther. 


Grundzüge der Elektrotechnik. Ein Lehrbuch mit 
Aufigabensammlung zum Gebrauch beim Unterricht 
an höheren technischen Lehranstaltenı und zum 
Selbststudium. Von Prof. Dr. G. Maier. Mit 
219 Abbildungen im Text und zahlreichen Uebungs- 
aufgaben. VHI und 271 S. in 8°. M. Krayn, Berlin 
1926. Brosch. 12.— RM. RM. 14.— geb. 

Das vorliegende Werk ist entstanden auf Grund 
der Erfahrungen, die der Verfasser bei seiner Lehr- 
tätigkeit an der Höheren techn. Staatslehranstalt von 
Kaiserslautern gesammelt hat. Es soll in erster 
Linie Lehrern und Studenten eines Technikums beim 
Unterricht in den Grundlagen der Elektrotechnik die- 
nen. Mit Rücksicht auf den Lehrplan dieser Anstalten 
mußte vom Gebrauch der Diff.- und Integr.-Rechnung 
fast vollkommen Abstand genommen werden, ohne 


daß hierdurch die Exaktheit der Darstellung etwas ` 


einbüßte. Durch eine große Zahl praktisch wichtiger 
Anwendungsbeispiele sowie durch die vielen in den 
Text eingestreuten VUebungsaufgaben werden die 
erundlegenden Gesetze der Elektrotechnik dem Ver- 
ständnis des Lesers näher gebracht. 

Das Werk bildet neben seinem eigentlichen Ver- 
wendungszweck eine wertvolle Hilfe beim Selbst- 
studium für Ingenieure der Praxis und für Hochschul- 
studenten im 1. und 2. Semester. 

Die Ausstattung des Buches ist vorzüglich. 


H. Winter-Günther. 


un nn nn nn nn nn nam m nn nn mn ann nn nn mn I en nn a e o a ee 
I —————mnnn er nen ŘŮŘĖŮŘŮ——— 


Die Krankheiten des Bleiakkumulators, ihre Ent- ! 
stehung, Feststellung, Beseitigung, Vermeidung. Für 
die Praxis. Von Ing. F. E. Kretzschmar. 3. verb. | 
Aufl. 188 S. 98 Bilder. 8°. 1928. München, R., 
Oldenbourg. Brosch. Mk. 9.—, in Leinen gebunden 


Mk. 10,50. 


Fehler in Maschinenanlagen machen sich im Be- 
trieb meist augenfällig bemerkbar, oder werden — 
selbst wenn sie geringfügig sind — durch ein wohl- 
ausgebildetes Ueberwachungssystem so rechtzeitig ; 
entdeckt, daß größere Schäden vermieden werden 
können. Bei den für die Sicherheit eines Betriebes oft 
ebenso wichtigen Akkumulatorenanlagen fehlt eine 
gleiche Selbstverständlichkeit sachverständiger Ueber- 
wachung öfter als man bei der Höhe des in ihnen | 
investierten Anlagekapitals erwarten sollte. Deshalb | 
erfüllt das dankenswerte Büchlein von Kretzsch- | 
mar eine doppelte Aufgabe, einmal für die eine zu- 
verlässige Richtschnur zu sein, denen die Wartung 
größerer oder kleinerer Sammlerbatterien anvertraut 
ist, zum anderen aber allen mehr oder weniger | 
Ahnungslosen, die mit Akkumulatoren als Hilfsmittel 
zu tun haben, zu zeigen, an wie vielen Stellen in der ‘ 
Pflege der Akkumulatoren gesündigt werden kann. 
Das Buch ist in seiner jetzigen Gestalt so inhalts- 
reich und gründlich, daß selbst der gewissenhafte 
Fachmann noch manches daraus lernen wird, was er 
bisher zum Nachteil für die Wirtschaftlichkeit einer 
Batterie übersehen hat. 


Betriebsleiter und Autobesitzer, Maschinenmeister 
und Wissenschaftler gehören ebenso zu denen, die aus | 
dem Büchlein Nutzen ziehen werden, wie Installateure, 
Bauunternehmer und Villenbesitzer. Und viele von 
diesen werden ahnungslos zu denen gehören, die keine 
klare Vorstellung davon haben, wie oft sie ihre Akku- | 
nulatoren mißhandeln. Sie alle werden aus den 
Studium des Kretzschmarschen Büchleins so 
viele Vorteile ziehen, daß der Preis des Buches dem- 
gegenüber nicht ins Gewicht fällt. 


» 


Alten 


O. v. Auwers. 


O. Kappelmeyer. Funkmusik und Schall- 
plattenmusik. Richtige Einzelteile und 
erprobte Schaltungen. IX und 161 Seiten mit 
125 Bildern. Berlin 1928. Jul. Springer. Kart. Mk. 6,60. 


Der Titel ist vielleicht etwas vielsagender als der 
Inhalt, da von Musik in dem Bändchen nicht die Reit 
ist, sondern nur von Geräten zur Aufnahme und Ver- 
stärkung von elektrischen Schwingungen (Rundfunk) 
und der Verstärkung von Tonfrequenzen (von der 
Schallplatte abgenommen). Es wird dabei vor | 

| 


——. 


Wert auf einen leistungsfähigen Endverstärker gelegt. 
Dieser ist in der letzten Stufe fast ausnahmslos in der 
Gegentaktschaltung ausgebildet. Von Interesse isl 
dabei die Angabe, daß die Amplituden beim Rund- 
funk im Verhältnis von 1:500, bei der Schallplatte 
von 1.10000 wiedergegeben werden müßten. Im 
übrigen ist das Heft nach den Angaben des Verfassers 
ein „zusammengefaßtes Laboratoriumstagebuch“. Eine 
noch stärkere „Zusammenfassung“ wäre dem Leser 
sicher angenehm., da dann die wesentlichen Punkte 
ohne unnötige Längen und Wiederholungen schärfer | 
hervortreten würden. E. Lübcke. 


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A { re ha p a Jar TAa = T -Pi 4 4 p > e e -A I: A s Ean ue" 
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Band Bear April 19239, a | | Heft4 


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Jahrbuch der drahtlosen Telegranhe 
|| 2 e und Telephonie 


Teiischrit iir hochirequenziechnik | 


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Jé Gegründet 1907 


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Unter Mitarbeit 
von l 


Dr. h. c. Graf v. Arco (Berlin), Dr. L. W. Austin (Washington), Postrat Dr. F. Banneitz 
(Berlin), Prof. Dr. H. Barkhausen (Dresden), Dr. W. Burstyn (Berlin), Prof. Dr. A. Esau 
(Jena), Prof. Dr. H. Faßbender (Berlin), Dr. L. de Forest (New-York), Prof. Dr. F. Kiebitz 


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(Berlin), Postrat Prof. Dr. G. Leithäuser (Berlin), Dr. S. Loewe (Berlin), Dr. C. Lübben (Berlin), 5: 
Dr. E. Lübcke (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. A. Meissner (Berlin), Prof. Dr. H. G. Möller R 
(Hamburg), Dr. E.Nesper (Berlin), Dr. B. van der Pol jr. (Eindhoven), Ingenieur Dr. V. Poulsen E- 
(Kopenhagen), Prof. Dr. L. Pungs (Braunschweig), Dipl.-Ing. B. Rosenbaum (Berlin), ; 
Dr. K. Rottgardt (Berlin), Prof. Dr. H. Rukop (Köln), Dr. A. Scheibe (Charlottenburg), A 

- Oberingenieur O. Scheller (Berlin), Prof. Dr. W. Schottky (Berlin), Prof. Dr. A. Sommerfeld 4 
(München), Dr, F. Trendelenburg (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. M. Wien (Jena), ai 
Prof. Dr. H. Wigge (Köthen-Anh.) & 
herausgegeben von 3 

Professor Dr. Dr. ing. E. h. J Zenneck una Privatdozent Dr. E. Mauz E 

Schriftleitung: Dr. E. Mauz 


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3 Monatlich erscheint ein Heft. Abonnementspreis des Bandes (t/> Jahr) RM. 20.—, Preis des 

E > 121—160 einzelnen Heftes RM. 3.50. Alle Buchhandlungen sowie die Verlagsbuchhandlung nehmen Be- 

EINE Heft 4 stellungen an. Inserate werden mit RM. —.15 pro mm Höhe und 41mm Breite berechnet. 
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; für Sender : für 2000-10 000 Volt spannung e 
offene Bauart und Marineausführung (DGM.) TEST AA Far: 

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Doppelstrom- -Generatoren 


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(Gleichstrom-Gleichstrom-Doppelstrom-Umformer) maximale Leistung 1200 Volt, 120 Watt 


besonders geeignet für Funk- Kurzwellensender usw. > 


Verlangen Sie bitte Prospekte 17 und 44! Verlangen Sie bitte Prospekte 17 und | 
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Bayerische Elektricitäts- -Werke || 
Fabrik Landshut Bayen 


Vor 50 Jahren am 1. März 1879 eröffneie 
Eugen Hartmann in Würzburg eine Prä- 
zisionswerkstätte für wissenschaftliche Ge- 


räte und begründete damit unser Werk. 


Als einer der ersten baute er Telephon- - 


anlagen und wurde ein Hauptlieferer an die 
deutsche Reichspost. In späteren Jahren 


gaben wir den Bau von Fernsprechern gar 2 


auf um uns verstärkt dem ureigeniliche 


GebietelektrischerMehgerätezuzuwenden. 
Solche liefern wir auch für Telegraphie u d 
Telephonie vorbildlich in Ausführung und 
Form. Teil | der eben erschienenen = 
Liste gibt darüber Auskunft. 


HARTMANN< BRAUN 


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Band 33 


April 1929 


Heft ’ 


Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie | 


Leitschrilt für hochireguenztechnik 


Seite Seite 

P.Hermanspann:Hochfrequenz-Gleichrichter-Anlage mit auto- Referate 

matischer Konstenibaltung der Do ERI 24 Bildern 

im Text.) W. Pfitzer: Die Selbsterregungsbedingungen bei Rückkopp- 
H.E.Hollmann: Jont Peobleni Merk ung kurzer elektrischer a en enee für sehr kurze Wellen. yea 5 Bildern 

Wellen durch Bremsfelder. (Mit 6 Bildern im Text. . 128 m Text.) Ze ee . 156 
M. H. Gloeckner: Der BOrCDe)  MDITUEER im Flugzeug: (Mit G. W. Pickard (J.Zenneck): Ueber die en der 

8 Bildern im Text.) . . 132 Empfangsintensität zu Lufttemperatur und Luftdruck. . 157 


R. Hell: Direktzeigendes tunkentelegraphisches Peilverfahren. 
(Mit 12 Bildern im ‚Text.) A P 

K. Teucke: Mitteilung aus der Praxis: Nie Glimmlichtgleich- 
richter. (Mit 7 Bildern im Text.) . ; ; . 145 


Carl Lübben: Patentschau. (Mit 25 Bildern im Text.) . 148 

Referate: 

Pierre David (E. Busse): Ueber Superregeneration. Bu 
einem Bild im Text.) ; s ; o o í ; . 153 


W. A. Schneider (J. Zenneck): Oszillographische Aufnahme 
von Röhrencharakteristiken ; P : ; : . 158 


R. T. Beatty (J.Zenneck): Die Stabilität eines Röhrenver- 


stärkers mit abgestimmten Kreisen und Rückkopplung. 158 
Eingegangene Bücher . 158 
159 


Bücherbesprechungen 


Manuskripte für das Jahrbuch, möglichst mit Klischlerfähigen Figuren versehen, sind an die Schriftleitung Dr. E. Mauz, Frankfurt a. M., Physik alisches 
Institut, Robert Mayerstr. 2, zu senden. Die Herren Autoren werden gebeten, eine kurze Zusammenfassung des wesentlichen Inhalts Ihrer Arbeit jedem Manuskript beizufügen. 
Abonnemeuts und Inserate sind zu richten an M. Krayn, Verlagsbuchhandlung Berlin W 10, Genthiner Straße 39, Postscheck-Konto Berliu 32647. 


Hochfreqauenz-Gleichrichter-Anlage mit automatischer 
Konstanthaltung der Gleichspannung. 


Von P. Hermanspann*). 


Inhaltsübersicht. 


l. Der Transformator für hohe Frequenz. 
Il. Die Gleichrichtung bei 8000 Perioden/sec. 


. Automatische Konstanthaltung der Verbraucher- 
spannung. 


. Die praktische Ausführung der 
Spannungs-Konstanthaltung. 
1. Die Abstimmung des Kompensationskreises. 
2. Die Stärke der Gleichstrommagnetisierung. 
3. Die Größe der Mehrbelastung des Generators 
durch den Kompensationskreis. 


automatischen 


` Zusammenfassung. 


In vielen Gebieten der Technik und Physik!) ist 


, ein Bedürfnis nach Gleichstromquellen für konstante 
“ Gleichstrom-Aochspannung vorhanden. Da die Gleich- 
> strommaschinen für Spannungen über 20 kV nicht in 
; Frage kommen und Akkumulatorenbatterien zu teuer 
_ und zu umständlich im Betrieb sind, so geht man im 
allgemeinen so vor, daß man Wechselstrom zunächst 
: auf die erforderliche hohe Spannung transiormiert 


und dann gleichrichtet. Die so aufgebaute Anlage 
hat aber folgende Nachteile: 

1. Der gleichgerichtete Wechselstrom zeigt Fluk- 
tuationen, die man durch Drosseln und Kapazitäten 
unterdrücken muß. 

2. Die Ohmschen und induktiven Widerstände 
von Transformator, Gleichrichtern und Drosselspulen 


*) Dissertation der Techn. Hochschule München (Il. Teil). 
1) Insbesondere kommt hier die Röntgentechnik in Frage. 


bewirken eine relativ stark abfallende Belastungs- 
charakteristik der Anordnung. 

Daß die hier angegebene Art, Gleichstrom zu er- 
zeugen, eigentlich nur für Hochspannungsquellen in 
Frage kommt, brauchte bei der vorliegenden Unter- 
suchung nicht berücksichtigt zu werden. Denn be- 


züglich der hohen Spannung liegen grundsätzlich 


keine Schwierigkeiten vor. 


Die Untersuchung hatte zum Ziele: 

1. Die Fluktuationen der Gleichspannung durch 
Verwendung hoher Periodenzahl zu beheben. 

2. Die Stromspannungscharakteristik der Anlage 
durch Verwendung von Eisendrosseln in eine nicht 
abfallende Belastungscharakteristik zu verwandeln. 

Es ergaben sich demgemäß folgende Aufgaben: 


I. Der Bau eines Transformators für hohe 
Frequenz. 

ll. Die Untersuchung der Gleichrichtung bei hoher 
Frequenz. 


III. Automatische Konstanthaltung der Spannung. 


I. Der Transformator für hohe Frequenz, 


Es liegen schon Versuche vor, derartige Anlagen 
mit Periodenzahlen bis zu 20000/sec zu betreiben?). 
Bei den hier wiedergegebenen Messungen wurde ein 
Einphasen-Generator mit 3000 Umdr./Minute und 
einer Frequenz von 8000/sec, der dem Physikalischen 
Institut von C. Lorenz A.-G. freundlicherweise 
überlassen worden war, verwendet. 


2) Journ. Franklin Inst., 202, S. 693, 1925. (Ref. E. T. Z. 20, 


S. 687, 1927). 


„122 


Man kann allgemein einen Transformator mit 
Streuung ersetzen durch das Schema in Bild 1: Darin 
bedeutet k L, bzw. k L, denjenigen Teil der Induk- 
tivitäten L, bzw. L,, dessen Magnetfeld beiden Kreisen 
gemeinsam ist (1—k) L, bzw. (1—k) L, die Streu- 
induktivität. 

Beim Bau eines Transformators für hohe Frequenz 
treten nun folgende Schwierigkeiten auf: 

1. Die Reaktanz der Streuinduktivität wœ (1—k) Lı 
bzw. œ (1—k) L} (und damit der Spannungsabfall) 
wird sehr groß, da sie der Frequenz proportional ist. 

2. Die Eisenverluste werden bedeutend. Hinsicht- 
lich der Eisenverluste erschien es überhaupt fraglich, 
ob ein Transformator mit Eisenkern gegenüber einem 
Lufttransfiormator vorzuziehen sei. 


r, TA)L, (7-A)L, p 


Bild 1. 


Diese Fragen wurden experimentell durch Unter- 
suchung von Modelltransformatoren beantwortet. Es 
wurden zwei Transformatoren gebaut, die die gleichen 
Kerndimensionen besaßen. Zur Erreichung einer mög- 
lichst kleinen Streuung wurde eine Ringkernform ge- 
wählt. Die Dimensionen der Kerne gibt Bild 2. Der 
erste Kern diente zu einem Lufttransformator und 
war aus trocknem Holz gedreht. Der zweite Kern 
bestand aus äußerst dünnen Eisenblechen, wie sie für 
Frequenzwandier Verwendung finden (mehrere 
solcher Kerne waren von der Gesellschaft für draht- 
lose Telegraphie freundlichst zur Verfügung gestellt 
worden). 


Maße in "Vm 
Bild 2. 


Un: nun Lufttransformator und Eisentransformator 
hinsichtlich des Spannungsabfalls zu vergleichen, 
wurden die Windungszahlen so abgeglichen, daß beide 
Transformatoren für eine bestimmte Spannung den 
gleichen Magnetisierungsstrom hatten, und zwar hatte 
bei einer Primärspannung von 28 Volt und einem 
Leerlaufstrom von 3,6 Amp. der Eisentransformator 
primär und sekundär je 8 Windungen, der Lufttrans- 
formator je 174 Windungen. 

Bild 3 gibt die absolute Größe des sekundären 
Spannungsabfalles in Abhängigkeit vom sekundären 
Strom: Kurve a gilt für den Lufttransformator und 
Kurve b für den Eisentransformator. Kurve c gilt 
ebenfalls für den Eisentransformator und zwar für 
den Fall, daß der Ohmsche Widerstand von Primär- 
und Sekundärwicklung auf die gleichen Werte er- 


P. Hermanspann: 


\ 
gänzt wurde, wie die entsprechenden Ohmschen 
Widerstände des Lufttransformators. | | 

Wie zu erwarten, ist die Streuung des Lufttrans- ! 
formators trotz der günstigen Kernform erheblich 
größer als die des Eisentransformators. 

Mm Volt 


DENSE 
N ® 


iE 
E 
— 
La 
w 
A 
® 
= 


ISAN 


Bild 3. 


AG gpa mit En G D E En nn / ee 


Es liegt nun nahe, die Wirkung der Streuinduk- 
tivität des Transformators durch einen in Reihe mit 
dem Verbraucher geschalteten Kondensator aufzu- 
heben. Ist die Streuinduktivität (1—k) L und œ die 
Kreisfrequenz, so ist 


C: 


u OES. EE 
-wa (1—k) L, 


g M, E 


| 


die Kapazität, die vor die Primärseite des Trans- 
formators zu legen ist, und 


1 1 
S L, 


SE 
MENDAUR 
TNN S 

CN A 


0 7 A J 4 JS 
. Bild 4. 


die entsprechende Kapazität auf der Sekundärseite. 
Die Kompensation der Transformatorstreuung ist be- 
sonders günstig bei hohen Frequenzen, da man dann 
mit verhältnismäßig kleinen Kapazitäten auskommt. 

Uin dies experimentell zu bestätigen, wurde ein 
mit Wechselstrom von der Frequenz von 8000/sec 


Hochfrequenz-Gleichrichter-Anlage mit automatischer Konstanthaltung der Gleichspannung. 


gespeister Transformator mit Eisenkern?) auf der 
Sekundärseite mit Ohmschen Widerstand belastet und 
zwischen Sekundärwicklung und Verbraucherwider- 
stand Kapazitäten verschiedener Größe gelegt. Dabei 
wurde jedesmal abhängig vom sekundären Be- 
lastungsstrom der Spannungsabfall gemessen. Das 
Ergebnis zeigt Bild 4. Die Kurve 2„F stellt den 
Resonanziall dar, da sie nur noch den Spannungs- 
abfall aufweist, der von den Verlustwiderständen 
herrührt. 

Um zu erkennen, inwieweit bei 8000 Perioden/sec 
sich die Eisenverluste im Magnetisierungsstrom be- 
merkbar machen, wurde wie folgt verfahren: 

Setzt man den Wechselfluß im Eisenkern 


Ø — Dmax: sin w t 
so läßt man sich auf Grund der Beziehung zwischen 
Flußänderung und induzierter Spannung 
„I? 
‘dt 


Bild 5. 
die Transformator-Gleichung ableiten: 
Eep n: V2 -w-f- Dmax 
Darin bedeuten: Eeyr den Effektivwert der Spannung, 


f die Periodenzahl. 
“wurde nun die Abhängigkeit 


Bmax = f (Hepp) 


berechnet, indem verschiedene Spannungen angelegt 
und dabei die zugehörigen Stromwerte gemessen 
wurden. Aus den Stromwerten ergab sich Heff und 
aus der Spannung Pmax bezw. Bmax 

Da hier zur Bestimmung der effektiven Wechsel- 
feldstärke der gesamte Magnetisierungsstrom benutzt 
wurde, so muß das errechnete Heff wegen der Eisen- 
verluste zu groß ausfallen. Nimmt man also die 
Kurven für verschiedene Periodenzahlen auf (wie dies 
in Bild 5 geschehen ist), so zeigen die Abweichungen 
der Kurven den Einfluß der Eisenverluste. Dieser 
Finfluß ist nach Bild 5 verhältnismäßig gering. Das 
verwandte Material ist also bei 8000 Perioden/sec 
noch sehr gut verwendbar. 

In den Bildern 6 und 7 ist ferner der gesamte 
Magnetisierungsstrom (Leerlaufstrom) beider Trans- 
formatoren angegeben in Abhängigkeit von der 


3) Der Transformator war hierbei der gleiche, wie er weiter 


unten (S. 124) beschrieben ist. 


Auf Grund dieser Beziehungen 


123 


Primärspannung. Parameter der Kurven ist die pri- 
märe Windungszahl mw.. 

Aus diesen verschiedenen Messungen geht hervor, 
daß der Transformator für Eisenkern dem Lufttrans- 
formator bei 8000 Perioden/sec überlegen ist, wenn 
ein so hochwertiges Kernmaterial verwendet wird. 


12 / 
5 —TIrLELLTD 
. ZA ZZ 


SEN 


4-1 


20 40 60 00 0% 10 


Günstig ist für den Eisentransformator auch noch 
der Umstand, daß sich, wie Bild 7 zeigt, ein sehr 
kleiner Leerlaufstrom mit kleiner primärer Windungs- 
zahl vereinigen läßt. Dieser Umstand ist besonders 
dann wichtig, wenn es sich um ein hohes Ueber- 
setzungsverhältnis handelt, denn dann kann die sekun- 
däre Windungszahl ebenfalls verhältnismäßig klein 
sein. 


II. Die Gleichrichtung bei 8000 Perioden/sec. 


Wie schon zu Anfang gesagt wurde, soll die vor- 
liegende Arbeit als Endziel eine Gleichstrom -Hoch- 
spannungs-Anlage haben. Nun bietet aber die 
Gleichrichtung hinsichtlich der Hochspannung keine 
besonderen Schwierigkeiten; derartige Gleichrichter 
werden von mehreren Firmen listenmäßig geliefert. 
Hier ist bezüglich der Gleichrichtung vor allem der 
Einfluß der hohen Periodenzahl zu untersuchen. 

Wegen der bei Hochspannung auftretenden meB- 
technischen Schwierigkeiten wurde die Gleichrichtung 
bei ca. 200 Volt untersucht. Er wurde mit einem 
Quecksilberdampf-Gleichrichter der A.E.G. (5 Amp., 
maximal 220 Volt) gearbeitet, der sich für die Gleich- 
richtung des Wechselstroms von 8000 Perioden/sec 
vorzüglich bewährte. 


124 


Die prinzipielle Schaltung des Gleichrichters zeigt 
Bild 8. Der Transformator T hatte den auf S. 122 be- 
schriebenen Eisenring-Kern. Die primäre Windungs- 
zahl betrug 80, die sekundäre 2 X 80. Der Ohmsche 
Widerstand R, der den Verbraucher darstellt, war 
ein Kurbelwiderstand mit Widerstandsgittern von ge- 
ringer Induktivität. 

Bekanntlich ist es bei niederer Periodenzahl (z. B. 
50/sec) für den Betrieb ohne dauernd brennende 
Hilfszündung nötig, in den Kathodenkreis eine Drossel 
zu schalten, so daß der Momentanwert des Kathoden- 
stromes einen gewissen Minimalwert nicht unter- 
schreitet. Es zeigte sich nun, daß von ca. 800 Peri- 
oden/sec an aufwärts der Quecksilberdampf - Gleich- 
richter auch ohne Kathodendrossel und ohne ständige 
Nilfszündung brannte. 


Die hinter dem Gleichrichter am Verbraucher 
wirksame EMK kann dargestellt werden in der Form 


e =o +n È a, sin (n w t—on). 
' 


Die Kathodendrossel wird also für den Teil 
ny an sin (n w 1— 9n) 
N 


eine um so größere Reaktanz darstellen, ie höher die 
Periodenzahl ist, d. h. bei gegebener Kathodendrossel 


Bild 9. 


muß die Stärke der Fluktuationen im Gleichstrom- 
kreis mit zunehmender Periodenzahl abnehmen. 

Um dies experimentell zu bestätigen, wurde der 
Gleichrichter unter sonst gleichen Bedingungen mit 


verschiedenen Periodenzahlen betrieben und die im’ 


Gleichstromkreis auftretende Wechselamplitude des 
Stromes mit der Braunschen Röhre oszillo- 
graphiert. Die Kathodendrossel wurde so bemessen, 
daß bei 50 Perioden der Gleichrichter gerade noch 


P. Hermanspann: 


brannte. Die Bilder 9—11 gelten sämtlich für den 
Fall, daß der Effektivwert der Wechselspannung (ge- 
messen zwischen den beiden Anoden) 180 Volt betrug 
und ein im Kathodenkreis liegendes Drehspul - Am- 
peremeter 3,6 Amp. anzeigte. 


Kenn 


W 


Dan AT 


Bild 10. 


Die Oszillogramme gelten für folgende Frequenzen: 
Bild 9 50/sec, 
Bild 10 800/sec, 
Bild 11a 8000/sec. 
Bild 11b gilt für 8000/sec bei eemalne der 
Kathodendrossel. 


Bild 11b. 


HI. Automatische Konstanthaltung der Verbraucher- 
- spannung. 

Der Ohmsche Widerstand eines Wechselstrom- 

Generators ist im allgemeinen gegenüber dem induk- 

tiven Widerstand zu vernachlässigen. Dies gilt um 


Bild 12. Bild 113. 


so mehr, je höher die Frequenz ist. Belastet man eine 
solche Maschine nur mit O h m schem Widerstand, so 
verursacht die Maschinen-Induktivität (Lo Bild 12) 
einen Abfall der Klemmenspannung mit zunehmendem 
Verbraucherstrom. Dieser Spannungsabfall ist im all- 
gemeinen um so größer, je höher die Frequenz ist. 

Anders liegen die Verhältnisse, wenn der Wechsel- 


1 
strom-Generator mit der Reaktanz X=% L— wC 


belastet ist (Bild 13). R stellt den unvermeidlichen 
Verlustwiderstand dar. Bemerkenswert ist dieser 
Fall für negative Werte von X. Da sich die Teil- 
spannungen des Stromkreises wie die entsprechenden 
Widerstände verhalten, so ergibt sich für das Ver- 
hältnis der Amplituden von Klemmenspannung U und 
der inneren EMK des Generators: 


U RX 
E |r (o Lo + X) 


— 


bod 


Hochfrequenz-Gleichrichter-Anlage mit automatiseher Konstanthaltung der Gleichspannung. 125 


In Bild 14 ist dieses Verhältnis in Abhängigkeit 
wiedergegeben. Wenn man von negativen X-Werten 
also die Reaktanz X von — X, nach — X, ändert, 
erhält man eine Erhöhung der Klemmenspannung, die 
um so beträchtlicher ist, je kleiner der Verlustwider- 
stand R ist. 


ug DIS 


X, %4 — (A) 
Bild 14. 


Der Grundgedanke der Spannungskonstanthaltung 
ist nun eine Parallel-Schaltung, wie sie Bild 15 zeigt: 
Parallel zum Verbraucherkreis I liegt der Kompen- 
sationskreis H. Damit bei Zunahme des Verbraucher- 
stromes Jy die Klemmenspannung U nicht abfällt, 


Wy 
AAN 
in} 
1 

W, 


Bild 16. 


Bild 15. 
. wird entsprechend der Aenderung der Belastung die 


1 
< Reaktanz X = w L — zC passend geändert. Diese 


: Aenderung von X soll durch Variation der Induk- 


-: tivität L bewirkt werden. 


Ein einfaches Mittel, um die Größe von L zu 


. ändern, bietet die Gleichstrommagnetisierung einer 


Fisendrossel (Bild 16). Die Induktivität von D wird 


- hier verringert, wenn man durch die Hilfswindungen 


.w, der Drosseln D einen Gleichstrom überlagert. 


Die in Bild 12 angegebene Schaltung bietet nun 


.. aber die Möglichkeit, die Steuerung des Kompen- 
: sationskreises II (Bild 15) durch den Verbraucher- 
< strom 


selbst zu bewirken. Da die ganze Unter- 
suchung die Schaffung einer Gleich - Stromquelle 
bezweckt, so kann man den Verbraucherstrom (der 
hier also Gleichstrom ist) selbst zur Magnetisierung 


der Steuerdrossel verwenden, so daß sich die An- 
ordnung Bild 17 ergibt. 


IV. Die praktische Ausführung der automatischen 
Spannungs-Konstanthaltung. 


Bei der praktischen Ausführung der Spannungs- 
Konstanthaltung wurde zwischen Maschine und Ver- 
braucherkreis ein Transformator gelegt, weil eine 
Transformierung der Spannung beabsichtigt war. Der 
Transformator T in Bild 18 besaß den auf S. 122 an- 
gegebenen Eisenblechring-Kern. Seine primäre Win- 
dungszahl war 80, die sekundäre 160, der Gleich- 
richter G war der auf S. 123 angegebene Quecksilber- 
dampf-Gleichrichter. Der Kompensationskreis II konnte 


W, } T. 
j 
n 


Bild 17. 


an verschiedene Anzapfungen der Sekundärwicklung 
des Transformators gelegt werden. Die Begründung 
dieser Maßnahme wird später gegeben werden. 

Bild 19 zeigt nun zwei experimentell aufgenommene 
Belastungsdiagramme: Kurve b gilt, wenn der Kom- 
pensationskreis nicht angelegt ist, Kurve a gilt für 
die vollständige Schaltung. Dabei hatte der Kompen- 
sationskreis folgende Dimensionen: w, = 20; w, =7; 
C = 0,2 uF. 


Lla hlUSS 
erbelastung 


£ 


Wy Q 


tti 


Wo 


Bild 18. 


Anzapfung = 2 X 64 Windungen; 
R=2 Q; Uz» = 210 Volt. 

Für die praktische Verwertung der Methode ist 
nun eine Untersuchung notwendig, wie der Kompen- 
sationskreis dimensioniert sein muß. Dabei sind 
folgende Punkte zu untersuchen: | 

1. Die Abstimmung des Kompensationskreises. 

2. Die Stärke der Gleichstrommagnetisierung. 


2. Die Größe der Mehrbelastung des Generators 


durch den Kompensationskreis. 


126 


1. Die Abstimmung 
des Kompensationskreises. 


Aus den Ueberlegungen auf S. 125 geht hervor, daß 
1 
die Reaktanz X = œ L— sc stets negativ sein muß. 


Ferner gibt es nach den Kurven in Bild 14 eine 
Vorpraueher S OGNIN. 


günstigste Abstimmung (Bereich — X, —X.). Um 
dies experimentell zu bestätigen, wurden mehrere 
Belastungscharakteristiken aufgenommen und bei 
jeder Kurve die Abstimmung des Kompensations- 
kreises dadurch geändert, daß jeweils eine andere 


ER -Spannung 
0 


Die Er- 
Konstant 


Drosselwindungszahl w, genommen wurde. 

gebnisse sind in Bild 20 wiedergegeben. 

gehalten wurde bei allen Kurven: 

wə = 1; C =0,2 uF; Anzapfung = 2 X 64 Windungen; 
R = 2 Q; Uz = 210 Volt. 


2. Die Stärkeder 
Gleichstrommagnetisierung. 

Die auf der Drossel angebrachte Hilfswindung w. 
muß so bemessen sein, daß die Spannungserhöhung 
des Kompensationskreises gerade den Spannungs- 
abfall des Verbraucherkreises aufhebt. Ist die Win- 


P. Hermanspann: 


dungszahl w, zu groß, so tritt Ueberkompensation ein 
(Kurve w, = 10 in Bild 21), ist dagegen wə zu klein, 
so fällt die Spannung stärker ab, als der Kompen- 
sationskreis nachsteuert (Kurve w, = 5). 


De Spannung 


IF 
L4 
EN 


N 
N 
N 
N 
BES 
N 


Bild 21. 


3. Die Größe der Mehrbelastung des 
Generators durch den Kompen- 
sationskreis. 


Hinsichtlich der Mehrbelastung des Generators 
durch den Kompensationskreis ist die Frage zu be- 
antworten, ob es vorteilhaft ist, den Kompensations- 
kreis an die gesamte Sekundärwicklung des Trans- 
formators zu legen; denn wenn es sich um einen 


Verbraucherspannung 


[en a 


AN 


No 
N 


AIN 


afıon 


/ 


ALA N 


60 
5 HEN 
27 3 7% 
Bild 22. 


- Hochspannungstransformator handelt, würde eine be- 


deutende Spannung am Kompensationskreis liegen. In 
diesem Falle müßte zusätzlicher Ohm scher Wider- 
stand in den Kompensationskreis gelegt werden, da 


sonst sowohl eine Ueberkompensation als auch eine ; 


kn im. _ 


he m — 


En 


Hochfrequenz-Gleichrichter-Anlage mit automatischer Konstanthaltung der Gleichspannung. 


zu große zusätzliche Belastung des Generators ein- 
trifft. | 

Um dies zu zeigen, ist Bild 22 aufgenommen 
worden, bei einer Anzapfung, die schon zu hoch war. 
Der zusätzliche Ohm sche Widerstand It; ist Para- 
meter der Kurven. Dieser Zusatzwiderstand hat un- 
nötige Verluste und eine Verschlechterung der Reso- 
nanzschärfe des Kompensationskreises zur Folge. 


Um diese Schwierigkeit zu umgehen, kann man 
den Kompensationskreis an eine geeignete Anzapfung 
der Sekundärwicklung des Transformators legen, wie 
dies schon Bild 18 zeigte. 


Ö0 
29 x EBEN o 

75 nie 
70 4 
II. 
60 
35 7) 7 2 J 

Bild 23. 


In Bild 23 sind eine Reihe von Charakteristiken 
wiedergegeben, die mit dieser Schaltung auf- 
genommen wurden. Zu diesem Bilde gehören folgende 
Daten des Kompensationskreises: 


w, = 20; w, = 10; C = 0,2 u F; 
Anzapfung = 2 X 72 Windungen; Us = 210 Volt. 


Gleichzeitig ist der gesamte Maschinenstrom J, 
aufgetragen (Bild 24), so daß man ein Maß für die 
zusätzliche Strombelastung des Generators erhält. Bei 
der Aufnahme dieser Kurven wurde der Kompen- 
sationskreis an verschiedenen Transformator - An- 
zapfungen angeschlossen und dabei jedesmal die 
Dämpfung so eingestellt, daß die Verbrauchergleich- 
spannung konstant (ungefähr 46 Volt) war. 


Zu den einzelnen Kurven von Bild 23 und 24 ge- 
hören folgende zusätzliche Widerstände: 


2 X 80 Windungen 15 Q 
2 X 72 = AE 
2 X 64 j 2 45 
2X 61 si 0, 
2 X 56 Ar 0 ,„ 


Die optimale Anzapfung, d. h. die Anzapfung, die 
bei minimalster zusätzlicher Strombelastung des 
Generators noch konstante Spannung liefert, ist also 
dadurch gekennzeichnet, daß dabei gerade der zu- 
sätzliche Widerstand zu Null wird. Das würde in 
diesem Falle zutreffen bei 2 X 64 Windungen. 


Diese und die vorhergehende?) Arbeit wurde im 


- Physikalischen Institut der Technischen Hochschule 


127 


München ausgeführt. Herrn Geheimrat Professor Dr. 
J. Zenneck bin ich für die Anregung hierzu, wie 
auch für die ständige Beratung zu größtem Danke 
verpflichtet. Mein besonderer Dank gilt auch der 
Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft, deren 


MaSchtnenstron 
7 


© 
Verbraucher Sram 


Bild 24. 


Entgegenkommen die Durchführung der Arbeit er- 
möglichte. Bei der Arbeit fanden auch Apparate Ver- 
wendung, für die das Institut der Helmholtz- 
Gesellschaft und dem Bund der Freunde der Tech- 
nischen Hochschule München zu Dank verpflichtet ist. 


Zusammenfassung: 


1. Der Vergleich eines eisenlosen Transformators 
und eines solchen mit einem Eisenkern aus soge- 
nannten Hochfrequenzblechen, wie sie für Frequenz- 
wandler benutzt werden, ergibt bei einer Frequenz 
von 8000/sec eine bedeutende Ueberlegenheit des 
Transformators mit Eisenkern. 

2. Um den günstigen Einfluß hoher Frequenz auf 
die Gleichrichtung zu zeigen, werden die Fluktua- 
tionen bei der Gleichrichtung von Wechselstrom der 
Frequenz 50, 800 und 8000/sec mit der Braunschen 
Röhre oszillographiert. 

3. Es wird ein Verfahren angegeben und unter- 
sucht, das gestattet, die Klemmenspannung einer 
Gleichrichteranlage unabhängig von der Belastung 
automatisch konstant zu halten. 

München, Physikalisches Institut der Technischen 

Hochschule. 


(Eingegangen am 15. September 1928.) 
5) P. Hermanspann, ds Jahrb. 


128 H. E. Hollmann : 


Zum Problem der Erzeugung Kurzer eleKtrischer Wellen 


durch Bremsfelder. 


Von H. E. Holimann. 
(Physikalisches Institut der Technischen Hochschule Darmstadt.) 


Inhaltsübersicht. 


Die Arbeit behandelt die verschiedenen, in einer 
Spezialröhre auftretenden Schwingungsbereiche. Der 
neben den bekannten Barkhausen-Kurz- 
Schwingungen von Pierret und von Hollmann 
beobachtete Frequenzbereich von 13—18 cm Wellen- 
länge wird z. T. auf Oberschwingungen, z. T. auf 
die Eigenwelle des Gittersystems zurückgeführt. 


Schienen nach den ersten Versuchen die Verhält- 
nisse in der Bremsfeldschaltung von Barkhausen 
und Kurz (1) recht einfach und übersichtlich zu lie- 
gen, so weisen die weiteren Untersuchungen der ver- 
schiedensten Forscher eine Fülle von Erscheinungen 
auf, die mit der Theorie von Barkhausen und 
Kurz sowie von Scheibe (2) nicht in Einklang 
zu bringen sind. Der stärkste Widerspruch, daß 
nämlich nach Angaben von Gill und Morell (3), 
Grechowa (4, Kapzov (5) und anderen die 
Frequenz der Elektronenschwingungen nicht nur 
durch die Zwischenelektrodenfelder, sondern in eben- 
solchem Maße durch ein mit den Elektroden verbun- 
denes Schwingungssystem bestimmt wird, ist durch 
die Untersuchungen von Kapzov und Gwos- 
dower (6) und von Hollmann (7) geklärt, wäh- 
rend die von Scheibe (l.c. 2), Kapzov (l.c. 5), 
Wechsung (8) und anderen beobachteten „Elek- 
tronenschwingungen höherer Frequenz“ von Holl- 
mann (l.c. 7) als eine Pendelbewegung der Elek- 
tronen zwischen Gitter und Anode nachgewiesen 
wurden. 

In neuerer Zeit berichtet Pierret (9) über 
Schwingungen, welche völlig außerhalb der bisher 
bekannten Schwingungsbereiche liegen; damit stim- 
men ähnliche Versuche von Hollmann (10) über- 
ein, der in dem kurzwelligen Bereich ein von frühe- 
ren Beobachtungen völlig abweichendes Verhalten 
der Schwingungen findet’). 

Sowohl Pierret als auch Hollmann benutz- 
ten bei ihren Versuchen französische Kurzwellenrölr- 
ren der Type Metal TMC, deren Gitter und Anode 
nicht durch den Röhrensockel, sondern getrennt nach 
außen geführt sind, wodurch die Kapazität der Zu- 
leitungen auf ein Minimum heruntergesetzt ist?). Das 
Gitter dieser Röhren ist als Wendel von 15 Windun- 
gen auf eine Länge von 12,5 mm und mit einem 
Durchmesser von 3,5 mm gewickelt; die Anode hat 
einen Durchmesser von 7 mm. 


Auf Grund der Untersuchungen von Hollmann 


(l.c. 7) sind bei dem groben Wendelgitter der TMC- 
Röhre „Elektronenschwingungen höherer Frequenz“, 
d. h. eine Pendelbewegung der Elektronen zwischen 
Gitter und Anode nicht zu erwarten. Ueberraschen- 

1) Vgl. den Zusammenfassenden Bericht in ds. Ztschr. 33, 


S. 27, 66 u. 101, 1929. 
2) Vgl. Bd. 32, ds. Ztschr. Bild 1 auf Seite 182, 1928. 


. derweise tritt indessen über der erreichbaren Gill 


und Morrell-Frequenz ein Schwingungsbereich 
mit einer Wellenlänge von 13—18 cm auf. Dieser 
Bereich ist nicht mittels des zwischen Gitter und 
Anode liegenden Schwingungskreises abzustimmen, 
sondern es können nur in der Gitterzuleitung ste- 
hende Wellen erhalten werden, wenn das Gitter aui 
die aus Bild 1 ersichtliche Weise mit einem Kup- 
ferdraht, auf dem sich eine Metallplatte ver- 
schieben läßt, verbunden wird; beim Verschieben der 


Bild 1. 
Kurzwellenoszillator mit abstimmbarem Gittersystem. 


Platte treten periodisch Maxima und Minima des 
Anodenstromes auf, deren Abstand sich zu 1, } er- 
gibt. Charakteristisch für die kurzwellicen Schwin- 
gungen ist der Umstand, daß ihre Frequenz weder 
durch die Abstimmung des Gittersystems, noch durch 
die Betriebsspannungen bemerkenswert beeinflußt zu 
werden scheint; erst mit zunehmendem Emissions- 
strom verschiebt sich der Bereich nach höheren 
Gitterspannungen hin unter gleichzeitiger Verringe- 
rung der Wellenlänge. 

Pierret arbeitete zunächst mit einem Zwei- 
röhrenoszillator und führt seine Schwingungen auf 
eine Rückwirkung zwischen beiden Röhren zurück: 
später gibt er jedoch einen Einröhrenoszillator an 
(11/12), der mit dem von Hollmann beschriebe- 
nen und in Bild 1 abgebildeten völlig übereinstinimt. 
Pierret stellt für die von ihm beobachteten: 
Schwingungen eine Theorie auf, die von der An- 


a > E. y femme mE En m O 


| 


Í 
t 
| 
\ 
! t 


i 


Zum Problem der Erzeugung kurzer elektrischer Wellen durch Bremsfelder. 129 


schauung von Barkhausen und Kurz in zwei 
Punkten abweicht. Er nimmt zwar ebenfalls eine 
Pendelbewegung von Elektronen um das Gitter an, 
doch soll die Elektronenfrequenz nicht nur von den 
Radialabmessungen und Spannungen der Röhrenelek- 
troden, sondern auch vom Abstand zweier benach- 
barter Gitterdrähte abhängen. 

Der zweite Punkt, der eine Abweichung von der 


Theorie von Barkhausen und Kurz aufweist, . 


ist folgender: Pendeln die Elektronen mit der Fre- 


quenz » um das Gitter, so rufen sie in demselben - 


Wechselspannungen von der Frequenz 2» hervor. 
Der Vorgang läßt sich mit einem über einer Spule 
pendelnd laufgehängten Magneten vergleichen, der 


0 60 70 8 90 100 I,mÄA 


Bild 2. 
Die verschiedenen Schwingungsberelche einer TMC Röhre. 


in der Spule eine Wechselspannung von der doppel- 
ten Frequenz seiner Eigenschwingung induziert. 
Pierret errechnet für seine Röhren eine Wellen- 
länge von 11,7 cm, während seine Messung 16,5 cm 
ergab; die starke Abweichung führt er auf verein- 
fachende Annahmen in seiner Theorie zurück. 


Die vorliegende Arbeit hat eine experimentelle 
Nachprüfung der von Pierret vertretenen An- 
schauung zum Ziel. Wurde bei den früheren Ver- 
suchen des Verfassers mit der TMC-Röhre (l. c. 10) 
nur bei einem Anodenpotential Null oder bei schwach 
positiver Anode Elektronenströme der Größenord- 
nung von mehreren Milliampere im Anodenkreis 
beobachtet, welche gleichzeitig einer periodischen 
Beeinflussung durch die Abstimmung des Gitter- 
systems unterlagen, so ergaben die weiteren Ver- 
suche in Uebereinstimmung mit den Angaben 
Pierret’s, daß auch bei stark negativer Anode 
noch Schwingungen auftreten. In diesen Bereichen 
war die Intensität des Anodenstromes Ia außer- 
ordentlich gering und konnte bei einer Anodenspan- 
nung von — 40 Volt nur noch mittels eines hoch- 
empfindlichen Galvanometers nachgewiesen werden. 


Wurde unter konstanten Betriebsbedingungen der 
FEmissionsstrom Ie stetig verstärkt, so traten an ver- 
schiedenen Stellen Maxima von Ía auf, wie es in 
einem besonders anschaulichen Fall Bild 2 darstellt. 
Dieses gibt allerdings die Verhältnisse nur qualitativ 
wieder, weil die Intensität und die Bereiche der 
Anodenströme in hohem Maße von den Abstimniver- 
hältnissen der Elektroden, insbesondere des Gitters, 


* abhängen. Wellenmessungen ergaben, daß die ein- 


zelnen Maxima ganz verschiedenen Frequenzberei- 
chen entsprechen, die sich somit durch passende Ein- 
regulierung der Heizung willkürlich einstellen lassen. 

Um die Röhre beliebig belasten zu können, wur- 
den besondere Elektrodensysteme angefertigt, die in 
den Abmessungen von Gitter und Anode der fran- 
zösischen TMC-Röhre vollkommen nachgebildet, je- 
doch mit einer stärkeren Kathode ausgerüstet wa- 
ren. Bild 3 zeigt ein solches System, bei dem 
neben der Kathode auch die Gitterwendel auswech- 
selbar vorgesehen ist. Im Gegensatz zu der TMC- 
Röhre ist die Anode durch den Quetschfuß nach 
außen geführt, und nur die Gitterleitung verläuft in 
entgegengesetzter Richtung. Das ganze System ist 
auf einen Glasschliff aufmontiert und wird in ein mit 
einer Pumpanordnung in Verbindung stehendes Glas- 
gefäß eingesetzt, wobei die Abdichtung der Gitter- 
zuleitung mit Pizein vorgenommen wird. 


Bild 3. 
Elektrodensystem mit auswechselbarem Gitter. 


Wie bei dem in Bild 1 abgebildeten Oszillator, 
war es auch bei diesem System erforderlich, die 
Anode durch eine Drosselspule abzuriegeln, weil 
sonst bei entsprechender ‚Abstimmung des Gitter- 
drahtes Gill und Morrell-Schwingungen auftra- 
ten und die Verhältnisse in unübersichtlicher Weise 
trübten. Unter besonderen Umständen, nämlich bei 
schwach positiver Anode und bei starkem Gasgehalt 
der Röhre, wurden Anodenströme bis zu 20 mA be- 
obachtet, die zwar von Schwingungen herrührten, 
ohne daß es indessen möglich war, auf dem Gitter- 
draht und im Lechersystem eine Abstimmung zu 
erhalten. Es ergab sich, daß in diesem Fall der ganze 
Schaltungsaufbau einschließlich der zur Speisung 
von Gitter und Anode dienenden Batterien angeregt 
wurde, naturgemäß in einer entsprechend langen 
Welle A = 30 — 40 m). Vermutlich sind diese 
Schwingungen auf einen negativen Röhrenwiderstand 
zurückzuführen, wie es von Gill (13) angegeben 
worden ist. 

Bei der Ausmessung der neuen Elektroden- 
systeme konnten durch Variation der Betriebsbedin- 
gungen, d. h. des Emissionsstromes und der Span- 
nungen zwei Schwingungsbereiche erhalten werden, 
deren Wellenlängen genau im Verhältnis 1:2 stan- 


den. Auf den bei der TMC-Röhre noch beobachteten 


dritten Bereich wird weiter unten eingegangen wer- 
den. Die Wellenlänge wurde in allen Fällen durch Ein- 


130 


H. E. Hollmann: 


LT a a e aa a e a e a e ner 
— a e e ni 


stellung der Maxima oder auch Minima von a auf dem 
Gitterdraht ermittelt und hin und wieder durch Ver- 
gleichsmessungen mit dem Lechersystem bestä- 
tigt. War bei geringeren Emissionsströmen die 
Oberschwingung stark ausgeprägt, so trat sie bei Er- 
höhung der Heizung mehr und mehr zurück, bis 
schließlich nur noch die Grundwelle übrig blieb. 


In Bild 4 sind nun beide Bereiche, soweit sie 
durch Variieren des Emissionsstromes zu erhalten 
waren, über verschiedene Gitterspannungen auf- 
genommen bei einer konstanten Anodenspaunung 


e TMC System 

o 10 Gilterwdgen. 
a TMC Röhre 

x Unsymm. System 


o d” 9mm 


2 4 
00 300 00 Eg i 


Bild 4. 


Die Wellenlängen als Funktion der Gitterspannungen bei 
verschiedenen Gitterwendeln und Anodendurchmessern. 


von — 10 Volt. Dabei war es nur innerhalb eines 
Gitterspannungsbereiches von etwa 200—250 Volt 
möglich, beide Schwingungen nebeneinander hervor- 
zurufen; unterhalb dieses Spannungsbereiches ver- 
schwand die Ober-, darüber die Grundwelle. Bei 
den Messungen wurden verschiedene Elektroden- 
systeme benutzt, so einmal das in Bild 3 ab- 
gebildete System, dessen Gitterwindungen vari- 
iert wurden, ferner unbrauchbar gewordenen, 
französischen Röhren entnommene Elektrodensyste- 
me, in die neue Heizfäden eingezogen wurden, 
und schließlich sind einige einer französischen 
Röhre unmittelbar entnommene Werte eingezeich- 
net. Eirsichtlich fallen die mit den verschieden- 
sten Systemen erzeugten Wellenlängen mit hinrei- 
chender Genauigkeit zusammen. Gitter mit 5 und 20 
Windungen ergaben überhaupt keine Schwingungen, 
sondern nur die dazwischen liegenden Gitter mit 10 


—,— 


und 15 Windungen. Nach diesen Messungen steht 
eindeutig fest, daß für die vorliegenden Elektroden- 
abmessungen das Wellenverhältnis 2 nicht als Zufalls- 
ergebnis anzusprechen ist, sondern allgemeine Gül- 
tigkeit hat. 

Vergleicht man die Wellenlänge der Grund- 
schwingung mit früheren Messungen (l. c. 10), so ist 
ohne weiteres ersichtlich, daß es sich hier um reine 
Barkhausen-Kurz-Schwingungen handelt. Ein 
Bereich, innerhalb dessen die von Pierret gefor- 
derte Abhängigkeit der Frequenz von dem Abstand 
der Gitterdrähte vorhanden ist, wurde nicht gefun- 
den. Da im Bereich höherer Gitterspannungen die 
Grundschwingung nicht mehr gemessen werden 
konnte, wurde ihre Kurve, der doppelten Oberwelle 
entsprechend, extrapoliert. Dieser gestrichelt ein- 
gezeichnete Kurventeil gleicht sich dem direkt ge- 
messenen Kurvenverlauf gut an. 

Es könnte der Einwand erhoben werden, daß die 
Radialabmessungen der TMC-Röhre und der hier 
benutzten Systeme zufällig so beschaffen seien, daß 
der kürzere Wellenbereich als Oberschwingung des 
längeren erschiene. Er wäre dann als „Elektronen- 
schwingung höherer Frequenz“ zu deuten, was zwar 
mit früheren Beobachtungen (l. c. 7), wonach die 
Schwingungen höherer Frequenz an ein engmaschi- 
ges Gitter gebunden sind, im Widerspruch stehen 
würde. Um diesem Einwand experimentell zu be- 
gegnen, wurden die Messungen mit einem neuen Sy- 
stem wiederholt, dessen Anodendurchmesser von 
7 auf 9 mm vergrößert war. Die mit diesem System 
erhaltenen Wellenlängen sind ebenfalls in Bild 4 ein- 
gezeichnet. In Uebereinstimmung mit der Theorie 
liat die Vergrößerung des Anodenzylinders eine Ver- 
längerung der Welle bewirkt. Für den kurzwelli- 
gen Bereich ergibt sich jedoch auch hier, daß seine 
Wellenlänge genau die Hälfte des langwelligen Be- 
reichs beträgt, und auch hier erweist sich eine Extra- 
polation sowohl nach höheren wie nach niedrigeren 
Gitterspannungen hin als gerechtfertigt. 


Wie die mit den verschiedenen Elektrodensyste- 
men erhaltenen Werte zeigen, sind Oberschwingun- 
gen nicht immer zusammen mit der Grundwelle zu 
erhalten, sondern sie treten erst von bestimmten 
Gitterspannungen an auf. Es ist danach anzunehmen, 
daß die Ausbildung von Oberwellen an bestimmte 
Bedingungen geknüpft ist, so z. B., daß die Laufzeit 
der Elektronen beiderseits des Gitters angenähert 
dieselbe ist. Gestützt wird diese Annahme dadurch, 
daß das Auftreten der Oberwelle durch Unsymnie- 
trien der Elektroden verschoben wird, wie es in 
Bild 4 die durch Kreuze bezeichneten Werte erkennen 
lassen. Diese wurden nämlich mit einem System 
mit 10 Gitterwindungen erhalten, dessen Kathode 
sich infolge ungenügender Befestigung beim Aushei- 
zen verlagert hatte. Bei starken Unsymmetrien wa- 
ren entweder überhaupt keine Schwingungen zu er- 
halten, oder aber die Wellenlängen fielen völlig aus 
dem bei symmetrischen Systemen auftretenden 
Wellenverlauf heraus. 


Auf Grund obiger Vorstellung Pierrets vom 
Zustandekommen der Oberschwingung ist zu erwar- 
ten, daß die Grundschwingung, wenn auch nicht auf 
dem Gitterdraht, so doch im Lechersystem in 
allen Fällen neben der Oberwelle nachzuweisen ist. 


—— 


gm DE pes Reya 


a a 


Zum Problem der Erzeugung kurzer elektrischer Wellen durch Bremsfelder. 


m, 


131 


aVersuche, diesen Nachweis durch Ausmessen der 
"Maxima auf dem Lechersystem zu erbringen, 
führten zu keinem Erfolg, weil die Oberwelle die 
t Grundschwingung an Intensität weit übertraf und 
die schwachen Maxima derselben vollkommen zu- 
:deckte. 


Bild 5 gibt nun die unter denselben Umständen, 
“wie die Kurven des Bildes 4 unmittelbar mit der 
x. Anordnung des Bildes 2 aufgenommenen Schwin- 
li gungsbereiche wieder. Zunächst zeigt die Kurve, 

: daß der langwellige Bereich genau mit den vorher 
i; Acm 


Röhre TMC 
o Mi? Mantel 


A nach Pierret 


40 


30 


LEE Se | 


20 


10 


00 300 “0r 
Bild 5. 
Die Frequenzbereiche einer TMC Röhre. 
gemessenen Wellenlängen übereinstimmt. Im Be- 


reich der Oberwellen waren jedoch nur vereinzelt 
Messungen möglich, dafür trat unterhalb derselben 
innerhalb der Gitterspannung von 180—250 ein voll- 
° kommen neuer Bereich auf. Dieser unterschied sich 
von den bisherigen Schwingungen vor allem da- 
= durch, daß seine Wellenlänge nahezu unabhängig 
von der Gitterspannung war, und sich nur mit der 
‘ Anodenspannung um wenige Prozent änderte. Mit 
dieser Schwingungsform stimmen offensichtlich auch 
' die von Pierret beobachteten Schwingungen über- 
£in, denn seine Wellenlänge von 16,5 cm fällt mit 
hinreichender Genauigkeit in den hier angegebenen 
Bereich. Die geringe Abweichung mag darauf zu- 
- rückzuführen sein, daß die von Pierret benutzten 
; Röhren nicht die übliche Handelsware war, wie sie 
‚ bei den vorliegenden Untersuchungen zur Anwen- 
dung kam, sondern daß sie einen etwas verminder- 
ten Anodendurchmesser besaßen. 


Der geradlinige Verlauf der Frequenzkurve des 
Bildes 5 beweist, daß es sich hier um einen, von den 
vorigen Schwingungen völlig verschiedenartigen 
Schwingungsprozeß handelt, und es bleibt nur die 


ba n O taá 


Annahme, daß ein innerhalb der Röhre befindliches 
Schwingungssystem in seiner Eigenperiode angeregt 
wird. -Zum Nachweis dieser Vermutung wurde zu- 
nächst versucht, die Schwingungen auf irgendeine 
Weise von außen zu beeinflussen. Eine Abstimmung 
der Anode auf ähnliche Weise wie für das Gitter 
brachte keinen Erfolg; es gelang jedoch, die Schwin- 
gungen zum Aussetzen zu bringen, als die Röhre mit 
einem Metallmantel umgeben, und dieser mit der 
Anode verbunden wurde. In diesem Fall konnten 
sowohl die Barkhausen-K urz -Schwingungen 
als auch ihre Oberwelle erhalten werden, wie die 
in Bild 5 eingezeichneten Werte erkennen lassen. Ein 
bestimmter Anhaltspunkt ergab sich indessen erst, 
als mitten während der Messungen der kurzwellige 


Bild 6. 
Elektrodensystem mit abstimmbarem Gitterkreis. 


Bereich plötzlich verschwand. Die Ursache konnte 
erst an der geöffneten Röhre festgestellt werden, 
denn es ergab sich, daß das Wendelgitter an einer 
Stelle seine Verbindung mit den Haltedrähten ver- 
loren hatte und durchgeschmolzen war. Daraus geht 
hervor, daß das aus der Gitterwendel und ihren 
Haltedrähten gebildete System einen Schwingungs- 
kreis darstellt, der durch die Elektronenschwingun- 
gen in irgendeiner Weise angeregt wird. Bestätigt 
wird dieses Ergebnis durch neuere Untersuchungen 
von Grechowa (14), welche ebenfalls beobachtet, 
daß das gewundene Gitter ihrer Röhren angeregt 
wird, und dies auch durch die Abhängigkeit der 
Wellenlänge von den Dimensionen dieses Schwin- 
gungskreises wenigstens qualitativ nachweist. 

Auf Grund dieser Betrachtungen ist es auch ver- 
ständlich, wenn der kurzwellige Bereich der TMC- 
Röhren bei den selbst hergestellten Systemen nicht 
auftrat, da hier das Haltesystem der Gitterwendel 
wesentlich größere Abmessungen aufweist. Es wurde 
versucht, das Gitter in zwei Paralleldrähte auslaufen 
zu lassen, wie es Bild 6 zeigt, und dann durch Ver- 
schieben einer außerhalb der Röhre befindlichen 
Brücke eine beliebige Abstimmung des Gitterkreises 
herbeizuführen; doch brachten diese Versuche keinen 
Erfolg, vermutlich, weil die Dämpfung des in 3—4 
Oberschwingungen zu erregenden Systems zu groß 
war, um eine Aenderung des Schwingungsvorgangs 
herbeizuführen. Nur die Barkhausen-Kurz- 
Schwingungen und ihre Oberwelle machten sich in 


132 


diesem Gittersystem ebenso wie auf dem Gitter- 
draht allein bemerkbar. Der von Pierret und 
Hollmann beobachtete Schwingungsbereich von 
13—18 cm Wellenlänge dürfte daher z. T. als Ober- 
schwingung der Barkhausen-Kurz-Frequenz, 
z. T. vor allem bei maximaler Energie, auf die Eigen- 
welle des Gittersystems zurückzuführen sein. 


Zusammenfassung. 


Zur näheren Untersuchung der von Pierret und 
von Hollmann an französischen Kurzwellenröh- 
ren der Type Metal TMC beobachteten kurzwelli- 
gen Schwingungen im Bereich von 13—18 cm Länge, 
wurden Elektrodensysteme verwandt, bei welchen 
neben den Abstimm- und Betriebsverhältnissen auch 
die Anzahl der Gitterwindungen variiert werden 
konnte. Schwingungen, die der Theorie von 
Pierret entsprechen, wonach im Gegensatz zu 
Barkhausen und Kurz die Frequenz auch von 
dem Abstand der Gitterdrähte abhängen soll, wur- 
den nicht gefunden. Es konnten jedoch im Gitter- 
system Schwingungen der doppelten Frequenz des 
Barkhausen-Kurz-Bereiches erhalten wer- 
den, und zwar bis zu einer Wellenlänge von 13 cm. 
Die intensiven Schwingungen im Bereich von 17—18 


M. H. Gloeckner: 


cm Wellenlänge werden auf einen, aus der Gitter- 


wendel und ihren Haltedrähten gebildeten Schwin- 


gungskreis zurückgeführt. 


Der Notgemeinschaft der Deutschen Wissen- 
schaft, die mir die Fortsetzung meiner Untersuchun- 
gen ermöglicht, bin ich zu großem Dank verpflichtet. 
Ferner danke ich meinem verehrten Lehrer, Herrn 
Prof. Dr. H. Rau, für sein freundliches Interesse 
und die bereitwillige Ueberlassung der Mittel seines 
Instituts. 


Literatur. 


l) Barkhausen und Kurz, Phys. Ztschr. 21, S. 1, 1920. 
2) Scheibe, Ann. d. Phys. 73, S. 54, 1924. 

3) Gillmund Morrell, Phll. Mag. 49, S. 369, 1925. 

4) Grechowa, Ztschr. f. Phys. 35. S. 50 und 59, 1926. 
9) Kapzov, Ztschr. 35, S. 129, 1926. 

6) Kapzovu. Gwosdower, Ztschr. f. Phys. 45, S.114, 1927. 
7) Hollmann, Ann. d. Phys. 86, S. 129, 1928. 

8) Wechsung, Jahrb. d. drahtl. Tel. 32, S. 58, 1928. 

9) Pierret, Compt. rend. 186, S. 1284, 1928. 

10) Hollmann, Ann. d. Phys. 86, S. 1062, 1928. 

11) Pierret, Compt. rend. 186, S. 1601, 1928. 

12) Pierret, Journ. d. Phys. 9, S. 97, 1928. 

13) Gill, Phil. Mag. 49, S. 993, 1925. 

14) Grechowa, Phys. Ztschr. 29, S. 726, 1928. 


(Eingegangen am 18. Dezember 1928.) 


Der Bordpeilempfänger im Flugzeug. 
Von M. H. Gloeckner. 


126. Bericht der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt, E. V., Berlin-Adlershof (Abteilung für Funk- 
wesen und Elektrotechnik). 


Schluß*). 


HI. Die Anwendung des Bordpeilers im Zielilug. 
a) Allgemeines. 


Eine der wichtigsten und einfachsten An- 
wendungen des Bordpeilempfängers geschieht beim 
Zielflug. 


Im vorstehenden war auseinandergesetzt, daß die 
Funkpeilskala im Flugzeug so angeordnet ist, daß sich 
der Zeiger der Rahmenstellung (Punktmarke) auf 0 
einstellt, wenn der Rahmen senkrecht zur Flugzeug- 
längsachse stelıt. Fliegt also ein Flugzeug eine 
Funkbake an, so wird das Empfangsminimum auf die 
Peilscheibenablesung „0“ fallen, wenn der Sender 
genau vorausliegt. Jedes Herausfallen des Flugzeuges 
aus dem Zielkurs hat ein entsprechendes Anschwellen 
des Empfangstones zur Folge, so daß es leicht fällt, 
eine Kursverwerfung zu erkennen. 


Es liegt der Gedanke nahe, den Flugzeugführer 
mit einer MHörkappe auszustatten und ihn unmittelbar 
nach dem Minimum fliegen zu lassen. Wie die prak- 
tischen Versuche jedoch gezeigt haben, ist dieser Weg 
nicht gangbar. Ein Flugzeug liegt im allgemeinen 
niemals ruhig im Kurs, sondern pendelt unter dem 
Einfluß horizontaler und vertikaler Böen um den 
mittleren anliegenden Kurs. Der empfindliche Funk- 
peiler reagiert je nach der Entfernung der Funkbake 
schon auf Kursänderungen von weniger als einem 
Grad außerordentlich stark und belastet dadurch die 
Aufmerksamkeit des Piloten in einem Maße, daß 


*) I, Teil ds. Jahrb. Bd. 33, S. 92, 1929, H. 3. 


dieser für die Beobachtung anderer wichtiger Bord- 
geräte und für die Ueberwachung des Flugmotors 
keinerlei Zeit und Ruhe mehr findet. Darüber hinaus 
macht es große Schwierigkeiten, ein Minimum, das 
einmal verlorengegangen ist, mit dem Flugzeug 
wiederzufinden, denn die Steuerwirkung ist zumeist 
so grob, daß das Flugzeug unbemerkt über das Mini- 
mum hinwegdreht. 


Q 
oN 


Bild 18. 


Zeitlicher Verlauf des Hilfsantennenbedarfs bei einem Zielflug 
für unveränderte Einstellung des Peilrahmens. Der Hilfsantennen- 
bedarf ist abhängig von der wechselnden Lage der Hilfsantenne 
zum Flugzeug und von der Eigenart des überflogenen Geländes. 


Des weiteren tritt beim Zielflug mit dem Bord- 
peiler in höherem Maße die bereits bei der Fremd- 
peilung beobachtete Erscheinung auf, daß der für die 
Erzielung eines absoluten Minimums bedingte Hilfs- 
antennenbedarf sich ständig ändert. Der Flugzeug- 
führer wird also zeitweise nach dem absoluten Mini- 
mum vergeblich suchen, wenn dieses durch den un- 
ausgeglichenen Antenneneffekt des Peilrahmens ge- 
trübt ist. Bild 18 stellt die Verhältnisse dar für einen 
Zielflug nach dem Langenberger Rundfunksender. 


Atze 


Der Bordpeilempfänger im Flugzeug. 


Der Kopplungsgrad Hilfsantenne-Rahmen, für den die 
Peilung ein absolutes Minimum ergab, ist in Ab- 
hängigkeit von der Zeit aufgetragen. | 

Die Bedienung des Peilers würde demnach im 
Großflugzeug dem Bordfunker oder Navigator ob- 
liegen müssen, damit die Gewähr gegeben ist, daß 
alle Vorteile und Feinheiten dieses Navigationsmittels 
auch ausgenutzt werden können. 


NM - ERDE UL 
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Belef Od TEN 
4 Ea 


Jant 


KT 


133 


Die akustischen Motorgeräusche äußern sich ferner- 
hin so, daß die Minimumbreite zunimmt, d. h. die 
beiden Grenzeinstellungen des Rahmens, bei denen die 
einkommenden Signale gerade hörbar werden und 
aus denen sich dann die Lage des Minimums ermitteln 
läßt, rücken auseinander. So wurde beispielsweise 
auf dem Flugplatz in Adlershof der Rundfunksender 
Langenberg (Rheinland) vor dem Start mit einer 


w” 


Bild 20. 
Flugkurven für Zielflüge: 


Nr. | Flug-Strecke | Art des Fluges | | 


Tag Start Ladung 


l Hamburg—Königswusterhausen | reiner Zielflug ohne Vorhaltung 5. Juli’ 1928 17% h 1930 h 
2 Berlin-Adlershof—Hamburg desgl. 5. Juli 1928 110% h 1350 h 
3 Berlin-Adlershof—Leipzig desgl. 11. Juli 1928 115! h 135 h 
4 Leipzig— Witzleben - desgl. 11. Juli 1928 16% h 1714 h 
5 Berlin-Adlershof—Langenberg Flug zwischen zwei Peilsendern 6. August 1928 153 h 1945 h 
6 | Langenberg—Königswusterhausen desgl. 7. August 1928 16% h 1918 h 
7 | Königswusterhausen— Langenberg |Flug nach Kompaß u. Funkpeilung 20. August 1928 10% h 143° h 
8 Langenberg—Zeesen desgl. 22. August 1928 15% h 1759 h 


Ueber das Verhalten des Peileınpfängers während 
des Fluges läßt sich aus den bisherigen Erfahrungen 
folgendes angeben. 

Die Rückkopplung im Rahmenkreis kann nicht in 
dem Maße ausgenutzt werden, wie es vor dem Start 
bei stillstehendem Motor möglich ist, da in diesem 
Falle die Störgeräusche, die durch die Zündfunken 
des Motors hervorgerufen werden, den Empfang zu- 
decken. Damit verliert der Empfänger zwar an 
Empfindlichkeit, jedoch läßt sich sagen, daß im allge- 
meinen jeder Sender,.der vom Boden aus gut gepeilt 
wird, auch im Zielilug sicher angeflogen werden kann. 


Breite von + 11%” gepeilt; nach dem Start betrug 
sie im günstigsten Falle + 5°. Die Peilbreite nimmt 
beim Anflug eines Senders nicht gleichmäßig ab, son- 
dern hat bei stark wechselnden Werten im Mittel 
exponentialen Verlauf, wie aus Bild 19 hervorgeht. 
Die Unbeständigkeit der Minimumbreite tritt um so 
mehr in Erscheinung, je schwächer der Empfang 
und je breiter das Minimum an sich schon ist. Beim 
Ueberfliegen großer Ortschaften und Gewässer wurde 
eine wachsende Verbreiterung des Minimums beob- 
achtet, die sich jedoch in größeren Flughöhen (1500 nı 
und mehr) zu verlieren schien. | 


134 


b) Reiner Zielflug. 


Bei dem Anflug eines FT-Senders ist ein Flugzeug 
bei seitlichen Winden einer Abdrift unterworfen, falls 
nicht unter einem entsprechenden Vorhaltewinkel gc- 
flogen wird. 

In Bild 20 sind in den Kurven 1, 2, 3 und 4 Ziel- 
flüge dargestellt, die von Hamburg nach Königs- 
wusterhausen, von Adlershof nach Hamburg, von 
Adlershof nach Leipzig und schließlich von Leipzig 


8 
4 Entfernung vom 
erder Langenberg 
2 e 
0 700 200 300 w0 3500 Am 
Bild 19. 


Mittlerer Verlauf der Minimumbreite bei einem Zielflug. Die 
Kurve zeigt exponentiellen Verlauf. 


nach Berlin-Witzleben führten. Als Funkbaken dien- 
ten in allen Fällen die Rundfunksender. Der Peil- 
rahmen wurde auf 0° eingestellt, so daß das Minimum 
recht voraus lag, und der Flugzeugführer auf den 
entsprechenden Kurs eingewinkt. Infolge der Ein- 
wirkung seitlicher Winde fällt die Flugbahn nicht mit 
dem Großkreis zusammen, sondern nimmt einen Ver- 
lauf, der durch das Verhältnis zwischen Flugzeug- 
Eigengeschwindigkeit und Windgeschwindigkeit be- 
stimmt ist. 

Unter den vereinfachenden Annahmen eines über 
dieFlugstrecke gleichmäßig in Stärke und Richtung 
verteilten Windes ist der Zielflug von P. Franck?) 
rechnerisch untersucht worden. Es ist zweifellos von 
Wert, die theoretischen Ergebnisse auf einen aus- 
geführten Flug anzuwenden. 


In Bild 21 bedeuten: 


AZ = a die betrachtete Flugstrecke in km 
V die Flugzeugeigengeschwindigkeit in km/h 
P den jeweiligen Standort des Flugzeuges 
w den Abdriftwinkel (vom Ziel aus gesehen) 
o die Entfernung Flugzeug—Ziel 
E die Abdrift in km 
v die Windgeschwindigkeit in km/h 
ß die Windrichtung gegen ZA 


(E 
EA 
B La psino in 9 
Ri Zo dh | Bi 
ee: | 
A go, 
Bild 21. 
Entwicklung der Franckschen Gleichung. 


Aus dem Ansatz 


do _ 
gr cosß—w)—V 


und 
dw 
ez TY Sin (6—w) 


3) P. Franck, Le radio compas et la navigation aérienne. 
Ou électrique Bd. 7, S. 109, 1928; Ref. ds. Ztschr. 32, S. 216, 


M. H. Gloeckner: 


ergibt sich das Franck sche Integral: 


sin f Gi a 


e= aie GD a 


Für die Strecke Adlershof—Spandau—Hamburg 
(s. Bild 20, Kurve 2), die am 5. Juli 1928 von 11.00 
bis 13.50 Uhr im Zielflug beflogen wurde, lagen die 
Windverhältnisse nach Angaben der Flugwetter- 
warten in Berlin und Hamburg in 600 m Höhe wie 
folgt: 

SW 18 bis 30 km/h, auffrischend. 


Um ein Bild über den Einfluß des Windes zu er- 
halten, ist die Flugkurve unter sonst gleichen Ver- 
hältnissen für die beiden Windstärken: v, = 20 
km/h und v, = 27 km/h berechnet worden. Es er- 
geben sich die Konstanten zu: 


a = 247,5 km; V=120 km/h; 8 = 298 — 225 = 73°. 


In Bild 22 sind die berechneten Kurven (1 und 2) 
der geflogenen Flugbahn (3) gegenübergestellt. 
Während des Fluges hat der Wind aufgefrischt. Dem- 
nach ergibt sich für abnehmende Entfernung nach 
Hamburg eine größere Versetzung, als sie bei kon- 
stanten Windverhältnissen eintreten müßte, und für 
den ersten Teil des Fluges überwiegt die Aehnlich- 
keit mit der für 20 km/h Wind berechneten Kurve, 
während im letzten Flugabschnitt die mit einem 
Wind von 27 kmih berechnete Kurve zum Vergleich 
herangezogen werden kann. 


Wie sich aus Bild 20 ergibt, hat der Wind beim 
Rückflug (17.00 bis 20.00 Uhr) zunächst noch mehr 
aufgefrischt, die Abdrift entsprechend vergrößert und 
erst gegen Ende des Fluges merklich nachgelassen. 


Auch die Flüge nach Leipzig und zurück (Bild 20, 
Kurve 3 und 4) zeigen ein ähnliches Bild. Die Flug- 
bahnen sind unter gleichen Versuchsbedingungen ent- 
standen und lassen sich aus den Einflüssen des Windes 
leicht erklären. Merkliche Fehlweisungen des Peil- 
strahles liegen nicht vor. 


Der Rückflug von Hamburg nach Berlin fand am 
späten Nachmittag statt. Da die Landung erst um 
20.00 Uhr erfolgte und die Sonne um 20.22 Uhr unter- 
ging, fielen die letzten Peilungen in die kritische Zeit 
der Peilstrallwanderurg. Es zeigte sich auch tat- 
sächlich eine gewisse Unruhe des Peilstrahles des 
Witzlebener Senders (483,9 m), der das Gefühl auf- 
kommen ließ, daß die Peilung nicht mehr zuver- 
lässig sei. Aus flugtechnischen Gründen konnten 
Untersuchungen in dieser Richtung mit diesem Flug 
jedoch nicht verbunden werden. Es wurde deshalb 
auf die längere Welle von Königswusterhausen 
(1250 m) umgeschaltet, die sich einwandfrei verhielt, 
und dieser Sender angeflogen. 


Haben diese und andere Flüge bewiesen, daß es 
immer möglich ist, ohne Zuhilfenahme weiterer 
Navigationsmittel zur Vermeidung der Abdrift einen 
Zielsender sicher anzufliegen, so bleibt doch die Tat- 
sache bestehen, daß der reine Zielflug nicht auf dem 
kürzesten Wege zum Sender führi. Ob trotz des ver- 
bundenen Zeitverlustes ein solcher Flug für die Praxis 
von Bedeutung ist, läßt sich mit Hilfe der Franck- 
schen Gleichung ermitteln. 


— MVT— ne I _____2 nn nn nn nn on, nn en N | peee — tn gu sn o a 


Der Bordpeilempfänger im Flugzeug. 


Die für einen reinen Zielflug benötigte Zeit in 
Stunden ist: 
V—v 


und die Zeit für einen Flug auf dem Großkreis bei 
richtiger Wahl des Vorhaltewinkels: 


a 1 


Say Te an 
1-(7) sin? b— posf 


wobei ein über die Flugstrecke konstanter Wind an- 
genommen ist und die Buchstaben der Gleichung die 
bereits angegebene. Bedeutung haben. 


135 


sondern bei seitlich schiebendem Wind (8 = 105°). 
Dieser scheinbare Widerspruch klärt sich auf, wenn 
man beachtet, daß das Flugzeug solange der Abdrift 
unterworien ist, wie sein Kurs nicht dem Winde ent- 
gegen verläuft. Es wird also notwendigerweise das 
Flugzeug im vorliegenden Falle in einem Bogen über 
die Höhe. des Zielsenders hinausfliegen, um ihn 
schließlich im Gegenwind zu erreichen. Der größte 
Zeitverlust beträgt trotz der angenommenen sehr un- 
günstigen Windverhältnisse nur etwa 17,5%, so daß 
bei normaler Wetterlage dem Zielflug ohne Vorhal- 
tung nach einem Peilsender sehr wohl eine praktische 
Bedeutung zukommt, insbesondere, wenn die Abdrift 
wenigstens einigermaßen berücksichtigt wird. Der 
geringe Zeitverlust wird dann für den Vorteil einer 


1 2 3 
Am 
Rundfunksender 50 700 150 200 Spandau 
en 
Hamburg Flugriohtung 
Bild 22. 


Vergleich zwischen zwei berechneten und einer durch Sichtortung 
ermittelten Flugkurve eines reinen Zielfluges Berlin-Hamburg. 


In Bild 23 sind für eine übliche Flugzeugeigen- 
geschwindigkeit von 140 km/h und eine angenommene 
Weglänge über den Großkreis von a = 500 km die 
Flugzeiten mit und ohne Vorhaltewinkel in Funktion 
der Richtung 8 eines Windes von 70 Stundenkilometer 
Geschwindigkeit dargestellt. Bild 23 zeigt für 8 = 0 


Windrichtung 


3 60 J9 720 o 100 Grad 
Wind In Wind 
von von der von 
vorn Serle schtern 


Bild 23, 


Zeitverlust für einen reinen Zielflug gegenüber einem Großkreis- 

flug. Kurve 1 Flugzeit ohne Vorhaltewinkel, Kurve 2 Flugzeit 

mit Vorhaltewinkel, Kurve 3 Prozentualer Zeitverlust eines Fluges 
ohne Vorhaltewinkel gegen einen Flug mit Vorhaltewinkel. 


den Fall des Fluges mit Gegenwind, für f = 180° 
mit Rückenwind und für g = 90° mit Seitenwind. 

Aus beiden Kurven ist eine dritte berechnet, die 
für verschiedene Windrichtungen den reinen Zielflug 
(ohne Vorhaltewinkel) in Beziehung setzt zum ortho- 
dromischen Flug mit richtig gewähltem Vorhalte- 
winkel, und den Zeitverlust gegen diesen prozentual 
angibt. 


T, 
y = [== —1 } 100°/.. 
Y (7 lo 


Der größte Zeitverlust tritt, wie aus dieser Kurve 
ersichtlich, nicht bei reinem Seitenwind (g = 90°) auf, 


einfachen Navigation immer in Kauf genommen 


werden können. 


c) Flug zwischen zwei Sendern. 


Theoretisch wäre es wünschenswert, den Zielflug 
auf dem Großkreis auszuführen. Da der Weg des 
Peilstrahles orthodromisch ist, muß das Flugzeug bei 
Benutzung des Funkpeilers auf dem größten Kreis 
fliegen, sofern es gelingt, gegen die Abdrift richtig 
vorzuhalten. 


Die Flüge nach dem Rheinlandsender Langenberg 
(Bild 20, Kurve 5 u. 6) hatten den Zweck, auf rein 
funktechnischem Wege einen Zielflug zu versuchen 
und durch die Funkpeilung allein die Abdrift aus- 
zuschalten. Dem Versuch lag der Gedanke zugrunde, 
das Flugzeug zwischen zwei Sendern fliegen zu 
lassen. Solange es sich auf dem Großkreise befand, 
mußten die Sender voraus und achteraus um 180° ver- 
setzte Peilungen ergeben. Fällt das Flugzeug nach 
Backbord aus dem Kurs, so erscheint die Peilstrahl- 
ablesung des Senders „voraus“ rechts neben der des 
Senders „achteraus“, wenn dieser mit der falschen 
Rahmenseite gepeilt wird. Entsprechend fällt für eine 
Kursversetzung nach Steuerbord die Vorauspeilung 
links neben die Achterauspeilung. Um wieder in den 
richtigen Großkreiskurs zu gelangen, muß dann das 
Flugzeug gegen den Zielsender „übersteuert‘“ werden. 


Da die Peilung der beiden Sender nicht gleich- 
zeitig erfolgen konnte, war von vornherein damit zu 
rechnen, daß das Verfahren praktisch nicht das leisten 
konnte, was theoretisch möglich war. Dennoch 
lieferte es gewisse Aufschlüsse über die Genauigkeit 
eines Navigationsverfahrens, das sich allein auf die 
Funkpeilung stützt und auf die Verwendung eines 
Kompasses völlig verzichtet. Der Flugzeugführer 
wurde also nach den Ergebnissen der Funkpeilung 
eingewinkt, wobei als Richtlinie diente, das Flugzeug 
auf den Großkreis zwischen den beiden Navigations- 
sendern zu halten bzw. es schnellstens wieder auf 


136 M. H. Gloeckner: 


a 


diesen Kurs zu bringen, wenn die Peilung einen ab- 
seits liegenden Standort ergab. Unabhängig von der 
Funkpeilung wurde durch einen zweiten Beobachter 
der wahre Flugweg durch Sichtortung ermittelt und 
fortlaufend in eine Geländekarte eingezeichnet. 

Die Ergebnisse der am 6. und 7. August 1928 
zwischen den beiden Rundfunksendern Langenberg 
und Königswusterhausen unternommenen Flüge sind 
in Bild 20 in der Kurve 5 u. 6 wiedergegeben. Der 
Großkreis durch die Standorte der Sender Königs- 
wusterhausen auf 52° 18° 23” n. B. 13° 360 55” ö. L. 
und Langenberg auf 51° 21’ n. B. 7° 8° 2” ö. L. ist 
berechnet und eingetragen. Der größte Kursfehler 
gegen diesen fällt auf den Flug Langenberg—-Königs- 
wusterhausen und beträgt rund 6° für Langenberg. 


Grad 
le 


290 


a aA AN T NAA N 
AET 


0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 200 220 240 260 260 300 Sec. 


Bild 24. 
Kursschwankungen im”anliegenden Kurs durch Böen. 


Die Größe der Fehler erklärt sich in der Haupt- 
sache aus der Tatsache, daß das Umschalten des 
Empfängers von der niedrigen Langenberger Welle 
(4688 m) auf die höhere Königswusterhausener 
(1250 m) etwa 1 min Zeit in Anspruch nahm. Inner- 
halb dieser behält aber das Flugzeug infolge stets 
vorhandener horizontaler und vertikaler Böen seinen 
Kurs nicht bei. Obgleich die Wetterlage durchaus 
nicht ungünstig war, blieben Schwankungen im 
Kompaßkurs größer als der errechnete Flugfehler 
gegen die Orthodrome. Eine Vorstellung von den 
Schwierigkeiten der Peilung zweier Sender naclı dem 
vorliegenden Umschalteverfahren gibt Bild 24, das 
den zeitlichen Verlauf des Kompaßkurses ver- 
anschaulicht, ebenso wie das oben erwähnte Bild 18, 
das den zeitlichen Verlauf des Hilfsantennenbedarfs 
darstellt. 

Trotz der geschilderten Schwierigkeiten ist das 
Ergebnis dieses Fluges zwischen zwei Sendern recht 
günstig, wenn es auch für die Praxis zunächst kaum 
in Frage kommen dürfte. Jedoch wird in dem Augen- 
blick, in dem sich die Doppelpeilung in wenigen 
Sekunden erledigen ließe, recht genau geflogen 
werden können. Eine Verbesserung des Gerätes in 
dieser Richtung ist zunächst nicht zweckmäßig, da es 
in unzulässiger Weise an Umfang und Gewicht zu- 
nehmen würde. 

Bemerkt sei noch, daß die Langenberger Flüge am 
späten Nachmittag in der Zeit von 16.00 bis 20.00 Uhr 
stattfanden und, da die Sonnenuntergänge in Berlin 
auf 19.42 und 19.40 Uhr fielen, in der kritischen Zeit 
der Peilstrahlwanderungen ausgeführt wurden. lr- 
gendwelche Einflüsse aus diesen traten beim Peilen 
nicht in Erscheinung. 


d) ZielflugnachKompaßundFunk- 
peilung. 
In Anlehnung an die auf See übliche Navigation 
bei Zielfahrten blieb noch als dritte Möglichkeit für 
die Durchführung eines Zielfluges auf kürzestem Wege 


die gleichzeitige Benutzung von Kompaß und Funk- 
peiler. 


Für diese Versuche wurde ebenfalls die Strecke 
Königswusterhausen— Langenberg und Langenberg — 
Zeesen gewählt. Als Funkbake diente für den Hin- 
flug der Sender Langenberg (468,8 m) und für den 
Rückflug der Sender Zeesen (1250 m). Die Ergebnisse 
zeigt Bild 20 in Kurve 7 u. 8. 


Der Flug wurde zunächst als Kompaßflug an- 
gesetzt. Abgangs- und Ankunftskurs wurden rechne- 
risch ermittelt; diese ergaben sich zu 259° 8° und 
254° 2° rechtweisend.. Die anzuwendende Kurs- 
verbesserung betrug demnach — 5° 6°. 


Da der Flug erfahrungsgemäß etwa 4 h 10 min 
dauerte, wurde der Kurs jeweils nach 50 Flugminuten 
um t/s dieses Wertes verbessert, um so eine mög- 
lichst gute Annäherung an die Orthodrome zu 
schaffen. 


Zur Berücksichtigung der Deviation wurde wenige 
Tage vor dem Flug das Flugzeug (Junkers F 15) auf 
die Drehscheibe gesetzt, der Kompaß erneut kompen- 
siert und die restliche Deviation kurvenmäßig fest- 
gelegt. Für den mutmaßlichen Standort nach 50 Flug- 
minuten konnte aus einer Isogonenkarte die Dekli- 
nation entnommen werden. Damit war planmäßig 
der Kurs für die fünf loxodromischen Flugabschnitte 
festgelegt. Mit Rücksicht auf die Ablesegenauigkeit 
des Kompasses ergaben sich die in Tafel 3 zusammen- 
gestellten Kurse. 


— _ gi y here — , 


een) 9 u u ne 


Tafel 3. 
Steuerkurse für die Flugteilstrecken. 

1 2 3 4 
Abschnitt Zeitintervall Mißweisd. Kurs! Kompaßkurs 
I 0— 50 262 260 
lI 50—100 262 260 
II 100—150 262 260 
IV 150—200 261,5 260 
V 200—250 261,5 260 


Dem Funkpeiler fällt nun die Aufgabe zu, die Ab- 
drift durch seitliche Winde erkennen zu lassen, um 
entsprechende Kursverbesserungen zu ermöglichen. 
Bezeichnet man den (anliegenden) Kompaßkurs mit z, 
die Deviation mit ô, die beschickte Funkseitenpeilung 
mit Ps, so ergibt sich die mißweisende Funkpeilung pm 
des Zielsenders durch folgende Beziehungen 


Pm—pst+z+5=g+f+z+5 (s. S. 100)” 

Die mißweisende Funkpeilung Pm ist aber nume- 
risch stets gleich dem mißweisenden Kurs Zm, weni 
sich das Flugzeug auf der vorberechneten Flugvahıı 
befindet. Die Bedingungen für den fraglichen Ziel- 
flug lauten also: Die Funkpeilung 


P—=g9s+F 
und der mißweisende Kurs 
Zm =z +ô 
müssen der Beziehung genügen 
Zx =m + ps ` 


wobei 2, den in der Tafel 3, Spalte 3 angegebenen 
Wert zo haben soll. 


un m en y f o O _ INS. By ET EEE nn y ie EEE ~ 


EAR mmnm D y R P r, 


l 


Ergibt sich 


Zx > Zo 


so bedeutet das, daß das Flugzeug nach Backbord 
versetzt ist, während 


Zx < Zo 


einer Versetzung nach Steuerbord gleichkommt. 


Weg-Zeif Diagramm 
S- fit) 


5 


14°? 


16 oc 7 o 75 


Bild 25. 


Wegzeitdiagramm zum Kompaß-Funkpeilflug Berlin-Langenberg 
und zurück (Bild 20, Kurve 7 und 8). 


Apr 


7 


INS r N 


UN 


Ba ZN | 

400 _ 300\ | 2 S 

E de ~ 200R W m Y ed / ET Langen 79 1 
my W E 


137 


Der Bordpeilempfänger im Flugzeug. 


aussetzte und erst in der Gegend Magdeburg wieder 
in Tätigkeit trat. Auf dem Rückflug (Kurve 8) geriet 
das Flugzeug in der Gegend Paderborn in sehr 
schlechtes Wetter mit stellenweise nur 500 m Sicht. 
Aus Sicherheitsgründen und in Anbetracht der durch 
starken Rückenwind auf rd 165 km/h gesteigerten 
Fluggeschwindigkeit wurde der Harz nördlich um- 
flogen, so daß diese Flugabschnitte nicht in die Be- 
trachtung des Zielfluges einzubeziehen sind. 

Wie vorstehend gezeigt, kam es bei diesem Flug 
darauf an, die mißweisende Funkpeilung so genau wie 
möglich zu nehmen. Es ist daher von großem Inter- 
esse, die Peilfehler zu ermitteln. | 

Zu diesem Zweck wurde in das Versuchsprotokoll 
außer dem Kompaßkurs und der Funkseitenpeilung 
auch die Zeitangabe aufgenommen, zu der die Peilung 
erfolgte. Der mit Sichtortung betraute Beobachter 
nahm für den jeweils überflogenen Geländepunkt 
gleichfalls die zugehörige Zeit. Bei der Auswertung 
des Versuches wurde dann das Wegzeitdiagramnı 
gezeichnet (Bild 25) und daraus der Standort zur Zeit 
der betreffenden Peilung ermittelt. Die rechtweisende 
Funkpeilung P, ergab sich aus den beobachteten 
Werten gs und z zu: 


P=Ptm=g+tf/+2+5+m 


wenn m die aus der Isogonenkarte entnommene ört- 
liche Mißweisung, f die experimentell ermittelte Funk- 


-—--flug. Könıgswusterhausen- Langenberg vom 20.8.28 
flug: Langenberg-Zeesen vom 22.8 28 


[Ara] 


Mittlerer Peilfakler 5? 


mie 
UV 
un BE: 


Bild 26. 
Peilfehler in Abhängigkeit von der Entfernung vom Zielsender 


für den Kompaß-Funkpeilflug Berlin—Langenberg und zurück 
(Bild 20, Kurve 7 und 8). 


Dieser Versuchsflug sollte einen Einblick geben, 
in welcher Größenordnung die Fiugfehler liegen. Bei 
der Durchführung ist wieder dafür gesorgt worden, 
daß die Funkpeilung und die Sichtortung völlig un- 
abhängig voneinander durch verschiedene Beobachter 
ausgeführt wurden, so daß eine gegenseitige Be- 
einflussung ausgeschlossen blieb. Das Ergebnis der 
Fliige ist aus Bild 20, Kurve 7 u. 8 zu ersehen. Be- 
merkt sei, daß auf dem Hinflug (Kurve 7) etwa in 
der Höhe von Potsdam der Zielsender Langenberg 


beschickung und ð die Deviation ist. Das recht- 
weisende Azimut A, des Zielsenders für den Ort der 
Peilung errechnet sich aus der sphärischen Gleichung: 


ng) TODE dr 
sin AA 


wobei 9s die geographische Breite des Zielsenders, 
or diejenige des Flugzeugstandortes und AA der 
Längenunterschied der beiden geographischen Punkte 
bedeuten. 


cot A, = 


138 


Der Unterschied 
| P— 4, => A P 


(in diesem Sinne positiv) ist dann der Fehler, mit dem 
die Funkpeilung behaftet ist. 

Eine Darstellung dieses Peilfehlers enthält Bild 26. 
Er setzt sich zusammen aus dem Kompaßfehler und 
dem Funkpeilfehler und beträgt im Mittel 4° für den 
Hinflug und 6° für den Rückflug, im Gesamtmittel 
also 5°. Eine Trennung der Teilfehler ließ die Ver- 
suchsanordnung nicht zu. Jedoch findet die Annahme, 
daß der Kompaßfehler am Gesamtfehler einen großen 
Anteil hat, im Hinblick auf Bild 24 eine große Stütze. 
Eine grundsätzliche Untersuchung über die Aufteilung 
des gesamten Peilfehlers ist zur Zeit im Gange. 


IV. Zusammenfassung. 


Nach einer Uebersicht über die Entwicklung der 
Flugzeugeigenpeilung wird der neue Telefunken-Flug- 
zeugbordpeiler (Muster spez. 173N) eingehend be- 
schrieben. Insbesondere wird eine vektorielle Dar- 
- stellung des neuen Verfahrens für die Seitenbestim- 
mung gebracht. Die Theorie und Aufnahme der Funk- 
beschickung für ein Junkersflugzeug, Baumuster F 13, 
wird behandelt. Sodann werden praktische Flug- 


Rudolf Hell: 


ergebnisse mit diesem Peiler mitgeteilt. Der Verlauf 
der Minimumbreite in Abhängigkeit von der Ent- 
fernung zwischen Flugzeug und Funkbaken und der 
zeitliche Verlauf des Hilfsantennenbedarfs wird an- 
gegeben. Zwischen drei Arten von Zielflügen wird 
unterschieden: 


1. Zielflug ohne Vorhaltewinkel gegen die Abdrift. 
Die durch Sichtortung ermittelte Flugkurve wird 
mit der berechneten verglichen. Für bestimmte 
Windverhältnisse wird der prozentuale Zeit- 
verlust des Fluges ohne Vorhaltewinkel gegen- 
über dem Flug auf dem Großkreis in Abhängig- 
keit von der Windrichtung errechnet. 


2. Zielflug zwischen zwei Sendern. Es werden 
die Vor- und Nachteile dieser Methode aus den 
Ergebnissen eines Fernfluges dargelegt. 


3. Zielfllug nach Kompaß und Funkpeiler. Der 
Flug wird nach dem Kompaß ausgeführt, die 
Abdrift durch Funkpeilung ermittelt und ent- 
sprechend berücksichtigt. Die tatsächliche Flug- 
kurve wird dureh Sichtortung ermittelt und der 
Gesamtpeilfehler (Kompaß- und Funkopeilfeliler) 
berechnet und im Mittel mit 5° angegeben. 


(Eingegangen am 25. Oktober 1928). 


Direktzeigendes funkentelegraphisches Peilverfahren. 
Von Rudolf Hell*) 


Inhaltsübersicht. 


A. Experimentelle Voruntersuchungen. 


B. Arbeitsweise und Theorie des Peilverfahrens: 
a) Grundsätzliche Anordnung. 
b) Schaltung und Wirkungsweise 
schaltgerätes. | 
c) Ableitung der Peilcharakteristik. 
d) Diskussion der Charakteristik. 
C. Erprobung der Geräte: 
a) Flugversuche. 
b) Laboratoriumsversuche. 


Zusammenfassung. 


des Um- 


Bezeichnungen: 


€ Eiffektivwert des elektrischen Vektors des Peilfeldes. 
ez iaig hochfrequente Augenblickswerte. 
Eg Ja Jr hochfrequente Effektivwerte, 
P p hochfrequente Phasenwinkel. 
€w iw te niederfrequente Augenblickswerte, 
Ju Je niederfrequente Effektivwerte, 
é niederfrequenter Phasenwinkel. 
Jgl gleichgerichteter Empfangsstrom. 
S Steilheit der Peilcharakteristik. 
a Ausschlag des Richtungszeigers. 
ô Winkel zwischen Peilstrahl und Rahmenfläche. 
y Winkel zwischen Peilstrahl und Flugzeuglängsachse. 
ab Antennenkonstanten, 


Aufgabe der vorliegenden Arbeit ist die Ent- 
wicklung und die Untersuchung eines direktzeigenden 
funkentelegraphischen Peilverfahrens, das speziell den 
Anforderungen der Luftfahrt gerecht werden soll. 


®) Dissertation der Technischen Hochschule München. 


A. Experimentelle Voruntersuchungen. 

Bei den ersten orientierenden Voruntersuchungen 
wurden nach einem von Prof. Dr. Dieckmann 
angegebenen Verfahren zwei zu einander senkrecht 
stehende Rahmenantennen als Empfangssystem ver- 
Diese 


wendet. wurden periodisch wechselnd an 


Bild 1. 
Direktzeigende Peilanordnung mit zwei Empfangsrahmen, 
Galvanometer und mechanischem Umschalter. 


einem gemeinsamen Empfänger und Gleichrichter an- 
geschlossen. Im Ausgangskreis des Gleichrichters lag 
ein polarisierter Stromindikator, dessen Anschlußrich- 
tung periodisch mit der Umschaltung der Rahınen ge- 
ändert wurde. 

In Bild 1 ist das Schaltschema gezeigt. Die Wick- 
lungsanfänge der beiden Rahmenantennen R, und R, 
sind über zwei Schleiffedern zu den beiden Schalt- 
segmenten eines Umschalters U geführt, der diese 
über eine dritte Schleiffeder abwechselnd mit dem 
Empfänger und Gleichrichter E verbindet. Die Wick- 
lungsenden beider Rahmen liegen direkt an dem ge- 
erdeten Pol des Empfängers. Die gleichgerichteten 


ns | —. men women ee see [4 Rz EEE 


—— 1 un _ 


Direktzeigendes funkentelegraphisches Peilverfahren. 


Empfangsströme werden über den Stromwender S mit 
periodisch wechselnder Richtung dem Galvanoıneter 
Z zugeführt. Die Schaltsegmente des Stromwenders 
S und des Umschalters U liegen auf einer gemein- 
samen Welle, die von einer beliebigen Kraftquelle 
angetrieben wird. 

Das auf den Stromindikator ausgeübte Drehnio- 
ment ist verschieden gerichtet, wenn der Rahmen R, 
oder der Rahmen R, angeschlossen ist. Infolge der 
Systemdämpfung wird ein mittlerer Ausschlag a an- 
gezeigt, der berechnet werden kann zu: 


const a = b. E { | cos ô| — | cos (ô+ e) | } (1) 


wenn b eine Rahmenkonstante, & die elektrische 
Feldstärke des Peilsenders, e den Winkel zwischen 
beiden Rahmen und ô den Winkel zwischen einem 
Rahmen und dem Peilstrahl bedeutet. Für cos ô und 
cos (6 + e) sind in Gl. 1 nur die absoluten Werte 
einzusetzen, da die Vorzeichen nur die, in vorliegen- 
der Schaltordnung unwesentliche, gegenseitige Pha- 
senzuordnung der in beiden Rahmen induzierten 
Spannungen anzeigen. 

Die mit Gleichung 1 gegebene Peilcharakteristik 
weist vier Nullstellen auf. Es ist somit eine eindeu- 
tige Bestimmung der Peilrichtung nicht möglich, da 
keine Hilfsmittel zur Unterscheidung zweier um 180 
Grad verschiedener Richtungen gegeben sind. 

Die experimentelle Erprobung des Verfahrens 


zeigte bei der Peilung von Sendern in geringen Ent-. 


fernungen (z. B. 0,5 KW-Sender in 12 km Entier- 
nung) gute Resultate. Bei Peilungen über größere 
Entfernungen mit hochwertigen Empfangsanordnungen 
beeinflußten die Unterbrecherfunken am Stromwen- 
der den Empfänger, außerdem zeigten sich besonders 
bei längerer Betriebsdauer Störungen bei der me- 
chanischen Umschaltung der kleinen hochfrequenten 
Spannungen. 


Bild 2. 


Peilanordnung mit kapazitiver Umschaltung der Rahmen 
bei Verwendung eines Dynamometers als Richtungsanzeiger. 


Es wurde deshalb eine neue Schaltung erprobt, 
die ohne mechanische Kontaktgebung arbeitete. Da- 
bei wurde gemäß Bild 2 das Galvanometer durch ein 
Dynamometer D ersetzt, dessen bewegliches System 
dauernd an dem Empfänger angeschlossen blieb, und 
dessen feste Wicklung von einem Wechselstromgene- 
rator G erregt wurde. Ein Kondensator K mit zwei 
festen und einem beweglichen Plattensystemen schal- 
tete beide Rahmen wechselnd an dem Empfänger. 
Ein Motor M ließ den Kondensator K und den zwei- 
poligen Wechselstromgenerator @ mit etwa 2000 
Umdr. ! min. rotieren. Der Generator und der Kon- 
densator ist so gekoppelt, daß der Hilfswechselstrom 


139 


seinen maximalen Wert erreicht, wenn jeweils einer 
der beiden Rahmen an dem Empfänger angeschlos- 
sen ist. 


Die Wirkungsweise dieser Anordnung ist ähnlich 
der in Bild 1 gezeigten, da die Richtung des auf das 
Dynamometersystem ausgeübten Drehmomentes ver- 
schieden ist, wenn der Rahnıen R, oder A, ange- 
schlossen ist. 


Bild 3. 


Grundsätzliche Anordnung der direktzeigenden Peilung mit 
Rahmen und Antenne als Empfangssystem. 


Mit einer derartigen Anordnung wurde der Mün- 
chener Rundfunksender (damals 0,5 KW) aus 45 km 
Entfernung im Zielflug angesteuert. 


Auf Grund einiger technischer Unzulänglichkeiten 


-im rotierenden Kondensator wurde zur Vermeidung 


I wit 


Bild 4. 
Strom- und Spannungsdiagramme der wichtigsten Stromkreise. 


jeglicher bewegter Teile der Weg, zwei Rahmen 
wechselnd an einem Empfänger anzuschließen, ver- 
lassen und die im folgenden Abschnitt behandelte An- 
ordnung entwickelt. 


140 | | Rudolf Hell: 


B. Arbeitsweise und Theorie des Peilveriahrens. 


a) Grundsätzliche Anordnung. 


Die für die direktzeigende Peilung nunmehr ver- 
wendete Schaltung zeigt Bild 3. Eine ungerichtete 
Antenne 4A ist unmittelbar und eine Ralımenantenne 
X ist mit periodisch wechselndem Richtungssinn über 
ein Rölırengerät U, das sogenannte „Umschaltgerät“, 
mit dem gemeinsamen Empfänger E gekoppelt. Den 
Richtungszeiger bildet das Dynamometer D, dessen 
bewegliches System über den Empfänger E und den 
Transformator T} von den Empfangsströmen becin- 
flußt wird. Das ruhende System des Dynamometers 
wird von dem im Generator @ erzeugten nieder- 
frequenten Wechselstrom 2, gespeist, der gleichzeitig 
dem Umschaltgerät zur Auslösung der periodisch 
wechselnden Rahmenankopplung zugeführt wird. 


Steht der Empfangsrahmen im Empfangsniinimuin, 


so erhält das Dynamometer im beweglichen System 
durch die stets gleichbleibende Empfangswirkung der 
ungerichteten Antenne keinen Wechselstron zuge- 
führt, es wird keinen Ausschlag zeigen. Wird der 
Rahmen aus dem Empfangsminimum gedreht, so wird 
der Empfang durch die periodisch wechselnde An- 
kopplung des Rahmens wechselnd gestärkt und ge- 
schwächt, so daß im Empfangsstrom eine Wechsel- 
stromkomponente enthalten ist, die am Dynamometer 
einen Ausschlag verursachen kann. 


Die elektrischen Vorgänge in der gesamten An- 
ordnung sind in den fünf Diagrammen des Bildes 4 
dargestellt. Das Diagramın I zeigt den Verlauf der 
vom Generator G erzeugten niederfrequenten Wech- 
selspannung fw. Das Diagramm II zeigt — mit stark 
vergrößerter Amplitude und Schwingungsdauer gegen 
Diagramm I — den Verlauf des im Antennenkreis 
fließenden hochfrequenten Stromes ia. Gleichzeitig 
ist der Strom İy im Ausgangskreis des Umschalt- 
gerätes eingezeichnet, der durch die in den Zeitpunk- 
ten wt =o und wt =n wechselnde Rahmenankopp- 
lung seine Amplituden und Phase periodisch ändert. 
Die Amplituden von iv erreichen ihre maximalen 
Werte bei wt = > und wt = = und den Wert Null 
bei ww=o und wt = a. Die Phase zwischen iv und 
ia ändert sich sprungweise um 180 ° in den Zeitpunk- 


Bild 5. 


Oszillographische Aufnahme der Ströme in beiden Wicklungen 
des Dynamometers. 


ten ni =o und wi=n. Dabei sind iy und ia 
phasengleich beziehungsweise um 180° phasenver- 
schoben, wenn beide Antennenkreise auf die zu pei- 
lende Station abgestimmt sind. 

Die Ströme iy und i4 induzieren im Empfänger 
eine Spannung e £z (Diagramm IIl), die der vektoriel- 
len Summe aus iv und i4 proportional ist. ex ist 


infolge der Amplituden und Phasenänderung von ir 
niederfrequent moduliert. Der gleichgerichtete Emp- 
fangsstrom Jgl (Diagramm IV) wird ein Wellenstrom, 
dessen Wechselstromkomponente te (Diagramm V) 
über den Transformator T, dem beweglichen System 
des Dynamometers D zugeführt wird. 

Die maximale Amplitude von iv und die Phase 
zwischen iv und i4 ist von dem im Rahmenkreis 
fließenden Strom ir abhängig, und damit eine Funk- 
tion von der Lage des Peilrahmens im Enıpfangsfeld, 
die durch den Winkel ô zwischen Peilstrahl und sei- 

R 


Bild 6. 
"Ausgeführte Schaltung des Umschaltgerätes, 


ner orthogonalen Projektion auf die Rahinenfläche 
gegeben ist. Bei konstantem Strom 2, ist der Aus- 
schlag a des Richtungszeigers nur von 2, abhängig, 
und damit Funktion von 6. 

Das in Bild 5 gezeigte Oszilloeramm stellt die 
Stromverhältnisse in den beiden Systemen des Dy- 
namometers abhängig vom Winkel ô dar. Bei der 
Aufnahme des Oszillogrammes wurde der Peilrahmen 
durch das Empfangsminimum gedreht. Die obere der 
beiden Kurven zeigt den Hilfswechselstrom čą (Bild 4 
Diagr. I) und die untere Kurve die niederfrequente 


- Empfangswechselstromkomponente îe (Bild 4 Diagr. 


V). Die Amplituden von îe nehmen nach dern Oszillo- 
gramm mit der Drehung des Peilrahmens ab, werden 
gleich Null und wachsen wieder. Beaclıtet man die 
Phasenzuordnung von ĉe und w, so erkennt man, 
daß beide Ströme in der linken Bildhälite phasen- 
gleich und in der rechten Bildhälite um 130° phasen- 
verschoben sind. Der Ausschlag a des Richtungs- 
zeigers mußte infolgedessen, wie auch während der 
Aufnahme beobachtet wurde, erst kleiner werden, 
dann zu Null werden und wieder in der entgegen- 
gesetzten Richtung zunehmen. 


b) Schaltung und Wirkungsweise des 
Umschaltgerätes 


Das Bild 6 zeigt die ausgeführte Schaltung des 
Umschaltgerätes. Der Empfangsrahmen R wurde in 
der Mitte über die Kondensatoren Cə geerdet und 
damit in die beiden mit R, und R, bezeichneten Hälf- 
ten geteilt. Die beiden Wicklungsenden des Rah- 
mens sind zu dem Abstimmkondensator C und zu den 
Gittern der beiden Verstärkerröhren V, und V, ge- 
führt. Die geerdeten Kathoden dieser Röhren sind 
über eine Gitterbatterie 3, mit der Mitte der sekun- 
dären Wicklung eines Transformators T, verbunden, 


- 


Sy 


_ A a, ii Er g mn mente 5 nen AA, meist, tn TE _ DEE. ann — 


A 


sr 


mt mm. nm, m En U mn nn, nn —— ANA 


44 


Direktzeigendes funkentelegraphisches Peilverfahren. 


dessen Wicklungsenden zu den mittleren Ralınen- 
enden führen. Im gemeinsamen Anodenkreis der Röh- 
ren liegt die Koppelspule L, und die Batterie B.. Die 
Spule Z, induziert gemeinsam mit der Antennenspule 
L. auf den Empfangskreis L, C}. 

Die Schaltanordnung stellt in bezug auf den Git- 
terkreis eine Gegentaktschaltung dar, und zwar so- 
wohl für die im Rahmenkreis fließende Hochfrequenz 
als auch für die dem Transformator zugeführte nieder- 
frequente Spannung. 


Die an beiden Gittern liegende negative Spannung 
der Batterie 5, ist so zu wählen, daß kein Anoden- 
strom fließt, solange keine Wechselspannung vorhan- 
den ist. Wird dem Transformator T, Wechselspan- 
nung zugeführt, so wird durch die Gegentaktschal- 
{ung entweder im Rohr R, oder im Rohr R, Anoden- 
strom fließen, es wird somit abwechselnd die in den 
Rahmenhälften R, bzw. R, induzierte hochfrequente 
Spannung verstärkt. Da diese Spannungen um 180° 
phasenverschoben sind, wird auch die hochfrequente 
Anodenstronıkomponente iv in den beiden Halbperi- 
oden von w} um 180° phasenverschoben sein. 


Die Amplituden von iv sind durch die Steilheit 
der Röhrencharakteristik an den momentanen Ar- 
beitspunkten gegeben. Diese ist durch die Krümmung 
der Charakteristik am unteren Knick sehr klein und 
nimmt zu, je mehr der Arbeitspunkt in den geraden 
Teil der Charakteristik rückt. Während Verstärker- 
anordnungen meist nur im geradlinigen Teil der 
Charakteristik arbeiten, wird bei vorliegender Schalt- 
anordnung der untere Knick mit veränderlicher Steil- 
heit zur Erzielung einer wünschenswerten stetigen 
Zunahme der Amplituden von iy ausgenützt. 


Die den Gittern der Röhren zugeführten hoch- 
frequenten Spannungen bleiben stets klein gegen die 
niederfrequente Spannung ey, deren Amplituden den 
mittleren Arbeitspunkt innerhalb einer Periode der 
Hochfrequenz bis zum geradlinigen Teil der Cliarak- 
teristik verschieben. Infolgedessen wird der Verlauf 
der hochfrequenten Ströme angenähert den im Bild 4 
angenommenen Werten entsprechen. Auf eine 
quantitive Ableitung wird in dieser gekürzien Arbeit 
verzichtet, da die quantitiven Verhältnisse von der 
Charakteristik der verwendeten Röhren in hohem 
Maße abhängig sind. 


c) Ableitung der Peilcharakteristik. 


Der Strom ia in der Linearantenne und die hoch- 
frequente Anodenstromkomponente iy in der Koppel- 
spule I, (Bild 3) induzieren im Empfangskreis eine 
Spannung ex, die der vektoriellen Summe von ia und 
iy proportional ist. 


conster = i4 tiv (2) 


Die durch die Kopplungskoeffizienten auftretenden 
Konstanten werden unter const. zusammengefaßt, da 
auch weiterhin nur die qualitativen Vorgänge betrach- 
tet werden sollen. 


Bei linearer Charakteristik des Gleichrichters ist 
der gleichgerichtete Empfangsstrom Jgl 
const Jg = Er (3) 


Der Effektivwert der vektoriellen Summe aus i4 
und iv kann bei einem Phasenwinkel ® nach dem 


Cosinussatz dargestellt werden durch: 
const Jgl = V Ja? + Ju? —2 J4 Jy cos (180°— p) (4) 


Der Effektivwert Juy von iv ändert sich infolge 
der veränderlichen Röhrensteilheit periodisch mit t. 
Der Phasenwinkel Ø ändert sich sprungweise von 


p — gim Bereiche o < wt < x 
zu p — y + 180 im Bereichen <wt <27 (5) 


Die Stärke des gleichgerichteten Empfangsstromes 
Jgl ändert sich daher periodisch mit wł, der Strom 
Jgl stellt einen Wellenstrom dar. Der Hauptwert J, 


von Jgl beträgt bei wt = 


const J, = VJ2 En Jè +2Ja Jr cos p (6) 


37 
und der Hauptwert J, bei wi = 5 beträgt 


const J, = VJ2+ Ji? — 2 Ja Jucos o (7) 
Bei wt = o, mt = z ist Jy = o und Jgl = Jo 
const J = Ja (8) 


Der Uebergang von J, zu J, ist dabei kontinuierlich. 

Ist die ungerichtete Antenne und die Ralımen- 
antenne auf die Welle des zu peilenden Senders ab- 
gestimmt, so wird cos ? = 1 und 


J — J = Jh’ — (9) 
Für die weiteren Betrachtungen wird der Effektiv- 


wert Je der Wechselstromkomponente te von Jgl 
angenommen zu: 
Sl. 1 
J, = 2 5 P (10) 
y2 


Die Wechselstromkomponente ře beeinflußt, unter 
Umständen erst nach weiterer Verstärkung, über den 
Transformator T, (Bild 6) das bewegliche System 
des Dynamometers. 

Wirken auf ein Dynamometer zwei Wechselströme 
gleicher Frequenz, so ist der auftretende Ausschlag a 
des Instrumentes, unter Annahme von Proportionali- 
tät zwischen den erregenden Strömen tw, ie und den 
erzeugten Flüssen: 


C a = Je Ju cos È 


(11) 
& ist dabei der Phasenwinkel zwischen beiden 
Wechselströmen und wird im folgenden gleich 0° 
gesetzt, da jede durch die zweimalige Transformie- 
rung und Verstärkung der Wechselströme auftretende 
Phasenverschiebung durch zusätzliche Kapazitäten 


oder Induktivitäten ausgeglichen werden kann. 
Unter Berücksichtigung der Gleichungen (6), (7), 
(10) und (11) wird 


consta = V J2 F Je £2 Ivo (19) 
= VJa +J? — 2 JaJu cos p 
wenn Jẹ konstant bleibt. 
Setzt man 
Ja =a@¢, (13) 
wobei a eine durch die Dimensionierung des 
Antennenkreises gegebene Konstante und & der 


Effektivwert des elektrischen Feldvektors des Peil- 


142 


Rudolf Hell: 


feldes ist, und entsprechend 
Jy =b € cos ô, (14) 


wenn b das Produkt aus Rahmenkonstante und Ver- 
stärkungsfaktor des Unischaltgerätes, und 5 den 
Winkel zwischen Peilstrahl und seiner orthogonalen 
Projektion auf die Ralımenfläche darstellt, so läßt sich 
aus Gleichung (12) die Peilcharakteristik, die a als 
Funktion von ô enthält, entwickeln zu: 


const a = È { a? + b? cos ô + 2 a b cos ô cos y (15) 
— V a 4-0? cos ô — 2 a b cos ò cos g i: 
d) Diskussion der Charakteristik. 


Die Gleichung (15) stellt eine Kurvenschar dar, 
wobei der Winkel ô die Veränderliche und der 
Phasenwinkel # Parameter ist. Bei 6==90° wird 
a = 0°, d.h. der Richtungsanzeiger zeigt keinen Aus- 
schlag, wenn die Fläche des Peilrahmens senkrecht 
zum Peilstrahl gerichtet ist, wenn der Peilrahmen im 
Empfangsminimum steht. 

Ist 270 < 8 < 90, so wird a positiv, ist 90 < ô < 270, 
so wird a negativ. Dabei entsteht, wie die Ableitung 
der Gleichung (15) zeigt, ein Maximum bei ô = 0° und 
ein Minimum bei ô = 180. 


Wird der Rahmen aus dem Empfangsminimum ge- 
dreht, so schlägt der Richtungsanzeiger nach der 
positiven oder nach der negativen Richtung aus, wenn 
der Rahmen in verschiedener Richtung aus dem 
Minimum gedreht wird. Maximaler Ausschlag tritt 
auf, wenn der Peilstrahl in Richtung der Rahmen- 
ebene liegt, wenn der Rahmen im Empfangsmaximum 
steht. 


a ist außer von ð auch von # abhängig. Wird der 
Phasenwinkel # durch Verstimnen des Rahmens von 
0° bis 180° geändert, so ändert sich nach Gleichung 
(15) auch die Größe des Ausschlages, doch bleibt 
dessen Richtung unverändert. 

Bei cos ?=1 vereinfacht sich die Gleichung (15) 
zu 


const a = E{V (a + b cos ô)? — V (a — b cos ô)?} (16) 


es tritt maximaler Ausschlag auf. Die richtige Ab- 
stimmung der Rahmenantenne kann daher aus der 
Anzeige des Richtungszeigers erkannt werden. 

Bei a > b wird 


const a = Ç b cos ô (17) 


Wenn die von der Antenne im Empfänger indu- 
zierte Leistung größer ist als die im Uimschaltgerät 
verstärkte Leistung der Rahmenantenne, wird der 
Ausschlag des Richtungszeigers unabhängig von der 
Dimensionierung der ungerichteten Antenne und di- 
rekt proportional dem Cosinus des Winkels zwischen 
Peilstrahl und Rahmenfläche. 

Bei a < b vereinfacht sich die Gleichung (16) für 


a 
cos 6 Sr zu 


const a = E ù cos ò (18) 
und für cos 6 > s zu 
const a == E q, (19) 


das heißt: Wird von der ungerichteten Antenne weni- 


ger Leistung im Empfangsgerät induziert, als von 
dem im Empfangsmaximum befindlichen Rahmen, so 
wird bei Drehung des Rahmens aus dem Minimum der 
Ausschlag des Richtungszeigers zunehmen und maxi- 
malen Wert schon erreichen, bevor der Rahmen im 
Empfangsmaximum steht. Bei weiterer Drehung des 
Rahmens gegen das Empfangsmaximum wird dieser 
Ausschlag beibehalten. 

Bei der Dimensionierung der Geräte ist eine wün- 
schenswerte Forderung: a > b. Durch entsprechende 
Dimensionierung der Antennen oder der Kopplungen 
ist diese Forderung leicht zu erfüllen. 

Nach Gleichung (15) ist a direkt proportional €, 
es ist der Ausschlag des Richtungszeigers eine Funk- 
tion der am Empfangsort herrschenden Feldstärke des 
Peilsenders und damit u. a. eine Funktion der Sender- 
starke und Senderentfernung. Es ist eine unmittel- 
bare Eichung des Richtungszeigers in Graden des 
Rahmendrehwinkels nicht möglich. Sollte aus dem 
Ausschlag unmittelbar die Senderrichtung erkannt 
werden, so müßte, außer den Apparatkonstanten, die 
Feldstärke am Empfangsort bekannt sein. Das Peilen 
ist daher auf eine Nullmetliode zu beschränken, es ist 
der Peilrahmen so lange zu drehen, bis der Richtungs- 
zeiger keinen Ausschlag zeigt, wobei dann aus der 
Rahmenrichtung die Richtung des Senders zu er- 
kennen ist. 

Definiert man als Peilschärfe den Ausschlag des 
Richtungszeigers bei einem Grad Drehung des Peil- 
rahmens aus dem Empfangsminimum, so ist diese 
gleich der Steilheit S der Peilcharakteristik im Punkte 
a=0°. Nach Gleichung (15) ist S bei cos  =1: 


const S = —:;b È (20) 


Die Peilschärfe ist somit durch die Feldstärke am 
Empfangsort und durch die Apparatkonstanten ge- 
geben. 

Betrachtet man für technische Zwecke etwa eine 
Peilschärfe von 0,1 Skt./Grad als minimal zulässigen 
Wert, so ist auch die Reichweite der Peilung gegeben, 
wenn die Apparatkonstanten experimentell ermittelt 
werden und — bei Annahme eines Abnahmegesetzes 
für die Wellenausbreitung — die Stärke des Peil- 
senders bekannt ist. 

Bei Peilungen im Flugzeug, etwa bei Zielflügen, 
wird die Peilschärfe besonders in Nähe des Senders 
rasch zunehmen und unter Umständen so groß wer- 
den, daß eine stetige Korrektur des Flugkurses nach 
den Angaben des Richtungszeigers nicht mehr mög- 
lich ist. In diesem Falle kann durch entsprechende 
Nebenschlüsse zum KRichtungszeiger oder zum Ver- 
stärker die Peilschärfe in zweckmäßigen Grenzen 
gehalten werden. 

Das hauptsächlichste Anwendungsgebiet 
Peilverfahrens liegt 
flügen. 

Bei Flügen gegen den Sender ist & = 90° und 
a=0. Bei einer Abweichung der Flugrichtung ge- 
gen die Senderrichtung um y Grad nach einer Seite, 
z. B. vom Flugzeugführer gesehen im Uhrzeiger- 


dieses 
in der Durchführung von Ziel- 


sinn sei 
ô = 90 +y (21) 
somit nach Gleichung (17) 
const a = — Ẹ sin y (22) 


-o [m a y a y y- -m ' d u En dr 


p a. o o 


ea a. | 


A 


Eu IE M nn Deri 


TN. a 


“zoe ts 


Direktzeigendes funkentelegraphisches Peilverfahren. 


das heißt, der Zeigerausschlag ist nach links (negativ) 
gerichtet. | 

Bei Abweichung des Flugzeuges um w Grad nach 
der anderen Seite, also entgegen dem Uhrzeigersinn, 


ist dann 
ô = 90° — y (23) 
somit 
const a = Ẹsin y, (24) 


der Zeigerausschlag ist nach rechts gerichtet. Weicht 
die Flugrichtung von der. Senderrichtung ab, so läßt 


Bild 7. 
Einbau der ersten Versuchsgeräte in ein Flugzeug. 


sich aus der Richtung des Ausschlages am Richtungs- 
zeiger der Richtungssinn der Abweichung des Flug- 
kurses von der Senderrichtung erkennen. 

Durch einmaligen richtigen Anschluß der Geräte 
wird entsprechend der obigen Annahme festgelegt, 
daß bei voraus liegendem Sender der Zeiger nach 


Bild 8. 
Richtungsanzeiger am Armaturenbrett des Flugzeuges. 


| links ausschlägt, wenn der Sender links von der 


-< zeiger nach rechts ausschlägt, 


Flugrichtung liegt. Der Pilot muß daher Backbord 
fliegen, um wieder in die Senderrichtung zu kommen. 
Dabei wird der Zeigerausschlag immer kleiner und 
endlich zu Null, wenn die Flugrichtung mit der Sen- 
derrichtung übereinstimmt. Wenn der Richtungs- 
gilt entsprechend: 


” Steuerbord fliegen, um zum Sender zu kommen. 


- zeitig achtern, d. h. 90 <w% < 180°, 


Liegt der Sender links vom Flugzeug und gleich- 
so wird nach 
Gleichung (22) « negativ, der Zeiger schlägt links aus. 
Um wieder in Richtung gegen den Sender zu kom- 
men, muß der Pilot backbord fliegen. Dabei zeigt 
sich, daß der Ausschlag erst größer wird, bis der 


143 


Sender genau seitlich von der Flugrichtung liegt 
(w —=90°) und bei weiterer Drehung der Maschine 
kleiner wird, bis bei Nullausschlag der Sender in der 
Flugrichtung liegt. Daraus geht hervor, daß eine 
Seitenbestimmung bei Zielflügen nicht notwendig ist. 
Es genügt die Flugregel: Schlägt der Zeiger des In- 
strumentes nach links aus, so ist backbord zu fliegen, 
und schlägt er nach rechts aus, so ist Steuerbord zu 
fliegen, und zwar stets so lange, bis der Zeiger wie- 
der Null zeigt. 


N 
Beginn des Zielftvge3 


Bild 9. 
Skizze des am 8. V.27 überflogenen Gebietes. 


C. Erprobung der Geräte. 
a) Flugversuche. 


Zur Erprobung der Geräte inı praktischen Flug- 
betrieb wurden von Juni bis August 1927 in der 
Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt, Berlin- 
Adlershof, mehrere Versuche durchgeführt. Den Ein- 
bau der laboratoriumsmäßigen Geräte in eine Jun- 
kers-Maschine F 13 zeigt Bild 7. Auf der Tischfläche 
steht das Umschaltgerät, der Empfänger und Verstär- 
ker. Unter dem Tisch ist ein Röhrengenerator zur 
Erzeugung der Hilfswechselspannung angeordnet. Ein 
Richtungszeiger war in der Kabine angeordnet und 
ein zweiter, in Bild 8 gezeigter Richtungszeiger hing 
vor dem Flugzeugführer. 

Die Rahmenantenne bestand aus zwei blanken 
Drähten, die, vom oberen Ende des Staurohres aus- 
gehend, gegen die Tragflächenenden gespannt waren, 
und, gegen diese isoliert, ins Innere der Tragflächen 


144 


zurückführten. Die Zuleitungen vom Rahmen zum 
Empfänger waren in mit dem Flugzeugkörper leitend 
verbundenen Metallschläuchen geführt. 


Die ungerichtete Antenne bestand aus einer 
Schleppantenne üblicher Art von etwa 14 m Länge. 


Umschaligerätl 


Bmpfänger Uberlagerer a 


Bild 10. 
Vollständiges Peilempfangsgerät. 


Bei den Versuchen wurde sowohl die Peilcharak- 
teristik bei am Boden stehendem Flugzeug, als auch 
im Fluge aufgenommen. Der Hauptwert wurde auf 
die Durchführung von Zielflügen gelegt, wobei der 
Flugzeugführer seinen Kurs lediglich nach den An- 
gaben des Richtungszeigers einstellte. Der überflogene 


© 4 Rahmenlage bei &-0° 


ME BER RR a I BEE 3 


80 90 100° 


— Senderrichlung. 


Bild 11. 


Die Lage des Empfangsrahmens als Funktion der Senderrichtung 
bei Nullausschlag des Dynamometers. 


Weg wurde durch Beobachter in eine Karte eingetra- 
gen. In Bild 9 ist die am 28. 7. 27 überflogene Weg- 
strecke durch einen Pfeil gekennzeichnet. Die Ab- 
weichungen der Flugstrecke von der kürzesten Ver- 
bindungsstrecke zwischen Ausgangspunkt des Flu- 
ges und Peilsender (Rundfunksender Berlin-Witz- 
leben) lassen sich bei Berücksichtigung der Wind- 
abtrift hinreichend erklären. Durch Vergleich der 
Flugzeugrichtung mit der Bahnstrecke Trebbin—Ber- 
lin konnte wiederholt Uebereinstimmung zwischen 
Flugzeuglage und Senderrichtung festgestellt werden. 


Rudolf Hell: Direktzeigendes funkentelegraphisches Peilverfahren. 


Diese Flüge zeigten, daß die Lenkung eines Flug- 
zeuges nach den Angaben des Richtungszeigers ohne 
besondere Mehrbelastung des Flugzeugführers durch- 
führbar ist. Eine Peilschärfe von etwa 16 Sklt./Grad 
erwies sich am günstigsten, um auch noch bei un- 
ruligem Wetter das Flugzeug dauernd nach den An- 
gaben des Richtungszeigers steuern zu können. Die 
Einregulierung der Peilschärfe auf diesen Wert war 
ohne weiteres möglich und erlaubte die Durchführung 
der Zielflüge bis in die nächste Sendernähe. 


b) Laboratoriumsversuche. 


Im Verlaufe weiterer, teilweise nach den Flugver- 
suchen liegenden Untersuchungen wurde besonders 
eine Erhöhung der Peilreichweite angestrebt. \WVäh- 


rend das erste Gerät infolge des verwendeten Tele- 
rx 


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-10 


20° y~ 


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M E E 


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a Bild 12. b 
Peilcharakteristiken. 


phonieempfängers die Peilung des Rundfunksenders 
Berlin bis in etwa 80 km Entfernung mit hinreichen- 
der Peilschärfe ermöglichte, konnte diese durch Ver- 
wendung von Ueberlagerungsempfang wesentlich ge- 
steigert werden. Es ist mit dem in Bild 10 gezeigten 
Gerät möglich, den Deutschlandsender Königswauster- 
hausen in München mit einer Rahmenantenne von 
1 m? Fläche bei einem maximalen Ausschlag des 
Richtungszeigers von 20 Skalenteilen zu peilen. Die 
Entfernung Königswusterhausen — München beträgt 
ca. 500 km. Im allgemeinen kann mit genügender 
Genauigkeit gepeilt werden, solange Telegraphie- 
empfang mit mittlerer Lautstärke möglich ist. 


Mit einer ortsfesten Peilanlage in Riederau am 
Ammersee wurde ein Bootssender mit etwa 1 Watt 
Antennenleistung angepeilt. Das Boot beschrieb in 
ca. 1 km Entfernung von der Peilstation einen Halb- 
kreis um diese. Bild 11 zeigt die Peilergebnisse. Auf 
der Abszisse sind die mit einem Theodoliten beobach- 
teten Winkel zwischen einer Standlinie und der 
Bootsrichtung und auf der Ordinate die Winkel zwi- 
schen der Standlinie und der Senkrechten zur Rah- 


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Pu ee nen Eu W vo s m/n aut 4 T 


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| 
| 


Mitteilungen aus der Praxis. Karl Teucke: Neue Glimmlichtgleichrichter. 


menfläche aufgetragen, wobei der Rahmen stets bis 
zum Nullausschlag des Dynamometers gedreht wurde. 
Die Abweichungen der Meßpunkte von den unter 
45 Grad eingetragenen Linien ergaben die Funk- 
beschickung der Anlage. 

Die Kurven des Bildes 12 zeigen die mit der glei- 
chen Anlage aufgenommenen Peilcharakteristiken. 
Bei deren Aufnahme wurde bei ruhender Senderstelle 
der Peilrahmen gedreht und der Ausschlag des Rich- 
tungszeigers abhängig von der Lage des Peilrahmens 
eingetragen. Die Entfernung zwischen der Sende- 
und Empiangsstelle betrug bei Aufnahme der Kurve 
12a ca. 1000 m und bei Kurve 12b ca. 700 m. Die 
Peilschärfe ist 0,8 bzw. 7 Skt./Grad. 


Zusammenfassung. 

Es wurden Versuche zur direktzeigenden Peilung 
mit zwei gekreuzten Rahmenantennen als Empfangs- 
system durchgeführt. Die Rahmen wurden mit einem 
mechanischen Umschalter bzw. mit einem rotierenden 
Kondensator wechselnd an einem gemeinsamen Emp- 
fänger angeschlossen. Als Richtungszeiger diente ein 
Galvanometer oder ein Dynamometer. 

Auf Grund der Versuchsergebnisse wurde ein 
neues Verfahren entwickelt, welches als Empfangs- 
system die Kombination aus einer Rahrmmenantenne 
und einer ungerichteten Antenne verwendet. Der An- 


145 


ordnung wird eine niederfrequente Wechselspannung 
zugeführt, die die Verwendung eines Dynamometers 
als Richtungszeiger ermöglicht. Durch eine Röhren- 
anordnung, dem „Uimschaltgerät“, wird der Rahmen 
mit periodisch wechselndem Richtungssinn mit der 
ungerichteten Antenne und dem Empfänger gekoppelt. 
Die theoretischen und experimentellen Untersuchun- 
gen zeigen, daß der Ausschlag des Richtungszeigers 
angenähert proportional dem Cosinus des Winkels 
zwischen Peilstrahl und Rahmenfläche und von der 
Feldstärke am Empfangsort und den Apparatkonstan- 
ten abhängig ist. Die Meßmethode wird zweck- 
miäßigerweise auf eine Nullmethode beschränkt. 

Die Ergebnisse der durchgeführten Laboratoriums- 
versuche und Zielflüge zeigen die praktische Brauch- 
barkeit des Verfahrens. 

Es ist mir eine angenehme Pflicht, Herrn Prof. Dr. 
M. Dieckmann für zahlreiche Anregungen bei der 
Durchführung der Arbeit, sowie für die Herstellung 
der Versuchsgeräte in der Werkstätte der Drahtlos- 
telegraphischen und Luftelektrischen Versuchsstation 
in Gräfelfing zu danken. 

Gleichzeitig möchte ich Herrn Prof. Dr. Faß- 
bender, Berlin, für die gewährte Unterstützung bei 
der Durchführung der Flugversuche danken. 


(Eingegangen am 13. November 1928.) 


Mitteilungen aus der Praxis. 
Neue Glimmlichtgleichrichter. 


Von Karl Teucke, Berlin-Schöneberg. 


Mitteilung aus dem Laboratorium der Firma Dr. Georg Seibt, Berlin. 


Hand in Hand mit der Entwicklung der Netz- 
anschlußempfänger, Ladeeinrichtungen usw. geht die 
Entwicklung der Gleichrichterröhren, durch welche 
der dem Netz entnommene Wechselstrom in Gleich- 
strom verwandelt wird. Für diese Zwecke wurden 
bisher zumeist Röhren mit unselbständiger Ent- 
ladung verwendet. Ihre Wirkungsweise ist an sich 
zufriedenstellend. Indessen haben sie den Nachteil, 
daß durch sie die Herstellung des betreffenden Ge- 
rätes verteuert wird, und zwar dadurch, daß es zur 
Heizung der Glühkathode des Gleichrichters erforder- 
lich ist, eine besondere Heizwicklung auf der Sekun- 
därseite des an das Kraftnetz angeschlossenen Trans- 
formators anzubringen. Von dieser Erkenntnis aus- 
gehend ist es an sich ratsam, den Glühkathoden- 
gleichrichter durch eine Röhre mit selbständiger Ent- 
ladung, eine Glimmröhre, zu ersetzen. Die Kompli- 
ziertheit des Glimmentladungsvorganges sowie die 
Unsicherheit in der Konstanthaltung der Röhrendaten, 
insbesondere des Vakuums, haben jedoch zumeist 
einen einwandfreien Betrieb verhindert. 

In dem Laboratorium der Firma Dr. Georg Seibt 
ist nun von Dr. Seibt, unter Mitarbeit von Dipl.- 
Ing. Salomon, eine Glimmgleichrichterröhre ent- 
wickelt worden, die sich seit ihrer Einführung in die 
Praxis aufs beste bewährt hat, und die im folgenden 


in ihrem Grundprinzip und in ihrer Konstruktion be- 
schrieben wird. 


Der unter der Bezeichnung: „Anotron“ be- 
kannten Seibt’schen Glimmgleichrichterröhre lie- 
gen zur Erzielung des eigentlichen Gleichrichter- 
effekts im wesentlichen zwei Erscheinungen zu 
grunde: Das ist einerseits die Tatsache, daß die 
Stromstärke einer selbständigen Entladung bei ge- 
gebener Entladungsspannung der Oberfläche der Ka- 
thode proportional ist, und andererseits die Verschie- 
denheit des Kathodenfalls bei verschiedenen Elek- 
trodenmaterialien. Die Größe der Kathodenober- 
fläche bestimmt somit die Stromstärke der in der 
gewünschten Richtung stattfindenden Entladung, wäh- 
rend von dem Kathodenmaterial im wesentlichen die 
Mindestbrennspannung abhängig ist, bei der eine Ent- 
ladung stattfinden kann. Die Mindestbrennspannung 
ist außerdem noch vom Anodenfall und von dem 
Spannungsverlust in der Gasstrecke abhängig. Ins- 
gesamt stellt sie die Summe: Kathodenfall + Ano- 
denfall + Spannungsverlust in der Gasstrecke dar. 
Die beiden letzteren Größen treten jedoch zahlen- 
mäßig hinter dem Kathodenfall erheblich zurück, so 
daß es vorwiegend nur auf die Herabsetzung des Ka- 
thodenfalls ankommt. Die folgende Tabelle zeigt 


146 


den normalen Kathodenfall an verschiedenen Me- 
tallen, festgestellt an einer Röhre mit Argonfüllung: 


Tabelle 1: 


Metall Kathodenfall Metall Kathodenfall 
Caesium . 59V Zink. . 145 V 
Kalium . . . . . 64 „ Kadmium .145 „ 
Natrium . . . . 71 „, Eisen . 163 , 
Barium. . . . . 983 „ Kupfer . 170 , 
Magnesium 120 „ Gold. . 170 , 
Aluminium 140 „ Platin . 170, 


Die Alkalimetalle weisen somit den niedrigsten 
Kathodenfall auf. 

Der Anodenfall ist für gewöhnlich unabhängig 
vom Material der Anode und besitzt die Größe der 
lonisierungsspannung des Gases, in welchem die Ent- 
ladung stattfindet. Die Zahlenwerte dieser Span- 
nung sind für einige Gasarten in der folgenden Ta- 
belle verzeichnet: 

Tabelle 2: 


lonisierungs- Gas lIonisierungs- 


Gas 


spannung spannung 
Quecksilber . 10,4 V Wasserstoff . 13,6 V 
Argon . 15,1 „ Sauerstoff. 150 » 
Neon . 21,4 „ Stickstoff. . . . 169 „ 


Der Spannungsabfall in der Gasstrecke kann 
ebenfalls, bei geeignet gewählter Konstruktion des 
Elektrodensystems auf einen sehr geringen Wert — 
ca. 10 Volt und noch weniger — herabgedrückt wer- 
den. — Aus den angegebenen Werten ergibt sich so- 
mit beispielsweise bei Verwendung einer Natrium- 
kathode, bei Argonfüllung und bei einem Spannungs- 
verlust von 10 Volt in der Gasstrecke eine Mindest- 
brennspannung von: 71 + 15,1 + 10 Volt, also von 
insgesamt etwa 96 Volt in der Richtung Anode— 
Kathode. In der Richtung Kathode—Anode ist diese 
Mindestbrennspannung, z. B. bei Verwendung einer 
Anode aus Kupfer, etwa 100 Volt höher. Außerdem 
ist in diesem Falle der übergehende Glimmstrom in- 
folge der sehr geringen Anodenoberfläche verschwin- 
dend klein. Allerdings wird die Gleichrichterwir- 
kung, die in dem Unterschied zwischen den Mindest- 
brennspannungen und den beiden verschiedenen 
Richtungen liegt, dadurch etwas herabgesetzt, daß 
sich im praktischen Betriebe in Reihe mit der Ent- 
ladungsstrecke ein Verbraucherwiderstand befindet. 
Dieser bewirkt, daß bei schwachem Strome, also 
beim Fließen in der Richtung Kathode—Anode, eine 
höhere Spannung an den Elektroden des Gleichrich- 
ters liegt, als bei starkem Strome, also beim Fließen 
in der gewünschten Richtung Anode—Kathode. In- 
folgedessen wird die Mindestbrennspannung in der 
ungewünschten Richtung etwas rascher erreicht, als 
man im Hinblick auf den Unterschied der Kathoden- 
fälle in den beiden verschiedenen Richtungen an- 
nehmen müßte. Die dadurch entstehende Vergröße- 
rung des Stromes in Richtung Kathode—Anode ist 
indessen infolge der an sich sehr geringen Größe 
dieses Stromes so gering, daß sie im praktischen 
Betriebe keine Beeinträchtigung des Wirkungsgrades 
der Röhre zur Folge hat. 

Einen Vergleich zwischen den Stromstärken in 
den beiden entgegengesetzten Richtungen der Röhre 
bieten die Kurven I bzw. II der Bilder la bzw. 
lb. Kurve I stellt die Stromspannungsabhängigkeit 
in der gewünschten Richtung Anode— Kathode dar und 
zeigt, daß die bei etwa 100 Volt liegende Entladungs- 


Karl Teucke: 


spannung bei Stromstärken von 0—90 Milliampere 
praktisch genügend konstant ist. In der entgegen- 
gesetzten Richtung Kathode—Anode sind, gemäß 
Kurve II, die Entladungsströme äußerst gering und 
setzen außerdem erst bei einer Spannung ein, die 
bald 200 Volt beträgt. Bei einer Elektrodenspannung 
von 300 Volt beträgt der Entladungsstrom erst 
3 Milliampere. Der Kathodenfall ist bei derartigen 
Spannungen in diesem Falle nicht mehr normal. 


Für die Herstellung der Gleichrichterröhre ist es 
selbstverständlich nicht notwendig, die ganze Kathode 
zur Erzielung eines geringen Kathodenfalls aus einem 
Alkali- oder Erdalkalimetall herzustellen. Es genügt 


I Stromrichtung „Anode - Kathode” 
I ° , Kathode - Anode” 


0 40 20 30 40 50 60 70 80 90 mfimp 


Bild la. Bild 1b. 


Gleichrichtwirkung durch Unterschiede der Oberflächengröße 
der Elektronen. 


vielmehr, nur für die Oberfläche der Kathode ein der- 


 artiges Metall zu nehmen, während deren Kernteil 


aus irgendeinem anderen Metall besteht, das fabrika- 
torisch leicht bearbeitbar und nicht teuer ist, dessen 
Kathodenfall dagegen beliebig hoch sein kann. So 
eignet sich für den Kernteil der Kathode am besten 
Eisen, das zur Getterung mit Caesium, Kalcium, Na- 
trium, Barium oder Magnesium bedeckt wird. Eisen 
gehört zu den Stoffen, an denen das Gettermaterial 


AR 
re Y (E 


Bild 3. 


Amerikanisches Doppelweg- 
Gleichrichterrohr 


besonders gut haftet. Allerdings setzt sich das Getter- 
material außer auf der Kathodenoberfläche auch auf 
der Anode ab. Da diese jedoch infolge ihrer gerin- 
gen Ausdehnung eine relativ starke Strom- und 
Spannungsbelastung aufweist, so wird während des 
Betriebes das (Gettermaterial auf ihr immer von 
neuem verdampft, so daß praktisch nur die Getterung 
der Kathodenfläche wirksam bleibt. 

Die Konstruktion des Elektrodensystems von 
Glimmgleichrichtern weist im wesentlichen eine topf- 
förmige Kathode auf, in deren Inneres die stiftförmige 
— bzw. bei Doppelweggleichrichtern beide Anoden — 
ragt. Die Topfform der Anode bietet einerseits eine 
große Kathodenoberfläche und gibt andererseits die 


a y D , — mn EEE RER, by JOE p f N A mil __ ei —— OT T — 


Mitteilungen aus der Praxis. 


Gewähr für eine gleichmäßige Beteiligung der gan- 
zen Oberfläche am Entladungsvorgang. Das Bild 2 
zeigt im Schnitt ein derartiges System für Einweg- 
gleichrichtung, Bild 3 ein System amerikanischer 
Herkunft für Doppeiweggleichrichtung. Die neuesten 
Elektrodenanordnungen der Seibt’schen „Anotron“- 
Gleichrichterröhren enthalten jedoch noch weitere 
konstruktive Merkmale von wichtiger Bedeutung. 
Zunächst ist die topfförmige Kathode so ausgebildet, 
daß die obere Oeffnung des Topfes durch einen be- 
sonderen Deckel abgeschlossen ist, wobei alle Einzel- 
teile des Systems durch bloßes Aneinanderfügen 
oder Ineinanderstecken zusammengesetzt sind. Bild 4 
zeigt eine derartige Anordnung. Der topfartige Teil 
der Kathode sitzt auf den aus Steatit bestehenden 
Isolierhüllen der Anoden auf, wobei die Ränder der 
im Boden des Topfes befindlichen Oeffnungen, durch 
die die Anoden in das Innere ragen, nach unten um- 
geflanscht sind, so daß sie an der inneren Wandung 
der Isolierhüllen anliegen. Letztere besitzen in ihrem 
unteren Teile eine lichte Weite, die dem Anoden- 
durchmesser gerade entspricht, während die lichte 


d 4. 
Anotron für kleinere Leistungen. 


Weite ihres oberen Teiles wesentlich größer ist. Da- 
durch wird erreicht, daß der Kathodentopf weder 
gegen die Anoden noch gegen deren Isolierhüllen 
verrückbar und somit die Gefahr eines Kurzschlusses 
beseitigt ist. Der die obere Oeffnung des Kathoden- 
topfes abschließende Deckel ist versenkt angebracht, 
sein wagerechter Rand ragt jedoch etwas über den 
oberen Topfrand seitlich hinaus und ist mit einigen 
Oeffnungen versehen, durch die die vom Sockel her 
reichenden Halte- und Zuführungsdrähte gesteckt und 
darauf nach außen umgebogen werden. Die Herstel- 
lung bzw. Montierung eines solchen Elektroden- 
systems ist somit denkbar einfach, gewährleistet aber 
trotzdem größte mechanische Festigkeit. 

Von Wichtigkeit ist ferner die Ausbildung der 
Anoden, die nicht wie bei den Röhren nach Bild 1 
und 2 als kurze Stifte, sondern als verhältnismäßig 
lange Drähte ausgebildet sind. Dieser Maßnahme 
liegt folgende Ueberlegung zugrunde: Im Hinblick auf 
den Spannungsabfall in der Gleichrichterröhre und 
im Verbraucher, ferner im Hinblick darauf, daß bei 
Vollweggleichrichtung die insgesamt zur Verfügung 
stehende Wechselspannung mindestens das Doppelte 
von Verbraucherspannung + Gleichrichterspannung 
betragen muß, muß in der vor dem Gleichrichter lie- 
genden Sekundärspule des primär an das Netz an- 
geschlossenen Transformators eine verhältnismäßig 
hohe Spannung, nämlich bei den üblichen Geräten von 
etwa 400 Volt eff. erzeugt werden. Da nun die bei- 


Neue Glimmlichtgleichrichter. 147 


den Anoden mit den Enden der Sekundärspule ver- 
bunden sind, so folgt, daß zwischen ihnen bei jeder 
Wechselstromperiode Scheitelspannungen bis über 
550 Volt auftreten. Diese hohen Spannungen haben 
eine verhältnismäßig starke lonisierung des ganzen 
Entladungsraumes im Innern der topfförmigen Ka- 
thode zur Folge, und dies bewirkt, daß die Mindest- 
brennspannung, die zur Einleitung einer Entladung 
erforderlich ist, in erheblichem Maße herabgesetzt 
wird. Diese Wirkung tritt um so stärker hervor, je 
länger die Anoden bemessen sind. Man erzielt also 
durch diesen Kunstgriff eine außerordentlich starke 


50 40o 30 20 10 
Bild 5. 


Erhöhung des Wirkungsgrades der Röhre, die beson- 
ders aus Bild 5 deutlich zu ersehen ist. In diesem 
Bild stellt die Kurve a die Strom-Spannungsabhän- 
gigkeit bei einer gewöhnlichen Glimmgleichrichter- 
röhre mit kurzen Anoden dar, die Kurve b den Strom- 
Spannungsverlauf einer Röhre, die gemäß Bild 4 mit 
langen Anoden versehen ist. Man erkennt daraus, 
daß die Gesamtentladungsspannung, die bei der der 
Kurve a zugrunde liegenden Röhre durchschnittlich 
bei etwa 100 Volt liegt, bei den neuen Röhren bis 
auf etwa 15 Volt — bei 3 Milliampere gesunken ist 


b b b b b 
a) a a 


a q 


Bad U. 
Vergleich der Stromkurven eines gewöhnlichen Gleichrichters (a) 
mit einem Doppelweg-Gleichrichter (b) nach Bild 4. 


und im Höchstfalle — nämlich bei 50 Milliampère — 
etwa 65 Volt beträgt. Der Einfluß dieser Wirkung 
auf den Verbraucherstrom ist aus Bild 6 zu ersehen, 
in der die Kurve a sich wieder auf eine gewöhnliche 
Röhre mit kurzen Anoden, die Kurve b sich auf eine 
Röhre der neuen Konstruktion mit langen Anoden 
bezieht. Allerdings hat die lonisierung des Ent- 
ladungsraumes durch die Spannungsdifferenz zwi- 
schen den beiden Anoden auch eine geringe Erhöhung 
des jeweils in der ungewünschten Richtung fließen- 
den Stromes zur Folge, dies tritt jedoch hinter der 
Erhöhung des Wirkungsgrades durch die Herab- 
setzung des Spannungsabfalles in der Glimmröhre ' 
völlig zurück. — Diese „Vor-lonisierung‘“ durch die 
jeweils unbenutzte Anode ist somit in ihrer Wirkung 
ein Analogon zu der Glühkathoden-Entladung, bei der 
ja ebenfalls die Röhrenspannung durch Ausfüllen der 


148 


Entladungsstrecke mit Entladungsteilchen herab- 
gesetzt wird. Nur unterscheidet sich die neue 
Seibt-Glimmröhre von der Glühkathodenröhre da- 
durch, daß keine besonderen Mittel (Heizkreis) zur 
Erzeugung der Vorionisierung erforderlich sind, son- 
dern dies von der ohnehin vorhandenen, im jeweili- 
gen Augenblick unbenutzten 2. Anode bewirkt wird. 


Bild 7. 
Anotron D für größere Leistungen (1000 V. 250 m Amp). 


Für besonders hohe Leistungen ist noch eine wei- 
tere Seibt’sche Glimmröhre entwickelt worden, die 
in Bild 7 dargestellt ist. Ihre wesentlichsten Unter- 
schiede zu den übrigen Typen bestehen, abgesehen 
von den vergrößerten Dimensionen, darin, daß die 
Anoden seitlich in die Kathodenkammer eingeführt 
sind, und daß sich zwischen den Spitzen der Anoden 
eine Scheidewand befindet. Diese hat einerseits den 
Zweck, Bogenentladungen zwischen den Anoden, 
zwischen denen relativ hohe Spannungen auftreten, 
zu verhindern. Gleichzeitig wird durch die Wand die 
wirksame innere Fläche-der Kathode wesentlich ver- 


Patentschau.. 


größert, wenn man, wie dargestellt, außerhalb der 
geraden Verbindung zwischen den Anoden Oeffnun- 
gen in der Wandung anbringt. Die Röhre, die die 
Typenbezeichnung „Anotron D“ besitzt, kann mit 
1000 Volt Spannung bei 250 Milliampere Stromstärke 
belastet werden und ist insbesondere für kleine Sen- 
der, Großlautsprecheranlagen usw. geeignet. 

Die weiteruin von der Firma Seibt hergestell- 
ten Glimmventiltypen sind das Anotron C (mai- 
male Leistung bis 300 Volt und 200 Milliampere) so- 
wie das Anotron B (maximale Leistung bei 200 
Volt und 80 Milliamp£re). Die letztgenannte Type 
ist für die Verwendung in Netzanschlußgeräten be- 
stimmt und dient zur Gewinnung des Anodenstromes. 


Zusammenfassung: 

Es werden die von der Firma Dr. Georg Seibt 
hergestellten Glimmgleichrichterröhren (,Anotron“) 
in ihren physikalischen Grundlagen und in ihrer Kon- 
struktion beschrieben. Ihre wesentlichsten Merkmale 
sind: eine topfförmige und allseitig geschlossene Ka- 
thode, deren Innenfläche durch „Gettern‘“ mit einem 
den Kathodenfall herabsetzenden Material bedeckt ist, 
ferner bei Doppelweggleichrichterröhren zwei län- 
gere, drahtförmige Anoden, von denen jeweils die 
vom Verbraucherstrom unbenutzte infolge ihrer ho- 
hen Spannung gegenüber der anderen Anode eine 
gewisse „Vor-lonisierung‘“ bewirkt, durch die die zur 
Einleitung einer Glimmentladung erforderliche Min- 
destbrennspannung der Gleichrichterröhre erheblich 
herabgesetzt wird. 


Patentschau. 
Von Carl Lübben. 


Kühlung der Eisenteile von Hochfirequenzapparaten. 

D.R.P. 470752, Klasse 21a*, Gruppe 6 (Lorenz), 
Pat. vom 20. September 1925, ausgegeben am 30. 
Januar 1929. f | | 

Die Erfindung betrifft ein Kühlverfahren, das 
hauptsächlich für magnetisch sehr hoch beanspruch- 
tes Eisen in Frage kommt, wie es beispielsweise bei 


Frequenzwandlern oder Tast- bzw. Telephonie- 
drosseln verwendet wird. Bei diesem Verfahren soll 
eine Kühlflüssigkeit oder ein Kühlgas zwangsläufig 
zwischen dem zu kühlenden Eisen und der Wicklung 
hindurchgepreßt werden, so daß das am stärksten 
beanspruchte Eisen vollkommen von der Kühlflüssig- 
keit umspült wird im Gegensatz zu bekannten Ver- 
fahren, bei denen das Oel nur an einzelnen Stellen 
des Eisens durch die Zwischenräume der Wickelung 


hindurchgelangen kann, so daß die Abführung der 
Eisenwärme im wesentlichen durch die Kupfer- 
wickelung hindurch nach außen erfolgt. Bei Hoch- 
frequenz muß man aus praktischen Gründen mit sehr 
hohen Eisentemperaturen (ca. 300 Grad) arbeiten. 
weil das warme Eisen geringere Verluste besitzt und 
die Verringerung der Verluste bei Hochfrequenz mit 
allen Mitteln erstrebt werden muß. Die Wickelung 
dagegen darf wegen ihrer Isolationsbestandteile nur 
einen Bruchteil der hohen Eisentemperatur — höch- 
stens etwa 100 Grad — erhalten. Trotzdem die 
Wickelung so nahe wie möglich am Eisenkern liegt, 
muß durch die zwischen Eisen und Wickelung strö- 
mende Kühlflüssigkeit eine gleichmäßige Wärme- 
abführung erfolgen und die Wärmeübertragung vom 
Eisen auf die Wickelung möglichst verringert werden. 
In Bild 1 ist die Wickelung 3 (Torodit-Spule) auf 
einem Isolationszylinder angeordnet. Im Innern der 
Spule liegt der ringförmige Eisenkern 1, der mit 
einem Kühlkanal umgeben ist. Das Oel wird bei 5 
eingepreßt und tritt bei 6 wieder aus, so daß es den 
durch die Pfeile angedeuteten Verlauf nimmt. 


Piezoelektrische Wellenkontrolle. 
D.R.P. 469 208, Klasse 21a‘, Gruppe 71 (Radio- 
frequenz), Pat. vom 28. November 1925, ausgegeben 
am 6. Dezember 1928. 


A en iii (| Men > m bie |, nn, Finnen ön er "e —_ Aa o re 


Patentschau. 


Erzeugt man durch ein hochfrequentes Wechsel- 
feld in mehr oder weniger evakuiertem Raum an 
einem piezoelektrischen Kristall, so entstehen leuch- 
tende elektrische Ladungen und zugleich niederfre- 
quente elektrische Schwingungen, die wahrscheinlich 
ihre Ursache darin haben, daß die Entladungen nicht 
stetig, sondern intermittierend erfolgen. Erfindungs- 
zemäß sollen diese niederfrequenten Schwingungen 
zur Feststellung der Resonanz zwischen elektrischen 
Schwingungen und den Eigenschwingungen des 
Piezo-Kristalls verwendet werden. Dies kann z. B. 
in der Weise erfolgen, daß mit dem Schwingungs- 
kreis, der den Piezokristall erregt, ein aperiodischer 
Detektorkreis gekoppelt ist, mit dem ein Telephon 
oder Lautsprecher unter Zwischenschaltung eines 
Verstärkers angeschaltet ist. Im Falle der Resonanz 
hört man im Telephon zugleich mit der leuchtenden 
Entladung einen musikalischen Ton. Fine andere 
einfache Anordnung ist folgende: Man bringt in die 
Nähe des Piezokristalls einen Leiter, der mit einer 
Zuleitung des Telephons verbunden ist, während die 
andere Telephonleitung geerdet ist. Man hört dann 
auch ohne Verstärker im Telephon einen Ton, der 
sich durch Verstärker erheblich verstärken läßt. 


Piezogesteuerter Röhrensender. 


Amer. Pat. 1696626 (Crossiy, 30. April 1925). 
Pat. vom 25. Dezember 1928. 

Zur Erzielung konstanter Schwingungen bei einem 
piezogesteuerten Röhrensender soll zur Beseitigung 
von Frequenzschwankungen und zur Vermeidung 


Bild 2. 


einer zu hohen Belastung des Piezokristalles eine 
bestimmte Gittervorspannung hergestellt werden. 
Bei der in Bild 2 dargestellten Anordnung ist zu 
diesem Zweck im Gitterkreis eine Hilfsbatterie B 
unter Vorschaltung einer Hochfrequenzdrossel parallel 


Bild 3. 


zum Piezokristall P geschaltet. Bei der in Bild 3 
dargestellten Anordnung ist ein Widerstand W vor 
die Kathode so geschaltet, daß er sowohl im Gitter- 
als auch im Anodenkreis liegt. 


Piezoelektrische Einrichtung. 
Amer. Pat. 1692074 (Burtes, 21. April 1927). Pat. 
vom 20. November 1928. 
Bei der gewöhnlichen Anordnung von Piezo- 
kristallen zwischen 2 Metallplatten tritt häufig ein 
Sprühen auf, das zur Zerstörung des Kristalles 


149 


führen kann. Dieses Sprühen soll erfindungsgemäß 
dadurch verhindert werden, daß zwischen dem Piezo- 
kristall P (Bild 4) und den Elektroden E eine 
Schutzschicht Z von besonderer Beschaffenheit an- 
geordnet ist. Diese Schutzschicht muß frei von 


r ANANN AAAA TRAAT U W909 9.94% 
PELLER ERREA 


a 


XLT YZI 
Data KALER 


Bild 4. 


A 


organischen Bestandteilen sein, darf die Feuchtigkeit 
nicht aufnehmen und muß einen hohen lsolationswert 
besitzen. Als solche Schutzschicht kann z. B. Wasser- 
glas benutzt werden. 


Piezogesteuerter Röhrensender. 
Brit. Pat. 301510 (Lorenz, 2. Dezember 1927), 
veröffentlicht am 23. Januar 1929. 
Bei Erzeugung höherer Leistungen mit Röhren- 
sendern, die durch Piezokristalle gesteuert werden, 
tritt häufig eine zu hohe Belastung am Piezokristall 


Bild 5. 


auf, die diesen zerstört. Dies soll dadurch verhin- 
dert werden, daß zwei oder mehrere Piezokristalle 
P1 und P2 (Bild 5) gleicher Frequenz hintereinander 
im Gitterkreis eingeschaltet werden. 


Piezogesteuerter Röhrensender. 
Brit. Pat. 301518 (Lorenz, 2. Dezember 1927), 
veröffentlicht am 23. Januar 1929, 
Zur Erzeugung höherer Leistungen 


soll die in 


Bild 6 wiedergegebene Schaltung verwendet werden, 
mehrere Röhren 


bei der kleinerer Leistung in 


gza P 


Bild 6. 


Parallelschaltung zusammenarbeiten. Dadurch soll 
erreicht werden, daß der Piezokristall P eine gerin- 
gere Belastung erfährt, als wenn eine Röhre höherer 
Leistung verwendet würde. 


Piezogesteuerter Röhrensender. 


Amer. Pat. 1688713 (Hund, 10. Mai 1927), Pat. 
vom 23. Oktober 1928. 

Zur Erzeugung hochfrequenter Schwingungen 
mittels eines piezogesteuerten Röhrensenders wird 
die in Bild 7 dargestellte Anordnung vorgeschlagen, 
bei der durch den Piezokristal P eine Kopplung 


150 


zwischen Anodenkreis C, L und Gitterkreis erfolgt. 
Der Piezokristall ist dabei mit dem Anodenkreis 
durch einen Metallring M gekoppelt, der über die 
Spule L gestreift ist. 


Bild 7. 


Wellenfilter mit Piezokristall. 


Brit. Pat. 294177 (Brit. Thomson Houston Co., 
19. Juli 1927), veröffentlicht am 6. September 1928. 


Die gebräuchlichen Wellenfilter, die aus Kombi- 
nationen von Kondensatoren, Selbstinduktionen und 
Widerständen bestehen, haben unerwünschte Dämp- 
fungen. Durch Verwendung von Piezokristallen 
sollen diese wesentlich vermindert und die Eigen- 


C £ l C L Z 
E ME E A 
P P 
E ER HE: ER 
400.8 466.9 
z= je 
P P 
406.70 466.77 


schaften der Wellenfilter verbessert werden. Die 
Bilder 8-11 zeigen einige Ausführungsformen mit 
dem Piezokristall P zwischen beiden Leitern der 
Wellenfilter. 


Piezoelektrisches Resonanzrelais. 


D.R.P. 469 209, Klasse 2la*, Gruppe 71 (Radio- 
frequenz), Pat. vom 8. November 1925, ausgegeben 
am 6. Dezember 1928. 


Erfindungsgemäß sollen die leuchtenden piezo- 
elektrischen Ladungen, die auftreten, wenn ein Piezo- 
kristall in einem evakuierten Behälter erregt wird, 
zur Auslösung der Entladung einer beliebigen anderen 
Gleich- oder Wechselspannung benutzt werden. 
Dazu können in dem piezoelektrischen Felde Hilfs- 
elektroden angeordnet werden, an welchen die aus- 
zulösende Spannung liegt. Die Verhältnisse können 
dabei so gewählt werden, daB durch einen einzigen 
Schwingungsstoß die Entladung der Hilfsspannung 
ausgelöst und nach Aufhören der Piezoschwingungen 
bestehen bleibt, oder derart, daß die Entladung der 
Hilfsspannung nur so lange bestehen bleibt, als die 
Kristallschwingungen anhalten. Die Anordnung kann 
auch dazu verwendet werden, eine leuchtende Ent- 
ladung herbeizuführen, die an sich infolge zu geringer 
Spannung am Piezokristall nicht auftreten würde. 
Unter Umständen können die Hilfselektroden auch 
ganz entbehrt werden, indem zwischen den Elek- 
troden selbst durch das Hinzukommen der piezo- 
elektrischen Spannungen Entladungen ausgelöst 
werden. 


Patentschau. 


Fading-Beseitigung. 
Brit. Pat. 301 326, 310070 (Telefunken, 24. No- 
vember 1927), veröffentlicht am 16., 23. Januar 1929. 
Zur Fading-Beseitigung sollen zwei Wellen aus- 
gesendet werden, die durch zwei Röhrensender R1 


Bild 12. 
und R2 (Bild 12) erzeugt werden. 


Durch eine Wech- 
selstrom-Hilfsquelle H werden die Gitter beider 
Röhren gegenphasig gesteuert, so daß immer nur eine 
Röhre in Tätigkeit ist und mit der Frequenz der 
Hilfsstromquelle H wechselnd die beiden Hochfre- 
quenzen ausgesendet werden. 


Kurzwellen-Röhrensender. 

D.R.P. 470068, Klasse 21a‘, Gruppe 9 (Schotel, 
Haag), Pat. vom 26. November 1925, holländische 
Priorität vom 25. September 1925, ausgegeben am 
8. Januar 1929. 

Zur Erzeugung sehr kurzer Wellen sollen zwei 
oder mehr Kreise sehr fest miteinander gekoppelt 
und in den Gitter- oder Anodenkreis einer Röhre ein- 


Bild 14. 


un 


Bild 13. 


+ 


Bild 15. 


In Bild 13 ist eine einfache der- 
Die enge Koppelung 


geschaltet werden. 
artige Anordnung dargestellt. 
zwischen Anodenkreis und Antennenkreis erfolgt 
durch die gemeinschaftliche Spule L. Das Ersatz- 
Schema einer solchen Anordnung zeigt Bild 14. Bei 
einem Uebersetzungsverhältnis von 1:1 des Trans- 
formators L sind die Eigenfrequenzen annähernd 


1 1 
Tayo, * 2n VLO 
Gemäß der Erfindung wird dafür Sorge getragen, 
daß die Frequenz v, unterdrückt wird, während die 


vi 


Patentschau. 


andere Frequenz », ausgenutzt wird. Im Falle 


. eines Uebersetzungsverhältnisses von 1:1 kann der 
- Kopplungstransformator L auch fortgelassen werden, 


so daß sich die in Bild 15 dargestellte Anordnung 


ergibt. 


7 


I 


Hochfirequenzbehandlung von Stoffen. 


Brit. Pat. 301 929, 301930 (Esau. Lorenz, 8. De- 
zember 1927), veröffentlicht am 30. Januar 1929, 


Zur Behandlung von Stoffen zwecks Einleitung 
bestimmter chemischer Reaktionen, zur Staub- 
befreiung u. dgl. mittels sehr kurzer elektrischer 
Wellen von 10 Meter und darunter werden die in 


L 


Bild 16. 


Bild 17. 


Bild 15 und 16 dargestellten Schaltungen vorge- 
schlagen. Bei der in Bild 15 wiedergegebenen 
Schaltung wird eine im Anodenkreis zwischen 
Anode und Gitter liegende Spule L zur Erzeugung 
des Hochfrequenzfeldes benutzt, während bei der in 
Bild 16 dargestellten Anordnung ein Kondensator D 
zur Erzeugung des Hochfrequenzfeldes dient. 


Modulationsschaltung 
für fremderregte Telephoniesender. 


D.R.P. 470 322, Klasse 2l1a*, Gruppe 15 (Schäffer), 
Pat. vom 4. Juli 1926, ausgegeben am 18. Jan. 1929. 


Die Erfindung betrifft eine für fremderregte Sen- 
der geeignete Modulationsschaltung, bei der die 
Gefahr der Sekundärstrahlung vermieden ist, die 
besonders bei wassergekühlten Schwingungsröhren 
leicht auftritt, wenn bei der Gittergleichstrombeein- 
flussung der Widerstand des Gittergleichstromweges 
groß ist. Erfindungsgemäß sind, wie bei der Gitter- 


Bild 18. 


gleichstromtelephonie, zwischen Gitter und Katlıode 
der Hauptröhre zwei Wege vorgesehen, der eine für 
den Gitterwechselstrom, der andere für den Gitter- 
gleichstrom. In Bild 17 liegt zwischen Gitter und 
Kathode der Hauptröhre H der Hochfrequenzweg, 
der durch den Blockkondensator £ und die Spule 5 
gebildet wird. Ferner liegt zwischen Giter und Ka- 
thode dieser Röhre der Gittergleichstromweg, der 
über die Drossel 7, Modulationstransformator 2 und 
Batterie 3 verläuft. Der Primärwicklung des Modu- 


151 


lationstransformators wird die Modulationsspannung 
von irgendeiner Verstärkereinrichtung zugeführt. 


Tasteinrichtung. 


Brit. Pat. 299 151 (Siemens Brothers, 8. Septem- 
ber 1927), veröffentlicht am 25. Oktober 1928. 


Das Tasten bei Röhrensender durch Unterbrechen 
des Gitterkreises soll in besonderer Weise vorge- 
nommen werden. Zur Verwendung kommt eine be- 
sondere Tastvorrichtung, die zeitlich nacheinander 
drei Kontakte öffnet bzw. schließt. Der Schaltvor- 


Bild 19. 


gang ist aus Bild 18 ersichtlich. Es wird zuerst der 
Kontakt 1, dann der Kontakt 2 geschlossen, der eine 
kapazitive Verbindung mit dem Gitter herstellt, und 
zuletzt wird der Kontakt 3 geschlossen, der den 
Widerstand W im Gitterkreis einschaltet. Beim 
Oeffnen geht der Schaltvorgang umgekehrt vor sich, 
d. h. er wird zuerst 3, dann 2 und dann 1 geöffnet. 


Binaurale Uebertragung. 
Brit. Pat. 302179 (Marconi, 8. Dezember 1927), 


veröffentlicht am 6. Februar 1929. 
ai 


l MG 
Zur binauralen Uebertragung auf drahtlosem 
Wege soll die in Bild 19 wiedergegebene Sende- 
schaltung und die in Bild 20 dargestellte Empfangs- 
schaltung benutzt werden. Die von den getrennten 


43 


Bild 20. 


02 
l7 


4 Dz 
fy 
Bild 21. 


Mikrophonen Z und R aufgenommenen Darbietungen 
gelangen zu den Modulatoren, die von einem Hilfs- 
sender O gespeist werden. Durch das Filter F, wird 
das obere Seitenband, durch das Filter F, das untere 
Seitenband ausgesiebt und diese Bänder zur Modu- 


152 


lation eines Röhrensenders benutzt, der durch die 
Hochfrequenzquelle O, gespeist wird. Nach Unter- 
arückung eines Seitenbandes und der Trägerwelle 
wird das eine Seitenband ausgestrahlt. Am Emp- 
finger erfolgt zunächst eine Ueberlagerung durch die 
mittels des Senders O, erzeugte Hochfrequenz. Nach 
Verstärkung durch V werden durch die Filter F, und 
F, die richtigen Seitenbänder ausgesiebt und ge- 
trennt den Gleichrichtern D, und D, zugeführt. Die 
gleichgerichteten Ströme werden getrennt zu Gehör 
gebracht. 


Anordnung zur Betätigung eines Relais. 


D.R.P. 470 143, Klasse 21a‘, Gruppe 27 (Marconi), 
Pat. vom 28. September 1921, britische Priorität vom 
12. Oktober 1920, ausgegeben am 11. Januar 1929. 


Die Erfindung betrifft eine Anordnung zur Be- 
tätigung eines Relais bei Aenderung der Frequenz 
von auftreffenden elektrischen Schwingungen. In 
zwei Kreisen A und B (Bild 21) werden durch irgend- 
eine bekannte Einrichtung Schwingungen von der 
gleichen Frequenz erregt und aufrechterhalten. 


Bild 22. 


Beide Kreise sind mit den Spulen D verbunden, die in 
cinem Gitterkreis einer Röhre derart eingeschaltet 
sind, daß bei Abstimmung der beiden Kreise die im 
Gitterkreis induzierten Spannungen sich ganz oder 
nahezu aufheben. Sobald eine Verstimmung eines 
der Kreise auftritt, ist die Kompensation gestört. Die 
dadyrch auftretenden Aenderungen des Anoden- 
stromes können zur Betätigung eines Relais ver- 
wendet werden. 


| Bildübertragung. 

D.R.P. 470 384, Klasse 21a!, Gruppe 32 (Marconi), 
Pat. vom 20. Januar 1926, britische Priorität vom 
3. Juni 1925, ausgegeben am 12. Januar 1929. 

Die Erfindung betrifft eine Einrichtung zur draht- 
losen Bildübertragung, bei der am Sender durch eine 


Bild 23. 


lichtelektrische Zelle eine Frequenzmodulation statt- 
findet, während am Empfänger durch eine Begren- 
zungsvorrichtung die Amplitude aller empfangenen 
Frequenzen zunächst auf einen gemeinsamen Wert 
verringert wird, um Fadingstörungen zu beseitigen. 
und danach Spannungsdifferenzen erzeugt werden, 
die den verschiedenen Frequenzen entsprechen. 
Bild 22 zeigt die Sendevorrichtung mit der lichtelek- 
trischen Zelle P, dem Verstärker A und der Modu- 


Patentschau. 


lationsröhre F. Im Anodenkreis der Modulations- 
röhre liegt eine Kopplungsspule K, die mit dem Sen- 
der M gekoppelt ist. Die Spannungsänderungen 
zwischen Gitter und Katlıode der Modulationsröhre 
F verursachen Aenderungen des Anodenstromes, die 
entsprechende Frequenzänderungen am Sender M 
hervorrufen. Durch geeignete Einstellung der Kopp- 
lung bei richtiger Einstellung der Senderöhre kann 
eine lineare Beziehung zwischen der auf die Licht- 
zelle fallende Lichtstärke und der Frequenz der aus- 
gestrahlten Wellen erhalten werden. Bild 23 zeigt 
die Empfangsvorrichtungen. Die empfangenen hoch- 
frequenten Ströme werden durch die Begrenzungs- 


Bild 24, 


vorrichtung B zunächst auf eine gemeinsame Stärke 
vermindert. Sie gelangen danach zur Röhre D, in 
dessen Anodenkreis die Spule L von geringem Wider- 
stand liegt. An dieser treten je nach der Frequenz 
Spannungsdifferenzen auf, die der Frequenz des an- 


kommenden Signals proportional sind und nach 
Gleichrichtung durch die Röhre R einem Nieder- 
frequenzfilter S zugeführt werden, das die hoch- 
frequenten Komponenten aussiebt. Der übrigblei- 


bende Gleichstrom kann dann in bekannter Weise zur 
Lichtsteuerung benutzt werden. 


Fernübertragung von Bildern. 

D.R.P. 469490, Klasse 21a!, Gruppe 32 (Baker, 
Watson, London), Pat. vom 11. Dezember 1925, bri- 
tische Priorität vom 11. Dezember 1924, ausgegeben 
am 13. Dezember 1928. 

Bei der Fernübertragung von Bildern verwendet 
man zur Erzielung des Gleichlaufes der beim Sender 


Bild 25. 
und Empfänger umlaufenden Trommeln Pendel. die 


auf elektro-magnetische Stillsetzungseinrichtungen 
wirken. Bei den bekannten Einrichtungen wird das 
Pendel durch die Kontaktberührung in der mittleren 
Durchgangslage nicht unerheblich gebremst, so daß 


~“. zur 


Referate. 


— e e DENE a a a e a e A e e agree Cm 


zur Aufhebung dieser Dämpfungswirkung besondere 
Hilfsmittel erforderlich sind. Um diesen Nachteil zu 
beseitigen, soll erfindungsgemäß mit dem Pendel ein 
elastischer Arm verbunden sein, der am Ende eines 
jeden Vollpendelausschlages einen Kontaktschluß 
herbeiführt. Eine solche Anordnung zeigt die Ab- 
bildung 24. Der biegsame Federkontakt f tritt hier- 
bei an die Stelle besonderer Dämpfungsregelungs- 
mittel, indem er die ihm zu Anfang der Pendelschwin- 
gung erteilte Kraft aufspeichert, und sie nach Voll- 
endung der Schwingung wieder abgibt. 


Herstellung von Oxydkathoden. 


D.R.P. 470 421, Klasse 21g, Gruppe 13 (Philipps, 
Holland), Pat. vom 29. Juni 1924, Holländische Pri- 
orität vom 18. Februar 1924, ausgegeben am 21. Ja- 
nuar 1929. 


Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstel- 
lung von Oxydkathoden. Auf einem Körper, dessen 
Oberfläche mindestens zum Teil aus einem Oxyd 
eines oder mehrerer Metalle besteht, die mit Erd- 
alkalimetall legierbar sind, wird erfindungsgemäß 
eine Schicht aus einem oder mehreren Erdalkalimetall 
aufgebracht. Der Körper wird dann in einer nicht- 
oxydierenden Atmosphäre derart erhitzt, daß das auf- 
gebrachte Erdalkalimetall schmilzt. Danach soll das 
Erdalkalimetall mindestens teilweise oxydiert wer- 
den. Sehr gute Ergebnisse sollen erzielt werden, 
wenn mindestens ein Teil der Oberfläche des Körpers 
aus Kupferoxyd besteht. 


Referate. ur 


Pierre David. Ueber Superregeneration. 
(Les super-r&actions.) L’onde &lectr., 7, S. 217—259, 
1928, Heft 78. 


Verfasser definiert zunächst den Begriff der Super- 
regeneration (Super-r&eaction, superregeneration oder 
Ueberrückkopplung, Pendelrückkopplung) folgender- 
maßen. Verwendet man in einem Rölrrenempfänger 
irgendeine Art von Rückkopplung, so wird dadurch 
in den Empfangskreis ein „Gegenwiderstand“ ein- 
geführt, der den natürlichen Kreiswiderstand ver- 
mindert. Man regelt diese Rückkopplung gewöhnlich 
auf einen Wert des Kreiswiderstandes, der möglichst 
nahe bei Null liegt, läßt sie jedoch unverändert, so 
daß der Widerstand konstant bleibt. Bei „Super- 
regeneration“ bleibt der Kreiswiderstand nicht kon- 
stant, sondern ändert seinen Wert als periodische 
Funktion der Zeit zwischen positiven und negativen 
Werten. 


Es werden zum Verständnis der Vorgänge vorerst 
drei Fälle betrachtet, in denen der Widerstand eines 
Kreises konstant bleibt und einmal positiven, dann 
negativen und schließlich den Wert Null besitzt. Ein 
Zahlenbeispiel dient für die gesamte folgende Arbeit 
Erläuterung der Einzelheiten. Es wird an- 


153 


Die neuen deutschen Hochfrequenz-Patente 


Klasse Aus- 
Nr. und gabe- Inhalt 
Gruppe tag 
469 082 21c/22 3. 12. 28. Mehrfachschaltstecker 
*469208 | 2la1/71 | 6.12.28 Piezoelektrischer Frequenzmesser 
*469 209 | 21a?/71 | 6.12.28 | Piezoelektrisches Resonanzrelais 
469 247 | 21h/18 | 7.12.28 | Spulenkühlung für Induktlonsöfen 
469 339 | 21g/4 15.12.28 | Relais 
469 389 | 21a1/29 |10. 12.28 | Röhrenempfänger 
469439 | 21a2/36 | 12.12.28 | Verstärkerschaltung 
469471 | 2124/48 |14.12.28 | Ortsbestimmung 
#169 490 | 21al/32 |13. 12. 28 | Bildübertragung] 


469595| 21g/13 |17.12.28 | Röhre mit mehreren Anoden 


469 874 | 21a1/6 9.1.29 | Frequenzvervielfachung 
469914 | 21a4/74 |28.12.28| Kopplungseinrichtung 
469 982 | 21g/11 2.1.29 | Gleichrichter 
*470 068 | 21a1/9 8.1.29 | Kurzwellen-Röhrensender 
470069 | 21a4/72 | 5.1.29 | Schalter 
*470143| 21a4/27 | 11.1.29 | Relaisvorrichtung 
470 187 | 21g/31 7.1.29 , Magnetische Legierung 
470 280 | 21a/72 | 14.1.29 | Kopfhöreranschluß 
*470 322 | 21a4/15 | 18.1.29 | Modulationsschaltung 
*470 384 | 21at/32 | 12.1.29 | Bildübertragung 
*470 421 | 21g/13 | 21.1.29 | Herstellung von Oxydkathoden 
470 594 | 21a2/l 22. 1.29 | Lautsprecher 
470 595 | 21a4/58 | 26.1.29 | Störbefrelung auf Fahrzeugen 
*470 752| 2lat/6 | 30.1.29 | Kühlung von: Eisenteilen bei 
Hochfrequenzgeräten 
470 753 | 21at/16 | 26.1.29 | Tasten von Röhrensendern 
470755 | 21c/63 | 31.1.29 | Frequenzregler. 
470758 | 2lg/Il | 26.1.29 | Fester Gleichrichter 
470805 | 21c/46 | 31.1.29 | Synchronisierungs-Einrichtung 
470033 | 21c/22 | 26.1.29 | Steckerbuchse 


Die mit * bezeichneten Patente sind in diesem Heft aus- 
führlich referiert. 


Ze 
arran) 
genommen: Wellenlänge 50 m.  Selbstinduktion 
5.10° cm. Natürlicher Widerstand etwa 10 Ohm. 


Nimmt man an, daß auf den Kreis eine EMK von 
der Form Z.sinwf wirkt, wobei das » der Eigen- 
frequenz des Kreises entsprechen soll, weiterhin daß 
R klein gegen wL ist, und daß die lokalen Schwin- 
gungen in Phase mit der erregenden EMK sind, so 
ergibt das Integral der Differentialgleichung: 


d’i di U 
L ae T R- E wE cos wt 


j R 
> L (sin at—e SAL sin W r) 
k 
í R 
u=-0_L „(eos ot—e (37): cos ot) 


Letzterer Ausdruck stellt die Ueberlagerung des 
Stromes im stationären Gebiet und im vorüber- 
gehenden dar. Der Fall für positives R ist bekannt 
als der klassische Fall der gedämpften Schwingung. 
Die Zeitkonstante des Kreises wird als die Zeit defi- 
niert, die vergelit, bis der Strom zwei Drittel seines 


154 


Maximalwertes erreicht. Das Zahlenbeispiel ergibt 


folgende Tabelle: 


Stationäres Gebiet Zeitkons tante 
Widerstand Klemmen- Anzahl der 
Strom spannung Sekunden Schwingungen 
10 Ohm| E/I0 | 6xE 10-6] 6 
5 n E/5 12zE 2.5 12 
1 i E 600x E 10. ,, 60 
02 ,„ 5E 300rE 50. „ 300 
01 , 10 E 600 xE 100. , 600 
0.01 „ | 100 ÈE 6000 x E | 1000. „ 6000 


Für den Fall, daß R negativ ist, hat die Formel 
ebenfalls Geltung. Der Exponentialausdruck wächst 
mit der Zeit und wird sehr rasch überwiegend. Da 
die Größe des negativen Widerstandes sehr bald 
durch die Leistungsfähigkeit der Energiequelle be- 
grenzt wird, ist das Wachsen der Amplituden eben- 
falls begrenzt. Es ergibt sich, wenn eine EMK in 
den Zeitpunkt ?=0 auf den in Ruhe befindlichen 
Kreis zu wirken beginnt, für verschiedene Werte des 
negativen Widerstandes folgende Tabelle: 


Amplitude des Exponentlalgliedes e 2Z für 


Zeit 
R = —1 Ohm — § Ohm — 20 Ohm 
10—6 sec 1,1 1,65 7,4 
5.10—6 1,65 12,2 2.104 
10—5 , 2,7 150 5.108 
2.10—5 ,„ 7,4 2.104 25.1016 


Für den Fall, daß der Kreiswiderstand 0 wird, geht 
die Differentialgleichung über in 


di i 
Lyp toT E o cos w t 
deren Integral ist 


1 t-sin wt, daraus u= o-t-sinwi 


2L 

Das stationäre Gebiet liegt bei unendlich großen 
Amplitudenwerten, aber auch die Zeit, in der der 
stationäre Zustand erreicht wird, ist unendlich. Das 
Anwachsen des Stromes ist nicht mehr durch den 
Widerstand des Kreises, sondern durch seine Selbst- 
induktion begrenzt. Wird das Zahlenbeispiel für 
R = 0 und dann auch noch für kleine Werte von R 
durchgerechnet, indem man den Exponentialausdruck 
in Reihen entwickelt und Glieder höherer Ordnung 
vernachlässigt, so ergibt sich folgende Tabelle, die 
zeigt, in welchem Grade kleine Werte von R ver- 
nachlässigt werden können. 


Wider Soma nn S annungs 
. p > 
"Zeit stand 1 PS 2: Se maximum 
Ba ¿| Summe 
R 2L 8 L2 u 
10-6sec O0 E/1O 0 E/10 6rE 
10-5 „ 0 E 0 E 607E 
10-4 „ 0 10.E 0 10. E 600 x E 
10-3 „ 0 100.E 0 100.E | 6000x E 
10-6 „ 0,1 Ohm E/iO — E/10 6x E 
10—5 | E E/20 SE 572 E 
2.105 ,„ a 2.E E/S 1,8 E 108 xz E 
10-6 „| 1 Ohm! Z/IlO — EJ10 6a E 
5.10—6 „ P E/2 E/8 0,38 E 2 aE 
10—5 , A E E/2 0,5 E Iar E 


Referate. 


Die Empfindlichkeit eines Kreises ohne Wider- 
stand ist unendlich. Bei endlicher Betrachtungsdauer 
wird die Größe der Endamplitude durch die Selbst- 
induktion bestimmt. Wirkt eine EMK nur sehr kurze 
Zeit auf einen Kreis, so bleiben kleine Widerstands- 
werte ohne nennenswerten Einfluß. In Praxis kann 
man bei Betrachtung von Zeitabschnitten, die kleiner 
als 10” sec sind, jeden Widerstand, dessen Absolut- 
wert kleiner als 0,1 Ohm ist, als 0 betrachten. Davon 
wird im weiteren Gebrauch gemacht. 


Für den Fall, daß der Kreiswiderstand eine variable 
Funktion der Zeit wird, geht die Differentialgleichung 
über in 


di di ) ù 
Læt On Te» FE cos w t. 


Diese Gleichung ist nur noch sehr schwer und unter 
gewissen Voraussetzungen zu lösen. Da sie das 
Problem nicht einmal völlig erfaßt, weil nämlich R 
auch noch eine Funktion des Stromes (bei Erreichung 
der Röhrensättigung) wird, so verzichtet der Ver- 
fasser auf die außerordentlich schwierige mathema- 
tische Behandlung des Problems und beschränkt sich 
auf eine qualitative Analyse der Vorgänge, die für die 
vorliegende Arbeit völlig ausreichend ist. 


Im folgenden wird an der Hand der Differential- 
gleichung für den Schwingungskreis der Einfluß der 
einzelnen Faktoren diskutiert. Weder EMK noch 
Widerstand ändern die Eigenfrequenz nennenswert, 
sondern beeinflussen fast auschließlich die Amplitude. 
Ist die Frequenz der Widerstandsänderung größer als 
die Eigenfrequenz des Kreises, so ist ihr Einfluß zu 
vernachlässigen; ist sie kleiner, so bewirkt sie gleich- 
sinnige Amplitudenschwankungen. R kann ohne 
großen Fehler für ein oder mehrere aufeinander- 
folgende Perioden durch seinen Mittelwert ersetzt 
werden. 

Angewendet auf den Fall der Superregeneration. 
werden die im vorhergehenden gemachten Betrach- 


tungen benutzt, um die Vorgänge in einem Kreis, 
dessen Widerstand abwechselnd positiv und negativ 
ist, im einzelnen zu analysieren. Für sein Zahlen- 
beispiel nimmt der Verfasser eine unhörbare „Modu- 
lations“-frequenz von 10000 Perioden an. Die 
Variation des Widerstandes soll ungefähr dem Sinus- 
gesetz folgen. Siehe Bild 1, I. Die Schwingungs- 
amplituden sollen so klein bleiben, daß die gerad- 
linigen Teile der Charakteristik nicht überschritten 
werden. Ersetzt man R während einiger Perioden 
durch seinen Mittelwert, so erhält man die treppen- 
förmige Kurve Il. Im Zahlenbeispiel wird die Modu- 
lationsperiode in 20 Elemente von 5.10~° sec zerlegt. 
Als Ausgangspunkt der Betrachtung gilt der Moment, 


-— om „JE, „An a np SE 


PL re ng a 


Referate. 


in dem der Widerstand sein positives Maximum er- 
reicht hat. In diesem Zeitpunkt befinde sich der 
Kreis in Ruhe, und eine EMK =E sin w t beginne auf 
ihn zu wirken. 


Tabelle I zeigt, daß der Strom bei dem ange- 
nommenen Widerstand von 10 Ohm den stationären 


E 
Anıplitudenwert 10 ereicht. Die Spannung an den 


Klemmen ist 6 n E und die Zeitkonstante 10°. Der 
angenommene Abschnitt 1—2 ist fünfmal so groß, so 
daß das stationäre Gebiet praktisch erreicht wird. 
Sinngemäß gilt das gleiche von den folgenden Ab- 
schnitten, in denen der Widerstand immer noch 
mehrere Ohm beträgt. Im Abschnitt 4—5 ist der 
Widerstand etwa 4 Ohm und die Zeitkonstante gleich 
der Dauer des Abschnittes, so daß der stationäre 
Wert von 20 x E nicht völlig erreicht werden dürfte. 
In den Intervallen 5—7 wird der Widerstand kleiner 
als ein Ohm. Sein Vorzeichen spielt, wie oben er- 
wähnt, keine Rolle. Er kann vernachlässigt werden, 
und die Selbstinduktion des Kreises begrenzt das An- 
wachsen der Schwingungen. Die Zunahme der 
Spannung während dieser Zeit dürfte etwa 30 a E 
betragen, so daß die Gesamtspannung im Augenblick 
7 etwa zwischen 30 und 50 z E liegen wird. 


Das Anwachsen der Schwingungen ist wegen der 
geringen Zeit, in der der Widerstand praktisch © ist, 
nur sehr gering. Die so erhaltene Verstärkung ist 
bedeutend kleiner als die, die man mit einem nor- 
malen Rückkoppelungsempfänger erhalten kann, denn 
bei einer Schwebungszahl von etwa 1000 kann man 
bei Telegraphieempfang an den Klemmen des Schwin- 
gungskreises eines solchen Spannungen von der 
Größenordnung von 3000 z E erhalten. Ist E sehr 
klein, so ist die im Moment 7 erreichte Spannung 
sicher so klein, daß die Voraussetzung zu Recht be- 
steht, daß bis zu diesem Augenblick der Arbeitspunkt 
auf der Charakteristik keine nennenswerte Verschie- 
bung erleidet. 

Sobald der negative Widerstand des Kreises nicht 
mehr vernachlässigbar ist, gewinnt er entscheidenden 
Finfluß, da er das Anwachsen der freien Schwin- 
gungen begrenzt. Der stationäre Zustand und der 
Einfluß des ankommenden Zeichens wird sehr rasch 
vernachlässigbar. In vorliegendem Beispiel geschieht 
das etwa zu Beginn des Abschnittes 7—8, in dem der 
negative Widerstand den Wert von etwa 3 Ohm er- 
reicht. Tabelle II zeigt, daß der Amplitudenwert in 
diesem Abschnitt auf etwa das 4--5fache steigt. 


Sinngemäß gilt das gleiche für die Abschnitte 8 
bis 16, in denen die Amplituden jeweils mit zunächst 
wachsenden, dann wieder auf 1 zurückgehenden 
Faktoren multipliziert werden. Nimmt man an, daß 
die Endamplitude, die in dem Augenblick, in dem die 
Widerstandskurve den Wert O passiert, erreicht wird, 
noch genügend klein bleibt, so daß die Krümmung 
der Charakteristik keinen Einfluß hat, so ergibt sich, 
daß sie der anregenden EMK proportional ist, da die 
erzwungenen Schwingungen im Augenblick 7 ihnen 
ja auch proportional waren. 

Der Verfasser diskutiert dann den Fall, in dem dic 
Amplitude der freien Schwingungen einen solchen 
Wert erreicht, daß die Röhre übersteuert wird. So- 
bald der Kreiswiderstand nicht mehr allein eine 
Funktion der Zeit, sondern auch eine Funktion der 


155 


Amplitude geworden ist, weicht sein Verlauf von der 
zuvor angenommenen sinusförmigen Kurve ab. Zur 
quantitativen Untersuchung müßte man die Funktion 
des Widerstandes in Abhängigkeit von der Ampli- 
tude kennen. Da dies nicht der Fall ist, beschränkt 
sich der Verfasser darauf, die Widerstandskurve in 
den in Betracht kommenden Teilen auf Grund nähe- 
rungsweiser Annahmen zu korrigieren. Die Maximal- 
amplitude hängt dann nicht mehr allein von der ein- 
fallenden Feldstärke ab und ist ihr nicht mehr pro- 
portional. Es kann sogar ein Moment erreicht 
werden, in dem bei voller Sättigung der Röhre jede 
Aenderung der Zeichenstärke keine Vermehrung der 
Amplitude der freien Schwingungen, also auch nicht 
der Endlautstärke bewirkt. Man kann also entweder 
eine Verstärkung erhalten, die der Zeichenstärke 
proportional bleibt, also auch einer eventuell vor- 
handenen Modulation, oder eine durch die Leistung 
der Röhre begrenzte Verstärkung, die praktisch auch 
bei kräftigen Feldstärkenschwankungen gleichmäßig 
bleibt, wenn eine bestimmte Grenze nicht unter- 
schritten wird. 

Diese Folgerungen des Verfassers sind meiner 
Meinung nach bei Verwendung eines integrierenden 
Detektors nicht ganz zutreffend. Die Amplituden- 
kurve umfaßt in ihrem ersten Teil entsprechend den 
verschiedenen einfallenden Feldstärken stets ver- 
schiedene Flächen. Es ändert sich also nur die Größe 
des Proportionalitätsfaktors, wenn auch in sehr 
weiten Grenzen. 

Wird der Widerstand wieder positiv, so klingen 
in dem nunmehr gedämpften Schwingungskreis die 
Schwingungen fortlaufend ab. Tabelle II kann zur 
Erörterung dieses Falles ebenfalls angewendet 
werden, wenn das Vorzeichen von R umgekehrt wird. 
Würde die Aenderung des Widerstandes absolut 
symmetrisch verlaufen, so würden die Schwingungen 
genau so abklingen, wie sie vorher zunahmen, und 
ebenso lange anhalten. Ist der positive Widerstand 
im Mittel etwas größer oder langdauernder als der 
negative, so klingen die Schwingungen schneller ab. 
Es ist wichtig, die Restamplitude der freien Schwin- 


gungen im Augenblick des Beginnens der neuen 
Periode zu kennen, ein Umstand, den angeblich 
frühere Autoren übersehen haben. 

Der Verfasser unterscheidet nun verschiedene 


Hauptfälle. Fall a): Der positive Widerstand ist ge- 
nügend groß, so daß die Restamplitude im Vergleich 
zur Signalstärke völlig vernachlässigt werden kann. 
Jede Modulationsperiode kann für sich unabhängig 
betrachtet werden. Fall b): Ist der positive Wider- 
stand zu klein oder zu kurz dauernd, so klingen die 
Schwingungen nicht völlig ab und besitzen zu Beginn 
der folgenden Periode Amplituden von etwa gleicher 
Größenordnung wie die erzwungenen Schwingungen 
des Zeichens. Beide Schwingungen überlagern sich 
und man erhält ein neuartiges stroboskopisches 
Phänomen. Stimmen die Anzahl der Schwingungen, 
die der Empfangskreis während der Dauer der 
Modulationsperiode ausführte, genau mit der Anzalıl 
der Schwingungen der einfallenden EMK überein, so 
verstärken sich Restschwingung und einfallende, bis 
schließlich der Fall der Röhrensättigung eintritt. Der 
allgemeinere Fall ist, daß die Zahl der Perioden nicht 
genau übereinstimmt. Setzen wir die Frequenz des 
Zeichens gleich F und die der freien Schwingungen 


156 


Referate. 


gleich F’, so ergeben sich F—F’ Schwebungen und 


F—F' 
Schwebungen in der Modulationsperiode. Diese 


Zahl kann eine ganze Zahl n sein oder besser eine 
Zahl n + oder — einem Bruch, der kleiner als % ist. 
7 f 


ammas 


Setzt man dementsprechend -=n+7, so ent- 


stehen zwischen zwei gleichen Zeitpunkten zweier 
aufeinanderfolgender Modulationsperioden zwischen 
den freien und erzwungenen Schwingungen n + p/q 
Schwebungen. Ist p gleich 0, so herrscht Phasen- 
gleichheit, und es tritt derselbe Fall ein wie für n 
gleich 0. Ist p von 0O verschieden, so beträgt die 


p 


Phasendifferenz £) 27. Die resultierende Amplitude 


ist also nicht immer die gleiche, sie ändert sich mit 


der Frequenz gen, Die freien Schwingungen sind 


demnach (Sättigungsfall der Röhre ausgeschlossen!) 
mit der Frequenz f moduliert.e. Die Anwendung der 
Modulationsfrequenz läßt an Stelle der reellen 
Schwebungszahl F-F’ eine neue Modulation von der 
Frequenz f erscheinen, die gleich der Differenz F-F’ 
mal einem ganzen Vielfachen von # ist. Im einzelnen 
kann die Frequenz f hörbar sein, auch wenn F-F’ es 
nicht ist. 


Aus dem in den letzten Abschnitten Gesagten 
folgt, daß es nicht einzige Art von Superregeneration 
gibt, sondern eine unbegrenzte Zahl von verschiede- 
nen Wirkungsweisen, die sich auf alle Stufen des 
einfachen Rückkoppelungsempfangs bis zur modu- 
lierten Sendung verteilen. Hieraus erklären sich die 
scheinbaren Widersprüche verschiedener Verfasser. 


In der Hauptsache werden in der vorliegenden 
Arbeit nur drei völlig verschiedene praktische Emp- 
fangsarten beschrieben, deren Grenzen natürlich nicht 
als scharf angesehen werden dürfen. Der erste Fall 
(Fall A oder Telephoniesuperregeneration genannt) 
stellt das dar, was im allgemeinen unter Super- 
regeneration verstanden zu werden pflegt. Die freien 
Schwingungen bzw. deren Endamplituden bleiben der 
einfallenden EMK proportional und klingen in jeder 
Modulationsperiode völlig aus. Der zweite Fall 
(Fall B oder stroboskopische Superregeneration) ent- 
hält den vorher erwähnten Fall, daß der positive 
Widerstand so bemessen ist, daß die freien Schwin- 
gungen nicht völlig ausklingen, und daß der Rest mit 
denen des Zeichens Schwebungen ergibt. Es lassen 
sich so mehrere Pfeifstellen erhalten, die zum Emp- 
fang ungedämpfter Telegraphie geeignet sind. Dritter 
Fall (Fall C oder störbefreiter Empfang) tritt ein, 
wenn durch die ankommende Feldstärke die freien 
Schwingungen regelmäßig bis zur Röhrensättigung 
getrieben werden können. Atmosphärische oder 
ähnliche Störungen können dann nur untergeordneten 
Einfluß haben. In den Zwichenpausen wird das Ge- 
räusch der Störungen als Rauschen hörbar, während 
die Zeichen selbst als geräuschfreie Stellen hervor- 
treten. Moduliert man sie mit Tonfrequenz, so er- 
scheint der Ton absolut rein in dem Geräuschspiegel. 

Weiter wird nun der Einfluß der Wellenlängen 
diskutiert. Je kürzer die Welle, desto kleiner wird 
die Zeitkonstante, und damit wird die Wirkung der 
Anordnung besser. Bei zunehmender Wellenlänge 


wird die Zeitkonstante größer, und es gibt eine 
Grenze, an der selbst bei günstigster Bemessung des 
Kreises die Superregeneration unwirksam wird 
(praktisch einige 100 m Wellenlänge). 

Die Empfindlichkeit einer solchen Anordnung ist 
praktisch wegen des enormen Anwachsens der freien 
Schwingungen ungeheuer. Eine Grenze ist durch die 
verminderte Selektivität gegeben, die dadurch bedingt 
wird, daß nur in sehr kurzen Zeiträumen der Wider- 
stand faktisch 0 ist. Störungen werden durch jede 
äußere Störung, aber auch schon durch jede Unregel- 
mäßigkeit in der Emission gegeben. Infolgedessen 
hört man im Superregenerationsempfänger fast stets 
ein wasserfallähnliches Rauschen, das an Stelle des 
äußeren Störspiegels tritt und damit die Empfindlich- 
keit praktisch begrenzt, während bei günstiger Be- 
messung der Kreise Zeichen noch aus dem äußeren 
Störspiegel herausgehoben werden können. Weiter 
werden Folgerungen für die Rückkoppelungsfrequenz 
und die Widerstandskurvenform gezogen und dann 
an oszillographischen Aufnahmen die experimentelle 
Bestätigung der vorrliegenden Betrachtungen gezeigt. 

E. Busse. 


W. Piitzer. Die Selbsterregungsbedin- 
gungen bei Rückkopplungsröhren- 
sendern für sehr kurze Wellen. Flektr. 
Nachrichtentechnik 5, S. 348—369, 1928, Heft 9. Aus 
dem Institut für Schwachstromtechnik der Techn. 
Hochschule Dresden. 


Bild 1. 


Es werden die bei Röhrensendern für sehr kurze 
Wellen (2 = 2,5—6 m) tatsächlich bestehenden Schal- 
tungen entwickelt unter Berücksichtigung der Erd- 


| Schaltung A 


Bild 2. 
der Röhrenkapazitäten und der Zu- 


kapazitäten, 
leitungen innerhalb der Röhren. Um zu möglichst 
kurzen Wellen zu gelangen, werden an die Röhre nur 
Drahtbügel angeschlossen. Im allgemeinsten Fall 
lassen sich die drei Elektroden durch drei Bügel ver- 


binden (Bild 1). Die dabei tatsächlich vorhandene 


` Schaltung wird durch einfache Umrechnungen unter 


~ rechnerisch nachgeprüften Vernachlässigungen in eine 


u. 


aus drei Schwingungskreisen bestehende Spannungs- 
teilerschaltung umgeformt (Bild 2). Durch Entfernen 


- der Drahtbügel L, (Bild 3) oder ZŁ, und L, (Bild 4) 
~ ergeben sich die gebräuchlichen Anordnungen; Bild 3 
~ wird vorwiegend in Gegentaktanordnung (vgl. Bild 5) 
* benutzt, Bild 4 ist die bekannte Einröhren-Schaltung 
~ sowohl für Sender als Empfänger. 


Schaltung B. 


Bild 3. 


Durch Messung und Rechnung wird bewiesen, daß 


sich in Bild 2 und 3 stets eine Eigenwelle des zwei- 
welligen Schwingungskreises, in Bild 4 die Eigenwelle 
des Kreises erregt, der sich aus den drei Teilwider- 


EN 


‚euer 


ständen R, R, R, zusammensetzt. Für die Eigenwellen 
der mehrfach in sich verzweigten Schwingungsgebilde 
werden Formeln abgeleitet. Der Vergleich der Phasen 


Schaltung C. 


Bild 4. 


von R, R, N, mit den für die Selbsterregung erforder- 
lichen Phasen ergibt, welche der beiden Eigenwellen 
entsteht. Dabei kann die Schaltung in Bild 1 in zwei 
Zuständen schwingen: Entweder sind Teilkreis WR, 
kapazitiv, W, t, induktiv oder R, induktiv, N, M, 
kapazitiv. Im ersten Fall ist die Rückkopplung induk- 
tiv, im zweiten kapazitiv. Die Sonderschaltung in 
Bild 3 Kann nur mit induktiver Rückkopplung schwin- 
gen, weil bei ihr der Teilkreis W, nur kapazitiv sein 
kann, entsprechend gilt für Bild 4 nur mit kapazitiver 
Rückkopplung wegen der nur kapazitiven R, und WR, 
Man kann für jede Schaltung bei gegebenen Kapazi- 
täten unter Berücksichtigung der Selbsterregungs- 
bedingungen Diagramme zeichnen, aus denen die für 
„‚Selbsterregung erforderlichen Größen von L, L», L, 
„im voraus zu ersehen sind. Ferner kann man aus 


..Jiesen Diagrammen die Art der Rückkopplung, ob 


‚ sapazitiv oder induktiv, erkennen. 


Referate. 


157 


Zur weiteren Untersuchung der Arbeitsweise der 
Sender werden die Schwingungsströme in den Draht- 
bügeln gemessen. Die Strommesser Thermo- 
elemente oder Glühlämpchen werden mittels 
kleiner Drahtschleifen induktiv angekoppelt (Bild 5). 
Alle weiteren Ströme sowie die Spannungen an 
R, R, R, (Gitter- und Anodenwechselspannung), 
Rückkopplungsfaktor und: Anodenwechselwiderstand 
lassen sich mit Hilfe der bekannten Widerstände der 
Röhrenkapazitäten und der Drahtbügelinduktivitäten 
bestimmen. Der Dämpfungswiderstand des Senders 
— zum größten Teil Strahlung der Drahtbügel — wird 
durch Aufnahme von Resonanzkurven bei nicht ge- 
heizter Röhre ermittelt. Die Ströme haben bei be- 
stimmten Größen der Drahtbügel, wobei ZL,, La und L; 


E ichung 
der 


Messchleifen. 


Bild 9. 


in bestimmten Verhältnissen zueinander stehen 
müssen, ein Maximum, für welches der berechnete 
Anodenwechselwiderstand Ra gerade gleich dem durch 
die Betriebsbedingungen festgelegten Grenzanoden- 
widerstand Ryr wird. Für sehr kleine L,, L,, L, ist 
Ra = Rgr nicht mehr zu bekommen, d. h. die Haupt- 
schwierigkeit bei der Erzeugung möglichst kleiner 
Wellenlängen wird durch Eintritt des unterspannten 
Zustandes verursacht. Infolge der unveränderlichen 
Röhrenkapazitäten wird das Verhältnis zwischen 7. 
und C zu ungünstig. Bei induktiver Rückkopplung 
(NR, kapazitiv, NR, NR, induktiv) sitzt die Schwingungs- 
energie größtenteils in den Teilkreisen N. und R,, bei 
kapazitiver Rückkopplung (R, induktiv, R, NR, kapa- 
zitiv) in W,. Praktische Bedeutung haben nur die 
Schaltungen in Bild 3 und 4. 

Vergleichsmessungen in ganz gleichen Schaltungen 
mit denselben Röhren bei 100- und mehrfacher 
Wellenlänge stimmen mit den Kurzwellenmessungen 
völlig überein. Die bekannten Selbsterregungsgesetze 
haben für die untersuchten Kurzwellen also volle 
Gültigkeit, wenn im Gegensatz zu langen Wellen die 
Strahlungsdämpfung der Sender berücksichtigt wird. 

Schließlich wird der Einfluß der Elektronenlaufzeit 
auf die Selbsterregung erörtert, der jedoch erst bei 
2 < 25 m merklich zu werden scheint. 


G. W. Pickard. (The Wireless Speciality Appa- 
ratur Co., Boston Mass.) Ueber die Beziehun- 
gen der Empfangsintensität zu Luft- 
temperatur und Luftdruck. (Sorme cor- 
relations of radio reception with atmospheric tem- 


158 


pcrature and pressure.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 
S. 765—772, 1928. 

Der Verfasser hat über einen längeren Zeitraum 
in Newton Centre (Mass.) die Intensität des Nacht- 
cmpfangs von: zwei Rundfunkstationen, einer in Chi- 
cago, einer anderen in Passadena (Kalifornien) ge- 
messen. Er hat dann die prozentische Abweichung 
der Intensität in irgendeiner Nacht von dem Mittel- 
wert über 27 Tage (d. h. 13% Tage vor und 13% Tage 
nach der betreffenden Nacht) berechnet, um den Ein- 
fluß der Sonnentätigkeit mit ihrer Periode von 27 
Tagen auszuschalten. Vergleicht man diese prozen- 
tischen Abweichungen mit der mittleren Lufttempe- 
ratur am Empiangsort während der betreffenden 
Nacht, so findet man eine Beziehung derart, daß 
einer hohen Temperatur im allgemeinen eine hohe 
Empfangsintensität entspricht. Das ist genau das 
Gegenteil von dem, was L. W. Austin und I. J. 
Wymore (vgl. ds. Jahrb. 29, S. 132, 1927) für den 
Tagempfang finden. 

Auch eine Beziehung zwischen Luftdruck und 
Intensität des Nachtempfangs stellte sich heraus der- 
art, daß die Empfangsintensität anwuchs, wenn ein 
Tiefdruckgebiet über die Empfangsstation wanderte. 

Der Verfasser betont am Schluß, daß er natürlich 
diese Beziehungen nicht als solche von Ursache und 
Wirkung auffaßt, da nicht einzusehen ist, wie Luft- 
temperatur oder Luftdruck direkt die Empfangsinten- 
sität beeinflussen könnte. J. Zenneck. 

W. A. Schneider. Oszillographische Auf- 
nahme von Röhrencharakteristiken. 
(Use of an oszillograph for recording vacuum-tube 
characteristics.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 674 
bis 680, 1928. 


Bücherbesprechungen. 


Zur Aufnahme, z. B. der Relais-Charakterist‘ 
(ia L e,), ist ein Siemensscher Oszillograph b 
nützt worden, dessen Schleife der Anodenstrom :: 
zugeführt wird und dessen Lichtzeiger eine rote 
rende Trommel mit photographischem Papier triip" 


förmigen Spannungsquelle entnommen, so daß sie if: 
der Nähe des Durchgangs durch Null der Zeit pre}: 
portional wird. 


besonders solche für verhältnismäßig hohe Gitter]. 
spannungen. J. Zenneck. 


R. T. Beatty. Die Stabilität eines Röh-t: 
renverstärkersmitabgestimmten Kreij? 
sen und Rückkopplung. (The stability oia: 
valve amplifier with tuned circuits and internal reacti-: 
on.) Proc. Phys. Soc. London, 40, S. 261—268, 19%.: 


Eingangs-, Ausgangs- und Zwischenkreise sind ab! 
gestimmt. Die Rückkopplung erfolgt nur durch die | 
Gitteranoden-Kapazität jeder Röhre. Es werden dit i 
Gleichungen für die Stabilität des Verstärkers auf: 
gestellt, außerdem wird noch eine graphische Dar- 
stellung gegeben, aus der man nach Einsetzen de 
einzelnen Größen sofort entnehmen kann, ob die 
Verhältnisse stabil bleiben, wenn man 1, 2, 3 oder ° 
viele Röhren verwendet. Einzelheiten müssen it: 
Original nachgelesen werden. Aehnliche Darstellum. 
gen sind gegeben von Posthumus. Tydschrif 
Nederl. Radiogenootsch. 3, S. 106—112, 192 und: 
Hull, Phys. Rev. 27, S. 432—454, 1926. ! 
E. Lübcke | 


Eingegangene Bücher. 


(Ausführliche Besprechung einzelner Werke vorbehalten.) 


Elektrischen Fernmelde- 
wesens. Hrgg. von Dr. ing. E. h. Ernst Feyer- 
abend, Staatssekretär im Reichspostministerium; 
Dr. rer. pol. Hugo Heidecker, Oberpostrat im 
Reichspostministerium; Prof. Dr. phil. Franz Brei- 
sig, Abteilungsdirigent im Reichspostministerium; 
August Kruckow, Präsident des Reichspostzentral- 
amtes. Erster Band A—K, VII u. 830 S., mit 1319 
Abb., gr. 8°; 2. Band L—Z. IV u. 903 S., mit 1450 Abb. 
Berlin 1929, Verlag von Julius Springer. Geb. 
RM. 192.—. 


Handbuch der Experimentalphysik. Hrgg. von 
W. Wien u. F. Harms. Unter Mitarbeit von H. 
Lenz. Band 13, 2. Teil. — Physik der Glühelektro- 
den. Von Prof. Dr. W. Schottky u. Dr. Ing. H. 
Rothe. — Herstellung der Glühelektroden. Von Dr. 
rer. techn. H. Simon. -— Technische Elektronen- 
röhren und ihre Verwendung. Von Dr. Ing. A.Rothe. 
X u. 492 S. mit 179 Abb., 8°. Leipzig 1928, Akademi- 
sche Verlaxs-Gesellschaft m. b. H. Geh. RM. 44.—, 
geb. RM. 46.—. 


Verstärkermeßtechnik. Instrumente und Methoden. 
Von Manfred von Ardenne. Unter Mitarbeit von 
Wolfgang Stoff und Fritz Gabriel. Mit einem 
Geleitwort von Professor Dr. M. Pirani. VI u. 


Handwörterbuch des 


235 S. mit 246 Abb., 8°. Berlin 1929, Verlag von Jul: ; 
lius Springer. Geh. RM. 22,50, geb. RM. 24-i: 


Données Numériques de Radioćlectricité. Von Ri“ 
Mesny, Professeur d Hydrographie de la Marine : 
Directeur de Laboratoire national de radioelectri-: 
cité. Extrait du Vol. VI des Tables Annuelles de n 
stants (1923—1924). VII u. 26 S. mit 39 Abb., 
Paris 1928. Verlag Gauthier, Villars & ci 
Geh. Fr. 15.—, geb. Fr. 30.—. 


The Physical Principles of Wireless. Von J. N 
Ratcliff. Band 3 von Methuens Monographs on’ 
Physical Subjects. 104 S. mit 37 Abb., kl. 8°. Lon-` 
don 1929, Methuen & Co. Ltd. f 


N 
„ 


Die Beseitigung der Funkempfangsstörungen. Von; 
Postrat Dipl.-Ing. Ferd. Eppen. Eine praktische 
Anleitung. Aus der Fachıschriftenreihe des „Funk‘. 
Band 1. Mit einem Geleitwort von Dr. Bredow.. 
Rundfunkkommissar des Reichspostministeriums - 
31 S. mit 14 Textabbildungen. Berlin 1928, W eid- 
mannsche Buchhandlung. Geh. RM. 0,60. | 


Wie schütze ich mich vor Störungen? Von Gusta 
Büscher. 35 S. mit 48 Abb. Berlin 1929, Verla 
von Hermann Reckendorf, G. m. b. H. Get! 
RM. 0,50. l 


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tz Winke für den Antennenbau. Von Edmund Roß- 
ann. Mit Anhang Antennenrecht von Dr. A. 
„reydte. 55 S. mit 50 Abb. Berlin 1929, Verlag 
«n Hermann Reckendorf, G. m. b. H. Geh. 
-M. 0,50. 

‘x Bildfunk und Rundfunkhörer. Von Dipl.-Ing. Wolf- 
ng Federmann. 60 S. mit 48 Abb. Berlin 1929, 
"erlag von Hermann Reckendorf, G. m. b. H. 
12h. RM. 0,50. 

Die Elektronenröhre und ihre Anwendung in der 
ınktechnik. Von Albrecht Forstmann. 55 S. 
it 56 Abb. Berlin 1929, Verlag von Hermann 
veckendori, G. m. b. H. Geh. RM. 0,50. 


Universal-Schaltungsbuch. Von Joachim Wink- 
»elmann, 50 Neue und grundlegende Schaltungen 
"3m einfachen Audion bis zum modernsten Viel- 
-Ööhren-Gerät. Deutsche Radio-Bücherei Bd. 3. 2. 
-serbesserte und erweiterte Auflage. 56 S. mit 68 
~bb., kl. 8°. Berlin 1929, Deutsch-Literarisches In- 
‚tut. Geh. RM. 1,50. 

Fünf Hochleistungs-Empfänger. Von Joachim 
-/inckelmann. Mit vollständigen Bauanweisun- 
.en und Schaltbildern. Deutsche Radio-Bücherei, 


Bücherbesprechungen. l 


159 


m m a P S EEA EAE E E O E ES 


Bd. 4. 49 S. mit 16 Abb., kl. 8°. Geh. RM. 1,50. 
Dazu 4 Baupläne in natürlicher Größe Nr. 41—44, je 
RM. 1.—. Berlin 1929, Deutsch-Literarisches Institut. 


Vier Röhren-Schirmgitter-Jowidyne. Von Joachim 
Winckelmann. Ausführliche Bauanweisung mit 
einem Bauplan in natürlicher Größe. Radiotechnische 
Sammlung, Bd. 6. 16 S. mit 10 Abb., kl. 8°. Ber- 
lin 1929, Deutsch-Literarisches Institut. Geh. RM. 1,50. 


Der „Be“-Kurzwellenempfänger für Kurzwellen- 
und Rundiunkempfang. Von Walter Ziebarth. 
Ausführliche Bauanweisung mit einem Bauplan in 
natürlicher Größe. Radiotechnische Sammlung, Bd. 4. 
15 S. mit 4 Abb., kl. 8°. Berlin 1929, Deutsch-Lite- 
rarisches Institut. Geh. RM. 1,50. 


Der Deli-Sinus-Drei. Dreiröhren-Lichtnetz-Laut- 
sprecher-Empfänger für Wechselstrom. Von Erich 
Schwandt. Ausführliche Bauanweisung mit einem 
Bauplan in natürlicher Größe. Radiotechnische 
Sammlung, Bd. 5. 15 S. mit 8 Abb., kl. 8°. Berlin 
1929, Deutsch-Literarisches Institut. Geh. RM. 1,50. 


Radio-Literatur. Spezialkatalog Nr. 6, Jahrgang 
1929, Merian-Verlag, München. 


Bücherbesprechungen. 


Die Technik elektrischer Meßgeräte. Von Dr.- 
-1g. Georg Keinath, Direktor im Wernerwerk 
“er Siemens- und Halske-A.-G., Honorarprofessor an 
“er Techn. Hochschule Charlottenburg. 3. voll- 
tändig umgearbeitete Auflage. Band 
: Meßgeräte und Zubehör. 620 S., 561 Abb., Gr. 8. 


-928. Broschiert M. 33.—; in Leinen gebunden 
1. 35.—. Band II: Meßverfahren: 424 S., 374 Abb., 
ir. 8°. 1928. Broschiert M. 22.50; in Leinen geb. 


A. 24.50. Verlag R. Oldenbourg, München. 


nhalt Bd. I: Allgem. Eigenschaften elektrischer 
Meßgeräte. -- Baustoffe für elektr. Meßgeräte. -- 
Beschreibung der Meßwerke. — Schreibende Meß- 


- geräte. — Zubehör für Meßgeräte. — Namen- und 

 Sachverzeichnis. 

| nhalt Bd. Il: Spannungsmessung. — Strom- 

= messung. — Leistungsmessung. — Leistungsfaktor- 

= messung. — Frequenzmessung. — Synchronisier- 

© geräte. — Fernmessung. — Messung von Wider- 
ständen. — Messung von Kapazitäten. — Messung 
von Induktivitäten. — Messung von Geschwindig- 
keiten. — Zeitmessung. — Weg- und Längen- 
messung. — Beschleunigungsmessung. — Druck- 
messung. — Magnetische Messungen. — Anhang: 


l. Regeln für die Berechnung und Prüfung von 
Meßgeräten, 2. Regeln für Bewertung und Prü- 
| fung von Meßwandlern. — Sachregister. 


Die 3. Auflage des Werkes von Keinath ist 
gegenüber den beiden vorhergehenden vollständig 
‚umgearbeitet worden. Die Bereicherung des Inhaltes 
machte eine Verteilung auf zwei Bände notwendig. 
‚Der erste Band enthält die Beschreibung der Meß- 
‚geräte und ihrer konstruktiven Grundlagen, der 
zweite Band behandelt die Meßverfalıren. 
= Die Ausführungen setzen sich zum Ziel, dem Phy- 
‘Siker und Ingenieur diejenigen Kenntnisse zu ver- 
mitteln, die zum praktischen Gebrauch eines Meß- 


gerätes notwendig sind. Doch begnügt sich Kei- 
nath nicht mit der Beschreibung der Konstruktion, 
des Anwendungsbereiches und der besonderen Eigen- 
schaften eines fertigen Meßgerätes, sondern macht 
ausführliche Angaben über die Baustoffe, über die 
Konstruktionselemente und vor allem über die Fehler- 
quellen und (Cienauigkeitsgrenzen. Denn die beste 
Ausnützung ist auch bei einem fertigen Gerät 
nur möglich, wenn der Gebraucher dasselbe nicht 
als ein fertiges Gebilde einfach hinnimmt, sondern 
durch das Wissen um die Entstehungsgeschichte eine 
persönliche Einstellung zu ihm gewonnen hat. 

Da bei der Auswahl des Stoffes in erster Linie 
die Bedürfnisse der allgemeinen Elektrotechnik be- 
rücksichtigt wurden, so mußten Geräte und Meßver- 
fahren, die nur in der Hochfrequenztechnik Anwen- 
dung finden, gegenüber solchen der Niederfrequenz- 
technik zurücktreten. Doch sind die wichtigsten Ge- 
räte und Meßverfahren der Hochfrequenztechnik be- 
handelt, darunter auch ausführlicher der Kathoden- 
strahloszillograph. 

Besonders hervorzuheben ist die klare Form der 
Darstellung und die .übersichtliche Einteilung des 
Stoffes, welche ein rasches Auffinden von Einzel- 
heiten ermöglicht. Druck und Wiedergabe der Ab- 
bildungen sind vorzüglich. Bei den Bildern von Ge- 
räten wäre es mitunter wünschenswert, wenn durch 
Angabe des Maßstabes die wahre Größe kenntlich 
gemacht würde. 

Das Werk von Keinath dürfte für jeden prak- 
tisch tätigen Physiker eine unentbehrliche Ergänzung 
zu den bekannten Büchern von Kohlrausen und 
von Jäger bilden. Während die letzteren vor allem 
laboratoriumsmäßige und Präzisions-Meßverfahren, 
sowie die theoretischen Grundlagen der Meßverfal- 
ren enthalten, bekommt man aus dem vorliegenden 
Werk Aufschluß über die fertigen Geräte, auf die ja 
heute kein Laboratorium mehr verzichten kann, vor 


160 


Bücherbesprechungen. 


allem nachdem die Genauigkeit der „technischen 
Meßgeräte in vielen Fällen diejenige der umständ- 
lichen klassischen Laboratoriumsanordnungen erreicht 
hat. Dazu kommt, daß durch die erwähnte ein- 
gehende Form der Darstellung auch für den Ent- 
wurf neuer Geräte wichtige Unterlagen gegeben sind. 
Der reiche Inhalt macht das Buch auch für Lenr- 
zwecke wertvoll und möge fortgeschrittenen Studie- 


renden empfohlen werden. 
E. Mauz. 


Vorlesungen über Elektrizität. Von Prof. Dr. A. 
Eichenwald. VII und 664 S. mit 640 Abb., 8”. 
Berlin 1928. Verlag Julius Springer. Geh. RM. 
36.—, geb. RM. 37.50. 


An deutschen Lehrbüchern, die als Einführung in 
die Elektrizitätslehre dienen können, besteht kein 
Ueberfluß. Es ist deshalb zu begrüßen, daß das in 
russischer Sprache schon in fünf Auflagen erschienene 
Buch von A. Eichenwald in vollständig um- 
gearbeiteter Form auch den deutschen Studierenden 
zugänglich gemacht wird. — Das dem Andenken 
Ferdinand Brauns, des akademischen Lehrers von 
Eichenwald, gewidmete Buch bewältigt in drei 
Hauptteilen den umfangreichen Stoff. Im ersten Teil, 
betitelt „Das elektromagnetische Feld“, werden die 
Grundtatsachen der Elektrizitätslehre behandelt. In 
vier Unterteilen wird die Elektrostatik, der kon- 
stante elektrische Strom, der Magnetismus und der 
Elektromagnetismus dargestellt, wobei Feldtlieorie 
und Fernwirkungstheorie nebeneinander herlaufen. 
In einem den ersten Teil beschließenden Abschnitt 
finden wir de Faraday-Maxwellschen Ideen, 
Zug- und Druckspannungen, Verschiebungs- und Kon- 
vektionsströme und ihre magnetischen Wirkungen, 
die Versuche von Röntgen, Rowland und 
Eichenwald und in elementarer Weise die Max- 
wellschen Gleichungen mit den Konsequenzen für 
die Ausbreitung des elektromagnetischen Feldes ın 
recht anschaulicher Form entwickelt. — Der zweite 
Teil „Elektronen“ ist der Besprechung der atomisti- 
schen Struktur der Elektrizität gewidmet. Nach 
einem Exkurs in die Gaskinetik wird die Elektrolysc, 
die Elektrizitätsleitung in Gasen, die Radioaktivität 
und in kurzen Zügen die Elektronentheorie behandelt. 
— Im dritten Teile finden die Wechselströme, elek- 
trische Schwingungen und Wellen ihre Behandlung. 
Hervorgehoben sei, daß, wie im ganzen Buch über- 
haupt, gerade hier besonders auch auf Meßmethoden 
und Meßtechnik näher eingegangen wird. Die Dar- 
stellung ist überaus klar und das Figurenmaterial fast 
durchweg ausgezeichnet. — In einem Kapitel „Elektro- 
magnetische Atomstrahlung“ werden die heutigen 
Anschauungen über Strahlung entwickelt, ein kurzer 
Abriß über die Quantentheorie beschließt das Werk, 
dem als Anhang eine kurze, einfache Behandlung der 
Maxwellschen Theorie beigegeben ist. 

Ein gewissenhafter Referent darf, nachdem er alles 
Lobenswerte gesagt hat, nicht verschweigen, wo 
Mängel sind. Es sind im vorliegenden Fall meist nur 
solche äußerlicher Art und betreffen die im Deut- 
schen allzu lässig wirkende phonetische Wiedergabe 
von Eigennamen, die in russischen Werken vielfach 
gebraucht wird. Gerade ein wissenschaftlich ein- 
führendes Werk soll dem jungen Studenten doch auch 


die Namen derer im richtigen Gewand vermitteln, die 
wesentlichen Anteil an dem Bau des wissenschaft . 
lichen Gebäudes genommen haben. Beckerell, 
J. Frank, M. Plank, Poggendorf, Milli- 
can und andere Schreibarten sind für den deutschen 
Leser unannelımbar; der Name Blondlot tritt aui | 
S. 542 sogar in den Abarten Boldlot und Blod- ' 
lot auf, hier offenbar nur aus Versehen. Diese, wie 
zahlreiche andere Druckfehler lassen sich aber be- ' 
heben und werden durch die anderen Vorzüge des . 
Buches wettgemacht. K. W. Meißner. 


Französischer Sprachführer für den Fernsprech- 
weitverkehr. Von Albert Lang, Band III der 
Einzeldarstellungen aus der elektrischen Nachrichten- 
technik, VIIE.u. 120 S.,:8°. Weidmannsche Buch- | 
handlung, Berlin, 1928, biegsamer Leinenband, M. 9—. 


Bei öffentlichen Ferngesprächen nach fremden 
Ländern, sei es über Draht, sei es drahtlos, muß die 
Vermittlung der Gespräche und die Ueberwachung 
der Verständlichkeit von den Beamten der zustän- : 
digen Verwaltungen oder Gesellschaften besorgt wer- 
den. Wenn ein Teilnehmer oder Beamter die 
Sprache seines Gegenübers nicht genügend versteht, | 
ist es zwar nicht vorgeschrieben, aber üblich, sich 
des Französischen zu bedienen. Daraus entsteht der 
Wunsch nach einem Sprachführer. Der Besitz eines ` 
technischen Wörterbuches allein genügt nicht, denn 
da, wo jede Gesprächsminute hohe Kosten verursacht, ' 
darf man nicht einzelne Wörter stottern, sondern | 
muß in klaren Sätzen sagen, was man will. Ein Buch 
wie das vorliegende, das im ersten Drittel 549 Rede- 
wendungen, Fragen, Antworten usw., im zweiten 
Drittel ein deutsch-französisches und im dritten ein 
französisch-deutsches Wörterverzeichnis bringt, wird 
daher von jedem Fernverkehrsbeamten, jedem ln- 
genieur, der Fernsprechanlagen nach fremden Län- 
dern baut oder instandsetzt, und jedem Teilnehmer, 
der häufig Ferngespräche nach fremden “| 


— 


führt, freudig begrüßt werden, weil es den Verkehr |i 
mit den fremden Beamten erleichtert. | 
Das Buch ist sprachlich nach allen bis jetzt vor- |ı 
genommenen Stichproben einwandfrei; allerdings ! 
sind einige Fachausdrücke inzwischen durch Be- | 
schlüsse des C. C. J. (Comité consultatif international | 
de la téléphonie à grande distance) amtlich geändert 
worden. Leider hat der Verfasser, trotzdem er im 
Vorwort den Funktelephonieverkehr ausdrücklich | 
mit in den Fernsprechweitverkehr einbeziehen will, 
im Inhalt des Buches den Funkverkehr nicht berück- . 
sichtigt. Da die Funktelephonie nach Inseln oder | 
Schiffen oder Eisenbahnzügen fast immer im An | 
schluß an Fernsprechkabel und -ämter erfolgt, so 
kommt der vorliegende Sprachführer auch dafür in 
Frage. Es wäre ein leichtes, daher auch noch die 
Fachausdrücke der Funktelephonie einzubeziehen, 
und es würde den Umfang kaum vergrößern, weil ı 
die Funkbetriebsredewendungen weitgehend diesel- 
ben wie bei der Drahttelephonie sind; dafür könnten | 
Wörter wie Sache: chose, sagen: dire, im Wörter- 
verzeichnis wegfallen. Eine Tafel der französischen | 
Zahlen mit ihrer amtlichen Aussprache sowie ein | 
französisches Buchstabieralphabet aus Vornamen 
können vielleicht noch nachgeliefert werden. ` 
Hch. Pauli. | 


RR RASTE. Se a a ee ir 
ER R Aa a i, oe a kaa a i 3 . Naeh F ; EN MA ETW ? 
and 33 aJe o Mai 1929 EEE NN O T A O A T 
Bhe e a 
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und Telephonie 


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Zei für Hochirequenztachnik 


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Gegründet 1907 


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Unter Mitarbeit 
von 


Dr. h. c. Graf v. Arco (Berlin), Dr. -. W. Austin (Washington), Postrat Dr. F. Banneitz 
(Berlin), Prof. Dr. H. Barkhausen (Dresden), Dr. W. Burstyn (Berlin), Prof. Dr. A. Esau 
(Jena), Prof. Dr. H. Faßbender (Berlin), Dr. L. de Forest (New-York), Prof. Dr. F. Kiebitz 
. (Berlin), Postrat Prof. Dr. G. Leithäuser (Berlin), Dr. S. Loewe (Berlin), Dr. C. Lübben (Berlin), 
Dr. E. Lübcke (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. A. Meissner (Berlin), Prof. Dr. H. G. Möller 
(Hamburg), Dr. E.Nesper (Berlin), Dr. B. van der Pol jr. (Eindhoven), Ingenieur Dr. V. Poulsen 
(Kopenhagen), Prof. Dr. L. Pungs (Braunschweig), Dipl.-Ing. B. Rosenbaum (Berlin), 
Dr. K. Rottgardt (Berlin), Prof. Dr. H. Rukop (Köln), Dr. A. Scheibe (Charlottenburg), 
Oberingenieur O. Scheller (Berlin), Prof. Dr. W. Schottky (Berlin), Prof. Dr. A. Sommerfeld 
(München), Dr, F. Trendelenburg (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. M. Wien (Jena), 
Prof. Dr. H. Wigge (Köthen-Anh,) 


herausgegeben von 
Professor Dr. Dr. ing.E. h. J. Zenneck una Privatdozent Dr. E. Mauz 


Schriftleitung: Dr. E. Mauz 


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i S. 161—200 einzelnen Heftes RM. 35.50. Alle Buchhandlungen sowie die Verlagsbuchhandlung nehmen Be- 

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ELEKTRISCHE Schon zwei Jahre nach der Gründung war die Präzisions-Werkstäftte 
MESSGERATE| Eugen Hartmanns zu klein. Der Betrieb war gewachsen, — in Würzburg a 
wurde 1881 ein eigenes Fabrikgebäude außerhalb des Stadtrings bezogen. Er 
Dank der Beteiligung des Kaufmanns W. Braun konnten Versuche in ` 
stärkerem Umfang fortgeführt und Mefgeräte für Wissenschaft und 


Technik in stets wachsender Zahl geliefert werden, so daß auch diese. 
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Arbeitsstätte bald zu klein wurde. 


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Mai 1929 


Heft i 


Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie | 


Max Dieckmann: Beitrag zur Beschreibung des Interferenzgebietes Seite 
in der Nähe von Empfangs-Antennen. (Mit 10 Bildern im Text) 161 
Manfred von Ardenne: Die aperiodische Verstärkung von Rund- 


funkwellen. (Mit 15 Bildern im Text) . 166 
E.GiebeundA.Scheibe: InternationaleVergleichungen vonFrequenz- 

normalen für elektrische Schwingungen. iM t 1 Bild im Text) 176 
W. Burstyn: Die unmittelbare Messung von ENUSBONUEEN durch 

elektrische Wellen. (Mit 2 re, im Text) . ; . . 181 
Druckfehler-Berichtigung ; . 183 
Mitteilungen aus der Praxis: 
Eine neue Lautsprecherröhre. (Mit 1 Bild im Text) . 183 
Ein neuer Kraftverstärker. (Mit 1 Bild im Text) . 183 
Neue Hilfsmittel für akustische Messungen. . 184 
Carl Lübben: Patentschau. (Mit 18 Bildern im Text) . 184 
Referate: 
Balth. van der Pol (E.Mauz): Kurzwellen-Echo’s und NOSaNERE 

(Mit 1 Bild im Text) . . 189 
E.O. Hulburt (J. Zenneck): Signale um die Erde herum. ` (Mit 

3 Bildern im Text) 190 


E. H. Armstrong (J. Zenneck): Mittel gegen die Wirkung 
atmosphärischer Störungen. (Mit 4 Bildern im Text) . 

O. Dahl und L.A. Gebhardt (J. Zenneck): Messungen der effek- 
tiven Höhe der leitenden Atmosphärenschicht und die Störung 


190 


am 19. August 1927. (Mit 1 Bild im Text) 192 
I. W. Horton und W. A. Marrison (J. Zenneck): Präzisions- 
messung der Frequenz. (Mit 4 Bildern im Text) } . 193 


‚Leiischeiii für Hochirequeuziechnik 


INHALT 


Seite 
F. K. Vreeland (J. Zenneck): Ueber den verzerrungsfreien Emp- 
fang einer modulierten Welle und seine Beziehung zur Selektivität 


des Empfängers. (Mit 3 Bildern im Text) . . 194 
N. H. Williams (J. Zenneck): Die Schutzgitterröhre . . 195 
C. R. Hanna, L. Sutherlin und C. B. Upp (J. Zenneck): Eine 

neue Endröhre 195 


F. E. Terman (|. Zenneck): Die umgekehrte Elekironenröhre als 
Leistungsverstärker mit Spannungsreduktion. (Mit 4 Bildern im 
Text) . 196 

H. Simon und M. Bareiß (W. Espe): Die deutsche Raytheon- 
Röhre. (Mit 3 Bildern im Text) ; 196 

W. W. Loebe und C. Samson (W. Es pe): Beobachtung und Re- 
ee von DIESSRANGEIUNBEN dünner Drähte. (Mit 3 Bildern 
im Tex A 

H. A. Wheeler (J. "Zenneck): Die Messung von "Röhrenkapazi- 
täten durch eine Transformatoren-Schaltung. (Mit 1 Bild im Text) 

L. Walsh (J. Zenneck): Eme Brücke zur E der „direkten 
Röhrenkapazitäten‘“. (Mit 1 Bild im Text) 

E.T. Hoch (J. Zenneck): Eine Brückenmethode zur Messung der 
Impedanzen zwischen den Elektroden einer ES (Mit 1 Bild 
im Text 199 

C.A. Wright und F. T. Bowdich (J. Zenneck): Die Messung 
der Induktivität von Drosselspulen. (Mit 1 Bild im Text) . . 199 

H. M. Turner (J. Zenneck): Ein kompensiertes Röhrenvoltmeter. 

(Mit 2 Bildern im Text) 200 

J.R.NelsontJ.Zenneck): Detektorwirkune der Doppel- Gitterröhre 200 


197 
193 
198 


Manuskripte für das Jahrbuch, möglichst mit klischlerfähigen Figuren versehen, sind an die Schriftleltuag Dr. E. Mauz, Frankfurta. M., Physikalisches 
Institut, Robert Mayerstr. 2, zu senden. Die Herren Autoren werden gebeten, eine kurze Zusammenfassung des wesentlichen Inhalts ihrer Arbeit jedem Manuskript beizufügen 
| Abonnements und Inserate sind zu richten an M. Krayn, Verlagsbachhandiung Berlin W 10, Genthiner Straße 39, Postscheck-Konto Berlin 32 647. | 
© o d o oo 
‚Beitrag zur Beschreibung des Interferenzeebietes in der Nähe 
von Empfangs-Antennen. 


Von Max Dieckmann, Gräfelfing. 


Inhaltsübersicht: 


Leiter im elektromagnetischen Strahlungsfeld. 

Wellenausbreitung in der Aequatorialebene. 

. Beschreibung der Modelle von Momentanzuständen 
des Interferenzfeldes ohne Berücksichtigung einer 
Abnahme der sekundären Feldstärken mit dem Ab- 
stand. 

4. Fortschreitende und stehende Minimumsparabeln. 

5. Beschreibung des Modelles für den zeitlichen Mittel- 
wert des. besprochenen Interferenzfeldes. 

6. Begründung des Vorteiles der Höhenschichten- 
darstellung von elektromagnetischen Interferenz- 
feldern. 

7. Möhenschichtendarstellung vom Momentanzustand 

und vom zeitlichen Mittelwert von Interferenz- 


mn 


1 : 
feidern unter Berücksichtigung einer mit erfol- 


genden Abnahme der sekundären Feldstärken. 


1. Wenn man eine Leiteranordnung in das Strah- 
lungsfeld eines Senders bringt, so wird in der Um- 
gebung dieser Leiteranordnung das ursprüngliche 
Feld gestört. Je nach der Gestalt des Leiters, seiner 
Orientierung im Feld, seinen Widerstandsverhält- 
nissen und seinen Abmessungen in Bezug auf die 
Wellenlänge der Strahlung werden die Erscheinungen 
der Reflexion, Beugung, Absorption und Sekundär- 
Strahlung modifiziert auftreten und eine für das be- 
trachtete Leitergebilde und die verwendete Wellen- 


länge charakteristische Aenderung des Feldverlaufes 
hervorrufen. 

In Ergänzung der großen 
suchungen, die seit Hertz’ 
über dies Gebiet angestellt sind, wurden auf der 
Gräfelfinger Versuchsstation von mehreren Be- 
arbeitern Feldauswertungen für eine Reihe von be- 
sonderen Fällen durchgeführt, die zum Teil kurz vor 
der Veröffentlichung stehen. 

Ich habe aus Anlaß dieser Bearbeitungen einige 
einfache Modelle und Zeichnungen hergestellt, welche 

3 


Anzahl von Unter- 
und Rhigi’s Zeiten 


THU 
Bild 1. 


die Verhältnisse der Sekundärstrahlung eines auf die 
Welleniänge abgestimmten, widerstandsfreien Reso- 
nators unter besonders vereinfachten Annahmen dar- 
stellen und möchte die Bilder dieser Modelle mit 
einigen kurzen Bemerkungen im folgenden wieder- 
geben. 

2. In Bild 1 ist die Wellenausbreitung in der 
Aequatorialebene eines ungedämpft strahlenden Sen- 
ders A ohne Rücksicht darauf, daß die Amplituden 
mit dem Abstand kleiner werden, derart dargestellt, 
daß die magnetischen Induktionslinien, welche den 


Max Dieckmann 


162 


von oben betrachteten Sender im Zeigersinn umgeben, 
als Berge, diejenigen, welche ihn im Gegenzeigersinn 


umschließen, als Täler wiedergegeben sind. 


nun infolge der Primärerregung von 4 schwingt, wird 
B eine Sekundärstrahlung aussenden, deren Magnet- 
felder sich — genau wie um den Primärsender A — 


Zwischen den Primärwellen 


In dem betrachteten Augenblick — es handelt sich kreisförmig in der Aequatorialebene, jetzt um B als. 


ja gewissermaßen um eine Momentaufnahme — sei 


ausbreiten. 


Zentrum, 


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Wenn. man wieder die vereinfachende Annahme 


und den von ihnen erzeugten Sekundärwellen besteht 
die Wellenfront über B hinweggegangen ist und B macht, daß die Amplituden der Sekundärwellen mit 


eine Phasenverschiebung von 90°, und zwar derart, 
daß in Richtung von A über B hinaus die Sekundär- 


Modell für den Zeitpunkt 
wellen um diesen Betrag den Primärwellen nacheilen. 


Modell für den Zeitpunkt 


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| 


Beitrag zur Beschreibung des Interferenzgebietes in der Nähe von Empfangs-Antennen. 


Vergrößerung des Abstandes von B nicht abnehmen 
und daß sie gerade so groß sind als die Amplituden 
der Primärwellen, dann lassen sich beliebige Augen- 


` blicksbilder des resultierenden Wellenverlaufes ganz 


| Modelle wiedergegeben, 


besonders einfach berechnen oder konstruieren. 

3. In den Bildern 2—5 sind die Lichtbilder einiger 
welche um ein Achtel 
Schwingungsdauer hintereinander liegende Schwin- 


| gungszustände in Höhenschichtendarstellung ` zeigen. 


Der Sender A ist in großer Entfernung links vom 
Modell angenommen, und der von ihm herrührende 
primäre, geradlinige Wellenzug schreitet mit einem 
Wellenberg als Front nach rechts weiter. In Bild 2 
ist diese Frontwelle noch ziemlich weit vom rechten 
Bildrand entfernt. Bei jedem folgenden Bild ist sie 
um ein Achtel der Wellenlänge nach rechts weiter- 
gewandert und hat bei Bild 5 nur noch einen kleinen 


| Abstand bis zum Bildrand. 


| wellen überlagern. 
Primärwellen nach rechts wandern, weiten sich die 


Der Resonator B ist ungefähr in der Mitte der 
Bilder als kleine spitze Erhöhung kenntlich gemacht. 
Er ist der Mittelpunkt der kreisförmig nach außen 
wandernden Sekundärwellen, die sich den Primär- 
In demselben Maße, wie die 


Kreise der Sekundärwellen. In Bild 2 ist der Durch- 
messer der kreisförmigen sekundären Frontwelle 
noch wesentlich kleiner als nach 3%% Schwingungs- 
dauer in Bild 5. 

Dort, wo sich ein Wellenberg des Primärfeldes 


‘mit einem Wellenberg des Sekundärfeldes überlagert, 


zeigt das resultierende Feld die größten Erhebungen. 
Entsprechend sind die negativen Maximalamplituden 
dort vorhanden, wo die Wellentäler beider Felder 
sich überlagern.. An den Stellen, an welchen ein 
Wellenberg des einen Feldes mit einem Wellental des 
anderen Feldes zusammentrifft, subtrahieren sich die 
Wirkungen und ergeben — bei der im betrachteten 
Falle angenommenen Gleichheit beider Felder — den 
Wert Null; anderenfalls würden hier Minimalwerte 
der Feldstärke auftreten. 

4. Verfolet man die Lage dieser Null- oder 
Minimumstellen, so ergibt sich, daß sie zwei ver- 
schiedene Systeme von Parabelscharen bilden, deren 
gemeinsamer Brennpunkt der Fußpunkt des Reso- 
nators ist. l 

Die eine dieser Parabelscharen ist in der Rich- 
tung zum Sender hin offen. Diese Parabelin ändern 
ihre Lage und Form von Augenblick zu Augenblick. 
Sie wandern, sich ständig erweiternd, in der Aus- 
breitungsrichtung der Primärwellen weiter. Wir be- 
zeichnen sie deshalb als- „fortschreitende 
Minimumsparabeln“. 

Jedesmal, wenn die jeweils innerste dieser 
Parabeln so gewachsen ist, daß ihr Parameter den 
Wert 14 erreicht, bildet sich auf der Verbindungs- 
linie Sender--Empfänger eine neue aus. In Bild 2 
hat die innere Parabel gerade den Parameterwert A 
erreicht; auf der Verbindungslinie Sender—Empfänger 
hat das Feld überall den Wert Null. In Bild 3, das 


. ja einen um Ys Schwingungsdauer späteren Feld- 


hat sich diese Gerade zu einer 
In Bild 5 


zustand darstellt, 


À 
Parabel vom Parameter — umgestaltet. 


4 


breitet sich durch Verflachung der Täler und Berge | 


auf der Verbindungslinie Sender— Empfänger wieder 


163 


der Feldwert Null vor. Nach einem weiteren Aclıtel 
Schwingungsdauer würde der Feldverlauf von Bild 2 
herrschen, nur mit dem Unterschied, daß die Täler 
sich in Berge, die Berge sich in Täler verwandelt 
haben. Zu 
Die andere Parabelschar ist in Richtung vom 
Sender weg offen. Diese Parabeln verändern weder 
ihre Gestalt noch Lage. Wir bezeichnen sie deshalb 
als Schar der „stehenden Minimums- 
parabeln“. | 
Die Parameter dieser 
154914 
pP 4’ 4°’ | 
Schnittpunkte dieser stehenden Minimumsparabeln 
mit der Verbindungslinie Sender—Empfänger sind die 


Schar sind von innen nach 


außen usf. immer um 4 steigend. Die 


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Bild 6. 
Momentaufnahme von Wasserwellen. 


Knotenpunkte der stehenden Wellen, welche 
sich vor dem Resonator durch Interferenz zwischen 
den Primärwellen, die sich vom Sender weg, und den 
Sekundärwellen, die sich auf den Sender zu bewegen, 
ausbilden. Die Abstände der Knotenstellen dieser 
stehenden Wellen — gleichzeitig der Scheitelpunkte 
der stehenden Minimumsparabeln — sind vom Reso- 


519% `. al 
nator aus gemessen y g p” usf. immer um n 


A steigend. Die dazwischenliegenden Schwingungs- 


2 
3A 74 


bäuche haben entsprechend die Abstände go gp’ 


114 
-g usf. In den Zonen zwischen je zwei stehen- 


den Minimumsparabeln wandern dann die sich fol- 
genden Wellenberge und Wellentäler, welche sym- 
metrisch aus den Bergen. und Tälern der stehenden 
Wellen gewissermaßen durch Zweiteilung entstehen, 
nach außen. In dem Gebiet, welches die innerste 
stehende Minimumsparabel mit ihrer konkaven Seite 
begrenzt, das auf der dem Sender abgekehrten Seite 
des Resonators liegt, haben wir fortschreitende 
Wellen, die aus der Superposition der Primärwellen 


164 


und der ihnen um 90° in der Phase nacheilenden 
Sekundärwellen ungefähr gleicher Fortpilanzungs- 
richtung entstehen. Die Berge und Täler in diesem 
Gebiet sind demgemäß etwas flacher, da die Phasen- 
verschiebung bei der vektoriellen Addition auch eine 
kleinere Gesamtamplitude ergibt. Eine Moment- 
aufnahme der Superposition von ebenen Wasser- 
wellen. mit um 90° phasenverschobenen Circular- 
wellen zeigt Bild 6, die Herr Heck in Gräfelfing im 
Zusammenhang einer Untersuchung dieser Verhält- 
nisse herstellte. | 


Bild 7. 
Modell für die zeitlichen Mittelwerte, 


5. Wenn man mit einer elektrischen Meßanordnung 
in der Nähe eines Resonators Messungen anstellt, so 
reagiert die MeBanordnung nicht auf die jeweiligen 
Momentanwerte. Es wäre also nicht möglich, durch 
ein übliches elektrisches Empfangsverfahren die im 
vorigen Abschnitt dargestellten Feldverläufe experi- 
mentell zu ermitteln. Eine derartige Meßanordnung 
nimmt nicht die Momentanwerte, sondern den Inte- 
gralwert über die Zeit auf. Es ist deshalb in Bild 7 
das Lichtbild eines Modelles wiedergegeben, welches 
den Integralwert der Interferenzerscheinungen dar- 
stellt. Es zeigt sich, daß bei dieser Integraldarstellung 
die stehenden Minimumsparabeln erhalten bleiben mit 
den gleichen Parametern, welche sie bei den 
Momentbildern besitzen. Zwischen den stehenden 
Minimumsparabeln liegen Maximalwerte. Die Stärke 
des Empfanges mit einem Sonden-Empfänger in der 
Umgebung eines sekundärstrahlenden Resonators 
hängt lediglich davon ab, ob er sich an einer Minimal-, 
Maximal- oder dazwischenliegenden Stelle befindet. 

6. Es wird vielleicht befremden, daß im Vor- 
stehenden der Feldverlauf durch eine Höhenschichten- 
darstellung wiedergegeben ist und daß nicht un- 
mittelbar die magnetischen Induktionslinien in der 
Aequatorialebene gezeichnet worden sind. 

Der Grund hierfür liegt darin, daß die magnetischen 
Induktionslinien eines Strahlungsfeldes nicht nur 
durch Intensität und Richtung allein, sondern hinsicht- 


Max Dieckmann: 


lich der Richtung der äquivalenten elektrischen Feld- 


stärke auch durch ihre Fortschreitungsrichtung ge- 
kennzeichnet sind. Die drei Richtungen des elek- 
trischen Feldvektors, des magnetischen Feldvektors 
und der Bewegung bilden ein Rechtssystem, wie es 
in Bild 8 (a bis d) in verschiedenen Lagen skizziert 
ist. Eine nach vorn gerichtete S-Linie, die sich nach 
rechts bewegt (a), und eine gleichfalls nach vor ge- 
richtete S-Linie, die sich nach links bewegt (b), haben 
verschieden gerichtete elektrische Felder und wür- 
den sich an demselben Raumpunkt subtrahieren, wie 
umgekehrt verschieden gerichtete S-Linien in gegen- 


läufiger Bewegung. die aequivalenten elektrischen 
Felder addieren (a und d, oder b und c). 


Für die Darstellung von Strahlungsieldern genü- 
gen demnaclı die sonst üblichen Symbole nicht, die 
magnetische Feldintensität durch die Dichte der Li- 
nien, die Richtung der Feldstärke durch einzezeich- 
nete Pfeile anzugeben, und es ist ein praktisch vor- 
teilhafter Ausweg, die magnetischen Induktionslinien 


ohne eingezeichnete Pfeile als Niveaulinien der elek- 


trischen Feldstärke zu interpretieren. 
Bei einer plastischen Darstellung des Feldverlau- 


fes, wie sie in den beschriebenen Modellen entspre- 


chend Bild 1 gewählt wurde, bedeuten demgemäß 


die Berge von unten nach oben gerichtete elektrische 
Feldstärken, die Täler von oben nach unten gerich- 


tete elektrische Feldstärken, und zwar ist der Ni- 
veauunterschied bezogen auf das Nullniveau, das 


' Bild 8. 


Maß für die Intensität des elektrischen Feldes. Prak- 
tisch identisch mit der plastischen Darstellung ist die 
ebene Darstellung in Höhenschichten, sofern das Null- 
niveau und die Höhen- oder Tiefenlage irgendwie 
nach kartographischen Gesichtspunkten erkennbar 
gemacht werden. 


7. Während in Abschnitt 3) die Sekundärwellen 
von gleicher Amplitude wie die Primärwellen ange- 
nommen sind und der Umstand, daß die Amplituden 
der Sekundärwellen mit Vergrößerung des Abstandes 
abnehmen müssen, unberücksichtigt blieb, ist in Bild 9 
in Höhenschichtendarstellung ein Momentbild des 
Feldverlaufes um einen abgestimmten Resonator ge- 


zeichnet, bei welchem die Feldamplituden der Sekun- 
„Äärwellen reciprok dem Abstand vom Resonator ab- 
„iehmen. Ferner ist angenommen, daß der Resonator 
saur Strahlungswiderstand und keinen inneren Wider- 
stand besitzt. Bedeutet &,, die Amplitude der vom 
Sender A kommenden Primärstrahlung und &,, die 
san einem Punkte im Abstand rə vom Resonator B 


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Höhenschichtendarstellung des Feldverlaufes um einen Resonator 
vom Widerstand Ri = 0. 


and Amplitude der Sekundärstrahlung, so gilt 
für diesen Fall '). 

' 
. CAR — 0,238 = jo. 
| 23 


In der Zeichnung wurde die Maximalamplitude 
von &,. gleich 10 angenommen. Die Maximalampli- 
tude von &,, hat dann im Abstand rə», = A den Wert 


2.38, also knapp ein Viertel, im Abstand r, = einen 


A 
8 
:Wert von ca. 19, d. h. fast den doppelten der primä- 
‚ren Feldstärke. Auch diese bildliche Darstellung be- 
‚rücksichtigt nur das reine Strahlungsfeld und ver- 
‚ıaachlässigt den Einfluß der „Nahfelder“. Ebenso geht 
sie nicht darauf ein, daß die sekundäre Strahlungs- 
energie dem Primärfeld entzogen wurde. Die Kon- 
struktion der Höhenschichten ist lediglich so erfolgt, 
"laß dem primären, als ebene Welle fortschreitenden 
‘Strahlungsfeld ein in der Fortpilanzungsrichtung um 


Y ) R. Rüdenberg, Aussendung und Empfang 
::lektrischer Wellen, bei Julius Springer 1926, Seite 
‚7, Formel 85 sowie Bild 33. 


Beitrag zur Beschreibung des Interferenzgebietes in der Nähe von Empfangs-Äntennen. 


Ed 


165 


90° nacheilendes cirkulares Strahlungsfeld gleicher 
Wellenlänge überlagert wurde. | 

8. Im folgenden soll entsprechend dem Bild 7 die 
Integraldarstellung des Feldverlaufes um einen Reso- 
nator gegeben werden, bei welcher, wie im vorigen 


Abschnitt, die Stärke des Sekundärfeldes mit + ab- | 


nimmt. 


— 


——_—# 


Bild 10. 
Höhenschichtendarstellung der zeitlichen Mittelwerte des Feld- 
verlaufes unten um einen Resonator von Ri, = 0, oben um einen 
Resonator von Ri = Ra.. 


Im unteren Teil von Bild 10 ist der Fall, für den 
in Bild 9 das Momentbild entworfen war (innerer 
Widerstand des Resonators gleich Null) gezeichnet. 
Auch der Abstand der Höhenschichten entspricht der 
Wiedergabe von Bild 9. Da dort die Maximalampli- 
tude des primären Feldes zum Betrag 10 angenom- 
men war, ist bier, wo die Effektivwerte dargestellt 
werden müssen, die Amplitude des ungestörten Fel- 
des mit 7,07 zugrunde gelegt. Wenn man in der 
Aequatorialebene eines Resonators von geringem 
inneren Widerstand mit einer möglichst rückstrah- 
lungsfreien Empfangsanordnung die durch den Reso- 
nator verursachte Feldstörung untersucht, so darf 
man, bis auf die verhältnismäßig geringen Unter- 
schiede, welche in den vorher erwähnten Vernach- 
lässigungen ihre Ursache haben, einen dem Bild 10 
entsprechenden Befund erwarten. Bezogen auf das 
ungestörte Feld beträgt der Effektivwert der elektri- 
schen Feldstärke längs der Höhenlinie mit der Be- 
zeichnung 11 156%, längs 10 141,6%, längs9 127,4%, 
längs 8 113,2 %, längs 6 84,8 %, längs 5 70,7 %, längs 
4 56,4 % und längs 3 42 %. 


166 


Im oberen Teil von Bild 10 ist die Integraldarstel- 
lung des Feldverlaufes für den Fall, daß der innere 
Widerstand R; der Antenne gleich dem äußeren 
oder Strahlungswiderstand Ra, ist und daß die Stärke 


1 
des Sekundärfeldes wie - abnimmt, wiedergegeben. 


Entsprechend der Belastung der Antenne ergibt sich 
die Störung durch das Sekundärfeld kleiner, und zwar 
für diesen ausgezeichneten Fall als gerade halb so 
groß, als in dem unten gezeichneten für eine von 
innerem Widerstand freie Antenne. 


Auf der Gräfelfinger Versuchsstation hat Herr 
Heck analoge Versuche mit Wasserwellen durch- 
geführt und für verschiedene interessante Fälle photo- 
graphische Moment- und Zeitaufnahmen hergestellt; 
Herr Berndorfer hat die entsprechenden Verhält- 


Manfred von Ardenne: 


nisse um einen Resonator mit Kurzwellenanordnunge: 
experimentell untersucht und Herr Seiler für Feld- 
störungen in der Umgebung leitender Wände, dere 
Abmessungen klein, gleich oder größer als die Be-|! 
triebswelle sind, Anschauungsmaterial beigebracht]! 
Sie werden über ihre Ergebnisse demnächst u 


berichten. I 
f 
Zusammenfassung. oi 
Das in der Nähe einer Empfangsantenne vorhan- || 
dene Interferenzgebiet wird an Hand von Maodell- 
abbildungen und Zeichnungen, welche sowohl die 
Momentanwerte als die zeitlichen Mittelwerte in 
Höhenschichtendarstellung unter vereinfachten An- 
nahmen wiedergeben; erörtert. 


N 
\ 
m 
b 
4 
: 


(Eingegangen am 6. November 1928.) 


Die aperiodische Verstärkung von Rundfunkwellen. 


Von Manfred von Ardenne, Berlin. | 


Inhaltsübersicht: 
Einleitung. 


A. Allgemeine Gesichtspunkte für die Konstruktion 
eines aperiodischen Verstärkers. 


. Die Berechnung einer einzelnen Stufe. 


. Zusätzliche Gesichtspunkte für die Dimensivnie- 
rung einer Kaskade. 


. Aperiodische Verstärker mit Mehrfachröhren. 
. Der aperiodische Verstärker in der Schaltung. 
Zusammeniassung. 


m OD 


In neuerer Zeit wird in der Rundfunkempfangs- 
technik, besonders in den Großstädten, immer häu- 
figer der Ralımen als Empfangsantenne verwendet. 
Kleine Zimmerrahmenantennen ergeben jedoch bei 
den üblichen Feldstärken entfernter Stationen nur 
Hochfrequenzspannungen, die in der Größenordnung 
10° bis 10° Volt liegen!) (Dämpfungsdekrement der 
Rahmenkreise etwa 0,02). Je nach der Maximal- 
leistung der Endstufe des Niederfrequenzverstärkers, 
nach seiner Spannungsverstärkung und nach dem 
Wirkungsgrad des Gleichrichters bei der Amplitude 
der modulierten Hochfrequenz, die eine volle Aus- 
steuerung der Endstufe ergibt, ist eine mehr oder 
weniger große Verstärkung vor der Gleichrichtung 
inı Hochfrequenzverstärker erforderlich. Legt man 
kleine Zimmerrahmenantennen von etwa MW m? 
Fläche zugrunde, sollen die schwächsten gerade über 
dem mittleren Störpegel hinausragenden Stationen 
gehört werden, und wird ein normaler Empfangs- 
gleichrichter benutzt (Anoden-Gleichrichtung oder 
Audiongleichrichtung), hinter den zwei Nieder- 
frequenzstufen geschaltet sind, so ist eine etwa 5- bis 
10 000fache Hochfrequenzverstärkung erforderlich, 
die gleichzeitig auch die Verluste ausgleicht, die 
in den Kopplungen und Selektionsmitteln zwangs- 
läufig erfolgen. Selbstverständlich muß bei Stationen, 


1) Vergl. M. v. Ardenne, Ueber einige Messungen über die 
IR E E an der Eingangsseite von Empfängern. 
Jahrb. d. drahti. Telegr. Bd. 32, S. 199, 192%, H. 6. 


die ein größere Eingangsspannung am Rahmen be-| - 
wirken, durch eine Lautstärkerregulierung auf en be 
eine Weise der Verstärkungsgrad des Hoch- 
frequenzverstärkers soweit herabgesetzt er 
daß eine Uebersteuerung der Endstufe nicht mehr ; 
stattfindet. = 
Die erforderlichen Verstärkungsgrade lassen sich 
mit abgestimmten Verstärkern und, wie in dieser 
Veröffentlichung gezeigt werden wird, auch mit nicht: : 
abgestimmten Verstärkern erzielen. Bei a N 
ten Verstärkern ergibt sich unter Verwendung mo- 
derner Röhren bei den Resonanzwiderständen, die‘. 
die üblichen Schwingungskreise im Mittel etwa ! 
haben, eine etwa 10fache Verstärkung je Stufe. Um : 
unter den angegebenen Verhältnissen die erforder- 
liche Verstärkerziffer zu erzielen, müssen mindesten: 
vier Stufen hintereinandergeschaltet werden. Den 
Prinzip entsprechend weisen solche Verstärker min 
destens fünf abgestimmte Kreise auf. Eine einfach! : 
Bedienung ist nur denkbar, wenn die verschiedenen: ; 
Schwingungskreise durch eine geeignete mecha- 
nische Vorrichtung gemeinsam abgestimmt werdeıi.| : 
Dieser Weg führt zwangsläufig zu sehr kostspieligen!| ; 
Einrichtungen. Weiterhin ergibt sich bei ihm als}\ 
Folge der großen Zahl von abgestimmten Kreisen]: 
bereits eine z u hohe Selektivität, d. h. zu erhebliche! : 
Verzerrungen bei der Hochfrequenzverstärkune. . 
Auch durch die Entwicklung der Schirmgitterröhren.| : 
die pro Stufe höhere Verstärkungsgrade (25—40 be] ` 
Wellen im Bereich 200—600 m) zu erreichen ge- 
statten, sind die geschilderten Nachteile zwar etwas; . 
abgeschwächt, jedoch noch nicht beseitigt wordei.| : 
Die Abhängigkeit zwischen Selektion und Verstär-\ i 
kungsgrad, die bei der Konstruktion abgestimmter, : 
Hochfrequenzverstärker Schwierigkeiten bereitet, fällt] i 
bei aperiodischen Verstärkern fort. Bei aperiodischer] : 
Verstärkern kann durch geeignete E 
der einzelnen Stufen und durch Hintereinander-! 
schaltung einer Anzahl Stufen der erforderlich . 
Verstärkungsgrad erzielt werden. Ganz unabhänt: ` 
hiervon kann, allerdings unter Berücksichtigung ds: ; 
Eingangs- und Ausgangswiderstandes des Versti- ! 


$ 


gegebenen 


folgenden Zeilen dargestellt werden sollen. 


Å 


Die aperiodische Verstärkung von Rundfunkwellen. 


kers, die gewünschte Abstimmschärfe herbeigeführt 
werden. 

Aperiodische Verstärker,. die auch auf dem Be- 
reich von 200—600 m eine wirksame Verstärkung 


ermöglichen, sind bereits seit Anfang August 1927 
 bekannt,). 


Die für den Rahmenempfang sehr ent- 
fernter Stationen notwendigen Verstärkerziffern 
lassen sich auch mit älteren Röhren durch Hinter- 
einanderschaltung erzielen. Da die älteren Röhren 
jedoch nicht für diesen Zweck konstruiert waren, er- 
geben sich bei ihrer Hintereinanderschaltung gewisse 
Nachteile (zu hoher Stromverbrauch im Raumlade- 
Kreis, Niederfrequenzstörungen durch den gleichzeitig 
Niederfrequenzverstärkungsgrad). Aus 
diesem Grunde wurden neue Verstärkereinheiten 
entwickelt, deren Konstruktionsgesichtspunkte in den 
Wirt- 
schaftliche Gesichtspunkte sind an verschiedenen 
Stellen bei der Abfassung dieser Arbeit stark berück- 
sichtigt. Es bedarf wohl keines besonderen Hin- 
weises, daß bei der Entwicklung von Verstärkern für 
andere Zwecke als Rundfunkzwecke einige dieser 
Beschränkungen fortfallen oder wenigstens nicht die 


Bedeutung haben und dann der günstigste Kom- 


promiss etwas anders liegt, wie in der Arbeit an- 


gegeben. 


-A. Allgemeine Gesichtspunkte für die 


KonstruktioneinesaperiodischenVer- 
stärkers. 


Für den Bau aperiodischer Verstärker besteht die 


` Möglichkeit, Widerstände, Drosseln oder Transforma- 
< toren als Kopplungsglieder vorzusehen. Bei den ver- 
schiedenen Kopplungsarten ist eine starke Begrenzung 
` der erreichbaren Verstärkung durch die schädlichen 


. Kapazitäten gegeben, die einen Nebenansclluß zum 
. Anodenwiderstand bilden. 


Recht kleine Werte für 
die schädliche Kapazität bestehen, wenn Ohmsche 


“ Widerstände, und im besonderen, wenn der kapa- 


normalem Schaltungsaufbau und bei 


< kommt. 


zitätsarme Mehrfachröhrenaufbau benutzt wird. Sehr 
viel höhere Werte (etwa die zehnfachen) sind bei 
Verwendung 
von Drosseln oder Transformatoren gegeben, bei 


‘ denen noch die Eigenkapazität der Wicklung hinzu- 


Bei Widerstandsverstärkern steigt bei län- 
geren Wellen mit der Abnahme des kapazitiven 


© Nebenschlusses zum Anodenwiderstand die Verstär- 
=- kung. Um zu erreichen, daß ein Verstärker in dem 


gesamten gewünschten Wellenbereich den erforder- 


à lichen Verstärkungsgrad besitzt, wird es daher ge- 


nügen, die optimale Dimensionierung der einzelnen 


© Stufen für die kürzeste Welle des Bereiches zu er- 
- mitteln und dann soviel Stufen hintereinanderzu- 
< schalten, bis der erforderliche Verstärkungsgrad er- 


© Dimensionierungswelle, 
j ; 
-. kann dann leicht durch die Lautstärkerregulierung auf 


-= werden. 


1,8 


b 


- Hoch- und Niederfrequenz, 


reicht ist. Für alle Wellen, die länger sind als die 
muß dann die Verstärkung 
größer sein als die erforderliche Verstärkung und 
den jeweilig notwendigen Betrag herabgesetzt 
Bei Drosseln und Transformatorenverstär- 
kern läßt sich wegen der höheren Eigenkapazität 


meist nur durch Ausnutzung der Resonanzwirkung 


2) S. Loewe und M. von Ardenne, Zweisystemröhren für 


Jahrb. drahtl. Telegr. 27, S. 19, 
1927, H. 1 


167 


ein ausreichend großer Anodenwiderstand aufrecht 
erhalten. Gleichzeitig hiermit ist jedoch eine erheb- 
liche Frequenzabhängigkeit des Anodenwiderstandes 
gegeben. Wird der innere Widerstand der Röhre 
genügend klein gewählt, so läßt sich natürlich trotz 
dieser Frequenzabhängigkeit eine recht frequenz- 
unabhängige Verstärkung in einem größeren Bereich 
erzielen. Doch läßt sich der kleine innere Wider- 
stand nur durch Wahl eines so großen Durchgriffes 
verwirklichen, daß der Verstärkungsgrad pro Stufe 
sehr klein wird. Umgekehrt ist bei kleinen Durch- 
griffen und entsprechenden höheren inneren Wider- 
ständen der Verstärkungsgrad größer, dafür ist dann 
aber die Frequenzabhängigkeit so erheblich, daß be- 
sonders bei Hintereinanderschaltung mehrerer Stufen 
nur in einem schmalen, für den Rundfunkwellen- 
bereich nicht genügenden Intervall eine gute Ver- 
stärkung besteht. Durch eine Verteilung der Reso- 
nanzen verschiedener Stufen läßt sich auch in einem 
größeren Bereich eine gleichmäßige Verstärkung 
verwirklichen, doch sind dann wieder die erreich- 
baren Verstärkungsgrade klein. Selbstverständlich 
ist bei aperiodischen Verstärkern mit Drossel- oder 
Transformatorkopplung bei der Konstruktion sowohl 
mit der kleinsten Welle wie mit der größten vor- 
kommenden Welle zu rechnen. Praktisch sind 
aperiodische Verstärker mit Drossel und Trans- 
formatorkopplung für die Verstärkung bei schmalen 
Wellenbereichen nicht ungeeignet. Für Rundfunk- 
zwecke erscheint jedoch die Widerstandskopplung 
sehr viel vorteilhafter, die innerhalb des gesamten 
Rundfunkwellenbereiches die erforderliche Verstär- 
kung zu geben in der Lage ist. Da diese Verstärker 
gleichzeitig in der Herstellung und im Betrieb sehr 
viel wirtschaftlicher sind, soll im Rahmen dieser Ar- 
beit ausschließlich die Theorie und Technik der 
aperiodischen Verstärker mit Widerstandskopplung 
gebracht werden. Bei der Konstruktion eines Ver- 
stärkers ist von bestimmten Konstanten auszugehen, 
die zwangsläufig die Optima festlegen. 


B. Die Berechnung einer einzelnen 
Stufe. 


Um mit geringster Stufenzahl den erforderlichen 
Verstärkungsgrad zu erhalten, muß für die gegebenen 
Voraussetzungen die günstigste Dimensionierung 
einer einzelnen Stufe angestrebt werden. Von der 
Betrachtung eines ganzen Frequenzspektrums kann 
man sich bei Widerstandskopplung freimachen, indem 
der Rechnung die ungünstigste, d. h. in dem vor- 
liegenden Falle größte Betriebsfrequenz zugrunde 

1 


w Ceff 
bildet den Ausgangspunkt der Rechnung. Er be- 
stimmt den rein Ohmschen Anteil Ra der Anoden- 
belastung dann und nur dann eindeutig, wenn von 


gelegt wird. Der Blindwiderstand Re= 


allen beliebigen zu n = 


aimi, 


Re 
stärkungen Vopt die beste, Voptop gesucht wird. 
Bei Kaskadenverstärkern wird die Kapazität C 

durch die Scheinkapazität vergrößert. Der genaue 
Wert von Cet läßt sich erst angeben, wenn die Kas- 
kade in der betriebsmäßigen Schaltung und End- 
belastung vorliegt. Cet hängt nach ihrer Entstehung 


gehörigen Maximalver- 


168 


von den Werten der statischen Kapazitäten, von der 
Verstärkung der einzelnen Stufen und von ihrer Be- 
lastung ab. Trotz dieser komplizierten Zusammen- 
hänge läßt sich für Cet mit ziemlicher Genauigkeit 
ein Mittelwert angeben, wenn die ungefähren stati- 
schen Kapazitäten der voraussichtlichen Elektroden- 
anordnung gemessen und der Vergrößerungsfaktor 
für Cza aus der zu erwartenden Verstärkung und aus 
der Belastungsphase beim Optimum bestimmt werden. 
Letztere ergibt sich als das von speziellen Voraus- 
setzungen weitgehend unabhängig gefundene Argu- 


ment von Rp 2. 
C 


Die Aufgabe einer Verstärkerdimensionierung ist 
also die folgende: ‘Gegeben sind charakteristische 
Betriebs- und Kathodenkonstanten, etwa die Span- 
nung der Anodenbatterie Æ» und die kleinste und 
damit ungünstigste Betriebswelle A min. und die 
Röhrenkonstante K. 

Gesucht ist der Durchgriff und innere Wider- 
stand einer noch zu konstruierenden Röhre, die unter 
obigen Bedingungen die größtmögliche Spannungs- 
verstärkung ergibt. Mit Lẹ und K ist nun diese 
Stufe noch nicht eindeutig bestimmt. Vielmehr sind 
noch Angaben über den Anodenbelastungswider- 
stand Ra zu machen. Von diesem kennt man, wie 


erwähnt, aus einer Reihe von Messungen an ausge- 


l 
führten Röhren die kapazitive Komponente Re= —— 
w Ceti 


bei der Minimalwelle A min. Cet läßt sich nicht 
unter einen bestimmten Kleinwert herunterdrücken, 
weil es sich in bekannter Weise aus den Elektroden- 
kapazitäten Cag + Car und der Scheinkapazität 
Cseh infolge Anodenrückwirkung additiv zusammen- 
setzt. 

Während erstere elektrostatische Konstanten sind, 
hängt bekanntlich die Scheinkapazität von der Ver- 


stärkung T a und Belastungsphase 9. des Aus- 


0 [Eg] | | 
eangskreises ab, ist also genau nur an einer betriebs- 


mäßig arbeitenden Kaskade zu ermitteln. Um die 
einzelnen Stufen optimal berechnen zu können, 
müssen daher die Messungen von Cer an ausge- 


führten Kaskaden zugrunde gelegt werden und diese 
dann evtl. nach Richtlinien der Rechnung schrittweise 
verbessert werden. 

Im übrigen ist gerade beim Hochfrequenzver- 
stärker mit seiner, verglichen mit dem Tonfrequenz- 
verstärker, doch relativ geringen Spannungsüber- 
setzung V die Streuung von Cern nicht so groß, als 
daß man nicht zuverlässige Durchschnittswerte einer 
orientierenden Berechnung zugrunde legen könnte. 

Man betrachte also im folgenden Cet und damit 
Re = 1/oCen als empirisch gegeben. Als weiteres 
Bestimmungsstück ist das Verhältnis n= Ra/Reals 
laufender Parameter in die Rechnung einzuführen. 
Damit ist dann Ra eindeutig festgelegt, nämlich gleich: 

n ! 
Ra Im rel N) (1) 
Nun ergibt sich für jedes x» eine beste Verstärkung 
Vopt und zwar für jedes durchaus endliche Ra- Das 
ist nur möglich, weil der ganzen Rechnung das 


Emissionsgesetz 
RS RR (2) 


Manfred von Ardenne: 


und damit eben das Widerstandsgesetz: 


1 
R; = ————— (3) 
3J K- DV Es 
zugrunde gelegt wird. Damit wird die Spannungs- 
verstärkung: 


1 f | Rain) | 
D Ram + Ri, Esa] 


eine Funktion von D, die für0< Dop <1 ein reelles 
Maximum Vopt annimmt, d. h. für welche 


o V u 
ə DiDopt) 


wird. Wichtig ist nunmehr, daß, wenn man jictzt n 
variiert, sich unter allen Vop wiederum cin gün- 
stigstes Vopt opt finden läßt, das demnach zu einen 
günstigsten Parameterwert opt gehört und dem ein 
absolut günstigster Durchgriff Doptopt zugeordnet 
ist. Man findet ziemlich universell: nopt œ 2 (siehe 
folgendes Zahlenbeispiel). Gleichung (5) läßt sich 
ohne Beschränkung nach D auflösen, wenn man be- 
achtet, daß Lg 0 Volt wird (Lu —=D-Ea). Diese 
Annahme ist praktisch deswegen zutreffend, weil die 
Gitterableitungswiderstände, wie vorweg genommen 
werden soll, in der Regel verhältnismäßig klein sind. 
Die Gitterströme, die bei den in Frage kommenden 
Elektrodenanordnungen bei der Gitterspannung 0 Volt 
liegen, bewirken keinen Spannungsabfall an diesen 
(iitterableitewiderständen, der nicht ınehr klein ist 
gegenüber den Steuerspannungen. Die allgemeinen 
Formeln sind daher für laufende x: 


Vib, n= ; n fest, (4) 


(5) 


m l l l 
wS RB ns 
Vin CHR (+i +f] j 
"\Rw 
Van 1 [Ra] 
27 Ds E 
pt EE +3 (pe) (7) 
u ee Le 


worin abkürzend 


Ra = Ri +j Ro 
(Vgl. Gl. (1)). 


(la) 


gesetzt ist. Man beachte ferner die 


sich hierbei ergebende Beziehung für den inneren 
Widerstand: 
— 9 S R, \? 
Roo- 2 Re 1+3 1+ $ R. (9) 


Unter Zugrundelegung des Esı?/s Gesetzes gilt also für 
verschwindende Blindlast Rə , d. h. für rein Ohmsche 
Belastung Ra = Ra, das Anpassungsgesetz: 


Riot 2 Ra (10) 


genau. Beim Hochfrequenzverstärker kommt ein 
solcher Belastungsfall nicht vor; aber auch für kapa- 
zitive Parallelwiderstände, d. h. für 

Ra = | Ra | ( COS Pa — j sin pa) (1b) 
mit tg Pa = w Cett Ra 


s 
: 
il 


Die aperiodische Verstärkung von Rundfunkwellen. 


ergibt sich: 


(10a) 


EAEG] 


und wie Bild 1 zeigt, weicht auch hier die Funktion: 
Riopt = f (pa) bei konstantem | Ral 


Ropt = 2 | Ra 


` erst spät von dem Gleichstromwert 2 Ra ab. 


Man betrachte in diesem Zusammenhange auch 
das Bild 3 zu dem nachstehend durchgeführten Rech- 
nungsbeispiel am ausgeführten Verstärker, bei dem 


10 20 3 4 5% & m m r 
Bild 1. 


i obiges Anpassungsgesetz noch bei Phasenwinkeln 


"Loewe 2 HF Eingitterröhre. 


d 
l 


j 


` von 60° auf 15% genau erfüllt ist. 


Die geschilderte 


Rechnung wurde numerisch zur Anwendung gebracht 
' bei einer Stufe der neuen vom Verfasser angegebenen 


| K=1,4.10-]2 


Als Ausgangsdaten 
waren dann bekannt: 


V7 


Daraus folgt Re = 19000 Ohm. n laufender Para- 
meter. Das Ergebnis der Rechnung zeigt das Kurven- 
blatt Bild 2. Die V opt -Kurve weist ein flaches 


| E,—150V; A=200m; Cp=5cm. 


Optimum auf, das, wie zu erwarten ist, bei n œ 2 
liegt und den Wert besitzt: 


Berechnet: Gemessen: 
Vopt opt — 5,2 FR 4,8 
Dopt opt — 8,4 [e/o] D =8,5 [°/o] 
Rioptopt = 28 500 Q R; = 20 000 Q 
mA mÄ 
Sopt opt = 0,4 y Ser — 0,34 Volt 
Te — 2,4 [mA] Ia, = 2,0 [mA] 


Die Rechnungsergebnisse befinden sich in auf- 
fallender Uebereinstimmung mit den experimentellen 


169 


Daten der Versuchsröhre, so daß bei dieser der er- 
reichbare Bestwert praktisch verwirklicht ist. 

Um möglichst grosse Verstärkung zu erhalten, 
bieten sich zwei Wege: 

1. Verkleinerung von Cert 

2. Vergrößerung der Röhrenkonstante. 

In der ersten Richtung liegen die Versuche, die 
Elektroden- und Aufbaukapazitäten bei geeigneten 
Anordnungen klein zu halten, oder die scheinbaren, 
durch Anodenrückwirkung hervorgerufenen Kapa- 
zitäten, die sich den statischen parallel schalten, 
durch Kompensation zu eliminieren. 


In der zweiten Richtung liegen Versuche mit hoch- 
emittierenden Kathoden, z. B. mit mehreren parallel 
geschalteten Fäden. 

Von den beiden zuerst angeführten Möglichkeiten 
hat sich nur der gedrängte Aufbau als erfolgreich 
erwiesen (Mehrfachröhren), während die Kompen- 
sation aus den bereits in einer früheren Arbeit?) 
geschilderten Gründen nicht zu empfehlen ist. Auf 
dem Gebiete der hochemittierenden Kathoden hat 
sich nur die indirekt geheizte Kathode im Zusammen- 
hang mit Mehrfachröhrenaufbau gut bewährt. Wird 
versucht, durch Parallelschaltung mehrerer Fäden K 
zu vergrößern, so ist es unvermeidlich, daß damit 


300 A;R 


Bild 3. | 


die Elektrodenkapazitäten nach Maßgabe der Fäden- 
zahl anwachsen. Beide Einflüsse arbeiten sich hin- 
sichtlich der erreichbaren Verstärkung entgegen. Im 
Interesse der Wirtschaftlichkeit der Herstellung und 
des Betriebes in der Schaltung ist jedoch die kapa- 
zitätsarme Anordnung überlegen. 


C. Zusätzliche Gesichtspunkte für die 
Dimensionierung einer Kaskade. 


Bei der Hintereinanderschaltung mehrerer Einzel- 
stufen, die entsprechend den im vorigen Abschnitt 
wiedergegebenen Betrachtungen günstigst dimen- 
sioniert sind, ergeben sich wichtige Gesichtspunkte 
für die Wirkung des Hochfrequenzverstärkers als 
Ganzes. Einmal ist hier zu untersuchen, ob die Vor- 
aussetzungen, insbesondere die Konstanten, die bei 
der oben wiedergegebenen Rechnung als bekannt 
vorausgesetzt wurden, für die einzelnen Stufen des 
Kaskadenverstärkers mit den praktisch auftretenden 
Werten gut übereinstimmen. Dies gilt in der Haupt- 
sache für die durch die Anodenrückwirkung beding- 
ten Scheinwiderstände, da diese von der Verstärkung 
der weiteren Stufen abhängen. Daneben ist noch 


3) M. v. Ardenne und W. Stoff, Ueber die Kompensation 
der schädlichen Kapazitäten und ihrer Rückwirkungen bei Elek- 
len Jahrb. d. drahtl. Telegr., 31, S.125 und S. 152, 1928, 
Heft 4 u. 5. | 


170 


festzustellen, in welchem Maße die hinter den Hoch- 
frequenzverstärker geschalteten Anordnungen den 
Verstärkungsgrad der letzten wie auch der vorher- 
gehenden Stufen beeinflussen, bzw. in welchem Maße 
umgekehrt die vor den Hochfrequenzverstärker ge- 
schalteten Kreise belastet werden. Wie schon aus 
dem Gesagten hervorgeht, hat man bei der Unter- 
suchung so vorzugehen, daß man, rückwärts gehend, 
zuerst die Verhältnisse in der letzten, dann in der 
vorletzten usw. bis zur ersten Stufe untersucht. Hier- 
bei soll vorausgesetzt werden, daß vor und hinter 
den Verstärker Abstimmkreise zur Erzielung einer 
ausreichenden Selektion beim Empfang geschaltet 
sind. Wie weiter unten gezeigt wird, bietet die hier 
vorweggenommene Anordnung der Abstimmittel 
besondere Vorteile. Außerdem soll auch bei dem Ver- 
stärker eine solche Ausführung vorausgesetzt werden, 
daß keine irgendwie gearteten magnetischen oder 
elektrischen Kopplungen zwischen verschiedenen 
Stufen oder der mit ihnen verbundenen Leitungs- 
teilen vorhanden sind. 

Außerordentlich wichtig für die Arbeitsweise eines 
Kaskadenverstärkers ist die Untersuchung des Ein- 
flusses der Anodenrückwirkung, die hier als bekannt 
vorausgesetzt werden soll). Nimmt man an, daß 
bei genauer Abstimmung des hinter den Verstärker 
geschalteten Schwingungskreises der Anodenwider- 
stand der letzten Stufe als rein Ohmisch anzusehen 
ist, so wird im Gitterkreis dieser Stufe durch die 
Anodenrückwirkung allein eine zusätzliche schein- 
bare Kapazität bewirkt. Diese Kapazität belastet 
wieder den Anodenwiderstand der vorhergehenden 
Stufe, bewirkt dementsprechend eine bestimmte Ver- 
stärkung und eine bestimmte Scheinkapazität 
Gitterkreise dieser Stufe. Weiter fortschreitend er- 
gibt sich dann durch die Wechselwirkung von Schein- 
kapazität und Verstärkungsgrad auch eine bestimmte 
Scheinkapazität am Eingang des Verstärkers. Diese 
ist jedoch am Eingang nicht als schädlich anzusehen, 
da durch sie nur eine Aenderung der Abstimmung des 
hier angeschalteten oder angekoppelten Schwingungs- 
kreises bewirkt wird. Im Gegensatz hierzu ist am 
Eingang der für die vorhergehenden Stufen bisher 
nicht betrachtete, durch die Anodenrückwirkung 
hervorgerufene Dämpfungswiderstand außerordent- 
lich schädlich. Da bisher schon mehrfach erwähnt 
wurde, daß am Eingang und Ausgang des Verstär- 
kers Schwingungskreise liegen, erscheint bei einer 
oberflächlichen Betrachtung die Annahme nahe- 
liegend, daß über alle hintereinandergeschalteten 
Kapazitäten Cga der einzelnen Röhren eine Selbst- 
erregung nach Huth-Kühn stattfinden kann; man 
könnte hierbei daran denken, daß auch über die sich 
ergebende sehr kleine Serienkapazität die hohe Aus- 
gangsspannung genügend stark rückkoppeln kann. 
Die hier angedeutete Betrachtungsweise erscheint 
jedoch nicht zwingend, zumal sie bereits durch die 
Theorie umfaßt wird, die die Rückwirkung über die 
einzelnen Stufen schrittweise diskutiert. 

Da die Zusammenhänge zwischen Verstärkungs- 
erad und Anodenrückwirkung für die einzelnen 
Stufen eines Verstärkers kaum allgemeingültig fest- 


4) Vergl. hierzu M.v. Ardenne u. W. Stoff, Die Berechnung 
der Scheinkapazität bei Widerstandsverstärkern, Jahrb. d. drahtl. 
Telegr., 30, S. 86, 1927, H. 3. 


im 


Manfred von Ardenne: 


trachtet werden. Als Gesichtspunkt für einen Viel |: 
stufen-Verstärker kann nur so viel gesagt werden, 
daß man vorteilhaft die einzelnen Stufen so dimen- | 
sionieren wird, daß sie alle gleichmäßig arbeiten, d. h. | 


. : r | 
zulegen sind, sollen hier nur zwei Stufen näher be- `. 


mit Ausnahme der letzten Stufe alle den gleichen 
Verstärkungsgrad besitzen. Bei einem zweistufigen |. 
Verstärker läßt sich der Einfluß der Anodenriück- j 
wirkung auf einfache Weise durch Messungen kon- 
trollieren. Besonders wichtig ist die Aenderung der |; 
Scheinkapazität und des Ohmschen Eingangswider- Į 
standes in Abhängigkeit von der Frequenz. In Bild4 f 
ist die Abhängigkeit des Ohmschen Rückwirkungs- 
widerstandes von der Wellenlänge für eine Zweifach- 
röhre, d. h. also einen Zweistufen-Verstärker für 


sch- ohiascher £rsalzwidersiand 
am Schwingungshrels 


0,4 


01 


verschiedene Ohmsche Widerstände im Anodenkreis |‘ 
der zweiten Stufe dargestellt worden. Die in den 
Kurven angegebenen Werte wurden nach einer Sub- 
stitutionsmethode festgestellt”); auf die gleiche Weise | 
wurde auch der angegebene Wert für Cseh ermittelt. \ 
Für Rao = 0, d. h. bei Kurzschluß des Anodenkreises |: 
der zweiten Stufe steigt der Widerstand Rgser lang- | 
sam mit der Wellenlänge an. Dies ist darauf zurück- 
zuführen, daß sich der Anodenkreiswiderstand und 
damit auch die Verstärkung in der ersten Stufe, die 
für die Größe der Anodenrückwirkung maßgebend 
ist, mit der Frequenz ändert. An sich gilt das |' 
gleiche auch für den kapazitiven Widerstand, der | 
durch die Anodenrückwirkung am Eingang scheinbar | 
hervorgerufen wird. Die Scheinkapazität selbst |- 
bleibt für den untersuchten Frequenzbereich nahezl 
konstant, da sich die Verstärkung in der ersten 
Stufe, die hierfür allein in Frage kommt, in dem 
untersuchten Frequenzbereich nur wenig ändert 
Weiterhin ist bei der Aenderung dieser Größen 7! 
berücksichtigen, daB nicht die Verstärkung direkt 
sondern bei der Scheinkapazität der reelle Teil, bei | 
dem Scheinwiderstand der imaginäre Teil, eingeht || 
d. h. die Phasenverschiebung zwischen Anoden- und n 
5) Näheres über die Meßanordnung und das benutzte Röhren 


voltmeter siehe in dem Buch: M. v. Ardenne, VerstärkerM 
technik, Verlag Julius Springer, 1929. 


Die aperiodische Verstärkung von Rundfunkwellen. 


=- 
a 


ditterwechselspannung spielt hier eine Rolle. Wesent- 
.ch größere Eingangswiderstände ergeben sich, wie 
.je zweite Kurve zeigt, wenn der Anodenkreis der 
‚weiten Stufe nicht kurz geschlossen, sondern hier 
in Ohmscher Widerstand von 10000 Ohm einge- 
‚chaltet wurde. In diesem Fall ist die Scheinkapa- 
‚ität, die dem Anodenkreise der ersten Stufe parallel 
egt, infolge der Verstärkung in der zweiten Stufe 
vesentlich größer als vorher, so daß auch die kapa- 
itive Belastung an dieser Stelle stark zunimmt. 
ntsprechend dieser Belastung ergibt sich eine 
"leinere Verstärkung in der ersten Stufe, so daß der 
.cheinbare Gitterwiderstand in demselben Maße ver- 
;rößert wird. Bei der Dimensionierung darf der 
“cheinbare Ohmsche Widerstand im Gitterkreis für 
‘lie kleinste zu verstärkende Wellenlänge, d. h. für 
lie Welle, für die die Dimensionierung durchgeführt 
vird, einen bestimmten Wert nicht unterschreiten. 
Man wird hierbei die einzelnen Daten so wählen, daß 
ler sich ergebende Scheinwiderstand etwa den 
rleichen Wert wie der Ohmsche Gitterableitewider- 
tand besitzt. Die sich aus der Kurve (Bild 4) er- 
rebenden Werte Rgscn erscheinen in diesem Zu- 
sammenhange verhältnismäßig klein. Hierbei ist 
edoch zu berücksichtigen, daß die hier wieder- 
regebene Kurve nicht bei einem Widerstand von 
30000, sondern nur bei einem Widerstand von 
[0000 Ohm im Anodenkreis der zweiten Stufe auf- 
senommen worden ist. Der resultierende Wider- 
stand, der sich aus der Parallelschaltung von Rosen 
ınd R, ergibt, muß dann groß gegen den Ohmschen 
Anodenwiderstand Ra gehalten werden, um diesen 
, icht wesentlich zu verkleinern. 


Bei der Zusammenschaltung einer größeren An- 
zahl von Hochfrequenzverstärkerstufen kommen be- 
kanntlich die Frequenzabhängigkeiten der einzelnen 
Stufen gesteigert zur Wirkung. Für den praktisch 
ausgeführten Verstärker muß deshalb darauf gesehen 
werden, daß die sich ergebende Frequenzabhängig- 
‘keit in bestimmten Grenzen bleibt. Bei zu starkem 
"Ansteigen der Verstärkung mit der Wellenlänge 
müßte insbesondere beim Uebergang zu den längeren 
Rundfunkwellen bis zu 2000 m eine sehr weitgehende 
: Herabsetzung des Verstärkungsgrades vorgenommen 
‚werden. Außerdem wäre bei unsachgemäßer Bedie- 
‘nung, d. h. wenn die Lautstärkenregulierung in die- 
“sem Fall nicht bestätigt wird, für die höheren Wellen 
leicht eine Selbsterregung möglich. Aus diesem 
“Grunde muß man bei der Konstruktion der einzelnen 
‘Stufen die Frequenzabhängigkeit möglichst klein hal- 
„ten. Diese Forderung steht mit den oben gegebenen 
Gesichtspunkten zur Erzielung einer optimalen Ver- 
„stärkung in jeder Stufe im Einklang. Neben dieser 
„Frequenzabhängigkeit im Hochfrequenzgebiet ist 
außerdem zu berücksichtigen, daß die aperiodischen 
-Verstärker mit Widerstandskopplung auch eine ver- 
z hältnismäßig große Niederfrequenzverstärkung be- 
‚Sitzen. Infolgedessen würden irgendwelche Nieder- 
, Îrequenzstörungen, die an den Eingang des Hoch- 
„frequenzverstärkers gelangen, entsprechend verstärkt 
„werden, so daß durch eine Verschiebung des Arbeits- 
{Punktes in den letzten Stufen die Verstärkung der 
‚(Hlochfrequenz ungünstig beeinflußt und eine Modu- 
lierung stattfinden würde. Die Niederfrequenzver- 
‘Stärkung muß deshalb beseitigt werden; auf ein- 


171 


fache Weise läßt sich dies dadurch erreichen, daß die 
Uebertragungskondensatoren in den einzelnen Stufen 
stark verkleinert werden. Infolge dieser Verklei- 
nerung wird dann immer nur ein Bruchteil der ver- 
stärkten Niederfrequenz auf die nächste Stufe über- 
tragen. Praktisch wird man die Uebertragungs- 
kondensatoren bis auf etwa 60 cm verringern kön- 
nen, da für diesen Wert die Uebertragungskapazität 
immer noch als klein gegenüber den zwischen Gitter 
und Kathode liegenden Röhrenkapazitäten anzusehen 
ist. Für Niederfrequenz fällt neben diesen Kapazi- 
täten noch der Gitterableitewiderstand R, für die 
hier stattfindende Spannungsteilung ins Gewicht. Im 
allgemeinen wird man den Gitterableitewiderstand 
entsprechend den oben gegebenen Gesichtspunkten 
etwa fünfmal so groß wie den Ohmschen Anoden- 
widerstand Ra wählen. Es hat keinen Zweck, hier 
größere Widerstände zu benutzen, da einmal für 


vtzmA-Verstärkung 2UF-Röhre 


0-95% 
Aiz -SOR 
la -150V 


7100 200 500 1000 VE i ZW 70000 


Bild 5. 


Hochirequenz auf den hier auftretenden, parallel Ilie- 
genden Rückwirkungswiderstand, andererseits auf 
Gitterspannungsänderungen durch etwa hier auf- 
tretende Gitterströme Rücksicht zu nehmen ist. Die 
Verstärkungskurven eines nach diesen Gesichtspunk- . 
ten bemessenen Zweifachverstärkers in Mehrfach- 
röhrenaufbau, der nach früher wiedergegebenen Ge- 
sichtspunkten besonders vorteilhaft ist, zeigt Bild 5. 
Die zwei Kurven steigen zunächst von ihrem An- 
fanzswert aus mit der Wellenlänge an, erreichen ein 
Maximum und fallen dann mit weiter zunehmender 
Wellenlänge schnell ab. Dieser Abfall ist durch die 
Uebertragungskondensatoren gegeben. Wie zu er- 
warten ist, erreichen die Kurven für verschiedene 
Kopplungskondensatoren ihr Maximum bei verschie- 
denen Wellenlängen. Aus dem Anstieg der Verstär- 
kungskurven bis zu Wellen von etwa 1000 m kann 
man die Größe der am Eingang auftretenden Gesamt- 
kapazität Cet abschätzen. Hiernach beträgt diese 
Kapazität etwa 5 cm, ein Wert, der in guter Ueber- 
einstimmung mit den direkt gemessenen Werten 
nach Bild 3 und dem für die Dimensionierung einer 
einzelnen Stufe zugrunde gelegten Wert ist. Wie 
die Kurven zeigen, ändert sich der mittlere Verstär- 
kungsgrad mit der Größe des Ohmschen Anoden- 
widerstandes der ersten Stufe. Kurve I für einen 
Anodenwiderstand von Ra: = 30000 Ohm läßt ohne 
weiteres erkennen, daß dieser Verstärker entspre- 
chend den eingangs wiedergegebenen Gesichtspunk- 
ten dimensioniert ist. Für eine Welle von 200 m 


172 


ergibt sich gerade eine etwa 50fache Verstärkung bei 
Zugrundelegung der Kurve I. Da der Durchgriff der 
Endstufe etwa zehn Prozent beträgt und hier die 
EMK-Verstärkung, d. h. die Verstärkung bei unend- 
lich großem Anodenwiderstand der zweiten Stufe 


Bild 6. 


aufgetragen worden ist, beträgt die Verstärkung in 
der ersten Stufe ungefähr 5. 

Für die letzte Stufe- des Hochfrequenzverstärkers 
ist, wie schon erwähnt, das Zusammenwirken mit 


Manfred von Ardenne: 


Stufen erforderliche relativ niedrige innere Wider- 
stand eine starke Dämpfung. Entsprechend. den Ge- 
sichtspunkten, die für die Konstruktion von Verstär- 
kern mit abgestimmten Kopplungsgliedern gelten, 
kann man hier entweder durch entsprechend lose An- 
kopplung des Abstimmkreises oder durch Benutzung 
einer besonderen Röhre an dieser Stelle die erforder- 
liche Selektion erhalten. Aus fabrikatorischen Grün- 
den wird man hier zwecks Vermeidung neuer Typen 
die normalen Einheiten beibehalten. Falls wirtschaft- 
liche Richtlinien nicht berücksichtigt zu werden brau- 
chen, läßt sich an dieser Stelle eine Schirmgitter- 
röhre verwenden, bei der die Pseudodämpfung durch 
den hohen inneren Widerstand sehr klein ist. Die 
Gesichtspunkte für die Dimensionierung der End- 
stufe des Hochfrequenzverstärkers sind hinreichend 
bekannt. In der letzten Stufe kommt es auf eine 
genaue Ermittlung und Innehaltung der optimalen 
Dimensionierung lange nicht so sehr an wie in den 
vorhergehenden Stufen, bei denen das ermittelte Op- 
timum für viele Stufen nutzbar wird: 


D. Aperiodische Verstärker mit 
Mehrfachröhren. 


Aperiodische Verstärker für den. Wellenbereich | 
von 200—2000 m standen bisher nur in der älteren 
Loewe-Hochfrequenzzweifachröhre zur Verfügung, die 


zwei mit Raumladungsgittern ausgerüstete Systeme . 


enthielt. Bei der neuen Hochfrequenzz weifachröhre, 


| 


die insbesondere für die Verwendung in Kaskaden- | 


schaltungen entwickelt wurde, ist keine Zweigitter- ` 


u 
u 


Bild 7. 


dem dahintergeschalteten Abstimmkreis zu unter- 
suchen. Bei dieser Stufe ist ein Kompromiß zwischen 
möglichst hohem Anodenwiderstand und geringer 
Pseudodämpfung des angekoppelten Kreises zu 
schließen. An dieser Stelle, wo sich durch Ausnutzen 
.der Resonanzwirkung ein hoher Anodenwiderstand 
erzielen läßt, bewirkt der für die vorhergehenden 


röhre mehr eingebaut worden. 
durch ein Raumladungsgitter erzielt wird, ist | 
Folge der Spannungsverhältnisse bei Hochtreauenz | 


| 


Die Verbesserung, die { 


EEE a a a a pe Sn eo ne a 2 ao » 2 r 


verstärkern mit Widerstandskopplung nicht so er- a 
heblich, daß es sich lohnt, den relativ hohen Stron- :; 


verbrauch im Raumladekreise, insbesondere bei vie- 
len Stufen, in Kauf zu nehmen. 


Ein weiterer Grund i 


| 


Die aperiodische Verstärkung von Rundfunkwellen. 173 


für den Uebergang zu Eingittersystemen war die 


~ leichtere Herstellbarkeit und die etwas geringere 


schädliche Kapazität. Auch für die Berechnung der 
Verstärker stellten sich mit dem Uebergange zu Ein- 
gittersystemen so erhebliche Vereinfachungen ein, 
daß auf theoretischem Wege die im Abschnitt B an- 
gedeutete Ermittlung der günstigsten Abmessungen 
möglich wurde. Trotz der Verwendung nur eines 
Gitters sind die Verstärkungseigenschaften der neuen 
Hochfrequenz-Zweifachröhren größer als die der 
älteren Type. Zum Teil ist dies auf größere wirk- 
same Heizfädenlängen zurückzuführen. In erster 
Linie wurde jedoch der Fortschritt durch einen sehr 
viel kapazitätsärmeren Aufbau bewirkt. Daß der 
Aufbau der neuen Röhre sehr viel kapazitätsärmer 
ist als bei der älteren Röhre, zeigt am besten ein 


lype 2HF > 


Bild 8. Bild 9. 


Vergleich der in Bild 6 photographierten Innen- 
systeme. Die vielen parallel angeordneten Halte- 
drähte für den Elektrodenaufbau und die besonders 
kritischen Glasknüppel fallen bei dem neuen rechts 
abgebildeten System fort. Die kritischen Leitungen, 
vor allem die Leitungen, die die Gitter-Anode-Kapa- 
zität herabsetzen, haben nur wenige Millimeter 
Länge. Auch im Glasquetschfuß sind die kritischen 
Leitungen (G, und A,) weit entfernt von den mit der 
Batterie verbundenen Leitungen und sehr weit ent- 
fernt voneinander angeordnet. Der Leitungsverlauf 
im Glasquetschfuß ist auch deutlich aus Bild 7 zu 
entnehmen, das den fabrikationsmäßigen Entwick- 
lungsgang der neuen Hochfrequenzröhre zeigt. Neben 
der bereits abgebildeten Fabrikationstype sind eine 
Reihe anderer Modelle mit direkter und indirekter 
Heizung durchgebildet worden. Eine recht kapa- 
zitätsarme Ausführung für Röhren mit je zwei Fäden 
ist in Bild 8 wiedergegeben. Die Schaltung der neuen 
Einheit für aperiodische Hochfrequenzverstärker 
geht aus Bild 9 hervor, in der gleichzeitig die Ab- 
messungen des Kopplungsgliedes angegeben sind. 


In elektrischer Hinsicht weicht die neue Type 
noch insofern von der älteren Hochfrequenzröhre ab, 


< als die Röhre im Sinne der in den letzten Abschnitten 


gebrachten Gesichtspunkte dimensioniert ist und im 
besonderen nur im Rundfunkwellenbereich einen 


hohen Verstärkungsgrad besitzt. Die Gleichstrom- 
kennlinien eines Röhrensystemes, wie es in der Type 
Verwendung findet, zeigt Bild 10. Weiterhin ist bei 
der neuen Röhre der durch die Anodenrückwirkung 
bedingte Ohmsche Scheinwiderstand an der Ein- 
gangsseite durch die bessere Dimensionierung sehr 
heraufgesetzt. 

Der außerordentliche Vorteil des Mehrfachröhren- 
aufbaues für aperiodische Verstärker ist selbstver- 
ständlich nur solange in vollem Maße gegeben, als 
a i Íz 
D =85% 
Ea « 150 Wl 


E = 2k 
4 = 02Amp 


v0 Amp 


R jR 


Bild 10. 


nicht durch die Hintereinanderschaltung mehrerer 
Röhren sich erhebliche zusätzliche Kapazitäten er- 
geben. Durch Verwendung sehr kapazitätsarmer 
Röhrensockel — Bild 11 zeigt einen solchen Sockel 


der Loewe-Radio von unten — und durch geschickte 


Bild 11. 


Anordnung der Sockel- und Verbindungsleitungen 
können jedoch, wie entsprechende Messungen zeigten, 
die jeder Stufe zusätzlichen Kapazitäten in so nied- 
rigen Grenzen (weniger als 2—3 cm) gehalten werden, 
daß die Verstärkungseigenschaften auch in der Nähe 
‚der größten Frequenz des Bereiches nicht erheblich 
geschwächt: werden. 


E. Der aperiodische Verstärker 
inder Schaltung. 


Sollen aperiodische Verstärker für Empfangs- 
zwecke benutzt werden, so bestehen für die Ein- 
schaltung der Selektionsmittel verschiedene Mög- 
lichkeiten. Grundsätzlich empfiehlt es sich, einen 
Teil der Selektionsmittel vor den Verstärker 
zu legen, um zu verhindern, daß die hohen Span- 
nungen naher Stationen nicht in den Endstufen des 
Verstärkers so große Amplituden annehmen, daß eine 


174 


Modulation der schwachen Schwingungen durch die 
Wirkung der Kennlinienkrümmung eintritt. Werden 
alle Selektionsmittel wie bei manchen Anlagen für 
den Empfang sehr langer Wellen vor den Hoch- 
frequenzverstärker gelegt, so besteht eine gewisse 
Gefahr für Selbsterregung, insbesondere wenn die 
Gleichrichtung und Niederfrequenzverstärkung durch 
einen Widerstandsempfänger erfolgt. In einer solchen 
Kombination, in der alle Hochfrequenzverstärker- 


stufen, die Gleichrichter- und die Niederfrequenz- 
verstärkerstufen über Widerstände miteinander ge- 
koppelt sind, würde etwa für die Frequenz die Ge- 
fahr einer Selbsterregung am größten werden, die 
Der 
je nach der 


in der Anlage die größte Verstärkung erfährt. 
Hochfrequenzverstärker selbst hat 


Manfred von Ardenne: 


ein Teil der Selektionsmittel zwischen Hochfrequenz- 
verstärker und Gleichrichter geschaltet werden. Dies 
ist der Fall bei der in Bild 12 wiedergegebenen Schal- 
tung, die sich als außerordentlich vorteilhaft erwiesen 
hat. Um mit wenig Schwingungskreisen den jeweilig 
erforderlichen Selektionsgrad zu erhalten, kommt es 
selbstverständlich sehr darauf an, daß die Schwin- 
gungskreise an der Eingangsseite und an der Aus- 
gangsseite des Hochfrequenzverstärkers so ange- 
koppelt werden, daß ihre Dämpfung, gegenüber der 
natürlichen Dämpfung, nur wenig erhöht wird. Der 
Widerstand an der Eingangsseite ist im Rundfunk- 
wellenbereich, wie die im Abschnitt C (Bild 4) 
wiedergegebenen Messungen erkennen lassen, groß 
gegenüber den Resonanzwiderständen der Schwin- 


Bild 12. 


Dimensionierung der Gitterkondensatoren und Ab- 
leitewiderstände eine anders gelegene Maximalver- 
stärkung im Bereich der Hochfrequenzen. Hoch- und 
Niederfrequenzverstärker zusammen gesehen er- 
geben eine resultierende Verstärkungskurve, deren 
Maximalverstärkungsgrad etwa bei einer Frequenz 
liegt, die sich an der Grenze zwischen Hoch- und 
Niederfrequenz, also bei etwa 10t Hertz befindet. In 
welcher Größenanordnung der maximale Verstär- 
kungsgrad einer Anlage liegen kann, in der Hoch- 
und Niederfrequenzverstärker ohne Zwischenschal- 
tung von Selektionsmitteln galvanisch hintereinander 
geschaltet sind, zeigt die folgende Rechnung: Nach 
der Messung Bild 5 ist der Verstärkungsgrad der 
gemessenen Einheit bei 10* Hertz etwa gleich dem 
Verstärkungsgrad bei der höchsten Frequenz des 
Rundfunkbereichs. Besitzt beispielsweise der Hoch- 
ifrequenzverstärker bei diesen beiden Frequenzen 
eine Spannungsverstärkung von 5.10°, und hat der 
Niederfrequenzverstärker an der oberen Grenze des 
Hörbereichs nur noch einen Spannungsverstärkungs- 
grad von 2.10%, so beträgt bei der Frequenz 10* 
Hertz die resultierende Gesamtverstärkung der An- 
lage 10°. Ein so hoher Verstärkungsgrad läßt sich 
nur sehr schwer stabil verwirklichen, insbesondere 
wenn der Betrieb aus gemeinsamen Stromquellen 
erfolgt. Aus diesem Grunde ist anzustreben, daß der 
Gesamtverstärkungsgrad der Anlage für irgendeine 
Frequenz nie größer werden kann als der Maximal- 
verstärkungsgrad des Hochfrequenzverstärkers oder 
des Niederfrequenzverstärkers allein. Werden alle 
Selektionsmittel vor die Verstärker gelegt, so läßt 
sich dies erreichen, indem vor oder hinter den 
Gleichrichter eine Siebkette geschaltet wird, die nur 
Hochfrequenzen oder Niederfrequenzen durchläßt. 
Eine besondere Siebkette läßt sich vermeiden, indem 


gungskreise. Es würde sich daher keine erhebliche 
Dämpfungsvermehrung ergeben, wenn der erste 
Schwingungskreis (Rahmenkreis) unmittelbar an die 
Eingangsseite des Hochfrequenzverstärkers gelegt 
wird. Die induktive Kopplung mit dem Rahmenkreis 
ist in Bild 12 nur vorgeschlagen, um den Antennen- 
effekt des Rahmens soweit zu verringern, daß eine 
gute Richtcharakteristik erhalten wird. An der Aus- 
gangsseite des Verstärkers, wo ein relativ niedriger 
innerer Widerstand (etwa 20000 Ohm) bei den ver- 
schiedenen Verstärkungseinheiten besteht, kommt es 
im Interesse der Selektion sehr auf eine lose An- 
kopplung an, die bei dem großen Verstärkungsüber- 
schuß der Anlage ohne weiteres möglich ist. Durch 
geeignete Dimensionierung der Kopplung und durch 
Verwendung guter Hochfrequenzlitze in den Schwin- 
gungskreisen gelang es, die Dämpfung der Kreise so 
herabzusetzen, daß mit nur zwei Schwingungskreisen 
eine für die meisten Empfangsorte ausreichende 
Selektion erhalten wurde. 

Eine gewisse Beachtung verdient auch die Frage 
der Lautstärkenregulierung bei den aperiodischen 
Verstärkern. Soll die erforderliche Regulierung nicht 
durch Kopplungsänderungen vorgenommen werden, 
so besteht die Möglichkeit, die Gittervorspannung 
einer oder mehrerer Stufen oder auch den Heizstrom 
zu verändern. Als besonders ökonomisch und zweck- 
mäßig erwies sich die in Bild 12 dargestellte Methode 
der Verstärkungsregulierung durch Anodenspannungs- 
änderung mittels eines regelbaren Vorschaltwider- 
standes. Selbstverständlich bestehen noch zahlreiche 
weitere Möglichkeiten, unter denen hier nur noch die 
Methode erwähnt werden soll, bei der durch Steuer- 
spannungsänderungen oder Reihenwiderstände der . 
innere Widerstand der Endstufe allein und hiermit 


| 


gleichzeitig die Pseudodämpfung des angekoppelten | 


m 
g 


Die aperiodische Verstärkung von Rundfunkwellen. 


175 


Schwingungskreises geändert wird. Alle die ange- 
»deuteten Methoden der Lautstärkenregulierung sind 
:geräuschlos, da der Hochfrequenzverstärker im mitt- 
‚teren Hörbereich keine sehr hohen Verstärkungsgrad 
‚besitzt, und Niederfrequenzspannungen nicht über die 
‚abgestimmte Kopplung übertragen werden’). 


` 
\ 
u 


Große Schwierigkeiten ergaben sich anfänglich 


durch ungewollte Rückkopplungen, die eine volle Aus- 
‚nutzung des bei Geräten nach Bild 12 vorhandenen 


a3 ET Sl di 


tz- IN 


als sehr vorteilhaft. 


Bild 13. 
sehr hohen Verstärkungsgrades hinderten. Um Rück- 
kopplungen über den Spannungsabfall an dem Hoch- 
frequenzwiderstand der Verbindungsleitungen im 
Innern des Apparates zu vermeiden, erwies sich an 
einigen Stellen eine strahlenartige Leitungsführung 
Eine solche strahlenartige 


Bild 14. 


Leitungsführung, bei der der Scheitelpunkt auf kür- 
zestem Wege über einen großen Kondensator mit der 
Abschirmung verbunden ist, läßt Bild 13 erkennen. 
Eine außerordentliche Verminderung der Rückkopp- 


- Jungen im Apparat wurde dadurch erzielt, daß ein 


Abfließen des Hochfrequenzstromes der letzten Stufe 
zur Anodenstromquelle verhindert wurde. Zwischen 
Glühfaden und der letzten Röhre und der Kopplungs- 
spule L; in Bild 12 ist ein Kondensator von 1 u F 
gelegt. Als Drosselwiderstand für MHochfrequenz, der 
gleichzeitig die Aufgabe hat, den Anodengleichstrom 
in der letzten Stufe des Hochfrequenzverstärkers zu 


< begrenzen, dient ein normaler Widerstand von etwa 


3.10f Ohm. 
6) Die etwas höhere Verstärkung, die die aperiodischen Ver- 


Als recht zweckmäßig zeigte sich 


~ stärkungen im Bereich der längeren Rundfunkwellen über 1000 m 


besitzen, ist insofern sogar nicht unvorteilhaft, als sie ermöglicht, 
den kleinen Rahmen für die Rundfunkwellen auch für die Lang- 
wellenaufnahme zu verwenden. 


weiterhin die Parallelschaltung eines weiteren 
Blockkondensators zu den Heizfäden der ersten 
Hochfrequenzröhre. 

Die konstruktive Ausführung eines Rundfunk- 
Rahmenempfängers nach der Schaltung Bild 12 geht 
aus Bild 14 hervor, das gleichzeitig Anhaltspunkte 
für eine zweckmäßige Art der Abschirmung und für 
den kapazitätsarmen Aufbau der Kopplungsglieder 
zwischen den verschiedenen Hochfrequenzstufen 
bietet. Ein weiteres Bild des nach den beschriebenen 
Untersuchungen hergestellten neuen Fernempfängers 
der Loewe-Radio zeigt Bild 15. 

Durch die Auswertung der Eigenschaften aperio- 
discher Verstärker gelang es, die Herstellungskosten 
dieses Gerätes auf etwa die Hälfte derienigen zu 
senken, die bisher für Rahmenempfänger üblich 
waren. . Neben ihrer hervorragenden Eignung für 


Bild 15. 


Empfangszwecke besitzen die aperiodischen Ver- 
stärker noch viele andere Anwendungsgebiete, ins- 
besondere in der Meßtechnik kleinster Spannungen 
und Ströme und in der Schnellbildübertragung dank 
ihrer extrem kurzen Einschwingzeiten. 


Zusammenfassung. 


Das Problem der aperiodischen Verstärker in 
Kaskadenschaltung wird ausgehend von der einzel- 
nen Stufe behandelt. Eine Methode der theoretischen 
Vorausberechnung der Röhrendaten zwecks Er- 
zielung optimaler Spannungsverstärkung bei nicht 
rein Ohmschem Anodenwiderstand wird angegeben. 
Die bei der Zusammenschaltung der Einheiten zur 
Kaskade auftretenden Rückwirkungserscheinungen 
werden in ihrem Einfluß auf die erreichbare Verstär- 
kung und Stabilität besprochen, wobei Messungen 
an einem Zweirohrsystem mitgeteilt werden. An- 
schließend kommt die konstruktive Ausführung viel- 
stufiger Hochfrequenzkaskaden mit Mehrfachröhren- 
aufbau zur Behandlung. Im Schlußkapitel werden 
die Gesichtspunkte besprochen, die für die Verwen- 
dung des Verstärkers für Empfangszwecke maß- 
gebend sind. Es wird darauf hingewiesen, daß 
Rahmenempfänger mit aperiodischer Hochfrequenz- 
verstärkung bei der Ausführung mit Mehrfachröhren 
den bekannten Vielröhrenempfängern mit annähernd 
gleichen Empfindlichkeiten in Herstellung und Be- 
trieb sehr überlegen sind. 


(Eingegangen am 24. Dezember 1928.) 


176 


E. Giebe und A. Scheibe: 


Internationale Vergleichungen von Frequenznormalen 


für elektrische Schwingungen. 
Von E. Giebe und A. Scheibe. 
Mitteilung aus der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt. 


Inhaltsübersicht: 
1. Methode und Ergebnisse früherer, Plan und Hilfs- 
mittel der neuen Vergleichungen. 


2 Der Normalfrequenzmesser und das Meßver- 
fahren der PTR. 


3. Piezooszillatoren ohne Thermostat als Vergleichs- 
normale. 


4. Piezooszillator mit Thermostat als Versieiche 
normal. 


5. Leuchtende piezoelektrische Resonatoren als Ver- 
gleichsnormale. 


Zusammenfasung. 


1. Methode und Ergebnisse früherer, 
Plan und Hilfsmittelder neuen Ver- 
gleichungen. 


Die erste Vergleichung der Frequenzskalen der 
Physikalisch-Technischen Reichsanstalt (PTR) in 
Deutschland, des Bureau of Standards (BOS) in den 
Vereinigten Staaten von Nordamerika und des 
National Physical Laboratory (NPL) in England fand 
im April und Mai des Jahres 1924 statt). Die Ver- 
gleichung erfolgte durch Fernmessung der Fre- 
quenzen einer Anzahl größerer Sendestationen, die in 
den drei Laboratorien zu gleichen, zuvor verab- 
redeten Zeiten ausgeführt wurde, und ergab für PTR 
und NPL eine Übereinstimmung der Meßresultate 
innerhalb von 1 Promille, während von BOS im Fre- 
quenzbereich von 15000 bis 20000 Hz um einige 
Promille größere Werte als von NPL und PTR be- 
obachtet wurden. 

Da infolge gewisser Schwierigkeiten bei Aus- 
führung von Fernmessungen nicht mit Sicherheit zu 
entscheiden war, ob die beobachteten Differenzen 
auf Fehler der angewandten Fernmeßmethoden oder 
auf tatsächliche Abweichungen der Frequenzskalen 
zurückzuführen seien, war das Gesamtergebnis nicht 
befriedigend. Die hieraus entspringende Notwendig- 
keit, solche internationale Frequenzvergleichungen 
zu wiederholen, wurde alsbald um so zwingender, als 
die praktischen Anforderungen an die Genauigkeit 
von Frequenzmessungen in kurzer Zeit außerordent- 
lich stiegen. Besonders infolge der Entwicklung des 
Rundfunks nahm die Anzahl der Sendestationen sehr 
schnell zu, so daß ein störungsfreier Betrieb nur 
möglich war, wenn jede Station den ihr durch inter- 
nationale Übereinkunft zugewiesenen Frequenzwert 
möglichst genau, d.h. praktisch bis auf etwa + 0,5°/⁄o, 
innehielt. 

Für die Staatslaboratorien der verschiedenen 
Länder erwuchs aus dieser Entwicklung die Aufgabe, 
die Methoden der Frequenzmessung zu verfeinern, 
Frequenzskalen möglichst großer absoluter Genauig- 
keit aufzustellen und durch möglichst unveränder- 


1) Vgl. E. Giebe, E. Alberti und E.Leithäuser. E.N.T 
3, S. 69—76, 1926. 


liche Frequenznormale festzulegen; andererseits 
mußte auch bei den internationalen Frequenzver- 
gleichungen eine wesentlich höhere Meßgenauigkeit 
angestrebt werden, als sie bei der oben erwähnten 
ersten Vergleichung erreicht wurde. 

Solchen Frequenzvergleichungen kam nun die Er- 
findung der piezoelektrischen Resonatoren durch 
W. G. Cady?) außerordentlich zugute; bereits im 
Jahre 1923 hatte Cady°) selbst mit Hilfe einiger 
seiner Resonatoren vergleichende Messungen in ver- 
schiedenen Laboratorien ausgeführt. Nachdem die 
Quarzresonatoren in den darauffolgenden Jahren in 
ihren Eigenschaften : durch verschiedene Forscher 
näher untersucht waren, schlug das Bureau of Stan- 
dards im Jahre 1925 vor, dieselben für die inter- 
nationalen Frequenzvergleichungen zu benutzen, und 


zwar in der Form der sogenannten piezoelektrischen 


OÖszillatoren. 


Die Reichsanstalt benutzte, während diese Messun- | 


gen mit den Oszillatoren schon im Gange waren, die 
Gelegenheit, die hier entwickelten leuchtenden piezo- 
elektrischen Resonatoren nach E. Giebe und 
A. Scheibe*) zur internationalen Vergleichung mit 
heranzuziehen. 

Für diese in den Jahren 1926 und 1927 durch- 
geführten internationalen Frequenzvergleichungen 
dienten die folgenden Frequenznormale: 

a) Zwei piezoelektrische Öszillatoren des Bureau 
of Standards; diese waren noch nicht wie der später 
benutzte Oszillator unter b) mit einem Thermo- 
staten ausgerüstet, der den Zweck hat, den Quarz- 
kristall, der einen ziemlich hohen Temperaturkoeffi- 
zienten der Frequenz besitzt (Größenordnung 3—5 
.10—°/Grad), auf einer bestimmten konstanten Tem- 
peratur zu halten. 

b) Ein piezoelektrischer Oszillator des Bureau of 
Standards mit Thermostat. 

c) Vier piezoelektrische Leuchtresonatoren der 
Physikalisch-Technischen Reichsanstalt. 

An der Vergleichung waren die Staatslaboratorien 
von fünf Staaten beteiligt: Bureau of Standards 
(BOS) in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, 
National Physical Laboratory (NPL) in England, 
Telegraphie Militaire (TM) in Frankreich, Instituto 
Elettrotecnico c Radiotelegrafico (IE) in Italien, 
Physikalisch - Technische Reichsanstalt (PTR) in 
Deutschland. 


2. Der Normalfrequenzmesser und das 
Meßverfahren der PTR. 


Der Normalfrequenzmesser der Reichsanstalt ist . 


bereits früher ausführlich beschrieben?), so daß an 
dieser Stelle ein Hinweis auf seine wesentlichsten 


7 W. G. maei Proc. Inst. Rad. Eng. 10, S. 83. 1922. 
12, S. 805, 1924. 
al E. Giebe und A. Scheibe, ETZ 47, S. 380, 1926. 
5) E, Giebe u. E. Alberti, Ztschr. f. techn. Phys. 6, S. 92, 1925. 


l 


Internationale Vergleichungen von Frequenznormalen für elektrische Schwingungen. ` 


—— nn ne nn m nn ee mm ne 


Eigenschaften genügt. Der Apparat besteht aus 
T homsonschen Schwingungskreisen, und zwar 
aus Selbstinduktionsspulen in den Abstufungen 


10-1, 102, 5.10, 103, 5.10? Henry und aus ver- 
lustfreien, festen Luftkondensatoren der dekadisch 
abgestuften Kapazitäten von 50 bis 200000 uuF; 
sowie aus Drehkondensatoren geeigneten Meß- 
bereichs für die Feineinstellung. Durch elektrische 


 Abschützung von Spulen und Kondensatoren sind 
. die Eigenfrequenzen der Schwingungskreise genau 


. definiert, 


sie wurden in folgender Weise absolut 


.geeicht: 


-Frequenzbereich ein 


1. durch Berechnung nach Thomson’s Formel 
aus den absolut gemessenen Selbstinduktionen 
und Kapazitäten einschließlich Spulenkapazitäten, 


2. nach der Methode der harmonischen Ober- 
schwingungen, wobei die Frequenz der Grund- 
schwingung aus der Tourenzahl einer umlaufen- 
den Maschine oder mit Hilfe einer Stimmgabel 
ermittelt wurde. 


Die relative Meßgenauigkeit bei Messungen im 
und derselben Spule beträgt 


-jetzt 1—2. 10~5, die absolute Genauigkeit kann, nach- 
-dem mehrjährige gute Erfahrungen über die zeitliche 


zu etwa + 1. 


Unveränderlichkeit des Frequenzmessers vorliegen, 
10" geschätzt werden‘); dabei wird 


für höchste Genauigkeitsanforderungen die zu mes- 
-sende Frequenz mit mehreren verschiedenen Kom- 
- binationen von Induktivitäten und Kapazitäten be- 


- stimmt. 


Bei den vorliegenden Messungen wurden 


‚vier Induktivitäten von 107°. 5 - 10°, 10—~° und 5 . 10° ^ 
"Henry und Kapazitätsbeträge von 2000 bis 8000 uuF 
~ benützt. 


Die Abstimmung des Normalfrequenzmessers auf 


“die zu messende Senderfrequenz erfolgte nach der 
` Resonanzausschlagsmethode mittels Spiegelgalvano- 


“ Vermeidung von Kopplungseinflüssen sowohl 


Da zur 
er- 


meters und aperiodischen Detektorkreises. 


“ regender Sender als auch Detektorkreis sehr lose mit 


` dem Frequenzmesser gekoppelt sein müssen, 


so 


“ konnte man die sehr schwachen Schwingungen der 
. Piezooszillatoren nicht unmittelbar, sondern nur auf 
"dem Umwege über einen Hilfssender größerer Lei- 
-stung messen. Dieser Sender wurde mit einer seiner 
“ harmonischen Oberschwingungen auf die Schwingung 
des Piezooszillators nach der Schwebungsmethode 


ER u. S a: 


“mittels Detektors, Lautverstärkers und Telefons ab- 
gestimmt, seine Grundfrequenz wurde dann mit dem 
‘ Normalfrequenzmesser gemessen. 


Dieses indirekte 


- Verfahren bot den Vorteil, daß die Grundschwingung 
- des Hilfssenders für den Meßbereich der jeweilig 


-— 


bart ae‘ 


 natoren angewandt (vgl. Abschnitt 5). 


benutzten Selbstinduktionsspule des Frequenzmessers 
passend ausgewählt werden konnte, es wurde daher 
mit Nutzen auch bei der Messung der Leuclitreso- 
Die durch 
das Verfahren hinzukommenden Fehler sind ver- 


. schwindend klein, weil die Genauigkeit der Schwe- 
" bungsmethode bei hohen Frequenzen außerordentlich 


| 
p" 
N 


D 


` groß ist. 


6) Die absolute Genauigkeit der Frequenzskala der Reichs- 
anstalt ist neuerdings auf etwa das Zehnfache gesteigert, vgl. den 
‘demnächst in der Zeitschrift für Instrumentenkunde erscheinenden 


; Tätigkeitsbericht der PTR für das Jahr 1928. (Ref. in ds. Ztschr. folgt). 


War 
pef 


3. Piezooszillatoren ohne Thermostat 
als Vergleichsnormale. 


Ein Oszillator (BS 33465 — D mit Quarzplatte 
Nr. 15) wurde von den verschiedenen Laboratorien 
in der Reihenfolge Amerika, England, Frankreich, 
Italien, Deutschland, Amerika, ein zweiter (BS 33 465 
— C mit Quarzplatte Nr. 16) in der umgekehrten 
Reihenfolge gemessen. Die beiden Apparate wurden 
zu verschiedenen Zeiten vom Bureau of Standards 
im Jahre 1926 abgesandt und trafen in der PTR so 
ein, daß sie hier gleichzeitig um die Jahreswende 
1926/27 gemessen werden konnten. Sie hatten beide 
die gleiche Konstruktion und enthielten im wesent- 
lichen eine Verstärkerröhre, einen Schwingungskreis, 
einen Quarzplattenresonator und ein im Anodenkreis 
der Röhre liegendes Milliamperemeter zur Messung 
der Stärke des Anodengleichstromes. Die kreis- 
förmige Quarzplatte hatte einen Durchmesser von 
36 mm, eine Dicke von 6 mm und lag in einem aus 
Isoliermaterial bestehenden Gehäuse zwischen zwei 
als Anregungselektroden dienenden vernickelten 
Messingplatten, die wahlweise mittels eines Um- 
schalters entweder an Gitter und Kathode oder an 
Gitter und Anode der Röhre angeschaltet werden 
konnten. Der Resonator hatte drei elastische Grund- 
schwingungen der Frequenzen 75000 Hz, 106 000 Hz 
und 456 000 Hz, auf welche der im Anodenkreis der 
Verstärkerröhre liegende Schwingungskreis mit Hilfe 
eines Drehkondensators abzustimmen war. Der 
Öszillator wurde folgendermaßen in Betrieb gesetzt: 
Von der Einstellung 0° des Drehkondensators aus- 
gehend, steigert man langsam und stetig dessen 
Kapazität. Von einem gewissen Kapazitätsbetrag ab 
nimmt, wenn die vom Qwuarzresonator gesteuerten 
Schwingungen einsetzen, die Stärke des Anoden- 
gleichstromes allmählich ab bis zu einem Minimum, 
das bei einer bestimmten Kondensatoreinstellung er- 
reicht wird. Nach Überschreiten dieser Einstellung 
schnellt der Anodenstrom plötzlich auf seinen An- 
fangswert zurück, die Schwingungen setzen aus. 
Man stellt für den Betrieb so ein, daß der Anoden- 
strom nahezu den Minimalwert hat, die vom Quarz 
erregten Schwingungen haben dann die größte Inten- 
sität. 

Die Handhabung der Oszillatoren war insofern 
etwas schwierig, als die Schwingungen der Fre- 
quenzen 75000 und 106000 Hz nur recht schwer 
erregbar waren, während der Messung oft aus- 
setzten und bei geringer Stabilität in ihrer Amplitude 
schwankten. Hierdurch kam eine gewisse Unsicher- 
heit in die Messung dieser Frequenzen. Die dritte 
Frequenz von 456 000 Hz hingegen setzte leichter ein, 
zeigte sich stabil und war daher sicherer zu messen. 

Die Meßresultate aller Laboratorien sind in den 
Tabellen 1 und 2 zusammengestellt. Im BOS wurden 
die Oszillatoren zweimal gemessen, vor Absendung 
aus Washington und nach Rückkehr dorthin. Beide 
Meßwerte, die in den ersten beiden Zeilen stehen, 
sind gemittelt (BOS„, in der dritten Zeile). Dieses 
Mittel ist mit den Resultaten der übrigen Labora- 
torien zum Gesamtmittel vereinigt, das in der letzten 
Zeile der Tabellen verzeichnet ist. Die relativen Ab- 
weichungen der Einzelergebnisse vom Gesamtmittel 
sind in den Vertikalspalten unter A angegeben, sie 
betragen bis zu —10,5.10-* und +6,0.10%. Die 


N 


178 


mittleren Abweichungen 4, vom Mittel ergeben sich 
zu + 1,3 bis + 4,7.10**%, also zu einigen Zehntel 
Promille. 

Das Gesamtergebnis dieser Vergleichung ließ zwar 
einen deutlichen Fortschritt gegenüber den ersten 
durch Fernmessungen ausgeführten Vergleichungen 
erkennen, jedoch war es ziemlich wahrscheinlich, daß 
die Differenzen zwischen den Meßergebnissen der 
verschiedenen Länder nicht auf Differenzen in ihren 
Normalfrequenzskalen zurückzuführen seien, son- 
dern auf Mängel der benützten Piezooszillatoren. 
Einer dieser Mängel ist anscheinend die schon oben 
erwähnte Instabilität der Schwingung bei den Fre- 
quenzen von 75000 und 106000 Hz. Auch die zeit- 
liche Konstanz dieser Frequenznormale dürfte für die 
erwünschte Genauigkeit der Vergleichsmessungen 
nicht ausreichend sein; für den Oszillator 33465-D 
z. B. wurden im BOS zu Beginn und am Schluß aller 
Messungen die beiden Werte 75300 und 75330 Hz 
gemessen, die sich um 4.10-* unterscheiden. Dazu 
kommt endlich noch die Unsicherheit, die durch den 
hohen Temperaturkoeffizienten (3 — 5.10-°/Grad) 
solcher Oszillatoren bedingt ist. 


Vom BOS wurde daher, noch während die Ver- 
gleichungen der besprochenen Öszillatoren im Gange 
waren, eine verbesserte Konstruktion entwickelt, die 
mit einem Thermostaten zur Festlegung der Tem- 
peratur des Quarzresonators ausgerüstet ist. 


4. Piezooszillator mit Thermostat als 
Vergleichsnormal. 


Der Piezooszillator enthielt zwei Quarzplatten- 
resonatoren mit je einer Eigenfrequenz von etwa 
200 000 Hz. Die Resonatoren befanden sich zur Kon- 
stanthaltung ihrer Temperatur in einem elektrisch 
geheizten Thermostaten. Die Heizung ist eine halbe 
Stunde vor Beginn der Messungen einzuschalten, die 
Temperatur während der Messung betrug 46° C, im 
übrigen war der Apparat im Prinzip von ähnlicher 
Konstruktion wie in Abschnitt 3 bereits beschrieben. 
Zur Einhaltung möglichst gleicher Betriebsbedingun- 
gen der Öszillatorröhre (Type U X 210 für 90 V 
Anodenspannung) waren Meßgeräte für die Heiz- 
faden- und Anodenspannung eingebaut. 

An den Messungen in den einzelnen Laboratorien, 
die im Sommer 1927 ausgeführt wurden, war Herr 
Dellinger vom BOS persönlich beteiligt. In 
der PTR erfolgte die Messung der beiden Frequen- 
zen nach dem gleichen Verfahren, das auch für die 
anderen Oszillatoren angewandt worden war. 


Die Resultate der Messungen sind in der Tabelle 3 
in gleicher Weise wie bei den Tabellen 1 und 2 an- 
geordnet und gemittelt worden. Die beiden Quarz- 
platten sind mit Y und Z bezeichnet. Die Meß- 
ergebnisse aller Laboratorien stimmen ganz wesent- 
lich besser miteinander überein als bei den beiden 
früheren Piezooszillatoren in Tabelle 1 und 2, was 
auf die Benutzung eines Thermostaten und wohl 
auch noch auf andere Konstruktionsverbesserungen 
zurückzuführen sein dürfte. Die Abweichungen der 
Einzelwerte vom Mittelwert liegen durchweg unter- 
halb 1.10%, erreichen im Maximum + 5.105 und 
— 7.10”? und betragen im Mittel + 4.10%. 


Dieses gute Ergebnis führt zu dem Schluß, daß 
die Normalfrequenzskalen der an der Vergleichung 


E. Giebe und A. Scheibe: 


beteiligten Staaten im Bereich von 2.10° Hiz inner- 
halb von + 4 Hunderttausendsteln miteinander über- 
einstimmen. 
5. Leuchtende piezoelektrische 

Resonatoren als Vergleichsnormale. 

Bis zu Beginn der besprochenen Vergleichungen 
waren in der Reichsanstalt über das Verhalten der 
hier entwickelten leuchtenden piezoelektrischen Re- 
sonatoren Erfahrungen gewonnen, die ihre Benutzung 


Tabelle 1. 


Piezooszillatorr BS 33 465-D mit Quarzplatte Nr. 15 
ohne Thermostat. 


Labor. | Datum Freau. fa! af [Freau. 7, af [Freau fe] Jf 
Hz .10—4| Hz . 10-4 Hz .10—~ 
Amerika Dez.25 į 75 300 106 240 455 400 
BOS Juli 27 | 75 330 106 240 455 570 
BOS m 75 315 — 2,41106 240 + 2,6 [455 485 = 1,4 
England Febr. 26| 75 344 |+ 1,51106 273 + 5,7 1455 560 |- 0,2 
NPL 
en Juli 26 | 75 330 !— 0,41106 100 —10,51455 700 + 3,3 
T 
A Sept.26 | 75 347 |+- 1,91106 200 — 1,1 1455 474 — 1,6 
E 


Deutschland | Jan. 27 


75 331 — 0,3106 248 |+- 3,4 [455 525 — 05 
PTR | 


Mittelwert fm 75333 Hz | 106212 Hz | 455549 Hz 
Mittl, Abwelchg. Am | + 1,3-10-4 | + 4,7-10-4 | + 1,4-10— 
Tabelle 2. 


Piezooszillator BS 33465-C mit Quarzplatte Nr. 16 
ohne Thermostat. 


Labor. | Datum | Frequ. fa| sf Freau. fo af [Freau re] Jf 


Hz .10—4| Hz .10—4 Hz .10- 
Amerika Mai 261 75 037 105 870 455 833 
BOS Dez. 271 75 048 105 875 455 840 
BOSm 75 042 — 0,4105 872 — 2,5 |455 836 — 2,7 


lang Jan. 27 | 75 035 |— 1,3105 879 — 1,9 [455 940 — 0,4 


Italien März 27 


IE 
Frankreich 
TM 


75 090 + 6,0105 952 ‚+ 5,0 |456 152 |+ 4,2 


Juni 27 | 75 004 — 5,5 455 940 | 0,4 


England Juli 27 | 75 054 +- 1,2/105 891 — 0,8 1455 930 |— 0,7 
NPL 
455 960 Hz 


+ 1,7.104 


105899 Hz 
+ 2,6-10-4 


Mittelwert fm 75045 Hz 
Mittl, Abweichg. Am | + 2,9-10—4 


als Frequenznormale auch für die internationalen Ver- 
gleichungen aussichtsreich erscheinen ließen. Unter- 
suchungen über die Konstanz und Einstellgenauigkeit 
dieser Resonatoren hatten recht gute Resultate er- 
geben, der Temperaturkoeffizient ist sehr gering, 
mehr denn zehnmal kleiner als bei den Piezooszilla- 
toren. Über die Eigenschaften der Leuchtresona- 
toren wird demnächst an anderer Stelle berichtet 
werden, hier sei nur noch auf die große Einfachheit 
der Handhabung hingewiesen; die bei Piezooszilla- 


I ne EEE mas E E y, Zr EEE EEE E EEE nnwerCGTEUgGTe o y a EAR E EEE 


PE E 


e E O ni. g AEEA aE nn > A Te u EEE. > x 


— 
— 


N 


‘ 
m, 
au, 


y 


Internationale Vergleichungen von Frequenznormalen für elektrische Schwingungen. 


toren erforderlichen Hilfsmittel, Heiz- und Anoden- 


batterie sowie Thermostat, sind bei Leuchtresonatoren 
entbehrlich. - 


Auf Grund dieser Erfahrungen wurden von der 


„ Reichsanstalt zugleich mit den schon besprochenen 


“ Piezooszillatoren vier Leuchtresonatoren mit den 
= Nummern 10001 bis 10004 zur Messung in den ver- 


“d 


- PE = 


schiedenen Laboratorien abgesandt. Die Eigen- 


x frequenzen der Resonatoren wurden wesentlich höher 


+ gewählt als die der Piezooszillatoren, weil es prak- 


tisch von besonderem Interesse war, zu wissen, wie 
genau die Frequenzskalen der verschiedenen Länder 
in dem so dicht besetzten Frequenzbereich der Rund- 
funksender miteinander übereinstimmen. Mit Rück- 
sicht hierauf wurden Resonatoren der Nennfrequen- 
zen 5.10°, 7,5.10°, 2.10° und 4.10° Hz beschafft, die 


Bild 1. 


aber, was ausdrücklich bemerkt sei, bei der Kürze 


: der Zeit bezüglich ihrer Konstanz und Empfindlichkeit 


4 der Reichsanstalt gemessen wurden. 


nicht besonders ausgewählt und untersucht werden 
konnten; es sind also fabrikmäßig hergestellte Leucht- 
resonatoren”), die vor ihrer Rundreise nur einmal in 
Ein zweiter 
Resonator jeder Frequenz blieb zur Kontrolle in der 
Reichsanstalt zurück. Die Resonatoren Nr. 10004 
und 10003 (5.10° und 7,5.10° Hz), deren Form aus 
Bild 1 ersichtlich ist, bestanden aus parallelepipedi- 
schen Quarzstäbchen, welche in ihrer longitudinalen 
Grundschwingung angeregt werden; die im übrigen 
gleich gebauten Resonatoren 10002 und 10001 (2.10° 
und 4.10° Hz) enthielten quadratische Quarzplättchen 
und werden in einer besonders ausgeprägten Eigen- 
frequenz der elastischen Plattenschwingungen er- 
regt. Das Glasgefäß (Bild 1) ist mit einem Gemisch 
von Neon und Helium gefüllt, der Gasdruck beträgt 
wenige mm Heg. 

Zur Abstimmung eines Senders auf die Eigen- 
frequenz eines leuchtenden piezoelektrischen Reso- 
nators dient das folgende Verfahren. Der Sender 
wird zunächst ungefähr auf die Eigenfrequenz des 
Resonators eingestellt, z. B. mit Hilfe eines rohen 
Wellenmessers. Der Resonator ist an die Enden 
einer passend gewählten Spule anzuschließen, die mit 
dem Sender induktiv gekoppelt wird. Für die Reso- 
natoren Nr. 10004 und 10003 dient eine Spule von 250 
Windungen, für Nr. 10002 bzw. 10001 eine solche von 
75 bzw. 35 Windungen. Die Spulen sind von der im 
Radiohandel erhältlichen einfachen Art. Der Strom- 
kreis des Resonators braucht also nicht auf dessen 
Eigenfrequenz abgestimmt zu werden. Die Spulen 
haben nur den Zweck, eine durch Kopplungsänderung 


?) Von der Firma Loew e- Radio, Berlin-Steglitz,Wiesenweg 10. 


179 


leicht regulierbare, genügend hohe Wechselspannung 
an den Resonatoren zu erzeugen. 

Die Spule des Resonators wird zuerst so eng mit 
dem Sender gekoppelt, daß das Resonatorgefäß von 
einem schwachen Glimmlicht erfüllt ist. Die Fre- 
quenz des Senders wird dann sehr langsam geändert, 
bis das Aufleuchten des Quarzes den Eintritt der Re- 
sonanz anzeigt. Am Sender müssen Hilfsmittel vor- 
handen sein, z. B. fein einstellbare Kondensatoren 
kleiner Kapazität, welche die Frequenz bis auf ein 
Tausendstel Prozent sicher einzustellen gestatten. 

Um die genaue Resonanzeinstellung des Senders 
zu finden, wird die Koppelung zwischen Sender und 
Resonatorspule allmählich so lose gemacht, daß der 
Quarz nur eben aufleuchtet, wenn die Senderfrequenz 
den richtigen Wert hat. Bei losester Koppelung be- 
trägt die Leuchtbreite eines empfindlichen Resona- 
tors, d. h. das Frequenzintervall, innerhalb dessen 


Tabelle 3. 


Piezooszillator des Bureau of Standards mit Quarz- 
platten Y und Z mit Thermostat. 


Resonator Nr. | Y | Z 


Labor. | - Datum | Frequ. f | af | Frequ. f | af 
Hz .10% Hz .10-4 

Amerika | Juni 28 | 200 122 200 142 

BOS Nov. 28 | 200115 200 138 

BOSm 200118 |—0,3| 200140 | — 0,1 
England Juli 28 | 200118 | — 0,3] 200128 | — 0,7 

NPL 
Frankreich Aug. 28 | 200134 |+0,5| 200149 | +0,4 
mn Aug. 28 200 119 | — 0,3] 200137 | — 0,2 
Deutschland Aug. 28 | 200131 \+0,4| 200152 | + 0,6 

PTR 
Mittelwert fm 200 124 Hz 200 141 Hz 
Mittlere Abweichung Am + 0,4 - 104 + 0,4. 10 


das Leuchten bestehen bleibt, wenige Hunderttau- 
sendstel. Die Grenzen dieses Intervalls legt man zu- 
nächst fest durch diejenigen Gradeinstellungen des 
Senderkondensators, bei denen das Leuchten gerade 
ein- oder aussetzt. Stellt man dann den Kondensator 
auf die Mitte zwischen jenen beiden Grenzeinstellun- 
gen, so ist die Senderfrequenz bis auf etwa 1.10”? 
gleich der Resonatorfrequenz. 

Die Messung der Leuchtresonatoren erfolgte in 
gleicher Weise wie bei den Piezooszillatoren. Da 
der Normalfrequenzmesser der Reichsanstalt bei sehr 
hohen Frequenzen nicht die angestrebte hohe abso- 
lute Meßgenauigkeit ergibt, so wurde auch hier, wie 
in Abschnitt 2, ein Hilfssender benutzt und nach der 
Schwebungsmethode so abgestimmt, daß die Frequenz 
einer seiner Oberschwingungen gleich der Grund- 
frequenz des auf den Leuchtresonator abgestimmten 
Senders war. Die Frequenz der Grundschwingung 
des Hilfssenders wurde dann mit dem Normal- 
frequenzmesser gemessen. 

Die Meßergebnisse aller Laboratorien sind in Ta- 
belle 4 in gleicher Weise wie in den früheren Ta- 
bellen eingetragen und gemittelt. Der Resonator 


180 E. Giebe und A. Scheibe: Internationale Vergleichungen von Frequenznormalen für elektrische Schwingungen. 


10001 zerbrach auf dem Transport von Italien nach 
Frankreich und fiel dadurch für die weiteren Messun- 
gen aus. In den ersten beiden Zeilen der Tabelle 4 
stehen die beiden Frequenzwerte, die in der Reichs- 
anstalt vor und nach der Rundreise der Apparate 
gemessen wurden; wie die vorzügliche Ueberein- 
stimmung beider Werte lehrt, ist durch den Trans- 
port keine meßbare Aenderung der Normale relativ 
zur Frequenzskala der Reichsanstalt eingetreten. Aus 
der Tabelle 4 ist ferner ersichtlich, daß die Meßergeb- 
nisse der verschiedenen Laboratorien bei Resonator 
Nr. 10003 größere Schwankungen zeigen als bei 
Nr. 10002 und 10004. Die zunächst auftauchende 


amerika, von England, Frankreich, Italien und 
Deutschland wurden in den Jahren 1926 und 1927 mit 
drei Piezooszillatoren des Bureau of Standards und 
vier leuchtenden Piezoresonatoren der Physikalisch- 
Technischen Reichsanstalt durchgeführt, die als Fre- 
quenznormale von Laboratorium zu Laboratorium 
geschickt wurden. 

Die Frequenznormale hatten Nennwerte 
75 000, 106000, 200000, 456000, 500 000, 
2000 000 und 4000000 Hz. 

2. Die Frequenzskalen der beteiligten Länder 
stimmen jetzt bis auf etwa + 1/25000 miteinander 
überein. 


von 
750 000, 


Tabelle 4. 
Piezoelektrische Leuchtresonatoren der Physikalisch- 
Technischen Reichsanstalt. 


Resonator Nr. 10001 10002 10003 | 10004 
Labor. | Datum | Frequ. f | Af | Frequ. f | Af | Frequ. f | Af | Frequ. f | -Af 

i Hz . 10—44 Hz - 10-4 Hz - 10-4 Hz - 10-4 

Deutschland Januar 27 3 874 600 1 996 740 749 090 500 330 

PTR April 28 1 996 750 749 100 500 330 
PTRm 3 874 600 + 0,3 1 996 745 +0,3 749 095 +1,3 500 330 — 0,2 
ne April 27 3 874 400 — 0,3 1 996 500 — 0,9 748 920 — 1,1 500 370 + 0,6 
en Juli 27 1 996 750 -+0,3 748 860 — 19 500 310 — 0,6 
and Juli 27 1 996 730 +0,2 749 150 +2,0 500 380 -+0,8 
un Februar 28 1 996 700 +0,1 748 970 — 0,4 500 300 — 0,8 


Mittelwert fm . 3 874 500 Hz 1 996 685 Hz 748 999 Hz 500 338 Hz 
Mittlere Abweichung 4m + 0,3 - 10—4 + 0,4 . 10—4 + 1,3 - 104 + 0,6 - 104 
Vermutung, der Resonator Nr. 10003 sei weniger 3. Gegenseitige Störungen im praktischen draht- 


konstant als die übrigen, haben die nach Abschluß 
der internationalen Vergleichungen in der Reichsanstalt 
fortlaufend vorgenommenen Messungen nicht be- 
stätigt. Der fragliche Resonator erwies sich in jeder 
Beziehung gleichwertig mit den übrigen. Demnach 
scheint man annehmen zu müssen, daß entweder die 
Frequenzskalen bei 7,5.10° Hz weniger gut über- 
einstimmen als bei 5.10° und 2.10° Hz, was wenig 
wahrscheinlich ist, oder daß es sich um Meßfehler 
handelt, die zufällig bei einem Resonator größer aus- 
gefallen sind als bei den übrigen. 

Bei den Resonatoren Nr. 10002 und 10004 sind 
die mittleren Abweichungen vom Mittel, + 4.10-® 
und + 6.10, von derselben Größe wie bei dem 
Piezooszillatorr mit Thermostat (Tabelle 3), wo sie 
+ 4.10— betragen. Das Ergebnis der Messungen 
mit dem Piezooszillator für 2.10° wird also durch 
die Messungen mit den Leuchtresonatoren bei 5. 10° 
und 2-10° Hz bestätigt. 


Zusammenfassung. 


1. Internationale Vergleichungen der Normal- 
frequenzskalen der Vereinigten Staaten von Nord- 


losen Telephonieverkehr können demnach vermieden 
werden, wenn die Sendestationen ihre Betriebs- 
frequenzen genau nach den Normalskalen ihrer na- 
tionalen Laboratorien einstellen. 


4. Piezooszillatoren als Frequenznormale müssen 
durch einen Thermostaten auf konstanter, ein für 
alle Male gleicher Temperatur gehalten werden. 
Leuchtresonatoren haben einen wesentlich kleineren 
Temperaturkoeffizienten und sind daher ohne 
Thermostat benutzbar. 


5. Zur Frage, ob als Frequenznormal höchster 
Genauigkeit Piezooszillatoren mit Thermostat oder 
leuchtende piezoelektrische Resonatoren geeigneter 
sind, läßt sich, soweit die Ergebnisse der vorliegen- 
den Arbeit schon ein Urteil zulassen, sagen, daß 
beide Arten etwa gleichwertig sind. Jedoch dürften 
zur Klärung dieser Frage noch weitere Unter- 
suchungen und Erfahrungen erforderlich sein. In der 
praktischen Handhabung sind Leuchtresonatoren ein- 
facher als Piezooszillatoren. 


(Eingegangen am 4. Februar 1929.) 


181 


Die unmittelbare Messung von Entfernungen 
durch elektrische Wellen. 


Von W. Burstyn, Berlin. 


Inhaltsübersicht. 


Die im Titel gestellte Aufgabe läßt sich dadurch 
ösen, daß die für geringe Entfernungen geltende Ab- 
weichung der Strahlungsgesetze von der Linearität 
benutzt wird. 


Die gebräuchlichen Verfahren zur Ortsbestim- 
mung eines Schiffes mit Hilfe der Funkentelegraphie 
beruhen auf Richtungsbestimmungen. Entweder pei- 
len zwei feste Empfänger den beweglichen Sender 
an oder der bewegliche Empfänger zwei feste Sen- 
der. Immer ist ein von drei Stationen gebildetes 
Dreieck vorhanden. 

Eine wichtige Aufgabe, die auf diese Weise nicht 
gelöst werden kann, ist die Ortsbestimmung eines 
Schiffes gegenüber einem zweiten oder insbesondere 
einer Küstenstation. Erforderlich ist dazu außer der 
durch Anpeilen gefundenen Richtung die Kenntnis 
des Abstandes zwischen Sender und Empfänger. Die- 
sen unmittelbar zu messen erlauben die nachstehend 
beschriebenen Verfahren. Freilich ist die Messung 
nur auf eine Entfernung von einigen Kilometern hin- 
reichend genau, doch genügt das völlig für den vor- 
liegenden Zweck, nämlich die Vermeidung des Stran- 
dens oder Zusammenstoßens von Schiffen im Nebel. 

Die Verfahren benutzen den Umstand, daß die 
Fernwirkung einer Antenne — genauer ausgedrückt, 
der lineare Wert der elektrischen und magnetischen 
Stärke ihres Feldes — nur bei großen Entfernungen 
linear mit der Entfernung abnimmt. Bezeichnet man 
mit E; und H; die Augenblickswerte der elektrischen 
und magnetischen Feldstärke in der Aequatorialebene 
eines strahlenden Dipoles im Abstande r und zur 
Zeit t, so ist nach bekannten Formeln?) 


278] 2ır 2ar\2 | 
bi = 53y sin y 4 —— COS y Bu sin y| (1) 


H= 5; (co g i p), (2) 
r$ À 

' wobei A die Wellenlänge des Strahlers, 

| s seine Länge, 


4 = J sin wt seine Stromstärke 


27c =D r 
ec cl 
| Setzt man die für die Begriffe „Nah- und Strah- 
: lungsgebiet“ charakteristische Größe 


2ır 


Fe U, 


À 


-und 


| so wird (1) und (2) zu 
2 
E, = E [sin y (1— u?) + u cos y] (3) 


!) Das Maßsystem ist so gewählt, daß für unendliche Ent- 
fernung E = H. 


4n? J 


S . 
H, = Bu (cos y—u sin y) 


(4) 


Um beide Formeln als Sinusfunktionen darstellen 
zu können, wird eingeführt: 


In (3): 1— 2 = A cos n, u = A sin n, 


so daß A =V L + ut (5) 
t 
a: 6 
und tan y T (6) 
Desgleichen in (4): 1 = B sin ð, u = B cos 9, 
so daß 
B=V 1—2 (7) 
tan da — A (8) 
u 
Dies ergibt ; 
Ant JsA,. 
E, =a [sin (y+) (9) 
47°JsB 
H, = 5 los (y+ 9)] (10) 
mit den Scheitelwerten 
2 ` — 72 : d 
gt: VI an (11) 
À? w 
2 2 
p= 4s Vitu (12) 
2? u 
Für u = 1 wird 
An? Js 
E; = 72 
Damit ergibt sich 
Be A 
E=E, Le (13) 
2 
H=E, Au: = (14) 


Die Phasenverschiebung zwischen beiden beträgt 
(vgl. 9 und 10) 
= n — » 
Durch Einsetzen von 6) und 8) findet man 


1 
tan PT (15) 
Die Ergebnisse, die ohne weiteres auch für Antennen 
über gutleitender Erde gelten, sind den Schaulinien 
E, H und ? des Bildes 1 zu entnehmen. Es ist noch 
eine punktierte Hyperbel V eingezeichnet, die zeigt, 
wie die Feldstärke eines Senders verlaufen würde, 
der eine viel kürzere Wellenlänge besitzt und dessen 
Feld im Abstande u = 1, für die lange Welle gerech- 


182 


net (und zugleich in unendlicher Entfernung) ebenso 
stark ist wie das des langwelligen Senders. 


In Bild 2 sind die Werte von Z und z als Funk- 
tionen der Entfernungszahl u aufgetragen. Wie er- 
sichtlich, nimmt $ etwa von = 1,5 an mit der An- 
näherung an den Sender immer schneller zu, wäh- 
rend die Aenderung von u sich über ein größeres 


Gebiet erstreckt, aber langsamer erfolgt. 


Das einfachste Mittel 


E 
bietet die Bestimmung oder Schätzung der Größe 7 ; 


zur Entfernungsmessung 


Die Ausführung kann etwa in folgender Weise vor 
sich gehen: Der Luftdraht des Gebers sendet ab- 
wechselnd zwei Wellen aus, z. B. von 20 km und 
1 km Länge. Mit der langen Welle wird — ein be- 
kanntes Verfahren — der Morsebuchstabe a, mit der 
kurzen der komplementäre Buchstabe n selbsttätig 
telegraphiert; beide Buchstaben zusammen ergeben 
einen Dauerstrich. Um sicherzustellen, daß beide 
Wellen mit derselben Ueberlagerungswelle den 
gleichen Interferenzton liefern und stets im selben 
Stärkeverhältnisse empfangen werden, wird die 
kurze Welle mit dem 20. Oberton der langen Welle 
gesteuert und zugleich im Tempo derselben modu- 
liert. Der Empfänger besitzt eine Hochantenne, 
nimmt also E auf, hat doppelte Abstimmung und 
empfängt beide Wellen. Der Hörempfang erfolgt 
durch Ueberlagerung einer Welle von angenähert 
20 km Länge, und zwar wird die lange Welle un- 
mittelbar überlagert, die kurze nach Gleichrichtung. 
Beides kann in derselben Röhre vor sich gehen, so 
daß eine Aenderung der Heizung o. dgl. bei beiden 
Wellen in gleichem Maße wirkt. Die Verhältnisse im 
Geber und Empfänger werden so gewählt, daß in 
einer Entfernung von rund 3 km (u = 1 für die lange 
Welle) beide Wellen gleich stark empfangen werden. 
In größerer Entfernung hört man somit die kurze, in 
geringerer die lange Welle stärker. Das Verhältnis 


W. Burstyn: Die unmittelbare Messung von Entfernungen durch elektrische Wellen. 


beträgt im Abstande von: 
5 km etwa 0,8 


3,5 9 99 0,9 
3 » n» 1 
2,5 99 39 1,25 
2 » n» 18 
1,5 29 39 3,5 


Der Beobachter wird also in großen Entfernungen 
nur den Buchstaben n hören, bei geringeren werden 
auch die Pausen mit einem schwachen Ton gefüllt, 
in 3 km Entfernung hört er einen ununterbrochenen 
Ton und in noch geringerer Nähe tritt das warnende 
a immer stärker hervor. Um die Entfernung akustisch 
zu messen, braucht man nur den Empfang des a durch 
einen geeichten Widerstand im Abstimmkreise der 
langen Welle soweit zu schwächen, daß die beiden 
Buchstaben wieder verschwimmen. Schwankungen 
von 10% innerhalb eines gleichbleibenden Tones sind 
mit dem Ohre noch leicht wahrzunehmen. Die Un- 
genauigkeit dieser akustischen Messung würde daher, 
wie aus der obigen Tabelle abzulesen, im Abstande 
von 3 km höchstens 20%: betragen. 


Zur objektiven Entfernungsmessung könnte ein 
Sender benützt werden, der dauernd oder in langen 
Strichen die lange Welle und zugleich als bevorzugten 
Oberton die kurze Welle ausstrahlt. Die Feldstärke 
der beiden Wellen wird im Empfänger getrennt ge- 
messen. Ein Kreuzspuleninstrument würde die un- 
mittelbare Ablesung der Entfernung gestatten. 


Ein Rahmen spricht auf die magnetische Feld- 
stärke an. Benutzt man einen solchen für den Emp- 


fänger, so verteilt sich, wie aus der Kurve > des 


Bild 2 zu entnehmen, die Stärkezunahme des Buch- 


stabens a gegenüber n auf eine längere Strecke. 


Aehnliche Meßverfahren können auf den Vergleich 
der elektrischen und magnetischen Feldstärke eines 


Bild 2. 


Pr EEE BEE > m e a G 


einzigen langwelligen Senders oder auf die Messung i 


der Phasenverschiebung zwischen beiden aufgebaut 
werden, wobei der Empfang gleichzeitig mit Rahmen- 
und Hochantenne zu erfolgen hat. Das zuerst be- 
schriebene Verfahren ist jedoch einfacher- und zu- 


k 
\ 


Mitteilungen aus der Praxis, 183 


verlässiger. Der einzige Einwand, den man dagegen 
erheben könnte, ist der, daß das Verhältnis zwischen 
der Absorption der kurzen und der langen Wellen 
schwanken wird. Das ist aber bei den geringen in 
Frage kommenden Entfernungen auf. dem Wege 
zwischen Sender und Empfänger mindestens über 
See gewiß nicht in merkbarem Grade der Fall. Die 
Ungleichheit für verschiedene Richtungen auf dem 
Schiffe selbst kann in ähnlicher Weise berücksichtigt 
oder ausgeglichen werden, wie es für den Kompaß 
und die Funkpeilung geschieht. 

Verfasser hatte die beschriebenen „Verfahren zur 
Messung von Entfernungen mittels drahtloser Tele- 
graphie“ im lahre 1919 zum Patent angemeldet, das 
Patent (Nr. 361 446) jedoch fallen lassen, weil damals 
die Funktechnik noch nicht hinreichend entwickelt 
war, um einen Versuch mit Erfolg ausführen zu kön- 
nen. Inzwischen sind derartige Fortschritte gemacht 
worden, daß dem Verfahren technische Schwierig- 


keiten nicht mehr im Wege stehen dürften. Darum 
sei hiermit auf diesen noch unbeschrittenen Weg zur 
Sicherung des Schiffsverkehrs hingewiesen. 


Zusammenfassung. 


Aus den Hertzschen Strahlungsgesetzen werden 
übersichtliche Formeln für die Empfangsstärke in Ab- 
hängigkeit vom Senderabstand abgeleitet und in 
Kurven dargestellt. Die für Entfernungen von unter 
etwa = auftretenden Abweichungen vom linearen Ge- 
setzt gestatten, z. B. durch Vergleich der Empfangs- 
stärke zweier Wellen sehr verschiedener Länge, den 
Abstand vom Sender zu schätzen oder zu messen. Das 
Verfahren ist für Entfernungen bis zu einigen Kilo- 
metern geeignet und soll insbesondere zur Orien- 
tierung von Schiffen im Nebel dienen. 


(Eingegangen am 12. Februar 1929.) 


Druckfehler-Berichtigung. 


Im Zusammenfassenden Bericht „Die Erzeugung 
kürzester elektrischer Wellen mit Elektronenröhren“ 
von H. E. Hollmann, ds. Ztschr. 33, S. 102, 1929, 
Heft 3 muß es in der 30. Zeile der rechten Spalte heißen 
Elektroden - Wechselspannungen (statt Elektronen- 
Wechselspannungen). 


Mitteilungen aus der Praxis. 


j 


: Eine neue Lautsprecherröhre. 
Von Telefunken, Berlin. 


Die von Telefunken neu herausgebrachte Laut- 
sprecherröhre mit der Typenbezeichnung RE 114) 
besitzt Azidfaden. Ihre Abmessungen sind so ge- 
wählt, daß man bereits mit kleineren Anodenspannun- 
gen von etwa 100 V vorzügliche Resultate erzielt. 


+ UNV-42-0 -16 -8 0 
RE 112 


Das Bild zeigt die Charakteristik der neuen Röhre, 
die folgende elektrische Daten aufweist: 
Fadenspannung 3,8 — 4 V 
Heizstrom 0,15 A 


1) Preis 8 RM. 


Anodenspannung 40 — 150 V- 

Steilheit 1,4 mA/V 

Durchgriff 20% 

Innerer Widerstand 3500 Q 

Emission 40 mA 

durchschnittlicher Anodenstrom-Verbrauch 
7 mA. 


Ein neuer Hraftverstärker. 
Von Telefunken, Berlin. 


Soll Rundfunkempfang oder Schallplattenmusik 
von einer zentralen Anlage aus auf eine größere An- 
zahl von Lautsprechern übertragen werden, so reicht 
die Leistung der gewöhnlichen Verstärker im all- 
gemeinen nicht aus, es muß vielmehr noch eine be- 
sonders leistungsfähige Kraftverstärker-Endstufe an- 
gefügt werden. Der neu herausgekommene Kraft- 
verstärker von Telefunken Type K V 11!) ist mit der 
Kraftverstärkerröhre Telefunken RV 218 ausgerüstet 
und entnimmt alle erforderlichen Spannungen aus 
dem Wechselstrom-Lichtnetz. Zur Gleichrichtung 
dienen 2 in Serie geschaltete Gleichrichterröhren RGN 
1503. 

Da die modernen Empfänger bereits zur Schall- 
plattenverstärkung eingerichtet sind, besteht keine 
Schwierigkeit, einen solchen Verstärker umschaltbar 
für Schallplatten- und Rundfunk-Wiedergabe aufzu- 


1) Preis ohne Röhren RM. 190.— Ein Satz Röhren RM.78.— 


184 


bauen. Dazu bedarf es keiner komplizierter Empfän- 
ger, selbst bei einem einfachen Gerät, wie z. B. die 
Arcolette 3 W, kann man ganz erstklassige Laut- 
sprecherwiedergabe in vielen Räumen vermitteln. 


zwecke und im Laboratorium wegen seiner bequemen 
Handhabung ein willkomenes Gerät bilden. 


Neue Hilfsmittel für aKustische Messungen. 
Aus dem Reichspostzentralamt, Berlin. 


Schall-Messungen finden in der Technik in immer 
größerem Umfange Verwendung, so bei elektro- 
akustischen Untersuchungen (Prüfung von Mikropho- 
nen, Telephonen und Lautsprechern), aber auch zur 
Bearbeitung von Aufgaben aus dem Gebiete der 
Raum- und Bauakustik (Nachhallzeit, Schalldämpiung, 
Schalldurchlässigkeit). Strom- bzw. Schallerzeuger, 
die für die genannten vielseitigen Zwecke geeignet, 
zugleich aber handlich und leicht bedienbar sind, 
fehlten bisher. 


Um diesem Uebelstand abzuhelfen, 


Patentschau. 


sind die wichtigsten Meßtöne vom Reichspostzentral- 
amt (TRA) (Dr. Meyer, Dr. Salinger) gemein- 
sam mit der C. Lindström A.-G. auf Schallplat- 
ten fixiert worden. Die Platten können in Verbin- 
dung mit einem mechanischen oder elektrischen 
Grammophon als Schallquelle, außerdem mit elek- 
trischer Abnahmedose als Wechselstromgenerator 
dienen. 

Es wurden folgende Meßplatten hergestellt: 

1. Gleitender Ton: Die Frequenz beginnt bei 6000 
Hertz und ändert sich stetig bis 100 Hz. Die Ampli- 
tude der Abnahmenadel ist dabei umgekehrt propor- 
tional der Frequenz. 

Rückseite: Gleitender Heulton: Wie oben, doch 
wird die Frequenz etwa 10 mal ie Sekunde um + 
50 Hz geändert. 

Mit Hilfe dieser Platte lassen sich Frequenzkurven 
von Telephonen, Lautsprechern usw., aber auch von 
elektrischen Gebilden (Uebertragern, Verstärkern 
usw.) aufnehmen, nachdem die Kurve des Abnahme- 
organs mit Hilfe der gleichen Platte bestimmt ist. 

2. Heultöne: Diese Platte liefert Heultöne, bei 
denen die Frequenz etwa 10 mal je Sekunde um 
einen mittleren Betrag pendelt. 

Vorderseite: 150 + 50 Hz, 300 + 50 Hz. 
Rückseite: 600 + 50 Hz, 1200 + 50 Hz. 

3. Heultöne: 

Vorderseite: 2400 + 50 Hz, 4800 + 50 Hz. 
Rückseite: 900 + 600 Hz, 1900 + 1700 Hz. 

Die Heultöne können für Zwecke der Raum- und 
Bauakustik, sowie bei der Mikrophon- und Telephon- 
prüfung Verwendung finden. 

Die Platten sind als Parlophon-Platten im Handel 
erhältlich. 


Patentschau. 
Von Carl Lübben. 


Röhren-Seuıder. 

D.R.P. 472 429, Klasse 21a*, Gruppe 8 (Telefunken), 
Pat. vom 30. Dezember 1927, ausgegeben am 27. Fe- 
bruar 1929; identisch mit Brit. Pat. 303 171. 

Bei Röhrensendern treten durch die Zuleitungen 
leicht Störschwingungen auf kurzen Wellen auf, die 


Bild 1. 


man dadurch zu vermeiden sucht, daß man in die Zu- 
leitungen Drosseln einschaltet. Die Einfügung von 
Drosseln reicht dagegen zum Schutz gewöhnlich nicht 
aus, da diese selbst leicht zu Eigenschwingungen er- 
regt werden. Erfindungsgemäß soll daher in die Zu- 
leitungen durch Ohmsche Widerstände W (Bild 1) 


überbrückte Drosseln D eingeschaltet werden. Die 
Anwendung hoher Ohmscher Widerstände allein ver- 
bietet sich durch den entstehenden hohen Spannungs- 
abfall und den damit verbundenen Energieverbrauch. 


Röhrensender. 


Brit. Pat. 303 150 (Telefunken, 29. Dezember 1927), 
veröffentlicht am 20. Februar 1929. 


Bild 2. 


Um eine zu hohe Belastung des Röhrensenders zu 
verhindern, wenn der Nutzkreis z. B. durch Zer- 
reißen der Antenne gestört ist, soll erfindungsgemäß 
der Nutzkreis (Antennenkreis) mit dem Arbeitskreis | 


De EEE E E > 


— un 


(Bild 2) des Generators durch mehrere Zwischen- 
kreise II, III gekoppelt werden. Der Generatorkreis 
ist mit den Zwischenkreisen induktiv, die Zwischen- 
 kreise sind miteinander kapazitiv gekoppelt. 


Fremdgesteuerter Röhrensender. 


Brit. Pat. 303 367 (Telefunken), 31. Dezember 1927, 
veröffentlicht am 27. Februar 1929. 


Bei dem in Bild 3 dargestellten fremdgesteuerten 
Röhrensender soll der Gitterkreis aus einem Parallel- 
kreis S und einer Hintereinanderschaltung einer 
 Selbstinduktion Z und eines Kondensators C gebildet 


N 


Bild 3. 


werden. Für Zwecke des Telephoniesendens liegt 
| parallel zum Gitterkreis ein Dämpfungswiderstand W, 
| der eine zu scharfe Resonanz verhindern soll. 


Mehrfachschwingungs-Erzeuger. 


| D.R.P. 472128, Klasse 21a‘, Gruppe 8 (Philips, 
Holland), Pat. vom 11. Januar 1927, ausgegeben am 
. 23. Februar 1929. Holländische Priorität vom 
. 12. Januar 1926. 


Ä Bekanntlich kann durch mehrere Drei-Elektroden- 
- Röhren, die in Widerstandsverstärkung gegenseitig 
gekoppelt sind, eine Mehrfachschwingungserzeugung 
. erzielt werden, indem periodisch scharfe Strom- 
impulse auftreten, deren Frequenz durch das Produkt 
aus C und R annäherungsweise bestimmt ist. 
Erfindungsgemäß werden die gleichen Ergebnisse 
mit der halben Zahl von Röhren erzielt, wenn Doppel- 


gitter-Röhren verwendet werden. Die Schaltung 
zeigt das Bild 4. Zwischen beiden Gittern liegt der 
sich periodisch entladende Kondensator C. Das eine 
Gitter ist über einen Widerstand R mit der Kathode 
verbunden, während ein Punkt P des Anodenstrom- 
- kreises über einen Widerstand r mit dem anderen 
- Gitter verbunden ist. Die Größe des Kondensators C 
ist zwischen 2000 cm und 1 Mikrofarad zu wählen, 
: während r einige tausend Ohm und R etwa ein 
` Megohm beträgt. 


Piezo-Kristall. 
Brit. Pat. 302 726 (Telefunken, 21. Dezember 1927), 
» veröffentlicht am 13. Februar 1929, 
= ‚Erfindungsgemäß sollen Piezokristalle künstlich in 
~ der Weise hergestellt werden, daß feingepulvertes 


Patentschau. 


185 


Piezomaterial mit einem geeigneten Bindemittel 
(Wachs) gemischt und unter Einwirkung eines elek- 
trischen Feldes — gegebenenfalls unter Anwendung 
von Druck — zu einem festen Körper zusammen- 
gefügt werden. Durch die Einwirkung des elektrischen 
Feldes werden die einzelnen Piezoteilchen in eine be- 
stimmte Richtung gebracht, so daß der ganze Körper 
piezoelektrische Eigenschaften zeigt. 


Piezoelektrische Wellenkontrolle. 


Franz. Pat. 648 687 (Soc. Le Matr. anonym, 13. Fe- 
bruar 1928), veröffentlicht am 12. Dezember 1928. 


Um die Belastung der Piezokristalle herunter- 
zusetzen, verwendet man Einrichtungen, bei denen 
mehrere Piezokristalle hintereinander geschaltet sind, 
um eine Spannungsunterteilung zu erzielen. _ 

Erfindungsgemäß soll dieselbe Wirkung unter Ver- 
wendung eines einzigen Piezokristalles erzielt 
werden, indem der Piezokristall P (Bild 5) mit 


he 


mehreren Elektrodenpaaren, a 1, b 1,a 2, b 2, a 3, b 3, 
a 4, b4, versehen ist, die wechselseitig so miteinander 
verbunden sind, daß eine Spannungsunterteilung ein- 
tritt und die Belastung zwischen zwei Elektroden 

infolgedessen verringert wird. 


Piezoelektrische Schwingungskontrolle. 


D.R.P. 471630, Klasse 21a*, Gruppe 8 (Radio- 
Corp. New York), Pat. vom 4. April 1928, ausgegeben 
am 15. Februar 1929. Amerikanische Priorität vom 
5. Mai 1927. 

Die gewöhnliche Erregung piezoelektrischer 
Kristalle ist schwierig für niedrige Schwingungen, da 
die Frequenz von der Masse pro Volumeinheit ab- 


Bild 6. 


Bild 7. 


hängt und infolgedessen große Kristalle verwendet 
werden müssen, die schwer herzustellen sind. 


Erfindungsgemäß soll die natürliche Frequenz 
eines Piezokristalls dadurch veringert werden, daß 
man den Kristall nach der Art der Stimmgabel 
schwingen läßt. Dieses kann z. B. dadurch erreicht 
werden, daß der Kristall sich mit seinen Seiten 


186 


zwischen zwei Elektroden E,, E, (Bild 6) gleicher 
Polarität befindet und an seinem Ende mit einer 
dritten Elektrode E, entgegengesetzter Polarität ver- 
sehen ist. Die elektrischen Kraftlinien verlaufen in 
diesem Falle von den Seiten nach dem Ende des 
Kristalls, wie dieses in Bild 6 angedeutet ist. Die 
Schaltung einer solchen Piezoeinrichtung in Ver- 
bindung mit einer Röhre zeigt Bild 7, in der auch an- 
gedeutet ist, in welcher Weise der Kristall schwingt. 


Piezoelektrische Schwingungskontrolle. 


D.R.P. 471631, Klasse 21a‘, Gruppe 8 (Telefunken), 
Pat. vom 22. August 1926, ausgegeben am 18. Februar 
1929, 


Zur piezoelektrischen Schwingungskontrolle ver- 
wendet man Quarzkörper, die in ein evakuiertes gas- 
gefülltes Gefäß eingeschlossen sind und bei der 
Resonanz aufleuchten. Diese Anordnungen haben den 
Nachteil, daß die Leuchtenergie sehr gering ist und 
Aenderungen der Wellenlänge des Kristalls nur mög- 
lich sind, wenn der Kristall aus dem Vakuum wieder 
herausgenommen wird. 

Erfindungsgemäß soll eine besondere Leucht- 
röhre G (Glimm- oder Helium-Röhre) (Bild 8) ver- 
wendet werden, die in Reihe mit dem Piezo-Kristall P 


zA P 


E 


Bild 8. 


in den Prüfkreis eingeschaltet ist. Die Energie des 
schwingenden Kristalls bringt diese Röhre im Moment 
der Resonanz zum Leuchten. Die Erregung kann auch 
dadurch gesteigert werden, daß eine Hilfsspannung 
an den Klemmen der Leuchtröhre liegt, wodurch die 
Einsatzspannung der Röhre vermindert wird. 


Kurzwellenröhren-Sender. 

D.R.P. 471524, Klasse 21a‘, Gruppe 9 (Zäiek, 
Prag), Pat. vom 31. Mai 1924, ausgegeben am 14. Fe- 
bruar 1929, 

Die Erfindung betrifft eine Einrichtung zur Er- 
zeugung kurzer Wellen mittels Elektronen-Röhren 
unter Ausnutzung der Wirkungen eines Magnetfeldes 


Bild 9. Bild 10. 

der die Frequenz der entstehenden Schwingungen 
nicht durch die Konstanten eines Schwingungskreises 
bestimmt wird, sondern eine Funktion der Intensität 
eines magnetischen Feldes, der Elektrodenspannung 
und der Elektrodenabstände ist. Diese Art der 


Patentschau. 


Schwingungserzeugung kann als ein Analogon zu der 
Barkhausen-Kurz-Methode angesehen werden, bei der 
die Frequenz durch die Pendelfrequenz der Elek- 
tronen infolge der Einwirkung elektrischer Felder be- 
stimmt wird, während im vorliegenden Falle die 
Frequenz der Elektronen infolge der Wirkung eines 
magnetischen Feldes bestimmt ist. Die aus dem 
Draht austretenden Elektronen werden durch ein 
Magnetfeld, welches parallel zum Glühdraht verläuft, 
abgelenkt und beschreiben in Ebenen senkrecht zum 
Magnetfeld spiralförmige Kurven um den Glühdhraht. 
Bild 9 zeigt eine einfache Anordnung dieser Art unter 
Verwendung einer Zweielektroden-Röhre. Das auf 
den Glühdraht wirkende Magnetfeld ist durch M an- 
gedeutet, mit dem Anodenkreis ist der Nutzkreis N 
gekoppelt. Bei der in Bild 10 dargestellten An- 
ordnung wird eine Dreielektrodenröhre verwendet, 
bei der das Gitter eine günstige Vorspannung erhält. 


Kurzwellen-Röhrensender. 

Franz. Pat. 646 949 (Lorenz, 11. Januar 1927), ver- 
öffentlicht am 17. November 1928. 

Bei dem in Bild 11 dargestellten Kurzwellen- 
Röhrensender sollen Kopplungsspulen ZL,, L, und L 
verwendet werden, die symmetrisch ausgebildet und 

+0 +0 


Mk: 


Bild 11. 


angeordnet sind, wie dieses das Bild 11 zeigt. Die 
Symmetriepunkte der Kopplungsspulen sind mit der 
Katlıode verbunden und befinden sich infolgedessen 
mit Bezug auf die Hochfrequenz auf Nullpotential. 


Fading-Beseitigung. 

D.R.P. 471741, Klasse 21a?, Gruppe 9 (Int. Gen. 
El. Co.), Pat. vom 1. Dezember 1926, ausgegeben am 
16. Februar 1929, Amerikanische Priorität vom 30. No- 
vember 1925; identisch mit Brit. Pat. 262152. Ver- 
gleiche Referat in dieser Zeitschrift 30, S. 168, 1927, 
Heft 5. 


Fading-Beseitigung. 

D.R.P. 472 430, Klasse 21a*, Gruppe 9 (Telefunken), 
Pat. vom 25. November 1927, ausgegeben am 28. Fe- 
bruar 1929; identisch mit Brit. Pat. 301 326. Ver- 
gleiche Referat in dieser Zeitschrift 33, S. 150, 1929, 
Heft 4. 


| Fading-Beseitigung. 

Brit. Pat. 303 634 (Western El. Co., 19. September 
1927), veröffentlicht am 19. Dezember 1928. 

Zur Fadingbeseitigung sollen die beiden. polari- 
siertten Komponenten der elektrischen Welle am 
Empfänger durch geeignete Richtantennen getrennt 


nn. — ie nn nn EEE DO ame 


— 
_— 


Patentschau. 


„aufgenommen und danach in der richtigen Phase im 
.Empfangsgerät vereinigt werden. 


r N 


~- 


Sendeveriahren. 


Brit. Pat. 292524 (Telefunken, 20. Juni 1927), ver- 


~ öffentlicht am 4. Oktober 1928. 


Es hat sich herausgestellt, daß beim Empfanz 


~- häufig die gleichen Signale mehrfach aufgenommen 


“werden und dadurch Störungen auftreten. Diese Er- 
- scheinung hat ihre Ursache darin, daß die elektrischen 


- Wellen vom Sender zum Empfänger die Erde nach 
- beiden Richtungen hin umlaufen bzw. mehrfach um 


- die Erde 


herumlaufen. Die dadurch verursachten 


. Störungen sollen erfindungsgemäß beseitigt werden 


u Sh 


durch eine synchrone Wellenänderung am Sender 


: und Empfänger mit einem periodischen Wellen- 
=~ wechsel in einer Periode von ca. '/; Sekunde. 


Gegentakt-Modulationsschaltung. 
D.R.P. 471632, Klasse 21at, Gruppe 15 (Intern. 


: Western. EI. Co.), Pat. vom 8. Oktober 1924, aus- 


- herausgestellt, 


gegeben am 16. Februar 1929, 


Bei Gegentakt-Modulationsschaltungen hat sich 
daß die Kapazität der Eingangs- 


: kopplung zur Erde, sowie der ankommenden Leitung 


einen Nebenschluß zum Gitterkreis des Modulators 


bildet, so daß ein größerer Betrag an Modulations- 


_ energie notwendig ist. 


, seitigt werden, daß in die Gitter-Zuführungsleitungen 


Erfindungsgemäß soll dieser Nachteil dadurch be- 


. der Niederfrequenzkreise Drosselspulen D (Bild 12) 
- eingeschaltet sind, die das Eindringen der Hoch- 


frequenz in die Teile der Schaltung verhindern, 


welche Niederfrequenz führen. Die Drosselspulen 


‚ können auf einem einzigen Kern angebracht sein. 


© Tastschaltung für Röhrensender mit Lastausgleichs- 


Röhre. 
D.R.P. 471 895, Klasse 21a, Gruppe 16, Pat. vom 


18. Oktober 1927, ausgegeben am 19. Februar 1929 


“on oega 


(Telefunken). 


+ 


Bild 13. 


Bei Röhrensendern, deren Betriebsspannung einem 


' Netz entnommen wird, verwendet man sogenannte 


Lastausgleichs-Schaltungen, die den Zweck haben, in 


‘ den Tastpausen die Spannungsquelle durch einen be- 


K 
i 

| 
il 


ri 
e 


sonderen Stromkreis zu belasten und auf diese Weise 


187 


Schwankungen der Netzspannung zu verhindern. Die 
Lastausgleichskreise bestehen gewöhnlich aus einer 
oder mehreren Röhren, die parallel zur Senderöhre an 
das gleiche Netz angeschaltet sind und in Abhängig- 
keit von der Tastung so gesteuert werden, daß in den 
Tastpausen die Abnahme der Netzbelastung durch 
eine Zunahme der Belastung mittels der Last- 
ausgleichsröhre kompensiert wird. 

Erfindungsgemäß soll die Steuerung der Last- 
ausgleichsröhre durch die Aenderung des Gittergleich- 
stromes der Senderöhre bewirkt werden. Zu diesem 
Zweck liegt im Gitterkreis der Senderöhre S (Bild 13) 
ein Widerstand W, der auch zugleich im Gitterkreis 
der Lastausgleichsröhre L eingeschaltet ist. 


Reflektor für elektrische Wellen. 


Brit. Pat. 302793 (Riccia, 1. Dezember 1927), ver- 
öffentlicht am 27. Dezember 1928. 

Als Reflektor für elektrische Wellen soll ein 
zylindrischer Reflektor verwendet werden, der 
elliptischen Querschnitt besitzt und in der Richtung 
der großen Achse ein Fenster zum Austritt der 
Strahlen besitzt, wie dieses das Bild 14 zeigt. Die 
Antenne ist in einem der Brennpunkte F, oder 
F, parallel zu den Erzeugenden des Zylinders an- 


Bild 14. 


geordnet. Die von der Antenne ausgehenden Wellen 
treten nach einmaliger oder melhrmaliger Reflektion 
an den Wänden des Reflektors aus dem Fenster aus. 
Die Dimensionierung der Ellipse wird in Abhängig- 
keit von der benutzten Wellenlänge vorgenommen. 


Kurzwellenempiangs-Antenne. 
Franz. Pat. 648548 (Radio Corporation, 8. Fe- 
bruar 1928), veröffentlicht am 11. Dezember 1928. 
Für Kurzwellenempfang verwendet man sogen. 
Beverage-Antennen, die aus langen Horizontal- 


Bild 15. 


drähten bestehen, die vorwiegend in der Empfangs- 
richtung ausgespannt sind. Bei solchen Antennen ist 
es notwendig, die Verhältnisse so zu wählen, daß die 


Żi ll 


T T 


Bild 16. 


Fortpflanzungsgeschwindigkeit in den Antennen- 
drähten und im Raume die gleiche ist. 
Erfindungsgemäß wird dieses dadurch erreicht, 
daß mit den Horizontaldrähten a (Bild 15) Quer- 
drähte b verbunden sind, deren Länge gleich der 


188 


halben Wellenlänge ist. Die Querdrähte können auch 
kapazitiv mit den Horizontaldrähten gekoppelt sein, 
wie dieses das Bild 16 zeigt. 


Peilgerät. 
D.R.P. 471633, Klasse 21la*, Gruppe 48 (Rempe), 


Pat. vom 31. Dezember 1927, ausgegeben am 14. Fe- 
bruar 1929. 


Die Erfindung betrifft ein Peilgerät, insbesondere 
für Luft- und Wasserfahrzeuge, und beruht auf dem 
Prinzip eines Dynamos mit Fremderregung. Die mit 
einer Richtantenne aufgefangenen und gleichgerich- 
teten Wellen sollen dazu verwendet werden, das 
Feld eines Dynamos zu erregen, der in irgendeiner 
Weise angetrieben wird. Die erzeugte EMK wird 
durch ein Instrument angezeigt und ist ein Maß für 
die Richtung der ankommenden Wellen. 


Schirmgitter-Röhre. 


Brit. Pat. 303888 (Soc. des Etabl. Ducretet, 
13. Januar 1928), veröffentlicht am 6. März 1929. 


Zur Verringerung der Kapazität zwischen Anode A 
und Steuergitter G, sollen die Zuleitungen und die 
Anschlußkontakte des Schirmgitters G> und der 


oA 


06 
Bild 17. 


Kathode K geeignet angeordnet und als metallische 
Schirmflächen E (Bild 17) ausgebildet werden. 


Lichtelektrische Zelle. 


D.R.P. 472485, Klasse 21g, Gruppe 29 (Siemens- 
Schuckert), Pat. vom 29. Januar 1927, ausgegeben 
am 28. Februar 1929. Amerikanische Priorität vom 
20. Mai 1926. 


Die Photozellen enthalten gewöhnlich als photo- 
elektrisch aktives Material Alkali - Metalle, wie 
Natrium, Kalium, Rubinium, Caesium usw., deren 
Schmelzpunkte so niedrig liegen, daß sie schon bei 
gewöhnlichen Temperaturen verdampfen. Aus diesem 
Grunde müssen solche Zellen mit besonderen Elek- 
troden versehen und vor jeder Ueberhitzung sorg- 
fältig geschützt werden. 


Erfindungsgemäß soll eine lichtelektrische Zelle, 
die nicht temperaturempfindlich ist, hergestellt 
werden als ein Gemisch aus dem genannten photo- 
elektrisch aktiven Material mit niedrigem Schmelz- 
punkt und einem Stoff von höherem Schmelzpunkt, 
z. B. Barium, so daß die Mischung und die Legierung 
einen höheren Schmelzpunkt hat. 


Lichtsteuerung für Bildtelegraphie. 
D.R.P. 471160, Klasse 21a’, Gruppe 32 (Tele- 
funken), Pat. vom 24. März 1926, ausgegeben am 
8. Februar 1929. 


Patentschau. 


Zur Lichtsteuerung verwendet man Zellen, bei 
denen polarisiertes Licht durch einen anisotropen 
Körper dringt, der elektrischen Spannungsschwan- 
kungen ausgesetzt wird. Die Beeinflussung des 
Lichtes beruht sowohl auf Doppelbrechung, als auch 
auf der Erscheinung der Rotationsdispersion. Infolge 
der Rotationsdispersion ist es nicht möglich, durch 
gekreuzte Nikols völlige Dunkelheit zu erzielen. 
Dieser Nachteil soll erfindungsgemäß dadurch be- 
seitigt werden, daß in dem Strahlengang ein zweiter 
anisotroper Körper angeordnet wird, der die durch 
den ersten Körper hervorgerufene Farbenzerlegung 
des Lichtes wieder kompensiert. Man kann zu diesem 
Zweck einen rechtsdrehenden Quarz und einen links- 
drehenden verwenden. Im Ruhezustande findet eine 
gegenseitige Kompensation der Anisotropie der 
beiden Kristalle statt. Wird nun der eine Quarz er- 
regt, so kommt nur die Wirkung der durch die 
Schwingungen erzeugten Doppelbrechung zur Gel- 
tung, während die Erscheinung der Rotations- 
dispersion ausgeschaltet ist. 


Lichtsteuerung mittels Kerrzelle. 


D.R.P. 471720, Klasse 2la', Gruppe 32 (Karolus). 
Pat. vom 21. Juni 1924, ausgegeben am 18. Februar 
1929, 


Zur trägheitsfreien Steuerung der Helligkeit eines 
Lichtstrahlenbündels ist bereits im Jahre 1890 von 
Sutton und später von Korn-Glatzel der 
Vorschlag gemacht worden, die Kerrzelle zu ver- 
wenden und für die Zwecke der Bildübertragung 
nutzbar zu machen. Mit Rücksicht auf die für diese 
Zelle notwendigen hohen Spannungen konnte der 
Vorschlag nicht in die Praxis umgesetzt werden. 
Dieses war erst möglich, nachdem die Verstärker- 
technik soweit entwickelt war, daß die kleinen 
Steuerspannungen durch Verstärkung auf genügend 
hohe Spannungswerte gebracht werden konnten. 
Unter Schutz gestellt, wird die Verwendung von 
Röhrenverstärkern in Verbindung mit der Kerrzelle 
und die, Verwendung geeigneter Medien im Kerr- 
kondensator, die so beschaffen sein sollen, daß die 


? 


Bild 18. 


-fi 


E 


be 


dielektrischen Verluste in der Kerrzelle möglichst 
klein sind. Im Bild 18 ist die Schaltungsanordnung 
einer solchen Einrichtung dargestellt, bei der der 
Kerrkondensator mit der Spule L einen Schwingungs- 
kreis bildet, der mit dem Verstärker oder dem 
Arbeitskreis eines Mochfrequenzgenerators gekoppelt 
sein kann. Die Kerrzelle arbeitet zweckmäßig mit 
einer Gleichstromvorspannung, die der Steuer- 
spannung überlagert wird. Das in der Kerrzelle 
verwendete Medium wird chemisch gereinigt, ins- 
besondere von Feuchtigkeit und Nitrosenbestandteilen 
befreit, um die Isolationsfestigkeit zu erhöhen. 


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Referate. 


Die neuesten deutschen Hochfrequenz-Patente. 


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Gruppe tag 
470067| 21a2/2 7.2. 29 | Telephon 
470910) 21a?/41 | 7. 2. 29 | Verstärker 
471143| 21a%/50 | 7.2.29 | Gegensprecheinrichtung 
„471160| 21al/32 | 8.2.29 | Bildtelegraphie 
471 236| 21a?/l 8. 2. 29 | Lautsprecher 
471 238| 21g/l 12. 2. 29 | Spulenwickelmaschine 
471 277| 21 g/10 15. 2. 29 | Kondensator 
471 308); 21a?/11 |11. 2. 29 | Metallmembran 
471 309| 21g/31 | 15. 2. 29 | Magnetblock 
471 482| 21c/55 | 13. 2. 29 | Aufsteckklemme für Widerstände 
*471524| 21a4/9 | 14.2. 29 | Kurzwellenröhrensender 
-= 471 629| 21a4/8 | 16. 2. 29 | Fremdgesteuerter Röhrensender 
+471 630; 2lał/8 |15. 2. 29 | Piezokristall 
*471 631| 21la4/8 | 18. 2. 29 | Piezoelektrische Wellenkontrolle 
-+471 632| 21a4/15 | 16. 2. 29 | Gegentaktmodulation 
- *471 633| 21ał/48 | 14. 2. 29 | Peilgerät - 
471 636 21a30 25. 2. 29 | Elektrische Bodenforschung 
471 669| 21al/32 | 20. 2. 29 | Bildtelegraphie 
471 670| 21a2/38 | 15. 2. 29 | Beseitigung akustischer Rück- 
kopplung 
*471 720| 21al/32 | 18. 2. 29 | Fernbildübertragung 
*471 741| 21a4/9 |16. 2. 29 | Fadingbeseitigung 
471748| 21g/4 |26. 2. 29| Resonanzrelais 
471 780| 21g/10 |19. 2. 29 | Herstellung von Kondensatoren 
471 810| 21a1/32 |20. 2. 29 | Bildübertragung 
471 811| 21a?/1 |20. 2. 29 | Lautsprechersystem 
471 812| 21a?/1 |18. 2. 29 | Lautsprecher-Einstellvorrichtung 


2 
N- 


"i 


NN 


\ 


189 


I ST TB a a e e aeae 


Die neuen deutschen Hochfrequenz-Patente 


K 
ee E Inhalt 
Gruppe tag 

471 821| 21g/10 | 20. 2. 29 | Drehkondensator 

471 893; 21a2/l 16. 2. 29 | Fernhörer 

*471 895; 21a?/16 | 19. 2.29 | Röhrensender mit Lastausgleichs- 
röhre 

471 897| 21c/50 |18. 2.29 | Selbsttätiges Laden von Sammler- 
zellen 

471901) 21d”/12 | 23. 2. 29 | Röhren-Gleichrichter 

471 928| 21al/32 | 21.2. 29 | Bildtelegraphie 

471977| 21a%,59 | 23. 2. 29 | Hochfrequenzsprechverkehr auf 
Hochspannungsleitungen 

471 978; 21c/l 20. 2. 29 | Herstellung keramischer Wider- 

| stände 

471 996| 21a?/1 |21. 2.29 | Telephon 

471 997| 21a?/41 | 22. 2. 29 | Sprachverstärkung (Pfeifbeseltig.) 

*472 128| 21a4/8 |23. 2. 29 | Mehrfachschwingungserzeuger 

472 429| 21c/64 |25. 2. 29 | Schnellregler 

472 403| 21c/5 1. 3. 29 | Magnetkern 

472 402) 21a4/57 | 1.3.29 | Anrufsystem 

*472 429| 21ał/8 |27. 2. 29 | Röhrensender 

472 430| 21a?/9 |28. 2.29 | Kurzwellensender (Fadingsbesei- 
tigung) 

*472 485| 21g/29 |28. 2. 29 | Lichtelektrische Zelle 

472 487| 21c/22 | 28.2. 29 | Stecker-Litzenverbindung. 


und Nordlicht. 
= Borealis.) Tiidschrift van het Nederlandsch Radio- 


t lagerungsempfang konnte 


Die mit * bezeichneten Patente sind in diesem Heft aus- 
führlicher referiert. 


Referate. 


Balth. van der Pol. Kurzwellen-Echo’s 


(Kortegolf echos en de Aurora 


genotschap 4, S. 13—16, 1928. 


In der „Nature“ vom November 1928 erschien eine 
kurze Notiz von Prof. Karl Störmer unter der- 
selben Ueberschrift-: Prof. Störmer berichtet darin 
von Echos auf Signale des Kurzwellensenders PCJ J 
in Hilversum (A = 31,4 m), welche mehrere Sekunden 
Verspätung zeigten. Diese speziellen Signale waren 
seit März 1928 wiederholt (2—4 mal in der Woche) 
ausgesandt worden. Auch in Eindhoven wurden diese 
Signale beobachtet, doch konnten dort zunächst keine 
derartigen Langzeit-Echos festgestellt werden. 

Am 1i. 10. 28 meldete Prof. Störmer die 
Beobachtung von deutlichen Echos am Nachmittag. 
Daraufhin veranlaßte van der Pol am Abend die 
Aussendung von speziellen Signalen, bestehend aus 
3 kurz aufeinanderfolgenden Punkten, die nach je 
30 Sekunden wiederholt wurden. Zwischen 22 und 
23 Uhr Ortszeit konnten in Eindhoven durch vander 
Pol und seinen Assistenten von 120 Signalen 14 Echos 
gemeinsam wahrgenommen werden, deren Verzöge- 
rungen gegenüber dem Signal 8, 11, 15, 8, 13, 3, 8, 8, 
8, 12, 15, 13, 8, 8 Sekunden betrugen. Durch Ueber- 
einwandfrei festgestellt 
werden, daß die Frequenz der Echos mit der Frequenz 
der Signale übereinstimmte. Im allgemeinen konnten 
bei den Echos die 3 Punkte des Signals nicht mehr 


© getrennt wahrgenommen werden; die Echos waren 


ziemlich schwach und klangen verwaschen. Nur bei 


einem Echo mit der kurzen Verzögerung von 3 Sek. 
wurden die 3 Punkte getrennt aufgenommen. 

Bis zum 24. 10. 28 konnten weder in Oslo noch in 
Eindhoven Echos beobachtet werden. An diesem Tage 
wurden jedoch zwischen 16 und 17 Uhr M. G. Z. so- 
wohl in Oslo als auch an zwei 3 km voneinander ent- 


O Aufgerommenin Oso 


Zeichen und Echo 


Z eitdifferenz zwischen 


Bild 1. 


fernten Stellen in Eindhoven Echos wahrgenommen. 
Die Ueberlagerung erfolgte bei den beiden Empfängern 
in Eindhoven zu verschiedenen Seiten der Signal- 
frequenz, um nach Möglichkeit Täuschungen auszu- 
schließen. An diesem Tage beobachtete Prof. Stör- 
mer in Oslo 48 Echos, die beiden Empfänger in Eind- 


190 


hoven 4 bzw. 5 Echos. Ein Teil der gemeinsam be- 
obachteten Echos ist im nebenstehenden Bild wieder- 
gegeben. Da die Echos selbst oft mehr als 1% Sek. 
anhielten, die Beobachtung z. T. nur nach dem Se- 
kundenzeiger einer Taschenuhr erfolgten, so können 
Echos, die nur wenige Sekunden voneinander ab- 
weichen, als identisch angesehen werden. 

Um die langen Verzögerungen der Echos zu er- 
klären, nimmt Prof. Störmer in seiner Mitteilung 
in der „Nature“ Reflexionen an den Elektronen-Strö- 
mungen an, deren Existenz er in seiner Nordlicht- 
Theorie fordert: Die Wellen müßten dann die Ke- 
nelly-Heaviside-Schicht durchdringen. 

Van der Pol weist auf eine andere Möglichkeit 
zur Erklärung hin. Einem Medium mit freien Elek- 
tronen (Kenelly-Heaviside-Schicht) von der 
Elektronendichte N kommt eine scheinbare Dielektri- 


4r Ne 
zitätskonstante £ = 1 — mno? wm Nun ist die 
Gruppengeschwindigkeit Gruppe ~œ Ve, und ferner 


gilt VGruppeX VPhase = C°. 

Für eine kritische Elektronendichte (ca. 10°/cm? für 
i = 31,4 m) wird = 0, die Phasengeschwindigkeit 
veh .= œ, die Gruppengeschwindigkeit vor. = 0. Nimmt 
die Elektronendichte mit der Höhe für den Abstand 
einer Wellenlänge nur langsam zu, so können die Wel- 
len in die elektronenhaltige Schicht eindringen. Nähert 
sich die Elektronendichte dem kritischen Wert, so wird 
die Gruppengeschwindigkeit sehr klein. Beim kri- 
tischen Wert selbst findet vollkommene Reflexion 
statt. 

Bei den Langzeit-Echos handelt es sich somit um 
einen Reflexionsvorgang mit starker Verringerung der 
Gruppengeschwindigkeit im Reflexionsgebiet. Die 
Größe der zeitlichen Verzögerung kann beliebig vari- 
ieren, sie ist bestimmt durch den Gradienten der Elek- 
tronendichte. E. Mauz. 


E. O. Hulburt. Signale um dieErdeherum. 
Inst. 


(On round-the-world signals.) Proc. Radio 


Eng. 16, S. 287—296, 1928. 


Referate. 


Der Verfasser macht darauf auimerksam, daß beim 


Gang der Wellen um die Erde herum nicht nur ein 


Gang der Strahlen, wie im nebenstehenden Bild 1, 
möglich sei, sondern auch ein solcher, wie ihn Bild 
2 und 3 darstellen, d. h. also von der Form eines 
Polygons. Es würden sich dann evtl. ganz andere 
Werte für die Höhe der Heaviside-Schicht und 
ihre Elektronenkonzentration aus den beobachteten 
Zeitdifferenzen berechnen. 
J. Zenneck. 


E. H. Armstrong. Mittel gegen die Wir- 
kung atmosphärischer Störungen. (Me- 
thods of reducing the effect of atmospheric distur- 
bances.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 15—26, 1928. 


Der Gedanke ist folgender: 


Im . Sender wird für die Zeichen eine bestimmte 
Frequenz, während der „Pausen“ eine nur wenig 
davon verschiedene Frequenz ausgesandt, z. B. für 
die Zeichen 20 000/sec, während der Pausen 20 060/sec. 
Im Empfänger entstehen daraus durch einen Ueber- 
lagerer der Frequenz 18780/sec die beiden Schwe- 
bungsfrequenzen 1220 und 1280/sec. Die Ströme dieser 
beiden Frequenzen werden in zwei Systemen von- 
einander getrennt und wirken auf den Spulenschreiber 
(Siphon Recorder) in entgegengesetzter Richtung, so 
daß er also während der Zeichen in der einen, wäh- 
rend der Pausen in der anderen Richtung ausschlägt. 
Wenn dagegen eine atmosphärische Störung auf den 
Empfänger einwirkt, so werden die beiden Systeme 
in nahezu genau derselben Weise beeinflußt und die 
Ströme in denselben wirken gleichzeitig und in ent- 
gegengesetzter Richtung auf den Schreiber und heben 
sich dadurch mindestens annähernd auf. 


Die Anordnung von Armstrong ist diejenige 
von Bild 1. Darin ist A der gewöhnliche Empfänger 
mit dem abgestimmten Verstärker G, dem Detektor, 
dem Ueberlagerer H und dem Niederfrequenz- 
verstärker J. Nach diesem werden die beiden Nieder- 
frequenzen in zwei Leitungen getrennt; mit der einen 
von der Frequenz von 1220/sec ist der Schwingungs- 
kreis K,, mit der anderen von der Frequenz 1280/sec 
der Schwingungskreis K, in Resonanz. Durch Ver- 
stärker hindurch wirken diese auf die Transforma- 
toren L, bzw. Lə. Ihr Wicklungssinn ist so, daß ihre 
beiden Ströme — bei derselben Frequenz — in der 
nun folgenden gemeinsamen Leitung einander ent- 
gegengesetzt wirken würden. Von jetzt an tritt von 
neuem eine Trennung der beiden Frequenzen ein. Das 
System MNO ist so gebaut, daß N +O die Reactanz 
Null hat für die Frequenz 1220/sec, M -+ N +0 für 
die Frequenz 1280/sec., die Widerstände P und Q mit 
der dazwischen liegenden Verstärkerröhre sollen nur 
den Widerstand in den Kondensatoren M und N und 
der Induktanz O kompensieren. Infolge davon geht 
der eine Strom merklich durch den Transformator T, 
dessen Primärspule parallel zu M + 0O, der andere 
Strom durch T», dessen Primärspule parallel zu 
M 4- N + O geschaltet ist. R, und R, sind zwei Ver- 
stärker; die Widerstände S, und S, werden so ein- 
gestellt, daß bei der ankommenden Zeichenstärke die 
folgenden Gleichrichter in einem Gebiet arbeiten, in 
dem der entstehende Gleichstrom der Amplitude der 
zugeführten Wechselspannung annähernd proportional 
ist. Die Anordnung D hat den Zweck, höhere Fre- 


nn nr R a a p —— - 


Referate. 


191 


uenzen abzudrosseln. E ist ein Gleichstromverstärker 
nd F der Spulenschreiber. 

Trägt man den Gleichstrom, der schließlich dem 
schreiber zugeführt wird, in Abhängigkeit von der 
liederfrequenz auf, so erhält man die Kurve (Bild 2). 
Jarin entspricht F, der Frequenz 1220/sec, F, der 
‘requenz 1280/sec. Das ganze System reagiert also 


beiden Fällen entgegengesetzt sind. Läßt man nun 
die beiden Zweige gleichzeitig auf den Schreiber 
wirken, so bleibt nur die Differenzwirkung, wie sie 
der Streifen F gibt, übrig. 

Die praktische Bedeutung geht aus Bild 4 hervor. 
Der obere Streifen (a) zeigt ein Telegramm mit dem 
beschriebenen Empfänger bei einer Geschwindigkeit 


Bild 1. 


merklich nur auf Schwingungen, deren Frequenz 
weder viel niedriger als 1220/sec, noch viel höher als 
1280/sec ist. Die Richtung des Gleichstroms für dic 
Frequenz 1220/sec ist entgegengesetzt derienigen bei 
der Frequenz 1280/sec. 

- Wie die Anordnung wirkt, zeigt Bild 3. Auf dem 
Streifen A ist der Buchstabe V wiedergegeben, wenn 
‘er mit der Frequenz 20 000/sec in der gewöhnlichen 
‚Weise durch einfaches Tasten gesandt wird. Der 
Streifen B stellt dasselbe dar, ebenfalls einfach ge- 


+ 


D 


12 
FTEQUENZ mmg. 


Gleich Strom 


Bild 2. 


tastet, aber mit der Frequenz 20 060/sec. Der Streifen 
¿Č entspricht dem Fall, für den die ganze Anordnung 
„bestimmt ist, d. h. wenn beim Zeichen V die Frequenz 
:20 000/sec in den Pausen die Frequenz 20 060/sec aus- 
‚gesandt wird. Man erhält also einen doppelt so großen 
‚Ausschlag bei den Zeichen. Die Wirkung der atmos- 
‚Phärischen Störungen sollen die Streifen D, E und F 
Allustrieren. Bei D war der eine Zweig von Bild 1 für 
‚die Niederfrequenz 1220/sec, bei E der andere für die 
‚Niederfrequenz 1280/sec abgeschaltet. Man erhält 
„sowohl im einen, wie im anderen Fall gleichgerichtete 
‚Unregelmäßige Ströme, deren Vorzeichen aber in 


Vene TTV V 
£ 


F 
Bild 3- 


von 40 Worten/Min. Das Telegramm des unteren 
Streifens (b) wurde unmittelbar nach dem oberen mit 
einem gewöhnlichen Empfänger, wie er für die trans- 
atlantische Telegraphie verwendet wird, aufgenommen. 
Im ersten Fall war in der oben beschriebenen Weise 
mit zwei Frequenzen, im zweiten Fall in der gewöhn- 
lichen Weise durch Tasten einer Frequenz je mit 
einem automatischen Wheatstone Geber gesandt 
worden. 

In der Diskussion äußert C. R. Englund Be- 
denken gegen die Art, wie Armstrong seinen 
Empfänger mit dem normalen verglichen hat. Er sagt, 


192 


aus den Ausführungen sei ersichtlich, daß sein Emp- 
fäanger ein extrem hohes Maß von Selektivität besitzt, 
das an sich schon die Wirkung der atmosphärischen 
Störungen reduziert, während die Selektivität des nor- 
malen Empfängers viel kleiner ist. Was die von 


7 ILLMLANIILMILTLTM LIMIT 
Never Empfänger 40 Worte /Minufe 


Ó NUT IT FUN 
Normaler Empfänger #0 Worte /Minule 


Bild 4. 


Armstrong benützte Kompensierung allein leistet, 
könnte man erst beurteilen, wenn er zwei Empfänger 
gleicher Selektivität mit und ohne seine Kompen- 
sierung verglichen hätte. J. Zenneck. 


O. Dahl und L. A. Gebhardt. Messuugender 
effektiven Höhe der leitenden Atmo- 
sphärenschicht und die Störung am 
19. August 1927. (Measurements of the effective 
heights of the conducting layer and the disturbances 
of August 19, 1927.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 290 
bis 296, 1928. 


A 

un 
> 82 
C 


Die Messungen sind nach der Methode von Breit 
und Tuve (Phys. Rev. 28, 554—575, 1926, ref. ds. 
Jahrb. 29, S. 164, 1927) gemacht. Bei dieser Methode 
werden vom Sender Gruppen von Wellen in regel- 
mäßigen Zwischenräumen ausgesandt und der Emp- 
fangsstrom in einem Empfänger oszillographiert, der 
sich in verhältnismäßig kleinem Abstand vom Sender 
befindet. Man erhält im Oszillogramm im allgemeinen 
zwei Gruppen registriert, die direkte der Bodenwelle 
und eine an der leitenden Atmosphären-Schicht reflek- 
tierte, wobei wegen des geringen Abstandes von 
Sender und Empfänger die Reflexion nahezu vertikal 
über beiden Stationen erfolgen muß. Es handelt sich 
also um ein elektromagnetisches Analogon zu der 
akustischen Echolotung des Erdbodens von Schiffen 
oder Flugzeugen aus. 

Die experimentelle Anordnung war die folgende: 
Ein kristallgesteuerter Generator der Frequenz 4,015 
.10°/sec und von 10 kW Leistung in Bellevue, Ana- 
costa, D. C., sandte Gruppen von Wellen aus, deren 
Dauer ca. 1/1500 sec, zwischen denen die Pausen ctwa 


Referate. = 


‚er 
1/750 sec betrugen. Die Gruppen von Wellen wurden n 
dadurch hergestellt, daß das Gitter der ersten Ver- B 
stärkerröhre im Sender eine negative Vorspannung } 
von 800 Volt hatte, der nun eine 500 periodix 
Wechselspannung von 525 Volt eff überlagert wurde. jè 
Der Empfänger befand sich auf dem Dach des 
Hauptgebäudes des Department of terrestrial Mav- i 
netism in Washington D.C. Er arbeitete mit einer 
Zwischenfrequenz von 50 000/sec. Der Niederfrequenz- | 
Detektor schickte seinen Strom durch einen Wider- |‘: 
stand von 25000 Ohm, an dessen Enden das Gitter |:! 
und die Kathode von vier 7,5-Watt-Röhren parallel |" 
lagen. Ihre Anodenkreise wirkten auf einen N 


ı f 
muy 
a 
a 


graphen der General Electric Co. 

Die verschiedenen Bilder, die man mit dieser į- 
Methode bekommen kann, sind in nebenstehenden |: 
Bilde zusammengestellt: = 


A) keine Reflexion, nur direkte Bodenwelle von |> 
der Gruppenform des Senders, 

B) reflektierte Welle etwa ebenso stark wie die 
direkte Bodenwelle, 

C) reflektierte Welle schwächer als die Boden- |" 
welle. ot 

Die Ergebnisse der Messungen für die Höhe der |" 

reflektierenden Schicht enthält die folgende Tabelle. |" 


1927 Zeit Höhe in Meilen Sender ! x 
Aug. 15. 14%—1415 128 oder 66 Vertikal-Antenne r 
„ 16. 100—1015 70 oder 124 z n 


16. 1400—1415 62 


„ 17. 100-105 60 u. vielleicht 110 , : i 
.„ 17. 140—145 53 s å EN 
» 19. — Keine Reflexion 5 S J 
„ 22, 140—145 112 oder 80 Š a 
» 23. 100—105 104 Horizontal-Dipol : 
. 23. 100—105 104 Vertikal-Antenne 
„n 23. 14%—145 124 Horizontal-Dipol va 
„ 24. 109-105 92 » (Boden -:, 

welle stärker alsreflektiere ı:, 
.„ 25. 105—103° 103 Horizontal-Dipol pe <` 


KE lie 


flektierte Wolle stärker as ;:!; 
Bodenwelle 


Dabei ist zu bemerken, daß am 19. August auch 
die Bodenwelle sehr schwach war. Gleichzeitig 
waren auch im Naval Research Laboratory manche 
Stationen, die man sonst ohne Schwierigkeiten aui- 
nahm, nicht zu bekommen. Auch der Kurzwellen- 
Verkehr zwischen San Francisco und Washington 
war selır erschwert. Während dreier Tage, deren 
letzter der 21. August war, ergab der Kurzwellen- 
Verkehr mit London große Schwierigkeit. Von London 
war berichtet, daß während dieser Zeit alle Kurz- 
wellen-Stationen von Westen her schlecht aufnalımen. 
während der Empfang von anderen Richtungen nor- 
mal war. Nach einem anderen Bericht war der ge- 
richtete Verkehr zwischen England und Canada sehr |. 
schwierig. Dagegen war kein Einfluß zu bemerken | 
bei dem Verkehr San Francisco—Washington mit der e 
Frequenz 12,045.10"/sec, während am 19. August der '. 
Wetterbericht von Washington (f = 4,015: 10°/sec) in a 
Lakehurst (New Jersey) 8" nicht aufgenommen | | 
werden konnte. Ebensowenig konnte Pensacoli |` 
(Florida) diesen Rundfunk-Wetterbericht mit der |> 
Frequenz 8,030.10"/sec kopieren. Ir 


- 


—  ——— TIER -EERE EE EEES 


Es lag nahe, diese abnormalen Bedingungen mil 
irgendeinem Vorgang auf der Sonne in Zusammen 
hang zu bringen. Tatsächlich ließ sich nichts jies- : 
stellen, als daß auf dem südwestlichen Quadrante i 


Ben, 


Referate. 


er Sonne ein ungewöhnlicher Fleck, aber schon 
ıehrere Tage vor dem 19. August, tätig war. 


Als sichergestellt (vgl. Tabelle) darf aber gelten, 
aß unmittelbar vor dieser Störung die Höhe der 
eflektierenden Schicht etwa 50 Meilen war, während 
je nachher wieder auf den normalen Wert von ca. 
00 Meilen hinaufging. J. Zenneck. 


J. W. Horton und W. A. Marrison. (Bell Tel. Lab. 
lew York.) Präzisionsmessung der Fre- 
uenz. (Precision determination of frequency.) 
Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 137—154, 1928.) 


Der Grundgedanke bei den beiden beschriebenen 
\nordnungen ist der, durch den Strom der zu messen- 
len Frequenz unmittelbar oder mittelbar eine Uhr 
u betreiben, deren Gang durch den Vergleich mit 
iner atronomischen Uhr bzw. dem Zeitsignal einer 
sternwarte sehr genau bestimmt werden kann. 


A. Stimmgabelanordnung. 


Die ältere Methode benützte eine Stimmgabel von 
00 Schwingungen/sec, die durch Rückkopplung mit 
iner Verstärkerröhre in Schwingungen gehalten 
verden kann. Der Strom betrieb direkt einen Syn- 
'hronmotor und dieser mit Hilfe einer sehr starken 
Jebersetzung (ca. 10° : 1) die Uhr, die mit den draht- 
osen Zeitsignalen des U. S. Naval Observatory ver- 
lichen wurde. Die Beziehung der Uhr zu irgendeiner 
lochfrequenz wurde mit Hilfe der Harmonischen des 
stimmgabel-Generators hergestellt. Man kann auf 
liese Weise ohne Schwierigkeit Frequenzen bis etwa 
00 000/sec, messen. Die Beziehung zu noch höheren 
requenzen wurde erhalten dadurch, daß man einen 
)szillator herstellte, dessen Frequenz auf ein ganzes 
"ielfaches der Frequenz der gewählten Harmonischen 
‘es Stimmgabel-Generators eingestellt wurde (Beob- 
‚chtung der Lissajouschen Figuren mit der 
3raunschen Röhre.) 


: Die Genauigkeit, mit der der Gang der Uhr mit 
len Zeitsignalen verglichen werden kann, ist 0,2 sec 


193 


B. Quarzoszillator. 
a) Der Quarzoszillator, der die Schaltung von 
Bild 1 besitzt, und auf zwei parallel geschaltete Ver- 
stärker wirkt, ist bei einer bestimmten Temperatur 


GNfer. 
Able. tong > 


(omm ) 


5 
Aristall 


-25 -20 -15 -10 -5 Wotmal 5 57% 
Bild 2. 
auf die Frequenz 50000/sec eingestellt. Wie die 


Frequenz des Generators durch die Betriebsbedingun- 
gen beeinflußt wird, zeigt Bild 2, in der die Ordinaten 
die Aenderung der Frequenz in 10°, die Abszissen 
bei Kurve I die Aenderung der Gitterableitung, bei 
II des Heizstromes, bei HH der Anodenspannung je 
in Prozent bedeuten. Das Dekrement des Kristalls ist 
ungefähr 0,12-10°", der Temperaturkoeffizient 3,8. 10" 
pro Grad. Man muß also die Temperatur auf 0,025° 
konstant halten, wenn die Frequenz auf 10°" konstant 


gabe der 
Niede reg venz 


Bild 3. 


oro Tag. Das bedeutet eine Genauigkeit der Frequenz- 
‚ıessung von 3-10", Diese Genauigkeit kann auf un- 
efähr das 20fache gesteigert werden (oszillographi- 
‚che Aufnahme der Zeitzeichen und des Stromes einer 
‚xontaktvorrichtung an der Uebersetzung zwischen 


‚„ynehronmotor und Uhr). 


i Der Temperaturkoeffizient des Stimmgabel-Gene- 
‚ators ist 1,09-10* pro Grad. Es muß also die Tem- 
„eratur auf 0,01° konstant gehalten werden, wenn die 
„requenzänderung 10° nicht überschreiten soll. Um- 
 ekehrt kann man diese Temperaturabhängigkeit 
azu benützen, um die Frequenz des Stimmgabel- 
- ìenerators durch Regulierung der Temperatur genau 
-uf eine bestimmte Frequenz einzustellen. 


$ 


bleiben soll. Die Abhängigkeit der Frequenz vom 
Luftdruck, unter dem sich der Kristall befindet, ist 
eine lineare. Bei dem verwendeten Kristall ergab eine 
Erhöhung des Druckes um 140 mm Hg eine Abnahme 
der Frequenz um 10.10°*. 

b) Den Uebergang zur Niederfrequenz vermittelt 
die Anordnung Bild 3, in dem der Röhrengenrator C” 
die Frequenz 5000/sec, d. h. genau 1/10 derjenigen des 
quarzgesteuerten Röhrengenerators von a hat. 

Um ihn genau auf dieser Frequenz 5000/sec zu 
halten, wird folgende Anordnung benützt. 

Durch die Röhre 3 und die Art, wie auf sie der 
Generator 2 wirkt, werden die Harmonischen dieses 
Generators verstärkt. Der Anodenkreis der Röhre 3 


194 


mit diesen starken Harmonischen induziert nun auf 
den Kondensatorkreis 1, der auf die Frequenz 
50 000/sec abgestimmt ist: Es kommt also von 
dem Anodenstrom der Röhre 3 praktisch nur die 
10. Harmonische von der Frequenz 50000/sec zur 
Wirkung. Auf denselben Kondensatorkreis 1 induziert 
nun auch der quarzgesteuerte Oszillator von der 
Frequenz 50000/sec!). Die Resultierende dieser 
beiden EMK und infolge davon auch der Anoden- 
gleichstrom der angeschlossenen Röhre 1 werden nun 
verschieden je nach der Phasenverschiebung zwischen 
der 10. Harmonischen des Oszillators 2 und dem 
Strom vom Quarzoszillator. Dieser Gleichstrom 


an II 


| 


i N 


À 
\ 
N 
U AA O 
À 
\ 


À 
N 
À 
N 
NS 
N 
NZ 
N 
y7 


W 
DOO” DIGG 


Bild 4. 


ändert sich also, sobald sich die Frequenz des Oszil- 
lators 2 und damit die Phase seiner 10. Harmonischen 
im Vergleich zum Strom des Quarzoszillators ändert. 
Diese Aenderung des Anodengleichstroms von Röhre I 
wird dazu benützt, um in bekannter Weise die Induk- 
tivität einer im Oszillator 2 befindlichen Spule mit 
Eisenkern zu beeinflussen und damit die Aenderung 
der Frequenz, die die Phasenverschiebung hervor- 
gerufen hat, rückgängig zu machen. Gleichgültig, ob 
diese Erklärung ganz richtig ist oder nicht, jedenfalls 
bleibt tatsächlich die Frequenz des Oszillators auf 
diese Weise genau auf dem 10. Teil der Frequenz des 
Quarzoszillators, ein Beispiel für die Steuerung der 
Frequenz eines Niederfrequenzgenerators durch eine 
Hochfrequenz. 

c) Der 5000-Periodenstrom des Oszillators 2 be- 
treibt nach Verstärkung durch die Röhre 4 (5 Watt) 
einen Synchronmotor, von dem Bild 4 einen Schnitt gibt. 
Der Stator hat 100 U-förmige Stücke SS aus Silizium- 
stahl, die von einer gemeinsamen Spule P mit dem 
Anodenstrom der 5- Wattröhre (Gleich- + 5000- 
Periodenstrom) magnetisiert werden. Der Rotor R 
mit vertikaler Achse hat entsprechend 100 Zähne Z, 
die über Luftschlitzen der U-förmigen Statorteile ro- 
tieren. 

Man hätte mit diesem Motor durch eine Ueber- 
setzung hindurch direkt eine Uhr betreiben können. 
Da aber von den früheren Anordnungen her schon 
die Uhrmotoren für hundertperiodigen Wechselstrom 
zur Verfügung standen, so wurde der Motor von 
Bild 4 für 5000 periodigen Wechselstrom dazu ver- 
wendet, um erst einen Generator für eine Frequenz 
von 100/sec zu schaffen. Dieser Generator ist in 
Bild 4 mit G bezeichnet. Er ist von der Gleichpoltype 
(Induktortype) und liefert bei jeder Umdrehung des 
5000periodigen Synchronmotors zwei Perioden. Der 
von ihm bezogene 100periodige Strom treibt dann die 


1) s. Bild 3: „Zufuhr der Hochfrequenz*. 


Referate. | 


Uhr, die den Anschluß an die Zeitmessungen gibt į 
(Vgl. a.) 

Es liegen noch nicht genügende Erfahrungen mit 
dieser Anordnung vor, um den Grad der Genauigkeit 
und die Konstanz beurteilen zu können. 

J. Zenneck. 


F. K. Vreeland. Ueberdenverzerrungs- 
freien Empfang einer modulierten 
Welle und seine Beziehung zur Selek- 
tivitätdes Empfängers. (On the distortion- 
less reception of a modulated wave and its relation 
to selectivity.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 225 bis 
280, 1928. 

Die Ueberlegung, von der Vreeland ausgeht, 

Die Niederfrequenzen, die für den 
Rundfunk in Betracht kommen, gehen bis etwa 
10 000/sec. Die Hochfrequenz des Senders umfaßt 
also ein Frequenzband von der Breite 20 000/sec, oder 
wenn man sich auf eine Niederfrequenz bis 5000/sec ! 
beschränkt, von der Breite 10 000/sec. | 


Die erste Bedingung des Empfängers ist also die, 
daß er alle Frequenzen in diesem Bereich amplituden- 
getreu wiedergibt. Nur dann ist die Reproduktion 
verzerrungsfrei. Die zweite, die Selektivitätsbedin- 
gung für den Empfänger ist aber, daß er au 
Frequenzen außerhalb dieses Bandes überhaupt nicht 
mit merklicher Intensität reagiert. 


| 
Dazu kommt als dritte Bedingung für einen Rund- 
funkempfänger, daß er eine ganze Anzahl von | 
Stationen empfangen soll, d. h. die Bedingung, daß ! 
das Frequenzband, auf das der Empfänger anspricht, 
bequem variiert werden kann. Diese letzte Bedin- 
gung schließt die Verwendung von Siebketten aus. 
Das Ideal eines Empfängers wäre also ein solcher, 
dessen Frequenz-Charakteristik (Resonanzkurve) ein | 
Rechteck ist derart, daß seine Breite das zu emp- 


ist die folgende. 


fangende Frequenzband deckt, aber gegen andere 
Frequenzen möglichst scharf abschneidet. Der Ver- | 
fasser versucht dieses Ziel mit zwei Anordnungen zu 
erreichen: 


1. Die erste, die er „band selector“ nennt, ist in 
Bild 1 schematisch dargestellt. Darin wird die Reak- 
tanz X, von L, C, und diejenige X, von L, C, gleich | N 
gewählt und X, bedeutet eine Reaktanz, die im all- | \ 
gemeinen klein ist gegen die Reaktanz X, und X, und | 
sowohl induktiv als auch kapazitiv sein kann. Die 
Frequenz-Charakteristik ist von der Form der aus- 
gezogenen Kurve von Bild 2, während die ee strichelte | . 
Kurve die Resonanzkurve von L, C, bzw. L, C, sein 
soll. Man erreicht also eine ee e von u- , 
gefähr der verlangten Form. 


? 
|: 
2. Das Prinzip der 2. Anordnung (,„spaced band | h 
amplifier“) ist das folgende (Bild 3). Schaltet mar | A 


Referate. 195 


- drei Systeme hintereinander, die die Resonanzkurve 
1 bzw. 2 bzw. 3 haben, so bekommt die Kombination 
- der drei Systeme als Resonanzkurve die Kurve 4 von 
- Bild 3, d. h. also eine Kurve der gewünschten Form. 

Das Prinzip läßt sich sehr einfach darstellen durch 
4 


l 
| 
d 
| 
l] 
| 
t 
| 


Bild 2. 


Bild 3. 


. einen Mehrfach-Verstärker, in dem jede Stufe auf eine 
: bestimmte, aber jede auf eine andere Frequenz, ent- 
~. sprechend der Resonanzkurve 1, 2, 3 von Bild 3, ab- 
> gestimmt ist. 


In der Diskussion der ersten Anordnung in Proc. 


- Inst. Radio Eng. 16, S. 494—496, 1928, macht J. R. 


Nelson mit Recht darauf aufmerksam, daß dieser 
Selektor einfach als zwei gekoppelte Kreise aufgefaßt 


| werden kann und daß er die Breite der Resonanz- 
kurve und die bekannten Eigenschaften solcher Kreise 


besitzt. 
Auch V. D. Laudon (Proc. Inst. Radio Eng. 16, 


.. S. 848—850, 1928) beschäftigt sich mit der Abhand- 


lung und betont, daß die erste Anordnung einfach ge- 


' koppelte Kreise sind, deren Kopplung in der Nähe der 


- kritischen liegt. 


Bezüglich der Kopplung von nicht 


- abgestimmten Kreisen macht er besonders darauf 
° aufmerksam, daß für den tatsächlichen Verlauf der 


- große Rolle spielt. 


NOSO“ 


© Widerstandskopplung, 
“ Spannungsverstärkung einer Stufe „R/(Ro+R) (u = 
© Verstärkungsfaktor, l= innerer Widerstand, R := 


Ir 
N 


~ Anode-Glühfaden. 


Resonanzkurven der Widerstand der Spulen eine 
Er sagt, daß die Spulen, die meist 
im Rundfunkgebiet gebraucht werden, einen Wider- 
stand haben, der einer Potenz der Frequenz pro- 
portional ist, die zwischen 1 und 2 liegt. 

J. Zenneck. 


N. H. Williams. (Universität Ann Arbor, Michi- 
gan). Die Schutzgitterröhre. (The screen- 
grid tube.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 840—843, 
1928. 


Nach den Ausführungen des Verfassers ergibt die 
Fiochfrequenzverstärkung durch die Drei-Elektroden- 
röhren folgende Schwierigkeiten. Benützt man 
so kann die theoretische 


Widerstand des Anodenkreises) praktisch nicht er- 
reicht werden aus zwei Gründen: 

1. Durch die veränderliche Anodenspannung wird 
auf das Gitter eine Spannung induziert, die der dem 
Gitter aufgedrückten Spannung entgegengesetzt ist. 
2. Parallel zum Anodenwiderstand liegt die Kapazität 
Infolge davon erreicht man nie- 
mals die (bei R = œ) theoretisch mögliche Span- 
nungsverstärkung u. 


Koppelt man eine Stufe mit einer der nächsten 
durch einen abgestimmten Kreis in der Anodenlei- 
tung, so wird die Verstärkung durch die Rückkopp- 
lung in der Verstärkerröhre nicht geschwächt, es tritt 
aber jetzt die Gefahr der Selbsterregung von Schwin- 
gungen auf. 

Von diesen Mängeln frei ist die Schutzgitterröhre 
besonders infolge der sehr geringen Kapazität zwi- 
schen der Anode und dem Steuergitter, die nur etwa 
1 % derienigen bei einer entsprechend konstruierten 
Drei-Elektroden-Röhre beträgt. 

Bei einer Drei-Elektrodenröhre ist die Hoch- 
frequenzkomponente des Anodenstroms durch fol- 
gende Eigenschaften der Röhre bestimmt: 

1. Aenderung d. Anodenstroms m. d. Gitterspannung, 

7 - 5 „ „ Anodenspannung, 

A „ Gitterstroms „ ,„ Gitterspannung, 

„ „ Anodenspannung, 

‚ Kapazität zwischen "Anode und Gitter, 

i N = „ Gilühfaden und 

m Gitter und Glühfaden. 

Bei "der Schutzgitterröhre kommt 2 praktisch 
nicht in Betracht, da der Anodenstrom nur sehr we- 
nig von der Anodenspannung abhängt, wenn die 
Anode positiv gegen das Schutzgitter ist. Beim Ge- 
brauch als Verstärker kann der Gitterstrom. durch 
geeignete Vorspannung auf Null gehalten werden 
(dadurch fällt 3 und 4 weg). Die Kapazität von der 
Anode zum Gitter und Glühfaden ist zu vernachlässi- 
gen (5 und 6), die Kapazität zwischen Gitter und 
Glühfaden liegt gewöhnlich parallel zu einer anderen 
Kapazität des Gitterkreises und ist aus diesem 
Grunde unschädlich. Es bleibt infolge davon nur 
die Aenderung des Anodenstroms mit der Gitter- 


diu der Röhre. Man 
deg 

bckommt dann als Spannungsverstärkung bei einem 
Widerstand R (bzw. einer Impedanz Z) im Anoden- 
kreis annähernd den Ausdruck SR bzw. SZ (wenn 


Rœ R bzw. >Z), und dieser kann leicht auf den 
Betrag 60 gebracht werden. 


TOEN 


spannung, d. h. die Steilheit S = 


J.Zenneck. 


C. R. Hanna, L. Sutherlin und C. B. Upp. 
(Westinghouse Forschungslaboratorium in East- 
Pittsburgh.) Eine neue Endröhre. (Develop- 
ment of a new power amplifier tube.) Proc. Inst. 
Radio Eng. 16, S. 462—475, 1928. 

Die neue Röhre mit Oxyd-Kathode führt die Be- 
zeichnung UX — 250. Sie liefert bei einer Anoden- 
spannung von 450 Volt eine maximale Anoden- 
leistung von 4,6 W, bei 400 Volt von 3,5 W, bei 350 
Volt von 2,45 W und bei 300 Volt von ca. 1,6 Watt. 
Die Konstruktion der Röhre wird beschrieben und 


eine Tabelle zeigt, wie sich die Konstanten der Röhre 


ändern, wenn der Verstärkungsfaktor der Röhre durch 
Aenderung des Abstandes der Gitterdrähte variiert 
wird. 

Die Charakteristiken der neuen Röhre in ihrer 
normalen Form werden für die verschiedenen Anoden- 
spannungen angegeben und aus ihnen der günstigste 
Arbeitspunkt und der günstigste Belastungswider- 
stand (Anodenwiderstand) abgeleitet unter der Vor- 
aussetzung, daß die unverzerrte Nutzleistung 
möglichst groß und daß die Anodenspannung und 


196 


Wärmeentwicklung an der Röhre eine bestimmte 
Grenze nicht überschreitet. 

Dieser bei weitem größte Teil der Arbeit ist des- 
halb besonders wichtig, weil die darin angewandten 
Methoden auf jede beliebige andere Röhre zu über- 
tragen sind. J. Zenneck. 

F. E. Terman. Die umgekehrte Elek- 
tronenröhre als Leistungsverstärker 
mit Spannungsreduktion. (The inverted 
vacuum tube, a voltage-reducing power amplifier.) 
Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 447—461, 1928. 


Mit umgekehrter Elektronenröhre ist gemeint ein 
Gebrauch der Röhre (vgl. Bild 1), bei der die Ano- 


Bild 1. 


denspannung geändert und der Strom im Gitterkreis 
abgenommen wird, wobei die „Anode“ eine starke 
negative und das Gitter eine starke positive Vor- 
spannung bekommt. 

Von dieser umgekehrten Elektronenröhre werden 
in der Arbeit zuerst die Charakteristiken angegeben, 
ebenso Methoden zur Messung des Spannungsreduk- 
tionsfaktors (Durchgriffs), des inneren Widerstandes 
und der Steilheit der Röhre. 

Unter den praktischen Anwendungsmöglichkeiten 
werden zwei hervorgehoben. Bei der ersten handelt 
es sich um die Verwendung für die oszillograplıische 
Aufnahme des zeitlichen Verlaufs von Spannungen. 
Beim gewöhnlichen Oszillographen — nicht bei der 
Braunschen Röhre — wird bei Spannungsaufnah- 
men immer Strom entnommen mit all den Nachtei- 
len, die z. B. eine Spannungsmessung durch ein 
technisches Voltmeter (Strommesser mit hohem 


Oszillographen - Schleife 


Bild 2. 


Widerstand) hat. Mit Hilfe der umgekehrten Elek- 
tronenröhre lassen sich oszillographische Spannungs- 
aufnahmen ohne Stromentnahme machen, indem man 
die zu oszillographierende Spannung an den Anoden- 
kreis der Rölıre, die Oszillographenschleife an das 
Gitter anschließt. Da die „Anode“ negative Span- 
nung gegen den Glühfaden hat, so fließt kein Strom 
im Anodenkreis, und solange man auf dem gerad- 
linigen Teil der Charakteristik bleibt, ist der Strom 
im Gitterkreis proportional der an die Anode an- 
gelegten Spannung. Die Schaltung ist in Bild 2 ge- 
zeichnet; die Spannung, deren zeitlicher Verlauf auf- 
genommen werden soll, ist zwischen P und Q zu 
denken. Der Widerstand R, der mindestens zweimal 
so groß wie der innere Widerstand Gitter—Glühfaden 
sein sollte, soll das Gebiet, in dem der Gitterstrom 


Referate. 


proportional der Anodenspannung ist, vergrößern. 
Der Widerstand R, (100 — 1000 Ohm) und der 
Spannungsteiler AB dienen dazu, den normalen 
Gleichstrom zu kompensieren. 


Eine zweite Verwendung, die sich aus dem ge- 
samten unmittelbar ergibt, ist die Messung von hohen 
Gleichspannungen ohne Stromentnahme. Die Schal- 
tung ist diejenige von Bild 3. Die zu messende 
Spannung wird zwischen P und Q gelegt. Der 
Widerstand R wird verhältnismäßig hoch genommen 
und der Spannungsteiler AB so eingestellt, daß kein 
Strom durch den Strommesser MA fließt, wenn die 


Anode und das Gitter kurz geschlossen sind. Nimmt 
man Röhren mit sehr großem Verstärkungs- bzw. 


) 
Pr (+ 


Reduktionsfaktor, so lassen sich sehr hohe Spannun- 
gen ohne Stromentnahme messen. 


Zur Messung von hohen Wechselspannungen wird 
die Schaltung von Bild 4 empfohlen. Die Messung 
der Wechselspannung beruht in bekannter Weise dar- 
auf, daß der Kondensator C eine Ladung bekommt. 
sobald die Anodenspannung positiv wird. Legt man 


M e 


Bild 4. 


also eine Wechselspannung bei PQ an, so nimmt die 
Ladung des Kondensators so lange zu, bis die Span- 
nung am Kondensator gleich dem Scheitelwert der 
Weclselspannung geworden ist. Sobald also der 
Ausschlag am Strommesser A des Gitterkreises kon- 
stant geworden ist, ist die Spannung am Kondensator 
gleich dieser Scheitelspannung. Man eicht die An- 
ordnung durch Anlegen von Gleichspannung im Ano- 
denkreis. Auch diese Anordnung kann für hohe 
Spannungen verwendet werden und braucht prak- 
tisch keine Energie. 


Die Röhre läßt sich in dieser umgekehrten Ver- 
wendungsart auch als Schwingungsgenerator ge- 
brauchen, bietet aber dafür keine Vorteile gegenüber 
der gewöhnlichen Schaltung. J. Zenneck. 


H. Simon und M. Bareiß. on deutsche 
Raytheon-Röhre. ETZ. 49, S. 1604—1606, 1925 


Der Wunsch, bei ee mit 
Netzanschluß die Heizwicklung für die Gleichrichter 
auf dem Transformator zu sparen, hat in neuerer 
Zeit vielfach zur Durchbildung von Gleichrichtern 
mit Gasfüllung und kalten Elektroden geführt. 


In der vorliegenden Veröffentlichung machen dir 
Verfasser nähere Angaben über Aufbau und Arbeits- 
weise eines von Osram unter der Lizenz der Ray- 
theon Mfg. Co. Cambridge (U.S.A.) herausgebrachten 


I 


: 


Referate. 


weiweg-Glimmgleichtrichters'), der bei einer Ano- 
nwechselspannung von 2X270 Volt gleichstrom- 
itig 250 Volt 100 mA liefern soll. 


Ansicht und Schnitt der Röhre zeigt Bild 1: zwei 
iftförmige Anoden, deren Zuleitungen sorgfältig ge- 
on Ueberschlag isoliert sind, ragen in einen von der 
Izförmigen Kathode allseitig umschlossenen Raum 
nein, in dem allein die Entladung stattfindet. Die 
ınenseite der Kathode ist zur Erniedrigung des Ka- 
ıodenfalls in der Durchlaßrichtung mit reinem Ba- 
um in metallischer Form bedeckt. Das ganze Rohr 


A: © 


Bild 1. 


st mit Helium von einigen Millimetern Druck gefüllt. 
)urch diese Konstruktion wird eine gänzliche Aus- 
chaltung der durch Gasabsorption und Bariummetall- 
ondensation schädlichen Glaswand sowie die sehr 
otwendige Reinhaltung des Edelgases während des 
jetriebes durch das stets etwas verdampfende Ba- 
ium erreicht. 

Bemerkenswert ist vor allem, daß trotz der hohen 
pitzenspannungen auf eine Trennung der Ent- 
ıdungsräume zwischen den beiden Anoden ver- 
ichtet wird. Man nimmt hierdurch zwar Rückströne 


700 
ee 


‚on einigen Milliampere und damit eine erhöhte Ge- 
ahr von Rückzündungen, die durch besondere Maß- 
_ ahmen verhindert werden müssen, in Kauf, erzielt 
doch die vorteilhafte Wirkung, daß die für die Ein- 
"»itung der Hauptentladung nötige Vorionisation stets 
»"orhanden ist, so daß die statische Zündspannung für 
tinen solchen Glimmgleichrichter mit zwei in Gegen- 
akt arbeitenden Anoden fast völlig bedeutungslos 
ș sird (abgesehen vom ersten Einschaltvorgang). 


J 1) Bisher bekannt geworden unter der Typenbezeichnung G132 
Čezw, Telefunken RGN 1500. 


197 


An Hand der in Bild 2 statisch aufgenommenen 
Strom-Spannungs-Kurve für eine Anode sind die Ver- 
hältnisse leicht zu überschauen: Ist während der 
Messung die zweite Anode mit der Kathode ver- 
bunden, also sozusagen nicht vorhanden, so er- 
hält man die bekannte Form der Charakteristik a. 
Liegt zwischen der zweiten Anode und der Ka- 
thode eine Gegenspannung von — 200 Volt (Rück- 
strom 0,4 mA), so erhält man die Kurve b und 
bei einer entsprechenden Gegenspannung von — 400 
Volt (3,1 mA Rückstrom) sogar die Kurve c. Aus 
den Kurven 5 und c ist ersichtlich, daß die Ent- 
ladung bereits bei den kleinsten Augenblickswerten 
der Spannung einsetzt. Durch Betrieb beider Anoden 
mit Gegentakt-Wechselspannungen in der normalen 
Gleichrichterschaltung werden diese Verhältnisse 
zwar etwas modifiziert, jedoch nicht prinzipiell ver- 


Bild 3. 


ändert, wie an Hand von Oszillogrammen festgestellt 
wird. In dem Oszillogramm (Bild 3), für eine Anode 
aufgenommen, ist von einer Zündspitze in der Span- 
nungskurve nichts zu bemerken, trotzdem die 
statische Zündspannung 280 Volt beträgt. Die er- 
folgreiche Anwendung des Rohres in Schaltung setzt 
vor allem eine ausreichende Größe der zum Ver- 
braucherwiderstand parallel liegenden Ausgleich- 
kondensatoren voraus (10—16 mF). 
W. Espe. 


W. W. Loebe und C. Samson. Beobachtung 
und Registrierung von Dickenände- 
rungen dünner Drähte. Zs. f. techn. Phys. 9, 
S. 414—419, 1928. 


Bild 1. 
Tasteinrichtung. 


Bei der Fabrikation von dünnen Drähten, wie sie 
z. B. für Glühlampen, Senderöhren und als Kern- 
drähte für die Kathoden der Rundfunkröhren ge- 
braucht werden, ist außerordentlich wichtig, die Kon- 
stanz des Drahtdurchmessers sehr genau über große 
Drahtlängen und unmittelbar beim Ziehprozeß zu 
überwachen. 


Die Aufgabe wird von den Verfassern durch ein 
Verfahren gelöst, das auf dem bekannten Prinzip be- 
ruht, Kapazitätsänderungen zur Beobachtung und 


198 


Messung kleiner Größen zu benutzen. Da die an- 
gegebene Hochfrequenzapparatur auch für andere 
Zwecke, z. B. zur Messung kleiner Druckschwan- 
kungen, Temperaturausdehnungen, zu Erschütterungs- 
messungen u. a. geeignet erscheint, soll sie kurz er- 
läutert werden: Die Uebersetzung der Dicken- 
schwankungen in Aenderungen der Kapazität eines 
Kondensators erfolgt mechanisch mit Hilfe der in 
Bild 1 abgebildeten Vorrichtung, in der der zu unter- 
suchende Draht zwischen zwei Tastorganen hindurch- 
gezogen wird, von denen eins feststeht, während das 
andere beweglich ist und unter Federdruck an dem 


Bild 2 
Schaltung der beiden Schwingungskreise. 


Draht anliegt. Der Kondensator liegt in einer 
Schwebungstonschaltung (Bild 2, Eigenfrequenz jedes 
Kreises ca. 10° Hertz). Die so entstehenden Ton- 
höheschwankungen werden auf einen Schwingungs- 
kreis 3 (Bild 3) gegeben, der so abgestimmt ist, daß 
die Frequenz des Ruheschwebungsstromes (ca. 1000 
Hertz) in die Mitte des geradlinigen Teiles seiner 
Resonanzkurve fällt, so daß also jeder Tonhöhe des 
Schwebungstones eine bestimmte Amplitude der 
Spannung im Schwingungskreis 3 entspricht. Nach 


Bild 3. 
Verstärkungsschaltung zur Registrierung. 


Verstärkung (5) und Gleichrichtung (7) erfolgt 
Registrierung des im Rhythmus der Tonhöheände- 
rungen schwankenden, bis zu 50 mA betragenden 
Gleichstromes durch ein gewöhnliches Registrier- 
instrument (8). 

Die von den Verfassern gewollte und erreichte 
Empfindlichkeit beträgt 08 mm Ausschlag im 
Registrierinstrument für Dickenänderungen von 
1.10-* mm. Sie dürfte sich jedoch für besondere 
Zwecke bei Anwendung von Materialien mit kleinem 
Temperaturkoeffizienten um eine Zehnerpotenz 
steigern lassen. An Hand von Eich- und Registrier- 
diagrammen wird die Brauchbarkeit der Apparatur 
und die Reproduzierbarkeit der mit ihr gewonnenen 
Meßergebnisse erwiesen. W. Espe. 


H. A. Wheeler. Die Messungvon Röhren- 
kapazitäten durch eine Transforma- 
toren-Schaltung. (Measurement of vacuum- 


Referate. 


— 
— 


tube capacities: by a transformer balance.) Aus der fter 
Hazeltine Corporation. Proc. Inst. Radio Eng. 16 =l 
S. 476—481, 1928. 


Die Anordnung in der Form, in der sie das neben | 
stehende Bild zeigt, dient dazu, um die Kapazität (, 
zwischen Anode und Gitter der Röhre R zu messen. f 
Sie besteht außer der zu messenden Röhre R aus 
4 voneinander abgeschirmten Teilen, dem Hoch- 
frequenzgenerator (Oszillator links), dem veränder- 
lichen Luftkondensator Cn, den Transformatoren 
Lp— Ls und Lp— Ls, deren Primärspulen Ly 
und Zp? im gleichen, die sekundären Spulen im ent- 
gegengesetzten Sinn gewickelt sind. Wie aus dem 


Sa 


x 


Cs | 
+99 UX-201A 
O Tiar | 
j' A 1 C; = 
SL 3 = \UX- 
Ly 126V 
Rz = (2? A 
JL2 €, 
Oscillator Kondensatar Transformator Detektor | 


Bild hervorgeht, liegen parallel zum Kondensator C 
zwei Leitungen; die eine besteht aus der zu messen- 
den Kapazität Cy» und der Primärspule Lp, , die an- 
dere aus der veränderlichen Kapazität Cn» und der 
anderen Primärspule Zy2, die Lp, genau gleich ist. 
Stellt man die regelbare und geeichte Kapazität Ca | 
so ein, daß im Detektorkreis keine Wirkung zustande / 


kommt, so muß die zu messende Kapazität Ca= t 
C, sein. 
Der veränderliche Kondensator Cn besteht tat- R 


sächlich aus zwei koaxialen Zylindern, die sich längs į i 
der Achse gegeneinander verschieben lassen. 
J. Zenneck. 


L. Walsh. EineBrückezurMessungder 
„direkten Röhrenkapazitäten“. (A direct- 
capacity bridge for vacuum tube measurements.) 
Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 482—486, 1928. 


Unter der „direkten Kapazität“ von zwei Leitern 
versteht der Verfasser die Kapazität zwischen diesen 
beiden Leitern mit Ausschluß aller anderen Kapazi- 
täten des Systems. 


Eine Röhre kann vom Standpunkt der elektro- 
statischen Kapazität aus aufgefaßt werden als eine 
Dreiecksschaltung von drei Kapazitäten (vgl. neben- 
stehendes Bild): 1.) die Kapazität zwischen Anode 
und Gitter = C%, 2.) zwischen Gitter und Glül- 
faden = Cgf und 3.) zwischen Anode und Giühfaden 

—= (pr. Die Brücke des Verfassers hat die Anord- 
nung des nebenstehenden Bildes, in dem P den Ar 
schluß der Anode, G denjenigen des Gitters und F 
denjenigen des Glühfadens bezeichnet. Außer dem ‘x 
Normalkondensator Cs sind auch die Widerstände | 
R, und R, und rm als veränderlich anzusehen. Der 
Widerstand r„ dient nur zur Phasenregulierung, wem 'k 


entweder die Röhre oder der Normalkondensater G [à 


i 
4 


Referate. 


-erluste besitzt. Ist der Strom im Brückenzweig 
= 0, so besteht die leicht abzuleitende Beziehung 


Cor. Bic G; Fms R, / Ra = Cap | Cs. 


lan erhält also Cf und Cp; Cpf ist ohne Einfluß 
uf die Einstellung, da es parallel zum Brückenzweig 


N 


egt; Wie die Schaltung abgeändert werden muß, 
wenn Cpf bestimmt werden soll, ist ohne weiteres 
Jlar. J. Zenneck. 


- E. T. Hoch. Eine Brückenmethode zur 
Aessung der Impedanzen zwischen den 
Zlektroden einer Röhre. (A bridge method 
-or the measurement of interelectrode admittance in 
racuum tubes.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 487 bis 
193, 1928. 


- Die Brücke (siehe Bild) ist eine Abart der ab- 
‚zeschirmten Brücke von Colpitts und Camp- 


‚sell (vgl. G. A. Campbell, Bell Syst. techn. 
: Journ. 11, S. 18—38, 1922). Sie ist im Bild so 
-zeschalte, wie es zur Messung der 


Kapazität 
„zwischen Gitter G und Anode P einer Röhre nötig 


199 


ist. Sie besitzt doppelt abgeschirmte Zweige R, 
und R, von derselben Größe, einen veränderlichen 
Differential-Kondensator V (was damit gemeint ist, 
geht aus dem Bilde hervor), einen festen Zweig CD 
(gewöhnlich 10000 Ohm) und einen veränderlichen 
Widerstand R im Zweig AD (gewöhnlich Dekaden- 
widerstand mit einem Gesamtwiderstand von 11000 
Ohm). S ist ein abgeschirmter Schalter, um die 
Kapazität GP entweder parallel zu dem Zweig CD 
oder parallel zum Zweig AD zu legen. 


Das Verfahren bei der Messung ist das folgende: 
Der Schalter S wird so eingestellt, daß die zu 
messende Kapazität parallel zum Zweig CD liegt. Die 
Brücke wird abgeglichen durch Aenderung von V 


und R. Die Ablesungen an V und R seien Ve und Ko 
Dann wird der Schalter S umgelegt, so daß die 
Kapazität parallel zum Zweig AD liegt. Die Werte, 


die zur Abgleichung der Brücke jetzt nötig sind, seien 
Va und Ra. Dabei ist angenommen, daß der Konden- 
sator V schon so geeicht ist, daß die auf ihm an- 
gegebenen Werte (auch Ve und Va) diejenigen 
Kapazitäten sind, die bei der betreffenden Einstellung 


von V im Zweig CD kompensiert werden. Dann be- 
stehen die Beziehungen 
Vem Va, _ Ra— Re 
Co =— g i Ko = gR Re’ 


wenn man unter Kgp den Leitwert zwischen Gitter 
und Anode versteht. 

In der Arbeit sind die Ergebnisse einer Reihe 
solcher Messungen angegeben, und zwar die Zalılen 
für die Kapazitäten Anode-Gitter, Anode-Glühfäden, 
Gitter-Glühfäden, das letztere sowohl wenn der Glüh- 
faden geerdet, als wenn er isoliert war. 

J. Zenneck. 


C. A. Wright und F. T. Bowdich. Die Messung 
der Induktivität von Drosselspulen. 
(The measurement of choke coil inductance.) Proc. 
Inst. Radio Eng. 16, 373—384, 1928. 


jo 


Normale Magneftisierungs- 
Aurve for Eisen 


a PR 
A58 Jo=25 
N l 


B -G63USS 


AH 
KurvefÜür Luft 


A-Gılberis/em 


Es handelt sich bei der Arbeit um die Messung 
der Induktivität von Spulen mit Eisenkern in Ab- 
hängigkeit von dem durch die Spule fließenden 
Wechselstrom und evtl. einem darüber gelagerten 


200 


Gleichstrom. Die verschiedenen Abänderungen der 
Meßmethode kommen alle auf die gleichzeitige 
Messung von Strom und Spannung hinaus. Augen- 
scheinlich ist den Verfassern die vom theoretischen 
und praktischen Standpunkt viel bessere Methode 
von R. Strigel (ds. Jahrb. 29, S. 10—20, 1927), 
ebenso andere Arbeiten, die sich auf Spulen mit 
Eisenkern beziehen, unbekannt geblieben. 


In den Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 844—847, 1928, 
macht W. O. Osbon auf folgenden Fehler in der 
Arbeit aufmerksam. Die Verfasser haben die Induk- 
tivität Z einer Spule mit geschlossenem Eisenkern 
in die Form gebracht 


BE 0 


(N = Windungszahll, A = Eisenquerschnitt, l = 
mittlere Länge des Eisenwegs). Sie verstehen un- 
ter u die Permeabilität, die sich aus der mittleren 
Neigung der Magnetisierungskurve innerhalb des Ge- 
biets, in dem der Strom variiert, ergibt. Osbon 
betont mit Recht, daß es bei kleinen zyklischen Ma- 
gnetisierungen eines mit Gleichstrom magnetisierten 
Eisenkerns nicht auf diese Neigung ankoınmt, son- 
dern auf die Neigung der kleinen Hysteresis-Schlei- 
fen (a, b, c des nebenstehenden Bildes), die in diesem 
Fall tatsächlich durchlaufen werden. 
J. Zenneck. 


H.M. Turner. Ein kompensiertes Röhren- 
voltmeter. (A compensated electron-tube volt- 
meter.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 799—801, 1928. 
(Yale Universität, New Haven Conn.) 


UX 2014 


zu messende 
Spannung 


Gilfersirom in Skalenterlen 


Lfettive Spannung in Volt 
Bild 1. 


Bei den gewöhnlichen Röhrenvoltmetern hingen 


die Angaben in hohem Maße von dem Heizstrom ab. 


Anodenstrom 


Referate. u 


Es trat deshalb ein erheblicher Fehler auf, wenn ir. | 
ser sich änderte. Von diesem Fehler frei sind de 
Kompensationsschaltungen, die der Verfasser be 
schreibt. Das Wesentliche an ihnen ist, daß der) 
Spannungsabfall längs eines Widerstandes im Heiz 
stromkreis auf den Gitterkreis wirkt und daß infolge 


ass 
A05 g 
035 
t 
A 
| Z Pa | 
p= = — + HH 
il Dh el A 
” | 17 Big | k 
AT a a T a 
28 — Hompensiert TA a gy gm 
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24m 7 a a a a Ps ER IT Ta E 
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TR Bl E u Sr | T | 
22 = t + t p- = —— S d BAR = —— ti 
li | 
re 1 j- e e a 
z l | |l I I: |} 
2 5 6 8 10,54 P Zu 7; 
Effektive Spannun 9 in Voit 
Bild 2. 


davon die Gittervorspannung sich ändert, sobald der 
Heizstrom größer oder kleiner wird. In der Arbeit ¢ 
sind zwei Schaltungen angegeben. Bei der einen 
(Bild 1) liegt die zu messende Spannung im Anoden- 
kreis; gemessen wird der Strom im Gitterkreis (vgl. 
das Referat in dsm. Jahrb. über T erman, Umge- 
kehrte Electronenröhre etc.). Die Eichkurve in 
Bild 1 gilt für alle Heizströme zwischen 0,225 und ; 
0,275 Amp. (der normale Heizstrom ist 0,25 Amp). 
Bei der anderen Schaltung (Bild 2) liegt die zu 
messende Spannung in üblicher Weise im Gitterkreis, 
während der Strom im Anodenkreis gemessen wird. 
Die stark ausgezogene Kurve ist die Fichkurve béi 
Anwendung der Kompensation, sie gilt für Heizströme 
zwischen 0,35 und 0,55 Amp. Die gestrichelten Kur- 
ven sind Eichkurven für dieselbe Schaltung, aber 
ohne Kompensation, und zwar für die Heizströme 0,8 
und 0,55 Amp. J. Zenneck 


J. R .Nelson. (Eng. Dept. Cunningham, New-York) 
Detektorwirkung der Doppel-Gitter 
röhre. (Detection with the four-electrode tube. 
Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 822—839, 1928. 

Eine mathematische Theorie der Anodengleich- 
richtung von Doppel-Gitterröliren wird entwickelt | 
und die Ergebnisse mit den Resultaten, die expen- 
mentell an der Cunningham-Röhre CX — 322 erhal 
ten wurden, verglichen, Je Zei pe | 


T 
aa D S = CEEEEREE> 


a na A re ae a ar a PIE DIET m KUREN 
Be. a gs 
Juni 1929 


wm 


I f Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie 
E und Telephonie 


| Zeitsehri für NOENIFEQUENZIEGHNIK || 


| EU EEE EL 


u 


Gegründet 1907 


Unter Mitarbeit 
von 


Dr. h. c. Graf v. Arco (Berlin), Dr. L. W. Austin (Washington), Postrat Dr. F. Banneitz 
(Berlin), Prof. Dr. H. Barkhausen (Dresden), Dr. W. Burstyn (Berlin), Prof. Dr. A. Esau 
(Jena), Prof. Dr. H. Faßbender (Berlin), Dr. L. de Forest (New-York), Prof. Dr. F. Kiebitz 
(Berlin), Postrat Prof. Dr.G. Leithäuser (Berlin), Dr. S.Loewe (Berlin), Dr. C. Lübben (Berlin), 
Dr. E. Lübeke (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E.h. A. Meissner (Berlin), Prof. Dr. H. G. Möller 
(Hamburg), Dr. E.Nesper (Berlin), Dr. B. van der Pol jr. (Eindhoven), Ingenieur Dr. V.Poulsen 
(Kopenhagen), !Prof. Dr. L. Pungs (Braunschweig), Dipl.-Ing. B. Rosenbaum (Berlin), 
Dr. K. Rottgardt (Berlin), Prof. Dr. H. Rukop (Köln), Dr. A. Scheibe (Charlottenburg), 
Oberingenieur O. Scheller (Berlin), Prof. Dr. W. Schottky (Berlin), Prof. Dr. A. Sommerfeld 
(München), Dr, F. Trendelenburg (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. M. Wien (Jena), 
Prof. Dr. H. Wigge (Köthen-Anh.) 


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herausgegeben von 


Professor Dr. Dr. ing.E. h. Je Zenneck una Privatdozent Dr. E. Mauz 


Schriftleitung: Dr. E. Mauz 


MKRAYN | 
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EEJ = E 


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129 


Monatlich erscheint ein Heft. Abonnementspreis des Bandes (j> Jahr) RM. 20.—, Preis des 

einzelnen Heftes RM. 3.50. Alle Buchhandlungen sowie die Verlagsbuchhandlung nehmen Be- 

stellungen an. Inserate werden mit RM. —.15 pro mm Höhe und 4 mm - ir berechnet. 
| Bei Wiederholung Ermäßigung, JOO Sir 


S. 201—236 
Heft 6 
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N "vw ` PAN 
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Anfang der 80er Jahre waren der Tele- 


graph und das Telephon die haupt- 
sächlichsten Anwendungsgebiete der 
Elektrotechnik. Einige Fernsprecher 


waren von der Reichspost eingeführt 


JAHRE worden. Eugen Hartmann wandte 


sich gleich auch diesem Gebiete zu 


ELEKTRISCHE und ließ eine Musteranlage im 


MESSGERÄTE Würzburger Betrieb aufbauen. Bald 
| bestellte der Magistrat einige Anlagen 


nm an- und wenige Jahre später waren 
E. Hartmann & Co. Lieferanten der 


EA IS E Deutschen Reichspost. 
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URTA 


2 AaS ' 4 m Pe 


Band 33 
z 


F. Kirschstein: Zur Theorie des rückgekoppelten Röhrensenders. 
(Mit 14 Bildern im Text) . ; 
Heinz E. Kallmann: Rechtecki ge Verformung von Resonanz- 
kurven nach einem neuen Prinzip und ihre Anwendung beim 
Empfang sehr kurzer Wellen. (Mit 20 Bildern im Text) . 212 
E. Kramar und F. Qutzmann: Bemerkungen zu der Arbeit von 
H. Freese über „Beseitigung der Nebenfrequenzen beim stati- 


schen Frequenzwandler‘‘. (Mit 1 Bild im Text) . . . 223 
H. Freese: Erwiderung auf vorangehende Bemerkungen 5 . 225 
Cari Lübben: Patentschau. (Mit 15 Bildern im Text) . : . 225 


Referate 
S. K. Waldorf (E. Lübcke): Ein Verstärker für Oszillographen . 228 
R. M. Wilmotte (E.Lübcke): Die steomyenfeilung auf einer Sende- 


antenne . . . 229 


D. W. Dye (E. Lübcke): 
von Kondensatoren bei Hochfrequenz. 
aa T Ray (E. Lübcke): 


Messungen des effektiven Widerstandes 
(Mit 1 Bild im Text) . 229 
Ein einfaches Goldblatt- 


lektrometer für Hochfrequenzmessungen, (Mit 3 Bildern im Text) 229 
Arthur Bramley (E. Lübcke): Der Kerr-Effekt in Wasser bei 
i . 230 


Hochfrequenz. (Mit 2 Bildern im Text) 
T. A. E. Belt und N. Hoard (E. Lübcke): Synchronisieren von 


| Hochspannungsnetzen mit Vakuumröhren. (Mit2 Bildern im Text) 231 


Manuskripte für das Jahrbuch, möglichst mit klischlerfählgen Figureu versehen, sind an die Schriftleituag Dr. E, Mauz, Frankfurt a. M., Physikalisches 
Institut, Robert Mayerstr. 2, zu senden. Die Herren Autoren werden gebeten, eine kurze Zusammenfassung des wesentlichen Inhalts Ihrer Arbeit jedem Manuskript beizufügen 


Juni 1929 


Heft 6 


Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie 


Zeitschrill für hochireguenztechnik 


INHALT 


Seite 


Seite 


Leyshon (E. Lūbcke): Einige neue 
Methoden der Verbindung mechanischer und ENGE 
Schwingungen. (Mit 4 Bildern im Text) 

Albert W. Hull (E. Lübcke): PARENG Glünkathodenröhren. 
(Mit 4 Bildern im Text) . , 232 

E. Klotz: (Selbstreferat.) Über die Messung der Oitter-Anoden- 
Kapazität von Schirmgitterröhren. (Mit 1 Bild im Text) . 

D. R. Hartree (H. Plendl): Die Ausbreitung von elektro: 
magnetischen Wellen in einem inhomogenen Medium vom Cha- 
rakter der Heavisideschicht. (Mit 2 Bildern im Text). ; 

St. Ballantine (Hermanspann): Detektorwirkung durch Gitter- 
Gleichrichtung in einer SB ODE (Mit 2 Bildern 
im Text). . : . 235 

E. H. Loftin und S. Y. White gJ. Zeiliech): Direkt uckönpelter 
Detektor und Verstärker mit automatischer Pttervorspannung 
(Mit 2 Bildern im Text) . ; . 235 

E. B. Judson y: Zenneck): Ein Apparat zur Automaischen Auf- 
nahme der Zeichenintensität von drahtlosen Stationen und von 
atmosphärischen Störungen. (Mit 1 Bild im Text) > : . 236 

C. Dreher (J. Zenneck): Pono lvorTie mungen Derm Runainak: 
Betrieb. (Mıt 1 Bild im Text) . F 236 


W. H. Eccles und W. A. 


N Abonnements und Inserate sind zu richten an M. Krayn, Verlagsbuchhandlung Beriin W 10, Genthiner Straße 39, Postscheck-Konto Berlin 32647. 


MAN 


Zur Theorie des rücKkgekKoppelten Röhrensenders. 


Ueber ein anschauliches Verfahren zur Behandlung des Amplitudenproblems. 


Von F. Kirschstein. 


Mitteilung aus dem. Elektrotechnischen Laboratorium der Technischen Hochschule Berlin. 


= Inhaltsübersicht. 
jinleitung. 

|. Das Schwingdiagramm des Röhrensenders. 
V. Die Anlaufbedingung des Röhrensenders. 
A. Die Amplitude der stationären Schwingung. 
\ Die Kippcharakteristik. 

‘». Der Grenzwiderstand. 

I Die günstigsten Betriebsbedingungen. 

A Das Gitterreißdiagramm. 

RSS SEINE: 


Einleitung. 


i Beim Experimentieren mit der elementaren Schal- 
‚ung des Röhrensenders mit induktiver Rückkopplung 
st es oft schwierig, sich an Hand theoretischer 
‚VJeberlegungen über irgendwelche beobachteten Ver- 
“Inderungen der Schwingungs - Amplitude exakt 
‚J’echenschaft zu geben. — Die Entstehungsweise der 
Aölierschen Schwingkennlinien ist zu kompliziert, 
Is daß man ihr Verhalten bei einer Aenderung der 
jetriebsbedingungen des Senders (Gittervorspan- 
ung usw.) voraussehen könnte, und die sonst sehr 
nschauliche Diskussion der Barkhausenschen 
Selbsterregungsformel“ ist aufgebaut auf dem Be- 
riff der „Steuerspannung‘“, der als eine aus verschie- 
enen Gitter- und Anoden-Spannungen zusammen- 


gesetzte Größe wieder der Anschauung Schwierig- 
keiten bereitet. 


Im folgenden wird der Versuch gemacht, mit 
Hilfe einfacher, durch Gleichstrommessungen an der 
Röhre zu erhaltender Kennlinien, eine Behandlung 
des Problems durchzuführen, die nicht nur begriff- 
lich den Bedürfnissen des Experimentierenden mehr 


Schaltbild. 


Rechnung trägt, sondern auch zahlenmäßig eine ein- 
fache Konstruktion des Gitterreißdiagramms ermög- 


licht. — Dabei wird den Betrachtungen ein graphi- 
sches Integrationsverfahren zugrunde gelegt, das 
sich — ursprünglich zur exakten Ermittlung ein- 


zelner Schwingungsperioden bestimmt — auch für 
die allgemeine Behandlung von elektrischen 


202 


Schwingungs-Vorgängen als außerordentlich brauch- 


bar erwiesen hat. 


$ 1. Das Schwingdiagramm des Röhrensenders. 


Wir gehen aus von der einfachsten Form der 
Senderschaltung (Bild 1). Nach Festsetzung der ein- 
gezeichneten pos. Strom- und Spannungsrichtungen 
ergeben sich die folgenden Beziehungen: 


iReto=—l E40, 
K Rtg =- 1,97 di i Drp (2) 
ea = lo + Ea (3) 
eg =e g t Ego (4) 
EE kin Te (5) 


: , ; di : 
Vernachlässigt man in Gleichung 1 Le gegenüber 


di 
2L so ergibt sich 


La dt 


irRa-+Hee=— La t 1) 


und bei weiterer Vernachlässigung der Ohmschen 
Spannungsabfälle aus (1) und (2) 


e'g 
ĉc a 
und damit wegen: 


ia = f (ea , eg) = f (Ea + ee, Ego + ©) 
= f (EaẸp ec, E go — ke.) = Q (ee) 
aus Gleichung (5): 


Ple)=ir CH a 
Gleichung (I) und (II) geben die Möglichkeit zur Ent- 
wicklung eines außerordentlich anschaulichen Dia- 
gramms: 

Denken wir uns ałs Abszisse und Ordinate eines 
rechtwinkligen Koordinatensystems die beiden Ener- 
giegrößen des Systems: čz“ unde. aufgetragen, so 
liefert Gleichung (I) unmittelbar diejenige Schar von 
Linien n a ec — îr - Ebene), längs deren die 


Größe LŽ konstante Werte besitzt. Mit 

iL Ra + ee = konst. 
Be nn Geraden, die alle aus einer einzigen, der 
durch4 2 Er 


Parallelverschiebung hervorgehen. Ganz ent- 
sprechend liefert Gleichung N die Schar der Kur- 


deren der Wert C konstant ist. Man 


agi 


— 0 bestimmten „Dämpfungslinie“, durch 


ven, längs 
erhält mit 


iz, = Q (ec) + konst. 
eine Kurvenschar, die wiederum durch einfache Pa- 
rallelverschiebung aus einer einzigen charakteristi- 


F. Kirschstein: 


arde 


PL 

d Ile 
(iL —=p(e.) für C =) hervorgeht. Bild 2 zeigt i 
K 


„Dämpfungslinie“ F 


schen Linie, der sogenannten „Kippcharakteristik‘*) 


den charakteristischen Verlauf von 


und „Kippcharakteristik“ für einen normalen ner 
Bild 3 


vollständige !' 


M 
0 

il 
} 


zustand des Senders, das 


Bild 2. 
Die Elemente des Schwingdiagramms. 


„Schwingdiagramm“ in einem für die Untersuchung . 
der auftretenden Schwingungsvorgänge geeigneten 
Maßstab. | 
Die Kippcharakteristik ist nichts als eine gewöhn- ` 
liche, gescherte Röhrenkenmnlinie ia = f (eg)ea= konst ! 
Ihr Verlauf wird später einer eingehenden Unter- : 
suchung unterzogen. Zunächst verschaffen wir uns | 


Awingdiagnamm. 
As.ımm“-0 -25 20 -45 -70 -5K Oi? 4S +O +15 #20 ai +30 +35 (MM) 
a | s ER) 


REDAS 
Eee 
ERIEENP. 
INNE 


Bild 3. 
| 


+25 
ER H- 


Das Schwingdiagramm des Röhrensenders. 


eine Vorstellung von der Bedeutung des Diagramms 

als solchem. | 
Wir untersuchen eine Zustandsänderung im Sy- 

stem, die von einem beliebigen Anfangszustand, etwa | 

I 

| 


1) Die Bezeichnung „Kippcharakteristik* entspricht der Be- 
deutung der Kurve für den Ablauf der Kippschwingungen, die 
in dem zugrunde liegenden „kippfähigen“ Einspeichersystem 
auftreten. (Vgl. F. Kirschstein: „Leber ein Verfahren zu 
graphischen Behandlung elektrischer Schwingungsvorgänge". 
Diertationss, Berlin 1929.) 


I 


-Punkt 1 in Bild 3, ausgehen soll. 
den einzelnen Isoklinen eingetragenen Zahlenwerte 


Zur Theorie des rückgekoppelten Röhrensenders. 


a a nn nn ne Te nn nr nn nn rn nn = 
nun Jena Th he iiio 


An Hand der bei 


a die längs derselben geltenden Werte Ldir und 
| e 
a erkennt man unmittelbar, welchen Weg der 


~- 


i Strom - Spannungs - Punkt von hier aus nehmen 


S 


Od 


t, 
r 


muß. Im Quadrant I herrschen stets positive Werte 


dir ` de 


und negative Werte —. Es wird also im gro- 


dt dt 
Ben und ganzen eine Bewegung nach „rechts unten“ 


eintreten. Im Quadrant II bewirken positive Werte 
Cde. Ldir š . 
von a und re ein Umbiegen der Bewegung 


nach „rechts oben“. Im Quadrant III verläuft die 
Zustandsänderung nach „links oben“, im Quadrant 
IV nach „links unten“, d. h. wir erhalten den 
bekannten Kreislauf, wie er in einem Schwin- 
gungskreis bei irgendeiner Zustandsänderung stets 


Al, (mm) 


” -20 T T 


N 
0d lito) 
+5 Lt un 7 


all 
-5 -0 S % , 


Bild 4. 
Idealisiertes Schwingdiagramm. 


auftreten muß: die zu Anfang ausschließlich vor- 
handene magnetische Energie des Systems (4Lizr:) 
setzt sich während des ersten Viertels einer Schwin- 
gungs-Periode in elektrische Energie um, diese 
während des zweiten Viertels wieder in magne- 
tische usf. Die exakte, punktweise Konstruk- 
tion des Schwingungsverlaufs geschieht in der 


‚ Weise, daß für ein bestimmtes kleines Zeitintervall 
= At jeweils die zugehörigen Werte Air und Aee er- 


mittelt werden, die den Kennzahlen der gerade über- 


“ strichenen Isoklinen und den vorliegenden L- und C- 


. gebnis: 


Werten entsprechen. Die Konstruktion führt, wie 
aus Bild 3 hervorgeht, sofort zu einem weiteren Er- 
der Kreislauf des Strom-Spannungspunktes 


- führt nicht zum Ausgangspunkt zurück, sondern es 
- entsteht in unserem Falle eine sich aufschraubende 


Spirale. Den Grund hierfür, zunächst rein formal, 
veranschaulicht Bild 4: 

Hätte die Kippcharakteristik (K. Ch.) auch in den 
Quadranten I und II den vertikalen Verlauf, wie in 
den beiden oberen Quadranten, so würde sich der 
gestrichelt eingezeichnete Schwingungsverlauf er- 
geben, der der bekannten logarithmischen Spirale 
einer gedämpiten Schwingung entspricht. Dadurch, 


daß in den unteren Quadranten eine Abbiegung der 
K. Ch. nach rechts eintritt, verschiebt sich der tiefste 


Cd 
Punkt, den die Energiekurve erreicht (auf — = 0!) 


derart nach rechts, daß nach Ablauf der ersten Halb- 
periode der Strom einen wesentlich höheren Wert 
hat, als zu Beginn des Vorgangs. Während des wei- 
teren Schwingungsverlaufs in den oberen Quadran- 
ten tritt zwar (infolge der Neigung der Dämpfungs- 
linie) wieder eine Abnahme der Stromamplitude ein, 
jedoch ist diese am Ende der Periode noch wesent- 
lich größer als zu Anfang. — Der eigentliche Grund 
für diese Erscheinung folgt aus einer energetischen 
Betrachtung. Das Produkt tale = Q (ec) - ee ist die 
Leistung, die in jedem Moment dem Schwingungs- 
kreis zugeführt wird. Diese Leistung hat nur wäh- 
rend der unteren Halbperiode endliche, und zwar 
positive, Werte (vergl. Bild 2); während der oberen 
Halbperiode, in der e. sein Vorzeichen umgekehrt 
hat, fließt kein nennenswerter Anodenstrom, so daß 
eine Leistungsrücklieferung nicht stattfindet. So- 
lange also die Leistungszufuhr während der ersten 
Halbperiode die Dämpfungsverluste während der 
vollen Periode überwiegt, muß eine Zunahme der 
Eigenenergie des Systems, d. h. der Schwingungs- 
amplituden, eintreten. Unser Diagramm 
veranschaulichtalsodiebekannteTat- 
sache, daß eine „fallende Charakte- 
ristik“ als Steuerorgan an einen 
Schwingungskreis gelegt, zur Auf- 
schaukelung ungedämpfter Schwin- 
gungen im Schwingungskreise führt. 
Es würde grundsätzlich keine Schwierigkeiten ma- 
chen, im Schwingdiagramm selbst durch Probie- 
ren die stationäre Schwingungsamplitude als die- 
jenige zu ermitteln, bei der die Kreisbewegung des 
Strom-Spannungs-Punktes in sich zurückverläuft 
(sich weder zusammen- noch auf-schraubt). Auch 
könnten an Hand des Diagramms leicht Betrachtun- 


gen über den Einfluß von = R usw. auf den Schwin- 


gungsverlauf angestellt werden. Im folgenden wird 
sich jedoch zeigen, daß mit Hilfe einfacher Ueber- 
legungen die Behandlung aller beim Betrieb des 
Röhrensenders interessierender Fragen auf eine ein- 
fache Diskussion der K. Ch. zurückgeführt werden 
kann. | 


$ 2. Die Anlaufbedingung des Röhrensenders. 


Wir fragen uns zunächst, welche Aussagen wir 
über die Bedingungen machen können, unter denen 
der geschilderte Aufschaukelungsvorgang — aus- 
gehend vom Ruhezustand des Senders — wirklich 
einsetzt. Der Schnittpunkt von Dämpfungslinie 
und K. Ch. bestimmt einen Gleichgewichtspunkt in 
de, diL leich 
PA und m: eich- 
zeitig verschwinden. Festzustellen ist, wann dieser 
Gleichgewichtspunkt „labil gegen Schwingungen“ ist, 
d. h. wann die Bewegung des Strom-Spannungs- 


— 


der ee -ir-Ebene, für welchen 


de 
2) Da längs der K.-Ch. (= ic =o, also iL = ia Ist, so 


ə; 
wird hier die Neigung der K.-Ch. mit e bezeichnet. 


204 


Punktes nach einer kleinen, zufälligen Abweichung 
aus der Gleichgewichtslage nicht wieder in diese 
zurückverläuft, sondern sofort zu einer anklin- 
genden Schwingung führt. Zur Lösung dieses 
Problems machen wir einen einfachen analytischen 
Ansatz. Wir ersetzen die K. Ch. in der Nähe des 
Gleichgewichtspunktes durch eine gerade Linie: 


p (e) =A -+ (5) ec?) 


und erhalten daher aus Gleichung (1) und (5) in $ 1: 


di 
e=— La — Bair 


Fee the), 


Wir fassen diese beiden simultanen Differential- 
gleichungen zu einer gewöhnlichen zusammen: 


[Lac] re la)+cr +lır2. (2) | in=4 


ĉc 


und erhalten als Lösung für den „freien“ Strom tzr: 
Ola 


TL =€  2La Ay Hele) Kt Ka e—t)} 


wobei: 
Lal ia 
Bas 


+ ze|tReloe))+|sr. 


Bild 5. 
Die Anlaufbedingungen. 


Für praktische, bei der Schwingungserzeugung vor- 
kommende Verhältnisse wird čz eine periodische 
Lösung darstellen, die Größe £ also einen imaginären 
Wert erhalten. In diesem Fall hängt die zeitliche Zu- 
und Abnahme der Amplitude des Störungsgliedes 
nur von dem 


onet, 


F. Kirschstein: 


ab. „Stabilität gegen Schwingungen“ besteht, solange 


der Exponent negativ ist, d. h., solang 
La Ola 
>0 
Rtg elel 


ist. Labilität tritt auf, d. h., die Selbsterregung 
der Schwingungense tztein, sofern 


ð 
va a <0 ist, d hs sofern 


Ola 
eelo 
x Öle 2 BER OR 
dee) o Fi 
In unserem Diagramm findet diese Bedingung eine 


außerordentlich anschauliche Deutung (vgl. Bild 5). 

di 

(=) ist die Neigung der K. Ch. im Gleichgewichts- 
c/o 


0i 
punkt: (5° = tg f. Zeichnen wir in das Diagramm 


c/o 


2 ist. 


eine Gerade unter dem Winkel a gegen die e.-Achse 


RaC 
ein, derart, daß tg a = T, wird, so besteht die An- 
a 


laufbedingung einfach darin, daß 8 > a sein muß. 


Wir wollen die Hilfsgerade mit der Neigung tg a= 


= , die bei unseren weiteren Untersuchungen eine 
a 

große Rolle spielen wird, als „Schwingkreisgerade“ 
bezeichnen, in Anlehnung an die Bezeichnung ‚„Wider- 
standsgerade“, die eine entsprechende Rolle bei den 
Stabilitätsbetrachtungen für „Ein-Speicher-Systeme“ 
spielt. Damit erhalten wir als Selbsterregungsbedin- 
gung die, daß die K. Ch. im Gleichgewichtspunkt 
gegen die e.-Achse stärker geneigt sein muß als die 
„Schwingkreisgerade“. 


$ 3. Die Amplitude der stationären Schwingung. 


Der exakte Gang zur Ermittlung der stationären 
Schwingungsamplitude ist leicht anzugeben. 

Bild 3 lehrt, daß während des Aufschaukelungs- 
vorgangs der Schwingungsverlauf innerhalb einer 
Periode praktisch als eine Kreisbewegung um den 
Gleichgewichtspunkt betrachtet werden kann. (Die 
Bahn des Strom-Spannungs-Punktes ist allgemein 
eine elliptische, kann jedoch durch geeignete Wahl 
der Maßstäbe für e. und tz stets in die Kreisform 
übergeführt werden.) Als Mittelpunkt des Kreises 
kann dabei mit genügender Genauigkeit der O-Punkt 
des Koordinatensystems betrachtet werden, auch er- 
kennt man leicht, daß zu gleichen Zeitintervallen At 
annähernd gleich große, überstrichene Abschnitte der 
Peripherie gehören. — Nun ergibt sich die mittlere 
Leistung, die während einer Periode dem Schwin- 
gungskreis zugeführt wird, zu 


iG. Le, 
N.=7 [ia dt = z [p(e.) Ec di 
o o 


Zur Ermittlung dieser Leistung hat man daher nur 
den einer bestimmten Amplitude entsprechenden 
Kreis mit dem Radius Eco in das Schwingdia- 
gramm einzuzeichnen, die Peripherie des Kreises in 


| 


um 


ine Reihe gleicher Abschnitte zu zerlegen, für jeden 
ıbschnitt das Produkt (ee) (.) zu ermitteln und den 
littelwert des Produktes für die ganze Periode zu be- 
echnen. — Hat man das für eine Reihe von Schwin- 
ungsamplituden durchgeführt, so ist es leicht, die 
„.tationäre Amplitude aufzufinden, indem man in 
sine graphische Darstellung als Funktion der 
Schwingungsamplitude sowohl die eben gefundene, 
:nittlere zugeführte Leistung Nz = f (Eco) = f'(Jo) als 
wuch die im Schwingungskreis verbrauchte Verlust- 
eistung N,=4RaJo einträgt. Die stationäre Ampli- 
:ude ist dann dadurch gekennzeichnet, daß zugeführte 
and verbrauchte Leistung gleich sein müssen. (Vgl. 
‚3ild 6.) 


Wall 


| 


|. stationäre Amok = 
hiu 


Bild 6. 
Genaue Amplitudenbestimmung. 


Es leuchtet aber ein, daß ein derartig koinplizier- 
.tes Verfahren zur Amplitudenermittlung versagt, 
wenn es sich darum handelt, eine Uebersicht über 
¿alle möglichen Betriebszustände des Senders zu be- 
-kommen. — Wir begnügen uns daher mit einer an- 
„schaulicheren Näherungslösung. 

Wir denken uns an Stelle der wirklichen K. Ch. 
eine geradlinige Ersatzcharakteristik, deren Neigung 


ôi ; : 
„gegen die e. -Achse (25) der „mittleren Neigung“ 


| 0 ec) m 
.des von der Schwingung überstrichenen Bereichs der 
‚K. Ch. entspricht, und machen uns die im vorigen 
Abschnitt abgeleiteten Beziehungen für eine gerad- 
linige K. Ch. zunutze. Setzt man dort an die Stelle 
von (22) en Wert (2° 
| eelo Oec 
‚Stationäristeine Amplitude, wenn der 
.überstrichene Bereich der K. Ch. „im 
Mittel“ die Neigung der Schwingkreis- 
geraden gegen die e.-Achse hat. Eine 
.Schwingung wächst an oder klingt ab, 
‚je nachdem diese mittlere Neigung 
‚größer oder kleiner als die der 
‚Schwingkreisgeraden ist. 


Als „mittlere Steilheit‘‘ der K. Ch., für welche nach 
di 2 
dem Vorangegangenen exakt: fi Zar Nz gesetzt 
cjm co 


werden müßte, wählen wir dabei in erster An- 
näherung die Neigung derienigen Geraden, die die 
beiden Endpunkte des überstrichenen Abschnitts 
. der wirklichen K. Ch. verbindet. 


| Man erhält damit im Schwingdiagramm ein Kri- 
‚ terium für die stationäre Amplitude, das dem für die 


) ‚so ergibt sich unmittelbar: 
m 


Zur Theorie des rückgekoppelten Röhrensenders. 205 


Anlaufbedingung des Senders außerordentlich ähn- 
lich ist. 


In Bild 7 sind für 3 verschiedene Schwin- 
gungsamplituden die entsprechenden Ersatzcharakte- 
ristiken eingezeichnet und man erkennt: Ampli- 
tude 2 ist stationär wegen ß:=a, ʻAmpli- 
tude 1 wächst an, wegen $, > a, Amplitude 3 nimmt 
ab wegen P, < a. 


Bild 7. 
Angenäherte Konstruktion der stationären Amplitude. 


Bild 8. 
Die Stabilität der stationären Amplitude. 


In diesem Fall ist damit gleichzeitig die Frage 
nach der Stabilität der so gefundenen stationären 
Amplitude beantwortet. — Man erkennt, daß bei einer 
zufälligen Vergrößerung der Amplitude über den sta- 
tionären Wert die „mittlere Steilheit“ des über- 
strichenen Stücks der K. Ch. abnimmt, die Amplitude 


206 


also: von selbst zurückgeht, während umgekehrt 
eine Verkleinerung der Amplitude sofort durch die 
vergrößerte, „mittlere Steilheit‘“ der neuen Ersatzcha- 
rakteristik rückgängig gemacht wird. — In Fällen, 
in denen das von der stationären Amplitude über- 
strichene Stück der K. Ch. ganz auf einer Seite der 
Ersatzcharakteristik liegt, ist die Frage nach der 


Stabilität der Amplitude nicht so leicht zu beant- 
worten. 


el 


CL [ U 


GsEgo-Ä 
7 Jo ec |263 


Bild 9. 
Die Entstehung der Kippcharakteristik. 


Bild 8 zeigt, wie man auch für solche Fälle ein 
exaktes Kriterium erhalten kann. Man zeichnet eine 
Reihe zur Schwingkreisgeraden paralleler Geraden in 
das Schwingdiagramm ein und halbiert die von dem 
fraglichen Stück der K. Ch. auf diesen Geraden je- 
weils abgeschnittenen Stücke (a =a’). Die Verbin- 
dungslinie der Mittelpunkte durchsetzt die čz -Achse 
an der gleichen Stelle, an der die Ersatzcharakteristik 
der stationären Amplitude diese schneidet und es gilt: 
Die stationäre Amplitude ist stabil, sofern die Hilfs- 
kurve beim Uebergang zu größeren Amplituden diese 
von oben nach unten durchsetzt, die Amplitude ist 
labil, wenn die Hilfskurve die «<,-Achse von unten 
nach oben durchschneidet. (Man erkennt das sofort, 
wenn man eine Vergrößerung der Amplitude an- 
nimmt und die neue Ersatzcharakteristik einzeichnet 
unter Berücksichtigung der Bedingung, daß negativer 
und positiver Scheitelwert der Kondensatorspannung 
e. gleich groß sein müssen (b = b’). 


$ 4. Die Kippcharakteristik. 

Die Entstehung der Kippcharakteristik i= g (ee) = ia 
veranschaulicht Bild 9. In Abhängigkeit von ee sind 
aufgetragen: eg =Ego—ke.und Dea=D(Eateo), als deren 
Summe die in Richtung abnehmender e.-Werte lang- 
sam ansteigende Steuerspannung esi = €g t D ea resul- 
tiert. Als Funktion der Steuerspannung ergibt sich 


F. Kirschstein: 


2 


dann der daneben eingezeichnete Verlauf des Anodenf 
stroms mit den charakteristischen Punkten, bei dene 
der Anodenstrom: einsetzt (es: == 0), den Sättigung- 

wert erreicht (est = Es) und wieder absinkt. (eg=e a| 
Sekundärelektronen.) Man übersieht demnach seh 

rasch, wie der Verlauf der K. Ch. von den verschie- j3 
denen Betriebsgrößen des Senders abhängt. — Feste |” 
werdende Kopplung, d. h. wachsendes %, führt auf | 
immzr steilerem Anstieg der K. Ch. zu dem Sätt.|n 
gungswert und entsprechend frühzeitigem Umbiegen į, 
bei der Stelle e»=e. (vgl. Bilü 9a). Weachsende 7 
Gittervorspannung bewirkt ein Vorrücken der Stim ji 
der K. Ch. nach oben, deren Form im übrigen, ebenso” l 
wie die Lage des unteren Umkehrpunktes im il 


gungsgebiet sich nur wenig ändert (vgl. Bild 9%). ar 


Zunehmende Anodenspannung bewirkt ebenfalls eine 
Parallelverschiebung der Stirn der K. Ch. nach oben, 
aber gleichzeitig ein Herabdrücken des Umkehr- 
punktes nach unten (vgl. Bild 9c) und schließlich 
führt zunehmende Heizspannung lediglich auf eine 
gleichmäßige Vergrößerung aller ča-Werte (vgl. 
Bild 9d). 


Die exakte Aufnahme der K. Ch. erfolgt am 
schnellsten und zuverlässigsten experimentell nach 
Art der Aufnahme gewöhnlicher Kennlinien. Man 
macht sich zu dem Zweck vor der Messung eine 
Tabelle, in der zunächst für verschiedene e.-Werte 
die zugehörigen ea und e,-Werte je nach den ange- 
nommenen Größen Ea,Ego,%k berechnet werden, stellt 
dann nacheinander die auftretenden Kombinationen 
von ĉa und eg mit Hilfe entsprechender Spannungs- 
teiler ein und liest die zugehörigen ta-Werte ab. Man 
erspart sich auf diese Weise nicht nur die lang- 
wierige Auswertung des normalen Kennlinienieldes, 
sondern hat den Vorteil, daß — bei entsprechenden 
Vorsichtsmaßregeln — auch Röhren, die mit Rück- 
sicht auf hohen Wirkungsgrad dimensioniert sind, 
diese Art der Kennlinienaufnahme zulassen. (Größere 
Anodenströme treten erst bei relativ geringen Anoden- 
spannungen auf.) | 


Pe} 
= 


$ 5. Der Grenzwiderstand. 


Wir stellen uns jetzt die Aufgabe, den günstigsten 
Betriebszustand des Senders ausfindig zu machen 
und beginnen damit, für einen vorgegebenen Be- 
triebszustand des Senders die günstigste Einstellung 
des Schwingungskreises aufzusuchen. | 


| 
p ame 


Wir nehmen an, der Verlustwiderstand BR. des 
Schwingungskreises und ebenso die einzustellende 
Wellenlänge seien gegeben. Gesucht werde das gün- | 
stigste Verhältnis, in das das gegebene Produkt (LC) | 
li=2rV LC !lunter die Faktoren aufgeteilt werden muß, 
damit die erzeugte Wechselstromamplitude den größt- 
möglichen Wert annimmt. — In Bild 10 sind für drei 


verschiedene Verhältnisse (7) vis($)} die zugehörigen 
1 3 


Schwingkreisgeraden mit den Neigungen a, bis a, 
. . C 
gegen die e.-Achse eingezeichnet: tg a = R.[7) , und 


nach den in $ 3 entwickelten Regeln die zugehörigen 
Schwingungsamplituden konstruiert. (1...3) — 
Benutzt man die ebenfalls in Bild 10 angedeutete ` 


ilfskonstruktion zur Ermittlung der Größen e aus 


len (Z)Juma beachtet, daß wegen IC Eco®™4 LJe stets 


LNE) £» so ergibt sich folgendes: Beim Uebergang 


Jon (7) zu (Z): d.h. vona, zu a ändert sich der Scheitelwert 
1 2 


ler Kondensatorwechselspannung Eco nur wenig. Da aber 


= 
; y$) wesentlich größer als (5) ‚so hat IE) £ 
N L 2 Lji L 


stark zugenommen (ar) Beim Uebergang 
' 02 


von (7) auf (7) tritt dagegen eine rasche Abnahme 
l 2 3 


Zur Theorie des rūckgekoppelten Röhrensenders. 


207 


eines in Resonanz zur angelegten Grund-Spannungs- 
welle befindlichen Schwingungskreises. Unser Er- 
gebnis deckt sich also mit der bekannten Forderung, 
daß für günstige Ausnutzung des Senders der „Wider- 
stand“ des Schwingungskreises gleich dem Grenz- 
widerstand sein müsse, wobei nach Barkhausen 
2 Ea 

Is 


R grenz I 


zu setzen ist. 

Je nach der tatsächlich re Neigung der 
La 
Endpunkt der Ersatzcharakteristik unterhalb oder 
oberhalb dieses Umkehrpunktes der K. Ch. liegen. In 
einem Fall befindet sich der Sender im „überspann- 
ten“ Zustand, der — entsprechend dem starken Ab- 


Schwingkreisgeraden tga= wird nun der untere 


Einfluß der Beiriebsgroßen ay de Wigpcheraktenistik 


Bild 9b. 


Bild 9a. 


von Eco ein, die bei der verlangsamten Zunahme von 


Y wieder eine Abnahme von y, hervorbringt 
{Jaa _ 100 
a» . Man sieht daher unmittelbar: Es gibt 
Ws 78 


‚eine günstigste Neigung der Schwingkreisgeraden, 
"die bei sonst gleichen Betriebsbedingungen ein 
‘Maximum der Wechselstromleistung erzeugt. Diese 
“günstigste Neigung ist dadurch gekennzeichnet, daß 
‘die entsprechende geradlinige Ersatzcharakteristik 
die K. Ch. in ihrem unteren Knie durchsetzt. Sie be- 
:rechnet sich zu 


Ra c) I; 
t a = (= ZX 
( g ) opt l; m > = 
L ® 
p T ist bekanntlich der resultierende Widerstand 
a 
i _ 9) ecistexakt gegeben durch die Bedingung eg = ea, daraus folgt 


ee E Zeuge E 
“ee = S woraus bei hoher Betriebsspannung und nor- 


maler Kopplung angenähert: eg a — Ea. 


(Rohre RE-I) 


Bild 9d. 


Bild 9c. 


fall des Anodenstroms im „untersten“ Teil der Pe- 
riode — durch große Gitterstromstöße gekennzeich- 
net ist, — im anderen Fall arbeitet der Sender im 
„unterspannten“ Zustand, bei dem der Scheitelwert 
Eco den maximal erreichbaren Wert es nicht er- 
reicht. 

Unterspannter und überspannter Zustand müssen 
mit Rücksicht auf die Erwärmung der Röhre in 
gleicher Weise vermieden werden. Wir sehen aber 
jetzt, warum man im allgemeinen den Widerstand 
des Schwingungskreises gern etwas größer als den 
exakten Grenzwert macht. Sofern nämlich Wert auf 
eine von Schwankungen des Betriebszustandes 
(Anodengleichspannung, Heizstrom) möglichst unab- 
hängige Amplitude der Senderschwingungen gelegt 
wird, ist es zweckmäßiger, auf dem Bereich unter- 
halb des Knies der K. Ch. als oberhalb zu arbeiten. 
Im ersten Fall, in dem man davon spricht, daß die 
Schwingungen „sich bis zur Spannungsgrenze“ auf- 
geschwungen hätten, verändert sich nämlich der 
Scheitelwert der Kondensatorspannung Eco. offenbar 
nur um denjenigen Betrag, um den die Anodengleich- 


208 


spannung ab- oder zunimmt, d. h. im allgemeinen nur 
sehr wenig. Im zweiten Fall dagegen (vgl. Ampl. 3, 
Bild 10), in dem die Schwingungsamplitude durch den 
Sättigungsstrom bestimmt wird (Strombegrenzung), 
wird offenbar die geringste Schwankung des Heiz- 
stromes eine ganz erhebliche Veränderung von Eco 
herbeiführen. 


$ 6. Die günstigsten Betriebsbedingungen. 


Die zu einer bestimmten K. Ch., d. h. zu einem 
bestimmten Betriebszustand gehörige günstigste Ein- 
stellung der Schwingkreisgrößen, ist damit gefunden. 


Günstigste Nei- 
Jung Fer Schwing 
Areisgereden p= 


Bild 10. 
Der Grenzwiderstand. 


Es fragt sich jetzt, welcher Betriebszustand die über- 
haupt mit der Röhre erreichbare, größte Schwin- 
gungsamplitude liefert. — Wir beantworten diese 
Frage an Hand der durch Bild 9 gegebenen Ueber- 
sicht über die Reihen der K. Ch. 


Bild 9c zeigt sofort, daß eine eigentliche Grenze in 
dieser Hinsicht nicht angegeben werden kann. Mit 
wachsender Anodenspannung rückt das Knie der 
K. Ch. immer weiter nach unten, so daß sich beliebig 
große Schwingungsamplituden erreichen lassen. Die 
Begrenzung ist hier lediglich durch die Rücksicht auf 
die zu befürchtende Ueberhitzung des Anodenblechs 
gegeben. — Wir sehen aber sogleich, wie wir uns zu 
verhalten haben, um bei gegebener Wärmeaufnahme- 
fähigkeit der Anode eine möglichst große Anoden- 
spannung anwenden zu dürfen. Wir werden zu dem 
Zweck nach Bild 9b die K. Ch. durch Anwendung 
starker negativer Gittervorspannung so weit nach 
unten verschieben, als das die Rücksicht auf die An- 
lauffähigkeit des Senders erlaubt (vgl. die K. Ch. für 
Ego =—80 V in Bild 9b). (Bei dem vorliegenden 


F. Kirschstein: 


Maßstab für čz fällt die Dämpfungslinie praktisch mi 
der ?r,-Achse zusammen, so daß für die Anlauffähig. 
keit die Neigung der K. Ch. gegen die e.-Achse in 
dem Punkt maßgeblich ist, an dem sie die čz -Achs 
durchsetzt.) Man erreicht dadurch nicht nur eine wei 
tere Verschiebung des Knies der K. Ch. nach unter 
sondern vor allem eine erhebliche Abnahme der mitt 
leren, während einer Periode auf dem Anodenblect 
vernichteten Leistung N, — M (eaia). Es ist nämlich 


ĉa = Ea tec, und wenn man — ganz analog wie in §$3į 


bei Ermittlung von N, — die Teilprodukte (ea): (ia 
für die einzelnen Abschnitte der Kreisbewegung des 
Strom-Spannungs-Punktes in der ee iz-Ebene bildet. 
leuchtet ohne weiteres ein, daß der Mittelwert Mleain) 
für die ganze Periode sehr stark zurückgeht, wenn 


die Anodenstromwerte in dem Bereich großer e«' 


Werte, d. h. bei ee Z 0 „heruntergedrückt‘‘ werden. 
— Aus den gleichen Gründen empfiehlt sich schließ- 
lich, auch die Rückkopplung nicht fester zu wählen, 
als durch die Forderung nach sicherem Einsetzen der 
Schwingungen bedingt wird. Man erreicht auch hier 
(vgl. Bild 9a) sowohl eine Herabsetzung des Knies 
der K. Ch., wie eine Verminderung der schädlichen 
Verlustleistung N, = M (ea ia). l 


$ 7. Das Gitterreißdiagramm. 


Das übersichtliche Verhalten der K. Ch. bei einer 
Veränderung des Betriebszustandes vermittelt in 
jedem einzelnen Fall eine anschauliche Vorstellung 
von den Gründen für irgendeine beobachtete Ampli- 
tudenänderung. Darüber hinaus gelingt es mit Hilfe 
einer einfachen Konstruktion, das vollständige Gitter- 
Reiß-Diagramm an Hand weniger, leicht auf- 
zunehmender K. Ch. zahlenmäßig zu entwickeln. 


Denkt man sich, wie in Bild 9b, die K. Ch. für ein 
bestimmtes Kopplungsverhältnis k mit wachsender 
Gittervorspannung allmählich nach oben wandernd, 
so würde, nach $ 3, für jede Vorspannung die statio- 
näre Amplitude in der Weise zu ermitteln sein, daß 
die Schwingkreisgeraden solange parallel zu sich 
verschoben würden, bis ihr oberer und unterer 
Schnittpunkt mit der K. Ch. bei gleich großem posi- 
tiven und negativen e.-Wert liegt. Da indessen die 
Form der sich verschiebenden K. Ch. (wenigstens 
unterhalb des Sättigungswertes) dabei unverändert 
bleibt, so dient zur Ermittlung einer Teleplionielinie 
des Reißdiagramms einfacher folgende Konstruktion: 
Man nimmt eine K. Ch. (für irgendeine Vorspannung) 
als ruhend an und denkt sich mit wachsendem 
Ego die öz-Achse nach unten wandernd. Die zu 
einer bestimmten Zunahme AZ, gehörige Ver- 
schiebung Je. der iz -Achse ergibt sich dabei, wegen 
ei = (Ego — k ec) + D (Ea + ec) zu: 

jnm Ea XE p=- Mr 

Fe k— D : 

st=konst. 
(vgl. in Bild 11 die neben der Ordinatenachse ange- 
brachte Skala, die die Lage der iz,-Achse für die ein- 
getragenen Zgo-Werte angibt). Zeichnet man nun 
eine Reihe zur Schwingkreisgeraden paralleler Ge- 
raden in das Schwingdiagramm ein und halbiert die 
auf ihnen von der K. Ch. abgeschnittenen Stücke, so 
liegt jeder der Mittelpunkte für eine ganz bestimmte, 
an der Skala ablesbare Gittervorspannung, auf der 


t 


Fi 


nd 


ir, -Achse, stellt also für diese Vorspannung den 
:möglichen Mittelpunkt einer stationären Schwingung 
dar. Der Eifektivwert der Amplitude der Schwin- 
‚gung ist proportional der halben Länge der Ersatz- 
‚charakteristik a (vergl. Bild 8) und daher leicht zu 
berechnen: 


Jeff = EB nn E an (=) cos a 
V2 V2 V2 V LaC \Me 
E E en ln zu an 
| Me AN Me 
O ikea” y? ee pe N)” 
| mm mm 
Me — Volt è — Amp. 


Loge der 
$-Achse 


Bild 11 und 11a. 


Konstruktion einer Telefonielinie im Gitterreißdiagramm mit 
Hilfe der Schwingungsmittelpunktskurve. 


Ermittelt man daher für eine Reihe solcher Mittel- 
_ punkte jeweils zusammengehörige Werte von Ego 
und Jr und trägt Jep als Funktion von Ego auf, 
so erhält man die gewünschte Telefonielinie (vgl. 
= Bild 11a). — Dabei liefert die Verbindungslinie der 
‘“ Mittelpunkte unmittelbar die Möglichkeit zur Anwen- 
dung der in $ 3 besprochenen Kriterien für die Sta- 
. bilität der einzelnen Amplituden; z. B. erkennt man 
“in Bild 11, daß der steigende Ast der Mittelpunkts- 
kurve (d—c) labil ist, weil hier die jeweilige ?,-Achse 
© von der Mittelpunktskurve bei wachsender Ampli- 
© tude von unten nach oben durchsetzt wird. Die 
: Folge davon ist der in Bild ila angedeutete Be- 
- wegungsvorgang beim Durchlaufen einer Telefonie- 
linie: Beim Uebergang von sehr stark negativer Vor- 
- spannung zu höheren Werten von Ego setzen die 
< Schwingungen ein, sobald die :z-Achse bis zum 


Zur Theorie des rückgekoppelten Röhrensenders. 


209 


Punkt a vorgerückt ist, wo die Tangente an die 
K. Ch. parallel zur Schwingkreisgeraden verläuft. 
(a’ in Bild 11a.) Bei weiterer Abwärtsverschiebung 
der 2;-Achse durchläuft der Schwingungsmittelpunkt 
das Stück a—b der Mittelpunktskurve, wobei eine kon- 
tinuierliche Zunahme der Schwingungsamplitude ein- 
tritt (a’—b’, Bild 11a). Von Punkt b springt der 
Schwingungsmittelpunkt wegen des anschließenden la- 
bilen Astes (b—c) der Mittelpunktskurve sofort nach d 
(womit eine plötzliche Amplitudenzunahme [von b% 
nach d’ in Bild 11a] verbunden ist) und wandert dann 
auf dem rechten Ast der Mittelpunktskurve langsam 
weiter nach unten. (Langsamer Anstieg und danach 
allmähliches Absinken der Amplitude.) Beim Rück- 
gang, d. h. beim Aufwärtswandern der ¿z -Achse mit 
abnehmender Gittervorspannung, durchläuft der 
Schwingungsmittelpunkt den rechten Ast der Hilfs- 
kurve über Punkt d bis nach c, dann reißen die 
Schwingungen plötzlich ab, weil bei der erreichten 
Vorspannung kein möglicher Schwingungsmittelpunkt 
mehr vorhanden ist. 

In dieser Weise wurden für bestimmte, experi- 
mentell untersuchte Verhältnisse eine Reihe von 
K. Ch. für veränderliche Kopplungen ausgewertet und 
die entsprechenden Telefonielinien in einem Reiß- 
diagramm zusammengestellt (vgl. Bild 12, 1—8, und 
Bild 13). Man übersieht die Zusammenhänge ohne 
Schwierigkeiten. 

Für feste Kopplungen, d. h. steilen Anstieg der 
K. Ch., erhält man den œ~ -förmigen Verlauf der 
Mittelpunktskurve mit der besprochenen Hysteresis 
zwischen „Spring“- und „Reiß“-Vorgängen. Mit loser 
werdender Kopplung flacht sich das ~ wegen des 
langsameren Anstiegs der K. Ch. mehr und mehr ab 
(k = 0,315 — 0,25), bis schließlich überhaupt kein stei- 
gender Ast mehr vorhanden ist (k = 0,22 und 0,19) 
und damit das Gebiet „folgender“ Schwingungen er- 
reicht ist. Macht man die Kopplung noch loser, so 
tritt eine Komplikation der Verhältnisse durch den 
auftretenden Gitterstrom ein. — 

In Bild 12, 1—8, ist außer der eigentlichen K. Ch. 
ia>=vp(e) auch jeweils der Anfang der Funktion 
ie (ec) eingetragen (gestrichelt!), und man erkennt 
deutlich, wie bei angenähert parabolischem Verlauf 
des Emissionsstroms der einsetzende Gitterstrom eine 
„Beule“ in den Verlauf der K. Ch. hineinbringt. — 
Dieser Einfluß ist von untergeordneter Bedeutung, 
solange bei fester Kopplung die K. Ch. so steil an- 
steigt, daß die Schwingungen bereits auf dem Stück 
oberhalb der „Beule“ einsetzen (k = 0,315 — 0,19). 
Bei k=0,175 ist aber die Abflachung soweit fort- 
geschritten, daß ein angenähert geradliniges Stück im 
unteren Teil der K. Ch., das seine Entstehung dem 
Gitterstrom verdankt, bereits schwächer gegen die 
ec-Achse geneigt ist, als die Schwingkreisgerade. 
Die Folge davon ist, daß die Schwingungen erst 
unterhalb dieses Stückes einsetzen, dann aber 
wegen des stark nach oben ausbiegenden Verlaufs 
der Mittelpunktskurve sofort zu einer erheblichen 
Amplitude „anspringen“. Beim Rückgang der Gitter- 
vorspannung bedingt hier das obere Maximum der 
Mittelpunktskurve ebenso ein plötzliches „Abreißen“ 
der Schwingungen bei einer erheblich geringeren 
Amplitude. Bei noch mehr abnehmendem k setzen 
die Schwingungen bei immer weiter unterhalb der 


210 


E,=725V  L1g=5,08.10"H D= 42% | 
&,:939V 0=399,10®F Aa= 152 
A = 0,315 e A= 0,285 ne M:0,25 
500 


F. Kirschstein: u 
Aiopcharakteristiken_mif Schwingungsmittejpunktskurven für Röhre RS 697 u dl 


Bild 12, 1—4. 


| 
#=0,175 K= 0,156 A=0,15 


Bild 12, 5—8. 
Einfluß der Kopplung auf die Schwingungsmittelpunktskurve. 


Berechneles 6ilferreißdiagramm 


30 


Ego (vol) 
Bild 13. 


Zur Theorie des rückgekoppelten Röhrensenders. 


Beule“ gelegenen Punkten auf der K. Ch. ein, wo- 
durch bewirkt‘ wird, daß „Anspringen“ und „Ab- 
reißen“ zunächst noch ausgeprägter auftreten 
k = 0,156), dann aber wieder der -förmige Verlauf 
ler Mittelpunktskurve sich zeigt (k = 0,15), der offen- 
bar für sehr lose Kopplung durch Abflachung auf 
einen neuen „Folgebereich“ der Schwingungen führt, 
bis schließlich die größte Steilheit der K. Ch. im 
Wendepunkt überhaupt nicht mehr zur Erregung von 
Schwingungen ausreicht. 


211 


führt, je mehr sich der Betrieb bei fester werdender 
Kopplung dem „überspannten“ Zustand nähert. 


Zusammenfassung. 


Es ist gezeigt worden, wie man durch systema- 
tische Anwendung eines allgemeinen graphischen 
Integrationsverfahrens zu einer übersichtlichen Be- 
handlung der Vorgänge im rückgekoppelten Röhren- 
sender kommt. Die Behandlungsweise ist der Bark- 


Eipenmenlellayfgenommenes Gitterreiß diegramım 
69 


À= 8400 m 


04 | 
A | Eichung der fückkopplungs; 
1 4 Spule FD 
o p AE Z 5 
—— 3 
í EN 


20 25 3035 so 30 
ze (Stellung der 
Auchkogolungsspvle) 


Bild 


Bild 14 zeigt zum Vergleich mit dem so errech- 
neten Reißdiagramm das wirklich experimentell auf- 
genommene. Die Uebereinstimmung der Diagramme 
ist eine sehr weitgehende, wenn man bedenkt, daß 
einerseits jeder Aufnahme von Kennlinien notwendig 
die durch den schwankenden Heizstrom bedingte Un- 
sicherheit anhaftet, andererseits der geringste Fehler 
bei der Ermittlung des Dämpfungswiderstandes Ra 
des Schwingungskreises eine erhebliche Veränderung 
der Telefonielinien für lose Kopplung hervorruft. — 
Der einzige, grundsätzliche Unterschied in dem Dia- 
gramm, der darin besteht, daß die wirklichen Tele- 
fonielinien im allgemeinen zu etwas höheren Ampli- 
tuden aufsteigen und bis etwa Ego = t40V dauernd 
ansteigen, während die errechneten um so früher 
wieder absinken, je fester die Kopplung ist, erklärt 
sich leicht aus dem Näherungsverfahren, das wir zur 
Ermittlung der „mittleren Steilheit‘“ der K. Ch. an- 
wenden, und das um so mehr auf falsche Resultate 


nn 


LE x 
R3 
EER 30 20 
er (Volt) 
14. 
hausenschen Diskussion der „Selbsterregungs- 


formel“ sehr ähnlich, unterscheidet sich von dieser 
aber durch den Verzicht auf die „symbolische“ Rech- 
nungsmethode und durch Einführung einer mit dem 
Betriebszustand veränderlichen steuernden Charak- 
teristik. Dadurch wird nicht nur der Einfluß einzel- 
ner Betriebsgrößen auf die Schwingungsamplitude 
besonders anschaulich, sondern auch eine einfache, 
zahlenmäßige Entwicklung des Gitterreißdiagramms 
möglich. 

Dem Leiter des „Elektrotechnischen Labora- 
toriums“, Herrn Geheimrat Prof. Dr. E. Orlich, 
schulde ich Dank für verständnisvolle Förderung der 
Arbeit, ebenso möchte ich Herrn Dipl.-Ing. Woel- 
ken für die geduldige Unterstützung bei der Auf- 
nahme der Kennlinien und beim Lesen der Korrektur- 
bogen hier meinen Dank aussprechen. 


(Eingegangen am 13. Dezember 1928.) 


Heinz E. Kallmann: 


Rechteckige Verformung von Resonanzkurven 
nach einem neuen Prinzip 
und ihre Anwendung beim Empfang sehr Kurzer Wellen. 


Von Heinz E. Kallmanın. 


Dissertation aus dem Institut für angewandte Elektrizität an der Universität Göttingen. 


Inhalt: 
I. Das Problem. 
II. Nachteile der bekannten Methoden. 
. Prinzip der neuen Methode. 


IV. Messung der Kurvenverbreiterung. 
a) Aufbau und Eichung der Apparate. 
Die Sender. 
Der Empfänger. 
Aufbau und Untersuchung des Kopplungs- 
ringes. 
b) Pendelungsversuche. 


V. Ueberlagerungsversuche und Anwendung der 
Methode. 


Anhang: 
A. Untersuchung des Ringes in Oel. 
B. Untersuchung des Senders. 


Zusammenfassung. 


Abkürzungen und Symbole. 
C Kapazität, im allgem. in cm. 
L Selbstinduktion, allgem. in cm. 
W Gesamtwiderstand in Ohm. 
R Ohmscher Widerstand in Ohm. 
R, Strahlungswiderstand in Ohm. 
4 Wellenlänge, im allgem. in cm. 
v Frequenz pro sec. in Hz. 
V Logarithmisches Dämpfungsdekrement. 
Vi, Və Frequenz des Senders, des Ueberlagerers. 
v, Schwebungsfrequenz. 
v, Pendelfrequenz. 
vı Telephoniefrequenzen. 


(Bei Zahlenangaben sind unsichere Dezimalen 
überstrichen.) 


I. Das Problem. 


Aus zwei Gründen kann eine gewisse Frequenz- 
breite der Empfindlichkeitskurve (E. K.) bei einem 
Empfänger erforderlich sein: 

1. Geläufig ist, daß bei Telephonieübertragung 
die gleichmäßige Aufnahme des ganzen Modulations- 
bandes v, +», zu fordern ist; bei Empfängern mit 
Resonanzkreis pflegt man die Resonanzkurve des 
Empfangseffektes N: 


= 
* Ve aE AE ) 


zu verflachen durch Erhöhung des Dämpfungsdekre- 


(1) 


9, Re Cem 
mentes 9 = a ee (2) 
Nach (1) wird dies aber nur erforderlich, wenn 


v; gegen v, merklich wird, also bei langen Wellen. 


2. Die Erfahrung zeigt, daß weder beim Sender 
noch beim Empfänger die eingestellten Frequenzen 
ideal konstant sind, vielmehr in natürlichen Schwan- 
kungen sich gegeneinander verschieben. Für die 


Betrachtung ist offenbar gleichgültig, welcher der I: 


Partner jeweils inkonstant ist; daher sei hier die ' 
Empfängerfrequenz als konstant angenommen und 
dafür die Schwankung des Senders |A»v,! entspre- 
chend vergrößert um |4»|, die Schwankung des 
Empfängers, auf den Gesamtwert: 


|4»]=]| 4r|+ 4] val. 


Eine gleichmäßige Uebertragung erfordert dann, daf 
der Empfänger das ganze Frequenzband v E jdr 
mit gleicher oder vergleichbarer Empfindlichkeit aui- 
nimmt. Aus technischen Gründen gewinnt diese 
Forderung besonders für höhere Trägerfrequenzen 
Bedeutung. Nämlich die Selbstinduktion Z und die 
Kapazität C, die frequenzbestimmenden Größen in 
der Gleichung: 


= VET (3) 


werden nicht nur bestimmt durch die Werte L, und 
C, der willkürlichen Schaltelemente, Sondern es 
kommen hinzu die Werte L’ und C’ der Zuleitungen, 
Röhrenelektroden usw.: 


L=L-+L C=0+0; 


und gerade diese sind wesentlich für die Schwan- 
kungen verantwortlich. Der Aufbau der Leitungen, 
Röhrenelektroden usw. ist aber durch andere Ge- 
sichtspunkte, wie z. B. Wärmeleitung und Stabilität, 
weitgehend festgelegt; daher können, wenn ZL, und 
Co für höhere Frequenzen verkleinert werden, 1% und 
0 bei weitem nicht im gleichen Maße abnehmen, 
sondern sie werden gleich und schließlich größer als 
L, und C, und gewinnen daher einen immer größe- 
ren Einfluß auf die Eigenfrequenz. Die mit steigender 
Sendefrequenz », ansteigende Inkonstanz | Ir! er- 
fordert also, daß die E. K. eines Empfängers eine 
gewisse Frequenzbreite (auch bei der Telegraphie) 
nicht unterschreitet. 


II. Nachteile der bekannten Methoden. 


Das einfachste Mittel zur Verbreiterung der E.K. 
ist die Erhöhung der Dämpfung ə (bzw. Vermin- 
derung der Entdämpfung) des Empfangskreises:; zur 
Erzielung eines flachen Gipfelstückes der berg- 
förmigen Resonanzkurve muß an beiden Seiten ein 
flacher Abfall in Kauf genommen werden, der die 
Selektivität (Nichtaufnahme frequenzbenachbarter 
Sender) nutzlos verschlechtert. 


Recht gut dagegen wird die erwünschte recht- 
eckige E. K. mit einer Siebkette erzielt; jedoch sind 


| 
| 


ee £ & EEE EBENEN N Se 
TS S TA wi Ca si (i > > 


a, D o EEE 


=chteckige Verformung v. Resonanzkurven nach einem neuen Prinzip u. ihre Anwendung beim Enpfang sehr kurzer, Wellen. 213 


ahlreiche Schaltelemente mit entsprechender Dämp- 
ıng nötig, und die Abstimmung auf variable Fre- 
uenzen ist allzu umständlich. 


Ein Mittelweg wird durch Kopplung von zwei 
-hwach verstimmten Abstimmkreisen beschritten, 
ie E. K. ist schlechter, als mit Siebkette, aber die 
Jämpfung und Abstimmarbeit geringer. Das Ver- 
ihren mag für niedere Träger-Frequenzen, z. B. für 
‚wischenfrequenzverstärker, Bedeutung haben, für 
ohe Frequenzen wird es zu unbequem. 


III. Prinzip der neuen Methode. 


Abhilfe soll das folgende Verfahren bieten: durch 
rgendeinen Eingriff möge die Eigenfrequenz des 
mpfängers periodisch um: ihren normalen Wert vı 
erum pendeln um den Betrag £ Apv, Dann wird 
m Verlauf jeder Pendelperiode zweimal die Eigen- 
requenz des Empfängers gleich der des Senders 
ein; auch dann, wenn die Sendefrequenz um einen 
Zetrag = Ay schwankt, wenn nur die Pendelampli- 
ude Ay, größer ist als 4». 


Novo V 


\ 


i 
`‘ 
QS 


\ 


Bild la, b, c. 
Einige Formen der Frequenzpendelung. 


Außer dieser Bedingung für die Amplitude gelten 
auch noch gewisse Bedingungen für die Frequenz 
der Pendelung. Sie muß so hoch sein, daß sie als 
Träger-Frequenz für die höchste übertragene Modu- 
lationsfrequenz v; verwendet werden kann : v4 << vi 
Dagegen ist die obere Grenze für die Häufigkeit v, 
der Pendelung dadurch gegeben, daß bei jeder Be- 
gegnung zwischen Senderfrequenz und Empfänger- 
frequenz der Empfangskreis aufgeschaukelt wird: 
v,< v. Die Pendelfrequenz v, muß also stets zwi- 
schen Trägerfrequenz und Modulationsfrequenz liegen. 
liegen. Ä Ä 
: Einige Formen der periodischen Funktion, nach 
der die Pendelung um den Mittelwert », vor sich 
gehen kann, seien betrachtet: 


; 1. Am übersichtlichsten wäre die Pendelung nach 
‚einem Zickzackdiagramm: Bild Ic, also mit kon- 


dv 


- stanter Geschwindigkeit," von einem Extrem zum 


„anderen und zurück. In diesem Falle werden alle 
"vorkommenden Frequenzen zwischen »,— |4v,| und 
‚’+|Arv | gleich lange und gleich stark aufge- 
‚nommen. 

2. Physikalisch geläufig ist der Fall der sinoidalen 
„Pendelung nach Bild la; hier wird die Verweilzeit 


für jede Frequenz dargestellt durch die reziproke 


Geschwindigkeit der Proiektion eines Pendels auf 
die Abszisse. Die Verweilzeit als Maß der Empfind- 
lichkeit ist wiederum als Ordinate aufgetragen. (Aller- 
dings ist der Grenzübergang oa hier nicht streng 
gültig, weil ein Zeitintervall kleiner als die Periode 
T, der Sendefrequenz v, hier keine physikalische 
Bedeutung hat; die Ordinate wird daher nie un- 
endlich.) 


3. Praktisch häufig mag auch der mittlere Fall 
sein, daß die Sinuskurve (z. B. durch Oberwellen) 
zugespitzt ist: Bild 1b. 

Alle drei Verweilzeitkurven umschließen denselben 
Flächeninhalt 2r in Einheiten des Kreisradius, näm- 
lich die Gesamtwahrscheinlichkeit 1 in Einheiten des 
Umfanges, daß das Pendel sich überhaupt an einem 
Punkte der Bahn befindet; z. B. bei der sinoidalen 
Pendelung ist: 


f 2. 4(0s2)+ | — diosa)=2n. 
E sinz +1 sinr 


Pendelt nun die Empfängerfrequenz nach einer 
dieser Gesetzmäßigkeiten, so ist die Empfangsstärke 
proportional der Verweilzeit an dem Punkte, an 
dem die Empfängerfrequenz gleich der des Senders 
ist. Ist etwa dieser ideal konstant, so wird es stets 
der gleiche Punkt sein; im allgemeinen wird der 
Arbeitspunkt nach Maßgabe der Schwankungen von 
diesem Ruhepunkte abweichen. Nur für den zuerst 
beschriebenen Fall nach Bild ic wird dann die 
Empfangslautstärke stets die gleiche sein, im allge- 
meinen wird sie sich entsprechend der Höhe der 
Kurve (z. B. 1b) mit den Schwankungen etwas 
ändern; jedoch auch dann nur unwesentlich. 


Die Bilder 1a, b, c stellen also die E. K. für ver- 
schwindend geringe Dämpfung des Empfangskreises 
dar: liegt zickzackförmige Pendelung nach Bild Ic 
vor und ist die Pendelamplitude groß gegen die na- 
türliche Dämpfung, so wird eine fast ideale Rechteck- 
kurve erreicht. Im entgegengesetzten Extremfall 
verschwindet die Pendelverbreiterung gegen die 
natürliche Dämpfungsbreite: dann resultiert die ge- 
wohnte Resonanzkurve. In allen dazwischenliegen- 
den Fällen stellen die Bilder la, b, c die geometri- 
schen Punkte dar für die Gipfel der natürlichen 
Resonanzkurven; die Seiten werden also je um eine 
halbe Resonanzkurve verbreitert.. 


Die Pendelung der Empfängerfrequenz kann auf 
beliebige Weise entstehen: z. B. könnte man die 
Zähne eines rotierenden Zalınrades aus einem Dielek- 
trikum zwischen die Belegungen eines Zusatzkonden- 
sators eintauchen lassen oder auch eine Belegung 
des Kondensators an einer Stimmgabel anbringen —, 
jedoch alle diese mechanischen Mittel sind zu um- 
ständlich. Einen bequemeren Weg bietet die sonst 
unerwünschte Frequenzabhängigkeit eines Röhren- 
senders vom Gitterwiderstand R,, wie z. B. beim 
einfachen Röhrensender‘): 


1) H. G. Möller, Elektronenröhren 2. Aufl. 1922, S, 104f. 


214 


Heinz E. Kallmann: 


Man kann also durch periodische Aenderung z. B. 
der Gittervorspannung die Frequenz des Senders 
pendeln lassen (im Anwendungsfalle die Frequenz des 
Ueberlagerungssenders, vgl. V), und hat damit ein 
vorteilhaftes und recht einfaches Verfahren. Alle 
vorhergehenden Ueberlegungen können dabei un- 
verändert vom Empfänger auf den Sender über- 
tragen werden. 


IV. Messung der Kurvenverbreiterung. 
Das Prinzip der Messung ist folgendes: ein kon- 
stanter Ultrahochfrequenzsender ist mit einem aperio- 
quantitativen Empfänger 


lediglich durch 


Dr 


dischen 


V 


Gegentaktschaltung der Sender. 


einen genau definierten variablen Resonanzkreis ge- 
koppelt, und zwar sehr lose. Durch meßbare Ver- 
änderung des Resonanzkreises wird seine Energie- 
aufnahme in Abhängigkeit von der Verstimmung ge- 
messen. In normalen Fällen ergibt sich eine Reso- 
nanzkurve. Wenn aber die Sendefrequenz pendelt, 
so muß sich die oben dargelegte Verbreiterung der 
Resonanzkurve ergeben. Und: tritt sie bei dieser 
Apparatur auf, so ist sie für jeden beliebigen Re- 
sonanzempfänger bewiesen; denn einem solchen ist 
der Resonanzkreis zusammen mit dem aperiodischen 
Empfänger gleichzuachten. 


a) Aufbau und Eichung der Apparate: 
Die Sender. 


Mit Rücksicht auf die späteren Ueberlagerungs- 
versuche (vgl. V) wurden zwei weitgehend gleiche 
Kurzwellensender gebaut. 

Sie arbeiten nach dem bekannten Gegentakt- 
prinzip. Bild 2. Zur Verwendung kamen leistungs- 
fähige Empfangsröhren, sog. Doppelröhren mit zwei 
gleichen Systemen im gemeinsamen Glaskolben; als 
gut geeignet erwies sich die TKD Lautsprecher- 
röhre V T 133, auch V T 126. Beim Aufbau kam 
zur Vermeidung von Verlusten möglichst wenig 
Metall und festes Dielektrikum zur Verwendung: 
die Röhre wurde am Sockel eingespannt, und die 
Schwingungskreise wurden mit kleinen Röhrchen 
direkt auf die Stifte am Sockel aufgesteckt. Diese 
Schwingungskreise verwendeten die verteilten Kapa- 
zitäten in Sockel?) und Röhre als Kondensator und 
einen Drahtring als Selbstinduktion.e Der Ringdurch- 


2) Versuchsweise wurde dieselbe Röhre entsockelt und die 
Drahtringe wurden dann knapp am Quetschfuß angelötet: der da- 
durch erzielte Fortschritt war sehr gering und durchaus unlohnend, 


entsprechend einer Wellenlänge von 134 m; die 
Sender arbeiteten dann noch, allerdings schwächer 
und unruhiger. Daher wurde die Wellenlänge zu 
etwa 2% m gewählt, also der Ringdurchmesser zu 
8cm. Zunächst wurden je eine Windung 1,5 mm ver- 


silberter Vierkantkupferdraht verwendet, die in Rüsch-. 


schlauch isoliert und aneinander gebunden waren, 
denn die festeste Koppelung war die günstigste; 
jedoch war bei diesem Aufbau die mechanische 
Stabilität zu gering, so daß sich mit der Form (vor 
allem der Festigkeit der Kopplung) auch etwas die 
Eigenfrequenz der Sender änderte. 


messer konnte bis zu 4 cm herabgedrückt — 


Infolgedessen | 


wurden zur Erzielung einer möglichst festen und zu-| 


gleich starren Kopplung die beiden Leiter inein- 
ander angeordnet. Den Aufbau’) zeigt Bild 3 (die 
vorgesehene getrennte Regulierung der Heizfäden 
erwies sich als überflüssig). In alle Zuleitungen 
wurden kleine Drosselspulen, auf Isolierband ge- 
wickelt, sicherheitshalber eingeschaltet; über deren 
Notwendigkeit oder Wert kann aber nichts aus- 
gesagt werden: Störungen kamen nicht vor. 


Die Sender wurden normal mit 120 Volt Anoden- 
spannung und + 3 Volt Gittervorspannung betrieben 
und etwa 10% unter der normalen Stromstärke von 
0,3 Ampere geheizt. Sie gaben dann noch mehr als 
genügende Energie. Wurden sie voll geheizt und 
mit 150 Volt Anodenspannung betrieben, so konnte 
einem Sender 4 Watt Schwingungsenergie entzogen 
werden. 


Bild 3. 
Endgültiger Aufbau der Sender. 


3) Ein Stück auf 2 mm hart gezogenen und versilberten Kupfer- 
drahtes, ein Stück Isolierschlauch und ein Stück versilberten 
Kupferrohres von innen 3 mm und außen 5 mm Durchmesser, 
das durch Ausglühen weich gemacht war, werden ineinander- 
geschoben, entsprechend den Abmessungen ohne Spiel. Da; 
ganze Gebilde wird um eine Holzmatrize gleichmäßig zu einem 


Ring von 8,0 cm Durchmesser gebogen; dadurch wird das Kupfer- 
rohr wieder hart und das Ganze sehr starr. Dann wurden nit 
Vorsicht gegen Zerstörung der Isolation an den Enden kleine 
Rohrstückchen, 3,1 mm lichte Weite, als Buchsen für die Röhren- 
stecker stumpf aufgelötet. Nachdem Vorversuche ergeben halten, 
daß die Wahl des neutralen Punktes für die Mittelanzapfung 
durchaus nicht kritisch war, wurde einfach der geometrische 
Mittelpunkt gewählt. Aus dem Rohrmantel und der Isolation 
wurde ein Loch von 2 mm Durchmesser bis zum Kern heraus- 
gearbeitet und in diesem Loch ein Zuleitungsdraht für den Innen- 
leiter angelötet; die kleine Lötstelle war mit Kolophoniumvergu3 
gegen die volle Anodenspannung gut isoliert. Die Festigkeit 
des äußeren Rohres: bleibt dabei erhalten. 


iv.’ rie Fr C F 


-~ Rechteckige Verformung v. Resonanzkurven nach einem neuen Prinzip u. ihre Anwendung beim Empfang sehr kurzer Wellen. 


Soweit waren beide Sender gleich gebaut; für 
‘Jeberlagerungsversuche sollte aber die Frequenz 
“es einen etwas änderbar sein. Hierzu wurde der- 
jenige gewählt, der (durch Verschiedenheiten in den 
-Leitungskapazitäten) die höhere Frequenz hatte. Bei 
‘Jiesem wurden neben den Anodensteckerstiften ein 
‘Paar Blechplatten angelötet, die die wirksame Kapa- 
‘zität erhöhten. Zwischen diesen konnte ein Stück 


> 


Bild 4. 
Frequenzfeinstellung am Ueberlagerer. 


“Hartgummi von 2 mm Dicke zur weiteren Kapazitäts- 
` steigerung eingetaucht werden, wodurch eine sehr 
"feine Frequenzänderung von maximal + 1% möglich 
war. Das Bild 4 zeigt diese Einrichtung, jedoch ist 
ein Beinstäbchen von 20 cm Länge als Hebelarm am 
“Drehknopf nicht mit abgebildet. 


| 


Bild 5. 
Schaltung des Audions an der Plattenbrücke., 


NC m 6 


Die Wellenlänge der Sender wurde an einem 
Lecherschen Drahtsystem verglichen. Zur Erzielung 
einer schärferen Einstellung wurde bei diesem an 
Stelle des Detektors eine Audionschaltung mit der 
bekannten Kompensation des Anodenruhestroms nach 
Bild 5 angewandt. Die Meßeinrichtung gestattete 
eine bequeme Einstellung auf etwa 1% cm Wellen- 
- länge. 
> Zur Absolutmessung der Wellenlänge wurde 
: jedoch ein anderes Verfahren benutzt: es wurde mit 
; dern unten beschriebenen quantitativen Empfänger 
* in größerer (Zimmer-) Entfernung die Feldstärke des 
“ Senders gemessen in Abhängigkeit von der Länge 
< einer dazwischen angeordneten Resonanzantenne, 
: einem dünnen Stabe von etwa 1% A Länge. 
sich als Länge der ganzen Welle 259,5 cm + 1 cm, 


4 rund 260 cm; v, =1,15.10° Hz. Diese Methode hat 
: Anspruch auf Genauigkeit nur dann, wenn der Reso- 


I ER za N 


nn 


De Eu Fe EN ie 


Es ergab 


215 


nator nicht merklich auf den Sender zurückwirkt. 
In der Tat ist der Sender hinsichtlich seiner Fre- 
quenz sehr unempfindlich gegen seine Umgebung. 
So konnte an Schwebungen festgestellt werden, daß 
Annäherung der Hand an den Schwingungskreis von 
irgendeiner Seite auf Daumenlänge nur eine Ver- 
stimmung von weniger als 1:10000 bewirkte. Der 
Grund liegt in dem geringen wirksamen Felde und 
dem kleinen Strahlungswiderstand des Ringes. 


Nach R. Rüdenberg‘) berechnet sich die Strah- 
lung eines Rahmens mit der Fläche F cm? und n 
Windungen für die Wellenlänge A zu 


‚mı2 
eo (4) 


Daraus ergibt sich für eine Windung von 8 cm 
Durchmesser und die Wellenlänge A = 260 cm der 
Wert 


R, = 0,017 Q. 


Da aber die beiden Windungen des Transformators 
einander entgegenwirken und der Transformator mit 
geringer Streuung arbeitet, ist die wahre Strahlung 


| 
| 
| 
| 
| 


Bild 6. 
Schaltung des Empfängers. 


ebenso wie das äußere magnetische Feld als Diffe- 
renz nahe gleicher Werte erheblich kleiner. Daß das 
äußere Feld vom Ring ausging und nicht wesentlich 
von der Röhre und den Zuleitungen, konnte durch 
Sondieren der Feldverteilung und Feldstärke mittels 
einer Prüfschleife deutlich gezeigt werden. Die 
elektromagnetische Strahlung der Röhrenelektroden 
und -Zuleitungen konnte ebenfalls nicht erheblich 
sein, denn der Sender war in m Entfernung mit 
dem Röhrenempfänger nicht mehr nachzuweisen; 
wurde eine sehr roh abgestimmte Stabantenne von 

1% A Länge angenähert, so gelang mit dem 
gleichen Empfänger noch Telephonieaufnahme auf 
über 20 m. 

Die für die Untersuchung wichtige Folgerung aus 
allen diesen Feststellungen ist, daß eine Rückwirkung 
des Kopplungsringes auf den Sender in der Meß- 
schaltung nicht zu erwarten ist. 


Der Empfänger. 


Mit Rücksicht auf die unten begründeten und be- 
schriebenen Ueberlagerungsversuche wurde der 
Empfänger von vornherein entsprechend mit zwei 
Stufen gebaut. Zunächst wurde jedoch meist durch 
Umschaltung die erste Stufe allein benutzt. Wie das 
Schaltschema in Bild 6 zeigt, handelt es sich um ein 


1) R. Rüdenberg, Aussendung und Empfang elektrischer 
Wellen; Berlin 1926. 


| 


RT A Fe 


216 Heinz H. Kallmann: 


Audion für sehr kurze Wellen, in dessen Anodenkreis 
wahlweise eine Schaltung zur Kompensation des 
Anodenstromes oder aber ein Zwischenfrequenzkreis 
geschaltet werden konnte. Dieser Zwischenfrequenz- 
kreis steuerte dann ein zweites Audion, dessen 
Anodenstromrückgang gemessen werden konnte. Es 
handelt sich also um ein Meßaudion, oder im anderen 
Falle, wenn noch ein Ueberlagerer dazu kam, um 
einen Ueberlagerungsempfänger mit Meßeinrichtung. 
Die Schaltung zur Kompensation des Anodenstromes 
ist geläufig und bedarf keiner Erläuterung. Die 
Anodenspannung war 60 Volt, Kompensationsspan- 
nung 10 Volt; das Galvanometer mit 40 Skalateilen 
brauchte 5,1.10-° Amp. pro Skalenteil; es wurde 
mit Abschätzung der Zehntel abgelesen. Konstanz 
und Ablesegenauigkeit unter + 0,3 Skalenteile. Die 
Röhren waren je eine Valvo A 408, die befriedigten; 


Ultrakurzwellenstufe des Empfängers. 


bei der hohen Röhrengüte (S = 2,0 mA/V,D = ca. 
6%) waren sicher auch in der einfachen Audion- 
schaltung noch unter 10 mV Gitterspannung am In- 
strument nachweisbar. Die Heizung wurde stets auf 
35 Volt Fadenspannung eingestellt. Als Ableitung 
waren 2 MQ (Fabrikat Loewe) gegen positives 
Heizfadenende am günstigsten. Da sich die nackte 
Röhre mit isoliertem Gitter als gegen sehr kurze 
Wellen recht empfindlich erwies, wurden außer dem 
Ultrakurzwellenkreis und der ersten Röhre alle 
Schaltelemente in einem Blechkasten untergebracht, 
die Instrumente wurden dann durch einen schmalen 
Spalt abgelesen. Die Batterien waren durch einen 
großen Schirm aus Kupferstreckmetall abgeschirmt. 
Der Schwingungskreis der ersten Röhre bestand aus 
einem Bügel versilberten Kupferdrahtes und zwei 
Kondensatoren in Serie, die jeder durch Spindeln 
verstellbar waren: Bild 7. Die Größe des Bügels 
war dadurch begrenzt, daß er eben noch eine aus- 
reichende Kopplung mit dem Kopplungsring ver- 
mitteln sollte, ohne jedoch, wenn er etwa zu groß 
war, als Rahmen direkt vom Sender Energie auf- 
zunehmen; geeignet war ein Bügel von der Form 
eines Halbkreises mit dem Radius ca. 4 cm. Die 
Kondensatoren konnten über einen großen Frequenz- 
bereich ohne merklichen Einfluß verstellt werden; 
dieser nicht rückgekoppelte Empfänger war also 
durch hohe Dämpfung offenbar so gut wie aperi- 
odisch. 


empfang machte sich dann noch eine Einwirkung der ! 


Die Lage aller Schaltelemente und Leitungen war 
räumlich streng definiert. Bei Ueberlagerungs 


die vom hochfrequenz-verstärkten Anteil im Anoden- 
strom der ersten Röhre herrührte. Dieser Effekt 
ließ sich dadurch kompensieren, daß an die Anode 
der ersten Röhre eine Leitung zu einem Metallstück 
angeschlossen wurde, die als Antenne ebenfalls ultra- 
hochfrequente Wechselspannung an das Gitter der 
zweiten Röhre brachte, — diesmal aber, weil un- 
verstärkt, mit entgegengesetzter Phase. Durch ge- 
eignete räumliche Anordnung dieser Hilfsantenne zum ! 
Sender heben sich bei entgegengesetzt gleicher Wir- 
kung beide Einflüsse auf. 


ultrakurzen Wellen auf das zweite Audion bemerkbar, | 


Die Charakteristik der beiden Audionstufen wurde 
als linear angesetzt, zumal die Röhren mit maximal 
0,2 mA nur gering ausgesteuert wurden. Auch deckte 
sich die Form der gefundenen Resonanzkurven be- 
friedigend mit der berechneten. Die gleiche Prüfung 
wurde auch noch an der zweiten Stufe durchgeführt: 
ein Sender bekannter Intensität und veränderbarer 
bekannter Frequenz wirkte mit konstanter Kopplung 
auf den Zwischenfrequenzkreis, und dessen Resonanz- 
kurve wurde aufgenommen und geprüft. Für ver- 
schiedene Spulen ergab sich dessen Dämpfung bei 
Frequenzen um 10° Hz zu etwa 9 =2. 


Aufbau und Untersuchung 
des Kopplungsringes. 


Die Ebene des Empfangskreises war rechtwinklig 
gekreuzt zu der des Senderringes, so daß ein direkter 
Einfluß im benutzten Abstand nicht nachweisbar war. 
Nach dem von Professor Reich angegebenen und 
schon von W. Pocher’) angewandten Verfahren 
befand sich zwischen beiden ein Kopplungsgebilde 
in Mittelstellung, gegen den Sender wie gegen den 
Empfänger um 45° geneigt, und so die Kopplung 
zwischen beiden allein bestimmend. Dieser Reso- 
nanzring war mit besonderer Sorgfalt gebaut. Aus 
Symmetriegründen für die Ankopplung an zwei 
Stellen und gegen kapazitive Feldstörungen hatte er 
gegenüberstehende Kondensatoren, deren Platten- 
abstand durch Mikrometer gleichmäßig verändert ; 
werden konnte. Der Ring war aus massivem Messing 
mit plangedrehten Kondensatorplatten; diese waren 
mittels konischer Stifte genau zentriert und auf der 
Richtplatte ausgerichtet festgelötet. Das ganze Ge- 
bilde nach Bild 8 war dann versilbert®). Die Maße 
sind: Ringradius r = 10 cm, Leiterradius p = 0,4 cm, 
Plattenradius ọ = 3,0 cm, Plattendicke d = 0,2 cm. j 


Nach Zennec k’) ist die wirksame Selbstinduk- 
tion eines Ringes 


——g Ea) —— rt pma 


ED E E E O E E En En E (ST EEE Ze u aa a 
t F a 


Isar (n2), (5) 
P 


andere Formeln ergeben etwas andere Werte. Zur 


5) Waldemar Pocher, Dissertation Göttingen 1922. 

6) Das Versilbern dieser wie auch aller anderen Leiter geschah 
durch Eintauchen und Abreiben in verbrauchtem photographischem 
Fixierbad. Messing und Kupfer nehmen in diesem Bade sofort 
und ohne Präparation einen dünnen, aber dauerhaften Ueberzug an. 


Daraus ergibt sich für diesen Ring: L = 420 cm; 
7) J. Zenneck und H. Rukop, Drahtlose Telegraphie, 1925. | 


= 
— 


, 

on 

lia, 
' 


.wendeten Abstand. der 


Rechteckige Verformung v. Resonanzkurven nach einem neuen Prinzip u. ihre Anwendung beim Empfang sehr kurzer Wellen. 217 


Berechnung. der -Kapazität C darf bei dem hier ver- 
Kondensatorplatten von 


"mehreren mm die Randkorrektion in der Formel von 
5 Kirchhoff nicht vernachlässigt werden: 


3 . a2 
T Com en Tr e 


- 
1! 


16ro(at.d) d are) 
17 ee +) 


Die aus dieser Formel berechneten Werte für die 
: Randkorrektion 


C und die Gesamtkapazität 


C = Co} C sind zum Vergleich mit Co in Bild 9 dar- 


: gestellt. 


Sie wurden durch Messung kontrolliert: Je 


f=K0cm 
f= 3cm 
P 4em 
d -02cm 


Bild 8. 
Masse des Kopplungsringes. 


eine Ringhälfte, also parallel geschaltete Konden- 


satoren, wurden den Belegungen eines geeichten 
Kondensators parallel geschaltet. Dieser Meß- 


- kondensator wurde dann in einer Schwebungsappa- 


ratur bei einer Frequenz von ca. 10° Hz (A = 300 m) 


. auf den alten Wert der Gesamtkapazität zurück- 
reguliert, und aus der Differenz der Einstellungen 


cm 


LANU EAIN ARENA 


O 9010293 0#05 060708 09 101112 131415161)1 
Bild 9. 
Eichkurve für die Kondensatoren des Kopplungsringes. 


{3 20cm 


wurde die gesuchte Kapazität bestimmt. Zieht man 
einen plausiblen Wert für die Kapazität der einen 
Ringhälfte gegen Erde (Umgebung) ab, so ergeben 
sich die eingezeichneten recht gut liegenden Punkte. 

Jede Ringhälfte war in ihrem Mittelpunkt mittels 
Hartgummisäulen von 2 cm Dicke und 8 cm Länge 
aufgehängt an einem Hartgummibalken von 2,2 cm 
Dicke, 6 cm Breite und 30 cm Länge. Zur Befesti- 
gung dienten je zwei Bolzen von 4 mm Dicke, die 
knapp in die Bohrung paßten, und deren Gewinde 
erst im Hartgummiteil begann. Während die eine 
Säule direkt am Tragbalken hing, war die andere an 
der Mutter eines Mikrometers angebracht: Bild 10. 


Die Schraube des Mikrometers mit 0,4 mm Ganghöhe 
und 5,3 mm Durchmesser war aus Stahl und wurde 
durch Bronzeblattfeder und Konus fest gegen ihr 
Widerlager gepreßt. Eine ganze Umdrehung ent- 
sprach 0,4 mm Verschiebung; die Teilschale hatte 
40_ Teile zu je 10 u. Trotz totem Gang von ca. 90 u 
konnte bei schneller Annäherung an den Skalenteil 
von einer bestimmten Seite noch sicher auf ca. 1% 
Skalenteil also ca. 2 u eingestellt werden. Es wurde 
nur beim Auseinanderschrauben (Reibungswiderstand 
mit der Feder gegen das Widerlager) "abgelesen 
und von einem Teilstrich zum anderen mit einem 
leicht erlernten Schwung eingestellt, um haftende 
Reibung nicht aufkommen zu lassen. Die normalen, 
unten beschriebenen Resonanzkurven liegen ganz 
innerhalb einer halben Schraubenumdrehung. 


Eingehende Berechnungen beweisen die Unschäd- 
lichkeit der möglichen Justierfehler. 


Die Feststellung des -Resonanzabstandes sollte 
eine Kontrolle der Berechnungen sein: bei 


Bild 10. 
Aufbau des Kopplungsringes. 


v,—=1,15.10° Hz A = 260 cm) trat Resonanz für 
einen Abstand von 0,32 mm ein; aus der Eichkurve, 
die für diesen Abstand die Kapazität von je 8,7 cm 
(in Serie 4,35 cm) angibt, berechnete sich also, daß 
die wirksame Kapazität für diese hohen Frequenzen 
etwas kleiner ist, als die bei niederen Frequenzen 
gemessene und berechnete. Die Differenz rührt 
daher, daß der Weg an der Platte vom Leiter in 
der Mitte — zum Rande — hinüber — zur Mitte 
zurück eine solche Impedanz darstellt, daß zwischen 
den Rändern der Platten die Spannung kleiner ist, als 
zwischen den Mitten; sucht man sich etwa dadurch 
zu helfen, daß man dem ganzen Leiter den Quer- 
schnitt der Plattenfläche gibt, so tritt ebenfalls eine 
solche Impedanz auf: vom Rande — zur Mitte — 
hinüber — zum Rande zurück —, so daß nun die 
Mitte die verminderte Kapazität hat. In Anbetracht 
der schwierigen Berechnung dieser Einflüsse mußten 
die gefundenen plausiblen Werte genügen. 


Aus der Selbstinduktion L= 420 cm und der Ka- 
pazität (nach Gl. (3)), bei Resonanz C, = 4,1 cm er- 
gibt sich der unten benutzte Wert Ly,/Cr = 92 000. 

Der Strahlungswiderstand des Ringes als Rahmen 
berechnet sich nach Rüdenberg I. c. (Gl. (4)) 


unter der Annahme, daß die Rahmendimensionen 
klein gegen die Wellenlänge sind (hier 1:13) zu 


Rs = 0,67 Q. 


218 


Zur Bestimmung des Gesamtdämpfungsdekremen- 
tes 9 des Ringes wurde dessen Resonanzkurve in der 
beschriebenen Weise mit der Apparatur auf- 
genommen: es wurde also der Kopplungseffekt in 
Abhängigkeit von der Verstimmung des Ringes ge- 
messen. 

Für ungedämpfte Erregung ist 


C—C. 1 
Zur) 2-1 
~] -—1 
t1 
wählt man 24 = i, (die Halbwertsbreite), so folgt 


—n s ea l; 9a). 


Aus der Ausmessung zahlreicher Kurven ergibt 
sich eine Halbwertsbreite von 49 u + 2 u, zu welcher 
nach Bild 9 eine Kapazitätsänderung C,— 0, = 
54.10—° cm gehört; also eine Verstimmung »2 — vı 
= 7,6.10° Hz. Folglich berechnet sich für den 


| a W yov 
2w 
I INN 
5 \ i 
199 
4 \ 


20 


0 
15 #” 73 1 0 9 7 Ss 4 


> D 4,77 
Bild 11. 


Resonanzkurven für verschiedene Gittervorspannungen. 


Ring in Luft 9 = 0,022 + 0,002. Wenn man die 
“Luftkondensatoren als verlustfrei betrachtet®), kann 
man sich diese Dämpfung als von einem in Serie ge- 
schalteten Widerstand R, verursacht denken. Dieser 
Widerstand berechnet sich nach Gleichung (2) zu 
R=3% Äcm 

Cem 
künstliche Dämpfung bei, etwa in Form eines an- 
genäherten Kupferbleches, in dem Wirbelströme er- 
zeugt werden, so werden 9 und R, natürlich größer, 
die Resonanzkurven sichtlich breiter. 


—2,1Q. Bringt man dem Ring eine 


In Anknüpfung an diese Versuche ist das Ver- 
halten des Ringes in Kondensatoröl im Anhang A be- 
schrieben. 


b) Pendelungsversuche. 

Durch einen Kontrollversuch wurde zunächst fest- 
gestellt, daß sich die Eigenfrequenz des Senders mit 
Aenderung der Gittervorspannung änderte. Die dabei 
aufgenommenen Resonanzkurven des Ringes — der 


8) Vgl. Fußnote im Anhang. 


Heinz E. Kallmann: 


hier also als Wellenmesser dient — sind in Bild 11 
abgebildet. (Diese Kurvenschar soll zugleich die 
Gleichmäßigkeit der Messungen zeigen.) Die Ver- 
schiebung ist deutlich: sie beträgt ca 11% pro mille 
pro Volt. (Weitere Eigenschaften des Senders sind 
im Anhang B beschrieben.) 

Nun wurde also eine Wechselspannungsquelle in 
die Leitung zwischen Gitterkreis und Gitterbatterie 
eingeschaltet. Es war dies eine Spule, in der durch 


+HB- 
Bild 12, 
Schaltung zur Modulation der Gitterspannung. 


veränderbare Ankopplung an einen Generator: ver- 
schiedene Wechselspannungen induziert werden 
konnten, Bild 12. Als Generator diente ein Röhren- 
sender für Tonfrequenz; diese war für den Nachweis 
mit Zeigerinstrument natürlich hoch genug, dabei 
aber bequem zu kontrollieren. Gleich bei den ersten 
Versuchen ergaben sich an Stelle der Resonanz- 
kurven, wie in Bild 11, stark verbreiterte Kurven, 


Bild 13. 
Verformte Resonanzkurven. 


von denen zwei in Bild 13 wiedergegeben sind. Der 
gesuchte Effekt ist darauf leicht zu erkennen. Bei 
der einen Kurve scheint die Generatorschwingung 
weniger spitz geformt zu sein, so daß die Spitzen 
links und rechts deutlich hervortreten (vgl. Bild 1b). 
Um die Kurvenverbreiterung auch in ihrer Abhängig- 
keit von der Amplitude schrittweis und quantitativ 
zu verfolgen, waren einige Fehlerquellen zu be- 
seitigen. 


Zunächst nämlich war jeder Transformator in der 
Gitterleitung unsymmetrisch belastet und daher seine 
Sekundärspannung zu erheblicher Unsymmetrie ver- 
zerrt; denn der Weg zwischen Kathode und positiv 
vorgespanntem Gitter stellt einen Gleichrichter dar. 
Bild 14 zeigt den gesamten Gitterstrom in Abhängig- 
keit von der „fremden“ Wechselspannung, wenn die 


i 


Vorspannung + 5 Volt beträgt. 
:zerrung durch Gleichrichtung zu begegnen, wurde 
:der Kopplungstransfiormator sekundär durch einen 
'induktionsfreien Widerstand R so stark belastet, daß 
“der gleichgerichtete Gitterstrom (z. B. 12,3 mA bei 


Rechteckige Verformung v. Resonanzkurven nach einem neuen Prinzip u. ihre Anwendung beim Empfang sehr kurzer Wellen. 219 


-+ 15 Volt) dagegen keine Rolle mehr spielte; ver- 


-wendet wurde ein Schniewindgitter von 125 Q. Aus 
‘der starken Belastung von maximal 5 Watt ergab 
-sich die Notwendigkeit, den Modulationsgenerator 


entsprechend leistungsfähig zu machen; es wurden 
2 Telefunken R SV Senderöhren parallel mit 440 Volt 


O 2 4 6 8 10 12 M TI 18 20 Wor 


Bild 14. 
Gitterstrom als Funktion der Modulationswechselspannung. 


-Anodenspannung verwendet, die eine Modulations- 
‚spannung von 25 Volt ermöglichten. 


An der Sekundärseite des Transformators, zu- 


. gleich über dem Schniewindgitter, wurde nun die 
. Wechselspannung gemessen, 


Bild 15. Da ein ge- 


:nügend empfindliches Instrument für Wechselstrom 
nicht zur Verfügung stand, wurde mit einer Röhre 


eine geeignete Schaltung aufgebaut: in Serie mit 
einem hochempfindlichen Galvanometer wurde eine 
Empfängerröhre als Gleichrichter geschaltet, d. h. 


Gitter und Anode verbunden als eine Elektrode gegen 
Um 


die wohldefiniert geheizte Kathode. einer 


JO TEL ION 


Bild 15. 
Schaltung zur Messung der Gitterspannungsmodulation. 


; Eichung des Gleichrichters in Scheitelwechsel- 
= spannung zu entgehen, wurde mit Gleichspannung 


j 


4 
P 
t 


- kompensiert; 


. spannung entgegenwirkte. 
» tiometer von 3000 Q einer Akkumulatorenbatterie 
- von 50 Volt entnommen und mit Gleichstromvolt- 


" meter auf 0,1 Volt genau gemessen. 


d. h. in Serie mit Galvanometer und 
Ventil wurde eine veränderbare Gleichspannung der- 
art geschaltet, daß sie der gleichgerichteten Wechsel- 
Sie wurde mittels Poten- 


Ist dann diese 
Spannung gleich dem Scheitelwert der zu messenden 
Wechselspannung, so fließt gerade kein Strom mehr 
durch das Galvanometer. Außerdem spielt bei Strom- 


Um dieser Ver- 


losigkeit keiner der Widerstände: des Potentio- 
meters, der Röhre, des Galvanometers eine Rolle 
für die Messung. Aber das Verschwinden des Aus- 
schlags ist, insbesondere wegen des ungünstigen 
Anlaufs der Gleichrichtercharakteristik, nicht sehr 
genau abzulesen: deshalb wurde einem größeren 
Fehler ein kleinerer vorgezogen und auf völlige 
Stromlosigkeit verzichtet. Vielmehr wurde durch 
Anzapfung in der Mitte der Heizbatterie und Ver- 
wendung von je einem Heizwiderstand an beiden 
Fadenenden die Röhre so einreguliert, daß sie ohne 
alle weiteren Schaltelemente oder Spannungen gerade 
1 Skalenteil = 5,3.10— Amp. Emission gab. (Eine 
solche Einstellung gelingt nur bei einer gasfreien 
Röhre.) Dann wurde an die Röhre die zu messende 
Wechselspannung in Serie mit der Kompensations- 
spannung angeschaltet und letztere so eingestellt, daß 


S> 


ie E ee 


22 20 WE 6 te 2 Wð 6 4 2 0. IQ 
20 Bm 5 Oy, 0 A 
Bild 16. 


Schrittweise verformte Resonanzkurven. 


wiederum gerade 5,3.10—° Amp. (= ein Skalenteil) 
durch das Galvanometer floß. Diese Einstellung ge- 
lingt bequem auf weniger als 0,1 Volt genau. Der 
Spannungsabfall des Gittergleichstroms aus der 
Gitterbatterie über der Sekundärwicklung des Trans- 
formators, Bild 15, war noch wesentlich kleiner und 
fiel nicht ins Gewicht. 


Nun wurde für verschiedene Scheitelspannungen 
am Gitter des Senders jedesmal durch Verstimmen 
des Kopplungsringes je eine „Resonanz‘kurve auf- 
genommen. Von den zahlreichen gemessenen sind 
aus einer Serie einige in Bild 16 abgebildet. Ist die 
Modulationsspannung nicht konstant, so zeigt sich 
das durch Verflachung des seitlichen Abfalls der 
Kurve und „Streuen“ der dort aufgenommenen 
Punkte. 

Bei den abgebildeten Kurven fallen zwei Schön- 
heitsfehler auf. Zunächst: daß auch die breiteste 
noch weit vom idealen Rechteck entfernt ist; der 
einfache Grund -dafür ist, daß der verwendete Re- 
sonanzkreis selbst schon durch erhebliche Dämpfung 
eine breite Resonanzkurve mit ihrem flachen Abfall 
hatte. Würde man diese Dämpfung (etwa durch 
Rückkopplung) verkleinern, so würden auch die 


220 


Seitenteile der gemessenen Kurve entsprechend 
steiler. Ferner muß auf Symmetrie der beiden 
Kurven bei dieser Messung verzichtet werden: nur 
der linke Teil interessiert in diesem Zusammenhang. 
Denn sobald die Modulationsspannung entgegen- 
gesetzt größer als die Gittervorspannung wird, also 
die resultierende Gitterspannung negativ ist, hört 
der Gitterstrom, damit auch die hier angewandte 
Frequenzmodulation auf’); alle jenseits gelegenen 
Teile der Kurvenfläche bäumen sich steil auf, um den 
Punkt E =0. Um diesem Effekt möglichst aus- 
zuweichen, war die Gleichspannung auf + 5 Volt er- 
höht worden; in der Tat tritt erst bei Scheitel- 
spannungen über 5 Volt der Buckel an der rechten 
Seite auf. 

Koppelt man an den frequenzmodulierten Sender 
den aperiodischen Empfänger direkt an, so ist 
die Empfangsintensität unabhängig vom Grade der 
Verbreiterung, wie zu erwarten. Die Gipfel der 
Kurve müssen natürlich in dem Maße, wie die Kurve 
breiter wird, niedriger werden. Zu beachten ist 
aber, daß die Seitenteile der Kurven steil bleiben. 

Der Wirkungsgrad der Frequenzverschiebung 
durch Gitterwechselspannung ist anscheinend gering, 
denn 5 Volt Scheitelspannung wirken nicht stärker, 
wie zwei Volt Gleichspannungsänderung. Der Maß- 
stab unter der Abszisse in Bild 16 gibt eine Andeu- 
tung davon. Die Ursache dieser Erscheinung ist 
vielleicht in der Wärmeträgheit der Elektroden zu 
suchen, vgl. Anhang B. 


V. Ueberlagerungsversuche und Anwendung der 
Methode. 


Wenn die Methode der Pendelverbreiterung in 
der Empfangstechnik verwertet werden soll, so ist 
es weder ratsam, den Sender pendeln zu lassen, 
noch technisch vorteilhaft, den Empfangskreis me- 
chanisch zu beeinflussen. Das eigentliche Feld der 
Anwendung ist vielmehr der Ueberlagerungsempfang. 
Alle anfangs dargelegten Ueberlegungen lassen sich 
ohne Weiteres übertragen auf einen Ueberlagerungs- 
empfänger, der sich von dem gewohnten nur dadurch 
unterscheidet, daß der Ueberlagerer in seiner Fre- 
quenz v, pendelt. Der Hilfssender wird nämlich in 
jeder Pendelperiode zweimal diejenige Frequenz v 
erzeugen, die mit dem fernen Sender mit », die er- 
forderliche Schwebungsfrequenz », bildet: 


I»; | — Ya — Vı- 


(Viermal in jeder Pendelperiode könnte dieser Fall 
eintreten, wenn die Pendelamplitude Ar, sehr groß 
ist, größer als »,: dann wird je zweimal », abwech- 
selnd gebildet als Frequenz 


V3 — vi == Vo und Va — Va — Vi .) 


Die Wahl der Pendelfrequenz ist in dieser Schaltung 
nach oben beschränkt durch die Zwischenfrequenz »., 
weil auch die auf diese Trägerfrequenz abgestimm- 
ten Kreise angestoßen werden müssen’). 

Der Zwischenfrequenzkreis wird zweckmäßig so 
weit wie möglich entdämpft und die erforderliche 

9) Bei gashaltigen Röhren bleibt ein kleiner Rest, vgl. unten. 

10) Wählt man als Beispiel Telephonieübertragung mit dem 
höchsten Ton 10? Hz, so dürfte die Pendelfrequenz etwa 10° Hz, 


also überhörbar, sein. die Zwischenfrequenz », wäre zu 106 Hz 
zu wählen und die Senderfrequenz », wäre über 107 Hz. 


Heinz E. Kallmann: 


Breite der E. K. allein durch die Amplitude der Pen- 
delung am Ueberlagerer geregelt. Diese Kann fas 
gleich Null sein, wenn keine der Frequenzen vi, va sy: 
schwankt; das wäre der gewohnte Fall. Av., die 
Pendelamplitude wächst aber mit der Summe der 
Schwankungen und soll immer etwas größer als 
deren Maximalwert sein. Durch Veränderung der 
Pendelamplitude kann man stets mit der höchsten 
gerade möglichen Selektivität empfangen. Ferner 
bietet sich hier die Möglichkeit, 
Senders dadurch zu erleichtern, daß man mit gerin- 
ger Selektivität beginnt und entsprechend der all- 


mählich besseren Abstimmung des Ueberlagerers den ! 


Sender schrittweis unverlierbar einengt. 


Zum Studium dieser Anwendungen wurde eine 
Reihe von Versuchen mit Ueberlagerungsempfang an- 
gestellt; deren Ergebnis bestätigte jedes Mal die Er- 
wartungen. Der Empfänger (Bild 6) wurde auf Ver- 
wendung beider Stufen geschaltet und beide Ultra- 
hochfrequenzsender wurden so aufgestellt, daß beide 
auf den Empfangskreis (Bild 7) einwirkten. Von den 
verschiedenen möglichen Verfahren, möglichste Kon- 
stanz der Schwebungsfrequenz v, zu erzielen, wurde 
zuerst das weitestgchende angewandt: die ohnehin 
schon recht ähnlichen Sender wurden gemeinsam aus 
den gleichen Batterien für Heizung, Gitter- und 
Anodenspannung betrieben. Dies Verfahren be- 
währte sich gut, ist aber natürlich nur für Meßzwecke 
verwendbar, wo Sender und Ueberlagerer räumlich 
nicht weit getrennt sind. Die durch die Leitungen 
vermittelte Kopplung ist bei der verwendeten Gegen- 
taktschaltung so gering, daß Schwebungsfrequenzen 
bis herab zu den hörbaren ziemlich bequem ein- 
gestellt werden konnten ''). Erst bei den tieferen hör- 
baren Tönen reißt die Schwebung durch „Mitziehen” 
ab, also erst bei einer Verstimmung von unter 
0,1 °/oo; offenbar ist die Kopplung zwischen den Sen- 
dern, die der gemeinsame Empfangskreis vermittelt, 
daran schuld; sie muß entsprechend klein gehalten 
werden. Der Schwebungston war nicht rein, son- 
dern klang wie „girgeln“, worunter ein Geräusch 
verstanden werden soll, das sich vom „gurgeln‘‘ durch 
hohe Töne, vom „trillern“ durch die Unregelmäßig- 
keit unterscheidet. Diese Aussage gilt nur für Ver- 
wendung von Akkumulatoren bei den Sender. 
Wurde dagegen die Anoden- und Gitterspannung 
mittels Potentiometer vom städtischen Gleichstrom- 
netz abgegriffen, so verursachte das Kollektor- 
eeräusch eine Modulation der Intensität und der 
Frequenz, vgl. unten Bild 20 e. f., wodurch eine Art 
Trillern als Schwebung entstand. Zugleich wurde 
die Abstimmung auf eine bestimmte Schwebung be- 
quemer, und diese Beobachtung war überhaupt für 
den Verfasser der Anstoß, der zu der Untersuchung 
über Frequenzmodulation bei Ueberlagerungsempfang 
führte. 

Auch mit dem Ueberlagerungsempfang war grund- 
sätzlich die Aufnahme der Resonanzkurven möglich. 
doch reichte die Konstanz nicht zu einer guten Kurve. 
Die mit den beschriebenen Maßregeln erzielte Sym- 
metrie der Sender war so groß, daß die gemeinsame 
Gitter- und Anodenspannung um über 10 % verändert 

11) Für hörbare Schwebungen trat an die Stelle der Spule im 


Zwischenfrequenzkreis ein Kopfhörer, dessen Lautstärke zugleich 
mit der zweiten Stufe als Röhrenvoltmeter kontrolliert wurde. 


das Suchen eines o 


| 
| 


| 
| 


M 


H 


— 
— 


Rechteckige Verformung v. Resonanzkurven nach einem neuen Prinzip u. ihre Anwendung beim Empfang sehr kurzer Wellen. 


` werden konnte, ehe die Schwebungsfrequenz aus dem 
- Hörbereich herausrückte. 


Nunmehr wurde versucht, auch mit völliger Tren- 


‚nung der beiden Sender hörbare Schwebungen zu 
` erreichen. 


Auch dies gelang für kurze Zeiten befrie- 


'digend, wenn beide Sender Anodenakkumulatoren 


` verwendeten; dagegen gelang es dauernd bequem, 
wenn ein Sender seine Anodenspannung aus dem 
` städtischen Lichtnetz bezog. Daß hier offenbar das 
 „Kollektorgeräusch“ 


von Einfluß war, zeigte sich 


daran, daß das Trillern deutlich auf dem KEnsleror 


ton“ als Basis aufgebaut war. 


In Verfolgung dieses Effektes wurden nun wieder 
beide Sender mit Anodenbatterie betrieben und ver- 


sucht, die Gittervorspannung des einen Senders mit 


- einer Wechselspannung zu modulieren. 
- dies mit Hörfrequenz, so war nur diese an Stelle der 
- Schwebung zu hören, und zwar über einen um so 


Geschah 


-größeren Verstinnmungsbereich, je stärker die Mo- 


- dulation war. 
_ quenz v, frequenzmoduliert, so war in dem entspre- 
- chenden Abstimmbereich ein „Ha u c h geräusch“ zu 
- hören, das wohl von den Schwankungen der Modu- 
- lation herrührte. 


| dulieren, vgl. unten Bild 20 f. 


Wurde mit einer unhörbar hohen Fre- 


Das Schlußglied der Versuche war nun, den einen 


| Sender überhörbar in seiner Frequenz zu modulieren 
- und außerdem denselben oder den anderen mit Tele- 


phonie in seiner Intensität zu modulieren. Mit den 


vorhandenen Sendern war es aber nicht möglich, die 
Besprechung ohne gleichzeitige Frequenzmodulation 
zu erzielen. 
- Sender eine negative Vorspannung zu geben und ihn 


Es hätte nahegelegen, dem betreffenden 


+W3- 


+8- 
Bild 17. 
Selbsterzeugung der Pendelfrequenz im Generator. 


dann durch Steuerung der Anodenspannung zu mo- 
Aber da die Röhren 
Heizfäden mit Oxydpaste hatten, und daher Gas ent- 


. hielten, fließt auch bei negativer Vorspannung etwas 


Gitterstrom. Der Einfluß der Intensitätsmodulation 


auf diesen genügte aber schon zur Erzielung eines 


stetigen Empfanges bei den angestellten Versuchen. 
Es ist möglich, daß ähnliche Effekte unbeabsichtigt 
auch schon in früherer Zeit gelegentlich beim Empfang 
mitgewirkt haben. 

Es erschien überflüssig, nur um dieser Demon- 
stration willen einen eigenen Telephoniesender zu 
bauen oder zu den vorhandenen Telephoniesendern 
eine passende Empfangsapparatur einzurichten. 
Immerhin sollen noch einige Gesichtspunkte zur Kon- 
struktion eines solchen Empfängers diskutiert werden. 


221 


Hinsichtlich des Aufwandes an Bauteilen über 
das Gewohnte hinaus ist zunächst darauf hinzuwei- 
sen, daß in praktischen Fällen die erforderliche Gitter- 
wechselspannung in der Größenordnung von etwa 
1 Volt liegt. Sie erfordert natürlich keine der Um- 
ständlichkeiten, die bei den oben beschriebenen 
Messungen die viel höheren Spannungen über einem 
kleinen Widerstand verlangten. Es kann sogar der 
Ueberlagerer sich seine Pendelfrequenz selbst er- 
zeugen. Wenn er z. B. die UÜeberlagerungsfrequenz 
yva als Gegentaktsender erzeugt, kann er die Pendel- 
frequenz vy, im Gleichtakt erzeugen: man schaltet 


Bild 18. 
Schaltbeispiel für Empfänger mit pendeindem Ueberlagerer. 


dazu einen geeignet abgestimmten Kreis und Rück- 


kopplung in Gitterbatterie- und Anodenbatterie- 
leitung. Diese Schaltung sei zum Vergleich zu der 
früheren neben dieser abgebildet: Bild 17. Sie wurde 
bei den unten beschriebenen Versuchen häufig mit 
Erfolg verwendet. 


Die Zusammenfassung aller hier angegebenen Ge- 
sichtspunkte würde also zu einer Schaltung führen, 
wie sie in Bild 18 angedeutet ist. Für die Pendel- 
frequenz ist induktive, kapazitiv geregelte Rück- 
kopplung eingezeichnet, weil diese als besonders fein 
regelbar gilt. Da die Wahl der Pendelfrequenz nicht 
kritisch ist, würde die Rückkopplung für die Pendel- 
schwingung die einzige neue Variable bei der Be- 
dienung eines solchen Empfängers sein. 


Anhang. 
A.UntersuchungdesRingesinOel. 


Der Ring war von vornherein darauf konstruiert, 
daß er in eine Glasschale von 28 cm Durchmesser mit 
senkrechten Wänden von 13 cm Höhe eingehängt 
werden konnte, Bild 10. In diese Schale wurden 
7 Liter gut gereinigtes, wenn auch nicht ganz ent- 
färbtes Paraffinöl gefüllt, dessen Dielektrizitätskon- 


stante bei y = 10° Hz (2 =300 m) zu 2,05 gemessen 
wurde. Um Resonanz zu erzielen, mußten die Kon- 
densatorplatten erheblich auseinandergeschraubt wer- 
den, nicht nur auf die doppelte Entfernung, sondern 
wegen des erheblichen Einflusses der Randkapazität 
auf den 2,6fachen Wert, vgl. Bild 9: Resonanzabstand 
in Oel = 8,4 mm. Die alsdann aufgenommene Re- 
sonanzkurve war dann auch unter Berücksichtigung 
des größeren Resonanzabstandes merklich verbrei- 


tert: Halbwertsbreite = 250 u. Es ergab sich daraus 
2 — 0,037 + 0,004 und entsprechend der scheinbare 


222 


Seriewiderstand R, + R, = 3,5 Q + 0,4 Q. Aus der 
Annahme, daß außer den dielektrischen Verlusten in 
den Kondensatoren sich keine'?) Dämpfungsquelle 
vergrößert hat, folgt, daß die Differenz 


R=(RtR)— R= 1,42 


den Verlusten im Oel zuzuschreiben ist. Die Be- 
rechnung der Verluste in Oel gründet sich auf fol- 
gende Ueberlegung: In einem Schwingungskreis mit 


, 
R2 


Bild 19 a und b. 
Ersatz des Ableitungswiderstandes durch einen Serienwiderstand 


der Selbstinduktion L, der Kapazität C und dem Ohm- 
schen Seriewiderstand R, sei parallel zum verlust- 
losen Kondensator noch der Ableitungswiderstand R? 
geschaltet: Bild 19; der Gesamtwiderstand dieses 


Bild 20a, b, c, d, e, f. 
Gitterstrom, Wellenlänge, Intensität des Senders als Funktion 
von Gitterspannung und Anodenspannung. 


Kreises bei Resonanz ist dann unter der Annahme, 
Ly, è 
daß R” >T, ist, W=Ri TR wobei R,= CHR. 2 


(Bild 19) ist. Für den Fall des Ringes in Oel würde 
sich also die gemessene Ableitung R, aus R, = 1,4 Q 
berechnen zu R, = 65000 Q. Tatsächlich!?) wird es 
sich aber hier nicht um schlechte Isolation, sondern 
um dielektrische Verluste handeln, und die einzig an- 
gemessene Zahlenangabe ist die des Verlustwinkels 


12) Nach. einer Mitteilung von Pıof. Esau in der H. Hertz- 
Gesellschaft 1928 nach Abschluß der Arbeit ist aber die Strahlung 
von den Kondensatoren selbst bei mm-Abständen schon erheb- 
lich und steigt schnell mit dem Abstand an. Es kann also hier 
nicht mehr entschieden werden, ob dem Ocl, wie oben ange- 
nommen, oder der erhöhten Strahlung der größere Anteil an R, 
zuzuschreiben ist; andere Folgerungen, als diese, werden dadurch 
nicht beeinträchtigt. 


Heinz E. Kallmann: Rechteckige Verformung von Resonanzkurven nach einem neuen Prinzip und ihre usw. 


ô des Kondensators: . 
6= 90°’ — g; tg pg =—?2 n yv Ro-Cr = — 182., 


ô ergibt sich also zu etwa 20. 


B. Untersuchung des Senders. 


Außer den für die Pendelung wichtigen Eigen- 
schaften des Senders wurden noch einige andere 
untersucht, wodurch das Bild über sein Verhalten 
etwas erweitert wurde. Es ergab sich „ceteris 
paribus“: 

1. Mit steigender Anodenspannung steigt die Inten- 
sität des Senders an, Bild 20f. Das Resultat ergibt 
sich gleichartig aus der direkten Messung mit dem 
aperiodischen Meßaudion (große „Punkte“) und aus 
der Gipfelhöhe der Resonanzkurven (kleine „Punkte*). 
(Die Kurven sind nicht kommensurabel.) 


2. Wird die Gittervorspannung von O Volt bis 
+ 5 Volt geändert, so ergibt sich nach beiden Meß- 
methoden Konstanz der Senderintensität; Bild 20c. 
(Untere Kurve direkt gemessen, zur oberen gehört 
als Original das Bild 17.) 


3. Mit steigender Anodenspannung nimmt die Fre- 
quenz ab (wächst die Wellenlänge); Bild 27e. 


4. Ebenfalls nimmt die Frequenz ab mit steigender 
Gittervorspannung; Bild 20b. 


5. Der Gittergleichstrom, direkt gemessen, steigt 
mit steigender Anodenspannung an; Bild 20d. 


6. Ebenfalls steigt der Gittergleichstrom, direkt 
gemessen, an mit steigender Gittervorspannung, wenn 
man den stationären Zustand abwartet, Bild 20a 
cbere Kurve; bei schneller Messung dagegen bleibt 
er fast konstant, Bild 27a untere Kurve. 


Die Klausel „ceteris paribus“ ist nämlich nicht als 
wirkliche Isolierung der Abhängigkeiten zu verstehen, 
sondern bedeutet, daß an den anderen Variabeln 
willkürlich nichts geändert wurde; man konnte 
jedoch aus der langsamen Einstellung schließen, daß 
insbesondere die Temperatur- und damit die 
Emissions-Verhältnisse in der Röhre sich jeweils 
änderten; das letzte Beispiel, Bild 20a, zeigt dies be- 
sonders deutlich. Damit mag sich auch erklären, daß 
die Frequenzänderung für schnelle Aenderung der 
Vorspannung kleiner als für langsame ist. 


Zusammenfassung. 


Ungewollte Frequenzschwankungen bei der An- 
wendung sehr kurzer Wellen erfordern ebenso wie 
die Telephoniemodulation eine Verminderung der 
Selektivität beim Empfänger; diese wurde bisher 
meist durch höhere Dämpfung in dessen Schwin- 
gungskreis erreicht, jedoch ist der damit verbundene 
flache Abfall der gedämpften Resonanzkurve wegen 
der größeren Störmöglichkeit unerwünscht. 


Zur Erzielung einer angenälıert rechteckigen 
Empfindlichkeitskurve des Empfängers wird vorge- 
schlagen, eine der beteiligten Eigenfrequenzen mit 
überhörbar hoher Periode in einem kleinen Bereich 
pendeln zu lassen, so daß das überstrichene Frequenz- 
band breiter ist, als die Summe aller Schwankungen. 


Die dadurch entstehende genähert rechteckige 
Empfindlichkeitskurve wird diskutiert und mit einer 


ri — (SEE U bg 


E. Kramar und F. Gutzmann: Bemerkungen zu der Arbeit von H. Freese. 


dafür gebauten Apparatur bei Frequenzen um 10° Hz 
aufgenommen und ausgemessen. 


Der gleiche Effekt wird an Ueberlagerungsver- 
suchen bei diesen Frequenzen untersucht und seine 
Anwendung auf einen Ueberlagerungsempfänger für 
sehr kurze Wellen erläutert. 


223 


Die beschriebenen Untersuchungen wurden ven 
November 1927 bis Juli 1928 ausgeführt unter Lei- 
tung von Herrn Professor M. Reich; ihm mochte 
ich auch an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank 
sagen für sein Interesse und vielfache Förderung. 


(Eingegangen am 20. Januar 1929.) 


Bemerkungen zu der Arbeit von H. Freese über TE a 
der Nebenfrequenzen beim statischen Frequenzwandler"” 


Von E. Kramar, Eberswalde. 


Herrn Freese ist in der genannten Arbeit ein 
Versehen unterlaufen, wenn er in der Fußnote 3 
gleichzeitig die Arbeit von H. Guillemin mit 
meiner als Beleg dafür nennt, daß während der Stoß- 
halbperiode „œz“ von dem wyyıder freien Schwingung 
nicht wesentlich verschieden ist. Gerade darin weicht 
meine Arbeit von der von H. Guillemin grund- 
sätzlich ab, daß ich die Kopplung zwischen Primär- 

und Sekundärkreis während der Stoßzeit als voll- 
kommen fest annehme, also mit „großer Rück- 
wirkung“ arbeite, so daß die Stoßfrequenz œs im 
wesentlichen durch die Primärinduktivität L; und 
den Sekundärkreiskondensator Czy bestimmt wird. 
Da aber Lq; etwa 10 mal größer ist als die Induk- 


 tivität Lz; des Sekundärkreises, wird a Wie 
I 


ich in der Fußnote 7 meiner Arbeit erwähnte, ist diese 

den praktischen Betriebsverhältnissen angenäherte 
Voraussetzung der großen Rückwirkung für den 
Wirkungsgrad des Frequenzwandlers von grund- 
legender Bedeutung. 


Bezüglich der Kurvenform der Stromablenkung im 


Braunschen Rohre (S. 5 der Arbeit) ist nicht zu 
ersehen, wieso die hier angegebene Schaltung beson- 


Von F. Gutzmann, 


In dem zweiten Teil seiner Arbeit behandelt 
H. Freese die Wirkungsweise eines Absorptions- 
systems nach Patenten der C. Lorenz A.-G. (z. B. 
Brit. Pat. Nr. 263825). Der Verfasser stellt dabei 
(S. 43) fest, daß „die erwartete Reinigung durch ein 
Absorptionssystem wirklich in weitgehendem Maße 
zu erreichen ist“ und bei seinen Experimenten er- 
reicht worden ist. Vergleicht man aber den prozen- 
tualen Nebenwellengehalt mit und ohne eingeschaltete 
Absorptionskreise, so ist in den vom Verfasser als 
sinstig betrachteten Fällen (Bild 9—12, 20, 21, 29, 30) 
so gut wie gar keine Wirkung der Kreise auf die 
relative Amplitude der Nebenwellen zu sehen. Nur 
in dem einen Fall der „zu festen Ankopplung“ 
(Bild 22) ist eine merkliche Schwächung der Nachbar- 
nebenwellen, dafür aber eine Verstärkung einer weiter 
abliegenden Welle zu bemerken. Da nach der 
Messung die Nebenwellenamplituden drrch die Ab- 


ders sinusförmigen Auszugsstrom ergeben soll. Da 
selbst bei sinusförmiger EMK der Maschine infolge 
ihres Spannungsabfalles und des bestimmt nicht sinus- 
förmigen Maschinenstromes die Klemmenspannung 
unter allen Umständen Oberwellen enthalten muß, 
wird durch den hier angegebenen kapazitiv-ohmschen 
Spannungsteiler je nach der Größe des Abgriffes am 
Widerstande ein mehr oder weniger verzerrter Aus- 
zugsstrom für das Braunsche Rohr erhalten wer- 
den. Ein Bild für den zeitlichen Verlauf des Stoß- 
vorganges und ein Vergleich der Kurvenform des 
Sekundärkreisstromes während des Stoßes mit dem 
der freien Schwingung ist durch eine zeitlich nicht 
genau definierte, unregelmäßige Ablenkung, wie sie 
durch den verzerrten Primärstrom oder einer Trans- 
formation desselben erhalten wird, nicht möglich. Am 
sichersten gewährleistet ein an die Maschine lose an- 
gekoppelter, schwach gedämpfter Resonanzkreis bzw. 
bei noch schärferen Anforderungen ein Resonanz- 
gebilde in Art der Siebketten Sinusform für die Ab- 
lenkung. 


*) Ds. Ztschr. 33, S. 1 und 41, 1929. 


(Eingegangen am 15. März 1929.) 


Berlin-Tempelhof. 


sorptionskreise kaum geändert werden, kann der 
glattere Verlauf der Oszillogramme (geringere Am- 
plitudenschwankung) nach Einschalten des Absorp- 
tionssystems nur auf einer Phasenverschiebung der 
einzelnen Nebenwellen gegeneinander und gegen die 
Hauptwelle beruhen. Da für die Störungsfreiheit 
eines Senders aber nur die Amplituden der Neben- 
wellen maßgebend sind, ist eine Nebenwellen- 
beseitigung überhaupt nicht erzielt worden. 

Die C. Lorenz A.-G. legt demgegenüber Wert 
darauf, festzustellen, daß mit Hilfe eines derartigen 
Absorptionssystems eine fast völlige Störbefreiuns 
erzielt werden kann, wenn es vorteilhafter dimen- 
sioniert und geschaltet wird. Es ist zu bedauern, 
daß der Verfasser sich bei der Anfertigung der Arbeit 
nicht mit der C. Lorenz A.-G. in Verbindung gc- 
setzt und sich nicht bei dieser Firma über die ver- 
'wendeten Dimensionen und Schaltungen erkundigt hat. 


224 


Die charakteristische Größe des Absorptions- 
systems ist das Verhältnis von Widerstand für die 
Hauptwelle (7an) zu Widerstand für die Nebenwelle 
(ra), das sich bei Freese aus der Resonanzkurve 

4,8 5 
(Bild 19) zu nur etwa 037 16 :1 ergibt. 

Für genügend schwache Dämpfung (9) ergibt sich 

als Annäherungsformel für dieses Verhältnis: 


fh 2-.n\2 
In a (3) 


der Hauptwelle sein soll. 


‚ wobei n die Vervielfachungsziffer 
So läßt sich z. B. für 


n = 15 ohne Schwierigkeit (bei 2 — Ea k 
7 150 
2-150\2 

2157 1 
Praxis brauchbaren Frequenzen (Grundfrequenz 
größer als 7000 Hertz) und für mittlere bis größere 
Sender übliche Spulengrößen verwendet. 

Allerdings ist es ziemlich kostspielig, für die von 
dem Verfasser verwendeten niedrigeren Frequenzen 
(Grundfrequenz nur ca. 500 Hertz) genügend dämp- 
fungsfreie Spulen zu bauen. 

Um den Nebenwellen einen möglichst günstigen 
Nebenweg zu schaffen, muß man den Widerstand des 
Absorptionssystems für die Nebenwelle (ra) möglichst 
klein machen gegenüber dem Widerstand des Nutz- 
zweiges, in den die Nebenwelle nicht eindringen soll. 
Beschränkt wird diese Möglichkeit dadurch, daß 


bei kleiner 


Tn 


= 800: 1 erreichen, wenn man die in der 


: r 
wegen des begrenzten Verhältnisses 


werdendem 7a auch 7n kleiner wird. ?„ muß aber 
bedeutend größer sein als der Nutzzweigwiderstand, 
da sonst zu große Verluste (da rfa reiner Wattwider- 
stand) auftreten. Aus diesem Grunde ist es fernerhin 
vorteilhaft zur restlosen Ausnutzung der durch das 
Absorptionssystem gegebenen Möglichkeiten, das- 
selbe an eine reine Wattspannung zu legen. 

Die Firma C. Lorenz ist deshalb bald nach den 
ersten Versuchen zu folgender Schaltung über- 
gegangen (D.R.P. angemeldet): 


Le Ce Ce le 
00000 | - I m | 0000 
ei; ; 
frequent- e Linke Rechte 
Wasller Ei Nutzkreishälfte = Nufzkreishälfte 
Stoßkreis@g rc = R 


Es wird ein geteilter Resonanzkreis benutzt (2, Cı 
ist in Resonanz für die Hauptwelle), an dessen Span- 
nungsknoten das Absorptionssystem gelegt wird. 
R sei der Belastungs-(Nutz-)Widerstand. Lasse ich 
10%: Verluste (90% Wirkungsgrad) des Absorptions- 
systems zu, so muß ich 7a ungefähr gleich 10 R 

machen. Unter Verwendung eines Absorptions- 


systems mit =" = 800 :1 würde 7r == 30 Ë werden, 


also fast emen praktischen Kurzschluß a die Neben- 
wellen im rechten Teil des Nutzkreises darstellen. 
Nehmen wir ferner an, daß wœr Lı = 10 R ist, so er- 
gibt sich die Wirkung des Absorptionssystems an- 
genähert aus folgender Rechnung: 

er in den Nutzkreis induzierte Hauptwellen- 
spannung, 


F. Gutzmann: Bemerkungen zu der Arbeit von H. Freese. 


enin den Nutzkreis induzierte Nebenwellen- 
spannung, 
în Hauptwellenstrom in rechter Nutzkreishälfte, 
în Nebenwellenstrom in rechter Nutzkreishälfte, 


x Verstimmung. 


A. Ohne Absorptionssystem. 
; en 
Rn 
in h _L_ mn _ nn 
"| 2.(wnr Lli- 22) 2-0 Lı2-2 8wLı 
in En R n e 
P e . — Ay — 0, 
wp Li 8 En 


B. Mit Absorptionssystem. 


T Aa En l 

Bd mer ra); wr L 2x 

in _ en, R-n \® fn_ en [0,1-15 1 en 
in en \wnLı-4 R en 4 "80°, 


C. Relative Verbesserung durch Absorptionssystem. 
En | R z) Ta 


-0,002 


i 
p ) mit Absorptionssystem 
n 


en wn Lı 4 `'R 
ee e 
= ohne Absorptionssystem 2 Vor Lı 4 
P R Nn Tn 
— wn Li 4 R 
15 1 1 
en 4 80” 100 


d. h. in dem von uns gewählten noch keineswegs be- 
sonders günstigen Beispiel erniedrigen die Absorp- 
tionskreise die Nebenwellenamplituden auf ca. den 
hundertsten Teil. Durch ein derartig dimensioniertes 
Absorptionssystem werden aber auch die weiter ab- 
liegenden Nebenwellen erheblich verringert. 


. Cr 
Bei — 


en 


-—— en (EEE æ 0m. ~ 
’ i yi s as T ur 


= 0,5 (praktisch vorkommende Größen- - 


ordnung) würde die Nachbarnebenamplitude im Nutz- 
widerstand etwa 1°/, der Hauptwellenamplitude be- : 


tragen, was den praktischen Verhältnissen ungefähr 
entsprechen dürfte. Die zulässigen Nebenwellen 
1 l 

1000 10000 der 
d. h. bei einem 
1 1 

100° 10000 
Watt führen. Derartig schwache Nebenwellen können 


dürfen erfahrungsgemäß höchstens 
Mauptwellenamplitude betragen, 


10 KW-Sender höchstens eine Leistung von — 


natürlich nicht mehr nach der Resonanzmethode ` 


(Wellenmesser), sondern nur noch durch Ueberlage- 
rungsempfang gemessen werden. 

Zusammenfassend soll gesagt werden, daß es 
mittels geteilten Nutzkreises und richtig dimen- 
sionierten Absorptionssystems gelingt, praktische 
Nebenwellenfreiheit eines Senders zu erzielen. 

Die praktischen Schwierigkeiten liegen hauptsäch- 
lich in der Vermeidung unerwünschter Kopplungen 
beim Aufbau des Senders. 


(Eingegangen am 5. April 1929.) 


Patentschau. 


225 


Erwiderung auf vorangehende Bemerkungen. 


Von H. Freese, Berlin. 


I. Zur Bemerkung von E. Kramar. 


Punkt 1. Die Fußnote 3 meiner Arbeit soll den 
„eser nur darauf hinweisen, daß sowohl Herr 
juillemin wie Herr Kramar sich mit der Frage 
ler Stoßbreite beschäftigt haben, womit nicht gesagt 
st, daß die Behandlung und die Ergebnisse der er- 
vähnten Arbeiten sich miteinander decken. Auf 
neine Rechnung ist der Standpunkt zu diesen Fragen 
aus dem Grunde ohne Einfluß, weil sie sich bewußt 
‘uf die durch Dämpfung allein hervorgerufenen 
Nebenwellen beschränkt. 

Punkt 2. Zum besseren Verständnis des Ablen- 
kungskreises, Bild 8, ist zu erwähnen, daß bei der 
Mischung von Ohmschem und kapazitivem Wider- 
stand der letztere immer bedeutend höher gehalten 
wurde als der erste, d. h. es wurden nie große Vari- 
ationen des Phasenwinkels benötigt. In der somit 
vorwiegend kapazitiven Spannung sind die Ober- 
wellen nahezu proportional zu ihrer Frequenz ge- 
schwächt, was sich in einer deutlichen Verbesserung 
der Sinusform des Kurvenbildes auch experimentell 
in der Braunschen Röhre erkennen ließ. 


I. Zur Bemerkung von F. Gutzmann. 


Der Hauptgrund für den beträchtlichen quanti- 
tativen Unterschied meiner Ergebnisse gegen die in 
der FT-Praxis bekannten Forderungen an Neben- 
wellenfreiheit wird von Herrn Gutzmann ganz mit 
Recht in der Schwierigkeit gefunden, für den Betrieb 
mit 500 Hz Grundfrequenz genügend dämpfungsfreie 
Spulen zu bauen. Andererseits aber wäre bei den in 
der Praxis mit höheren Grundfrequenzen vor- 
kommenden viel schwächeren Dämpfungen ein un- 
mittelbarer Vergleich der Kurvenformen in der 
Braunschen Röhre nicht mehr möglich gewesen. 
Die Braunsche Röhre hat aber gerade den Vorzug 
vor allen Wellenmeßmethoden, unmittelbar den 
Stromverlauf zu zeigen. Die Kombination: kleine 
Grundfrequenz, Braunsche Röhre war wie gesagt 
das, was mir zur Verfügung stand, und es würde 
gewiß interessieren, wie genau etwa bei höheren 
Grundfrequenzen und Ueberlagerungsanalyse das 
Experiment die Rechnung bestätigt. 


(Eingegangen am 29. April 1929.) 


Patentschau. 
Von Carl Lübben. 


Störbefreiung bei Hochirequenzmaschinen. 


D.R.P. 474 373, Klasse 21a’, Gruppe 1 (Lorenz), Pat. 
vom 13. August 1926, ausgegeben am 5. April 1929. 


Bei Hochfrequenzmaschinen treten infolge des ge- 
ringen exzentrischen Laufes des Rotors störende 
Ströme im Rhythmus der Umdrehungsfrequenz der 
Maschine auf, die sich als Trillertöne oder dgl. be- 
merkbar machen. Erfindungsgemäß soll diese uner- 
wünschte Modulationsspannung durch eine Kompen- 
 sationsspannung mit Hilfe eines im Rhythmus der 


RABI 


IESE EREE Si 


Bild 1. 


< Störfrequenz beeinflußten Widerstandes, z. B. mit 
- einer Eisendrossel, beseitigt werden, indem der Gleich- 
stromsteuerwicklung ein Wechselstrom von der Stör- 
irequenz überlagert wird. Eine solche Anordnung zeigt 


z. B. das Bild 1, bei dem die Wickelung des Gleich- 
strommotors M mit Fremderregung an zwei Diametral- 
punkten angezapft und zu zwei Schleifringen a und b 
geführt ist. Im Hochfrequenzkreis Z der Hochfrequenz- 
maschine @ ist eine Steuerdrossel mit Vormagneti- 
sierung 2 eingeschaltet, deren Sekundärwickelung 
über einen Regulierwiderstand mit den Schleifringen 
4 und B verbunden ist. Die Anzapfung des Gleich- 
strommotors muß so gewählt sein, daß Spannung und 
Phase so liegen, daß der gewünschte Effekt erreicht 
wird. Es ist dazu nötig, unter Umständen den Rotor 
des Gleichstrommotors gegenüber dem Rotor der 
Hochfrequenzmaschine zu verdrehen. 


Piezoelektrische Wellenkontrolle. 


D.R.P. 472 549, Klasse 21a’, Gruppe 8 (Lorenz), Pat. 
vom 25. Juni 1927, ausgegeben am 4. März 1929. 


2 


Bild 2. 


Bild 3. 


Bei der Verwendung von Piezokristallen zur 
Steuerung von Röhrensendern tritt die Schwierigkeit 
auf, daß die Kristalle hohen Spannungen ausgesetzt 
sind, wodurch sie leicht zerstört werden können. Ge- 
mäß der Erfindung soll dieser Nachteil dadurch be- 


226 


seitigt werden, daß die Kristalle nur mit einem Teil der 
Selbstinduktion oder der Kapazität des Schwingungs- 
kreises gekoppelt sind. In Bild 2 ist zu diesem Zweck 
die Kapazität des Schwingungskreises in zwei Teil- 
kapazitäten C, und C, unterteilt, und der Piezokristall 
P mit einer dieser beiden Kapazitäten verbunden. In 
Bild 3 ist der Piezokristall P mit einem Teil der Selbst- 
induktion des Schwingungskreises verbunden. 


Piezoelektrische Wellenkontrolle. 


Franz. Pat. 651817 (Societé Mat. Tel, 27. März 
1928), veröffentlicht am 28. Februar 1929. 


Bei der Steuerung. von Röhrensendern mit Piezo- 
kristallen sind diese häufig so hohen Belastungen aus- 
gesetzt, daß eine Zerstörung des Kristalles eintritt. 
Dieses soll dadurch vermieden werden, daß die Ka- 
pazität im Innern der Röhre zwischen Anode und 


Bild 4. 


Gitter neutralisiert wird. Eine solche Anordnung zeigt 
Bild 4 Der im Anodenkreis liegende Schwingungs- 
kreis L/C besitzt eine Mittelanzapfung der Spule L, 
mit der die Anodenbatterie verbunden ist, während 
zwischen Gitter und Ende des Schwingungskreises ein 
Neutrodyne-Kondensator Cm eingeschaltet ist. 


Kurzwellen-Röhrensender. 


D.R.P. 473 741, Klasse 21a*, Gruppe 9 (Telefunken), 
Patent vom 6. Februar 1927, ausgegeben am 20. März 
1929. | 

Bei fremdgesteuerten Röhrensendern zur Er- 
zeugung kurzer Wellen bietet die Übertragung der 
Energie von einer Verstärkerstufe zur nächsten 
Schwierigkeit, da eine gegenseitige Beeinflussung der 
Verstärkerröhren sorgfältig vermieden und daher ein 
genügender Abstand gewahrt werden muß. Mit Rück- 


Bild 5. 


sicht auf die gering zu haltende Selbstinduktion kann 
andererseits der Schwingungskreis nicht so groß be- 
messen werden, wie dieses notwendig wäre. 
Erfindungsgemäß wird zur Energieübertragung von 
der einen Verstärkerstufe zur anderen ein besonderer 
Zwischenkreis verwendet, der so dimensioniert ist, 
daß seine Länge mindestens von der Größenordnung 
der Wellenlänge der Betriebsschwingung ist, so daß 


Patentschau. 


— 
= 


die Stromverteilung in diesem Übertragungskreis nicht | | 
mehr quasistationär ist. Eine solche Anordnung zeigt [4 
Bild 5. Zwischen Steuerröhre 1 und Kraftröhre 2 ist tyi 
ein Zwischenkreis K eingeschaltet. der zweckmäßig {Ho 
auf Erdpotential gehalten wird. Dieser Kopplungs- ijy 


kreis kann eine elektrische länge von mmchreren fin 
Wellenlängen besitzen. rich 
eo sh 
Kurzwellen-Röhrenseiider. iM 


D.R.P. 472732, Klasse 2l1a*, Gruppe 9 (Lorentz) ji 
Pat. vom 12. Januar 1926, ausgegeben am 4. Mārz li 
1920. Ts 

Bei Röhrensendern zur Erzeugung kurzer Wellen , &l 
treten leicht wilde Schwingungen auf, deren Schwin- 
gungskreiskapazität im wesentlichen durch die innere 
Röhrenkapazität zwischen Gitter und Anode gebildet 
wird, so daß durch die Gitter- bzw. Anodenleitungen 
verhältnismäßig starke Ströme sehr hoher Frequenz (7. 
fließen. Um diesen Nachteil zu beseitigen, wurde vor- 
geschlagen, Ohmsche Widerstände in die Zuleitungen 
einzuschalten, so daß die wilden Schwingungen sich 
infolge zu starker Dämpfung nicht mehr selbst erregen 
können. Erfindungsgemäß sollen als Dämpfungswider- 
stände Glühlampenwiderstände ohne Sockel verwendet 
werden, da diese die Eigenschaft haben, praktisch voll- 
kommen kapazitätsfrei zu sein und nur eine sehr ge- 
ringe Selbstinduktion aufweisen. 


Fading-Beseitigung. | 
D.R.P. 472 659, Klasse 21a*, Gruppe 9 (Esau), Pat. 
vom 11. November 1925, ausgegeben am 4. März 1929. 
Zur Beseitigung des Fadingeffektes verwendet man 
zur Übermittlung eines Telegrammes häufig zwei ver- 
schiedene Wellen. Erfindungsgemäß sollen die beiden 


Bild -6. 


Senderfrequenzen durch die in Bild 6 dargestellte An- 


ordnung mit zwei Röhren erzeugt werden. Die Er- | 
zeugung der beiden verschiedenen Frequenzen erfolgt ! 
dadurch, daß zwischen den Verbindungsleitungen der 
Elektroden eine variable Kapazität C unsymmetrisch 
eingeschaltet ist. 5 
j 


Last-Ausgleichsschaltung für Röhrensender. 


Franz. Pat. 651720 (Telefunken) vom 24. März 
1928, veröffentlicht am 27. Februar 1929. 


a Patentschau. 


“ Bei der in Bild 7 dargestellten Tastschaltung mit 
Ausgleichsröhre soll eine Steuerung der Lastaus- 
“rleichsröhre L durch die im Generator G erzeugten 
“Tochfrequenzschwingungen erfolgen. Zu diesem 
Zweck ist im Gitterkreis der Lastausgleichsröhre L 
in Widerstand W, eine Kapazität C sowie eine Gleich- 
-ichter-Röhre R eingeschaltet und dieser Kreis mit dem 
Schwingungskreis der Generatorröhre G gekoppelt. 
Durch diese Anordnung wird erreicht, daß je nach der 
Stärke der auftretenden Hochfrequenzschwingungen 
lie Vorspannung an der Lastausgleichsröhre derart 
gesteuert wird, daß beim Tasten stets eine konstante 
-Belastung der Generatorröhre G eintritt. 


Richtantennen-System. 


D.R.P. 474123, Klasse 21a%, Gruppe 46 (Hahne- 
:mann), Pat. vom 5. August 1924, ausgegeben am 
:27. März 1929. 

' Die Erfindung bezweckt eine möglichst scharfe 
-Richtwirkung durch eine Mehrzahl von Antennen zu 
-erreichen, die in bestimmten Abständen von einander 
‘angeordnet sind. Der Abstand d der Antennen A,, As, 


Bild 8 Bild 9 Bild 10. 


As, As (Bild 8) berechnet sich nach der Formel 
J= n—1 l A = Wellenlänge 
n n = Zahl der Antenne 


Die Richtcharakteristik einer solchen Anordnung mit 
drei Antennen zeigt Bild 9, während in Bild 10 die 
- Richtcharakteristik für fünf Antennen dargestellt ist. 


Bildübertragung. 


D.R.P. 473331, Klasse 2la', Gruppe 32 (Lorenz), 
Pat. vom 21. September 1927, ausgegeben am 14. März 
1929, 


Bild 11. 


Bei der Bildübertragung ist man häufig gezwungen 
Bildflächen abzutasten, die eine verschiedene Niveau- 
höhe besitzen, wie z. B. bei Übertragung von Steck- 
briefen mit aufgeklebter Photographie. Bei dem ver- 
hältnismäßig geringen Abstand des Linsensystems 
vom Bildoriginal üben schon die geringsten Abwei- 
chungen in dem fest eingestellten Abstand eine sehr 


227 


schädliche Rolle aus. Erfindungsgemäß soll dieser 
Mangel dadurch beseitigt werden, daß das Linsen- 
system verschiebbar angeordnet wird und der Ab- 
stand von der abzutastenden Bildfläche selbsttätig 
konstant gehalten wird. Eine solche Anordnung ist 
z. B. in Bild 11 dargestellt. Auf der Walze 1 sei die 
Handschrift 2 aufgespannt, auf die eine Photographie 
3 aufgeklebt ist. Mit Hilfe eines mechanischen Tast- 
organs, das aus einem kleinen Rädchen 5 und dem 
Doppelhebel 6 besteht, wird das Linsensystem 4 der- 
art verschoben, daß der Abstand des Linsensystems 
von der Bildfläche stets konstant bleibt. 


Anordnung für Lichtsteuerung. 
D.R.Z. 473 650, Klasse 21a!, Gruppe 32 (Telefunken), 
Pat. vom 19. August 1925, ausgegeben am 21. März 
1929, 


Bei der Ausnutzung des elektrostatischen Kern 


Effektes besteht die Schwierigkeit darin, daß die in 
Betracht kommenden Flüssigkeiten hoher Dielektri- 
zitätskonstante ein verhältnismäßig sehr großes und 
sich veränderndes Leitvermögen besitzen. Erfindungs- 
gemäß sollen diese Schwierigkeiten dadurch beseitigt 
werden, daß die Beeinflussung der Kerrzelle durch 
sehr hohe Frequenzen (10° Per/sec oder mehr) erfolgt. 
Zweckmäßig werden zu diesem Zweck die empfan- 


Bild 12. 


genen Zeichen auf eine kleine Hochfrequenzgenerator- 
röhre durch Modulation zur Einwirkung gebracht. 
Fine solche Anordnung ist z. B. in Bild 12 dargestellt, 
bei der die Kerrzelle K mit dem Schwingungskreis 
eines Röhrensenders R verbunden ist. Der Röhren- 
sender erzeugt eine Hochfrequenz von 10° Per/sec 
oder mehr. Die empfangenen Zeichen beeinflussen 
den Gitterkreis einer Modulationsröhre M, die im 
Gitterkreis der Generatorröhre R eingeschaltet ist. 


Anordnung zur Lichtsteuerung. 


D.R.P. 473 772, Klasse 21a!, Gruppe 32 (Telefunken), 
Pat. vom 7. August 1926, ausgegeben am 2. April 1929, 


Die Erfindung betrifft eine Anordnung zur Licht- 
steuerung, bei der der Effekt der diffusen Lichtzer- 
streuung verwendet werden soll, der auftritt, wenn 
Licht durch ein durchsichtiges Medium gelangt, in 
welchem sich ein Körper von nahezu gleichem Bre- 
chungsindex befindet (vgl. Ann. d. Phys. (4), 78, S. 
157, 1925). Dieser Effekt soll erfindungsgemäß zur 
Lichtsteuerung dadurch verwendet werden, daß der 
Brechungsindex des durchsichtigen Mediums oder des 
darin befindlichen durchsichtigen Körpers oder beider 
gleichzeitig durch die Steuerströme beeinflußt wird, 
und zwar in einem Gebiet, wo die Brechungsindices 
einander fast gleich sind. In diesem Gebiet tritt 
nämlich eine fast sprunghafte Änderung der Intensität 
des durchgelassenen Lichtes auf. Bild 13 zeigt z. B. 


_228 


die Verteilung des Lichtes, wenn die Brechungsindices 
gleich sind. In diesem Falle gehen die Lichtstrahlen 
durch das Medium M und den eingeschlossenen Körper 
K ohne jede Störung hindurch, da in diesem Falle der 
Körper K optisch nicht vorhanden ist. Werden jedoch 
die Brechungsindices geändert, so wird durch den 


— 

——am—— 

ee 
Bild 13. Bild 14. 


Körper K fast alles auffallende Licht durch diffuse 
Reflektion und Brechung absorbiert. Der Körper bildet 
in diesem Falle einen Schatten, wie dieses das Bild 14 
zeigt. 


Empfänger für Bildübertragung. 


D.R.P. 474 371, Klasse 21a, Gruppe 32 (Iszerstedt), 
Pat. vom 15. Mai 1927, ausgegeben am 2. April 1929. 
Die Erfindung betrifft einen Empfänger für Bild- 
übertragung mit Hilfe einer Zellenplatte und ver- 
schiebbaren Stiften, deren Endflächen die Bildelemente 


ee ——t u Eu 
— — — WW 8 — 
a = mn 


Bild 15. 


darstellen. Erfindungsgemäß sollen die verschiebbaren 
Stifte a in einer Farbflüssigkeit b gelagert und mehr 
oder weniger weit gegen die Oberfläche der Flüssig- 
keit verschiebbar sein, um mit geringer Verschiebung 
einen großen Unterschied in der Sichtbarkeit der 
Stiftendflächen und damit eine große Deutlichkeit 
des Bildes zu bewirken. Die Stifte a können an Mem- 
branen c befestigt sein, die durch Elektromagnete d 
bewegt werden. Bei der praktischen Ausbildung 
können sich entweder schwarze Stifte in weißer 
Flüssigkeit oder weiße Stifte in dunkler Flüssigkeit 
befinden. Im ersten Falle tritt eine Aufhellung beim 
Abziehen der Stifte, im zweiten Falle bei Annäherung 
der Stifte an die Bildplatte ein. 


Referate. 


Die neuen deutschen Hochfrequenz-Patente 
Klasse 
Nr. und |Ausgabe- I n ha 1t 
Gruppe tag 
472 198| 21e/54 4.3.29 | Gleitwiderstand 
472 513| 21a/54 4.3.29 | Hochohmwiderstand 
+472 549| 2la4/8 4.3.29 | Piezoelektrische Wellenkontrolle 
472 619| 21lc/22 4.3.29 | Steckeranschluß 
472 623| 21g/31 4.3.29 | Verfahren zur Herstellung von Ma 
gnetkernen 
+472 659| 21a4/9 4.3.29 | Kurzwellen-Röhrensender 
472687| 21a2/l 4.3.29 | Einstellbare Kopfhörer 
+472 732| 21a%/9 4.3.29 | Kurzwellen-Röhrensender 
472 876| 2122/36 | 6.3.29 | Verstärker 
473 039| 21a2/41 | 9.3.29 | Verstärker 
473041| 21c/22 8.3.29 | Steckerschutz 
473 225| 21a4/16 | 14.3.29 | Tastvorrichtung 
473 226| 21a?/70 | 20.3.29 | Einstell- und Ablesevorrichtung 
473 227| 21a%/74 | 18.3.29 | Sperrkreis 
473 318| 21c/40 | 14.3.29 | Kurvenscheibe 
*473 331| 21al/32 | 14.3. 29 | Bildtelegraphie 
473332) 21a2/25 | 14.3.29 | Lautsprechertrichter 
473 333| 21e/22 | 14.3.29 | Steckerbuchse 
473 334| 21c/22 | 14.3.29 | Steckkontakt 
473 421| 21la1/72 | 16.3.29 | Verteiler 
473 573| 21a?/36 | 18.3.29 | Verstärker 
473 577| 21g/4 19. 3. 29 | Johnsen-Rahbeck-Relais 
*473 650| 21al/32 | 21.3.29 | Lichtsteuerung 
473 656| 21al/32 | 20.3.29 | Synchronisierungs-Einrichtung 
473 658| 2le/2l | 20.3.29 | Anschlußklemme 
473 660| 21c/22 | 19.3.29 | Steckerklemme 
*473 741| 21a4/9 | 20.3.29 | Kurzwellen-Röhrensender 
473 742| 21a1/38 | 25.3.29 | Detektor 
*473 772| 21a/32 2, 4.29 | Bildtelegraphie 
473 773| 21a4/77 | 22.3.29 | Röhrenfassung 
473 839| 21a2/l | 25.3.29 | Lautsprecher 
472 917| 21f/40 | 23.3.29 | Röhrenkitt 
474 027| 21a?/41 | 27.3.29 | Gegentaktverstärker 
474 086| 21a?/38 | 26.3.29 | Plastischer Empfang 
*474 123| 21la4/46 | 27.3.29 | Richtantennensystem 
474 124| 21E/27 | 27.3.29 | Kapazitätsmesser 
474 194| 21a?/36 | 30.3.29 | Verstärker 
474 293| 21a4/68 | 28.3.29 | Spulenschalter 
474 341| 21a4/64 | 30.3.29 | Antenne 
*474 371| 21a1/32 | 2.4.29 | Bildempfänger 
474 372| 21a?/41 | 4.4.29 | Verstärkerschaltung mit Rück- 
kopplung 
*474 373| 21af/l 9.4.29 | Störbefreiung bei Hochfrequenz- 
maschinen 
474 379| 21g/7 8.4.29 | Vakuum-Selbstunterbrecher 
474 417| 21a°/41 | 2,4.29 | Verstärkertransformator 
474 438| 21la4/47 | 2.4.29 | Rahmenantenne 
474 567| 21e/22 6. 4.29 | Federnder Steckerstift 


Die mit * bezeichneten Patente sind in diesem Heft aus- 
führlich referiert. 


Referate. 


S. K. Waldorf. Ein Verstärker für Oszil- 
lographen. (An amplifier to adapt the oszillo- 
graph to low-current investigations.) Journ. Amer. 
Inst. Electr. Eng. 47, S. 594—597, 1928, Nr. 8. | 

Der Verstärker sollte für einen großen Frequenz- 
bereich verzerrungsfrei arbeiten, mußte also auf 
Transformatoren, auch beim Anschluß an die Oszillo- 
graphenschleife verzichten. Der Verstärker war zwei- 
stufig und widerstandsgekoppelt. Die zu messende 
Spannung wurde dem Gitter einer Western EI. Röhre 
102-D mit hoher Verstärkerzahl zugeführt; vom Wi- 


derstand im Anodenkreis ging man direkt auf die 
Gitter von 6 parallel geschalteten Röhren 104-D mit 
hohem Anodenstrom bei 160 Volt Anodenspannung. 
Zwischen dem negativen Pol der Anodenbatterie und 
der Zuleitung zur Kathode lag die Oszillograplıen- 
schleife, in Serie mit einem Widerstand von 


ai 
i 


Na 


163° 


Ohm. Zur gleichmäßigen Belastung der Heizfäden 


der Endröhren waren zwei 200-Watt-Glühlampe 
(120 Volt) zu den beiden Zuleitungen der Kathode 
parallel gelegt; die Zuführung der Anodenspannunt 


r 
® 
` 


Pa 
r 


von der Oszillographenschleife her lag zwischen die ; ; 


p 


= 


“sen beiden Glühlampen. Bei Aenderung der Gitter- 


Fe 


un 


` Hochspannungs- 
„eignet. 
sind wiedergegeben. 


-auf einer Sendeantenne., 
- of current in a transmitting antenna.) 


spannung am ersten Rohr zwischen 0 und 3,2 Volt 
. verschob sich der Lichtfleck des Oszillographen linear 
“mit der Spannung um 50 mm, ebenso groß war etwa 
die Restablenkung bei — 3,2 Volt aus der Nullage. 
Durch dieses Zusatzgerät ist der Oszillograph für 
und Schwachstrommessungen ge- 
Prüfkurven bis zu Frequenzen von 4500 Hz 
E. Lübcke. 
R. M. Wilmotte.e Die Stromverteilung 
(The distribution 
Journ. Inst. 
Electr. Eng. London 66, S. 617—627, 1928. 

Die Untersuchung wurde zur Prüfung der Frage 
vorgenommen, ob die gewöhnliche Annahme über 


: die Stromverteilung auf einer Antenne mit den in 


Die 
welche 


der Praxis gemessenen Werten übereinstimmt. 
Messungen wurden an Antennen gemacht, 


- zwischen zwei 30 m hohen und 90 m voneinander 


entfernten Masten aufgehängt waren. Am Fuß der 
Antenne war ein Gegengewicht ausgespannt, unter 
dem der Röhrensender aufgestellt war. Eine 11 m 


‚lange vertikale Antenne bestand aus 16 parallelen 


: Holzring befestigt waren. 


Drähten, die in Abständen von 1—2 m auf einem 
Hier konnte man Am- 
peremeter einschalten und mit dem Fernrohr ab- 


lesen. Auf diese Weise ließ sich der kapazitive Ein- 


_fluß der Amperemeter vermeiden. 


Die Induktivität 
der Instrumente lag zwischen 0,1 und 0,15 «H und 
wurde berücksichtigt. Die Amperemeter waren Kon- 
takt-Thermo-Amperemeter mit den Meßbereichen von 


‚ 0,125 bis 1,5 Amp. Für den untersuchten Frequenz- 
; bereich von A = 15 m bis A = 800 m waren die In- 


* strumentenfehler kleiner als 2%. 


‚teilung sinusförmig ist. 


Innerhalb dieses 
Frequenzgebietes stimmten die gemessenen Strom- 
verteilungskurven sehr gut überein mit den unter der 
einfachen Annahme berechneten, daß die Stromver- 
Die Grundwelle A der An- 


' tenne von der Länge l ist nicht A=4[1, wie die 
- einfache Theorie besagt, sondern in Uebereinstim- 


mung mit Abraham-FöpplA=421. Der Ein- 


- fluß der Drahtstärke auf die Stromverteilung wird 


“theoretisch berechnet und experimentell 


bestätigt. 


- Ferner wird die Stromverteilung bei L- und T-An- 


tennen in Uebereinstimmung mit der Theorie be- 


; obachtet. 


Der EinfluB eines Leiters, der in unmittelbarer 
Nähe der Antenne (1—6 m Abstand) aufgehängt war, 
wurde für die Stromverteilung studiert, wenn der 
Leiter isoliert, geerdet oder abgestimmt war. Die 
Wirkung auf die Stromverteilung ist vernachlässigbar 
klein. E. Lübcke. 


D. W. Dye. Messungen des effektiven 


: Widerstandes von Kondensatoren bei 


:Hochfrequenz. 


(Basic measurements of the 


. effective resistance of condensers at radio frequen- 
= cies.) Proc. Phys. Soc. London 40, S. 285—295, 1928. 


Der benutzte Kondensator ist so konstruiert, daß 


; eine Aenderung seiner Kapazität keine Aenderung 


; der Verluste zur Folge hat. 


Eine starke Messing- 


; platte P ist mit einem Kupferblock B nebst Platte M 


u o 


. verschraubt. 


Die Platte M ruht auf drei Quarzzylin- 
dern Q und hält P in der Mitte zwischen den Außen- 


Referate. 


229 


belegungen. Ohne die Platte P hat die Anordnung 
eine Kapazität von 18 uuF. Mit drei Platten ver- 
schiedenen Durchmessers wurden die Kapazitäten 
184, 314 und 494 uuF gemessen. Die Messungen 
sind im Frequenzbereich von 10 bis 2000 kHz durch- 
geführt. Sie ergeben, daß sich die Verluste in guter 


Annäherung darstellen lassen durch einen konstan- 
ten Widerstand Ka, einen effektiven Widerstand ge- 
bildet aus einem konstanten Verlustwinkel » des Iso- 
liermaterials und seinem Kapazitätsbetrage Cı, um- 
gekehrt proportional der Frequenz » und dem Qua- 
drat der Kapazität C. Der dritte Faktor des Wider- 
standes ist umgekehrt proportional dem Quadrat der 
Frequenz œ und der Kapazität C und einem konstan- 
ten Parallelwiderstand S. Der Ausdruck für den 
effektiven Widerstand R lautet also: 


R= Ra + p C/C? w + 1/80? 02. 


Für den angegebenen Kondensator ergeben sich die 
Zahlenwerte: 
R = 0,007 +7,5. 10—!5/C2w + 4. 10—!0/C? w? Ohm. 


E. Lübcke. 


Satyendranath Ray. Ein einfaches Gold- 
blatt-Elektrometer für Hochfrequenz- 
messungen. (A simple gold-leaf-electrometer for 
high-frequency measurements.) Proc. Phys. Soc. 
London 40, S. 307—311, 1928. | 
Das Instrument soll folgenden Bedingungen genügen, 
um bei Hochfrequenzversuchen Strom oder Span- 
nung in einzelnen Geräteteilen schnell und leicht 


Elehtro meler 
Bild 1. 


messen zu können: 1. genügende Empfindlichkeit, 
2. schnelle Einstellung, 3. geringer Energieverbrauch, 
4. Ablesung unabhängig von der Frequenz und 5. mög- 
lichst geringe Störung in der übrigen Apparatur, 
außerdem so einfach wie möglich, billig und tragbar. 
Nach verschiedenen Versuchen ergab es sich, daß 


230 


ein Goldblatt-Elektrometer diese Anforderungen am 
besten erfüllte. Bild 1 zeigt die Aufsicht auf das In- 
strument. Dies besteht aus einer drehbaren, kreis- 
zylindrischen Metalldose A, die vorn und hinten mit 
Glas abgedeckt ist. Mit dem Gehäuse durch D fest 
verbunden ist eine Messingplatte P, 20 mm lang und 
5 mm breit; auf sie ist mit Schellack ein Glimmer- 
streifen von 0,01 mm Dicke aufgeklebt. Das Gold- 
blatt G von etwa 1 mm Breite und 15 mm Länge ist 
an dem starken Messingdraht L befestigt, der seiner- 
seits durch den Hartgummiklotz gegen das Gehäuse 


Elektrometer Ables ung 


AO Volt 


Bild 2. 


20 


isoliert ist. Das Goldblatt ist durch einen feinen 
Glasfaden F von 0,08 mg Gewicht bei 0,05 mm Durclı- 
messer und 25 mm Länge versteift. Der bewegliche 


Teil wiegt 0,12 mg. Zur Einstellung des Empfindlich- | 


keitsbereiches kann das ganze Gehäuse A durch die 
Schraube W in den Lagern R um einen Winkel ge- 
dreht werden, der mit dem Zeiger N an der Skala S 


6 «40-1 “Xn Ablenkun 
420 Wort)? I 


4 
80 


e Elektrometer R6. 
x Á Volt) £ 


2 
40 


100 440 
2 diks lar Ablesung 


Bild 3. 


abgelesen werden kann. Die Zuleitung zum Gehäuse 
T ist in C verschiebbar und dient zum Festhalten des 
Goldblatts beim Transport. Das Gehäuse A kann 
auch aus Isoliermaterial hergestellt werden. 

Kleine Spannungen kann man bei kleinem Winkel 
zwischen der Platte P und dem Goldblatt G messen. 
Für genaue Messungen ist ein Mikroskop mit 10- 
facher Vergrößerung und einer in Zehntel Millimeter 
geteilten Strichplatte erwünscht. Eichkurven zeigt 
Bild 2. Bei 6° Neigung kann man z, B. 15 Volt mit 


Referate. 


einer Genauigkeit von 15 % messen. Im untere 
Teil der Eichkurven erhält man rein quadratischen 
Verlauf, im oberen ist die Steigung größer. Ankle- 
ben des Goldblattes an dem Glimmerbelag der 
Platte P ließ sich durch Bestäuben mit feinsten 
Talkpuder vermeiden. Die Eichung ist sehr kon 
stant, Nullpunktsfehler traten bei monatelangem Ge- 
brauch nicht auf. Zur Vermeidung von Felhlen 
durch Kontaktpotential wird das Instrument wie alk 
Flektrometer in idiostatischer Schaltung mit Wech- 
selspannung geeicht. Die Dämpfung ist nahezu 
aperiodisch bei einer Schwingungsdauer von weniger 
als 0,5 sec. 

Die Kapazität im Messinggehäuse schwankt von 
4,5 uuF bei 3° Neigung bis 4,0 wu F bei 20° Nei- 
gung. Im Isoliergehäuse sind die entsprechenden 
Werte 2,0 und 1,5 auf. Eine mit dem Instrument 
aufgenommene Resonanzkurve zeigt das Bild 3. Die 
Elektrometerablesung (untere Kurve dargestellt 
durch o) ergibt einen wesentlich schärferen Resonanz- 


punkt als ein rein quadratisches Gerät (obere Kurve 1 
Die Leistungsfähigkeit des Instrumentes |- 


mit x). 
zeigen auch folgende Zahlenwerte: Bei 10° Hz mit 
200 uuF im Kreise erhielt man ganz scharfe Resonanz 


da COS: ae O 1 


EFT © 


bei 6 Volt Spannung. Dies entspricht einem Strom von - 


nur 7,5 mA. Nimmt man den Hochfrequenzwiderstand ' 


des Kreises zu 8 Ohm an, dann verflacht das Ein- 


schalten eines Hitzdrahtes die Resonanzkurve und .? 


läßt bei 4 Ohm Widerstand das Strommaximum au 
5 mA sinken. Um denselben Strom zu erhalten, 
müßte man dann die Kopplung etwa 50 %. enger 
machen. E. Lübcke. 


Der Kerr - Effekt in 
(Kerr-effect in 


Arthur Bramley. 
Wasser bei MNochfrequenz. 


water due to high frequency radio waves.) Journ. 
Franclin Inst. 206, S. 151—157, 1928, Nr. 2. 


\ 


o LN 
Ha 


reu T A 
SE RE BEE 


100 


Bei Wellenlängen zwischen 300 und 3 cm sind in 
Wasser eine Reihe von Absorptionslinien gefunden. 
Ihr Vorhandensein macht die Bestimmung der 
Dielektrizitätskonstante wässeriger Lösungen in einer 
Hochfrequenzbrückenanordnung recht unsicher. Das 


Referate. 


‚lektrische Spektrum des Wassers wurde durch 
Aessung des Kerr-Effekts in Wasser bestimmt. Die 
Schaltung zeigt Bild 1. C ist zwischen 60 und 
00 cm veränderlich. H, und H., sind Hochfrequenz- 
-pulen, T ein Transformator, mit dem man an die 
latten P der Kerr-Zelle Spannungen von 1500 Volt 
-gen konnte. P waren Nickelelektroden in 1,6 cm 
\bstand an eingesiegelten Wolframdrähten. Der 
iffekt wird mittels Nikols, Viertelwellenplatte im 
Ja-Licht usw. beobachtet. Die beobachtete Drehung 
)istö = kD’, wo k die Kerr-Konstante und D 
lie elektr. Induktion ist. Das elektr. Feld zwi- 
schen den Platten P war niedriger als 5 elst. E. 
Wenn das Wasser keine Dispersion zeigte, wäre 
teine Drehung zu beobachten. Beobachtet wurden 
.edoch die in Bild 2 wiedergegebenen Kurven bei 
‚zleich großen Platten P, aber im Verhältnis 3:2 ge- 
indertem Abstand. Die Abzisse des Bildes 2 ist nach 
"allenden Frequenzen in 10° Hz eingeteilt. Aus den 
‚Messungen ergibt sich, daß bei Wasser in dem unter- 
suchten Frequenzbereich Absorptionslinien auftreten, 
lie einen konstanten Abstand von A n= 4.10° Hz 
aaben. E. Lübcke. 


= T. A. E. Belt u. N. Hoard. Synchronisieren 
von Hochspannungsnetzen mit Vakuum- 
röhren. (Abridgement of vacuum tube synchroni- 
zing equipment.) Journ. Amer. Inst. Electr. Eng. 47, 
S. 113—117, 1928, Nr. 2. 

Die zunehmende Zahl der Zwischenverbindungen 
von Hochspannungsnetzen erfordert eine Synchroni- 
sierung der Kraftwerke. Die benutzte Methode (Bild 1) 
umfaßt zunächst eine Herabsetzung der Hochspan- 


nung E auf niedere Spannung durch kapazitive 
MOChSpannUNngSIeıtung 
2 Außenrohr Innenversfarker 
S | 
Synchronoskop 


Bild 1. 


Spannungsteilung (C, + C.) in einem Durchführungs- 
isolator, z. B. bei Oelschaltern, auf etwa 35,5 Volt 
)Er). Diese Spannung arbeitet auf das Gitter einer 


Verstärkerröhre. welche in einem wasserdiclıten 
Q 
.S 
Š 
y 
Ss 
Q 
S o 70 
R 55 60 
95 > freqenz 
N 


Bild 2. 


Stahlgehäuse auch im Freien angebracht sein kann. 
Dieser Außenverstärker arbeitet seinerseits auf einen 
Innenverstärker (vgl. Bild 1), der etwa 10 Watt End- 
‚leistung hat und das Synchronoskop betätigt. Bild 2 
zeigt die Fehler bei den verschiedenen Frequenzen. 
In dem in Frage kommenden Frequenzbereich ist die 


tn nenn nen ee ne 


größte Abweichung nur 3,3°. Das Gerät erfüllt also 
seinen Zweck. Gegenüber anderen Schaltanordnungen 
hat es den Vorzug der Billigkeit und der Vermeidung 
der Einführung von Hochspannung aus anderen 
Netzen in das Kraftwerk selbst. E. Lübcke. 


W. H. Eccles und W. A. Leyshon. Einige 
neue Methoden der Verbindung mecha- 
nischer und elektrischer Schwingun- 
gen. (Some new methods of linking mechanical and 
electricat vibrations.) Proc. Phys. Soc. London, 40, 
S. 229—233, 1928, Teil 5. 


Es werden einige Schaltungen zur Aufrechterhal- 
tung von Stimmgabel- oder Quarzkristallschwingun- 
gen durch elektrische Kreise besprochen. Die elek- 
trischen Schwingungen wurden in allen möglichen 
Frequenzen durch einen schwingenden Kristall er- 
zeugt. (Den schwingenden Kristall hat Eccles zu- 


Bild 1. 


erst in The Electrician vom 16. 12. 1910, S. 384, er- 
wähnt.) Die Werte von C und L oder S bzw. L, und L; 
in Bild 1 und 2 wurden so gewählt, daß die Frequenz 
mit der Stimmgabelschwingung übereinstimmte. Der 
Schwingkristall C, war ein Zinkblendekristall mit 
einer Stahlnadel. In Bild 2 ist die Drossel D durch 


6 


das Telephon T und die Stimmgabel G ersetzt. Die 
Schwingungen ließen sich stundenlang aufrecht er- 
halten, auch beim Tragen der ganzen Versuchs- 


Bild 3, 


anordnung. In der Schaltung Bild 3 war C, so groß, 
dal man bei Schwingungen des Schwingkristalls 
C, im Telephon T einen Ton hörte, C, diente zur 
Abstimmung auf die Eigenfrequenz der Quarzplatte 
Q, entsprechend einer Wellenlänge von 2 = 2320 m. 


232 Referate. 


Die Spule K führte zu einem Ueberlagerungsempfän- 
ger. Es war günstig mit der Batterie B z. B. 66 Volt 
einen hohen Widerstand (bis 100000 Ohm) in Serie 
zu schalten. In der Schaltung Bild 4 soll mit einer 
Neonlampe N eine Quarzplatte Q zu Schwingungen 


Bild 4. 


erregt werden. Da man die Neonlampe schwierig 
öfter als 30000 mal in den Sekunden aufleuchten 
lassen kann, wurden die elektr. Größen so bemessen, 
daß die Lampe nur in "/, der Quarzfrequenz aufleuch- 
tete. Hier war niedrige Batteriespannung und nied- 
riger Vorschaltwiderstand R günstig. 

E. Lübcke. 


Albert W. Hull. Gasgefüllte Glühkatho- 
denröhren. (Gas-filled thermionic tubes.) Journ. 
Amer. Institute Electr. Eng. 47, S. 798—803, 1928. 


Bei Gasladungen in Licht- oder Glimmbogenform 
zwischen einer kalten Anode und einer Glühkatlıode 
wird normal die Kathode durch die aufprallenden 
positiven Ionen schnell zerstört. Mull entdeckte die 
Tatsache, daß die Ionen keine Zerstörung hervor- 
rufen, solange ihre kinetische Energie unterhalb eines 
kritischen Wertes bleibt. Man muß also verhindern, 
daß der Kathodenfall diesen Wert, die sog. Zerstö- 
rungsspannung, überschreitet, 

Die Zerstörungsspannung kann man 
leicht in folgender Weise feststellen: Hat man eine 


+ © >] 


ANODENSTROM (AMPERE ) 


0 20 40 60 80 400 120 
ANODENSPANNUNG (VOLT) 
Bild 1. 


Glühkathode aus reinem Wolfram in Argon von 
0,04 mm Hg, dann erhält man die bekannte Strom- 
Spannungs-Charakteristik (Kurve W in Bild 1) bei 
2450°K Glühtemperatur. Benutzt man theorierten 
Wolframdraht bei 1900°K als Kathode, zeigt die 
Kurve TH. W. den Stromverlauf. Auffällig ist, daß 
bis 25 Volt der Strom stark ansteigt, um dann plötz- 
lich abzufallen und bald zu verschwinden. Dieses 
rührt von der Zerstörung der atomaren Thorium- 
schicht auf dem Wolframdraht durch Argon-lonen 
her, welche eine größere Geschwindigkeit als 25 Volt 
besitzen. Die Werte dieser Zerstörungsspannung 


besteht, daß man die Elektronenemission der Kathode $y 
gleich dem verlangten Maximalstrom einstellt. 
Wärmeisolierte Kathoden. Bei Hoch- 
vakuumröhren kann man die Emission der Glūh f 
kathode für ein bestimmtes Material nur durch Stei- [“ 
gerung der Temperatur erhöhen. Bei Röhren mit" 
Gasfüllung kann man durch Aenderung der geome- 
trischen Formen der Kathode die Emission erhöhen, 
da hier die Raumladungsschicht durch positive Iouen |ç 
neutralisiert ist und so Elektronen noch aus Holl- |? 
räumen von 3—6 mm Weite und 100 mm Tiefe aus- !, 
treten können. Man kann deshalb die Kathode an 1? 
der Außenseite gegen Wärmeabgabe isolieren und 


4 
2 
d 
d 
9 
14 
r 


1 


| 
| 
| 
| 


doch noch Elektronen aus ihr herausholen. Die Ka- ’ 
thode (Bild 2) ist indirekt geheizt durch eine glühende 
Wolframspirale W innerhalb eines mit Bariumoxyd 
überzogenen Nickelzylinderss N. Um diesen sitzen 
noch zwei weitere Wärmeschutzzylinder Z aus Nickel. 
Außerdem sind noch 16 Rippen R am inneren Zyliv- 
der befestigt, die ebenfalls mit leicht Elektronen 
emittierendem Material überzogen sind. Eine der- 
artige Kathode emittiert bei gleicher Heizung etwa 
24 mal soviel wie der einfache Nickelzylinder X. 
Bei 1000°K erhält man 600 mA pro W Heizung aus 
einer derartigen Kathode. Die Lebensdauer ist jetzt 
sehr groß. Innerhalb eines halben Jahres war keine 
Aenderung der Emission festzustellen. Die gleiche 
Konstruktion ist auch für anderes Material, wie tho- 
riertes Wolfram oder Molybdän, anwendbar. 

Diese Kathoden sind in Leuchtröhren nach Art 
des Moore-Lichts brauchbar. In Quecksilberdampi 
von 0,015 mm Druck waren nach 4000 Brennstui- 
den keine Niederschläge auf der Glaswand festzu- 
stellen. Auch in Neonlampen hatte sich nach 3000 Std. 
der Druck nicht geändert. P 

Niederspannungs-Gleichrichter. Bä |” 
Quecksilberdampf von 1—3 mm Druck und einer mi 2 
Barium bedeckten Kathode (Zylinder von 6 mm 9 ` 
und 15 mm Länge) sind nur 25 W zur Heizung nötig. | 
Aber man kann 5 Amp. einseitig gleichrichten für |., 
4000 Std. Bei 0,01 mm Quecksilberdruck sinkt die |, 
Lebensdauer auf 20 Std. Der Quecksilberdampf ver k; 
hindert wie in gasgefüllten Lampen die Verdampfuns ‘. 
des Bariums und des Nickels und nahezu alle vet |., 


©. Mei er 


oO ————— E EEE —— (szene Tegel a Fe En 2 
$. s> i . H 
2% « Re 


In 


“mpften Bariumatome werden zur Kathode zurück- 
"führt, wahrscheinlich durch lonisation in Form von 
"ößen zweiter Art mit angeregten Quecksilber- 
‘men. Im Vakuum oder bei niedrigem Gasdruck 
~rdampft das Barium schnell und setzt die Lebens- 
~uer erheblich herab. Bei dem hohen Quecksilber- 
‘uck von 1—3 mm kann man kaum höhere Span- 
-ngen gleichrichten als mit den bekannten Argon- 
-eichrichtern und kommt über 500 Volt nicht hinaus. 


. Hochspannungsgleichrichter. Bild 3 
igt die Werte der Rückzündungsspannungen in 
‚Jhängigkeit vom Quecksilberdampfdruck bei einer 


a vog) 
$ 


ANODEN pannun 


$ 


Q055 02 OL? 25 7 17 38 75 "Ym Hy 
$ % % [1 t % b t 
25 50 75 100 125 150 175 200 236250 °8 d.Hg 
Bild 3. 


lühkathode und einer Kohleanode in 25 mm Ab- 
and in einem Glaskolben von 12,5 cm Q). Man 
uB also jetzt unbedingt zu niedrigen Gasdrucken 
‚bergehen. Aber man muß dafür sorgen, daß in 
romdurchlassender Phase die maximale Momentan- 
pannung zwischen Kathode und Anode den Wert 
.er Zerstörungsspannung nicht überschreitet. Bei 


enauen Schalter. Zum Einschalten einer Energie 
on 1 kW sind am Gitter nur 10"? Wattsekunden, 
h 01 uW für 10° sec. nötig. Benutzt man 
Juecksilberfüllung liegt in der Praxis diese Span- 
‚ung zwischen 6 und 12 Volt. Ausgeführte kleine 
‘olben haben 2000 Std. bei 10000 Volt Gleichspan- 
uung gearbeitet, größere sind 100 Std. gelaufen bei 
"500 bis 3000 Volt und 75 bis 150 Amp. Wahrschein- 
ich kann man bei diesen die Spannung auf 10 000 Volt 
ind die Lebensdauer auf einige Jahre erhöhen. 


= Referate. 


233 


Thyratron. Der Name ist vom Griechischen 
dvoa = Tür abgeleitet und besagt, daß man in der 
Röhre durch Aenderung der Gitterspannung einen 
Lichtbogen zünden, ihm sozusagen die Tür öffnen 
kann. Sie schließen, d. h. den Bogen löschen, kann 
man nicht mit dem Gitter. Ebenso ist es aus- 
geschlossen, den Bogenstrom selbst zu beeinflussen. 
Einen Schnitt durch ein derartiges Steuerrohr zeigt 
Bild 4. Man hat in ihm einen sehr bequemen und 
genauen Schalter. Zum Einschalten einer Energie 
von 1 kW sind am Gitter nur 10-"? Wattsekunden, 
d. h. 0,1 uW für 10°” sec nötig. Benutzt man 
Wechselstrom, so geht der Bogen bei jedem Durch- 
gang durch Null aus, aber bei Beginn der nächsten 
Periode muß man wieder zünden. Die Größe des 
Anodenstromes ist allein von der Anodenspannung 
und den Belastungswiderständen abhängig, nicht von 
der Gitterspannung. Dagegen kann der zeitliche 
Mittelwert des Anodenstromes durch die Gitter- 
spannung beeinflußt werden, da man so den Strom 
nur für eine bestimmte Zahl von Perioden in jeder 
Sekunde und auch für einen bestimmten Bruchteil 
einer Halbwelle durchlassen kann. Bei hochfrequen- 
ter Anodenspannung kann man schon über sehr kleine 
Zeiten mitteln. So hat man Tonfrequenzströme bis 
5000 Hertz durch ein Thyratron mit 50000 Hertz- 
Anodenspannung mit großer Genauigkeit erzeugt. 

Das Thyratron muß, während es Strom führt, die- 
selben Eigenschaften besitzen wie die genannten 
Gleichrichter mit Glühkathode. Es ergeben sich so 
für das Thyratron folgende Bedingungen: 

1. Die maximale Heizspannung darf die lonisie- 
rungsspannung nicht überschreiten, außer bei 
indirekter Beheizung. | 

2. Das Gitter darf keine Elektronen emittieren. 

3. Das Gitter muß die ganze Kathode von der 
Anode abschirmen. 

4. Der Gasdruck darf nicht so hoch sein, daß 
die positiven [onen länger als eine Halbperiode 
leben können. 

5. Gase, welche durch Kontakt mit dem heißen 
Draht ionisiert werden, wie Cs, Rb und K, dür- 
fen höchstens in Spuren vorhanden sein. 

Thyratrons nach Bild 4 geben 5 Amp. Wechsel- 
strom bei Spannungen bis 10000 Volt und haben 
ohne Aenderung sechs Monate gearbeitet. Es wird 
eine Lebensdauer von mehreren Jahren erwartet. 

E. Lübcke. 

E. Klotz. Ueber die Messung der Git- 
ter-Anoden-Kapazität von Schirm- 
gitterröhren. Telefunken-Ztschr. 9, S. 34—38, 
1928, Nr. 50. 

Es wird besprochen, daß es schwierig ist, aus der 
direkten Messung der Betriebskapazität zwischen 
Gitter und Anode einer Schirmgitterröhre einen ge- 
nauen Wert der gesuchten Gitter-Anoden-Kapazität 
zu bekommen, da der Unterschied der gemessenen 
Kapazität und der zu errechnenden ungefähr 1:100 ist 
und ein Meßfehler in absoluter Größe eingeht. 

Darauf wird ein Gerät beschrieben, mit dem kleine 
Teilkapazitäten direkt und genau zu messen sind. 
Die Meßmethode ist aus Bild 1 ersichtlich. 

Sie ist im Prinzip von Hull im Jahre 1926 ange- 
geben. Der Sender M erzeugt die Spannung E.. 
g a f stellen die Teilkapazitäten der zu untersuchen- 


234 
den Röhre dar. E, wird mit Röhrenvoltmeter V 
gemessen. Der Schalter S wird geöffnet und ge- 
schlossen. Die Differenz der Einstellungen des Ver- 
gleichskondensators ce gibt direkt die Größe der Teil- 
kapazität g, wenn gÁ a+c ist. 

Das genaue Schaltbild des auf diesem Prinzip 
entworfenen Meßgerätes wird gegeben. Wichtige 
Einzelteile werden näher beschrieben, z. B. der Schal- 
ter, dessen Kapazität in geöffnetem Zustand klein 
gegen die zu messende sein muß, und der variable 
Drehkondensator, der bei sehr einfachem Aufbau mit 
0,0025 cm Kapazitätsänderung pro Grad Zeigerstel- 
lung arbeitet. 

Der Aufsatz behandelt zuletzt die Eichung der 
Apparatur und ihre Meßgenauigkeit. Ungenauigkeit 
der Sendernachstellung und Ungenauigkeit des In- 


dikators geben bei Verwendung normaler technischer 
Meßmittel für Messung einer Kapazität von 0,01 cm 
maximalen Gesamtfehler bis 4%. Dagegen bleibt 
die Einstellgenauigkeit des beschriebenen Vergleichs- 
kondensators noch zurück. Man kann aber ohne 
weiteres den Vergleichskondensator durch Mikro- 
meterschrauben-Einstellung soweit verbessern, daß 
sein Finstellfehler klein gegen die übrigen Fehler 
wird. E. Klotz. 


D. R. Hartree. Die Ausbreitung von 
elektromagnetischen Wellen in einem 
inhomogenen Medium vom Charakter 
der Heavisideschicht. (The propagation of 
electromagnetic waves in a stratified medium.) Proc. 
Cambridge Phil. Soc. 25, 97—120, 1929, Nr. 1. 

Der Verfasser behandelt theoretisch in allgemeiner 
Weise die Ausbreitung elektromagnetischer Wellen in 
einem Medium, in welchem der Brechungsindex eine 
Funktion der Schichtdecke ist. Für die Fortpflanzung 
einfachharmonischer, ebener Wellen in einem inhomo- 
genen Medium werden die Feldgleichungen abgeleitet. 


AT Ma A 
Bild 1. 
Aenderung des Brechungsindex mit der Höhe Z für den Fall 3 


Dabei werden zwei verschiedene Wege verfolgt. Im 
ersten Fall werden in üblicher Weise die Max- 
wellschen Gleichungen für ein materielles Medium 
zugrunde gelegt. Im zweiten Fall wird die gebrochene 
Welle nach C. G. Darwin (Trans. Camb. Phil. Soc. 
23, 137, 1924) aufgefaßt als Summe aus einfallender 
Welle und den kleinen Wellen, welche von den Par- 
tikeln der Schicht zerstreut werden. Hierbei ist der 
Grundgedanke, daß von den Partikeln der Schicht, 
welche einer einfach periodischen, elektromagne- 


Referate, 


tischen Strahlung unterworfen werden, eine z% 
sammenhängende Strahlung derselben Frequenz aus | 
geht. Die Interferenz dieser Strahlung mit der eim Wei 
fallenden Strahlung gibt die Entstehungsursache der 
mannigfaltigen optischen Eigenschaften der Schict, 
Die Gleichungen, welche in beiden Fällen erhalte 
werden, stimmen im Prinzip überein. Die zweitf 
Methode hat, obgleich sie länger ist, verschieden: f 
Vorteile. Sie enthält keinerlei Annahmen über da]: 
Vorgang des Zerstreuungsprozesses, sie benutzt di į"! 
Maxwellschen Gleichungen nur für freien Raun 
und sie ist direkt anwendbar für absorbierend: 
Medien und für Medien mit komplexen Brechungs- 
exponenten. Ferner läßt sich mit dieser Method 
durch einfache Erweiterung, wie gezeigt wird, der 
sonst schwer erfaßbare Einfluß eines äußeren, kor- 
stanten Magnetfeldes bei der Ableitung der Feld- 
gleichungen berücksichtigen. Dieser Fall ist von.“ 
praktischer Bedeutung für die Anwendung auf die 
Heavisideschicht. 

Die Bedeutung eines Reflexionskoeffizienten für | 
ein innomogenes Medium wird diskutiert. Für diesen F 
wird eine allgemeine Formel angegeben. hinsichtlich 
irgend zwei unabhängiger Lösungen der Ausbreitungs- |; 
gleichungen in einem gegebenen innomogenen Medium. ' 


1.0 E 
a 
0.8 Mmin)?=-02 = 
E 
06 í > 
j fnmln,) = -0,7 “ 
04 | E 
# (Al. n,) Eu 0 m 
02-i h 
£ (Amin) £o, 7 N 
0 7 2 
Er n,E DZ | i 


Bild 2. 


Darstellung des Reflexionskoeffizienten o in Abhängigkeit von der S 
projizierten Dicke n,t des inhomogenen Mediums für den Fall 3. |" 
t = Dicke der Schicht in Wellenlängen 

nè = u? — sin? © : 
© = Einfallswinkel im Medium x = 1 > 
n = cos © : |" 
Nm? = um? — sin? O 
im? = Minimalwert von u2 

Für Wellen, deren elektrisches Feld in der Ein- 

fallsebene liegt, werden drei Sonderfälle behandelt: |. 

1. Ein endliches, 
welches bei dem gegebenen Finfallswinke |‘ 
total reflektiert. E 

2. Zwei Medien von verschiedenem Brechungs- : 
index mit einer Uebergangsschicht, innerhalb 
welcher sich dieser von seinem Werte in dem 
einen Medium bis zu dem im anderen Medium 
linear ändert. 

3. Eine Schicht, innerhalb welcher der Brechungs- 
index bei einer gewissen Höhe ein Minimum | 
zeigt, während er, nach oben und unten sich 
in gleichem, linearem Verhältnis ändernd, den 
Wert 1 erreicht (Bild 1). x 

Für die Fälle 2 und 3 wird in Kurvenform der |- 

Reflexionskoeffizient in Abhängigkeit von der Schicht `" 
dicke des inhomogenen Mediums dargestellt. Vor I" 


| 


scharf begrenztes Medium. |: 


Referate. 


u 


“raktischer Bedeutung ist hierbei der Fall 3 (Bild 2), 
"a dieser eine erste Annäherung an die tatsächlichen 


»-erhältnisse in der Heavisideschicht gibt. 
c H. PlenJl. 


= St. Ballantine. Detektorwirkung durch 
‚iitter-Gleichrichtung in einer Hoch- 
..acuum-Röhre. (Detection by grid-rectifica- 
~on with the high-vacuum-triode.) Proc. Inst. Radio 
‚ng. 16, S. 593, 1928. 

~- Bei der Gittergleichrichtung entsteht die NF- 
spannung, die der ursprünglichen Modulation ent- 
.pricht, zwischen Gitter und Faden. Die Gleich- 
‚ichtung findet also vor der Röhre statt, und dann 
.erstärkt die Röhre die entstandene NF-Spannung. 
-3ei der Anodengleichrichtung dagegen findet die 
.aleichrichtung erst im Anodenkreise, also hinter der 
Röhre statt. 

. Die betrachtete Anordnung der Gittergleichrich- 
"ung zeigt Bild 1. Es werden folgende Bezeichnun- 
‚en eingeführt: 


“Z; = Impedanz aus Gitter-Faden-Kapazität und 
u Anodenrückwirkung. 

“Zg = Impedanz der R,C, Anordnung. 

'? = Gitterwiderstand, dei aus der Charakteristik 
i ig = fie) zu entnehmen ist. 

_ Es wird die zwischen Gitter und Faden entste- 
Aende Spannung unter folgenden Annahmen er- 
'echnet: 


j 1. Der Gitterstrom ist nur von der Gitterspan- 

wung und nicht auch von der Anodenspannung ab- 

yängig. 

' 2. Es sollen so geringe Spannungsamplituden be- 

rachtet werden, daß bei der Reihenentwicklung der 

‚Iitterstromkennlinie (ig = f [eg]) höhere Glieder als 

Nom zweiten Grade nicht berücksichtigt zu werden 

„rauchen. 

3. Es soll auf die Anordnung eine modulierte EMK 

von der Form eo = Eo (1 — m sin at) sin wt wirken. 
Die NF-Komponente der zwischen Gitter und Fa- 

den entstehenden Spannung kann dann in folgender 

‚Weise geschrieben werden: 

E= Dym- E , 

‘wobei m der Modulationsgrad und Dg durch folgen- 

‚den Ausdruck dargestellt wird: 


“ 1 1 1 
ZT RYZ 
D wird „detection factor of second-order grid- 
rectification“ genannt und ist ein Maß für die Gleich- 


richtlautstärke. Die Abhängigkeit dieser Größe von 
Ag 
C, 
| L C I 
o 


Bild 1. 


«der Modulationsfrequenz zeigt die Wiedergabemög- 
lichkeit der verschiedenen Modulationsfrequenzen. 
: (Sämtliche Größen in dem Ausdruck für Dy sind für 
„die jeweilige Modulationsfrequenz zu errechnen.) 


235 


Zg besteht aus der Parallelschaltung von R, und 
Cy (Bild 1). Rg ist der für die Gleichrichtung un- 
bedingt notwendige hohe NF-Widerstand. C, da- 
gegen verhindert einen hochfrequenten Spannungs- 
abfall längs A,. Wie der obige Ausdruck für D, 
zeigt, kommt durch C% eine Frequenzabhängigkeit 
der Gleichrichtung zustande, die man etwa so an- 
schaulich machen kann: Die Spannung des Gitters 


Dg 4 tee TI T 


setz ug Ä 
N o EE ENI 


all” 


TH 
a EIN 
00 100005ec 
—>-Modvlationsfre quenz 
Bild 2. 


gegen Faden kann der wirkenden NF-Spannung nur 
mit begrenzter Geschwindigkeit folgen, da die Ent- 
ladezeit des Gitterkondensators zu berücksichtigen ist. 
Der Gitterwiderstand R, kann zwar gegenüber 
dem kleineren parallelgeschalteten Gitterelektronen- 
widerstand R vernachlässigt werden. Aber trotzdem 
hat Rg sehr großen Einfluß auf die Gleichrichtung 
und ihre Frequenzabhängigkeit, da durch Rg der Ar- 
beitspunkt auf der „= f (eg) Charakteristik. und da-: 
mit das wirksame R festgelegt wird. 
- Um die Frequenzabhängigkeit zu ermitteln, wurde 
an Hand von experimentellen Gitterstromcharak- 
teristiken für verschiedene y das entsprechende R 


ermittelt. Die daraus bestimmten Werte von D, in 
Abhängigkeit von der Modulationsirequenz zeigt 
Bild 2. 


Man ersieht aus diesen Kurven, daß die Lautstärke 
für größere Gitterableitungen größer wird. Zugleich 
wird aber die Benachteiligung der hohen Frequenzen 
mit größerem Rg immer stärker. _ 

Will man nun diese Frequenzabhängigkeit durch 
ein kleineres R, vermeiden, so erleidet man einen 
zweifachen Verlust an Lautstärke: Erstens wird Dy 
kleiner, zweitens aber wird durch den Vergrößerien 
Gitterstrom der abgestimmte Gitterkreis, (C, L in 
Bild 1) gedämpft. 

Wenn neben der Gitter-Gleichrichtung gleichzeitig 
noch Anoden-Gleichrichtung vorhanden ist, so be- 
einflußt diese sowohl die Lautstärke wie auch die 
Frequenzabhängigkeit. 

Außerdem wird darauf hingewiesen, daß die Be- 
nachteiligung der hohen Modulationsfrequenzen durch 
abgestimmte AF-Kreise oft erheblicher ist als die, 
die bei der Gitter-Gleichrichtung auftritt. — 

Am Schluß geht der Verfasser noch auf die Zwi- 
schenfrequenz-Empfänger ein, bei denen die Bedin- 
gungen für die Gleichrichtung insofern nicht so ein- 
fach liegen, wie beim gewöhnlichen Empfänger, da 
beim Zwischenfrequenz-Empfänger die Zwischen- 
frequenz meist nur um eine Zehnerpotenz von der 
Hochfrequenz verschieden ist. 


286 


“on 


Referate. 


Ein Anhang enthält Angaben über eine neue Röhre 
200 A, die e ADE enthalten soll. 
P. Hermanspann. 


E. H. Loitin und S. Y. White. Direkt ge- 
koppelter Detektor und Verstärker mit 
automatischer Gittervorspannung. (Di- 
rect coupled detector and amplifiers with automatic 
grid bias.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 281—286, 
1928. 

Das Prinzip ist aus Bild 1 zu ersehen. VT 1 u. VT 2 
sind kleine Röhren, VT3 ist eine solche größerer 
v73 


vr 


Bild 1. 


Leistung; die Anodenspannung B, der ersten Röhre 
beträgt nur etwa 4 Volt. Das System wirkt gleich- 
zeitig als Detektor und Verstärker. Die Anordnung 
ist praktisch frei von jeder Frequenzabhängigkeit 
und frei von elektrischer. und akustischer Rückkopp- 
lung. 

Zur Anpassung des Empfängers an die verschie- 
denen Intensitäten der aufgenommenen Wellen dient 
die automatische Steuerung der Vorspannung von 
Röhre V T 1 = Bild 2). In dem T der 


E PIPIN, 
FEN N Fre 


Endröhre V T 3 liegt der Heizfaden des Steuerrohres 
V T 4. Je mehr der Faden geheizt und seine Elek- 
tronenemission dadurch gesteigert wird, um so grö- 
ßer wird die Wirkung der Batterie B, auf die Gitter- 
vorspannung der Röhre V T i1. 

Die Anordnung soll sich als Rundfunkempfänger 
sehr gut bewährt haben und scheint eine Anzahl von 
Störungen, die man sonst leicht in Verstärkern be- 
kommt, zu vermeiden. J. Zenneck. 


E. B. Judson. Ein Apparat zur automa- 
tischen Aufnahme der Zeichenintensi- 
tät von drahtlosen Stationen und von 
atmosphärischen Störungen. (An auto- 
matic recorder for measuring the strength of radio 
signals and atmospheric disturbances.) Proc. Inst. 
Radio Eng. 16, S, 666—670, 1928. 

Der Zweck des Apparates ist, über einen langen 
Zeitraum die Feldstärke von mehreren Stationen und 
die Stärke der atmosphärischen Störungen in ihrer 
zeitlichen Aenderung automatisch zu registrieren, 
ohne daß irgendein Beobachter dabei zu sein braucht. 

Daß Wesentliche des Apparates ist ein durch ein 
Uhrwerk betriebener rotierender Umschalter, der mit 
Hilfe von verschiedenen Relais der Reihe nach wäh- 
rend je 5 Minuten die Empfänger auf die verschiede- 
nen aufzunehmenden Stationen im Bereich f = 
50 . 10° — 12,0 . 10°/sec. (A = 5000 — 25000 m) 


abstimmt bzw. zur Aufnahme der atmosphärischen 
Störungen schaltet. 
Als registrierendes Instrument wird ein „Cam 
bridge-Paul-Fadenrecorder“ verwendet, das ık 
stromführendes Element eine Drehspule enthält un 
en Schreibvorrichtung so angeordnet ist, dab in | 


T 
A ie Pr See 


ART TI 
x EN SUCHE 
? n A dempa] T | eat: 


regelmäßigen Zeiträumen ein mit Tinte vollgesogener 
Faden gegen die rotierende Trommel gedrückt wird. 
Ein Beispiel für eine solche Aufnahme ist in dem 
nebenstehenden Bild wiedergegeben. Es bezieht sich | 
auf die 4 Langwellenstationen WSS = Rocky Point, 
WRT und WII = New Brunswick und WSO = 
Marion. J. Zenneck. 


C. Dreher. Kontrollvorrichtungenbeim 
Rundfiunk-Betrieb. (Broadcast control ope- 
ration.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 498—512, 198. 


Der Verfasser, der Staff Engineer der National 
Broadcasting Co. in New-York ist und deshalb große 
Erfahrung auf diesem Gebiet "besitzt, bespricht im | 
wesentlichen Maßnahmen, die im Niederfrequenzteil 
der Anlage dazu dienen, um die Leistung nicht unter 
ein bestimmtes Minimum und nicht über ein be 
stimmtes Maximum gehen zu lassen. Diese Aufgabe 


fällt einem Betriebsmanne zu, der während einer 
Aufnahme einer Rundfunkvorführung die Nieder- 
frequenzleistung überwacht und durch Abschwä- 
chungskreise oder Erhöhung der Verstärkung dafür 
sorgt, daß das Leistungsniveau in dem zulässigen ı 


| 

Nıederfre- 
= E | 
| 
IH 00 | 


Gebiet bleibt. Für die Beobachtung der Momentan- 
leistung dient — wie es scheint, bei den amerikani- 
schen Rundfunkstationen allgemein — eine Vorrich- 
tung der Western El. Co., die in dem nebenstehenden 
Bild schematisch dargestellt ist. Der Niederfrequenz- 
strom induziert auf das Gitter einer Röhre, deren 
Vorspannung so gewählt ist, daß sie gleichrichtet. 
In dem Anodenkreis befindet sich ein Gleichstrom- 
instrument G mit NebenschluB und außerdem ein 
Kondensator mit 2 uF und eine Induktivität L. Beide 
zusammen haben den Zweck, Schwankungen des | 
Anodenstroms, deren Frequenz höher ist als diejenige 
von Silben, unmerklich zu machen. An dem Aus- | 
schlag des Gleichstrominstruments wird die Momen- 
tanleistung beurteilt. | 
Im zweiten Teil der Arbeit ist näher angegeben, | 
wie die Kontrolle in der Praxis tatsächlich organi- 
siert ist. J. Zenneck. | 


AAEE der drahtlosen Telegraphie 
und Telephonie 


Zeitschrift für Hochireguenztechnik 


UNI 


Gegründet 1907 


Unter Mitarbeit 
von 


| Dr. h. c. Graf v. Arco (Berlin), Dr. L. W. Austin (Washington), Postrat Dr. F. Banneitz 
(Berlin), Prof. Dr. H. Barkhausen (Dresden), Prof. Dr. W. Burstyn (Berlin), Prof. Dr. A. Esau ` 
(Jena), Prof. Dr. H. Faßbender (Berlin), Dr. L. de Forest (New-York), Prof. Dr. F. Kiebitz 
(Berlin), Postrat Prof. Dr. G. Leithäuser (Berlin), Dr. S. Loewe (Berlin), Dr. C. Lübben (Berlin), 
Dr. E. Lübcke (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. A. Meissner (Berlin), Prof. Dr. H. G. Möller 
(Hamburg), Dr. E.Nesper (Berlin), Dr. B. van der Pol jr. (Eindhoven), Ingenieur Dr. V.Poulsen - 
(Kopenhagen), Prof. Dr. L. Pungs (Braunschweig), Dipl.-Ing. B. Rosenbaum (Berlin), 
Dr. K. Rottgardt (Berlin), Prof. Dr. H. Rukop (Köln), Dr. A. Scheibe (Charlottenburg), 
Oberingenieur O. Scheller (Berlin), Prof. Dr. W. Schottky. (Berlin), Prof. Dr. A. Sommerfeld 
(München), Dr. F. Trendelenburg (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. M. Wien (Jena), 

Prof. Dr. H. Wigge (Köthen-Anh.) 


herausgegeben von 
Professor Dr. Dr. ing.E.h. Je Zenneck una Privatdozent Dr. E. Mauz 


Schriftleitung: Dr. E. Mauz 


y | 3S4. 


Vierunddreißigster Band 
mit 447 Bildern im Text. 


Inhaltsverzeichnis. 


A. Originalarbeiten. 


Ardenne, Manfred von, und Schlesinger, Kurt, Ampli- 
tudenabhängigkeit der dynamischen Steilheit 
beim Richtverstärker (Mit 4 Bildern im Text) . 


Ardenne, Manfred von, Eine einfache Methode zur 
Bestimmung der Röhrenkonstanten a 3 Bil- 
dern im Text) ; 


Ardenne, Manfred von, Förisehritte ben Bau und bei 
der Anwendung von Widerstandsverstärkern 
(Mit 11 Bildern im Text) . 


Büge, M., Direkte Messung des Modulationsgrades 
eines "Telephoniesenders (Mit 5 Bildern im Text) 


Forstmann, Albrecht, Bemerkung zu der Arbeit von 
H. G. Möller: „Berechnung des günstigsten 
Durchgriffes der Röhren im Widerstandsver- 
stärker“ 


Freimann, L. S., Die hp enähere Theorie des magne- 
tostriktiven Generators (Mit 7 Bildern im Text) . 


Fuchs, J.. Die Sende- und Empfangsverhältnisse im 
Hochgebirge mit besonderer Berücksichtigung 
der atmosphärischen Störungen (Mit 5 Bildern 
im Text) . 

Geyger, Wilhelm, Ein komplexer Wechselstromkom- 
pensator für mittlere Frequenzen nl 6 Bildern 
im Text) . FE Ne? 

Gresky, Gerhard, Richtcharakteristiken. von An- 
tennenkombinationen, deren Elemente in Ober- 
schwingungen erregt werden (Mit 23 Bildern im 
Text) . : 

Handel, P., von, Krüger, K. "und Plendl, H. Quarz- 
steuerung von Kurzwellen-Empfängern (Mit 7 
Bildern im Text) k 


Hartel, Hanns von, Eine neue Bas n sie Röhre 
(Mit 3 Bildern im Text) . f 


Heck, Ludwig. Experimentelle E REN an 
Wasserwellen zwecks Herstellung von Analogien 
zu  elektromagnetischen Strahlungsvorgängen 
(Mit 24 Bildern im Text) E 


132 u. 


Seite 


91 


143 


121 


Heegner, K., und Watanabe, Y., Über Schwingungs- 
erzeugung mittels eines Elektronenröhren- 
systems, bei welchem die Kapazität von unter- 
geordneter Bedeutung ist (Mit 5 Bildern im 


Text) 0 ee ee a A 
Hollmann, H. E., Der Elektronenoszillator als nega- 
tiver Widerstand (Mit 5 Bildern im Text) 
Hudec, Erich, Zeitproportionale, synchron laufende 
Zeitablenkungen für die Braun'sche Röhre 
(Mit 24 Bildern im Text) 

Janovsky, Wilhelm, Frequenzerniedrigung 
Eisenwandler (Mit 20 Bildern im Text). . 

Kiebitz, F.. Die Wellenausbreitung des Deutschland- 
senders (Mit 1 Bild im Text). . 

Knipping, Paul, Über Barkhausen - Kurz- 
Wellen (Mit 19 Bildern im Text) . 

Krüger, K., siehe Handel, P. v., 

Möller, H. G., Berechnung des günstigsten Durch- 
griffes der Röhren im Widerstandsverstärker 
(Mit 3 Bildern im Text) . . 

Möller, H. G., Erwiderung zu den Bemerkungen. des 
Herrn A. Forstmann zu meiner Arbeit . 
Möller, H. G., Zur Theorie der Barkhausen- 

Schwingungen (Mit 7 Bildern im Text) ; 
Moser, Wilhelm, Versuche über Richtantennen bei 
kurzen Wellen (Mit 17 Bildern im Text). . . 
Osnos., M., und Sammer, F., Eisenverluste von Fre- 
quenz-Transformatoren (Mit 8 Bilden im Text) 
Plendi, H., siehe Handel, P. v, u. Krüger, K. 
Reppisch, H., Über die Konstruktion des harmo- 
nischen Mittels (Mit 12 Bildern im Text) . 
Ristow, A., Der drahtlose Weckanruf für Einzel- "und 
Sammelanruf (Mit 2 Bildern im Text) i 
Schlesinger, Kurt, siehe Ardenne, Manfred von 
Schramm, Ernst, siehe Forstmann, Albrecht 
Watanabe, Y., siehe Heegner, K. 
Winter-Günther, H., Über die selbsterregten Schwin- 
gungen in Kreisen mit Eisenkernspulen (Mit 10 
Bildern im Text) de a E 


durch 


B. Zusammenfassende Berichte. 


Duckert, Paul, Über Fehlweisungen bei der Funk- 
peilung (Mit 1 Bild im Text) . f ; 


Seite | 


60 


Geyger, Wilhelm, Die geoelektrischen Untersuchungs- 
oe mit Wechselstrom en 18 Bildern im 
Text so w g 


C, Mitteilungen aus der Praxis. 


Bayerische Elektrizitätswerke 
Gleichstrom-Hochspannungs-Generatoren 


(Mit 5 
Bildern im Text) er 


Seite | 
München-Landshut, - 


7! 


Reibedanz, Herbert, Nadir-Netzanschluß-Röhrenvolt- 
meter (Mit 3 Bildern im Text) Dun 


D. Patentschau. 


Lübben, Carl, Patentschau (Mit 95 Bildern im Text) . 


und Plendi, H. 


Seite 


49 
140 


207 


81 u. 184 


173 
l 


4l 


Seite 


184 u. 228 


Seite 


145 


. 28, 102, 147, 190 u. 234 


E. Bücher. 


Seite 

Eingegangene Bücher 38 u. 159 | 
Bücherbesprechungen: | 
Ardenne, Manfred von (Trendelenburg), Ver- | 
stärkermesstechnik. Instrumente und Methoden . 39 | 
Barkhausen, H. (Scheibe), Elektronenröhren. | 
3, Band A A $ è Fi A : . 5 s i 5 80 
Eppen, F. (Zenneck), Die Beseitigung der Funk- 
empfangsstörungen. Eine praktische Anleitung 40 


Forstmann, Albrecht, und Schramın, Ernst (Lüb- 
ben), Die Elektronenröhre . 
Frei, K. (Lubberger), Zur Theorie “des Fern- 
sprechverkehrs. (Einführung und Überblick) . 
Habann, E. (Zenneck), Die neue Entwicklung der 
Hochfrequenztelephonie und -Telegraphie auf 
Leitungen . ; 
Mesny, R. (Zenneck), 


Données Numériques de 
Radioélectricité . ; 


Möller, H. G. (Backhaus), Behandlung von 
Schwingungsaufgaben mit en Amplituden 
und mit Vektoren . 

Ratcliffe, J. A. (Zenneck), The Physical Prin- 
ciples of Wireless. . 


Sacklowski, Alfred PN Die Ausbreitung. der 
elektromagnetischen Wellen 


Seite | 


19 


160 


38 


Handwörterbuch des Elektrischen Fernmeldewesens. 
Hrsg. von Ernst Feyerabend, Hugo Hci- 
decker, Fr. Breisig u. August Kruckow 
(Zenneck) . 

Hilisbuch für die Elektrotechnik, Hrsg. von Karl 
Strecker (Lübben) . 

Führer durch die Radiotechnik "1930. Der große 
Deutsche Radiokatalog (Mauz). 


P. Referate. 


Andrew, V. J., siehe Hoag, J. B. 

Appleton, F. V. (Lübcke), Die Untersuchung der 
Schwunderscheinung (Mit 2 Bildern im Text) 
Austin, L. W. (Zennec k), Empfangsmessungen an 
Langwellenstationen im Bureau of Standards 
während des Jahres 1927 (Mit 1 Bild im Text) 

Ballantine, S, (Zenneck), Der Einfluß der Beu- 
gung um ein Mikrophon bei Schallmessungen 
(Mit 1 Bild im Text) . 

Beers, G. L., und Carlson, W. L. (Herman- 
spann), Fortschritte im Bau von Zwischen- 
frequenzempfängern a a a a 

Breit, G., Tuve, M. A., und Dahl, O. (Zenneck). 
Wirksame Höhe der Kennelly-Heaviside-Schicht 
im Dezember 1927 und Januar 1928 . aag 

Bun F. G., s. Wait, G. R., u. Hall, PRE 

Brown, J. E„ siehe Edwards, W. 

Brown, W. F., siehe Wheeler, la- P, 

Bryan, A. B., und Sanders, jJ. C. (Zenneck), Die 
Dielektrizitätskonstante der Luft bei Hoch- 
frequenz 

Byrnes, J. F. (Zenneck), Neuere Entwicklung von 
en für geringe Leistung und für den Rund- 
wE u TE a a e da a d 

Carlson, W. L., siehe Beers, G. L. 

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Dyck, A. F. von, und Dickey, E. T. (Zen neck), 


nneck), "Die 


Methoden zur quantitativen Prüfung von Rund- 


funkempfängern (Mit 1 Bild im Text). 


Seite 


106 


110 


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Hanson, M. P. (Zenneck), Einrichtungen für draht- 
lose Telegraphie auf Luftfahrzeugen . . 

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Hund, A. (Zenneck), Aperiodische Verstärkung 
und ihre Anwendung auf das Studium atmosphä- 
rischer Störungen (Mit 1 Bild im Text) s 


Hund, A. (Zenneck), Bemerkungen über Quarz- 
platten, Wirkung der Luftschicht und Erzeugung 
von Niederfrequenz (Mit 3 Bildern im Text). 


Hund. A. (Scheibe), Mitteilung über einen piezo- 
elektrischen Generator für Tonfrequenzen . 


Jakosky, J. J. (Zenneck), Elektrische Bodenunter- 
suchungen 


Jansky jun., C. M, (Zennech), Studie über Rud: 
funkverhältnisse im Mittelwesten (Mit 1 Bild im 
Text) 

Jarvis, K. W. (He 
einrichtung . 

Kimmel, W. J. (Zenneck), Ursachen und Ver- 
hinderung des Brummens bei Empfängerröhren 
mit Wechselstromheizung . nun a 


r m a n s pa n n), Empfänger- Prüf- 


—! 
—t 


5 | 


05 


15 


116 


` Koehler, P. (Zenneck). Die Konstruktion von 
Transformatoren für ET 
mit vorgegebener Charakteristik . R 


Lindsay, R. B. (Zenneck), Schallstrahlung einer 
Membran bei hoher Frequenz . ooa ae 
. Littler, T. S., siehe Davis, A. H. 


Marrison, W. A. (Zenneck), Thermostat für Fre- 
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Martin, E. R. (Scheibe), Eine Elektronenröhren- 
Schaltung zur Messung schwacher Wechselströme 
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Maske, Fritz (Maske), Beitrag zur Herstellung kon- 
stanter Schwingungsfrequenzen eines Röhren- 
generators (Mit 3 Bildern im Text) 2% 


Mazumdar, B. (Hollmann), Untersuchungen und 
Messungen an ultrakurzen Wellen Sa 2 Bildern 
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- Montefinale, G., siehe Pession, G: 

- Moullin, E. B. (L üb ck e), Ein Röhrenvoltmeter zur 

Messung der Spitzenspannung und des Mittel- 

wertes von Wechselspannungen beliebiger Kur- 

| venform (Mit 4 Bildern im Text) 

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O'Neill, H. M. (Zenneck), Eigenschaften der Rund- 
; funk-Antennen in der Versuchsstation Süd- 
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. Owens, R. B., siehe Worralt, R. H. 


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Pedersen, P. O. (Zenneck) Drahtlose Echos mit 
langer Laufzeit (Mit 4 Bildern im Text) . 


Pession, G.. und Montefinale, G. (Zenneck), Die 
drahtlose Zentralstation in Rom (San Paolo) 
(Zenneck) $ 


Pol, B. van der (Zennech), Die Wirkung der 
Ne im Empfänger auf die Zeichen- 
stärke (Mit 2 Bildern im Text) 0 


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durch Kreuzspulsender und die dabei beob- 
achteten Änderungen während der Nacht . 

 Pratt, H.. siehe Dellinger, J. H. 

Prince, D. C. (Zenneck), Charakteristiken von 
Doppelgitterröhren und ihr Einfluß auf den Wir- 
kungsgrad i 

=- Sadao Matsumura, siehe S h o g o Nam b a 

Sanders, J. C., siehe Bryon, A. B. 

Scheibe, A., siehe Giebe, E. 

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in der Hydrographie (Mit 2 Bildern im Text) . 
Shangraw, C. C. (Zenneck), Kurssender für trans- 

atlantische Flüge Te n e rt 


Seite 


196 


156 


116 


152 


158 


114 


174 


Shogo Namba und Sadao Matsumura (Scheibe), 
Allgemeine Eigenschaften von piezoelektrischem 
Quarz und die Eignung des Quarzoszillators als 
Frequenznormal (Mit 2 Bildern im Text) i 


Smith, B. S., und Smith, F. D. (Mauz), Ein Gerät 
zur Erzeugung kleiner Hochfrequenz-Spannungen 
von bekannter Größe (Mit 2 Bildern im Text) . 

Smith-Rose, R. L. (Scheibe), Apparate für die 
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unter dem Einfluß der Erdbodeneigenschaften 
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Suits, Ch. G. (Hollmann) Das selbstgleich- 
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Studien über die Ausbreitung von Wellen hoher 
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Terman, F. E. (Zenneck), Prinzipielle Ease T 
Gittergleichrichtung (Mit 5 Bildern im Text) . 


Terry. Earle M. (Zenneck), D'e Abhängigkeit der 
Frequenz eines piezoelektrischen Quarzoszillators 
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im Text) . 

Tuve, M. A., und Dahl, O. (Zenneck), Fine Anord- 
nung zur Modulation eines Senders für die Unter- 
suchung der Kennelly-Heaviside-Schicht mit der 
Echo-Methode (Mit 2 Bildern im Text) . 


Tuve, M. A., siehe Breit, G., und Dahl, O. 


Underdown, G. W. N., siehe Cobbold, A. E ©- 

Wait., G. R., Brickwedde, F. G., und Hall, E. L. 
(Zenneck), Elektrischer Widerstand und ma- 
gnetische Permeabilität von Eisendraht bei Hoch- 
frequenz 

Warner, J. C. (Zen neck), Eigenschaften und Ver- 
wendungsmöglichkeiten für Doppelgitterröhren 
(Mit 4 Bildern im Text). . UBER RER 

Wheeler, L. P. und Brown, W. E. (Zenneck), 
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Oszillators . a ae a 

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Schwingungskreis in der Gitter- 
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extrem kurzen Wellen (Mit 1 Bild im Text). . 

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im Text Ser 

Young, L. C., siehe Taylo r, A. H. 


'Oszillator l mit 
und Anoden- 


Sachregister. 


| Seite 
Akustik siehe unter Schall. 
. Antennen: 
Versuche über Richtantennen bei kurzen Wellen. 19 
Die Eigenwelle linearer Leiter . ; 35 
Strahlung von Antennen unter dem Einfluß der 
Erdbodeneigenschaften 65 
Wirkung der Antenne auf die Abstimmung "von 
Empfängern und ihre Berücksichtigung 115 
Eigenschaften der Rundfunkanteınnen in der Ver- 
suchsstation Sid-Schenektadv f . 116 
Richtcharakteristiken von Antennenkombina- 
tionen, deren. Elemente in Oberschwingungen 
erregt werden Re 132 u. 178 


| 


Atmosphäre: 
Die diamagnctische Schicht der Atmosphäre und 
ihre Beziehung zu den täglichen Anderungen 
des Erdmagnetismus FE e 
Die Polarität von Gewitterwolken 
Über den Ursprung des Nordlichtes . 


Atmosphärische Störungen: 
Aperiodische Verstärkung und ihre Anwendung 
auf das Studium atmosphärischer Störungen 
Die Sende- und Empfangsverhältnisse im Hoch- 
gebirge mit besonderer Berücksichtigung der 
atmosphärischen Störungen Pe 


Seite 


37 


120 


114 


Seite 


Die Schwächung der Wirkung atmosphärischer 
Störungen . Ed de en E 
Ausbreitung der Wellen: 

Eine Anordnung zur Modulation eines Senders 
für die Untersuchung derKennelly-Mea- 
viside-Schicht mit der Echo-Methode . 

Die Sende- und Empfangsverhältnisse im Hoch- 
gebirge mit besonderer Berücksichtigung der 
atmosphärischen Störungen er g 

Oszillographische Beobachtung der. Fortpflan- 
zungsrichtung und der Schwunderscheinungen 
bei kurzen Wellen . e 

Die Untersuchung der Schwunderscheinung : 

Schwunderscheinungen längs eines Meridians . 

Wirksame Höhe der Kennelly-Heavi- 
side- Schicht im Dezember 1927 und Januar 
1928 ; 

Studien über die Ausbreitung von Wellen hoher 
Frequenz 3 

Empfangsmessungen an Langwellenstationen im 
Bureau of Standards während des Jahres 1927 

Eine Untersuchung über Mehrfachzeichen . 

Experimentelle Untersuchungen an Wasserwellen 
zwecks Herstellung von Analogien zu elektro- 
magnetischen Strahlungsvorgängen 

Drahtlose Echos mit langer Laufzeit . : 

Die Wellenausbreitung des Deutschlandsenders . 

Feldstärkenmessungen von Großstationen 

Barkhausen-Kurz-Schwingungen s’ehe unter kurzen 

Wellen. 

Bodenuntersuchung. Elektrische — 

Braun’sche Röhre siehe unter Messun g e no 
Detektor. Der Kupferjodür- — . 
Dielelektrizitätskonstante der Luit Die — ' bei Hoch- 


frequenz . ; 
Doppelgitterröhre siehe “unter E le k t r on e n- 
röhren. 
Echos Drahtlose — mit langer Laufzeit . 


Eigenwelle Die — linearer Leiter. . 
Eisendraht bei Hochfrequenz. Elektrischer Widerstand 
und magnetische Permeabilität von — . 
Eisenkernspulen. Über die selbsterregten Schwin- 
gungen in Kreisen m't — ; 
Eisenwandler. Frequenzerniedrigung durch ei 
Eisenverluste: 
Eisenverluste in 
Wechselfeldern i 
Eisenverluste von Frequenztransformatoren 
Elektronenemission: 
Die experimentelle 


si 


hochfrequenten magnetischen 


Prüfung des Maxwell- 


schen Geschwindigkeitsverteilungsgesetzes 
für Elektronen, die aus einer Glühkathode 
austreten m de ee eu 
Elektronenröhren: 
Eigenschaften und Verwendungsmöglichkeiten für 
Doppelgitterröhren . 


Eine Methode zur Bestimmung des "Wirkungs- 
grades von Röhrenanordnungen . 
Eine einfache Methode zur Bestimmung “der 
Röhrenkonstanten R 
Charakteristiken von Doppelgitterröhren und ihr 
Einfluß auf den Wirkungsgrad 
Die Prüfung von Röhren . : 
Elektronenröhren-Empfänger: 
Quarzsteuerung von Kurzwellenempfängern . 
Die Entwicklung eines Netzanschlußgerätes für 
Rundfunk 
Ursachen und Verhinderung des Brummens bei 
Empfängerröhren mit Wechselstromheizung . 
Prinzipielle Fragen der Gittergleichrichtung . 
Elektronenröhren-Generator: 
Der Oszillator mit Schwingungskreis in 
Gitter- und Anodenleitung . . 
Schwingungserzeugung mittels eines Elek- 
tronenröhrensystems, bei welchem die Kapa- 
zität von untergeordneter Bedeutung ist . 
Mitteilungen über einen piezoelektrischen Genc- 
rator für Tonfrequenzen 
Der Elektronenoszillator als 
stand 


der 


Über 


negativer Wider- 


Seite 


108 


200 


35 
120 
143 


155 
159 


12 
118 
118 
236 


38 


49 | 


7] 
140 


Beitrag zur Herstellung konstanter Schwingungs- 
frequenzen eines Röhrengenerators . . . 14 

Die Änderung der Frequenz von Röhrengene- 
ratoren in Abhängigkeit vom Heizstrom, von 
der Gitter- und Anodenspannung und dem 


äußeren Widerstand . .5 
Die Bedingungen für maximalen Strom in einem 

Röhrengenerator . 1 
Die angenäherte Theorie des magnetostriktiven 

Generators 219 


Elektronenröhren-Schaltung Fine 
schwacher Wechselströme . 
Elektronenröhren-Verstärker: 
Berechnung des günstigsten Durchgriffes der 
Röhren im Widerstandsverstärker 53, 182 u. 183 
Amplitudenabhängigkeit der dynamischen Steil- 
heit beim Richtverstärker . . 9] 
Fortschritte beim Bau und bei der Anwendung 
von Widerstandsverstärkern . ö A 
Elektronenröhren-Voltmeter: 
Nadir-Netzanschluß-Röhrenvoltmeter . 145 
Ein Röhrenvoltmeter zur Messung der Spitzen- 
spannung und des Mittelwertes von Wechsel- 
spannungen beliebiger Kurvenform 
Das selbstgleichrichtende Röhrenvoltmeter 


Empfang s. unter Ausbreitung der Wellen. 
Empfangsmessungen. — an Langwellenstationen im 
Bureau of Standards während des Jahres 1927 . 
Empfänger: 
Die Wirkung der Rückkopplung im Empfänger auf 


zur Messu ng 


161 


die Zeichenstärke IH 
Wirkung der Antenne auf die Abstimmung von 
Empfängern und ihre Berücksichtigung . 115 
Methoden zur quantitativen Prüfung von Rund- 
funkempfängern : 117 
Der drahtlose Weckanruf für Einzel- und Sammel- 
anruf . . 10 
Fortschritte im Bau von Zwischenfrequenz- 
empfängern ; . 19 
Empfänger- Prüfeinrichtung 198 
Erdmagnetismus. Die diamagnetische Schicht er 
Atmosphäre und ihre Beziehung zu den täg- 
lichen Änderungen des — . 108 
Fading siehe unter Ausbreitung der Wellen. 
Feldstärkemessungen von Großstationen . . . . 238 
Flugwesen siehe unter Luftfahrt. 
Frequenzkonstanz: 


Die Abhängigkeit der Frequenz eines piezoelek- 
trischen Quarzoszillators von den Konstan- 
ten der Stromkreise . 12 
Beitrag zur Herstellung konstanter Schwingungs- 


fregquenzen eines Röhrengenerators 154 
Die Änderung der Frequenz von Röhrengenera- 
toren in Abhängigkeit vom Heizstrom, von 
der Gitter- und Anodenspannung und dem 
äußeren Widerstand Ka? 155 
Frequenznormal: 
Aufstellung einer neuen Frequenzskala für elek- 
trische Schwingungen . HS 


Die Frequenznormale der amerikanischen Marine 60 
Eine neue Art des piezoelektrischen Normal- 
Oszillators . . ee 
Thermostat für Frequenznormalien ; 13 
Allgemeine Eigenschaften von piezoelektrischem 
Quarz und die Eignung des QOuarzoszillators 
als Frequenznormal Du EEE er 


Frequenzrückkopplung . 2 2 200.0. 18 
Frequenzwandler; 
Frequenzerniedrigung durch Eisenwandler $I u. 11 
Eisenverluste von Frequenztransformatoren . . S 
Funkpeilung siehe unter Peilung. 


Geoelektrischen Untersuchungsmethoden Die — mit 
Wechselstrom ee. 
Gewitterwolken. Die Polarität. von == 
Gleichrichtung siehe unter Elektrone n rö h ren- 
empfänger. . 
Gleichstrom-Hochspannungs-Generatoren . en 
harmonischen Mittels. Über die Konstruktion des — 56 


14 
ml 


Sei | 
ite 


| He 
(i 


fi 


m D -© Ml 


` eaviside-Schicht siehe unter Ausbreitung der 
© Wellen. 


 ochfrequenzspannungen Ein Gerät zur Ze 
kleiner — von bekannter Größe . 


 ochfrequenzstationen. Gesichtspunkte für die “File 
lassung von — . a 


ochfrequenztechnik. Apparate für die >= 


ochfrequenz-Transfiormatoren., et 
Theorie der — . 


‚ydrographie. Radioaknalische Ortung in des nn. 
upferjodürdetektor. Der — . ee 
urssender siehe unter Peilun g. 
urzę Wellen: 

Über Barkhausen-Kurz- Wellen 


Quarzsteuerung von Kurzwellen-Empfängern . 
Versuche über Richtantennen bei kurzen Wellen . 


Die Stationen der Erde mit Frequenzen über 
1,5 10°/sec . 

Technische Gesichtspunkte bei der Zuteilung von 
kurzen Wellen im nn zwischen 
1,5 und 30° 10°/ sec . ee 

Oszillographische Beobachtung der. Fortpflan- 
zungsrichtung und der Schwunderscheinun- 
gen bei kurzen Wellen 

Studien über die Ausbreitung von Wellen hoher 
Frequenz ! 

Strahlsender (Beam) mit extrem kurzen Wellen i 


Der Elektronenoszillator als negativer Widerstand 


Frequenzrückkopplung . 
Untersuchungen und Messungen an ultrakurzen 

Wellen . 

Zur Theorie 
gungen 
-uftfahrt: 

Die Leitung von Flugzeugen durch Kreuzspul- 
sender und die dabei beobachteten Ande- 
rungen während der Nacht . . 

Drahtlose Telegraphie im Dienste der Luftfahrt 
und ihre Entwicklung . 


zur 


der Barkha usen- Schwin- 


Einseitig gerichtete Kurssender für Flugzeug- 
Navigation . 

Einrichtungen für drahtlose Telegraphie auf Luft- 
fahrzeugen . 


nagnetostriktiven Genërators. Die angenäherte Theo- 
rie des — . j 


Mehrfachzeichen. Eine Untersuehung über = 


Meßgeräte: 
Ein Gerät zur Erzeugung kleiner Hochfrequenz- 
Spannungen von bekannter Größe . 
Nadir-Netzanschluß-Röhrenvoltmeter 


Ein Röhrenvoltmeter zur Messung der Spie: 
spannungen und des Mittelwertes von 
Wechselspannungen beliebiger Kurvenform 

Das selbstgleichrichtende Röhrenvoltmeter 


Zeitproportionale, synchron laufende Zeitablen- 
kung für die Braun'sche Röhre 

Ein komplexer Wechselstromkompensator 
mittlere Frequenzen nu 

Eine neue Braun’sche Röhre 


Messungen: 
Die Dielektrizitätskonstante der Luft bei Hoch- 
frequenz . 
Elektrischer Widerstand und "magnetische Per- 
meabilität von Eisendraht bei Hochfrequenz . 


Eisenverluste in hochfrequenten magnetischen 
Wechselfeldern re al a e 


Meßverfahren: 

Elektrische Bodenuntersuchung 

Eine einfache Methode zur 
Röhrenkonstanten 

Eine Elektronenröhren- Schaltung zur 
schwacher Wechselströme 

Die geoelektrischen Untersuchungsmethoden wii 
Wechselstrom . ©. 184 u. 


Enipfänger-Prüfeintichtung 


für 


= ne der 


Messung 


Seite 


Mikrophon Der Einfluß der Beugung um ein — bei 
Schallmessungen : 
Modulation Eine Anordnung zur — "eines Senders 


für die Untersuchung der Kennelly-Hea- 

viside-Schicht mit der Echo-Methode . 
Modulationsgrades Direkte Messung des — eines 

Telephoniesenders a ee 
Netzanschluß: 


Ursachen und Verhinderung des Brummens bei 
Empfängerröhren mit Wechselstromheizung . 

Die Entwicklung eines Netzanschlußgerätes für 
Rundfunk ae 

Nadir-Netzanschluß- Röhrenvoltmeter 


Nordlichts. Über den Ursprung des — 


Oszillator Der mit Schwingungskreis 
Gitter- und Anodenleitung . j 
Peilung: 
Über Fehlweisungen bei der Funkpeilung . ; 
Die Leitung von Flugzeugen durch Kreuzspul- 
sender und die dabei beobachteten Ände- 
rungen während der Nacht : 
Kurssender für transatlantische Flüge . 
Einseitig gerichtete Kurssender für 
Navigation . . 
Radioakustische Ortung in “der Hydrographie 


Piezoelektrischer Quarz: 

Quarzsteuerung von Kurzwellen-Empfängern . 

Einige praktische Anwendungen von Quarz-Reso- 
natoren . . ; 

Eine neue Art des piezo- „elektrischen Normal- 
Oszillators . 

Schwingungskreise mit piezo- -elektrischem Quarz 
und Doppelgitterröhre . . 

Bemerkungen über Quarzplatten, Wirkung der 

Luftschicht und Erzeugung von Niederfrequenz . 

Mitteilung über einen piezoelektrischen Gene- 
rator für Tonfrequenzen 

Die Abhängigkeit der Frequenz eines piezoelek- 
trischen Quarzoszillators von den Konstan- 
ten der Stromkreise 


— 


in der 


Flugzeug- 


Der piezoelektrische Resonator und sein. Ersatz | 


durch ein elektrisches System 
Der Temperaturkoeffizient von Quarzoszillatoren 
Allgemeine Eigenschaften von piezoelektrischem 
Quarz und die Eignung des Quarzoszillators 
als Frequenznormal i ; 
Quarz siehe unter ezoclekir schen Dias 
Richtantennen Versuche über — bei kurzen Wellen . 


Richtcharakteristiken von Antennenkombinationen, 


deren Elemente in PER ERT erregt 
werden 2 
Röhren siehe unter E he k tronenröhren. 
Rundfunk: 


Neuere Entwicklung von Sendern für geringe 
Leistung und für den Rundfunk 

Prinzipielle Bemerkungen zur Bewilligung von 
Rundfunkstationen . 

Die Zuteilung der Leistung an Rundfunksender 
nach Feldstärken . 

Studie über Rundfunkverhältnisse im Mittelwesten 

Eigenschaften der Rundfunk-Antennen in der Ver- 
suchsstation Süd-Schenektady . : 

Methoden zur quantitativen Prüfung von Rund- 
funkempfängern $ 

Die Entwicklung eines Netzanschlußgerätes für 
Rundfunk 


Rückkopplung Die Wirkung der — im ‚Empfänger 
auf die Zeichenstärke B a 


Schall: 
Schallstrahlung einer Membran bei hoher 
Frequenz 
Der Durchgang des Schalls durch schwingungs- 
fähige Scheidewände von verschiedenem 
Material j . 
Schwingungen: 
Über die selbsterregten 


Schwingungen in 
Kreisen mit Eisenkernspulen . En 


132 u. 


119 


238 


4l 


Über Schwingungserzeugung mittels eines Elek- 
tronenröhrensystems, bei welchem die Kapa- 
zität von untergeordneter Bedeutung ist . 


Schwunderscheinungen siehe unter Ausbreitung 
der Wellen. 
Sender: 
Neuere Entwicklung von Sendern für geringe 
Leistung und für den Rundfunk . : 
Kurssender für transatlantische Flüge . 
Einseitig gerichtete Kurssender für 
Navigation 
Die Stationen der Erde mit Frequenzen über 1,5 
-10°/sec 
Gesichtspunkte für die Zulassung von 
frequenzstationen 
Prinzipielle Bemerkungen zur Bewilligung "von 
Rundfunkstationen . 
Strahlsender (Beam) mit extrem kurzen. Wellen 
Die Zuteilung der Leistung an Rundfunksender 
nach Feldstärken 
Die drahtlose Zentralstation in Rom (San Paolo) 
Direkte Messung des Modulat!onsgrades eines 
Telephoniesenders i De e a 
Strahlungsvorgängen. Experimentelle Untersuch- 
ungen an Wasserwellen zwecks Herstellung von 
Analogien zu elektromagnetischen — 
Telegraphie: 
Drahtlose Telegraphie im Dienste der Luftfahrt 
und ihre Entwicklung . T GT S 


Flugzeug- 


Hoch- 


75 | 


Eiiiehhingen: für drahtlose Telegraphie auf Luft- 
fahrzeugen . 


Telephoniesenders. Direkte Messung des. Modu- 
lationsgrades eines — . DE Rp 
Transformatoren: | 
Bemerkungen zur Theorie der Hochfrequenz- 
transformatoren 


Die Konstruktion von Transformatoren für Nieder- 
frequenzverstärker mit vorgegebener Charak- 
teristik ; 

ultrakurze Wellen siehe unter k u T z e W el le n. 
Verstärker siehe unter Elektronenröhren- 

Verstärker. 

Verstärkung Aperiodische — und ihre Anwendung 
auf das Studium atmosphärischer Störungen . 
Wasserwellen Experimentelle Untersuchungen an — 
zwecks Herstellung von Analogien zu elektro- 
magnetischen Strahlungsvorgängen 


Wechselstromkompensator Ein komplexer — für 
mittlere Frequenzen et ee 

Weckanruf Der drahtlose — für Einzel- und 
Sammelanruf 


Wellenausbreitung siehe unter A u S b r ei t u n g d e r 
Wellen. 

Widerstandsverstärker siehe unter Elektronen- 
röhren-Verstärker. 

Zeitablenkungen Zeitproportionale, synchron laufende 
— für die Braun’sche Röhre 


Großdruckerei Paul Dünnhaupt. 


Zwischenfrequenzempfänger. Fortschritte im Bau 
von — ee j 
Köthen i. Anh. 


i. i T ng nA 2 ; S i ‘ Er: 
- Juli 1929 


\ Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie 
und Telephonie 


1 Zeischri fir Hochirequenztechnik 


| I NE 


Gegründet 1907 


# Unter Mitarbeit 
von 


E Dr. h. c. Graf v. Arco (Berlin), Dr. L. W. Austin (Washington), Postrat Dr. F. Banneitz 
3 (Berlin), Prof. Dr. H. Barkhausen (Dresden), Dr. W. Burstyn (Berlin), Prof. Dr. A. Esau 
(Jena), Prof. Dr. H. Faßbender (Berlin), Dr. L. de Forest (New-York), Prof. Dr. F. Kiebitz 
Berlin), Postrat Prof. Dr. G. Leithäuser (Berlin), Dr. S.Loewe (Berlin), Dr. C. Lübben (Berlin), 
Dr. E. Lübcke (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. A. Meissner (Berlin), Prof. Dr. H. G. Möller 
= (Hamburg), Dr. E.Nesper (Berlin), Dr. B. van der Poljr. (Eindhoven), Ingenieur Dr. V.Poulsen 
BA (Kopenhagen), Prof. Dr. L. Pungs (Braunschweig), Dipl.-Ing. B. Rosenbaum (Berlin), 
Dr. K. Rottgardt (Berlin), Prof. Dr. H. Rukop (Köln), Dr. A. Scheibe (Charlottenburg), 
Oberingenieur O. Scheller (Berlin), Prof. Dr. W. Schottky (Berlin), Prof. Dr. A. Sommerfeld 
Br (München), Dr, F. Trendelenburg (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. M. Wien (Jena), 
E Prof. Dr. H. Wigge (Köthen-Anh.) 
8 


herausgegeben von 
Professor Dr. Dr. ing.E.h. J. Zenneck una Privatdozent Dr. E. Mauz 


Schriftleitung: Dr. E. Mauz 


Monatlich erscheint ein Heft. Abonnementispreis des Bandes (1/> Jahr) RM. 20.—, Preis des 
Ss 1—40 w 079 ‚einzelnen Heftes RM. 3.50. Alle Buchhandlungen sowie die Verlagsbuchhandlung nehmen Be- 


Heft 1 stellungen an. Inserate werden mit RM. —.15 pro mm Höhe und 41mm Breite berechnet. 


Bei Wiederholung Ermäßigung. 


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HARTMANN<BR 


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liefert alle für drahtlose Telegraphie und Telephonie 
erforderlichen Geräte entsprechend dem neuesten Stana der Technik en 


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Vellständige Sende- und Empfanssaniasenn wen 
jeder Reichweite für den Nachrichten- und Sicherungsdienst 
"im Lands, See- und Luftverkehr | & | 


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Einrichtungen für Telephonie längs Hochspannunssleitunge ) 
mittels Hochfrequenz on | 


Rundfunksender jeder Leistung >) 
Sende-, Verstärker- und Gleichrichter-Röhren- 


= 
pm 


GELBE LISTE 


Vor 50 Jahren am 1. März 1879 eröffnete 
Eugen Hartmann in Würzburg eine Prä 
zisionswerkstätte für wissenschaftliche Ge 
räte und begründete damit unser Werk 
Als einer der ersten baute er Telephon 
anlagen und wurde ein Hauptlieferer andie 
deutsche Reichspost. In späteren Jahren 
gaben wir den Bau von Fernsprechern gan 
auf um uns verstärkt dem ureigentlice! 
GebietelektrischerMeßgerätezuzuwenden} 
Solche liefern wir auch für Telegraphie undt 
Telephonie vorbildlich in Ausführung unc 
Form. Teil | der eben erschienenen gelber 
Liste gibt darüber Auskunft. e 
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az 


Juli 1929 


Heft 1 


Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie 


Seite 
Paul Knipping: Über DETKRAUSERRURZEN EIER: Sl 19 puper: 
er im Text) . 


P. von Handel, K. Kae und H. Plendi: Quarzsteuerung von 


Kurzwellen- Empfängern. (Mit 7 Bildern im Text) ; 12 
Wilhelm Moser: Versuche über Richtantennen bei kurzen Wellen. 
(Mit 17 Bildern im Text) . ; : ; : ; š A . 19 


Mitteilungen aus der Praxis: 


Hochspannungs-Oleichstrommaschinen der Bayerischen EINE: 
werke in Landshut. (Mit 5 Bildern im Text) i ; . 27 


Carl Lübben: Patentschau. (Mit 18 Bildern im Text) . i . 28 


Referate: 

G.W. N. Cobbold und A. E. Underdown (H. E. Hollmann): 
Einige praktische Anwendungen von iare RECURENT: zu 
3 Bildern im Text) . . A i . è 33 


C. R. Englund (H.E. Hollmann): Die Eigenwelle linearer Leiter 35 


1 


Zeisehrit Kür Kochirequenziechni 


INHALT 


Seite 


J. C. Warner (J. Zenneck): Eigenschaften und a 


lichkeiten für Gitterröhren. (Mit 4 Bildern im Text) . 35 


M. A. Tuve und O. Dahl (J. Zenneck): Eine Anordnung zur 
Modulation eines Senders für die Untersuchung der Kenelly- 
Heaviside-Schicht mit der Echo-Methode. (Mit 2 Bildern im Text) 37 


B.S. Smith und F.D. Smith (E. Mauz): Ein Oerät zur Erzeugung 
kleiner OS NIE DE SPANIUNgEN.N von bekannter Größe. ao 
2 Bildern im Text) . . , s ; . 37 


ILW.Wright (J. Zenneck): Der Röhrengenerator mit Schwingungs- 
kreis in der Gitter- und Anodenleitung. (Mit 1 Bild im Text) 38 


A. Hund (J. Zenneck): Aperiodische Verstärkung und ihre An- 
wendung auf das atuclum AO PIREENE: SIOTUnBEN: u 1 Bild 


im Text) . . : $ . 38 
Eingegangene Bücher: . . 5 ; ; : ; . ; . 38 
Bücherbesprechungen: . : s ` À ; ; ; i . 38 


Manuskripte für das Jahrbuch, siika mit klischlerfähigen Figuren versehen, sind an die Schriftteitung Dr. E. Mauz, Frankfurta. M., Physikalisches 
Institut, Robert Mayerstr. 2, zu senden. Die Herren Autoren werden gebeten, elne kurze Zusammenfassung des wesentlichen Inhalts ihrer Arbeit jedem Manuskript beizufügen 
Abonnements und Inserate sind zu richten an M. Krayn, Verlagsbuchhandlung Berliu W 10, Genthiner Straße 39, Postscheck-Konto Berlin 32 647. 


Ueber BarHKhausen - Kurz - Wellen. 


"d 
A 
e“ 
| Inhaltsübersicht. 


| Einleitung. 
> Grundlagen. 
Feldverteilung. 
‚Die verschiedenen Zonen um den Glühdraht. 
„ Die räumliche Lage der „lonisierungszone“. 
“ Die Flugzeit eines M+ -Ions ist gleich der Flugzeit 
eines Elektrons. 
7 "Die Elektronen verlassen gleichphasig den Glüh- 
“draht. 
© Einfluß der Gitterspannung. 
: Schicksal der H+ -Ionen. 
:Extremvakuum in der Umgebung des Gitters. 


s Veranschaulichung der bisher besprochenen Vor- 
„ gänge. 
“ Andere Restgase als Wasserstoff. 
" Der Einfluß veränderter Gitterspannung auf die 
: Wellenlänge. 
‚. Moleküle. 
Einfluß der Elektrodendurchmesser. 
i Einfluß der Stärke des Heizstromes. 


“ Einfluß der Elektrodenanordnung. 
Sekundär- und Photoemission. 
Elektronenschwingungen. 
Zusammenfassung des bisherigen, Strahler null- 
ter Ordnung und 
sein akustisches Analogon. 


| 


Von Paul Knipping, Darmstadt. 


22. Diodenschwingungen. 
23. Der Anodenstrom. 
24. Uebersicht. 

25. Schluß. 

26. Literatur. 


1. Einleitung. 


Die im Jahr 1920 von Barkhausen und 
Kurz (1)*) (B.-K.) beschriebenen kurzen Wellen ent- 
stehen in einer Schaltung, bei der Kathode und Anode 
ungefähr das gleiche negative, das Gitter ein posi- 
tives Potential hat. Sie wurden bereits von ihren 
Entdeckern durch Pendelungen von Elektronen durch 
das Gitter erklärt. Es hat in der Folge nicht an Ver- 
suchen gefehlt, diesen Vorgang im einzelnen zu ent- 
rätseln. So hat z. B. schon 1919 Whiddington 
(2) auf die Mitwirkung der positiven lonen bei 
Schwingungsvorgängen hingewiesen und seine Theorie 
auch durch Versuche geprüft. Doch scheint seine 
Deutung nicht überzeugt zu haben, eine Reihe von 
Fragen blieb ungeklärt, neue tauchten auf, so daß trotz 
mancher positiven, auf die Probleme verwandten Ar- 
beit Experimente und Theorien nicht restlos mitein- 
ander in Einklang gebracht werden konnten. Das 
mag seinen Grund darin haben, daß die Vorgänge in 
einer B.-K.-Schaltung komplizierter sind, als daß sie 
mit-einer bestehenden Theorie allein verständlich 


*) Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf die Literatur- 
zusammenstellung am Schluß der Arbeit. 


y a a | Paul Knipping: 


sind. In Anbetracht dieser Lage kann es nicht 
schaden, wenn versucht wird, einen neuen Angel- 
punkt zu finden, was im folgenden geschieht. Hier- 
bei werde ich von den in der Röhrentechnik ge- 
bräuchlichen Begriffen wie Steilheit, Durchgriff, Rück- 
koppelung etc. keinen Gebrauch machen, sondern 
das Schwergewicht ganz auf die atomistische und 
elektronische Seite legen. Ferner bemühe ich mich, 
durch schrittweises Vorgehen vom Einfachen und 
Speziellen zum Allgemeinen und Verwickelten all- 
gemein verständlich zu bleiben, und ein Bild zu 
geben, das möglichst vielen bekannten Tatsachen 
gerecht wird. 


2. Grundlagen. 


Wir gehen aus von der Fluggeschwindigkeit v 
(cm/sec) von kleinen Teilchen mit der Masse m und 
der Ladung e in einem elektrischen Feld von V Volt. 


Bekanntlich (3) ist 5 Des: 


9.6 
v = V V erhält. Sind die Teilchen Elektro- 


V, woraus man 


2.e 
nen, so ist (a) v— = We V, sind sie einfach gela- 


dene positive Ionen (welche, wie man weiß, die 
fast genau gleiche Masse wie neutrale Atome haben), 


2.e 


erhält man (b) „=/= y. Neutrale Atome 


(oder Moleküle — was für uns vorläufig dasselbe be- 
deutet) werden in einem elektrischen Feld überhaupt 
nicht beschleunigt. Es laufen danach im gleichen Feld 
die geladenen Teilchen mit Geschwindigkeiten, die um- 
gekehrt proportional den Wurzeln aus ihren Massen 
sind. Sei das eine ein Elektron, das andere z. B. 
ein positives Wasserstoffatomion (H +-Ion), so ist 
De a A Wort 

mie Bao Sone Vor ornen 
ein Elektron läuft im gleich starken Feld entgegen- 
gesetzt und 43mal schneller als ein Hı-Ion. Rech- 
net man nach Einsetzen der Konstanten m und e die 
zu der Spannung V gehörige Geschwindigkeit v für 
Elektronen und H+-lonen numerisch aus, so erhält 
man Tabelle 1, zugleich eine Illustration der hohen 
Geschwindigkeiten. 


Tabelle 1. 
Sn v— (cm/sec) |v H+ (cm/sec) 
1 570-105 13-10 oder km/sec 
10 1800. 105 42.105 unter Fortlassung 
14 2000. 105 47.105 des Faktors 105 
100 9700: 10° 130 - 105 


Fliegen bei der B.-K.-Schaltung Elektronen von der 
Kathode durch das Gitter) zur Anode!) und den 
gleichen Weg wieder zurück, so sendet das Rohr 
gerade eine ganze Welle mit der Wellenlänge A aus, 
die aus v, V und den Elektrodendimensionen leicht 
errechnet werden kann. Nach B.-K. (1) ist ange- 


i 1000 r (cm) 
nähert (d) A (cm) = VE, vo Von 


1) in gewohnter Bezeichnungsweise. 


‚wo r den Radius des 


für unse. 
einstweilen fo 
gende Maße fest: Durchmesser des konzentrisch ug.. 


Anodenzylinders vorstellt. Wir legen 


Betrachtungen zur Vereinfachung 


den Glühdraht liegenden zylindrischen Gitters 

1 cm, Durchmesser des ebenfalls konzentrische 
Anodenzylinders = 2 cm. Die Länge der Elektrode 
spielt eine untergeordnete Rolle, nur muß sie gro 
gegen die Durchmesser sein, damit or 
fortfallen. Die positive Gitterspannung Eg = =] 

Volt, Anode und Kathode haben null Volt, 5 


Hi 
| 
| 


= 0. 
3. Feldverteilung. 


Die Verteilung .der Feldstärke in einer d 


artigen Anordnung (und solange die Röhre no 
nicht schwingt!) wird durch Figur 1 in Annäherun 
Im Raum zwischen 


veranschaulicht. Kathode un 


Te 


70 05 0 05 10cm 


Bild 1. 


Längsschnitt "durch die Elektroden einer nicht schwingendef l 
B.-K.-Röhre mit Feldverteilung . 
K = Kathode, G = Gitter, A = Anode. 


+ 


den bekannten an der Kathode extrem o steile 
logarithmischen (4) Anstieg (wegen de 
zylindrischen Anordnung) und im Raum zwischen 
Gitter und Anode, dem sog. „Bremsfeld‘ (diese Be. 
zeichnungen sind nicht ganz zweckentsprechend 
einen ebenfalls logarithmischen, aber viel gleichmäßi 
geren Abfall. Die Kurven müssen wir aber noch ei 
wenig differenzieren, wenn wir der Wahrheit nahq. 
kommen wollen. Unmittelbar um den Glühdraht lieg] ` 
eine sehr dichte Elektronenwolke, die Raumladungs]' 
zone (RLZ), die in Bild 1 nicht wiedergegeben ist, 
Ferner: die Elektronen, die zum Gitter fliegen, ioni4', 


Gitter, dem sog. „Beschleunigungsfeld‘‘, haben 
i 


sieren die noch vorhandenen Gasreste. Die hier- ) 
durch entstandenen lonen werden nach ihren Vor-{` 
zeichen auf Gitter und Kathode gezogen. Was sich 

an der Kathode abspielt, wird nachher im einzelnen], 
erörtert. Am Gitter verliert die Mehrzahl der Jonen 

ihre Ladungen, ein Teil indessen haftet mit seinen? 
Ladungen, wie die Erfahrung lehrt, fest auf den Ober-|‘ 
flächen und bildet eine sog. „Doppelschicht“ (5). | 


Schwingt die Röhre, pendeln nach der B.-K.sche 
Anschauung die Elektronen um das Gitter, so von 
auch im Raum Gitter-Anode lonisation statt, wobel. 
die negativen Ionen wieder zum Gitter, die positiven, 
zur Anode wandern und an beiden Orten zu Doppel- : 
schichten Anlaß geben. Durch den Einfluß dert, 
Raumladung und dieser Doppelschichten (DS) wird. 
die in Bild 1 dargestellte Feldverteilung stellenweise |. ; 
gründlich verändert, wie Bild 2°) zeigt. Wir erken- |. 
nen darin vor (außerhalb) dem Glühdraht eine noch y; 
etwas unter null Volt heruntergehende Aone (6), de‘: 


2) Im folgenden ist nur eine Rohrhälfte geze:ächnet. i 


Ueber Barkhausen-Kurz-Wellen. 3 


„ die normalerweise nur von wenigen Elektronen 
. zufällig höherer Geschwindigkeit überwunden 
den kann, während alle übrigen durch sie zurück- 
alten werden. Ein in Freiheit gelangtes Elektron 
t nun zum Gitter und findet dort auf den posi- 
n Gitterdrähten die oben genannte negative DS, 
es durch die Oeffnungen „zentriert“, wie Bild 3 
ınschaulicht. Das Elektron a konnte zufällig frei 

= + | 


6 


H 


E EE E E E E E 
O 2 4 6 8 Mmm$ 
Bild 2. 


Feldverteilung mit Berücksichtignng der Raumladung 
und Doppelschichten. 


schen den Drähten durchfliegen, hingegen würde b 
e diese DS auf dem Gitter landen, wird aber 
ch die abstoßenden Kräfte so geführt, daß es noch 
chkommt. Erst das Elektron c, das nicht mehr 
ügend abgelenkt wird, trifft auf das Gitter. Die 
pelschichten auf der Gitteroberfläche wirken „wie 
-hter‘“, welche die Gitteröffnungen vergrößern. Der 
de in Bild 2 ist eine positive DS vorgelagert. Die 


Bild 3. 
Durchgang von Elektronen durch das Gitter. 


ichten können gelegentlich bis 100 Volt (5) Span- 


gsunterschied gegen ihre Elektroden erreichen. 
neg. DS auf der Außenseite des Gitters und die 
-DS auf der Anode geben möglicherweise durch 
deln der Elektronen zwischen diesen Schichten 
aß zu besonders kurzwelligen Schwingungen (7) 
—> in Bild 2). 


l. Die verschiedenen Zonen um den Glühdraht. 


Betrachten wir jetzt etwas eingehender die 
gänge, die sich in der Nachbarschaft des Glüh- 
htes abspielen. Wenn ein Elektron die RLZ ver- 
en hat, wird es in dem vorliegenden Feld be- 
eunigt und kommt auf immer höhere Geschwindig- 
en. Soweit es dabei den Weg zum Gitter ohne 
ammenstöße mit Molekülen zurücklegen kann, 
; meist der Fall ist und wesentlich vom Gasdruck 
ängt und hier nicht diskutiert werden soll, schei- 
es für unsere augenblicklichen Ueberlegungen aus. 
gewinnt indessen Interesse, wenn es mit Atomen 
r Molekülen zusammenstößt. Dabei müssen wir 
voneinander gänzlich verschiedene Fälle (8) un- 
cheiden, die sich am besten an Hand eines Bei- 
Is erläutern lassen, in dem Elektronen mit 
Isserstoffatomen kollidieren, 


t 


a) Das speziell ins Auge gefaßte Elektron ist beim 
Zusammenstoß weniger wie 11 Volt?) im Felde ge- 
laufen, es hat eine geringere als „11-Volt-Geschwin- 
digkeit“. Resultat: es läuft nach dem Zusammen- 
stoß höchstens mit etwas veränderter Richtung, aber 
sonst unbeeinflußt weiter, es hat keinen Geschwin- 
digkeitsverlust erlitten und auch keine Energie an 
das getroffene Atom abgegeben. Das Elektron nach 
seinem Zusammenstoß unterscheidet sich eigentlich 
in nichts von einem anderen, das ohne Kollision sei- 
nen Weg machte, es ist für unsere Ueberlegungen 
uninteressant, das gestoBene Atom ebenfalls. 

b) Das Elektron hat im Augenblick des Stoßes 
eine Voltgeschwindigkeit von 11 bis 14 Volt?). Resul- 
tat: es findet ein Energieaustausch statt. Dabei über- 
trägt das Elektron seine Geschwindigkeit und Ener- 
gie auf das getroffene Atom, das dadurch in einen 
besonderen Zustand, den „Anregungszustand‘“ (8) 
übergeht, und das darauf nach einer sehr kurzen Zeit 
durch eine Art Lichtblitz seine vorher empfangene 
Energie ausstrahlt. Das Stoßelektron, das bei diesem 
Vorgang seine ganze (bei 11 Volt) oder den größten 
Teil (über 11 bis 14 Volt) seiner Geschwindigkeit 
einbüßte, muß nach der Kollision seinen Lauf mehr 
oder weniger von neuem beginnen. Das angeregte 
Atom wird, da es neutral ist, durch keine Felder be- 
einflußt. 

c) Das Elektron stößt mit höherer als 14-Volt- 
Geschwindigkeit auf ein H-Atom. Resultat: das Atom 
wird in ein A+-Ion und ein freies Elektron aufgespal- 
ten, „zerschossen“. Das Ion wird zur Kathode ge- 
trieben, das freie Elektron dem Stoßelektron, das in 
ähnlicher Weise wie bei b) seinen Lauf neu beginnen 
muß, nachgezogen. Die „Ausbeute“ steigt von dem 
Grenzwert 14 V (lonisierungsspannung) bis zur dop- 
pelten lIonisierungsspannung schnell an und fällt dar- 
auf ab (9). 

Wir können zusammenfassend sagen, der Glüh- 
draht sei mit mehreren aufeinander folgenden kon- 
zentrischen Zonen verschiedenen Interesses umgeben, 
wir haben 

1. die RLZ, aus deren Grenzfläche die Elektronen 
mit 0 Volt Geschwindigkeit austreten; 

2. die Zone von 0 bis 11 Volt, in der nichts Wesent- 
liches geschieht; 

3. die Zone von 11 bis 14 Volt, in der Licht ent- 
steht (worauf wir später in Abs. 18 zurück- 
kommen) und 

4. die Zone von 14 Volt bis zum Gitter, in der 
H--Ionen gebildet werden. Die ersten Ionen 
entstehen an der Grenze dieser Zone. 


5. Die räumliche Lage der „Jlonisierungszone“. 


Wenn wir die räumliche Lage dieser 
Zonen festlegen wollen, so müssen wir uns dem Bild 2 
zuwenden. Aus ihm erkennen wir unmittelbar‘), daß 
z. B. die Grenze der 14-V-Zone, die für uns beson- 
ders interessant werden soll, sehr dicht (4) an der 
RLZ resp. am Glühdraht liegt. Sie verschiebt sich — 
nebenbei gesagt — ein wenig mit der Temperatur der 
Kathode (vgl. Abs. 16) Die genaue Lage dieser 


3) In runden Zahlen. 

4) Der Punkt „14 V"Xist in Bild 2 durch ein Kreuz auf der 
Feldverteilungskurve und die beigefügte Zahl 14 (auf der Ka- 
thoden- wie auf der Anodenseite!) gekennzeichnet, 


Paul Knipping: 


Zone ergäbe sich aus einer komplizierten (s. Abs. 19) 
mathematischen Berechnung, die aber nicht hierher 
gehört. Es genügt für unsern Zweck, wenn wir ihre 
Entfernung vom Glühdraht aus dem Bild 2 zu etwa 
0,5 mm ermitteln. In diesem Abstand entstehen die 
ersten H+-Ionen, die zur Kathode wandern, während 
die beiden Elektronen (die wir zusammenfassen) 
nach dem Gitter zu, durch dieses hindurch in das 
„Bremsfeld“ vor der Anode, von hier zurück und 
abermals durch das Gitter zum Glühdraht zurück- 
fliegen. 


6. Die Flugzeit eines H*-Ions ist gleich der Flugzeit 
eines Elektrons. 


Wir wollen uns jetzt die Frage vorlegen, ob 
vielleicht zwischen dem eben beschriebenen Flugwez 
oder besser der Flugzeit der Elektronen und dem 
Flugweg resp. der Flugzeit des H+-Ions auf die Ka- 
thode zu irgendeine Beziehung besteht. Nach B.-K. 
(1) entspricht dem Flugweg von 2mal 1 cm gerade 
eine Welle mit der Wellenlänge A, die nach Bezie- 
hung (d) und den numerischen Angaben von Abs. 2 
1000 X 1 (cm) _ 


sich ergibt zu A (cm) = = 10 cm = 
s le V 100 Volt 

10 

1 m. Dem entspricht eine Frequenz » = I 


= 3.10° pro sec. In 0,33.10—? sec. führt also ein Elek- 
tron gerade die Hin- und Herbewegung aus. Nach 
(c) von Abs. 2 wandert das H+-Ion im gleichstarken 
Feld 43mal langsamer. Danach legt es während einer 
Schwingung nicht 2, sondern 2:43 cm = 0,47 mm 
zurück, und zwar in der Richtung auf die Kathode 
zu. Während also primäre Elektronen den Hin- und 
Herweg einmal durcheilt haben und dabei eine Welle 
ausgesandt ist, gelangen die Ionen gerade zur RLZ. 
Die einfache Beziehung ist danach vorhanden, wir 
müssen sie nur noch entsprechend auswerten, um 
weitere Schlüsse von größerer Tragweite aus ihr 
ziehen zu können. Dazu betrachten wir den Vorgang, 
der sich bei der Ankunft des H+ -Ions in der RLZ 
abspielt. 


7. Die Elektronen verlassen gleichphasig 
den Glühdraht. 


Hierbei erfolgt zweierlei: 1. vereinigt (3) sich 
ein Raumladungselektron mit dem H-Ion, das damit 
neutralisiert wird, und dadurch wird 2. in die RLZ 
an dieser Stelle für einen sehr kurzen Augenblick 
eine Bresche (3) gesprengt. Diese benutzen sofort 
(10) einige hundert neue Glühdrahtelektronen, die ja 
nur auf eine solche Gelegenheit gewartet haben, um 
aus der RLZ auszutreten und ins Freie zu gelangen. 
Danach schließt sich die Lücke sogleich. Die neuen 
Flektronen schlagen die gleiche Bahn wie das erste 
ein. Die Ankunft des H+-lons, das Zer- 
stören der Raumladung, Austretenfri- 
scher Elektronen und die Ankunit des 
ersten Elektrons findet alles im glei- 
chen Moment statt. Das heißt aber nichts an- 
deres als: das erste und die neuen Elek- 
tronenschwingenin Phase (11). Der Vor- 
gang wiederholt sich bei jeder Schwingung, so daß 
schließlich nach einer gewissen Zeit sämtliche oder 
zum mindesten ein großer Teil der Elektronen mit 


gleicher Schwingungsdauer und in gleicher Phase ipl 
Bewegung sind. Die Einleitung dieses Prozessegi lt 
kann man sich folgendermaßen vorstellen: Bekannt! 
lich gibt es auf der Oberfläche eines jeden Glit ekt 
drahtes besonders aktive Bereiche. Hier treten dig a 
ersten Elektronen überhaupt aus und beginnen deg ` 
eben beschriebenen Vorgang. Lelie wird dieg" 
durch die späteren Bilder 12—14 (Abs. 22) -o 
anschaulich]. Haben sich aber einmal. wenn auch zul" 
nächst nur mit ganz wenigen Elektronen, die Ver 1 
hältnisse zu ordnen begonnen, so wachsen sie lawiner N 
gleich an (wie auch in Bild 12—14 gezeigt wird) un!‘ » 
breiten sich schnell über den ganzen Glühdralit unfim 
die ganze Röhre aus. Schließlich, wenn nach det:«i 
„Einlaufzeit“ alle Ionen und Elektronen „mitgenom.* 
men“ sind und volle Ordnung stattgefunden hal!ın 
[wenn Störungen anderer Art, die wir gleich beein 
handeln, fortfallen], ist (bei auch sonst optimalen Bey:ur; 
dingungen) der periodisch schwinzende Anteil deflas 
Elektronen 100 Prozent, sämtliche Elektronen und. 


„nn! 


m. 
= 


auch Ionen haben sich „eingeschwungen“. m 
ir 
8. Einfluß der Gitterspannung. i 

Wir wollen eben zusehen, wie die Verhält- 


nisse sich verschieben, wenn die Gitterspannung| 
nicht mehr den in unserm Beispiel gegebenen Wert: 3 
von 100 Volt hat. Mit sinkendem Æ, verflacht sich “u 


Intensität d. Schwingung 


Bild 3a. 
Abhängigkeit der Schwingungsintensität von Eg. 


die Feldkurve in Bild 2 und die lonisierungszon],. 
(14-V-Zone) rückt von der Kathode weg zum Gitter]: 
hin. Damit kommen die H.-Ionen etwas verspätet.‘ 
gegen die pendelnden Elektronen an der RLZ an, “|, ie 
daß, wenn wir vom Gang des Ausbeutefaktors d, 
absehen, nicht mehr exakte Gleichphasigkeit besteht.{. 
weswegen die Intensität der Schwingungen (beil' 
gleichzeitigem Wachsen der Wellenlänge) schnell ab-| 
nimmt. Umgekehrt kommen bei höherem Ey diel” 
Ionen zu früh zur RLZ, wodurch  gleichf: ls die 
Schwingungsintensität (diesmal bei gleichzeitig ab-1. * 
nehmender Wellenlänge und wegen der Form der|., 
Ausbeutekurve langsamer) sinkt (Bild 3a). Es gibt $ 
daher für ein bestimmtes Rohr mit reiner H -Atom-|'‘ 
füllung ein Optimum für EZ, bei dem die Schwingung 
im Außenraum einen Maximalwert hat und in dem! 1 
eine durch die geschilderten Verhältnisse genau feste: , 
gelegte Wellenlänge existiert. Entfernt sich E, noch 
weiter von diesem Optimum, so setzen die Schwin-|;, 
gungen überhaupt aus. 


Sk 
d 
l 
fr 


9. Schicksal der H'-Ionen. 

Betrachten wir nunmehr das Schicksal der ba 
tralisierten H+-lonen, die wieder gewöhnliche H- - 
Atome geworden sind. Natürlich können sie an iris, 


-Z nicht in Ruhe verharren, sondern sie müssen sich 
„eiterbewegen. Ihre Flugrichtung und -geschwindig- 
«jt ist ihnen als ungeladenen Teilchen jetzt nicht durch 
-2ktrische Felder vorgeschrieben, sondern sie unter- 
gen allein den Gesetzen der kinetischen Gastheorie. 
-ie Flugrichtung ist zunächst völlig beliebig. Da die 
tome nicht durch den Glühdraht hindurchfliegen 
‚;nnen, werden sie sich jedenfalls von ihm weg- 
“enden. Die Fluggeschwindigkeit von Gasmolekülen 
-) überhaupt ist u = 485 (m/sec), dividiert durch 
-e Wurzel aus der Gasdichte, speziell bei H-Atomen 


tu = 1,844 V 1+ at (km/sec), wo ¢ die absolute 
-emperatur der Atome und a der Ausdehnungs- 
effizient der Gase ist. Nehmen wir £ mit 2400° 
3solut = 2100° Celsius an, weil sich ja die Atome 
- unmittelbarer Nähe des glühenden Wolframdrahtes 
finden, so wird 1-+oat ungefähr 10 und die 
‚/urzel daraus 3, so daß u rund 6 km/sec = 6.10” 
:n/sec wird. Ein H-Atom würde danach in 10-° sec 
zrade 6 cm weit fliegen. Aber eine so weite Strecke 
ermag es in unserm Rohr ungestört gar nicht zurück- 
legen, obwohl dies bei einem Druck von 0,003 mm 
-g die freie Weglänge ist. Zunächst fliegt das Atom 


6.3.10-9 
einer Schwingungsdauer nur 2; = 18.107 


n = 0,018 mm weit, nach etwa 25—30 Elektronen- 
:hwingungen hat es, wenn es zufällig senkrecht zur 
'rahtachse fortflog, gerade die 14-V-Zone erreicht. 
jing es unter einem schiefen Winkel vom Draht fort. 
) kommt es entsprechend später in dieser Zone an.) 
as heißt: nach verhältnismäßig wenigen Elektronen- 
:hwingungen sind die Atome eben wieder dort ein- 
etroffen, wo sie sozusagen „gebraucht“, wo sie von 
euem ionisiert werden. Auf dem Weg von der Ka- 
ıode bis zur 11-V-Zone kann den Atomen überhaupt 
ichts geschehen, von 11 bis 14 Volt können sie 
öchstens angeregt, aber nicht in ihrem Lauf gestört 
‚erden, von 14 Volt ab werden wieder lonen ge- 
ildet. Diese wandern von neuem zur Kathode — 
nd so geht das Spiel: „Jonenbildung, Zer- 
törung der Raumladung, phasenrich- 
iges Austreten frischer Elektronen, 
angsames Zurückwandern der Atome“ 
nunterbrochen weiter Ein bestimm- 
er kleiner Gasrest vermag also die Schwin- 
ungen dauernd aufrecht zu erhalten, ja er ist un- 
edingt dazu notwendig, wie man aus 
ielen Versuchen (12) entnehmen kann. Fehlt der 
iasrest oder ist er zu klein oder zu groß, so schwingt 
ine Röhre nicht, sie tut dies erst, wenn durch 
ingeres Brennen des Glühfadens Gase frei geworden 
nd, oder sie schwingt nur kurze Zeit nach der Ein- 
haltung (13). 


10. Extremvakuum in der Umgebung des Gitters. 


Beachten wir weiter, daß auch außerhalb der 
4-V-Zone Atome anfänglich vorhanden sind, die im 
auf der Zeit alle ionisiert, als Ionen relativ schnell 
ur Kathode geführt, von dort aber relativ langsam 
ntlassen werden, so werden wir gewahr, daß später 
ie ganzen Gasreste sich innerhalb der 14-Volt-Zone 
m den Glühdraht resp. in einer ähnlichen Zone in 
er Nachbarschaft der Anode (denn die gleiche Ueber- 
gung gilt natürlich auch für den Raum zwischen 


Ueber Barkhausen-Kurz-Wellen. 5 


An nn e 


Gitter und Anode) befinden. Der übrige Raum ist 
praktisch gas- und ionenfrei, die schwingenden Elek- 
tronen erfahren unterwegs keine Hindernisse (vgl. 
Abs. 25). Hierauf läßt sich ein Verfahren gründen, um 


‚ein besseres Vakuum, als es mit Pumpen allein er- 


reichbar ist, zu erzeugen. Das Elektronenrohr stellt 
danach eine Hoch-Vakuumpumpe vor (14). 


il. Veranschaulichung der bisher besprochenen 
Vorgänge. 
Die bisher behandelten Vorgänge wollen wir 
nun an den Bildern 4 bis 6 veranschaulichen. Zu- 
nächst ist in Bild 4 die unmittelbare Umgebung des 


K ALZ 14 -V 
' 
N 
7 7 
2 or. T 
3 g 
4 -6 “e> 
I BL `N 
j i i ) 
= | / | 
ò | ; 
u: / N u 
no Y 172 
S 9 ST 
E10 | 
> UNE: l 
"ee o 
3 PT r 
Y 4 | > 


Bewegung von 
9> Elektronen, 
© tonen. 
© neulnaleAfome 
Veränderung der AL 
Bild 4. 
(Zeitbild, von oben nach unten zu lesen.) 


Glühdrahtes mit der RLZ und der 14-Volt-Zone dar- 
gestellt. Das Bild stellt sozusagen eine Zeitlupen- 
aufnahme von der Bewegung der Elektronen, Ionen 
und Atome dar, es umfaßt etwas mehr als eine volle 
Schwingungsdauer von 0,33-10-" sec, diese Zeit ist 
noch in 100 kleinere Zeitabschnitte weiter unterteilt. 
Im ersten Abschnitt verläßt gerade ein Elektron die 
RLZ, im zweiten fliegt es auf ein neutrales Atom zu, 
das es im dritten getroffen hat. Das Atom wird in 
ein lon verwandelt und dieses geht langsam zur 
Kathode, während das ursprüngliche und das ab- 
gesplitterte Elektron gemeinsam ihre Bahn durch das 
Gitter zur Anode und wieder zurück fortsetzen 
(4 bis 99). Bei 100 ist das lon eben im Begriff, in die 
RLZ einzudringen; gleichzeitig hat sich das Elektron 
soweit genähert, daß es ebenfalls kurz vor der RLZ 
steht. In 101 befinden sich Elektron und Ion in der 
RLZ, die zerrissen ist, es treten frische Elektronen 


6 Paul Knipping: 


aus und das Ion neutralisiert sich. Von hier an voll- 
zieht sich das Spiel von neuem, die Elektronen laufen 
rasch davon, das Atom langsam. Die Elektronen 
ionisieren abermals — usw. Das gleiche: wird in 
Bild 5 dargestellt, wobei diesmal der halbe Quer- 
schnitt der Röhre und eine dreimal so lange Zeit- 
spanne gezeichnet ist. Man erkennt hier besonders 


<«— Zeit 


Bild 5. 


Graphischer Fahrplan für Elektronen, Ionen und Moleküle. 
(Zeitachse verläuft vor oben nach unten.) 
K = Kathode, RLZ=Raumladung, 14-V = 14- Voltzone, 
G = Gitter, A = Anode. 


deutlich den verschieden schnellen Lauf der Elek- 
tronen, Ionen und Atome sowie die Zeitbeziehungen, 
die ja für den Vorgang wesentlich sind. Bild 6 zeigt 
die Verteilung des Restgases in der Röhre, die gleich- 
mäßige Verteilung a vor, das Abwandern in die 


i OZ 
paap 
a f 


Gasverteilung a) vor dem Einschalten, b) kurze Zeit später, 
c) bei vollem Schwingen. 


bezeichneten Zonen (b) beim Einschalten und (c) 
den Endzustand, der sich einstellt, wenn sämtliche 
Atome in den Zonen konzentriert sind. Bei dieser 
Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß die 14-V- 
Zone vor der Anode (Bild 2), ebenso wie der Um- 
kehrpunkt der Elektronen sich mit dem Potential der 
Anode verschieben. Je negativer sie ist, um so 
weiter rücken die Zonen zum Gitter. 


12. Andere Rest-Gase als Wasserstoff. 


Ehe wir die bisherigen Ueberlegungen ver- 
tiefen, wollen wir die Punkte diskutieren, an denen 
wir vorher bestimmte, willkürlich scheinende An- 
nahmen gemacht hatten. Wenn früher ausschließlich 
von Wasserstoffatomen und ihren lonen die Rede 
war, so geschah das, um dort Komplikationen zu ver- 
meiden und das Wesentliche an einem einfachen Bei- 
spiel zu zeigen. Wir haben uns jetzt zu fragen, wie 
die Verhältnisse sich gestalten, wenn bei der vor- 


Gitterspannıur 


gehaltenen | 
von 100 Volt der Gasrest im Versuchsrohr nicht mein‘ 
aus H-Atomen, sondern aus anderen Atomsorten od: 


läufig wieder konstant 


gar aus einem Gemisch solcher besteht. Wir müssy: 
dann mit den entsprechenden Massen und lonisig“ 
rungsspannungen (3, 8) rechnen, die in Tabelle 2 z4; 
sammengestellt sind. Diese enthält ferner in de 
2. Zeile die Wurzeln aus den reziproken Massen uni“ 
in der 4. Zeile die Wurzeln aus den lonisierung- 


spannungen, also diejenigen Faktoren. die für die hit 
in Frage kommenden Vorgänge [nach Abs. 2 (b)| mal 
gebend sind. Die Auswahl der Gasarten (Elektron ur 


Tabelle 2. 
Elek- qr rer N 
aek- H N O Co, Hy; 
1:1840 1 14 16 44 200 | Masse 


43 1 0267 025 0,15 0,07 Wurzel a. reziproker Mass 
— 14 16 17 — 10 | lonisierungsspannung Volt 
— 37 40 4,1 = 3,2 | Wurzel aus lon.- Spannung 


Wasserstoff sind ergänzend hinzugefügt) — Stick-j 
stoff, Sauerstoff, Kohlensäure und Quecksilberdampi 

— geschah nach der Erfahrung, nach der ein absolutes 

Vakuum überhaupt nicht herstellbar ist. Stets treten |‘ 
außer Wasserdampf, der durch die hohe Temperatur ': 
des Glühdrahtes und die Elektronen in Wasserstofi. ' 
der in Vakuumröhren erfahrungsgemäß vorherrscht, , 
und Sauerstoff zerlegt wird, N, O und CO. aus den |‘ 
Gefäßwänden und den Elektroden aus (15). Di 
Quecksilberdampf diffundiert aus den Pumpen oder! 
dem Mc Leod und ist, wie bekannt (16), nur mit 
größter Schwierigkeit wieder zu entfernen. Di 

Tabelle 2 gibt uns durch Zeile 4 sofort darüber Aus-I 
kunft, wie weit sich die lJonisierungszonen bei gade 
Gasen verschieben. Man sieht, die Zone rückt um! 
etwa 10% nach außen für N und O und für Hg umj. 
einen etwas größeren Betrag nach innen. Diese]. 
Zonen verschieben sich danach nur um relativ geringe]. 
Beträge. Ganz anders steht es aber mit den Flur]. 
zeiten der in diesen Zonen erzeugten positiven Ionen| 
Aus der 2. Zeile erkennt man, daß diese Zeiten gegen] 
die des H-Ions erheblich gewachsen sind, bei N und 
O auf das 3,7- und 4fache, bei Hg sogar auf das |. 
l4fache. Das heißt: bis solche lonen zur RLZ[' 
kommen, führen die Elektronen nicht eine, sondern] 
bei Luft rund vier und bei Hg 14 Schwingungen aus f| 
Es stellt sich heraus, daß diese Gase unter den te- 

trachteten Umständen keinen Beitrag zur Aufrecht-'. 
erhaltung der Schwingungen liefern, sie sind ver, 
glichen mit den H-Atomen nur „Störer“. | 


13. Der Einfluß veränderter Gitterspannung 
auf die Wellenlänge. 


Wie ändert sich das Bild, wenn wir nun die 
Gitterspannung variieren? Zunächst setzen nach def- 
obigen Vorstellung (Abs. 8,11) die durch H-Ionen u- ' 
terhaltenen Schwingungen aus, gleichzeitig verschiebt 
sich die Ionisationszone, und durch „passendes Fin- | 
regulieren‘“*) bringen wir es dahin, daß nun eine 
andere lonenart in Phase mit den Elektronen | 
schwingungen kommt. Allgemein muß »- vp:= Flug- 
zeit positiver Ionen sein, wobei n = 1, 2 Ver- °” 


4) Das sich in vielen experimentellen Arbeiten findet. 


Ueber Barkhausen-Kurz-Wellen. | | o 7 


— 


ndern wir jetzt Z, weiter, so überschreiten wir 


-nen Zwischenbereich, in dem diese Schwingungen _Ţ 


-bsterben, dann kehren abermals neue wieder, die 
-urch andere [onen unterhalten werden. Dabei 
.ndert sich jedesmal sprunghaft die Wellenlänge. Man 
‚rkennt ferner, daß den langen Wellen die kleineren 
Jassen, kürzeren Wellen immer schwerere Massen 
uzuordnen sind. Man erhält so bei Variation der 


‚Jitterspannung ein „Spektrum“ von verschiedenen 
Vellenlängen mit verschiedenen Intensitäten. 


Intensität d Schwingung 
A. 


Man 


N o 
NN 


An 


Bild 6a. 
schematisches, einfaches Massenspektrum der Restgase in einem 
B.-K.-Rohr. n = 1! (s. Abs. 12a). 


dann danach eine B.-K.-Schaltung geradezu als 
‚Massenspektrographen“ bezeichnen, aus dessen 
(urve Bild 6a man für ein bestimmtes Rohr nicht 
ıllein die Anwesenheit bestimmter Massen’), sondern 
wuch ihre prozentische Beteiligung ohne weiteres ab- 
esen könnte, wenn nicht diese Kurve noch von 
fremden“ Buckeln überlagert wäre, die andere Ur- 
sachen wie Resonanzlage mit einem Außenkreis oder 
ihnliche hätten’). 


14. Moleküle. 


Hatten wir bisher ausschließlich von Atomen 
ınd Atomionen gesprochen, so wenden wir uns, um 
weiter zu verallgemeinern, den Molekülen zu. Aber 
tier erleiden wir Schiffbruch, weil nun die Verhält- 
nisse schlechterdings unübersehbar werden. Einiger- 
maßen berechenbar würden sie noch bleiben, wenn 
der Gasrest in unserm Versuchsrohr wenigstens ein- 
heitlicher Natur wäre. Doch ist diese Annahme un- 
wahrscheinlich. Weiter wäre es möglich, Zonen für 
die lonisierung von Molekülen anzugeben, Aussagen 
über Geschwindigkeitsverhältnisse ihrer Ionen und 
damit Phasenverhältnisse zu machen. Aber damit 
wäre gar nichts gewonnen, weil man keine Vor- 
stellung davon haben kann, ob und in welchen Grad 
die Moleküle (vielleicht durch Absorption des ultra- 
violetten Lichtes angerester Atome oder durch 
Elektronenstöße) bereits dissoziiert sind. Wir müssen 
diesen Punkt hier vollkommen offen lassen. 


15. Einfluß der Elektrodendurchmesser. 


Wenden wir uns zur Röhre zurück, und zwar 
zu den Dimensionen von Gitter- und Anodenzylinder, 
für deren Radienverhältnis (Q) durch die Angaben 
in Abs. 2 der Wert 1:2 festgesetzt war. 

Es ist bekannt (17), daß dieses Verhältnis be- 
stimmte Grenzen nicht überschreiten darf, weil sonst 
Schwingungen ausbleiben. Weiter lehrt die Erfah- 


5) Bei Kapzov (7) verschwinden beim Kühlen mit flüssiger 
Luft die Weilenlängen, deren Ionen kondensiert werden. 
6) Vielleicht gelingt die Entwirrung bei größerer Erfahrung. 


rung, daß (bis auf zwei Fälle (18), bei denen leider 
keine näheren Dimensionsangaben gemacht sind) nur 
Rohre mit zylinderförmigem Gitter und ebensolcher 
Anode schwingfähig sind. Beides wird verständlich, 
wenn man sich den Feldverlauf vergegenwärtigt. Zu- 
nächst jedoch sei zur Feldverteilung folgende zusätz- 
liche Bemerkung gegeben. Wie in Abs. 3 gesagt und 
in Bild 2 zu sehen ist, liegt vor der Anode eine positive 
Doppelschicht. Elektronen, die gegen die Anode an- 
laufen, haben ein „Bremsfeld“ vor sich, dessen Höhe 


Saab. 
x Umkehrpunkte d Elektronen 


Bild 10. 


Bild 7—10. 
Feldverteilung bei verschiedenem Durchmesserverhältnis und 
verschiedener Anodenspannung. 


nicht gleich der Spannungsangabe eines dort ein- 
geschalteten Voltmeters, sondern das um die Höhe 
der DS zu erniedrigen ist. Das Voltmeter mißt ja 
ausschließlich Potentiale zwischen metallischen Elek- 
troden, niemals aber solche DS, deren Existenz und 
Größe nur auf Umwegen und jedenfalls nicht mit 
einfachen Mitteln erschlossen werden kann. In den 
nun folgenden Bildern sind die DS, die ganz außer- 
ordentlich dicht an den Elektroden liegen [Bild 2 
übertrieb die Abstände ungeheuer], nicht mehr selbst 
zur Darstellung gebracht, sondern es sind als Ordi- 
naten einfach die Differenzen: angelegte Spannung 
minus DS aufgetragen. Dabei ist in Bild 7 bis 9 
Ex = 0, E = 100 — 20 = 80, Ea = — 20 + 20 
= 0 Volt angenommen, in Bild 10 ist Ea „effektiv“, 


8 | | Paul Knipping: 


also unter Einrechnung der DS = 0, — 50 und — 100 
Volt, ferner ist das Durchmesserverhältnis (0) in 
Bild 7 zu 1:4, in Bild 8 und 10 zu 2:4 und in Bild 9 
zu 3:4 angenommen. Im Fall des Bildes 8 (Q = 2:4) 
bemerkt man, wie die Elektronen gleich zu Anfang 
beim Verlassen der RLZ außerordentlich stark be- 
schleunigt und im „Gegenfeld“ ungefähr ebenso 
schnell abgebremst werden. Dies hat zur Folge, daß 
die Schwingung nahezu eine harmonische ist und 
eine wohldefinierte und scharfe Resonanzkurve auf- 
weist. Verschiebt sich aber Q nach 1:4 (Bild 7) oder 
nach 3:4 (Bild 9), so entnimmt man den Feldkurven, 
daß einmal eine enorme Beschleunigung, danach aber 
eine viel geringere Verzögerung stattfindet (bei Q 
= 1:4) oder umgekehrt (bei Q = 3:4). Sofern unter 
diesen Umständen überhaupt noch Schwingungen 
auftreten, werden sie keineswegs so scharfe Reso- 
nanzkurven mehr haben wie im ersten Fall. Man 
erkennt ganz allgemein, daß, ie mehr sich Q von 
einem „optimalen Wert“ entfernt, um so breiter und 
verwaschener die Resonanz ausfällt (19) und bei 
noch ungünstigeren Verhältnissen sich überhaupt keine 
Schwingungen ausbilden. Weiter findet man, daß in 
solchen ungünstigen Fällen noch Schwingungen ent- 
stehen, wenn man nur die Feldkurven passend „ver- 
legt“. Dies ist in Bild 7 durch die gestrichelte Kurve 
angedeutet, die zu einem stark negativen Xe gehört. 
Durch diese Maßnahme, die sich wohl in allen Ex- 
perimentalarbeiten findet, wird die Symmetrie in den 
für die Schwingungen wesentlichen Teilen des Kurven- 
verlaufs wiederhergestelli. Indessen ist hier auf fol- 
gendes zu achten, worauf bereits im Abs. HH hingewig- 
sen war: Da der Umkehrpunkt der Elektronen an der 
Anodenseite (in den Bildern 7 und 10 durch kleine 
Kreuze bezeichnet) nicht mehr dicht vor der Anode 
liegt, wie dies der Fall ist, wenn Er = Ea „effektiv“ 
ist, so muß in Formel (d) Abs. 2 auch ein „redu- 
zierter“ Radius eingesetzt werden, wie dies bereits 


B.-K. gemacht haben, soll der Wert für 4 richtig 
herauskommen. Die häufixe vorkommende Abwei- 


chung 2 (eperim.) < 2 (berechnet) (1.20) findet hier- 
durch eine anschauliche Erklärung. 


16. EinfluB der Stärke des Heizstroms. 


Bei dieser Gelegenheit sei auch die Abhängig- 
keit der Wellenlänge vom Heizstrom besprochen, 
obwohl dies eigentlich nicht hierher gehört. Je stär- 
ker die Heizung, um so mehr Elektronen treten aus 
dem Glühdraht, um so stärker wird die Raumladung’) 
und um so weiter rückt diese und mit ihr die Zone 
der lonisierung, gleichfalls die Umkehrzone der 
schwingenden Elektronen vom Glühdralit nach außen. 
Dies ergibt in gleicher Weise wie vorhin bei der 
Betrachtung der Anodenseite eine Verkürzung der 
Wellenlänge, die ebenfalls schon durch die Versuche 
von B.-K. (1) bekannt ist. 


17. Einfluß der Elektrodenanordnung. 


Die Notwendigkeit zylindrischer Symmetric 
ist jetzt gleichfalls verständlich. Bei jeder anderen 
Anordnung ist die Feldverteilung, auf die cs doch 


ganz wesentlich ankommt, so ungünstig, daß in der 


T) Vgl. auch Abs. 19. Die RLZ kann dann ganz weit von der 
Kathode fortrücken. 


Regel die für Schwingungserzeugung nötigen Ver 
hältnisse nicht vorhanden sind. 


18. Sekundär- und Photoemission. 


Nun sollen noch in Kürze und mehr der Vollständig 
keit halber zwei Punkte behandelt werden: die si- 
kundäre Elektronenemission und die Emission vr 
Photoelektronen. Der sog. „Photoeffekt“ (8) ist eir 
Folge der in Abs. 4 erwähnten Lichtausstralimung a 
geregter Atome. Wir müssen uns vorstellen, dż 
„zeitweise“ (!) das ganze Rohr mit unsichtbarer 
ultravioletten Licht erfüllt ist. Wenn dieses auf di 
Elektroden trifft, so senden sie die Photoelektront 
aus. Dieser Vorgang ist außerordentlich komplizier 
und soll mit Stillschweigen übergangen werden. Di 
„sekundäre Elektronenemission“ (3) tritt ein, wen 
Primärelektronen genügend hoher Geschwindigkei]- 
auf irgendwelche Elektroden auftreffen. Als Quelle 
hierfür kommen nur Gitter und, wenn das Rolr| 
schwingt und ein Elektronenstrom zur Anode fliett. 
auch diese in Frage. Die beiden Ströme haben, wi! 
cin UVeberschlag zeigt, in der Regel keine große B:- - 
deutung gegenüber dem viel kräftigeren primär 
Flektronenstrom des Glühdralites, so daß wir si 
außer Betracht lassen. Außerdem sind bei der 
Photoströmen die Phasenverhältnisse verwickelte 
Natur und hängen obendrein noch von der sog. „Ver 
weilzeit“ (S, 21) ab, deren ungenaue Kenntnis jei 
Rechnung vereitelt. | 


mee e EEE —Ř a — E E EA 
3 ; p .. . .. . . ` ..- A, $ x = 3 


19. Elektronenschwingungen. | 
Wenden wir uns nun den Schwingungen selb 
zu. Da nach Abs. 10 und Bild 6 die gesamten Qas- 
reste um Kathode und Anode konzentriert sind, im 
übrigen Raum extremes Hochvakuımn herrscht. kön- 
nen die Elektronen praktisch ohne Behinderung durch | 
das Gitter hin- und herpendeln. Die Annahme wir 
dann erlaubt sein, daß zunächst nur diejenigen von 
ihnen dem Schwingvorgang entzogen werden, dit 
„zufällig“ auf dem Gitter landen. Das Verhältnis der 
schwingenden zu den auftreffenden wird wohl m]. 
Verhältnis der Gitteröffnungen zu den Gitterhinder- | 
nissen stehen, es mag mit 100:1 vielleicht richtig ge 
schätzt sein. Durch die Wirkung der negativen Dor- 
pelschicht auf den Gitterdrähten (vgl. Abs. 3, Bild ©. 
mag es auf 1000:1 steigen. Ferner sei Ja = 0: & 
gehen keine Elektronen an der Anode verloren. Dan 
schwingt jedes einzelne primäre Elektron durch- |’ 
schnittlich 1000 mal hin und her, ehe es aus dem Vor- 
gang ausscheidet. (In ähnlicher Form hat diesen (k- , 
danken Kirchner (22) ausgesprochen.) Wie sollt | 
man ihm überhaupt ansehen, wie oft es hin- und her- 
schwingt? (Eine exakte Lösung ergäbe sich durt |: 
eine mathematische Behandlung.) Rechnen wir der |: 
Emissionsstrom zu 50 mA, so heißt das obige nichts !: 
weniger, als daß in der Röhre zwischen Kathode u: ` 
Anode ein Hochfrequenzstrom von der erstaunlich! - 
Stärke von 50 Ampere in allseitig radikaler Richtun: 
schwingt! Die 50 mA Emissionsstrom entsprecht! 
50-10=".1,6-10°° —= rund 80.10'" Elektronen pe 
Sekunde, das sind pro einzelne Schwingung dr |: 


3.10°-te Teil = 25.10°, wegen der 1000 Schwingen |: 


gen bis zur Ausscheidung 25.10'' Elektronen P - 
Schwingung. Rechnen wir mit einem Druck dv ` 
Restgases von 0,000076 mm Hg, also einem knapp” 


Iıntausendstel mm = 10" Atmosphären, so sind in 
nem cm” noch 28. 10'°:10° = 28.10'' Moleküle, in 
or gesamten Röhre, die 25 cm” Inhalt habe, sind 
ann 700.10'* Moleküle vorhanden. Von dieser gro- 
'n Zahl wird bei jeder Elektronenschwingung durch 
nen kleinen Bruchteil der Elektronen, sagen wir 
yrsichtig den millionsten Teil, ein Bruchteil von 
tomen ionisiert, nämlich rund 3.10° Atome, die aus 
:m Raum um das Gitter „herausgepumpt“ werden. 
ies geht nach einer Exponentialfunktion vor sich, 
ıd eine einfache Rechnung zeigt, daß trotz der gro- 
:n Zahlen doch nach wenigen tausend Schwingun- 
:n, also nach einem winzigen Teil einer Sekunde, 
ıs Vakuum schon um mehrere Zehnerpotenzen höher 
:worden ist. Diese „Pumpe“ arbeitet demnach mit 
ıßerordentlicher Geschwindigkeit. Eine genaue Be- 
achtung lehrt, daß man mit einer gegebenen Strom- 
ärke ein Grenzvakuum erreicht, was mit den bei 
an Elektronenstößen wirksamen Querschnitten (8) 
ıd dem „Nutzeffekt“ (9) der lonisierung zusammen- 
ingt. 


Bild 11. 
Strahlungsfeld eines Strahlers nullter Ordnung. 


D). u. 21. Zusammenfassung des bisherigen, Strahler 
nullter Ordnung und sein akustisches Analogon. 
Nachdem wir bisher verschiedene Finzelvorgänge 
chandelt hatten, wollen wir in einer kurzen Zu- 
ımmenfassung die Betriebsweise ciner B.-K.-Rölıre 
leendermaßen formulicren: Die Primäreclek- 
ronen treten im Takt der Schwingeun- 
en aus dem Glühdraht aus (Abs. 7) und 
liegen vermöge des extremen Hoch- 
akuums (Abs 10) und der negativen 
Ioppelschichten auf dem Gitter (Abs. 3) 
ehr oft (Abs. 19) durch dieses hin und 
er, ehe sie ausscheiden Im zleichen 
akt wird die Raumladung zerstört 
Abs. 7), und zwar in einer Phase gegen- 
ber dem Elektronentakt, daß die fri- 
chen Elektronenimmerin laktmitden 
chon vorhandenen sind. Im gleichen 
akt schwankt das Potential des Ano- 
enzylinders Die Schwingungsdauer 
ingt weder von Kapazitäten noch In- 
uktivitäten ab. Nicht Leitungsteile 
trahlen Energie in den Außenraum ab 
vorausgesetzt, dab man die Röhre für sich betrach- 
t) Sondern dies besorgt allein der 


Ueber Barkhausen-Kurz-Wellen. 9 


Anodenzylinder mit seinem Wechsel- 
potential. Das heißt: die B.-K.-Röhre 
ist ein Strahler nullter Ordnung (23). 
Eine solche Röhre arbeitet danach grundsätzlich an- 
ders wie irgendeine Senderöhre oder Sendeanord- 
nung. Das Außenfeld sieht ebenso grundverschieden 
von dem gewöhnlichen Senderfeld aus: es ist, auch 
in den kleinsten Abständen von der Röhre, rein 
kugelsymmetrisch (Bild 11). Deshalb ist auch das 
meist verwandte Lechersystem nicht der geeignete 
Auffänger. B.-K. (1) konnten (allerdings mit einer 
„Antenne“ an ihrer Röhre) ohne Verstärkung über 
600 Meter telegraphieren und über 300 Meter tele- 
phonieren, wobei als Auffänger ein linearer Oszilla- 
tor benutzt wurde. Heute reicht nach der Angabe 
vieler Autoren die Schwingungsenergie auf dem 
Lechersystem manchmal nach ein paar Metern 
nicht mehr zum Ablesen aus. Für den Strahler null- 
ter Ordnung spricht weiter die Tatsache (24), daß 
B.-K.-Schwingungen auch bei isolierter Anode auf- 
treten. 


21. Die B.-K.-Röhre und ihr Außenfeld finden ihr 
(akustisches) Analogon in einem speziellen Unter- 
wasserschallsender, den man sich in folgender Weise 
vorstellen kann: Eine unter Wasser und mit Druck- 
wasser betriebene Sirene sendet bei jedem Offen- 
stehen ihrer Lochreihen Druckwellen aus, die von 
den einzelnen Löchern ausgehen und die sich in 
irgendeiner Weise überlagern. Die Hauptenergie- 
richtung liegt unter diesen Umständen jedenfalls in 
der Richtung der austretenden Wasserstrahlen, die 
Energieverteilung ist nicht kugelsymmetrisch. Bringt 
man aber die Sirene in eine völlig mit Wasser ge- 
füllte dünnwandige, nachgiebige Hohlkugel, die nur 
kleine Oeffnungen zum Austritt des Verbrauchs- 
wassers hat, so übertragen sich die Druckstöße durch 
die fast unkompressible Wasserfüllung auf die Ku- 
gelwand, die sie aufnimmt und jetzt die Energie 
gleichmäßig nach allen Seiten ausstrahlt (23). 


22. Diodenschwingungen. 


Wenn wir uns zu dieser (allerdings ganz 
extremen) Auffassung der B.-K.-Röhre bekennen, so 
wird uns auch die Arbeitsweise einer ohne Magnet- 
feld schwingenden Diode (10, 25) klar, die sich von 
der Triode durch das Fehlen des Gitters unterschei- 
det (die wir als Einschaltung hier kurz beschreiben, 
obwohl sie streng genommen nicht hierher gehört). 
Von Elektronenpendelungen kann bei ihr unmöglich 
die Rede sein, sondern wir haben einen scheinbar ste- 
tigen, in Wirklichkeit aber unstetigen Elektronenfluß 
vom Glühdraht zur Anode. Die Ausstrahlung der 
Diode hat daher den gleichen Charakter wie der 
Triode. Dagegen ist ihre Arbeitsweise (die Schwin- 
gungen gehorchen der Thomsonschen Formel nicht!) 
wieder total verschieden von allem bisher überlegten. 
Sie wird durch Bild 12 bis 14 veranschaulicht. Gleich- 
zeitig kann man in Bild 12 sehen, wie auch bei der 
Triode der erste Anlaß zu Schwingungen gegeben 
wird (vgl. Abs. 7). Wenn nämlich die ersten überhaupt 
erzeugten lonen die RLZ erreichen, sendet der Glüh- 
draht einen verstärkten Elektronenstrom aus (Bild 12, 
Phase 3 und 4), worauf sich bei der zweitmaligen 
lonisierung die Verhältnisse in gleicher Weise, nur 


u Ver Sr Fe zen 


10 


potenziert abspielen (Bild 13). Von diesem Bild unter- 
scheidet sich 14 allein durch die andere, uns nun 
bekannte Verteilung der Gasreste und das Aufhören 
oder wenigstens Kleinerwerden des stetigen Elek- 
tronenstroms. Bei der Diode wird auch ein Extrem- 
vakuum erzeugt, Elektronenschwingungen sind 
bei dem „Pumpvorgang“ durchaus nicht erforderlich. 
Die Diode hat also nach dieser Auffassung ziemlich 
die gleiche „Einlaufzeit“ wie die Triode. Diese Zeit 
ist bei beiden Röhren meßbar, wenn man als Æ% nicht 
Gleich-, sondern Wechselspannung verwendet und 
deren Frequenz steigert, bis das Rohr nicht mehr 


schwingt, wie es schon Wechsung (26) getan 
U J 
| A 5 E 4 bas 
ii $7 kiu 
Ne £leKtronen 
VATA! tJ/onen 
AK 
AVAN 


Bewegung der Elektronen, — -Ionen und Gasreste in einer Diode. 
K = Kathode, A = Anode, J= lonisierungszone. 
Bild 12. Bild 13. Bild 14. 
Beim Einschalten. Kurze Zeit später. Beim vollen Schwingen. 


hat, allerdings ohne daraus Schlüsse wie den genann- 
ten zu ziehen. Aber die Diode hat einen kleineren 
Spielraum für den Schwingungsbereich, man kann 
Größenverhältnisse, Gasdruck und Spannungen nicht 
in dem Maß variieren wie bei Trioden. Könnte man 
von beiden Oszillogramme aufnehmen, so fände man 
(Bild 15 und 16), daß die Triode eine mehr oder we- 
niger sinusförmige (vgl. Abs. 23), die Diode eine 
zackenförmige (27) Charakteristik hat. Dem ent- 
sprechend hätte man für die Diode eine schärfere 
Resonanzkurve zu erwarten. 


23. Der Anodenstrom. 


Zum vollen Verständnis der Triode, zu der 
wir zurückkehren, fehlt uns jetzt nur noch ein 
wesentlicher Punkt: die Aufklärung der so rätselhaft 


Potential der Anode Potential derAnode 


Zer Ze 


Bild 15. Bild 16. 


Oszillogramm einer 
Triode. 


Diode. 

scheinenden Elektronenströme, die an der Anode 
nach außen abfließen, wenn das Rohr schwingt, trotz- 
dem die Anode ein negatives Potential hat. Hierin 
liegt aber gar nichts geheimnisvolles, sowie man die 
positive Doppelschicht vor der Anode im Auge be- 
hält und sich ferner klar macht, daß alle vorher ge- 
zcichneten Feldverteilungskurven nur für den statio- 
nären Fall Geltung hatten. Hierin lag eine bequeme 
Idealisierung, eine Vereinfachung, die vorher gerecht- 
fertigt war, die aber jetzt fallen mußt). Indem näm- 
lich der in Abs. 19 genannte Hochfrequenzstrom hin- 
und herschwingt, verschiebt er die Potentiale der 


8) Worauf schon Benham und Mülleru. Tank hinwiesen(28) 


Paul Knipping: 


Elektroden im gleichen Takt und um erhebliche Be- ~X, 
träge, wodurch ja gerade die Ausstrahlung zustande- | 
kommt. Dies bringen die Bilder 17-19 zum Ausdruck. į 
in denen £x (stationär) = /;. (stationär und effekt) E 
= 0 Volt und E, (effektiv) = 100 Volt ist. Der f 
jeweilige Ort der größten Elektronendichte ist durch r 
starke Pfeile angegeben, die stationäre Feldkurve in L 
Bild 18 punktiert eingetragen. Ueber die stationäre `, 
Kurve läuft sozusagen ein Wellenzug und verschiebt |" 
— was für uns besonders bedeutungsvoll ist — die J. 
Fußpunkte an der Kathode und Anode. Das Tiefer- f 
rücken an der Kathode, allerdings verbunden mit ver- f. 
stärkter RL, in Bild 17 bedeutet erhöhte Emission, |” 
das entsprechende Höherrücken an der Anode heißt: 
hier können die Elektronen, die noch auf die a 
| 


K G A A 


Bild 17. 


Verschiebung der Feldverteilungs - 
kurven beim Schwingzusiand 


H-Kathode G=-Gilter, A=- Anode 
î Orf grosster Flektromendichte 


Bild 19. 
zufliegen, nach außen austreten. In Bild 19 haben f: 
sich die Verhältnisse gerade umgekehrt. Diese Be- «. 


tronenschwingungen auch noch sto B weise 

Elektronenemission der Diode auch bei der Triode 

möglich ist. Beide Vorgänge können sich überlagern. 

wie weit der eine oder beide gleichzeitig (ie nach 

den Betriebsbedingungen) vorliegen, mag unerörtert ' 
bleiben. Beachtet man nun noch die positive Doppel- |° 
schicht vor der Anode, von der wir gesagt haben 
daß sie das dortige Potential effektiv positiver | 
macht, so finden wir, daß hier zu „gewissen“ Zeiten ; 
Elektronen abfließen können. Die Stärke dieses Stro- 
mes hängt selbstverständlich vom Potential der 
Anode, ferner von der Höhe der Doppelschicht (man 
bedenke hier auch, welche Rolle die negative DS auf 
der Außenseite des Gitters spielt) und der Höhe der 
Potentialschwankungen ab, dann aber von 


trachtung belehrt uns darüber. da außer den Elek- | 


noch 


— 
"Wian -——— 


‘endwelchen Phasenverhältnissen, von denen wir 
zt wissen (28), daß sie höchst verwickelter Natur 
id. Sagen wir kurz: der Anodenstrom hängt von 
r Form der Oszillographenkurve (Bild 13) ab. Es 
ire möglich, dies Bild zu erweitern, indem man 
ch noch die Potentialschwankungen an den Elek- 
„den und Gitter- und Anodenströme darstellte. 
erdurch vermöchte die Frage des Anodenstroms 
ad seiner Abhängigkeit von Eg, Ea und weiteren 
ırametern restlos geklärt werden, doch wollen wir, 
te durch saubere Messungen sichere Grundlagen 
erzu geschaffen sind, an dieser Stelle die Frage 
cht weiterspinnen. 


24. Uebersicht. 
Vergegenwärtigen wir uns zum Schluß noch 
nmal die Größen, durch welche die Wellenlänge 
i der B.-K.-Schaltung bestimmt wird. Wir haben 


eren kontinuierlich undsprunghaftver- 


nderliche. 

Beginnen wir mit den gegebenen Daten jedes 
öhrenindividuums, mit Q = %4 : fa, dem gegeben 
iasdruck und der gegeben Gaszusammensetzung. 
'n der Röhre haben wir die rein elektrischen Größen 
`p Ea, In Tesp Io, weiter de Geschwindig- 
eiten der beteiligten lonen und deren 
ugehörige Jonisierungsspannungen, dazu 
ommen die (sicher auch pulsierenden) DS auf Gitter 
nd Anode, die unstetige, stoßweise Elektronen- 
mission, nach anderer Auffassung (29) Kapazität 
iitter-Anode und Induktivität ihrer Verbindungs- 
situngen, ferner die Dielektrizitätskonstante (30) des 
lektronengases und ihre Veränderlichkeit, Phasen- 
ınterschiede zwischen Strom und Spannung (28, 33), 
chwingende Raumladung (31), zuletzt im Außen- 
reis ein mehr oder weniger abgestimmtes System 
32) mit Kapazität und Induktivität, Kopplung, Dämp- 
ung, so bemerken wir, es sind deren nicht ganz we- 
nige. Durch ihre große Zahl und die Mannigfaltig- 
keit der durch sie hervorgerufenen Erscheinungen 
wird das Verständnis auch anscheinend einfacher 
Vorgänge ungeheuer erschwert (selbst wenn es ge- 
lang, einige der Parameter auszuschalten), wenn 
man keinen geeigneten Wegweiser besitzt. 
= Das Gesamtsystem stellt sich auf einen be- 
‘stimmten Schwingungszustand ein, wählt eine 
Wellenlänge bestimmter Intensität aus, nicht Einzel- 
teile. Je nach den mitwirkenden Faktoren ist die 
Wellenlänge von Eg abhängig oder nicht, oder man 
hat einen Strahler nullter oder erster Ordnung vor 
sich. 


25. Schluß. 


Zu guter Letzt soll kurz auf einen Punkt hingewie- 
sen werden, der Bezug auf die hier vorgebrachten 
Anschauungen zu haben scheint. Die Ueberlegungen 
von Abs. 10 gaben uns ein Mittel, Räume zu evaku- 
ieren. Bei dem niedrigsten sicher gemessenen Vakuum 
von 10° mm oder 10-!! Atmosphären sind im cm? immer 
noch 3.107 Moleküle vorhanden, von denen man 
noch einen großen Teil entfernen kann. Je schwerer 
die Moleküle, um so besser wird das Extremvakuum 
und um so schneller wird es erreicht. Vielleicht liegt 
hierin der tiefere Grund für den Erfolg des „Aus- 
waschens“ (34) von Vakuumapparaten mit Hg-Dampf 


Ueber Barkhausen-Kurz-Wellen. 11 


und Elektronen. Selbstevakuierungsvorgänge findet 
man allenthalben, die in ähnlicher Weise erklärlich 
sind. Eine Röntgenröhre, ja eine gewöhnliche Glüh- 
lampe hat nach diesen Vorstellungen im Betrieb resp. 
nach dem ‚Klarbrennen“ ein besseres Vakuum wie 
nach der Fabrikation. Hier ist möglicherweise auch 
die Wirkungsweise der „Getter“ zu suchen. Man 
versteht hierunter bestimmte, ausgewählte Substan- 
zen (roter Phosphor ist wohl der älteste Repräsen- 
tant), die man absichtlich in kleinen Mengen in einen 
zu evakuierenden Apparat einbringt. Beim Brennen 
der Glühdrähte und Durchfließen eines Elektronen- 
stroms wird die Substanz verdampft, ionisiert und die 
lonen werden an unschädliche Stellen geschafft (35). 


Zusammenfassung. 


Es wird versucht, das Zustandekommen der 
Barkhausen-Kurz-Schwingungen auf atom- 
und elektronentheoretischer Grundlage zu verstehen. 
Dabei ergibt sich, daß 

1. ein Gasrest notwendig ist, daß derselbe aber beim 
Schwingen zur Kathode und Anode verdrängt 
wird, während der Raum um das Gitter gasfrei ist; 

2. die Primärelektronen im Takt der Schwingungen 
aus dem Glühdraht austreten und sehr oft hin- 
und herpendeln, ehe sie ausscheiden. Im gleichen 
Takt wird durch Ionen (Rückkopplung) die Raum- 
ladung zerstört, und zwar in einer Phase gegen- 
über dem Elektronentakt, daß die frischen Elek- 
tronen stets in Phase mit den bereits vorhandenen 
schwingen. Gewisse, für die Ionen charakteristi- 
sche Konstanten bestimmen im Verein mit der 
Gitter- und Anodenspannung die Wellenlänge. 

3. die (antennenlose) Barkhausen - Kurz- 
Röhre vermöge des Wechselfeldes ihrer Anode 
(und auch die Diode ohne Magnetfeld) einen 
„Strahler nullter Ordnung“ vorstellt, deren 
Raumstrahlung kugelsymmetrisch ist. 

Im hiesigen Institut wird im Hinblick auf die hier 
vorgetragene Anschauung an einer Reihe von Fra- 
sen gearbeitet, resp. es werden Arbeiten in Angriff 
genommen, worüber bei Gelegenheit an dieser Stelle 
berichtet werden soll. 

In dieser Mitteilung, die aus einer Seminar- 
diskussion entstanden ist und die das Thema keines- 
wegs erschöpft, habe ich den Versuch unternommen, 
die Probleme von einer anderen Seite, als dies ge- 
wöhnlich geschieht, zu beleuchten und möglichst weit- 
greifend zu behandeln, wobei einige gewollte und 
bedauerlicherweise einige ungewollte Lücken geblie- 
ben sind. Ein Teil der hier vorgetragenen Gedanken 
findet sich bereits in der Literatur zertreut, einen Teil 
von schon bekannten mag ich als Nichtfachmann 
übersehen haben, einiges scheint mir neu. Ob dieses 
richtig ist, vermögen erst Versuche zu entscheiden. 


26. Literatur. 


1) H. Barkhausen und Kurz, Physikal. Ztschr. 21, S. 1, 
1920; siehe auchS. I. Zililinkewitsch, Arch. f. Elektro- 
techn. 15, S. 470, 1926. 

2) R. Whiddington, Rad. Rev. Nov. 1919, Proc. Cambr 
Phil. Soc. 19, S. 346, 1920. i 

3) Jedes moderne Lehrbuch. 

4) A. Katsch, Ztschr. f. Physik 32, S. 287, 1925. 

5) E. Gehrcke und R. Seeliger, Verh. Dt. Phys. Ges. 15, 
S. 438, 1913; J, Franck und G. Hertz, ebenda 15, 
S. 391, 1913, 


12 


6) W. Schottky, Physikal. Ztschr. 15, S. 624, 1914; A. 
Wehnelt und H. Bley, Ztschr. f. Phys. 35, S. 338, 1926. 
7) M. T. Grechowa, Ztschr. f. Physik 38, S. 621, 1926; 
N. Kapzow, Ztschr. f. Physik 35, S. 129, 1925; Cl. 
Schäfer und Merzkirch, Ztschr. f. Plıysik 13, S. 166, 
1923. H. E. Hollmann, Ann. d. Phys. (4) 86, S. 129, 
1928. 

8) J.Franck und P.Jordan, 
Band Ill. 

9) H. Sponer, Ztschr. f. Physik 7, S. 185, 1921; W. Hanle, 

Naturwissensch. 15, S. 832, 1927; von Hippel, Ann. d. 

Physik (4) 87, S. 1035, 1928. 

G. Mierdel, Physikal. Ztschr. 28, S. 344, 1927. 

J. W. Johnson, Ann. d. Physik 67, S. 154, 

W. Schottky, ebenda S. 157. 

12) M. T. Grechowa, Ztschr. f. Physik 35, S. 59, 1926; 
N. Kapzow, ebenda 35, S. 129, 1926; R. Whidding- 
ton, siehe 2; N, N. Nettleton, Proc. Nat. Acad. 
America 8, S. 353, 1922. 

13) E. Pierret, J. Phys. et Rad. (6) 8, S. 985, 1927, auch 
das Gegenteil kommt vor: Cl. Schäfer und Merzkirch, 
(siehe 7). 

14) Aehnlich, wenn auch mit anderer Deutung: F. N. New- 
man, Phil. Mag. (4) 44, S. 215, 1922; vgl. dazu auch 
F. Skaupy, Ztschr. f. Physik 2, S. 213, 1920. 

15) I. Langmuir, Am. Chem. Soc. 38, S. 2283, 1916, siehe 
auch M. Pirani, Ztschr. f. Physik 9, S. 327, 1922. 

16) R. W. Wood, Physikal. Ztschr. 13, S. 353, 1912. 

17) J. Sahänek, Physikal. Ztschr. 26, S. 368, 1925 und 29, 
S. 640, 1928. 

1S) W.1.Roımanoff, cbenda28, S. 770. 1927 und Cl. Schäfer 
und Merzkirch, (siehe 7)' 

19) H. E. Hollmann, (siche 7), Teil Il, § 6. 

20) N. Kapzov und S. Gwosdower, Ztschr. f. Physik 45, 
S. 114, 1927, Figur 8! und H. E. Hollmann, (siehe 7), 
Figur 13—14! 


Struktur der Materie, 


10) 
Il, 1922; 


P. von Handel, K. Krüger und H. Plendl: E 


21) W. Wien, Ann. d. Phys. (4) 83, S. 1, 1927, Fr. G. Slach 
Phys. Rev. (2) 28, S. 1. 1926 mißt direkt die Lebensdau:' 
angeregter H-Atome. 

22) Kirchner, Ann. d. Phys. 77, S. 287, 1925. 

23) F. Aigner, Unterwasserschalltechnik 1922. 

24) H. E. Hollmann, (siehe 7). , 

25) L. A.Pardue u. J. S.W e bb, Phys. Rev. (2) 32, S. 946, 1935, 
L. Tonks u. J. Langmuir, Phys. Rev. (2) 33, S. 195.19% 

26) W. Wechsung, Jahrb. f. drahtl. Telegr. u. Teleph. 3%. 
S. 85, 1928. 

27) Beobachtet von R. Bär, M. v. Laue und E. Meyer. 
Ztchr. f. Physik 20, S. 83, 1923. 


28) W. E. Benham, Phil. Mag. (7) 5. S. 641, 1928; Müller |" 


und F. Tank, Helv. Phys. Acta 1, S. 447, 1928. 


29) K. Kohl, Ann. d. Phys. 85, S. 1, 1928; Physikal. Ztsch | , 


28, S. 732, 1927; S. I. Zititinketitsch, (siehe auch |l 

30) K. Kohl, Ztschr. f. techn. Physik 9, S. 472, 1928. 

31) B. van der Pol, Physika 5, S. 1, 1925; Jahrb. d. draht! 
Telegr. u. Teleph. 25, S. 121, 1925; F. Tank u. E. Schild- 
knecht, Helv. Phys. Acta 1, S. 110, 1928. 

32) Typus von E. W. B. Gill und J. H. Morrell, Phi 
Mag (6) 44, S. 161, 1922; 49, S. 369, 1925; Jahrb. d 
drahtl. Telegr. u. Teleph. 27, S. 54, 1926. 


33) O. Pfetscher, Physikal Ztschr. 29, S. 449, 1928, siehe i 


auch 3". 

31) M. Pirani, Ztschr. f. Physik 9, S. 327, 1922; M. A. Schir- 
mann, Physikal. Ztschr. 27, S. 749, 1926. 

35) H. Simon, Ztschr. f. Techn. Physik 8, S. 431, 1927. 


Ausführliche Literaturhinweise finden sich in K. Kohl. Ann. ^. 
Physik. (4) 85. S. 1, 1928 und W. J. Romanoff, (siehe 15) 
und in H. E. Hollmann, Ztschr. f. Hochfr. 33, S. 27, 66 und 
101, 1929. 


Physikalisches Institut der Technischen Hochschul: 
Darınstadt. 
(Eingegangen am 30. Januar 1929.) 


Quarzsteuerung von Kurzwellen-Empfängern. 
Von P. von Handel, K. Krüger und H. Plendi. 


141. Bericht der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt, E. V., Berlin-Adlershof (Abteilung für Funkwesen |. 


und Elektrotechnik). ö 


Inhaltsangabe. 
Einleitung und Aufgabestellung. 
Frequenzstabilisierung: 
A. durch tonüberlagernde Quarzkristalle, 


B. durch hochfrequentüberlagernde Quarzkristalle. 
Schluß und Zusammenfassung. 


Einleitung. 


Die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt hat in 
den letzten Jahren auf die Brauchbarkeit der kurzen 
Wellen für den Verkehr mit Luftfahrzeugen in 
mehreren Veröffentlichungen!) hingewiesen. Es zeigte 
sich, daß bei Verwendung quarzgesteuerter Tele- 
graphiesender für eine Verbindung in Richtung vom 
Luftfahrzeug zum Boden verhältnismäßig sehr kleine 
Leistungen ausreichten, z. B. 2 Watt für einen durch- 
gehenden Verkehr bis zu etwa 600 oder 800 km. 
Hierbei erwies es sich als gleichgültig, ob das mit 

1) H. Faßbender, K. Krüger und H. Plendi. Natur- 
wissenschaften 15, S. 357, 1927; H. Plendl, Ztschr. f. techn. 
Physik 11, S. 456, 1927; H. Faßbender, l.uftfa'rtforschung 1. 
S. 121, 1928; K. Krüger und H. Plendi, Jahrb. d. drahıl, 
Telegr. u. Teleph. 31, S. 169, 1928; K. Krüger u. H. Plendi, 
Jahrb. d. drahıl. Tel. 33 S. 85, 1928; außerdem: Kurswellenversuche 
bei der Amrerikafəohrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin“ ETZ 50, 
S. 16, 1920, 


fester Dipolantenne ausgerüstete Luftfahrzeug wäh- j 


rend des Fluges in beliebiger Höhe sendete oder vor 
Start bzw. nach Landung vom Boden aus. Die 
Quarzsteuerung sorgte auch für Unabhängigkeit der 


ausgestrahlten Wellen von Erschütterungen jeglicher | 


Art, wie sie in Luftfahrzeugen, besonders Flugzeugen. 
nun einmal nicht zu vermeiden sind. Man ’ hatte am 
Empfangsort in der Tat keinerlei Kriterium dafür. ob 
sich das Flugzeug mit stillstehendem oder laufenden 
Motor am Boden 
Triebwerk in der Luft, da weder aus der Stärke noch 
aus der Klarheit des Empfangstones ein Schluß auf 
den augenblicklichen Bewegungszustand des Flug- 
zeuges zu ziehen war. 


Ein anderes Bild ergab sich jedoch für den Emp- 
fang eines Bodensenders in der fliegenden Maschine. 
Wenn auch hier nicht, wie früher von anderer Seite 
geglaubt und behauptet wurde, die Aufnahme von 
Kurzwellen-Zeichen völlig unmöglich war, so er 
wiesen sich doch eine Reihe von Faktoren von mehr 


oder minder störendem EinfluB auf einen sauberer , 


Empfang, nämlich Lärmgeräusche, Zündstörungen und 
Erschütterungen. 

Es galt nun Mittel zu finden, diese Störungsquellen 
in ihrer Auswirkung auf den Empfang möglich 
weitgehend unschädlich zu machen. 


ich 


| 
| 


befand, oder mit vollaufendem | 


J 
Ri 
Te 
og 
u 


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| A 
| 


-n 


© Als bestes Mittel gegenüber den an sich schwer 

bekämpfenden Lärmgeräuschen?) erwies sich eine 
bung der Zeichenstärke über die veränderte Reiz- 
-hwelle des Ohres hinaus, z. B. durch Zuschaltung 
aer weiteren Niederfrequenz-Verstärkerstufe. Be- 
glich der Störungen durch die Zündanlage des 
.otors zeigte sich, daß diese in den für die Versuche 
wıptsächlich verwendeten Metallflugzeugen im all- 
‚meinen nur einen geringen Einfluß auf den Emp- 
ng ausübten. Je reiner der von einem quarz- 
.:steuerten Sender im Empfänger hervorgerufene 
.eberlagerungston war, desto deutlicher hoben sich 
‘e Zeichen aus dem Störspiegel der Zündstörungen 
raus. 

Als schwer zu bekämpfende Störquellen erwiesen 
ch dagegen die Einflüsse der Erschütterungen. Bei 
ch so sorgfältiger Aufhängung der Empfänger in 
‚ummischnüren ergab sich stets während des Fluges 
‘ne mehr oder minder starke Zerstörung des Ueber- 
gerungstones, welche einen einwandfreien Empfang 
shinderte.e Die untersuchten Empfänger zeigten 
dese Erscheinung der Tonzerstörung in verschiede- 
əm Maße. Meist gaben gerade diejenigen Geräte, 
velche sich bei Aufstellung am Boden durch Kon- 
tanz und Empfindlichkeit auszeichneten, im Flug- 
eug einen rauhen, erschütterungsmodulierten Ton 
der gar völlig tonzerstörte Zeichen, welche sich aus 
em Störspiegel nur schlecht heraushoben. Andere 
mpfänger, welche weniger empfindlich waren, d. h. 
ine kleinere Lautstärke ergaben, zeigten meist einen 
eringeren Grad der Tonzerstörung. 

Durch wiederholte Versuche wurde festgestellt, 
aß die Erschütterungen nicht nur durch die Auf- 
‚ängung der Geräte übertragen wurden, sondern auch 
urch die Luft. Einzelne Empfänger zeigten beispiels- 
veise eine deutliche Mikrophonwirkung, man Konnte 
n angeschlossenen Kopfhörer ohne Schwierigkeit 
Vorte verstehen, welche gegen das Gehäuse ge- 
prochen wurden. Es genügten also ganz geringe 
‚rschütterungen, um auf den Empfang störend ein- 
uwirken. Setzte man einen solchen Empfänger in 
in Gehäuse mit Blei- und Kupferwänden, so wurden 
liese Einwirkungen sofort bedeutend verringert, da- 
ür ergaben sich iedoch Baugewichte, welche für 
¿inen Flugzeugempfänger nicht zugestanden werden 
(onnten. 

So blieb zunächst nichts anderes übrig, als die 
rschütterungsempfindlichkeit durch sorgfältige Bau- 
veise, durch Auswahl stabiler Einzelteile und Ver- 
neidung beweglicher Leitungen möglichst herab- 
„usetzen. Auf diese Weise wurden auch in der Tat 
“ortschritte erzielt, doch waren diese Erscheinungen 
0 schwierig zu beherrschen, daß von zwei genau 
seich gebauten Empfängern der eine sich bezüglich 
Srschütterungsempfindlichkeit ganz anders verhalten 
tonnte wie der andere. 

Ferner wurde beobachtet, daß ein Empfänger sich 
nit der Zeit verschlechterte, d. h. empfindlicher gegen 
Erschütterungen wurde. In einem anderen Fall zeigte 
ein recht brauchbares Gerät nach einer gering- 
fügigen, nur den Wellenbereich änaernden Umschal- 
tung plötzlich die Eigenschaft der Tonzerstörung in 
besonders hohem Maße. 


`) H. Faßbender und K. Krüger, Geräuschmessungen in 
Flugzeugen, Ztschr. f. techn. Physik 8, S. 277; 1927. 


Quarzsteuerung von Kurzwelien-Empfängern. 13 


Hinzu trat in den meisten Fällen noch eine 
andere, die Güte des Empfanges beeinträchtigende 
Erscheinung. Stellte man einen als gut bekannten 
Empfänger bei Abwesenheit von Erschütterungen auf 
einen Sender ein und bewegte dann das (Gerät in 
seiner Aufhängung ein wenig auf und ab, so kam der 
Ueberlagerungston im Rhythmus dieser Bewegungen 
ins Schwanken. Auch diese Erscheinung trat bei den 
verschiedenen Empfängern in verschiedenem Maße 
auf und war schwierig zu beseitigen. In manchen 
Fällen half eine Erdung des Metallgehäuses am Gerät, 
meist aber erwies sich dieses Mittel als unzureichend 
zur Behebung der Schwankungsempfindlichkeit. 

Während also für die kurzen Wellen die Sender- 
frage im Flugzeug bereits als in weiten (Grenzen ge- 
löst gelten konnte, befand sich die Entwicklung eines 


Bild 1. 
Schaltbild eines quarzgesteuerten Senders. 


brauchbaren Kurzwellen-Empfängers für Flugzeuge 
noch in den ersten Anfängen. 

Offenbar mußte zur Beseitigung der Erschütte- 
rungsempfindlichkeit nicht nur im Sender eine 
Frequenzstabilisierung vorgenommen werden, son- 
dern auch auf der Empfangsseite. Gelang dies, so 
konnten die auftretenden Vibrationen nicht mehr von 
derart nachteiligem Einfluß auf die Güte des Emp- 
fanges sein, denn tonzerstörend wirkten ja nur die 
von den Erschütterungen hervorgerufenen Frequenz- 
änderungen. Bei festgehaltener Frequenz mußte der 
Ueberlagerungston vielmehr musikalisch rein bleiben 
und konnte nur noch einer Amplitudenschwankung 
unterworfen sein, von der nicht anzunehmen war, 
daß sie sich nachteilig bemerkbar machen würde. 


Es lag nun der Gedanke nahe, die Frequenz- 
stabilisierung des Empfängers durch Quarzsteuerung 
vorzunehmen. Zu diesem Zwecke erschien in erster 
Linie die Entwicklung einer Methode nötig, welche 
gestattet, die Ueberlagerungsfrequenz des Empfängers 
in gewissen Grenzen stetig oder auch sprunghaft zu 
ändern, ohne jedoch die frequenzstabilisierende Eigen- 
schaft der Quarzsteuerung wesentlich herab- 
zumindern. Denn es ist zweckmäßig, die Ueber- 
lagerungstonhöhe des Empfängers beliebig einstellen 
zu können. Ueberdies ändert sich mit der Zeit der 
Ueberlagerungston durch verschiedene Erwärmung?) 
oder durch Verlagerung des Quarzkristalles innerhalb 
der Fassung, so daß die Ueberlagerungsfrequenz 
sogar über den Hörbarkeitsbereich hinaus gehen kann. 
Die Schwierigkeit, zwei oder mehrere Kristalle so 
genau zu schleifen, daß sie sich unter gleichen Be- 
dingungen tonüberlagern sowie auch die Schwierig- 


3) Vergl. hierzu F. Gerth und H. Rochow, Die Temperatur- 
abhängigkeit der Frequenz des Quarzresonators. E.N.T. 5, S. 549 bis 
551, 1928; Nr. 12, Daselbst auch weitere Literatur. 


14 


keit einer geeigneten Einrichtung für Konstanthaltung 
der Temperatur beider Quarze*) sollte aber nach 
Möglichkeit vermieden werden. 


A. Frequenzstabilisierung durch tonüberlagernde 
Quarzkristalle. 
Das oben geforderte Verhalten quarzgesteuerter 


Schwingungen läßt sich nun durch Einführung einer 
zusätzlichen Rückkopplung angenähert erreichen. 


Die einfache Schaltung eines quarzgesteuerten 
Senders, in der die Rückkopplung nur durch den 


P. von Handel, K. Krüger und H. Plendi: 


welche beide hinsichtlich der Quarzsteuerung gleich- 
wertig sind, erreicht werden. 

Diese beiden Schaltungen geben die zwei mög- 
lichen Wege. Bild 4 zeigt ein quarzgesteuertes 
Schwingaudion, welches mit Selbstüberlagerung 
arbeitet, Bild 5 stellt einen quarzgesteuerten Fremd- 
überlagerer dar, den man sich auf ein entdärmpftes 
Audion 'arbeitend denken muß. Diese beiden Wege 
getrennt 


werden im folgenden unter Abschnitt I und 2 
behandelt. 


Bild 2. 
Quarzgesteuerier Sender. Ersatzschaltbild des Quarzkristalles. 
Kristall selbst und die innere Röhrenkapazität von 
Gitter-Anode zustande kommt, zeigen die Bilder 1—3. 
In dieser Schaltung liegt der Quarzkristall direkt 
zwischen Gitter und Kathode. Die Drossel D in 
Bild 1—3 dient nur zur Ableitung des Gittergleich- 
stromes und soll für Hochfrequenz einen sehr hohen 
Widerstand darstellen, der daher bei der Betrachtung 
der Schwingungen nicht berücksichtigt zu werden 
braucht. Bild 1 zeigt den Kristall X in der üblichen 


Bild 4. 
Quarz;esteuertes Schwingaudion mit zusätzlicher Rückkopplung. 


In den Schaltungen Bild 4 und 5 transformiert die 
Koppelspule Z in bekannter Weise Wechselspannung 
aus dem Anodenschwingkreis an das Gitter oder aus 
dem Gitterschwingkreis an die Anode. In diesem 
Falle zeigen die Schwingungen ein in mancher Hin- 
sicht anderes Verhalten wie in der Schaltung nach 
Bild 1-3. Bei Durchdrehen des Abstimmkonden- 
sators C setzen die Schwingungen leichter ein als bei 


Bild 3. 


Quarzgesteuerter Sender. Darstellung der Impedanz des 
Quarzkiistalles. 


Darstellung, in Bild 2 ist das elektrische Ersatz- 
schaltbild des Kristalls gezeichnet, in Bild 3 der resul- 
tierende Blind- und Wirkwiderstand des Kristalls, 
welcher erforderlich ist, um eine stabile Schwingung 
zu ermöglichen. Man sieht, daß in Bild 3 die Schal- 
tung sich auf die bekannte Huth-Kühn- Schal- 
tung zurückführen läßt?). 

Die zusätzliche Rückkopplung besteht darin, daß 
zu der vom Schwingkreis über die Gitter-Anoden- 
kapazität dem Quarzkristall aufgedrückten Spannung 
noch eine phasengleiche oder wenig phasenverscho- 
bene Zusatzspannung in Serie geschaltet wird. Das 
kann zweckmäßig in Schaltungen wie Bild 4 oder 5, 


4) Eine größere Zahl von Quarzkristallen wurde für die vor- 
liegenden Untersuchungen von der Loewe-Radio G. m. b. H. 
vorbereitet und zur Verfügung gestellt. 

5) Eine genaue Untersuchung der Schwingvorgänge kristall- 
gesteuerter Sender soll in einer späteren Arbeit veröffentlicht 
werden. 


Bild 5. 


Quarzgesteuerter Sender (Fremdüberlagern) mit zusätzlicher 
Rückkopplung. 


Schaltung 1—3 und lassen sich überdies in gewissen 
Grenzen über die eigentliche Resonanzstelle des 
Schwingkreises mitziehen, wobei die Frequenz sich 
um einige hundert Hertz ändert, bis die Schwingungen 
plötzlich abreißen. 


Außerdem macht sich aber noclı eine andere Er- 
scheinung bemerkbar. Es ist bekannt, daß auch 
Kristalle in Schaltung nach Bild 1—3 nur dann ein- 
wellig sind, wenn sie sorgfältig geschliffen und aus- 
gewählt werden, während sonst sich häufig mehrere 
nahe beieinander liegende oder auch um einige Kilo- 
Hertz getrennte Schwingungen einstellen lassen, ein 
Zustand, der bei der Entwicklung quarzgesteuerter 
Sender sich oft höchst unangenehm bemerkbar 
machte. Es zeigt sich aber, daß auch Kristalle, die 
in Schaltung 1—3 einwellig und daher zu Sende- 
zwecken durchaus brauchbar sind, bei entsprechend 
starker zusätzlicher Rückkopplung sich in mehreren 


x u, as z 
Een u 


2 Quarzsteuerung von Kurzwellen-Empfängern. 15 


Wellen erregen lassen, welche ohne diese Zusatz- 
‘opplung nicht einsetzen. Im allgemeinen liegen 
-iese Wellen ganz dicht um die Hauptwelle herum 
-nd unterscheiden sich oft nur um wenige hundert 
‘lertz voneinander. Dies äußert sich dann in der 
Weise, daß bei Durchdrehen des Abstimmkonden- 
„ators C zunächst eine Welle einsetzt, die sich, wie 
„ben geschildert, mehrere hundert Hertz weit 
ziehen läßt, bis sprungartig die nächste Welle 
nit einem afhderen Ton einsetzt. Dieser Vorgang 
ann mit Hilfe eines konstanten Empfängers ab- 
‚sehört werden, der einmal eingestellt wird und da- 
saach unverändert bleibt. Dreht man nun den Kon- 
lensator C wieder zurück, so bleibt zunächst die 
' etzte Welle bestehen und ändert sich ihrerseits stetig 
„m allgemeinen um einige hundert Hertz, bis sprung- 
:aaft wieder die erste Welle einsetzt. Dreht man den 
Abstimmkondensator über einen größeren Bereich, 
;o kann man meist mehrere solcher sprunghaft sich 
‚indernder Schwingungen beobachten, wobei aller- 
'lings der Beobachtungsempfänger oft nachgestellt 


DUO 
O 


Bild 6. 
Ersatzschaltbild des Quarzkrisıalles. 


werden muß, da häufig die folgende Welle eine Ueber- 
lagerungsfrequenz ergibt, welche über der Hörbar- 
keitsgrenze liegt. 

-Mitunter zeigt sich beim Durchdrehen des Ab- 
stimmkondensators ein größerer Bereich, in dem 
keine Schwingungen einsetzen. Diese treten erst 
wieder bei weiter entfernt liegender Kondensatorstel- 
lung auf und meist folgen dann in deren unmittel- 
-barer Nähe wieder eine Anzahl anderer einstellbarer 
Schwingungen. So konnten z. B. bei einem Kristall 
der Nennwelle 46,28 m zwischen 46 und 47 Meter 
etwa 5 Wellen und zwischen 40 und 41 Meter un- 
gefähr wieder ebensoviele beobachtet werden. 


l. Quarzgesteuertes Schwingaudion. 

Das quarzgesteuerte Schwingaudion stellt, wie 
‚oben besprochen, einen der zwei möglichen Wege zur 
quarzgesteuerten Tonüberlagerung mit Zusatzrück- 
:kopplung dar. Die Wirkungsweise wurde bei Be- 
‚sprechung des Bildes 4, welches das Schaltbild zeigt, 
ausführlich erörtert. In dieser Schaltung war es bei 
allen der zahlreichen untersuchten Quarzkristalle 
möglich, durch verschiedene Abstimmung der Reihe 
-nach mehrere Quarzwellen nacheinander zu erregen. 
‘Verwendete man für Senden und Empfang Quarz- 
‘kristalle, deren Nennwellen nahe beieinander lagen, 
-so konnte man im allgemeinen eine oder mehrere 
 Quarzwellen im Empfänger einstellen, die sich mit 
-der Senderwelle tonüberlagerten. Der Ueberlage- 
‚rungston blieb völlig rein und konstant, selbst wenn 
‘der Empfänger kräftigen mechanischen und akusti- 
schen Erschütterungen ausgesetzt wurde, wie z. B. 
‘in der fliegenden Maschine. Jedoch machten sich 
‚einige nachteilige Erscheinungen bemerkbar. 


Zunächst zeigte sich, daß die erzielbare Laut- 
stärke ganz erheblich geringer war als bei Empfang 
ohne Kristall, und für einen praktischen Betrieb nicht 
ausreichte. Untersuchungen hierüber ergaben, daß 
die Amplituden der Eigenschwingung des nach Bild 4 
geschalteten quarzgesteuerten Empfängers bedeutend 
größer waren als die Amplituden eines gewöhnlichen 
am Einsatzpunkte schwingenden Audions. Der 
Quarzkristall setzte nämlich entweder überhaupt nicht 
ein oder aber gleich mit großer Amplitude, was die 
Audionwirkung stark abschwächte, da die Audion- 
röhre an einem Charakteristikpunkte und in einem 
Rückkopplungszustand arbeiten muß, wo die Schwin- 
gungen sehr weich oder indifferent sind. Der Kristall 
stellt nämlich auch in der Nähe seiner Resonanz- 
stelle, welche gegeben ist durch die Resonanz der 
Größen L, C,, R im Ersatzschaltbild (Bild 6) einen 
erheblichen Ohmschen Widerstand dar. Dieser ist 
definiert durch die Gleichung. 


_ oQ d Eo sd 
R= za p Q=1,39-10 p2 


wobei o die Dichte, @ die „Viskosität“, ıı die piezo- 
elektrische Konstante, d die Dicke und F die Fläche 
des Quarzkristalles bedeuten. Aus dieser Gleichung 
errechnet sich z. B. für einen Kristall von 50 m 
Wellenlänge und 4 cm? Fläche ein Ohmscher Wider- 
stand von etwa 1700 Q bei Resonanz °). 


Der Kristall muß also in Serie mit diesem Ohm- 
schen Widerstand resultierend eine hohe Induktivität 
darstellen, damit die hierdurch entstehende Rückkopp- 
lung in Reihe mit der zusätzlichen Rückkopplung der 
Spule Z zum Einsetzen der Schwingungen ausreicht. 
Sonst würden diese, durch den Ohmschen Widerstand 
des Kristalls behindert, niemals einsetzen können. Der 
Zustand läßt sich reproduzieren durch Einschalten 
eines entsprechenden Ohmschen Widerstandes in 
Serie mit einer Drossel an Stelle des Kristalls, wobei 
natürlich die Eigenschaft der Frequenzstabilisierung 
durch den Kristall in Fortfall kommt. Man sieht dann, 
daß sich die Lautstärke am Telephon gegenüber der 
bei gewöhnlichem Empfang in ähnlicher Weise redu- 
ziert, als hätte man den Empfänger ohne Kristall oder 
Ersatzglieder sehr stark rückgekoppelt. Auch dann 
nehmen natürlich die Amplituden der Eigenschwin- 
gung des Empfängers zu, die Lautstärke erheblich ab. 


Schließlich sei noch auf eine Erscheinung hin- 
gewiesen, die zwar weniger störend war als die 
Abnahme der Lautstärke, die aber immerhin auch 
nachteilig wirkte. Der quarzgesteuerte Empfänger 
ergab zwar einen reinen konstanten Ueberlagerungs- 
ton, war aber gegen kräftigere Erschütterungen stark 
amplitudenempfindlich geworden, was sich durch ein 
dumpf hallendes Geräusch im Hörer bemerkbar 
machte. Der Vorgang ist offenbar so, daß die Fre- 
quenz des Schwingaudions durch die Quarzsteuerung 
zwar weitgehend konstant gehalten wird, kräftige 
Vibrationen des Empfängergehäuses oder der Lei- 
tungen verstimmen aber so stark, daß bei konstanter 
Eigenfrequenz die Amplituden im Rlıythmus der Er- 
schütterungen schwanken und der sonst reine Ueber- 
lagerungston in seiner Amplitude durch diese Er- 
schütterungen moduliert wird. 


16 


2.QuarzgesteuerterFremdüberlagerer. 


Die geschilderten Nachteile machten es erforder- 
lich, das unter Abschnitt 1 behandelte Prinzip zu ver- 
lassen und den anderen möglichen Weg, den der 
quarzgesteuerten Fremdüberlagerung, einzuschlagen. 
Zu diesem Zwecke wurde ein Sender in Schaltung 
nach Bild 5 so stark zusätzlich rückgekoppelt, daß 
die oben geschilderte Erscheinung des Einsetzens 
mehrerer verschiedener Quarzwellen eintrat. Als 
Empfänger wurde ein gewöhnliches Audion (also ohne 
Quarzkristall) daneben gestellt und durch die Rück- 
kopplung bis an die Grenze des Einsetzens der Eigen- 
schwingungen entdämpft. Der quarzgesteuerte Sender 
arbeitete hierbei als Fremdüberlagerer, der Emp- 
fänger als Audion. Die Kopplung zwischen beiden 
Geräten konnte durch Regelung der Amplituden des 
Fremdüberlagerers und durch entsprechende Aende- 
rung der Entfernung beider Apparate eingestellt 
werden. Der durch Verwendung des Fremd- 
überlagerers erwartete Erfolg wurde zunächst er- 
reicht. Es ließ sich auch in der fliegenden, also er- 
schütterten Maschine ein Empfang mit reinem, 
frequenzkonstantem Ton erzielen, der in der Laut- 
stärke dem Empfang 
etwa gleichwertig war. Bei entsprechend eingestellter 
Kopplung zwischen Fremdüberlagerer und Audion 
machte sich hier keine Amplitudenempfindlichkeit 
bemerkbar. 

In bezug auf die Frequenzstabilisierung zeigte sich 
aber ein verschiedenes Verhalten der Hauptwelle und 
der Nebenwellen des Ueberlagerer-Kristalls. Bei Ver- 
wendung der Hauptwelle war der Ton beinahe ebenso 
empfindlich gegen Erschütterungen, als ohne Quarz- 
steuerung, da durch die Anwendung der Zusatzrück- 
kopplung die frequenzstabilisierende Wirkung des 
Quarzkristalls stark herabgemindert wird. Diese 
Eigenschaft zeigte sich dagegen nicht bei den durch 
die zusätzliche Rückkopplung erregbaren Kristall- 
nebenwellen; diese waren völlig stabil und un- 
empfindlich gegen Erschütterungen. 

Hier stellte sich aber eine neue Schwierigkeit ein: 
Die Eigenfrequenz von Quarzkristallen ist bekannt- 
lich abhängig von deren Temperatur. Für diese sind 
maßgebend die innere Erwärmung durch Verluste 
und die Außentemperatur. Die Verlustwärme ist ab- 
hängig von der Belastung des Kristalls. Hatte man 
durch Erregen einer Nebenwelle einen gut hörbaren 
Ueberlagerungston eingestellt, so änderte sich alsbald 
die Temperatur des Kristalls durch dessen Belastung 
und durch den Einfluß der Außentemperatur im Flug- 
zeug. Das äußerte sich in einer stetigen Aenderung 
der Tonhöhe, welche schließlich zu einem Aus- 
wandern des Tones über die Hörbarkeitsgrenze führte, 
ohne daß an der Einstellung des Empfängers etwas 
geändert wurde. Man war zwar in der Lage, durch 
den bereits geschilderten Vorgang des Mitziehens der 
Schwingungen bei zusätzlicher Rückkopplung die 
Tonhöhe in gewissen Grenzen nachzustellen. Da sich 
aber die Kristallfrequenz stetig im gleichen Sinne 
änderte, so konnte diese Maßnahme nur kurzzeitig 
Abhilfe schaffen. Es mußte daher die nächst folgende 
Kristallnebenwelle erregt werden, sobald der Ueber- 
lagerungston der ersten zu hoch geworden war. Im 
günstigen Falle erzielte man damit sofort eine neue 
Tonüberlagerung. Im allgemeinen aber gab diese 


P. von Handel, K. Krüger und H. Plendi: 


im gewöhnlichen Empfänger. 


neue Kristallfrequenz eine Ueberlagerung, die noch 
außerhalb der Hörbarkeitsgrenze lag, und es war vor- 
erst kein Empfang möglich. Ließ man nun die ganze 
Apparatur eine Weile unverändert, so wurde schließ- 
lich die Ueberlagerungsfrequenz dieser zweiten 
Nebenwelle hörbar, anfänglich mit sehr hohem Ton, 
dann allmählig tiefer und lauter werdend. Mit dieser 
zweiten Nebenwelle wiederholte sich nunmehr im all- 
gemeinen dasselbe Spiel wie vorher bei der ersten. 


Es zeigte sich also, daß infolge der Temperatur- 
abhängigkeit der Quarzfrequenzen zur Ermöglichung 
eines dauernden Empfangs die einzeln erregbaren 
Kristallnebenwellen nicht mehr als einige tausend 
Hertz auseinander liegen dürften, entsprechend dem 
gut hörbaren Tonbereich. Das war aber bei den zahl- 
reichen hier verwendeten Quarzkristallen nicht der 
Fall. Ein brauchbarer Empfang nach dieser Methode 
wäre also nur durch Temperaturkonstanz des Sender- 
und Empfänger-Quarzes zu erreichen. Gegen den 
Einfluß der Außentemperatur ließe sich durch ge- 
eignete Thermostaten, in die der Kristall mit Fassung 
gesetzt wird, ein wirksames Schutzmittel finden, 
wenn auch dessen Anwendung in Hinsicht auf Raum- 
beanspruchung und Einfachheit keine ideale Lösung 
ist, dort wo es sich um möglichst kleine und einfache 
Geräte handelt wie im Flugzeug. Dagegen stieße die 
Schaffung eines Ausgleiches für die innere Er- 
wärmung der Quarzkristalle, welche sich bei An- 
wendung des geschilderten Prinzipes nicht vermeiden 
läßt, schon auf sehr viel größere Schwierigkeiten. 
Denn es liegt im Wesen dieser Methode, daß durch 
die zusätzliche Rückkopplung und die veränderte Ab- 
stimmung, welche die verschiedenen Nebenwellen des 
Kristalles erregen, der Quarz mit verschiedenen 
Spannungen belastet wird und sich hierdurch im 
Lauf des Betriebes stets verschieden erwärmen 
muß. Aus diesen Gründen ist also ein betriebs- 
sicherer Zustand auch bei Empfang mit quarz- 
gesteuerter Fremdüberlagerung im NHörbarkeits- 
bereich mit einfachen Mitteln nicht erreichbar. 


B. Frequenzstabilisierung durch hochirequent- 
überlagernde Quarzkristalle. 


Die quarzgesteuerte Ueberlagerung mit zusätz- 
licher Rückkopplung, welche im Hörbarkeitsbereich 
arbeitet, führt, wie gezeigt, im praktischen Betrieb 
sowohl bei Anwendung von Selbstüberlagerung wie 
von Fremdüberlagerung zu Schwierigkeiten. Der 
Hauptnachteil besteht darin, daß man dem stetigen 
Auswandern des Ueberlagerungstones über die Hör- 
barkeitsgrenze praktisch machtlos gegenübersteht. 


Das eingangs gestellte Problem, einerseits die 
Eigenfrequenz des Empfängers zu stabilisieren, 
andererseits die Höhe des Empfangstones beliebig 
einstellen und nachstellen zu können, muß also auf 
einem anderen Wege gelöst werden. Die Lösung 
wird nicht dadurch erreicht, daß, wie in Abschnitt A. 
die Erfüllung dieser beiden Bedingungen in einer 
geeigneten Wirkungsweise des Quarzkristalles ge- 
sucht wird; bei der im folgenden behandelten 
Methode wirkt vielmehr der Quarzkristall nur als 
Frequenzstabilisator, während die Forderung der 
Einstellbarkeit der Empfangstonhöhe durch andere, 
hiervon unabhängige Mittel erreicht wird: 


BEER E 


\ 


Quarzsteuerung von Kurzwellen-Empfängern. i 17 


Die Quarzwellen von Sender und Empfänger 
werden derart gewählt, daß sie sich hochfrequent 
überlagern. Diese Ueberlagerungsfrequenz entspricht 
einer langen Welle und ist hier als Zwischenfrequenz 
aufzufassen, die durch ein Langwellen-Audion hörbar 
gemacht wird. Der tonreine Empfang einer langen 
Welle bietet aber keine besonderen Schwierigkeiten. 
Bei diesem Prinzip ist die Eigenfrequenz des Emp- 
fängers auf der kurzen Welle durch den Quarzkristall 
stabilisiert und die Höhe des Empfangstones kann am 
Langwellen-Audion beliebig ein- und nachgestellt 
werden. 

Zur Erprobung dieses Prinzips wurde folgende 
Versuchsanordnung verwendet. 

Kurzmwellen -Audion 


lagerer arbeitet hier jedoch ohne Zusatz-Rückkopp- 
lung, wodurch der Kristall nur in seiner Hauptwelle 
schwingen und dadurch sehr schwach belastet 
werden kann. Diese Belastung ist außerdem kon- 
stant, da im Gegensatz zu früher die Einstellung 
dieses Gerätes im Betriebe unverändert bleibt. Das 
hat zur Folge, daß die innere Erwärmung des 
Kristalles gering ist, nach einer gewissen Zeit einen 
Gleichgewichtszustand erreicht und daß somit die 
Frequenzänderung im wesentlichen nur von Schwan- 
kungen der Außentemperatur abhängt. 

Diese Frequenzänderungen bei Sender und Emp- 
fänger sind hier also erheblich geringer als bei den 
früheren Anordnungen und verschwinden im all- 


Langwellen - Audıon 


Fremdüberlagerer 


quarz gesleuerl 


Bild 7. 
Quarzgesteuerter Kurzwellenempfänger mit Zwischenfrequenz. 


Die Bodenstation bestand, genau wie bei den 
früher geschilderten Versuchen, aus einem quarz- 
gesteuerten Sender mit feststehender Welle. 
Empfangsseitig im Flugzeug wurde ein Aufbau, wie 
ihn Bild 7 zeigt, verwendet. Das Kurzwellen-Audion‘) 
arbeitete in nicht schwingendem Zustand, jedoch mit 
starker Dämpfungsreduktion hart am Einsatzpunkt 
der Schwingungen und war auf die Sendewelle ab- 
gestimmt. Die vom quarzgesteuerten Fremdüber- 
lagerer‘) erzeugte Zwischenfrequenz hatte eine 
Wellenlänge von etwa 2000 m. Die Kopplung 
zwischen Kurzwellen-Audion und quarzgesteuertem 
Fremdüberlagerer konnte beliebig eingestellt werden. 
Der Ausgang des Kurzwellen-Audions war induktiv 
an den Gitterkreis eines Langwellen-Audions?) ge- 
koppelt, das auf die Zwischenfrequenz (2000 m) ab- 
gestimmt wurde. Hinter das Zwischenfrequenzaudion 
waren zwei bis drei Niederfrequenz-Verstärker- 
stufen?) geschaltet. 

Die Anordnung ist auch hier durch Quarz- 
steuerung der Kurzwellenstufe unempfindlich gegen 
Frschütterungen. Der quarzgesteuerte Fremdüber- 


6) Hierfür wurde u. a. das Gegentaktaudion des Kurzwellen- 
Empfängers Telefunken Gr. 98 verwendet. 

1) Hierfür wurde ein im Laboratorium gebautes Gerät ver- 
wendet. 

8) Hierfür wurde das Gerät Telefunken E. 266 verwendet. 

9) Hierfür wurden die Niederfrequenzstufen des Gr. 98 ver- 
wendet. 


gemeinen, sobald ein Beharrungszustand erreicht 
wird. In die Zwischenfrequenz gehen sie mit dem 
gleichen absoluten Betrag ein, wie bei den Quarz- 
wellen. Man ist aber jetzt in der Lage, durch ge- 
ringes Nachstimmen des Zwischenfrequenzaudions 
diesen Aenderungen zu folgen und somit jeden be- 
liebigen Empfangston einzustellen. Aus diesen Grün- 
den brauchen keine besonderen Anforderungen an 
die Kristalle in Hinsicht auf genaue Einhaltung ihrer 
Nennwellen gestellt zu werden. Ferner erübrigen 
sich Anordnungen zur Konstanthaltung der Tempe- 
ratur, wie Thermostaten und Vakuumfassungen. 

Aus obigen Erörterungen geht also hervor, daß 
die an das Langwellenaudion gelangende Zwischen- 
frequenz völlig konstant ist, abgesehen von einem 
sehr langsamen, geringfügigen Wandern, das nur eine 
gewisse Zeit lang nach dem Einschalten auftritt, und 
dessen Einfluß auf die Höhe des Empfangstones 
leicht auszugleichen ist. Zur Erzielung eines frequenz- 
konstanten Empfangstones ist es dann nur mehr er- 
forderlich, daß die Eigenfrequenz des Langwellen- 
audions ebenfalls konstant ist. Dies läßt sich, wie 
die Erfahrung zeigt, ohne weiteres erreichen, da bei 
langen Wellen geringes Vibrieren stromführender 
Teile keinen merklichen Einfluß auf die Frequenz 
ausübt. 


Das Ergebnis von zahlreichen Versuchen, die mit 
der geschilderten Anordnung ausgeführt wurden, ent- 


18 P. von Handel, K. Krüger und H. Plendl: .Quarzsteuerung von Kurzwellen-Empfängern. 
mh FT 7 Tvurtyr Ty;,eT  httuuÜntrrur m, Tr T—————————_ 


sprach im vollen Umfang dem oben erörterten Sach- 
verhalt. Es konnte selbst bei heftigsten mechanischen 
und akustischen Erschütterungen im Flugzeug (Motor 
bei Vollgas, Start und Landung) ein völlig reiner, 
frequenzkonstanter Empfangston erzielt werden. Die 
Tonhöhe war am Zwischenfrequenzaudion beiiebiz 
einstellbar und die Lautstärke war ohne Verwendung 
von Zwischenfrequenz - Verstärkerstufen zumindest 
gleichwertig dem normalen Empfang. 

Die geschilderte Anordnung arbeitet mit nicht- 
schwingendem Kurzwellen-Audion und daher auch 
mit nichtschwingender Empfangsantenne. Dies hat 
zur Folge, daß in der Nähe befindliche Leitergebilde 
nicht induziert werden können. Der wechselnde 
Kontaktwiderstand solcher Leiter kann also in diesem 
Falle keine den Empfang störende Rückwirkung mehr 
hervorbringen. 

Die bei Verwendung einer schwingenden Emp- 
fangsantenne häufig auftretenden Störgeräusche 
obiger Ursache kommen also hier in Fortfall. Wie 
die Erfahrung zeigt, ist dies besonders wichtig für 
bewegliche Stationen auf Schiffen oder in Luftfahr- 
zeugen, wo sich im allgemeinen mechanisches Ar- 
beiten metallischer Teile gegeneinander nicht ver- 
meiden läßt. 

Beim Kurzwellen-Empfang mit Zwischenfrequenz 
arbeitet man im einfachsten Falle mit zwei ab- 
gestimmten Schwingkreisen, dem des Kurzwellen- 
audions und dem des Langwellenaudions. Vergleicht 
man die Resonanzkurven dieser beiden Kreise, so 
zeigt sich, daß die Durchlaßbreite ausgedrückt in 
Hertz im Zwischenfrequenzaudion nur einen Bruch- 
teil von der im Kurzwellenaudion beträgt, annähernd 
gleiche Dämpfung vorausgesetzt. Dies hat eine 
praktische Bedeutung für die Verminderung des Ein- 
fluses von Empfangsstörungen. Wirken diese z. B. 
über die ganze Durchlaßbreite des Kurzwellenkreises 
mit konstanter Amplitude, so beeinträchtigt ohne An- 
wendung von Zwischenfrequenz das gesamte dieser 
Durchlaßbreite entsprechende Störungsspektrum den 
Empfang. Verwendet ınan nun Zwischenfrequenz, 
so wird das störende Kurzwellenband reduziert auf 
die erheblich geringere Durchlaßbreite des Lang- 
wellenkreises. Die Störungsverminderung ist pro- 
portional dem Verhältnis der Durchlaßbreiten, die 
sich für gleiches Dämpfungsdekrement'°) verhalten 
wie die Frequenzzahlen der beiden Kreise. 

10) Für einen guten Langwellenempfänger hat das Dämpfungs- 


dekrement des Schwingkreises etwa den Wert von 1,50/,. Bei 
Kurzwellenempfängern kann man etwa mit 0,5%, rechnen. 


Die bei den Versuchen beobachtete Verringerung 
des Störungseinflusses war ganz erheblich, obwohl 


das Wellenverhältnis nicht sehr groß war (47 m und ! 


2000 m). Es kommt daher der Verwendung von 
Zwischenfrequenz für Kurzwellenempfangsanlagen 
in Luftfahrzeugen eine besondere Bedeutung zu. da 
hier die von der elektrischen Zündanlage der Ver- 
brennungsmotoren hervorgerufenen Störungen den 
Empfang ganz erheblich beeinträchtigen können. 


Die beschriebene Anordnung ermöglicht eine 
weitere Erhöhung der Lautstärke durch Zuschaltung 
von Zwischenfrequenz-Verstärkerstufen. Der Wellen- 
bereich der gesamten Zwischenfrequenzanordnung 
kann dabei sehr klein gehalten werden, da die Ueber- 
lagerungswelle durch den Empfängerquarz fest- 
gelegt ist. 


Für die Zwischenfrequenz kann natürlich auch 
jeder Langwellenempfänger benutzt werden. Ist auf 
der betreffenden Station bereits ein Langwellengerät 
vorhanden, z. B. ein Peilempfänger, so kann man 
zweckmäßig für Kurzwellenempfang einen Zusatz. 
bestehend aus Audion und quarzgesteuertem Fremd- 
überlagerer, verwenden. Diese Ersparnis von Ge- 
räten ist für Luftfahrzeuge von besonderer Be- 
deutung. 


Zusammeniassung. 


Zur Stabilisierung des Kurzwellen - Empfangs 
wurden Versuche mit Quarzsteuerung von Emp- 
fängern durchgeführt. Hierbei zeigte sich, daß die 
Verwendung eines Kristalls, der mit der Frequenz 
des Senderquarzes tonüberlagert, praktisch nicht 
möglich ist: das quarzgesteuerte Schwingaudion er- 
gab eine zu starke Verminderung der Lautstärke, 
während bei Anwendung eines Fremdüberlagerers 
mit Quarzsteuerung sich die Temperaturabhängigkeit 
der Kristalle störend bemerkbar machte. 


Zur Lösung der Frage wird ein Verfahren an- 
gcgeben, bei welchem die Ueberlagerung von Sender- 
und Empfängerquarz eine hochfrequente Schwingung 
ergibt. Diese Zwischenfrequenz entspricht einer 
langen Welle und wird in einem normalen Schwing- 
audion hörbar gemacht. 


(Eingegangen am 25. März 1929.) 


Wilhelm Moser: Versuche über Richtantennen bei kurzen Wellen. 19 


Versuche über Richtantennen bei Kurzen Wellen. 
Von Wilhelm Moser’). 


Mitteilung aus dem Laboratorium der Telefunken-Gesellschaft. 


Inhaltsübersicht. 
Der Gedanke, elektrische Wellen zu richten. 
Bisher bekannte Systeme. 


Versuche des Telefunken-Laboratoriums. 

a) Versuchsanordnung; 

b) Strahlung von Dipolen und aus Dipolen zu- 
sammengesetzten Antennen; 

c) Reflektoren. 


4. Fortschritt im kommerziellen Betrieb. 
Zusammenfassung. 


DT 


1. Der Gedanke, elektrische Wellen zu richten. 


Der Gedanke, elektrische Wellen von einer An- 
tenne aus gerichtet in den Raum zu strahlen, ist so 
alt wie die drahtlose Telegraphie selbst, ja sogar 
alter, denn schon Heinrich Hertz benutzte Re- 
flektoren für — allerdings sehr kurze — elektrische 
Wellen bei seinen rein physikalischen Versuchen. 

Als später die Ausnutzbarkeit der elektrischen 
Wellen für fernmeldetechnische Zwecke, also die 
drahtlose Telegraphie, entdeckt wurde, tauchten auch 
bald Vorschläge zur Verwendung von Spiegeln auf; 
so versuchte Marconi vor vielleicht 30 Jahren schon 
parabolische Reflektoren. Andere Forscher (z. B. 
F. Braun, Blondel, Zenneck) beschäftigten 
sich sehr früh mit der Kombination zweier oder 
mehrerer Antennen; sie wollten dadurch eine Strah- 
lungsvermehrung (Konzentration) in der einen oder 
Strahlungsverminderung (Abblendung) in der anderen 
Richtung oder auch beides gleichzeitig erreichen. 

Mit den zunehmenden Wellenlängen der großen 
Stationen schwand die Möglichkeit, Richtantennen 
nennenswerter Bündelung zu schaffen, denn Sammel- 
spiegel müssen, ganz gleich, ob sie aus Metallflächen 
oder Einzeldrähten bestehen, ihren Dimensionen nach 
in der Größenordnung der Wellenlänge oder mög- 
lichst noch größer sein, Spiegel für 10 Kilometer 
Wellenlänge sind also nicht herstellbar. Es blieb 
lediglich das Prinzip der rückwärtigen Abblendung 
des Empfanges von Interesse, das man auch bei den 
längsten Wellen nach dem von Bellini und Tosi 
angegebenen Prinzip mit verhältnismäßig einfachen 
Mitteln erreichen kann. Die Großempfangsstationen 
haben heute solche „gerichtete“ Empfangsantennen. 

Mit dem Aufkommen der kurzen Wellen lebte das 
Problem der Richtantennen von neuem auf. Die im 
heutigen Urbersee-Verkehr wichtigsten Wellen lie- 
gen zwischen 14 und 30 m, also in einer Größen- 
ordnung, für welche Reflektor-Dimensionen technisch 
möglich sind. Es ist also ganz natürlich, daß alle 
Stellen, die sich mit der Entwicklung von Kurz- 
wellenstationen befaßten, auch ernstlich an den Bau 
und an die Erprobung von Richtantennen herangingen. 
Die Literatur über den Gegenstand ist recht umfang- 
reich geworden; auf sie näher einzugehen, würde den 


*) Vortrag auf der Jahresversammlung des Vereins Deutscher 
Elektrotechniker in Berlin am 19. Juni 1928. 


Rahmen des Referats überschreiten. Wichtig ist 
aber, daß die technische Entwicklung der Richt- 
antennen bereits ziemlich fortgeschritten ist. 


2. Bisher bekannte Systeme. 


Die englische Marconi-Gesellschaft hat das 
„Beam“-System erprobt und eingeführt. Es ist ge- 
kennzeichnet durch vertikale Antennendrähte, die in 
einer Ebene und in gleichem Abstand voneinander 
angeordnet sind. In einer zu den Antennen parallelen 
Ebene liegen die ebenfalls vertikalen Reflektordrähte. 
Die Antennen sind durch eine gleichmäßig verzweigte 
Energieleitung so gespeist, daß überall Gleichphasig- 
keit der Schwingung herrscht. Ein derartiges System 
bündelt die Energie senkrecht zur horizontalen An- 
tennen-Ausdehnung. 

Die ausgestrahlten Wellen sind vertikal polari- 
siert und verlassen die Antenne unter einem kleinen 
Elevationswinkel oder sogar parallel zur Horizon- 
talen. Die seitliche Schärfe der Bündelung richtet 
sich, wie bei jeder anderen Antennenform, nach der 
seitlichen Ausdehnung des „Beams“, je größer diese 
Ausdehnung, desto schärfer der Strahl. Aus diesem 
Grunde kommt die Marconi-Gesellschaft zu Beam- 
breiten von 200 bis 600 m und Konzentrationswinkeln 
von wenigen Graden. 

Andere interessante Antennenformen wurden von 
den französischen Ingenieuren und Forschern Chi- 
reix und Mesny angegeben. Kennzeichnend für 
diese ist die Zickzackform der Antennen und Re- 
flektordrähte. Auch hier finden wir die Anordnung 
in zwei Parallel-Ebenen, einer Antennen- und einer 
Reflektor-Ebene. Zusammensetzung und Speisung der 
Zickzack-Drähte ergibt wie bei dem englischen 
System vertikal polarisierte Austrahlung unter 
horizontalem Winkel. In der Wirkung kann also 
zwischen dem Marconi-Beam und der Chireix- 
Mesny-Antenne ein grundsätzlicher Unterschied nicht 
bestehen. 


3. Versuche des Telefunken-Laboratoriums. 


Telefunken hat bei der Entwicklung von Richt- 
antennen oder „Strahlwerfern“ — wie wir sie 
mit einem deutschen Wort bezeichnen wollen — un- 
abhängig voneinander zwei Wege verfolgt: Ueber 
den einen hat Prof, Dr. Meißner verschiedentlich 
berichtet. Es sind das Versuche, bei denen Parabol- 
Spiegel — aus Metallflächen oder Einzeldrähten — 
zur Verwendung kamen. In den Brennlinien dieser 
Spiegel befanden sich Linear-Antennen, die über eine 
Energieleitung gespeist wurden. Der Erfolg dieser 
Versuche war bekanntlich eine kommerzielle Ver- 
bindung zwischen Nauen und Südamerika auf der 
11-Meter-Welle. 

Im folgenden Fall soll über den anderen Weg 
berichtet werden; dieser ging von der Untersuchung 
der Strahlungselemente aus und führte über das Stu- 
dium der Kombination solcher Elemente und über ein- 
gehende Untersuchungen der Wirkung von Reflektor- 


20 
drähten zu einer neuen, und wie die Versuche zeigen, 
zweckmäßigen und wirksamen Antenneniorm. Es 
darf. nicht unerwähnt bleiben, daß die Anregung zu 
diesen Versuchen von Dr. Otto Böhm, dem Di- 
rektor des Telefunken-Laboratoriums, ausging, und 
daß eine Anzahl von Ingenieuren aus dem Telefunken- 
Laboratorium an Sonderaufgaben wesentlich mit- 


Wilhelm Moser: 


lich; dagegen erwies sich eine Modulation des Sen- 
ders empfangsseitig ungünstig. Es wurde also rein 
ungedämpft gesendet. Bild 3 zeigt die Baracke, in 
der Sende- und Maschinenanlage untergebracht war, 
im Hintergründe sieht man zwei 60 m hohe Maste. 
Das 150 m lange Dralitseil zwischen diesen Türmen 
diente zur Halterung der Versuchsantennen. Die aus- 


77/4 


10 Wat 50 Walt 50 Waf 700 Waf 500 Watt 3000 Malt 
A:212 m A=:212 m R - 06m A-3 m A -265 m A:265m 


Schaltungsschema des Meßsenders. 


gearbeitet hat. Die Spezial-Probleme werden daher 
von ihren Bearbeitern an anderer Stelle ausführlich 
publiziert werden. Der Vortrag kann ein nur kurzes 
Gesamtreferat darstellen. 


a) Versuchsanordnung. 


Sender- und Versuchsantennen waren auf dem der 
Transradio-Gesellschaft gehörenden Gelände der 


Bild 2. 
Ansicht des Meßsenders. 


Großfunkstelle Nauen aufgebaut, und zwar mit Rück- 
sicht auf störende Mast- und Antennenanlagen ab- 
seits vom Hauptgebäude am Rande des Langwellen- 
feldes. Der Sender bestand aus einem quarzgesteu- 
erten Oszillator und 5 Vervielfachungs- bzw. Ver- 
stärkerstufen. (Bild 1 und 2): Die Endstufe lieferte 
3 kW Hochfrequenzenergie auf eine Energieleitung, 
die zu den Versuchsantennen führte. Die durch 
Quarzsteuerung gewährleistete Wellenkonstanz war 
für die Erzielung guter Empfangsergebnisse unerläß- 


nutzbare Höhe betrug 40 m. Außer diesen Türmen 
standen auch provisorische Holzgerüste von 20 bis 
30 m Höhe zur Verfügung. Versuchswellen waren 
15, 17 und 26,5 m. Durch die Bündelung der Strah- 
lung erstrebten wir Verbesserung des Empfangs in 
großer Entfernung (Uebersee), also mußte die Fmp- 


Bild 3. 
Sendebaracke und 60 m Maste. 


fangsmeßstelle in Uebersee liegen. Für die Versucht 
stand Telefunken die Gegenstation Buenos-Aires 
(Villa Elisa) in 12000 km Entfernung zur Verfügung: 
in der Nähe dieser Station wurde für die Meßzwecke 
ein kleines Empfangs-Laboratorium angelegt. Dort 
hat ein von Telefunken entsandter Spezial-Ingenieur, 
MHerrEllerbrock, die oft sehr langwierigen Sende- 
Perioden mit großer Geduld und Genauigkeit durch- 
gemessen. Seine Empfangsanlage bestand aus Dipol- 
antenne, Energieleitung und Empfänger _(selbst- 


Sc 


Lo SD en e E ES 22 
a mu A z= ZZ 


Pe Zn nn ——n fin (in ` a G 


'schwingendes Audion und NF-Verstärker). 


m Sm m I ~ 


Ueber 


“Besonderheiten der Empfangsantenne wird auch ein 
“Wort zu sagen sein. 


stärke für ie 2 oder 3 Sende-Antennen, 


Empfangsziel war die relative Messung der Feld- 
zwischen 


` denen in schneller Folge (alle 2 bis 3 Minuten) ge- 


- wechselt wurde. 


. 
j 


Dieser schnelle Wechsel der Sende- 
antennen war notwendig wegen des schnellen Wech- 
sels der Versuchsbedingungen; Fading, atmosphä- 


- rische Störungen, Echo-Erscheinungen wechseln oft 


‚ bei 


Strom verlauf Spannungs verlauf 
Wr, 2 
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Speisun g 


Bild 4. 
Speisung der Einzeldipole. 


innerhalb von Minuten und Sekunden. Daher war 
diesen Messungen eine objektive Empfangs- 
registrierung ungeeigneter als die subjektive der 
Parallel-Ohm-Messung. Diese verlangt einen sehr 
geübten Beobachter, der imstande ist, den richtigen 
Mittelwert der Lautstärke anzugeben. Durch Ver- 
anderung der Senderstromstärke, z. B. wiel :2:4 
bei unveränderter Antenne konnte die Meßgenauigkeit 
kontrolliert werden. Es zeigte sich, daß die Meß- 
werte erstaunlich genau der Senderstromstärke, also 
der Feldstärke am Empfangsort proportional waren. 
Selbstverständlich wurden immer sehr viele Einzel- 
Beobachtungen, z. B. die Messungen über 3 Stunden, 
kombiniert. Die Versuche laufen etwa seit Februar 
1927; sie sind z. Zt. noch nicht beendet. Auf der 
Senderseite haben sich die Herren Dr. Rothe und 
Dr. Sammer sehr verdient gemacht. 


b) Strahlung von Dipolen und aus 
DipolenzusammengesetztenAntennen. 


Wir kommen nun zu den untersuchten Antennen- 
formen. Strahlungselement ist ein linearer Draht 
von einer halben Wellenlänge; es sei stets so erregt, 
daß Strombauch in der Mitte, Spannungsbäuche an 
den beiden Enden liegen (Bild 4. Solche Einzel- 
dipole in horizontaler und vertikaler Lage wurden 
zunächst untersucht. Auch die Höhe über Erde 
wurde in den möglichsten Grenzen variiert. Die 
Längsrichtung des Strahldrahtes lag natürlich immer 
senkrecht zur Senderichtung. Für die Erregung 
solcher Einzeldipole wurden Energieleitungen aus 
parallelen Drähten verwendet. Die Speisung cr- 
folgt ohne Spule je nach Umständen in der Mitte 
oder am Ende des Strahldrahtes. Die kleine Unsym- 


Versuche über Richtantennen bei kurzen Wellen. 


2 


metrie, die im zweiten Fall in der Belastung der 
Energieleitung auftritt, ist unerheblich. 

Die folgenden Bilder zeigen Proben der Meß- 
ergebnisse der Strahlelemente.e. Wir ersehen aus 
Bild 5, daß bei Vertikal-Anordnung mit der Entfer- 
nung von der Erdoberfläche eine nur unwesentliche 
Lautstärkenerhöhung eintritt (maximal 50%), dieser 
Unterschied wird noch geringer, wenn der erdnahe 
Dipol als Gegengewicht eine große Metallplatte er- 
hält. Dieses letzte, wohldefinierte Strahlungselement 


7 Hanfseil 


oyS5m 


ganz hoher Dipol 


ED: Get 


millel hoher Dipol 


Bild 5 
Vertikale Dipo'e in verschicdenen Höhen. 


sei im folgenden unsere Standard-Antenne. Horizon- 
tale Dipole (Bild 6) zeigen sich um das doppelte über- 
legen; ja, hebt man die Strahldrähte bis nahe unter 
das Tragseil, so sinkt die Strahlung des Vertikal- 
Drahtes, während die des horizontalen noch steigt. 
Die geeigneten Meßwerte und Kurven beziehen sich 
auf A = 26,5; bei 15 und 17 m Wellenlänge wurden 
weiter vorn die gleichen Meßergebnisse erzielt. 

Die horizontale Polarisation der Ausstrahlung ist 
also irgendwie bevorzugt. Das kemmt noch besser 
zum Vorschein bei Kombination mehrerer Dipole. Die 
Polarisationsrichtung der Wellen und die Unter- 
schiede in ihrem Verhalten werden dann ausgepräg- 
ter. Bild 7 zeigt z. B. zwei gleichphasig schwingende 
Dipole nebeneinander angeordnet, und zwar einmal 
vertikal und das andere Mal horizontal gerichtet. 
Jenes gibt, bezogen auf die Standard-Antenne, den 
Verbesserungs-Faktor 1,5, dieses 2,5. Konnte man bei 
Einzeldipolen vermuten, daß das Tragseil mit erregt 


29 Wilhelm Moser: 


wird und ausstrahlungsfördernd oder -hindernd 
wirkt, so ist diese Möglichkeit bei der letzten Kom- 
bination sehr verringert; wegen der Gleichphasigkeit 
der Dipole müßte das Tragseil unnatürlich schwingen. 
Es ist aber wahrscheinlich, daß die Erdkapazität 
des Tragseils die Strahlhöhe vor allem der vertikalen 
Dipole erniedrigt. Technisch sind die Tragseile nicht 
zu umgehen. . Ihr EinfluB muß in Kauf genommen 
werden; es interessiert überhaupt nur die unter einem 
Tragseil anzuordnende beste Antennenform. 


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— fia —* 


- - C:a a g9: 18:1 


Hanpe! 


C. 2. a. 
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BCE ma 
I 4 


Bild 6. 
Horizontale Dipole in verschiedenen Höhen. 


Wäre vielleicht irgendeine andere Anordnung von 
Vertikal-Dipolen günstiger? Das nächste Bild 8 zeigt 
zwei Vertikal-Dipole übereinander, einmal in ent- 
gegengesetzter Richtung, das andere Mal in gleicher 
Phase schwingend. Beide Anordnungen sind schlech- 
ter als alle vorher gezeigten; auch die verschiedene 
Höhe über Erde ändert daran nichts. Vermutlich 
spielt hier der Ausstrahlwinkel eine Rolle. 

Es lag nahe, auch am Empfangsort die Polari- 
sation zu kontrollieren. Es zeigte sich zwar ein 
Unterschied, ob mit Horizontal- oder Vertikal-Dipol 
empfangen wurde, und zwar wiederum zugunsten 
der horizontalen Anordnung. Dieser Unterschied war 
aber unabhängig von der Anordnung der Sender- 


‚antenne. Das steht in Uebereinstimmung mit Beob- 


achtungen, nach denen eine dauernde Dreliung der 
Polarisations-Ebene des Empfangsfeldes beobachtet 
wird. 


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c:b:a 4:25] sig 


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075m 


£ gleichphange rerlikale 2 gleichphatige horizontaie nieariger rertisdl 
‘pole Dipole Dipol 


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Bild 7. Zwei gleichphasige Dipole. Ä 


cb:a= 93:96:1 


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ild 8. Zwei vertikale Dipole übereinander. 


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Nachdem der Horizontal-Doppel-Dipol mit seiner 
sinfachen und symmetrischen Speisung als gün- 


stigstes Bauelement gefunden war, lag es nahe, er- 


einfache und wohldefinierte Speisung durch 


vr 


i T p a: 


` 1 zus 


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weiterte Kombinationen zunächst durch Anordnung 
übereinander zu probieren. Bild 9 zeigt mehrere 
Doppelreihen übereinander; dabei konnte die sehr 
ein 


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Rorızonlaler Planspregc 
Dipole mt 2 Aellektoren. 7 


mit Refler for 


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| 
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aale == Berbarhtungszeif mE En e ERE OE SA 
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| a | | 1a OE DEN E SEA E Er. 
AE EEI sapen Irre 
Bild 9. 


Horizontal Dipole übereinander. 


Lechersystem (die unseres Wissens zuerst in Ruß- 


land versucht und veröffentlicht wurde) verwendet 
werden. Die übereinanderfolgenden Antennen sind 
in Abständen einer halben Welle abwechselnd links 
und rechts angeschlossen, so daß sie bei normaler 
Speisung des Lechersystems von untenher phasen- 
gleich schwingen. Durch Verlängerung oder Verkür- 
zung der Lecherleiter nach unten kann man oben- 
drein in gewissen Grenzen Abstimmungs-Aenderung 
vornehmen. Die Strahlung war sehr günstig. Wir 


- erhielten die vierfache Amplitude, wie bei zwei verti- 


Bo 


TA: 


ya ` 


kalen gleichphasigen Dipolen. Dabei ist zu beachten, 
daß beide Anordnungen die gleiche Baufläche bean- 
Spruchen. Man könnte übrigens noch mehr Reihen 
übereinander speisen, nur wurde die Messung noch 
Nicht ausgeführt, weil die Aufhängehöhe nicht reichte. 
amit war das Vertikal-Element gegeben, das nun 
zu größeren Antennen seitlich nebeneinander gereiht 
werden konnte. Bevor ich aber darauf eingehe, 
möchte ich über die rückwärtige Abblendung einige 
orte sagen. 


Versuche über Richtantennen bei kurzen Wellen. 


. Hertzschen Gleichungen mittels einer 


23 


c) Reflektoren. 


Bisher ist von Reflektoren nicht die Rede ge- 
wesen; die beschriebenen Anordnungen waren Richt- 
antennen, bei denen die Strahlung nach vorn und 
hinten gleichmäßig gebündelt war. Um die Strahlung 
nur in einer Richtung, und zwar nach vorn auszu- 
senden, stellt man hinter die Antenne Reflektor-Drähte. 
Obwohl solche Versuche mit längeren Wellen schon 
vor langer Zeit (z. B. Zenneck) gemacht worden 
sind, und obwohl die Literatur voll ist von berechneten 
Strahlungs-Diagrammen, fanden wir Schwierigkeiten 
schon bei den Vorversuchen mit oen einfachen Linear- 


HERE HEESHEE 


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BER EEN HEH SEE RINE Ai 
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Bild 10. 
Vertikal-Antenne mit Reflektor. 


Antennen und Reflektoren. Bei Verlängerung bzw. 
Verkürzung des Reflektors durchlief der Antennen- 
Kopplungswiderstand ein Maximum und ein Mini- 
mum; gleichzeitig änderte sich das Abschirmverhält- 
nis nach hinten. Rechnungen und Versuche, die 
F. Sammer zu diesem Punkt ausgeführt hat, zeigen, 
daß die elementare Betrachtungsweise der Wegdiffe- 
renzen und Phasen nicht genau ist. Man muß Nahe- 
und Fernfeld in Betracht ziehen und kann aus den 
Näherungs- 
Rechnung die Reflektor-Ströme und Phasen aus- 
rechnen. Auch die Rückwirkung des Reflektors auf 
die Antenne muß man berücksichtigen. Dann ergibt 
sich das Maximum des Strahlungswiderstandes auch 
theoretisch. Das beste Abstimmunsverhältnis liegt — 
das ist ja auch plausibel — im Maximum. 

Der Reflektorabstand kann in gewissen Grenzen 


A 
variiert werden, und zwar vong bis >- . Das Optimum 


À À 
liegt bei 7 bis —. Mißt man bei richtig abgestimmtem 


5' 


24 Wilhelm Moser: 


Reflektor in gleichem Abstand nach vorn und hinten die 
Feldstärke (z. B. in 300 m Entfernung), so zeigt sich 
deutlich der Unterschied. Bild 10 zeigt z. B. eine 
Vertikal-Doppel-Draht-Antenne ohne und mit Re- 
flektor im Polardiagramm; das Abschirmungsverhält- 
nis ist hier ungefähr 10:1. 


Antenne Reflektor 
m Ye A Abıland 


rom Jender 


El Pal Ba a E 
| I Sa EER —/radatire Hert) I AE Ei HS BE) ra ONE 


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Bi = Krabitichlung,/ Kill | 
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in in ya richt | 


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SREE T el Ir Ina | 2 | 130 100-0 0 

| — - -te yeplingeruo g- — = Verhörzeng-— 

ERAU E AA p I EEN E _ J= 

ERS e Eal a LLE: eD eSt RU Me Ea aa ne: RARO o Ea Na: M j | 

ER Er AH rek rn ER ER ER Er aaeh aS 
Bild 11. 

Schema einer Kombination von 6 Horizontal-Antennen und von 

6 Reflektoren, sowie Abschirmungsverhältnis. 


Kombiniert man viele Antennen und Reflektoren, 
so ergibt sich der Nachteil der gegenseitigen Beein- 
flussung der Reflektoren. Die Abstimmung der 
Einzel - Elemente ist dadurch erschwert und das 
Optimum der Abschirmung nicht leicht herstellbar. 
Bessere Abschirmwirkung erreicht man durch Kopp- 
lung der Reflektoren untereinander. Bild 11 zeigt die 
Anordnung zweier horizontalen Tannenbaum-Ele- 
mente nebeneinander, mit dem gleichen System als 
Spiegel. Wie die Antennen sind auch die Reflektor- 
drähte durch eine Energieleitung verbunden: die 
Energieleitung der Reflektordrähte endet in zwei 
Parallel-Drähten mit Abstimmbrücke. Durch Ver- 
schieben dieser Brücke kann man die richtige Ver- 
längerung bzw. Verkürzung der Reflektoren (natür- 
lich in gewissen Grenzen), also das Abstimm-Optimuni 
einstellen. Gemäß Bild 11 erreichte man bei dieser 
Anordnung ein Abschirmungsverhältnis 1:28. Das 
nächste Bild 12 zeigt ein Polardiagramm der Anord- 
nung mit und ohne Reflektor aufgenommen im Ab- 
stand von einigen hundert Metern. Es wird auf- 


fallen, daß die Feldstärke mit Reflektor nach vor! 
nur wenig zunimmt. Das theoretische Optimum für vil 
diese Zunahme beträgt bezüglich der Energie 1 :? | 
bzw. der Feldstärken also 1:y?2. Mehr kann ma |! 
gar nicht erreichen. Die wichtigste Aufgabe de «l 
Reflektors ist aber nicht, die Lautstärke zu erhöhen. 


hinten \ \ \ N ? f a 
Í \ a \ i i 
| \ \ l 4l 
a) a AA t> > Y 
Eae | y1 
; PD 
Bild 12. 


Polardiagramm (Anordnung Bild 11). 


sondern die rückwärts um die Erde laufenden und 
mit Zeitdifferenz gegen die normalen Zeichen ein- 
treffenden „Echos“ zu vermeiden. Denn es komni 
vor, daß bei ungerichteter Sendeantenne die rück- 
wärts laufenden Zeichen genau so laut oder lauter 


Ir Tugn 


L 


Bild 13. 
Schema der Anordnung und Speisung eines Richtstrahlwerles 
von 8 Halbwellen Breite. 


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sind als die vorwärts laufenden. Eine Schnelltelegra- 
phie ist daher unmöglich. l 

Das nächste Bild 13 zeigt schematisch die Neben ' 
einanderreihung von 4 Vertikal-Elementen nebst Re- 
flektoren. Das nächste Bild 14 zeigt das Schema 
des Aufbaus dieser Antenne. Die Wellenlänge ist 
26,5 m, der Turmabstand 160 m. Es sind dam fy 
S horizontale Halbwellen nebeneinander angeordnet. "x 
Bei }A = 15 m haben 16 horizontale Halbwellen aul d 
dem gleichen Raume Platz. Für kommerzielle Richt x 
antennen (z. B. Transradio-Nauen, Nord- und Sūd- p 


-amerika-Verkehr) wird Telefunken diese BauweiseDrähten. 


'eibehalten. 

- Ein Polardiogramm für die 8 Halbwellen breite 
‚ntenne zeigt Bild 15. Man sieht, daß die Bün- 
-elung schon recht scharf ist und bedenke, daß durch 


Bild 14. 
Schema des Aufbaus zu 13. 


den Radius-Vektor die Amplitude dargestellt ist. Eine 
Darstellung der Energie ergäbe ein viel schärferes 
Diagramm. Der Feldstärkenzuwachs gegenüber einem 
vertikalen Tannenbaum beträgt etwa das dreifache, 
der Verstärkungsfaktor gegenüber der Standard- 
Antenne das 16-fache. Auch mit einem Parabol- 
Spiegel gleicher Dimension wurde verglichen und die- 
sem gegenüber eine Amplitudenverbesserung von 
über 2:1 erhalten. 

Die seitliche Zuordnung vieler gleichphasiger An- 


E] 


Eu Versuche über Richtantennen bei kurzen Wellen. 


25 


Es wurde außerdem versuchsweise eine 
Anordnung aus zweimal 8 Antennen nebeneinander 
ausgemessen, mit dem Erfolg, daß auch diese An- 


tennenzahl merklich gleichphasig erregt werden 
konnte. 
Für die Gleichphasigkeit maßgebend ist neben 
N 
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Jo | Ii hlingsdiagramm 
| der horitonlakn ' 
J | | | Äntennenhombinafiönen. 
| 6 Mipole peðeneinander 
| | JDpole Gbereinonger —- 
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Bild 15. 
Polardiagramm zu 13. 


'tennen wurde auch mit Vertikal-Drähten versucht 
T | F C| Übersicht über feriuche ram 13+ 18 (àra 138R © 
Ber TE I Zee ra Lattikas  | 
[x JE q ide Zoderhnschne| Mar | 
Be i Hmi aan $ - Jkrahlwerfer (frertikale Drähte a PReflehtordrähte ) 
ior TAIE i | | __ i E A a FE A a fe iEn Em h- EAE IEN REL s 
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16. 


Empfangsvergleich für Senderstrahlwerfer aus 8 vertikalen 
Antennen und 8 Reflektordrähten im Verhältnis zu einer 
vertikalen Linearantenne. 


"und zwar schon bevor die heute beschriebene end- 
gültige Strahlwerferform gefunden war. Der Erfolg 
‘der Bündelung war natürlich der gleiche. Bild 16 
| zeigt z. B. das Lautstärkenverhältnis einer Linear- 
` Antenne zu 8 Linear-Antennen nebst 8 Reflektor- 


gleichmäßiger Antennen-Abstimmung die symmetrisch 
verzweigte Energieleitung. Ueber diese noch ein 
Wort: 

d) Wie die Ausführung gezeigt hat, kommt man 
zu relativ großen Strahlwerferausmaßen, wenn man 


26 


einigermaßen scharfe Bündelung erstrebt. Dadurch 
wird es notwendig, vom Verzweigungspunkte über 
ziemlich weite Strecken die Kurzwellenenergie den 
einzelnen Antennen zuzuführen. Meistens muß der 
Strahlwerfer außerdem in erheblicher Entfernung vom 
Sender aufgestellt werden. Derartige Anordnungen 
sind dadurch möglich, daß es gelingt, Energieleitun- 
gen von kleinen Verlusten herzustellen. Für diese 
Energieleitungen kommen zwei Ausführungsformen, 
Parallel-Drahtleitung oder konzentrische Rohrleitun- 
gen in Frage, man kann von vornherein nicht olıne 
weiteres zugunsten der einen oder der anderen Form 
entscheiden. Zu wählen ist diejenige, welche bei 
möglichst geringen Verlusten die größtmöglichste 
Betriebssicherheit ergibt. Eine rechnerische Ueber- 
sicht zeigt, daß beide Ausführungsformen bei opti- 
maler Dimension ungefähr gleichwertig sein Können. 
Die Rechnung kann aber den Einfluß der Isolatoren 
und der vor allem bei Freileitungen sich bildenden 
Metall-Oxydschichten nicht abschätzen. Messungen 
an versuchsweise gebauten Energieleitungen zeigten, 
daß man mit beiden Systemen auf eine Dämpfung 
von 0,15 bis 0,2 °/a pro Meter Länge herunterkommt, 
trockenes Wetter vorausgesetzt. Fehler im Aufbau 
der Leitung (ungünstige Anordnung der Isolatoren, 
schlechte Kontakte und ähnliches) können die Ver- 
luste auf das 5fache bis 6fache steigern. Normale 
Verhältnisse vorausgesetzt, hat also eine 500 m lange 
Verbindungsleitung vom Sender zur Antenne ein £! 
— 0,1. Hieraus ergibt sich ein Uebertragungs- 
wirkungsgrad von 83 Prozent. 

Aus betriebstechnischen Gründen wird man der 
konzentrischen, also nach außen vollkommen abge- 
schirmten Energieleitung den Vorzug geben. 

Vorbedingung für minimale Verluste und die Ver- 
meidung von Ueberspannungen durch Spannungs- 
bäuche ist die Anpassung des Verbraucherwider- 
standes an den Wellenwiderstand der Leitung. Sie 
erfolgt z. T. durch Zwischenschaltung von Trans- 
formatoren passenden Uebersetzungsverhältnisses. 
Die Primär- und Sekundär-Induktion wird durch 
Reihen-Kapazitäten ausgeglichen. An den Verzwei- 
gungsstellen der Energieleitungen hat man infolge der 
Aenderungen des Wellenwiderstandes ebenfalls an- 
zupassen. Wir wählen die verzweigte Leitung so, 
daß ihr resultierendes Z dem der Hauptleitung an- 
genaßt ist. Durch Querschnitts-Aenderungen kann 
man das leicht erreichen. Der Gesamtwirkungsgrad 
eines solchen Systems mit 500 m langer Zuleitung 
ist nacli unseren Versuchen mindestens 70 %, bei 
mechanisch vollendeter Ausführung (die wir für die 
Versuche nicht machen konnten) walırscheinlich 
noch besser. 


4. Fortschritt im kommerziellen Betrieb. 


Welcher Fortschritt für kommerzielle Uebersee- 
verbindungen ist nun mit den Strahlwerfern erreicht? 
Das Maß für die Güte einer solchen Verbindung ist 
das Telegraphiertenpo. Dieses hängt nicht allein 
von der Sendeenergie, sondern auch von den Emp- 
fangsverhältnissen und der Uebung des Personals ab. 
Der betriebsmäßige Fortschritt, der durch Verbesse- 
rung der Sendeantenne gebracht wird, ist also immer 
kleiner als die lautstärkenmäßige Verbesserung er- 
warten ließe. 


Wilhelm Moser: Versuche über Richtantennen bei kurzen Wellen. 


Das nächste Bild 17 gibt Ihnen ein Beispiel. Di: 
6 untereinander liegenden Kurven zeigen Aufnahme. ; 
tempos in Buenos-Aires an 6 aufeinanderfolgende 
Tagen aus dem April v. J. An allen Tagen wurd 
ein Sdrähtiger Strahlwerfer verwendet, nur am 
3. Tage eine Linear-Antenne. Die Kurve dieser An- 
des Strahlwerfers 


tenne is tiger als die 


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Laufstärhe =; | 


Bild 17. 
Verkehrskurven zu Bild 16. 


Zum Schluß noch ein Wort über die Verwendung 
von Richtantennen für den Empfang. Man wird fra- 
gen, ob solche Richtantennen für den Empfang auch 
nützlich sind. Die Frage ist nach Versuchen, die bei 
uns und anderswo gemacht worden sind, mit Ja zu 
beantworten. Denn bezüglich der Lautstärkenerhö- 
hung gilt das gleiche wie bei der Sendeantenne; aber 
die Empfangsrichtantenne leistet noch mehr. Sie 
blendet außerhalb der Strahlrichtung herkommendt 
atmosphärische Störungen ab; sie beseitigt ferner 
wegen ihrer räumlichen Ausdehnung gewisse Laut- 
stärkenschwankungen, die durch kleine Wegdifferen- 
zen der ankommenden Strahlen verursacht sind. 
Wegen der auftretenden Interferenzen hoher Ord- 
nung und gewisser merkwürdiger Polarisations- 
erscheinungen (die wir schon erwähnten) liegen die 
Verhältnisse auf der Empfangsseite verwickelter; das 
letzte Wort über die beste Empfangsantenne ist noch 
nicht gesprochen. 


(Eingegangen am 15. Dezember 1928.) 


—— 


Mitteilungen aus der Praxis. 27 


Mitteilungen aus der Praxis. 


a er ren: 
er 
A.-G. Bayerische Elektrizitäts-Werke in Landshut. 


Die zunehmende Bedeutung, welche die Verwen- 
dung der Hochspannüngs-Gleichstrom- 
maschine in den letzten Jahren als Anoden- 
generator im Sendebetrieb gewonnen hat, veranlaßten 
die Bayerischen Elektrizitätswerke in 
Landshut, sich frühzeitig mit dem Bau solcher 
Maschinen zu beschäftigen. 

Eine große Zahl von Anlagen wurde inzwischen 
mit Maschinensätzen dieser Firma ausgerüstet und 


- m a nn igi EOE ua Denn an] 
Fre TNT II an men et = . 


Bild 1. 


‘es soll, nachdem sich für die normalen Verwendungs- 
 zwecke bestimmte Typen herausentwickelt haben, 
ein Ueberblick über die wichtigsten Erzeugnisse der 
: Firma auf diesem Gebiet gegeben werden. 

| Im Mittelpunkt des Interesses steht der Anoden- 
generator selbst. 


Volt erfolgt in den Nuten. Der Stromwender besitzt 
verhältnismäßig kleine Abmessungen, welche es 
gestatten, den Stromwender mechanisch absolut fest 
zu bauen. Ferner kann die Lamellenspannung bei 
der zweipoligen Maschine klein gehalten werden (bei 
dem Generator des Bildes 1 lag der Wert unter 
50 Volt), so daß die Mikanitisolierung zwischen zwei 
Stromwendersegmenten eine Stärke von 0,65 mm 
erhalten konnte. 

Der Festlegung der Ankerwickelköpfe ist denkbar 
größte Sorgfalt gewidmet. Durch eine einfache und 
sinnreiche Anordnung ist Drahtbrüchen, namentlich 
in den Ausführungen zum Stromwender, wirksam 
begegnet. 

Das Maschinengewicht beträgt nur 715 kg, ein 
Beweis dafür, daß die zweipolige Maschine bei gün- 

® 


a, 
y7. F. n` ks p 
- u” . ^ . - 
i N h EA wee PAoL t 
Bild 3 
ild 3. 


stiger Auslegung vor allem in den Abmessungen 
überlegen ist. Indessen besitzt sie auch in elektrischer 
Hinsicht Vorteile, da die Ankerwicklung nur `zwei 
Punkte höchsten und verschiedenen Potentials auf- 
weist, wodurch große Abstände zwischen den beiden 
Bürsten entgegengesetzten Potentials möglich sind. 


A ‘ RT 


Bild 2. 


Bild 1 zeigt einen solchen, für den Untersender 
Kaiserslautern gelieferten Hochspannungs-Gleich- 
strom-Generator von 16 kW Leistung bei 4500 Volt 
Spannung und 1440 Umdrehungen pro Minute. Die 
vorderen Kapselungsdeckel sind des besseren Ein- 
 blicks in die Maschine wegen abgenommen. 
Kennzeichnend für diese Konstruktion ist die sta- 
bile Durchbildung der ruhenden und umlaufenden 
Teile, welche das Auftreten mechanischer Schwin- 
gungen vollkommen ausschließt. Die Maschine ist 
trotz ihrer Leistung und Spannung zweipolig aus- 
geführt. Der Anker besitzt zwei getrennte Wick- 
lungen, welche nach einem besonderen Verfahren 
als Schablonenwicklungen hergestellt sind. Die 
gesamte Isolierung für eine Prüfspannung von 10 000 


Die Maschine ist nur mit Wendepolen ausgerüstet 
und fremderregt. Die Wendepolwicklungen sind vor 
die beiden Ankerwicklungen geschaltet, um diese vor 
der Wirkung von Schaltwellen zu schützen. 


Die an den Lagerschildunterseiten sichtbaren 
Verriegelungsvorrichtungen bewirken vollkommenen 
Berührungsschutz bei erregter und unter Spannung 
stehender Maschine. Die Vorrichtung spricht derart 
an, daß beim Aufklappen der Kapselungsdeckel die 
Erregung sofort selbsttätig abgeschaltet und damit 
der Generator spannungslos wird. Zum Schutz gegen 
das Auftreten hoher Abschaltungsspannungen sind 
Löschkondensatoren und Schutzwiderstände im Er- 
regerkreis angeordnet. 


28 a = Patentschau. 


Ein vollständiges Gleichstrom-Hochspannungs- 
Aggregat ist in Bild 2 dargestellt. Ein nach Patenten 
der Herstellerin erbauter selbstanlaufender Dreh- 
strommotor als Antriebsmotor ist mit einem Hoch- 


spannungs-Anodengenerator von 3,0 KW Leistung bei 
3000 Volt Spannung, 2940 Umdrehungen pro Minute 


und einer Gleichstromerregermaschine für den Gene- 
rator direkt gekuppelt und auf gemeinsamer Grund- 
platte montiert. Sämtliche Maschinen sind ventiliert 


geschützt ausgeführt. 

Bild 3 zeigt ein nach Schutzrechten der Firma 
hergestelltes Aggregat ähnlicher Leistung in schwall- 
wassergeschützter Ausführung. Der rechts auf dem 
Bild sichtbare, von der Maschinenwelle angetriebene 
Lüfter versorgt Motor und Generator 


© ® 
ı - pi rä 


durch ein 


System von Zuluftkanälen mit Frischluft. Die Warm- 
luft tritt durch die an den Seitenwänden der Grund- 
platte sichtbaren Oeffnungen ins Freie. 

Die Firma hat Hochspannungsaggregate bereits 
für Spannungen bis zu 10000 Volt ausgeführt. 

Eine besondere Spezialität der Firma sind die 
Mehr-Kollektor-Generatoren, wie sie 
namentlich für Kurzwellensender- und Notsender- 
betrieb verwendet werden. So werden Maschinen 
für fünf verschiedene Spannungen hergestellt. Die 
Maschinen besitzen dabei drei Stromwender, denen 
hoch-, mittel- und niedergespannter Gleichstrom ent- 
nommen wird, ferner zwei Schleifringe zur Entnahme 
von Wechselstrom von 50 Hz. Außerdem besitzt die 
Maschine eine Mittelfrequenzwicklung zur Entnahme 


eines Wechselstromes: geringer Leistung bei 800 Hz 

Das Bild 5 zeigt die Maschine mit -abgenommenen,r 
Kapselungsdeckeln. Der Antrieb solcher Maschine 
erfolgt vorzugsweise 
maschinen. | 

Außerdem werden für Kleinsender GleichLy 
strom - Gleichstrom - Hochspannungs: 
Einankerumformer gebaut. 

Erwähnt sei noch der Bau von Meizstronm- 
Niederspannungs - Generatoren fir 
direkte Kupplung mit Drehstrom- und Gleichstrom. 


| Ir 
Antriebsmotoren sowie für Rienienantrieb. Das Bild 4 | 
zeigt ein solches Aggregat für eine Leistung von |\i 
500 Amp. bei 17 Volt. Der Antrieb erfolgt durch einen |in 
Drehstrom-Selbstanläufermotor von 1440 U.p.M. | 
DieBayerischenElektricitäts-Werke 
befassen sich auch mit dem Bau von Mittel-! | 
irequenz-Generatoren, die vorzugsweise | 
als Eingehäusetyp hergestellt werden, um so alleli: 
Erleichterungen bei Unterbringung in knappem Raum | | 
zu gewährleisten. Neben Maschinen für aus- j, 
gesprochene Mittelfrequenz, d. h. für den Frequenz- x, 
bereich von 250 bis etwa 1000 Hz, beschäftigt sich |, 
die Firma auch mit dem Bau von Hochfrequeınz- A 
maschinen. 


‘Patentschau. 
Von Carl Lübben. 


Erzeugung elektrischer Schwingungen konstanter 
Frequenz. 
D.R.P. 475 832, Klasse 2la*, Gruppe 6 (Lorenz), 
Pat. vom 11. Januar 1928, ausgegeben am 2. Mai 1929. 
Bekanntlich gibt eine Gleichstrommaschine, mit 
deren Feldwicklung ein Schwingungskreis verbunden 


Bild 1. 
wird, elektrische Schwingungen von der Frequenz 


dieses Schwingungskreises unabhängig von der 
Tourenzahl der Maschine. Eine solche Maschine wäre 
zur Erzeugung konstanter Frequenz ideal, wenn nicht 
die in der Maschine auftretenden Verluste diesem Zu- 


sei 
stande bei höheren Frequenzen bald ein Ende setzen fi, 
würden. Dagegen können Schwingungen von nie- [m 
driger Frequenz etwa in der ' Größenordnung von 'gi 
100 Perioden pro Sekunde erzeugt werden. Er- 
findungsgemäß soll eine solche Einrichtung zur Er- 
zeugung niedriger Frequenzen mit einem Frequenz- : 
wandler zusammengeschaltet werden, um die erfor- i 
derliche hohe Gebrauchsfrequenz zu erzielen. In: 
Bild 1 bedeutet G der Anker, F die Feldwicklung eines | 
Gleichstromgenerators, die mit dem Schwingungs- | 
kreis C, L und dem Frequenztransfiormator T ver- 
bunden ist. Der Sekundärkreis des Frequenztransior- 
mators wird durch die Größen L -C> und R gebildet. 


Röhrensender. 

D.R.P. 476 062, Klasse 21a*, Gruppe 8 (Int. Gen. 
El. Co., New York), Patent vom 13. Januar 1928, aus- | 
gegeben am 11. Mai 1929. Amerikanische Prioritil |; 
vom 11. Februar 1927. m 


— 2 


. Bei Röhrensendern, denen die Anodenspannung 
“urch Gleichrichterröhren zugeführt wird, verwendet 
| ıan gewöhnlich als Ausgleichsmittel Kondensatoren 
(Bild 2) im Nebenschluß mit dem Kreis und Schein- 
‚'iderstände in Reihe mit dem Kreis. Beim Tasten, 
ısbesondere bei Schnelltelegraphie, treten leicht 


. Bild 2. 


'szilatorische Momentanströme auf, die eine brauch- 
are Arbeitsweise verhindern. 

Erfindungsgemäß sollen diese störenden Ströme 
lurch Einschaltung einer Drossel A beseitigt werden, 
‚lie auf einem Eisenkern von geringem magnetischen! 
Widerstand gewickelt ist, und nur wenige Drahtwin- 
dungen besitzt. 


Röhrensender. 


© D.R.P. 475 753, Klasse 21a*, Gruppe 8 (Telefunken), 
Pat. vom 30. Dezember 1927, ausgegeben am 1. Mai 
«1929. 


: Um bei Röhrensendern die Verstimmungen eines 
'n Parallelresonanz (Stromresonanz) schwingenden 
Kreises durch einseitig übertragenen Wirkwiderstand 
zu verhindern, soll erfindungsgemäß ein zusätzlicher 
Blindwiderstand eingeschaltet werden, der vom 


un M 


Bild 3. 


gleichen Betrage des Blindwiderstandes des Zweiges 
ist, in den der Wirkwiderstand nicht übertragen wird, 
und der ein entgegengesetztes Vorzeichen besitzt. 
‚Bei der in Bild 3 dargestellten Anordnung ist als zu- 


Bild 4. 


Sätzlicher Blindwiderstand eine Drossel D vor- 
gesehen. Bei der in Bild 4 dargestellten Gegentakt- 
Schaltung sind die beiden zusätzlichen Blindwider- 
Stände. die Drosseln D, und D., in die beiden Anoden- 
zeiger eingeschaltet. 


Patentschau. 29 


Gegentakt-Röhrensender. 


D.R.P. 475 568, Klasse 21a*, Gruppe 15 (Pohontsch), 
Pat. vom 19. April 1928, ausgegeben am 27. April 
1929. 


Zur Erzeugung kurzer Wellen verwendet man 
Röhrensender mit zwei Röhren in (egentaktschal- 
tung, um eine möglichst gute Symmetrie zu erhalten. 
Erfindungsgemäß soll zwischen Symmetriepunkt 4 


(Bild 5) der Schwingkreisspule und dem gemeinsamen 
Minuspunkt K ein Schwingungskreis C, L eingeschal- 
tet werden, der annähernd auf die erzeugte Frequenz 


Meh 


abzustimmen ist. Es soll durch diese Anordnung eine 
erheblich größere Schwingleistung erzielt werden 
können. 


Mehrphasenwechselstrom-Hochirequenz-Umiormer. 

D.R.P. 475833, Klasse 2la*t, Gruppe 8 (Lorenz), 
Pat. vom 8. Oktober 1927, ausgegeben am 3. Mai 
1929. 


Bei Hochfrequenzenergie 


Erzeugung von 
durch Speisung mehrerer Röhren mit Mehrphasen- 
strom ergeben sich dadurch Schwierigkeiten, daß an 
jeder der Röhren bei der negativen Halbperiode des 


der 


Speisestromes hohe negative Anodenspannungen 
liegen, während in demselben Augenblick am Gitter 
positive Spannungen herrschen, die wiederum starke 
Gitterströme zur Folge haben. Erfindungsgemäß 
sollen diese Nachteile dadurch beseitigt werden, daß 
die Gitterkreise der einzelnen Röhren ebenfalls durch 


30 


Patentschau. 


den Speisewechselstrom derart beeinflußt werden, 
daß während der negativen Halbperioden der Speise- 
spannung das Gitter keine oder nur geringe positive 
Spannung führt. Das Bild 6 zeigt eine derartige An- 
ordnung, bei der drei Eisendrosseln D vorgesehen 
sind, deren Sekundärwicklungen in den Gitterkreisen 
der einzelnen Röhren liegen, während die Primär- 
wicklungen vom Speisewechselstrom gespeist wer- 
den. Die Drosseln haben noch je eine dritte Wick- 
lung w, die hintereinandergeschaltet sind und mit 
einer Gleichstromquelle verbunden sind, um eine ge- 
eignete Vormagnetisierung herzustellen. 


Herstellung piezoelektrischer Elemente. 


D.R.P. 475 567, Klasse 2la*, Gruppe 8 (Int. Gen. 
El. Co., New York), Pat. vom 27. Oktober 1927, aus- 
gegeben am 30. April 1929. Amerikanische Priorität 
vom 8. März 1927. | 


Die Herstellung der Piezokörper erfolgt bisher in 
der Weise, daß aus einem Mutterkristall Teile in be- 
stimmter Beziehung zur optischen und elektrischen 
Achse ausgeschnitten werden. Erfindungsgemäß soll 
die Herstellung der Piezokristalle dadurch wesentlich 
erleichtert werden, daß ein Samenkristall aus einem 
Teil eines vollständigen Kristalls derart geschnitten 
wird, daß eine seiner Flächen parallel zu einer ge- 
wissen Fläche des vollständigen Kristalls ist. Dieser 
Samenkristall soll dann mit dieser Fläche gegen eine 
von zwei Platten gelegt werden, die in einem Ab- 
stand voneinander liegen, der der gewünschten Dicke 
des Kristalls entspricht. In einer geeigneten Mutter- 
flüssigkeit wächst dieser Samenkristall zu der ge- 
wünschten Kristalltafel. 


Nachweis von Schwingungen mittels Piezokristalle. 


D.R.P. 475374, Klasse 21a!, Gruppe 42 (Tele- 
funken), Pat. vom 26. März 1926, ausgegeben am 
24, April 1929. 


Wenn man einen Piezokristall in seiner Eigen- 
schwingung erregt, beobachtet man an den Seiten des 
Kristalls das Auftreten heftiger Luftwirbel, die durch 
die mechanischen Schwingungen des Kristalls erregt 
werden. 

Erfindungsgemäß sollen diese Luftströmungen 
dazu verwendet werden, um einen geeigneten Indi- 
kator zu beeinflussen. Dieses kann in sehr verschie- 
dener Weise geschehen, z. B. durch Bewegung einer 
Kontaktvorrichtung, Ablenkung eines Flüssigkeits- 
strahls, Bewegung eines Spiegels für Zwecke der 
Bildtelegraphie usw. 


Tasten von Röhrensendern. 


D.R.P. 475133, Klasse 21a’, Gruppe 16 (Tele- 
funken). Pat. vom 5. September 1924, ausgegeben am 
19. April 1929. 


Das sogenannte Verstimmungstasten, bei dem gce- 
wöhnlich zwei verschieden abgestimmte Schwin- 
sungskreise beim Tasten abwechselnd in Betrich 
kommen, wird gewöhnlich benutzt, wenn beim Ver- 
stimmen erhebliche Wellenunterschiede auftreten 
sollen. Beim Tasten von Kurzwellenröhrensendern 
ist erfolgreicher Betrieb schon durchführbar, wenn 
die Wellenänderungen außerordentlich gering sind, 
zum Beispiel Bruchteile von ess der Wellenlänge. 


Änderungen der Wellenlänge beim Tasten durch 
Änderung der Selbstinduktion oder Kapazität gibt fast 
immer Anlaß zur Funkenbildung im Tastkontakt. 
Erfindungsgemäß soll nun das Tasten in der 
Weise erfolgen, daß ein Ohmscher Widerstand W 


(Bild 7) in die Gitterleitung des Röhrensenders ein- 
geschaltet ist und parallel dazu über Hochfrequenz- 
drossel D die Taste T liegt. 


Richtantennensystem. 


D.R.P. 475 293, Klasse 21a*, Gruppe 46 (Jagy, 
Japan), Pat. vom 21. Juni 1926, ausgegeben am 
25. April 1929. Japanische Priorität vom 12. Dezeni- 
ber 1925. 


Die Erfindung betrifft ein Richtantennensystem, bei 
dem mehrere senkrechte isolierte Leiter in geeigneter 
Entfernung von einer senkrechten Antenne angeord- 
net und bezüglich ihrer Länge in bestimmter Weise 
abgeglichen sind. Ist nämlich die Länge des Leiters 
gleich oder wenig größer als die halbe Wellenlänge, 
so wirkt der Leiter als Reflektor. Wenn andererseits 
die Länge des Leiters kürzer als eine halbe Wellen- 
länge ist. so wirkt der Leiter als Wellenrichter, indem 


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Er 4 %. 
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el 
4 2 4 
Bild 8. 


er die Wellenenergie absorbiert und weiter 
Richtung des Richtungsgebers ausstrahlt. 

Bei der Anordnung in Bild 8 sind in geeigneter 
Entfernung von der Hauptantenne 1 senkrechte Leiter 


in der 


Bild 9. 


3, 4 angeordnet, die länger bzw. kürzer ausgebilde . 


sind wie dieses aus dem Bild 9 ersichtlich ist. Außer- 
dem sind eine Anzahl Leiter, 5,5’, 5”, 5”, hinter der 
Antenne 1 angeordnet, die kürzer als eine halbe 
Wellcnlänge (0,8 bis 0,95 der halben Wellenlänge) sin, 


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= Patentschau. 31 


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ad reflektierend wirken. Eine Anordnung, die nach. 


en Versuchen die größte Wirkung ergeben soll, ist in 
«ild 10 dargestellt, bei der die Leiter 1 bis 4 auf den 
eiten eines Dreiecks angeordnet sind. 


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A | Bi} 
Bild 10. 


Gegensprecheinrichtung. 


D.R.P. 475535 Klasse 2la', Gruppe 50 (Lorenz), 
2at. vom 8. Januar 1925, ausgegeben am 26. 4. 1929. 


Für eine drahtlose Gegensprecheinrichtung ver- 
wendet man häufig getrennte Sende- und Empfangs- 
ıntennen mit verschiedener Abstimmung. Dieses 
Verfahren ist jedoch nur anwendbar, wenn man mit 
Jen beiden Antennen genügend weit auseinandergelit 
əder sie entkoppelt.e. Man kann diese Nachteile ver- 
meiden, wenn man die beiden Wellenlängen so dicht 


Bild 11. 


aneinanderlegt, daß durch das Zusammentreten beider 
cine Schwebungswelle entsteht, die noch außerhalb 
der Hörbarkeit liegt und die einem geeigneten Emp- 
fänger zugeführt wird. Die Sendeenergie stört dann 
solange nicht, als im Empfänger der Sättigungsstronı 
nicht erreicht wird. 


Erfindungsgemäß soll an Stelle zweier Antennen 
nur eine verwendet und Sender und Empfänger durch 
eine Brückenschaltung voneinander getrennt werden. 
In diesem Falle ist es einfach, die Verstimmung der 
Brücke so zu wählen, daß nur so viel Sendecnergie 
in den Empfänger gelangt, als für die größte Emp- 
iangslautstärke notwendig ist. Eine derartige An- 
ordnung zeigt Bild 11, bei der eine Antenne mit den 
Kondensatoren C und der Hintcreinanderschaltung 
cines Kondensators C, und einer Spule L, eine Brücke 
bildet, die mit einer Selbstinduktion Z durch einen 
Umschalter U mit Empfänger und Sender verbunden 
ist. Der Umschalter trägt an seinem Griff den 
Haken H zum Anhängen des Telefons. Durch den 
Umschalter wird die Selbstinduktion Z entweder im 


Empfänger oder Sender eingeschaltet, und dadurch 
der erforderliche Wellenwechsel hervorgerufen. 


Gleichwellentelephonie. 


D.R.P. 475 375, Klasse 21a*, Gruppe 55 (Int. Stand. 
El. Corp., New York), Pat. vom 2. Februar 1927, aus- 
gegeben am 23. April 1929. 


Bei der Gleichwellentelephonie, bei der mehrere 
Stationen mit derselben Frequenz synchron gesteuert 
werden, erfolgt an den verschiedenen Stellen des 
Raumes eine Interferenz je nach der Phase der ein- 
zelnen Wellen an den betreffenden Punkten. Auf 
Grund der Ungleichmäßigkeit der Leitung, welche die 
synchronisierende Welle von der einen Station zur 
anderen leitet, können sich die Phasenverschiebungen 


Bild 12. 


von Zeit zu Zeit ändern, so daß im Empfänger 
periodische Abschwächungen — ähnlich dem Fading- 
Effekt — auftreten. 


Erfindungsgemäß sollen diese Schwankungen da- 
durch beseitigt werden, daß man an passenden 
Punkten zwischen den Stationen Phasenveränderungs- 
vorrichtungen anordnet. Ein solcher Phasenrichter 
ist z. B. in Bild 12 dargestellt. Eine Spule Z, ist über 
den Widerstand R, und eine Spule L, mit dem Kou- 
densator C verbunden. Eine Spule L, wird mittels 
eines Motors M so bewegt, daß sich die Kopplung mit 
der Spule L, erhöht, während sich die Kopplung mit 
der Spule L. verringert und umgekehrt. 


Verfahren zur mehrfachen Hochfrequenzübertragung. 


D.R.P. 474 643, Klasse 21a’, Gruppe 56 (Tele- 
funken), Pat. vom 12. Januar 1924, ausgegeben am 
27. April 1929. 

Die Erfindung betrifft eine Vereinigung der Hoch- 
frequenzübertragung auf drahtlosem Wege und Längs- 
drahtleitungen derart, daß die hochfrequenten Schwin- 
gungsströme über beide Wege gleichzeitig so geleitet 
werden, daß sie im Empfänger nutzbar gemaclıt wer- 
den können. Diese zwei Wege Hochfrequenzüber- 
tragung bieten eine erhöhte Sicherheit der Naclı- 
richtenübermiittlung, z. B. bei Unterbrechung der 
Drahtleitung oder bei Störungen in der drahtlosen 
Nachrichtenübermittlung. Ein weitere Vorteil liegt 
darin, daß am Empfangsort eine größere Lautstärke 
erzielt werden kann. 


Nachweis schwacher Wechselströme. 


D.R.P. 474813, Klasse 21g, Gruppe 12 (Geffcken 
& Richter), Pat. vom 16. November 1923, ausgegeben 
anı 10. April 1929. 


Zum Nachweis schwacher Wechselströme wird 
eine Finrichtung vorgeschlagen, bei der die Wechsel- 
stromenergie gewissermaßen aufgespeichert wird, un 


J 
6 


ö 
Bild 13. 


dann beim Ueberschreiten eines gewissen Energie- 
niveaus eine kurze Augenblickleistung hervorzurufen. 
Zu diesem Zweck wird ein Detektor 3 (Bild 13) in 
Reihe mit einem Kondensator 2 geschaltet, zu dem 
parallel eine Gasentladungsstrecke 1 liegt. Der Kon- 
densator lädt sich auf und entlädt sich bei Erreichung 
der Zündspannung der Glimmröhre 1 über diese mit 
einer Stromstärke, die ein Mehrfaches der Auflade- 
stromstärke beträgt. Das Eintreten der Entladung 
kann unmittelbar durch die Leuchterscheinung oder 
unter Zwischenschaltung eines geeigneten Relais, z. B. 
eines Kopfhörers 5 erfolgen. 


Bild 14. 
Da schwache Wechselstromenergien praktisch 
selten die zur Betätigung einer Gasentladung 


notwendigen Spannungsamplituden aufweisen, ist es 
zweckmäßig, eine Hilfsspannung an die Glimm- 
röhre zu legen, die etwas niedriger bemessen 


a 


lt- i| 


Bild 15. 


ist als die Zündspannung. Eine derartige An- 
ordnung zeigt Bild 14. Die Hilfsspannung wird hier 
von der Batterie B mittels eines Potentiometers F ab- 
gegriffen. 

Besonders zweckmäßig ist es, als Detektor eine 
Glühkathodenröhre zu verwenden, da diese auch bei 
hohen Spannungen eine vollkommene Gleichrichter- 
wirkung besitzt. Eine solche Anordnung zeigt Bild 15. 


Bildtelegraphie. 
D.R.P. 474 869, Klasse 2la’, Gruppe 32 (Clausen 
vud von Bronk), Pat. vom 19. Juni 1927 (Zusatz zum 
Pat. 450 454), ausgegeben am 13. April 1929. 


Patentschau. 


Im Hauptpatent 450454 handelt es sich um eii 


—— 


Verfahren zur Bildzerlegung bzw. -zusammensetzun: | 


mittels geeigneter Gitter, die im Gang der Lich. 
strahlen eingeschaltet und unter dem Einfluß elek- 
trischer Spannungen in ihren optischen Eigenschafte: 


—— 


beeinflußt werden. 


Erfindungsgemäß soll die Anordnung so getroiien 
werden, daß zwei Zerlegungsgitter G, und G. (Bild 19) 


7. 
i7 


ae 
4i- 


rt 
4l- 


Bild 16. 


zwischen drei Polarisatoren P,, P., P, angeordnet 
sind. Durch eine solche Anordnung kann nur dam 
das Licht hindurchgehen, wenn beide Zerlegungsgitier | 
erregt sind. Die beiden Gitter werden mit ver- | 
schiedenen Freugenzen erregt, die der Unterteilung | 
des Bildes in Bildpunkte entsprechen, so daß es mög- ' 
lich ist, auf diese Weise nacheinander das ganze 
Bildfeld abzutasten bzw. zusammenzusetzen. 


Bildübertragung. 


D.R.P. 475 831, Klasse 2la!, Gruppe 32 (Lorenz). 
Pat. vom 24. Dezember 1927, ausgegeben am 11. Mai 
1929. 

Bei der Bildübertragung werden den Hoch- 
frequenz-Trägerwellen häufig außer der Modulations- 
frequenz, die den Bildzeichen entspricht, noch eine 


Praktisch macht es Schwierigkeiten, beide Frequenzen 


voneinander zu trennen. Erfindungsgemäß soll dieses 


dadurch erleichtert werden, daß bei der Sender- 
cinrichtung das auf der einen Seite der Träger- | 
) 
| . 
b - 5 
| 
S J En 
Bild 18. 


welle / (Bild 17) liegende Bildfrequenzband b, und 


das auf der anderen Seite der Trägerwelle liegend: |: 


Synchronisierungs-Seitenfrequenz f unterdrückt wird. 
Es bleiben also für die Sendung die in Bild 18 an- 
gegebenen Frequenzen bzw. Frequenzbänder f, u 
b, übrig, die ohne besondere Schwierigkeiten auf der 
Enipfangsseite voneinander getrennt werden Könner. 


besondere Synchronisierungs-Frequenz aufgedrückt. 


I 


Die neuesten deutschen Hochfrequenz-Patente. 


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Nr und |Ausgabe- Inhalt 
Gruppe tag | 
473 792| 21c/54 15. 4.29 | Regelwiderstand 
474 608| 21a?/l 15.4.29 | Vorrichtung zur Schallwiedergabe 
‚474 642| 21al/29 9.4.29 | Röhrenempfänger 
474 643! 21a%/56 | 17.4.29 | Mehrfachtelegraphie durch Hoch- 
| frequenz 
474 677 21c/66 8.4.29 | Regelung von Maschinen mittels 
Röhren 
474681. 21g/15 | 15.4.29 | Schwingender Gleichrichter 
474 808: 21al/9 15. 4.29 | Empfänger 
'474 813| 21g;12 | 10.4.29 |Relais zum Nachweis schwacher 
| Ströme 
474 869| 21al/32 | 13.4.29 | Bildtelegraphie 
474 875) 21g;10 13.4.29 | Kondensator 
474 942 21a?/3 16.4.29 | Elektrostatischer Lautsprecher 
474 943| 2la?/1l | 15.4.29 | Lautsprecherinembran 
475031! 21a%/77 | 17.4.29 | Heizwiderstand 
-475 060! 2121/29 | 18.4.29 | Röhrenempfänger 
- 415061! 21a4/38 | 17.4.29 | Detektor 
- 475 062 21ał/68 | 18.4.29 | Toroidspule 
. 475 063| 2la1/69 | 20. 4. 29 Zwischenfrequenz-Transformator 
475113; 21g/29 | 17.4.29 | Lichtelektrische Zelle 
475132, 21a1/6 19.4. 29 | Frequenzsteigerung 
*475 133| 2lat/l6 | 19.4.29 | Tasten von Kurzwellen-Röhren- 
sendern 
475134, 2124/76 | 19.4.29 | Röhrenschutzwiderstand 
475162: 2la4/76 | 19.4.29 | Schirmvorrichtuug 
475 177, 21a4/25 | 26.4.29 | Empfangseinrichtung 
475218. 2lal/7 20.4.29 | Wechselstromtelegrafielängs Lei- 
| tungen 
175220; 21a4/29 | 20.4.29 | Hochirequenzverstärker 
. 4752211 2la!/35 | 22.4.29 | Netzanschlußemplänger 
‚475 222) 2124/38 | 20.4.29 | Detektor 
475 223| 21a%/68 | 20.4.29 | Ringspule 
475 224| 2124/69 | 20.4.29 | Abstimmvorrichtung 


Referate. | 33 


Klasse 


Nr. und Ausgabe- Inhalt 
Gruppe tag 
475 225| 21a4/75 | 20.4.29 | Herstellungsverfahr. f. Radiogeräte 
475240! 21a?/3 23.4.29 | Schaltung für Kondensatormikro- 
phone 
475 271| 2la!/22 | 22.4.29 | Störbeseitigung 
475 272| 21at/38 | 22.4.29 | Detektor 
475 274| 218/10 23. 4.29 | Kondensator 
475275| 21g/10 | 22.4.29 | Kondensator | 
*475 293| 21a2/46 | 25.4. 29 | Richtantennensystem 
475330| 21a4/76 | 22.4.29 | Störbeseitigung 
*475 374| 2lat/42 | 24.4.29 | Piezoelektrische Schwingungs- 
kontrolle 
*475 375| 21a4,55 | 23.4.29 | Gleichwellen-Rundfunk 
475 376! 21a4/76 | 24.4.29 | Schutzvorrichtung 
475430| 21a°/3 25. 4.29 | Elektrostatisches Telephon 
475 487! 21a2/69 | 25.4.29 | Lautstärkenregelung für Empfänger 
475 490! 21c/59 25. 4.29 | Fliehkraftregler für Hochfrequenz- 
maschinen 
*475 535| 21a4/50 | 26.4.29 | Gegensprechen 
*475 567; 21a4/8 30. 4.29 | Herstellung von Piezoelementen 
*475 568! 2la4/15 | 27.4.29 | Gegentakt-Röhrensender 
475 570| 2le/l 29. 4. 29 | Hochohmwiderstand 
475 572 21a?/1 2. 5. 29 | Lautsprecher 
475572, 21a?/7 1.5.29 | Lautsprecher 
*475 753| 2la!/8 1.5.29 | Röhrensender 
475 765| 21g/!3 1.5.29 | Röhre 
*475 831) 2lal/32 | 11.5.29 | Bildübertragung 
*475 832| 21a4/6 2.9.29 | Frequenzsteigerung 
*475 833| 21a4/8 3.5.29 | Röhrensender 
475 891| 21a1/32 2.5.29 | Bildübertragung 
*4:6062| 21a4/8 | 11.5.29 | Röhrensender 
476 064| 21a?/70 | 11.5.29 | Einstellvorrichtung 


| 


Die mit * bezeichneten Patente sind in diesem Heft aus- 
führlicher referiert. 


Referate. 


G. W. N. Cobbold und A. E. Underdown. Einige 
praktische Anwendungen von Quarz- 
Resonatoren. (Some practical applications of 
quartz resonators.) Journ. Inst. El. Eng. 66, S. 855 
bis 871, 1928. 


Die vorliegende Arbeit behandelt die Verwendung 
von Quarzresonatoren als Frequenznormale und Fre- 
quenzstabilisatcren. 
= Zunächst geben die Verfasser eine Uebersicht über 
Herstellung und Schleifen piezoelektrischer Schwing- 
kristalle sowie über die verschiedenen Formen von 
Kristallfassungen. Der Vergleich mit zwei anderen 
Frequenznormalen, der Elinvar-Stimmgabel, erregt 
durch einen Multivibrator, und einem elektrischen 
Schwingungskreis fällt nach Ansicht der Verfasser 
zugunsten der Stimmgabel aus. Demgegenüber be- 
sitzt der elektrische Schwingungskreis den Vorzug 
der Abstimmbarkeit. Im Bereich hoher Frequenzen 
ist der Quarzkristall der Stimmgabel allerdings über- 
legen. 


Bei Versuchen mit verschiedenen Schwingschal- 
tungen haben die Verfasser die in Bild 1 dargestellte 
als günstigste gefunden; der angegebene Wert für 
die Induktivitäten L, und LZ, bezieht sich auf einen 
Kristall von 144,5 Kilohertz (A = 2075 m). Die Fas- 


sung besitzt einen mikrometrisch verstellbaren Luft- 
spalt: Eine Aenderung dieses Spaltes von 0,05 auf 
0,12 mm bewirkte eine Verschiebung der Frequenz 
von 144,144 auf 144,500 kHz. Durch Parallelschal- 
ten einer Kapazität von etwa 5 cm zur Spule Z, sinkt 


Bild 1. 


die Frequenz um 7 Hz, d. h. um 1/20 000, während 
eine Vergrößerung der Induktivitäten um 30-40 % 
erst eine Abnahme der Frequenz um 1 Hz zur Folge 
hatte. Aenderungen der Anodenspannung um 40 % 
und der Heizung um 10 % bewirkten Frequenz- 
änderungen von maximal 3 Hz. 

Wurde der ganze Oszillator in einen elektrischen 
Ofen gebracht, so ergaben Temperaturunterschiede 
von 55 bis 125 Grad Fahrenheit eine lineare Abnahme 
der Frequenz um 40 Hz, was einem Temperatur- 


Referate. 


koeffizienten von 4 pro Million auf ein Grad Fahren- 
heit entspricht. 

Ferner wird der Einfluß eines parallel zum Kristall 
liegenden Schwingungskreises, dessen Resonanz- 
frequenz sich zwischen 100 und 190 kHz variieren 
ließ, untersucht. Das Bild 2 gibt die durch Verstim- 
mung des Kreises erhaltene Frequenzkurve wieder: 
Ausgehend von einer Eigenfrequenz von 190 kHz 
fällt die Schwingungsfrequenz zunächst nur in gerin- 


â» f. 
0 2 


Ergenfrequenz des Schwinguagskreiss. 


Bild 2. 


gem Maße ab; bei 145 kHz setzt jedoch ein stei- 
ler Abfall ein, bis bei Resonanz zwischen Schwin- 
gungskreis und Kristall die Schwingungen vollständig 
aussetzen. 


Is: oliermaterial 


Bild 3. 


Um nach Belieben verschiedene Frequenzen ein- 
stellen zu können, konstruierten die Verfasser eine 
Quarzfassung, die dem Bild 3 entsprechend eine An- 
zahl verschiedener Kristalle gleicher Dicke, aber von 
verschiedener Oberfläche enthielt; die Kristalle wer- 
den in Longitudinalschwingungen versetzt. Die Fas- 
sung liegt in der abgebildeten Schwingschaltung, die 
im Prinzip der vorhergehenden Schaltung des Bildes 1 
entspricht, jedoch durch Wahl der einzelnen Abgriffe 
an den Induktivitäten L, und L, die einzelnen Kri- 
stalle nach Belieben zu erregen gestattet. 

Zur exakten Abstimmung der Welle eines Senders 
auf die Resonanzwelle eines Quarzkristalls benutzen 
die Verfasser einen Wellenmesser mit einer Glimm- 
lampe als Indikator. Entsprechend der Resonanzkurve 


des Wellenmessers leuchtet die Glimmlampe übe 
einen breiten Teil der Abstimmskala auf, doch bi- 
wirkt die Energieentziehung durch den Kristall inner- 
halb dieses Bereiches ein plötzliches Erlöschen de 
Indikators. Dieser Abstimmbereich des Kristalls is 
außerordentlich schmal und entsprach bei Versuche 
der Verfasser einer Frequenzänderung von 1:100: 
Um verschiedene Wellen einstellen zu können, wir 
eine mit 4 Kristallen ausgerüstete und ähnlich der 
Bild 3 gebaute Fassung benutzt. 

Zur genauen Wellenmessung innerhalb eines Be- 
reiches von 100 bis 4800 m geben die Verfasser eine 
Quarzoszillator mit 7 Kristallen in Verbindung m: 
einem Ueberlagererwellenmesser an, welcher mittel: 
eines Telephons auf Verschwinden des Interferenz- 
tones abgestimmt wird. Abweichend von Bild: 
wird hierbei eine Anordnung benutzt, bei der mittel: 
eines doppelpoligen Schalters gleichzeitig verschie- 
dene Windungen der Gitterdrossel L, und verschie- 
dene Kristalle eingeschaltet werden. Zu diesem 
Zweck haben die Kristalle nur eine Elektrode gemein- 
sam, während die zweite Elektrode für ieden Kristall 
unterteilt ist. Die Eigenwellen der Quarzkristall: 
liegen zwischen 1000 und 1800 m; durch Abstimmen 
auf ihre Oberwellen läßt sich der oben angegebene 
Bereich bestreichen. 


Ferner beschreiben die Verfasser einen Quarz- 
wellenmesser, der Vielfache von 100 m festlegt, und 
zwar in Verbindung mit einem auf wenige Prozent 
abgeglichenen Sender. Der Quarzoszillator schwingt 
in der Grundwelle von 400 m; daneben können noch 
die zweite und vierte Harmonische mit 200 und 100 m 


Wellenlänge benutzt werden. Die dritte Harmonische. |. 


welche eine Reihe von Wellen ergibt, die ein un- 
geradzahliges Vielfaches von 100 m betragen, wird 
durch einen auf 133,3 m abgestimmten Absorptions- 
kreis auf 25 % ihres normalen Wertes herabgedrückt. 
Gitter- und Anodenkreis einer mit dem Oszillator 
zekoppelten Hechfrequenzverstärkerröhre werden mit- 
tels stufenweise einschaltbarer Kapazitäten auf die 
verschiedenen Harmonischen abgestimmt. Die Meß- 


genauigkeit beträgt 0,02 % bei 500 m und 0,2 % bey, 


5000 m Wellenlänge. 


Zum Schluß geben die Verfasser einen „‚Quarz- 
multivibrator“ an, der alle ganzzahligen Vielfache von 
1000 kHz zu erzeugen gestattet, und zwar in einen 
Wellenbereich von 150 bis 20 m. Analog der vor- 
hergehenden Apparatur besteht der Multivibrator aus 
einem auf 1000 kHz abgestimmten Quarzoszillator. 


einem kapazitiv angekoppelten Filtersystem mit à 
wahlweise einschaltbaren Filterkreisen und einem 
Gleichrichter mit Niederfrequenzstufe zur Hörbar- 


machung und Verstärkung des Schwebungstones. 
Mittels der drei Filterkreise lassen sich alle Har- 
monischen zwischen der 2ten und 15ten 


In der Diskussion weist A. S. Anzwin darauf 


hin, daß ein Luftspalt in der Kristalliassung die Aus- | 
herabsetzt. 


gangsamplitude einer Schwingschaltung 
Mit aufliegender Elektrode und bei sorgfältigem Ein- 
regulieren ihres Druckes auf den Kristall konnte mit 
einer einzigen Röhre eine Ausgangsleistung von S% 
Watt erzielt werden. Im Laboratorium der 
Telephonie Gesellschaft ist ein Quarzoszillator ent- 


wickelt worden, der eine Frequenzkonstanz von I pro 


Million über 10 Tage beibehielt: Damit dürfte die 


einstellen. < 


Bell 


and 
Fre 
Inte 
cT 
ach 
auf 
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jie 
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E 
| er 


Referate. 35 


jenauigkeit der besten Elinvar-Stimmgabel erreicht 
ein. C. J. Aston bemerkt, daß geringe Frequenz- 
‚erschiebungen durch Temperaturerhöhung mittels 
cines Thermostaten möglich erscheinen, da von den 
/erfassern die Beziehung zwischen Frequenz und 
‚emperatur als linear angegeben wird. Demgegen- 
iber können jedoch unkontrollierbare Frequenz- 
;prünge auftreten, die das Verfahren nur bedingt an- 
sendbar erscheinen lassen. Bei Aenderung des 
_uftspaltes über dem Kristall machen sich die zwi- 
schen Kristalloberfläche und Elektrode auftretenden 
'_uftwellen störend bemerkbar, indem dieselben eine 
Jämpfende Wirkung auf die mechanischen Quarz- 
schwingungen ausüben. S. J. Underhill betont, 
daß Kristalle für eine Resonanzfrequenz über 3.10" 
J3esonders sorgfältig geschliffen werden müssen, weil 
‘andernfalls benachbarte Stellen mit verschiedenen 
Frequenzen angeregt werden und einen hörbaren 
Interferenzton ergeben können; aber auch wenn die- 
ser Ton über der Hörbarkeitsgrenze liegt, machen 
sich Unstabilitäten und Sprünge von einer Frequenz 
auf die andere störend bemerkbar. Aus diesem 
Grunde hält G. W. Goyder bei hohen Frequenzen 
‚die longitudinale Anregung für vorteilhafter, denn die 
schwingende Oberfläche ist in diesem Fall kleiner, 
so daß geringe Unregelmäßigkeiten nicht so sehr ins 
Gewicht fallen. H. E. Hollmann. 


C. R. Englund. Die Eigenwelle linearer 
Leiter. (The natural period of linear conductors.) 
Bell Syst. Techn. Journ. 7, S. 404—419, 1928. 


Aus der Theorie von Abraham ergibt sich das 
Verhältnis der Eigenwelle } eines linearen Leiters zu 
‚seiner physikalischen Länge l zu 2. Abweichend 
hiervon gibt Mac Donald den Wert 2,53 an, der 
auch dann noch gelten soll, wenn der Leiter zu einem 
nahezu geschlossenen Kreis zusammengebogen wird. 

Zur exakten Messung dieses Verhältnisses benutzt 
. der Verfasser einen Röhrengenerator mit einem Wel- 
 lenbereich von 4,24 bis 8,44 m. Eine Dipolantenne ist 
galvanisch mit dem Schwingungskreis gekoppelt. Zur 
Messung und Konstanthaltung der Sendeenergie ist 
ein mittels zweier kurzer Drähte induktiv angekoppel- 
tes Thermogalvanometer vorgesehen. 

Die Empfangsantennen sind Messing- und Kupfer- 
rohre von etwa 1,3 cm Stärke; in der Mitte befindet 
sich ein Thermokreuz von 600 Ohm Widerstand und 
einer Empfindlichkeit von 4 mA für den vollen Aus- 
schlag. Besondere Sorgfalt ist auf die genaue Mes- 
sung der Wellenlänge mittels eines Lechersystems 
gelegt, wobei eine Genauigkeit von 0,3 "/. erreicht 
wird. 

Da in geschlossenen Räumen die von den Wänden 

und dem Beobachter reflektierten Wellen sich störend 
bemerkbar machten, mußten die Versuche im Freien 
vorgenommen werden. Aber auch hier mußten die 
vom Erdboden reflektierten Wellen berücksichtigt 
und eine Verstimmung der horizontal liegenden An- 
tennen durch die Erdkapazität vermieden werden. 
Vorversuche ergaben, daß diese in einer Höhe von 
4 m über der Erde nicht mehr zu bemerken war. 

Wurde die Höhe der Empfangsantenne stetig ver- 
ändert, so ergab sich ein Maximum des aufgenomme- 
nen Stromes; dies lag z. B. bei einer Wellenlänge 
von 6,34 m und einem Abstand zwischen Sender und 


Empfänger von 7,7 m bei einer Höhe von 3,85 m, 
während sich die Sendeantenne 2,5 m über dem Erd- 
boden befand. Für diesen Fall ergibt eine einfache 
Rechnung, daß der Erdboden ersetzt werden kann 
durch eine Metallfläche, die sich 0,71 m unter der 
Erdoberfläche befindet. 

Die Resonanzkurven verschiedener Empfangs- 
antennen wurden aufgenommen, indem die Sender- 
welle unter Konstanthaltung der Energie stetig ver- 
ändert wurde. Für Kupferrohre von 300, 250 und 
227,1 cm Länge ergaben sich für das Verhältnis A/l 
die Werte 2,11; 2,13 und 2,13. Daraus ergibt sich, 
daß die Eigenwelle eines Dipols 6—7 % größer ist, 
als seine physikalische Länge, was mehr der Theorie 
von Abraham als der von Mac Donald ent- 
spricht. Leider finden sich keine Angaben darüber, 
in welcher Weise die angegebenen Verhältniszahlen 
von der Beschaffenheit der Antennen, z. B. ihrem 
Durchmesser und dem Material abhängen. 


Verschiedene Antennenstäbe wurden kreisförmig 
zusammengebogen; dabei nimmt bei sehr kleinem Ab- 
stand der freien Enden die Wellenlänge stark zu, was 
auf die vergrößerte Endkapazität zurückzuführen ist. 
Wird der Kreis mehr und mehr geöffnet, so sinkt das 
Verhältnis A/! bis auf 2,05, steigt dann wieder an, um 
sich stetig dem für den gestreckten Dipol gültigen 
Wert zu nähern. Bei einem gegenseitigen Abstand 
der zusammengebogenen Enden von 10,2 cm betrug 
die Verhältniszahl 2/1 2,166; auch dieser Wert liegt 
noch unterhalb des von Mac Donald angegebenen 
Betrages. 

Verfasser findet, daß sowohl der von einer Emp- 
fangsantenne aufgenommene Strom als auch die 
Schärfe ihrer Resonanzkurve zunimmt, wenn sich 
eine zweite Antenne in unmittelbarer Nähe der ersten 
befindet. Dabei nimmt mit kleiner werdendem Ab- 
stand beider Antennen die Resonanzwelle ab, so dal 
sich das Verhältnis 4/1 dem theoretischen Wert 2 
nähert. 

Um nicht bei jeder Wellenmessung auf das un- 
handliche Lechersystem zurückgreifen zu müssen, 
konstruierte der Verfasser einen einfachen Wellen- 
messer für ultrakurze Wellen, bestehend aus einem. 
in 14 2 schwingenden Lechersystem. Für obigen 
Wellenbereich wird es gebildet aus zwei etwa 1,3 cm 
starken Kupferrohren, die sich in einem Abstand von 
10 cm durch eine Messingscheibe von 15 cm Durch- 
messer verschieben lassen. Als Indikator ist ein 
Thermogalvanometer induktiv mit der Plattenbrücke 
gekoppelt. Für die vorliegende Ausführung ergibt 
sich eine Konstante Brückenverkürzung von 3,1 cm, 
so daß für die Resonanzwelle gilt: 


2 = 4 (d + 3) 


wenn d die Länge der Stäbe vom freien Ende bis 
zur Brücke bedeutet. Die Meßgenauigkeit wird in 
obigem Wellenbereich mit 0,4 °/w angegeben. 


H. E. Hollmann. 


J. C. Warner. Eigenschaften und Ver- 
wendungsmöglichkeiten für Doppel- 
Gitterröhren. (Some charakteristics and appli- 
cations of four electrode tubes.) (Aus dem For- 
schungslaboratorium der Gen. El. Co.) Proc. Inst. 
Radio Eng. 16, S. 424—446, 1928. 


36 


Die Arbeit ist eine Zusammenstellung der wich- 
tigsten Eigenschaften von Schutz- und Raumladungs- 
gitterröhren. Sie werden durch die Ergebnisse von 
Messungen an solchen Röhren illustriert und zum 
Teil in sehr anschaulicher Weise mit den Eigenschaf- 
ten dersell'cn Röhren, aber als Drei-Elektrodenröhren 


3 
S R 
u. Anodenstrom n| mÅ 


Q5 


Schurz -Giffer- 


6 4 2 ö 
Spannung am Stever-Gitter 
Bild 1. 


geschaltet, verglichen. Am Schluß werden noch einc 
Anzahl von besonderen Schaltungen besprochen, die 
den Doppel-Gitterröhren eigentümlich sind. Als Bei- 
spiel ist in Bild 1 die Relais-Charakteristik einer 
Doppel-Gitterröhre UX 222 in der Schaltung als 
Schutzgitterröhre wiedergegeben’), in Bild 2 die ent- 


zn EI 


6 — R 

II TEST 
u ZN 
& 
S 2 
G 


-3 


-2 7 O +7 +2 +3 t4 
Spannung am Stever-Gifter 
Bild 2. 


sprechende Charakteristik derselben Röhre in der 
Schaltung als Raumladungs-Gitterröhre. 

Der Verfasser kennzeichnet die Vorteile der bei- 
den Arten von Doppel-Gitterröhren in folgender 
Weise: i 

Bei der Schutzgitterröhre ist das innere Gitter die 
Steuerelektrode und das äußere oder Schutzgitter 
wird auf konstanter Spannung gehalten. Dadurch 
wird die Kapazität zwischen Anode und Steuergitter 
auf einen meist unmerklichen Wert herabgedrückt. 
Eine zweite Folge des Schutzgitters ist eine starke 
Zunahme des Verstärkungsfaktors und des inneren 
Widerstandes, ohne Schädigung der Steilheit der 
Röhre. Das gestattet einen hohen Grad von Ver- 


1) Ey bedeutet Anodenspannung; die Kurven beziehen sich 
auf eine Schutzgitterspannung von 45 Volt. 


Referate. 


stärkung in Verbindung mit Stromkreisen hoher lm- 
pedanz, ohne daß dabei unerwünschte Rückkopplun- 
gen und Schwingungen auftreten. 


Bei der Raumladungsgitter-Röhre ist die äußere ]: 


Elektrode die Steuerelektrode, während die innere 
auf konstanter Spannung bleibt. Der Zweck de 
inneren Gitters ist der, die Wirkung der Raumladung 
um den Glühfaden und damit den inneren Wider- 
stand zu verringern. Die Raumladungsgitterröhre 
wirkt ebenso wie eine Drei-Elektrodenröhre, besitzt 
aber im allgemeinen größere Steilheit als eine Drei- 
Elektrodenröhre ähnlicher Dimension. 


Bild 3. 


Unter den besonderen Schaltungen erwähnt der 
Verfasser z. B. folgende. Bei einer Raumladungs- 
gitterröhre ändert sich bei Aenderung der Spannung 
am Steuergitter nicht nur der Anodenstrom, sondern 
auch der Strom durch das Raumladungszitter, und 
zwar in entgegengesetztem Sinn, als der Anoden- 
strom. Man kann also daran denken, nicht nur die 


Z ufohr 


Bild 4. 
Aenderungen des Anodenstroms, sondern auch die- 


jenigen des Stroms durch das Steuergitter in der 
Schaltung von Bild 3 oder 4 auszunützen. Dabei kann 
man bei der Schaltung von Bild 3 die Widerstände 
unter Umständen so einstellen, daß durch den an- 
geschlossenen Stromkreis überhaupt kein Gleichstrom 
fließt. 

Seine Meinung über den praktischen Wert solcher 
Stromkreise und von Doppel-Gitterröhren überhaupt 
faßt der Autor in etwa folgender Weise zusammen. 
Die Raumladungsgitterröhre wirkt ebenso wie eine 
Ein-Gitterröhre, aber bei geringeren Anodenspannun- 
gen oder bei etwas größerer Verstärkung. Anord- 
nungen, wie die oben angegebene, bei denen die 
Röhre doppelt ausgenutzt werden soll, — so inter- 


essant sie sein mögen — leisten meist mit einer. 


Röhre nicht mehr, als was man in ebenso einfacher. 
wirksamer und meist billigerer Weise mit zwei Ein- 
Gitterröhren erreichen kann. Dagegen gestattet die 
Schutzgitterröhre nicht nur eine viel höhere Hoch- 


frequenzverstärkung, als man mit einer Ein-Gitter- |: 


röhre bekommen kann, sondern es ist bei ihr auch 
die Rückkopplung durch die Röhre selbst praktisch 
eliminiert, die ia bei den Ein-Gitterröhren sehr stö- 
rend werden kann. J. Zenneck. 


en 
% 
a 
ir 
eh 


- 


y 


M. A. Tuve und O. Dahl. Eine Anordnung 
“zur Modulation eines Senders für die 
Untersuchung der Kennelly-Heavi- 
‚side-Schicht mit der Echo-Methode. 
:(A transmitter modulating device for the study of 
“the Kennelly-Heaviside layer by the echo method.) 
Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 794—798, 1928. 


Mißt man die Höhe der Heavisideschicht mit 


„der Echo-Methode, so werden die Ergebnisse um so 
-klarer, je kürzer die Zeichen sind, die der Sender 


.aussendet. 


| 


Zweck der Arbeit ist die Mitteilung einer 
Methode zur Herstellung sehr kurzer Zeichen. 


Die Anordnung, deren Ausgang auf einen Zwi- 
> schenverstärker wirkt, ist diejenige des nebenstehen- 
den Bildes’). Die linke Hälfte stellt einen ‚„Multi- 
vibrator“ von Abraham und Bloch dar. Bei 
Zur Gitter -Vor Spa 
t90 V desZwischen Virsa, 
im Sender 
RN Eaten 
01M 


‘den im Bild angegebenen Dimensionen erhält man 
-im Anodenkreis der Röhren A und B außer dem nor- 
. malen Anodenstrom Stromstöße derselben Richtung, 
- deren Dauer und Frequenz durch Aenderung der 


ah 


ungefähr */sw sec. zu erhalten. 
"seite des 


Widerstände und Kapazitäten zwischen den Gittern 
und Anoden der beiden Röhren von Bild 1 in weiten 
Grenzen variiert werden kann. Es ist auf diese 
Weise insbesondere möglich, solche Stromstöße von 


“der Dauer von etwa "/,oo0o Sec. in einem Abstand von 


Auf der Sekundär- 
Niederfrequenz-Transformators werden 


diese Strom-Stöße derselben Richtung in einen posi- 


+ 


tiven und negativen Stoß mit noch kürzerer Dauer 
zerlegt, von denen nur der positive auf die stark 


. negativ vorgespannten Gitter der 50-Watt-Röhren 
i wirkt. 


Für den Gebrauch wichtig ist, daß man die Ver- 


- hältnisse so einrichten kann, daß der Sender während 


. der kurzen Zeit der Zeichen seine volle Leistung 
- abgibt. 


Ein Beispiel für die Methode bietet die Kurve von 


: Bild 2, die von einem Sender mit der beschriebenen 


Bar T30 sec BET 


— > Zeit 
Bild 2. 


- Anordnung herrührt und dem tatsächlich aufgenom- 


. menen Oszillogramm nachgezeichnet ist. 
. kennt darin die außerordentlich scharfen Zeichen und 
‘ die Reflexionen, die, wie die Ausmessung ergibt, auf 
eine Kennelly / 
Höhe von 137 Meilen (250 km) schließen lassen. Daß 


Man er- 


-Heaviside-Schicht in der 


1) _M2 in diesem Bilde bedeutet Megohm = 106 Ohm, 


Referate. 


37 


der Abstand und die Intensität der Zeichen nicht ge- 
nau gleich sind, erleichtert die Identifizierung der ein- 
zelnen Reflexionen. J. Zenneck. 


B. S. Smith und F. D. Smith. Ein Gerät zur 
Erzeugung kleiner Hochfrequenz- 
Spannungen von bekannter Größe. An 
instrument for the production of known small high 
frequency alternating electromotive forces. Proc. 
Phys. Soc. 39, S. 18—28, 1928. 


> Galranomeleg, z 
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Thermo-Eiemente| | I Sr 
Zwei A 2 
_Wicklungen 
Eisenpulver-Nern JE ej 
ArimärMichlung | 


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Re p os] 
66 Volf 


Bild 1. 


Das tragbare Gerät besteht aus einem ab- 
geschirmten Röhrengenerator mit Trockenbatterien 
und einem Spannungsteiler besonderer Bauart. Es 
liefert im Frequenzbereich von 10 bis 15 kHz (4 = 
30 bis 6 km) Spannungen im Umfang von 7,6.1079 V 
bis 15.10738 V und ist demgemäß vor allem als Ver- 
gleichssender bei Messungen der Empfangsintensität 
von Langwellen-Stationen verwendbar. An dem 
sorgfältig durchgebildeten Gerät sind besonders her- 


Vom Generator g4 > 
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Bild 2. 


vorzuheben die Maßnahmen zur Beseitigung von fal- 
schen Koppelungen durch Streufelder: beim Gene- 
rator, dessen Bau Bild 1 zeigt, wird im Schwingungs- 
kreis als Induktivität eine Toroidspule mit Eisenkern 
(50 mHy) benutzt, deren geringes magnetisches 
Außenfeld noch durch eine Kompensationswindung 
beseitigt wird; ferner wird eine sehr sorgfältige, z. T. 
mehrfache metallische Kapselung angewandt. 


Von besonderem Interesse ist die Bauart des 
Spannungsteilers, der mit dem Generator durch eine 
biegsame geschirmte Leitung verbunden ist. Um eine 
geometrische Stufung der Spannungen (35 Stufen mit 


38 


dem jeweiligen Verhältnis 1:V 2, Gesamtbereich so- 
mit 1:2.10°) zu erzielen, ist derselbe als Kettenleiter 
ausgebildet (Bild 2). Die Serienwiderstände be- 
tragen 0,0347 Ohm, die Parallelwiderstände 3,47 Ohm. 
der Schlußwiderstand 9,12 Ohm; die ganze Kette 
stellt einen Anschlußwiderstand von 0,12 Ohm dar. 
Die Stromstärke, mit welcher die Kette belastet ist, 
wird mit Thermoelementen und Gleichstrominstru- 
ment (Galvanometer) gemessen und kann zwischer. 
8,33 und 125 mA eingestellt werden. 
E. Mauz. 


J. W. Wright. Der Röhrengeneratormit 
Schwingungskreis in der Gitter- und 
Anodenleitung. (The tuned-grid, tuned-plate, 
self-oscillating vacuum-tube circuit.) Proc. Inst. 
Radio Eng. 16, S. 1113—1117, 1928. 

Es handelt sich um die Schaltung des nach- 
stehenden Bildes, die in Deutschland wohl meist als 
Huth-Kühn-Schaltung bezeichnet wird. Ueber diese 


Schaltung waren in der amerikanischen Literatur 
Arbeiten mit abweichenden Ergebnissen erschienen. 
Der Verfasser stellt die Theorie unter Vernachlässi- 
gung des Gitterstroms richtig. Es folgt aus seinen 
Ableitungen, daß, wenn man Schwingungen erhalten 
will, deren Frequenz durch den Schwingungskreis in 


Referate. 


rn Ze 


der Gitterleitung bestimmt ist, der Schwingungskreis 


in der Anodenleitung eine etwas höhere Eigen | 


frequenz haben und infolge davon für die Schwir- 
gungen eine Induktanz darstellen muß. 
J. Zenneck 


A. Hund. Aperiodische Verstärkung 
und ihre Anwendung auf das Studiun 
atmosphärischer Störungen. (Note u 
apcriodic amplification and application to the stuly 
of atmospherics.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. Wi 
bis 1078, 1928. 

Der Verfasser weist darauf hin, daß Verstärker 
mit induktiver und kapazitiver Kopplung im allgenıci- 
nen aperiodische Spannungen nicht so verstärkc, 


zum 
Oscillb - 
graphen 


daß der zeitliche Verlauf der verstärkten Spannung 
ein richtiges Abbild der zugeführten Spannung ist 
Er empfiehlt in diesem Fall Verstärker mit Doppel- 
Gitterröhre in Raumladungsschaltung und mit reiner 
Widerstandskopplung nach der Art des Verstärkers 
im vorstehenden Bild. J. Zenneck. 


Eingegangene Bücher. 


(Ausführliche Besprechung einzelner Werke vorbehalten.) 


Die Internationale Regelung der Funktelegraphie 
and -telephonie. (Weltfunkvertrag Washington, 1927.) 
Hrgg. von H. Thurn, Ministerialrat im Reichspost- 
ministerium. IV. u. 97 S., 8°. Berlin 1929, Verlag 
Julius Springer. Geh. RM. 8,40. 


Der Amateur-Kurzwellenbetrieb. Fine gemein- 
verständliche Darstellung des Liebhaberverkelhırs auf 
kurzen Wellen. Hrgg. von Max Vantler. Die 
Fachschriften-Reihe des „Funk“. Zweites Heft. 32 S. 
mit 10 Abb., 8°. Berlin 1929, Weidmann sche 
Buchhandlung. Geh. RM. 0,75. 


Elektrische Ausgleichsvorgänge und Operatoren- 
rechnung. Hrgg. von John R. Carson. Erweiterte 
deutsche Bearbeitung von F. O. Ollendorf und 


K. Pohlhausen. IX u. 186 S. mit 39 Abb. im Text 
und einer Tafel, 8°. Berlin 1929, Verlag von Julius 
Springer. Geh. RM. 1650, geb. RM. 18—. 


Elektrische Gleichrichter und Ventile. Hrgg. von 
Prof. Dr.-Ing. A. Güntherschulze. Zweite er- 
weiterte und verbesserte Auflage. 330 S. mit 305 
Textabb., 8°. Berlin 1929, Verlag von Julius Sprin- 


ger. Geb. RM. 29.—. 
Grundriß der Physik. Hrgg. von Prof. Dr. F 
Meigen. 5.—7. vollständig neu bearbeitete Auflagt 


von Prof. F. Meigen und Dr. F. Rossmann. 
Speyers Kompendien und Repetitorien V. 292 S. mit 
52 Abb. im Text, 8°. Freiburg i. Bad. 1929, Speyer 
und Kaerner, Universitätsbuchhandlung. 


Bücherbesprechungen. 


Die Ausbreitung der elektromagnetischen Wellen. 
Von Dr. A. Sacklowski. Mit einer Einführung von 
Professor Dr. ing. e. h. Dr. K. W. Wagner. Ein 
Bericht über die Literatur des Gebietes erstattet mit 
Unterstützung der Heinrich-Hertz- Gesell- 


schaft zur Förderung des Funkwesens. 2. Band der 
Einzeldarstellungen aus der elektrischen Nachrichten- 
technik. Hrsg. von F. Moench. XI und 129 $- 
mit 46 Bildern. Berlin Weidmannsche Buch- 
handlung, 1928. Geh. 4,50 Mk., geb. 6 Mk. 


Der Mochfrequenztechniker und -physiker wird das 
Erscheinen dieses kleinen Werkes freudig begrüßen. 
‘Der Verfasser hat in höchst dankenswerter Weise 
die in zahlreichen Zeitschriften verstreuten Arbeiten 
über Wellenausbreitung zusammengetragen und das 
umfangreiche Material zu einem handlichen Nach- 
schlagewerk geformt. Welche Mühe hier aufzuwenden 
war, zeigt das Literaturverzeichnis, das für sich allein 
schon ein Werk darstellt: nicht weniger als 474 Ar- 
beiten sind zitiert. 


Das Buch zerfällt in einen empirischen und einen 
‚theoretischen Teil. Zunächst werden die experimen- 
tellen Grundlagen behandelt, in erster Linie die Feld- 
stärkemessungen für lange und mittlere Wellen. Die 
verschiedenen Meßmethoden, mit und ohne Hilfs- 
‚sender, werden eingehend beschrieben, sowie die An- 
‚ordnungen zur Trennung von Horizontal- und 
‚Vertikalkomponente. Daran anknüpfend schließt sich 
‚eine Darstellung der Ergebnisse und Folgerungen aus 


‚den Messungen, unter besonderer Berücksichtigung 


der periodischen Schwankungen der Feldstärke sowie 
der Einflüsse von Nordlicht, Sonnenfinsternis und 
Wetter. Es folgt dann ein umfangreiches Kapitel über 
die Aufstellung von Ausbreitungsformeln, in welchen 
die Arbeiten von Austin sowie die ausgedehnten 
Versuche vonRound,Eckersley,Tremellen 
und Lunnon in den Vordergrund gestellt sind. An- 
'schließend folgt ein Kapitel über die Ausbreitung der 
kurzen Wellen, ein weiteres behandelt Fadings, 
Polarisation und Richtempfang. 


Der zweite Teil des Buches bringt die Theorien 
über die Wellenausbreitung. Ausgehend von der 
Hertzschen Formel werden zunächst diejenigen 
Arbeiten herangezogen, welche mit mehr oder minder 
leitender Erde rechnen, ohne Berücksichtigung der 
oberen Atmosphäre. Der nächste Abschnitt behandelt 
die Theorien, welche die Existenz einer leitenden 
Höhenschicht ihren Rechnungen zugrunde legen. 
Hier finden sich die Arbeiten von Larmor (1924), 
Baker und Rice (1926), Elias (1926) und schließ- 
lich von Lassen (1926). Den Schluß dieses Teiles 
bildet ein kurzer Bericht über die Interferenz-Ver- 
suche von Appleton und Barnett sowie über 
die von Quäck beobachteten Doppel- und Mehr- 
Tachzeichen. 


Die Darstellung ist überall klar und flüssig, sie 
wird durch eine große Zahl von Figuren wirksam 
unterstützt. Besonders angenehm wird diese Klarheit 
empfunden bei Behandlung der zahlreichen Methoden 
der Feldstärkemessung für lange und mittlere Wellen. 
Für dieses Wellengebiet ist in der Tat alles bekannte 
Material in großen Zügen mitgeteilt. Was dagegen 
die kurzen Wellen betrifft, so möchte man meinen, 
daß sie etwas stiefmütterlich behandelt worden sind 
im Verhältnis zu dem großen Interesse, das man 
diesem Wellengebiet heute von allen Seiten der 
Theorie sowohl als der Praxis entgegenbringt. Die 
hier geübte Einschränkung mag darin begründet sein, 
daß das Literaturverzeichnis mit 1926 abschließt, ob- 
wohl im Vorwort 1928 als Erscheinungsiahr genannt 
Ist. So kommt es, daß man hier manche grundlegende 
Arbeit vermißt, deren Ergebnisse einem bereits in 
Fleisch und Blut übergegangen sınd — ein Zeichen 


Bücherbesprechungen. | En f 39 


für die rapide Entwicklung dieses Fachgebietes. Es 
sei ferner zugegeben, daß es bei den kurzen Wellen 
besonders schwierig ist, das umfangreiche sich teil- 
weise widersprechende Material über Ausbreitung in 
eine zusammenhängende Darstellung zu bringen. 
Immerhin wirkt es befremdlich, wenn man z. B. auf 
Seite 50 liest, daß zwischen langen und kurzen 
Wellen „in bezug auf die Schwunderscheinungen keine 
wesentlichen Unterschiede bestehen“. Das gleiche gilt 
von der Angabe (Seite 58), daß sich die Schwund- 
erscheinungen bei kurzen Wellen „erst in Entfernung 
von einigen hundert Kilometern, außerhalb der toten 
Zonen“ bemerkbar machen. Daß dies — leider! — 
nicht der Fall ist, wird jeder wissen, der einmal einen 
Kurzwellensender auf nächste Entfernung beob- 
achtet hat. 


Auf alle Fälle füllt das kleine Werk eine seit 
langem empfundene Lücke aus. Es steht zu hoffen, 
daß es mit der weiteren Entwickelung der Kenntnisse 
über die Wellenausbreitung Schritt hält und daß beim 
nächsten Erscheinen auch die kurzen und kürzesten 
Wellen zu ihrem Recht kommen. K. Krüger. 


Die Elektronenröhre.: Von Albrecht Forst- 
mann und Dr. Ernst Schramm. (Die Radio-Reihe, 
Band 24.) 238 S. mit 197 Abb. Berlin 1927. Verlag 
von R. C. Schmidt & Co. Gbd. Gzl. RM. 9.50. 


Unter den vielen Radiobüchern ein Werk, das bce- 
souderer Beachtung wert ist. Den Verfassern ist es 
gelungen, die schwierige Materie trotz Beibehaltung 
der exakten wissenschaftlichen Darstellung derart 
klar und verständlich zu behandeln, daß nicht nur der 
Fachmann, sondern auch der vorgeschrittene Funk- 
freund das Buch mit Nutzen lesen und verwenden 
kann. Von den drei Abschnitten behandelt der erste 
Teil die Theorie der Röhre, insbesondere die Emis- 
sion, Katlıodenarten, Charakteristik und Messungen. 
Der zweite Abschnitt befaßt sich mit der Funktion der 
Röhre in den verschiedenen Schaltungen (Verstärker 
und Gleichrichter) und behandelt die dabei auftreten- 
den Probleme vorwiegend vom theoretischen Stand- 
punkt aus, während im dritten Abschnitt die praktische 
Anwendung mit den Schaltbildern für Nieder- und 
Hochfrequenzverstärkung sowie Demodulation be- 
sprochen wird. Die Darstellung zeichnet sich dadurch 
aus, daß in allen Fällen Formeln entwickelt werden, 
die der Praktiker verwenden kann und daß trotzdem 
eine Allgemeinverständlichkeit erzielt ist, soweit es 
der Stoff überhaupt gestattet. Das Buch wird sich 
sicher viele Freunde erwerben und kann Fachleuten 
ebenso wie Funkfreunden bestens empfohlen werden. 

C. Lübben. 


Verstärkermeßtechnik. lastrumente und 
Methoden. Von Manfred von Ardenne, unter 
Mitarbeit von W. Stoff und F. Gabriel. Mit 
einem Geleitwort von Prof. Dr. M. Pirani. VII 
und 235 S. mit 246 Abb., 8°. Berlin 1929. Verlag 
von Julius Springer. Geh. 22,50 Mk., geb. 24 Mk. 


Das Buch wendet sich nach einem Geleitwort von 
Herrn Pirani vor allen Dingen an diejenigen, 
welche Apparate mit Elektronenröhren im technischen 
Betrieb herstellen, ebenso an diejenigen, welche die 


40 | Bücherbesprechungen. 


Elektronenröhren als Meßinstrument im Laboratorium 
anwenden wollen. Demgemäß hat der Verfasser die 
theoretischen Betrachtungen auf ein Mindestmaß be- 
schränkt und die praktischen Ausführungen über die 
Eigenschaften der einzelnen Meßeinrichtungen und 
Geräte in den Vordergrund gestellt. 

Das Buch gibt einen Einblick in die Meßmethoden, 
die Meßgeräte und die Meßfehler. Zahlreiche gut 
ausgeführte und übersichtliche Schaltskizzen und 
Kurvenbilder erläutern den Text und erleichtern das 
Hineinfinden in die Materie. Ob es allerdings un- 
umgänglich notwendig ist, sogar Röntgenaufnalımen 
von Spulenköpplungen: (Bild 214 und 244) einzufügen, 
scheint mir zweifelhaft. 

Man vermißt — insbesondere bei der alpha- 
betischen Literaturübersicht am Schluß des Buches 
— die restlose Erfassung des Gesamtstoffes. Das 
Literaturverzeichnis ist vollständig wohl nur hin- 
sichtlich der Arbeiten des Verfassers. 

F. Trendelenburg. 


Die Beseitigung der Funkempfangsstörungen. Eine 
praktische Anleitung. Von F. Eppen. Mit einem 
Geleitwort von Dr. Bredow, Rundfunkkommmnissar 
des Reichspostministeriums. Aus der Fachschriften- 
reihe des „Funk“. 31 Seiten, 14 Textabbildungen. 
Berlin 1925. Weidmannsche Buchhandlung. Brosch. 
RM. 0,60. 


Das kleine Buch ist für den Gebrauch des Rund- 
funkpraktikers bestimmt. Es ist einfach und klar ge- 
schrieben. Die schematischen Abbildungen sind über- 
sichtlich und leicht verständlich. 

In einem ersten Teil werden die allgemeinen Ge- 
sichtspunkte in der Frage nach der Entstehung und 
der Beseitigung von Störungen des Rundfunks durch 
irgendwelche elektrische Anlagen — darum handelt 
es sich im ganzen Buch nur — besprochen. 

In einem zweiten speziellen Teil werden die bei 
den einzelnen Störungsquellen anzuwendenden Ver- 
fahren zur Störungsbeseitigung angegeben. Unter 
den Beispielen erwähne ich die elektrische Klingel, 
Pendelgleichrichter, die Temperaturregler von elek- 
trischen Heizkissen, elektrische Bahnen, Generatoren 
und Motoren und Hochfrequenzheilgeräte. In allen 
diesen Fällen werden einfache Maßnahmen empfohlen, 
die die Störung beseitigen oder mindestens mildern 
können. 

Da an Maßnahmen zur Beseitigung einer Störung 
erst gedacht werden kann, wenn man die Störungs- 
quelle kennt, so gibt der Verfasser auch Methoden 
an, um diese ausfindig zu machen. 

Das Buch wird dem Rundfunk-Praktiker sicher 
gute Dienste leisten, aber auch anderen wird es will- 
kommen sein als übersichtliche Zusammenfassung 
dessen, was auf diesem Gebiete bekannt ist. 

J. Zenneck. 


Hilisbuch für die Elektrotechnik. Hrsg. von Dr. 
K. Strecker. 10. Auflage. Schwachstromausgabe 
(Fernmeldetechnik). XX1 und 6637 S. mit 1057 Abb. 
Berlin 1928. Verlag von Julius Springer. Gbd. 
RM. 42.—. 

Dieses seit 40 Jahren erscheinende Werk, das dem 
Elektrotechniker seit langem ein unenibehrliches 
Handbuch geworden ist, ist nunmehr auch gesondert 


als Schwachstromausgabe herausgegeben worden. 
Das Buch hat infolgedessen eine erhebliche Un- 
arbeitung und Ergänzung gefunden. Vor allem 
sind diejenigen Gebiete, die den FHlochfrequen:- 
techniker besonders angehen, zum Teil neu au 
genommen, zum Teil erheblich erweitert worden. Be 
sonders zu erwähnen sind die Abschnitte über Mes- 
sungen mit Hochfrequenz, Feldstärkemessungen, Mes 
sungen an Elektronenröhren, Erzeugung elektrischer 
Schwingungen und Funkwesen. Diese Abschnitte 
nehmen in dem Werk nicht weniger als 180 Seiten 
ein, woraus hervorgeht, daß auch diese Gebiete sehr 
eingehend behandelt sind. Das Werk bedeutet auch 
für den Hochfrequenztechniker ein wertvolles Hilfs- 
buch und kann bestens empfohlen werden. 


C. Lübben. 


Zur Theorie des Fernsprechverkehrs. Von Ober- ' 
postrat K. Frei. I. Band der ‚„Einzeldarstellungen 
aus der Nachrichtentechnik“, hrsg. von F. Moench. 
138 S. Berln 1927. Weidmannsche Buchhandlung. 
Gbd. RM. 6.—. 


Im Fernsprechverkehr, der eine Erscheinung mit 
starken Schwankungen ist, treten technisch wirt- 
schaftlich wichtige Fragen auf, die man mit der Wahr- 
scheinlichkeitsrechnung beantworten kann. Eine der 
wichtigsten ist z. B. die Zahl der nichtdurchkommen- 
den Anrufe als Funktion der Gesamtzahl von Anrufen 
und der verfügbaren Leitungszahl. Frei behandelt 
diese und andere Fragen im Anschluß an frühere Ar- 
heiten. Alle Vorschläge werden kritisch auf ihre Zu- 
lässigkeit — es sind lange nicht alle Gleichungen 
richtig! — und Geltungsbereich untersucht. Ganz kurz 
erwähnt Frei am Schluß neuere amerikanische Ar- 
beiten über die Verwendung der Wahrscheinlichkeits- 
rechnung in der Überwachung der Fabrikation. Auch 
das ist ein Gebiet mit starken Schwankungen. Es 
wäre interessant, die Schwankungen der mittleren 
Brenndauer von Verstärkerröhren als wahrscheinlich- 
keitstheoretisches Fehlergesetz aufzusuchen. Dann 
kann nıan die Risiken berechnen, wenn man Austausch 
durchgebrannter Lampen gewähren will. Wenn viele 
Schiffe die gleiche Welle aussenden, wie oft ist zu er- 
warten, daß Schiffe gleichzeitig senden? Allgemein 
gesagt, wenn man Erscheinungen mit starken Schwan- 
kungen beurteilen will und wenn man die Gesetze der 
Schwankungen nicht aus anderen Unterlagen er- 
rechnen kann, so wird man immer ein wahrscheinlich- 
keitstheoretisches Gesetz finden können, das die Er- 
wartung einer so und so großen Abweichung vom 
Mittelwert zu berechnen gestattet. Ganz besonders 
sei betont, daß solche Abweichungen — gerade im 
Fernsprechverkehr — sich nicht nach dem Gauss- 
schen Gesetz richten, sondern nach Poisson und 
anderen Gesetzen. Das vorliegende Buch nimmt 
seine Beispiele alle aus der Fernsprechteclmik. Man 
kann aber an Stelle des Wortes Fernsprecher sagen 
„Erscheinung mit starker Schwankung“ und erhält so 
eine angenehm zu lesende Einführung in die Ge- 
dankengänge, wie die Aufgaben gestellt werden und 
wie die Ergebnisse mit der Wirklichkeit verglichen 
werden. Das Buch wird also nicht nur Fernsprech- 
technikern empfohlen, sondern allen, die sich mit dem 
Benehmen stark schwankender Erscheinungen be- 
fassen müssen. Lubberger. 


©- Heft2 


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August 1929 


Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie 
= und Telephonie 


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L isch für Hochlreguenziechnik 


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Gegründet 1907 - 


Unter Mitarbeit 
von 


EA Dr hxc: Graf v. Arco (Berlin), Dr. L. W. Austin (Washington), Postrat Dr. F. Banneitz 
i (Berlin), Prof. Dr. H. Barkhausen (Dresden), Dr. W. Burstyn (Berlin), Prof. Dr. A. Esau 
Be (Jena), Prof. Dr. H. Faßbender (Berlin), Dr. L. de Forest (New-York), Prof. Dr. F. Kiebitz 
= (Berlin), Postrat Prof.Dr.G.Leithäuser (Berlin), Dr. S.Loewe (Berlin), Dr. C. Lübben (Berlin), 
= Dr, E. Lübcke (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. A. Meissner (Berlin), Prof. Dr. H. G. Möller 
| (Hamburg), Dr. E.Nesper (Berlin), Dr. B. van der Poljr. (Eindhoven), Ingenieur Dr. V.Poulsen 
3 (Kopenhagen), Prof. Dr. L. Pungs (Braunschweig), Dipl.-Ing. B. Rosenbaum (Berlin), 
5 Dr. K. Rottgardt (Berlin), Prof. Dr. H. Rukop (Köln), Dr. A. Scheibe (Charlottenburg), 
% Oberingenieur O. Scheller (Berlin), Prof. Dr. W.Schottky (Berlin), Prof. Dr. A. Sommerfeld 
E (München), Dr, F. Trendelenburg (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. M. Wien (Jena), 
Prof. Dr. H. Wigge (Köthen-Anh.) 


herausgegeben von 
Professor Dr. Dr. ing. E. h. J. Zenneck una Privatdozent Dr. E. Mauz 


Schriftleitung: Dr. E. Mauz 


Monatlich erscheint ein Heft. Abonnementspreis des Bandes (1), Jahr) RM. 20.—, Preis des 

einzelnen Heftes RM. 3.50. Alle Buchhandlungen sowie die Verlagsbuchhandlung nehmen Be- 

stellungen an. Inserate werden mit RM. —.15 pro mm Höhe und 41mm Breite berechnet. 
Bei Wiederholung Ermäßigung. 


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für Sender : für 2000-18 000 Volt Spannung 
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H&B Multizellular-Voltmeter sind die einzigen elek- 
trostatischen Geräte, die zum Messen niedriger Wed- 
selspannungen geeignet sind. Sie arbeiten mit seht 
geringem Eigenverbrauch. Die Hochfregquenz-Technik 
bevorzugt diese Voltmeter, weil sie frequenzunab- 
hängig sind. In Verbindung mit Spannungsteilern sind 
statische Voltmeter auch fürHochspannungsmessungen I 
bis 1 Million Volt zu verwenden. JahrzehntelangeEr- \ 
fahrungen im Bau dieser Geräte geben Gewähr für 
höchste Vollendung in Ausführung und Form. 


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Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie 


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Zeilschriit für NOGHIFBQUENZIGGHNIK 


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Seite Seite 
H. Winter-Oünther: Ueber die selbsterregten Schwingungen in Earle M. Terry (J. Zenneck): Die Abhängigkeit der Frequenz 
Kreisen mit Eisenkernspulen. (Mit 10 Bildern im Text) 41 eines piezo-elektrischen Quarzoszillators von den Konstanten der 
K. Heegner u. Y. Watanabe: Ueber Schwingungserzeugung mit- Stromkreise. (Mit 1 Bild im Text) 72 
tels eines Elektronenröhrensystems, bei welchem die Kapazität von R. S. Strout (J. Zenneck): Der Temperaturkoeffizient von Quarz- 
untergeordneter Bedeutung ist. (Mit 5 Bildern im Text) . 49 oszillatoren ; 73 
Hans Georg Möller: Berechnung des günstigsten Durchgriffes W. A. Marrison (J. Zenneck): Thermostat für Frequenznormalen. 
der Röhren im Widerstandsverstärker. (Mit 3 Bildern im Text) 53 (Mit 2 Bildern im Text) . 73 
H. Reppisch: Ueber die Konstruktion des harmonischen Mittels. H. Pratt (J. Zenneck): Die Leitung von Flugzeugen durch Kreuz- 
(Mit 12 Bildern im Text) . 56 spulen-Strahisender und die dabei beobachteten Aenderungen 
Paul Duckert: Zusammenfassender Bericht. Ueber Fehlweisungen während der Nacht . 74 
bei der Funkpeilung. (Mit 1 Bild im Text) . : A ? . 60 | J]. F. Byrnes (J. Zenneck): "Neuere Entwicklung von Sendern für 
Referate: geringe Leistung und für Rundfunk 74 
M. J. O. Strutt: (Seibstreferat.) Strahlung von Antennen unter dem J.H. Dellinger u. H. Pratt (J. Zenneck): Drahtlose Telegraphie 
Einfluß der Erdbodeneigenschaften. (Mit 6 Bildern im Text) . 65 im Dienste der Luftfahrt und ihre Prenen (Mit 3 Bildern 
f E. a. u. A ee Be) Aufstellung einer neuen ji im Text) . 75 
| requenzskala für elektrische Schwingungen. 
© RH. W orral IR B. Owens J. Zennecki: Die Frequenznor. C. Ga neraw U g. Zènnecki: ‚Kurs: Sender für transatlantische 2 
male der amerikanischen Marine. (Mit 2 Bildern im Text . 69 
L. P. Wheeler u. W. E. Brown (J. Zenneck): Eine neue Art E. Z. Stowe (K. Krüger): Einseitig_ gerichtete Kurssender für 
Flugzeuz-Navigation. (Mit 2 Bildern im Text) 77 
des piezo-elektrischen Normal-Oszillators . 70 | M. P. Hanson (Il. Zenneck): EIMFIChIUNGEN für drahtlose Tele- 
. R. Harrison (J. Zenneck): Schwingungskreise mit pi iezo-elek- ` graphie auf Luftfahrzeugen 77 
! trischem Quarz u. Doppelgitterröhre. (Mit 4 Bildern im Text) 70 £ ° 
A.Hund(J.Zenneck): Bemerkungen üb. Quarzplatten, Wirkung der L. Espenschied (J. Zenneck): Technische Öesichkepuikte bei 
Tun senient und Erzeugung von Niederivegieng (Mit 3 Bildern der Zuteilung von kurzen Wellen im r ANNEE CDIR zwischen 
g im Text) 71 1,5 und 30-10%sec. (Mit 1 Bild im Text) 77 
A. Hund(A. Scheibe): Mitteilung üb. einen piezo- -elektrischen Gene- S. C. Hooper (J. Zenneck): Gesichtspunkte für die Zulassung 
u rator für Tonfrequenzen. (Mit 1 Bild im Text) . 71 von Hochfrequenzstationen. (Mit 1 Bild im Text) 78 
K. S. van Dyke (J. Zenneck): Der piezo-elektrische ‘Resonator J. H. Dellinger (J. Zenneck): Prinzipielle Bemerkungen zur Be- 
| und sein Ersatz durch ein elektrisches System. (it 2 Bildern willigung von Rundfunkstationen . . o. °.. 
f im Text) . ; R : > À A ; h : + 2 Bücherbesprechungen . 5 ; : ʻ : è š ; . 79 


Manuskripte für das Jahrbuch, möglichst mit klischlerfählgen Figuren versehen, sind an die Schriftleltung Dr. E. Mauz, Frankfurta. M., Physikalisches 
institut, Robert Mayerstr. 2, zu senden. Die Herren Autoren werden gebeten, eine kurze Zusammenfassung des wesentlichen Inhalts ihrer Arbeit jedem Manuskript beizufügen 
I Abonnements und Inserate sind zu richten an M. Krayn, Verlagsbuchhandiung Berlin W 10, Genthiner Straße 39, Postscheck-Konto Berlin 32647. 


s Ueber die selbsterregten Schwingungen in Kreisen 


mit Eisenkernspulen. 
Von H. Winter-Günther, München. 


Inhaltsübersicht. 


Die selbständigen Eigenerregungen in Schwin- 
gungskreisen mit Eisenkernspulen werden in An- 
|Iehnung an ein analoges mechanisches Problem be- 
'handelt, indem für die Eisenkernspule eine nach 
‚Maßgabe des magnetisierenden Stromes periodisch 
ı veränderliche Induktivität eingeführt wird. 


Schon seit längerer!) Zeit weiß man, daß in 
‚Schwingungskreisen, die eine Spule mit geschlosse- 
.nem Eisenkern enthalten und auf die eine sinus- 
.förmige äußere E. M. K- wirkt, unter Umständen sich 
. zusätzliche Schwingungen erregen können, deren 
- Frequenzen nicht notwendig gleich der Frequenz der 
‚äußeren E. M. K. noch einem ganzzahligen Vielfachen 
davon sind. K. Heegner') hat bekanntlich all- 
: gemein das Einsetzen derartiger Schwingungen ex- 
. perimentell untersucht und mit Hilfe von Energie- 
' betrachtungen auch theoretisch bestimmte Aussagen, 
besonders über die bestehenden Frequenzrelationen 
gewonnen. 


1) K.Heegner, „Selbsterregungserscheinungen bei Systemen 
mit gestörter Superposition.“ Ztschr. f. Phys. 29, S. 91, 1924 und 
33, S. 85, 1925. Ref. d. Jahrb. 27, S. 30, 1926. 


In dieser Veröffentlichung will ich nun zeigen, daß 
die wichtigsten unter den hierher gehörenden Er- 
scheinungen (d. s. selbständige Eigenerregun- 
gen) auch eine von derjenigen Heegners etwas 
abweichende Darstellung zulassen. Ich wurde hierzu 
durch eine ArbeitLord Rayleighs?) geführt, in der 
ein Beispiel für Frequenzhalbierung aus der Mechanik 
behandelt wird. Die Uebertragung der hierbei ent- 
wickelten Methode auf unser Problem schien mir 
wegen der Einfachheit, mit der sich daraus die Be- 
dingungen für das Einsetzen und für den Verlauf der 
Eigenerregungen ergeben, nicht ohne Bedeutung zu 
sein. 


Der Inhalt dieser Arbeit von Rayleigh soll 
hier kurz angegeben werden, da hierdurch das Ver- 
ständnis der elektromagnetischen Analogie erleich- 
tert wird: 


Eine gespannte Saite ist an einem Ende mit der 
Zinke einer Stimmgabel verbunden, die in Richtung 
der Saite mit der Frequenz wọ schwingt. Die Span- 
nung der Saite erfährt somit eine periodische Aende- 


2) „On maintained vibrations“, Phil. Mag. 15, S. 229, 1883; 
s. auch Rayleigh, Theory of sound, 1, S. 82, London 1926. 


49 H. Winter-Günther: 


—— 
—— 


rung der gleichen Frequenz. Für transversale Schwingungskreise mit der Kapazität C,, der Induk- 
Schwingungen scheint zunächst keine Veranlassung tivität Z, und dem Verlustwiderstande R, (Bild 1). oe 
vorzuliegen. Tatsächlich aber führt die Saite unter Auf diesen Kreis wirke eine äußere sinusförmige |, u 
gewissen Bedingungen kräftige transversale Schwin- elektromotorische Kraft e, mit der Frequenz u. 


gungen von der Frequenz wo > Payvieisi Die Differentialgleichung für den a i, lautet daher | 


2 dD. a a l 
machtzur Deutung dieser Erscheinung für die Trans- di, re A RHS i dt (1); \ 
Dr des Systems den Ansatz - ER a n Bahr 7 

te tr .u—2 ß sin wt u —0 Wenn die eisenfreie Induktivität Z, hinreichend groß 


ist, können die höheren harmonischen von ?, gegen- 
und weist nach, daß diese Differenzialgleichung bei über der Grundschwingung vernachlässigt werden if 
einer bestimmten Wahl der Konstanten a, ß, n? ein und Gl. (1) besitzt eine stationäre Schwingung als | ; 
partikulares Integral Lösung: - 


2 Oo ON — Jı sin wot, 
u = A -sin [~ t—p l 
2 die man bekanntlich erhält, wenn für die Eisenkern- |: - 


besitzt. spule eine nach Schunck-Zenneck*) definierte 
Die elektromagnetische Analogie zu diesem Induktivität Ze eingeführt wird. | 
mechanischen Problem bildet offenbar ein Schwin- Nach der Methode der kleinen Schwingungen soll |" 


gungskreis, dessen Kapazität oder Induktivität peri- nun dem Strom i eine zusätzliche Schwingung i ' 
odisch veränderlich ist. Dies letztere ist der Fall, superponiert werden mit der Bedingung: i << i. Die 
wenn in dem Kreise eine Eisenkernspule liegt, welche Differentialgleichung für den variierten Strom wird, 
von einem Wechselstrom magnetisiert wird. Die da nach dieser Voraussetzung in erster Nährung: 


„Induktivität“ dieser Spule erfährt hierdurch eine 
periodische Aenderung (s. u.) der gleichen Frequenz nl a(i ti) | 
wie der magnetisierende Wechselstrom für den Fall, d (i + i) odo E 
daß diesem noch Gleichstrom überlagert ist, der dhi) di +À d [d Bei) 
geh un aber, wenn die Gleichstrom- a di Br Eu di di, , 
componente fehlt. Ib.) dli i dd, G 

Es soll nun gezeigt werden, daß die selbständigen nn u Hu i eeta parae 
Eigenerregungen in derartigen Systemen analog den r = i Mai i (2) 
mechanischen Beispielen aus dieser Periodizität der i z) ; Na, . 
„Selbstinduktion“ erklärt werden können. N HITE ao | 


In dem folgenden Abschnitt wird zunächst eine Die Gleichung der überlagerten Schwingung ist 
Darstellung der „Selbstinduktion“ einer Eisenkern- daher: 


spule als periodische Funktion der Zeit gegeben. In AD, T di A[dd, 
den darauffolgenden Abschnitten sollen dann die ~z; ee Li Franc le A+ RH [a0 8) 
selbständigen Eigenerregungen in einfachen Schwin- —UL- a u Ha — | 
gungskreisen mit Eisenkernspule (mit und olıne do, dd, 


schließlich wird eine Erweiterung des Ansatzes von tionen von i, daher periodische Funktionen der Zeit‘) 
Rayleigh zur Darstellung der bei gekoppelten und können, wie unten gezeigt wird, durch folgende 
Systemen mit Eisenkernspule unter Umständen auf- Fourierreihen dargestellt werden: 


Gleichstromvormagnetisierung) behandelt werden und Die Koeffizienten di, und z, le) sind nun Funk- | 
tretenden Störerscheinungen führen. | 


KK) 
5 e — Lot kisin wgt+k,cos2 wyt+-kysin3wgt..(4) 
A L | 


und daher: | 


d (dd, | 
a di = Wo kı COS wg t—2 wy ka sin 2 wot | 
+3 wg kz cos 3 wot —.... (5) | 
Bild 1. l Lọ und k,„ sind hierin Funktionen der Amplitude J, | 
Schwingungskreis mit Eisenkernspule und Gleichstrom- des magnetisierenden Wechselstromes und des über- 
Vormagnetisierung, lagerten Gleichstromes ig. | 


Nach Rayleigh wird Gl. (3) infolge dieser 
Periodizität der Koeffizienten u. U. stationäre Lösun- 
gen für i besitzen, die sich der ursprünglichen Lä- 
sung ¿i von Gl. (1) überlagern und die daher die 
selbständigen Eigenerregungen unseres Systems dar- 
stellen. Vor deren Untersuchung sind zunächst die 


I. Die Eisenkernspule als periodisch veränderliche 
Induktivität. 

Eine Spule mit geschlossenem Eisenkern, dessen 

magnetischer Fluß 2. sei und der von dem Gleich- 

strom îy vormagnctisiert werde, liege in einem 


3) In der angeführten Arbeit wird noch eine Reihe von weiteren = n— 
Beispielen aus der Mechanik gegeben. In en nn. 1) a Jahrbuch 19, S. 117, 1922. 
hange sei ferner hingewiesen auf: B. van der Pol, „Stabiliseering 5 : d l 
door kleine Trillingen“, Physica, Nederl. Tijdschrift v. Natuur- 5 ~ hat in GI. (3) die Bedeutung einer periodisch ver- 


lii 
kde. 5, S. 157, 1925. jnderlichet Selbstinduktion. 


/ 


/ 
( 


Ueber die selbsterregten Schwingungen in Kreisen mit Eisenkernspulen. 43 


Koeffizienten der Reihe Gl. (4) als Funktionen von 


ı und :,zu berechnen: 


) Lo und kn bei reiner Wechselstrom- 
magnetisierung (ig = 0). 
Verwendet man, wie üblich, für die analytische 
Jarstellung der Magnetisierungskurve des Eisens 
len Ansatz von L. DreyfuBß: 


D,— Im arctg (q " i1) + L: ii, (6) 

worin nach oben i = J, sin wt, so wird zunächst 
dD. Lin j Eh 

panna ZZ — a 4 T 

dii Wer ETITA 7) 


Fe 
di 
die doppelte Generatorfrequenz besitzt. Daher 
wird in Gl. (4 u. 5) k, = k, = k; = 0. Die übrigen 
Koeffizienten von Gl. (4 u. 5) ergeben sich wie folgt: 


2a 
l dd, 
I = = di, 


- d (wo t) 
1 F Ladí ' E 
ia m wot) A A em 
ur 1 +g? Ji -sintwot er TER 


.cosnwot-dlwo)..n—=2, 4,6. | (9) 


di, 
Aus Gl. w ergibt sich: 
E J pp 
AETH ver Ko 


h= ( T a ka—(Lo— L’) i 


k= Fe (: + 2 a A) = L (kn—2 + kn+2) 


. Sinus-Glieder treten in der Fourierreihe (für iy 
== 0) nicht auf. Wir erhalten also das Ergebnis: 


Bild 2. 


dp 
Die ersten Koefficienten der Fourier-Reihe für FR eines Eisen- 


kernes ohne Gleichstromvormagnetisierung, als Funktionen der 
Amplitude des magnetisierenden sinus-förmigen Wechselstromes 


ID, 
> = Lo + ka cos 2 wot + k, cos 4wgt t . . 
1 


3 daher 


dD, 
7 di) 


(11) 


—w {2 ksin 2wgt + 4 ky sin 4 wot. .} (12) 


Là k 
In Bild 2 sind die Werte von-— d —-als Funktionen 


Es jo Li 
von q.J, eingetragen. 

Aus Z, und k, ergibt sich der Wert der nach 
Schunck-Zenneck definierten Induktivi- 
tät Le der Eisenkernspule: Es ist nämlich wọ Le’ Jı 
cos wt die Grundschwingung der Spannung an die- 
ser Spule, wenn der Spulenstrom i, = J, sin ®ot ist. 
Da in diesem Falle die Gesamtspannung an der Spule 
d®, di, 


T Fr ist, so folgt hieraus: 


2 


o fen. di, 
ae 


27 
. 'd 2 
2w | A + cos 2? on ) a 
io e LSI 


cos wat d (Wot 
0 ( 0 = (13) 
2 


Durch den Vergleich der Ausdrücke (8) und (9) mit 
Gl. (13) erhält man: 


L=L+7 (14) 
(L'4-Lm) ist der IE von Le und von Lo. 


ka (s. Bild (2) /) 


b)Z,undAk„ beiGleichstrom-Vor magne- 
tisierung (iy +0). 

Es ist bekannt, daß die Abhängigkeit von Feld- 
stärke und Fluß im Eisen für den Fall einer Gleich- 
strom-Vormagnetisierung bedeutend verwickelter ist, 
als sie durch den Ansatz GI. (6) wiedergegeben wird. 
Es wird deshalb hier auf eine analytische Berech- 
nung der Koeffizienten von Gl. (4) verzichtet. Immer- 
hin lassen sich über dieselben auch ohne die An- 
nahme einer bestimmten Magnetisierungskurve einige 
qualitative Aussagen machen: 


1. Die Grundfrequenz der Funktion ist, 


d 

di, 
bei Anwesenheit einer Vormagnetisierung, gleich 
der Generatorfrequenz wo; denn hier ist im Gegensatz 


zu a) Deligti) F— Pelig— i) 

dd, 
di, 

dd, : 

I; —/,—+k, sin ot- ka cos2 wt kysin3wgt-+ . (15) 
4 


(Die Glieder mit cos (2n— 1) wt und sin 2n wol 
(n = 1, 2,...) sind hierin vernachlässigt worden; 
denn die Spannung an einer Eisenspule kann bei 
Gleichstromüberlagerung und sinusförmigem Wech- 
selstrom (i = J, sin wol) bekanntlich”) durch fol- 
gende Reihe dargestellt werden (bei Vernachlässi- 
gung von Hysterese und Wirbelstromverlusten): 


AD, di, 
di, dt 
aus der sofort der Ansatz Gl. (15) folgt). 

2. Die hier in erster Linie interessierenden in 
Gl. (15) neu auftretenden Koeffizienten kı, ka ... 


werden, wie leicht einzusehen ist, Null, wenn :, = 0 
oder J, = 0 (s. a)!), oder wenn îy = œ oder J, 


6) s, R. Strigel, dieses Jahrbuch 29, S. 10, 1927. 


— p, COS wt + pə sin 2 wot A pz cos 3 wot- - 


44 H. Winter-Günther: 


= œ . Es ist deshalb zu erwarten, daß die Werte 
von k,, k... sowohl bei konstantem :, und vari- 
ablem J,, wie auch bei variablem 2, und konstantem 


J; Maxima durchlaufen. 


ll. Selbständige Eigenerregungen von Schwingungen 
der Generatorfrequenz und deren ganzzahligen Viel- 
tachen. 


mit reiner Wechselstrommagneti- 
sierung.) 

Deutlicher als an der Schaltung Bild 1 erkennt 
man das Wesen der Selbsterregungserscheinungen 
an der schon von K. Heegner’) angewandten 
Doppelkernschaltung (Bild 3): 2 gleiche eisen- 
geschlossene Transformatoren (der magnetische Fluß 


(Eisenkernspule 


Bild 3. 
Doppelkernschaltung ohne Gleichstromüberlagerung. 


eines Kernes sei 4 ®.) sind primär in Reihe geschal- 
tet und liegen über einer beliebigen, sehr großen 
Drosselspule Z, an einem Generator mit der Fre- 
quenz wọ Ihre sekundären Wicklungen sind in 
Gegenschaltung durch einen Schwingungskreis 
(L, C, R) verbunden. Hierdurch ist erreicht, daß in 
diesem Sekundärkreis eine nach Maßgabe der Fre- 
quenz des Primärstromes i; = J, sin wọt periodisch 
veränderliche Induktivität liegt, während sich die 
vom Primärstrom induzierten Spannungen kompen- 
sieren. 


Nach I, Gl. (3) u. Gl. (11) ist die Differential- 
gleichung des Stromes im Sekundärkreis, wenn die 


dd, 
Reihe für ——- nach dem 2. Gliede abgebrochen wird: 


di, 


(Lo + ka cos 2 wot) - t} +i(R—2 w, kasin? wt) 


+h [iat=0, 0) 


Diese Gleichung besitzt nach Rayleigh ein par- 
tikulares Integral 
i — A sin (wt— q) (2) 


vorausgesetzt, daß Z hinreichend groß ist, so daß die 
Oberschwingungen von į zu vernachlässigen sind 
und daß ferner die folgenden Abstimmungsbedingun- 
gen für den Sekundärkreis erfüllt sind. 


k 
(oo z) m W0 (L— 5 cos 2 o) a) 


kə _, 
R=— owg sin2Q i 


(3) 


7) Ztschr. f. Phys. 33, S. 85 ff., 1925. 


Cd 


(Die Induktivität L, des Primärkreises ist so grol I 
gewählt, daß die Rückwirkung der Schwingungen in į. 
L, C, R auf den Primärkreis zu vernachlässigen sind. | 


Gl. (3a, b) ergeben sich durch Einsetzen von |. 
Gl. (2) in Gl. (1) und sagen folgendes aus: Im Sekun- 
därkreis der Schaltung Bild 3 tritt Selbsterregung ' 
einer Schwingung mit der Generatorfrequen| 


1 
ein, wenn a) w L= zg Mach Vorauss. istL L| 


(0) 
und wenn b) die Energiebedingung Gl. (3b) erfùlli 1. 
ist. Nach ihr sind Schwingungen nur dann mög- 


(sin 2 œ < 0). Aus der in 


Bild 2 wiedergegebenen Abhängigkeit des k, von der 
Amplitude J, des magnetisierenden Stroms ist daher 
zu schließen, daß sowohl unterhalb wie oberhalb 
gewisser Werte von J, die Schwingungen im Sekun- 
därkreis nicht aufrecht erhalten werden können. 


Wird die Entwicklung I Gl. (11) erst nach a 


k 
lich, wenn R zira 


3. Gliede abgebrochen, so lautet die Differential- 
gleichung des Sekundärstromes: 


(Lo + ka cos 2 wot + k; cos 4 os +1) Mu 
| 
H(R— 2%, - ©, sin 2wgt— 40, ky sin 4wgt) i -+ af; dt=0 


mit einem partikularen Integral?): 
i = A sin (2 wt—p), 9)» 
sofern die Bedingungen erfüllt sind: 


1 k 
(201-5.-.)=- 200 (L= z cos 2y a) 


0 


i 6 
R=— 20, sin 29 b) i 


Die Oktave der Generatorschwingung wird |’ 
hiernach erregt, wenn der Sekundärkreis ungefähr 
auf die Frequenz 2 w, abgestimmt ist. Da nach 
Bild (2) k, wie k, eine Funktion der Amplitude J, des. 
magnetisierenden Stromes ist, folgt, daß Gl. (5) wie- 
der nur innerhalb eines bestimmten Bereiches von J, 
erfüllt sein kann. | 


Würde endlich in die Differentialgleichung des > 
Sekundärstromes die vollständige Reihe I Gl. (11), 
eingeführt, so ergäben sich in gleicher Weise die Be- | 
dingungen für das Einsetzen einer Schwingung im: 
sekundären Kreise, deren Frequenz irgend ein 
gerades oder ungerades ganzzahliges Vielfaches der 
Gieneratorfrequenz ist. 


III. Selbständige Eigenerregung von Schwingungen | 
der halben Generatorfrequenz und deren ganzzahligen , 
Vielfachen. 


(Eisenkernspule mit Wechselstrom- und Gleichstrom- 
magnetisierung.) 

Die Schaltung in Bild 4 unterscheidet sich von 
derjenigen in Bild 3 nur dadurch, daß auf den Eisen- 5 
kernen eine dritte Wicklung angebracht ist, die von ~ 
Gleichstrom ?, durchflossen ist. Für die zeitliche : 


8) Wie stets im folgenden ist angenommen, daß L hinreichend 
groß ist, sodaß in der Fourler-Reihe, die sich für d ergibt, ein a 
Glied gegen alle anderen groß wird. 


Ueber die selbsterregten Schwingungen in Kreisen mit Eisenkernspulen. 


‚bhängigkeit der Funktion aD, gilt hier nach Ib 


di, 
ie Reihe 
D 
75 — Lot kısin wot +kocos2 wot + kgsin3 wt » . (1) 
“el 


ie Aenderung der Induktivität des Sekundärkreises 
at die gleiche Periode wie der Strom des Gene- 
atorkreises ö, = J, sin wot. 


Die Differentialgleichung des Sekundärstromes i 
st daher 


Lo- Fe, sin wot +. L) F -R H oo k cos oot 
| (2) 
— 2 w kasin 2 wo +...) +2 [ia=0. 


Jnter denselben Voraussetzungen wie im voraus- 
rehenden Abschnitt folgt aus dieser Gleichung, daß 


Bild 4. 
Doppelkernschaltung mit Gleichstromüberlagerung. 


im Sekundärkreis eine Schwingung mit der halben 


wo 


Generatorfreauenz | n) oder einem ganzzahligen 


Vielfachen hiervon a einsetzt, wenn folgende 


Bedingungsgleichungen erfüllt sind: 


ne un = t cos2g) a) 
A z f 
2 n=12...\ (0) 
R=—n®. sing b) 


d. h. wenn der Kreis L, C, R ungefähr auf die Fre- 
abgestimmt ist und der Verlustwider- 


stand dieses Kreises die Bedingung erfüllt: 


E o 
quenz n 2 


Wo En ; 
R<n D g En =J Ji ig) 


(Für n = 1 [Frequenzhalbierung] ist die Analogie 
; mit dem in der Einleitung erwähnten mechani- 
; schen Probleme vollkommen.) 


Versuche zu Abschnitt II und III. 

Das Oszillogramm (5) zeigt ein Beispiel für die in 

: Abschnitt II behandelten selbsterregten Schwingun- 
‚gen: die bekannte Frequenzverdoppelung mit 
nicht vormagnetisierten Eisenkernen. Die Schaltung 
‚war diejenige von Bild 3; die Generatorfrequenz war 
ws = 2 nz . 1000 sec", der Sekundärkreis (ohne 
. Eisenkerne) war etwas höher als auf 2 œw gestimnit. 


45 


Während der Aufnahme wurde die Generator- 
spannung und damit die Amplitude J, des magneti- 
sierenden Stromes ¿ allmählich erhöht. Erst bei 


i koa 
í ELLE, 
ER 
> Bd eher P 


f 


n, oki Kata RN 
x \ > 
a ee aD Fe 
~ mx 4 rer Pe 


ee nr en en jrer. 2 BEI Ye I ER A ne 4 


nn a pama, pe EEE DOO GONO OLIE OOOI PEIE TAEYEON I IONE EITRI — —————— 
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| | 
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”, 


Fe 
u 
a a ek 


e aaa a a a LULE saate i 12 


ø ee 


Bild 5. Bild 6. 
Bild 5. Frequenzverdopplung mit der Doppelkernschaltung. 
Während der Aufnahme wurde die Amplitude des magnetisierenden 
Stromes i, allmählich gesteigert. 


Bild 6. Desgl. Frequenzhalbierung. 


46 


gewissen Werten dieser Amplitude (und damit von 
k., vergl. Bild 2) setzten in dem zunächst strom- 
losen Kreise L, C, R Schwingungen i mit der Fre- 
quenz 2 wo = 2 a. 2000 sec" ein, die später bei 
noch höheren Werten von J, wieder verschwanden 
(im Einklange mit der an Gl. (6) Abschn. II geknüpf- 
ten Diskussion). 

Das Oszillogramm (6) soll als ein Beispiel aus 
Abschn. II, die bekannte Frequenzhalbierung 
mit vormagnetisiertten Eisenkernen zeigen. Die 
Schaltung gibt Bild 4. Die drei Wicklungen hatten 
gleiche Windungszahlen (i= 2 Amp.). Der Kreis 
L, C, R war ungefähr auf die Frequenz m ab- 
gestimmt lo» = 2 a - 1000 sec). Wie im voraus- 
gehenden Beispiel treten auch hier im Sekundärkreise 
die Schwingungen ö (diesmal von der halben Gene- 
ratorfrequenz) nur innerhalb eines gewissen Be- 
reiches der Amplituden J, des magnetisierenden 
Stromes ¿ auf. Auch dies ist in Uebereinstimmung 
mit der Theorie (vergl. Abschn. II, G. (3),) da k; 
nach den Ueberlegungen des Abschn. I für einen kon- 
stanten Gleichstrom ¿jọ einen ähnlichen Verlauf wie 
k, in Bild 2 besitzen muß. 

Die Abstimmung des Generatorkreises ist bei 


allen diesen Versuchen ohne Bedeutung, solange «<7,' 


Bei uns lag zwischen dem Generator und den Primär- 
wicklungen der Transformatoren eine sehr große 
Selbstinduktion. 


Bild 7. 
Gekoppelte Kreise, in welchen u. U. sich zusätzliche Schwin- 
gungen der Frequenzrelation 2 ©, = œw; --@, erregen können. 


VI. Seibständige Eigenerregung von Schwingungen 


in gekoppelten Systemen. 


In zwei gekoppelten Schwingungskreisen, von 
denen der eine eine Eisenkernspule enthält, können 
bekanntlich neben denjenigen Selbsterregungs- 
erscheinungen, die in den vorausgehenden Ab- 
schnitten behandelt wurden, zwei Schwingungen mit 
den Frequenzen w, und w. (®, F ə @,) auftreten, 
wodurch unter Umständen eine Pendelung”) der 
resultierenden Stromamplituden hervorgerufen wird. 

Eine Erweiterung des Ansatzes von Rayleigh 
ermöglicht auch hier das Finsetzen dieser über- 
lagerten Schwingungen (und zwar derjenigen Schwin- 
gungen, für welche nach Heegner die Frequenz- 
relation besteht no = w; Tow» n=12 ...) aus 
der Periodizität der Selbstinduktion abzuleiten. Der 
praktisch wichtigste Fall 2 wœ» = w, + œ; (Eisenkern 
mit reiner Wechselstrommagnetisierung) soll im fol- 
genden Beispiel behandelt werden (s. Bild 7). 

Es bestehe für diese Schaltung wieder die Be- 
dingung, daß die eisenfreien Induktivitäten groß 
gegenüber der Eisenkernspule sein sollen. 


9) s. neben den Arbeiten von Heegner: Plendl, Sammer, 
Zenneck, d. Jahrbuch 26. S. 104, 1925. 


H. Winter-Günther: 


Die Generatorspannung sei: e= E sin (wo t— y) 
Die Gleichungen des Systems: 

dD, di di, 2 

di, "dt rn dt TR i 


Te + dt+ Ly ~ doma _ 
LB} Ri ifatt tita 


dt 
besitzen zunächst die Lösung: i, = 


a) 


(1) 


— 0 |» 


= J, sin wo t, welche 
wieder dadurch gewonnen wird, daß die Eisenkern- 
spule durch die nach Schunck-Zenneck defi- 
nierte Induktivität Le ersetzt wird. Wie bei dem un- 
gekoppelten System gelangen wir von Gl. (1) zu den 
Gleichungen der selbsterregten Schwingung dieses 
Systems, indem dem Primärstrom die kleine Schwin- 
gung ili<i,), dem Sekundärstrom i’ überlagert wird. 
Das Ergebnis ist: 

di 


dd. di,. d (dD. 
di, dt’ i- pla) t Lipt Rt a) 
E dlit i) 
+ cat 0 (2) 
di i+ o lo 
Ly H Ri + +g) i ë di + La TH 0 
dd, 
Wird die Entwicklung von IL in I, Gl. (11) nach 
1 


dem zweiten Gliede abgebrochen, so ist in den vor- 
ausgehenden Gleichungen zu setzen: 


are — Lo + ka cos 2 w,t und 
di E 
d (ÐA _ E 
| ii = — 2 wo ka- sin 2 wot (3) 
GI. (2) werden erfüllt durch den Ansatz: 


(also durch zwei stationäre Schwingungen verschie- 
dener Frequenzen) unter den folgenden Bedingungen: 


ee er W» 
5 ko 
b) Xo 5—0 (1 90 (Ft va) 


w Lis’ (« | 


1 
w C» 


(o (Lia tHL) — Se] 


Au) = (e L= sc) Ar 


mul) C 
ka. 
d) Ro, = — w'a. go (p + Mə) 
2972? 
R” AR: R, A BR a) L; "R, 


(+19) 


li, 
e) Ru — 0,5 sin (pi + pa) 


i0) Geringe Dämpfung vorausgesetzt. — X% ist die auf den 
Primärkreis bezogene Reaktanz des Systems ohne Eisenspule, 
Ru ist der auf den Primärkreis bezogene Verlustwiderstand des 
gleichen Systems (für die Frequenz w). 


—— 


——— a. 


Ueber die selbsterregten Schwingungen in Kreisen mit Eisenkernspulen, 


——— 


Die Gleichungen (5, a—e) ergeben sich sofort durch 
Zinsetzen von Gl. (4) in Gl. (2). 

Der Verlauf des Sekundärstromes folgt 
ıatürlich ohne weiteres aus Gl. (2b), wenn darin für 
: der Ansatz Gl. (4) eingeführt wird. 

Diskussion von Gleichung (5): 


i. Die linke Seite von Gl. (5b) bzw. (c) stellt die auf 


den Primärkreis bezogene Reaktanz des Syste- 
mes ohne Eisenspule für die Frequenz wı bzw. 
w dar. Da nach Voraussetzung die Eisenkern- 
spule klein gegenüber den eisenfreien Spulen sein 
soll, folgt, daB w, und œ, ungefähr die Eigen- 
frequenzen dieses Systemes ohne Eisenspule sind, 
der Generator also eine Frequenz besitzen muß, 
die in der Mitte zwischen diesen Eigenfrequenzen 
liegt. 

2. Aus (1) folgt, daß die Frequenz der Schwebungen, 
die aus diesen selbsterregten Schwingungen resul- 
tieren (Pendelungen der Stromamplituden) im 
Einklang mit der Erfahrung?!) um so rascher sein 
müssen, je fester c. p. die Koppelung zwischen 
beiden Kreisen ist. 


JAmP Y 


Bild 8. 
Beispiel einer Strom-Spannungs-Charakteristik der Schaltung 
| von Bild 7. Gebiet der Eigenerregung gestrichelt. 


3. In Gl. (5, d, e) ist die Energiebilanz des Systemes 
enthalten. Sie ergeben zunächst das Amplituden- 
verhältnis der beiden selbsterregten Schwingun- 


2 


u Ro, w 
Heegner). Ferner folgt aus ihnen (ähnlich wie 
bei den ungekoppelten Systemen), daß die Schwin- 
gungen w, und w., unterhalb gewisser Werte von 


1 2 
k, (kə <— — Ru, |nicht aufrecht erhalten werden 
a w» 


können, d. h. aber mit Rücksicht auf die in Bild 2 
wiedergegebene Abhängigkeit: k, = f (J,), daß 
(in Uebereinstimmung mit den Experimenten?!) 
unterhalb und oberhalb gewisser Werte des ma- 
gnetisierenden Stromes J, die Schwingungen wı 
und w. verschwinden. 


4. Endlich ergibt sich aus der vorausgehenden Ent- 
wicklung Gl. (1) und Gl. (2), daß es für das Ein- 
setzen der selbsterregten Schwingungen bedeu- 
tungslos ist, ob der Generator im Primärkreis 
oder im Sekundärkreis von Bild 7 liegt, voraus- 
gesetzt, daß die Generatorspannung so eingestellt 
wird, daß die Amplituden J, des magnetisierenden 
Stromes in beiden Fällen gleich groß sind. 


(in Uebereinstimmung mit 


A Plendl, Sammer, Zenneck, ds. Jahrbuch 26, S. 104, 


' 192 


f 


47 


Dieser letzte Punkt soll noch an einigen Experi- 
menten kurz erläutert werden: 


Die Kurven in Bild 8 sind mit einer ähnlichen 
Schaltung aufgenommen, wie sie Plendl, Sam- 
mer, Zennec k!) benützt haben. Die Eisenspule 
lag hier im Sekundärkreis, infolgedessen besitzen die 
Charakteristiken Stellen, bei denen der Generator- 
strom bei steigender Generatorspannung auf kleinere 
Werte zurückkippt. Bei gewissen Frequenzen des 
Generators überlagern sich diesen Kipperscheinun- 
gen die oben besprochenen Schwebungen”?). (Ge- 
strichelter Teil der Kurven.) (Plendl, Sammer, 
Zenneck führten diese Pendelungen bekanntlich 


2Amp I 


Bild 9. 
Kreise und Generatorfrequenz sind die gleichen wie bei Bild 8, 
jedoch liegt der Generator in einem anderen Teil der Schaltung. 


zurück auf die plötzliche Aenderung der Rück- 
wirkung von Sekundär- auf Primärkreis, welche 
mit dem Kippen des magnetisierenden Stromes J, 
verbunden ist.) 

Die Kreise, mit denen die Kurven in Bild 9 auf- 
genommen wurden, sind mit den Kreisen von Bild 8 
vollkommen identisch. Die Schaltung unterscheidet 
sich von der vorausgehenden nur dadurch, daß jetzt 
der Generator in dem Kreise der Eisenspule liegt. 
Die Rückwirkung des nunmehrigen sekundären 
Kreises auf den (Generatorkreis ist natürlich unab- 
hängig von den Stromamplituden und kann wie üblich 
durch eine konstante zusätzliche Impedanz im 
Generatorkreis dargestellt werden. Es ist deshalb 
zu erwarten, daß die Stromspannungscharakteristik 
des Generatorkreises (s. Bild 9) sich durch nichts von 
der eines einfachen Schwingungskreises mit 
Eisenspule unterscheide. Dies ist auch tatsächlich 
der Fall, nur treten, wie es unsere Theorie fordert, 
bei den gleichen Werten des magnetisierenden 
Stromes J, und bei den gleichen Generator- 
frequenzen in den Schaltungen Bild 8 und Bild 9 
die gleichen Schwebungen auf (gestrichelter Teil der 
Kurven). (Eine Erklärung für diese Pendelungen, 
welche auf die Charakteristik der Eiffektivwerte 
zurückgeht, scheint für diese letzte Schaltung nicht 
möglich zu sein, da in einfachen Schw.-Kr. mit 
Eisenspule derartige Pendelungen bekanntlich nicht 
auftreten.) 


Daß die Kipperscheinungen und Pendelungen auclı 
vollkommen unabhängig voneinander auftreten kön- 
nen, zeigt endlich das Oszillogramm (10). Die Schal- 
tung war dieselbe wie in Bild 8, nur war die Koppe- 


12) 1. c. 
13) Aehnlich den in 


Oszillogramm (10) dargestellten 
Schwebungen. 


48 


lung etwas fester. Die Generatorspannung wurde 
während der Aufnahme allmählich von kleineren 
auf höhere Werte gebracht: Zunächst tritt das nor- 


IL EIREIROJER 


EEE N N EN N N N N A N N NE a ne Tu nn nn an ee unten 
— a a a TE er ai D eee e o EDS RA 
a h ee rn en ae ed ya AD an A en AE ee Te en E G 


nn ee m nn Lens A M AA M m BAR EI M MR AR AR AM AN AT A, B N A N, N g RER a, 


eo e mn -o e e o a D a SaD aa aaa l 


Bild 10. 
Selbsterregung in Schaltung von Bild 7. Während der Aufnahme 
wurde die Amplitude der Generatorspannung allmählich gesteigert. 


H. Winter-Günther: Ueber die selbsterregten Schwingungen in Kreisen mit Eisenkernspulen. 


male Kippen der Ströme ein und erst nach wei- 
terem Erhöhen der Spannung (und damit von J) 
setzen Schwebungen ein, die bei noch größeren Wer- 
ten des magnetisierenden Stromes wieder erlöschen. 


Schlußbemerkung. 


Die vorliegende Arbeit hat gezeigt, daß die selbst- 
erregten Schwingungen in Kreisen mit Eisenkern- 
spulen in erster Nährung die gleichen sind wie die- 
jenigen, welche in einem Kreise entstehen, der an 
Stelle der Eisenspule eine Spule besitzt, deren In- 
duktivität durch eine mechanische Vorrichtung peri- 


odisch geändert wird. (An Stelle von a in GI. (3) 
ir 
Abschn. I tritt hier L (f).) 
Ueber die Amplituden der selbsterregten 


Schwingungen macht die vorliegende Theorie keine 
Aussagen. (A ist in Gl. (2) Abschn. II u. s. f. will- 
kürliche Integrationskonstante) Der Grund hierfür 
liegt darin, daß — wie schon Rayleigh betont — 
die Rückwirkung der entstehenden Schwingungen 
auf die Koeffizienten in der Diff. Gl. (3) Abschın. | 
nicht berücksichtigt wurden. (Es wurde angenommen 
3<i,.) Aus dem gleichen Grunde ist die Theorie in 
der mitgeteilten Form auf die von K. Heegner 
weiterhin behandelten unselbständigen Eigenerregun- 
gen nicht anwendbar. 


Es sei mir gestattet, Herrn Geheimrat Zenneck 
für das fördernde Interesse, das er an dieser Arbeit 
genommen hat, verbindlichst zu danken. 


Zusammenfassung. 


In der vorliegenden Arbeit wird die analytische 
Darstellung der von K. Heegner in größeren 
Zusammenhange behandelten selbständigen Eigen- 
erregungen in Schwingungskreisen mit Eisenkern- 
spulen zurückgeführt auf eine aus der Mechanik be- 
kannte Form: 

Mit Hilfe der Methode der kleinen Schwingungen 
wird zunächst gezeigt, daß bei sinusförmigem magne- 
tisierendem Strome die Eisenspule in dem Schwin- 
gungskreis, dessen Eigenerregungen untersucht wer- 
den, ersetzt werden kann durch eine periodisch ver- 
änderliche Induktivität. Die Grundfrequenz dieser 
Induktivitäts-Aenderung ist hierbei 


1. im Falle reiner Wechselstrom-Magnetisierung 
gleich der doppelten Frequenz des Generators, 


2. im Falle von Gleich- und Weclhselstrom-Magnteti- 

sierung dagegen gleich der Generatorfrequenz. 
Die Amplituden von Grund- und Oberschwingungen 
dieser periodischen Induktivitätsänderungen sind 
Funktionen der Effektivwerte der magnetisierenden 
Ströme. 

Dieser Ansatz führt für ungekoppelte Systeme auf 
eine bekannte Diff. Gl, welche nach Rayleigh bei 
einer bestimmten Wahl der Koeffizienten als Lösung 
stationäre Schwingungen besitzt, deren Frequenz 
gleich ist der halben Frequenz der Induktivitäts- 
Aenderung oder einem ganzzahligen Vielfachen hier- 
von. D. h. aber, daß die dem magnetisierenden 
Strome sich überlagernden Eigenerregungen im Falle 
1. eine Frequenz gleich der Generatorfrequenz, im 
Falle 2. dagegen gleich der halben Generator- 


ir 
K 


| 
i 


| 
| 


| 
| 


K. Heegner und Y. Watanabe: Ueber Schwingungserzeugung mittels eines Elektronenröhrensystems, bei welchem usw. 49 


frequenz, oder einem ganzzahligen Vielfachen hier- 
von besitzen. 

Die Bedingungsgleichungen für das Einsetzen der 
Selbsterregungen sind leicht abzuleiten und ergeben 
quantitative Aussagen über die erforderlichen Ab- 
stimmungen der Systeme und Amplituden der 
maznetisierenden Ströme. 

Zum Schlusse wird an einem Beispiele gezeigt, 
daß in gleicher Weise die Bedingungen abgeleitet 


werden können, welche für das Einsetzen der bei 
sekoppelten Systemen auftretenden Eigen- 
erregungen bestehen. (Pendelungen der Strom- 
amplituden.) 


München, Physikalisches Institut der Technischen 
Hochschule. 


(Eingegangen am 20. April 1929.) 


Ueber Schwingungserzeugung 
mittels eines Elelitronenröhrensystems, 


bei welchem die Kapazität von untergeordneter Bedeutung ist, 
Von K. Heegner (Telefunken) und Y. Watanabe. 


Inhaltsübersicht. 


l. Schwingungserzeugende Zweiröhrenschaltung, 
welche nur Kapazitäten und Widerstände ent- 
hält. 


IH. Schwingungserzeugende Zweiröhrenschaltung, 
welche nur Selbstinduktionen und Widerstände 
enthält und lineare Theorie des Systems. 


III. Berücksichtigung der Kapazität der Anoden- 
spule und Entartung des Systems. (Die in der 
Gitterzuleitung gelegene Selbstinduktion L» 
wird zu Null.) 

IV. Amplitudenproblem für L, =0 (Dynatron). 


V. Versuche. 
2 Zusammenfassung. 


I. Vor einiger Zeit wurde von einem der Verfasser 
ein Elektronenröhrensystem beschrieben, welches nur 
Kapazitäten und Widerstände enthält und dennoch 

zu annähernd sinusförmigen Schwingungen veranlaßt 


u. Bild 1. 
Schwingungserzeugende Schaltung, welche nur Kapazitäten 
und Widerstände enthält. 


werden kann!). Die Schaltung ist in Bild 1 wieder- 
gegeben. Die Resultate waren folgende: Bei Fin- 
führung des Verstärkungsgrades des zweiten Rohres 


od an l Ra | 
II D Ra +- R; 
(R'i: und D’ innerer Widerstand und Durchgriff des 


1) Jahrb. d. drahtl. Telegr. 29, S. 151, 1927; Ztschr. f. Physik 42, 
S. 773, 1927. An dem Tetrode-Multivibrator wurden einige Re- 
sultate etwas früher von Roosenstein gegeben. Tijdschr. v. h. 
aT Radiogenootschap 3, S. 90, 1927; Radio Nieuws 
1926, S. 163. 


zk (1) 


zweiten Rohres) und einer entsprechenden Größe 
bezüglich des ersten Rohres 


Be 


ist das Kriterium für das Einsetzen der Schwingungen 
gegeben durch 


Ci I 1 3) 
Ö, <RS (x .) ( 


Wenn die linke Seite von (3) nur um weniges kleiner 
ist als die rechte Seite, so werden annähernd sinus- 
förmige Schwingungen erhalten, deren Frequenz 
durch die Formel 


l l /1 l 
hrs i = 4 
= Ok, Ci (x T 7 K 


bestimmt ist. Bei abnehmenden Werten der Kapa- 
zität C, bleibt die Frequenz wesentlich hinter der aus 
(4) zu errechnenden Frequenz zurück. Die Oszilla- 
tion nimmt die Form einer Multivibratorschwingung 
an, welche innerhalb der Periode zwei sprunghafte 
Strom- und Spannungsänderungen aufweist. Die 
vollständige Entartung des Systems ist gegeben, 
wenn der Kondensator C, aus den Elektroden- 
kapazitäten gebildet wird. 


Il. Diese Untersuchung gab dem anderen von uns 
den Anlaß, sich mit einer dualen Schaltung zu be- 
fassen, in welcher statt der Kapazitäten C, und C, 
Selbstinduktionen L, und Z, gesetzt sind (Bild 2). 
Der der Kapazität C, in Bild 1 parallel liegende 
Widerstand R, ist in Bild 2 nur durch den inneren 
Widerstand R; der ersten Röhre vertreten. Auch 
dieses System besitzt eine Entartung, sobald die 
Selbstinduktion L» bis auf die Induktivitäten der Lei- 
tungen verkleinert wird. Es ist aber klar, daß für 
diesen Fall nicht diese Induktivitäten, sondern die 
Elektroden- und Leitungs-Kapazitäten von maßgeben- 
dem Einfluß werden. Dies bedingt einen Unterschied 
gegenüber der Schaltung von Bild 1. Im folgenden 
soll die Schaltung näher untersucht werden. 


50 K. Heegner und Y. Watanabe: z 


Die Wirkungsweise der Schaltung ist leicht ein- 
zusehen, wenn L, groß gegenüber L, angenommen 
wird. Unter dieser Voraussetzung stellt L, bei 
sprunghafter Veränderung des Anodenstromes der 
Röhren einen sehr großen Widerstand dar, und die 
Anordnung verhält sich wie ein rückgekoppelter 
Widerstandsverstärker. Gehen wir von einer für 
diesen labilen Gleichstromlage aus (kk’ > 1), so 
begibt sich das System sprunghaft in eine stabile 
Gleichgewichtslage. Die nunmehr einsetzende Strom- 
änderung in der Selbstinduktion L, zieht das System 
wiederum in das Gebiet der labilen Gleichgewichts- 
lage zurück und es erfolgt ein zweiter Sprung in eine 
stabile Gleichgewichtslage, so daß eine Schwingung 


Bild 2. 
Schwingungserzeugende Schaltung, welche nur Selbstinduktionen 
und Widerstände enthält. 


mit zwei sprunghaften Aenderungen hervorgerufen 
wird. Lassen wir aber L, kleiner werden und L, 
wachsen, so werden die sprunghaften Aenderungen 
zum Verschwinden gebracht, und die Schwingung 
wird schließlich aussetzen. Das Kriterium hierfür gibt 
die lineare Theorie des Systems. Für das erste Rolır 
liefert der lineare Ansatz 


RATE (5) 


in welchem Strom und Spannung durch Einführung 
des Spannungsverhältnisses ey: ea=x und des 
äußeren Anodenwiderstandes Ra eliminiert sind. Diese 
Größen berechnen sich aus Bild 2 zu 


Ro 


ee n= ô+ jw 
(6) 
l l l 
M I RE Lon 


Diese Größen in (5) eingesetzt, liefert 
; l 41 l 
(S Rok'—1) : (Lan + Ra) = RT Lin (7) 
oder 
1 
R; Lin(Lon+Ra)+ Lin (1— SR; k’) + (Lon-+R)=0 (8) 
Für das Einsetzen der Schwingungen ergibt sich 
, R, Lo 
SRk>nti+Z (9) 


und für die Frequenz 
__ Ro Ri 
= ll 


w 


(10) 


Die Bedingung (9) läßt eine der Gleichung (3) ent- li 
sprechende Umformung zu 
Da TEE i 
Loo [ —,). (11) f 


III. Die Frequenz (10) ist gültig für kleine Ampli- || 
tuden. Bei kleinen Werten von L versagt aber die |, 
Formel, wie erwähnt deshalb, weil die Elektroden- |; 
kapazitäten und die Eigenkapazität der die Selbst- 
induktion L, darstellenden Spule in den ‘ordergrund 
treten. Um diesen Fall näher zu untersuchen, setzen 


wir in (8) für Z,n den Wert 
| Ln 
1+L,0,n? 


ein, durch welchen eine der Selbstinduktion parallel 
liegende Kapazität C, berücksichtigt wird. Der 
Widerstand des Schwingungskreises (7,, C) ist ver- 
nachlässigbar, sobald angenommen wird, daß der dem 
Kreise parallel liegende Widerstand R. wesentlich 
kleiner ist als der Resonanzwiderstar: 3 des Kreises. 
Die Gleichung (8) erweitert sich zu 


Í 
í 


(12) 


1 
E Lin (Lant Rì + Lin (Q — SRK) (13) | 
+(Lon+R)(I-+-L,C,n’)=0 


und die Formel (10) und (11) zu | 


| 
} == L L + la Ci (14) 


w? R; Ro 


und 


1 

| 15) i 

.) | F 
i 


Die Frequenz bleibt stets unterhalb der Eigenschwin- 
gung der Spule und geht für L, = 0 in diese über. |: 
Um kleine Schwingungen zu erhalten, muß kk” nahe- |! 
zu = 1 sein. Der Fall Le = 0 und kk’ >> 1 führt li 
auf eine Multivibratorschwingung, deren Frequenz | 
wesentlich tiefer ist als die Eigenfrequenz der Spule. yı 
Die Berechnung dieser Frequenz hat aber die Lösung | 
des Amplitudenproblems zur Voraussetzung. | 


AA = w? L, Ci) < S Ro (e 


\ 


| 


Bild 3. 
Dynatronkreis bei degenerierter Schwingungskreiskapazität. 


IV. Der Fall L, =0 hat ein besonderes Interesse, 
weil die Gitterspannung e, des zweiten Rohres mit dem 
Anodenstrom der ersten Röhre durch eine statische _ 
Charakteristik verbunden ist, und zwar handelt es 
sich um eine fallende Charakteristik zufolge der | 
Phasenumkehrung, welche das zweite Rohr bewirkt. ` 
Es wird ersichtlich, daß dieser Fall durch ein Dyna- i 
tron?) gegeben ist, in dessen Plattenkreis eine Spule | 

| 


2) A. W. Hull, Jahıb. d. drahfl, Telegr. 14, S. 47, 1919. 


Ueber Schwingungserzeugung mittels eines Elektronenröhrensystems, bei welchem die Kapazität von untergeordneter usw. 5] 


nn a Th em nm 


-nit parallel geschaltettem Widerstand gelegt ist 
Bild 3). 

Das Amplitudenproblem erfährt nunmehr folgende 
3ehandlung: In Bild 4 ist eine Charakteristik (e'g, ia) 
les Röhrensystems von Bild 2 wiedergegeben. Der 
lurch den Widerstand R, fließende Strom :, in Ab- 
ıängigkeit von g wird durch eine Gerade dar- 
zestellt, welche durch den Nullpunkt geht, wenn das 
Gitter der zweiten Röhre keine Vorspannung besitzt. 
In Bild 4 ist eine solche Gerade für den Widerstand 
von 125 Q eingezeichnet. Die Addition der Ordinaten 


| Bild 4. 
Charakteristiken (e'g, ia). (&'g.ü), (e'g, i2) für die in Bild 2 
gegebene Schaltung bei L, = 0. 


beider Kurven ergibt den in der Selbstinduktion 
fließenden Strom i, in Abhbängigkeit von e'g. Diese 
in Bild 4 eingezeichnete Kurve hat ein Maximum in 
P, und ein Minimum in P,. Die Parallelen durch 
diese Punkte zur e’,-Achse treffen die Kurve in den 
Punkten Q, und Q,. Die Periode der Schwingung ist 
in vier Zeiten einzuteilen: die langen Zeiten, in denen 
sich der Strom in der Selbstinduktion ändert und die 
Elektroden- bzw. Spulen-Kapazitäten vernachlässig- 
bar sind, und die kurzen Zeiten, in denen die Span- 
nung an der Selbstinduktion sich sprunghaft ändert, 
der Strom in der Selbstinduktion aber angenähert 
konstant bleibt. Für die Berechnung der Periode 
kommen nur die langsamen Vorgänge der Strom- 


änderung in der Selbstinduktion in Betracht. Diese 
ergeben sich aus der Gleichung 

i di Ret 

egt Li y taR =, (16) 


indem noch der Spulenwiderstand KR’, berücksichtigt 


ist. 
di 
egt iR 

Das Integral) ist längs der (e'g, ù) -Kurve in 
Bild 4 von Q; bis P, und Q, bis P, zu nehmen. Für 
die Berechnung des Verlaufes der Sprünge ist die aus 
Elektroden- und Spulen-Kapazität zusammengesetzte 
Kapazität C, einzuführen. Es besteht die Gleichung 


SEE de 
i — io + Cı TI — 


3) Eine entsprechende Formel ist in der oben genannten Arbeit 
in der Ztschr. f. Physik unter 11) für den Multivibrator von Bild 1 
gegeben. Diese ist mit negativem Vorzeichen zu versehen. Die 
Gültigkeit der Formel ist an die Bedingung gebunden, daß iz 
kleingegen i,ist, eine Bedingung, welche leicht zu erfüllen ist\Hgr.) 


(17) 


0 (18) 


suche angestellt. 


indem ĉo den während dieser Zeit durch die Selbst- 
induktion fließenden Strom bedeutet. 


r 
deg 


/ mio 


=) (19) 


Dieses Integral‘) ist auf der (e'g, i) -Kurve erstens 
von P, über P, bis zu Q, mit dem Gleichstromwert 
io und zweitens von P. über P, bis zu Q, mit dem 
Gleichstromwert tio zu erstrecken. Die Charakte- 
ristik wird also durch die Integrationen (17) und (19) 
vollständig hin und zurück durchlaufen. 


Bemerkenswert ist, daß das Dynatron auch für 
den Fall, daß der Widerstand R in Bild 3 fehlt 
(R= ©), nach dieser einfachen Methode behandelt 
werden kann, sobald nämlich der sekundäre Elek- 
tronenstrom nicht größer wird als der primäre 
Plattenstrom. Für diesen Fall existiert auf der Cha- 
rakteristik nicht nur das Maximum und Minimum P. 
und P, und der Punkt Q, sondern auch der Punkt 
Q.. In der Zweiröhrenschaltung von Bild 2 hin- 
gegen wird bei beständigem Wachsen des Wider- 
standes R., der innerhalb der zweiten Röhre zwischen 
Gitter und Kathode vorhandene Widerstand maß- 
gebend. Zufolge der einseitigen Leitfähigkeit dieser 
Stromstrecke und ihrer Abhängigkeit von der Ano- 
denspannung des zweiten Rohres wird die Aufgabe 
theoretisch schwer zugänglich’). 


V. Im Forschungslaboratorium der Telefunken- 
gesellschaft (Professor Dr. Dr. A. Meißner) 
haben wir an der Schaltung von Bild 2 einige Ver- 
Verwendung fanden zwei Röhren 
RE 134. Der Widerstand R'a in der Anode des 
zweiten Röhre betrug 20000 Q. Als Widerstand R. 
wurde ein Rheostat von 1 bis 10000 Q benutzt. Als 
Selbstinduktionen L, und ZL. fanden zwei einander 
gleiche Litzespulen mit kapazitätsarmer Wicklung 
Verwendung. Ihre Selbstinduktion betrug 0,08 Hy 
und ihr Widerstand 37 Q. Das Aussetzen der Schwin- 
gungen fand bei dieser Anordnung bei R» = 170 Q 
statt, ein Widerstand von der Größenordnung der 
Spulenwiderstände. Mithin werden die Spulen- 
widerstände auf die in (10) gegebene Frequenzformel 
nicht ohne Einfluß sein. Die Erweiterung der For- 
mel unter Berücksichtigung der Spulenwiderstände 
R’, und R’, lautet: 


ERER: R4 Ri) 
rn en ee] 


Da K, klein gegen R: = 5000 Q ist, so kann die 
Formel gekürzt werden 


a Ri [R +R’ R) 


(20) 


(21) 


Für den Fall, daß die Zeitkonstanten der beiden 
Spulen einander gleich sind, heben sich die Wider- 
stände in ihrer Wirkung auf. Um die aus der 


4) Das Integral wird bei Annäherung an die angegebenen 
Grenzen unendlich groß. Wie weit die Integration zu erstrecken 
ist, kann aus (17) abgeschätzt werden. 

5) Wir machen noch auf die irrtümliche Vorstellung aufmerk- 
sam, welche E. Friedländer für die Schaltung R, = œ ent- 
wickelt (Archiv für Elektrotechnik 17, S. 137, 1926, Bild 57.) 
Die daselbst angegebene Bedingung für das Einsetzen der 
Schwingungen bedeutet nichts anderes, als daß das System von 
einer labilen Gleichstromlage in eine stabile übergeht. 


52 K. Heegner u. Y. Watanabe: Ueber Schwingungserzeugung mittels eines Elektronenröhrensystems, bei welchem usw. 


Frequenzformel der linearen Theorie sich ergeben- 
den Frequenzen herzustellen, ist notwendig, die 
Batteriespannungen an Anode und Gitter der beiden 
Röhren so einzustellen, daß die Amplitude bei abneh- 
mendem AR, bis zu kleinsten Werten herstellbar ist 
und nicht zuvor abreißt. Bei den angegebenen Daten 
war dies ohne eine besondere Vorspannungsbatterie 
für das Gitter des zweiten Rohres möglich. Die An- 
ordnung liefert vor dem Aussetzen der Schwingun- 
gen die Frequenz » = 1800 Per./sec. Bei wach- 
sendem Widerstand R, wird die Frequenz tiefer, er- 
reicht bei 450 Q ein Minimum y = 1180 Per./sec und 
steigt sodann langsam an (Kurve L. = L,, in Bild 5). 


Frequenz Per./sec 


Bild 5. 
Abhängigkeit der Frequenz vom Widerstande R, für die in 
Abb, 2 gegebene Schaltung. 


Bei Kurzschluß der Spule L, ergibt sich die Kurve 
(L. = 0) in Bild 5. Bei abnehmendem Widerstand 
R, geht die Schwingung in die Eigenfrequenz der 
Spule über. Wie in dem Bild angedeutet ist, wächst 
die Frequenz vor dem Aussetzen der Schwingungen 
überaus rasch und nur bei sehr guter Abgleichung 
der Bedingung kk’=1 ist die Eigenfrequenz zu er- 
reichen. Die benutzte Spule hatte eine Eigenwelle 
von 1700 m. Die Elektroden- und Batterie-Kapazität 
drückt die Eigenfrequenz wesentlich herab, dennoch 
liegt die Frequenz, bei welcher die Schwingungen 
aussetzen, weit oberhalb der hörbaren Töne. Die 
Kurve (L, = 0) in Bild 5 besitzt ein Minimum bei 
R, = 270 Q und hat in diesem Punkte die Frequenz 
1420 Per./sec. Um die Selbstinduktion von 0,08 Hy 
zu einem Schwingungskreis dieser Eigenfrequenz zu 


— 
_— 


ergänzen, wäre erforderlich, 142000 cm Kapazitit | 
parallel zu schalten. Mit beiden Spulen L, und I. 
können’ zufolge der Formel (20) noch wesentlich 
tiefere Frequenzen erreicht werden, wenn der Wider- 
stand der Spule L, vergrößert wird. Auf diesem 
Wege kann leicht die Frequenz 600 Per./sec hergestell 
werden, aber die Schwingungen setzen nicht nur aus 
bei Verkleinerung von AR, sondern reißen auch ab 
bei Vergrößerung von R,.. Die Aenderung von R, 
innerhalb deren die Schwingung sich aufrecht erhält |- 
betrug etwa 1 Q. Auch ist hierbei notwendig, das 
Gitterpotential der zweiten Röhre zu regulieren. Dəf 
die Kurven in Bild 5 sich durchschneiden, ist nur eine . 
Besonderheit der gewählten Daten. Wird für R, 
2000 Q eingesetzt, so fällt R, entsprechend größer | 
und der Kurzschluß von Z, liefert stets eine höhere 
Frequenz. | 


N 


Wird im Falle L, = 0 in der Umgebung des Mini- |; 
mums der Frequenzkurve ein Drehkondensator von | 
einigen 1000 cm der Spule L, parallel gelegt, so! 
vertieft sich die Frequenz nur geringfügig, woraus | 
folgt, daß die Schwingung den Charakter einer Multi- 
vibratorschwingung hat. Wurde der Spule L, eine | 
Kapazität parallel geschaltet, so fand bei ungefähr " 
200 cm ein Umspringen in eine hochfrequente Schwir- : 
gung statt. Die Stelle des Umspringens konnte zu 

größeren Kapazitäten verschoben werden, wenn auch 

die Kapazität von L, vergrößert wurde, und zwar | 
hatte die Verschiebung ungefähr denselben Betrag. ` 
Somit darf die Kapazität der Spule Z, nicht wesent- 


T 
+ 


A, lich größer sein als die der Spule Z.. i 


Wir erwähnen, daß das in Bild 2 gegebene Zwei- :' 
röhrensystem in bekannter Weise auch durch eine ; 
Doppelgitterröhrenanordnung ersetzt werden kan. + 


Zusammeniassung: 


In einer früher beschriebenen Schwingungen er- |. 
zeugenden Zweiröhrenschaltung, welche nur Wider- |- 
stände und Kapazitäten enthält, werden die Kapazi- » 
täten durch Selbstinduktionen ersetzt. Die lineare | 
Theorie des auf diese Weise erhaltenen Systems $ 
wird gegeben. Das System besitzt ebenso wie die !. 
Ausgangsschaltung eine Entartung, für welche die |: 
Amplitude die Form einer Multivibratorschwingung |. 
annimmt, mit dem Unterschied, daß die Elektroden- 
und Spulen-Kapazität für die Zeitdauer der Sprünge |. 
maßgebend ist. Eine Lösung des Amplituden. 
problems wird gegeben. Einige Versuche werden 
beschrieben. 


= SOE ——Ů 
koa ne er 
a. anie e o e O 


(Eingegangen am 15. April 1929.) 


Hans Georg Möller: Berechnung des günstigsten Durchgriffes der Röhren im Widerstandsverstärker. 53 


Berechnung des günstigsten Durchgriffes der Röhren 
im Widerstandsverstärker. 


Von Hans Georg Möller, Hamburg. 


Inhaltsübersicht. 
jerechnung des Verstärkungsverhältnisses. 
‚rmittlung der Größe der scheinbaren Röhren- 
kapazität Cseh, des Widerstandes Ry der Elek- 
tronenstrecke Glühdraht — Gitter, des Gitter- 
ableitungswiderstandes Ka des Blockkonden- 
sators Ca und des Anodenwiderstandes R.. 


(onstruktion der Kurve Verstärkungsfaktor 
Durchgriff D. 
3erechnung des günstigsten Durchgriffes. 
‚wei Zahlenbeispiele. 
1. Widerstandsverstärker mit gewöhnlichen 
Röhren. 
2. Widerstandsverstärker mitL o e w e schen Mehr- 
fachröhren. 
Jiskussion der Zahlenbeispiele. 
usammenfassung. 


V— 


Für die Transformatorenverstärker berechnete 


Schottky als günstigsten Durchgrifi 
Dop = 2 Ug/ Ua. 


Hierbei ist Ua die Spannung der Anodenbatterie, 
U, die negative Gittervorspannung, welche den 
Jitterstrom so weit herabsetzt, daß er den Gitter- 
reis nicht mehr merklich belastet. U, ist etwa 
> Volt. Schottky ging bei seiner Berechnung 
lavon aus, daß der Widerstand im Anodenkreis der 
xöhre angepaßt sei (R; = Ra) und daß die Röhre 
sine maximale Leistung liefern solle. Die an der 
xöhre liegende Anodenspannung gleicht im Mittel der 
Spannung der Anodenbatterie. 

Bei Widerstandsverstärkern ist die mittlere 
Anodenspannung um den Spannungsabfiall des mitt- 
leren Anodenstromes im Anodenwiderstand kleiner. 
Es ist daher zu erwarten, daß der günstigste Durch- 
griff bein Widerstandsverstärker größer sein wird, 
und daß man mit besonders hohen Anodenspannungen 
ırbeiten muß, wenn man kleine Durchgriffe an- 
wenden will. 

Als sicher galt bisher als untere Grenze des 
Durchgriffes der Wert 


Dmin = Jl Ua, 


da für diesen Durchgriff die Steuerspannung im Ruhe- 
zustand Null wurde. 

Die Messungen von Ardenne haben nun er- 
geben, daß alle diese Regeln nicht richtig sind. Es 
ist vielmehr überraschenderweise möglich, eine gute 
Verstärkung bei gleichzeitiger Verwendung von hohen 
Widerständen, kleinen Durchgriffen und niedrigen 
Anodenspannungen zu erzielen. 

Der Zweck dieser Mitteilung ist, diesen merk- 
würdigen experimentellen Befund zu klären und eine 
Methode zu entwickeln, den günstigsten Durchgriff 
der im Widerstandsverstärker verwendeten Röhre 
zu berechnen. 


Bild 1 zeigt eine Widerstandsverstärkerstufe. Die 
Röhre 1 arbeitet auf einen Kombinationswiderstand, 
der aus dem Anodenhochohmwiderstand AR, der 
Blockkapazität Cu, dem Gitterableitungswiderstand 
Ra der scheinbaren Kapazität der nächsten Röhre 
Csen und dem Gitterwiderstand der nächsten Röhre 
R, gebildet wird. Bevor wir an die Berechnung des 
günstigsten Durchgriffes gehen, müssen wir uns über 


Bild |. 


diese Größen klar werden. Namentlich müssen wir 
überlegen, wie groß wir Ra wählen dürfen, damit 
der kapazitive Widerstand 1/oCsen der nächsten 
Röhre keine unzulässig große Frequenzabhängigkeit 
des Kombinationswiderstandes Ra ergibt. 


Nach dieser Vorbereitung soll eine graphische 
Methode zur Konstruktion des Verstärkungsfaktors 
in Abhängigkeit vom Durchgriff D angegeben werden. 
Unter „Verstärkungsfaktor“ ist hierbei das Verhältnis 
der Gitterspannungsamplituden an zwei aufeinander- 
folgenden Röhren verstanden: 


V = Uy, Uy, 


Die V-D-Kurven zeigen ein Maximum. Der dieseni 
Maximum zugeordnete Durchgriff sei mit Dopt be- 


zeichnet. Die maximale Verstärkung wird sich 
dann zu. 

Viras a o Dopt 
ergeben. 


Hieraus wird abgeleitet werden, daß die maximale 
Verstärkung dann erreicht wird, wenn der Kom- 
binationswiderstand Ra der Röhre angepaßt ist. 


Schließlich soll unter der Voraussetzung der An- 
passung der günstigste Durchgriff berechnet und die 
Aussage der Endfiormel an zwei Zahlenbeispielen er- 
läutert werden. Diese Zahlenbeispiele werden dann 
die Ardenneschen Meßresultate bestätigen. 


Berechnung des Verstärkungsverhältnisses. 


Das Verhältnis der Spannungsamplituden Uy./Ha, 
sei mit ö (Uebersetzungsverhältnis) bezeichnet. & ist 
meist sehr nahe gleich 1, es wird nur bei sehr niedri- 
gen Frequenzen, bei denen der kapazitive Wider- 
stand 1/wCscn mit Ra und R, vergleichbar wird, 
merklich unter 1 sinken. Es ist dann: 


Uy, —ü Ua; Ua = — Sa Ras Ta == war SY 


54 nn Hans Georg Möller: 


(aus Za = S Us: = S U, + DU.) = Fr S (U — D Ra Za) 
entstanden.) 


Durch Elimination von Ua und 3. erhält man: 
Uy, ü PR 1 


ü Ra S Uy, DTA E EE O SEEREEHEOKES SRH 
l 

Di 

5 S Ra 


ia u 
-SILSDN i 
j D+ si 


Ermittlung von Coch; Ro» Rü, Cis Ra k 


l. Die scheinbare Röhrenkapazität, 


Cser Die Kapazität zweier Leiter ist definiert als 
das Verhältnis der auf den Leitern angesammelten 
Ladung zu der zwischen den Leitern herrschenden 
Spannung. Die Ladung des Gitters setzt sich aus 
zwei Teilen Q, und Q, zusammen: 


Qı = Cgk Ug; Q: = Cga (ug -++ Ua); -} 
sinkt, wenn «g steigt. 

Ferner ist ta = V tg, wobei V der Verstärkungsfaktor 
ist. Setzt man dies alles in die Formel für Csen ein: 


Cai (9, + Qə) [üg > Cgk + Cga (1 + V). 
Hierzu tritt als weiterer kapazitiver Widerstand 
noch der zwischen der Anode und Kathode der ersten 
Röhre liegende. 


Diese Gesamtkapazität beträgt für normale Röhren 
etwa 50 cm, durch ungeschickte Leitungsführung 
wird sie meist um ein Vielfaches erhöht. In den 
Mehrfachröhren von Loewe ist sie auf etwa 5 cm 
heruntergedrückt. Für die höchste Frequenz von 
f = 10000 Hertz, œ = 60000 ergibt sich ein kapazi- 
tiver Widerstand von !/; bzw. 3,3 Megohm. 


2. Der Widerstand Rg der Elektronen- 
strecke Glühdraht— Gitter. 


Nach der Formel für den Anlaufstrom 
Ye € ug| KT 
= se 


berechnet sich PR — di,/du, für K/e = 8,5- 10° Volt/ 
grad, Is = 102 Amp. 


-Zeichen, da ua 


T = 2000° abs. T = 1000° abs. 

u Ug R, 
— 1 Volt 5,4. 10° Olm —.1 Volt 3,3-10° Ohm 
—1,5 9,9.10° '—125  1,7.10° 
= 6,6. 10° zn; 3,0.10* 
25 3,4.10° N, 0,9.10" 
zn 6.10° 
— 4 1,8. 10"! 


Die Tabellen zeigen, daß man bei hohen Glüh- 
drahttemperaturen 2,5 bis 3 Volt, bei niedrigen Tem- 
peraturen 1 bis 1,25 Volt negative Spannung an das 
Gitter legen muß, damit das Gitter praktisch un- 
belastet ist. Sie zeigen zugleich die Ueberlegenheit 
der dunkelglühenden Kathoden. 


3.DerGitterableitungswiderstand Rü 
Ra bildet ebenso wie AR, eine Belastung des Gitter- 
kreises. Man wird ihn daher so hoch wie mög- 
lich wählen. Nimmt man ihn zu hoch, so entlädt sich 
der Blockkondensator Ca zu langsam, was zu Ver- 
stärkungsschwankungen führt. Es hat sich als prak- 
tisch herausgestellt, ihn ebenso groß wie Ra zu 
nehmen. 


— 
— 


4 Der Blockkondensator Ca Cs sollfı 
groß gegenCscrund sein kapazitiver Widerstand klein lì 
gegen Rg und AR. sein. Das wird namentlich für ii 
tiefe Töne Schwierigkeiten machen. Ca zu 1000 cm 
zu wählen, wird für die normalen Bedürfnisse aus- si 
reichen. Nimmt man Ca zu groß, so erfolgt nach Ein- -i 
fall einer starken Störung die Entladung von Ca über ı 
Ra zu langsam. Y 


i 

5. Der Anodenwiderstand &Ra Ra bildet x 

zusammen mit Ra und 1/jw Csen den Widerstand Ru, v 
von dessen Größe die Verstärkung abhängt. Damit 


“die Verstärkung nur wenig von der Frequenz ab- 


hängt, darf sich Ra bei einer Veränderung von w nur 


wenig ändern. Fin sR, R, 4 R,darf also den Wert T i 


für die höchsten w-Wertes, die man noch unver- 
zerrt verstärken will, nicht wesentlich überschreiten. ; 
Es ist hiernach zulässig, mit Ra und Ra auf je 4 MR: 
bei Verwendung gewöhnlicher Röhren, und auf je: 
6 bis 7 MQ bei den Loeweschen Mehrfachröhren 
heraufzugehen. i 
Damit sind Csch, R,, Ri Cür Ra festgelegt, und ; 
wir können zu unserer eigentlichen Aufgabe: der Be- , 
rechnung des günstigsten Durchgriffes für diese fest- 
gelegten Werte kommen. Die Aufgabe soll in dop- 
pelter Weise durchgeführt werden: Es soll die V-D- - 
Kurve graphisch ermittelt und aus ihr der günstigste , 
Durchgriff abgegriffen werden, — Es soll ein rech- 
nerisches Verfahren zur Bestinnmung des günstigsten) 
Durchgriffes mitgeteilt werden | 
| 


P a u 


Konstruktion der V-D-Kurv Pa, 
Wir wollen der Finfachheit halber al gnehmen, daß 


eine Veränderung des Durchgriffes die: Charakte- 
ristik der Röhre nicht verändere, einge Annahme, 
welche sehr gut erfüllt ist. In unserer \ Formel für 
die Verstärkung sind Ra und D bekannt;.. V soll ja 
für verschiedene vorgegebene D-Werte ermi ttelt wer- 
den. Unbekannt ist S. S hängt von D und‘ Ra ab. 
Um S zu finden, konstruieren wir im ?a-%se-Dia gramm 
zunächst den Ruhestrom ia des Verstärkers. ‚Haben 
wir diesen, so können wir us und S aus der Kfent- 
linie ablesen. 

Hierfür stehen uns zwei Gleichungen zur }\Ver- 
fügung: die Gleichung der Charakteristik: i.—flus) 


und tsı =— Ug + D(Ua— ia Ra) 
oder — ia D Ra = tsı — (— U,+ D Ua), 


eine mit der Neigung tga = D-Ra die Us -Achse im 


k. 


+ Punkte ua = — Ug-+D-U,schneidende Gerade. Die 
© Lösung unserer beiden Gleichungen mit den beiden 
v. Unbekannten ča und st wird graphisch durch den 
‘Schnittpunkt der Geraden und der Charakteristik 
festgelegt. Um quantitativ zeichnen zu können, 
xz müssen wir die Maßstäbe festlegen. Wir benutzen 
"in Bild 2 als Strommaßstab i = 10” Amp/cm, als 

Spannungsmaßstab e= 0,1 Volt/cm. Als Wider- 
 standsmaßstab erhalten wir dann r = 10* Q. Unter 
+ Berücksichtigung dieses Maßstabes T tga eine 


“reine Zahl. In Bild 2 ist für D = 3%, Ua = 1,4 Volt, 
i ; DR. 0,03. 10° _, 
ga t a 104 nz 


» die Konstuktion dargestellt. Wir lesen aus der 
` Kennlinie ab: S = 11.10” Amp/Volt. Der Be- 
rechnung von U, lag Ua = 80 Volt, Ra = 1 Meg- 
ohm zu Grunde Für 1/o Csen = 4-10° Ohm würde 
; sich Ra zu 3,82 Megohm ergeben. Mit diesem Wert 
.. berechnet sich V zu 18,6. 

Durch Wiederholung der geschilderten Konstruk- 
tion lassen sich nun für die verschiedensten Wider- 
 stände die V-D-Kurven konstruieren. Bild 3 zeigt 
‘. solche Kurven. | 

Alle diese Kurven zeigen, daß beim günstigsten 


ne ns 


= ist. Diese 
: Regel läßt darauf schließen, daß bei günstigster Ver- 
: stärkung der Belastungswiderstand Ra der Röhre an- 
- gepaßt ist; mit Ra = R; erhalten wir für V in der 


1 
Tat 2D 


leicht erkennt. 


C. a 1 
: Durchgriff Dopt V immer nahezu gleich 


wie man durch Einsetzen von 1/R; S8 = D 


Berechnung des günstigsten Durchgriffes. 


Der Durchgriff soll so gewählt werden, daß V ein 
Maximum wird. V war zu 


EEE. SIR 


1 
DERS 
berechnet. Soll also V ein Maximum werden, so muß 
der Nenner ein Minimum werden. Die Bedingung 


hierfür ist 
d l 


Um die Diffferentiation ausführen zu können, 
. müssen wir die Abhängigkeit des S von D kennen. 
Zur Berechnung dieser Abhängigkeit steht uns die 
Gleichung der Charakteristik 


2 N 


i = f (usi) z.B. i = cus! 


€ us| KT (2) 


oder i = c4 us: 2 oder i = ca € 


und die Gleichung für die Steuerspannung 


usi = — Ug + D (Ua — ie Ra) (3) 
zur Verfügung. Die Ausführung der Differentiation 
ergibt: 

1 ds Als 
ee er. 
j Ra S? duse dD (3) 


Berechnung des günstigsten Durchgriffes der Röhren im Widerstandsverstärker. 55 


dus/dDfinden wir aus der differenzierten Gleichung 3 
unter Einsetzen von didusi = S: 


dus/dD= Ux’ — ia: Ra — D Ra S-dusjd Dl; 
dustı|d D = (Ua — ia Ra)/(! +D Ra 5) 


Setzen wir den Wert dus/dD in die Maximalbe- 
dingung ein, so erhalten wir: 


S? (1 + D Ra S)/(d S/dus) = Ua — ia Ra 


iy=S?/(dS/du,) ist aus der Pie für die 
Charakteristik zu berechnen: 


a) Für ba = C` Ust h erhält man: yi = 3i, 

b) Für ia = c ust? erhält man: yi = 1,62 (unterer 
Knick der Kennlinie), 

u yi=i (An- 


c) Für ia = ce erhält man: 


laufkurve). 


r% , 
\_- Ma O5MR i GCF 08MR, Ez= 00V 


\ Re 2M2; da, = 04M2, Ez "00V 


Ra IMR; ak = 04MR, Ez-40V 
\ 
\ 


20 


J 


ein- 


Bild 3. 


Wenn wir D- Ra: S = Ra/R; und R; = 


setzen, erhalten wir: 
Ra y ta (l Te = Ua — la Ra; 


la = 


Ralb 


Ray Ra(1 +5) (4) 
Mit Ri f= Re 


=R OFE) yA 


Ug Us = Ug 4H tst 1 

Ua — ia Ra Ua Co Ra 
Ra (1 HEr) +H Ra 

=t (14 (5) 


1/87 
Ua 1 + Rap Ra 


Bei Verwendung normaler Röhren arbeiten wir in 
der Nähe des unteren Knickes, wo die Formel c) für 
die Anlaufkurve nicht mehr, die Formel b) noch nicht 
gilt. Wir wählen für y einen Mittelwert zwischen 1 
und 1,6, nämlich 1,3. In den L o ew e schen Mehrfach- 
röhren sind die Ströme so klein, daß die Formel für 
die Anlaufkurve gilt; wie haben y = 1 zu setzen. 

8 = 1 würde der Anpassung des Kombinations- 
widerstandes Ra an = Röhre entsprechen (B = 1 ist 
gleichwertig mit R; = Ra). Da die Kurven in Bild 3 


D = 


56 


zeigten, daß bei günstigstem Durchgriff Ra immer un- 
gefähr angepaßt ist, so wollen. wir in erster An- 
näherung 8 = 1 benutzen. Nach Berechnung von D 
und S muß aber kontrolliert werden, ob die benutzte 
Annäherung wirklich stimmt. Ergibt sich 8=D.R.- S 
wesentlich verschieden von 1, so muß die Rechnung 
mit einem korrigierten 8-Wert wiederholt werden. 

Us: ist für das aus der Gleichung 4 berechnete za 
aus der Kennlinie abzugreifen oder für sehr kleine 
Ströme aus der Anlaufkurve zu berechnen. 


Zwei Zahlenbeispiele. 


1. Beispiel: Widerstandsverstärker mit gewöhn- 
lichen Röhren. Csen hat der Wert von 50 cm. 1/@Cseh 
für f = 10000, œ = 60000 Hertz den Wert 0,3 
Megohm; Ra und Ra können dann, wie wir über- 
legten, ebenfalls auf 0,3 MQ, ieder der Widerstände 
einzeln auf 0,6 MQ gesteigert werden. Der Kombina- 
tionswiderstand Ra erhält dann den Wert 0,1 Me- 
gohm. Für Ua = 100 Volt berechnen wir čia nach 
Formel 5 zu 

100 
2,3-0,6 + 1,3-0,21 
Für s= 0,01 Amp. erhalten wir aus der Formel 
für den Anlaufstrom mit T = 1000°: tsı = 0,43 Volt. 

U, muß so groß sein, daß Rg den Wert von Ra 
wesentlich übersteigt. Wir wählen es nach Seite 54 
zu 1,2 Volt. 


Nach der Formel (6) berechnet sich dann D zu 
1,27%. 


Schließlich kontrollieren wir, ob die vorausgesetzte 
Anpassung S. D. Ra =1 erfüllt ist. Wir erhalten: 
S. D. Ra = 1,28. 


Wollten wir das Resultat verfeinern, so müßten 
wir die Rechnung mit S. D. Ra = 1,15 (einem Mittel- 
wert von 1 und 1,28) wiederholen. Diese Wieder- 
holung würde aber den gefundenen Wert von Dopt so 
wenig ändern, daß sich eine Verfeinerung des Resul- 
tates nicht lohnt. 

2. Beispiel: Widerstandsverstärker mit Loewe- 
schen Mehrfachröhren. Csen hat jetzt einen Wert von 
nur 5 cm. Alle Widerstände sind demnach 10 mal so 
groß, wie in dem ersten Beispiel. Die Ströme werden 
jetzt so gering, daß wir den für die Anlaufkurve gül- 


— 6,05 10-5 Amp. 


ja 


o dS _ g $ 
tigen Wert von S? einsetzen müssen. Formel (5) 
st 


H. Reppisch: 


hat dann die Gestalt: 
Ua 


Ra R, 


u (+ | FR.) 


Nach diesen Formeln berechnet sich ča zu 7,7. 10- 
Amp.,“s: wieder nach der Formel für die Anlaufikurve 
zu — 0,615 Volt, D zu 1,05% 

Wenn wir zur Kontrolle S. D. Ra berechnen: so 
finden wir jetzt 0,94. Dieser Wert stimmt mit dem 
Ausgangswert 1, soweit überein, daß eine weitere 
Verfeinerung des Resultates unnötig ist. 

Diskussion der Zahlenbeispiele. Die 
Zahlenbeispiele ergeben das überraschende Resultat, 
daß für den höheren Anodenwiderstand als gün- 
stigster Durchgriff ein kleinerer Wert heraus- 
kommt. Ferner ist den bisherigen Erwartungen wider- 
sprechend, daß der Durchgriff kleiner als U,/Ua sein 
kann, daß man also mit negativer Steuerspannung 
arbeitet, bei der nach der gewöhnlich bei der Be- 
rechnung des Verstärkungsgrades angewandten 
Langmuirschen Formel der Anodenstrom Null 
und damit auch die Verstärkung Null sein müßte. 


sn 
o 


iy = 


und D = 


auf, daß für die in den Widerstandsverstärkern mit 
sehr hohen Anodenwiderständen verwendeten sehr 
kleinen Ströme für die Charakteristik nicht mehr die 


Die ! 
überraschenden Resultate beruhen letzten Endes dar- |: 


-ooa o e 


Langmuir sche Formel, sondern die Gleichung für 


die Anlaufkurve gilt. 


Zusammenfassung. 


Solange man bei der Berechnung von Wider- 
Standsverstärkern für die Kennlinie die Lang- 
muirsche Formel benutzt, erhält man für den gün- 
stigsten Durchgriff Dopt, welcher die größte Verstär- 
kung liefert, verhältnismäßig hohe Werte. Dopt wird 
um so höher, je höher der Anodenwiderstand wird. 

Bei hohen Anodenwiderständen werden 
Ströme aber so klein, daß die Langmuir sche 
Formel durch die Formel für den Anlaufstrom zu er- 
setzen ist. Hierdurch ändert sich das Bild völlig. Die 
günstigsten Durchgriffe werden kleiner und nehmen 
mit wachsenden Anodenwiderständen ab. Die 
zunächst überraschenden Messungen Ardennes 
werden durch die Theorie bestätigt. 


(Eingegangen am 3. Mai 1929.) 


— 


Ueber die Konstruktion des harmonischen Mittels. 


Von H. Reppisch, Berlin-Tempelhof. 


Inhaltsübersicht: 


Es werden einfache und leicht zu beweisende Kon- 
struktionsmethoden zur Auffindung des harmonischen 
Mittels beliebiger Widerstände an systematisch zu- 
sammengestellten Beispielen angegeben. 


1) In einer Arbeit über eine einfache geometrische Darstellung 
des harmonischen Mittels im Arch. f. El. 8, S. 183—187, 1919 
gab E. Orlich dem hier mit P bezeichneten Wert die Benennung 
harmonisches Mittel. Diese Bezeichnungsweise wird hier bei- 
behalten, weil aus den im vorliegenden Aufsatz angegebenen 
Konstruktionen die Berechtigung der Orlich’schen Bezeichnung 
deutlich hervorgeht. 


Die rechnerische Ermittelung des resultierenden E 


Widerstandes zweier parallelgeschalteter Wider- 
stände ist nur dann noch ziemlich einfach, wenn die 
beiden Widerstände von gleicher Art sind. Die be- 
kannte Formel 


En W,- H 9 

Wi + W: 

kann man also nur dann vorteilhaft benützen, wenn 
W, und W., entweder nur Resistanzen, nur positive 
oder nur negative Reaktanzen oder auch nur Iınpe- 
danzen mit gleichen Plıasen sind. 


— ru 


die ` 


FIN z EEEE NT 


en en a: 
. í Pr 


Für solche art- i 


gleichen Widerstände können zur zeichnerischen Er- 
mittelung des Wertes P die in den Bildern 1 und 2 
dargestellten Konstruktionen angewandt werden, wo- 
bei gerade aus Bild 2 die Proportion 


Bild 1. Bild 2. 


.Zeichnerische Ermittelung des Widerstandes der Parallelschaltung 
von artgleichen Widerständen. 


. P : W, = W, :(W,+#W,), 

welche auf diese Konstruktion führte, leicht ables- 
-bar ist. 

= Die beiden Widerstände W, und W, werden als 
-die Strecken OA und AB hintereinander angetragen; 
in O und A oder auch in A und B werden die Lote?) 
errichtet. Macht man nun 04’ = OA oder BB’ = AB 
‚und verbindet 4’ mit B oder B’ mit O, dann 


ART"-- 
E 


Bild 3. Bild 4. 


Zeichnerische Ermittelung des Widerstandes der Parallelschaltung 
von positiven und negativen Reaktanzen (Blindwiderständen). 


schneiden diese Verbindungslinien das in 4 errichtete 
Lot im Punkt D und es ist AD der gesuchte Wert P. 
| Diese für artgleiche Widerstände recht einfache 
Konstruktion läßt sich sinngemäß auclı auf Parallel- 
schaltungen von positiven und negativen Reaktanzen 
„anwenden. Die Bilder 3 und 4 zeigen die Einfachheit 
‚dieser Methode. In Bild 3 ist OA eine positive, AB 
-eine negative Reaktanz (Bild 4 zeigt den umgekehr- 
‘ten Fall), die zueinander parallelgeschaltet sind. 
‘Macht man auch hier 04’ 1 OA und gleichzeitig 
0A’ = 0A, dann schneidet die Verbindungsgerade A’B 
in ihrer Verlängerung über B hinaus das im Punkt A 
errichtete Lot im Punkt C, wodurch man P = AC 
„erhält. 

2) Es ist nicht unbedingt notwendig, jedoch sehr zweckmäßig 


-über O, A oder B die Lote zu wählen, weil man sicher für die 
‚zeichnerischen Darstellungen Millimeterpapier verwenden wird. 


Ueber die Konstruktion des harmonischen Mittels, 57 


Aus der Aehnlichkeit der Dreiecke CAB und A’OB 
ergibt sich die Proportion 


CA:AB=4’0:0B, 


und weil AB=—X, 40=X,=04 und 
OB = X, — X, ist, wird 


ODE 
CA P x 

Bei Parallelschaltung einer Resistanz R=0A mit 
einer positiven oder negativen Reaktanz + X=0B 
kann man zur Ermittelung des Wertes P die in den 
Bildern 5 und 6 gezeigten Konstruktionen anwenden. 
Errichtet man über 0A und OB Kreise, die diese 
Strecken als Durchmesser haben (Reaktanz- und 
Resistanzkreis), dann schneiden sich diese Kreise 
außer im Ursprung O im Punkte S und es ist OS=P. 
Würde man nur den einen oder nur den anderen 
Kreis schlagen, dann würde die Verbindungslinie AB 
jeden dieser Kreise im Punkte S schneiden, wodurch 
man ebenfalls P erhält. 

Da im vorliegenden Falle OA und OB aufeinander 
senkrecht stehen, ist AB zur Zentralen beider Kreise 
parallel. Die Strecke OS gehört der Chordalen 
(Potenzlinie) beider Kreise an, die immer senkrecht 
auf der Zentralen steht; aus diesem Grunde ist im 
vorliegenden Spezialfalle auch OS _| AB, so daß man 
OS auch durch Fällen des durch O gehenden Lotes 
auf AB finden kann. 

Der Beweis zu den in den Bildern 5 und 6 ge- 
zeigten Konstruktionen, die bereits mehrmals in der 
Literatur?) angegeben worden sind, kann auf ver- 
schiedene Weise geführt werden. Z. B. ist nach den 
Lehrsätzen der ebenen Geometrie: 

1. Tangentensatz‘) 

A OSA ~ A BOA 

OS : OA = BO : BA 

2. Tangenten-Sehnenwinkel-Satz 
x OBA =x S0A, 

Die Proportion ergibt für die Beträge 0A, OS, OB 
und BA den Ausdruck 


_04-BO 
“BA ”’ 


wobei nun BA die geometrische Summe von OA und 
OB ist, also 


OS 


A 
| BA| = | OA + OB]. 
Durch Einsetzen der Beträge wird 
R-X 
P= RFX Y' 
Um zu zeigen, daß OS = P auch die richtige Lage 
in Bezug auf die beiden Widerstände R und X hat, 
kann man z. B. folgendermaßen vorgehen: Der von 
der Summe|BA|=|04-+ OB|mit der reellen Achse 


eingeschlossene Winkel ist gleich dem Winkel OAB; 
aus der Aehnlichkeit der Dreiecke BSO und BOA folgt, 


3) Orlich, Arch. f. El.,8, S. 183—187, 1919; W. A. Barclay, 
Exp. Wir., 4, S. 87—92, 1927; F. Strecker u. R. Feldtkeller, 
Wiss. Ver. a. d. Siemens-Konzern, 5, S. 134, 1927; R.Feldtkeller 
u. H. Bartels, Wiss. Ver. a. d. Siemens-Konzern, 6, S. 65, 1927; 
H. Rukop, Arch. f. El., 21, S. 443, 1929; J. Herzog u. CI. Feld- 
mann, Die Berechnung elektrischer Leitungsnetze in Theorie 
und Praxis, Berlin 1921. 

4) Dieser Fall des Tangentensatzes kann ebensogut als Son- 
derfall des Sekantensatzes aufgefaßt werden. 


58 


daß X BOS = xXBAO ist. 
Anschauung der Figur, daß 


x SOA = x BOA — x BOS 


ist und weiter, daß OS in bezug auf O4 und OB die 
richtige Lage besitzt. 

In der gleichen Weise läßt sich der Beweis für 
den in Bild 6 dargestellten Fall führen. 

Beide Fälle (Bild 5 und 6) gestatten folgende Ver- 
allgemeinerungen: Nimmt die Resistanz R, welche zu 
einer Reaktanz X parallel liegt, alle Werte von 0 bis 
co an, dann läuft der Schnittpunkt S auf dem über 
der Reaktanz errichteten Kreisbogen immer im 
mathematischen Drehsinne gemäß dem Vorzeichen 


Damit ergibt sich aus der 


mg 


Bild 5. 


Bild 6. 


H. Reppisch: 


oder positiver Phase, dann führt die in den Bilden!" 
8 und 9 dargestellte Konstruktion schnell zur Auf- 
findung von OS = P. AR 
Errichtet man in O die Senkrechte auf OA — im 
vorliegenden Falle ist dies die Imaginärachse und | 
die Mittelsenkrechte auf OB, dann liefert der Schnitt- 
punkt beider Lote den Mittelpunkt des die Resistanz 
R = OA in O berührenden Kreises, in dem dann 0B 
= Z Sehne ist. Spiegelt man OB an OD, wodurch 
man OB’ erhält, dann schneidet die Verbindungs- 
linie B’A den Kreis in S. Zieht man OS, dann l 


nach dem Tangenten-Sekantensatz der ebenen 
Geometrie 


OS : 0A = B'O : B'A, 


Bild 7. 


Zeichnerische Ermittelung des Widerstandes der Parallelschaltung von zwei aufeinander senkrechtstehenden Widerständen 
(positive bzw. negative Reaktanz und Wirkwiderstand in Bild 5 u. 6, in Bild 7 zwei zueinander senkrecht stehende Impedanzen) 


der Reaktanz; bei einer positiven Reaktanz also im 
Linksdrehsinne, bei einer negativen im Uhrzeiger- 
sinne. Läßt man andrerseits die Resistanz konstant 
und der Reaktanz alle Werte von —œ bis + œ 
annehmen, dann wird der über der Resistanz R er- 
richtete Reaktanzkreis vom Schnittpunkt S stets im 
Gegendrehsinne (Uhrzeigerdrehsinn) durchlaufen. 


Werden nun beide aufeinander senkrecht stehen- 
den Vektoren in dem angenommenen Koordinaten- 
system um einen Winkel z so gedreht (Ursprung O 
ist Drehachse), daß aus Resistanz und Reaktanz durch 
diese Drehung in Bezug auf das ursprüngliche Ko- 
ordinatensystem Impedanzen werden, dann bleibt 
natürlich für den behandelten Fall die Konstruktions- 
methode von P erhalten. 

Nimmt die eine oder andere Impedanz unter den 
vorigen Voraussetzungen alle Werte von —oo bis 
+ © an, dann gelten sinngemäß auch die bezüglich 
des geometrischen Ortes des Schnittpunktes S an- 
gestellten Betrachtungen und Schlüsse noch, nämlich: 
Der geometrische Ort für den Vektor der Parallel- 
schaltung zweier aufeinander senkrecht stehenden 
Vektoren ist der über dem anderen (als Durchmesser) 
geschlagene Kreis, wenn der dieser oder jener alle 
Werte von — œ bis +œ annimmt. Der jeweilige 
Impedanzkreis wird vom Schnittpunkt S im Dreh- 
sinne des Uhrzeigers durchlaufen (vgl. Bild 7). 

Besteht die Parallelschaltung aus einer Resistanz 
R = OA und einer Impedanz Z = OB mit negativer 


A reel ra 


Bild 8. Bild 9. 


Konstruktion des Widerstandes der Parallelschaltung bei neben 
einandergeschalteten Impedanzen (Z) mit positiver negativer bzw 
Phase und einem Wirkwiderstand (R). l; 


weil 
N B'OA ~ A OSA 


ist. Für die Beträge OS, 0A, B’O und BA gilt | 


OA- B'O R-Z 
os=P= ya RIZ) 
weil N 
BAl=IRH+Z 
ist. Nach dem Satze vom Tangenten - Sehnen- è 


Ueber die Konstruktion des harmonischen Mittels. 59 


nn ZZ TE nn nn En nn a ne m nn an ne er Te 


inkel ist weiter 
£ x SOA = x. OB' A. 
„er Außenwinkel bei O des Dreiecks B’OA ist X BOA. 


N 
zer zur geometrischen Summe (R+Z) gehörige 
: img 


Bild 10. 
Construktion des Widerstandes der Parallelschaltung bei neben- 
:inandergeschalteter Impedanz (Z) und Reaktanz (X,). Zur zeich- 
ıerischen Ermittelung genügt ein Kreis, wobei man aus Platz- 
i gründen den kleineren wählen wird. 


Winkel ist X 40B’, so daß sich ergibt 


x BOA =x% 0B'A +x 0AB' 
| x 0B'A = % S0A 


x SOA =x BOA — x 0AB’; 


Bild 11. 
Konstruktion des Widerstandes der Parallelschaltung (P) zwcier 
nebeneinandergeschalteter Impedanzen (Z, und Z,); allgem. Bild. 


da aber auch 
AÁ B'OA ~ /BS0, 
x BOS = x 0AB’, 
wird endlich 
x SOA = x BOA — x BOS, 


womit gezeigt ist, daß die Lage von P in Bezug auf 
R und Z bei der im Bild 9 dargestellten Konstruk- 
tionsmethode richtig ist. | 


Man kann, was wohl selbstverständlich ist, die 
Konstruktion auch so durchführen, daß der Kreis den 
anderen der beiden Vektoren berührt, also z. B. Z 
in O; dann wird 0A = R Sehne in diesem Kreis. 

Im Bild 10 ist die Konstruktion von P für den 
Fall dargestellt, daß eine Impedanz Z (welche aus der 
Resistanz R und der Reaktanz X, besteht) mit einer 
wie auch im folgenden Bild 11, die beiden Kreise 
angegeben. OS ist die beiden Kreisen gemeinsame 
Sehne, welche der durch O und S gehenden Chorda- 
len angehört; die Chordale, welche auch die Potenz- 
linie oder Radialachse beider Kreise genannt wird, 
ist der geometrische Ort aller Punkte, welche in 
Bezug auf die beiden Kreise dieselbe Potenz haben.. 
Sie steht senkrecht auf der Zentralen beider Kreise. 

Liegt der Fall vor, daß zwei Impedanzen Z, und 
Z, parallel geschaltet sind, so kann man eine der 
beschriebenen Konstruktionsmethoden anwenden, 


Bild 12. 
Vereinfachte Konstruktion der in Bild 11 dargestellten zeich- 
nerischen Ermittelung von P. 


wenn man ein neues Koordinatensystem (dessen Ur- 
sprung mit dem von Z, und Z, zusammenfällt) so 
legt, daß die eine oder andere Impedanz zu einer 
Resistanz oder Reaktanz in bezug auf das neue 
Koordinatensystem wird. Im Bild 11 ist z. B. das 
neue Koordinatensystem um den Winkel x gegen das 
zu Z, und Z, gehörige gedreht, und man erhält die im 
Bild 10 angegebene Konstruktion für den Fall, daß zu 
einer negativen Reaktanz (vorher Z.) eine Impedanz 
Z,’ (vorher Impedanz Z, in Bezug auf das ursprüng- 
liche Koordinatensystem) mit negativer Phase 
parallel geschaltet ist. 

Es ist wohl unschwer zu erkennen, daß sämtliche 
geometrischen Darstellungen von P von ein und der- 
selben Art sind. Es ist leicht festzustellen, daß nur 
stets ein Berührkreis für einen gegebenen Vektor 
OA oder OB konstruiert werden braucht. Wenn 
nun im Bild 11 mehr Konstruktionsmittel angegeben 
als notwendig sind (die Ermittelung von P kann ein- 
fach wie im Bild 12 dargestellt geschehen), so hat 
dies den Grund, die genannten und die bereits be- 
kannten Methoden in diesem Bild zu vereinigen. 

Man kann zeigen, daß die von Rukop?) an- 
gegebene Methode zur Auffindung des harmonischen 
Mittels in dieser Konstruktion enthalten und leicht 
zu beweisen ist. Die paarweisen Senkrechten OD, BE 


5) H. Rukop, Diagramme für die nz beliebiger 
Scheinwiderstände, Arch. f. El. 21, S. 443, 1929, Heft 5. 


60 Paul Duckert: 


und OE und AD liefern die Durchmesser der beiden 
sich in O und S schneidenden Kreise, deren Durch- 


trotzdem geschah, dann mit der Begründung, daß dem 
in der Praxis stehenden Techniker gleichzeitig damit 


messer selbst OD und OE sind. Die zwischen den einige Beispiele gezeigt werden sollten. ! 
Schnittpunkten liegende Strecke OS ist die beiden N 
Kreisen gemeinsame Sehne, welche, wie bereits dar- Zusammenfassung. i 
gelegt wurde, der auf der Zentralen senkrecht PT ' l l ER 
stehenden Chordalen angehört. Da weiter DE Für die zeichnerische Ermittelung des Wider | Ri 
parallel zur Zentralen ist, so steht auch OS senkrecht Standes einer Parallelschaltung, die aus gleichen oder | r 
auf DE entgegengesetzten oder auch aus verschieden zu | s 
Man wird einsehen, daß die Berücksichtigung der Sammengesetzten Widerständen besteht, werden an| i 
Lage der zueinander parallel liegenden Widerstände Hand einiger Becpiele möglienst on Diagramme j 
in Bezug auf das Koordinatensystem der Darstellungs- für die behandelten Fälle angegeben ung A I 
ebene nicht absolut notwendig war, sondern nur die &rammkonstruktion mittels einfacher Sätze aus der| Ri 
relative Lage der Widerstände zueinander für die (Geometrie erklärt. | 
Konstruktionsmethode maßgebend ist. Wenn dies (Eingegangen am 10. Mai 1929.) ha 
1 
af 
: ’ 
Zusammenfassender Bericht. X: 
Ueber Fehlweisungen bei der FunKpeilung. Ni 


Von Paul Duckert, Aeronautisches Observatorium Lindenberg. 


Der schnellen Entwicklung des Funkwesens in den 
letzten Jahren ist eine fast gleich schnelle Förderung 
der Hochfrequenzmeßverfahren gefolgt. Nicht in glei- 
chem Maße konnten die Störungen der elektro- 
magnetischen Wellen in ihren Ursachen erkannt oder 
gar beseitigt werden. Der Ausbreitungsvorgang der 
elektromagnetischen Wellen hängt von derart viel 
unübersehbaren Momenten ab, daß auch wohl so 
schnell noch keine einwandfreie Beherrschung des- 
selben in Frage kommen kann. Die weitaus größten 
Schwierigkeiten liegen hierbei in unserer Erd- 
atmosphäre. 


Am hiesigen Observatorium sind von mir in Er- 
gänzung früherer Arbeiten von Herath!) und 
anderen?) eine große Zahl von Meßreihen bei ein- 
wandfrei festliegenden aerologischen Verhältnissen 
durchgeführt worden, die sich mit den Einflüssen 
von atmesphärischen Zuständen auf die Ausbreitungs- 
erscheinungen der elektromagnetischen Wellen und 
deren. Störungen befassen. Die Ergebnisse sind in 
einer Reihe von Arbeiten?) zusammengestellt. Bei 


1) F. Herath, Meteorologie und Wellentelegraphie, Ztschr. f. 
Techn, Physik 4, S. 116, 1923. Derselbe, Meteorologie und Wellen- 
telegraphie, Beitr. z. Phys. der freien Atm. 9, S. 12, 1920. Der- 
selbe, Gleitflächen und luftelektrische Empfangsstörungen, Sonder- 
band d. Beitr. z. Phys. d. freien Atm. 1922. Derselbe, Meteo- 
rologie und Wellentelegraphie, Beeinflussung des Funkverkehrs 
durch die Gleitilächen in der Atmosphäre, Die Arbeiten d. A. 
O. Lindenberg, 14, S. 119, 1922. 

2) F.Schindelhauer, Ueber den Einfluß der Schichtung der 
Atmosphäre auf die Ausbreitung der Wellen der drahtl. Telegr. 
Met. Ztschr. 37, S. 177, 1920. P. Ludwig, Der Einfluß geo- 
physikalischer und meteorolog. Faktoren auf die drahtlose Tele- 
graphie, Jahrbuch d. drahtl. Telegr. u. Teleph. 12, S. 122. 1918. 
S. Wiedenhoff, Ueber die Beziehungen zwischen der Aus- 
breitung elektromagnetischer Wellen und den Vorgängen in der 
Atmosphäre, Jahrb. d. drahtl, Telegr. u. Teleph. 18, S. 242, 1921. 

3) P. Duckert, Einiges über die atmosphärischen Störungen 
der elektromagnetischen Energieübertragung. Die Arb. d. Aeron. 
Obs. Lindenberg, 15, S. 297, 1925. Derselbe, Ueber einige 
Zusammenhänge zwischen der Wetterlage und der Ausbreitung 
elektromagnetischer Wellen. Die Arb. d. Aeron, Obs. Linden- 
berg, 15, S. 292, 1925. Derselbe, Drahtlose Energieübertragung 
und die Wetterlage. Das Wetter 1926, Heft 4. Derselbe, Unter- 
suchungen über die Einwirkung der Atmosphäre auf den Empfang 


der Anwendung der in den verschiedensten vor- | 
genannten Arbeiten entwickelten Hypothesen mul E 
man insofern vorsichtig sein, als die vielfach zitier- }} 
ten Flächen in der Atmosphäre nicht auf allen Wetter- 
karten gleichmäßig zum Ausdruck kommen. Viel- ix 
fach in Wetterkarten eingezeichnete Temperatur- ;, 
grenzen sind durchaus noch keine Grenzflächen von 
Luftkörpern im dort zitierten Sinne. Ohne Zuhilie- |y 
nahme aerologischer Aufstiege oder Wolkenbeobach- | y 
tungen ist also das in den Arbeiten aufgestellte Kri-! |, 
terium schwer aufzufinden. 


Im folgenden sollen nur die Einflüsse atmo- p 
sphärischer Natur auf das heute in großem Umfange fr 
angewendete Funkpeilverfahren zusammengestellt N 
werden. Die zugrunde liegende Beobachtungstatsache |tt 
ist, wie ich an einer großen Zahl von Beispielen 
gezeigt habe, darin gegeben, daß durch Einflüsse 
unserer Erdatmosphäre zeitlich veränderliche Funk- 
fehlweisungen bei den üblichen Peilverfahren auf- |x 
treten. Eine Reihe von interessanten Zusammen- |? 
hängen von Peilschwankungen mit der atmosphäri- i 

| 


schen Struktur habe ich in einer Reihe von Arbeiten’) X 
bereits publiziert. | 

Alle heute vorwiegend benutzten Peilverfahren * 
beruhen auf der Erkenntnis und Anschauung, daß im '*¥ 
Ri 
aÇ 


; 
E 


drahtloser Signale. Forschungen und Fortschritte 2, S. 19, 1920. 
Derselbe, Atmosphärische Einflüsse auf die Ausbreitung und l 
Störung elektromagnetischer Wellen. Referat E.N.T. 3, S. 40. \ 
1926. Derselbe, Die atmosphärische Beeinflussung der elektro | v, 
magnetischen Wellenausbreitung. Referat, Deutsche Forschung E 
Heft 4. 

4) P. Duckert, Atmosphärische Störungen der Radiopeilung. \ 
Mitt. d. A. O. Lindenberg, S. 55, Juli 1926. Derselbe, Ueber 1 
den Einfluß der Atmosphäre und ihrer jeweiligen Zustände auf», 
die Radiopeilung. Mitt. d. A. O. Lindenberg, S.123, 0k 
tober 1927. Dergleiche, Richtungsstörungen in der elektromay 
netischen Energieausbreitung durch atmosphärische Zustände. 
Referat E.N.T. 4, S. 11, 1927. Dergleiche, Küstenbrechung und i 
Peilschwankung elektromagnetischer Wellen, Beitr. z, Phys. 4 
freien Atm. 14, S. 3, 1928. Dergleiche, Abhängigkeit der Funk 
beschickung von meteorologischen Einflüssen. Mitt. d. A. 0. N 
Lindenberg S. 154, 1928. Derglelche, Ueber Fehlweisungel '' 
der Funkpeilung in Abhängigkeit von der Wetterlage. Refera, \ 
Ztschr. f. techn. Physik 9, S. 466, 1928, ‘i 


Strahlungsfelde eines ungerichteten ideal aufgestellten 
Senders längs einer beliebig ausgewählten Fort- 
pflanzungsrichtung ein elektromagnetisches Feld fort- 
schreitet. Bei der Annahme der Ausstrahlung einer 
normal polarisierten Welle müssen dann, von der 
allernächsten Entfernung vom Sender abgesehen, die 
-© Richtung der elektrischen Kraft, die der magnetischen 
- Kraft und die Fortpflanzungsrichtung aufeinander 
senkrecht stehen, und zwar dergestalt, daß die elek- 
trischen Kraftlinien auf der als ideal leitend angenom- 
menen Erdoberfläche senkrecht stehen. Damit ist 
die Möglichkeit der Peilung durch Bestimmung der 
Richtung der magnetischen Kraftlinien gegeben. 


Fehlweisungen können nun entstehen durch fehler- 
hafte Peilapparaturen infolge innerer Unsymmetrie 
und wilder Kopplungen im Gerät selbst, durch Rück- 
strahlfelder in der Umgebung des Peilers, durch Ver- 
änderung der Untergrundbeschaffenheit des Erd- 
bodens, durch Interferenzen von Oberflächen- und 
Raumwellen und endlich durch Reflektions-, Refrak- 
tions- und Beugungserscheinungen in der Atmosphäre. 
Die offenstehende uns allein interessierende Frage ist 
nun. welche Größenordnung diese einzelnen Effekte 
erreichen können. 

Die Entwicklung der Peilgeräte ist heute bereits 
soweit fortgeschritten, daß dieselben bei richtiger 
Abstimmung und Bedienung keine Fehlerquellen mehr 
zu bergen brauchen. Man kann also den Fall fehler- 
hafter Peilapparaturen heute schon als Störquelle 
ausschalten. 

Die anderen Einflüsse können wir für praktische 
Studien von vornherein einteilen in solche, welche 
zeitlich konstante Fehlweisungen ergeben, und andere, 
die Fehlweisungen mit zeitlicher Aenderung erzeugen. 


Den zeitlich konstanten Fehlweisungen wird durch 
Aufnahme von Funkbeschickungskurven für die in 
Frage kommenden Peilwellen Rechnung getragen. 
Sie rühren im wesentlichsten von örtlichen Rück- 
strahlfeldern, wie Bauwerken, Hochspannungsleitun- 
gen, Antennen, Fisenbahnen und ähnlichen Störungen 
her. Ob man besonders starke Störfelder bereits 
vor Aufnahme der Beschickungskurven durch Kompen- 
sationsgebilde, wie sie von H. Maurer und F. A. 
Fischer mehrfach angegeben wurden, auf ein gerin- 
geres Maß zurückführt oder nicht, ist an und für sich 
belanglos. Günstig ist es immer, da für den Fall, daß 
die Funkbeschickung große Werte erreicht, auch eine 
bisher vernachlässigte Abhängigkeit der Beschickungs- 


. „werte von der Entfernung der zu peilenden Station 


merklichen Finfluß gewinnen kann. Ich will hier 
nebenbei nur gleich erwähnen, daß auch diese zeit- 
- lich konstant angenommenen Funkbeschickungen 
natürlich nicht im strengsten Sinne konstant sind, daß 
auch sie, namentlich nach neuen Bebauungen, von 
Zeit zu Zeit nachgeprüft werden müssen. Auch die 
Erdungsverhältnisse selbst spielen eine beträchtliche 
Rolle hierbei. Es muß von allen Rückstrahlern an- 
zunehmen sein, daß sie nahezu ideal geerdet sind, da- 
mit nicht jeder Regenfall oder eine andere Nieder- 
schlagsform eine Aenderung der Verhältnisse bewirkt. 

Schwierig ist die Einreihung der viel um- 
strittenen Küstenbrechung. Solange wir nur eine 
Folge der Tatsache darunter verstehen wollen, daß 
der Untergrund, also die Oberfläche der Erde, längs 
einer definierten Linie — in diesem Falle des Küsten- 


Zusammenfassender Bericht. Ueber Fehlweisungen bei der Funkpeilung. 61 


striches — in seiner Leitfähigkeit eine Aenderung er- 
fährt, die im übrigen infolge des erheblichen Größen- 
unterschiedes einem Sprung gleichkommt, muß sie 
zweifellos hier eingereilt werden. Auch auf dem 
Festlande sind ähnliche, wenn auch nicht so krasse 
Grenzen vorhanden. Die Diskussion über diese Er- 
scheinung hat dann, ganz gleichgültig, um welche 
Größenordnung der Einflüsse es sich handelt, nur 
theoretisches Interesse, da die Einflüsse in der Funk- 
beschickung enthalten sein müssen. Die Praxis der 
Fremdpeilung leidet also nicht darunter. Daß "der 
Effekt keine mit unseren bisherigen Peilern meßbare 
Größen erreicht, geht m. E. einwandfrei aus einer 
großen Zahl von Meßreihen hervor, die speziell über 
bei Ebbe und Flut verschiedenen Wattgebieten zum 
Teil von der Marineleitung selbst, zum Teil von mir 
angestellt werden konnten. Diesbezügliche, wohl zu- 
erst von A. Wedemeyer aufgestellte Behauptung 
konnte insofern ganz bestätigt werden. Es wurde nie 
ein Unterschied gefunden, sofern ungestörte Wetter- 
lagen vorlagen. Theoretisch ist dem Problem schwer 
beizukommen, da einwandfreie Lösungen der Max- 
wellschen Gleichungen für das in Frage kommende 
Dreimedienproblem bisher nicht möglich sind. Selbst 
bei Zulassung der optischen Analogie kommt aber 
auch theoretisch mit den von J. Zenneck gegebenen 
Leitwerten eine Ablenkung heraus, die die Größen- 
ordnung 1/10° nicht überschreitet. Ob man mit E. A. 
Wedemeyer’) den Effekt theoretisch als nicht 
vorhanden ansehen Kann, erscheint mir mit unserer 
heutigen Erkenntnis noch nicht entscheidbar zu sein. 
Richtig ist zweifellos die Auffassung, daß die Erdungs- 
verhältnisse am Sender wie auch am Peiler Richt- 
antenneneffekte hervorrufen können, deren Einflüsse 
einen reinen Küstenbrechungseffekt im oben definier- 
ten Sinne stark überdecken. Viele Versuche gerade 
älteren Datums‘), die eine Küstenbrechung von merk- 
licher Größenordnung haben ableiten lassen, sind in 
dieser und anderen Beziehungen unkontrollierbar und 
daher nicht als Beweise zu werten. Praktische Be- 
deutung kommt aber, wie gesagt, aus den oben an- 
geführten Gründen diesem Problem nicht zu. 


Für die Praxis sehr wichtig sind hingegen alle, 
zeitlichen Schwankungen unterworfenen, Fehl- 
weisungseffekte. Soweit sie bisher unerfaßbar sind, 
haben sie meist ihre Ursache in den Einflüssen 
unserer Erdatmosphäre. Ihre Existenz war vor 
kurzem noch außerordentlich stark umstritten. Auch 
heute noch werden sie allgemein von allen Kreisen 
nur für die Dämmerungs-, allenfalls noch für die 
Nachtzeiten anerkannt. 


Daß auch am Tage und auf kürzeste Entfernungen 
solche Effekte im engen Zusammenhang mit Be- 
sonderheiten unserer Atmosphäre vorhanden sind, 
habe ich in meinen oben angeführten Veröffent- 
lichungen ausgeführt, bin allerdings dabei auf starken 
Widerspruch gestoßen. Erst in neuerer Zeit geben 
auch andere Autoren in verschiedenen Zeitschriften 
ähnliche Beobachtungen ihrerseits bekannt’). Auch 
bei jetzt durch den Meinungsaustausch veranlaßten 
Durchsichten des alten Heeresmaterials hat einer 


5) E. A. Wedemeyer, Zur Küstenbrechung der Funkstrahlen. 
Ann. d. Hydrographie 57, S. 23, 1929. 

6) Literatur hierüber siehe im Schriftennachweis der oben 
zitierten Arbeit von E. A. Wedemeyer., 


62 Paul Duckert: 


persönlichen Mitteilung von G. Möller, Berlin, 
zufolge, dieser eine zrößere Zahl von solchen Ein- 
flüssen feststellen können. Die unmittelbaren Ursachen 
der zeitlichen Schwankungen, die zum Teil recht 
kurze Perioden haben können, könnten in Aenderun- 
gen des Polarisationszustandes der Wellen, in Inter- 
ferenzeffekten, in Krümmungen des Funkstrahls gegen 
die Horizontale und ähnlichem zu suchen sein. Auch 
am Sender selbst braucht die Polarisation durchaus 
nicht normal zu sein, wie dies beispielsweise bei 
Flugzeugsendern der Fall ist. Diesen letzten Fall 
wollen wir aber vorläufig nicht betrachten’). 


Wie sich die übrigen Effekte auf die verschiedenen 
Peilsysteme auswirken, muß theoretisch zunächst ein- 
mal untersucht werden. Von welchen Vektoren, ob 
elektrischen oder magnetischen, man hierbei ausgeht, 
ist gleichgültig, sofern nur die Phasenbedingungen be- 
rücksichtigt werden. 


Betrachten wir mit A. E sa u’) zunächst die Richt- 
charakteristiken r verschiedener Antennengebilde 
unter der Annahme, daß ein Peilstrahll beliebiger 
Richtung und von beliebigem Polarisationswinkel auf 
unser Empfangsgebilde auftrifft. Wir bezeichnen hier- 
zu noch mit a den Einfallswinkel des Strahles, in der 
Horizontalen zwischen Sender und Peilerstellung ge- 
messen, mit £ den Einfallswinkel gegen die Horizon- 
tale gemessen, und mit y den Winkel, um den die 
Polarisationsebene aus der Lage normaler Polari- 
sation herausgedreht ist. 


Bei der idealen Rahmenantenne ohne Antennen- 
effekt lautet die Richtcharakteristik 


r=a (cos a-c0osy + sina-sin -siny). 


r wird gleich Null, wenn tg a = — cotgy.cosec $. Ist 
also 8 oder y gleich Null, so ist die Fehlweisung 
u=a—% auch gleich Null. Sind 8 und y beide 
von Null verschieden, so tritt immer cine Fehl- 
weisung ein. 


Beim Rahmengoniometer kommen, wenn noch 9 
den Drehwinkel der Goniometerspule gegen den 
gleichen Rahmen, auf welchen a bezogen ist, bedeutet, 
folgende Charakteristiken in Frage: 


r, =a (cosa-cosy + sina-sin ß-siny)-cosd 

r, =a (sin a-cos y -+ cos a-sin B-sin„)-sin 9 
Die Charakteristik der Goniometerspule wird also 
gleich der Summe dieser beiden Einzelcharakte- 
ristiken. Hierin wird r gleich Null, wenn die Gonio- 
meterspulenstellung gegeben ist durch 

cos a» cos y +- sin a-sin p-sin y 

sin a- cos y + cos a-sin fp- sin y 


tg I — 


Auch hier ist die Fehlweisung u =V — a— 90° nur 
dann gleich Null, wenn mindestens einer der Winkel 
ß oder y gleich Null wird. Sind beide von Null ver- 
schieden, so ist auch hier immer eine Fehlweisung 
vorhanden. 


Bei der drehbaren Doppelantenne, die früheren 
Peilsystemen (z. B. in Borkum und Blidselbucht) an- 
nähernd in der Funktion entspricht, die also aus zwei 

1) Siehe hierüber Veröffentlichungen der D. V. L. 


5) A. Esau, Richtcharakteristiken von Antennenkombinationen, 
Ztschr. f. Hochfrequenztechnik 27, S., 142, 1926. 


absolut gleichen ungerichteten Antennen mit dem Ab- 
stand d besteht, wird die Richtcharakteristik 


r=2.4-cos ß-cosy-sin (Z2 cosa:cos p) 


wenn beide Antennen gegeneinander geschaltet sind. 
ad 
Der Ausdruck —- rührt nur von der durch örtliche 


Trennung der Antennen hervorgerufenen Phasen- 
differenz her. Macht man durch Drehung des Systems 


a = 90 , so sieht man, daß solange nur = <1 ist, bei 


À 
beliebigem £ und y stets richtig gepeilt wird. 

Diese letztere Antennenart stellt also eigentlich 
die idealste der drei angeführten Systeme vor. Leider 
hat sie praktisch eine Reihe von Nachteilen. 

In der Praxis der Funkpeilung wird nun die aus- 
schließliche Verwendung des erstgenannten Peil- 
systems angestrebt, trotzdem die angeführten Fehl- 
weisungsmöglichkeiten bestehen. 


Wichtig bleibt aus Vorstehendem zunächst die 
Feststellung, daß selbst bei einwandfreiem Sender 
und bei einwandfrei symmetrischem Empfänger der 
Rahmenpeiler, für den angenommen einfachsten Fall, 
Fehlweisungen verschiedener Größe geben kann. In 
Wirklichkeit liegen die Verhältnisse noch ungleich 
komplizierter. 

Th. Heiligtag?) behandelt den Fall des Zusammen- 
wirkens von Strahlen verschiedener Richtung und 
Phase. Der zu peilende Strahl habe den magnetischen 
Vektor H = H, sin œ t. Die horizontale Komponente 
des magnetischen Vektors Z des zweiten Strahls, die 
nicht in die gleiche Richtung wie der Vektor H zu 
fallen braucht, sei Z= Zo-sin lwt + 9), wo œ die 
Phasendifferenz darstellt. Das jetzt beispielsweise 
auf eine ideale Rahmenantenne ohne Antenneneffekt 
wirkende Feld ist nun kein reines Wechselfeld mehr, 
sondern ein elliptisches Drehfeld. Der Rahmenpeiler 
zeigt also ein Minimum an, wenn die Ralımenantenne 
in die große Achse dieser Drehfeldellipse fällt. Die 
große Achse wird nicht mehr unbedingt mit dem 
Vektor H zusammenfallen müssen. Der damit ge- 
bildete Winkel ist die beobachtete Fehlweisung. Je 
nach der Größe der Phasenverschiebung wird man 
verschiedene Einzelfälle betrachten können. Die 
Resultate der Diskussion sind kurz die, daß man so- 
wohl falsche als auch wahre Richtungen, und sie 
beide sowohl mit scharfen als auch verwaschenen 
Minimum peilen kann. 


Das abweichende Verhalten des in der Praxis be- 
nutzten Rahmenpeilers mit Hilfsantenne von dem 
den obigen Betrachtungen zugrunde liegenden idealen 
Ralımen untersucht F. A. Fischer’°). Er findet für 
den allgemeinsten Fall unvollkommenen Untergrundes 
unter Ausschluß örtlicher Rückstrahlfelder, daß der 
Ralımenpeiler mit Hilfsantenne stets ein absolutes 
Minimum zeigt, dessen Richtung aber nicht mit der 
großen Achse des elliptischen Drehfeldes zusammen- 
fällt. Es braucht aber auch nicht notgedrungen mit 


») Th. Heiligtag, Ueber die Gründe der Mißweisungen 
beim Richtungsempfang, Jahrb. d. drahtl. Telegr. und Teleph. 
21, S. 77, 1923. 

10) F, A. Fischer, Ueber das Peilen von Drehfeldern mit 
Rahmen und Hilfsantennen, Ztschr. f. Hochfrequenztechnik, 30, 
S. 23, 1927. 


mn Da Cu 


| 
| 


der wahren Richtung des Vektors H überein- 
zustimmen. Also auch hier kann eine Fehlweisung 
‚erzeugt werden. 
| Schon das Vorhandensein einer Welle allein in 
Erdbodennähe gibt weiter infolge der Ueberlagerung 
-durch die am Erdboden selbst mehr oder weniger 
vollkommen reflektierten Wellenzüge Möglichkeiten 
zur Drehfeldentstehung. Während über Seewasser als 
extrem gutem Leiter der dann resultierende elek- 
© trische Vektor senkrecht zur Wasserfläche steht und 
. der magnetische horizontal gelegen ist, liegen die Ver- 
‘ hältnisse bei trockenem Boden so, daß nach 
 Zenneck die Neigung der Resultierenden beträcht- 
lich werden kann und infolge der Phasenverschiebun- 
. gen der Einzelkomponenten Drehfelder auftreten 
- können. Auch diese bewirken möglicherweise Fehl- 
. weisungen. 
Zusammenfassend kann man also sagen, daß die 
. elektromagnetischen Wellen sowohl in kürzerer als 
auch in größerer Entfernung vom Sender— bei der 
schon mehrere verschiedene Wege durchlaufende 
Wellen zur Interferenz kommen — Fehlweisungen 
verschiedenster Größenordnung beim Peilempfang mit 
dem Rahmenpeiler aufzeigen können. Etwas gün- 
stiger ist die Sachlage beim drehbaren Doppelrahmen. 
Die Verhältnisse sind über Land und Wasser grund- 
sätzlich andere, jedenfalls was Peilungen auf kürzere 
Entfernungen anbelangt. Auch unvollkommene Reflek- 
tionen, Brechungen und Beugungen an bestimmten 
Schichten unserer Atmosphäre können Fehlweisungen 
- hervorrufen, bei denen der Peiler aber trotzdem ein 
absolut scharfes Minimum anzeigen würde. 
| Es wäre nur noch zu untersuchen, welche atmo- 
 sphärischen Zustände geeignet sind, um diese Effekte 
in meßbaren Größenordnungen hervorzurufen. 

Nach diesen Feststellungen will ich auf die 
Messungen selbst eingehen. An solchen sind eine 
- große Zahl von Peilungen vorhanden, die auf den 
Wellenlängen 250 bis 2000 m seit 1925 in Lindenberg 

selbst gewonnen sind, weiter standen mir durch Ver- 
= mittlung von Herrn Prof. A. Wedemeyer eine Reihe 
von Kontrollpeilungen der Deutschen Peilfunkstellen, 
. eine Reihe von Peilungen anläßlich der Auslandreisen 
unserer Flotte, eine Reihe von gleichzeitigen Gegen- 
peilungen und eine große Anzahl von Peilungen und 
Kontrollpeilungen, die ich anläßlich vorliegender 
Studien im Herbst 1928 in List gewonnen habe, zur 
Verfügung. 

Da es für mich besonders darauf ankam, reich- 
liches Material von gestörten Peilungen zu erhalten, 
habe ich zunächst bei allen möglichen Wetterlagen 
darauf geachtet, zeitlich kurzperiodische Schwan- 
kungen der Peilrichtung aufzufinden. Ließen sich 
solche Tage finden, so wurde an diesen ausgiebig be- 
obachtet, während ich an ungestörten Tagen nur hin 
und wieder Stichproben gemacht habe. Nur so ist es 
zu erklären, daß ich über einen sehr großen Prozent- 
satz gestörter Peilungen verfüge. In der Praxis sicht 
die Lage nicht so schlimm aus, da die Zahl der 
Witterungsfälle, die uns Störungen bringen, zum 
Glück nicht allzu groß ist. 

Erst später, nachdem ich die Ursachen erkannt 
hatte, habe ich systematisch bei allen grund- 
verschiedenen Wetterlagen gepeilt, um festzustellen, 
ob die gefundenen Kriterien tatsächlich alle Fälle von 


Zusammenfassender Bericht. Ueber Fehlweisungen bei der Funkpellung. 63 


Störungen umfassen. Erst dann habe ich mich von 
der Beobachtung kurzperiodischer Erscheinungen frei- 
gemacht und auch Störungen, die längere Zeit nahezu 
unverändert anhielten, berücksichtigen können. Das 
zum Kriterium erforderliche aerologische Material 
wurde neben den in Lindenberg täglich stattfindenden 
Fesselaufstiegen den in den aerologischen Berichten 
publizierten Höhenaufstiegen in Mitteleuropa ent- 
nommen. 

Die Ergebnisse seien hier kurz zusammengestellt. 
Kurzperiodische Störungen der Peilrichtung um bis 
zu 10°, ja in krassen Fällen bis zu 70°, traten stets 
dann, aber auch fast ausschließlich nur dann auf, 
wenn eine labile Schichtung der Atmosphäre in den 
untersten 2000 m vorlag. Höher gelegene Störflächen 
machten bei Entfernungen bis zu ca. 200 km bei un- 
gefähr 500 m Wellenlänge, bis zu 1000 kın bei un- 
gefähr 1800 m Wellenlänge nichts Wesentliches mehr 
aus. Solche labilen Flächen, meist Aufgleitflächen, 
wie sie auch direkt augenscheinlich bei Böendurch- 
gängen zutage treten, sind im wesentlichen in den 
aerologischen Aufstiegen dadurch zu erkennen, daß 
eine mehr oder minder starke Temperatur- 
gradientänderung mit der Höhe, meist in Form einer 
Isothermie oder Temperaturinversion vorhanden ist, 
und in dieser Schicht mit der Höhe zunehmende 
spezifische Feuchtigkeit vorliegt. Das Hauptkriterium 
ist das Verhalten der spezifischen Feuchtigkeit. Bei 
so definierten Wetterlagen kann man immer Peil- 
schwankungen naehweisen. Es ist natürlich klar, daß 
nicht dieser Zustand selbst, sondern die damit eng 
verknüpfte Störung der lIonendichte und Ionenbeweg- 
lichkeit das für die elektromagnetischen Wellen maß- 
gebende Moment bildet. Die Ursache hierfür liegt 
aber zweifellos in der Schichtung der Atmospäre. 

Erst viel später konnte ich auch Störungen 
längerer Periode ermitteln, die ebenfalls durch 
Schichtungen in der Atmosphäre hervorgerufen 
wurden. Hier waren es größtenteils stabile Aufgleit- 
flächen und stabile Abgleitflächen. Der Effekt, der 
durch stabile Ab gleitflächen hervorgerufen wird, 
ist außerordentlich klein, wohingegen stabile Auf- 
gleitflächen einen immerhin merklichen Betrag 
ergeben können, der sich darin zeigt, daß entweder 
ein langsames Auswandern des Peilstrahls — in ein- 
zelnen beobachteten Fällen ein bis zwei Stunden an- 
dauernd und bis zu 8° Fehlweisung erreichend — 
stattfindet, oder daß bei verschiedenen Lagen die 
oben als zeitlich konstant angenommenen Funk- 
beschickungen kleinen Aenderungen unterliegen''). 
Die normalen ungestörten Funkbeschickungen können 
daher nur an Tagen gewonnen werden, an welchen 
solche Störschichtung in Bodennähe nicht vorhanden 
ist. Abgleitflächen machen der Peilung nichts aus, 
sofern nicht gerade die Fläche durch den Empfangs- 
ort selbst hindurchgeht. 

Der große Einfluß des Verhaltens der spezifischen 
Feuchtigkeit rückt den Schluß nahe, daß weniger die 
Ionendichte als gerade die Behinderung der Ionen- 
beweglichkeit als Störer auftritt. 

Geht man nun zu den Dämmerungs- und Nacht- 
schwankungen über, so sieht man, daß, abgesehen 
von den möglichen Interferenzeffekten, auch diese 


11) P, Duckert, Abhängigkeit der Funkbeschickung von 
meteorlogischen Einflüssen. Mitt.d.A.O.Lindenberg,S.151192. 


64 Paul Duckert: 


Schwankungen sich durch den Feuchtigkeitseinfluß 
auf die Ionenbeweglichkeit erklären lassen; denn die 
starke Aenderung der Feuchtigkeitsverhältnisse nach 
der Nacht zu ist ja bekannt. 


Interessant sind für die Erfassung der Ursachen 
und Natur der Fehlweisungen die oben angeführien 
gleichzeitigen Gegenpeilungen, die ich in einer 
früheren Arbeit'?) ausführlich behandelt habe. Ich 
gebe nachstehend die an der zitierten Stelle befind- 


12) P. Duckert, Küstenbrechung und Peilschwankung elek- 
tromagnetischer Wellen, Beitr. z. Physik d. freien Atm. 14, 
S, 154, 1928. 


liche Materialzusammenstellung noch einmal ausführ- 
lich wieder. 


Die Tabelle enthält neben den Standorts- und 
Zeitangaben noch unter „Fehler B“ und „Fehler L” 
die Fehlweisungen der Bordpeilung und der Land- 
peilung. Man sieht, daß bei sonst gleicher Größen- 
ordnung die Vorzeichen in den meisten Fällen ent- 
gegengesetzt sind. Das würde heißen, daß, wie in 
nebenstehendem Bild dargestellt, der resultierende 
Peilstrahl scheinbar eine gekrümmte Bahn durchläuft. 
Einzelne Abweichungen hiervon sind in der zitierten 
Arbeit diskutiert. 


Datum 


3. III. 27. 


4. III. 27. 
7. III. 27. 


8. III. 27. 


8. III. 27. 


9. III. 27. 


10. III. 27. 


14. III. 27. 


17. III. 27. 


Zeit 


hm 


02.33 
02.35 
13.48 
13.49 
02.50 
15.47 


04.45 


19.37 
19.41 
19.42 
19.43 
19.44 
19.45 
19.46 
19.48 


10.06 
10.26 
10.28 
10.29 


10.14 
10.20 
10.23 
10.25 


02.23 
02.24 
02.25 
02.37 
02.38 
02.39 
02.41 
02.43 


05.50 
13.24 
13.26 
13.28 
05.54 
13.39 
13.42 
13.44 


13.42 
13.44 


15.38 
15.57 


Gegenpeilungen ‚„Nymphe‘“, Nordholz, List. März 1927. 
Schiffsort 


N 
54° 28’ 


54° 28.6” 


54° 28’ 
54° 28.6’ 
54° 37 
54° 26.2’ 


54° 26.2’ 


54° 26.2’ 


54° 26.2’ 


54° 29.1’ 


54° 29.1’ 


54° 29.3 


54° 29.3’ 


54° 33.3 


54° 23° 
54° 23’ 


E 
9° 53° 


9° 56.3” 


9° 54” 

9° 56.37 
10° 10.4’ 
10° 12.4’ 


10° 12.4’ 


10° 12.4’ 


10° 12.4’ 


10° 14.5’ 


10° 14.5’ 


10° 14.8’ 


10° 14.8° 


10° 18.5° 


10° LH’ 
10° 11° 


Peilstelle 


Nordholz 


29 
’9 
,9 
List 
99 


Nordholz 
Nordholz 


?9 


Nordholz 
Nordholz 
List 


Bordpeilung Landpeilung Fehler Ent- 
wahres Feh- wahres Feh- fernung 
Azimut ler Azimut ler B L Sm 
227.1° —19 46.4 + 1.4 \ Ps 
227.1 —09 rn le 2m 
227.9° —3.1 47.2 + 0.7 ) 

27.9 —2] — 2.6 + 0.7 61.5 
304.3° + 3.3 121.2 — 3.8 + 3.8 — 3.8 60 
302.9° °—1]l 119.8 + 1.3 — l.1 + 1.3 61 
227.5° — 3.5 46.5 + 3.0 — 3.5 + 3.0 73.5 
235.0°— 2.0 
— 0.5 54.0 -+ 0.5 
— 1.0 — 1.3 + 0.5 675 
— 1.5 
— 15 
300.6° + 0.6 117.6 + 2.6 
— 0.4 + 1.3 + 2.6 705 
+ 3.6 
235.0° 0 54.0 + 0.5 
— 0.5 
0 | — 0.1 +0.5 675 
0 
300.6° — 0.4 117.6 + 1.1 
— 2.4 5 
cA — 2.4 + 1.1 705 
— 2.4 
233.9° — 7.1 52.6 + 0.1 
— 9.l — 9.4 + 0.1 71 
— 12.1 
297.0°  — 6.0 115.0 0 
— 2.0 | 
— 20 — 24 +0 70 
0 
— 2.0 
233.9° + 1.9 52.4 — 2.1 -+ 1.9 — 2.1 71 
233.9° + 0.4 52.4 — 0.1 | 
+ 0.9 + 0.4 — 0.1 71 
= | 
297.0° 0 115.0 0 0 0 70 
297.0° +11.0 1150 0 | 
+ 10.0 -+ 10.0 +0 70 
+99 | 
232.0° 0 51.1 + 0.6 
= —05 +06 5 
1.0 
236.9°  — L.l 56.2 — 0.3 — 1.1 — 0.3 65 
303.1° + 1.1 120.1 — 0.9 + 1.1 — 0.9 73 


Referate. 65 


——— 21121 mm en e 2222202211212 Äh Äh He nn tr mMM 
= eaaa aaae aaa eaaa EEE EEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEESEEEEEEEEEEEEESEEEEEEEEEEEREGEEREEEREEEEEEEEERgEEREREREEEEEEREEESEEEEREEEEEEEEEEEERGEEEEEESREEESEEEESRESREEDEEEEEEEEEEEEREEEEEEEEEGEEEEEEEEEETEEEEESEEEEEEDEEESEEEEEEGEEEEEEEEEGEEE 


Als Ursachen der Fehlweisungen konnten auch 
hier stets langerstreckte Gleitflächen der oben defi- 
. nierten Art, meist labile Flächen aufgleitender Luft 
in unserer Atmosphäre ermittelt werden. 
| Als interessant mag in diesem Zusammenhang er- 
wähnt werden, daß eine 1l2jährige Reihe von auto- 
matischen Peilungen der atmosphärischen Stör- 
geräusche gerade die gleichen Aufgleitflächen als 
Störlierde erkennen läßt. Diese Ergebnisse werden 
demnächst an anderer Stelle publiziert werden. 

Die als Ursachen der Fehlweisungen erkannten 
Schichtungen der Atmosphäre, speziell die des labilen 
Aufgleitens, brauchen nicht immer aus der Wetter- 
lage heraus bedingt zu sein, sie treten im Gegenteil 
auch sehr häufig rein orographisch veranlaßt 
auf, sei es durch Gebirge, durch Wälder mit hohem 
Bestand oder auch durch die Küste. Hierin liegt nun eine 
der unangenehmsten Störursachen der Funkpeilung; 

- einmal, weil das Vorhandensein dieses Zustandes nicht 
immer durch eine Wetterdiagnose festgelegt werden 
kann, zum anderen aber auch, weil die hierdurch er- 
 möglichten Fehlweisungen zum Teil große Beträge 
erreichen können. Einflüsse dieser Art habe ich be- 
sonders auffällig im Herbst 1928 in List beobachten 
können. 

Ein paar Werte einer großen Zahl solcher Meß- 
reihen seien hier wiedergegeben, da sie ganz typisch 
für orographischen Küsteneinfluß sind und auch gleich- 
zeitig die Größenordnung der Fehler, mit denen wir 
es zu tun haben, dartun. List peilt hierbei die Station 
Nordholz auf der 800-m-Welle 


am 28. August 1928 unbeschickt in 
09.15 MEZ 174.0 
09.18 172.5 
10.46 166 
10.48 165 
10.49 163 
11.42 166.5 
11.57 166.5 
12.09 167 
16.54 172.3 
17.36 172.5 


Dieser indirekte „Küsteneffekt“ kann bei bestimm- 
ten Wetterlagen und passenden Windrichtungen und 
-stärken direkt Küstenbrechungen vortäuschen. 

Interessant wirken sich all diese vielen möglichen 
Einzelstörungen aus, wenn man Peilungen von drei 
Stationen aus durchführt, wie dies vom Peilfunk- 


stellennetz der Deutschen Bucht stets geschieht. Die 
Größe der Fehlerdreiecke und die Lage des Schiffs- 
ortes hierzu gestatten dann, zum Teil recht wichtige 
Schlüsse auf die Wetterlage zu ziehen. Eine solche 
Meßreihe, die augenblicklich in einer größeren 
Arbeit") im Manuskript den interessierten Stellen 
vorliegt, wird demnächst publiziert werden. Auch 
über Zusammenhänge mit Feldstärkeänderungen ist 
an dieser Stelle berichtet. 


Nord 


Scheinbare Ablenkung des Peilstrahles vom Großkreis, 
veranlaßt durch eine meteorologische Grenzschicht!| 


Zusammenfassung. 


Nach Betrachtungen über die theoretische Mög- 
lichkeit von Fehlweisungen, die sowohl in der Natur 
als auch in der Methode der Richtungsbestimmung 
bedingt sind, werden die Ergebnisse längerer 
Beobachtungsreihen referiert. Bestimmte labile Luft- 
schichtungen, sowie stabile Luftkörpergrenzen in 
unserer Atmosphäre — bedingt durch die Wetterlage 
— oder aber auch durch die Orographie des Ge- 
ländes bewirkte labile Schichtungen der Atmosphäre 
wirken als Störflächen der Funkpeilung. Besonders 
Aufgleitflächen mit ihren Feuchtigkeitserscheinungen 
spielen eine große Rolle. Labile Aufgleitflächen geben 
besonders kurzperiodische Richtungsschwankungen 
des Peilstrahls. Einzelne Beispiele zur Abschätzung 
der Größenordnung der Effekte werden gegeben, im 
übrigen wird auf die zitierten Arbeiten verwiesen. 


Trotz dieser Ergebnisse, so schlimm dieselben für 
die Funkortung auch ausgefallen sind, besteht aber 
keine Veranlassung zur Ablehnung der zur Richtungs- 
bestimmung benutzten Methoden, da zum Glück 
die Teilstörungen veranlassenden Witterungskon- 
stellationen nicht allzu häufig gegeben sind. 


13) P, Duckert, Funkfehlweisungen und Feldstärkeän- 
derungen elektromagnetischer Wellen bei verschiedenen atmo- 
sphärischen Zuständen. (Ergebnisse einer Studienreise nach List 
im Herbst 1928.) 


Referate. 


M. J. O. Strutt. Strahlung von Antennen 
unter dem Einfluß der Erdbodeneigen- 
schaften. (Ann. d. Physik (5) 1, S. 721: -772, 1929.) 


A. Elektrische Antennen. 
B. Magnetische Antennen. 


Die bisherigen theoretischen Arbeiten über die 
Strahlung von Antennen lassen sich folgendermaßen 

zusammenfassen. 
a) unendlich leitende Erde, Antennenlänge und 
Höhe zu Wellenlänge sehr klein (Abraham), 


b) endlich leitende Erde, Antennenlänge und Höhe 
zu Wellenlänge sehr klein (Sommmerfeld 
und Schüler), | 


c) unendlich leitende Erde, Antennenlänge und 
Höhe zu Wellenlänge endlich. 


Die unter (b) genannten Arbeiten befassen sich 
ausschließlich mit Strahlung unter sehr kleinem 
Winkel mit der Erde (so klein, daß sin y ~œ a). 


Die vorliegende Arbeit bezweckt die Beantwor- 
tung der folgenden Fragen: 


66 Referate. 


1. Welchen Einfluß hat die endliche Leitfähigkeit 
der Erde auf die Strahlung vertikaler und horizon- 
taler elektrischer und magnetischer Antennen unter 
endlichem Strahlungswinkel mit der Erde, also auf 
das Strahlungsdiagramm? 

2. Welcher Bruchteil der gesamten Strahlungs- 
leistung geht im Erdboden verloren? 

3. Wie ändert sich die nützliche Strahlungsleistung 
in den oberen Halbraum hinein mit zunehmender An- 
tennenhöhe über der Erde? 


Bild 1. 


Strahlung vertikaler elektrischer Dipole als Funktion der Höhe 
über der Erde und der Bodeneigenschaften 
A: Dipol auf nicht leitender Erde (n? = 4) (ausgezogen) und 
unendlich leitender Erde (punktiert); untere Partie Strah- 
lung in die Erde hinein. 
: Schlecht leitende Erde (n? = 4); Dipolhöhe gleich einer 
viertel Wellenlänge 
: Dieselbe Erde; Höhe eine halbe Wellenlänge 
: Höhe Null; Wasser (n? = 80) 
: Höhe Null; mäßig leitende Erde (n? = 6 — 51) 
Punktiert immer unendlich leitende Erde 


Woa P 


4. Ist eine horizontale oder eine vertikale Antenne 
unter sonst gleichen Umständen in bezug auf die 
nützliche Strahlung und auf Nutzeffekt (nützliche 
Strahlung durch Gesamtstrahlung) günstiger? 

5. Ist eine elektrische oder eine magnetische An- 
tenne unter sonst gleichen Verhältnissen günstiger in 
bezug auf Nutzeffekt (nützliche Strahlung durch Ge- 
samtstrahlung)? 

Bisher wurde durch W e y 1l und später unabhängig 
durch Eckersley nur die Frage 1 formell für ver- 
tikale elektrische Dipole beantwortet, ohne auf zahlen- 
mäßige Verhältnisse einzugehen. 


In der vorliegenden Arbeit wird zur Berechnung 
der Strahlung ein asymptotisches Integrations- 
verfahren benutzt, das in einfacher Weise die Glieder 
der Ordnung R-! (R = Abstand vom Sender) für 
Dipole und Antennen jeglicher Art anzugeben ge- 
stattet. 


Bild 2. 


Strahlung eines horizontalen elektrischen Dipoles mit der Achse 
parallel zu X, über schlecht leitender Erde mit n? = 4; Höhe Null 


Bild 3. 


Strahlung vertikaler magnetischer Dipole (Spulenachse vertikal) 
für schlecht leitende Erde mit n? = 4 (ausgezogen) und für un 
endlich leitende Erde (punktiert) 
A: Dipol auf der Erde (bei unendlich ea Erde Strahlung 
hier Null). Untere Partie: Strahlung in die Erde hinein 
B: Höhe gleich einer viertel Wellenlänge 
C: Höhe gleich einer halben Wellenlänge 


Der Einfluß der Erde auf die Strahlung drück! 
sich in den Formeln aus durch einen komplexen 
Brechungsindex n’: 


n? =e — loy], 


wo e die dielektrische Konstante der Erde, 


o die Leitfähigkeit der Erde in geeigneten Ein- 
heiten (Tab. 1), 


A die Wellenlänge in Metern, gemessen in Lufi 
bezeichnen. 


| 


her- 


sr 


Referate. 67 


Bei bedeutenden dielektrischen Verlusten in der Formelmäßig wird die Strahlung vertikaler und hori- 
` Ær de verhält sich n? als Funktion von 4 wesentlich zontaler elektrischer und magnetischer Dipole und 


anders, als aus der obigen Formel folgt. Antennen beliebiger Länge und Höhe angeschrieben. 

| Tabelle Nr. 1. Diese Formeln werden durch die Bilder 1—4 illustriert. 
mer Dr Die Strahlung horizontaler Dipole und Antennen 

o € . é ° 5 e e s . . 

et ist im allgemeinen elliptisch polarisiert, wobei die 
Seewasser | 60 | 80 Polarisationsrichtung vom Azimut mit der Dipolachse 
Süßwasser | 0,06 | 80 und vom Strahlungswinkel mit der Erde abhängt. 
Nasser Boden | 0,3 | 10 Die Bilder 5 und 6 illustrieren die Antwort auf die 
Trockner Boden | 0,006| 4 a 3, 4 und 5. Sie werden ergänzt durch die 


iv 


Bild 6. 


Gesamte Strahlung in den oberen Halbraum hinein für magnetische 
Dipole als Funktion der Erhebung d über der Erde, gemessen 
an der Wellenlänge 4 
Kurve I: horizontaler magnetischer.Dipol, unendlich leitende Erde 
Kurve II: vertikaler magnetischer Dipol über Erde mit n? = 4 

(schlecht leitend) 
Kurve Ill: vertikaler magnetischer Dipol über unendlich leitender 
Erde 


Tabelle 2, 


Nützliche Strahlung in den oberen Halbraum hinein als Funktion 
der Dipolhöhe d über der Erde durch die Wellenlänge 4. 


y Bild 4. 
Strahlung horizontaler magnetischer Dipole, deren Achse (Spulen- 
achse) parallel zu X ist 
4: Höhe Null über schlecht leitender Erde mit n? = 4 


Nützl. Strahlung 
Gesamt Strahl. 


| B: Höhe über dieser Erde gleich einer viertel Wellenlänge n? 
C : Höhe über dieser Erde gleich einer halben Wellenlänge 
2 Punktierte Kurven bei unendlich leitender Erde 

80 vert. elektr. Dipol | 1,354 ‚863 ‚646 
80 vert. magn. „ |<,01 1,234 ‚925 
4 vert. elektr. „ ‚912 ‚776 ‚082 
4 vert, magn. „ ‚094 | 1,000 ‚750 
6—5 Y—I |vert. elektr. „ |',680| ‚785 ‚589 
6—5 Y—I |vert. magn. „ |<,05 1,120 ‚840 
4 hor. elektr. „ ‚216 ‚873 ‚655 
4 hor. magn. „ ‚856 ‚163 Orl 
oo Y—1I |vert. elektr. ,„ 8/3 4/3 1 
oo V —1 |vert. magn. , 0 4/3 l 
œo V —1 |hor. elektr. , 0 4/3 ] 
œ Y-—1 |hor. magn. , 8,3 4/3 1 


Hierbei wurde als Maß für die Stralilung stets die 
Bild 5. gleiche Größe N benutzt, scdaß die Zahlen unmittel- 
Gesamtstrahlung elektrischer Dipole in den oberen Halbraum bar vergleichbar sind. Beim Vergleich elektrischer 
hinein als Funktion der Höhe d über der Erde, gemessen an und magnetischer Dipole ist die Größe: 
der Wellenlänge A 
I vertikaler Dipol; unendlich leitende Erde I\2 22 2 Jë 
II horizontaler Dipol; unendlich leitende Erde ; (sr) = 
IlI vertikaler Dipol; schlecht leitende Erde mit n2? = 4 2n Fw 


1 =. 


J magn 


68 


gesetzt, wo 
l die Länge des elektrischen Dipols (<A), 
w die Windungszahl des magnetischen Dipols, 
F die umströmte Fläche des magnetischen Dipols, 
J die Ströme in den Dipolen 
bezeichnen. 
Der Strahlungswiderstand in Ohm ergibt sich aus 
Tabelle 2 für elektrische Dipole zu: 


R— 607? HE Ohm, 


und für magnetische Dipole zu: 
60-4. F? w? 
aoo 


N Ohm. 


Vertikale magnetische Dipole sind in bezug auf 
Nutzeffekt (nützliche Strahlung durch Gesamtstrah- 
lung) den vertikalen und horizontalen elektrischen 
gleicher Stärke für alle Bodenarten überlegen, 
wenn d < 2 ist. Unter diesen Umständen sind 
horizontale magnetische Dipole den elektrischen 
Dipolen unterlegen; weiter sind. horizontale elektrische 
Dipole besser als vertikale elektrische Dipole und 
vertikale magnetische Dipole besser als horizontale 
magnetische Dipole. M. J. O. Strutt. 


E. Giebe und A. Scheibe. Aufstellung ciner 
neuen Frequenzskala für elektrische 
Schwingungen. Bericht über die Tätigkeit der 
Physikalisch - Technischen Reichsanstalt im Jahre 
1928. S. 29—833. 

Die praktischen Anforderungen an die Genauigkeit 
von Frequenzmessungen sind, durch die Entwicklung 
des Rundfunks bedingt, in den letzten Jahren sehr 
stark gestiegen, so daß die absołute Genauigkeit der 
in den Jahren 1920—23 neu aufgestellten Frequenz- 
skala der P. T. R., die in einem aus Thomson- 
schen Schwingungskreisen bestehenden Normalfre- 
quenzmesser festgelegt wurde, den Anforderungen 
nicht mehr genügt. Unter Berücksichtigung der zeit- 
lichen Inkonstanz der Normal-Kondensatoren und 
-Spulen wurde die absolute Genauigkeit zu 1 bis 
2.10-* angegeben; jetzt erscheint eine l1Ofach größere 
Genauigkeit notwendig und unter Benutzung der 
piezoelektrischen Resonatoren auch erreichbar. 


Die neue Frequenzskala soll folgendermaßen fesı- 
gelegt werden: 


1. Durch einen Fundamentalpunkt verhältnismäßig 
niedriger Frequenz (1560 Hz), die sich durch Zeit- 
messung mittels Chronographen möglichst genau ab- 
solut bestimmen läßt; 


2. durch eine größere Anzahl leuchtender Quarz- 
resonatoren als Festpunkte, die über den ganzen in 
Betracht kommenden Frequenzbereich von etwa 10° 
bis 10° Hz verteilt sind und mit Hilfe von harmo- 
nischen Oberschwingungen auf den Fundamental- 
punkt bezogen werden; 


3. durch den bisherigen Normal-Frequenzmesser 
mit kontinuierlicher Skala, der entweder direkt oder 
über die Quarzresonatoren auf den Fundamental- 
punkt bezogen wird und iederzeit leicht mit Hilfe der 
Quarzresonatoren nachkontrolliert werden kann. 


Referate. 


Als Fundamentalpunkt (1560 Hz) soll ein durch 
Stimmgabel gesteuerter Röhrensender dienen. Ein 
solcher Stimmgabelsender nach Prof. Karolus 
wurde der P.T.R. von der Telefunken-Gesellschait 
zur Verfügung gestellt und wird auf Frequenzkonstanz 
geprüft. Die bisherigen Untersuchungen, die sich iim 
wesentlichen auf die Prüfung der Frequenzkonstanz 
in kürzeren Zeitabschnitten erstreckten, haben in 
dieser Beziehung günstige Resultate ergeben. 

Über die Konstanz der longitudinal schwingenden 
Quarzresonatoren liegen einige über mehrere Jahre 
sich erstreckende Erfahrungen vor. Vier solcher Re- 
sonatoren von 231000 bis 748000 Hz wurden in 
diesen Jahren wiederholt mit dem Normalfrequenz- 
messer gemessen, die Resultate werden in einer Ta- 
belle mitgeteilt. Hieraus ergibt sich, daß die Ab- 
weichungen der Einzelmessungen vom Mittelwert 
aller Messungen jedes Resonators nur in zwei Fällen 
5.10 "überschreiten; die Schwankungen betragen iim 
Mittel + 2 bis 3-107% und sind zum größeren Teil aui 
Änderungen der bisherigen Frequenzskala (Normal- 
frequenzmesser) zurückzuführen. Die Quarzresona- 
toren sind nicht alle gleich empfindlich; die Abstimn:- 
genauigkeit beträgt im allgemeinen I—2.10-°, bei be- 
sonders empfindlichen Resonatoren einige Millionstel. 


Über die transversal schwingenden Quarzresona- 
toren für Frequenzen von 10° bis 3-10* Hz liegen der- 
artige Erfahrungen noch nicht vor. In der Tabelle i 
sind Abmessungen für einige dieser Resonatoren mit- 
geteilt, die sich für einen vorgegebenen Frequenzwert 
mit einer Sicherheit von weniger als 0,5% voraus- 
berechnen lassen. Bei den Beispielen der Tabelle wiıd 
nicht die Grundschwingung sondern die erste Ober- 
schwingung angeregt. 


Tabelle 1. 
Näherungswerte der Stabdimensionen 
Nennwert der Dicke 

Frequenz Länge parallel | senkrecht 
zur Schwingungsrichtung 

Hz mm mm mm 

4 000 123,8 4 1,5 

ö 000 110,7 4 1,5 

6 000 100,9 4 1,5 

8 000 | 87,1 4 1,5 


Die Vergleichung der Frequenz dieser Resonatoran 
mit dem Fundamentalpunkt erfolgt mit Hilfe des 
Normalfrequenzmessers und eines als Meßsender 
dienenden Hilfssenders, der abwechselnd nach der 
Überlagerungsmethode auf eine Oberschwingung des 
Stimmgabelsenders oder eine Oberschwingung des 
den Leuchtresonator erregenden Senders Q abge- 
stimmt wird. Das Verfahren schaltet den absoluten 
Fehler des Frequenzmessers, Temperatureinfluß usw. 
aus. Die Resultate einer solchen Meßreihe, derea 
Dauer etwa 2 Stunden betrug, sind in der Tabelle ? 
verzeichnet. Bei jeder Einzelmessung wurde der er- 
regende Sender Q erneut nach der Leuchtmethode auf 
die Resonatorfrequenz abgestimmt; aus den geringen 
Abweichungen vom Mittelwert, die im Höchstifall 
noch nicht 1.10”° betrugen, geht zur Genüge hervor, 
wie groß die Abstimmgenauigkeit ist. 


| 


a’ 
a 


— -~ 
Eo Aia ra 
Bee Lo 


Referate. 69 


Tabeile 2. 
Messung Einzelwerte der; Abweichung vom Mittelwert 

Nr. Frequenz absolut | relativ 
Hz Hz 10-6 
1 9960,15 —0,03 —5 
2 9960,15 —0,03 —ő 
3 5960,18 -+0,01 2 
4 9960,20 +-0,03 +5 
ð 5960,20 -+0,03 +5 
6 5960,13 —0,05 —8 
7 5960,23 -+0,05 +9 
8 5960,15 —0,02 —4 


Mittelwert der Frequenz: 5960,17 Hz. 
Mittlerer Fehler der Einzelmessungen: + 6- 10-6. 
Mittlerer Fehler des Mittelwertes: + 2-10—6. 


Der Temperaturkoeffizient wurde für diese Trans- 
»versal-Resonatoren im hörbaren Frequenzbereich zu 
‘etwa —5-10°/Grad zwischen 7 und 20 Grad C be- 
stimmt; er ist also 20 mal kleiner als bei den ge- 
-wöhnlichen Stimmgabeln. Die Longitunal - Resona- 
:toren verhalten sich noch günstiger; eine Änderung 
der Eigenfrequenz bei einer Temperaturänderung von 
:0 auf 20 Grad C konnte mit den bisherigen Mitteln 
‚nicht sicher nachgewiesen werden. Der Temperatur- 
‚koeffizient ist wahrscheinlich von der Größenordnung 
-1.10°/Grad. Im Einklang hiermit steht die Berech- 
‚nung dieses Temperaturkoeffizienten mit Hilfe des 
_Temperaturkoeffizienten der Transversal - Resona- 
-toren zu + 1-10 */Grad. Demgegenüber besitzen 
 Quarzoszillatoren einen mehr als zehnmal größeren 
. Temperaturkoeffizienten. A. Scheibe. 


R. H. Worrall u. R. B. Owens. Die Frequenz- 
normale der amerikanischen Marine. 


der Heizspannung um 10% bringt keine nachweisbare 
Aenderung der Frequenz hervor. Ersetzt man eine 
Röhre durch eine andere derselben Type, so kann 
dadurch eine Frequenzänderung von im Maximum 
200.10”° verursacht werden. Man probiert deshalb 
eine Reihe von Röhren aus, die dieselbe Frequenz 
geben, und behält sie als Reserveröhren. Der Tem- 
peraturkoeffizient des Quarzes in seinem Halter ist 
kleiner als 10.107° pro Grad. Tatsächlich wird die 
Temperatur automatisch konstant gehalten. 


en 
Thermostat Quarz- 
Arigtall 


-(The Navy’s primary frequency standard). Proc. Inst. 
‚Radio Eng. 16, 778—793, 1928. 

| 1. Die Frequenznormale besteht aus einem Gene- 
:rator der Form von Bild 1 mit Steuerung durch einen 
»piezo-elektrischen Quarz. Die Verwendung einer 
-Induktanz mit geringer verteilter Kapazität, aber ohne 


2. Soll nach dieser Frequenznormale ein anderer 
Generator, z. B. ein Wellenmesser geeicht werden, 


‚besonderen parallel geschalteten Kondensator, hat den 
Zweck, die Amplitude der Harmonischen möglichst 


Bild 1. 


‘wenig von derjenigen der Grundschwingung ver- 
“schieden zu machen. Bedingung für einen solchen 
- Generator ist aber, daß die Eigenfrequenz der Anoden- 
- spule größer ist als diejenige des Quarzes. 

: Die Eigenfrequenz des Quarzes ist ca. 2,5.10*/sec. 
-Für ganz hohe Frequenzen ist eine zweite Frequenz- 
„normale von der Frequenz 2,50.10°/sec im Gebrauch. 
Was die Konstanz dieses ÖOszillators betrifft, so 
“ändert sich seine Frequenz um ca. 10:10-*, wenn die 
»Anodenspannung um 5% variiert. Eine Aenderung 


so geschieht dies mit Hilfe der Schwebungen des 
Generators mit einer der Harmonischen des Normal- 
oszillators. | 

Um dies zu erleichtern und um den dafür nötigen 
Detektorkreis und Niederfrequenzverstärker immer 
gebrauchsbereit und immer in derselben Kopplung 
mit dem Normal-Oszillator zu haben, befindet sich der 
Normal-Oszillator zusammen mit der Heizvorrichtung 
zur Konstanthaltung der Temperatur und mit den 
Detektor- und Verstärkerkreisen in einem leicht 
transportablen Kasten, dessen Innenschaltung Bild 2 
zeigt. 

Die Harmonischen des Normal-Oszillators sind so 
kräftig, daß sie bis zur 200. zur Eichung ausgenützt 
werden. 

3. Geeicht wird der Normal-Oszillator von der 
Frequenz 2,5.10*/sec durch den Vergleich mit einer 
Harmonischen einer 500-Perioden-Maschine, die durch 
einen von einer großen Batterie gespeisten Gleich- 
strommotor mit automatischer Konstanthaltung der 
Drehzahl auf möglichst konstanter Frequenz gehalten 
wird. Durch eine Uebersetzung ist mit dem Motor 
verbunden eine Schreibtrommel, auf der die 


70 _ Reierate Z 


Sekundenzeichen eines sehr zuverlässigen und stets 
genau kontrollierten Chronometers mittels Chrono- 
graphen aufgeschrieben werden. Aus der Neigung der 
Punktreihen auf der Trommel gegen die Trommel- 
achse kann die Umdrehungszahl der 500-Perioden- 
Maschine bis zu einer Genauigkeit von ca. 10.10° 
bestimmt werden. 

4. Die tragbare Frequenznormale von Bild 2 ge- 
stattet die Bestimmung der Frequenz eines Quarz- 
Kristalls mit Hilfe eines Wellenmessers mit einer 
Genauigkeit von ca. 20:10 °. 

Zum Vergleich mit der Normalen der Bell Tel. 
Lab. wurde die Marine-Frequenznormale nach New 
York gebracht. Es zeigte sich, daß die beiden 
Frequenznormalen sich um nicht mehr als 12. 10° 
voneinander unterschieden. J. Zenneck. 


L. P. Wheeler und W. E. Brown. Eine neue 
Art des piezo-elektrischen Normal- 
Oszillators. (A new type of standard frequency 
piezo-electric oscillator.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 
1035—1044, 1928. 


Die bisherigen Quarzoszillatoren, bei denen der 
piezo-elektrische Quarz mit einer Röhre mehr oder 
weniger fest gekoppelt ist, hatten den Nachteil, daß 
die erzeugte Frequenz nicht allein durch den Quarz 
bestimmt war, sondern auch noch durch die Kapazi- 
tät Gitter—Anode der Röhre beeinflußt werde. Das 
gilt nicht nur insofern, als diese Kapazität einen Zu- 
satz zu der Kapazität des Systems bildet, sondern 
auch deshalb, weil sie als Kopplungselement wirkt 
und als solches die Frequenz ändern kann. Der 
Hauptzweck bei der neuen Anordnung ist, den Ein- 
fluß der Röhrenkapazität auszuschalten und die Röhre 
nur als Verstärker zu benützen. 


Bei der neuen Methode liegt der Quarzstab, der 
Transversalschwingungen ausführen soll, in seinen 
Knotenlinien auf starken Seitenfäden auf, die von 
Metallfedern getragen werden. Befindet sich die 
Quarzplatte in Schwingungen, so treten an den Enden 
des Stabes piezo-elektrische Ladungen auf. Den 
Stabenden gegenüber liegen Elektroden, in denen 
durch die piezo-elektrischen Ladungen des Stabes 
Ladungen influenziert werden. Diese Elektroden 
stehen in Verbindung mit Gitter und Kathode der 
Eingangsröhre eines Vielfach-Verstärkers. Im Anoden- 
kreis der Ausgangsröhre desselben Verstärkers be- 
findet sich ein Lautsprecher, der Luftschwingungen 
in einem akustischen Resonator (Metallröhre von ver- 
stellbarer Länge) hervorruft. Am Ende dieses Reso- 
nators ist die Quarzplatte bzw. der Quarzstab an- 
gebracht, so daß also die Luftschwingungen darauf 
einwirken und die Schwingungen unterhalten. Das 
Rückkopplungselement ist also hier die Luftsäule in 
dem Resonator. Diese Rückkopplung kann sehr 
lose gemacht werden, ebenso kann der Abstand der 
Elektroden, die den Enden des Quarzstabes gegen- 
überliegen, verhältnismäßig groß (bei einer Frequenz 
von 1000/sec mehrere cm) sein. Infolge davon erhält 
man mit größter Annäherung die Frequenz der Eigen- 
schwingungen des Quarzstabes. 

Die Anordnung eignet sich nur für niedere oder 
mittlere Frequenz. Bei den Versuchen war die 
Frequenz ungefähr 1000/sec. Um sie zu messen, läßt 
man die Schwingungen auf einen Verstärker wirken 


und betreibt mit dessen Ausgangsstrom einen Syn- f 
chronmotor und durch diesen mit der nötigen Ueber- 
setzung eine Uhr, deren Gang durch einen Registrier- 
apparat mit den drahtlosen Zeitzeichen verglichen 
wird. J. Zenneck. 


J. R. Harrison. Schwingungskreise mit 
piezo-elektrischem Quarz und Doppel- 
gitterröhre. (Piezo-electric oscillator circuits 
with four-electrode tubes.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 
1455—70, 1928. 


iihi 


Bild 1. 


Der Verfasser beschreibt einige Schaltungen für - 
einen Schwingungskreis mit einer Schutzgitterröhre, 
der durch einen Quarzoszillator gesteuert wird. Er. 
empfiehlt besonders die folgenden: | 


Bild 2. 


Bei der ersten (Bild 1) hat der Kristall zwei 
Elektrodenpaare; er besorgt die Rückkopplung zur 
Aufrechterhaltung der Schwingungen. Bei der zweiten 


Bild 3. 


(Bild 2) ist der Kristall nur mit zwei Elektroden ver- 
sehen; er befindet sich zwischen Steuergitter und 
Anode. Beide Schaltungen sollen sich dadurch aus- 
zeichnen, daß die Schwingungsleistung, die sie liefern, 
größer ist als bei den Eingitterröhren. Außerdem 
rühmt der Verfasser, daß bei ihnen die Schwingungen 
besonders leicht ansprechen. Dabei ist die Schaltung 
von Bild 1 insofern derjenigen von Bild 2 vor- 


zuziehen, als bei ihr die Frequenz weniger durch die ` 


SZEP PELS TI... 


- æ- 


2 — Referate. 71 


Aenderung der Kreiskonstanten beeinflußt wird als 
ei Bild 2. 

© Die Schaltungen lassen sich natürlich ziemlich 
‘vielseitig variieren. Will man aber den Kristall mit 
‘ur zwei Elektroden verwenden, wie bei Bild 2, so 
seht es nicht an, ihn zwischen Gitter und Heizfaden 
inzuschalten. Denn in diesem Falle findet ja bei einer 


Bild 4. 
Eingitterröhre die Rückkopplung durch die Innen- 


kapazität Steuergitter—Anode statt. Diese ist aber 
bei Schutzgitterröhren sehr stark reduziert — das ist 
ja gerade der Witz der Schutzgitterröhren. 

< Wenn man die Biegungsschwingungen des Quarzes, 
‘die viel niedere Frequenz haben als die Longitudinal- 
‘schwingungen, ausnützen will, so sind die Schaltun- 
gen von Bild 1 bzw. 2 in diejenigen: von Bild 3 bzw. 4 
umzuändern. J. Zenneck. 


A. Hund. Bemerkungen über Quarz- 
platten, Wirkung der Luftschicht und 
Erzeugung von Niederfrequenz. (Notes 
‚on quartz plates, air gap effect and audio frequency 
generation.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 1072 bis 
‚1076, 1928. 


A KESSSSISSISCSITSIIIUIII 4 


Quarz 
Bild 1. 

„X 0 sec. 

m — — — — Ahusische_ — — 7 
Welenisnge À = 

N 
8760 sen 

N 
Zr A 
10 


%2 Ahy 
„A Bu 
E 
Abr&issen 
Pa i 


0,005 00075 0.07 Zol 
——Luftschicht 


Bild 2. 


Unter der Voraussetzung, daß die piezo-elektrische 

Warzplatte so montiert ist, wie es Bild 1 zeigt, und 

‚ daß die oberen und unteren Oberflächen der Platten 

“inen Metallbelag besitzen, wird die Abhängigkeit 

f nn Frequenz des piezo-elektrischen Oszillators von 
‚Ger Dicke der Luftschicht AB (Bild 1) untersucht. 


Es ergibt sich eine Kurve wie diejenige von Bild 2, 
die zeigt, wie groß der Einfluß dieser Luftschicht ist. 
Sie beweist ferner, daß die Frequenz, mit der man 
gewöhnlich arbeitet, nicht etwa die Eigenfrequenz 
des Kristalls, sondern die Eigenfrequenz des Kristalls 
+ Montierung ist. 


Die Schwingungen reißen ab, wenn die Dicke der 
Luftschicht ein ganzes Vielfaches einer halben Wellen- 
länge der akustischen Wellen ist, die in dem 
Zwischenraum AB in Bild entstehen. 


Bild 3. 


Der Verfasser empfiehlt Quarzoszillatoren in Ver- 
bindung mit einem Frequenzteiler in der Form, wie er 
von vanderPol (vgl. Referat in ds. Jahrb.) vor- 
geschlagen und für den vorliegenden Fall in Bild 3 
dargestellt ist, auch als Niederfrequenz normale 
zu benützen. J. Zenneck. 


A. Hund. Mitteilung über einen piezo- 
elektrischen Generator für Tonfre- 
quenzen. (Note on a piezo -electric generator 
for audio-frequencies.) B. of Stand. Journ. Res. 2, 
355—358, 1929. 


Der Verfasser zählt verschiedene Möglichkeiten 
auf, wie mit hochfrequent schwingenden Quarz- 
resonatoren, bzw. Quarzoszillatoren Tonfrequenzen 
erzeugt werden können. (Die Möglichkeit, Quarz- 
stäbe normaler Längen zu niederfrequenten Schwin- 
gungen anzuregen, wird außer acht gelassen. D. Ref.) 
Man erhält nach dem Verf. Tonfrequenzen folgender- 
maßen: 


a) Zwei unabhängige Generatoren (Piezooszilla- 
toren) werden überlagert und geben einen Schwe- 
bungston. 

b) Zwei piezoelektrische Quarzplattenresonatoren 
liegen gleichzeitig parallel der Gitter-Heizfadenkapa- 
zität und steuern diese Röhre in Selbsterregung, so 
daß bei Gleichrichtung Hörfrequenz entsteht. 


c) Eine stufenförmige Quarzplatte steuert eine 
Röhre in Selbsterregung, im Endeffekt entsteht eine 
Tonfrequenz. 

d) Ein unter einem geringen Winkel zur elek- 
trischen Achse geschnittener Kristall bringt direkt 
Tonfrequenz hervor. 


e) Ein Kristall wird so dimensioniert, daß eine 
Harmonische einer der drei möglichen Grundfrequen- 
zen (bedingt durch die drei Dimensionen) mit einer 
der beiden anderen Grundfrequenzen direkt als 
Differenzfrequenz die Tonfrequenz erzeugt. 


72 Referate. 


Alle diese Methoden haben den Nachteil, daß die 
prozentuale Änderung einer der überlagernden Fre- 
quenzen eine mehrfach prozentuale Änderung des 
Differenztones nach sich zieht. Experimente, die sich 
über Jahre hinaus erstreckten, zeigten, daß die Me- 
thoden a) und b) zur Erzeugung von Tonfrequenzen 
am vorteilhaftesten sind. Es wurde gefunden, daß ein 
Stufenkristall nach c) mit einem Luftzwischenraum 
von ungefähr 1s mm zwischen Quarz und freier 
Elektrode auf wenige Hunderttausendstel konstant 
gehalten werden kann, falls der Kristall in unveränder- 
barer Lage bleibt. 

Der Verfasser beschreibt eingehender eine Anord- 
nung nach a, die Bild 1 wiedergibt. Sie besteht aus 


Generalor JA 


Bild 1. 


zwei in Selbsterregung geschalteten, voneinander 
unabhängigen Quarzoszillatoren mit den Frequenzen 
fı und f.. Die Anode eines jeden Oszillators ist über 
einen kleinen Luftkondensator vernachlässigbarer Ab- 
leitung (leakance, Spezialkonstruktion) mit einer Aus- 
gangsklemme verbunden, von denen je eine Verbin- 
dungsleitung zu einem Hochfrequenzverstärker führt. 
Der tonfrequente Strom wird den Sekundärklemmen 
eines Detektorkreises entnommen. Da die den beiden 
Hochfrequenzquellen entnommene Energie äußerst ge- 
ring ist, so ist zum Zwecke der Abstimmung auf f, 
und fe dem Detektor-Eingangskreis ein variabler 
Drehkondensator zugefügt. (In Bild 1 ist das rechte 
Heizfadenende von UX 201-A wie bei UX 222 mit der 
obersten wagrechten Stromführung zu verbinden.) 


Mit dieser Anordnung, die platinierte Quarzschei- 
ben als Resonatoren benutzte, deren oberer Kontakt 
zum Gitter durch eine dünne Goldfeder vermittelt 
wurde, wurde eine Genauigkeit von wenigen Hun- 
derttausendsteln erreicht. A. Scheibe. 


K. S. van Dyke. Der piezo-elektrische 
Resonator und sein Ersatz durch ein 
elektrisches System. (The piezo-electric 
resonator and its equivalent network.) Proc. Inst. 
Radio Eng. 16, 742—764, 1928. 


Im Anschluß an die früheren theoretischen Unter- 
suchungen von Voigt über Piezo-Elektrizität und 
die neueren Arbeiten von Cady wird eine Theorie 
der Schwingungen von piezo-elektrischen Quarz- 
platten entwickelt. Der Hauptzweck ist der, die Quarz- 
platten (Bild la) in ihren elektrischen Eigenschaften 
durch ein elektrisches System von der Art von Bild 1b, 


Resonanzleitung L RC mit Parallelkondensaior ©, nf 
ersetzen, die Konstanten L RC und C, aus den amet h Ju 
sionen der Quarzplatte zu berechnen, und zwar s e 


EE 


Bild 1. 1 


wohl für die im oberen, als für die im unteren Te! 
von Bild 2 gezeichnete Erregungsart. 


Anoten -Ebene 


X 
) 
Chwingun Ay 
| Richtong Al 
el è 
et? 

aE i 
si 
Anoren-£bene | 
Sh 
a= Kl 

10E > 
etae Sie v 
S 7 
Bild 2 In 


Am Schluß macht der Verfasser noch einige ver | 
suche, um mit Hilfe der Braunschen Röhre die! 
Schwingung eines Quarz-Oszillators in der Nähe der 5 
Resonanz zu demonstrieren. J. Zenneck > 
Earle M. Terry. Die Abhängigk ait der, 
Frequenz eines piezo - elekt eit dery 
Quarzoszillators von den Konstanter;: 
der Stromkreise. (The dependence of the fre- f: 
quency of quartz piezo-electric oscillators upon circuit |: 
constants.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 1486—1506, 19%; 


/ 


a >) 


C 


-l 


Der Verfasser behandelt mathematisch zwei Fälle: | 
1. wenn der Quarz zwischen Gitter und Anode uni ` 
2. wenn er zwischen Gitter und Glühfaden ein- 
geschaltet ist. In beiden Fällen werden drei Möglich- ` 
keiten besprochen: a) die Anodenleitung enthält einen > 
Schwingungskreis, b) merklich nur Induktivität und `“ 
c) nur Widerstand. ; 


Bei der mathematischen Behandlung dieser Fälle 
wird der Quarzoszillator nach dem Vorgang von. 
van Dyke ersetzt durch die nebenstehende Ver- 
zweigung. Unter dieser Voraussetzung werden die 
Differentialgleichungen für das System aufgestellt ~ 


Referate. 73 


ıd aus ihnen bzw. ihren Integralen die Frequenz des 
uarzoszillators in Abhängigkeit von den Konstanten 
‘r Stromkreise abgeleitet und die Ergebnisse mit 
'n experimentell erhaltenen verglichen. 

` Der Verfasser findet, daß die Frequenz der 
:hwingungen eines Quarzoszillators von derjenigen 
:s Quarzes selbst am wenigsten abweicht, wenn die 
ıodenleitung merklich nur Widerstand, also keinen 
:hwingungskreis enthält. Er empfiehlt deshalb diese 
aordnung für Frequenznormale und außerdem, nicht 
ır den Quarz selbst, sondern die ganze Anordnung 
s Frequenznormale aufzubewahren. 

J. Zenneck. 


R. S. Strout. Der Temperaturkoeiffizient 
on Quarzoszillatoren. (The temperature 
efficient of quarz crystal oscillators.) Phys. Rev. 
' 829—831, 1928. 


.Die quadratische Quarzplatte, die untersucht wurde, 
atte die Dimension 1,8 X 1,8 X 0,11 cm. Sie war, 
ie es wohl meist geschieht, in der Weise aus dem 
ristall herausgeschnitten, daß die eine quadratische 
:ite parallel der optischen Achse, die andere senk- 
-cht zu einer Hexagonalfläche des Kristalls war. Die 
;hwingungen erfolgten in der Richtung der Platten- 
cke. Die Platte war horizontal gelagert, die obere 
ektrode berührte die obere Kristallfläche. Diese 
ontierung wurde gewählt, weil sie am wenigsten 
mperaturempfindlich sein soll. Die Frequenz des 
-istalls war unter diesen Umständen 2,7: 10°/sec. 
Die Aenderung der Frequenz mit der Temperatur 
urde durch Vergleich mit einem piezo-elektrischen 
szillator von konstanter Temperatur mit der 
‚shwebungsmetliode und durch Vergleich des Schwe- 
ıngstones mit dem Ton einer Stimmgabel be- 
immt, und zwar wieder mit Hilfe von Schwebungen. 
Der Temperaturkoeffizient der Frequenz (relative 
‘ınderung der Frequenz pro Grad) ergab sich in den 
srschiedenen Temperaturgebieten verschieden. Trägt 
"an ihn in Abhängigkeit von der Frequenz auf, so er- 
‘lt man zwischen +65 und — 189° C sehr genau 
"1e Gerade. Der Temperaturkoeffizient beträgt bei 
`: 65° +22,7.10-*/Grad und fällt bis —189° auf den 
lert + 1,6.10-*/Grad ab. Für die Zimmertemperatur 
. 20° folgt aus der Kurve ungefähr der Wert 
19.10-°/Grad. J. Zenneck. 


W. A. Marrison. ThermostatfürFrequenz- 
ormalen. (Thermostat design for frequency 
indards.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 976—980, 1928. 


In der Arbeit sind einige prinzipielle Fragen bei 
r Konstruktion von Thermostaten besprochen. 


Die Anordnung des vom Verfasser vorgeschlagenen 
„lindrischen Thermostaten ist aus dem neben- 
„henden Bild 1 ersichtlich. Die Verteilerschicht hat 
un Zweck, Temperaturunterschiede längs der Ober- 
¿iche möglichst auszugleichen. Das Material, aus 
~m sie besteht, sollte also hohe Wärmeleitfähigkeit 
-ıd geringe spezifische Wärme haben. In Betracht 
mmt ein Bad aus einem leichten Oel mit Rühr- 
‚‚Trrichtung oder auch ein Material mit gutem Wärme- 
“itvermögen und geringer Dichte, z. B. Aluminium. 


« Durch die Dämpferschicht soll verhindert werden, 
„tB Temperaturschwankungen in der Heizschicht mit 


merklicher Amplitude in den Innenraum des Thermo- 
staten gelangen. Denkt man sich an der Oberfläche 
einer Ebene oder auch schwach gekrümmten Platte 
eine Temperaturschwankung von der Amplitude T7,, 
so ist die Amplitude T der Temperaturschwankung in 
der Tiefe ? der Platte durch die Beziehung gegeben 
yic., 
Tæ Te” worin w die Kreisfrequenz der 
Temperaturschwankungen, k die Wärmeleitfähigkeit, 
ô die Dichte, c die spezifische Wärme (x/öc also nach 
unserer Bezeichnung das Temperatur-Leitvermögen) 


GY Dampfer-Schucht 
Verteiler - Schicht 


bezeichnet. In der Arbeit ist für eine große Zahl von 
Materialien der nach dieser Gleichung maßgebende 
Wert berechnet. 


Wie die Verteilung der Temperatur und ihrer 
Schwankungen in einem solchen Thermostaten ist, 
stellt Bild 2 dar. Darin gibt der dicke schwarze Strich 
die mittlere Temperatur in der betreffenden Schicht 
und die kreuzweis schraffierte Fläche die Temperatur- 
änderung an. 


Temperatur in wllMurlichern Mass 


Bezüglich der Anbringung des Temperaturreglers 
(z. B. Thermoelement mit Relais oder Quecksilber- 
Thermometer mit Kontakt) macht der Verfasser mit 
Recht darauf aufmerksam, daß es prinzipiell unrichtig 
ist, diesen Regler in den Raum zu bringen, in dem die 
Temperatur konstant gehalten werden soll. Der 
Regler funktioniert in diesem Fall immer erst dann, 
wenn die Temperaturänderung einen gewissen Be- 
trag erreicht hat. Bei einem Thermostaten nach 
Bild 1 ist es klar, daß der Temperaturregler da an- 
gebracht werden muß, wo bei einer Inkonstanz der 
Temperatur diese am größten ist. J. Zenneck. 


74 


Referate. 


H. Pratt. (Bureau of Standards.) DieLeitung 
von Flugzeugen durch Kreuzspulen- 
Strahlsender und die dabei beobach- 
teten Aenderungen während der Nacht. 
(Apparent night variations with crossed-coil radio 
beacons.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 652—657, 1928. 


A. Da die Funkpeilung auf Flugzeugen selbst 
große Schwierigkeiten macht (geringe Größe der 
Rahmenantenne, Störung durch die Zündung des Mo- 
tors, starke Geräusche), so ist in Amerika folgendes 
System ausprobiert worden, das Flugzeugen gestat- 
tet, einen bestimmten Kurs zu halten. Die Sende- 
antenne der Bodenstation besteht aus zwei vertikalen 
Dreiecken, die um einen Winkel von gewöhnlich 90° 
gegeneinander verdreht sind. Beide Dreiecke be- 
kommen Strom derselben Amplitude und Frequenz; 
aber durch einen automatischen Geber werden in dem 
einen andere Zeichen gegeben als in dem anderen. 
Die beiden Zeichen werden gleich stark aufgenommen 
in einer Vertikalebene, die den Winkel zwischen den 
beiden Dreiecksebenen halbiert, während in ieder an- 
deren Vertikalebene das eine oder andere Zeichen 
überwiegt. Tatsächlich werden im einen Dreieck 
A-(. —), im anderen N - (— .) Zeichen gegeben, und 
zwar in solcher Folge, daß man bei gleicher Stärke 
der beiden Zeichen nur lange Striche hört. Beim 
praktischen Gebrauch werden nun die Dreiecks-An- 
tennen so gedreht”), daß die Vertikalebene, in der man 
Zeichen gleicher Stärke hört, auf dem Kurs liegt, den 
das Flugzeug fliegen soll. Solange dasselbe in die- 
seın Kurs bleibt, hört es die fortgesetzten Striche, 
sobald es daraus — und zwar je nach der Geschick- 
lichkeit des Beobachters um 1% bis 3° — heraus- 
kommt, hört es sofort entweder das N oder A 
stärker. 

Als Vorteile dieses Systems für die Leitung von 
Flugzeugen werden folgende hervorgehoben: 

1. Es braucht keine Zone von maximaler oder 
minimaler Zeichenstärke beobachtet zu werden; 

2. der Kurs wird durch den automatischen Ver- 
gleich zwischen zwei Zeichen festgelegt; 

3. sollte das Flugzeug, z. B. durch Stürme oder 
örtliche Verhältnisse gezwungen werden, seinen 
Kurs selbst um einen großen Winkel zu verlassen, 
so bietet es keine Schwierigkeiten, in den Kurs wie- 
der zurückzukommen; 

4. das Flugzeug kann einen gewöhnlichen Emp- 
fänger mit gewöhnlicher Flugzeug-Antenne (her- 
unterhängendem Draht) verwenden; 

5. das Flugzeug braucht bei der Verfolgung seines 
Kurses nicht etwa irgendeine Abtrift zu berechnen. 

B. Mit einem solchen System wurden Versuche 
gemacht unter Benützung von Postflugzeugen, die 
zwischen Cleveland und New-York auf eine Ent- 
fernung von 380 Meilen verkehrten. Zwei Richt- 
sender der oben angegebenen Art standen zur Ver- 
fügung, einer in New-York und einer 170 Meilen 
westlich bei Bellefonte (Pa.). Die Frequenz war 
290.10"/sec (2 = 1030 m), diejenige der Modu- 


*) Tatsächlich ist es, um die Vertikalantenne gleicher Zeichen- 
stärke in eine bestimmte Richtung zu legen, nicht nötig, das 
Rahmenpaar mechanisch zu drehen (vgl. die unten angegebenen 
Dimensionen). Es kann zum selben Zwecke eine Goniometer- 
anordnung dienen, wie sie vom Empfänger her bekannt ist. Sie 
enthält in diesem Fall zwei Goniometerspulen, eine für das 
Zeichen N und eine für das Zeichen A. 


lation 500/sec und der Strom in jeder Antenn 
8 Amp. Die Dreiecksantenne hatte etwa 100 m Basis- 
länge und ihre Spitze eine Höhe von nicht ganz 30 m. 


Die Strecke New-York — Cleveland geht über di n 


Allegheny-Berge. Bei den Versuchen zeigte sich eine 
Richtungsänderung bei Nacht, die durch mehrere 
Nachtflüge bis zu Entfernungen von 175 Meilen unier- 
sucht wurde, wobei das Flugzeug eine durchschnitt- 
liche Höhe von ca. 700 m hatte. Das Ergebnis war 
folgendes: 


1. Bis zu einer Entfernung von 25 Meilen ist die | 


Richtungsänderung nicht sehr erheblich. 

2. Auf 50 Meilen wird die Richtungsänderun | 
ausgesprochen, aber da sie nur während 25 Z der `: 
Zeit eintrat, so konnte das Flugzeug immer nach den 


n 


k 


Strahlsender geführt werden, wenn dazu noch en. 


gewisse Kritik notwendig war. 

3. Auf 100 Meilen war die Richtungsänderun |; 
stark, und zwar während ungefähr 50 % der Zeit. 
so daß der Methode nur noch sehr zweifełhaíte 
praktische Bedeutung zukam. 

4. Bei 125 Meilen war eine Steuerung des Flug- 
zeugs nach dieser Methode unmöglich. 

5. Die Richtungsänderung war stets eine ganz 
allmähliche. 

6. Die geographischen Verhältnisse des Landes 
zwischen Sender und Flugzeug waren von großem 
Einfluß. 

7. Die Richtungsänderung blieb im allgemeinen 
unterhalb 25°, ging aber gelegentlich auch auf das 
vierfache. 

8. Auf Entfernungen größer als 15 Meilen zeigte 
die Intensität der Zeichenstärke Schwunderscheinun- 
gen, wenn das Flugzeug über das Gebirge flog. 


A Ö—— 


C. Es wurden dann auch noch mit Automobilen 


auf eine Entfernung von 22 bzw. 32 Meilen Versucht 
gemacht mit dem Zweck, die Aenderung der Zeci- 
chenintensität mit einer vertikalen und einer Rahmen- 
antenne zu messen. Dabei zeigte sich, daß die 
Aenderungen, die man in der Rahmenantenne be- 
obachtete, größer waren, als die mit einer Vertikal- 
antenne erhaltenen. 
gezogen werden, daß 
nur zum geringen Teil auf Schwunderscheinungen. 
bei weitem zum größten Teil auf Richtungsänderw- 
gen zurückzuführen sind. J. Zenneck. 
J. F. Byrnes. (General Electric Co.) Neuere 
Entwicklung von Sendern für geringe 
Leistung und für Rundfunk. 


lopments in low power and broadcasting trans- :: 
mitters.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 61463. 
1928. 


en 


(Recent deve- `. 


In der sehr ausführlichen Arbeit sind eine grote 


Reihe von modernen Rölırensendern von Leistungen 
zwischen 200 und 2000 Watt beschrieben und durch 
Schaltskizzen und Photographien illustriert. So inter- 
essant die Einzelheiten dieser Sender sind, so ist es 
doch nicht möglich, sie in einem Referat von zulässi- 
ger Länge zu beschreiben. Es muß deshalb auf die 
Originalarbeit verwiesen werden. 


Bemerkt soll werden, daß die Arbeit auch An- 
gaben enthält über den Strahlsender mit einer Doppel- 
dreiecksantenne, auf den sich die vorstehende Arbeit 
von H. Pratt bezieht. J. Zenneck. 


|. 


Ih 


ia 


a 


Es muß also daraus der Schlui .. 
diese Intensitätsänderungen | 


wadi 


ar nn hm rn 
TEA 


J. H. Dellinger und H. Pratt. Drahtlose Tele- 
-raphie im Dienste der Luftfahrt und 


re Entwicklung. (Development of radio aids 
5 air navigation.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 890 bis 


:20, 1928, 


Die Veröffentlichung berichtet über Versuche im 
‘eronautics Branch des Bureau of Standards, die die 


:ufgabe hatten, eine Methode zu entwickeln, nach 


er Flugzeuge auch bei unsichtigem Wetter mit 
icherheit ihren Kurs verfolgen können. 
Nach einer geschichtlichen Einleitung bringen die 


' erfasser nähere Angaben über dasjenige System, 


“ber das schon früher berichtet wurde. Das Wesent- 
che sind zwei vertikale Dreiecksantennen, deren 


“benen einen Winkel gegeneinander bilden. Werden 
-e von Hochfrequenzströmen von derselben Ampli- 


ıde und Frequenz durchflossen, so ist die Feldstärke 
-er beiden Antennen gleich in vier Richtungen, die 


'ie Winkel zwischen den beiden Antennen - Ebenen 


‚albieren. 


In allen anderen Richtungen sind die 


ogi Oli 


Bild 1. 


‚ntensitäten verschieden. Dafür, daß die Zeichen der 
-eiden Antennen voneinander unterschieden werden 
„Öönnen, sorgt -ein automatischer Taster, der in der 
-inen Antenne den Buchstaben a (.—), in der anderen 
«a (—.) gibt, und zwar in einer derartigen Verbindung, 


laß man bei gleicher Intensität der beiden Zeichen 


‚iur einen langen Strich hört. 


Das Schema dieser 


‚inrichtung zeigt Bild 1, die wohl ohne weiteres ver- 


‚tändlich ist. 


Wird also die Richtung, in der die Zei- 


‚'hen gleiche Stärke haben (in Bild 1 die Richtungen 0, 


80, 90 und 270°), auf den Kurs gelegt, den das Flug- 


eug fahren soll, so hört der Beobachter auf dem 
`lugzeug, der nur einen einfachen Empfangsapparat 


"u haben braucht, entweder das n oder das a stärker 


“wuskommt. 


'ıervortreten, sobald das Flugzug aus dem Kurs her- 
Er weiß auch sofort (vgl. Bild 1), nach 


"welcher Richtung das Flugzeug vom Kurs abge- 
‘vichen ist. 


Um die Richtung gleicher Intensität auf einen be- 


stimmten Kurs zu legen, würde es nach dem bisher 


sprechend zu drehen. 
‚durch eine Art Gonicmeter, 


ıusgeführten nötig sein, die beiden Antennen ent- 
Das kann vermieden werden 
das zwei zueinander 


‚senkrechte feste (Stator-) Spulen und zwei drehbare, 
u 


Referate. 


75 


ze] Bu nal, 


geb er o 


ebenfalls zueinander senkrechte Rotorspulen hat, die 
mit den beiden Antennen verbunden sind. Man kann 
auf diese Weise durch Drehung der Rotorspulen die 
Richtung gleicher Intensität beliebig legen, ohne daß 
die Antennen ihre Lage zu verändern brauchen, was 
bei der nötigen Größe derselben praktisch auch gar 
nicht durchführbar wäre. Bild 2 gibt die neueste 
Schaltung, die diesem Zweck dient, und bedarf nach 
den eingeschriebenen Angaben wohl keiner Erläu- 
terung. 

Unbequem bei diesem System war noch, daß der 
Beobachter nach dem Gehör urteilen mußte. Bei der 


Transformator 
500 -/Sec 
er Volt 


oOyuA Du 


g00yuF 
AntenneX Antenne2 


i 0012 uf 000124 0.0154 F 


sanii AN 


N1000Walt-Röhre 10009 Kat -Rohre 


E- 
T er > 
w 
SE = 


Heizung 


Trensformajir 
300 ~ Asec, 
6000 Volt 


250Walt-Röhre 


Hei zung 
FT] Gosset 


Be 1? 


Bild 2. 


Drossel 


neuesten Entwicklung wurde nun versucht, einen 
rein optischen Indikator für die Richtigkeit des Kur- 
ses bzw. die Abweichung von demselben einzuführen, 
und zwar in folgender Weise: 

-Statt zwei verschiedene Zeichen wie bei der frühe- 
ren Methode auszusenden, werden zwei Wellen der- 
selben Frequenz — bei den Versuchen 290.10°/sec — 
ausgesandt, die mit zwei verschiedenen Nieder- 
frequenzen, z. B. 65 und 86/sec, moduliert sind. Die 
niederfrequenten Ströme werden durch Stimmgabel- 
unterbrecher (A und B, Bild 3) hergestellt. Im übri- 
gen ist die Schaltung (Bild 3) im wesentlichen wie 
bei der früheren Methode. Im Empfänger wirken 
nun die gleichgerichteten Ströme auf zwei Stahlzun- 
gen, von denen eine auf die Frequenz 65, die andere 
auf die Frequenz 86 abgestimmt ist. Befindet sich 
das Flugzeug im richtigen Kurs, so sind die Intensi- 
täten der beiden verschieden modulierten Wellen 
gleich. Die beiden Zungen schlagen gleich weit aus. 


wechselsirom- 


76 


Sobald sich das Flugzeug vom richtigen Kurs ent- 
fernt, werden die Ausschläge der einen Zunge stärker 
als diejenigen der anderen. Der Beobachter hat also 
nichts weiter zu tun, als die beiden Zungen zu beob- 
achten. Der ganze Empfänger wiegt 5—7 kg, der 
Zungenindikator 1⁄2 kg. 

Als Empfangs-Antennen haben sich bei diesen Ver- 
suchen besonders bewährt solche, die aus vertikalen 
Metallstäben von ca. 3 m Länge bestehen und auf den 
Tragflächen des Flugzeugs fest angebracht sind. Sie 
haben nur den Nachteil, daß sie stark auf die Mo- 
torenzündung ansprechen und deshalb eine sorg- 
fältige Abschirmung derselben erfordern. Da diese 


Referate, 


vertikale Dreiecks-Antennen, deren vertikale Ebene 
um einen Winkel gegeneinander verdreht sind. Sie se 
$ 


senden Wellen derselben Frequenz aus, aber die eine 
den Buchstaben A (.—), die andere N (—.). In dem 
Sektor, in dem die Intensität der Wellen von beiden 
Antennen dieselbe ist, überlappen sich die beiden 
Zeichen, so daß man einfach einen langen Strich 
(T nach dem Morse-Alphabet) hört. Die Einrichtungen 
dieser Sender werden in der Arbeit ausführlich und 
mit Hilfe einer größeren Zahl von Bildern be- 
schrieben. 

Während aus den beiden ersten Flügen wegen des 


Versagens des Empfängers noch kein Urteil über die 


E 


Bild 3. 


Antennen praktisch nur auf die Vertikalkomponente 
des elektrischen Feldes reagieren, so besteht die Mög- 
lichkeit, daß sie von den sog. Richtungsänderungen 
bei Nacht, die tatsächlich auf horizontale elektrische 
Felder zurückzuführen sind, weniger stark beeinflußt 
werden. Sie haben außerdem die Eigenschaft, daß sie 
überhaupt nicht ansprechen, wenn das Flugzeug sich 
senkrecht über der Sendestation befindet, was bei 
der Landung im Nebel wichtig sein kann. 

Interessant sind dann noch Versuche, die an- 
gestellt wurden, um dem Piloten nicht nur den Kurs, 
sondern auch seine Entfernung von der Sendestatioü 
zu übermitteln. Die Verfasser denken sich längs des 
Weges des Flugzeuges kleine Stationen mit Vertikal- 
antennen und kleinen Röhrensendern derselben Fre- 
quenz, wie der große Sender für die Kursangabe, ın 
gewissen Abständen aufgestellt und z. B. mit der 
Frequenz 60/sec moduliert. Das Flugzeug enthält 
einen Empfänger mit einer Stahlzunge von der Fre- 
quenz 60/sec. Solche Stationen können dann auch 
dazu dienen, um durch Morsezeichen einfache, z. B. 
Wettermeldungen an das Flugzeug gelangen zu 
lassen. Nach den bisherigen Versuchen scheint es 
ein durchaus gangbarer Weg zu sein. 

J. Zenneck. 


C. C. Shangraw. Kurs-Senderfürtrans- 
atlantische Flüge. (Radio beacons for trans- 
pacific flights.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 1203 bis 
1229, 1928. 


Es handelt sich um Flüge zwischen San Francisco 
und Hawaii (2400 Meilen), bei denen der zu fliegende 
Kurs durch einen Richtsender bei San Francisco und 
einen solchen auf den Hawaii-Inseln festgelegt wurde. 

Die Kurssender waren von der Art, wie sie in den 
vorangehenden Referaten beschrieben wurden: zwei 


praktische Bedeutung der Anordnung gewonnen wer- 
den konnte, gab der sog. Dole-Wettilug am 16. und 
17. August 1927 einen vollkommenen Erfolg. Von den 
beiden Gewinnern des ersten Preises, den Leutnants 
Göbelund Davis hat der eine Davis) das Er 
gebnis in einem offiziellen Schreiben folgendermaßen 
ausgedrückt: „Die drahtlose Kursübermittlung war 
ein uneingeschränkter Erfolg und machte das Pro- 
blem der Navigierung sehr einfach. Die Zeichen wa- 
ren klar und bestimmt und konnten praktisch wäh- 
rend des ganzen Weges ausgenützt werden. WVälı- 
rend einiger Zeit waren die Zeichen von San Fran- 
cisco und von Maui (eine der Hawaii-Inseln) gleich- 
zeitig zu hören. Wir befanden uns dabei ungefähr 
in der Mitte zwischen Honolulu und San Francisco.“ 
An Einzelheiten ist bemerkenswert, daß die Zei- 
chen von San Francisco ungefähr 2 Stunden vor 
Sonnenuntergang verschwanden (fading), nach Son- 
nenuntergang aber wieder hörbar wurden. In der 
Mitte zwischen San Francisco und Hawaii war die 
Breite der Zone, in der man nur einen Strich hört 
(T-Zone) schätzungsweise etwa 8 Meilen breit. 


Das Ergebnis des Fluges war: 1. daß das System 
schon heute zu praktischer Brauchbarkeit entwickelt 
ist, 2. daß der schwächste Punkt der Empfänger und 
3. daß gute Ausbildung des Personals nötig ist. 


Am Schluß wird noch über einige Verbesserungen 
berichtet, die seitdem angewendet wurden. Die 
wichtigste ist die, daß die Zeichen N und 4 
chen Abständen gegeben werden, daß man bei glei- 


cher Intensität einfach einen dauernden Ton — nicht ' 


unterbrochene Gruppen eines solchen (T) hört. 
Es ist auf diese Weise leichter zu beurteilen. wenn 
das Flugzeug etwas außer Kurs kommt. 

J. Zenneck 


in sol- ; 


< - EZ.Stowell. Einseitig gerichtete Kurs- 
ender für Flugzeug-Navigation. (Uni- 
"irectional radio-beacon for aircraft.) Bur. of Stand. 
‚ourn. of Res. 1, S. 1011—1022, 1928, Nr. 6. 

. Die vom Bureau of Standards in den letzten Jahren 
.ntwickelten Kurssender für die Luftfahrt (vgl. die 
‚orangehenden Referate Pratt, Shangraw und 


Referate. 77 ` 


Die Versuche wurden durchgeführt an einem 
Richtsender in College Park Md, dessen Feld gleich- 
mäßig gedreht wurde, während die Ausmessung der 
Charakteristik in den 17 km entfernten Laboratorien 
des Bureau of Standards in Washington stattfand. 
Bild 2 zeigt eine solche einseitige Charakteristik, 
welche der idealen Kardioiden-Form schon recht nahe 


ellinger) haben sich im allgemeinen gut bewährt. kommt. K. Krüger 


M. P. Hanson. Einrichtungen fürdraht- 
lose Telegraphie auf Luftfahrzeugen. 
(Aircraft radio installations.) Aus dem Naval Re- 
search Laboratory, Bellevue, Anacosta D. C. Proc. 
Inst. Radio Eng. 16, S. 921—965, 1928. 


Die umfangreiche, mit 47 Abbildungen illustrierte 
Arbeit ist im wesentlichen eine Beschreibung der 
Einrichtungen für drahtlose Telegraphie und Tele- 
phonie, die bisher auf amerikanischen Luftschifien 
und Flugzeugen verwendet worden waren. Im Zu- 
sammenhang damit werden alle Fragen besprochen, 
z. B. auch die Energiequellen, die bei solchen Ein- 
richtungen in Betracht kommen. In den Ausführun- 
gen steckt eine Menge von praktischen Erfahrungen, 
und ich möchte ausdrücklich auf die interessante 
Originalarbeit verweisen. Im einzelnen darüber in 
verständlicher Weise zu referieren, würde mehr 
Raum beanspruchen, als für Referate zur Verfügung 
steht. 


Erwähnt soll werden, was der Verfasser über die 
viel umstrittene Frage: Telegraphie oder Telephonie 
auf Flugzeugen? sagt. Nach den bisherigen Erfahrun- 
gen erreicht man bei derselben Leistung mit gut 
modulierter Telephonie ungefähr */, der Entfernung 
wie mit Telegraphie, wobei das Gewicht der Geräte 
für die Telephonie um 15—20 % größer ist als für 
Telegraphie..e. Außerdem wird Telephonie bei un- 
günstigen Bedingungen und bei ungenügender Ab- 
schirmung der Zündung in den Motoren mehr gestört 
als Telegraphie. Meist ist die Anordnung so, daß 
man nach Belieben auf Telegraphie oder Telephornie 
umschalten kann. Eine Einrichtung für Telegraphie 
allein ist natürlich viel einfacher. Außerdem können 
Röhren- und Stromkreise stärker belastet werden, 
da die Belastung eine intermittierende, bei der Telex 
phonie dagegen eine dauernde ist. 


Bild 1. 


Ein Nachteil dieser Anlagen besteht nur darin, daß 
gleichzeitig vier Leitstrahlen ausgesendet werden, 
‘während nur ein einziger gebraucht wird. Dies hat 
zur Folge, daß einmal Verwechslungen zwischen den 
"Strahlen vorkommen können, daß ferner Energie 
unnötigerweise in alle Richtungen gestrahlt wird, und 


J. Zenneck. 


Die Stationen der Erde mit Frequenzen 
über 1,5. 10°/sec. 


In den Proc. Inst. Radio Eng. 16, 1575—1604, 1928, 
ist ein Verzeichnis aller bekannt gewordenen 
Stationen, die mit Frequenzen von und über 
1,5.10°/sec (A = 200 m) bis herauf zu Frequenzen von 
51,360-.10°/sec (A = 5,84 m) arbeiten. Es sind auf- 
geführt 2169 Stationen. J. Zenneck. 


“daß schließlich bei der heute schon vorhandenen 
‘großen Zahl von Stationen leicht Interferenzen 
zwischen den einzelnen Sendern auftreten können. 


Die vorliegende Arbeit versucht die Lösung der 
“Aufgabe, bereits vorhandene Radio-Beacon-Anlagen 
normaler Bauweise in solche mit einseitig gerichtetem 
-Leitstrahl umzuändern. Es gelingt dies durch Kom- 
-bination des seitherigen Richtstrahlers mit einem un- 
. gerichteten Feld. Besonders einfach werden die Ver- 
"hältnisse dann, wenn man nach Bild 1 das Schleifen- 
“system des Richtstrahlers selbst zur Erzeugung des 
= ungerichteten Feldes gleichzeitig gegen Erde erregt. 


L. Espenschied. (American Tel. and Tel. Co.) 
Technische Gesichtspunktebeider Zu- 
teilung von kurzen Wellen im Fre- 
quenzgebietzwischen 15 und 30 . 10°/seç. 
(Technical considerations involved in the allocation 
of short waves; frequencies between 1,5 and 30 mega- 
cycles.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 773—777, 1928. 


78 


Bekanntlich hängt die günstigste Wellenlänge für 
eine bestimmte Entfernung in hohem Maße davon 
ab, ob die Uebertragung bei Tag oder bei Nacht 
stattfindet, außerdem auch noch von der Jahreszeit. 
Im Mittel lassen sich die bisher vorliegenden Erfah- 
rungen bis zu einer Entfernung von 7000 Meilen so 
zusammenfassen, wie es das nebenstehende Bild 


x 10 ek. 


10 Y 
9 9 
8 ê 
7 7 
6 6 
N 
N d 
S 
z j 
X 3 


000 4000 
Entfernung in Meilen 
zeigt. Wie die Kurven gemeint sind, geht aus fol- 
gendem Beispiel hervor. Soll auf 4000 Meilen bei 
Tag eine Verbindung hergestellt werden, so ist es 
wünschenswert, Frequenzen zwischen 13,5 und 
24.10°/sec zu wählen, und zwar möglichst etwa 
in der Mitte zwischen diesen beiden Grenzen, da- 
gegen nicht außerhalb derselben. | 

Der Verfasser unterscheidet folgende Frequenz- 
gebiete, ohne selbstverständlich eine scharfe Tren- 
nung zwischen denselben aufstellen zu wollen: 

Gebiet A: 1,5—6.10°/sec (A = 200—50 m) 
am besten geeignet für mäßige Entfernungen, d. h. 
bis zu etwa 1000 Meilen, bei Nacht. Dieses Gebiet 
kommt deshalb in erster Linie innerhalb des Kon- 
tinents, dagegen nicht für transatlantische Telephonie 
in Frage, und bei der Zuteilung eines Frequenzbandes 
aus diesem Gebiet braucht unter Umständen auf die 
Zuteilung der Wellenlängen in einem anderen Erdteil 
nicht Rücksicht genommen werden. Immerhin kön- 
nen die höheren Frequenzen des Gebietes bei Nacht 
über die Grenzen des Erdteils hinaus stören. 

B: f = 6—15.10°/sec (A = 50—20 m). Die 
Reichweite dieses Gebietes ist in dem Teil der Erde, 
der Tag hat, ebenfalls nicht allzu ausgedehnt. Sie 
kann sich aber sehr wohl über die ganze Halbkugel, 
auf der Nacht herrscht, ausdehnen. 

J. Zenneck. 


S. C. Hooper. Gesichtspunkte für die 
ZulassungvonHochfirequenzstationen. 
(Considerations affecting the licensing of high- 
frequency stations.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 
S. 1240—1251, 1928. 


Referate. 


Der Verfasser ist Kapitän z. See der amerikani- 
schen Marine und Direktor des Nachrichtenwesens 
zur See im Reichsmarine-Amt und technischer Sach- 
verständiger der Federal Radio Commission. Er ist 
also ein Mann von großer praktischer Erfahrung. Er 
äußert sich in dem Artikel über die schwierige 
Frequenzfrage, d. h. die Frage: nach welchen Ge- 


besondere welche Frequenzen und Frequenzgebiete 
sind überhaupt noch frei. Dabei sind die Schwierig- 
keiten besonders groß in dem Gebiet der höchsten 
Frequenzen 6-23.10°/sece A =50— 13m), da die 
Reichweiten dieser Frequenzen weit über die Grenzen 
eines Landes hinausgehen. Auf dieses Gebiet be- 
ziehen sich die Ausführungen in erster Linie. 


Vorangestellt ist eine Tabelle bzw. das 
stehende Bild, um die Tag- und Nachtreichweiten in 
Abhängigkeit von der Frequenz zu illustrieren. Sie 
gründet sich auf die Erfahrungen mehrerer großer 
Gesellschaften und amtlicher Stellen. Voraussetzung 


ist 1kW-Senderleistung, ungedämpfte Schwingungen ` 


und ein Empfänger mäßiger Empfindlichkeit. 

Kurve 1 gibt die ungefähre Tagesreichweite der 
Luftwelle für Sommer und Winter in Abhängigkeit 
von der Frequenz an. Man findet aus ihr für eine be- 
stimmte Entfernung (z. B. für 2200 Meilen) die Fre- 
quenz (11,4.10°/sec), auf die man gehen muß, um — 
immer bei 1kW-Leistung — gut lesbare Zeichen zu 
bekommen oder umgekehrt die Tagesreichweite, die 
einer bestimmten Frequenz entspricht. Die Frequenz, 
die man aus dieser Kurve für eine bestimmte Ent- 
fernung erhält, ist bis auf ungefähr + 0,5: 10°/sec rich- 
tig, die Reichweite zu einer bestimmten Frequenz bis 


auf ungefähr 200 Meilen, vorausgesetzt, daß der Weg : 


der Wellen in ost-westlicher Richtung geht. Für nord- 
x 70sec 


13 


a 
`“ 


e REES 


Freguenz 


We 


+ 
| 
| 

} 1} 
| 


I a A ERT AE: Zu Ts a a FE L E 
8 42 16 20 247 28 32 36 4o 4A 48 352 35660 6% 
Entfernung ın 10 3Seemeilen 

(1) Luftwelle, Reichweite in der Mitte von Sommer- u, Wintertagen. 
(2) Luftwelle, Nachtreichweite Sommer und Winter. 

(3) Luftwelle, tote Zone für Mitternacht um die Mitte des Winters. 
(4) Luftwelle, tote Zone für Mittag um die Mitte des Sommers. 
(5) Bodenwelle, 


südliche oder umgekehrte Richtung ergeben sich 
unter Umständen Werte, die von denen der Kurve 
erheblich abweichen. 


Aus Kurve 2 ist in ähnlicher Weise die Beziehung 
zwischen Nachtreichweite der Luftwelle und Frequenz 
zu entnehmen, wenn beide Stationen Nacht haben. 
Für nörd-südliche Ausbreitung sind auch hier die 
Werte etwas verschieden. 


IV: 
| Wir 
Son 
die 
auf. 
mei 
hei 
von 
stin 
Kur 
Kur 
que 
i Ent 


| juss 
sch 


neben- 


aanre a a a a e a e a a a a a a ŮĖ—Č— 


Die Kurven 3 und 4 stellen die tote Zone dar, und 
war Kurve 3 für Mitternacht um die Mitte des 
vinters und Kurve 4 für Mittag um die Mitte des 
ommers. Da, wo die Kurve 3 aufhört, hören auch 
ie für Winter-Mitternacht brauchbaren Frequenzen 
uf. Die Kurven 3 und 4 sind folgendermaßen ge- 
weint: Kurve 5 gibt die Reichweite der Bodenwelle 
ei der betreffenden Frequenz an. Geht man nun 
on einem Punkt der Kurve 5, der also einer be- 
immten Frequenz entspricht, horizontal bis zur 
urve 4, so ist diese horizontale Strecke zwischen 
urve 5 und 4 die tote Zone für die betreffende Fre- 
uenz und für ungefähr Mittag mitten im Sommer. 
ntsprechendes gilt für Kurve 3. 

Im Verlauf der Veröffentlichung bespricht der Ver- 
ısser noch eine Reihe von wichtigen Fragen. Ich be- 
<hränke mich auf die folgenden: 

1. Von den meisten amtlichen amerikanischen 
‚tationen für Telegraphie kann gegenwärtig eine 
'requenzkonstanz von + 0,05% verlangt werden, so 
aß also ein Frequenzabstand der einzelnen Stationen 
on 0,1% ausreicht. Im allgemeinen muß man aber 
a allen Ländern damit rechnen, daß vielleicht noch 
ir die nächsten zwei Jahre der Frequenzabstand 
wischen zwei Stationen nicht unter 0,2 % sein darf. 
ieser Frequenzabstand sollte vorerst die Grundlage 
ir internationale Vereinbarungen sein. Erst in ein 
is zwei Jahren kann man hoffen, den Frequenz- 
‚bstand auf 0,1% zu verringern. 

2. Die Frequenzzuteilung und die Vorschriften über 
ie zulässigen Frequenzschwankungen sind voll- 
ommen zwecklos, wenn nicht von den Behörden 
auernd ihre Einhaltung überwacht wird. 

: 3. Rechnet man mit einem Frequenzabstand von 
‚1% zwischen den einzelnen Stationen, so sind 
wischen f =1,5.10°/sec (4 = 200 m) u. /= 23. 10°/sec 
} = 13 m) 2527 Stationen unterzubringen, und zwar 
‘279 mit Frequenz unter 6.10"/sece (A=50m) und 
248 mit Frequenzen über 6. 10"/sec. 


- 4. Man sollte die verschiedenen Frequenzgebiete 
‘ı einzelne Frequenzbänder einteilen und aus allen 
_requenzgebieten einzelne Bänder den verschiedenen 
“erwendungsarten (z. B. Rundfunk-Amateuren, be- 
ördlichen und kommerziellen Stationen) zuweisen. 
„ls Bänder über / = 6.10°/sec schlägt er z. B. für 
-'undfunk vor: 


Bücherbesprechungen. - 79 


6,000—6,150; 9,500—9,600; 11,700—11,900; 15,100 bis 
15,350; 17,750—17,800; 21,450—21,550.10°/sec. 


Es soll also nicht wie bisher eine bestimmte Art von 
Stationen auf ein bestimmtes Frequenzgebiet be- 
schränkt werden, sondern Frequenzbänder aus den 
verschiedensten Frequenzgebieten bekommen. 


5. Da im Gebiet über /=6.10*/sec schon jetzt 
nicht alle Wünsche zu befriedigen sind, so ergibt sich 
die äußerst schwierige Frage, welche Arten von 
Stationen in Zweifelsfällen den Vorrang haben sollen. 


6. Es müßten im Frequenzspektrum gewisse Bänder 
für nicht gewöhnliche Verwendungsarten der draht- 
losen Telegraphie, z. B. Fernsehen, reserviert werden. 


7. Ebenso ist es unumgänglich, für Versuchs- 
zwecke (Forschungs- und Entwicklungsarbeit) ge- 
wisse Frequenzbänder auszuteilen. Es wird aller- 
dings nicht möglich sein, den in solchen Fällen meist 
geäußerten Wunsch nach einem „möglichst breiten 
Band“ zu befriedigen. Man wird höchstens eine be- 
schränkte Zahl Frequenzen mit der üblichen Toleranz 
zubilligen können. J. Zenneck. 


J. H. Dellinger. Prinzipielle Bemerkun- 
gen zur Bewilligung von Rundfunk- 
stationen. (Analysis of broadcasting station 
allocation.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 1477—1485, 


1928. 


4 


In der Arbeit beschreibt der Verfasser, der Chef- 
ingenieur der Federal Radio Commission in Washing- 
ton ist, wie man in den Vereinigten Staaten die 
schwierige Frage gelöst hat, der großen Zahl der 
Rundfunkstationen — im ganzen 315 — die Fre- 
quenzen und Leistungen so zuzuteilen, daß ein mög- 
lichst befriedigender Rundfunkdienst gewährleistet 
wird. Die Frequenzen liegen zwischen 550. 10°/sec 
(.=545 m) und 1,5:10*/sec (A = 200 m) und die Lei- 
stungen zwischen 50 kW für Stationen großer Reich- 
weite und solchen von 10 bzw. 100 Watt für Stationen 
für beschränkte Gebiete. 


Die Einzelheiten der Arbeit lassen sich kaum in 
einem kurzen Referat darstellen. Ich muß auf die 
Originalarbeit verweisen. J. Zenneck. 


Bücherbesprechungen. 


Behandlung von Schwingungsaufgaben mit kom- 
lexen Amplituden und Vektoren. Von Prof. Dr. Hans 
eorg Möller. 128 S. mit 91 Abb. u. 1 Taf. Leipzig 
:.328. Verlag von S. Hirzel. Geh. Mk. 6.—, geb. Mk. 8.— 
< Die Rechnung mit komplexen Größen hat längst 

ufgehört eine rein mathematische Angelegenheit zu 
in. Für viele Aufgaben aus der Physik und Elektro- 
“chnik ist die Praxis des komplexen Rechnens unent- 
‚ehrlich geworden. Zwischen den Werken über Funk- 
x onentheorie einerseits und den Lelhrbüchern über 


Wechselstromtechnik z. B., in denen von der kom- 
plexen Rechnungsweise weitgehend Gebrauch gemacht 
wird, klafft eine Lücke, die das vorliegende Buch aus- 
füllen möchte. Es soll losgelöst von überflüssigem 
mathematischem Beiwerk Klarheit über die Verwen- 
dung dieses wichtigen Hilfsmittels zur Rechnung 
schaffen. Die Aufgabe ist in der Weise gelöst, daß in 
einem ersten Abschnitt auf 28 Seiten die theoretischen 
Grundlagen gegeben werden; im zweiten Abschnitt, 
9| Seiten, wird eine Fülle von Beispielen, insbesondere 


80 Bücherbesprechungen. B 


aus der Wechselstromtechnik (Wheatstone sche 
Brücke, Transformator, Asynchronmotor, Röhren- 
sender, Kabel u.a.) behandelt. Dieser zweite Abschnitt 
ist sehr anregend zu lesen; man findet darin auch 
ınanches in neuartiger eleganter Darstellung. Weniger 
geglückt für die Absicht des Buches scheint dem Refe- 
renten der erste Abschnitt zu sein. Auch hier ist sehr 
viel von Beispielen Gebrauch gemacht worden, und 
vielleicht etwas zu viel, so daß sie die darzustellenden 
theoretischen Grundlagen etwas überwuchern. Dar- 
unter leidet natürlich die Einheitlichkeit der Dar- 
stellung. Das hat der Verfasser wohl auch selbst 
empfunden. Er hat deshalb am Anfang des 2. Ab- 
schnittes nochmals eine kurze mehr formelmäßige Zu- 
sammenstellung der mathematischen Gesichtspunkte 
gegeben. Dieser kleiner Schönheitsfehler vermag je- 
doch den Wert des Buches kaum zu beeinträchtigen. 
Es kann jedem, der sich mit Schwingungsaufgaben zu 
beschäftigen hat, empfohlen werden. 
H. Backhaus. 


Elektronen-Röhren. 3. Band. (Empfänger.) 
Von Dr. H. Barklıausen, ordentlicher Professor und 
Direktor des Instituts für Schwachstromtechnik an 
der Technischen Hochschule Dresden. VI u. 255 S. 
124 Abb., 8°. Verlag von S. Hirzel, Leipzig. 1929. 
Geh. 8 Mk., geb. 10 Mk. 


Dem 1. Band seines Werkes „Elektronen-Röhren“, 
der von den elektronentheoretischen Grundlagen und 
Verstärkern handelt, und dem 2. Band über die 
Röhrensender hat nun Barkhausen den 3. Band 
„Empfänger“ folgen lassen. Damit ist ein Werk zum 
Abschluß gekommen, das von gleicher Warte aus mit 
Erfolg die verschiedensten an den Elektronen-Röhren 
beobachteten Einzelerscheinungen zusammenfaßt. Ich 
darf wohl sagen, daß nach dem Erscheinen der ersten 
beiden Bände sehnlichst auf den 3. Band gewartet 
wurde, denn die Ueberproduktion an Empfänger- 
schaltungen in den letzten Jahren verlangte geradezu, 
daß von einem Fachmann einmal recht kritisch in das 
Durcheinander hineingeleuchtet wurde. Man wird dem 
Verfasser recht geben müssen, wenn er darauf hin- 
weist, daß die unglaublich schnelle Entwicklung der 
Funktechnik das Nachkommen in der Bearbeitung des 
Materials sehr erschwerte. „Auch kamen, besonders 
in Amerika, immer wieder neue Empfängerschaltungen, 
Tropadyn, Ultradyn usw. auf, deren Wirkungsweise 
zunächst nicht klar war und eine nähere Untersuchung 
erforderte. Es stellte sich dann freilich meist heraus, 
daß im Grunde außer dem Namen nicht viel Neues 
daran war.“ Mit dieser Erkenntnis wird der Verf. 
wohl manchem Erfinder einer hochtrabend auf 
„dyn“ lautenden Empfängerschaltung einen heilsamen 
Schrecken einjagen, bei den meisten Lesern aber 
freudige Zustimmung ernten. 

Es ist nicht möglich, im Ralımen dieser Be- 
sprechung auf Einzelheiten des ungeheueren Stoff- 
gebietes einzugehen, das in diesem Bande in drei 
Hauptkapiteln verarbeitet wurde. Der Verfasser führt 
uns hierin von den Problemen der Entdämpfung über 
das der Gleichrichter zu denienigen der modernen 
Empfangstechnik. Diese drei Hauptkapitel sind direkt 
die Fortsetzung der ersten beiden Bände und als 
solche mit V. Teil: Entdämpfung, VI. Teil: Gleich- 
richter, VIIL. Teil: Empfänger beschriftet. Eine kurze 


wird gezeigt, daß Röhren mit möglichst großen Gitter- 


Inhaltsangabe, die keinen Anspruch auf Vollständig 
keit erhebt, möge einen Überblick über den bearbeite- 
ten Stoff vermitteln: 

Entdämpfung: Schwingliniendarstellung, Selbst 
überlagerung, Mitnahmebereich, Pendelrück- 
kopplung, Modulation durch Signale und Über- 
lagerung, Einwirkung auf einen Schwingungs 
Kreis u. a. 

Gleichrichter: Überlagerungsgesetz, Wechsel- 
strom, Richtstrom, Reihen- und Parallelschal- ; 
tung, Modulierte Wechselströme, Richten f 
linien, Anodengleichrichtung, Gittergleichrich- 
tung, Überlagerungsempfang u. a. 

Empfänger: Gleichrichtung und Verstärkung ; | 
Größenordnungen (Mindestwerte in Rücksich | | 
auf Lautstärke, Grenze in Rüchsicht au: | 
Störungen), Nah- und Fernstörungen, Selektivi- : | 
tät, Verzerrungen u. a. | 

Um eine Beispiel herauszugreifen, sei auf die Be- 

handlung der Gittergleichrichtung (Audion) im $ 4 

etwas näher eingegangen. Nachdem im vorhergehen- 

den Abschnitt die Vor- und Nachteile der Anoden- 
gleichrichtung auseinandergesetzt wurden, wird das 

Audion als die wichtigste Gleichrichterschaltung ein- 

geführt, das als eine Verbindung von Gleichrichter 

und Niederfrequenz-Verstärker aufzufassen ist. Bei. 

Behandlung der Gitterseite wird der Einfluß vom 

schlechten Vakuum auf den Ruhepunkt besprochen, 


u 


strömen im Anlaufstromgebiet besonders günstig für 
die Audionschaltung sind. Auf der Anodenseite ergibt ! 
sich, daß gute Audiongleichrichtung und hohe Ent- 
dämpfung durch Rückkopplung sich gut miteinander 
vereinigen lassen. $ 35 zieht dann den Vergleich 
zwischen Gitter- und Anodengleichrichtung. $ 36 gibt 
die experimentellen Bestätigungen. 

Der Verfasser führt die verwickeltsten Erschei- 
nungen in recht eleganter Weise auf ihre Ursachen 
zurück, wobei er sich der Mathematik nur so weit als 
nötig bedient. Bei der theoretischen Behandlung bleib: 
die Verbindung mit dem Experiment immer gewahrt 
Für besonders vorteilhaft halte ich es, daß die ge- 
wonnenen Resultate sofort in leicht verständlichen. | 
durch den Druck besonders hervorgehobenen Sätzen | 
festgehalten werden. Dadurch wird das Lesen des | 
Buches leichter, denn die Übersichtlichkeit hat sehr | 
gewonnen. Auch dem Mann der Praxis wird dies |} 
Hervorhebung des Inhalts in Form von „Lehrsätzen” | 
sehr willkommen sein, denn er liest sofort, worauf es 
ankommt. Ich zitiere hierfür folgenden Satz: „Bei 
Hochfrequenz-Telephonie-Empfängern darf das Pro- 
dukt d./r(d— Dekrement) eines Schwingungskreise | 
nicht unter den Betrag von 10000 sinken, wenn eine | 
Verzerrung der Sprache vermieden werden soll‘: 
Eine Kurvenschar zeigt hierzu die Abhängigkeit def 
Niederfrequenzverzerrung von der Dämpfung eine 
Hochfrequenzkreises. Außer dieser Hervorhebung der | 
Resultate durch Lehrsätze wird am Schluß eines jeden 


Unterabschnittes noch eine Zusammenfassung seiner 
Ergebnisse vorgenommen, was ebenfalls sehr zu be 
grüßen ist. — Druck und Ausstattung des Buches 
ist gut. 

Es wird wohl kaum nötig sein, dem Buch an diese! 
Stelle noch besonders recht große Verbreitung 2! 


wünschen. A. Scheibe. 


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I September 1929 


Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie 
und Telephonie 


f vitser iir Hochireguonztechnik 


pm UOOA ONAT 


Gegründet 1907 


Unter Mitarbeit 
von 


Dr. h-c. Graf v. Arco (Berlin), Dr. L. W. Austin (Washington), Postrat Dr. F. Banneitz 
(Berlin), Prof. Dr. H. Barkhausen (Dresden), Dr. W. Burstyn (Berlin), Prof, Dr. A. Esau 
(Jena), Prof. Dr. H. Faßbender (Berlin), Dr. L. de Forest (New-York), Prof. Dr. F. Kiebitz 


i AASS j Veh TE et SR 
Län da af an dl Be nn A be E LT 22a PER) 


f (Berlin), Postrat Prof.Dr. G. Leithäuser (Berlin), Dr. S. Loewe (Berlin), Dr. C. Lübben (Berlin), 4 
< Dr. E. Lübcke (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. A. Meissner (Berlin), Prof. Dr. H. G. Möller = 
I (Hamburg), Dr. E.Nesper (Berlin), Dr. B. van der Pol jr. (Eindhoven), Ingenieur Dr. V.Poulsen j: 
| (Kopenhagen), Prof. Dr. L. Pungs (Braunschweig), Dipl.-Ing. B. Rosenbaum (Berlin), 
I Dr. K. Rottgardt (Berlin), Prof. Dr. H. Rukop (Köln), Dr. A. Scheibe (Charlottenburg), | 
E Oberingenieur O. Scheller (Berlin), Prof. Dr. W. Schottky (Berlin), Prof. Dr. A, Sommerfeld > 
-1 Va (München), Dr, F. Trendelenburg (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. M. Wien (Jena), 
= Prof. Dr. H. Wigge (Köthen-Anh.) A 
R herausgegeben von 

E T 
H Professor Dr. Dr. ing.E. h. J. Zenneck una Privatdozent Dr. E. Mauz 


Schriftleitung: Dr. E. Mauz a 


4 ZR | r 
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Monatlich erscheint ein Heft. Abonnementspreis des Bandes (!/, Jahr) RM. 20.—, Preis des 
einzelnen Heftes RM. 3.50. Alle Buchhandlungen sowie die Verlagsbuchhandlung nehmen Be- 
stellungen an. Inserate werden mit RM. —.15 pro mm Höhe und 41mm Breite berechnet. 


Bei Wiederholung Ermäßigung. 2 
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Heft 3 


bar bis 300 Amp. 


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Gesellschaft für drahtlose Telesrasnıa Mm. b. H. 


Berlin, Hallesches Ufer 12- 


liefert alle für drahtlose Telegraphie und Telephonie ee = 
erforderlichen Geräte entsprechend dem neuesten Stand der Technik 2 


Fe 
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Vollständige Sende- und Empfanssanlagen x > 


jeder Reichweite für den Nachrichten- und Sicherungsdienst 
js 
im Land-, See- und Luftverkehr p- pe 


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£ unkpeilanlagen und avigationssen er 
_ > é 


p m - 
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2 
Rundfunksender jeder Leistung Sur 
- 
oe om g = =æ re w 
Sende=, Verstärker- und Gleichrichter-Röhren 


H&B 


HOCHFREQUENZ 
MESSGERAÄTE 


Hiband-Amperemeter für Antennenströme bauen 
wir in einer bewährten Sonderausführung: auf einem 
Kreiszylinder sind Platiniridium - Bänder als Hit;- 
bänder angeordnet. Die Bänder dehnen sich durch 
die vom Mebstrom erzeugte Wärme, — die An- 
derungen der Bandlänge werden durch den Spann- 
faden auf den Zeiger übertragen. Dies einzigartige 
Gerät gibt peinlich genau Anzeige — ist verwend- 


HARTMAN 


A-G 


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. steht, ist bereits bekannt’). 


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3 


Jand 34 


September 1929 


Heft 3 


: Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie 


Zeitschrilt Iir hochireguenziechnik 


Seite Seite 

Wilhelm Janovsky: Rn a durch Eisenwandler. S. Chapmann (J. Zenneck): Ueber den Ursprung des Nordlichtes 112 
(Mit 20 Bildern im Text) . 8sı |J. 1: Jakosky (J. Zenneck): Elektrische Bodenuntersuch une T 112 

M. Osnos u. F. Sammer: Eisenverluste von Frequenz-Transforma- J. H. Service (E. Lübcke): Radioakustische Ortung in der ydro- 
toren. (Mit 8 Bildern im Text) 87 graphie. Mit 3 Bildern im Text) . 112 

Manfred von Ardenne und Kurt Schlesinger: Amplituden- H. Yagi (J. Zenneck): Strahlsender (Beam) mit extrem kurzen 
abhängigkeit der dynamischen Steilheit beim Rıchtverstärker. Wellen. (Mit einem Bilde im Text) 114 
(Mit 4 Bildern im Text) . 9 B. van der Pol (J. Zenneck): D.e Wirkung der Rückkopplung im 

J. Fuchs: Die Sende- und Empfangsverhältnisse im Hochgebirge Empfänger auf die Zeichenstärke. (Mit 2 Bildern im Text) .114 
mit besonderer Bene ICHURUNg der BUNOSDISNSChEN Störungen. S. Harris q: Zenneck): Wirkung der Antenne auf die Abstimmung 
(Mit 5 Bildern im Text) : ? . 9% von Empfängern und ihre Berücksichtigung. (Mit 2 Bildern im Text) 115 

Carl Lübben: Patentschau, (Mit 13 Bildern im Text) . 102 | S.W. Edwards und J. E. Brown (J Pennech]; Die Zuteilung 

Referate: der Leistung an Rundfunksender Dach Feldstärken . . 115 

H. T. Friis (J. Zenneck): Oszillographische Beobachtung der Fort- C. M. Jansky jun (J. Zenneck): Studien über Rundfunkverhältnisse 
pflanzungsrichtung und der Schwunderscheinungen bei kurzen im Mittelwesten. (Mit einem Bilde im Text) 116 
Wellen. (Mit 3 Bildern im Text) 105 | H. M. O’Neill()J. Zenneck): Eigenschaften der Rundfunk-Antennen 

E. V. Appleton (E. Lübke): Die Untersuchung ‘der Schwund- in der Versuchsstation Süd-Schenectady. (Mit 3 Bildern im Text) 116 
erscheinung. (Mit 2 Bildern im Text) . .106 | A.F.van Dyck undE.T.Dickey (].Zenneck): Methoden zur quan- 

R. C. Colwell (J. Zenneck): Schwunderscheinungen längs eines titativen Prüfung von Rundfunkempfängern. (Mit 1 Bild im Text) 117 
Meridians. (Mit einem Bıld im Text) . 107 | G. B. Crouse (J. Zenneckı: Die Entwicklung eines Netzanschluß- 

G. Breit, M. A. Tuve und O. Dahl (jJ. Zenneck): Wirksame gerätes für undfunk. (Mit 2 Bildern im Text) . 118 
Höhe der Kennelly-Heaviside-Schicht im Dezember 1927 und W. J. Kimmell (J. Zenneck): Ursachen und Verhinderung des 
anuar 1928 . 108 Brummens bei Empfängerröhren mit Wechselstromheizung 118 

R. Gunn (). Zenneck): "Die diamagnetische Schicht der Atmosphäre S. Ballantine (j|. Zenneck): Der Einfluß der Beugung um ein 
und ilıre Beziehung zu aen täglichen Aenderungen des Erdmag- Mikrophon bei Schallmessungen. (Mit einem Bild im Text) . 119 
netismus 108 R. B. Lindsay (J. Zenneck): Schallstrahlung einer Membran bei 

J. R. Carson (j. Zenneck): "Die Schwächung der Wirkung atmo- hoher Frequenz . 119 
sphärischer Störungen ; . 108 | A B. Bryan und J. C. Sanders g. Zenneck): Die Dielektrizitäts- 

A. H. Taylor und L. C. Young UV. Zenneck): Studien über die konstante der Luft bei Hochfr. quenz . . 119 
Ausbreitung von Wellen hoher Frequenz. (Mit einem Bild im Text) 109 | G. R. Wait, F.G.Brickwedde und E. L. Hall ( , Zenneck): 

L. W. Austin (J. Zenneck): Empfangsmessungen an Langwellen- Elektrischer Widerstand und magnetische Permea ilität von Ei- 
stationen im Bureau of Standards während des Jahres 1927. sendraht bei Hochfrequenz . . 120 
(Mit einem Bilde im Text) ; 110 , Erich Habann (E. Mauz): Der Kupferjodürdetektor. (Mit einem 

J. B. Hoag(J. Zenneck): Eine Untersuchung über Mehrfachzeichen. Bilde im = 120 
Bar einem Bilde im Text) 111 A. Crossley un R. M. Pag € (J. "Zenneck): Eine neue Methode 

B. F. Schonland ()J. Zenneck): "Die Polarität von Gewitterwolken 111 zur Bestimmung des Wirkungsgrades von Röhrenanordnungen 120 


Manuskripte für das Jahrbuch, möglichst mit klischlerfähigen Figuren versehen, sind an die Schriftleltung Dr. E. Mauz, Frankfurta. M., Physikalisches 
Institut, Robert Mayerstr. 2, zu senden. Die Herren Autoren werden gebeten, eine kurze Zasammenfassung des wesentlichen Inhalts ihrer Arbeit jedem Manuskript beizufügen 


Abonnements und Inserate sind zu richten an M. Krayn, Verlagsbuchhandiung Berlin W 10, Genthiner Straße 39, Postscheck-Konto Berlin 32647. 


Frequenzerniedrigung durch Eisenwandler'. 


Von Wilhelm Janovsky. 
Mitteilung aus dem Institut für Schwachstromtechnik der Technischen Hochschule in Dresden. 


Uebersicht. 


Daß die Möglichkeit einer Frequenzerniedrigung 
mit Hilfe von Spulen mit gesättigtem Eisenkern be- 
Im folgenden werden die 
Ergebnisse von Versuchen mitgeteilt, bei denen mit 
einem für die Frequenzvervielfachung bestimmten 
Wandler eine Frequenzerniedrigung erreicht wurde. 
Es wird gezeigt, daß die von Kramar?) für die 
Vervielfachung ausgearbeitete überaus anschauliche 
Betrachtungsweise des Wandlers als eines Schalters 
auch auf die Frequenzerniedrigung ausgedehnt wer- 
den kann. 


Bezeichnungen. 


p, © Momentanwerte der Spannung und des Stromes 
P,S Amplitudenwerte der Spannung u. des Stromes 


L Induktivität R Widerstand 
C  Xapazität N Leistung 
p Fluß n Windungszahl 


1) Im Auszug vorgetragen auf der Tagung des Gauvereines 


Thüringen-Sachsen-Schlesien der Physikalischen Gesellschaft in 


Halle, am 7. Januar 1928. 
2) K. Heegner, Zeitschr. f. Phys. 29, S. 91, 1924. 
J. Fallou, Revue Générale de l’Electricite. 19, S. 987, 1926. 
3) E. Kramar, Jahrb. d. drahtl. Telegr. 32, S. 10, 1928. 


Indices: 

I, II I den Primärkreis, II den Sekundärkreis, 

W den Wandler betreffend, 

a, e a den Beginn, e das Ende der Stoßzeit betr. 


Schaltung und Wirkungsweise des Wandlers. 


Die Schaltung (Bild 1) zeigt den von der Frequenz- 
vervielfachung her bekannten Aufbau; zwei Schwin- 
gungskreise sind durch den Wandler W miteinander 
gekoppelt. Als Wandler diente die gleiche Eisen- 
drossel, welche bereits von Kramar für seine 
Untersuchungen?) benutzt wurde. 

Da der Eisenkern des Wandlers hoch gesättigt 
wird, ist die Dauer der Ummagnetisierung desselben 
Ts kurz gegen Tu/2. Während der Ummagnetisie- 


rung erreicht die momentane Induktivität des Wand- 
AD 
lers n- PA ihr Maximum La, in der übrigen Zeit bei 


gesättigtem Kern ist sie nur von der Streuinduktivität 
der Wicklung Lsı abhängig. Als Voraussetzung für 
die vereinfachte Betrachtungsweise des Wandlers ist 
nötig, daß 

Lu > Li und Ly 

Usir — La und Ly 


8 


Diese Bedingung ist gegeben, wie ein Vergleich 
folgender Größen zeigt: 
Lu»25-10-3 Hy, Lı =1,6-10 Hy 
Lir ~ 0,1-.10=? Hy, Lu = 0,72. 10— Hy. 


Bei Annahme einer vereinfachten Magnetisierungs- 
kurve kann der Wandler mit einem während der 
Dauer der Ummagnetisierung geöffnetem, während 
der Sättigung dagegen geschlossenem Schalter ver- 
glichen werden. Es lassen sich dann zwei Zeiten 
unterscheiden. 

Während der Stoßzeit — „Schalter geöffnet“ — 
sind die beiden Kreise zu einem einzigen Schwin- 
gungskreis vereinigt. Hierbei findet in Form einer 
oszillierenden Kondensator-Ent- bzw. -Aufladung ein 
Energieaustausch zwischen den beiden Kreisen statt. 
Die Dauer der Stoßzeit hängt von den Anfangs- 
bedingungen und der Beschaffenheit des Wandlers 
ab; der Beginn fällt zeitlich mit dem Nulldurchgang 
des Wandlerstromes zusammen. 


Bild 1. Schaltung. 
Lı = 1,6-10-3 Hy; Cı = 0,30 x F; Rı = 0,7 Ohm; 
fi = 6000 Hz 
Sekundärkreis: Lı = 0,72:10-3 Hy; Cııveränderl. Rıı= 0,5 Ohm; 


1t = 2000 Az 
Wandler: Smax = 8000 CGS; n = 50 Windungen; Rw = 0,2 Ohm. 


Während der Ausschwingzeit — „Schalter ge- 
schlossen“ — überlagern sich Primär- und Sekundär- 
strom im widerstandslosen Wandler ohne Energie- 
austausch. Die Frequenz des Sekundärstromes hängt 
während dieser Zeit lediglich von der Abstimmung 
des Sekundärkreises ab. Damit ein Dauerzustand 
zustande kommt, muß die während der Stoßzeit an 
den Sekundärkreis übertragene Energie während der 
Ausschwingzeit in diesem verbraucht werden‘). 

Gemäß der Festlegung der Stromrichtungen in 
Bild 1 ist der Wandlerstrom die Summe aus dem 
primären und sekundären Strom. Der Beginn der 
Stoßzeit ist somit auch von dem Sekundärstrom und 
seiner Phasenverschiebung zu dem primären ab- 
hängig. Soll der Wandler während einer Periode 
der tieferen, bei einer Erniedrigung also der sekun- 
dären Frequenz nur zweimal ummagnetisiert werden, 
dann darf je nach der Phasenverschiebung der beiden 
Ströme zueinander n nicht unter einen bestimmten 
Mindestwert sinken; bei einer Erniedrigung auf Fı/3 
muß nach Bild 2a, b 


a) Zu >9ı b) Iun> Fi werden. 


Primärkreis: 


Wird in diesen beiden Stoßzeiten eine so große 
Energie auf den Sekundärkreis übertragen, daß sich 


1) Näheres über die Grundlagen dieser vereinfachten Lösung 
siehe die oben erwähnte Arbeit von Kramar. 


Wilhelm Janovsky: 


in diesem ein den obigen Bedingungen entsprechender 


Strom ausbilden kann, dann ist ein Dauerzustand £ 


möglich. Zu 


Vergleich von Rechnung’) und Oszillogramm?). | 
Versuchsergebnisse. | 


l. StoBzeit. iw << i und či; iw =O gesetzt, 
d. h. Wandlerkreis scheinbar unterbrochen. Der Ver- 
lauf der Stoßzeitschwingung ist dann durch den |! 
Strom i = -în =—iı und die beiden Kondensator- 
spannungen pe und Pen gegeben: 


i—=Jsin(wst+ a); pa = Pa cos (ws t+ a) + Pe; 
Pell = — Pon cos (Ws t—- a)—+ Pe 


/ 


Hierin ist: 
ge ae nr 
7 V (Li+ Lu) Ck er (Pela — Pella) Ds Cr 


A Cii Pella —- Ci Pela \ 
nn 3 


g= Vie [(Peia — Pela) ws Cr]? , 


G= Cı Cu 


en Ci, da Cu > Ci ist. 


Bild 2. 
Einfluß einer Phasenverschiebung zwischen ¿iz und izfr auf Jil ' 


unter der Voraussetzung, daß iw =i7-Hi1r in der Zeit 71 nur ı 


zweimal Null werden-darf. 


e 
fläche“ F= f Pu dt = 2- Dax: n- 10-8 Volt sec. 
ta 


konstant und unabhängig vom Strom. Bei bekanntem 
zeitlichen Verlauf der Wandlerspannung und bekann- 
tem max kann daher die Stoßdauer T, — t, — fa et- 
ermittelt werden; wie aus der Schaltung hervorgeht, 
ist: 


Pw = pu + Pen = (Bar — Ben) cos (ws t-a) Pe somit 


Bei starker Sättigung des Wandlers ist die „Stoß- 
W Pe l l l 
e == Paga T Ts+ sin (ws T, -— a)— sina 

SP 


Aus dieser Beziehung kann Ts graphisch leicht er- . 
mittelt werden (Bild 3). \ 


5) Die Berechnung ist im wesentlichen die gleiche wie bei 
Kramar. 

6) Die Auflösung der mit dem Braun’schen Rohr aut- 
genommenen Öscillogramme in den Strom-Zeit bzw. Sparnungs- 
Zeit-Maßstab erfolgte aus je zwei um etwa 90° gegeneinander 


phasenverschobenen Aufnahmen, um eine möglichst große Ge- | | 


nauigkeit zu erzielen. Die Wandlerspannung wurde bei Fi 
ll u. 16 mit einer Hilfswicklung von 35 Wdg., bei Fig. 17 nit 
einer solchen von 200 Wdg. aufgenommen; aus letzterem wurde 
der Wandlerspannungsverlauf für die Zeit zwischen zwei Span- 
nungsspitzen ermittelt. Die Eichung wurde durch einen auf das 
Braun’sche Rohr aufgebrachten und bei den Aufnahmen mit 
photographiertem Maßstab erheblich erleichtert. 


g. 10, 


` 


Frequenzerniedrigung durch Eisenwandler. 83 


Die Endwerte zur Zeit te: ie Pete und Pete geben 
gleichzeitig die Anfangsbedingungen für die sich an- 


schließende Ausschwingzeit. 


V -=p 


N 
Rn 


í Bild 4. 
| Graphische Ermittlung der Stoßzeitsch wingung. 


. 2 Ausschwingzeit. Lo = Lsr~ 0, d. h. 
„Wandlerkreis scheinbar kurz geschlossen. Im Sekun- 
“därkreis setzt eine freie Schwingung inf, pouf von 
‘der Eigenfrequenz des Kreises: 


1. 
V (Lu F Li) Cu 


„` 
I 


wif — 


VTA 


100 200 
Bild 5. 


Graphische Ermittlung des Strom- und Spannungsverlaufes 
während der Ausschwingzeit im Primärkreis. 


Osee 


4 


‘ 


Berechneter Verlauf von Strom und Spannung; (vergl. Bild 12). 


200 30.0 ree 
Bild 6. 


ein; sie muß den Anfangs- und Endbedingungen ge- 
nügen: 


ae re N be dr Die 
= le: uf = te; t= g ty ta 
Pelf — Pelle ; Palf — —— Pella. 


Aus dem ersten Maximum der Kondensatorspannung 
nach dem Stoß Peus und dem letzten vor dem Stoß 


84 Wilhelm Janovsky: 


Kummer: Bild 7. 


sin œit 


sin wI t 


Pwi Pw À 


| ER 
> Bild 10, Bild 11. 


sin wj t ¿il 


iwi 


Famm Bild 13. Baun Bild 14. > Bild 15. 
sin wr t sin oıt sin œw t 


Pw 


pw 


> Bild 16. > Bild 17. 
iil sin œl t i 


—_ 


— en a G e) T 


Für CGı=5,lufF, ta = + ita = — ita = 0 
Pella = 170 Volt; Pea = 750 Volt’) 
zeigt Bild 4 den Verlauf der Stoßzeitschwingung, 
3ild 5 die Ermittlung‘ des Strom- und Spannungs- 
Herta im Primärkreis und Bild 6 den gesamten 
Per kann angenähert die übertragene Leistung be- 
rechnet werden: No fu: Cu (Pens — Benz) 


Im Primärkreis kommt zu der freien Schwingung 
1 


VLC 
en Generator erzwungene fer Per, deren Größe von 


qo der Eigenfrequenz. wis = noch eine durch 
À | 
\ 


i l . i l . . 
Jr Lı — —— und der Maschinenspannung abhängt. 
Aoo a 


> 
v A. f l 4 N 
\ Ar ! \ 
soo | \ l \ un 
\ ! \ / 


| 700 WU see; 
5 | Bild 12. 

” Aus den Oscillogrammen (Fig. 7—11) ermittelter Strom- und 
Spannungsverlauf; (vergl. Fig. 6). 


Zusammen müssen sie die Anfangs- und End- 
bedingungen erfüllen: 


! Tu ; ; , 
ti =%: tr F iif = — ie; Im e ier F ip = + ia 
Peer F Paf = Pele; Pcer -+ Pef = — Pela 


Im folgenden sollen zwei Fälle von Frequenz- 
erniedrigung auf fu = fı/3 näher untersucht werden. 
Vorgang. Die an den Sekundärkreis abgegebene 
Leistung beträgt N ~ 80 Watt. ; | 

Die angenommenen Anfangsbedingungen ent- 
sprechen etwa den Oszillogrammen Bild 7—-11; aus 


7) In der Berechnung muß noch die Maschinenspannung pM 
berücksichtigt werden; es wurde daher an Stelle von pcela mit 
Pla = Pcla—pM gerechnet. 


Frequenzerniedrigung durch: Eisenwandler. 85 


d 
j 
A 4 
1 
r gr: 
0 wo &0 WU See 


- Bild 18. 


Aus den Oscillogrammen (Bild 13—17) ermittelter Strom- und 
Spannungsverlauf; (vergl. Bild 20). 


%00 N 
N- 
a, a \ 
BE N er 
» UR]. 
ir VID, 
a ; DREI" 
Br u 9 $0 2 . 4 H | 100 
4 et 
a l e 
Bild 19. 


Graphische Ermittlung der Stoßzeitschwingung,. 


diesen Oszillogrammen wurde Bild 12 konstruiert. 
Ein Vergleich von Bild 6 und Bild 12 sowie die fol- 
genden Werte zeigen eine gute Uebereinstimmung 
von Rechnung und Oszillogrammen. 


j | berechn. | Versuch 


28 25 
15 17 
190 | 200 


Die Oszilogramme (Bild 13—17) wurden bei 
Cu= 29u F aufgenommen. Aus ihnen wurde Bild 18 


Wilhelm Janovsky: Freduenzerniedrigung durch Eisenwandler. 


ermittelt. Andererseits wurde rein theoretisch für die 
gleiche Abstimmung und die dem Versuch ent- 
nommenen Werte: fa = + ila = — ila = — 3 Amp. 
Pella ~ 80 Volt; Pela = 650 Volt 
in Bild 19 wiederum der Verlauf der Stoßzeit- 
schwingung ermittelt. Nur während der Zeit təè— te 
wird Energie an den Sekundärkreis abgegeben, wäh- 
rend der Zeit ta — is liefert dieser seinerseits Energie 
an den primären Kreis zurück. Die während der 
Dauer der freien Schwingung im Sekundärkreis ver- 
brauchte Leistung ist wesentlich kleiner geworden 
und beträgt nur noch N ~ 40 Watt. Bild 20 zeigt den 


200 0.0 "sec 


Bild 20. 
Berechneter Verlauf von Strom und Spannung; (vergl. Bild 18) 


gesamten Vorgang. Ein Vergleich mit Bild 18 läßt 
eine noch bessere Uebereinstimmung als im ersten 
Fall erkennen. 


| | berechn. | Versuch 


Aus der Berechnung ergibt sich für die Wandler- 
spannung in beiden Fällen ein etwas von dem tat- 
sächlich beobachteten abweichender Verlauf. Diese 
Abweichung wurde bereits von Kramar?) fest- 
gestellt und in einer dürch die Spulenkapazität bei 
Beginn des Stoßes hervorgerufenen zusätzlichen 
Schwingung begründet gefunden. 

Bei den Versuchen wurde festgestellt, daß der 
Sekundärkondensator nur in den Grenzen Cn = 5,3 — 
2,0 u F geändert werden durfte, wenn ein Dauerzustand 
fa — fı/3 bestehen bleiben sollte; sowohl bei weiterer 
Vergrößerung als auch Verkleinerung stellte sich 


schlossenem Schalter S an die Maschine gelegt. 


sprunghaft ein Zustand fu—=/ı ein. Da bei Aende 
rungen in den oben angegebenen Grenzen immer 
C> Cı bleibt, wird mit Cu nur die Frequenz der 
freien Schwingung im Sekundärkreis, nicht aber: die 


der Stoßzeitschwingung?) verändert; es verschiebt 
sich also im wesentlichen nur der Zeitpunkt des‘ 
Stoßeinsatzes. Bei Bild 12 beginnt der Stoß bei 


ô ~ 200°, also bereits in der negativen Halbwelle des 
Primärstromes, bei Bild 18 dagegen noch in der posi- 
tiven bei öw 160°. Für die beiden oben erwähnten 
Grenzfälle ist 6 »230° bzw. ô œ 140". 


Der Grund dafür, daß die Stoßzeit 
früher als 6» 140° gelegt werden darf, 
von Bild 19 leicht zu erkennen; es würde dann in der 
Zeit von a — tè mehr Energie von dem 
kreis zurückgegeben werden, als während der Zeit 
von u —t. auf ihn übertragen wird. Bei ô 240 
kehrt der 
schon kurz nach dem Stoß seine Richtung um. Da- 
durch sind die Anfangsbedingungen für einen zweiten 
Stoß erreicht. Uebereinstimmend mit Kramar 


nicht noch 


ist an Mandl]; 


Sekundär- {| 


theoretische Wandlerstrom tw = i -+ în! 


konnte auch für die Erniedrigung kein derartiger Fall- 


beobachtet werden, sondern es stellte sich 
sprunghaft fu =/fi ein. 

Während für den Dauerzustand somit eine weit- 
gehende Übereinstimmung mit der Frequenzverviel- 
fachung bei schwach gedämpftem Sekundärkreis fest- 
gestellt werden konnte, besteht ein 
Unterschied darin, daß bei 


wesentlicher 
der Frequenzerhöllung 


immer 


durch die Eisensättigung die sekundäre Frequenz von 


selbst als höhere Oberschwingung entsteht. Bei der 
Frequenzerniedrigung ist aber bei abgeschaltetem 
Sekundärkreis die sekundäre Frequenz zunächst gar- 
nicht in der Wandlerspannung enthalten. Erst durch 
die große Rückwirkung des Sekundärkreises auf den 
Wandler muß erreicht werden, daß die Grundfre- 
quenz der Wandlerspannung gleich der sekundären, 
die Frequenz einer Oberschwingung aber gleich der 
primären, d. h. gleich der von außen aufgedrückten 
Maschinenfrequenz, wird. Aus der Notwendigkeit 
dieser Rückwirkung ergibt sich, daß die Frequenz- 
erniedrigung nicht so ohne weiteres von selbst ein- 
tritt und das Einleiten eines Dauerzustandes beson- 
derer Maßnahmen bedarf. 

Bei den Versuchen wurde derart vorgegangen, 
daß zunächst der Primärkreis allein an die Maschine 
gelegt und erst dann der Schalter S (Bild 
schlossen wurde. Durch diesen Schaltvorgang wird, 
wie bekannt, im Sekundärkreis eine freie abklingende 

l 


V Lu Cu 
diese in der richtigen Phase und Größe ein, bedingt 
durch den Zeitpunkt des Schaltens, so kann hierdurch 
der in Bild 18 dargestellte Dauerzustand eingeleitet 
werden. Wird dagegen der Primärkreis bei ge- 
dann 
wird fi = fi, in~ ñ und iw œ 0, da der Widerstand des 
Sekundärkreises für die Primärfrequenz klein ist 
gegenüber dem des Wandlers im Gebiet der Um- 


Schwingung von der Frequenz - erregt: 


magnetisierung; letzterer wird nicht mehr gesättigt 


und die Wandlerspannung zeigt angenähert 


förmigen Verlauf. 


sinus- 


8) Als günstig erwies sich ws œ wl; 


im vorliegenden Fall 
war wI = 37700, ws = 37 800. 


1) ge- ' 


setzt | 


m 


Zu erwähnen wäre noch, daß für den Fall einer 
.Jleichstromvormagnetisierung auch fu = fı/2 erreicht 
wurde. Dagegen konnte fu=fi/ö nicht mehr erzielt 
werden, was darauf zurückzuführen sein dürfte, daß 
:lie während der Stoßzeit übertragene Energie zu 
-xlein war, um im Sekundärkreis einen so großen 
-Strom von der Frequenz/u=:fi/öaufrecht zu halten, 
‘daB der Wandler in der Zeit 5.7Tı nur zweimal um- 
-inagnetisiert wird. 


| Zum Schluß sei noch auf einen von Kramar bei 

ganz geringer Dämpfung beobachteten Fall’) hin- 
gewiesen, bei dem im wesentlichen eine Versechs- 
fachung der Frequenz eintrat, der gesamte Vorgang 
‘sich aber nicht nach Ablauf einer vollen Periode, 
sondern erst nach zwei Perioden genau wiederholte. 
Dieser Sonderiall stellt bis zu einem gewissen Grade 
auch eine Art Erniedrigung auf fı/2 dar. 


M. Osnos: Eisenverluste von Frequenz-Transformatoren. 87 


Ich möchte nicht versäumen, auch an dieser Stelle 
Herrn Professor Barkhausen für wertvolle An- 
regungen zu danken. 


Zusammenfassung. 


Mit Hilfe des Braunschen Rohres werden die 
bei einer Frequenzerniedrigung auf Y, der Maschinen- 
frequenz auftretenden Erscheinungen näher unter- 
sucht. Unter der Annahme, daß der hochgesättigte 
Wandler wie ein Schalter wirkt, können die Vor- 
gänge auch rechnerisch verfolgt werden, wobei siclı 
eine gute Uebereinstimmung mit den Versuchen 
zeigt. Die Einleitung eines Dauerzustandes bedarf im 
Gegensatz zur Frequenzvervieliachung besonderer 
Maßnahmen. Für den Dauerzustand selbst dagegen 
liegen ähnliche Verhältnisse wie bei der Verviel- 
fachung vor. 


(Eingegangen am 4. Mai 1929.) 


Eisenverluste von Frequenz-Transformatoren. 
Von M. Osnos, 
Mitteilungen aus dem Telefunken-Laboratorium. 


Inhaltsübersicht: 


l. Betrachtungen über zweckmäßige Grundlagen 
für die Beurteilung der Eisenverluste von stark- 
gesättigten Hochfrequenzblechen. 


2. Versuche. 
Ziel und Zweck der Versuche, untersuchtes 
Material und Versuchsmethode. 
Schaltung. 
Ergebnisse bei Leerlauf. 
Ergebnisse bei Belastung. 


3. Zusammenfassung. 


Vor einigen Jahren wurde dem Telefunken- 
Laboratorium die Aufgabe gestellt, die Eisenverluste 
von Hochfrequenzblechen verschiedener Dicke und 
Sorte für die Zwecke des Maschinensenders zu be- 
stimmen. 

Obwohl nun die Maschinensender nicht melır ganz 
modern sind, so dürften dennoch die Ergebnisse, zu 
-denen wir gekommen sind, wegen ihrer prinzipieller 

Bedeutung von Interesse sein. Es ergab sich nämlich, 
daß die Eisenverluste bei Hochfrequenz-Transfor- 
_ matoren von einem ganz anderen Standpunkte aus 
als bei gewöhnlichen Transformatoren beurteilt 
werden müssen. 

Bei gewöhnlichen Transformatoren geht man bei 
den Eisenverlustuntersuchungen von der magneti- 
schen Induktion B und der Periodenzahl aus: Man 
fragt sich, wieviel Verluste hat das Eisen für ein 
Kilogramm bei gegebenem B und Periodenzahl. 
Diese Frage kann man dort stellen, weil die gewöhn- 
lichen Transformatoren im allgemeinen wenig ge- 
‚sättigt sind und somit bei sinusförmigem Magneti- 
 sierungsstrom auch die Induktion B sinusförmig und 
von derselben Periodenzahl wie der Strom ist. 

Bei den Frequenztransformatoren hat dagegen 
diese Frage keinen Sinn, weil infolge der starken 
magnetischen Sättigung, die sie zu ihrer Wirkung 


brauchen, im Eisen gleichzeitig mehrere In- 
duktionen von verschiedener Periodenzahl entstehen. 

Bei gewöhnlichen Transformatoren kann man fer- 
ner bei Beurteilung der Eisenverluste statt von der 
Induktion B auch von den Amperewindungen pro 
cm ausgehen. Bei Frequenztransformatoren kann 
man es nicht, weil bei diesen die Verluste nicht nur 
von der absoluten Größe des Stromes bzw. der Am- 
perewindungen abhängig sind, sondern auch von 
dessen Reinheit, d. h. davon, ob der Strom nur die 
Grundwelle oder auch mehr oder weniger Oberwellen 
enthält. 

Dieses ist aber (Bild 1 und 2) von der Größe der 
Abstimmittel, der sogenannten Sperre'), abhängig, die 


man in Reihe mit dem Frequenztransformato. 
schaltet, und die in der Praxis ganz verschieden 
sein kann. Denn die Sperre ist sowohl von der 


Schaltung des Frequenztransformators wie von der 
Leistung und der Größe der Vielfachung abhängig. 


Man könnte allerdings für die Versuchszwecke 
eine so große Sperre nehmen, daß der Magnetisie- 
rungsstrom nahezu ein reiner Sinusstrom wird. Diese 
Versuche hätten aber für die Praxis keinen Wert, 
weil für die Praxis weder große Sperren noch reine 


1) Unter Sperre kann man im allgemeinen verstehen eine 
Kombination von L und C, die so bemessen und angeordnet sind, 
daß sie den ungewünschten Wellen den Weg mehr oder weniger 
versperren, den gewünschten aber den Weg freihalten. 

In unserem Falle besteht die Kombination (Sperre) aus in 
Reihe geschalteten Z und C, die gemeinsam auf die Grundwelle 
abgestimmt sind. Sie läßt also die Grundwelle } im wesentlichen 
durch, während sie einer anderen Welle einen Blindwiderstand 


A= 
von der Größe X =r (1 — j bietet, wobei r =œ L =Induktanz., 


Je größer r desto größer X, man kann also von einer großen 
und kleinen Sperre sprechen, je nachdem ihr Z groß oder klein ist. 

Es sind aber auch andere Kombinationen von L und C möglich, 
die man als Sperre in unserem Sinne bezeichnen Kann, so vor 
allem die bekannte Zwischenkreisschaltung sowie die sogenannten 
Kettenleiter. 


$ 


88 


Magnetisierungsströme brauchbar sind, denn erstens 
verursacht eine große Sperre große Verluste und 
große Anschaffungskosten und zweitens ist es für den 
Wirkungsgrad des Transformators zweckmäßig, daß 
der Transformatorstrom mehrere Wellen bzw. 
Zwischenfrequenzen enthält. Ein künstlich zugestell- 
ter Sinusstrom im Transformator wäre also in allen 
Beziehungen schädlich, und man sucht daher in der 
Praxis die Sperre auf das unbedingt notwendige Maß 
zu reduzieren. 


mit Sperre 


ohne Sperre 


Bild 1. 
Schaltungen von Schwingungskreisen mit Eisendrosseln. 


Auch die Spannung (bzw. Spannung pro Windung) 
des Transformators schien zunächst keine richtige 
Grundlage für die Beurteilung der Eisenverluste zu 
geben, denn auch diese ist von der Größe der Sperre 
stark abhängig. 

Es war also zunächst schwer, eine brauchbare Be- 
ziehungsgröße für die Eisenverluste beim Frequenz- 
transformator zu finden. 

Zu einem befriedigenden 
schließlich folgender Gedanke. 


p EEE HE KEN BEN 7 
PERERA fi -I I 


Ergebnis führte mich 


oÁ s l e l 
nrama a 
7, BER BE RE DR RE ER ER RE RE RE RE 


on 2 2» ww 0 Q P 0 tfo 120. Aline 


2. 
Eisenverluste von Si-legiertem Blech bei » = 10 kHz. 


Ein Frequenztransformator ist desto besser, je 


Nutzleistung 


Transformator kVA 
ist. Sämtliche bekannte Schaltungen haben den 
Zweck, bei einer gegebenen Wellenreinheit dieses 
Verhältnis möglichst groB zu machen. Man kann also 
sagen, daß dieses Verhältnis ein Maß für die Güte 
eines Frequenztransformators bildet. Nun dachte ich 
Eisenverluste 
Transformator kVA 
bei Leerlauf des Transformators ein Maß für die Güte 
des Eisens geben könnte? Natürlich im umgekehrten 
Sinne, d. h. je kleiner das Verhältnis, desto besser 
das Eisen. 


größer das Verhältnis bei ihm 


mir, ob nicht auch das Verhältnis 


M. Osnos: Eisenverluste von Frequenz-Transformatoren. 


Auf Grund dieser Ueberlegung sind Versuche ge 


— 
p= 


ve 


macht worden, die zu einem überraschenden Erfolg i; 

geführt werden. 

Sie haben nämlich gezeigt (s. Bild 3 und 4), dal 
den für die Frequenzsteigerung in 


bei Betracht 


6&0 70 


Bild 3. 


rea S em) 


nn 20 30 


Bild 4. 
Prozentuale Eisenverluste von Si-legiertem Blech, 


kommenden Sättigungen das oben genannte 
Verhältnis 


y 
EJ 
als Funktion von AW/cm aufgetragen, fast unab- 


hängig von der Größe der Sperre, der 


Art der Schaltung, der Blechsorte und 
Dickeist. 


y 
Mi ee en u er 
Aa N a ER FE RZ 
Ri A vH 4:41 7. (Altes) — BEAT] 
7 | EJ IAaUA | | 
s| | ewoh HE a 2 year) 
24 | = | = | | | 
22 | | | 
20 | ie: | 
= | 
legiertes Bler | | | 
d- 00l. 
und - | 
neues | 1 
NE HF-Bre 
oo — 
8 — 
6 | 
4 
2 iv 
TREE EM MM 0 0 70 Teller 
Bild 5. 
Vergleich von verchiedenen Eisenblech-Sorten. 
Ferner haben sie gezeigt, daß diese Funktion 


von etwa 11 AW/cm an (ebenfalls für sämtliche 
untersuchten Blechsorten) eine fast reine leicht zu 
berechnende Hyperbel ist. 

Die verschiedenen Eisensorten haben verschiedene 
Hyperbeln ergeben. Aus dem Vergleich dieser 
Hyperbeln miteinander (s. Bild 5) kann man sich da- 
her ein Urteil über die verhältnismäßige Güte der 


l 


b 


| 


u nen Eee 


P A 


š | F. Sammer: Nähere Beschreibung der ausgeführten Versuche. 89 


‘rerschiedenen Eisensorten bilden: je niedriger die 
"Iyperbel liegt, desto besser ist die betreffende Eisen- 
sorte. 

` Aus dem Verlauf der Hyperbel kann man ferner 
'leren Konstante für jede Blechsorte berechnen. Be- 
quemer für die Berechnung ist jedoch, wenn man den 
reziproken Wert, d. h. 

v 

als Funktion von AW/cm aufträgt, wodurch die 
Hyperbeln in Gerade sich verwandeln (s. Bild 6), 
'deren Konstanten leichter zu berechnen sind. 


$ 397777897772 EEE A 
/ L 7 

FEEzZE>Zz222E 
A ca ee ae Fa Eee a er 
a Er er a A E 
EEA AEE 
fæ e] e] - 
BA ze er 
ER a a ar aa A 
AS 72 En BEE TER Je sa na ram en a HE 
: A D een Ei ae I U BE BEE EEE 
Kamen a [BE FE DEE IA a 

7 E 

W 20 30 0 50 60 70 oO HH WW IN 180 Alina: 


Bild 6. 
Prozentuale Schwingleistung verschiedener Eisensorten. 


Besonders interessant ist, daß man aus den 
‚Hyperbeln bzw. Geraden nicht nur einen Vergleich 
. zwischen verschiedenen Eisensorten führen kain, 
. sondern annähernd auch die absolute Größe 


NN a a a ~ 


A. Leerlaufiversuche. 


Ll Ziel und Zweck der Versuche war: 


1. Die Größe der zu erwartenden Eisenver- 
luste (in kW pro kg Eisen bei 10000 Pe- 
rioden Grundfrequenz) überhaupt fest- 
zustellen und 

2. unter 5 verschiedenen Eisensorten das ge- 
eignetste Eisen auszuwählen. 


II. Untersuchtes Material war 

a) sog. altes H.F.-Blech, aus einer älteren 
Lieferung stammend, Blechdicke ca. 0,09 
bis 0,10 mm, 

b) sog. neues H.F.-Blech, neue Lieferung, 
Dicke ca. 0,05—0,07 mm, 

c) Silicium-legiertes Blech, Dicke ca. 0,05 
bis 0,07 mm, 

d) sog. legiertes Blech, spez. Gewicht 7,3, 
Dicke ca. 0,015—0,022 mm, 

e) emaillierter Haardraht, Dicke ca. 0,05 mm. 


TEN ANNE IN NEN OA ORT NEN NE RN 


der Eisenverluste füreinen beliebigen 
Frequenztransformator, ohne sein 
Eisengewicht zu kennen, ' berechnen 
kann, wenn seine Nutzleistung und seine Grund- 
frequenz gegeben ist. 


Vorausgesetzt nämlich, daß die Schaltung und die 
Abstimmittel des Senders möglichst günstig gewählt 
sind, ist bei gegebener Grundfrequenz, Frequenz- 
steigerung und Wellenreinheit das Verhältnis 

Nutzleistung 
Transformator — E. J (bei Leerlauf) 

Die erfahrungsgemäß gefundene Konstante sei 
gleich K.. 

Andererseits sei der den Geraden in Bild 5 ent- 


= konstant. 


EI 2... 
nommene Wert von —- für eine gewisse Zahl von 


7 
AW/cm = K.. 
Demnach ist der absolute Wert der Eisenverluste 
_ Nutzleistung 
u Kı'Ka 


Die bisherigen Versuche sind allerdings bei Leer- 
lauf, d. h. ohne Nutzleistung ausgeführt worden. 
Fernere Versuche haben jedoch gezeigt, daß von g- 
bis 15-facher Frequenzsteigerung und richtiger Ab- 
stimmung des Senders die Eisenverluste bei Be- 
lastung sich nur um 15—30% von denen bei Leerlauf 
unterscheiden. 

Die Steigerung der Eisenverluste bei Belastung 
gegenüber Leerlauf ist also bei Frequenztransfor- 
matoren nicht ungünstiger als bei gewöhnlichen 
Transformatoren und kann daher mit angenäherter 
Sicherheit stets in Betracht gezogen werden. 

Sämtliche Versuche sind von Herrn Dr. Sammer 
ausgeführt worden, der anschließend sie näher be- 
schreibt. 


Nähere Beschreibung der ausgeführten Versuche. 


Von F. Sammer, Telefunken. 


II. Die Versuchsmethode war: 


eine kalorimetrische Methode (s. Bild 7), bei 
der jeder einzelne Meßpunkt unmittelbar mittels 
Gleichstrommessung nachkontrolliert wurde, und 
zwar derart, daß sich die Kontrollmessung und die 
ursprüngliche Messung in beiden Fällen im gleichen 
Temperaturintervall und bei annähernd gleicher Zeit- 
dauer vollzogen. Damit werden folgende Fehler- 
quellen eliminiert: 
Fehler infolge Wärmeverlusten, 
Fehler durch Aenderung der spez. Wärme des Oel- 
bades und Fehler durch Rührarbeit. 


Da sich außerdem die Wärmeentwicklung beim 
Hauptversuch in anderer Weise als beim Kontroll- 
versuch vollzieht, wurden die Temperaturen erst nach 
bestimmter Zeit nach dem Ausschalten abgelesen. 

Die vorhandenen Eisenproben gelangten haupt- 
sächlich in Form von Eisenringen von 90/70 mm oder 
70/554 mm Durchmesser und in einer: Gewichtsmenge 


90 F, Sammer: Nähere Beschreibung der ausgeführten Versuche. 


von 50—200 gr, je nach verfügbarer Menge zur Ver- 


wendung. Wicklung 40 Wdg. Hochfrequenzlitze 
3X3X45X0,10. 

Die Kupferverluste wurden gesondert mittels einer 
Vergleichsdrossel ohne Eisen bestimmt. Diese 


stimmen ziemlich mit den aus dem Gleichstromwider- 
stand errechneten überein. (Z. B. 0,0026 Q statt 
0,0025 Q.) 

Der mittlere Meßfehler ermittelte sich aus 3 Mes- 
sungen zu 1%. 


v% 


Aya Glaswolle 


Bild 7. Skizze des Kalorimeters. 


IV. Schaltung. 


Als Schaltung ist die bei Telefunken für Maschi- 
nensender gut bewährte Schaltung nach Bild 1 aus- 
geführt worden. (D.R.P. 457 533, 379 222 u. a. Tele- 
funken-Osnos.) Das Wesentliche derselben besteht 
darin, daß parallel zur Maschine eine Kapazität ge- 
schaltet ist. Dadurch wird die Maschine sowohl vom 
Blindstrom wie auch von Oberwellen wenigstens 
größtenteils entlastet. 


V.Ergebnisse. 


Die Untersuchung erstreckte sich auch auf den 
Einfluß der Schaltung auf die Verluste. Diese wurden 
untersucht bei großer Oberwellensperre im Primär- 
kreis und auf Vorschlag von Herrn Osnos auch bei 
kleiner Sperre. Dabei ergab sich, daß der absolute 
Betrag der Verluste unter sonst gleichen Verhält- 


m 
, gleiche Frequenz) sehr stark 


nissen (gleiche 


abhängig ist.von der Größe dieser Sperre (s. S. 87). 
Bei großer Sperre (Lsperre = 10-10° cm; Lemar = 
— 2-3.10° cm) erhält man nahezu sinusförmigen 
Strom und eine sehr durch ÖOberwellen verzerrte 
Spannung, während man bei kleiner Sperre nahezu 
sinusförmige Spannung und einen stark durch Ober- 
wellen verzerrten Strom erhält. 


Bei gleichen effektiven Mittelwerten der Magneti- 
sierungsströme nehmen im ersten Fall (welcher durch 
sinusförmigen Strom charakterisiert ist) die Fisen- 
verluste bedeutend höhere Werte an — wie Bild 2 
deutlich zeigt — trotzdem hier die Maximalamplitude 
des magnetisierenden Stromes und damit auch die 
maximale Sättigung des Eisens weit geringer ist als 
im zweiten Fall (sinusförmige Spannung). Im ersten 
Fall ist aber auch die schwingende Leistung am 
Eisenkern größer. Daher hat Herr Osnos vorge- 
schlagen, die Eisenverluste pro schwingender Leistung 
am Eisenkern anzugeben. Wie aus den Bildern 3 und 
4 hervorgeht, ist dieses Verhältnis schon bei mitt- 
leren Sättigungen annähernd, bei größeren Sättieun- 
gen ganz unabhängig von der Art der gewälilten 
Schaltung und nur eine Funktion der Amperewin- 
dungen pro cm. Wie die Bilder 4 und 5 zeigen, kann 


das Verhältnis = dargestellt werden durch die : 
Gleichung 

eJ/k VA — 0.29. A Wmax + 0,4 für altes H. F.-Blech 
vV (7 W ) zu cm und Haardraht von 0,05 mn |: 


| 
— 0,30 + 3 für legiertes H. F.-Blech 


= 0,805 - Hr für neues H. F.-Blech 

al 

V = Eisenverluste in kW. l 
e—Effektivwert der Spannung an der Eisenkern | 
spule. | 
J = Eifektivwert des Stromes. 
Wie ersichtlich, ist dasjenige Eisen von gröberer |. 


EJ 2 g a 
Güte, welches das größere y hat, was »iner grü- 1 


Beren Konstante e in dem Ausdruck i 


RT: 


— 1 
V cm + | 
gleichkommt. h 
| 
B. Belastung. I 
i 
Die Belastungsversuche wurden in gleicher ı, 


Weise wie die Leerlaufversuche unternommen. | 
Zugrunde liegt die Schaltung von Bild 8, wobei ı 

zu bemerken ist, daß die Sperre im Belastungskreis 

stets so groß war, daß praktisch nur die gewünschte 


Bild 8. 


das neue H.F.-Blech bei Verdreifachung und Vcr- 
fünfzehnfachung. - Folgende Tabelle - gibt Aufschlu 


Harmonische gemessen wurde. Untersucht wurde nur | 
über die gemessenen Resultate: | 
- 


y 

Jeff | soft v c Bemerkungen 
30 0,46 

50 0,38 || Verfünfzehnfachung 
60 0,37 bei einer Aiape 
70 0,35 = 1:5. 

60 0,35 |] Sperre 1:25) , ,., < 
60 0,345 1:3,6| zehnfachung 
30 0,40 | Sperre 1:1,5 Verdreifachung | 


Wie aus der Tabelle ersichtlich, schwanict die Koi- 
stante c in den Grenzen 0,46 und 0,345, während sich N! 
der aus den Leerlaufversuchen ermittelte Wert zu . 
0,405 ergibt. Der maximale prozentuale Fehler bei‘ 
trägt also etwa + 15%, so daß selbst bei den m ` 
übersichtlichsten Verhältnissen der Belastung mit \ 
irgendeiner Vervielfachung die aufgestellte Porme | 


‘ 
N 


Manfred von Ardenne und Kurt Schlesinger: Amplitudenabhängigkeit der dynamischen Steilheit beim Richtverstärker. 9] 


ec m nn nn nn ee nn nn m mn nn m Le nn nn mm ISOON 
-= e 


-hren Wert als Mittel zur Schätzung der Eisenverluste 
ür alle Fälle beibehält. 


Zusammenfassung. 
Es wurde die Aufgabe gestellt, die Eisenverluste 


-zon Hochfrequenzblechen verschiedener Sorten und 


Jicken zu bestimmen. 
| Anfänglich waren gewisse Schwierigkeiten zu 
iberwinden, da man nicht wußte, welche Bezugs- 
.ıröße als Basis zu nehmen ist. 

Während man nämlich bei Niederfrequenztrans- 
‘ormatoren als Bezugsgröße für die Eisenverluste die 
sinusförmige Induktion B oder die sinusförnige 
-AW/cm nehmen kann, ist es bei den Hochfrequenz- 
transformatoren unmöglich. Denn wegen der hohen 
Sättigung ist bei diesen sowohl die Induktion B wie 
auch der Magnetisierungsstrom melhırwellig, also keine 
eindeutige sinusförmige Größe, die man als Bezuzs- 
basis wählen könnte. Auch stelte sich heraus, daß die 
Verluste von der Größe der sogenannten Sperre und 
der Art der Schaltung abhängig sind, die noch gar 
nicht festliegen. 

Eingehende Ueberlegungen und praktische Unter- 
suchungen haben nun in überraschender Weise ge- 
zeigt, daß die Eisenverluste bei Hochfrequenztrans- 
formatoren einem ganz anderen als bei Niedcr- 
frequenztransformatoren, aber sehr einfachen Ge- 
setzen folgen. 

Es hat sich nämlich gezeigt, daß von einem ge- 
wissen Wert AW/cm (10—15) an das Verhältnis 


Eisenverluste Bu 
Transformator kVA 


in Abhängigkeit von AW/cm aufgetragen, praktisch 
nach einer Hyperbel verläuft, deren Konstanten 
leicht zu berechnen sind. 


Und dieses ganz unabhängig von der Art der 
Schaltung und der Größe der Sperre und angenähert 
unabhängig von der Belastung. 


Bekanntlich bezeichnet man mit dem Dämp- 
fungsfaktor einer Spule ganz allgemein das Ver- 
hältnis 

Verluste 


schwingende kVA 
der Spule. 

Das oben genannte Verhältnis ist also nichts 
anderes als der Dämpfungsfaktor eines Frequenz- 
transformators bzw. einer stark gesättigten Eisen- 
kern-Spule. 

Man kann also den Dämpfungsfaktor als ein nur 
vom Material und der Grundfrequenz abhängiges Maß 
für die Eisenverluste, mit den AW/cm als Basis, 
nehmen. Dies besagt, daß die GüteeinerEisen- 
kernspule genauso wie die einer eisen- 
losen durch die Größe ihres Dämp- 
fungsfaktors charakterisiert ist. Für 
den Vergleich aber von verschiedenen Eisensorten 
miteinander kann man sagen: je geringer der 
Dämpfungsfaktor der aus ihnen an- 
gefertigten Eisenspulen (bei gleichen 
AW/cm und gleicher Grundperiodenzahl, aber un- 
abhängig von deren sonstigen Dimensionen), desto 
besser ist das Eisen. 


(Eingegangen am 24. Mai 1929.) 


— a nn m mm nn eaae 


Amplitudenabhängigkeit der dynamischen Steilheit 
beim Richtverstärker. 


Von Manfred von Ardenne und Kurt Schlesinger, Berlin. 


Inhaltsübersicht: 
A. Mit der Problemstellung zusammenhängende 
Fragen. 
- B. Theoretische Ueberlegungen. 
1. Berechnung der Steilheitsänderung. 
2. Das Einsatzkriterium. 
3. Vereinbarkeit von optimaler Gleichrichtung 
und gutem Schwingungseinsatz. 
C. Experimentelle Prüfung der Theorie. 
1. Versuchsanordnung. 
2. Messungsergebnisse. 
3. Versuche mit rückgekoppelten 
stärker. 
Zusammenfassung. 


Richtver- 


A. Problemstellung. 

Die der Arbeit zugrundeliegende Problenistellung 
ergibt sich, wenn bei einer mit Anodengleich- 
richtung arbeitenden Einrohrschaltung gleichzeitig 
Rückkopplung angewandt werden soll. Während 
nämlich bei Gittergleichrichtung, bei der der Gleich- 
‚richtungseffekt im Gitterkreis und seine Verstärkung 
wesentlich unabhängig voneinander vor sich gehen, 


an der steilsten Stelle der Anodenkennlinie gearbeitet 
werden kann, so daß ein weicher Schwingungseinsatz 
mit optimaler Gleichrichtung gut vereinbar ist, schien 
es bisher fraglich, ob ein derart günstiger Kompromiß 
auch beim Richtverstärker möglich seit). Neuere 
Versuche hatten dies nun erwiesen, aber gleichzeitig 
als notwendige Bedingung ergeben, daß das System 
mit Ohmschen Widerständen im Anodenkreise. be- 
lastet sein muß. Dann ließ sich aber eine weit- 
gehende Entdämpfung des Abstimmkreises praktisclı 
leicht herstellen, auch wenn ohne Belastung die 
Schwingungen hart einsetzten. Seitdem schien eine 
theoretische Klärung der Versuchsergebnisse er- 
wünscht. 


Da die analytische Erfassung der Einsclhwingvor- 
gänge, Strom-Zeitfunktionen und Kopplungserschei- 
nungen zwischen Gitter und Anodenkreis in diesem 
Zusammenhange weniger interessierte, wurde davon 
abgesehen, die nichtlinearen Differentialgleichungen 
eines rückgekoppelten Systems mit gekrümmter Kenn- 


1) H. Barkhausen, Elektronenröhren Band Ill, S. 165, Satz 
101 und S. 202, Satz 14. 


92 Manfred von Ardenne und Kurt Schlesinger: 


linie zu integrieren’), sondern das Problem wurde 
auf die Amplitudenabhängigkeit der mittleren Steil- 
heit, damit also der Spannungsverstärkung, bei gleich- 
zeitiger Gleichrichtung reduziert, wenn am Gitter 
eine von der Arbeitsweise der Röhre unbeeinflußte 
Wechselspannung: ega) = Re (eg) = | eg | COs œt an- 
liegend gedacht wird. Da es sich bei der experimen- 
tellen Prüfung auch um Wechselwiderstände Ra han- 
delte, wurde der analytischen Methode der Reihen- 
darstellung einer an sich unbestimmt bleibenden Cha- 
rakteristik ča = f(es) der Vorzug vor der graphisch- 
synthetischen Behandlung mittels der Richtkennlinien 
gegeben, zumal die analytische Methode auch als 
Ausgangspunkt für die verwandten Probleme der Ver- 
zerrung bzw. der Frequenzwandlung dient’). 


B. Theoretische Ueberlegungen. 


l. Berechnung der Steilheitsänderung. 
Bei der Entwicklung der Röhrencharakteristik 


La =f (est) 

in eine Potenzreihe nach Potenzen der Steuerspan- 
nungsschwankungen Je, ist in diesem Falle auch 
noch eine Berücksichtigung des Summanden drit- 
ten Grades erforderlich, da in der dritten Ableitung 
der Charakteristik die Aenderung der mittleren Steil- 
heit unter Wirkung der Amplitude allein zum Aus- 
druck kommt. Es werde demnach erst 


difio 4 
A dest 
als vernachlässigbar klein vorausgesetzt. Nach Maß- 
gabe der Annäherung der Charakteristik durch eine 
kubische Parabel erscheint demzufolge die Theorie 
für kleine und mittlere Amplituden stichhaltig. 
Es werde also gesetzt: 


Aia=fo seat? as + Pac (m 


Bei rein harmonischen eg) erscheint dann Ai, in 


der Form: 
A la — Ô ia F iai + lag + taz, 


d. h. als Ueberlagerung des Gleichrichtereffektes und 
dreier ausgeprägter Harmonischer der Grund- 
frequenz. 

Im folgenden scheint die Beschränkung der Be- 
rechnung auf die Anodengrundschwingung iay rat- 
sam, da bei Rjickkopplung auf einen auf diese scharf 
abgestimmten Gitterkreis abweichende Frequenzen 
ohnehin wirkungslos bleiben. 

Die Steuerspannungsschwankung wird dann: 


A esi = ô eg F D Ò ea +4 eg + Dea (2) 


Da es sich um reine Anodengleichrichtung handelt, 
ist Ôe =0 zu setzen; es ist ferner: 
Ô ea = — Ra Ò ta; ea = — Raia 
und für die Steuerspannungsschwankung folgt dann, 
wenn in Annäherung bei der Anodenrückwirkung von 
ĉa auf èg die Krümmung der Kennlinie außer Acht 
gelassen wird. | 
A es = — D Ra ò ia + 


e 
IEF DA, DR, (2a) 


2) Ein Beispiel für eine derartige Rechnung s. F. Ollendorf, ` 


Grundlagen der Hochfrequenztechnik, S. 320, No. FO. 
3) Hierüber s. M. v. Ardenne, Über Röhrenverzerrungen bei 
Verstärkern, Zeitschrift f. techn. Physik, 8, S. 235, 1927, No. 6. 


Daraus folgt weiter, wenn alle mit D’ und höherer l1 
Potenzen des Durchgriffs behafteten Anoden- ', 
spannungsterme gegenüber den Gitterspannungen 
vernachlässigt werden, für den Gleich- und Grund- 
schwingungsanteil der höheren Potenzen: 


| 
2DRaðia | 


2 __ le, |? nenn 
Aet = TEDI RT IFF DRaa 9 (2b) 
ga — 3 DRaôial eg} \ 
SDR j 
Ko G en a 
4| 1f DRa| 1DE Ra 
Setzt man (2) in (1) ein, so folgt: 


Bitie—f |— DRa diat rie 
FF DR, |, 
LJ, le 2DRedi,] 
Iam r Dne IF DR] | 
3 D Ra ĉial egl? 
\ 


Fr 
re 
3le,|? èg 


Hare Tr ; 


und man erhält durch Trennung von Gleich- und 
Wechselanteil daraus folgende Beziehungen: 


41 FF DRal (3) 
T a 
4| 1D Ra” li 

dynamische Steilheit: E 


ta __ I 9 Ip. ET l 
G=-=— a 1 pp D Ra Ô ia f fr 


èg 
f” | e |? 
HEF DPT 


Gleichrichtereffekt: ô čia = 


In Gleichung (4) ist bereits die gesuchte Amplituden-  \ 
abhängigkeit der dynamischen Steilheit enthalten, in- ; 
dem das Amplitudenquadrat le, |? im zweiten Sum- : 
manden der Klammer mittelbar über ô ja, im letzten 
direkt eingeht. f 
Der erste Summand: 


6 f l 

a. +f D Ra | 

ist bekanntlich die dynamische Steilheit im Rube- y 
punkte bzw. bei unendlich kleinen Amplituden; für die « 
Steilheitsänderungen bei endlichen Amplituden er- y 
halten wir demnach, wenn für Öia(3) eingesetzt wird: `; 


| l \ 
1STD 

E een l 
FF DRPAFDRMHFTTE EDR À * 
N 


8| 1+ DRaa |? 


4) Es sei bemerkt, dass infolge der Berücksichtigung der dritten 
Ableitung die Verschlechterung der Gleichrichtung bei grossen 
Amplituden in (3) quantitativ zum Ausdruck kommt. 


Piat É 
+ -| 


= Amplitudenabhängigkeit der dynamischen Steilheit beim Richtverstärker. 93 


-Da der Klammerausdruck reell ist, so folgt für den 
‚„ Absolutwert der Steilheitsänderung: 


= |eg|? 
AT 
© Seo? DRe Ö 
-E q uP DR 
| I-DRf Tee 


- Nach Einfülırung des reduzierten Amplitudenquadrais 
' der Gitterspannung: 


sn A? = | eg a 
È | 414 DRS? 
und der auf die Kennlinie reduzierten dynamischen 
Steilheitsänderung 
|46.|=|46|-|1+ DR. f | 


" vereinfacht sich (6) zu: 


F" DR. 4? 
1 +D Raf HS” 4°) 


|46 |=5 £f" — (6a) 


An diese Darstellung kann nunmehr folgende Dis- 
kussion anknüpfen: 

! Der erste Summand gibt die Aenderung 4; ©, der 
mittleren Steilheit bei festliegendem Arbeitspunkt. Er 
berücksichtigt geometrisch den Richtungsunterschied 
zwischen der Kurvensekante zwischen zwei den Um- 
 kehrpunkten der Grundschwingung entsprechenden 

2 Kurvenpunkten und der Tangente im Arbeitspunkt. 

_ Dieser Richtungsunterschied ist positiv, wenn f”’ > 0 

ist. Es liegt dann a priori harter Schwingungseinsatz 

: vor. Die mittlere Steilheit steigt mit dem reduzierten 
Amplitudenquadrat proportional an. Dieser Fall sei 
im folgenden stets vorausgesetzt, da bei negativer 

‚ oder verschwindender dritter Ableitung von vorn- 
" herein weicher Schwingungseinsatz vorliegt und dem- 
nach bei der Vereinigung von Gleichrichtung und 
Rückkopplung keine Schwierigkeiten auftreten. 

Der zweite Summand ist der Ausdruck für die 

 Verflachung (— 4 ©,) der Steilheit infolge Arbeits- 
.„„ punktsverlagerung durch Gleichrichtung. Dieser Aus- 
“ druck ist durch drei Merkmale gekennzeichnet: 

| 1. Es tritt nur das Quadrat der Krümmung auf: 

Die Steilheitsänderung ist stets negativ, und zwar so- 
wohl bei Gleichrichtung im unteren als auch im obe- 
ren Knick der Kennlinie. 

2. Der Effekt ist nur zu beobachten, wenn ein 
Ohmscher Widerstand Ra als Anodenbelastung vor- 
handen ist, während reine Wechselwiderstände, wie 

- sie etwa durch eine verlustlose Drosselspule realisiert 

: werden könnten, nur in das reduzierte Amplituden- 

‘ quadrat eingehen, d. h. die wirksame Gitterwechsel- 

~ spannung herabsetzen, aber keine Steilheitsänderung 
zur Folge haben. 

3. Es zeigt sich, daß — 4,6, nur bei anfänglich 
kleinen Amplituden quadratisch in A zunimmt, 
während bei größer werdendem A? der Einfluß des 
; Nennertermes f” 4? merklich wird, welcher das Ab- 
sinken der Steilheit begrenzt, und zwar bis höchstens 

| a S=—f"?:f m 

; Den Verlauf le Komponenten sowie den vor- 

` aussichtlichen Verlauf der Verstärkungskurve, die 

= aus der Differenz beider Kurven hervorgeht, zeigt 
> folgendes Bild 1. Wie ersichtlich, läßt sich bei ge- 


nügend großem Ra erreichen, daß die mittlere Steil- 
heit anfangs fällt (gezeichnet). Erst bei großen Amp- 
lituden muß wieder ein schwacher Anstieg der Ver- 
stärkung eintreten, da ja die Steilheitsabnahme infolge 
Gleichrichtung, A, r, einem endlichen Grenzwert zu- 
strebt, während die Steilheitszunahme als Funktion 
der Amplitude allein monoton, A,©-, anwächst. 

Die bisherigen Ergebnisse können im folgenden 
Satz I zusammengefaßt werden. 

Bei hartem Schwingungseinsatz und Richtver- 
stärkung kann man durch Einschaltung Ohmscher 
Widerstände in den Anodenkreis, und nur da- 
durch, erreichen, daß die mittlere Steilheit bei 
kleinen und mittleren Amplituden fällt. Verlust- 
lose Wechselwiderstände im Anodenkreis sind 
wirkungslos. Bei großen Amplituden nimmt die 
Steilheit wieder langsam zu. | 


1471 


| [Ne] [orso | | | 

EENLENES JEET 
— —— N A = 
Ebert 

EBBSZaZEEEE 


01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 


72A. 
Bild 1. | 
Amplitudenabhängigkeit von Steilheit und Verstärkung. 


2. Das Einsatzkriterium. 


Gleichung 6a) gestattet es, denjenigen kritischen 
Mindestwert Rasr des Anodenwiderstandes zu bc- 
rechnen, der zur Erzielung eines weichen Schwin- 
gungseinsatzes notwendig ist. Man erhält nämlich 
folgendes Kriterium für weichen Schwingungseinsatz 


(aus 6a): j Ra 
mea SDR 


(Das Amplitudenquadrat im en verschwindet, da 
es sich um ein Einsatzkriterium, d. h. um unendlich 
kleine Amplituden handelt.) Man erhält also folgen- 
den Satz IlI: 
Bei positivem f” und gekrümmter Charakte- 
ristik muß mindestens ein Ohmscher Widerstand 
von der Größe: 


Sea (7a) 


in den Anodenkreis eingeschaltet werden, damit 
die Schwingungen weich einsetzen. 


3. Die Vereinbarkeit von Gleich- 
richtung und Schwingeignung. 

Es ist in Abschnitt 2 festgestellt worden, daß bei 
gegebenem f” > 0 eine kritische Ohmsche Mindest- 
belastung im Anodenkreise vorhanden sein muß, da- 
mit der Gitterkreis sich weitgehend entdämpfen läßt. 
Andererseits zeigt sich, daß zu jedem gegebenen Ra 
eine Steuerspannung estopt gefunden werden kann, 
bei der ein vergleichsweise größter Gleichrichtungs- 
effekt vorhanden ist. Allerdings ist der bei dieser 
optimalen Steuerspannung und gegebenem &Ea erziel- 


94 
bare Gleichrichtereffekt selbst bei vollkommener 
kapazitiver Ueberbrückung noch um den Faktor 
1 . 
1 F7 DR, 


kleiner als der größte überhaupt erzielbare Betrag, 
den man bei Kurzschluß, Ra = 0, an der Stelle stärk- 
ster Krümmung erhält. Der Unterschied ist aber sehr 
gering, denn bei den betreffenden Gebieten der Cha- 
rakteristik ist / schon sehr klein. Ferner wird man, 


wenn es sich um gleichzeitige Spannungsverstärkung 
handelt, D klein halten, worüber in einer früheren Ar- 
Es erhebt sich 


beit berichtet wurde°). 
Frage: 


folgende 


Manfred von Ardenne und Kurt Schlesinger: 


prüfung leicht zugänglich. Die Amplitudenabhängig- 
keit der dynamischen Steilheit muß im Verlaufe der 
Spannungsverstärkung nach Größe und Phase zum 
Ausdruck kommen. Dazu ist allerdings erforderlich, 
daß der Anodenwiderstand nicht so gut für Wechsel- 
strom überbrückt ist, wie es im Interesse optimaler 
Gleichrichtung erwünscht wäre, da nur dann das Ver- 
hältnis | B | = |Ea|:|E, | meßbar bleibt. 
1. Versuchsanordnung. 


Um definierte, rein Ohmsche Belastungen her- 
stellen zu können, wurde mit einer so tiefen Frequenz 
(600 Hertz) gearbeitet, daß die verteilten Kapazitäten 
des Aufbaues keine Rolle mehr spielen konnten. 


Bild 2. Versuchsanordnung. 


Es sei bei gegebener Anodenbelastung Ra der für 
die Gleichrichtung günstigste Arbeitspunkt auf der 
Kennlinie eingestellt. Genügt dann gleichzeitig dieses 
Ra um einen weichen Schwingunugseinsatz herbei- 
zuführen, d. h. läßt sich letzterer herstellen, ohne daß 
gleichzeitig auf beste Gleichrichtung verzichtet 
werden muß, oder ist nur ein Kompromiß möglich? 

Zur Klärung dieser Frage werde die Lage des 
Gleichrichtungsoptimums auf der Kennlinie bestimmt. 
Aus (3) findet man, nach Einführung des reduzierten 
Amplitudenquadrates: 

f'A? 
nD rohen: (3a) 
1 +D Ra (Z F” 4) 

Daraus folgt dann nach Differentiation nach es. unter 
Beachtung der anfangs gemachten Annahme:44. f!V 
œ 0 für das Maximum die Bedingung: 


Ga eno) =0 =f" 04 DRF HF" A) 


Ö esto 
— f” D Ra 
oder für kleine Amplituden: 


ZA JD Ra 


Nun werde diese für optimale Gleichrichtung gültige 
Beziehung mit dem Einsatzkriterium (7) verglichen: 
Es ergibt sich, daß letzteres beim Gleichrichtungs- 
optimum von selbst erfüllt ist! Daraus folgt der 
wichtige Satz III: 

Gute Anodengleichrichtung und hohe Entdämp- 
fung durch Rückkopplung lassen sich bei Anwen- 
dung Ohmscher Anodenwiderstände gut ver- 
einigen. 


VE = 


C. Experimentelle Prüfung der Theorie. 


Die im vorigen Abschnitt gewonnenen theore- 
tischen Ergebnisse sind einer experimentellen Nach- 


5) M. v. Ardenne: Ds. Jahrbuch 31, S.51, 1928, Heft 2, „Über 
Anodengleichrichtung.“ 


Bild 2 zeigt die benutzte Versuchsanordnung. Die 
Tonfrequenz wurde einem mit Dynatron und Ver 
stärker arbeitenden Tongenerator entnommen‘). Sie 
wurde durch einen Uebertrager herabtransformiert, 
dessen Sekundärwiderstand so gerinz war, daß keine 


Y4 


l4 lgl 


Bild 3. 
Gemessene Abhängigkeit des Verstärkungsgrades von der 
Gitterspannungsamplitude. 


meßbaren Gitterspannungsänderungen infolge etwaiger 
Gittergleichstromänderungen auftreten konnten. Die 
an die Röhre gelangende Wechselspannung konnte 
einerseits im Tongenerator selbst grob, dann aber 
auch durch ein zur Primärwicklung des Uebertragers 


6) Beschrieben in M. v. Ardenne ,„Verstärkermesstechnik“ 
Verlag Julius Springer. 


n ĖŮŮŮĚŮŮŮ A O -A 


.: parallel liegendes 6000-Ohm-Potentiometer fein ver- 
ändert und über eine rein Ohmsche Spannungsteilung 
-Üg dem Röhrenvoltmeter R zugeführt werden. 


a 


Amplitudenabhängigkeit der dynamischen’ Steilheit beim Richtverstärker. 


Die 


„Versuchsröhre, eine RE 054 mit 3%: Durchgriff, er- 


; 


:hielt außerdem eine regulierbare Vorspannung. Die 


„Anodenwechselspannung wurde mit demselben Röh- 


»renvoltmeter 
parallelen Spannungsteilung üa gemessen, da es durch 
. einen 
- Anodenseite angeschlossen werden konnte. 


an einer zum Anodenwiderstand 
bzw. 


Eine 


Umschalter wahlweise an die Gitter 


` Kurzschlußtaste erleichterte eine dauernde Nullpunkt- 
"kontrolle vor jeder Ablesung, 


. 


mei 


\ 


N 


ei A 


NN NN 


2. Messungsergebnisse. 

Bild 3 zeigt die gemessene Abhängigkeit des Ab- 
solutwertes des Verstärkungsgrades von der tat- 
sächlichen Gitterspannungsamplitude |e,|. Die unter- 
suchten Anodenbelastungen waren dabei folgende: 


Kurve Nr. | Ra Ohm | Cem | Ra 


1 3.106 — 3.106 

1a 3.106 325 | 2.10 (1—4, 07) 

2 1.106 — [1.10 

2a 1.106 870 | 7.101 (1—3, 635) 

3 0.5.1061 — [0,5106 

3a 0-5-106|) 1350 |6,25-10°(1—2, 82j) 
4 40.000 — | 40000 

5 10000 — | 10000 


- Wie ersichtlich, stimmt der Verlauf der Kurven mit 
- dem theoretisch vorausgesagten, 
. gestellten, vollkommen überein. 


im Bild 1 dar- 
Ein Vergleich mit 
Gleichung 6a zeigt, daß auch quantitativ gute Ueber- 
einstimmung besteht: Der Abfall der |B|(je|)-Kurven 
ist um so stärker, je größer Ra wird; die Verstär- 
kungskurven bei kapazitiv überbrücktem Anoden- 
widerstand verlaufen, der Steigerung der reduzierten 
Amplitude entsprechend, etwas weniger steil als die 
zugehörigen R„-Kurven. 

Zu beachten ist diese Uebereinstimmung noch in- 
sofern, als sämtliche Kurven bei gleichbleibenden 
Steuerspannungen von etwa 1 Volt aufgenommen 
sind, während die größten vorkommenden Scheitel- 
spannungen am Gitter 0,64 Volt betragen, also die 
Steuerspannungsänderungen nicht mehr klein gegen 
die statische Steuerspannung sind. Der Ersatz der 
Kennlinie durch eine Parabel III. Ordnung scheint 
demnach bis zu den genannten Spannungswerten 
praktisch wohl gerechtfertigt. Ein Abbrechen der 
Taylor-Entwicklung vor dem kubischen Gliede würde 
iedoch, wie sich gezeigt hat, schon die qualitative Er- 
klärung der beobachteten Erscheinungen unmöglich 
machen. 


3. Versuche mitrückgekoppelten 
Richtverstärkern. 


Nachdem die theoretischen Betrachtungen über die 


‚ Verstärkung vorgegebener Gitterwechselspannungen 


“ beim Richtverstärker als praktisch zutreffend erkannt 


waren, wurden Versuche angestellt, um das Erfüllt- 


» sein der Einsatzbedingung nachzuweisen, wenn die 


95 


Gitterwechselspannung dem Anodenkreise durch 
Rückkopplung entnommen wurde. Die hierbei be- 
nutzte Schaltung zeigt Bild 4. Bei 8 Megohım Anoden- 
widerstand ließ sich bei Anwendung hoher Anoden- 
spannungen und extrem kleinen Durchgriff bei 
Rundfunk- und Kurzwellen weicher Schwingungs- 
einsatz erzielen; gleichzeitig war die Gleichrichter- 
wirkung noch so gut, daß bei Ankopplung einer ein- 
zigen Spannungsverstärkerstufe auf Kurzwellen Laut- 
sprecherempfang weit entfernter Stationen möglich 
wurde. 


S Bild 4. 
Richtverstärkerschaltung mit Rückkoppelung. 


Für Ueberlagererzwecke ist die Schaltung da- 
gegen nicht gut anwendbar, da die Amplituden sich 
nur schwer genügend steigern lassen. Das Haupt- 
anwendungsgebiet des rückgekoppelten Richtver- 
stärkers mit Anodenbelastung ist der Empfang modu- 
lierter oder gedämpfter Wellen mit weitgehender 
Schwingungskreisentdämpfung.: Letztere Möglichkeit 
läßt die Anwendung der Anodengleichrichtung nun- 
mehr auch beim Empfang schwacher Signale ratsam 
erscheinen, die man im allgemeinen mit Gittergleich- 
richtung zu demodulieren pflegt. 


Zusammenfassung. 


Im ersten theoretischen Teil der Arbeit werden 
drei Sätze über den rückgekoppelten Richtverstärker 
abgeleitet: 

1. daß sich stets durch Einschaltung Ohmscher 
Widerstände in den Anodenkreis, und nur dadurch 
erreichen läßt, daß die Schwingungen auch auf Stellen 
zunehmender Krümmung weich einsetzen, 


2. daß diese Anodenwiderstände eine gewisse 
kritische Mindestgröße besitzen müssen, die formel- 
mäßig angegeben wird, 


3. daß sich optimale Gleichrichtung und guter 
Schwingungseinsatz beim Richtverstärker gut ver- 
einigen lassen. 


Im folgenden experimentellen Teil wird die mitt- 
lere Steilheit als Funktion der Amplitude durch Auf- 
nahme der Spannungsverstärkung gemessen und der 
Kurvenverlauf in guter Uebereinstimmung mit der 
Theorie gefunden. An einer den Voraussetzungen der 
Arbeit entsprechenden Rückkopplungs - Schaltung 
werden Empfangsversuche angestellt, deren Ergeb- 
nisse die Anwendung des rückgekoppelten Richtver- 
stärkers beim Empfang gedämpfter und modulierter 
Signale empfehlenswert erscheinen lassen. 


(Fingegangen am 24. Mai 1929.) 


96 nn J. Fuchs: 


Die Sende- und Empfangsverhältnisse im Hochgebirge mit, 


besonderer Berücksichtigung der atmosphärischen Störungen, 
Von J. Fuchs, Wien. 


` Die vorliegende Untersuchung wurde im August— 
September 1928 zu dem Zwecke unternommen, eine 
möglichst umfassende, vorläufige Orientierung über 
die Gesamtheit der beim Senden und Empfang im 
Hochgebirge auftretenden Erscheinungen zu ge- 
winnen und das hierüber sehr spärlich vorliegende 
Beobachtungsmaterial zu erweitern. Es sollte haupt- 
sächlich darüber Auskunft erlangt werden, wie die 
Empfangsverhältnisse in bezug auf Feldstärke und 
Störungsintensität sind und anderseits, ob beim Sen- 
den aus großen Höhen Abweichungen gegen die 
Ausbreitung der Wellen aus der Ebene bestünden. 
Besondere Aufmerksamkeit sollte den Wellen unter 


100 m sowie den atmosphärischen Störungen auf dem 


“| differenz 
| charakters dieser Gegend keine bedeutende (Kolm- 


bei erreichte Genauigkeit ist nach schon früher vom 
Verfasser angestellten Versuchen!) für solche Ver- 
gleiche durchaus ausreichend, da der hierbei auf- 
tretende Fehler maximal 30 % betragen kann, 
während z. B. die Messung der absoluten Feldstärke 
kurzer Wellen nach der Methode von Friis und 
Bruce?) auch nur eine Genauigkeit von + 20% 
zu erreichen vermag. Hingegen können die nor- 
malen Feldstärkeschwankungen von Tag zu Tag bei 
Kurzwellensendern oft Beträge von 200—300% auf- 
weisen. 

Von einer parallel laufenden Beobachtungsreilhe 
am Fuße des Berges wurde aus folgenden Gründen 
abgesehen: Die gesamte Umgebung des Sonnblicks 
ist bis zu 70 km Radius hochalpiner Natur. Wollte 
man nun eine größtmöglichste Höhendifferenz zwischen 
der Beobachtungsstation am Gipfel und jener am 
Fuße des Berges erzielen, so hätte man im Sonnblick- 
gebiet und in dessen weiterer Umgebung nur die 
Möglichkeit, diese zweite Station am Grunde irgend 
eines der schmalen Alpentäler der Umgebung aui- 
zustellen. Aber einmal ist die so erreichbare Höhen- 
wegen des allgemeinen Hochgebirgs- 


Saigurn, am Fuße des Sonnblick, hat z. B. nur 1500 m 
Höhenunterschied gegen den Gipfel), anderseits 
können die Resultate der Talstation durch ganz un- 


| kontrollierbare Schattenwirkungen geometrischer und 


Phot. L. Winkler 


Bild 1. 
Das meteorologische Observatorium am Sonnblick. 


Kurzwellenbande gewidmet werden. Für letztere 
sollten insbesondere die eventuellen Zusammenhänge 
mit den meteorologischen Elementen und dem Wetter 
abgeleitet werden. Es war zu erwarten, daß sich in 
diesen großen Höhen, wo man sich meist nahe dem 
Zentrum der atmosphärischen Vorgänge befindet, ein 
solcher Einfluß am deutlichsten zeigen werde. 


I. Empiangsverhältnisse. 


Das meteorologische Observatorium am Sonnblick 
in den hohen Tauern (Salzburg, Oesterreich) be- 
findet sich in 3106 m Höhe über dem Meere, auf 
einem einsam stehenden Gipfel, wie dies Bild 1 er- 
kennen läßt. Die vom Schnee befreiten Fenster sind 
iene des Arbeitsraumes, in dem sämtliche Apparate 
aufgestellt waren. | 

Dem Charakter dieser vorläufigen Untersuchung 
entsprechend, wurde für die Empfangsbeobachtungen 
von einer Messung der Feldstärke abgesehen. Die 
Beobachtungen erfolgten mit einem aus Rück- 
kopplungsaudion und einer Stufe Niederfrequenzver- 
stärkung bestehenden Empfänger, der an eine Rahmen- 
antenne mit zwei Windungen und 75 cm Seitenlänge 
angeschlossen war. Die Lautstärken selbst wurden 
nach der Paralleloımmethode festgestellt. Die hier- 


geologischer Art (dieses ganze Gebiet ist sehr erz- 
haltig) der sie umrandenden Gebirgszüge verfälscht 
werden. 

Es wurden deshalb zum Vergleich nur dureh- 
schnittliche Empfangsstärken herangezogen, und 
zwar solcher Stationen, die vorher und nachher mit 
der gleichen Apparatur und Meßeinrichtunz in Wien 
beobachtet wurden. Damit war nun einerseits ein 
genügender Höhenunterschied (2900 m) erzielt, ander- 
seits wurde auch die Entfernung Sonnblick— Wien 
dadurch ausgeglichen, daß nur Beobachtungen von 
über 1200 km entfernten Sendestationen verwendet 
wurden. Das Bild 2 gibt das Resultat dieser Ver- 
gleiche. Wie aus den dort mitgeteilten Zahlen her- 
vorgeht, stimmen die Mittelwerte innerhalb ihrer 
mittleren Fehler (mit einer einzigen geringfügigen 
Ausnahme) gut überein. 

Es geht daraus hervor, daß die Feldstärke beim 


Empfang im Hochgebirge praktisch die gleiche ist wie - 


beim Empfang in der Ebene, zumindest bleiben die 
Abweichungen unter der Beobachtungszenauiskeit. 


II. Sendeversuche. 


Diese wurden mit einem Röhrensender von 
20 Watt Anodenleistung (mit dem gleichfalls vorlıer 
und nachher von Wien aus größere Versuchsreihen 
durchgeführt wurden) auf 44 m Wellenlänge unter- 


1) Ds. Jahrbuch, 32, S. 125, 1928. 
2) Proc. Inst. Rad. Eng. '4, S. 507, 1926. 


m TS S, E ea 
a pea S nit E a RE aee ar- imwene a 


z 


pa 


10ommen. Als Sendeantenne hatte sich die dem Ver- 
‘asser patentierte (Oesterr. Pat. Nr. 110 357) erdungs- 
bzw. gegengewichtslose Anordnung gemäß. Bild 3 
(unter den gegebenen schwierigen Verhältnissen für 
idie Errichtung einer sendermäßig befriedigenden 
Erdung oder Gegengewicht) praktisch sehr bewährt. 
Von 70 eingelaufenen Beobachtungen, die sich auf 
.bei vollem Tageslichte vorgenommene Sendun- 
‚gen bezogen, stammten die weitesten aus einer Ent- 
„fernung von 1100 km. Dies deckt sich vollkommen mit 
“jenen Resultaten, die bei Sendungen von Wien aus 
“unter sonst gleichen Bedingungen erzielt wurden. 


7.9. M NB. 


B Z NET 2 20 1. 3 


Die Sende- und Empfangsverhältnisse im Hochgebirge mit besonderer Berücksichtigung der atmosphärischen Störungen. 97 


der Küste selbst. Beobachtungen mit dem gleichen 
Ergebnis sind auch von L ug eo n°) gemacht worden. 

Am Sonnblick wurden nun sämtliche Beobachtun- 
gen mit dem schon erwähnten Zweiröhrenempfänger, 
bestehend aus einem rückgekoppelten Audion mit 
einer Stufe Niederfrequenzverstärkung, angestellt, der 
das ganze Frequenzband von 400—25 000 kHz (700 
bis 12 m Wellenlänge) abzuhören gestattete, 

Die Antenne bestand in einem etwa 20 m langen, 
vom äußersten rechten, an der schmalen Stirnseite 
des Hauses befindlichen Fenster, zu dem sich etwa 
10 m über den Boden erhebenden Anemometerturm 


ó. 6 12. 14 C. 1. 20. 2» 24g 


sender GLL Dorchester, England (f= 1372 MHz, A=219m) Entfernung: 1400 km 


Mittel: 6,19 0,08 


| ee 


8 
g 
7 
3 TNE 
5 N 
WET BARANI 


Mittel: 6,33 £00? 


SHAE 


F 
UENEFIEE 


Mittel: 6,35 t 0,06 


Sender SUZ Abu Zabal, Agypten{f= 1994 MHz, A A=215m ) Entfernung: :2400 km 


Laufstarke 
= a O N 


Wie 
“Mitter: 6,35 t 007 


SESERBENNZERZNGEN N 
TILL EBRLLEN 
dA d l | loed | | ER | PP 


Mittel: 6,41 $0,09 


Beobachtungszeif': 7g GCT 


Mittel : 6.152. 0.16 


Bild 2. 


IH. Atmosphärische Störungen. 


Ueber das Verhalten der atmosphärischen Störun- 
~ gen beim Radioempfang im Gebirge liegen bisher nur 
- wenige Beobachtungen vor, die sich zum Teile wider- 
v sprechen. Im allgemeinen wurde festgestellt, daß mit 


E Æ Sender 


Bild 3. 


° wachsender Höhe eine Zunahme der atmosphärischen 
Störungen eintritt?); diese Zunahme sollte manchmal 
> auch in ein Konstantbleiben oder in eine Abnahme 
> übergegangen sein, wofür möglicherweise Inversions- 
= schichten in der Atmosphäre maßgebend waren. Dann 
v haben wieder‘) Beobachtungen in Spanien gezeigt, 
daß in Murcia, einem Orte in 600 m Höhe und 160 km 
von der Küste entfernt, die atmosphärischen Störun- 
. gen weniger zahlreich und schwächer waren als an 


‚ 3) Banneitz, Taschenbuch d. drahtl. Telegr., 1927, Artikel: 
, Esau, S. 302, 
4) Cave-Brunt-Giblet-Watson Watt, Quart. Journ. Roy. 
` Met. Soc. 53, Nr. 224, 1927, und Literatur bei E. H. Kincaid, 
Proc, Inst, Rad. Eng., 15, S. 843, 1927. 


geführten Draht. Die zweite Hälfte des Antennen- 
kreises bestand wahlweise in einer mehrere Kilometer 
langen, über die Gletscher zu einem entfernten 
Gebirgssee führenden blanken Eisendraht-Erdleitung 
oder in einem an der gleich am Halse senkrecht ab- 
fallenden Nordwand des Gipfels hinabhängenden, 
etwa 25 m langen isolierten Draht als Gegengewicht. 
Die Apparatur selbst wurde nicht geerdet, um jeder- 
zeit (durch Abschalten der Antennen-, Erdungs- und 
Gegengewichtszuleitungen) bloß mit den -Abstimm- 
spulen als aufnehmende Organe, den Feldcharakter 
der beobachteten Störungen kontrollieren zu können. 


a) Dienormalen Störungen. 


Der Tagesgang der atmosphärischen Störungen 
am Sonnblickgipfel war dem in der Ebene beob- 
achteten ganz ähnlich. Dies zeigt auch deutlich der 
in Bild 4 dargestellte mittlere Tagesgang am Sonn- 
blick (24. August bis 6. September) im Vergleich zu 
der auf Grund zweijähriger Beobachtungen in 
Aldershot, England‘), abgeleiteten Augustkurve. 


Die Qualität der Störungen unterschied sich 
gleichfalls nicht von jener der üblichen Art; während 
tagsüber das leichte „Brodeln“ (,„Grinders“) vor- 
lıerrschend war, gesellte sich in den ersten Nach- 

5) C. R. 180, S. 594, 1925. 


6) R. N Watson Walt, Present State of Knowledge of At- 
mospherics, Abstract In Exper. Wirel. & Wirel. Eng.,5, S. 629, 1928. 


98 


mittagsstunden das bis zum. Morgen andauernde 
„Knacken“ („Clicks“) hinzu, das durch seine höhere 
‚Intensität zeitweise das „Brodeln“ (besonders gegen 
20 Uhr) überhaupt nicht hervortreten ließ. Bei wolken- 
losem Wetter war während der Vormittagsstunden 
bis in die ersten Nachmittagsstunden hinein trotz .der 
hochsommerlichen Zeit das „Brodeln‘“ oft von so ge- 
ringer Intensität, daß man auf dem Frequenzbande 
von 500-25000 kHz (=600--12 m Wellenlänge) 
praktisch von einem störungsfreien Empfang sprechen 
konnte: TE 


OP EP 12° 18° 24^ 
Aldershot 


me Sonnblick 
ı Bild 4. 


Bild 5 gibt nun eine Kurve der beobachteten 
Gesamtstörungen für den Zeitraum vom 24. August 
bis 6. September 1928, aufgenommen auf Frequenz 
6000 kHz = 50 m Wellenlänge. Es sollen ferner 
hierzu die einzelnen, an Hand der Wetterkarten ab- 
geleiteten meteorologischen Zusammenhänge für vom 
normalen Tagesgang abweichende Störungen gegeben 


werden. 
X 


24. 25, 26 27. 20. 29 10. 


32.27 


1. 2, 3 4. 2 6 
Bild 5. 


24. August: Ein sehr störungsarmer Tag. Der Sonnblick liegt 
am Rande eines Hochdruckgebietes, in einer homogenen 
Luftmasse. Eine Regenfront vom Rhein bis Norwegen zeigte 
sich einflusslos. 

25. August: Vormittags keine Störungen. Gegen 21 Uhr Nieder- 
schläge und entfernte Gewitter (durch eine V-Depression) 
mit starken Störungen. 

26. August: Morgens sehr geringe Störungen dann kurzer 
Graupelfall und Regen (Dauer 12 Minuten) mit stärkeren 
Störungen, nachher vollkommen störungsfrei. Nachmittags 
schwache Störungen. 

27. August: Ein störungsschwacher Tag. Abends Wetterleuch- 
ten mit normalen Störungen. Schwacher Druckgradient. 

28. August: Tagsüber mittlere Störungen. Um Mittag bildete 
sich vorübergehend ein schwaches sekundäres Tief über 
Zentraleuropa aus. Abends und nachts Gewitter mit Nie- 
derschlägen und starken Störungen. 

29. August: Tagsüber normale schwache Störungen, nach- 

mittags steigt die Störungsintensität an. Um diese Zeit 

begann sich zunächst über den Alpen eine Tiefdruckrinne 
zu entwickeln, die sich über Nacht zu einer mittel- 
europäischen Tiefdruckrinne ausbildete. Gleichzeitig wird 
die bisher ziemlich einheitliche warme Südwestströmung 
über Mitteleuropa durch einen kalten Nordwestluftstrom 
I" angegriffen, was von 18—21 Uhr zu starkem Regen und 
A starken Störgeräuschen führt. 


J. Fuchs: 


30. August: Vormittags übernormale Störungen. Mittags kurzer ` 


Regen mit starken Störungen, dann etwa 2 Stunden lang 
fast vollständig störungsfrei. Später Graupel- und Schnee 
fall mit starken Störungen. Abends und nachts wenig 
Störungen. Die Tiefdruckrinne hatte sich zu einem ab 
geschlossenen Tiefdruckgebiet ausgebildet, das im Verlaufe 
des Tages nach Polen abwanderte. 
Druckanstieg. Die Luftmasse über Mitteleuropa ist wieder 
temperaturhomogener geworden. 

31. August: Vormittags Graupelfall mit starken Störungen. 
Nachher störungslos. Nachmittags nur geringe Störungen. 
Mitteleuropa rückt allmählich in den Bereich eines aus 

edehnten Hochdruckgebietes und weist einen geringen 
ruckgradienten auf. 

1. September: Vormittags störungsarm, mittags leichtes Schnee- 
treiben ohne sonderliche Störungen; abends sind diese 
wieder stärker. Die allgemeine Lage hat sich gegen 
gestern nicht verändert. 

2. September: Morgens sind die Störungen stärker als normal, 
klingen aber gegen Mittag ab. Abends Schneefall mit 
starken Störungen. Das Hochdruckgebiet wandert nördlich 
langsam vorüber. Leichter Druckfall. 

3. September: Vormittags etwas übernormale Störungen 
nachmittags Schneefall und starke Störungen, verursacht 
durch ein vorübergehend von Süden eingedrungenes sekun- 
däres Tiefaruckgebiet. Abends sehr starke Störungen. 

4. September: Morgens noch starke Störungen, die in den 
ersten Nachmittagsstunden bis auf Null abgeklungen sind. 
Abends sehr geringe Störungen. Wir befinden uns jetzt an 
der Rückseite des abwandernden Mitteleuropa-Hochs. 

5. September: Den ganzen Tag sehr geringe Störungen an 
der Rückseite des abziehenden Hochs. 

6. September: Mittlere Störungen. Mitteleuropa liegt in einer 
schwach ausgeprägten Tiefdruckrinne zwischen zwei starken 
Hochdruckgebieten. 


Nach dem endgültigen Aufhören der Niederschläge 
war stets eine wesentliche Zunahme des ‚„Knackens“ 
für einige Stunden wahrzunehmen. Dies 
konnte insbesondere einwandfrei bei nicht von Ge- 
wittern begleiteten Niederschlägen beobachtet werden. 


Sehr interessant war auch die öfters beobachtete 
Tatsache, daß nach diesem verhältnismäßig kurz- 
dauernden Auftreten heftiger Knackstörungen, manch- 
mal durch weitere Stunden hindurch eine fast absolute 
Störungslosigkeit eintrat, als hätte das vorüber- 
gegangene Unwetter die Atmosphäre völli aus- 
geputzt. Hier sind insbesondere die Fälle vom 26., 
30. und 31. August zu erwähnen. Diese Erscheinung 
ließ sich jedoch nur bei allgemein störungsarmer 
(= Hochdruck-) Lage feststellen, so daß die den be- 
sprochenen störungslosen Zeiten vorangegangenen 
oder nachfolgenden Niederschläge meist bloß als 
lokale Ereignisse zu werten waren. 


Die Intensität der Knackstörungen wurde mit zu- 
nehmender Frequenz geringer und war (mit Aus- 


nahme von Blitzschlägen in der unmittelbaren 
Nachbarschaft) bei 23000 kHz = 13 m Wellen- 
länge vollständig auf Null gesunken. Auch bei Ab- 


schalten der Antenne und des Gexengewichtes vom 
Empfänger konnten die Störungen in zur verminder- 
ten Hörbarkeit mit aufgenommener Telegraphiesender 
gleicherweise verminderter Intensität gehört werden. 


Das „Brodeln“ zeigte keine so ausgesprochene 
Frequenzabhängigkeit wie das Knacken: es war — 
besonders gegen Abend — manchmal über alle Fre- 
quenzen bis 25000 kHz ziemlich gleichmäßig zu 
hören. Es war stets von sehr geringer Intensität. Bei 
Tage konnte man es gut ausnehmen, gegen Abend 
trat es aber sehr zurück, während die „Knack“-Ge- 
räusche an Intensität stark zunahmen. 


Nachts erfolgte starker ? 


- 
- 


rr O. co 


—ą rg ome pm, en 


(P a U A PM, 


U nd 
— den 


nn. 


Auch bei Niederschlägen jeder Art war vom 


" ‚Brodeln“ nichts zu hören, allerdings war dann gleich- 


-zeitig das „Knacken‘“ und „Tönen“ sehr stark ver- 
treten. Jedenfalls spricht dies sehr für die wirklich 


2 


-geringe absolute Intensität des „Brodelns“. 


b) Störgeräusche bei Niederschlägen. 


Im Gegensatz zum allgemeinen Verlauf des 


' „Brodelns“ oder „Knackens“ waren die am Sonnblick 
::beobachteten, mit Niederschlägen zusammenhängen- 


den Störungen gegenüber deren Verhalten in der 
“Ebene vollständig verschieden. 
Mit dem Beginne der Niederschläge, die sich 


p 


durch intensiveres „Knacken‘“ ankündigten, trat näm- 


` lich ausnahmslos eine neue Störungsart auf, die an 
“Intensität alle anderen übertraf und oft jeden Empfang 


‘(mit Ausnahme sehr lauter Stationen mit Feldstärken 


- über 25 Mikrovolt/Meter und Frequenzen über 19 000 


kHz = unter 16 m Wellenlänge) unmöglich machte: 


„Ein in Hörfrequenz verlaufendes Störgeräusch, das 
. mit Einsetzen der Niederschläge begann und mit 


: derem Aufhören auch zu Ende war. 


Es zeigte sich 


- von der Art des Niederschlages unabhängig und trat 
- sowohl bei Regen- wie Schneefall ein. 


. etwa folgender: 
. beginnes beginnt (unabhängig von der schon früher 


Der Verlauf der Erscheinung ist im Durchschnitt 
Im Augenblick des Niederschlag- 


gestiegenen Intensität des „Knackens“) im Kopfhörer 
ein gleichmäßiges Knarren aufzutreten. Es fängt 


- meist bei den tiefsten Frequenzen von 2—3 Hz an, 
. um rasch zu steigen und dann bei einer bestimmten 


- Frequenz (beobachtet wurden solche Werte zwischen 
: 50 und 3000 Hz) ihr Maximum zu erreichen; (die Art 


‘ dieses Frequenzanstieges war oft jener der akusti- 
schen Begleiterscheinungen beim Anlassen eines 


* Motors ähnlich). 


Die Zeitdauer des Anstieges lag 
zwischen 2 und 15 Sekunden. Dann blieb die Ton- 


“höhe einige Sekunden, bis oft weit über eine Minute 


‘ lang fast vollkommen konstant, um später wieder 
- langsam abzunehmen 


oder plötzlich abzubrechen. 


© Mitunter trat dieses „Tönen“ auch ganz plötzlich, 


- gleich mit der maximalen Tonhöhe auf, um dann nach 
- einigen Schwankungen langsam oder rasch abzu- 


klingen. 


Um den Charakter dieser Störungsart stets kon- 


- trollieren zu können, wurde zwischenzeitig sehr oft 


: Antenne und Gegengewicht 


bzw. Erdung vom 
Apparat abgeschaltet, so daß als aufnellmendes Organ 


nur die Abstimmspulen des Empfängers sowie allen- 
= falls dessen Drahtleitungen 
| ‚liegende Metallteile dienen konnten. 
.. bei 
| solchen Abschaltung sehr stark sank, jedoch blieb 

deren Intensitätsverhältnis zu den Zeichen 


im Stromkreise 
Es wurde hier- 
daß die Störintensität nach einer 


und 
festgestellt, 


einer 


~ gleichzeitig mitaufgenommenen Sendestation dasselbe. 


e . 


Ueber die absolute Intensität des „Tönens“ kann 


` derzeit nur soviel gesagt werden, daß zeitweise der 


“ Kopfhörer abgelegt werden mußte, weil es für das 


+ Ohr schon schmerzhaft wurde. 
< die stärksten, | 
. geräusche übertönen und unhörbar machen. 


Es konnte mitunter 


von Blitzen herrührenden Knack- 


x% 


Diese Erscheinung, die wir, ihrem hauptsächlich- 


. sten Charakter entsprechend, in der Folge allgemein 


Die Sende- und Empfangsverhältnisse im Hochgebirge mit besonderer Berücksichtigung der atmosphärischen Störungen. 


99 


mit „Tönen“ (unabhängig von der jeweils augenblick- 
lichen Frequenz) bezeichnen wollen, scheint vielleicht 
mit einer Störungsgattung wesensverwandt zu sein, 
die von den Engländern mit „hissing“ bezeichnet und 
von A. Esau) unter dem Titel „Pfeifen“ wie folgt 
beschrieben wird: „Diese Störung macht sich im 
Telephon durch stark pfeifende Geräusche bemerk- 
bar, die gewöhnlich bei Hagel und plötzlich einsetzen- 
dem Schneetreiben auftreten, aber auch überall dort 
vorkommen, wo die Empfangsluftleiter, besonders in 
sandigen Gegenden, von Sandstürmen getroffen 
werden.“ Und später p. 302, gelegentlich der Be- 
sprechung von in die Erde eingegrabenen Antennen: 
„In Wegfall kommen hier die vorübergehend bei nor- 
malen oberirdischen Antennen gelegentlich von Ge- 
witterregen oder Hagel auftretenden Störungen, die 
dort verursacht werden durch direkte Ladungs- 
abgaben der Tropfen oder Hagelkörner an den Luft- 
leiter selbst . . .“ Noch später, p. 861, heißt es bei 
dem Absatz: Mittel gegen Aufladungen der Antenne: 
„Wie schon oben erwähnt, kann der Fall eintreten, 
daß infolge von Sandstürmen, Graupeln oder Regen 
die Empfangsantenne so stark aufgeladen wird, daß 
ein Durchschlagen der Abstimmkondensatoren ein- 
tritt. 


Daß wir es bei dem hier beobachteten „Tönen“ 
nicht mit einem Antennenaufladungseffekt zu tun 
haben, geht aus folgendem hervor: Das „Tönen“ 
wurde, wie schon früher erwähnt, auch bei elektrisch 
vollkommen isoliert aufgestelltem, von jedem nach 
außen führenden Draht abgeschalteten, in einem ab- 
geschlossenen Zimmer befindlichen Empfänger, in zur 
Signalstärke von Telegraphiesendern relativ unver- 
änderter Intensität gehört. Man könnte nun weiters 
die Annahme machen, daß das „Tönen“ in irgend- 
einer Weise mit dem Auftreffen der Niederschlags- 
ladung auf das Dach des Hauses oder auf den benach- 
barten Erdboden zusammenhänge. Dem läßt sich ent- 
gegnen, daß dann nie eine so ausgesprochen tonreine 
(oft waren es direkt musikalische Töne) Erscheinung 
mit der absoluten (so hoch aber nur selten beobach- 
teten) Maximalfrequenz von etwa 3000 Hz hätte 
wahrgenommen werden Können. 


Ziemlich entscheidend in dieser Frage sind jedoch 
folgende Beobachtungen, die mehrmals beim Ayuf- 
treten von Blitzen gemacht wurden und die später 
noch einmal besprochen werden: Während eines Ge- 
witters mit Niederschlägen wurde das „Tönen“ ge- 
hört; als sich nun ein Blitz entlud, zeigte 
sich eine plötzliche Frequenz- und Intensitätszunalhme 
des „Tönens“, worauf dann ein langsames Absinken 
auf Null erfolgte. Ein anderer Fall wird im Beobachı- 
tungsbuch wie folgt beschrieben: Mit dem Blitz 
tritt plötzlich ein enorm starkes Brummen auf, das 
rasch auf Null abfällt. Da normalerweise mit der Aus- 
lösung eines Blitzes sämtliche Aufladungen von Ob- 
jekten wenigstens auf kurze Zeit verschwinden 
(manchmal hörte das Tönen tatsächlich mit einem 
Blitze auf), hier das „Tönen“, aber erst mit dem Blitz 


erneut auftrat, kann es bestimmt kein Aufladungs- 


effekt sein. 


Eine andere, wahrscheinlichere Möglichkeit, daß 
dieses „Tönen“ mit einer schon bekannten Störungs- 


1) Banneitz, Taschenbuch, S. 297, 


100 J. Fuchs: 


Emma nn m a 


art identisch ist, ist durch die Beschreibung von 
L. Bergmann‘) gegeben, in der es heißt: „Die 
‚Zischgeräusche‘ kommen nur an ganz heißen Tagen, 
besonders in heißen Gegenden wie in den Tropen 
häufiger vor und vornehmlich bei etwas höher ge- 
legenen Empfangsstationen. Ziehen über die Emp- 
fangsantenne elektrisch geladene Wolken, so komnit 
es zu unsichtbaren Büschelentladungen an den Enden 
der Antenne oder an benachbarten spitzen Leitern 
und hierdurch entsteht im Empfangstelephon ein 
-Zischgeräusch.“ 

Darnach würde also das „Tönen“ stets mit be- 
sonders hohem Potentialgefälle verbunden sein 
müssen. Dafür spricht einmal die Tatsache, daß es 
überhaupt nur bei Niederschlägen wahrgenommen 
wurde und dann, daß oft mehrere, voneinander un- 
abhängige ,„Töngruppen“ gleichzeitig beobachtet 
wurden, die ganz gut Büschelentladungen an ver- 
‚schiedenen Spitzen in der Nähe des Empfängers ent- 


sprechen konnten. 
| x 


Die Intensität des „Tönens“ ist auf allen Radio- 
frequenzen unter 15000 kHz (über 20 m Wellenlänge) 
ziemlich gleich stark. Erst darüber hinaus ist eine 
Intensitätsabnahme merkbar, reicht jedoch noch bei 
25000 kHz aus, um den Empfang von Sendern mit 
Feldstärken unter etwa 15 Mikrovolt/Meter ernstlich 
zu gefährden. Hingegen konnte auf ultrakurzen Wellen 
(50 000—150 000 kHz =6—2 m) trotz hohen Ver- 
stärkungsgrades der verwendeten Apparatur (Super- 
regenerativschaltung) das Tönen nicht mehr wahr- 
genommen werden. 

Auf den Frequenzen des allgemeinen Rundspruches 
(500—1500 KHz = 600 — 200 m) wurde das „Tönen“ 
in gleicher Intensität wahrgenommen. Naclı den 
Mitteilungen des ständigen Beobachters am Sonn- 
blick-Observatorium, Herrn L. Winkler, konnte er 
auf diesem Frequenzbande noch jeden Niederschlazs- 
fall mit dem „Tönen“ verbunden beobachten; nur bei 
Schneefall, wenn die Temperatur unter 0 Grad C ge- 
sunken war, es also nur „hart“ schneien konnte, war 
die „Tön“-Intensität geringer. 


Um auf einfache Weise eine Vorstellung von dem 
Ablaufe einer durch Niederschläge hervorgerufenen 
Störungsperiode geben zu können, sei nachstehend 
ein Auszug aus dem Beobachıtungsbuch mitgeteilt. In 
diesem wurde das „Tönen“ je nach der Tonhöhe ver- 
schieden charakterisiert. Es entsprechen 


Tonart: Frequenz: 
Knarren etwa 25 Hz 
Brummen ,, 40 „, 
Sausen = 250 „ 
Tönen a 600 ,, 
Pfeifen „ 3000 ,, 


Tag: 28. August 1928. 

21h 45m: Feiner Regen; Brummen; kein Brodeln, kein Knacken. 
Zeltweiliges Einsetzen von besonders starkem Pfeifen. 

22h 12m; nen leisen Tönen sehr stark über das ganze Frequenz- 

and. 

22h 18m; Starkes Nebeltreiben; „Tönen“ aufgehört. 

22h 21m: Starker Regen; Brummen sehr stark. Mittleres Knacken. 

22h 38m: Entferntes Gewitter, kein Regen mehr; hohes Pfeifen. 


8) Radio-Umschau, 4, S. 467, 1927. 


22h 43m; 
22h 50m: 
22h 56m: 


23h 00m; 
23h Olm: 
23h 04m; 


23h 05m: 
23h 10m; 


23h 21m: 


In der nachfolgenden Zusammenstellung soll nun 
eine Uebersicht über alle das „Tönen“ betreffenden 
Einzelbeobachtungen sowie deren äußere Begleit- 


Leichter Regen fällt; hohes Pfeifen hält an. Intensità: | 
des Pfeifens ändert sich oft stossweise. i 
Leichtes Gewitter, stärkerer Regen; Pfeifen hält an 
Starker Wind. 

Gewitter kommt näher, Regen; „Tönen“ unverändert 
bis Blitz, nachher sofort Zunahme, dann langsam Ab- 
nahme auf Null. 

In dem Maasse als Regen intensiver wird steigt Ton 
höhe` des „Tönens“, von etwa 90 Hz bis 3000 Hz. 
Blitz! Gleichzeitig enormes Brummen, dann rasch ab- 
flauend auf Null. 

Noch immer starker Regen, andauerndes Brummen. 
»„lönen* nimmt an Intensität zu. 

Es sind zur gleichen Zeit zwei Tonarten hörbar: eine 
schon früher entstandene höherer Frequenz und eine : 
soeben entstandene tiefere Tonhöhe; einige Minuten - 
konstant. 

Regen fast aufgehört; Pfeifen noch immer hörbar. 
Starker Wind. 


in  - - nt Nein - 
N a = 


umstände (Niederschlagsstadien) gegeben werden. | 
Bei Regen wurde beobachtet: 


Regen beginnt: Brummen und Sausen. 
Regen: Brummen. | 
Regen wird intensiver: Frequenz des ‚„Tönens“ 


steigt an. 


Stärkerer Regen: Tönen hält an. (Leichtes Ge- 


witter, starker Wind.) 


Starker Regen: Brummen. 
Starker Landregen: Tönen. Während desselben 


setzt unabhängig davon ein zweites, kräfti- 
geres ein. 


Regen fast nachgelassen: Noch immer Pfeifen, 


starker Wind. 


Leichter Regen: Pfeifen. 
Feiner Regen: Brummen. Zeitweiliges Einsetzen 


von besonders starkem Tönen. 


Nebelreißen: „Tönen“ sehr stark über das ganze 


Frequenzband. 


Regen aufgehört: Sausen aufgehört. Starker 


Wind und Nebel. j 


Regen aufgehört: Fast alle Störungen aufgehört. 
Starkes Nebeltreiben: Tönen aufgehört, starker 


Wind. 


Schnee- und Graupelfall: 
(Giraupelfall: Sausen. 
Graupelfall, dann Schnee: Starkes, tiefes Brum- 


men, gleichzeitig daneben schwaches 
Knattern. 


Graupel- und Schneefall: Die Intensität des 


„lönens“ ist bei Graupel- oder Schneefall 
bedeutend größer als bei Regen. Die Fre- 
quenz ist jedoch im Durchschnitt kleiner. 


Leichter Schneefall: Kratzen, Sausen und Pfeifen 


oft gleichzeitig hörbar. Diese tonfrequenten ' 
Störungen sind oft so stark, daß sie das 
stärkste, von Blitzen herrührenden Knacken 
übertönen. 


Schneefall: Sausen. 
Starker Schneefall: Sehr starkes Sausen. Kurze 


Zeit später ist gleichzeitig Pfeifen hörbar. 


Schneefall: Sausen, Tönen. 

Schneefall: Kratzen. 

Schneefall: Kratzen und Sausen. 

Graupelfall aufgehört: Auf dem ganzen Frequenz- 


bande keine Störung. 


— 


Die Sende- und Empfangsverhältnisse im Hochgebirge mit besonderer Berücksichtigung der atmosphärischen Störungen. 701 


Schneefall aufgehört: Jede tonfrequente Störung 
hat aufgehört, jedoch ist starkes Knacken 
aufgetreten, 


* 


Den vorhergehenden zahlreichen positiven Nach- 


: weisen des Zusammenhanges zwischen dem „Tönen“ 
< und den Niederschlägen stehen nur drei Fälle gegen- 
über, wo einmal bei ganz leichtem Schneefall 
<- und dann zweimal beistarknachgelassenem 


Regen kein „Tönen“ wahrgenommen wurde. Es 


< konnte jedoch im ersteren Falle nicht mit Sicherheit 
„entschieden werden, ob es ein wirklicher Schneefall 
oder nur eine stärkere Verwehung war. 


+ 


Abgesehen von den verschiedenen beobachteten 


-© Tonhöhen ist die Tatsache wichtig, daß während einer 


-- Niederschlagsperiode, 


> das 


die eine Dauer zwischen 
einigen Minuten und einigen Stunden haben konnte, 
„Tönen“ zeitweise aufhörte, um nach einigen 
Sekunden wieder einzusetzen. Sehr oft setzte noch 


= während des Bestandes einer solchen einzelnen „Tön- 


gruppe“ eine zweite mit gleicher oder verschiedener 


- Frequenz ein und beide bestanden eine Zeitlang 


. stärkung der ersteren beobachtet werden; 


nebeneinander, bis eine von ihnen abklang oder plötz- 
lich aufhörte. In allen jenen Fällen, wo die neue 
Gruppe die gleiche Frequenz aufwies, wie die schon 
bestehende, konnte im wesentlichen nur eine Ver- 
dadurch 


= unterschieden sich diese Fälle scharf von der wirk- 


die regelmäßig auch mit 


lichen Intensitätssteigerung einer einzelnen Gruppe, 
einer Frequenzerhöhung 


parallel ging. 


Gegen Ende der Niederschläge schien es oft, als 
würde allgemein die Frequenz des „Tönens“ gestiegen 


sein; es wurde in einem solchen Zeitpunkt sehr oft 


„Pfeifen“ notiert. 
Selbst stärkste \Windstöße konnten keinerlei Ver- 


änderungen in der Tonhöhe und Intensität des 
„lönens“ hervorbringen. 
Zu den interessantesten Eigenschaften des 


„lönens“ gehört dessen Verhalten beim Auftreten 
von Blitzen, wie dies bereits früher erwähnt wurde. 
Es soll hier noch hinzugefügt werden, daß die erwähnte 
Erscheinung der Auslösung einer neuen „Töngruppe“ 
durch den Blitz, nur bei sehr nahen Blitzen in ihrer 
vollen Stärke beobachtet wurde, während bei ent- 
fernten Blitzen oder bei Wetterleuchten nur das be- 
kannte scharfe „Knacken“ hörbar war. 

Es wären demnach noch folgende Tatsachen in 
das bisherige Bild einzuordnen: 1. Starke Bewöl- 
kung allein, auch stärkste, hat nie zum Auftreten 
von „Tönen“ geführt; der geringste Niederschlag 
jedoch genügte, um das „Tönen“ hervorzurufen, das 
dann während der ganzen Dauer des Niederschlages 
— oft aussetzend und wieder erscheinend — anhielt. 
2. Normalerweise verschwindet das Jluftelektrische 
Potential mit dem Auftreten eines Blitzes auf kurze 
Zeit; es wären nun jene Beobachtungen darzustellen, 
wo beim Auftreten eines nahen Blitzes, und zwar mit 
ihm zeitlich genau zusammenfallend, das „Tönen“ im 


Gegenteil erneut auftrat. (Diesbezügliche Unter- 


suchungen sind im Gange.) 


+ 


Zusammeniassung: 


Beobachtungen auf dem Sonnblick in 3106 m Höhe 
haben ergeben, daß die Ausbreitungsverhältnisse für 
Radiowellen bei Sendungen aus diesen Höhen, eben- 
so die dort beobachteten Feldstärken beim Empfang, 
jenen in der Ebene prinzipiell gleichwertig sind. 

Die Störungsgeräusche scheinen einen Zusammen- 
hang mit der augenblicklichen allgemeinen Wetter- 
lage in dem Sinne zu haben, daß sämtliche qualitativ 
und quantitativ vom normalen Tagesgang (Minimum 
vormittags, Maximum nachts) abweichenden Störun- 
gen mit einer bestimmten Witterungsphase am Beob- 
achtungsort und dessen nächster Umgebung zu- 
sammenhängen, so zwar, daß Tiefdruckgebiete und 
Tiefdruckrinnen, auch wenn sie nur geringe Intensität 
haben und deren Zentrum bei Tag weniger als 250 km 
entfernt ist, eine wesentliche Erhöhung der atmo- 
sphärischen Störungen, und zwar besonders des 
„Knackens“ bewirken. Bei allgemeiner Hochdruck- 
lage trat tagsüber bloß leichtes „Brodeln‘“ hervor, 
während sich erst abends, allerdings in geringerer 
Intensität, das „Knacken“ wieder einstellt. Die Wir- 
kung weiter als 250 km entfernter Tiefdruckgebiete 
war nur bei Nacht durch eine allgemein höhere 
Knackintensität und Rahmenpeilung feststellbar. 


Bei Niederschlägen jeder Art konnte eine beson- 
dere Störungsart beobachtet werden, die mit „Tönen“ 
bezeichnet wurde und von solcher Intensität ist, daß 
unter Umständen jeder Radioempfang unmöglich 
werden kann. | 

Nach allen bisherigen Erfahrungen, die durch die 
hier gemachten bestätigt werden, istdas,Knacken“ 
Iuftelektrischen Ursprungs und hat seinen Sitz in den 
Grenzflächen verschieden temperierter Luftmassen; 
es ist jene Störungsart, die sich durch starke Fern- 
wirkung äußert. Das „Tönen“ ist eine ton- 
frequente Induktionserscheinung ganz lokalen Cha- 
rakters und hat mit großer Wahrscheinlichkeit un- 
sichtbare Büschelentladungen infolge hohen luftelek- 
trischen Potentialgefälles zur Ursache; ihre Fern- 
wirkung bleibt auf die nächste Umgebung des Be- 
obachtungsgebäudes beschränkt. Das „Brodeln“ 
dürfte mit der Summe der Knackstörungen aus der 
weiteren Umgebung identisch sein. 


Das Hochgebirge ıst für das Studium der atmo- 
sphärischen Störungen der drahtlosen Telegraphie 
besser geeignet als die Ebene. 


% 


Zum Schlusse möchte ich dem Kuratorium des 
Sonnblickvereins in Wien sowie der Kaiser- 
Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissen- 
schaften in Berlin, für die Ermöglichung der vor- 
liegenden Untersuchung durch Bereitstellung der 
Mittel meinen herzlichsten Dank aussprechen. 


(Eingegangen am 6. Mai 1929.) 


102 


Patentschau. 


Patentschau. 
Von Carl Lübben. 
Die Erfindung betrifft die Herstellung von piezo- )ı 


Fremdgesteuerter Röhrensender. 


Brit. Pat. 308 270 (Kolster-Brandes, 20. März 1928), 
veröffentlicht am 15. Mai 1929. 


Bei der in Bild 1 wiedergegebenen Anordnung 
zur Schwingungserzeugung durch Fremdsteuerung 
soll der Steuersender I von dem Leistungs- 
verstärker II räumlich soweit getrennt aufgestellt 


A, A: A 
IE, E SRER 
-->=--.- >-- >- j z 
I 
Bild 1. 


werden, daß jede kapazitive oder elektromagnetische 
Rückwirkung praktisch vermieden ist. Die Ueber- 
tragung der Steuerenergie erfolgt durch eine kleine 
Sendeantenne A, am Steuersender I und eine Emp- 
fangsantenne A, am Verstärker II. Diese Empfangs- 
antenne ist mit dem Gitterkreis der Leistungsröhre II, 
die eigentliche Strahlenantenne A mit dem Anoden- 
kreis gekoppelt. 


Drossel für Röhrensender. 


D.R.P. 476 063, Klasse 21a‘, Gruppe 8 (Telefunken), 
Pat. vom 1. Januar 1928, ausgegeben am 14. Mai 1929, 


Für Röhrensender werden häufig Drosseln ver- 
wendet, um den Gleichstromweg gegen Hochfrequenz 
zu sperren. Um wirksam zu sein, müssen diese 
Drosseln sehr groß sein. Dies hat aber oft den Nach- 


teil, daß in der Drossel Eigenschwingungen auftreten, . 


die zu Verlusten und unter Umständen zum Aussetzen 
der Schwingungserzeugung Veranlassung geben. 


Bild 2. 


Erfindungsgemäß soll eine Drossel Verwendung 
finden, die relativ wenig Windungen besitzt, der aber 
durch Kopplung mit einer von Hochfrequenz durch- 
flossenen Spule eine Gegen-EMK zugefügt wird, die 
annähernd die restliche Hochfrequenzkomponente in 
der Drossel kompensiert. Eine derartige Schaltung 
zeigt z. B. das Bild 2, in dem die Drossel D mit dem 
Schwingungskreis C, L in der angegebenen Weise ge- 
koppelt ist. 


Herstellung von piezoelektrischen Körpern. 


D.R.P. 476506, Klasse 21a‘, Gruppe 8 (Siemens 
& Halske), Pat. vom 18. April 1928, ausgegeben am 
22. Mai 1929, ` 


elektrischen Körpern aus gekörnten oder pulve- 
risierten Piezostoffen. Erfindungsgemäß sollen diese 
mit einem flüssigen Isolierstoff vermengt und in 
einem elektrischen Felde zum Erstarren 
werden. Unter der Einwirkung des 


Feldes orientieren sich die einzelnen Piezoteilchen 


gebracht 
elektrischen : 


gleichsinnig. Zum Einbetten eignen sich besonders : 


harzartige Stoffe, wie Schellack und Kunstharze. 
Zweckmäßig wird die Masse unter Druck zum Er- 
starren gebracht. Bei der Herstellung kann der 
Körper von vornherein in die für die Verwendung 
zweckmäßige Form gebracht werden. Eine derartige 
Einrichtung zeigt z. B. das Bild 3. Ein Ring 1 aus 


Bild 3. 


geeignetem Material, z. B. Glas, wird zu beiden 


Seiten durch Metallbelege 2, 3 abgeschlossen. Der ` 


Raum zwischen den Belegungen wird mit der Piezo- 
masse angefüllt und unter Anlegung eines elektrischen 
Feldes zum Erstarren gebracht. 


Piezo-Bandiilter. 


T 
Brit. Pat. 303 180 (Stand. Tel. Cables Ltd., 29. De- 
zember 1927), veröffentlicht am 20. Februar 1929. 
Zur Aussiebung bestimmter Frequenzen soll ein 
Bandfilter verwendet werden, das in den einzelnen 


Bild 4. 


Gliedern Piezokristalle eingeschaltet enthält. Eine 


derartige Anordnung zeigt Bild 4. Es sind mehrere . 


Piezokristalle P im Filter umschaltbar vorgesehen, 
um eine Aussiebung verschiedener Frequenzen vor- 
nehmen zu können. 


Kurzwellen-Röhrensender. 
D.R.P. 477 309, Klasse 2lat, Gruppe 9 (Esau), Pat. 
vom 23. März 1928, ausgegeben am 5. Juni 1929, 
Bei Kurzwellenröhrensendern können infolge der 


relativ hohen Kapazität zwischen Gitter und Kathode . 


die Heizstromzuführungen leicht zu Schwingungen 
angeregt werden. Erfindungsgemäß soll dies dadurch 
verhindert werden, daß in die Heizstromleitungen 
Abstimmelemente eingeschaltet werden, die eine Ver- 
stimmung gegenüber der Sendewelle :-rmöglicher. 


= Patentschau. c 


3ei der in Bild 5 wiedergegebenen Anordnung sind 
Irösseln D vorgesehen, deren Windungszahlen ver- 
indert werden können, während bei der in Bild 6 
largestellten Anordnung eine Kombination von 
‚Jrosseln D mit einer Abstimmkapazität C Verwen- 
"lung findet. 


ES 


= 


Bild 6. 


Bild 5. 


Fading-Beseitigung. 


D. R.P. 477055, Klasse 21a’, Gruppe 9 (Tele- 
funken), Pat. vom 11. 2. 28, ausgegeben am 3. 6. 29. 


Zur Beseitigung der Fadingstörungen soll in gegen 
die Dauer des Fadings kurzen Zeitabschnitten die 
Modulation kurzzeitig unterbrochen werden und ein 
Hilfston gesendet werden, dessen Frequenz in das zu 

„übertragende Frequenzband fällt. Am Empfänger wird 
. dieser Hilfston synchron auf ein Hilfsgerät geschaltet, 
-der die Verstärkung des Empfängers entsprechend 
der Fadingschwächungen derart regelt, daß am Emp- 
fänger eine konstante Lautstärke auftritt. Eine der- 
artige Einrichtung zeigt das Bild 7. Der Hilfston wird 
dem Gitterkreis einer Gleichrichterröhre G zugeführt, 


Empfänger ra) 


TP, R 6 
A = = 
| 1 O7 C ® alz 
| ii 
Bild 7. 


-in dessen Anodenkreis ein Kondensator C eingeschal- 
"tet ist, der während des Hilfstones eine gewisse 
“ Ladungsmenge aufspeichert, die die Gittervorspan- 
nung einer Röhre R ändert. Im Anodenkreis der 
Röhre R liegt ein Widerstand W, dessen Spannungs- 
l abfall die Vorspannung am Verstärker des Empfän- 
z gers beeinflußt. 


l Beseitigung der Fadingstörungen. 
©  D:R.P. 476917, Klasse 21a’, Gruppe 9 (Tele- 
+ funken). Pat. vom 19. 2. 28, ausgegeben am 30. 5. 29. 


Die Erfindung betrifft eine Empfangsanordnung 
œ zur Beseitigung der Fadingstörungen, die infolge 


Viertel Wellenlänge entsteht. 


103 


Drehung der Polarisationsebene auftreten. Die Ver- 
wendung von zwei senkrecht zueinander orientierten 
Antennen, die getrennt die beiden Komponenten des 
beliebig orientierten elektrischen Feldes aufnelımen 
würden, kann die genannten Störungen nicht eliminie- 
ren, da die gleichphasigen Komponenten sich im Emp- 
fänger algebraisch addieren würden, so daß sie 
sich entweder addieren oder aufheben. Erfindungs- 
gemäß soll nun eine künstliche Phasenverschiebung 
von 90° für beide Komponenten hergestellt werden, 
so daß eine Auslöschung bei keiner Drehung ent- 
stehen kann. Im Bild 8 wird die Phasenverschiebung 
dadurch hergestellt, daß die Uebertragerleitungen 


Bild 9. 


K, und K, zwar elektrisch gleich, aber in ihrer Länge 
verschieden sind, so daß eine Wegdifferenz von ein 
Im Bild 9 ist ein zu- 
sätzlicher Schwingungskreis S in eine Uebertrager- 
leitung eingeschaltet, während die Leitungen K, und 
K, selbst gleich sind. 


Röhrenmodulations-Schaltung. 


D. R. P. 476 147, Klasse 21 a, Gruppe 15 (Siemens 
& Halske). Pat. vom 25. 6. 27, ausgegeben am 
17. 5. 29. 


Wird zur Modulation hochfrequenter Schwingun- 
gen dem Gitter einer Röhre die Träger- und die 
Modulationsschwingung aufgedrückt, so sind die 


Bild 10. 


Aenderungen der Ausgangsamplitude den Aende- 
rungen des Gitterpotentials nicht proportional. Er- 
findungsgemäß soll diese Linearität dadurch erzielt 
werden, daß zwei in Kaskade geschaltete Röhren 
verwendet werden, deren beiden Gittern zugleich die 
Steuerspannung aufgedrückt wird. Eine solche An- 
ordnung zeigt Bild 10. Der Verstärkungsfaktor für 


104. 


zwei in Reihe geschaltete Röhren ist 


© Ri 
V=(S-R FIR 
t a 


Für die Steilheit gilt bekanntlich die Beziehung 


2 
) (S- Ra)?, wenn Raklein gegen R;ist. 


S= êf A- (Eg +D Ea)" 
Aus beiden Gleichungen ergibt sich: 


V= (èj A Ra)? (Ez + D Ea) 


Aus dieser Gleichung erkennt man, daß die Ver-” 


stärkung V linear von der Gittervorspannung Ey, ab- + 
hängig ist. 


Kurzwellen-Antennenanlage. 


D.R.P. 476918, Klasse 2la*t, Gruppe 46 (Tele- 
funken), Pat. vom 9. Dezember 1926, ausgegeben am 
27. Mai 1929. 


Bei der Uebertragung von Nachrichten mit kurzen 
elektrischen Wellen treten häufig Störungen durch 
Verdoppelung der Zeichen auf, die durch Wellen ver- 
ursacht werden, die in Richtung der längeren Ent- 
fernung zwischen Sender und Empfänger um den Erd- 
ball herum zum Empfänger gelangen. Erfindungs- 
gemäß sollen diese Störungen dadurch beseitigt wer- 
den, daß eine Abschirmvorrichtung verwendet wird, 


‚Bild 11. 


die in einer Entfernung von einer Viertelwellenlänge 
hinter der Empfangsantenne A (Bild 11) in der dem 
Sendeort abgewendeten Richtung angeordnet ist. Der 
Schirm besteht aus einer Reihe senkrecht isoliert auf- 
gehängter Drähte d, die das obere Antennenende 
mindestens um eine Viertelwellenlänge überragen. 


Entiernungsbestimmung. 


‚ Brit. Pat. 302602 (Koulikoff, Chilowsky, 15. De- 
zember 1927), veröffentlicht am 13. Februar 1929. 


Zur Entfernungsbestimmung sollen die von einem 
Sender C (Bild 12) ausgestrahlten Wellen am Gegen- 
ort von einem Empfänger F aufgenommen und zur 
Steuerung eines am gleichen Ort aufgestellten Sen- 
ders R benutzt werden. Die zurückgestrahlten Wellen 
werden am ersten Ort von eineın Empfänger E auf- 
genommen. Die vom Sender @ ausgestrahlten Wellen 
werden von einem Modulator M moduliert. Die 
Modulationswelle wird am Gegenort durch den Emp- 
fänger F ausgesiebt und durch die Modulations- 
röhre Mr zur Modulation des Senders R verwendet 
Dem Empfänger E am ersten Ort wird ebenfalls die 
Modulationswelle vom Modulator M unmittelbar auf- 
gedrückt. Am Empfänger E interferieren also die 


Patentschau. 


beiden gleichen Modulationswellen mit einer Zeit 
differenz. Die Modulationsfreauenz wird so ein 
gestellt, daß im Kopfhörer T eine maximale oder 
minimale Lautstärke eintritt. In diesem Falle kan 
aus der Modulationsfrequenz die Entfernung errechnet 
werden (vgl. auch Brit. Pat. 227 801, 230.013, 241505) 


Bild 12. 


Synchronhaltung bewegter Antriebe für Bilde ı 
telegraphie. f 


D.R.P. 476324, Klasse 2lat, Gruppe 32 (Tee- 
funken), Pat. vom 23. Juni 1926, ausgegeben am 
15. Mai 1929. ‘ 


Erfindungsgemäß sollen zur Synchronhaltung be | 
wegter Antriebe insbesondere für Zwecke der Bild- 
telegraphie auf beiden Stationen selbständige Energie- 
quellen von konstanter Frequenz verwendet werden 
und die für die Konstanthaltung der Drelizahl er- 
forderliche Energie einer nicht modulierten Stufe eines 
örtlich vorhandenen Röhrensenders entnommen wer- 
den, der zweckmäßig durch einen Piezokristall au 
konstanter Frequenz gehalten wird. 


-o mn me 
wein. vr weg: e.“ 


Bildübertragung in natürlichen Farben. 


Brit. Pat. 308277 (Thomson-Houston, 20. März 
1928), veröffentlicht am 15. Mai 1929. 


En _— —__  —f RE ——— 
a Eu 


Bild 13. 


Die Bildzerlegung soll durch eine rotierende 
Scheibe 1 (Bild 13) erfolgen, die zwei spiralig an- ., 
geordnete Reihen von Löchern 2, 3 besitzt. Auf der 
Achse 4 dieser Scheibe sitzt ein Zahnrad 5, das eine 
zweite Scheibe 6 antreibt. Diese Scheibe ist in farbißt 1," 
Sektoren 7,8... eingeteilt, durch welche die gleichen ` 
Farben des Bildes ausgefiltert werden. Die ver } 


Referate. 105 


schiedenen Farben entsprechen den Lochreihen 2,3... Die neuesten deutschen Hochfrequenz-Patente 


- Zeim Empfänger wird eine ähnliche Anordnung mit 


= ; Klasse Aus- 
arbigen Lichtquellen verwendet. Nr. BE a ER 
Gruppe ta 
Lichtelektrische Zelle. er z 
D.R.P. 477158, Klasse 21g, Gruppe 29 (Tele- 433602] 214122 18. 5.29 | Störbefrelung 
: ; atj . 0. renschaltung 
'unken), Pat. vom 9. Juli 1925, ausgegeben am 372895 312.13 | 16.3.29 | Habannröhre 
>. Juni 1929. ..*476063| 21al/8 | 14.5.29 | Röhrensender 
- Für photoelektrische Zellen verwendet man Alkali-  476065| 21g/3l | 15.5.29 | Magnetisches Material 
:2lektroden von Caesium oder Rubidium und Gas- *476147| 2la?/l5 | 17.5.29 | Röhrenmodulationsschaltung 
"tüllungen. Die Verarbeitung der Alkalimetalle ist ae 5 oo Si > Er onen g 
schwierig und gefährlich und Rubidium- oder 476280 2lal/8 | 16.5.29 | Fremdgesteuerter Röhrensender 
-Saesiumzellen sind bisher teuer in der Herstellung. +476324 2121/32 15. > 29 pildübi iagung 
Erfindungsgemäß sollen lichtelektrische Zellen in der 476 325| 21a?/41 | 16.5.29 | Verstärker 
- 2 : 476 404| 21la4/8 16.5.29 | Röhrensender 
‚Weise hergestellt werden, daß als Elektrode ll *476 506| 21a!/8 12.5.29 | Herstellung von Piezokörpern 
"Alkalimetall-Legierung verwendet wird, die aus 476510 21g/10 | 18.5.29 | Einstellvorrichtung 
Kalium oder Natrium mit höchstens 3—4% Zusatz 476610) 21g/11 | 23.5.29 | Elektrolyt für Gleichrichter 
"von Rubidium oder Caesium oder eines Gemisches 476896| 2la%/l | 27.5.29 a eigen bei Röh- 
. rensenaern 
beider besteht. *476 917| 2lat/9 | 30.5.29 | Fadingbeseitigung 
*476 918| 21a?/46 | 27.5.29 | Kurzwellenantenne 
N 476 923| 21g/13 | 30.5.29 | Gittervorspannungsregelung 
Herstellung son rathoden *477055| 21249 | 3.6.29 | Fading-Beseitigung 
D.R.P. 477 232, Klasse 21g, Gruppe 13 (AEG, Tele- a or o 3 3 5 lee 
2 i 2ig U öhre 
N vom 23. Juni 1922, ausgegeben am „,77158 218/29 | 6.6.29 | Lichtelektrische Zelle 
477 186, 21g/13 | 6.6.29 | Röhre 
- Gemäß der Erfindung sollen Kathoden für Röhren *477232| 2lg/l3 | 4.6.29 | Herstellung von Kathoden 
dadurch hergestellt werden, daß den Metallfäden Zu- *477 309| 21a'/> 5.6.29 | Kurzwellen - Röhrensender 
D j 477 326| 21a!/6 9.6. 29 | Frequenzsteigerung 
sätze von Metallen der seltenen Erden oder des 477307 2la!6 5.6.29 | Frequenzsteigerung 
. Yttriums oder Scandiums bzw. deren Oxyde oder 477328) 2lał/68 | 5.6.29 ` apui 
i i e eben werden, die einer 477 444! 21a!l’32 7.6.29 | Synchronisierung 
A Sl 477 496| 212177 | 8.6.29 | Röhrenhalter 


"Reduktion unterliegen. Durch diese Kathoden soll 
“eine Elektronenemission erzielt werden, die diejenige 
“der thorhaltigen Drähte erheblich überschreitet. 


Die mit * bezeichneten Patente sind in diesem Heft aus- 
führlich referiert. 


Referate. 
‚ H. T., Fris. Oszillographische Beob- az 
"ıchtung der Fortpflanzungsrichtung £ (-4 Empfänger 
„ind der Schwunderscheinungen bei a 
xurzen Wellen. (Oszillographic observations on BND | | 
he direction of propagation and fading of short A40 Q ug 2: 
waves.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 658—665, 1928. uberlagerer | 
‚Aus den Bell Tel. Lab., New York.) ET N 
nders 


; Die Sendestation, die gewöhnlich benützt wurde, 
“war der englische Richtsender GBK (4 = 16 m). 


1. Um die Richtung der ankommenden Wellen 
n der Horizontalebene zu bestimmen, wurde fol- 
gende Anordnung verwendet (Bild 1). Zwei Empfän- 


ger R, und R, werden in einer Linie senkrecht zur 
Verbindungslinie Sender—Empfänger im Abstand von MA O. 
à /3 aufgestellt. Durch einen von beiden Empfängern VA 

15° 


gleich weit entfernten Hochfrequenzsender (Ueber- g= 
lagerer) wird in den beiden Empfängern derselbe 
Niederfrequenz-Schwebungston erzeugt und die 
„Spannungen dieser beiden Niederfrequenzströme den 
` Ablenkungsplatten einer Braunschen Röhre zu- 
` geführt. Je nach der Phasenverschiebung dieser 
` niederfrequenten Ströme erscheinen dann bekannt- 
| „dich bei gleicher Amplitude derselben die in dem un- 
“teren Teil von Bild 1 eingezeichneten Figuren. Da 
be der gewählten Anordnung die Phasenverschie- 


Braun’sche Aöhre 
A. Ansicht von oben 


ODDD 


5° 80° 5° A 
8 x z E F 
8.fyuren auf der Braun schen Röhre,die den 
Aichlungen A,B,C efc. oben entsprechen 


Bild 1. 


bung der niederfrequenten Ströme gleich derjenigen 
der Hochfrequenzströme ist, die in den beiden Emp- 
fängern durch die ankommenden Wellen induziert 
wird, und da diese in einfacher Weise von der Rich- 


106 


tung der ankommenden Wellen abhängt, so kann 
aus den Bildern an der Braunschen Röhre die 
Richtung der ankommenden Wellen bestimmt werden. 

Mit dieser Anordnung wurden zu den Zeiten, in 
denen die Wellen die Nacht-Tag-Grenze passierten, 
starke Aenderungen der Figuren beobachtet, und 
zwar zum Teil Abweichungen der Richtung bis zu 
30° von der Richtung Sender—Empfänger. 

2. Für die Messung der Wellenrichtung in der 
Vertikalebene wurde die Anordnung von Bild 1 in 


F 46 
q l- 3 Braunsche 
c Rohre 
8 
RA E 
BE eu ; 


Erdoberfläche 
A. Seiten -Ansicht 


742 20ON 


15° 

A 8 

3. Figuren auf dem Schirm der 8raun u Röhre, die den 
Richtungen A, B, € etc oben entsprechen 


Bild 2. 


diejenige von Bild 2, die nach dem eben Ausgeführten 
ohne weiteres verständlich ist, umgeändert. 

Soll die Richtung der Wellen im Raum, nicht nur 
ihre Vertikal- oder Horizontalkomponente bestimmt 
werden, so sind die Anordnungen von Bild 1 und 2 


zu vereinigen, wie es in Bild 3 dargestellt ist. Der 
Az 
8 —> A3 
A — 
Ansıcht von oben 
Ay 
Ta 
25° Pf, 


Seitenansicht. 


Bild 3. 


Verfasser berechnet für diese Anordnung die Figuren, 
die auf dem Schirm der beiden Braunschen Röh- 
ren in den verschiedenen in Betracht kommenden 
Fällen entstehen müssen. 

Bei Beobachtungen dieser Art stellte sich heraus, 
daß die Aenderungen in dem Winkel, den die Fort- 
pflanzungsrichtung der Wellen mit der Erdoberfläche 
bildet, im allgemeinen viel größer sind, als die Aende- 
rungen des Winkels, den die Wellenrichtung in der 
Horizontalebene mit der Linie Sender — Empfänger 
einschließt. 


3. Schwunderscheinungen. 

Die Aenderung in der Größe der Figuren zeigt 
ohne weiteres Schwunderscheinungen an. Die be- 
obachteten hatten eine mittlere Periode von ungefähr 


Referate. 


5 sec. 


oder schmale Ellipse) mit großer Geschwindigkeit 
rotierte.e Das ist kaum anders zu deuten, als dab 
diese Schwunderscheinungen durch Interferenz zu- 
stande kommen. J. Zenneck. 


E. V. Appleton Die Untersuchung der 
Schwunderscheinung. (The study of signal 


Dabei ergab sich, daß zu den Zeiten, in denen | 
die Wellenamplitude schwach war, die Figur (Gerade 


- ie. è 


fading. An account of the work of the Peterborough 
radio research station of the department of sientific 


and industrial research.) Journ. Inst. Electr. Eng. 


London 66, S. 872-885, 1928. 


Die Untersuchung der Schwunderscheinung wurde 
in Entfernungen kleiner als 200 km vom Sender vor- 
genommen. Man empfängt dort einmal die sich am 
Erdboden ausbreitende Welle, andererseits die unter 
großen Winkeln einfallenden, von der Heaviside- 
Schicht reflektierten Wellenzüge, wobei diese re- 
flektierten Wellen elektrische Komponenten in der 
Fortpflanzungsebene und senkrecht dazu haben. 


und der zugehörigen Einfallswinkel kann man am 
Empfangsorte durchführen, wenn man die Wellen- 
länge des Senders kontinuierlich um einen kleinen 
Betrag ändert, z. B. bei A = 400 m um 10 m. 


Hat man einen Rahmen in der Fortpflanzungs- 
ebene aufgestellt, dann beobachtet man z. B. nachts 
bis kurz nach Sonnenaufgang erhebliche Schwan- 
kungen der Intensität; diese können einmal durch 


eine Veränderung des Verhältnisses der magnetischen - 


Feldstärke in der Erdwelle H, zu der der Luftwelle 
H, oder durch eine Aenderung der durch die ver- 
schiedenen Wege hervorgerufenen Phasendifferenz © 
beider Wellen hervorgerufen sein. Bei einer lang- 
samen Aenderung der Wellenlänge ändert sich 
auch ©. Bei einer Aenderung 2r tritt im Signal- 
strom ein Maximum M und ein Minimum m auf. Aui 


diese Weise läßt sich der Einfluß der Phasendifferenz : 


Man 


Die relativen Inten- 


auf den empfangenen Signalstrom eliminieren. 
E H, __ y/ Mm—1 

En ea = Ver 
sitäten beider Strahlen lassen sich so berechnen. Den 
Einfallswinkel Pp, der Luftwelle kann man durch 
gleichzeitige Messung der Maxima M und Minima m 
der Empfangsströme in einem Luftleiter L und 
einem Rahmen R bestimmen nach der Formel: 


sin Ø, = o X Mjm— 1 
M/m-1)/ı M/m--1 


Die Methode der Wellenlängenänderung besitzt fol- . 


gende Vorteile: 
1. Sie erlaubt eine Lösung der genannten Pro- 
bleme mit einfachen Intensitätsmessungen. 


2. Man braucht die Stärke der Bodenwelle nicht 
zu kennen. 


- 
a nun ei = 


Die 
Bestimmung der Größe der einzelnen Komponenten 


—_ A TT 


3. Es ist eine sehr empfindliche Methode zum - 


Nachweis reflektierter Luftwellen, besonders 


wenn sie sehr schwach sind. 

4. Man kann also die Wegdifferenzen zwischen 
der Boden- und Luftwelle und damit die Höhe 
der Heaviside- Schicht feststellen. 


-n 
— 


Die Intensitätsschwankungen der reflektierten 
Luftwellen können, soweit sie die nornıal polarisierte 
„Komponente betreffen, mit einer Kombination von 
-Luftleiter und Rahmen aufgenommen werden. Diese 
-hat eine kardioidenförmige Ferncharakteristik, mit 
der man bei Tage den Empfang der Bodenwelle voll- 
kommen ausschalten kann. Die abnormal polarisierte 
Komponente wird mit einem Rahmen rechtwinklig 
“zur Fortpflanzungsebene gemessen. 

= Die Empfangsintensität wurde mit Detektor und 
"Galvanometer oder mit der in Bild 1 dargestellten 


w i 
fer - 


Bild 1. 


tz 


:Röhrenvoltmeter-Schaltung gemessen, wo die Wir- 
kung des Anodenstromes auf das Instrument G durch 
eine Brückenschaltung beseitigt ist. 

| Versuchsergebnisse. Aus den Messungen 
der letzten Jahre nach der angegebenen Methode er- 
v gibt sich folgendes: 

1. Die Schwunderscheinunge (fading) beruht auf 
-den Einwirkungen verschiedener Strahlen, die von 
- der oberen Atmosphäre abgelenkt sind. Das Auf- 
-treten von Maxima und Minima bei der Wellen- 

.längenänderung ist auf zwei Gruppen von Wellen 
» zurückzuführen, von denen die eine die Bodenwelle 
‚ist. Die mit einer Rahmenantenne aufgenommenen 
„Maxima sind größer als die mit senkrechtem Luft- 

: "leiter, also muß eine Wellengruppe den Boden unter 

..kleinerem Winkel als 90 Grad erreichen. 

2. Messungen der Höhe der ionisierten Schicht aus 
“der Phasendifferenz oder aus dem Einfallswinkel er- 
„gaben für die meisten Nächte eine allmähliche Zu- 
"nahme nach Sonnenuntergang, bis etwa 1 Std. vor 
„.Sonnenaufgang das Maximum erreicht war. Dann 
“nahm die Höhe schnell zu den niedrigen Tagewerten 

von 70-80 Km ab. Nach Sonnenaufgang ist die In- 

' tensität der reflektierten Strahlen so gering, daß 

.. Höhenbestimmungen kaum möglich sind. In gewöhn- 
lichen Nächten schwankt die Höhe zwischen 90 und 

130 km. In Winternächten sind häufig Höhen von 

7'250 bis 350 km in den letzten drei Stunden vor der 

i: Morgendämmerung gemessen. Etwa 30—40 Minuten 

+ vor Sonnenaufgang sank die Höhe sprunghaft auf den 

normalen Wert. Es muß also die lonisation in der 

-_Heaviside-Schicht durch Rekombination soweit 

|" erniedrigt sein, daß die Wellen erst an höheren, 

[“ ionenreicheren Schichten abgelenkt werden. Nach 
‚den Tagesbeobachtungen scheint eine andere ioni- 
<- sierte Zone unterhalb der Heaviside-Schicht in 
50—60 km Höhe gebildet zu werden, welche die 
x Wellen schwächt, ohne auf die reflektierenden 
s Schichten in 70—80 km Höhe besonders einzuwirken. 

“ 3, Die an den oberen Schichten reflektierten 

Wellen könnten Schwankungen der Signale bei Nacht 
‚ bewirken, und zwar durch Aenderung a) des Einfalls- 
' winkels, b) der Intensität, c) der Phase und d) der 

© Polarisation der von oben kommenden Welle. Der 
Einfallswinkel Ø, kann sich stark ändern, bewirkt je- 
4 doch keine Schwankungen der Signale. Aenderungen 

i der Intensität der reflektierten Welle sind viel häu- 


Referate. 


107 


figer als Phasenänderungen zwischen Boden- und 
Luftwelle. Die beiden senkrecht aufeinander stehen- 
den Komponenten der reflektierten Wellen ändern 
sich gleichzeitig, so daß man keine Drehung der 
Polarisation erhält. 

Nach den Beobachtungen rufen in der Hauptsache 
Intensitätsschwankungen, weniger die Phasenände- 
rungen die Fadingerscheinung hervor. 

4. Messungen der Polarisation der reflektierten 
Welle zeigten sie annähernd zirkular polarisiert, und 
zwar im Linkskreis. Dies könnte durch den Erd- 
magnetismus bewirkt sein. Sicher wäre dies, wenn 
man auf der südlichen Halbkugel Rechtspolarisation 
fände. 


Beobachtungen während der Sonnen- 
finsternisam 29. 6. 1927. 


Eine Messung des Verhältnisses der Intensität H, 
der normal polarisierten Komponente der reflektierten 
Welle zu der Intensität H, der Bodenwelle zeigte eine 
Steigerung auf den 16fachen Wert des gewöhnlichen 
Verhältnisses bei Tage von H,/H, = 0,012 auf H,/H, 
= 0,2 während der Sonnenfinsternis. Gleichzeitig mit 
der Zunahme der Amplitude wurde die Wegdifferenz 
zwischen Boden- und Luftwelle vergrößert, während 
der Einfallswinkel der von oben kommenden Luft- 
wellen verkleinert wurde. Hieraus ergibt sich eine 
Veränderung der Höhe der reflektierenden Schicht 
von 75 km auf 94 km. Den Verlauf der Höhe mit 


der Zeit zeigt das Bild 2. Hierbei wurde in Peterbo- 
rough der Sender Birmingham (A = 491 m) auf- 
genommen. 

Ferner werden noch Intensitätsmessungen mit 
einfachen Geräten in Nottingham und Giggleswick 
mitgeteilt. Hier wurde der mit konstanter Welle und 
Energie sendende Londoner Sender 2 LO, A = 361 m, 
aufgenommen.. In beiden Fällen wurde wieder eine 
erhebliche Intensitätssteigerung der reflektierten Luft- 
welle gefunden. E. Lübcke. 


R. C. Colwell. Schwunderscheinungen 
längseinesMeridians. (Fading curves along 
a meridian.) Proc. Inst. Eadio Eng. 16, 1570—1573, 
1928. 


Der Verfasser berichtet über die Aufnahme der 
Zeichenstärke von der Station KDKA in Pittsburgh 
Pa. und Morgantown W. Va. Die Aufnahmen wurden 
mit einem Zwischenfrequenzempfänger und halb auto- 
matisch registrierendem Galvanometer gemacht. Sie 


108 


Referate. 


haben besonderes Interesse, da Pittsburgh und 
Morgantown ziemlich genau auf demselben Meridian 
liegen. Die Versuche wurden über 21 Tage im Winter 
1926/27 ausgedehnt und wurden immer in den Abend- 
stunden um Sonnenuntergang herum ausgeführt. 
Nimmt man das Mittel je über 5 Minuten und mit- 
telt man dann über alle 21 Beobachtungen, so erhält 
man, wenn man die Zeit stets auf den Sonnenunter- 
gang bezieht, die Kurve des nebenstehenden Bildes, 


Millere Intensi 


i j 60 70 8&0 
Zet in Minuten 


d. h. verhältnismäßig konstante Werte während des 
Tages, dagegen kurz vor Sonnenuntergang einen An- 
stieg der Intensität auf die meist unregelmäßigen 
Nachtwerte. 

Die Originalaufnahmen selbst, nicht ihre Mittel- 
werte, weisen auf einen großen Unterschied zwischen 
klaren und wolkigen Tagen hin. Während die Zeichen- 
stärke an wolkigen Tagen vor Sonnenuntergang ganz 
geringe Schwankungen zeigt, erhält man an klaren 
Tagen sehr starke zeitliche Aenderungen (Schwund- 
erscheinungen). Nach der Auffassung des Verfassers 
liegt der Grund darin, daß an wolkigen Tagen unter 
den Bedingungen der Versuche praktisch nur die 
Bodenwelle empfangen wird, da der Zustand der 
Atmosphäre verhindert, daß die Luitwelle mit merk- 
licher Intensität die Heavisideschicht erreicht, 
dort reflektiert wird und dann mit der Bodenwelle 
Interferenzen liefert. J. Zenneck. 


G. Breit, M. A. Tuve und O. Dahl. Wirksame 
Höhe der Kennelly-Heaviside-Schicht 
im Dezember 1927 und Januar 1928. 
(Effective heights of the Kennelly-Heaviside layer in 
December 1927 and January 1928.) Proc. Inst. Radio 
Eng. 16, S. 1236—1239, 1928. 


Die Verfasser haben wieder mit dem Sender des 
Naval Research Laboratory in Bellevue Anacosta 
D. C., einem: Empfänger, der 7 Meilen davon ent- 
fernt war, und einer Frequenz 4,015:10°/secce A = 
75 m) die äquivalente Höhe der Kennelly-Hea- 
viside-Schicht bestimmt. Die Methode war die 
Echo-Methode in der verbesserten Form, über die sie 
schon früher (Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 794, 1928, 
ref. ds. Jahrb. 34, 37, 1929) berichtet hatten und die 
sehr scharfe (kurze) Zeichen zu geben und im Emp- 
fänger zu registrieren gestattet. | 

Das neue an den jetzigen Ergebnissen ist, daß sie 
häufig von einem Zeichen nicht nur ein Echo, son- 
dern zwei oder drei bekamen und daß die Höhen 
(oder richtiger Wegdifferenzen), die sich daraus be- 


rechneten, im Verhältnis 1 : 2 : 4 standen. Bei- 
spiele sind: 
l. 2. 3. Reflexion 
Weg 75 150 300 Meilen 
5 65—70 140 280 A 


Die Höhen, die aus der ersten Reflexion folgten, 
lagen bei einer Gruppe von Beobachtungen, zu der 


die angeführten Beispiele gehören, zwischen 65 und| ' 
75, bei einer großen anderen Gruppe zwischen 1% 
und 145 Meilen. J. Zenneck 


R. Gunn. Die diamagnetische Schicht! 
der Atmosphäre undihre Beziehung | 
den täglichen Aenderungen des Erd J| 
magnetismus. (The diamagnetic layer of tk‘ 
earths atmosphere and its relation to ihe dium:l 
variation of terrestrial magnetism.) Phys. Rev 3 | 
133—141, 1928. 


Von allgemeinerem Interesse sind die Berechun- | 
gen, die der Verfasser seiner Erklärung der täglichen 
Aenderungen des erdmagnetischen Feldes voranstell. 
Setzt man ein konstantes, elektrisches und magne- 
tisches Feld voraus und legt man ein rechtwinkliges 
Koordinatensystem so, daß die Z-Achse in Richtung 
des magnetischen Feldes H und die Y-Achse senk- 
recht zum elektrischen und magnetischen Feld ist, so |. 
zeigt die Rechnung, daä das wirksame Leitverniögen 
einer ionisierten Schicht in den verschiedenen Rich- 
tungen verschieden, daß also die Schicht anisotrop ist 
Es ergibt sich annähernd für das Leitvermögen in den | 
drei Richtungen ur 

Ne NeL 


OO. = 0. 0,7. O0, = ——— 
“o 7 Y Hr 2mu 


Taui a 


Ladung bzw. Masse eines Trägers, Z die mittlere freie ı 
Weglänge und u? der Mittelwert der Geschwindig- , 
keitsquadrate der Molekularbewegung ist. Bemerkens- 
wert dabei ist, daß diejenige Komponente des elek- 
trischen Feldes (X), die senkrecht auf dem magne- | 
tischen Feld steht, keinen Strom in dieser Richtung | 
zur Folge hat, daß dagegen — natürlich unter dem |, 
Einfluß des magnetischen Feldes — Ströme entstehen 

in der Richtung (Y), in der kein elektrisches Feld vor- 
handen ist. 

Wenn man nun in einem Medium Träger hat, 


} 
\ 
wenn N die Anzahl der Träger im ccm, e bzw. m die |, 
| 
| 


unter dem Einfluß eines magnetischen Feldes sich in 
Spiralen bewegen, so muß das magnetische Moment 
dieser Bewegung auch die magnetische Induktion bei 
vorgegebener Feldstärke verändern, d. h. einen Ein- 
fluß auf die wirksame Suszeptibilität des Mediums be 
kommen. Tatsächlich zeigt der Verfasser, daß sich em 
solches ionisiertes Medium wie ein diamagnetischesver | 
halten muß. Seine negative Suszeptibilität ergibt sich i 
proportional Nmv?/29, worin v die Geschwindigkeis |. 
komponente der Träger senkrecht zum magnetischen | 
Feld ist. Daraus folgt aber, daß der magnetische 
Effekt abhängt von der. Zahl N der Träger in dt || 
Atmosphäre und demnach variieren muß, wenn der |; 
Ionisationsgrad sich ändert. Es ist demnach von vorn- 
herein zu erwarten, daß die magnetischen Eißel- |. 
schaften einer solchen Schicht wechseln, sobald die 
ultraviolette Bestrahlung durch die Sonne eine Aendè ,- 
rung erleidet. Daraus folgt natürlich eine tägliche 
Variation. J. Zenneck. f 


¿l 


| 
Š 
i 


Fe o O di 


— 


J. R. Carson. Die Schwächung der W. 
kung atmosphärischer Störungen > 
reduction of atmospheric disturbances.) (Am. I 


& Tel. Co.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 966—975, 192. | 


In der sehr allgemein gehaltenen Arbeit wird di 


Frage theoretisch untersucht, wie weit es prinzip | 
$ 


' 
! 
| 
f 


Referate. 


109 


it 


<z möglich ist, durch bestimmte Anordnungen die Wir- 
:-<umng der atmosphärischen Störungen abzuschwächen. 
l: Angenommen wird, daß infolge der Verwendung 
selektiver Kreise auch von den atmosphärischen 
.:>törungen nur die Komponente von der Träger- 
::requenz w/2rn zur Wirkung kommt. Man kann dann 
- Jie auf den Detektor wirkende EMK in der Form 
‚schreiben 
E W = S(t) sin (ot+9) 4 I(t) sin (wt + y), 
w orin der erste Teil die Telephonie- oder Telegraphie- 
. Signale, der zweite die atmosphärische Störung dar- 
stellt. Die Phasenwinkel 9 und wy sind Funktionen 
der Zeit, aber ihre relativen Aenderungen sind ebenso 
~ wie diejenigen von S und Z während einer Hoch- 
-frequenzperiode 2rn/w» klein, d. h. ihre zeitlichen 
"A enderungen erfolgen im Verhältnis zur Hochfrequenz 
~ Jangsam. 
= Bei Teleplionie bedeutet der erste Ausdruck oben 
= die modulierte Sendewelle. Es ist also S(t) von der 
»-Form 


S(t) = È am Sin (Om t+ Üm). 


N: Man erhält hier den günstigsten Fall — wie er tat- 
sächlich bei der transatlantischen drahtlosen Tele- 
\. phonie angewendet wird —, wenn man nur ein Seiten- 
‚ band tatsächlich aussendet, im Empfänger die Träger- 
schwingungen hinzufügt und mit beiden zusammen 
= einen Detektor, dessen Gleichrichtung einem quadra- 
‘tischen Gesetz folgt, beeinflußt. In diesem Fall be- 
. kommt man im Mittel als Verhältnis der Intensität der 
Icos y 
Ss 


.Mit diesem günstigsten 


` Störungen zu derjenigen der Zeichen (Sprache) 


i oder im Mittel z 5 


Verhältnis a der Verfasser 
das entsprechende Verhältnis in allen 
a | 

Hat man es mit drahtloser Telegraphie zu tun und 
1" benützt man einen Detektor, der einem quadratischen 
čz Gesetz gehorcht, so wird das entsprechende Ver- 


Ei ., 2 
.,.hältnis bei starken Störungen (1 `> 8) = A bei 
je 2 

r schwachen Störungen (I< 85) = 2 oder im 


Br 4 I 
x- Mittel z Günstiger, aber immer noch ungünstiger 


+ als oben wird der Fall, wenn man einen Detektor ver- 
~ wendet, bei dem, wie es bei Röhren bei richtiger Wahl 
‚der Gittervorspannung zutrifft, der vom Detektor ge- 

„lieferte Gleichstrom der Amplitude der angelegten 

t Wechselspannung selbst, nicht ihrem Quadrat pro- 

. portional ist. Es ergibt sich dann die Quadratwurzel 

“aus den oben angegebenen Verhältnissen. 


i - Dann wendet sich der Verfasser zu Empfangs- 
: methoden mit Niederfrequenz-Kompensation. Das Ge- 
a meinsame dieser Methoden ist folgendes. Außer der 
l Leitung, die zur Aufnahme der modulierten Hoch- 
“ frequenzwellen des Senders bestimmt ist, enthält die 
. Anordnung noch eine zweite Leitung, die zwar un- 
“. gefähr auf dasselbe Frequenzband reagiert und in 

j!’ r ihrer Eigenfrequenz nicht viel von der ersten Leitung 
verschieden sein soll, aber doch so viel davon ver- 
W schieden ist und eine so große Selektivität besitzt, 


5 


daß sie die Sendewellen praktisch nicht aufnimmt. 
Auf atmosphärische oder andere Störungen soll sie 
aber merklich ebenso reagieren, wie die erste Leitung. 
Es werden dann die Ströme in den beiden Leitungen 
je einem Detektor zugeführt und die beiden Nieder- 
frequenzströme in einem gemeinsamen Nieder- 
frequenzkreis einander entgegengeschalte. Wenn 
dann die Sendewellen allein vorhanden sind, so hat 
die zweite Leitung keinen Einfluß, da sie die Sende- 
wellen nicht aufnimmt. Wenn aber die Sendewellen 
und die atmosphärischen Störungen gleichzeitig ein- 
treffen, so werden die Störungen, die in den beiden 
Leitungen nahezu dieselbe Wirkung hervorrufen, ein- 
ander in dem gemeinsamen Niederfrequenzkreis und 
in einem damit irgendwie verbundenen Telephon auf- 
heben. Dieser Gedanke scheint selır plausibel. Der 
Verfasser zeigt aber, daß zwar in den Pausen 
zwischen den Zeichen tatsächlich die Wirkung der 
atmosphärischen Störungen ganz oder teilweise auf- 
gehoben wird, daß aber, wenn Zeichen und atmo- 
sphärische Störungen gleichzeitig vorhanden sind, das 
Verhältnis der Intensität der Störungen zu derjenigen 
der Zeichen ungünstiger ist, als beim gewöhnlichen 
Empfänger, und zwar gleichgültig, ob der Detektor 
einem quadratischen oder einem linearen Gesetz folgt. 

Der Verfasser weist dann noch nach, daß dasselbe 
Resultat in noch höherem Maße gilt für die Anord- 
nung von E. H. Armstrong (Proc. Inst. Radio 
Eng. 16, 15 ff., 1928), der eine Anordnung nach dem 
eben angegebenen Prinzip verwendet mit der Modi- 
fikation, daß in den Pausen zwischen den Zeichen der 
Sender eine andere Frequenz aussendet als während 
der Zeichen und daß die zweite Leitung im Empfänger 
auf diese zweite Frequenz abgestimmt ist. 

J. Zenneck. 


A. H. Taylor und L. C. Young. Studien über 
die Ausbreitung von Wellenhoher Fre- 
quenz. (Studies of high-frequency radio wave pro- 
pagation.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 561—578, 
1928. 


Die Verfasser haben oszillographische Aufnahmen 
der Zeichen von Kurzwellenstationen gemacht, be- 
sonders um die Frage der Mehrfach-Signale zu unter- 


NHTICTTREN 


er M \ 


suchen. Solche entstehen z. B., wenn ein Signal auf 
dem kürzesten Weg, ein anderes in umgekehrter 
Richtung um die Erde herum von einer Station zur 
anderen läuft. (Das letztere wird manchmal als Echo 
bezeichnet.) 

1. In dem nebenstehenden Bild 1 sind die Oszillo- 
gramme wiedergegeben, die von der Station Lissabon 
(/ = 19,180 . 10°/sec, A=15,6 m) aufgenommen wur- 
den. Die oberste Kurve besteht aus Zeitmarken 
einer Stimmgabel von der Frequenz 100/sec. Die 
zweite Kurve sind die Aufnahmen mit einer gerich- 
teten Empfangsantenne, deren Empfangsrichtung auf 


_10 


Referate. 


Lissabon zugekelhrt war und die infolge davon nur 
die Zeichen aufnehmen, die auf dem kürzesten Weg 
von Lissabon nach Washington gelangten. Die dritte 
Kurve ist die Aufnahme mit einer gerichteten An- 
tenne, deren Aufnahmerichtung entgegengesetzt war, 
so daß also die Signale, die von Lissabon um die 
Erde herum nach Washington kamen, besonders stark 
wirkten; die dritte Kurve zeigt denn auch diese Zei- 
chen (E) neben den direkten. Die Zeitdifferenz zwi- 
schen den direkten und indirekten Signalen ist so, 
wie man es erwartet, wenn die einen Zeichen den 
kürzesten, die anderen den Weg in entgegengesetzter 
Richtung um die Erde herum von Lissabon nach 
Washington gemacht haben. 

2. Von der Marinestation NPG in San Franzisko 
( = 16,700 . 10"/sec, } = 18 m) bekam man in 
Washington mit einer nach Westen gerichteten Emp- 
fangsantenne ebenfalls mehrfache Zeichen. In den 
Fällen, in denen sie auftraten, ergab sich aber stets 
eine Zeitdifferenz, nach der das zweite Zeitsignal im 
selben Sinne, wie das erste, aber einmal um die Erde 
herum gewandert war. Im Gegensatz zu dem unter 1. 
besprochenen Fall ist es also hier unmöglich, mit 
Hilfe von gerichteten Antennen die Mehrfach-Zeichen 
auszuschließen. 

3. Stationen im Süden von Washington, z. B. die- 
jerige der Radio Corporation in Bogota (f = 13,700 
.10"/sec, 7 = 22 m und 27,400:10"/sec, A = 10,9 m) 
haben in Washington niemals Mehrfach-Zeichen ge- 
geben. Die Verfasser deuten das so, daß indirekte 
Zeichen hier unmöglich sind, weil sie in diesem Fall 
über die beiden Polarregionen wandern müßten, von 
denen eine immer in Dunkelheit liegt und deshalb eine 
zu hohe Heaviside schicht besitzt. 

4. Die Kurzwellensender in Rocky Point hatten 
schon früher eine Merkwürdigkeit gezeigt, indem sie 
in Washington aufzunehmen waren, obwohl für ihre 
Wellenlänge Washington in der toten Zone liegen 
sollte. 

Wurden nun die Zeichen von Rocky Point oszillo- 
graphisch aufgenommen, so ergaben sich auch hier 
Mehrfach-Zeichen, aber die Zeitdifferenzen zwischen 
den direkten und den um die Erde herumgewander- 
ten Zeichen ergaben sich als erheblich zu kurz: 0,110 
— 0,129 sec statt 0,139 sec. Nach Ansicht der Ver- 
fasser liegt hier kaum eine andere Möglichkeit zur 
Erklärung vor als die, daß die sog. „direkten“ Zei- 
chen eben keine direkten sind, d. h. keine solchen, 
die auf dem kürzesten Weg von der Sende- zur 
Empfangsstation gelangten, sondern daß sie selbst 
schon irgendwo reflektiert wurden. Wenn diese Aui- 
fassung richtig ist, so ist aus den beobachteten Zei- 
ten zu schließen, daß die Entfernung, die die Wellen 
von Rocky Point nach Washington zurückgelegt ha- 
ben, zwischen 2500 und 10000 km beträgt, während 
die direkte Entfernung 420 km längs der Erdober- 
fläche oder 500 km ist, wenn man mit einer Luft- 
welle rechnet, die in einer Heaviside schicht in 
der Höhe von 200 km reflektiert wurde. 

Die Richtigkeit dieser Vermutung wird auf folgen- 
dem Weg zu beweisen versucht. 

Der Kurzwellensender 2 XBC in Rocky Point 
arbeitet mit Frequenzverdopplung, durch die die Fre- 
auenz 9,450 . 10°/sec auf die Sendefrequenz 18,900 
. 10°/sec (4 = 15,9 m) gebracht wird. Tatsächlich 


wird aber auch die erstere Frequenz, wenn auch nu 
sehr schwach, vom Sender ausgestrahlt. Nimmt man 
nun die Zeichen (extrem kurze Punkte) in Washing- 
ton auf, so findet man zuerst die schwachen Zeichen, 
die der längeren Welle entsprechen und dann in einem 
Zeitabstand von 0,007 — 0,008 sec die starken Zei- 
chen, die durch die kurzen Senderwellen von 159 m 
hervorgerufen sind. Man wird das kaum anders 
deuten können, als daß die längeren Wellen den nor- 
malen Weg von Rocky Point nach Washington ge- 
macht haben, während die kurzen Wellen auf irgend- 
einem ca. 2900 km längeren Weg dorthin gelangt sind. 


5. Da vermutet wurde, daß dieser längere Weg 
durch Reflexion zustande kommt, so wurde unter- 
sicht, ob sich auch bei anderen Stationen mehrfache | 
Zeichen durch Reflexion in großer Entfernung nacl- 
weisen lassen. Es wurde dazu die Station NKF in 
Washington benützt und in einer Entfernung von ca. 
18 km aufgenommen. Die Zeichen waren wieder so 
kurz als möglich. Man bekam normal Mehriach- 
Zeichen mit einem Zeitabstand von 0,138 sec, wie es 


o on 


einer Welle entspricht, die um die Erde herumgewan- ö 


dert ist. Außerdem erhielt man Mehrfach-Zeichen 
mit den Zeitabständen von ca. 0,0111 — 0,0258 see ' 
und von 0,0311 — 0,0360 sec. Bei diesen Mehrtach- , 
Zeichen mit verhältnismäßig geringen Zeitabständen 
denken die Verfasser an die Reflexionen durch Ge- 
birgszüge. Sie geben aber selbst zu, daß sie keine 
beweisbare Erklärung dafür haben. 

6. Die Verfasser glauben nach den bisherigen 
Erfahrungen, daß die Frage, ob zwischen zwei Sta- | 
tionen außer den direkten Zeichen auch noch solche 
auftreten können, die um die Erde herumgewandert 
sind, sich von vornherein beantworten läßt auf Grund || 
der einfachen Anschauung, daß die Wellen um die 
Erde herum nur dann möglich sind, wenn der gröbte 
Teil des Nachtweges auf der Sommerseite der Erd ; 
liegt. Nur unter diesen Bedingungen liegt die Hea- 
visideschicht bei Nacht niedrig genug, um cin 
solche Art der Fortpflanzung zu gestatten. 


7. Die praktische Bedeutung der Mehrfach-Ze- 
chen ist die, daß sie drahtlose Telephonie sehr stù- 
ren können, indem sie unangenelime Interferenzen 
mit den direkten Wellen geben. J. Zenneck. 


L. W. Austin. Empfangsmessungenal 
Langwellenstationen im Bureau o0! 
Standards während des Jahres 1921. 
(Long-wave radio receiving measurements at the | 
Bureau of Standards in 1927.) Proc. Inst. Radio Ens. 
16, 1252—1257, 1928. 


Dr. Austin hat wieder, wie in den Vt- | 
gangenen Jahren, die Ergebnisse von Empfanss | 
messungen, die im Bureau of Standards an eine! 
großen Anzahl von Langwellenstationen regelmäbis 
gemacht werden, in Tabellen und Kurven zusammen- 
gestellt. Besonders interessant sind die Kurven (vel 
nebenstehendes Bild), die die Feldstärke vol 
Lafayette (LY) bei Bordeaux sowohl in Washington | 
als in Meudon bei Paris über einen Zeitraum vl 
mehreren Jahren angeben. Solche Kurven enthielten 
schon die früheren Veröffentlichungen von Dr 
Austin; sie sind jetzt um das Jahr 1927 verlängert 
worden. — | 


| 
\ 
\ 


= Referate. 


m nn nn nn nn e een 
||| Th Le UU UO Tr 


| Am 14. Oktober wurden die stärksten Tages- 
` zeichen von europäischen Stationen beobachtet, die je- 
-nals in Washington gemessen worden sind. Bordeaux 
-zeigte eine Verstärkung der Zeichen um 227% über 
-das Monatsmittel; Rugby (GBR) und Nauen (AGW) 
‘waren beide ca. 200% über dem Durchschnitt, und 
‘gleichzeitig waren an diesem Tage alle anderen 


J O 
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T H-H H 9000 
Ba ERATE 8o00 
750 A- H IDE t 
Bi, TENET 7000 
HEN HEHA 
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| EEHEEHE o 
4 
B HH HHHH 
Er IWW 3 sa say” AT, +41 3000 
u Htr tH HHH we 
ni nn h bbbhhto 
2 7923 1924 NS V926 1927 


Stationen, gleichgültig ob sie östlich oder westlich 
. oder südlich oder nördlich von Washington lagen, 
“von ungewöhnlicher Stärke. Bemerkenswert ist, daß 
` dem Tag, an dem diese besonders starken Zeichen 
"gemessen wurden, ein sehr starker magnetischer 
Sturm am 12. Oktober vorangegangen war. 

3 J.Zenneck. 


i J. B. Hoag und V. J. Andrew. Eine Unter- 
‚suchung über Mehrfachzeichen. (A study 
„of short-time multiple signals.) Proc. Inst. Radio Eng. 
"16, 1368—1374, 1928. 


Von irgendeinem Sender erhält ein Empfänger 
„unter Umständen folgende Zeichen: 
1. die direkten, die längs der Eroberfläche auf dem 
kürzesten Weg zum Empfänger gelangten, 
2. diejenigen, die an der Heaviside schicht re- 
„fektiert wurden, deren Höhe etwa zwischen 75 und 
. 300 Meilen liegt, 
“3, die Zeichen, die entweder in der Richtung der 
„direkten oder auch in umgekehrter Richtung ein 
oder mehrere Male um die Erde herumgewandert 
“sind. Ihre Laufzeit bei einer einmaligen Umkreisung 
der Erde ist ungefähr */; (~ 0,14) Sekunde 
i 


R —> Zei 3 b 

| 4. außerdem noch Zeichen, deren Laufzeit länger 
‘ ist, als bei den von der Heavisideschicht reflek- 
' tierten und kürzer, als bei denen, die um die Erde 
~ herumgegangen sind. Diesen letzteren gilt die vor- 
liegende Arbeit. 

" Die Untersuchung wurde mit Frequenzen zwischen 
~ 10 und 13-.10°/sec (A=30 und 23 m) gemacht. Zur 
~ Aufzeichnung der Zeichen diente ein Oszillograph der 
.. General Electric Co. Der Empfänger befand sich in 
«+ der Universität in Chicago. Als Sender dienten die 
„ verschiedensten kommerziellen Stationen. 


W 
‚Bezüglich des zeitlichen Verlaufs der nicht direk- 
t ten Zeichen ergaben sich bei der oszillographischen 


111 


Aufzeichnung zwei Grundformen a und b im neben- 
stehenden Bild, aus denen die meisten anderen 
Formen abgeleitet werden können. Die erste (a) stellt 
im wesentlichen eine Wiederholung der vom Sender 
ausgesandten Zeichen bzw. der vom Empfänger auf- 
genommenen direkten Zeichen dar, die zweite eine 
Verlängerung dieser Zeichen mit allmählich abfallen- 
der Amplitude. 

Die kurzen Zeichen von der Form a trafen vom 
Sender KEL in Bolinas (Kalifornien) mit Laufzeiten 
ein, die sich in Gruppen mit den Mittelwerten 0,011, 
0,020, 0,029 ünd 0,042 sec einteilen lassen. Bei den 
entsprechenden Zeichen von Nauen (AGB) betrugen 
die Zeitdifferenzen 0,005, 0,006, 0,083 (0,0083?) und 
0,016 sec. Bei den Zeichen von der Form b schwankte 
die Zeitdauer zwischen 0,003 und 0,045 sec. 

Zur Erklärung ist folgendes zu sagen. Von den 
Laufzeiten der Zeichen von der Form a stimmt die 
Zeit 0,020 sec bei KEL gut mit einer Reflexion in den 
Gegenden mit besonders hoher Elektronenkonzen- 
tration in der Nähe des magnetischen Nordpols über- 
ein. Die Laufzeiten 0,011 von KEL und 0,005—0,006 
von AGB sind in gutem Einklang mit der Annahme, 
daß sie von Reflexionen herrühren in derjenigen 
Gegend, in der das Nordlicht besonders stark ist, 
nämlich ungefähr in der Breite von 60° in Nord- 
amerika und dem nördlichen Atlantischen Ozean. Der 
Wert 0,042 (KEL) deutet auf eine Reflexion in der 
Nähe des geographischen Nordpols hin. Zu denken 
ist auch immer an Reflexionen an der Grenze 
zwischen Tag- und Nachtgebiet, wo die Heavi- 
sideschicht nicht mehr parallel zur Erdober- 
fläche ist. 

Bezüglich der längeren Melhrfachzeichen mit all- 
mählich abfallender Amplituge (Form b) meinen die 
Verfasser, daß sie entstehen durch eine Hauptreflexion 
und darauf rasch folgende mehrfache Reflexionen. 
Die Laufzeiten sind so, daß sie von einer Reflexion 
in 60--80° nördlicher Breite herrühren könnten. 

J. Zenneck. 


B. F. Schonland. Die Polarität von Ge- 
witterwolken. (The polarity of thunderclouds.) 
Proc. Royal Soc. A 118, S. 223—251, 1928. 


Der Elektrizitätsaustausch zwi- 
schen Gewitterwolke und Erde. (The 
interchange of electricity between thunderclouds 


and the earth.) Proc. Royal Soc. A 118, S. 252—252, 
1928. 

Frühere Arbeiten des Verfassers zusammen mit 
J. Craib und ebenso von G. C. Simpson über 
die Gewitterfrage, die ja indirekt auch für die drait- 
lose Telegraphie von Interesse ist, sind früher in 
diesem Jahrbuch referiert worden. Inzwischen hut 
der Verfasser seine Untersuchung mit registrierenden 
Instrumenten in ausgedehnter Weise fortgesetzt. 


Bezüglich der Polarität haben die neuen Ver- 
suche seine frühere Auffassung bestätigt, daß näm- 
lich die Gewitterwolken in bei weitem überwiegender 
Zahl positive Polarität haben, d. h. daß der obere 
Teil der Gewitterwolken positiv, der untere negativ 
geladen ist. Erfolgt also eine Entladung innerhalb 
der Wolke — besonders häufiger Fall von Entladun:- 
gen —, so fließt der Entladungsstrom innerhalb der 
Wolke von oben nach unten. Entlädt sich die Wolke, 


112 


d. h. der untere Teil, nach der Erde, so hat der Ent- 
ladungsstrom die Richtung von der Erde zur Wolke. 

In der zweiten Arbeit wird die Frage untersuchi, 
wie sich der Elektrizitätsaustausch zwischen einer 
Gewitterwolke und der Erde auf die verschiedenen 
Austauschmöglichkeiten verteilt. Als solche sind von 
C. T. R. Wilson unterschieden worden: 

1. Momentanstrom zwischen Wolke und Erde, 
wenn ein Blitz zwischen Wolke und Erde übergeht, 

2. mehr oder weniger andauernde Spitzenentladung 
zwischen der Wolke und den gegenüberstehenden 
Gegenständen an der darunter befindlichen Erdober- 
fläche (Bäume, Sträucher und ähnliches) unter dem 
Einfluß des sehr starken elektrischen Feldes, das 
zwischen der Erdoberfläche und einer darüber befind- 
lichen Gewitterwolke vorhanden ist, 

3. Elektrizitätstransport durch geladene Regen- 
tropfen. 

Auf Grund der ausgedehnten Messungen des Ver- 
fassers und der Schätzungen, die aber gut begründet 
erscheinen, kommt der Verfasser für den Austausch 
elektrischer Ladung zwischen einer Gewitterwolke 
und der Erde zu folgender Bilanz, wenn man die 
Summe des Elektrizitätstransportes durch die inter- 
mittierenden Blitzentladungen durch einen kontinuier- 
lichen Strom zwischen Wolke und Erdboden ersetzt: 

Spitzenentladung 2,1 Amp., Strom von der Erde 
zur Wolke, 

Blitzentladung 0,1 Amp., Strom von der Erde 
zur Wolke, 

geladene Regentropfen 0,02 Amp., Strom in um- 
gekehrter Richtung. 

Bezüglich der letzteren Zahl macht der Verfasser 
darauf aufmerksam, daß seine Messungen in eine sehr 
trockene Zeit fielen, die Zahl also im allgemeinen viel 
höher sein wird. Interessant ist ferner die Be- 
obachtung, daß im Mittel zwischen einer Gewitter- 
wolke und der Erde je eine Entladung alle 2,6 Minuten 
erfolgte und daß die Blitzentladungen besonders häufig 
und heftig sind in weniger bewachsenen Gegenden, 
in denen für den Elektrizitätsausgleich durch Spitzen- 
entladungen wenig günstige Bedingungen vorhanden 
sind. J. Zenneck. 


S. Chapman. Ueber den Ursprung des 
Nordlichtes. Phys. Rev. 32, 993—995, 1928. 


E. O. Hulburt hatte (Phys. Rev. 31, 1038, 1928, 
ref. ds. Jahrb. 33, 78, 1929) eine Theorie des Nord- 
lichtes veröffentlicht, das ja auch die Ausbreitung der 
Wellen in der drahtlosen Telegraplhic beeinflußt. 
Seiner Theorie lag im wesentlichen die folgende An- 
schauung zugrunde. 


Das ultraviolette Licht der Sonne ionisiert die 
Luft in sehr hohen Schichten der Atmosphäre, wo ein 
Zusammenstoß und damit eine Wiedervereinjgung 
unwahrscheinlich ist. fonen und Elektronen diffun- 
dieren dann unvereinigt längs der Kraftlinien des 
magnetischen Erdfeldes. Dadurch entsteht eine Kon- 
zentration der Elektronen und lonen in der Nähe der 
Pole. Dort kommen sie in niedere Schichten der 
Atmosphäre, vereinigen sich dort, und die Energie, 
die bei der Vereinigung frei wird, ist die Ursache der 
Erscheinungen des Nordlichtes. Nach dieser Auf- 
fassung ist also das ultraviolette Licht der Sonne die 
letzte Ursache. Nach der üblichen Anschauung, dic 


Referate. 


hauptsächlich von Birkeland und Störmer her} ı 
rührt, sind es geladene Teilchen, die von der Sonn, | 
ausgesandt werden und die, schon ehe sie die Erd- |ı 
atmosphäre erreichen, durch das magnetische Feli |. 
der Erde in die Polargegenden gelenkt werden. 


Chapman zeigt nun, daß gegen die Theorie 
von Hulburt schwere Bedenken zu erheben sind. 
sobald man die Bedingungen der von Hulburt au 
genommenen Wanderung der lonen und Elektronen ` 
nach den Polarregionen, und zwar bis herunter zu 
Schichten der Atmosphäre, in denen die Nordlichter 
tatsächlich erscheinen (ca. 90 km) quantitativ prüft. 
Es ist durchaus nicht einzusehen, wie eine solche Be- 
wegung möglich sein soll, wenn die Energie von 
Ionen und Elektronen nur diejenige ist, die sie bei 
dem Prozeß der lonisierung bekommen. Ausßerdeın 
sollte man bei der Theorie von Hulburt erwarten, 
daß das Nordlicht vorzugsweise eine Tageserschei- 
nung ist. Bei Tag würde es natürlich nicht zu selıen 
sein, aber man solllte denken, daß es am stärksten 
unmittelbar bei Anbruch der Nacht wäre und dam 
an Intensität abnähme. Die Beobachtung zeigt aber. 
das es in den ersten Nachtstunden meistens an In- ; 
tensität zunimmt. Endlich würde bei der Theorie 
von Hulburt auch nicht einzusehen sein, warum 
das Nordlicht eine Periode besitzt, die mit der Um- 
drehung der Sonne zusammenfällt. 

Der Verfasser meint, man müsse vorläufig bei der 
üblichen Erklärung bleiben. — — | 

In einem Nachtrag verspricht Herr Hulbert seine 
Theorie in einer demnächst erscheinenden Veröfient- ! 
lichung näher auszuführen. J. Zenneck. 


| 


| 
| 
| 


| 
| 


19 BEPA ra B 


| 
| 
| 
! 
| 
\ 


J. J. Jakosky. Elektrische Bodenunter- 
suchung. (Electrical prospecting. (Prog, Inst. 
Radio Eng. 16, 1305—55, 1928. \ 


In der sehr umfangreichen und durch viele Bilder 
illustrierten Veröffentlichung werden die Methoden. | 
Apparate und Ergebnisse der elektrischen Boden- 
untersuchung geschildert. Der Zweck dieser Unter- 
suchung ist die Feststellung von Erzlagern und die | 
Bestimmung ihrer ungefähren Lage und Ausdehnung. 
Gearbeitet wird mit Mittelfrequenz (/ = 600/sec) und 
Hochfrequenz (f = 3—5-10*/sec). Die Methode bestehi 
im wesentlichen darin, daß der Wechselstrom durch | 
eine Spule mit vertikaler Ebene hindurchgeschickt und 
das Feld dieser Spule mit Empfängerspulen und den 2 
damit verbundenen Empfängern ausgemessen wird. 
Die Abweichungen des beobachteten Feldes von dem-, | 
jenigen, das man bei homogenem Boden zu erwarten 
hätte. lassen auf die Lage von Mineralien mit einem 
höheren elektrischen Leitvermögen als der umgebende 
Boden schließen. | 


Bezüglich aller Einzelheiten muß auf die Original- 4 
arbeit verwiesen werden. J.Zenneck 


J. H. Service. Radioakustische Ortung 
inder Hydrographie. (Radio acustic position 
finding in hydrography.) Journ. Amer. Inst. Electr. 
Eng. 47, S. 670—674, 1928. 


Bei der Vermessung der Gewässer in der Nähe der 
Küste muß man bei ciner genauen Bestimmung, der ` 
Meerestiefe, wozu man sich akustischer Lotverial- 


En Referate. 


‘en bedient’), auch den Ort genau kennen, wo die 
` -otung gemacht wird. Das Verfahren der Ortung 
“nuß bei Nacht und Nebel, bei bewegter und ruhiger 
“Dee ebenso genaue Ergebnisse wie bei Tage liefern. 
Von den Engländern wird hierzu eine radioakustische 
:Methode benutzt. Diese besteht darin, daß an Bord 
des Schiffes durch den Druck auf eine Morsetaste 
:zleichzeitig ein F.-T.-Signal ausgesandt und ein kleiner 
-Explosivkörper zur Detonation gebracht wird. Eine 
-Reihe von Wasserschallempfängern liegt an be- 
"kannten Punkten in der Nähe der Küste. Die 
„Empfänger arbeiten auf ein Einthoven’sches 
„Saitengalvanometer mit mehreren Fäden. Auf 
„einem photographischen Film werden die An- 
-kunftszeiten des F.-T.-Signals und der Erregung der 
„einzelnen Empfänger aufgezeichnet. Aus den ge- 
: messenen Zeitdifferenzen ergibt sich dann bei be- 
.kannter Schallgeschwindigkeit die Position des Schif*- 
„fes. Diese wird an Land bestimmt und durch F.-T. 
“ dem Schiff übermittelt. Das Verfahren erfordert für 
..das Schiff keinen nennenswerter Auswand an Ge- 
.räten, benötigt jedoch relativ viel Zeit. Mit einer 
< Sprengladung von 250 g werden Reichweiten von 
. 75 km erzielt. 


Antenne 


hall- Snön Versi. Relai Relais ` 


Gegengewich? 
Bild 1. 


| Von dem Amerikanischen Küsten- und Geodäti- 
* schen Vermessungswesen ist zusammen mit denı 
Bureau of Standards ein abgeändertes Verfahren 
- ausgebildet, welches Reichweiten zwischen 150 und 
-350 km liefert, die Ortsbestimmung an Bord des 
“ Schiffes verlegt und den Schiffsort wenige Minuten 
“nach dem Knall liefert. 
© Für die Vermessung eines bestimmten Gebietes 
- werden gewöhnlich zwei Küstenstationen in Ent- 
”fernung von 55—75 km aufgestellt. Die Wasserschall- 
¿t Empfänger, wasserdicht in ein kleines, hölzernes, mit 
© Seewasser gefülltes Faß eingebaut, werden am 
v: Meeresboden in Entfernungen von 100—2000 m von 
‚der Küste aufgestellt, je nach der Beschaffenheit und 
Gestaltung des Meeresbodens. Der Empfänger be- 
sitzt Gummiwandungen und ein sog. Schüttelmikro- 
x phon. Manchmal sind 2 oder mehr Empfänger parallel 
geschaltet. Diese sind mit einem einadrigen Kabel 
"von 3 mm (Ö und einer Isolation von 2 mm Gummi 
und 1 mm Umklöppelung mit der Küstenstation ver- 
‚bunden. In der Brandung ist das Kabel durch ein 
%4 Zoll Gasrohr geschützt. Das Bild 1 zeigt schema- 
tisch die Ausrüstung der Küstenstation. Erreicht die 
Explosionswelle den Wasserschallempfänger, dann 
; ändert er seinen Widerstand und ein elektrischer Im- 
'- puls geht durch die Eingangsseite des Verstärker- 
y: transformators. Nach Verstärkung betätigt er ein ge- 
wöhnliches Telegraphenrelais und schließt momentan 
„. einen Lokalstromkreis; durch diesen wird die Morse- 


© 1) Vgl. z. B. E. Lübcke, Ztschr. d. V. D. 1.71, S. 1245, 1927. 


BR_-_- 


—- TG 


113 


taste des F.-T.-Senders kurzgeschlossen und ein 
automatischer Zeichengeber eingeschaltet. Dieser 
arbeitet durch ein besonderes Relais im Anoden- 
stromkreis eines Röhrensenders von etwa 140 m 
Wellenlänge. 

Die Bestandteile der Schiffsstation zeigt schema- 
tisch das Bild 2. Der Schallempfänger ist unterhalb 
der Wasserlinie in einem Wassertank eingebaut. Er 
ist zuerst mit einem 2—3 fachen Transformatoren- 
verstärker verbunden. Dahinter ist ein Chronograph 
mit 2 Schreibfedern geschaltet, deren eine Feder die 
Zeitmarken auf den Papierstreifen von 19 mm Breite 


Bild 2. 


und 25 mm Vorschub pro Sekunde aufschreibt, 
während die zweite Feder den abgehenden Schall 
markiert und dann, nach Umschalten auf den F.-T.- 
Empfänger, die von der Küstenstation im Moment der 
Erregung der an der Küste ausgelegten Wasser- 
schallempfänger abgesandten F.-T.-Signale aufzeich- 
net. Die Anfänge beider Zeichenarten lassen sich bei 
bekannten Zeitkonstanten der Apparaturen bis auf 
0,01 bis 0,02 sec genau bestimmen. 


Zur Entfernungsbestimmung muß die Schallge- 
schwindigkeit im Wasser bekannt sein. Diese ist eine 
Funktion der mittleren Temperatur (zwischen Ober- 
fläche und Boden und über die ganze Enfernung), des 
Salzgehaltes und des Druckes, d.h. der Tiefe. Die 
Werte liegen zwischen 1420 m/sec und 1600 m/sec. 
Für gemessene Werte der Temperatur und des Salz- 
gehaltes ist dann die Schallgeschwindigkeit für das 
auszumessende Gebiet als konstant anzunehmen und 
bekannt. 


Die Ortsbestimmung erfolgt mit einer Einrichtung, 
wie sie schematisch das Bild 3 zeigt. Mier sind an 
den Plätzen der Küstenempfänger A, C und B Dreh- 
bunkte befestigt, in denen sich in Sekunden einge- 
teilte Lineale 1, 2 und 3 (bei Annahme einer mittleren 
Schallgeschwindigkeit) verschieben lassen. Die Null- 
punkte der Lineale sind in einem Drehgelenk D zu- 
sammengeführt, welches den Schiffsort auf der Karte 
angibt. Drei Dreharme mit Linealen sind vorgesehen, 
gewöhnlich werden aber nur zwei benutzt. 


114 


Als Explosionskörper werden für Entfernungen 
von 25—35 km Glühzünder-Sprengkapseln benutzt. 
Bei größeren Entfernungen wird dieser Zünder in 
einer 0,5 1 Blechdose, mit Trinitrotoluol gefüllt, an- 
gebracht. Für die größten Entfernungen besteht der 
Sprengkörper aus einer gußeisernen Hohlkugel von 
13 cm Innendurchmesser und 12 mm Wandstärke, 
ebenfalls mit dem Zünder und Trinitrotoluol gefüllt. 


Die Genauigkeit der Methode ist recht gut. Der 
Fehler ist hauptsächlich durch Unsicherheit in der 
Annahme über die Schallgeschwindigkeit im Wasser 
bedingt. Der Fehler liegt zwischen 0,3 und 1,0%. 
Man erhält also bei 2 Küstenstationen bei 90 km Ab- 
stand von der Küste als Schiffsort einen Kreis von 
300 m (/). E. Lübcke. 


H. Yagi. Strahlsender (Beam) mit ex- 
trem kurzen Wellen. (Beam transmission of 
ultra short waves.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 715 
bis 740, 1928. A 

Im 1. Teil der Arbeit berichtet der Verfasser über 
Wellen bis etwa 200 cm Wellenlänge, die mit einer 
Art Gegentaktschaltung hergestellt wurden. Zur 


Anode 


ode 


Aussere Elektrode 


Konzentration der Wellen werden im Sender und 
Empfänger zum Teil Reflektoren aus einzelnen 
Drähten verwendet. Außerdem operiert der Verfasser 
mit einer Anordnung, die die Wellen vom Sender 
zum Empfänger leiten soll und die aus einer Reihe 
von — bei vertikalem Sender — vertikalen Drähten 
von passender Länge und passendem Abstand 
zwischen Sender und Empfänger besteht. Er nennt 
diese Drähte „wave directors“ und die ganze Reihe 
ein „wave canal“. 

Im 2. Teil der Arbeit werden Versuche mit ganz 
kurzen Wellen, teilweise ebenfalls unter Verwendung 
solcher Wellenkanäle beschrieben. Die sehr kurzen 
Wellen bis herunter zu ca. 12 cm werden erzeugt mit 
Magnetron-Röhren von zylindrischer Form, die im 
Schnitt in der nebenstehenden Figur dargestellt sind. 
Zur Erzeugung von Schwingungen werden diese 
Röhren in das Innere einer gleichstromdurchflossenen 
Spule*) gebracht, und zwar so, daß ihre Achse mit 
derjenigen der Spule zusammenfällt, so daß also im 
Innern der Röhre ein möglichst homogenes magne- 
tisches Feld entsteht. Die Durchmesser der zylin- 
drischen Anode von zwei zu diesem Zweck gebauten 
Röhren waren 4,5 bzw. 2,2 mm. 

Der Verfasser gibt an, daß mit einer Wellenlänge 
von 4l cm Versuche bis auf eine Entfernung von 1 km 
gemacht werden konnten. J. Zenneck. 


B. van der Pol. Die Wirkung der Rück- 
kopplungimFEmpfängeraufdieZeichen- 
stärke. (The effect of regeneration on the received 


*) BeiVersuchen auch zwischen die Pole eines Elektromagneten. 


Referate. 


signal strength) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 1045 h 
1052, 1928. > 


1. Die Anordnung, die der Verfasser mathematis; 
behandelt, ist diejenige von Bild 1. Seine Voraus 
setzungen sind: a) kein Gitterstrom, b) der oszila 
torische Anteil ĉa des Anodenstroms hängt praktise: 


Bild 1. | 
nur von dem oszillatorischen Anteil vg der Gitter- 
spannung ab, und zwar durch eine Beziehung der 
Form 


ia = S, vg + S: ty— S Vy (l) 


Wirkt auf den Gitterkreis eine Welle mit der 
EMK E sin w, t, so lauten die allgemeinen Gleichungen 


di E T UT, er 
L +ri +o) i dt — Mon Esin wt 
7 fi d=vg Ä 


Daraus und aus der Gleichung (1) folgt für zy ein 
nichtlineare Differentialgleichung 


dry R Ag R TOR j 
de -Hia +H 2P eg H3 yeg) lt H os vg= w; Esino! | 
1 


wenn zur Abkürzung gesetzt wird 


o — PE a = a u MS, B u MS Pe: MS | 
OOL 1 ACH Ter7 Te | 
+la 


| 
| 
| 
ka 


Bild 2. 


---— ' 


2. Diese Differentialgleichung ist vom Verfasser 
schon früher behandelt worden (Phil. Mag. 3, ®. 
1927). Sie liefert in dem einzig wichtigen Fall, wem 
der Gitterkreis nahezu in Resonanz mit der ai- 
kommenden Welle ist ((oo— wi |< w,), 


vg = Csin (w t+ y) | 
C? {4 (wo— w) + (a—} y C>) = an E. 


In dieser Gleichung für die Amplitude C der Gitter- 
spannung tritt das Glied (5.), von dem die Gleich- 
richtung bzw. die Detektorwirkung abhängt, nicht aut. 
In erster Annäherung ist also die Amplitude der Gitter- 
spannung, die sich einstellt, davon unabhängig. Ver- 


r 


3 


« 
` 


t 
4 


p e 


? 
J 


mn 


— 


“wzleicht man den Ausdruck für C? mit dem Fall eines 
Smpfängers ohne Rückkopplung (M = 0), so kann man 

“las Ergebnis so deuten, daß infolge der Rückkopp- 
‚ung an die Stelle des Widerstandes r im Gitterkreis 

lie Größe 

_ 1# =r — Z (S C? 53) 

zetreten ist, die nicht nur von der Stärke der Rück- 

‚, Kopplung, sondern auch von der Amplitude der vor- 

‚ aandenen Schwingungen abhängt. 

':; Treibt man die Rückkopplung bis unmittelbar vor 
lie Grenze, an der Selbsterregung der Schwingungen 


M 
_2ntsteht 1-7 Sı = 0), und stellt man den Gitterkreis 


auf Resonanz (v,=w,), so ergibt sich 
ły C= oE (3) 


- Aus diesem Ausdruck läßt sich folgendes physikalische 
Resultat ableiten. Es sei vg) die Amplitude der 
Jitterspannung, die man ohne Rückkopplung bekommt 


| w, L 
=e E ) Es sei ferner die Charakteristik (Bild 2) 


symmetrisch (d. h. in Gleichung (1) S. = 0). Dann er- 
gibt sich der Wert von vg, für den der Anodenstrom 
in Maximum, und zwar gleich dem Sättigungsstrom 
wird, aus der Beziehung 


TEE 
‚778, 


‚ Nennt man die Gitterspannung, die nötig ist, um den 
"Anodenstrom von Null auf den Sättigungswert zu 
bringen, Vgo, so wird 


gen 
39.9 ITIC Vio 


i Führt man dies in Gleichung (3) ein, so wird 


m EST AS C 
j c= V vg: V go oder On = | 


S Der letzte Ausdruck gibt die Verstärkung — so 
kann man ja Cig bezeichnen —, die man im Maxi- 
mum durch die Rückkopplung erhalten kann. 


3. Der Verfasser berichtet dann noch über Messun- 
„gen, die seine Theorie sehr gut bestätigen, soweit 
man es erwarten kann. Die Versuche wurden mit 
der Frequenz 15000/sec gemacht. Für die Ueber- 
tragung auf höhere Frequenz weist der Verfasser auf 
‚folgende Modellregel hin. Wenn ein System aus 
“ einer vom Strom unabhängigen Induktivität und Ka- 
pazität und einem vom Strom abhängigen Wider- 
‚stand besteht und wenn die Induktivitäten (auch die 
 wechselseitigen) und Kapazitäten n mal vergrößert 
„werden, während der Widerstand gleich bleibt, so 
„bleiben die Ströme und Spannungen der Größe nach 
;. gleich, aber sie verlaufen n mal langsamer. 
| J. Zenneck. 


r 


® 


Vg 


| 


+ en Eha E Ee 
TEN 


| S. Harris. WirkungderAntenneaufdie 
‚Abstimmung von Empfängern und ihre 
„Berücksichtigung. (Effect of the antenna in 
Fi tuning radio receivers and methods of compensating 
. for it) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 1079—1088, 1928. 


Referate. 


115 


Vorausgesetzt ist ein Empfänger von der Art von 
Bild 1, an den ein Mehrfach-Verstärker anschließt, 
dessen Stufen abgestimmte Kreise enthalten und bei 
dem die drehbaren Platten der Drehkondensatoren in 
den Kreisen der einzelnen Stufen auf derselben Welle 
angebracht sind und zusammen mit dem Drehkonden- 
sator C, der ersten Stufe durch Drehung eines ein- 
zigen Knopfes auf Resonanz gebracht werden können. 


nsame Einstellun 
on ER 


Bild 1. 


Dabei macht Schwierigkeit die Wirkung der An- 
tenne auf die Resonanz der ersten Stufe L, C, (Bild 1). 
Infolge dieser Wirkung ist der Strom in dieser Stufe 
nicht dann ein Maximum, wenn C; L, = 1/œw°, sondern 
wenn C. (L, — AL.) = 1/w” ist. Darin stellt 

4 L= -X 
(X, bzw. Z, = Reaktanz bzw. Impedanz der An- 
tenne) die Wirkung der Kopplung mit der Antenne 
dar. Das Vorzeichen von AL, ist dasjenige von X,, 
kann also positiv oder negativ sein. Da AL, von der 


Frequenz abhängig ist, so ist es nicht möglich, etwa 
durch eine feste Abänderung von L, diese Wirkung 
für das ganze in Betracht kommende Frequenzgebiet 
Der Verfasser 


zu kompensieren. schlägt deshalb 


vor, der Antennenwirkung dadurch Rechnung zu 
tragen, daß ınan (vgl. Bild 2) innerhalb der Zylin- 
derspule L. und möglichst weit entfernt von Lı 
eine drehbare Spule (Variometerspule) anbringt und 
diese in Reihe mit L, schaltet. Durch Drehung dieser 
Spule kann dann ohne merkliche Aenderung von M 
für jede in Betracht kommende Frequenz die Wir- 
kung der Antenne (AL.), gleichgültig, welches ihr 
Vorzeichen und innerhalb gewisser Grenzen — ihre 
Größe ist, kompensiert werden. Doch ist dazu selbst- 
verständlich eine besondere Manipulation nötig. 
Der Verfasser betrachtet dann auch noch die 
Möglichkeit, dasselbe durch einen dem Kondensator 
C, parallel geschalteten Kondensator zu erreichen. 
J. Zenneck. 


S. W. Edwards und J. E. Brown. Die Zutei- 
lung der Leistung an Rundfunksender 
nach Feldstärken. (The use of radio field 
intensities as a means of rating the outputs of radio 


116 


transmitters.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 1173—1193, 
1928. 

Die beiden Verfasser sind Beamte des Dep. of 
Commerce, der erstere Supervisor of Radio, der 
zweite Radioinspektor. Die Arbeit ist aus den prak- 
tischen Bedürfnissen der staatlichen Kontrolle von 
Rundfunkstationen entstanden und für die Praxis der 
Kontrollbehörden bestimmt. 

Bisher wurde die Leistung von Rundfunkstationen 
meist nach der Anzahl Watt angegeben, die an irgend- 
einer Stelle des Senders, z. B. in der Antenne oder 
auch in der Speiseleitung der Röhren (Gleichstrom- 
leistung im Anodenkreis) verbraucht wurde. Das 
praktisch Wichtige ist aber zu wissen, auf welche 
Entfernung der Sender einen gut brauchbaren Emp- 
fang gibt und auf welche Entfernung sein Feld so 
stark wird, daß er den Empfang anderer Sender mit 
einem normalen Empfangsgerät verhindert. Die Ver- 
fasser stellen vorerst einmal fest, daß nach den Er- 
fahrungen des Rundfunks ein Feld zwischen 5 und 10 
mV/m einen sehr guten Rundfunkempfang garantiert, 
daß dagegen ein Feld von 30 mV/m schon so stark 
ist, daß der Empfang anderer Stationen nahezu un- 
möglich wird. 

Sie haben nun das Feld von 5 Stationen, von 
denen 4 in Städten, eine 35 km von einer Stadt von 
11% Millionen Einwohnern entfernt lagen, auf die Lei- 
stung von 1 kW reduziert und die Kurven für die 
Feldstärken 5, 10 und 30 mV/m gezeichnet. Diese 
Kurven haben, wie zu erwarten war, sehr unregel- 
mäßigen Verlauf. Es wurde dann der mittlere Ab- 
stand der Punkte einer solchen Kurve und damit die 
Entfernung vom Sender bestimmt, in der im Mittel die 


Feldstärke 5 bzw. 10 bzw. 30 mV/m beträgt. Das 
Ergebnis ist ungefähr: 
Feldstärke 5 10 30 mV/m 
in Städten: 17,1 128 39 km 
auf dem Lande: 41 20 65 „ 


ohne Bodenabsorption: 45 22 74 


Die Verfasser haben dann noch in 6 Kurven die 
Leistungen zusammengestellt, die man braucht, um 
in einer bestimmten Entfernung eine Feldstärke von 
5 bzw. 10 bzw. 30 mV/m herzustellen, und zwar ein- 
mal in großen Städten mit großer Absorption und 
dann in dem anderen Grenzfall, wenn überhaupt 
keine Bodenabsorption in Betracht kommt. Hat man 
solche Kurven, so kann die Behörde bei Gesuchen 
um die Erlaubnis zur Anlage einer Station oder zur 
Vergrößerung einer schon vorhandenen beurteilen, 
wie weit man mit der Leistung einer solchen Station 
hinauf- oder heruntergehen darf, um den Bedürfnissen 
der umwohnenden Rundfunkhörer am besten ent- 
gegenzukommen. 

Die Verfasser glauben selbst nicht, daß die von 
ihnen an wenigen Stationen ermittelten Zahlen die 
endgültigen sein sollen. Es liegt ihnen nur daran, 
durch dieselben eine neue Methode zu illustrieren, die 
nach ihrer Ansicht die Erfordernisse des Rundfunks 
viel besser befriedigt als die bisher übliche. 

J. Zenneck. 


C.M. Jansky jun. Studien über Rundfunk- 
verhältnisse im Mittelwesten. (Some 
studies of radio broadcast coverage in the middle 
west.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 1356—1367, 1928. 


feldstärte in I 


Referate. 


Der Verfasser hat die Feldstärken-Verteilung be 
einer Reihe Rundfunkstationen im Mittelwesten * 
(Minnesota) gemessen — sie sind in der Arbeit’ durch 
Kurven illustriert — und ebenso eine Statistik 'auf- 
gestellt über die Verteilung der Empfangsstationen in 
diesen Gegenden. Diese ist in der Arbeit durch 
Karten mit eingeschriebenen Zahlen dargestellt. 
Nimmt man an, daß für guten Rundfunk-Tagempfang 
eine Feldstärke von 100 uV/m und für leidlichen Tag- : 
empfang 50 „V/m nötig sind, so zeigt es sich, daß ein 
großer Teil der Empfänger bei Tag überhaupt nicht | 
ordentlich empfangen kann, sondern auf Nachtempfang 
angewiesen ist; tatsächlich wird auch vielfach gar 
nichts anderes verlangt. — Die ganze Untersuchung 
zeigt, wie sorgfältig man in Amerika die Rundfunk- 
Situation studiert. | 


Am Schluß bespricht der Verfasser die vielfach 
beobachtete Erscheinung, daß man unter Umständen 
in größerer Entfernung von einer Rundfunkstation 
viel besser empfängt als in geringerer. Er zlaubt, als 
Ursache davon gefunden zu haben, daß in solchen 
Fällen die Schwunderscheinungen in geringerer Ent- 
fernung von der Station viel schneller verlaufen und 
deshalb viel empfindlicher stören als in größerer Ent- 
fernung. Er stützt seine Auffassung durch oszillo- 
graphische Aufnahmen der Art, wie diejenigen des 
nebenstehendes Bildes, von denen die obere au 
eine Entfernung von 1580 km (Sender 100 kW. 
f=7%.10°/sec, A=381 m), die untere auf eine Ent- 
fernung von 170 km (Sender 15 kW, / = 980. 10°/sec, 
à = 307m) sich bezieht. J. Zenneck. 


| 
A OH z | 
Zet (Nachts) A 792] | 


H. M. O’ Neill. Eigenschaften der Rund-4 
funk-Antennen in der Versuchsstation 
Süd-Schenectady. (Charakteristics of certain 
broadcasting antennes at the South Schenectady g 
development station.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, | 
872—889, 1928. i | 


| 
Die Hauptschwierigkeit beim Antennenproblem ist 

bekanntlich die, daß Erfahrungen, die mit einer An- | 
tenne gemacht wurden, wegen des Einflusses des 
Bodens nicht auf eine andere Antenne übertragen 
werden können. Es bleibt nichts anderes übrig, als Ä 
möglichst viele Antennen und ihre Umgebung zu «| 
untersuchen, um auf diese Weise eine gewisse Frfalh- ` 
rung zu gewinnen, auf Grund deren man dann bei «| 
neuen Stationen wenigstens ungefähr weiß, was man 


1 
i 


l 


4 


Referate. 


„u erwarten hat. Von diesem Gesichtspunkt aus ist 
‚der Bericht des Verfassers über eine Reihe von 
‚Versuchen, bei denen alle möglichen Größen der 


-Antennen geändert 
„eigenschaften gemessen wurden, sehr wertvoll. 


jedesmal die Strahlungs- 
Es 


und 


‚zibt tatsächlich nicht viele solche Berichte. 


“enthalten sind, können hier 


Sr 


Bild 1. 


Von den vielen Beobachtungen, die in der Arbeit 
nur wenige erwähnt 


werden. 


Eine bezieht sich auf den Einfluß, den die An- 


” tennenmasten bzw. Türme ausüben können, wenn sie 


ungefähr in Resonanz sind mit der Sendefrequenz. 
In Bild 1 sind z. B. Kurven gleicher Feldstärke wie- 
Adergegeben für zwei Fälle: 


a) Antennen — „Flat top“ Antennen mit zwei 


"abgestimmten Zuleitungen an den beiden Enden — 


ungefähr westlich von dem freistehenden Stahlturm 


“(Kurve A); 


b) vertikale Antenne ungefähr südlich von dem 


` Turm (Kurve B). 


Man sieht, daß in den beiden Fällen die Feldver- 
zerrung durch den Turm, dessen Eigenfrequenz jeden- 


„falls annähernd mit der Sendefrequenz in Resonanz 


‚‚tenne davon abhängt, 
~ Sendefrequenz abgestimmt sind oder nicht, geht aus 
„< Bild 2 hervor, in dem Kurven gleicher Feldstärke für 
«< dieselbe Antenne und zwar eine Vertikalantenne 
+, wiedergegeben sind und zwar Kurve A, wenn die 


', war, von merklich derselben Art ist, aber natürlich in 
re beiden Fällen in verschiedener Richtung liegt. 


Wie sehr das Feld in der Umgebung einer An- 
ob die Eisentürme auf die 


117 


Türme abgestimmt, Kurve B, wenn sie verstimmt 
waren. 

Um Türme, die zufällig auf die Sendefrequenz ab- 
gestimmt sind, zu verstimmen, empfehlen sich zwei 
Methoden. Soll die Wellenlänge eines vom Boden 
nicht isolierten Turmes verkleinert werden, so wer- 
den die Füße des Turmes auf Isolatoren gestellt; soll 
die Wellenlänge vergrößert werden, so werden an 
der Turmspitze, ähnlich wie bei einer Schirmantenne, 
Drähte angebracht. 


Den Einfluß des Bodens auf das Feld einer An- 
tenne illustriert der Verfasser z. B. durch Bild 3. 
Zwei nahezu gleiche Antennen, die mit nahezu der- 
selben Frequenz betrieben wurden, befanden sich in 
verschiedenem Gelände. Man maß bei beiden die 
Abnahme der Feldstärke mit der Entfernung und be- 
kam die Kurven von Bild 3, wenn man als Abszissen 
die Entfernung, als Ordinaten das Produkt aus Feld- 
stärke X Entfernung aufträgt, so daß der Abfall der 


VMEBEEBEBENAZBEREPZENERER 
AENERHRAEERARAEHERRFEEN 
YaSSERREBEEERERENERENEE 
\yEESS=SZSNENEEENEREREERE 
SI I PHITFFREe TIER 
xl I T Dell III TTTS 
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8 4 
DPEEEDHAHBEHBRARENNRRNE® 
SUEEENEBEBRERRRRERERERNE 

12I4VE06 78 9 10 1 12131015 1617 18 WM 20 2122 

Entfernung in Am 
Bild 3. 


Kurven ein Maß für die Absorption durch den Boden 
gibt. Aus den Kurven folgt, daß die Station B die 
vierfache Leistung erfordert, um auf eine Entfernung 
von 20 km dieselbe mittlere Zeichenstärke zu geben, 
wie die Station 4. Praktisch ergibt sich daraus, wie 
wichtig es ist, vor der Anlage eines Rundfunksenders 
sich durch Vorversuche zu überzeugen, ob nicht der 
in Aussicht genommene Platz in einem Bodengebiet 
von besonders starker Absorption liegt. 
J.Zenneck. 


A. F. van Dyck und E. T. Dickey. Methoden 
zur quantitativen Prüfung von Rund- 
funkempfängern. (Quantitative methods used 
in tests of broadcast receiving sets.) (Aus dem 
Prüfungslaboratorium der Radio Corporation of 
America.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 1507—1531, 1928. 


Die Verfasser äußern sich in der Arbeit über die 
Methoden und Einrichtungen, die in dem Prüfungs- 
laboratorium der Radio Corporation zur Untersuchung 
von Rundfunkempfängern benutzt werden. Dabei han- 
delt es sich einmal um physikalische bzw. technische 
quantitative Messungen an diesen Empfängern (,„engi- 
neering test“), anderseits um eine mehr qualitative 
Prüfung („production test“) von der Art einer 
Abnahmeprüfung. 


Von den verschiedenen Messungen, die in der Ar- 
beit beschrieben sind, möchte ich ein Beispiel er- 
wähnen, das besonders wirkungsvoll zeigt, wie vor- 
sichtig man bei Messungen an Empfängern und in der 
Beurteilung derselben sein muß. In dem nebenstehen- 
den Bilde ist das Ergebnis der Prüfung eines Emp- 
fängers auf Frequenzabhängigkeit wiedergegeben. 


118 


Referate. 


Als Abszissen sind aufgetragen die Frequenzen, als 
Ordinaten die Ausgangsspannung in Prozenten der- 
jenigen bei der Frequenz 400/sec. Die ausgezogene 
Kurve bezieht sich auf den Fall, wenn im Ausgangs- 
kreis sich ein reiner Widerstand befand. Die ge- 
strichelte wurde erhalten, wenn der Widerstand im 


760 
sA AN A 1 IL 
RRE 
N a Bull 
Si 
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S X Widerstand im 
EENI?) Ausgangskreis 
IS 
u NS Laufs sprecher im 
usgan ngskreis 


PHEN? Hr Mt 
2 ALLE ELLE 
af IN I N 


30 


Ausgangs 


nn fregvenz 


Aussanzskreis durch einen Lautsprecher ersetzt war. 
Wie ein Vergleich der Kurven zeigt, sind die Ergeb- 
nisse nahezu entgegengesetzt, im einen Fall eine vor- 
herrschende Wirkung der hohen, im anderen Fall der 
tiefen Frequenzen. J. Zenneck. 


G. B. Crouse. Die Entwicklung eines 
Netzanschlußgerätes für Rundfunk. 
(Development of a system of line power for radio.) 
(Aus der Conner Crouse-Corporation, New-York- 
City.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 1133—1148, 1928. 


Der größte Teil der Arbeit befaßt sich mit der Ge- 
schichte der Entwicklung von Netzanschlußgeräten 
in den Vereinigten Staaten. Am Schluß werden einige 
neuere Typen beschrieben, besonders die in Bild 1 
mit on dazugehörigen un lee abgebildete. 


Her i 
iga k mil, 


+A 


Bild 1. 


Zwischen dem Netzanschluß und dem Trans- 
formator liegt ein automatischer Spannungsregler, 
wofür, wie es scheint, von der Firma hauptsächlich 
die Anordnung von Bild Z verwendet wird. Darin 
bedeutet 3 eine normal gesättigte Eisendrossel, 2 eine 
Spule auf einem Eisenkern von solchen Dimensionen, 
daB unter den Betriebsbedingungen seine Sättigung 
schwach bleibt. In Bild 1 folgt auf den Spannungs- 
regler der Transformator mit dem doppelt wirkenden 
Ventil, das auf den Kondensator 4 arbeitet. Die 
Brückenanordnung, die Spulen 5, 6, 7, 8 auf gemein- 
samen Eisenkern 11 mit den Kondensatoren 9 und 10, 
hat den Zweck, die Frequenz 120/sec, die bei 


60 periodigem Wechselstrom in doppelt wirkenden 
Gleichrichter in erster Linie auftritt, wegzuschaffen; > 
sie ist deshalb für diese Frequenz abgeglichen.' Im 
übrigen besteht das Gerät noch aus der Induktanz 1 
und dem Kondensator 13. Das Bild 1 zeigt, wie der 
Empfänger angeschlossen ist, es zeigt besonders auch, 
daß die mit Gleichstrom geheizten Glühfäden aller 


a A un ve mamaa 


Wechselstrom 


Bild 2. 


Röhren in Serie geschaltet sind, wie es bei Netz- 
anschlußgeräten viel bequemer ist. 

Der Verfasser gibt am Schluß die Ergebnisse von 
Versuchen an, bei denen die Glühfäden parallel bzw. 
in Serie verbunden waren. Die Versuche sollten, 

Yomzeigen, daß die Serienschaltung bei den Empfängern 
durchaus kein Nachteil gegenüber der Parallel- 
schaltung besitzt. J. Zenneck. 


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| 
l 
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| 


rep a S3> 20 2 cn 
ae no "ar 


W. J. Kimmel. Ursachen und Verhinde- 
rung des Brummens bei Empfänger- 
röhren mit Wechselstromheizung. (The 
cause and prevention of hum in receiving tubes em- 
ploying alternating current direct on the filament) 
(Aus dem Forschungslaboratorium der Westinghouse 
El. & Man. Co.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 1089 bis 
1106, 1928. 


Der Ton von der doppelten Frequenz des Heiz- 
wechselstroms kann drei Ursachen haben: 1. Die 
periodische Aenderung der Temperatur und damit 
der Elektronenemission des Glühfadens, 2. die perio- 
dische Aenderung des Spannungsabfalls auf dem 
Heizfaden, auch dann, wenn man durch die bekannten 
Mittel dafür sorgt, daß die Spannung auf den beiden 
Hälften des Heizfadens möglichst symmetrisch ver- 
teilt ist, 3. die periodische Beeinflussung der Elek- 
tronenbahnen durch das magnetische Feld des Stroms 
im Glühfaden. 

Der Verfasser behandelt diese drei Erscheinungen 


- RATTE o EEE Een nn. EEE en nn ur — 


— -. u —— 
hl a ige Re FT ge ve PR 


wurden. Der zur Heizung verwendete Wechselstrom 
hatte die in Amerika übliche Frequenz 60/sec. 

Die Versuche ergaben, daß bei den gewöhnlichen 
Röhren mit Oxydkathoden die Aenderung der Tem- -; 
peratur und damit der Emission keine merkliche 
Wirkung hat, dagegen hat Wirkung der Spannungs- 
abfall längs des Heizfadens und das magnetische Feld 
des Stroms in demselben. Die erstere Wirkung ist 
unter sonst gleichen Umständen um so größer, je 
größer der Verstärkungsfaktor (je kleiner der Durch- \ 
griff) der Röhre ist; sie wird besonders gering, weil `, 
man dem Heizfaden eine V-förmige Gestalt gibt. , 
Röhren mit geradem Glühfaden und zylindrischer 
Anode lassen sich so bauen, daß die Wirkung des 
Spannungsabfalls auf dem Heizfaden und diejenige ` 
des magnetischen Felds des Heizstroms — sie mE 
um 180° in der Phase gegeneinander verschoben — „, 
einander ganz oder nahezu aufheben. | 

J. Zenneck. 


y zuerst theoretisch und dann experimentell durch eine |. 
Reihe von Versuchen, bei denen die Dimensionen und | 
Pener die Konstruktion der Röhren möglichst viel variiert 1. 


LH 


a, Ae Fat 


Referate. 


+ S. Ballantine. Der Einfluß der Beugung 
..m ein Mikrophon bei Schallmessun- 
„sen. (Effect of diffraction around the microphone 
<a sound measurements.) Phys. Rev. 32, S. 988—992, 
1928. 
Bei Messungen der Schallintensität mit dem Mikro- 
'əhon ist ein unsicheres Element die Störung des 
 schallfeldes durch das Mikrophon selbst. Es ist an- 
—unehmen, daß bei Wellenlängen, die groß sind gegen 
lie Dimensionen der Mikrophonmembrane, die 
Jruckamplitude durch die Anwesenheit des Mikro- 
„hons nicht viel beeinflußt wird. Dagegen wird man 
:rwarten, daß bei Wellenlängen, die klein sind gegen 
lie Mikrophonmembran, diese merklich wie eine 
..eflektierende Wand wirkt und die Druckamplitude 
ınzefähr doppelt so groß wird, wie im ungestörten 
.Schallfeld, 
.. Experimentell läßt sich das Verhältnis der Druck- 
` amplitude p, das die Mikrophonmembran mißt, zu 
„derjenigen Po im ungestörten Schallfeld bestimmen, 


ee a a R 


a man einmal mit dem Mikrophon und dann an 
‚.lerselben Stelle nach der Entfernung des Mikrophons 
nit der Rayleigh’schen Scheibe arbeitet und da- 
„nit das Mikrophon eicht. 

fi Statt dieser keineswegs einfach durchzuführenden 
Methode schlägt der Verfasser folgendes Verfahren 
svor: Man bringt das Mikrophon eventuell mit dem 

5 “Verstärker oder einem Teil desselben in das Innere 
einer starren Kugel, so daß die Membran des Mikro- 
ohons als ein Teil der Kugeloberfläche betrachtet 
“werden kann (vgl. nebenstehendes Bild). Die Beu- 

„sung einer Schallwelle an einer starren Kugel ist 

‚aber schon von Lord Rayleigh behandelt. Man 

‘xanm aus dessen Formeln den Ausdruck p/po nach 

line und Phase berechnen. Der Verfasser tut 

„das und stellt das Resultat für zwei Kugeldurchmesser 
"15 und 30 cm) dar, indem er das Amplitudenverhält- 

„nis p/po und die Phasenverschiebung zwischen p und 
“v in Abhängigkeit von der Frequenz aufträgt. Aus 

5 seinen Kurven kann also die Druckamplitude po des 

y ‘angestörten Schallfeldes entnommen werden, wenn 
“man die Druckamplitude am Mikrophon in der An- 

is ‚ordnung des Bildes beobachtet hat. J.Zenneck. 

vr 

= R. B. Lindsay. Schallstrahlung einer 

Membran bei hoher Frequenz. (High fre- 

"quency Sound radiation from a diaphragm.) Phys. 

Rev. 32, 515—519, 1928. 

N, 
ir 


Dr 


5 


119 


Es handelt sich im Grunde genommen um die 
Richtwirkung einer Membran bei so hohen Fre- 
quenzen, daß die Wellenlänge A der Schallwellen 
kleiner als der Radius a der Membran ist. 

Die Untersuchung ist rein theoretisch. Zur Ver- 
einfachung wird die Annahme gemacht, daß die ein- 
zelnen Elemente der Membran dieselbe Schwingungs- 
amplitude senkrecht zur Membranebene haben. Unter 
dieser Voraussetzung wird aus den allgemeinen 
Schallgleichungen abgeleitet, wie die Intensität des 
Schalles (proportional dem Quadrat der Schwingungs- 
amplitude) in den verschiedenen Richtungen abhängt 
von dem Winkel, den die betreffende Richtung mit 
der senkrechten zur Mitte der Membran bildet. Traxt 
man sich, in welcher Richtung die Intensität nur noch 
10% derjenigen in der Richtung senkrecht zur 
Membranmitte ist, so findet man, daß der Winkel a, 
den diese Richtung mit der Senkrechten zur Menıbran 
bildet, gegeben ist durch die Beziehung 


a=arcig(0,45A/a). 


Nimmt man z. B. a = 10 cm, die Frequenz der Wellen 
— 50000/sec, d. h. die Wellenlänge in Wasser 
— 2,92 cm, so wird a = 7,5°, d. h. also die Schall- 
aussendung ist eine verhältnismäßig scharf gerichtete. 
J. Zenneck. 


A. B. Bryan und J. C. Sanders. Die Dielek- 
trizitätskonstante der Luft bei Hoch- 
frequenz. (The dielectric constant of air at radio 
frequencies.) Phys. Rev. 32, 302, 1928. 


Die älteren Messungen von Boltzmann und 
Clemenčič hatten für die Dielektrizitätskonstante 
der Luft die Werte 1,000590 und 1,000586 ergeben, 
während bei neueren Messungen mit Hochfrequenz 
durch Fritts und Zahn 1,000540 und 1,000572 er- 
halten wurde. Eine neuere Arbeit von Carman 
und Hubbard nach der älteren Methode hatte 
wieder 1,000594 geliefert. 

Die Verfasser bestimmen nun diese wichtige Kon- 
stante nochmals mit Hilfe der Schwebungsmethode 
und für Frequenzen, die etwa zwischen 5 und 
8,5.10°/sec (A zwischen 350 u. 600 m) liegen. Direkt 
gemessen wird die Aenderung der Frequenz eines 
Röhrengenerators mit einem Luftkondensator, wenn 
in diesem der Luftdruck geändert wird, und zwar in 
der Weise, daß durch Aenderung eines sehr fein ver- 
stellbaren parallelen Drehkondensators die Kapazität 
AC bestimmt wird, die nötig ist, um die Frequenz 
wieder auf denselben Wert wie vor der Druck- 
änderung zu bringen. Unter der Annahme, daß x— 1 
proportional dem Druck der Luft im Kondensator 
ist, ist 
AC 
C 
wenn 4C die Aenderung der Kapazität bei Aenderung 
des Luftdrucks um 1 atm. bei 0° und wenn C bzw. x 
die Kapazität bzw. die Dielektrizitätskonstante der 
Luft bei 1 atm. und 0° bedeutet. | 

Die Gleichheit der Frequenz des Röhrengenerators 
wird in der folgenden Weise festgelegt. Der Röhren- 
generator gibt mit einem zweiten unveränderlichen 
Ueberlagerer eine Schwebungsfrequenz von 600/sec. 
Der gleichgerichtete Strom dieser Frequenz wird 


x—1 = 


120 


durch einen Verstärker hindurch einem Lautsprecher 
zugeführt, auf dessen, Membran sich ein Spiegel be- 
findet. Auf diesen Spiegel fällt ein Lichtbündel und 
von ihm aus auf einen Spiegel, der auf einer Zinke 
einer elektromagnetisch betriebenen Stimmgabel von 
300 Per./sec sitzt, so daß also die Lissajou-Figur für 
das Frequenzverhältnis 2:1 entsteht, wenn die Ab- 
lenkung der beiden Spiegel senkrecht zueinander ist. 
Die Frequenz des veränderlichen Röhrengenerators 
wird stets so eingestellt, daß immer wieder diese 
stehende Lissajou-Figur erscheint. 

Als Mittelwert der sorgfältigen Messungen be- 
kommen die Verfasser x = 1,0005893 für Luft frei von 
Wasserdampf und Kohlensäure und bei einem Druck 
von 1 atm. und bei 0° C. | 

J. Zenneck. 


G. R. Wait, F. G. Brickwedde und E. L. Hall. 
Elektrischer Widerstand und magne- 
tische Permeabilität von Eisendraht 
bei Hochfrequenz. (Electrical resistance and 
magnetic permeability of iron wire at radio frequen- 
cies) Phys. Rev. 32, 967—973, 1928. 

Es handelt sich bei der Arbeit zuerst um die Auf- 
klärung einer Differenz, die sich bei der Untersuchung 
der magnetischen Permeabilität von Eisendrähten bei 
Hochfrequenz ergeben hatte. B. Wwedensky 
und K. Teodortschik hatten gefunden, daß die 
magnetische Permeabilität von Eisen, Stahl und 
Nickel in der Gegend der Frequenz 3.10°/sec 
(2 = 100 m) eine kritische sprunghafte Aenderung er- 
fährt, während G. R. Wait eine solche nicht nach- 
weisen konnte. Sie wiederholten nun die Versuche 
mit Eisendraht, der ihnen von Professor Arkadiew 
zur Verfügung gestellt wurde und bei dem Kart- 
schagin und Mitiaev solche kritische Aende- 
rungen beobachtet hatten. Die Versuche wurden so- 
wohl mit Feldstärken gemacht, wie sie Wait, als 
mit solchen, wie sie Wwedensky und Teodort- 
schik verwendet hatten. In keinen von beiden 
Fällen ließ sich irgendeine derartige kritische Aende- 
rung der Permeabilität nachweisen. 


Bezüglich des elektrischen Widerstandes lag eine 
ähnliche Beobachtung von Mitiaev vor. Nach ihm 
sollte dieser Widerstand ebenfalls in der Gegend von 
į =3.10°/sec sich sprunghaft ändern. Die sorgfältige 
Nachprüfung durch die Verfasser zwischen den 
Wellenlängen 80 und 120 m ergab einen monotonen, 
und zwar praktisch geradlinigen Verlauf der Kurve, 
die den elektrischen Widerstand bei Eisendrähten in 
Abhängigkeit von der Wellenlänge darstellt. 

J. Zenneck. 


Erich Habann Der Kupferiodürdetek- 
tor. Ztschr. f. techn. Phys. 10, 25—28, 1929. 


Zur Herstellung des Detektors wird durch 
Waschen mit Wasser, Alkohol und Benzol gereinigtes 
Kupferjodür in die Höhlung eines Metallblocks ge- 
preßt. Als Gegenelektrode dient ein lose aufliegender 
Kupferdraht von 0,1—0,2 mm Durchmesser, an 
dessen Stelle auch Drähte aus Blei, Aluminium und 
Zink Verwendung finden können. Keine Gleichrich- 
terwirkung ergeben jedoch Drähte aus Molybdän, 
Wolfram und Platin. 


Referate. 


zeigen bei einer bestimmten Spannung einen scharfe 
Knick, der z. B. für einen Kupferdraht als Gegen. 
elektrode (siehe Bild) bei etwa 0,26 V liegt. Der Knick 


02 


04 06 


verschwindet bei größerem Andruck, sowie wenn 
längere Zeit (2-4 Std.) ein schwacher Strom (0,3 mA) 


Die Charakteristiken der wirksamen nn 
n 


l 
| 


in der gleichen Richtung (Kupferdraht negativ) fließt. . 


E. Mauz. 


A. Crossley und R. M. Page. Eine neue 
MethodezurBestimmungdesWirkungse 
gradesvon Röhrenanordnungen. 
method for determining the efficiency of vacuum tube 
circuits.) (Naval research laboratory.) 
Radio Eng. 16, 1375—1383, 1928. 


Die Methode der Verfasser kommt auf folgendes 
hinaus. Sie messen mit einem Thermoelement die 


(A new , 


Proc. Inst 


Temperatur an einem Teil der Außenfläche der Röhre , 
bzw. der Röhren, wenn sich mehrere in der Anordnung 


befinden. Diese Temperatur ist bei einem konstanten 
Heizstrom bestimmt durch die in der Röhre ver- 
brauchte Leistung. Die Angaben des mit dem Thermo- 
element verbundenen Spannungsmessers können also 


in Werten der in der Röhre verbrauchten Leistung | 


geeicht werden, indem man ohne angeschlossene 
Schwingungskreise oder ähnliches der 
schiedene Gleichstromleistungen zuführt. 

Soll nun z. B. die in einem Rölrengenerator er- 


zeugte Wechselstromleistung gemessen werden, 50 | 


Röhre ver- 


| 


mißt man die gesamte zugeführte Gleichstromleistung, | 


ebenso durch das Thermoelement die in der Röhre » 
verbrauchte. Die Differenz ergibt dann die in den an- | 


geschlossenen Schwingungskreisen produzierte bzw., 
verbrauchte Leistung. Man kann auf diese Weise also 


den Wirkungsgrad des Röhrengenerators erhalten. 
Aehnlich läßt sich auch die Leistung in einer an- 
geschlossenen Antenne, und wenn man den Strom IM 
Strombauch der Antenne kennt, auch der Antennen- 
widerstand finden. Die Verfasser haben solche Ver- 


suche mit f= 8-10°/sec (A=37,5 m) gemacht, be’ 


denen die Gesamtleistung zwischen 159 und 362 Watt 
geändert wurde. Die Werte, die die einzelnen Mes- 


sungen für denselben Antennenwiderstand ergaben. 


schwankten zwischen 45,5 und 56,1 (Mittelwert Sl, 3) 
Ohm. Solche Messungen sind von Wichtigkeit, da sie 
erkennen lassen, welche Genauigkeit man mit dieser | 
Metliode erreichen kann. I. Zenneck. 


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Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie 3 
und Telephonie 


Gegründet 1907 


Ho Unter Mitarbeit 
| 3 von 
j Dr, h. c. Graf v. Arco (Berlin), Dr. L. W. Austin (Washington), Postrat Dr. F. Banneitz 


(Jena), Prof. Dr. H. Faßbender (Berlin), Dr. L. de Forest (New-York), Prof. Dr. F. Kiebitz 

ji (Berlin), Postrat Prof. Dr. G. Leithäuser (Berlin), Dr. S. Loewe (Berlin), Dr. C. Lübben (Berlin), 

= Dr. E. Lübcke (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. A. Meissner (Berlin), Prof. Dr. H. G. Möller 

> (Hamburg), Dr. E.Nesper (Berlin), Dr. B. van der Pol jr. (Eindhoven), IngenieurDr.V.Poulsen ` 

a (Kopenhagen), Prof. Dr. L. Pungs (Braunschweig), Dipl.-Ing. B. Rosenbaum (Berlin), 

: Dr. K. Rottgardt (Berlin), Prof. Dr. H. Rukop (Köln), Dr. A. Scheibe (Charlottenburg), 
E Oberingenieur O. Scheller (Berlin), Prof. Dr. W. Schottky (Berlin), Prof. Dr. A, Sommerfeld 

i ; (München), Dr. F. Trendelenburg (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. M. Wien (Jena), 

Prof. Dr. H. Wigge (Köthen-Anh.) 


| | f (Berlin), Prof. Dr. H. Barkhausen (Dresden), Prof. Dr. W. Burstyn (Berlin), Prof. Dr. A. Esau 
| 


herausgegeben von 
~ Professor Dr. Dr. ing.E.h.J. Zenneck una Privatdozent Dr. E. Mauz 


Schriftleitung: Dr. E. Mauz 


Monatlich erscheint ein Heft, Abonnementspreis des Bandes (tẹ Jahr) RM. 20.—, Preis des 
einzelnen Heftes RM. 3.50. Alle Buchhandlungen sowie die Verlagsbuchhandlung nehmen Be- 
stellungen an. Inserate werden mit RM. —.15 pro mm Höhe und 41mm Breite berechnet. 
Bei Wiederholung BEE 


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oO 


S. 121—160 
Heft 4 


1323 


1 2 Es : 


ejchsirom-Hochspannungs-Dynamos 


"+ für Sender :: für 2000-10000 Volt Spannung 


3 e 


offene Bauart und Marineausführung (DGM.) F 


-i Ad 


a {_ zZ BA - 


Doppelstrom- Generatoren | 


(Gleichstrom-Gleichstrom-Doppelstrom-Umformer) maximale Leistung 1200 Volt, 120 Watt 
besonders geeignet für FunK-Kurzwellensender usw. 


’ u $ 
me ' 


Verlangen Sie bitte Prospekte 17 und 44! Verlangen Sie bitte Prospekte 17 und ar 


Bayerische Elektricitäts- -Werke | 
Fabrik kandshut Bayern 


ELBE LISTE 


Vor 50 Jahren am 1. März 1879 eröffnele 
Eugen Hartmann in Würzburg eine P 
zisionswerkstätte für wissenschaftliche G 
räte und begründete damit unser We 
Als einer der ersten baute er Telephon- 
anlagen und wurde ein Hauptlieferer an die 
deutsche Reichspost. In späteren Jahren 
gaben wir den Bau von Fernsprechern: ganz 

auf um uns verstärkt dem reichen 
GebietelektrischerMehsgerätezuzuwenden. 
Solche liefern wir auch für Telegraphie und 
Telephonie vorbildlich in Ausführung ind 
Form. Teil | der eben erschienenen gelben 


Liste gibt darüber Auskunft. 


 HARTMANN< BRAU 


A-G FRANKFURT /R 


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Er i 


a ‚Google 


Oktober 1929 


TE 4 


_jand 34 


‚Zeiischrilt ür NOGHIFEQUENZIEEN 


| Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie und und Telephonie | 


INHALT 


Seite 


Ludwig Heck: Experimentelle Untersuchungen an Wasserwellen 
zwecks Herstellung von Analogien zu elektromagnetischen 


Strahlungsvorgängen. (Mit 24 Bildern im Text) . 121 


Gerhard Gresky: Richtcharakteristiken von Antennenkombinatio- 
nen, deren einzelne Elemente in Oberschwingungen erregt werden. 


(Mit 15 Bildern im Text) > . 132 


H. E. Hollmann: Der Elektronenoszillator als negativer Widerstand. 


(Mit 5 Bildern im Text) . 140 


Manfred von Ardenne: Eine einfache Methode zur Bestimmung 


der Röhrenkonstanten. (Mit 3 Bildern im Text) . : ; . 143 


i Mitteilungen aus der Praxis: 
f Herbert Reibedanz: Nadir- Netzanschluß- Rohpenvoluneier, (Mit 


3 Bildern im Text) . ’ : r x . 145 
Carl Lübben: Patentschau. (Mit 27 Bildern im Text) ; R . 147 
Referate: 


P.O. Pedersen (J. Zenneck): Drahtlose Echos mit langer Lauf- 


zeit. (Mit 4 Rildern im Text) . 152 


Fritz Maske (Selbstreferat): Beitrag zur ` Herstellung konstanter 
Schwingungsfrequenzen eines Röhrengenerators. (Mit 3 Bildern 


Le K.B. Eller: 
Röhrengeneratoren 
Gitter- und Anodenspannung und dem äußeren Widerstand 


g. Zenneck): Die Aenderung der "Frequenz von 
in Abhängigkeit vom Heirstron, von der 


Ar 

Al Manuskripte für das Jahrbuch, möglichst mit klischlerfähigen Figuren versehen, sind an die Schriftleitung Dr. E. Mauz, Frankfurta. M., Physikalisches 
Institut, Robert Mayerstr. 2, zu senden. Die Herren Autoren werden gebeten, eine kurze Zusammenfassung des wesentlichen Inhalts ihrer Arbeit jedem Manuskript beizufügen 
Abonnements und Inserate sind zu richten an M. Krayn, Verlagsbuchhandiung Berlin W 10, Genthiner Straße 39, Postscheck-Konto Berlin 32647. 


im Text) . 154 


‚155 


Seite 

D.C. Prince (J. Zenneck): Charakteristiken von Doppeleitter 
röhren und inr Eınfluß auf den Wirkungsgrad . 155 

E. B. Moullin (E. Lübcke): Ein Röhrenvoltmeter zur Messitie der 

Spitzenspannung und des Mittelwertes von Wechselspannungen 
beliebiger Kurvenform. (Mit 4 Bildern im Text) . x ; . 156 

E. R. Martin (A. Scheibe): Eine Elektronenröhrenschaltung zur 
Messung schwacher Wechselströme. (Mit 2 Bildern im Text) . 157 

Ch. G. Suits (H. E. Hollmann): Das EDIE AIIE MERE Röhren- 
voltmeter. (Mit 1 Bild im Text) ; : . 157 

G. Pession und G. Montefinale (J. Zenneck): “Die drahtlose 
Zentralstation in Rom (San Paolo) . ; 2 . 158 

H. Diamond und E. Z. Stowell(). Zenneck): Bemerkungen zur 
Theorie der Hochfrequenz-Transformatoren. (Mit 1 Bild ım Text) 158 

E. T. Cho (J. Zenneck): Die Bedingung für maximalen Strom in 
einem Röhrengenerator . . 158 

P. Koehler (J. Zenneck): Die Könätrukdion von Translockintoren 
für Niedeifrequenz-Verstärker mit vorgegebener Charakteristik 158 


A.F.vanDyck und F.H. Epe (). Ne) Die PaULMDE von 


Röhren : . 159. 
Eingegangene Bücher ; ; : ; è ; ; ; . 159 
Bücherbesprechungen . ; ; . ` ; i ; R . 159 


Experimentelle Untersuchungen an Wasserwellen 


k 
| zwecks Herstellung von Analogien zu eleKtromagnetischen 


. Strahlungsvorgängen. 
Von Ludwig Heck.*) 


k Inhaltsübersicht. 


1. Theoretische Untersuchungen. 


- Il. Vorversuche mit selbstschwingendem Resonator. 
1. Prinzip des selbstschwingenden Resonators. 
2. Versuchsaufbau. 
3. Ergebnisse. 


. Hauptversuche. 
fr. l. Beschreibung des Versuchsaufbaues. 
2. Die Brechung des Lichtes durch die Wasser- 
wellen. 
3. Versuchsdurchführung. 
': 4. Versuchsergebnisse. 


IV, Zusammenfassung. 


Die in der dralıtlos-telegraphischen Nachrichten- 
“technik verwendeten Empfangsanlagen veranlassen 
durch die Rückstrahlung ihrer Antennen Störungen 
des Empfangsfeldes. Da diese Felddeformationen in 
jedem: Punkt gemessen werden können, ist es mög- 
ich, ein Gesamtbild der Feldstörungen zu erhalten. 
Die Natur der zur Verfügung stehenden Meß- 


*) Dissertation der Technischen Hochschule München, 


‘ Wasserwellen 


anordnungen gestattet aber nur den Nachweis von 
Effektivwerten der Feldstärke, die ein Integral über 
alle Momentwerte des elektromagnetischen Feldes 
darstellen. Das durch Messung erhaltene, Gesamtbild 
der Feldstörungen ist daher ein zeitliches Integralbild 
über alle Momentzustände des elektrischen Wechsel- 
feldes. Die Beherrschung der Gesichtspunkte für das 
Zustandekommen dieser Integralbilder wird er- 
leichtert, wenn man gerade über die Momentvorgänge 
anschauliche Vorstellungen hat. 


Die Aufgabe der vorliegenden Untersuchung ist 
die bildliche Darstellung der Störung eines elek- 
trischen Wechselfeldes durch Resonatoren und 
Wände mittels analoger Versuche an ‚Wasserwellen. 


I. Theoretische Untersuchungen. 


Es sollen zuerst auf analytischem und graphischem 
Wege die Interferenzerscheinungen behandelt werden, 
die im experimentellen Teil durch Interferenz der 
hervorgerufen werden. Zur Verein- 
fachung werden die Interferenzen transversaler 
Schwingungen untersucht. Die Amplituden der inter- 
ferierenden Wellen sollen überall gleich groß, also 


Ludwig Heck: 


vom Orte unabhängig sein. In den Rechnungen und 

graphischen Darstellungen werden die Amplituden = 1 

gesetzt. l . 

1. Der Kreiswellensender PR, soll eine 
Welleaussenden,diederimPunkt P 
ankommenden Frontalwelle um 90° 
nacheilt. | 
Ist der Schwingungszustand der in A ankommen- 

den Frontalwelle (siehe Bild 1) durch die Gleichung 

2 sin? P (1) 
gegeben, so ist die Eigenschwingung des die Kreis- 
wellen erzeugenden Punktes Po: 


t— TA 
7 (2) 


Für die resultierende Elongation z eines Punktes P 
gilt die Gleichung: 


e=sn2a (p TE) + sna E3) (3) 


z—=sin2rn 


f R À 


et nt 7 
z= 2 sin [Er 3i eHr oso) 


. cos”; (1 = cos g) d 


Dabei bedeuten: 
T die Periodendauer, 
Ai die Wellenlänge, 


(4) 


1. 
v=7 die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der 


Wellenbewegung. . 


a) Die Punkte mit der Elongation z = o. 
Es ergibt sich als erste Gleichung: 


"(1 cosp=2vi—Ż+ki=P, (5) 


Diese Gleichung stellt eine Parabel- 
schar dar, mit dem zeitlich veränder- 
lichen Halbparameter 


p=2vi—Ż +k 


k ist eine beliebige ganze Zahl. 

Der Brennpunkt der Parabeln ist der Kreiswellen- 
sender P». 

Sie sind nach links geöffnet. 

Als zweite Gleichung ergibt sich: 


r(1— cosg) =4+ k= R, (6) 


Diese Gleichung stellt eine zeitlich 
in ihrer Lage unveränderliche Para- 
belschar dar. 


À 
Ihr Halbparameter pr = 4 + ki enthält die Ver- 


Die Parabeln Pk sind nach der 
Richtung, wie die Parabeln P, 


änderliche £ nicht. 
entgegengesetzten 
geöffnet. 
Die Parabeln mit den Gleichungen (5) und (6) 
sollen i 
Nullwertsparabeln 


heißen, denn jeder Punkt auf diesen Parabeln ha 


F 
dauernd die Elongation z = o. Die Lage der Parabel S 
ist für den Zeitmoment t = T aus Bild 1 zu ersehen. |W 
b) DiePunkte mit der Elongation z = 
bzw. z = —2 (Maxima und Minima): 
Man erhält als geometrischen Ort zwei Parabel- 
systeme mit den Gleichungen 


kd 


P= r (1 — cosp) = k å — 


Bild ı 


Momentbild mit Höhenlinien von interferierenden Kreis- und | ı 

Frontalwellen, 

und i 
3 


p 
Die Parabelschar der Gleichung (7) ist von iel 
Zeit t unabhängig. Der Halbparameter der anderen] 
Parabelschar P; ist dagegen eine Funktion der 
Zeit i£. Die Lage der beiden Parabelscharen ist aus| 
dem Momentbild ¿=T zu ersehen. | 
Die Aeste der Nullwertsparabeln bilden Waben. 
in denen die Maxima und Minima liegen. Dieselben 
wandern mit den Waben zwischen dem zeitlich un- 
veränderlichen Nullwertsparabeln vom Strahl & = a 
weg. Es folgen sich Maxima auf Minima und um- 
gekehrt. Es stellt die Gleichung (7) die Bahn- 
kurven der Maxima und Minima dar. 
Jede Parabel P, mit der Gleichung 


P =p, =r (1 — cos g) 


ist die Bahnkurve einer fortschreitenden Welle. Ihre 
Amplitude ist um so kleiner, je näher die Parabel P, 
den Nullwertsparabeln P rückt. Die Amplituden 
nähern sich dem Maximalwert a—=2, je näher die'ı 
Parabel den Bahnkurven der Maxima und Minima 
kommt. rn f 

Auf jeder beliebigen Parabel Pa mit der Gleichung , 


| Ty = pa =r (1 + cos g) Sae s 
treten stehende Wellen auf. Die Knotenstellen sind , 


die Schnittpunkte der Parabel P. mit der Nullwerts- E 
parabel Pk. Die Schnittpunkte mit den Bahnkurven 


Te 5 ee nn 
ra A 


—,—S\ 


_2xperimentelle Untersuchungen an Wasserwellen zwecks Herstellung v.Analogien zu elektromagnetischen Strahlungsvorgängen. 123 


“e der Maxima und Minima haben die größte 
een sie sind die Bäuche der stehenden 
-Nelle. | 

- Die fortschreitende Bewegung der Maxima und 
“linima zwischen dem Nullwertsparabelsystem Pk 
“ntsteht durch die Abschnürung der Bäuche, der auf 
lem Strahl p = x auftretenden stehenden Welle. 

= In Bild 1 sind noch die Höhenlinien eingetragen. 
Jie Höhenlinien verbinden Punkte mit der gleichen 
"longation. Sie sind geschlossene Kurven, die die 
Dia mit der Elongation z = + 2 einschließen. Um 


z— +2. Sie sind de Maxima und Minima. Die 
Waben, in denen die Minima liegen, sind wieder mit 
dunkler Farbtönung hervorgehoben. Die Bahn- 
kurven der Maxima und Minima sind Hyperbein, die 
zwischen den Nullwertshyperbeln liegen. Sie haben 
die Gleichung | 


11 — Tfr =kàÀ 


Die Mittelsenkrechte zur Verbindungsgeraden 
beider Sender ist immer eine Bahnkurve der Maxima 
und Minima. 

Auf allen Hyperbeln 


Ti Smia To = + 2 a 
treten fortschreitende Wellen auf. Sie haben längs 


den Bahnkurven der Maxima und Minima die maxi- 
mal mögliche Amplitude 2. 


3. Die Reflexionanebenen Wänden. 


Der Rechnung sei ein Polarkoordinatensystem zu- 
grunde gelegt, wie es Bild 3 zeigt. Die Front der an- 
kommenden Welle soll senkrecht zum Anfangsstrahl 
(œ =0) liegen. Die reflektierende Wand sei durch 
 |den Strahl OA gegeben. Sie schließt mit der Fort- 
pflanzungsrichtung der ankommenden Frontalwellen 
den Winkel 90°—a ein, wobei a der Einfallswinkel 


l Bild 2. 
- Momentbild von zwei interferierenden Kreiswellensystemen. 


„das Bild plastisch wirken zu lassen, zeigen die Höhen- 
schichten verschiedene Farbtönungen. Die konvex ge- 
krümmten Bildteile haben Helligkeitswerte, die vom 
Hellen ins Dunkle gehen, bei den konkav gekrümmten 

- Bildteilen ist es umgekehrt. 


2. Zwei gleichphasig schwingende 
Kreiswellensender. 
In Bild 2 ist das gewählte Koordinatensystem mit 
> den zwei Erregerpunkten P, und P, skizziert. 
Die Punkte mit der Elongation z = o liegen 
1. auf der Ellipsenschar 


„tIn=2vt+ki (9) |- 


» Die Ellipsenhalbachsen a und b sind eine Funktion 
~ der Zeit t. Es ist 
| ki 


a=vi+ y? b=Vy e — e 
2. auf der Hyperbelschar 


(10) 


Diese Hyperbeln behalten ihre gegenseitige Lage 

' unverändert bei. Sie sind von der Zeit t unabhängig. 

Die durch Gleichungen (9) und (10) gegebenen 

- Kurvenscharen sollen Nullwertsellipsen und 
Nullwertshyperbeln heißen. 

In Bild 2 sind die beiden Kurvenscharen für die 
Zeitmomente Z=o und t= T/8 eingezeichnet. Es 
kommen hier nur drei Nullwertshyperbeln zur Aus- 

. bildung. In den Waben, die die Hyperbeläste mit den 
‘ Ellipsen bilden, liegen die Punkte mit der Elongation 


DETASAT A SPE OR O = 


der ankommenden Welle ist. 


Ihre Gleichung lautet: 
p =n] — a. 


Die reflektierende Wirkung der Wand kann man 


durch einen Frontalwellensender ersetzt denken, der 


einen Winkel 90° — 2a mit dem Anfangsstrahl 9 = 0 
bildet. 

Der geometrische Ort der Punkte mit der Elon- 
gation z = Q ist erstens durch die Gleichung 


la+ k à 
Gr=y=ztg (ah a) HEEE 


(11) 


gegeben. 


1 
Pi Fifeive r is 
7” - Prontal-Wellensender 


; <O pka 
x 


+ 


ro 


Bild 3. 
Momentbild der Reflexionvon Frontalwellen an einer ebenenWand. 


Die Gleichung stellt zueinander parallele Gerade 
dar, die mit dem Anfangsstrahl den Winkel 90° — « 
einschließen und daher parallel zur reflektierenden 
Wand sind. Die Lage dieser Geraden ist 
zeitlich unveränderlich. 

Als weiterer geometrischer Ort ergibt sich die 
Gleichung 

2vt+- ki 


G, = y= xig (a — a) + ng, 


(12) 


134 


Ludwig Heck: o o EEE 


Die Gleichung stellt parallele Gerade dar, die mit 
dem Anfangsstrahl den Winkel 180° — « einschließen. 
Die Lage dieser Geradenschar istvon 
derZeititabhängieg. 

Der Vergleich mit Gleichung (11) ergibt, daß die 
durch Gleichung (12) bestimmten Geraden G» senk- 
recht zu den Geraden Grz und damit zur reflektieren- 
den Wand stehen. In Bild 3 sind die Geraden C» 
für den Zeitmoment t = T/4 eingezeichnet. Sie wan- 
dern in Richtung der reflektierenden Wand mit kon- 
stanter Geschwindigkeit dahin. Die Geraden Gx und 
G, sollen Nullwertsgrade heißen. 


Fortschreitende Wellen treten auf den Geraden 


mit der Gleichung 

y-iglah—a)atn, 
auf, stehende Wellen dagegen auf allen (eraren, die 
durch die nn 


= ig (a — a) £ + ng 
und n, sind beliebige positive 


gegeben sind. A 
Zahlen. 

Die beiden Nullwertsgeradenscharen Gk und Go 
bilden Waben, in denen die Punkte mit der Elongation 
z = +2 parallel zur reflektierenden Wand fort- 
wandern. Die Bahnkurven dieser Maxima und 
Minima sind Gerade, die zwischen den festen Null- 
wertsgeraden liegen. Die reflektierende 
Wand fällt 
Maxima und Minima zusammen. 


Für o = 0° folgt aus Gleichung (11), daß die zeit- 


lich konstanten Nullwertsgraden G@* senkrecht zum 
Anfangsstrahl stehen. Der Abstand der einzelnen 


| À 
Geraden beträgt p 


- Die Nullwertsgeraden G, verschwinden, es treten 
nur mehr stehende Wellen auf. 


Läßt man a von 0° auf 90° wachsen, so wächst 


k f 
p) aui ©, 


der Abstand der Nullwertsgeraden G, nimmt von 


der Abstand der Nullwertsgeraden @, von 


oo auf i ab. 


H. Vorversuche mit einem selbstschwingenden 
Resonator. 


1. Prinzip des selbstschwingenden 
. Resonators. 


Bringt man eine abgestimmte Sonde in ein elektro- 
magnetisches Feld, so saugt dieser Resonator aus 
einem gewissen Umkreis Energie auf. Diese Energie 
wird zum Teil wieder als sekundäre Welle vom Reso- 
nator ausgestrahlt. Es überlagert sich der primären 
Welle eine sekundäre Welle, die der primären um 
90° nacheilt. 

Aehnliche Verhältnisse kann man im Wasser durch 
folgende Anordnung erhalten. 

Man erzeugt durch kontinuierliches Eintauchen 
eines Balles ein System von fortschreitenden Kreis- 
wellen. Dieses soll das primäre elektromagnetische 
Feld versinnbildlichen. Die Frequenz des eintauchen- 
den Balles ist identisch mit der Frequenz y der 
Wasserwellen. Ein Analogon zum elektrischen Re- 
sonator ergibt folgende Anordnung: 

Man hängt an’ einer Feder einen Ball auf, der 
gerade noch etwas ins Wasser eintaucht. Die Eigen- 


. periode vo dieses schwingungsfähigen 


mit einer Bahnkurve der 


-unter dem Einfluß der primären Wellen zu 


: wegung geführt wurde. 
Systems war der Auftrieb des Schwimmers. n 


Systenis er- 


rechnet sich zu: | be 
se V D/m — k?/4 m? dh 

IR fi di 

Dabei bedeuten: ke 


D die Direktionskraft der Feder, 


m die Masse des Systems, die durch Zusatz-ı 
gewichte beliebig geändert werden kann, |y 


al 


k einen von der Dämpfung abhängigen Faktor. 


damit von der jeweiligen Amplitude der Schwingung 
ab. Soll yọ praktisch konstant bleiben, so muß d 


st 
k hängt auch von der Eintauchtiefe des Balles | 
Masse m groß gemacht werden. | 


Bild 4. 
Aufbau für die Vorversuche. 
Die unter dem Ball 
schreitende primäre Wellenbewegung. stößt. dieses 


nn m name 


mit ` der Periode v: "ort. 


schwingende System an. Die erzwungenen Schwin- 
gungen werden ein Maximum für den Resonanzfall 
yo= vy. Dieser Fall kann durch Veränderung der 
Masse m und der Wellenlänge } erreicht werden. 
Der mechanische Resonator schaukelt sich allmählich 
einer 
maximalen Amplitude auf und müßte selbst sekundäre 
Wellen aussenden. 


2. Versuchsanordnune. 
Allgemeine Anordnung: 


Die Versuche wurden in eineni Teich, der eine |h 
hinreichend konstante Tiefe hatte, durchgeführt. ! i 
Bild 4 zeigt die Versuchsanordnung. Der rechte |k 


Balken trägt den Sender für die primären \Vellen, 
der linke den Resonator. Die Reflexion der Wasser- 
wellen am Ufer konnte durch künstliches Abflachen 
der Uferränder unterdrückt werden. 

Die primären Wellen wurden durch einen in das 
Wasser eintauchenden Ball erzeugt, der periodisch 
durch einen kleinen Motor M auf und ab bewegt 
wurde. Der Resonator bestand ebenfalls aus einem 
Ball, der durch ein Gestänge in seiner vertikaler Be- 
Die Direktionskraft des in 


EP ‘SJ 


—— * 


Die primären Wellen versuchten den Schwimmer 
auf- und abwärts zu bewegen und stießen 
Resonator an. Trotz bester Kugellagerung 
weglichen Teile, schaukelte er sich nur zu sehr [Dr 
kleinen Amplituden auf. Die Dämpfung war zu»! 
groß. Um bessere Effekte zu erhalten. wurde der | 
Resonator künstlich entdämpft. Die Entdämpfung i 


so den | 
aller be- 


Experimentelle Untersuchungen an Wasserwellen zwecks Herstellung v. Analoglen zu elektromagnetischen Strahlungsvorgängen. 125 


des Systems erfolgt durch den Magneten R, der mit 


dem Gestänge fest verbunden ist. Die Spule S, liegt 
im Gitterkreis einer Röhre. Die Spule S, wird vom 
Anodenstrom durchflossen, dessen .magnetische Fel- 


‚der bei richtiger Polung der Spulen den einen Schen- 


kel des Magneten kontinuierlich anziehen. 


3. Ergebnisse. 
Durch diese Entdämpfung wurde tatsächlich er- 


“reicht, daß der Resonator sich zu großen Amplituden 


-aufschaukelte und selbst sekundäre Wellen 
strahlte. 


aus- 
Doch mußte der Resonator so stark ent- 
dämpft werden, daß er kurz vor dem Selbst- 
"schwingen war. - 


3/1 Mit der starken Entdämpfung war aber ein großer 


Nachteil verbunden. Die geringsten Unterschiede der 


- Eigenfrequenz mit der Frequenz der primären Wellen 


: gaben zu Schwebungserscheinungen Anlaß. Es konnte 


:nicht erreicht werden, 


daß über eine längere Zeit- 


‚dauer die gewünschte Resonanz der primären Wellen 
-ınit der Eigenschwingung des Resonators erhalten 


ı blieb. 


I 


der Amplitude. 
* zylinderförmigen Schwimmkörper nehmen. 


= Bild 5. 
Ansicht des Gesamtaufbaus für die Hauptversuche. 


Der Grund lag einmal in der schlechten Konstanz 


“der primären Wellenlänge, andererseits veränderte 


sich die Eigenfrequenz des Resonators mit der Größe 
Streng genommen muß man einen 
Nur für 
ihn ist die Auftriebskraft je cm EFintauchtiefe, und 


- damit die Direktionskraft D eine Konstante. Für einen 
- kugelförmigen Schwimmer trifft das nicht mehr zu. 


Ein .zylinderförmiger Schwimmer erzeugt nun 


- außerordentlich schwache Wellen, während z. B. eine 
- Kugel viel 
$- deshalb notwendig, 


Es war 
als Schwimmer Bälle zu ver- 
Dadurch war. es nicht möglich, die Eigen- 


intensivere Wellen aussendet. 


wenden. 


t: schwingung des Resonators konstant zu halten. 


Aus diesen Gründen erschien es wünschenswert, 


x die geforderten Analogien durch miteinander fest ge- 
© koppelte Sender herzustellen. Es wurde deshalb eine 
“neue Anordnung gebaut, die jede beliebige Phasen- 
x stellung der beiden Sender erlaubte. 


HI. Hauptversuche. 
Der Resonator ist fest mit dem Sender der 


. primären Wellen gekoppelt. 
1. Beschreibung des Versuchsaufibaues. 


Um die Versuche im Laboratorium durchführen 


I ", zu können, wurde im Prinzip eine Anordnung gebaut, 


ji” 


je 


wie sie Meutzner!) und Weinhold?) 'ver- 
wendeten. 


Aus Bild 5 ist der Gesamtaufbau zu ersehen. In 


einem quadratischen Holzrahmen befindet sich auf 


einer Glasscheibe die 2—3 cm tiefe Wasserschicht. 
Durch Abschrägen der oberen Kante wurde eine 
Reflexion der Wellen durch den Rahmen vollkommen 
vermieden. Mittels einer Bogenlampe wird ein Licht- 
kegel schräg durch das Wasser auf einen Schirm ge- 
worfen. Senkrecht über dem Schirm steht der 
Photographenapparat. Die Frontalwellen werden 
durch einen ins Wasser 'eintauchenden Stab S, die 
Kreiswellen durch einen kleinen Ball B erregt. Zu 
iedem Sender gehört ein eigenes Gestänge und ein 
eigener Exzenter; die beiden Exzenter sind auf einer 
Welle befestigt, die ein kleiner Asynchronmotor an- 
treibt.. Die Amplitude der ins Wasser eintauchenden 
Schwimmer betrug ie nach der gewählten Ueber- 
setzung */io—*/io mm. 

Die Brechung des Lichtes durch die Wasserwellen 
erzeugt auf der Leinwand helle Lichtstreifen neben 
dunklen Schattengebieten. Um die Bilder innerhalb 
einer Periode in. verschiedenen Momenten photo- 
sraphieren zu können, wurde eine automatische Aus- 
lösung gebaut. Mit der Welle dreht sich eine 
Bürste um ein Hartgummirundstück, das ein Metall- 
segment trägt. Dieses Rundstück kann beliebig ver- 
dreht werden, so daß in beliebigen Momenten wäh- 
rend einer Umdrehung der Bürste und damit während 


einer Periode ein Stromschluß erfolgt, der die Aus- 


lösung des Photographenapparates betätigt. 


2. Die Brechung des Lichtes durch die 
Wasserwellen. 


a) Die Momentbilder am Schirm. 


Konvex gekrümmte Wasserflächen brechen das 
Licht so, daß die gebrochenen Strahlen konvergieren. 
Es entstehen Lichtstreifen am Schirm. .. 

Je größer die Amplitude der Wellen ist, um so 
stärker ist die Konvergenz der durch den Wellenberg 
gebrochenen Lichtstrahlen. Der am Schirm ent- 
stehende. Lichtfleck ist also um so intensiver, je 
größer die Wellenamplituden sind. 

Die konkav gekrümmten Wasserflächen brechen 
das Licht divergent. Es entstehen am Schirm 
Schatten, die aber in ihrer Intensität nicht so stark 
abgestuft sind, wie die Lichter. Als Schatten sind jene 
Bildteile verstanden, die eine geringere Lichtintensität 
haben, als bei ebenem Wasserspiegel. Frontalwellen 
bilden sich auf dem Schirm als zum Frontalwellen- 
sender parallele helle Linien, Kreiswellen als helle 


Kreise ab. Die Entfernung der Lichtstreifen ist eine 


Konstante. 
Aus dem Höhenlinienbild 1 folgt: 


Die hellsten Lichtstreifen entstehen durch die Licht- 
brechnung an den Wasserflächen, auf denen die 
Punkte mit der maximalen Elongation liegen. Diese 
Flächen werden von den Nullwertskurven des be- 
treffenden Interferenzbildes begrenzt. Die Gestalt der 
Waben, die diese Nullwertskurven miteinander bilden, 
bestimmt die Gestalt jener konvex gekrümmten 


1) G. Meutzner, Poske, Zeitschr. f. d. Phys. und Chemischen 


Unterricht 23, S. 74, 1910. 


2) A. Weinhold, Physikalische Demonstrationen, Leipzig, Ver- 
lag J. A. Barth, S. 364, 1921, 


126 


Ludwig Heck: 


Flächen, auf denen die Maxima liegen. Durch eine 


längliche Wabe entsteht am Schirm ein Lichtstreifen, 
durch eine quadratische Wabe ein punktförmiger 
Lichtileck. 


Die Flächen, auf denen die Maxima liegen, sind 


durch weniger stark konvex gekrümmte Flächen mit- 
einander verbunden. Es erscheinen daher am Schirm 
die Enden der hellsten Lichtstreifen durch weniger 
lichtstarke Linien miteinander verbunden. Durch diese 
Linien erhält man den Eindruck eines zackenförmigen 
Lichtbandes, das die Nullwertskurven umschließt. Die 
Lage der Nullwertskurven ist daher auf den Moment- 
bildern dort (deutlich zu erkennen, wo sich die Licht- 
bänder eng an die Nullwertskurven anschließen. 


b) Ableitung des Zeitbildes aus den Momentbildern. 


Die Zeitaufnahme integriert über alle Moment- 
bilder. Denkt man sich alle Momentbilder auf Filme 
kopiert, so muß in der Durchsicht der einzeln aufein- 
ander gelegten Filme das Zeitbild sichtbar werden. In 
erster Linie sieht man dann nebeneinander jene hellen 
Lichtstreifen, die die Bilder der konvex gekrümmten 
Wasserflächen sind, auf denen die Maxima liegen. 
Demnach werden im Zeitbild die Bahnkurven der 
Maxima des Interferenzbildes sichtbar. Diese Bahn- 
kurven sind nun nichts anderes, als der geometrische 
Ort der Bäuche der stehenden Wellen. Man kann 
daher auch sagen: 


Das Zeitbild gibtden geometrischen 


Ort der Bäuche der stehenden Wel- 
lenan. 


3. Versuchsdurchführung. 
Die Einstellung der Phase der Frontal- 
und Kreiswellen. 
Für den theoretischen Fall, daß von einem Punkt 
P, die Kreiswellen ausgehen, die um 90° der an- 


kommenden- Frontalwelle nacheilen, liegen die Bäuche 


34171 
der stehenden Welle auf dem Strahl p =n in — g> 8’ 


114 

8 

- Es wurde auf dem Schirm genau der Bildmittel- 
punkt W’ des Balles des Kreiswellensenders festgelegt. 
Interferierten nun Frontal- und Kreiswellen, so konnte 
auf der Verbindungsgeraden beider Sender die Lage 
der stehenden Welle in Bezug auf den Punkt M’ be- 
stimmt werden. Die Bäuche der stehenden Welle bil- 
den sich als helle Lichtflecke ab, deren Entfernungen 
vom Mittelpunkt M’ abgemessen wurde. Durch Ver- 
drehen der Exzenter der beiden Sender war es leicht 
möglich, die Lage der stehenden Welle richtig zu 
korrigieren. Damit war die 90° Phasenverschiebung 
zwischen Frontal- und Kreiswellen vorhanden. 


> Entfernung vom. ‚Punkt Pa. 


4 Versuchsergebnisse. 


a) Der Resonator, der eine der ankommenden 
Frontalwelle um 90° nacheilende Welle aussendet. 


l Diskussion der Momentbilder. 


Mittels der elektrischen Auslösung wurden eine 
sehr große Anzahl von Momentaufnahmen hergestellt, 
von denen 4 in den Bildern 6—9 gezeigt werden. In 
der gewählten Reihenfolge stellen die Aufnahmen die 
Interferenzfiguren der beiden Wellenzüge in Zeit- 
-punkten dar, die um T/4 auseinanderliegen. Da- 


bei bedeutet T die Periodendauer der fortschreiten- 
den Wellen der beiden Sender. Die interferierenden \ 
Wellen sind also bezüglich ihrer Lage, in jedem Bild 
um 4/4 gegenüber dem vorhergehenden, verschoben. 


Bild 6. 
Momentaufnahme von interferierenden Kreis- und Frontalwellen 


Am. unteren Bildrand ist bei allen Aufnahmen der 
Frontalwellensender anzunehmen. Der Kreiswellen- 
sender liegt in der Mitte der Bilder. Man erkennt 
deutlich den Schatten des Aluminiumprofiles, an dem 
der Schwimmer des Kreiswellensenders befestigt ist. ' 


mn mn. © A ui en nz ° 


Bild 7. 
Momentaufnahme von interferierenden Kreis- und Frontalwelien | 


=7]- ' 


Das Profil ragt wegen der schrägen Projektion etwas | 
über die Kugel hinaus. 

Deutlich erkennt man auf jedem Momentbild die 
Aeste der beiden Parabelsysteme, die den Nullwerts- 
parabeln entsprechen. Die nach oben geöffneten Pa- ` 
rabeln sind die zeitlich unveränderlichen. Die nach 
unten geöffneten sind die zeitlich veränderlichen. In 
den Waben, die diese Parabeln bilden, liegen die 
Maxima und Minima. Sie wandern zwischen den zeit- 
lich konstanten Parabeln fort. 

Die Unterschiede der einzelnen Photographien sind 
in den Gebieten der stehenden Wellen am größten. 
Dort haben die von der Verbindungsgeraden der 


_ Experimentelle Untersuchungen an Wasserwellen zwecks Herstellung v. Analogien zu elektromagnetischen Strahlungsvorgängen. 127 


N | 
r 
s 
e 
A 
3i 
] 
S 
7 
r 


Bild 8. 


Bild 9. 
Momentaufnahme von interferierenden Kreis- und Frontalwelien 


t= — 


4 


Bild 10. 
Zeitaufnahme von interferierenden Kreis- und Frontalwellen. 


beiden Sender (Strahl y = xz) wegwandernden Maxi- 


ma und Minima die größten Geschwindigkeiten. Die 
Unterschiede der einzelnen Bilder sind hier also am 
deutlichsten zu erkennen. Es werden daher im folgen- 
den nur die Bildausschnitte besprochen, die unmittel- 
bar an diese Verbindungsgerade angrenzen. Die Ver- 
bindungsgerade beider Sender. fällt mit der Mittel- 
linie des Profilschattens zusammen. 

Bild 6: Zwischen den Ästen der festen Parabeln 
Pk haben sich von der Verbindungslinie der beiden 
Sender die Maxima und Minima bereits abgelöst. Die 


Bild 11. 
Momentaufnahme von zwei interferierenden Kreiswellensystemen. 


Bild 12. 
Zeitaufnahme von zwei interferierenden Kreiswellensystemen. 


Maxima haben das Bild eines langgezogenen Licht- 
fleckes. 

Bild 7: Man erkennt jetzt die Äste einer sich neu 
bildenden Parabel P,. Es entstehen zugleich an der 
Verbindungsgeraden beider Sender neue Maxima und 
Minima und zwar die Minima dort, wo sich im Bild 6 
die Maxima ablösen und umgekehrt. 

Bild 8 zeigt die Abschnürung dieser neuen Maxi- 
ma und Minima. | 

Bild 9: Die Abschnürung ist beendet. Es entsteht 
eine neue Parabel. Gleichzeitig schnüren sich wieder 


128 


neue Maxima und Minima ab. Das Bild 6 schließt sich 
unmittelbar an Bild 9 an. 


Diskussion des Zeitbildes. 
Bild 10 zeigt. die photographische Zeitaufnahme. 


Die hellen Streifen sind die Bahnen der Maxima 
und Minima..und damit. die Bäuche. der‘ stehenden 
Wellen. Die festen Nullwertsparabeln. P liegen 
zwischen diesen hellen Streifen, sie sind: die Knoten 
der stehenden Wellen. 


b) Zwei gleichphasig' schwingende‘ Kreiswellensender. 
Diskussion des Momentbildes. (Bild 11.) 


Man erkennt auf der Photographie die. Hyperbeln, 
auf denen sich die Wellen mit der kleinsten Amplitude 
fortbewegen. Ihre Lage ist auf allen Bildern unver 
ändert. Nicht zu erkennen sind die zeitlich veränder- 
lichen Ellipsen, die der Lage nach den im theore- 
tischen Teil:abgeleiteten Nullwertsellipsen entsprechen 
müssen. Es bilden sich nur 4 Hyperbeln aus. 

Auf dem Momentbild ist.die Verbindungslinie der 
beiden Sendermittelpunkte eingetragen. Auf dieser 


Bild 13. 
Momentaufnahme der Reflexion von Frontalwellen an einer Wand. 


Geraden bildet sich eine stehende Welle. Von dieser 
Verbindungsgeraden schnüren sich die Maxima und 
Minima ab und wandern zwischen .den festen Null- 
wertshyperbeln hinaus. 


Diskussion des Zeitbildes. (Bild 12). 


Die festen Hyperbeln, die Bahnkurven der Maxima 
und Minima sind nur in. der Sendernähe als helle 
Lichtstreifen sichtbar. 


c) Die Reflexion an ebenen Wänden. 


Die Wand steht senkrecht zur Fort- 
pflanzungsrichtung der auftreffien- 
den W.ellen. 


Diskussion des Momentbildes (Bild 13). 

In den Gebieten C und D bleiben die Frontalwellen 
ungestört. Im Gebiet A treten die Reflexionserschei- 
nungen auf. Das interessanteste Gebiet ist der Bild- 
teil B. Die Frontalwellen werden an: den. Kanten der 
Wand gebeugt. Es ist genau so, als ob die Kanten 
selbst Kreiswellen aussenden, die im Schattengebiet 
der Wand deutlich sichtbar interferieren. Man erkennt 


Ludwig Heck: 


auf allen Bildern die Lage der Nullwertshyperbeln, die 
durch die Interferenz der zwei Kreiswellensysteme 
sich ausbilden. Diese Beugungserscheinungen lassen 
sich bis weit hinter den Schirm nachweisen. 


Die Diskussion des Zeitbildes (Bild 14). 


Das Zeitbild gibt weiteren Aufschluß über die 
Natur der Beugungserscheinungen. Im eigentlichen 


Bild 14. 
Zeitaufnahme der Reflexion von Frontalwellen an einer Wand. 


Reflexionsgebiet sieht man die zur Wand parallelen 
hellen Linien, die Bäuche der stehenden Wellen. Der 
erste Lichtstreifen müßte genau an der Wand liegen. 
Infolge der schrägen Projektion und der räumlichen 


RR R RON SARANA Sa 
EEES er Rn 


Bild 15. 
Momentaufnahme der Reflexion von Frontalwellen an einer Wand. 


Tiefe der Wand decken die Schatten der unteren 


Wandflächen diesen Lichtstreifen zu. Diese hellen 
Linien biegen sich nun beim Übergang vom Bildteil 
A nach den Gebieten C und D um und sind in den 
letzterwähnten Gebieten noch deutlich weiterzuver- 
folgen. Eine Erklärung dieser Erscheinung läßt sich 
geben, wenn man die Kanten des Schirmes A, und 4. 
selbst als gleichphasig schwingende Sender anuffaßt. 
Durch die Interferenz dieser Kreiswellen mit den 
Frontalwellen entstehen im ‚Zeitbild Parabeln, die die 
Bahnkurven der Minima und Maxima sind. 


EEE” À rs en une 


i 


> Experimentelle Untersuchungen an Wasserwellen zwecks Herstellung v. Analogien zu elektromagnetischen Strahlungsvorgängen. 129 


un 


yoe 


- — [n den Gebieten C und D sieht man also im Zeitbild 
.. Parabeläste. Im Gebiet A überwiegt die direkte Re- 
> flexionserscheinung, die Parabeln treten in der Er- 
= scheinung zurück. Die Hyperbeln hinter dem Schirm 
è gehen im Zeitbild verloren, da die Strahlung der 
~ Kanten sehr gering ist. 


“Die Wand bilde einen Winkel von 45° 
zur Fortpflanzungsrichtung der auf- 
treffenden Wellen. 
Diskussion des Momentbildes. (Bild 15.) 
Man erkennt die Front der reflektierten Wellen, die 
genau senkrecht zur Front der primären Wellen steht. 
Hinter dem Schirm (im Bildteil H) treten die Beu- 
gungserscheinungen auf. Die Kanten A, und A, sind 

selbst wieder als Strahler aufzufassen. 
Die Kreiswellen des Senders A, sind auf der Ge- 
raden A, B, phasengleich mit den Frontalwellen. Die 


\ Diskussion des Zeitbildes. (Bild 16.) 


Bild 16. - | 
Zeitaufnahme der Reflexion von Frontalwellen an einer Wand: 


Kreiswellen, die vom Sender A, herrühren, sind auf 
der Geraden 4;B, ebenfalls phasengleich mit den 
Frontalwellen. Daher hängt der gegenseitige Phasen- 
zustand der beiden Kreiswellensysteme von der Ent- 
. fernung s der beiden Kanten in :der Fortpflanzungs- 
- richtung der Frontalwellen ab. Schwingen die beiden 
~ fiktiven Sender A, und A, nicht gleichphasig, ist also 
sZ ků, so werden die Hyperbeln hinter der Wand 


4 verdrückt. Es entstehen- wieder die bekannten 
Wabenbilder -mit den zeitlich unveränderlichen 
Hyperbeln. 


Durch die Reflexion der Frontalwellen entsteht, 
« als Bahnkurven der Minima und Maxima, ein zur 
= Wand paralleles Geradensystem. Die Interferenzen 
«+ der fiktiven Kantenstrahlung mit den Frontalwellen 
‚" ergibt als geometrischen Ort der Maxima und Minima 
ı” Parabeln, deren Brennpunkte in den Kanten liegen. 
X” Man sieht beide Systeme im Zeitbild ausgeprägt. 


5 d) Das Wellenbild an einem Spalt. 

Bild 17 zeigt eine Momentaufnahme, Bild 18 ein 
Zeitbild. Der Spalt wird durch den Kantenabstand 
; zweier zu den Frontalwellen parallelen Wänden ge- 
„t bildet. Durch den Spalt tritt die primäre Welle hin- 
< durch, wobei :an.den .Kanten des Spaltes Beugungs- 


Bild 17. | 
Momentaufnahme des Wellenbildes an einem Spalt. 


Bild.18. 


Bild 19, 


Momentaufnahme der Reflexion von Kreiswellen an einem 
Parabelschirm. 


130 | | ' Ludwig Heck: 


erscheinungen auftreten. Die Spaltbreite war unge- 
fähr = å. \ 

Die Momentaufnahme zeigt die zeitlich 
konstanten Hyperbeln hinter den beiden Wänden. 


Das Zeitbild zeigt die Kantenstrahlung des 
Spaltes. In seiner unmittelbaren Nähe biegt sich die 
Front der zu den Wänden parallelen hellen Linien 
durch. Es bilden Parabelbögen, deren Brennpunkte 
in den beiden Spaltkanten A, und A, liegen, den An- 
schluß an die durch die Reflexion an den Wänden ent- 
standenen hellen.-Jiinien. Sie sind die Bäuche der 
stehenden Wellen, Für große Entfernungen vor einem 
kleinen Spalt verlaufen die Parabeln sehr flach und 
nähern sich einer Geraden. Die Front der vor den 
Wänden stehenden Wellen wird durch den Spalt nicht 
unterbrochen. 


e) Die Reflexion an einem Parabelschirın. 


Ein Kreiswellensender im Brennpunkt 
.desSchirmes | 
Diskussion des Momentbildes (Bild 19). 


Man sieht zwei Nullwertsparabelsysteme. Das eine 
System ist von der Zeit unabhängig, es ist nach der 
Seite wie die Parabelwand geöffnet. Das andere 


Diskussion des Zeitbildes (Bild 20). 


Bild 20. 


Pr Zeitaufnahme der Reflexion von Kreiswellen an einem 
|Parabelschirm. 


Parabelsystem ist zeitlich veränderlich, es ist ent- 
gegengesetzt geöffnet. Doch tritt das System der 
zeitlich veränderlichen Parabeln weniger deutlich 
hervor. Von der Verbindungslinie Brennpunkt—Schei- 
tel schnüren sich wieder die Minima und Maxima ab 
und wandern zwischen den konstanten Parabeln her- 
aus. Der Schirm selbst fällt mit der größten dieser 
Parabeln zusammen. 

Die sichtbaren hellen Streifen sind die Balınen der 
Minima und Maxima. | 


Die Reflexion von Frontalwellen 
aneinemParabelschirm. 
Diskussion des Momentbildes (Bild 21). 


Das Momentbild.. zeigt hauptsächlich die Inter- 
ferenz der primären Frontalwellen mit den an der 


Bild 21. 


Momentaufnahme der Reflexion von Frontalwellen an einem: 
Parabelschirm. 


Bild 22. 


Zeitaufnahme der Reflexion von Frontalwellen an einem 
Parabelschirm. 


IRRE a EEE 
IRRE NER FRE EA t 

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Rn TE CANTI RITE ea 


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Nir- F-a a 
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EREISYSS FR TS REES Sy -2 A 


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Š aS LINA sY A 


Bild 23. 
Momentaufnahme einer schwingenden Wand. 


__xperimentelle Untersuchungen an Wasserwellen zwecks Herstellung v. Analogien zu elektromagnetischen Strahlungsvorgängen. 131 


WMinima wandern zur Verbihdungslinie SF hin und 
verden hier förmlich aufgesaugt. (S= Scheitel der 
>arabelwand, F = ihr Brennpunkt.) 


) 
| Diskussion des Zeitbildes (Bild 22). 


ad Bild 22 zeigt. eine Zeitaufnahme. Die von der 
„Wand reflektierten Frontalwellen werden zum Brenn- 
‚nunkt F hingebrochen. Die Interferenz mit den Fron- 
ıtalwellen ergibt als Bahnkurven der Maxima und 
Kach Parabeln, die ähnlich wie die Wand liegen 


Jaini gebrochenen Frontalwellen. Die Maxima und 


(nach unten geöffnet). Die reflektierenden Frontal- 
‘wellen werden im Brennpunkt gesammelt und diver- 
agieren. Die Interferenz mit den Frontalwellen erzeugt 
„im Zeitbild ein neues Parabelsystem, das nach oben 
geöffnet ist. Der pl beider Systeme ist der 
Pen F der Wand. 


f) Die io izend Wand. 


Sie sendet eine, der ankommenden Frontalwelle 
um 90° nacheilende Welle aus. Die Wand steht senk- 
»recht zur Fortpflanzungsrichtung der Frontalwellen. 


Diskussion des Momentbildes (Bild 23). 


- Gegenüber dem -Momentbild 6 bietet die Photo- 
"sraphie nichts wesentlich Neues. Rücken die beiden 
Schirmkanten’ zu einem Punkt zusammen, so erhalten 
wir direkt die Bilder für den schon behandelten Re- 
sonator. Auf allen ‚Bildern erkennt man die Lage 


Diskussion’.des Zeitbildes (Bild 24). 


Bild 24. u 
Zeitaufnahme einer schwingenden Wand. 


der Nullwertskurven. Die nach oben geöffneten, sind 
' die zeitlich konstanten Nullwertskurven. Hinter dem 
= Schirm liegt das Gebiet der rein fortschreitenden 
' Wellen. 

Der Vergleich mit Bild 10 zeigt die Identität beider 
Plıotographien. Nur ist in Bild 24 die Front der un- 
mittelbar vor der Wand sich ausbildenden stehenden 
Wellen größer: Die Wandbreite beträgt ein Viel- 


faches des ins Wasser eintauchenden größten Radius 
des Resonators des Bildes 10. 


34 74, 


Die hellen Streifen liegen in Abständen von gr 


vor der Wand. 


8 
IV. Zusammenfassung. 


1. Es werden mittels Wasserwellen Analogien zu 
elektromagnetischen Strahlungsvorgängen unter- 
sucht und diskutiert. 

2. Durch Ansetzen der Gleichungen. transversaler 
Schwingungen werden eine Reile besonders 
charakteristischer Fälle analytisch und graphisch 
behandelt. 

3. Es wird eine Anordnung beschrieben, die ein Ana- 
logon zu einer im elektrischen Wechselfeld befind- 
lichen abgestimmten Sonde gibt. Die primären 
Wasserwellen erzeugt ein in das Wasser perio- 
disch eintauchender Ball. Von diesen Wellen wird 
ein abgestimmtes mechanisches System, das künst- 
lich entdämpft ist, angestoßen. Besteht zwischen 
den primären Wasserwellen und dem schwingungs- 
fähigen mechanischen System Resonanz, so sendet 
dieser Resonator selbst sekundäre Wellen aus. 

4. Da die gewünschten Resonanzschwingungen nur 
in kurzen Zeitmomenten auftreten, wird eine neu 
gebaute Apparatur beschrieben, die den Resonator 
mechanisch mit dem primären Sender koppelt. Die 
Phase zwischen. dem. Resonator- und dem primären 
Sender .kann: beliebig.. geregelt werden. Das 
Wasserbassin, das einen. durchsichtigen Boden be- 
sitzt, wird von. oben. beleuchtet ..und die ge- 
brochenen Strahlen von einem. Schirm: aufgefangen 
und die entstehenden Bilder photographiert. Die 
Auslösung des Photographenapparates in den ge- 
wünschten Zeitmomenten geschieht automatisch. 
Um die Reflexion der Wasserwellen an den 
Rändern des Bassins zu ‚vermeiden, wurden die 
Ränder abgeflacht. 

5. Es wird die Brechung‘ ‘des Lichtes durch die 
Wasserwellen diskutiert und es werden die 
Momentbilder am Schirm aus den Höhenlinien- 
bildern abgeleitet. Insbesondere wird auf den Zu- 
sammenhang zwischen Zeit- und Momentphoto- 
graphien hingewiesen. 

6. Durch Zeit- und Momentphotographien werden die 
im theoretischen Teil behandelten Interferenzfälle 
bildlich dargestellt und die Übereinstimmung der 
theoretischen und praktischen Ergebnisse gezeigt, 
Als Ergänzung werden noclı die Wellenbilder an 
einem Spalt sowie bei einer schwingenden Wand 
photographiert und besprochen. 


Es ist mir eine angenehme Pflicht, Herrn Prof. Dr. 
M. Dieckmann für die vielen Anregungen zur 
vorliegenden Arbeit, sowie für die Ausführung der 
notwendigen Apparate in den Werkstätten der Draht- 
los - telegraphischen und Luftelektrischen Versuchs- 
station Gräfelfing, zu danken. 


(Eingegangen am 6. Juni 1929.) 


Gerhard Gresky: 


ŘS 


RichtcharaKkteristiKen von Antennenkombinationen, 
deren einzelne Elemente in Oberschwingungen erregt werden. 


Von Gerhard Gresky, Berlin-Tempelhof. 


Inhaltsübersicht: 


I. Einleitung. 
ll. Formeln und Hilfsmaterial 
Charakteristiken. 


III. Kombinationen zweier in der 
schwingung erregter Antennen. 


a) Serienstellung zweier Antennen mit einer zu- 
sätzlichen Kunstphase von 180°. 
1. Kombination zweier in der ersten Ober- 
schwingung erregter Antennen. 
2. Kombination zweier in der zweiten Ober- 
schwingung erregter Antennen. 


b) Parallelstellung zweier Antennen 
sätzliche Kunstphase. 


1. Kombination zweier in der ersten Ober- 
schwingung erregter Antennen. 
2. Kombination zweier in der zweiten Ober- 
schwingung erregter Antennen. 
IV. Kombination zweier in verschiedenen 
schwingungen erregter Antennen. 
a) Serienstellung zweier Antennen mit einer zu- 
sätzlichen Kunstphase von 180°. 
b) Parallelstellung zweier Antennen ohne zu- 
sätzliche Kunstphase. 
V. Kombination dreier Antennen. 
VI. Allgemeine Zusammenfassung. 


zur Ermittlung der 


gleichen Ober- 


ohne zu- 


Ober- 


I. Einleitung. 


Zur Erzielung gerichteter Charakteristiken in der 
Horizontalebene bedient man sich der Kombination 
zweier oder mehrerer Antennen. Sind diese Anten- 
nen in der Grundschwingung erregt, so erhält man 
die maximale Energie für Strahlen, die in der Hori- 
zontalebene verlaufen, während für geneigt einfal- 
lende Strahlen die Energie mit wachsendem Einfalls- 
winkel abnimmt, um für einen Einfallswinkel von 90° 
zu Null zu werden. Über derartige Richtcharakteristi- 
ken sind Untersuchungen namentlich von Esau’), 
Bouthillon?), Mesny’) und Chireix') 
angestellt worden. Eine systematische Behandlung 
von Kombinationen zweier oder mehrerer, ungerich- 
teter oder gerichteter Antennen und eine übersicht- 
liche Beurteilung der dabei erzielten Charakteristiken 
hinsichtlich ihrer Richtschärfe enthalten die Arbeiten 
von A. Esau. 


Antennen, die in höheren harmonischen Schwin- 
gungen erregt werden, zeigen scharfe Richtcharakte- 
ristiken in der Vertikalebene. Berechnungen und 
experimentelle Untersuchungen über die Strahlung 
derartiger Antennen finden sich in Arbeiten von 


1) A. Esau, Richtcharakteristiken von Antennen-Kombinationen 
Jahrbuch für drahtlose Telegraphie u. Telephonie 27, S. 142, 
1926; 28, S. 1 und 147, 1926. 

2) L. Bouthillon, L’optique et telegraphie sans fils. L'onde 
electrique 4, S. 287, 1925; 5, S. 577, 1926; 6, S. 97, 1927. 

3) R. Mesny, L’onde électrique 6, S. 181, 1927. 


4) H. Chireix, Emission des ondes courtes par antennes dirigées. 


Radioélectricité, Bulletin Technique, 1924, Nr. 64. 


Abraham’), v. d. Pol°),, Levin und Young’) 
und Bergmann’). Bei Verwendung solcher An- 
tennen als Sendeantennen erfolgt die Strahlung je 
nach der Ordnungszahl der Schwingung, in der die 
Antenne erregt ist, unter bestimmten Neigungswinkeln 
zur Horizontalebene, was vor allem bei Verwendung 
kurzer Wellen von Vorteil sein kann. Der Zweck 
der vorliegenden Arbeit soll es sein, Kombinationen 
derartiger Antennen zu untersuchen, die neben den 
Richtcharakteristiken in der Vertikalebene 
solche in der Horizontalebene zeigen werden. Dab:i 
hat die Untersuchung gleichmäßige Gültigkeit für 
Senden und Empfang. Man wird also beim Senden 
die unter bestimmten Neigungswinkeln zur Horizontal- 
ebene erfolgende Strahlung außerdem noch in der 


noch | 


| 


t 


| 


Horizontalebene begrenzen können oder beim Emp- ' 


fang nur unter bestimmten Neigunzswinkeln und aus 
bestimmten Richtungen einfallende Strahlen emp- 
fangen können. 


Il. Formeln und Hilismaterial zur Ermittlung 
der Charakteristiken. 


Für die vorliegende Untersuchung sollen zunächst 
folgende vereinfachende Annahmen gemacht werden: 


1. Die Amplituden in den verschiedenen Stron- 
bäuchen längs der linearen Antennen seien 
gleich. 

2. Die Charakteristik der einzelnen Antenne sei 
unbeeinflußt durch den Erdboden. 


Die erste Annahme liegt allen über dieses Gebiet 


angestellten Berechnungen zugrunde und hat naclı 
experimentellen Untersuchungen von Bergmann‘) 
zur Folge, daß infolge der in den Strombäuchen längs 
der Antenne abnehmenden Amplituden die Amplituden 
in den Richtcharakteristiken teilweise kleiner und 
teilweise größer sind, als nach der unter der ver- 
einfachenden Annahme aufgestellten Theorie zu er- 
warten ist, während Maxima und Minima der 
Charakteristiken ihrer Richtung nach erhalten bleiben. 

Die zweite Annahme ist streng nur erfüllt für hori- 
zontale Antennen, die genügende Entfernung vom 
Boden haben, wie es bei den Versuchen von Bereg- 
mann zutrifft. Der Einfluß des Erdbodens auf die 
Charakteristiken vertikaler Antennen, namentlich in 
Abhängigkeit ihrer Entfernung vom Boden, ist in der 
Arbeit von Levin und Young berücksichtigt und 
untersucht. Mit Hilfe der in dieser Arbeit angegebenen 


5) M. Abraham, Eigenschwingungen des stabförmigen Erregers. 
Ann. d. Physik, 66, S. 435, 1898. Funkentelegraphie und 
Elektrodynamik, Physik Zeitschrift, 22, S. 329, 1901. 

6) B, van der Pol junr., Ueber die Wellenlängen und Strahlung 
mit Kapazität und Selbstinduktion beschwerter Antennen. 
Jahrb. f. drahtl. Telegr. 13, S. 217, 1918. 

7) S.A. Levin und C.J. Young, Field distribution and radiation 
resistance of a straight vertical unloaded antenna radiating 
at one of its harmonics. Proceeding of the Inst. of Radio 
Eng. 14, S. 675, 1926. 

8) L. Bergmann, Messungen im Strahlungsfelde einer in Grund- 
und Oberschwingungen erregten stabförmigen Antenne, Ann. 
d. Physik, 82, S. 504, 1927. 


| 


l 
i 


i 


r. 


Richtcharakteristiken von Antennenkombinationen, deren einzelne Elemente in Oberschwingungen erregt werden. 


Formeln für die Charakteristiken lassen sich dann 
auch leicht diese Fälle auf die vorliegende Arbeit 
übertragen. 

Die Charakteristiken der einzelnen Antennen seien 
in Polarkoordinaten dargestellt durch die Funktionen 


r, =r, (la, ß, y) 
To 5T» (a. ß: y), 


wobei a den Winkel bedeutet, den die Strahlrichtung 


“mit einer in der Horizontalebene als fest an- 


. genommenen Richtung bildet, p den Neigungswinkel 
. gegen die Horizontalebene und y den Winkel, .um 
“den die Polarisationsebene aus der normalen Lage 
: herausgedreht ist. 


ui Für die Charakteristik der Kombination mehrerer 


„Antennen erhält man, wenn œ die einer Wellenlänge A 
entsprechende Kreisfrequenz bedeutet, 


R=r, (a en a ala B, y) sin (ot + p) + 
3 (a, Ê, y) sin (+) +... ? 


„ wobei yx die Phasendifferenz zwischen der ersten 
. und der (x + 1) ten Antenne bedeutet. 


In Anlehnung an die Arbeiten Esau’s sei auch 


= hier zwischen Serien- und Parallelstellung der An- 
. tennen unterschieden, wobei für die Serienstellung die 


in der Horizontalebene als fest angenommene Rich- 


tung mit der Verbindungslinie der Antennen zu- 


- sammenfällt, 


während sie für die Parallelstellung 
senkrecht auf dieser steht. 


S- (iza, sinas COA) to “Con P dA Parallelstellung 


Bild 1. 


7 Abhängigkeit der Phasendifferenz zweier Antennen vom Neigungs- 


Și . 
h 

N 

| 


'- differenzen zwischen den Antennen nach 


winkel 8 bei verschiedenen Winkeln a. 


Unter diesen Gesichtspunkten haben die Phasen- 
Esau 


folgende Werte: 


.. . . i ady 
für die Serienstellung px = j  cosa cos ß, 


„en sina cos ß, 
'; wobei d, den Abstand zwischen der ersten und der 
aa + 1)ten Antenne bedeutet. 

Diesen „natürlichen“ Phasendifferenzen lassen sich 
“noch „Kunstphasen“ zufügen, die sich am einfachsten 
t in Beträgen von 0° und 180° erzeugen lassen. 


für die Parallelstellung 9. = 


m Um die Charakteristiken beliebiger Kombinationen 


= von beliebigen Antennen ohne urnständliche Rech- 


133 


nungen ermitteln zu können, soll eine graphische Me- 
thode Anwendung finden. Sind die Charakteristiken 
der einzelnen Antennen bekannt, so findet man die 
Charakteristik ihrer Kombination durch vektorielle 
Addition der Einzelcharakteristiken unter Berücksich- 
tigung der für die entsprechenden Winkel zwischen 
den einzelnen Antennen bestehenden Phasen- 
differenzen. 

Es soll zunächst ein übersichtliches Material zu- 
sammengestellt werden, an Hand dessen man die 
Charakteristiken der Kombinationen leicht ermitteln 
kann. 


IPAGNBEBENENE 
0 


20 v0 60 JO 100 120 Io 160 160 200 220 240 260 280.308 J20 140 3s, 
Paf (S) = 280s 
Bild 2. 


Umrechnung der Phasendifferenz von Bogenmaß in Winkelgrade. 


Zur einfachen Bestimmung der Phasendifferenz 
zwischen zwei Antennen ist in Bild 1 die Abhängig- 
keit der natürlichen Phasenverschiebung œ vom 
Winkel p für verschiedene Winkel a und ein Ab- 
standsverhältnis der Antennen von dl} = 1 für Serien- 
und Parallelstellung graphisch aufgetragen. Für ein 
beliebiges anderes Abstandsverhältnis d/A hat man 
dann nur den aus der Kurve gefundenen Wert für g mit 
d/} zu multiplizieren. Bild 2 gestattet es, die so im 
Bogenmaß gefundene Phasenverschiebung in Winkel- 
graden auszudrücken. 

Die Charakteristiken der einzelnen Antennen sind 
nach Abraham für solche, die in ungeraden har- 
monischen Schwingungen erregt werden: 


cos LT in gp 
os f k 


für solche, die in geraden harmonischen Schwingungen 
erregt werden: 


1 nī Jt 
"gerade == Q COS y ° R oL sin | — sin f], 


"ungerade — A COS y: c 


wobei n die Ordnungszahl der Schwingung bedeutet. 

Im folgenden sollen nur Kombinationen von An- 
tennen betrachtet werden, die in der zweiten und 
dritten harmonischen Schwingung erregt werden, da in 
noch höheren Schwingunzen errcgte Antennen ein 
ähnliches Verhalten wie diese zeigen werden. 

Die Charakteristiken dieser beiden Antennenarten 
sollen hier noch wiedergegeben werden: 


B | 0° 10° 20° 30° 35° 40° 47° 50° 60° 70° 80° 90° 
n=?! 0 0,53 0,94 1,16 1,19 1,17 — 1,05 0,82 0,55 0,27 0 
n=3| 1 069 0,04 0,82 — 1,30 1,10 1,39 1,20 0,84 0,41 0 


134 


Die Drehung der Polarisationscbene aus ihrer nor- 
malen Lage bewirkt für die Einzelantenne und ebenso 
für die Kombination mehrerer Antennen eine Ver- 
minderung der Amplitude im Verhältnis des Kosinus 
des Drehwinkels, hat aber auf die Form der ent- 
stehenden Charakteristik keinen Einfluß. Im folgenden 
soll deswegen der Winkel y immer zu 0° angenommen 
werden, d. h. es soll die Voraussetzung normal 
polarisierter Wellen gemacht werden. 


Die Charakteristiken für die Kombinationen zweier 
Antennen sind nur in einem Quadranten dargestellt, 
da sie ja in den übrigen vollkommen symmetrisch zu 
diesem verlaufen. | 


Il. Kombination zweier in den gleichen 
Oberschwingungen errester Antennen. 


a) Serienstellung zweier Antennen mit 
einer zusätzlichen Kunstphase 
von 180. 


Die allgemeine Formel der Charakteristik lautet 
für diesen Fall: 


R =r (a, ß,y) sin ot 
2ad 
» +r(a,fp,y)sin [o -+ ~ cosa cos p- a) 


In der Vertikalebene treten Nullstellen auf, wo die 
Einzelantennen bereits Nullstellen besitzen, und außer- 


dem für cos a cos p = Q, also für die ganze Ebene 
a = 90°. In der Horizontalebene hat man unabhängig 
von dem Neigungswinkcl p, sofern für diesen nicht 
die Strahlung der Einzelantenne verschwindet, Nul- 
stellen nur für a = 90° und 270°. In der Vertikalebene 
wird die Maximalamplitude erreicht, wenn für den 
Winkel f, für den die Charakteristik der Einzel- 
antenne cin Maximum hat und der mit Amax bezeich- 
net werden soll, die beiden Antennen eine natürliche 
Phasenverschiebung von 180° haben, d. h. wenn 


2ad ; l ; 
= ,— COS a COS Pmax = wird. Die Ebene, in der 


v 


diese Maximalamplitude auftritt, ist also gegeben 
1 


=a ,. O s, wenn nur 
2 dj} CoS oie 


ist. 


> 
2 ~ 2 cos fmax 
Unter diesen Bedingungen wird die Maximalamplitude 
doppelt so groß wie die der Finzelantenne. Für 
kleinere 4/7 wird die größte Amplitude immer unter- 
halb dieses Wertes liegen. 
höchsterzielbare 
Amplitude für cin Abstandsverhältnis d 2= 
l 2 cos Pmax 
erreicht. In diesem Fall hat man in der Horizontal- 
cbene für Strahlen nyi dem Neeuneswinkel, unter 
dem die Maximalamplitude erreicht wird, nur zwei 
Maxima Du 0° und 180°, während man in alleu 
anderen Fällen, für die die Maximakunplitude überhaupt 
crreicht wird, vier Maxima in der Horizontalebene 
erhält. Es hat deswesch die Charakteristik, für die die 
Maximalamplitude in die Ebene 4«=0° füllt, gegen- 
über den anderen gewisse Vorteile. 


In der Ebene «=0° wird die 


Gerhard Gresky: 


Da die Kombination zweier in der Grund- 
schwingung errester Antennen schon in der erwälin- 
ten Arbeit Esau’s enthalten ist, soll hier gleich zur 
Kombination von Antennen, die in Oberschwingungen 
erregt sind, übergegangen werden. 


l. Kombination zweier in der ersten Oberschwingung 
erregter Antennen. 

In Bild 3 sind die Charakteristiken für die Einzel- 

antenne und für die Kombination zweier Antennen bci 


& 
RS) 
Zah 


DIA 0° 
a La 
n= 2, X =0, P varıabe] einzelne Antenne 
ne / FF 74 
Sra N Ya 
on... 1/2? 061 
menu dhe I 


Bild 3. 
Bild 3 bis Bild 12. Serienstellung: zweier Antennen. 


verschiedenem Abstandsverhältnis d/A in der Vertikal- 
cbene a=0" dargestellt. Die Maximalamplitude in 
dieser Ebene ergibt sich, da für die erste Ober- 
schwingung Smas = 35° ist, für ein Abstandsverhältnıs 


— 0,61. Für diesen Fall liegt das 


von dern 

2 cos 35” 
Maximum bei dem gleichen Neigungswinkel 8 wie für 
die Einzelantenne. Für andere d/} sind die Maxima 


nach größeren oder kleineren Winkeln verschoben. 


Zwischen den beiden Antennen herrscht eine 
` è "no . zi Pi 
PPlıasenverschiebung von 360 , wenn die natürliche 
Phasenverschiebung 180° beträgt, d. h. für a = 0° bei 
2ad 


, l 
bei cos p= — --.-, Für diesen 


À 2 dji 

Winkel 8 wird bei einem bestimnten d/} das Maxi- 
mum erreicht, sofern nicht auf Grund der mit der 
ntiernung Von Bmax sinkenden Amplitude der Charak- 
teristik der Einzelantenne das Maximum bei einem 
neigungswinkel auftritt, der dem Winkel Bmax näher- 
Hcet, als der nach der Phasenbedingung errechnete. 


cos» =x oder 


Es wird aber jedenfalls, wenn dA < -—-—- -— 
ı 2cos Pmax 
Maximum der Charakteristik der Kombination nach 


= 1 
kleineren Winkeln £ und wenn d/l > ——— ist 
. 2 cos [mar 
nach größeren Winkeln 2 verschoben sein. Diese 
Uberlegung findet man auch in Bild 3 bestätigt. 


ist, das 


Zur Beurteilung der Richtschärfe der Kombina- 
tionen sind analog zur Arbeit Esau’sin Tabelle I 
die Verhältnisse der Amplituden für verschiedene 
Winkel 3, gerechnet von dem Winkel aus, unter dem 
das Maximum auftritt, zur Maximalamplitude einge- 


Te 


135 


Richtcharakteristiken von Antennenkombinationen, deren einzelne Elemente in Öberschwingungen erregt werden. 


tragen. Dabei sind mit + die Winkel bezeichnet, die 


j 


f 


“ größer als may mit — solche, die kleiner sind. 


Tabelle 1. 


_ Einzelant.| d2 = 14, | dè =; Wa =061] da= 


2 zen; 006 0,96 0,86 0,90 0,87 
$ r3 max 
a deee g 0,92 0,64 0,69 0,50 

r3 max 

en. 057 0,68 0,41 0,37 0,15 

r3 max 

= 0). 3S 0,22 (0,13) (0,16) 0,00 

r? max 

E, „0,88 0,86 0,87 0,87 0,83 

ro max 

aia Ap 35 0,48 0,63 0,59 0,50 

ra max 

80 BE O 0,00 | (0,26) (0,16) 0,20 

r? max 

A / / / / 0,03 

r3 max 

30° 


FIR) 
TERN 

NS 
EIN 
KEE 


0° 


.n=2, H= ohra” 061 z A 
=... a=60° 


Die Richtschärfe ist für die Kombinationen, ab- 
gesehen von solchen mit kleinem d/}. z.B. djl = 1⁄4 
besser als für die Einzelantenne. Sie ist außerdem 
verschieden auf beiden Seiten des Winkels, unter 
dem «die Maximalamplitude auftritt. Am besten ist sic 
unter den betrachteten Fällen für dA =1. 


Da zur Erzielung einer möglichst großen Ampli- 


“ tude ein Abstandsverhältnis der beiden Antennen 


unterhalb des Wertes d/A = . ungünstig ist 


2 COS Pmax 
und außerdem auch die Richtschärfe schlechter wird, 
so sollen hier zwei Fälle näher untersucht werden, 
von denen man günstige Resultate erhoffen kann, und 
zwar einmal die Kombination für ein Abstandsver- 


hältnis d/A= T cos Å ma? 


ebene für Strahlen mit dem Neigungswinkel, für den 
das Maximuin erreicht wird, nur zwei Maxima vor- 
handen sind, und dann für ein Abstandsverhältnis 


für das in der Horizontal- 


“ dA = 1, für das in der Vertikalebene a = 0° unter den 


betrachteten Fällen die schärfste Charakteristik er- 
halten wurde. 


2 cos Pias 


In Bild 4 sind für das Abstandsverhältnis d/å = 
l : 

= 0.61 die Charakteristiken in den Vertikal- 
ebenen a = 0°, 20° und CV’ cingetragen. Tabelle 2 
enthält zur Beurteilung der Richtschärfen in den ver- 
schiedenen Vertikalebenen die erwähnten Amplituden- 
verhältnisse. 


v, 
x 
VEN 


2 
ZN 


a 2a j 
n=2, A =0,61, x variabel, =-=- B=35 
——/): 60° 
Bild 5. 
Tabelle 2. 
| | | ei a = 60° 
2 tI] 090 | 0.90 0,93 
ri max i 
era 0,69 0,69 0,71 
r3 max 
Den) 1,2087 0,38 0.465 
r? max 
"3 = -1% 087 | 0,90 0,79 
T? max 
X > E 0,60 0,47 
r3 max 
e oe 0.16 0,15 0,00 
r3 max 


EESE s 2 7/14 


Bild 6. 


Die Richtschärfen sind auch hierbei wieder ver- 
schieden nach den beiden Seiten des Winkels, unter 
dem das Maximum eintritt, und unterscheiden sich in 
den verschiedenen Vertikalebenen nicht erheblich von- 
einander. Die Maximalamplitude wird mit wachsen- 


136 Gerhard Gresky: 


dem Winkel a immer kleiner. Dieses Verhalten zeigt 
noch deutlicher das Bild 5, in der die Charakteristiken 
in der Horizontalebene für Neigungswinkel von 8 = 
35°, unter dem die maximale Strahlung auftritt, und 
8 = 60° dargestellt sind. 


Ein etwas anderes Verhalten zeigen die Charak- 
teristiken für ein Abstandsverhältnis d/A = 1, das 
Bild 6 für die Vertikalebenen «=0°, 30° und 60° 
zeigt. Hier ist keine beständige Abnahme des Maxi- 
mums mit wachsendem a vorhanden, da ia das abso- 
lute Maximum nicht in der Vertikalebene a = 0° ein- 


u . .. . PEN l 
tritt, sondern in der Ebene für die cosa=57 TACOS Bmax 
< 1 . . EA o ld 
= 2 cos 35 = 0,61 ist, d. h. ın der Ebene a — 52 25 


für einen Neigungswinkel 8 = 35°. 


Je nach dem Neigungswinkel $ erhält man in der 
Horizontalebene Charakteristiken mit zwei Maxima 
und zwei Nullstellen (Bild 7, g = 60°) oder mit vier 
Maxima, wobei außer den immer auftretenden Null- 
stellen bei a = 90° bzw. 270° noch zwei Minima bei 
a=0" und 180° auftreten, die z. B. bei einem Nei- 
gungswinkel von 8 = 30° ~ 41% der Maximalampli- 
tude betragen (Bild 7, 8 = 30°). 


Die Maxima in den Vertikalebenen liegen nicht bei 
dem gleichen Neigungswinkel £, sondern verschieben 
sich mit wachsendem a nach kleineren Neigungs- 
winkeln hin. Diese Tatsache erkennt man auch durch 
die Überlegung, daß eine Phasenverschiebung von 
360°, also eine- natürliche Phasenverschiebung von 
180°, dann zwischen den beiden Antennen herrscht, 

2nd Zr ee TEON 

wenn —7— COS a cos =x ist, also für eine beliebige 
u a bei einem Neigungswinkel, für den cos 8 = 
2d/icosa 
der Nähe dieser Stelle wird das Maximum liegen, 
d.h. aber, daß sich mit wachsendem a das Maximum 
nach kleineren Winkeln £ verschiebt und daß diese 
Verschiebung um so größer ist, ie größer das Ab- 
standsverhältnis d/A ist. Das zeigt sich auch bei Ver- 
gleich des Bildes 6 mit Bild 4, bei dem entsprechend 
dem kleineren d/A die Verschiebung des Maximums 
nur sehr gering ist. Die Richtschärfe in der Vertikal- 
ebene für d/A=1 wird mit wachsendem a geringer, 
wie aus Tabelle 3 zu entnelimen ist. 


ist. An dieser Stelle oder wenigstens in 


Ein Vergleich mit den Richtschärfen für d/å = 0.61 
(Tabelle 2) zeigt, daß die Richtschärfe für d/A = 1 nur 
in der Vertikalebene a =0° besser, in den anderen 
Ebenen teilweise gleich, teilweise auch schlechter ist. 


Tabelle 3. 
a = 0° a = 30° a z860 

"=+ 087 | 0,875 | 0,96 
rß max | 

?=+2%°| 0,50 055 | 0,77 
TR max 

re=+3°] 015 | 0,23 | 0,51 
r8 max 

210,083 0,92 0,83 
rß max 

=—-%° | 0,50 0,665 0,48 
rR max 

re = -30| 0,20 0,36 0,00 
Yß max 


Da in den Vertikalebenen bei verschiedenen Ab- 
standsverhältnissen d/}2 keine erheblichen Unter- 
schiede in den Richtschärfen vorhanden sind, so wer- 
den vor allem die Charakteristiken in der Horizontal- 
ebene maßgebend sein, wobei für d/} = 0.61 der Vor- 
tcil darin besteht, daß fast für alle Neigungswinkel in 
der Horizontalebene nur zwei Maxima vorhanden 
sind, während sich z. B. für d/A=1 die Maxima mit 
Änderung des Neigungswinkels stark verschieben und 
außerdem in ihrer Zahl ändern. 


2. Kombination zweier in der zweiten Oberschwingung 
erregter Antennen. 


Analog der Kombination zweier in der ersten 
Oberschwingung erregter Antennen werden jetzt 


EERS 
RR 


TILK 

EZS 

Kr 

a 2a Ja 
N=J, <= 0° P variabel eınzeine Antenne 
----- ap = Ya 
EN 
rn Das g = l 735 
nl ar Y = 7 NAN 
Bild 8. 


solche betrachtet, die in der zweiten Oberschwingung 
erregt sind, von denen die Einzelantenne außer einem 
Maximum bei #=47° noch ein kleineres bei g= 0° 
besitzt. 

In dem Bild 8 sind wieder in der Vertikalebene 
a =0° die Charakteristiken der Einzelantenne und 
der Kombination zweier Antennen bei verschiedenem 


Richtcharakteristiken von Antennenkombinatlionen, deren einzelne Elemente in Oberschwingungen erregt werden. 


Abstandsverhältnis d/A eingetragen. Im allgemeinen 
gilt das Gleiche, wie bei dem vorher betrachteten 
Fall. Das größte Maximum in dieser Ebene tritt für 
ein Abstandsverhältnis d/i = Jor — 0,735 auf. 

cos 47 
Es ist doppelt so groß, wie das der Einzelantenne und 


b 2 $ .. l 
liegt unter dem gleichen Winkel Smax. Für d/ TE 


N 
RTL 
2a 


0°? 
d a Ja 
n=3, A= 0735, variabel oa = 0° 
-=X = 30’ 
A EEIN X = 60° 
Bild 9. 
verschiebt sich das Maximum nach kleineren, für 
l H : ; 
UA Sco ina nach größeren Neigungswinkeln. Da- 


bei ändert sich das Maximum für 8 =0° in der Weise, 
daß das größte Maximum auftritt, wenn für g= 0° 
die natürliche Phasenverschiebung 180° wird, d. h. 


a 2a 
n=J, JE 0,735, x= variabe/ 


nn ——/3247? 
=-=- = 60° 
Bild 10. 


2nd 

für 7 5T, also für d/A = 2. Es verschwindet voll- 

kommen, wenn die natürliche Phasendifferenz 360° 
j 2nd 

wird, also für > —2n oder d/A=1. Nullstellen 


der Einzelantenne bleiben für sämtliche Kombina- 
tionen erhalten. | 
Nähere Untersuchungen der Kombinationen für 


1 
À 2 — = Î - 
/ 2 COS Bmax und d/2 1 ergeben ein ent 


137 


sprechendes Verhalten wie bei den Kombinationen 
zweier in der ersten Oberschwingung erregter An- 
tennen. Bild 9 und 10 zeigen die Charakteristiken für 
d/} = 0.735 in der Vertikal- und Horizontalebene. Im 
allgemeinen, besonders auch für den Fall des größten 


Maximums, erhält man in der Horizontalebene 
Charakteristiken mit zwei Maxima. Für kleinere 
9° 


TREE 
LER 
017,08 


. oO = 09° 
- =- -= OC œ 30° 
=. — -QX = 602 


Bild 11. 


Winkel treten mehrere Maxima mit dazwischen- 
liegenden schwach ausgeprägten Minima auf. 

Für dA=1 (Bild 11 und 12) sind die Charak- 
teristiken in der Horizontalebene je nach dem Nei- 
gungswinkel sehr verschieden. Man hat z. B. für 
8 = 0° vier sehr scharf ausgeprägte Maxima (Bild 12) 
mit vier dazwischenliegenden Nullstellen, dann solche 


90° 


N 


A i 


0° 
2a Ja 
G-1 avari g 
N=3, 7A=1 avariabel f= 0 
; =—--/3= 60° 


Bild 12. 


mit vier Maxima und dazwischenliegenden Minima 
und für größere Neigungswinkel solche mit nur zwei 
Maxima (Bild 12, 8 = 60°). 

Im übrigen lassen sich die gleichen Betrachtungen 
wie für den Fall der ersten Oberschwingung anstellen: 
Verschiebung der Maxima in der Vertikalebene mit 
wachsendem «a nach kleineren Neigungswinkeln hin 
und zwar größere Verschiebung für größeres und ge- 
ringere für kleineres d/A (vgl. Bild 11 und 9). Analoge 
Beziehungen ergeben sich für die Richtschärfe. 


138 Gerhard Gresky: 


b) Parallelstellung zweier Antennen 
ohne zusätzliche Kunstphase. 
Die allgemeine Formel für diesen Fall lautet: 


2ad 
R =r (a, p,p sin wt +71 (a, P, y) sin (ot k sin a cos f) 


In der Vertikalebene a =0° wird die Charak- 
teristik R=2r, also unabhängig vom Abstandsver- 
hältnis d/z. Die Richtschärfe ist daher in dieser Ebene 
gleich der Richtschärfe der Einzelantenne und daher 
geringer als für die Serienstellunz zweier Antennen. 
Das Maximum in dieser Ebene ist immer das größte 
überhaupt, ist doppelt so groß wie das der Einzel- 
antenne und liegt unter dem gleichen Neigungswinkel. 
Man hat also für die Parallelstellung in der Horizon- 
talebene immer Charakteristiken mit nur zwei 
Maxima. Nullstellen in der Vertikalebene treten da 
auf, wo die Charakteristik der Einzelantenne solche 
besitzt und außerdem, wenn die Phase zwischen den 
beiden Antennen 180° wird, d. h. für 


Dad 

/ 
Von allen möglichen Fällen interessiert besonders 
der, bei dem eine Nullstelle für a = 90° eintritt. Diese 


Ebene ist aber im Gegensatz zur Serienstellunz keine 
Nullebene, sondern es tritt nur eine Nullstelle für einen 


sin a cos f = 7, 


0° 
a 2a Ja 
N=2, WA i Zu 0,67, 2 variabel u, 
--— -Q = 60° 
=. O E GO 
Bild 13. 


Bild 13 bis Bild 16. Parallelstellung zweier Antennen. 


l 


Neigungswinkel auf, für den cos f — ET Je nach 


dem Abstandsverhältnis d/} liegt diese Nullstelle bei 
einem bestimmten Neigungswinkel.e. Man kann nun 
das Abstandsverhältnis so wählen, daß in der Ebene 
a=%0 eine Nullstelle für den Winkel £ eintritt, für 
den in der Ebene a = 0° das Maximum liegt. Es muß 


dann nur d/A= werden. Da dieser Fall 


2 cos Pmax 
in Bezug auf die erreichbaren Charakteristiken der 
günstigste und eine ganz allgemeine Untersuchung zu 
weitgehend zu sein scheint, sollen im folgenden nur 
Kombinationen mit dem entsprechenden Abstands- 
verhältnis untersucht werden. 


1. Kombination zweier in der ersten Oberschwingung 
erregter Antennen. d/) = 0.61. 


Die Charakteristiken in der Vertikalebene für 
a = 0°, 30°, 60° und 90° zeigt Bild 13. Man sieht, daß 
für a := 90° die Strahlung nicht verschwindet, sondern 
nur eine Nullstelle auftritt, die nach der Wahl des 
Verhältnisses d/} bei 8 = 35° liegt, wo für a = 0° das 
Maximum ist. Mit wachsenden: o verschiebt sich das 
Maximum nach größeren Neigungswinkeln hin. Diese 


90° 


a 
REES Er 60° l 
E T i Serienstellung 


Bild 14. 


Verschiebung läßt sich auch wieder aus der günstig- 


sten Phasenbedingung ableiten. Zwischen beiden An- 


tennen herrscht eine Phasenverschiebung von 360°, 


Jad: - 
wenn —;— sin a cos ß = 2 x ist, also wenn cos f= 
1 


d/isin a 
schiebung 360° für einen Neigungswinkel herrscht, der 
mit wachsendem Winkel a wächst. Die entgegen- 
gesetzte Verschiebung dieses Maximums im Vergleich 
zur Scrienstellung erkennt man an dem Auftreten des 
sin bei der Parallelstellung im Gegensatz zum cos bei 
der Serienstellung. 

Die Richtschärfe in der Vertikalebene wird mit 
wachsendem a besser. Sie ist für a =0 ebenso groß, 
wie für die Einzelantenne, ist also in dieser Fbene 
geringer als für die Serienstellung. 

Die Charakteristiken in der Norizontalebene sind 
in Bild 14 für den Winkel $ = 35 , für den bei a =0° 
das Maximum auftritt, und für 3 = 60° aufgetragen. 

Zum Vergleich damit ist die Charakteristik aufge- 
tragen, die man bei der Serienstellungz bei demselben 
Abstandsverhältnis d/A und dem gleichen Neizungs- 
winkel (#=35°) erhält. Aus diesem Bild und der 
Tabelle 4 erhellt die große Ueberlegenheit der 
Parallelstellung über die Serienstellung in Bezug auf 
die Richtschärfe der Charakteristik in der Horizontal- 


ist. Daraus sieht man, daß die Phasenver- 


Tabelle 4. 
ÄTT 
ß=35° | B = 60° 
Zr gpa 
Serienst. |Parallelst. Serienst. | Parallelst. 
reza | 0,97 0,69 0,90 | 0,87 
Ya = 0° | 
a ER [6] | 
Ea 0,70 021 | 057 | 0867 
Ya = 0° | N | 


ZENEN N, NN 
Nora ; 


Richtcharakteristiken von Antennenkombinationen, deren einzelne Elemente in Oberschwingungen erregt werden. 139 


ebene. Als Nachteil bleibt nur, daß für «= 90° bei 
anderen Neisungswinkeln ein Strahlungsanteil übrig 
bleibt im Gegensatz zur Seriensteilung, bei der in 
dieser Ebene die Strahlung vollkommen verschwindet. 

Da sich die Richtschärfen der Serien- und 
Parallelstellung in der Vertikalebene nicht bedeutend 


Ja 


n=J, 9 Ss, P TIDS, /3 varıabel —— = a 
—. lX=60° 
Ban c = 90° 

Bild 15. 


unterscheiden, wird man, besonders wenn es sich um 
Strahlung unter einem bestimmten Neigungswinkel 
handelt, die Parallelstellung der Serienstellung vor- 
ziehen. 


28 | 0° 


a 2a Ja 
n=3, ÍA =0735,œ variabel! —— B=47° 
---- 8:60° 
- -f= 0° 
Bild 16. 


2. Kombination zweier in der zweiten Ober- 
schwingung erregter Antennen. d/l = 0,735. 


Die Kombination zweier derartiger Antennen 
(Bild 15 u. 16) zeigt ein ähnliches Verhalten wie dic 
zweier in der ersten Oberschwingung erregter An- 
tennen: Verschiebung der Maxima in der Vertikal- 
ebene mit wachsendem a nach größeren Neigungs- 
winkeln hin und Vergrößerung der Richtschärfe mit 
wachsendem a. Für «= 90° tritt wieder eine Null- 
stelle auf für den Neigungswinkel, bei dem für «= 0° 
das Maximum liegt. In der Ebene a = 60° tritt auch 
noch eine neue Nullstelle auf. Man erhält’ in allen 
den Vertikalebenen eine neue Nullstelle, für die 


ist, und zwar liegt diese Nullstelle unter einem Win- 


kel £, für den cos 8 = ist. Die Strahlung 


2disina 
für 8=0° ändert sich auch mit wachsendem «a. Sie 
27d 


À 


verschwindet vollkommen, wenn sina = a 


wird, d. h. im betrachteten Fall 


l 
oder sin a = 9 J) 
1 ` 


en S ee 
für sin a= 2.0735 — 0,68 oder für «=47 10°. Bei 


den Charakteristiken in der Horizontalebene (Bild 16) 
kann man daher. drei Arten unterscheiden: 


I. Die Charakteristik für $£ = max., die für 
a = 0° ein Maximum und für a = 90° eine 
Nullstelle hat, 


Charkteristiken für solche Neigungswinkel, für 
die bei einem bestimmten Winkel « eine Null- 
stelle auftritt. Diese Charakteristiken haben 
neben dem Maximum bei «=0° ein zweites 
Maximum mit dazwischenliegender Nullstelle. 
Ein Beispiel hierfür stellt die Charakteristik 
für 8 =0° dar, für die ein zweites Maximum 
bei a = 90° liegt. 

3. Charakteristiken für solche Neigungswinkel, 
für die überhaupt keine Nullstelle vorhanden 
ist und die nur ein mehr oder weniger aus- 
geprägtes Minimum bei a = 90° aufweisen 
(Bild 16, 6 = 60°). 

Ueber die Richtschärfen im Vergleich zur Serien- 

stellung gibt cin Vergleich der entsprechenden Bilder 
16 und 10 sowie Tab. 5 Aufschluß. 


to 


Tabelle 5. 
po 
„man a, (a Na, 


Serienst. | Parallelst. 


5 Bi Serienst. |Parallelst. 


a | 0,975 | 0,68 | 0,90 0,84 
en 0,72 0,18 0,59 0,54 
Ya = 0° 


Zusammenfassung des ersten Teiles. 


Es werden Kombinationen zweier Antennen, die 
in den gleichen Oberschwingungen erregt werden, in 
der Serien- und Parallelstellung untersucht. 

Die übersichtlichen Verhältnisse ergeben sich da- 
bei für ein Abstandsverhältnis d/} = =———— wo- 

2 COS Pmax’ i 
bei Bmax den Winkel bedeutet, für den die Einzel- 
antenne ihr Maximum besitzt. Für dieses d/} ist die 
Richtschärfe in der Vertikalebene für beide Arten 
der Kombinationen größer oder mindestens ebenso 
groß. als die der Einzelantenne, und zwar für die 
Serienstellung etwas größer als für die Parallel- 
stellung. Die Richtschärfe in der Horizontalebene ist 
für die Parallelstellung bedeutend größer als für die 
Serienstellung. Während aber für die Serienstellung 
die Ebene a = 90° eine vollkommene Nullebene ist, 


ist für die Parallelstellung nur eine Nullstelle für den 
Neigungswinkel 8 vorhanden, für den bei a=0 das 


Maximum liegt. 


140 


. Das Maximum in der Vertikalebene verschiebt 
sich mit wachsendem a bei der Serienstellung nach 
kleineren, bei der Parallelstellung nach größeren 
Neigungswinkeln, und zwar ist diese Verschiebung 
bei der Parallelstellung größer als bei der Serien- 
stellung. Das Maximum für a = 0° ist in beiden 
Fällen gleich groß und doppelt so groß wie das der 
Einzelantenne. 


H. E. Hollmann: 


Da die Untersuchung der Kombinationen zweier | 
in der ersten und zweiten Oberschwingung erregter 
Antennen ein ähnliches Verhalten zeigt und außerdem 
die Behandlung weiterer Fälle zu weitgehend er- 
scheint, beschränkt sich die Untersuchung spezieller 
Fälle auf die beiden vorgenannten, auf Grund deren 
man leicht die Betrachtungen auf weitere Fälle aus- 
dehnen kann. (Schluß folgt.) 


(Eingegangen am 17. Juni 1929.) 


Der EleKtronenoszillator als negativer Widerstand. 
Von H. E. Hollmann., i 
Physikalisches Instiut der Technischen Fochschule Darmstadt. 


Inhaltsübersicht. 
$ 1. Der negative Anodenstrom. 
$ 2. Selbstmodulation des Elektronenoszillators. 
$ 3. Sekundärelektronen bei negativer Anode. 
$ 4. Elektronenschwingungen bei positiver Anode. 
$ 5. Pendelrückkoppeleffekt durch Selbstmodu- 


lation. 


Bei normaler Betriebsweise einer Dreielektroden- 
röhre, d. h. bei stark positiver Anode und schwach 
positivem oder negativem Steuergitter, läßt sich die 
Bewegung und Verteilung der Elektronen zwischen 
den Elektroden leicht übersehen und durch mathe- 
matische Gesetzmäßigkeiten erfassen. Demgegen- 
über werden bei anormaler Betriebsweise die Ver- 
hältnisse ungleich verwickelter, insbesondere bei 
positivem Gitter und negativer Anode, der Brems- 
feldschaltung von Barkhausen und 
Kurz!), wo die Elektronenbewegung nicht mehr 
stetig, sondern periodisch verläuft und in bekannter 
Weise zur Entstehung kurzwelliger Schwingungen 
Anlaß gibt. 


S 1. Der negative Anodenstrom. 


Diese Erscheinung ist auf die statische Kennlinie 
einer Dreielektrodenröhre in Bremsfeldschaltung 
nicht ohne Rückwirkung. So ist der trotz stark ne- 
gativer Anode noch auftretende „negative“ Anoden- 
strom, welcher der Anodenspannung entgegenfließt, 
die Anodenbatterie also auflädt, allgemein als Kenn- 
zeichen für das Vorhandensein von Elektronen- 
schwingungen anzusehen. Fr findet eine Erklärung 
darin, daß ein Teil der um das Gitter pendelnden 
Elektronen eine „additive kinetische Energie“ erhält”) 
und über die Potentialnullfläche, innerhalb der die 
zendelnden Elektronen umkehren, hinaus zur Anode 
hingetrieben wird’). Mit steigendem negativen 
Anodenpotential rückt die Potentialnullfläche mehr 
und mehr von der Anode fort, wodurch die Zahl der 


1) H. Barkhausenund K. Kurz: Phys. Zschr. 21, S.1, 1920; 
A. Scheibe: Ann. d. Phys. 73, S. 54. 1925. 

s) S. J. Zilitinkewitsch: Arch. f. El. 15, S. 470, 1926. 

3) Die Erklärung anderer Autoren, nach denen der negative 
Anodenstrom nur während der positiven Halbperiode der Anoden- 
wechselspannung auftritt, kommt bei „reinen“ Barkhausen- 
Kurz Schwingungen, die ohne Mitwirkung eines äußeren Schwin- 
gungskreises zu Stande kommen, nicht in Frage. 


die Anode erreichenden Elektronen, und damit der 
negative Anodenstrom stetig abnimmt. 
Diese einfachen Verhältnisse ändern sich be- 


trächtlich, wenn Gitter und Anode der Röhre auf die 
aus dem Schema des Bildes 1 ersichtliche Weise mit 


Bild 1. 


Schema des Elektronenoszillators und Verlaui 
Anodenstroms bei Verstimmung des Paralleldrahtsystems. 


des negativen 


einem Schwingungssystem verbunden sind, indem nun- 
mehr die Elektronenbewegung nicht mehr allein von 
den stationären, den Betriebsspannunzen entsprechen- 
den Zwischenelektrodenfeldern belierrscht wird, son- 
dern außerdem einer Einwirkung der im Schwingungs- 
kreis induzierten und den Elektrodenzleichspannungen 
überlagerten Wechselspannungen unterliegt. An 
anderer Stelle ist gezeigt‘), wie diese Wechselfelder 
einen Aufschaukelvorgang der Elektronenpendel- 
frequenz bis zur Angleichung an die Resonanz- . 
frequenz des Schwingungskreises herbeiführen, ein 
Vorgang, der in Analogie zur bekannten Amplituden- 
rückkopplung als „Frequenzrückkopplung‘“ zu be- 
zeichnen ist). 

Mit den durch die Frequenzrückkopplung hervor- 
gerufenen Wellenänderungen ist eine beträchtliche 


4) H. E. Hollmann: Ann. d. Phys. 86, S. 129, 1929; H.E. 
Hollmann: Proc. Inst. Radio Eng. 17, S. 229, 1929. Vgl. auch 
den Zusammenfassenden Bericht ds. Ztschr. 33, S. 73, 1929, 

5) H. E. Hollmann: Elektr. Nachr. Techn. 6, S, 253, 1929. 


i/ 


© Zunahme der Schwingungsenergie verbunden, was 


darauf schließen läßt, daß durch die Steuerwirkung 
der Wechselfelder eine größere Zahl von Elektronen 
zu synchroner Pendelbewegung und zur Energie- 


© lieferung herangezogen wird. Dies wird unmittelbar 
- durch ein starkes Ansteigen des negativen Anoden- 
 stromes bestätigt, wie es aus der Kurve des Bildes 1 


zu ersehen ist. Diese wurde erhalten, indem das 


Paralleldrahtsystem durch Verschieben der Konden- 
Unmittelbar 


wurde. 


"erlauf des negativen Anodenstroms als Funktion der Anoden- 
pannung. Die gestrichelten Kurven ergeben sich beim Auftreten 
von Modulationsschwingungen. 


ach Ueberschreiten des Punktes B setzt die Fre- 
juenzrückkopplung ein, und die Barkhausen- 
(urz-Schwingungen gehen in die Gill- und 
Morrell-Schwingungen über‘). 

Der Einsatz der Frequenzrückkopplung und der 
lamit verbundene Anstieg des Anodenstromes ist 
uun nicht allein von der Abstimmung des Schwin- 
‚ungssystems, sondern in gleicher Weise von der er- 
egenden Barkhausen-Kurz-Frequenz ab- 
ängig. und zwar verschiebt er sich nach umso 
öheren Abstimmungsfrequenzen. je höher die ur- 
prüngliche Frequenz liegt. Damit ist die Möglichkeit 
egeben, die Frequenzrückkopplung ebenso wie durch 
'erstimmen des Schwingungskreises durch Änderung 
er Betriebsverhältnisse, praktisch der Elektroden- 
leichspannungen, einzuleiten wobei in Verbindung 
uit dem negativen Anodenstrom die Anodenspannung 
a von besonderer Bedeutung ist. 


' Für verschiedene Abstimmungen des Parallel- 
rahtsystems sind in dem Bild 2 die Beziehungen 
wischen Anodenstrom und Anodenspannung aufge- 
ragen. Die Kurve A zeigt den bereits erwähnten 
letigen Abfall des Stromes mit zunehmend negativer 
pannung im Bereich reiner Barkhausen-Kurz- 
chwingungen, der in dem Bild I durch denselben 
uchstaben gekennzeichnet ist. Die Verhältnisse 
ndern sich, wenn das Paralleldrahtsystem kurz vor 
en Einsatz der Frequenzrückkopplung abgestimmt 
ird. Diesen Zustand geben die Kurven B und © 
'ieder, die ebenfalls in dem Bild 1 entsprechend be- 


9 Da an dieser Stelle nur die statischen Kennlinien von 
'eresse sind, sei auf die verschiedenen Schwingungsbereiche 
‘ht weiter eingegangen, sondern auf die früheren Veröffent- 
hungen (1. c. 3) verwiesen. 


Der Elektronenoszillator als negativer Widerstand, 


141 


zeichnet sind. Sie weisen zunächst gleichfalls eine 
stetige Abnahme von {a auf, bis durch die Frequenz- 
steigerung der erregenden Elektronenschwingungen 
die Frequenzrückkopplung zum Einsatz kommt, was 
sich in dem Anwachsen des Anodenstroms La äußert. 
Die weitere Zunahme von Zu läßt a wieder abfallen. 
Wird die Abstimmung des Schwingungssystems von 
der für die Frequenzrückkopplung kritischen Reso- 
nanzstelle entfernt, so ersieht man aus der Kurve C, 
dass demgemäß auch eine stärkere Änderung der Er- 
regerfrequenz, mithin eine höhere Anodenspannung 
erforderlich ist, um die Frequenzrückkopplung wieder 
einzuleiten. Schließlich findet im Bereich reiner 
Gill- und Morrell-Schwingungen, der Kurve D 
entsprechend, wieder ein stetiger Abfall des Stromes 
statt. 


$ 2. Selbstmodulation des Elektronenoszillators. 


Der aus den Kurven B und C hervorgehende An- 
stieg des Anodenstroms mit zunehmend negativem 
oder allgemein mit abnehmend positivem Anoden- 
potential zeigt, daß sich die Bremsfeldanordnung auf 


Grund der Rückwirkung der Anodenspannung auf die 
Modulslionskreis 


Abb 3 
Bild 3. 
Schema des Elektronenoszillators mit Selbstmodulation. 


Abstimmungsverhältnisse wie ein negativer Wider- 
stand verhält. Wird daher, dem Schema des Bildes 3 
entsprechend, in die Anodenzuleitung ein Schwin- 
gungskreis beliebiger Frequenz gelegt (in dem Bild 
durch Schraffierung hervorgehoben), so wird dieser in 
seiner Eigenfrequenz angeregt. Liegt dieselbe im 
akustischen Bereich, so können die Schwingungen 
mittels eines in die Anodenleitung geschalteten Tele- 
phons wahrgenommen werden. Beobachtet man den 
Sender in einem auf die Elektronenwelle abge- 
stimmten Empfänger, so zeigt sich, daß der Elek- 
tronenoszillator mit der Eigenfrequenz des Resonanz- 
Kreises moduliert wird. 

Durch diese Modulation erfährt der Verlauf des 
mittleren Anodenstromes gegenüber den statischen 
Kennlinien des Bildes 2 eine sprunghafte Veränderung, 
wie er in die Kurven B und C gestrichelt eingezeich- 
net ist, wobei die Modulationsbereiche durch: Schraf- 
fierung besonders hervorgehoben sind. Naturgemäß 
handelt es sich nicht um reine Amplituden-, sondern 
um Frequenzmodulation, : indem der : Öszillator 
zwischen beiden Grenzzuständen des negativen 
Widerstandes, nämlich den Barkhausen-Kurz- 
und den Gill- und Morrell-Schwingungen, 
oszilliert. Bei Wellenmessungen mittels eines Lecher- 
systems sind die den beiden Grenzbereichen zugeord- 
neten Wellenlängen nebeneinander nachzuweisen, 
besonders leicht dann, wenn das Aufsuchen der Re- 
sonanzmaxima auf dem Lechersystem bei nieder- 


142 


H. E. Hollmann: Der Elektronenoszillator als negativer Widerstand. 


ee 


frequent moduliertem Oszillator mittels Telephons 
vorgenommen wird. 


$ 3. Sekundärelektronen bei negativer Anode. 


Neben den bisher behandelten. durch die Ab- 
stimmverhältnisse verursachten Bereichen negativ en 
Widerstands lassen sich im Verlauf der /„. Fa Kurven 
weitere Stellen finden. an denen der Kurvenverlaui 
fallend wird, und die in gleicher Weise ein in die 
Anodenzuleitung zelertes Schwinzungssystem anzu- 
regen und den Sender zu modulieren vermögen. 
Außer von dem Abstimmzustand des Schwinzungs- 
kreises sind diese Bereiche von einer Reihe weiterer 
Faktoren abhängig, wie z. B. Gitterspannung, Heizung, 


— 50E, 


Bild 4. 
Bereiche negativen Widerstands infolge Sekundäremission. 


Gasgehalt usw., ohne daß sich übersichtliche und all- 
gemein gültige Beziehungen für ihr Auftreten finden 
ließen. Außerdem zeigten verschiedene Röhren der- 
selben Type ein völlig abweichendes Verhalten, 
auch bei ein und derselben Röhre waren die fallenden 
Bereiche nicht absolut konstant. sondern ¿änderten 
sich mit der Betriebsdauer. Als Beispiel sind in dem 
Bild 4 einige an einer fabrikneuen „Schott“-Röhre 
aufgenommene Kurven wiedergegeben, wobei die 
Bereiche fallenden Stroms mit zunehmender Spannung 
sowohl bei reinen Barkhausen-Kurz- als auch 
bei reinen Gill- und Morrell-Schwingungen 
auftraten. Die Kurve 2 zeigt zwei solcher Bereiche 
hintereinander, während aus Kurve 3 deutlich hervor- 
geht, daß die negativen Widerstandsbereiche außer- 
halb des durch Frequenzrückkopplung bewirkten 
Stromanstiegs liegen. Die Kurven wurden unter ver- 
schiedenen Betriebsverhältnissen aufgenommen und 
sind darum nicht ohne Weiteres miteinander zu ver- 
gleichen. 


Die Ursache für die vorliegenden Bereiche nega- 
tiven Widerstands im Anodenkreis dürften Sekundär- 
elektronen sein, welche von den auf die Anode auf- 
prallenden und den negativen Anodenstrom ver- 
ursachenden Elektronen aus dem Anodenmaterial los- 
gelöst werden. Damit handelt es sich um eine 
Dynatronwirkung bei negativer Anode, deren 
Bremsfeld durch die Pendelbewegung der Elektronen 
gewissermaßen kompensiert wird. 


und 


$ 4. Elektronenschwingungen bei positiver Anode. 


Erhält die Anode ein positives Potential yon il 
wenigen Volt, so verschwinden die „reinen“ Bark- 
hausen-Kurz-Schwingungen sos ote ch Indesseı 
zeigen sich bei Verstimmung des Pal Ban Ural. 
systems noch Schwankungen des Anodenstromes, die 
nur durch Hochfrequenzschwingungen verursach: . 
werden können. Sie unterscheiden sich jedoch vor | 
den sprunghaften Änderungen von Za bei Frequenz | 
rückopplung durch einen gleichmäßigen Verlauf. Da- 
bei steigt der Anodenstrom im Be reich geringe: 
Ruheströme an, wie die Kurve 1 des Bildes 5 dar- 
stellt, wogegen bei höheren Anoden-Spannungen ein 
Absinken stattfindet. Innerhalb der durch Anderung 


von a begrenzten Bereiche wird das Par: R 
sem 


system zu kräftigen Schwingungen angeregt, 
Wellenlänge der Eigenwelle des 


Fig.5. 


Abstimmsystems 


30 40 50 60 70 60 90 700 Don 


Bild 5. 
Schwingungsbereiche und Wellenlängen bei positiver Anode 


entspricht, wie die in den oberen Kurven des Bilde 
angegebenen Meßpunkte zeigen. Erst bei höher: 
Anodenspannungen tritt eine merkliche Abweichur 
auf. Insofern besteht freilich auch bei gering: 
Anodenspannungen eine unmittelbare Beziehung zwi 
schen den Schwingungen und den Elektrode: 
potentialen, als sich die Schwingungsbereiche mit ze 
nehmend positiver Anodenspannung nach länger: 
Wellen hin verschieben. Bei höheren Anode: 
spannungen fällt der Anodenruhestrom infol: 
Sekundäremission in bekannter Weise ab. doch si; 
auch in diesem Gebiet zunächst noch Schwingung. 
zu beobachten (vgl. Kurve 4), die indessen mit weit: 
zunehmender Spannung bald verschwinden. | 
Die hier bei positiver Anode auftretenden Schwir 
gungen, die eine gleichzeitige Abhängigkeit von dej! 
an die Röhre angekoppelten Schwingungskreis un 
den Betriebsverhältnissen aufweisen, düriten mit di 


_ 


- Schwineungssystems erübrigt. 


auf die 


bereits von Gill und Morrell 
elektronen zurückzseführten Schwinzungsform über- 
vinstimmmen‘). insbesondere. als infolge der schon bei 
negativer Anode zu bemerkenden Sekundäremission 
cine starke Beeinflussung der Verhältnisse auch bei 
schwach positiver Anode zu erwarten ist, was denn 
auch bei höher positivem Anodenpotertial in der 
statistischen Charakteristik zum Ausdruck kommt. 


aul Sckundär- 


S 5. Pendelrückkoppeleifekt durch Selbstmodulation. 

Eine praktische Anwendung der Selbstmodulation 
ergibt sich beim Empfang ultrakurzer Wellen mittels 
des Elektronenoszillators, dessen Brauchbarkeit 
mpfänger schon von Barkhausen und Kurz 
(l. c. 1) angegeben worden ist. Durch Selbstmodulation 
ın überhörbaren Frequenzbereichen läßt sich eine De- 
trächtliche Steigerung der Empiangslautstärke cer- 
zielen, wobei die Schaltung völlig dem Bilde 3 ent- 
spricht. Die Einstellung erscheint zunächst sehr 
schwierig. weil durch passende Wahl der Betriebs- 
verhältnisse der Bereich negativen Anodenwiderstands 
von der Senmdewelle vorgeschriebene AbD- 
stimmung des Paralleldrahtsystems verschoben wer- 
den mub. Praktisch ergibt sich jedoch durch die 
Freauenzimodulation eine Verminderung der Selck- 
tivität. so dab sich cine exakte Abstimmung des 
In wall gerichteter 
Telephonie mittels 


als 


Kurzwellentelegraphie oder 


o Spiegeln dürfte die geringere Selektivitët dureh den 


Gewinn an Emptindlichkeit und die bequeme Ein- 
stellung und Abstimmung mittels des Anodenpotentio- 


meters ausgeglichen sein. 


Manfred von Ardenne: Eine einfache Methode zur Bestimmung der Röhrenkonstanten 


E) Inhaltsiibersicht. 


> 


. Einleitung. 

B. Beschreibung des Verfahrens. 
s C. Fehlerquellen der Methode. 
CD. Anwendungsbeispiele. 

I. Zusanunenfassunsg. 


` A. Einleitung. 
1 


Jl 


Solange im Yaumladunessebtiet der Röhren- 
vonalinie gearbeitet wird, ist die Kenntnis derienisen 


Konstanten K von Bedeutung, dureh welche sich dig 


Hlarstellen läht. 


"&katloden 3 


‚‚intersuchungen 


Mnodenkennlinie in der Form der Kleg Dre” 
Hierin ist » ein über einen weiten 
Bereich konstanter Exponent, der für Aequipotential- 
> beträgt und für direkt beheizte Kathoden 
‘$esonders zu berechnen ist. (Siehe Abschnitt B, 2.) 
Jie Konstante K bildet cinerseits ein für Kathoden- 
wertvolles Maß für die Güte der 
zsathode: andererseits ist die Kenntnis dieses Zahlen- 


„wertes von Bedeutung bei der rechnerischen Ermitt- 


Jung optimaler Durchgriffe auf Grund des Emissions- 


Zusammenfassung. 


Die Arbeit behandelt die in der Bremsfeldschaltung 
ıiner Dreiclektrodenröhre mit anzckoppeltem Schwin- 
cımeskreis vorhandene Beziehung zwischen Anoden- 
spannung und dem .„negativen” Anodenstron. Ab- 
hängig von den Abstimmverhaltmissen zeigt die 
statische Charakteristik innerhalb begrenzter Bereiche 
einen fallenden Verlauf. Infolge dieses negativen 
Widerstandes werden in die Anndenzuleitung gelegte 
Schwingungskreise angeregt und der Elektronen- 
oszillator mit beliebiger Frequenz moduliert. Daneben 


treten unreeelmäßie geringe Bereiche negativen 
Widerstandes auf, die trotz negativen Anoden- 


potentials durch Sekumdärelektronen erklärt werden 
können. Die bei positiver Anode auftretenden kurz- 
welligen Schwingungen stimmen mit den von Gill 
und Morrell angegebenen und auf Sekundär- 


emission  zurückgeführten Elektronenschwingungen 
überein. Eine praktische Anwendung der Selbst- 
modulation ergibt sich beim Empfang ultrakurzer 


Wellen. bei dem durch einen Pendelrückkoppeleffekt 
eine beträchtliche Zunahme der Lautstärke zu er- 
reichen ist. 

Der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft, 
die mir die Fortsetzung meiner Untersuchungen cer- 
möcrlicht. bin ich zu großem Dank verpflichtet; ferner 
danke ich meinem verehrten Lehrer, Herrn Prof. Dr. 
H. Rau, für sein freundliches Interesse und die 
bereitwilliee Ueberlassung der Mittel seines Instituts. 


1) E.W.B.Gillu. J. H. Morrell: Phil. Mag. 49, S. 369, 1925. 
(Eingegangen am 8. Juli 1929.) 


Eine einfache Methode zur Bestimmung der Röhrenkonstanten. 


von Manfred von Ardenne, Berlin. 


gesetzes!), wobei K? in das Endergebnis als Faktor 
eingeht. 

Der nächstliegende Weg zur Bestimmung von K 
ist die punktweise Ermittlung aus der a == f (esi) — 
Charakteristik unter Zugrundelezung des analytischen 
Emissionszesetzes. Diesem Verfahren muß eine Be- 
stimmung des Durchgriffes vorausgehen. Die Steucr- 
spannungen lassen sich dann durch gleichzeitige Auf- 
nalıme von eg und ea berechnen, wobei man im all- 
gemeinen durch das Arbeiten bei der Gittervorspan- 
nung Null und Aufnahme der „== f(e,)—Charakte- 
ristik cine gewisse Vereinfachung erzielt. 


B. Beschreibung des Veriahrens. 


Das vorliegende Verfahren ermöglicht es, ohne 
cine Bestimmung des Durcheriffes die Röhren- 
konstante zu messen. Der dabei vorherrschende 
Grundgedanke besteht darin, durch Einschaltung 


I) Ein Beispiel für eine derartige Rechnung an Hochfrequenz- 
verstärkern mit Widerstandskopplung siehe in der Arbeit: 
„Aperiodische Verstärkung von Rundfunkwellen“ von M, v. Ar 
denne, ds. Jahrbuch 33, S. 166, 1929, Heft 5. 


144 


eines Widerstandes in den Anodenkreis die Anoden- 
spannung schließlich sehr nahe zu Null werden zu 
lassen, so daß es möglich wird, durch eine Extra- 
polation denjenigen Punkt der Kennlinie, bei dem 
exakt es: gleich eg wird, zu ermitteln. In Bild 1 ist 
die Anodenstromkennlinie fa = f (eg) bei ohmscher 
Belastung durch Ra sowie ihre en aus der 


la 
$ a 
4 Bu ‚[ Ala 
N 
SS 
9 
Q 
VE- 
Re N Aa 
— 


Bild 1. 
Zur Extrapolation der Arbeitskennlinie 


=f (eg) für Ra = 0 dargestellt. 


Da der Anodenstrom den Grenzwert tagr = R. nicht 
a 


Kurzschlußkennlinie ča 


überschreiten kann, erfolgt kurz vorher ein Umbiegen 
A die dann in dem Abstande 4 ia = tagr ° 
r 
Ra + k, 
eingeführte Restwiderstand AR, 
10000 * 100000 Ohm?). Durch Vergrößerung des 
äußeren Anodenwiderstandes A. läßt sich die 
Ordinatendifferenz 4 ia beliebig klein halten. Gleich- 
zeitig findet bekanntlich eine Streckung der ursprüng- 
lichen Kennlinie für Eae = 0 statt, so daß es mit größer 
werdendem AR. immer leichter wird, die gemessene 
Kennlinie über den oberen Knick hinweg geradlinig 
bis zum Schnittpunkt P mit der Grenzparallele zu 
extrapolieren. Die Abszisse a von P ist ein Wert 


der Abszissenachse parallel läuft. Der hier 


schwankt zwischen 


a 
| Ra 
in die Emissionsgleichung fa = K -e,ı" eingesetzt, den 
gesuchten Wert für K ergibt. 

Je nachdem, ob direkt oder indirekt geheizte 
Kathoden untersucht werden, gestaltet sich die An- 
wendung des Verfahrens verschieden. 


1. Indirekt geheizte Kathoden: 
Bei Aequipotentialkathoden gilt die Beziehung: 


der Steuerspannung, der zusammen mit tagr = 


la = K- est? ; 
daraus folgt hier: 
K = Ea Amp. Volt ” 3 
= Ra di? p- 


2) Vgl. hierzu M. v. Ardenne: 
jere irket: Verlag R. C. Schmidt. 


Der Bau von Widerstands- 
2. Auflage, S. 40 und 41. 


Manfred von Ardenne: Eine einfache Methode zur Bestimmung der Röhrenkonstanten. 


n 
pa 


Da der Restwiderstand indirekt beheizter Röhre? 
im allgemeinen besonders niedrig ist, kann mit R,'" 
ohne Schwierigkeiten bis auf etwa 100000 Ohr 
heruntergegangen werden, ohne daß der Abstand 4i% 
zwischen Maximalstrom und Grenzstromwert zu" 
groß wird. 


2. DirektgeheizteKathoden: | 
H 


Solange es nur auf einen Vergleich der Güten j, 
beider Kathodenarten ankommt, kann die Bestimmung |“ 
von K durch Benutzung eines Bayer-Schottky-|* 
Schalters ebenfalls unter Zugrundelegung des Drei- 
halbegesetzes erfolgen. Der so gewonnene Wert 
von K ist jedoch einer Berechnung des optimalen 
Durchgriffes oder anderer elektrischer Daten nicht 
zugrunde zu legen. Für die Anodenstromkennlinie 
gelten vielmehr die Beziehungen (s. Abschnitt C): 


la = Da Est? al + Fa) er | für ez > 0 (1) 
0,4 
a (m eu) i für | ese | < | Enr |, est <0 al 


bei Anschluß an das positive Fadenende und 


5 
PPE |i -(1- 2)" türeu> E> 00 
Er est 
0, N 
la = E, i = für En > est >0 (4) | 
bei Anschluß an das negative Fadenende. Enr ist da- 


bei die Fadenspannung. 
Die Ausführung der Messung geschieht nach 
Schaltung Bild 2. Die Kurzschlußtaste T überbrückt 
den Restwiderstand der Röhre und ermöglicht die 
; E 

Bestimmung des Grenzstromwertes tagr = 


Re "i 


Bild 2. \ 
Versuchsanordnung 


C. Fehlerquellen der Methode. 


Fehlerquellen der Methode sind folgende: 


l. Ablesungsfehler: Bei gegebener Ge 
nauigkeit der Zeichnung nach Bild 1 steigt die Ablese- 
genauigkeit mit zunehmendem a bzw. čagr. Es ist 
daher Ra möglichst klein zu wählen, wodurch gleich- 
zeitig der Schnittwinkel zwischen den Geraden 
wächst. Die Extrapolationsgenauigkeit sinkt anderer- 
seits mit wachsendem Abstand zwischen CGrenzstrom- ` 
wert und Maximalstromwert, setzt also der Ver- 
kleinerung von Fa eine Grenze, zumal bei kleinem R ` 
die Kennlinie nicht mehr genügend geradlinig ver- ` 
läuft. Praktisch wird zur Erreichung großer Genauig- ' 
keiten die Messung bei mehreren verschiedenen |‘ 
Anodenwiderständen und evtl. bei Anschluß an das 


m 


durch Einführung der Anlaufspannung e; erfaßt. 
‚äßt sich 


an ee EN = un" 


ositive und negative Fadenende getrennt ausgeführt 
.nd über die Einzelergebnisse gemittelt. 
. 2. Heizstromschwankungen: Aenderun- 
„en der Kathodentemperatur kommen besonders bei 
-ıdirekten Kathoden mit hoher Heizleistung als 
‘ehlerquellen in Betracht. Bei direkten Kathoden 
ndert sich X mit der wirksamen Fadenlänge. 
3. Widerstände: Die Anodenwiderstände 
. nüssen möglichst temperaturunabhängig und der Be- 
astung gewachsen sein, der sie bei direktem An- 
‚chluß an die Anodenbatterie ausgesetzt werden. 


Ja ın 10" Amp i 
e 
Va 

(7) 
2) 


Mo 


© 


Fa 


| TUUA 


-5 25 .5 


Bild 3. 
Messungen an REN 1104 K. 


4. AustrittsgeschwindigkeitderElek- 
:ronen: Die Temperaturgeschwindigkeit der Elek- 
ronen an der Kathodenoberfläche wird zweckmäßig 
Sie 
im Einzelfalle messen und bedeutet eine 


‚Vergrößerung der Röhrenkonstanten im Verhältnis 


Diese Korrektur ist nur bei sehr 


2 Est 


:1-+-— =) A 
kleinen Steuerspannungen anzuwenden. 


4 Bei der Auswertung für direkte Kathoden ist 


vzu bedenken, daß die in Bild 2 angeführten Emissions- 


-zesetze nur für den Fall gelten, daß die Heizspannung 


i 


eine lineare Funktion der Fadenkoordinate ist. In- 
iolge der nicht konstanten Fadentemperatur (End- 


Mitteilungen aus der Praxis. 


145. 
Aufheizung) bedeutet dies eine An- 


Abkühlung, 
näherung. 


D. Anwendungsbeispiele. 
Es wurden unter anderem folgende Messungen 
angestellt: 
I. Telefunken Röhre REN 1104 K. Indirekt beheizte 
Kathode: 3,5 Volt, 1,1 Ampere. Das Ergebnis der 
Messungen siehe Bild 3. Im einzelnen findet man: 


maximale Grenzstrom ia gr ai 
SUNENE: Steuerspannung | 10-5 Amp. a ( Amp.vol 2 
l 3 13,2 2,59.104 
2 2,66 12,4 2,89.104 
3 2,53 ` 10,0 2,48. 10—4 
4 2,16 7,5 2,37.10-4 


Ergebnis: K = 2,57.10% (Amp. Volt?) + 7%.) 


Il. Telefunken Röhre RE 054. Direkt beheizte 
Kathode: 3,5 Volt, 0,08 Ampere, Ee = 150 Volt. Ge- 
messen wurde: 

a) Anschluß an positves Fadenende: tagr = 4,27 
-10-° Amp.; es = — 1,92 Volt. Daraus folgt nach 
ne (2) von Abschn. B2: K = 1,19.10—* [Anıp. 
Volt-"?]. 

b) Anschluss an negatives Fadenende; tagr = 
5,3.10-" Anp.; es = + 1,74 Volt. Daraus folgt nach 
Gleichung (4) von Abschnitt B 2:K = 1,16.10”* Amp. 
Volt-"*, 

Die Übereinstimmung ist befriedigend. 


E. Zusammeniassung. 


Zur Bestimniung der Röhrenkonstanten wird die 
Kennlinie fa = f (eg) bei Ra Ohm aufgenommen und 


et ne E 
geradlinig bis zum Schnitt mit der Geraden: dag —n 
a 


verlängert. Aus den Koordinaten a,?agr des Schnitt- 
punktes wird durch Einsetzung in die Kennlinien- 
gleichung, die für direkte und indirekte Kathoden an- 
gegeben wird, die Röhrenkonstante ermittelt. Es 
werden Messungen mitgeteilt, bei denen das Ver- 
fahren für mehrere Anodenwiderstände ausgeführt 
und somit eine Genauigkeitsangabe möglich wird. 


3) Mittlerer quadratischer Fehler. Bei Verwendung hoch be- 
lastbarer Hochohmwiderstände Ka läßt sich dieser Fehler erheb- 
lich reduzieren. Bei den Messungen standen nur kleinere Wider- 
stände mit 0,1 Watt Belastbarkeit zur Verfügung, die bereits um 
100°/, überlastet wurden. 


(Eingegangen am 11. Juli 1929.) 


Mitteilungen aus der Praxis. 


Nadir-Netzanschluß-Röhrenvoltmeter. 


Von Herbert Reibedanz, Berlin. 


Bei Forschungsarbeiten und bei Arbeiten im Be- 


.triebe wird heute schon besonderer Wert darauf ge- 
i legt, daß auch schwierige Messungen in kürzester Zeit 


„erfolgen können. Schnellste Betriebsbereitschaft, be- 
.‚Queme Handhabung und sofortige Ablesemöglichkeit 
„sind daher die Forderungen, die an moderne Meß- 


instrumente zu stellen sind. Die Na dir abteilung 
der Deuta-Werke hat eine Röhrenvolt- 
meterkonstruktion mit Netzanschluß 
und direkter Eichung nach Manfred von 
Ardenne herausgebracht, die den genannten 


Forderungen weitgehend entspricht. 


146 


Herbert Reibedanz: Nadir-Netzanschluß-Röhrenvoltmeter. 


Die Schaltung des Nadir-Instrumentes zeigt 
Bild 1. Die Gleichrichtung erfolgt als Anodengleich- 
richtung mit kapazitiver Ueberbrückung des ohmschen 
Anodenkreises. Die Abmessungen sind so gewählt, 
daß der Zeiger des anzeigenden Gleichstrominstru- 
mentes sich schnell genug auf den Endwert einstellt 
und andererseits die Eichung für alle Frequenzen über 
etwa 50 Hertz in den Grenzen der Ablesegenauiskeit 
gilt. Infolge der durch den kapazitiven Kurzschluß 
des Anodenkreises verhinderten Rückwirkung besteht 
an der Eingangsseite als Belastung nur die statische 


1107A 


220v~ 


Bild 1. 
Schaltung des Nadir-Instrumentes. 


Gitter-Kapazität, die ohne Zuleitung etwa 5 cm be- 
trägt. Der ohmsche Eingangswiderstand des Instru- 


mentes ist erheblich größer als 10° Ohm, solange dem | 


Instrument die . seinem Meßbereich entsprechenden 
Wechselspannungen zugeführt werden. Das Nadir- 
Instrument wird in zwei Typen gebaut, die sich nicht 
in der Schaltung, sondern lediglich in der Dimensio- 
nierung der verschiedenen Teile unterscheiden. Die 
empfiindlichere Type, deren Abmessungen in Bild 1 
eingetragen sind, umfaßt einen Meßbereich von 
0,2—3,5 Volte, während die unempfindlichere Type 
einen Meßbereich von etwa 1—12 Volt umfaßt. Die 


k 


ung 
u far 


vuu 


Wa fin2anıs 


Bild 2. , 
Spiegelskala des Netzanschluß-Röhrenvoltmcters. 


Spiegelskala mit der Eichung für die zweite Type 
gibt Bild 2 wieder. 

Die genaue Eichung setzt voraus, daß das Instru- 
ment seine charakteristischen Daten auch bei längerenı 
Betrieb nicht ändert. Durch Verwendung der 
Anodengleichrichtung mit relativ hohem Anoden- 
widerstande ist sowohl der Netzanschlußteil wie die 
Röhre des Voltmeters so unterbelastet, daß auch bei 


längerem Betriebe keine Aenderungen zu befürchten 
sind. 

Um den Betrieb aus dem Lichtnetz zu ermög- 
lichen, wurde eine Korrektion angebracht, die die be- 
treffenden auftretenden Spannungsschwankungen aus- 
zugleichen gestattet. Als Indikator für die Einstellung 
der Korrektionen wird das ohnehin erforderliche 
Gleichstrommessinstrument benutzt. Das Gleich- 
strominstrument ist so eingestellt, daß bei ausgeschal- 
tetem Instrument der Zeiger außerhalb des Sicht- 
bereichs steht. Erst nach Einschaltung der Netz- 
spannung rückt der Zeiger in den Sichtbereich und 
stellt sich auf einen meist von dem Nullpunkt der 
Eichskala verschiedenen Wert ein. Sobald der Kor- 
rektionswiderstand (W in Bild 1) so eingestellt wird. 
daß der Zeiger über dem Nullpunkt der Eichskala 
steht, sind die Netzspannung und mit ihr alle am 


A 


Bild 3. 
Netzanschluß-Röhrenvoltmeter mit direkter Eichung, 


öhrenvoltmeter bestehenden Spannungen so korri- 
siert, daß die genaue Eichung der Skala gilt und die 
Messung beginnen kann. Infolge der erwähnten 
Unterbelastung aller Teile des Röhrenvoltmeters kam 
auch bei falscher Bedienung des Korrektionssrifies 
keine Schädigung des Instrumentes eintreten. Das be- 
schriebene Nadir- Netzanschluß - Röhrenvoltmeier 
zeigt die Photographie Bild 3. Das Arbeiten mit dem 
Röhrenvoltmeter, das wohl bereits als ein technisches 
Instrument angesehen werden darf, gestaltet sich so 
angenehm, daß es zweckmäßig erscheint, es nicht nur 
für die Messung von Hoch- und Niederireauenz- 
wechselspannungen zu benutzen, sondern auch die 
Strommessungen mit Ihermoelement und Galvano- 
meter in Spannungsmessungen überzuführen. 


Merten O | 


ee | ui V, A E © EEE. «Ei 


Patentschai. 2 147 


Patentschau. 
Von Carl Lübben. 


Hochfrequenzmaschine. 


D.R.P. 477831 u. 478789, Klasse 21a’, Gruppe 5 
Lorenz), Pat. vom 29. Oktober 1926 bzw. 12. De- 
zember 1926, ausgegeben am 14. Juni 1929 und 
I. Juli 1929. 


Bei Verwendung von Hochfrequenzmaschinen in 
Verbindung mit Frequenztransformatoren zur Er- 
zeugung kleinerer Wellen treten störende Trillertöne 
auf, die durch relative Schwankungen vom Rotor zum 
Stator und Vibrieren des Gehäuses verursacht wer- 
den. Erfindungsgemäß sollen diese Störungen da- 
durch beseitigt werden, daß die Vibration des Ge- 
häuses um die Rotationsachse auf ein Mindestmaß 
reduziert wird. Dies soll z. B. dadurch erreicht wer- 
“den, daß die Maschine auf das sorgfältigste ausbalan- 
ziert wird, indem Dämpfungsmassen (Quecksilber) 
am Gehäuse angebracht werden oder mit dem Ge- 
häuse rotierende Einrichtungen verbunden sind, die 
ähnlich wie bei der Schlick’schen Ausbalanzie- 
rung von Schiffsmaschinen die Erschütterungen des 
Gehäuses unterdrücken sollen. Im Zusatzpatent 
478789 wird vorgeschlagen, den Rotor der Hoch- 
Sn außerhalb des Gehäuses zu lagern. 


Piezo-Einrichtung. 


D.R.P. 480 110, Klasse 2la', Gruppe 8 (Eberhard, 
|Radiofrequenz), Patent vom 3. September 1926, aus- 
„gegeben am 29. Juli 1929, | 


Bild 1—7. 


| Die Erfindung betrifft Vorrichtungen zur Sichtbar- 
© machung der Schwingungen eines Piezokristalles mit- 
tels gaszefüllter Röhren, die in der Nähe des Piezo- 
© kristalles angeordnet sein sollen. Die Bilder 1—7 zei- 
ogen verschiedene Ausführungsformen. Bei der in 
Bild 1 dargestellten Anordnung ist die gasgefüllte 
Röhre R zwischen Piezokristall ? und ciner Elek- 
trode 2 angeordnet. In Bild 2 ist die Elektrode 2 im 
Innern einer Einbuchtung der Röhre R untergebracht. 
In Bild 3 befindet sich die eine Elektrode 2 im Innern 
der Röhre. Bei Bild 4 ist die Röhre mit Hilfselek- 
troden 3, 4 versehen, die mit den Elektroden 1, 2 des 


Piezokristalles verbunden sind. In Bild 5 bildet die 
eine Hilfselektrode 3 im Innern der Röhre zugleich 
die zweite Elektrode des Piezokristalles. In Bild 6 
sind die Hilfselektroden 3, 4 außen auf der Glaswand 
der Röhre angeordnet. In Bild 7 sind noch weitere 
Steuerelektroden H im Innern der Röhre angeordnet. 
Bei allen diesen Anordnungen soll die Röhre durch 
die piezoelektrischen Schwingungen zum Aufleuchten 
gebracht werden. 


Fadingbeseitigung. 
D.R.P. 480853, Klasse 21a’, Gruppe 46 (Tele- 
funken), Patent vom 7. September 1926, ausgegeben 
am 8. August 1829, 


2 


In--(Jı 


E, 


Ig 
m ior 


Ez 


Bild S. 


Zur Fadingbeseitigung am Empfangsort mittels 
einer Horizontal- und einer Vertikalantenne wird 
vorgeschlagen, die Anordnung so zu treffen, daß die 
Schwingungen jeder Antenne zunächst gleichgerichtet 
und die niederfrequenten Schwingungen einem ge- 
meinsamen Empfänger zugeführt werden. Eine solche 
Anordnung zeigt Bild 8. Die beiden Antennen 1 und 
2 sind mit je einem Empfänger E, und E, gekoppelt, 
deren Anodenkreise mit dem gemeinsamen Empfänger 
gekoppelt sind. 


Piezo-Modulation. 
Brit. Pat. 312444 (Grammaphone Comp. Ltd., 
Whiteler, Eccles. 29. März 1928), veröffentlicht am 
30. Mai 1929, 


Bild 9. 


Bei der in Bild 9 dargestellten Anordnung ist ein 
Piezokristall P zwischen die Pole eines Elektro- 
magneten M gelagert, dessen Erregerspule L mit dem 
niederfreuuenten Modulationsstrom gespeist wird. 
Der Piezokristall P lagert auf einer Isolierunterlage / 
und besitzt auf beiden Seiten durch Versilberung her- 
gestellte Elektroden E, denen die zu modulierende 
Hochfrequenz zugeführt wird. 


148 


Tasteinrichtung. 


D.R.P. 480 199, Klasse 21a, Gruppe 16 (Tele- 
funken), Pat. vom 3. Februar 1926, ausgegeben am 
29. Juli 1929, 


Zum Tasten von Hochfrequenzkreisen verwendet 
man Tastschalter, durch die eine Selbstinduktion im 
Hochfrequenzkreis ein- und ausgeschaltet wird. Diese 
Anordnung hat den Nachteil, daß der Tastschalter 
sehr hohe Ströme zu führen hat. Erfindungsgemäß soll 
ein besonderer Tastkreis mit der Selbstinduktion des 


Hochfrequenzkreises induktiv gekoppelt werden. 
T. 
£ Er 
——TIIIM —>— 
d 
Bild 10. 


Zweckmäßig sind im Tastkreis Abstimmittel L, C ein- 
geschaltet, wie dies Bild 10 zeigt. Bei geöffnetem 
Tastschalter T ist die Selbstinduktion d mit ihrem 
vollen Betrag wirksam. Schließt man den Tast- 
schalter T, so kann bei geeigneter Abstimmung er- 
reicht werden, daß die Klemmspannung der Drossel d 
ganz oder nahezu null ist, d. h. sie verhält sich so, als 
ob sie kurzgeschlossen ist. Die Tastströme werden 
auf diese Weise erheblich verringert. 


Röhrensender. 


D.R.P. 480 694, Klasse 21a*, Gruppe 16 (Tele- 
funken), Patent vom 27. März 1928, ausgegeben am 
7. August 1929, 


Beim Tasten fremdgesteuerter Röhrensender be- 
steht die Gefahr, daß beim Tasten einer Stufe die 
Anodenspannung für die anderen Stufen, insbesondere 
für den Steuersender nicht konstant bleibt, so daß 
Frequenzschwankungen auftreten. Dies wird dadurch 
verminden, daß Lastausgleichsröhren in den Tast- 
pausen eingeschaltet werden. Wenn es weniger auf 
die konstante Belastung der Anodenstromaquelle als 
auf die Konstanthaltung der Anodenspannung für die 
Vorstufen ankommt, genügt ein kleineres Lastaus- 
gleichsrohr, das parallel zur Vorstufe liegt, wie dies 
Bild 11 zeigt. Die Lastausgleichsröhre A liegt parallel 


Bild 11. 


zum Steuersender St und erhält ihre Gitterspannung 
über eine Gleichrichterröhre G aus dem Hochfrequenz- 
kreis N. Steuersender St und Lastausgleichsröhre A 
erhalten die Anodenspannung über einen Vorwider- 
stand W. Bei offner Taste T hören die Schwingungen 
im Kreis N auf, so daß die negative Vorspannung an 
der Lastausgleichsröhre A verschwindet. Durch die 
Röhre A und somit durch den Widerstand W fließt 


Patentschan. 


dann ein stärkerer Strom, der im Widerstand einen 
größeren Spannungsabfall verursacht, der so be- 
messen wird, daß er die höhere Spannung an der 
Anodenstromquelle ausgleicht. 


Lichtelektrische Tasteinrichtung für Schnelltelegraphie. 


D.R.P. 480 871, Klasse 2la’, Gruppe 14 (Marconi, 
Brit. Priorität vom 6. März 1925), Pat. vom 6. März 
1926, ausgegeben am 9. August 1929. 

Zur Erzielung großer Uebertragungszeschwindig- 
keiten für Schnelltelegraphie soll eine lichtelektrische 
Zelle und ein Signalband verwendet werden, das 
zwischen einer Lichtquelle und der lichtelektrischen 
Zelle vorbeiläuft.e Zur Belichtung der Zelle sollen 
hochfrequente Lichtimpulse verwendet werden, die 
durch Speisung der Lichtquelle mit Hochfrequenz 
oder durch hochfrequente Abblendung einer konstan- 
ten Lichtquelle erzeugt werden. 


Welleniilter. 
D.R.P. 478866, Klasse 21a*, Gruppe 22 (Wigge), 
Pat. vom 5. Juli 1927, ausgegeben am 2. Juli 1929, 


Gemäß der Erfindung soll zur Unterdrückung un- 
erwünschter Wellen ein zwei- oder mehrwelliges 
Schwingungssystem in die Strombahn eingeschaltet 
oder mit ihr gekoppelt werden. Bei der in Bild 13 
dargestellten Anordnung liegt z. B. ein Kreis K, im 


max min ma 
‚Bild 12. 


Antennenkreis, während ein zweiter Kreis K. mit dem 
ersten Kreises gekoppelt ist. Für die beiden Koppel- 
frequenzen f, und f (Bild 12) wird der Widerstand 
sehr groß, während zwischen beiden Maxima ein sehr 


Kı 


Bild 14. 


Bild 13. 


scharfes Minimum liegt. Bei der in Bild 14 wieder- 
gegebenen Anordnung ist ein zweiwellizes Schwin- 
gungssysteem K,, K, mit dem FEmpfangeskreis 


ge- 
koppelt. Die Kondensatoren der einzelnen Schwin- 
gungskreise des mehrwelligen Systems können auf 


einer Achse angeordnet sein. 


Kurzwellen-Sendeantenne. 
Brit. Pat. 311 449 (Franklin, 11. Februar 1928). ver- 
öffentlicht am 13. Mai 1929. 
Die Erfindung bezweckt eine Verbesserung der in 
Bild 15 dargestellten Antennenanordnung (Brit. Pat. 
242 342), bei der im Abstand von einer viertel 


; . s 
- n a 


Patentschau. 


~ Wellenlänge von der Antenne A ein Reflektor R an- 
- gebracht ist, der aus einzelnen Drähten besteht, die 
. eine halbe Wellenlänge lang und voneinander isoliert 


sind. Erfindungsgemäß sollen diese Drähte des Re- 
flektors aus Drahtkäfigen oder Drahtgittern bestehen, 


ı wie dies in den Bildern 16 und 17 dargestellt ist. Diese 


. Reflektoren haben bei 


A A 
A A | A A 
Bild 15. Bild 16. Bild 17. 


gleichem Strahlungswider- 


. stand eine geringere Selbstinduktion und einen ge- 
. ringeren Verlustwiderstand, so daß eine erheblich 
. schärfere Richtcharakteristik zu erzielen ist. 


Sendeantennensystem. 


D.R.P. 480 220, Klasse 21a*, Gruppe 66 (Radio 
Corp., amer. Priorität vom 2. Juni 1927), Pat. vom 
1. April 1928, ausgegeben am 6. August 1829. 


Die Erfindung betrifft eine Einrichtung zur Ver- 
hinderung unerwünschter Strahlung aus einer An- 
tennenzuführung. Bei der in Bild 18 dargestellten 
Anordnung, bei der die Hochfrequenzenergie dem 


Bild 18. 


© Antennensystem über die Leitungen 6 und 12 zuge- 


führt werden, hat sich gezeigt, daß die ersten Quer- 


 strahler 12 wegen der unrichtigen Phase des Energie- 


KEN 


flusses die Richtcharakteristik des Antennensystems 
verbreitert. Diese unerwünschte Strahlung von 
Speiseleitungen soll erfindungsgemäß dadurch be- 
seitigt werden, daß sie abgeschirmt wird. Bei Bild 18 
sind die Leistungen 12 zu diesem Zweck von einem 
konzentrischen Rohr 14 umgeben, das ungefähr eine 
halbe Wellenlänge lang ist. Anstatt des Rohres 
können auch mehrere parallele Leiter verwendet 
werden. 


Richtantennensystem. 
D.R.P. 480 201, Klasse 21a‘, Gruppe 46 (Hahne- 


z mann), Pat. vom, 30. Oktober 1924, ausgegeben am 
-~ 30. Juli 1929 (Zusatz zum Pat. 474 123). 


- fläche 


-< des 
¿< strahles zurückgewọprfen wird. 


Die Erfindung betrifft ein Richtantennensystem, 
bei dem eine einseitige Richtwirkung dadurch er- 
zielt werden soll, daß parallel zur Antennen- 
eine Spiegelfläche angeordnet wird, so 
jeder spiegelbildliche Strahl in die Richtung 
zugehörigen jeweils beabsichtigten Richt- 
Bild 19 zeigt eine 


daß 


149 


derartige Anordnung, bei der parallel zur Antennen- 
fläche 1, 2, 3, 4, 5 ein Schirm S angeordnet ist, der 
aus zweckmäßig geerdeten Leiterreihen 6, 7, 8, 9, 10 
besteht. Die Tiefe der Spiegel soll mindestens eine 
halbe Wellenlänge betragen. Die einzelnen Drähte in 


1® 
2® eœ e œ 
JA e o ° 
„oe e œ 
O ® 


Bild 19. 
benachbarten Leiterreihen sind zweckmäßig gegen- 
einander versetzt. 


Peileinrichtung. 


D.R.P. 477614, Klasse 21a‘, Gruppe 48 (Tele- 
funken), Pat. vom 9. Februar 1928, ausgegeben am 
11. Juni 1929. 


Beim Peilen mit Drehrahmen stellt man diesen 
senkrecht zur Wellenrichtung ein und verwendet zur 
Aufhebung störender Rückstrahlung eine geeignete 
Hilfsantenne. Zur Bestimmung des Richtungssinnes 
verfährt man dann gewöhnlich so, daß der Peil- 
rahmen um 90° gedreht und mit der Hilfsantenne 
gleich- oder gegenphasig zusammengeschaltet wird. 


Bild 20. 


Erfindungsgemäß kann diese Drehung des Rahmens 
um 90° dadurch erspart werden, daß mit dem eigent- 
lichen Peilrahmen A (Bild 20) ein zweiter um 90° ver- 
setzter Rahmen B zusammengebaut ist, der zur Be- 
stimmung des Richtungssinnes mit der Hilfsantenne 
zusammengeschaltet wird. 


Störbefreiung. 


D.R.P. 474 974, Klasse 2la*, Gruppe 52 (Wiegel- 
mann), Pat. vom 9. April 1926, ausgegeben am 
12. Juli 1929. 


Zur Beseitigung der Störungen, die bei Hoch- 
frequenzübertragungen auftreten, ist vorgeschlagen 
worden, die Störschwingungen doppelt und die 
Zeichen einfach aufzunehmen und durch Gegenkopp- 
lung die Störschwingungen auszuscheiden. Zu diesem 
Zweck können z. B. von einer Sendestelle zwei 
Trägerwellen ausgestrahlt werden, von denen die 


150 Patentschau. 


eine moduliert, die andere nicht moduliert ist. Nach- 
teilig ist hierbei, daß die zweite unmodulierte Welle 
nicht nutzbringend ist. Erfindungsgemäß soll nun 
auch die zweite Welle ausgenutzt werden, indem 
beide Trägerwellen gegenphasig moduliert werden, so 
daß beim Empfang die Modulationsströme sich addie- 
ren, die Störwellen sich dagegen aufheben. Eine 


Bild 21. 


solche Anordnung zeigt Bild 21, bei der die Modu- 
lation der beiden Sender 1 und 2 durch ein Doppel- 
mikrophon M erfolgt, während auf der Empfangsseite 
ein Gegentakttelephon T verwendet wird. 


Gleichwellen-Hochfrequenztelephonie. 


D.R.P. 480 368, Klasse 21a, Gruppe 55 (Lorenz), 
Pat. vom 27, Januar 1928, ausgegeben am 2. August 
1929, 


Bei der Gleichwellentelephonie treten bekanntlich 
Interferenzstellen auf, in denen die Empfangslaut- 
stärke störend beeinflußt wird. Man versucht, diese 
Störungen dadurch zu beseitigen, daß man periodische 
Aenderungen der Phase einer oder mehrerer Gleich- 
wellensender vorgenommen hat. Es hat sich nun 
herausgestellt, daß eine weitere Störung durch Inter- 
ferenz der niederfrequenten Modulationen auftritt, die 
die Empfangsgüte beeinträchtigt. Diese kann z. B. 
dadurch hervorgerufen werden, daß die verschiede- 
nen Gleichwellensender mit dem Aufnalımeraum 


durch verschieden lange Modulationsleitungen ver- 
bunden sind, wie dies z. B. bei der in Bild 22 darge- 
stellten Anordnung der Fall sein würde, wenn der 
Aufnahmeraum C nahe bei einem Sender B und weit 
entfernt vom zweiten Sender A sich befindet. Er- 
findungsgemäß sollen diese Störungen dadurch be- 
seitiet werden, daß in die Niederfrequenz - Ueber- 
tragungsleitungen a, b künstliche Leitungen einge- 
schaltet werden, die so bemessen sind, daß die 
Phasenunterschiede wieder ausgeglichen werden. 


Leitungsgerichtete Hochfirequenzübertragung. 

D.R.P. 479365, Klasse 2l1a*, Gruppe 59 (Perego, 
Mailand), Pat. vom 24. April 1921, ausgegeben am 
16. Juli 1929.. 

Zur Aufnahme der Hochfrequenzschwingungen bei 
leitungsgerichteter Uebertragung verwendet man 
zwei für Störschwingungen differential geschaltete 
Schwingungskreise, die entweder induktiv mit dem 


Empfänger gekoppelt sind oder in Reihe galvanisch | 


so zusammengeschaltet sind, daß die Empfiangs- 
vorrichtung zwischen beiden in Brücke liegt. Diese 
Anordnung hat den Nachteil, daß der hohe Widerstand 
des Empfangsapparates in die beiden Stromkreise 
eingeht. Erfindungsgemäß soll dieser Nachteil dadurch 
behoben werden, daß die beiden Schwingungskreise 


=p u a 
on 

—— = a — m 
— — am 


L 


Bild 23. 


nicht nur die Kopplungsspulen L, und L, (Bild 23) ent- 
halten, sondern noch eine Spannungsresonanz- 
schaltung Ci, L,, bzw. C, L, enthalten. 


Anzeige und Messung von Oberwellen. 


D.R.P. 479 425, Klasse 21a‘, Gruppe 71 (Lorenz), 
Patent vom 1. April 1926, ausgegeben am 24. Juli 
1929, 


Zur Anzeige und Messung von Ober- oder Neben- 
wellen wird die in Bild 24 wiedergegebene Anordnung 
vorgeschlagen, bei der die Anordnung so getroffen ist, 
daß der Einfluß der Grundwelle auf den Wellen- 
messerkreis M durch eine Differentialschaltung völlig 


Bild 24. 


kompensiert wird. Der Differentialkreis besteht aus 
dem Abstimmittel L und C, einem Widerstand R und 
dem Differentialtransformator L, Z—K, Ka’ Wird 
L, C auf die Grundwelle sbrestinmi und R so ein- 
geregelt, daß; er dem Verlustwiderstand der Kombi- 
nation L, C entspricht, so heben sich für die Grund- 
welle die Ströme in K,, K, auf, da sie in Z,, L. völlig 
der Amplitude und Phase nach gleich sind. Für alle 
anderen Frequenzen resultiert aber ein Strom. der auf 
den Wellenmesserkreis M übertragen wird. 


Entgasung von Röhren. 


D.R.P. 479583, Klasse 21g, Gruppe 13 (Loewe), 
Pat. vom 8. Mai 1924, ausgegeben am 17. Juli 1929, 


Bei der Herstellung hoher Vakua in Hochemissions- 
röhren zerstäubt man in der Röhre Leichtmetalle, 
z. B. Magnesium, das die Restgase binden soll. Dabei 
tritt der Nachteil auf, daß Leichtmetall bereits bei 
Temperaturen verdampft, bei welchen die Metallteile 
der Röhre noch nicht derart stark glühen, daß sie ihre 


-e nn ——— 
‚ un nn in Bin 


x Patentschau. 


Jase völlig abgeben. Erfindungsgemäß sollen nun 
‘_eichtmetallegierungen in der Röhre zerstäubt wer- 
den, deren Verdampfungspunkt im Vakuum höher als 
‘300 Grad liegt. Als geeignete Legierung kommt z. B. 
“sine l0prozentige Calcium-Magnesium-Legierung mit 
->inem Zusatz von 10 Prozent Aluminium in Frage. 


_ Bildfernübertragung. 


- D.R.P. 477 443, Klasse 21a', Gruppe 32 (Bartholo- 

mew. Mc.Farlane — Brit. Prior. vom 16. Oktober 
1922), Pat. vom 24. Dezember 1922, ausgegeben am 
ll. Juni 1929. 


1 Bei den gebräuchlichen Verfahren zur Bildüber- 
-tragung wird für jeden abgetasteten Bildpunkt ein 
besonderes Zeichen übermittelt, dessen besondere Art 
die Tönung angibt. Erfindungsgemäß soll die zur 
Uebermittlung erforderliche Zeit dadurch herabgesetzt 
werden, daß die Uebermittlung nach zwei Wörtern 
‚getrennt erfolgt, vo denen der eine die Tönung, der 
“andere die Zahl der Bildpunkte angibt, die mit gleicher 
"Tönung aufeinander folgen. 


Bildzerlegungs- und Bildzusammensetzungs- 
vorrichtung. 


© D.R.P. 479 173, Klasse 21a', Gruppe 32 (Westing- 
house, amer. Prior. vom 11. Mai 1927), Pat. vom 
11. Mai 1928, ausgegeben am 13. Juli 1929. 


© Die Erfindung betrifft eine Bildzerlegungs- bzw. 
“ Zusammensetzungsvorrichtung, bei der eine sehr hohe 
Zerlegungsgeschwindigkeit erzielt werden soll, ohne 
-daß für die Bewegung der einzelnen Teile unzulässig 
“hohe Geschwindigkeiten erforderlich sind. Erreicht 
wird dies erfindungsgemäß dadurch, daß in den Gang 
der Lichtstrahlen zwischen Bild und lichtempfindlicher 


Bild 25. 


Zelle zwei Prismen a, b (Bild 25) eingeschaltet wer- 
den, die mit verschiedener Geschwindigkeit um- 
„laufen. Der in der lichtempfindlichen Zelle zur Ab- 
bildung gelangende Bildpunkt durcheilt auf dem wirk- 
f lichen Bildgegenstand eine Spirale, und zwar wird die 
- ganze Spirale von der äußersten Windung bis zur 
„Mitte durchlaufen, die das eine Prisma braucht, um 
eine halbe Umdrehung hinter dem anderen Prisma 

| zurückzubleiben. Durch Regelung des Verhältnisses 
‚der Geschwindigkeiten der beiden Prismen hat man 
„es also in der Hand, jede beliebige Abtastgeschwindig- 
“. keit einzustellen. 


Bildzusammensetzung für Fernsehempfänger. 


© D.R.P. 478864, Klasse 21a!, Gruppe 32 (Tele- 
t funken), Pat. vom 1. Januar 1928, ausgegeben am 
1'29, Juni 1929, 


Ù Für Empfangszwecke bei der Bildübertragung sind 
t” die Kathodenstrahlen besonders geeignet, weil sie mit 
n einfachen elektrischen Mitteln leicht zu beeinflussen 
+ sind. Besonders für Fernsehempfänger hat man des- 
halb die Benutzung von Kathodenstrahlröhren, ins- 
ki 


) 


151 


besondere in der Form der Br a u n schen Röhre, vor- 
geschlagen. Dabei zeigt sich, daß die doppelte Be- 
einflussung desselben Kathodenstrahlbündels zur Bild- 
zusammensetzung und Helligkeitssteuerung ihren 
Zweck nicht erfüllen kann, da die Steuerung der Licht- 
intensität die Elektronengeschwindigkeit ändert, so 
daß die Ablenkung für die Abtastung nicht mehr ein- 
deutig bestimmt ist. Erfindungsgemäß soll dies da- 
durch vermieden werden, daß die Helligkeitssteuerung 
durch ein anderes trägheitslos arbeitendes Organ, z.B. 
durch eine Kerrzelle erfolgt. 


Bildübertragung. 


D.R.P. 480 365, Klasse 21a!, Gruppe 33 (Ritcheou- 
loff), Pat. vom 22. Februar 1927, ausgegeben am 
2. August 1929. | 


Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Bild- 
zerlegung bzw. Bildzusammensetzung, und zwar soll 
ein photoelektrisch empfindlicher Punkt oder kleine 
Fläche auf der Sendeseite in zwei aufeinander senk- 
rechten Richtungen vibrieren, während auf der 


Bild 26. 


Empfangsseite ein fluoreszierender oder leuchtender 
Punkt oder kleine Fläche synchron in zwei zueinander 
senkrechten Richtungen vibrieren soll. Bei der in 
Bild 26 dargestellten Ausführungsform sind zwei 
Federn a und b vorgesehen, die mit den Enden ver- 
bunden sind. Am Ende der Feder a befindet sich die 
lichtempfindliche Zelle P bzw. der leuchtende Punkt. 
Die beiden Federn werden durch getrennte Magnete 
in zueinander senkrechten Ebenen zum Schwingen 
gebracht. 


Uebertragung synchroner Bewegungen. 


D.R.P. 479599 (Lorenz), Klasse 2l1a!, Gruppe 32, 
Pat. vom 22. Mai 1927, ausgegeben am 17. Juli 1929. 


In vielen Fällen steht nur eine Synchronisierungs- 
energie von geringer Stärke zur Verfügung, die auf 
andere Einrichtungen synchron einwirken soll. Er- 
findungsgemäß soll nun eine Verstärkung der 
schwachen Synchronisierungsenergie dadurch erzielt 


Bild 27. 


werden, daß eine lichtelektrische Zelle, die in Ab- 
hängigkeit vom Bewegungsunterschied der gesteuer- 
ten und der steuernden Vorrichtung beeinflußt wird, 
die gesteuerte Vorrichtung in Synchronismus hält. 
Bei der in Bild 27 dargestellten Anordnung besteht die 


steuernde Vorrichtung aus einer Scheibe 1, die durch: 
ein Uhrwerk 2 oder dgl. angetrieben wird und die an 
ihrer Peripherie periodisch aufeinanderfolgende durch- 
sichtige und undurchsichtige Streifen besitzt, durch 
welche die Lichtstrahlen einer Lichtquelle 3 zu einer 
lichtelektrischen Zelle P gelangen. In den Gang der 
Lichtstrahlen ist eine zweite Scheibe mit Streifen 4 
eingeschaltet, die vom Motor M angetrieben wird, der 


Die neuesten deutschen 


Klasse 
Nr. und |Ausgabe- Inhalt 
Gruppe tag 
*474974| 21a4/52 | 12.7.29 | Übertragungssystem 
477377| 218/10 | 11.6.29 | Drehkondensator 
*477443| 2l1al/32 | 11.6.29 | Bildfernübertragung 
*477614| 21a4/48 | 11.6.29 | Richtungssinnbestimmung 
477632| 21g/10 | 11.6.29 | Blockkondensator 
477683| 21a4/72 | 12.6.29 | Antennenschalter 
477754| 21a4/22 | 14.6.29 | Störbefreiung 
*477831| 21a4/5 14.6. 29 | Hochfrequenzmaschine 
477848| 21a?/36 | 14.6.29 | Wellenanzeiger 
477889| 2121/58 | 15.6.29 | Befehlsübermittlung an Lokomo- 
tiven 
477911| 21g/4 15.6.29 | Johnsen-Rahbek-Relais 
477985| 21 g/31 | 28.6.29 | Wellenfilter 
478316| 21g/l 24.6.29 | Herstellung von Spulenkörpern 
478394| 2121/64 | 25.6.29 | Antennanlage 
478441| 218/13 4.7.29 | Röhre 
478458| 21c/72 | 26.6.29 | Röhre 
478575| 21 g/20 4.7.29 | Stromregelung für Röhren 
478644| 21a?/21 | 29.6.29 | Kopfhörer 
478645 | 21 a4/8 3.7.29 | Röhrensender 
478664| 21 a4/51 2.7.29 | Sende-Empfangsanlage 
478665| 2121/68 | 29.6. 29 | Spulenentkopplung 
478736| 21g/12 | 10.7.29 | Röhre mit Edelgasfüllung 
*178789| 21a4/5 1.7.29 | Hochfrequenzmaschine 
478808| 21g/10 2.7.29 | Blockkondensator 
*4178864| 21al/32 | 29.6.29 | Bildübertragung 
*478866| 214/22 2.7.29 | Wellenfilter 
478879| 21g/10 9.7.29 | Blockkondensator 
478880| 21 g/10 0. 7.29 | Drehkondensator 
478881 | 21 g/10 9.7.29 | Blockkondensator 
*479173| 21al/32 | 13.7.29 | Bildübertragung 
479234| 21a2/l 13. 7.29 | Lautsprechermembran 
479265| 21al/29 | 16.7.29 | Verstärker 
*479365| 21a4/59 | 16.7.29 | Leitungs- Hochfrequenztelegraphie 
479366| 21a4,77 | 16.7.29 | Befestigung von Ableitungswider- 
ständen 
479368| 218/10 | 16.7.29 | Blockkondensator 
479369| 21g/12 | 15.7.29 | Relaisröhre 
*479425| 21a4/71 | 24.7.29 | Anzeige u. Messung v. Oberwellen 
479513) 21g/10 | 17.7.29 | Einstellvorrichtung für Konden- 


satoren 


Referate. 


im synchronen Lauf gehalten werden soll. Die licht ch 


elektrische Zelle P beeinflußt über einen Verstärker 


eine Wirbelstrombremse B am Motor M. 
zustand muß eine gewisse Phasendifferenz der beide 
Scheiben 1 und 4 vorhanden sein. 


Im Ruhe 


Aendert sich de 


Synchronismus und damit die Phasendifferenz beide], 


Scheiben, so erfolgt eine entsprechende Beeinflussun; 


der Bremse B, die die synchrone Lage wiederherzı- 


stellen versucht. 


Hochfrequenz-Paten te. 


Nr. 


479580 
*479583 
*479599 

479688 

479740 

479769 

479786 

479924 

479959 

479960 
*480110 

480112 
*480 199 

480200 


*480 201 
480 216 
480217 


480218 
480219 
*480220 
480221 
*480365 
480366 
*480 368 
480369 
480.376 


480476 
*480 694 
480699 
480818 
480821 
480 852 
*480853 
*480871 


Klasse 
und 
Gruppe 


21 a?/25 
21g/13 
21al/32 
21g/12 
21 g/10 
21a‘/l 


21a4/16 
21 a4/22 


21 24/46 
21 a°/30 
21 a4/29 


21 a$/48 
21 a41/66 
21 at/66 
21 a4/66 
21 a!/32 
21 a?/1 

21 a1/55 
21a4/71 
21g/3 


21 a1/29 
21a4/16 
21 g/10 
21a°/5 

21 a%/8 

21a1/46 
21 at/46 
21 a4/14 


480970| 21 g/10 


Die mit * bezeichneten Patente sind in diesem Heft aus- 


führlicher referiert. 


Referate. 


P. O. Pedersen. Drahtlose Echos mit 
langer Laufzeit. (Wireless echoes of long de- 
lay.) Det Kgl. Danske Videnskabernes Selskab. 
Mathematisk-fysiske Meddelelser IX, 5, S. 1—48, 1929, 

1. Zuerst wird die Absorption von elektromagne- 
tischen Wellen in einem homogen ionisierten Medium 
erörtert ohne Berücksichtigung des magnetischen Fel- 
des der Erde. 

Ein solches Medium besitzt für Wellen von der 


Kreisfrequenz & eine wirksame Dielektrizitäts- 
konstante > 
4 se 1 
= 1— N —— -~ (elstat. 
e=1—N el (elstat. C G S) 


Ausgabe- 


tag 


17.7.29 
17.7.29 
17.7.29 
20. 7.29 
25. 7.29 
27.7.29 
29. 7. 29 
27.7.29 
29.7.29 
25.7.29 
29. 7. 29 
31.7.29 
29.7.29 

1. 8. 29 


30. 7. 29 
31.7.29 
31.7.29 


39. 7.29 
29. 7.29 


N. 
(ep) 
oc 
O 
© 


SOOFRAINE PAMTI! 
DONODNDIDDINDND NNOYNNNN 
SSBSSESSE OOS OOO 


pa OC O0 O0 00:00:00 00" T0 D0 9 T NI 


10. 8. 29 


I n h a Ilt 


Lautsprecherschaltung 
Herstellung von Röhren 


Bildtelegraphie 

Gasentladungsröhre V 
Kondensator [st 
Wellenfilter R 
Regler für Hochfrequenzmaschiner] !' 
Wellenfilter d; 
Abstimmkondensator ri 
Spule Ni 
Piezoeinrichtung . 
Relais Fi 
Tasteinrichtung N 


Entkopplung von Schwingungs |v 
kreisen 
Richtantennensystem \ 
Spule \ 
Empfangseinrichtung mit Mehr-|'r 
fachröhren n 
Peilvorrichtung 4 
Empfangsantenne . 
Richtantennensystem $ 
Tragbares Empfangsgerät \ 
Bildübertragung ii 
Lautsprecher 

Gleichwellensender 
Meßeinrichtung | 
Erzeugung periodischer Be- 

wegungen u 
Empfangsschaltung | 
Röhrensender 
Kondensator 
Mikrophon k 
Röhrensender L 
Mehrfach-Antennensystem 
Fading-Beseitigung 
Schnelltelegraphie 
Kondensator 


und ein wirksames Leitvermögen 


0 == 


Ane? ; 
u. o p (el. mg. CG S), fr 


worin N die Anzahl der Elektronen im cm?, e und 
Ladung bzw. Maße derselben und y die Zahl der Zu- 


l 


sammenstöße der Elektronen in der Sekunde isi. 
Unter der Voraussetzung, daß y< w ist, wird p = 0i 
N=N, = 3,14- 10. w*. 


Die Phasengeschwindigkä , 


C oe mi i 
v= (c = Geschwindigkeit im Vacuum, n = Bre- : 


Referate, 


153 


[2 


. hungsexponent des Mediums) ergibt sich aus 


E? o\?, £ 
n = oe 22 Ba 
y Vree 


“nd daraus folgt die Gruppengeschwindigkeit (vgr) 


A 


zes nn 
nt o 2 


Außerdem gilt für den Absorptionskoeffizienten 


Vgr — 


2 mil; 
TIT wobei in üblicher Weise e ”°* das Verhält- 


= 


is der Amplitude am Ende des Weges x zu der- 
-nigen am Anfang desselben ist. 


Bei der folgenden Diskussion kommt es nun dem 


:/erfasser darauf an festzustellen, wie groß die Ab- 


orption ist unter den Bedingungen, unter denen die 


.iruppengeschwindigkeit sehr klein wird. Der Gedanke 


„abei ist zu prüfen, ob die Auffassung (vgl. das Refe- 


vzat van der Pol, ds. Jahrb. 33, 189, 1929) richtig 


ein kann, daß die Echos mit langer Laufzeit durch die 


‘ortpflanzung der Wellen in einer Atmosphären- 
‚, chicht mit sehr kleiner Gruppengeschwindigkeit her- 


--orgerufen werden. 


Das Resultat ist: „Auch wenn 


nan die Absorption nicht berücksichtigt, die die 


“Nellen infolge der Zusammenstöße zwischen Elek- 


„ronen 


und neutralen Luftmolekeln erleiden, so 


 nüssen die Wellen doch schon infolge der Zusammen- 
‚ töße zwischen Elektronen und den notwendigerweise 
orhandenen Ionen*) so stark absorbiert werden, daß 
“lie beobachteten Echos mit langer Laufzeit unmög- 
“ich einen erheblichen Teil dieser Zeit in einer Elek- 
‘ ronen-Ionen-Atmosphäre mit sehr geringer Gruppen- 
seschwindigkeit zugebracht haben können.“ 


Á 


2. Die zweite Frage, die untersucht wurde, ist die, 


>b vielleicht solche Echos dadurch zustande kommen 
„tönnen, daß sich die Wellen längs der Grenzfläche 
zwischen einer stark ionisierten und einer nicht ioni- 


sierten Schicht der Atmosphäre ausgebreitet haben. 
Zine solche Art der Ausbreitung ist durchaus mög- 


„ich, ohne daß die Absorption allzu große Werte an- 
„zunehmen braucht (vgl. unten). Wenn man aber unter 


»ler stark 


ionisierten Schicht die Heaviside- 
Schicht versteht, so ergeben sich daraus Folgerungen, 


‚lie mit den bisherigen Beobachtungen nicht in Ein- 


slang zu bringen sind. 

3. Weiter wird die Möglichkeit besprochen, daß 
lie Wellen in einer nicht ionisierten Atmosphären- 
schicht sich fortpflanzen, die unten durch die Erd- 


*) Im Zusammenhang dieses Abschnitts macht der Verfasser 
larauf aufmerksam, daß in einem Medium, das nur Elektronen 
:nthält, in dem also nur Zusammenstöße zwischen Elektronen 
nd Elektronen stattfinden können, elektromagnetische Wellen 
‚reine Verluste erleiden. Es besteht also für die Ausbreitung 


"von Wellen ein wesentlicher Unterschied, ob die zusammen- 
itoßenden Träger gleiche Masse und Ladung oder ob sie ver- 


schiedene Masse oder verschiedene Ladung oder beides haben, 
wie es beim Zusammenstoß zwischen Elektronen und lonen im 


“allgemeinen der Fall ist. 


Ferner wird gezeigt, daß Elektronenbänke, d. h. Atmosphären- 


"schichten, in denen nur Elektronen in großer Zahl, z.B. N, = 105/cm3 
* vorhanden sind, infolge der abstoßenden Kräfte zwischen den Elek- 


>: Tonen nur ganz kurze Zeit existieren könnten. 


Die Anwesen- 


„elt von positiven Ionen in solchen „Bänken“ ist also unbedingt 
notwendig. 


oberfläche, oben durch eine stark ionisierte Schicht 
begrenzt ist. Es war die Auffassung ausgesprochen 
worden, daß die Echos mit langer Laufzeit einfach 
darauf zurückzuführen sind, daß die Wellen in dieser 
oben und unten leitend begrenzten Kugelschale viele 
Male um die Erde herumlaufen, ehe sie als Echos 
aufgenommen werden. 


Der Verfasser weist nach, daß die Wahrscheinlich- 
keit sehr gering ist, daß man auf diese Weise Echos 
mit langer Laufzeit bekommt. Man darf außerdem 
nicht vergessen, daß eine Laufzeit von 10 sec eine 
75malige Umkreisung der Erde durch die Wellen er- 
fordern würde, ohne daß sie dabei einen sehr großen 
Teil ihrer Intensität verlieren dürften. Ä 


4.C.Störmer hatte (Nature 122, 681, 1928, C. R. 
187, 811, 1928) die Vermutung ausgesprochen, daß die 
Echos mit langer Laufzeit z. B. in der Weise zu 
erklären sind, wie es in Bild 1 für zwei Fälle 
schematisch gezeichnet ist. In diesem Bilde bedeutet 


Z 


Bild 1. 


E die Erde, S die Richtung der Sonne, die ausge- 
zogene Kurve die Grenze des Raums, in den die von 
der Sonne kommenden Corpuscular-Strahlen infolge 
der Wirkung des magnetischen Erdfelds nicht ein- 
dringen können!). Der von der Kurve umschlossene 
Raum ist also innen (abgesehen von der Erdatmo- 
sphäre) als trägerfrei, außerhalb aber ałs stark elek- 
tronen- bzw. ionenhaltig anzusehen. In diesem Fall 
können Echos mit langer Laufzeit dadurch zustande- 
kommen — wie es beim Strahl 1 zutrifft —, daß die 
von der Erde kommenden Wellen an der Grenze des 
trägerhaltigen Raums entlang wandern und dann erst 
nach der Zurücklegung dieses langen Wegs zur Erde 
zurückkehren. Die andere Möglichkeit ist die 
(Strahl 2), daß die von der Erde kommenden Wellen 
an der Grenze zwischen der ionisierten und nicht 
ionisierten Schicht wie an einer Art Hohlspiegel zur 
Erde zurückreflektiert werden. | 


Die Voraussetzung dieser Erklärung ist, daß die 
Senderwellen die ionisierten Schichten der Atmo- 
sphäre zu durchdringen vermögen. Es sind in dieser 
Beziehung drei Fälle möglich (vgl. Bild 2): 1. der 


1) Wie solche Begrenzungen von Korpuscularstrahlen aus der 
Sonne im magnetischen Feld der Erde zustande kommen, ist 
neuerdings von C. Störmer, Naturwissenschaften 17, S. 643 
bis 650, 1929, in einer sehr klaren Zusammenfassung seiner 
Polarlichttheorle ausgeführt worden. 


154 


— nn un M 


Strahl durchdringt die ionisierten Atmosphären- 
schichten bei jedem Abgangswinkel (= Winkel des 
Wellenstrahls gegen die Erdoberfläche) (A Bild 2), 
2. sie durchdringen die ionisierte Atmosphärenschicht 
von einem bestimmten Abgangswinkel an, während 
sie bei allen kleineren Abgangswinkeln zur Erde 
zurückgekrümmt werden (B Bild 2), 3. sie durch- 
dringen die ionisierte Atmosphärenschicht bei keinem 
Abgangswinkel, werden also stets zur Erde zurück- 
gekrümmt (C Bild 2). Wie die Verhältnisse in Ab- 
hängigkeit von der Wellenlänge um Mittag (D) und 


mm ee A N, 
76 70 
Bild 2. 


um Mitternacht (N) auf Grund der bisherigen Beob- 
achtungen im Mittel liegen, zeigt der untere Teil bei 
Bild 2. Bei Tag dringen Wellen mit der Wellenlänge 
à > 40 m, bei Nacht solche von über 70 m nicht durch 
die ionisierten Schichten hindurch; bei Wellen zwi- 
schen 8 und 40 m bei Tag und zwischen 16 und 70 m 


Bild 3. 


bei Nacht hängt es vom Abgangswinkel ab, ob sie 
durch die ionisierten Schichten hindurchkommen oder 
nicht. Zieht man noch in Betracht, wie groß der Teil 
der Energie ist, der tatsächlich durch die ionisierte 
Schicht hindurchkommt im Verhältnis zur gesamten, 
vom Sender ausgestrahlten Energie, so kommt man 
zu dem Ergebnis, daß für Wellenlängen in der Nähe 
von 30 m die Bedingungen besonders günstig sind. 
Nach der oben angegebenen Auffassung dürften also 
in diesem Wellenlängen-Gebiete besonders häufig 
Echos mit großer Laufzeit zu erwarten sein, eine 
Folgerung, die mit der Erfahrung gut übereinstimmt. 


Der Verfasser denkt dann noch an die andere 
Möglichkeit, daß Wellen an elektronenhaltigen Bän- 
dern weit außerhalb der Atmosphäre und weit außer- 
halb der Wirkung des magnetischen Erdfelds reflek- 
tiert werden, z. B. in der Weise, wie es in den 


Referäte. 


Bildern 3 und 4 gezeichnet ist. Bild 3 stellt den Fi | 
dar, daß zwei solche Bänder wie eine Art Flohlspiex ` 
wirken und Wellen zur Erde Æ zurückreflektier: 
Bild 4 denjenigen, in dem eine von der Erde kor, 
mende Welle an zwei von der Sonne ausgehend: 
Ionenbändern R, und R, in c und a reflektiert wir. 
wobei der Wellenstrahl zwischen a und b eine ge 
krümmte Bahn infolge der gegen die Sonne hin x- 
nehmenden lonendichte einschlägt. Dadurch können 

| 


S 


Echos zustande kommen mit außerordentlich großer 
Laufzeit, z. B. entsprechend einem Weg von 40.1 
Kilometer. Die notwendige Bedingung für solch 
Echos ist dieselbe, wie sie oben für die Echos an da 
Störmer-Bändern besprochen wurde. 

f J. Zenneck 


Fritz Maske. Beitrag zur Herstellung 
konstanter Schwingungsfreguenze 
eines Röhrengenerators. Phys. Ztschr. ð% 
S. 197—201, 1929. 


Der Zweck der Untersuchungen ist, die Frequen 
eines Röhrengenerators von den Änderungen dis 
Heizstromes der Röhre unabhängig zu machen. Durt 
eine geeignete Schaltung wird erreicht, daß selbst bei 
einer Heizstromänderung um zirka 10% die Frequen 
der Schwingungen bis auf 10” % konstant bleibt. 


Die Überlegungen, die zu diesem Resultat führen. 
sind folgende: Die Röhre R (Bild 1) wird gemäß der 
schematischen Darstellung als Kondensator RK aul- 
gefaßt, der durch den Anodenkondensator AK an den 
Schwingungskreis LC geschaltet ist. Die Rückkoprt- 
lung ist nicht eingezeichnet. Eine Änderung des Heiz- 
stromes bewirkt eine Aenderung der Röhrenkapazitt 
RK, welche die Gesamtkapazität des schwingenden 
Systems ändert. Diese setzt sich aus C, AK und RA 
zusammen. AK und RK sind hintereinander geschil- 
tet und liegen parallel zur Kapazität C M 
Schwingungskreis, Eine Änderung der Größe RA 
wird nun die Generatorfrequenz, die hauptsächlich 
durch LC bestimmt ist, wenig beeinflussen, wenn die 
Größe des Anodenkondensators hinreichend klein e- 
wählt wird. 

Wie Bild 2 zeigt, bestätigen die Ergebnisse d 
Messungen die vereinfachten Voraussetzungen. AN + 


—Z 


t 
€ 


hy 
Gi 


ee rn 


Abszisse ist in Bild 2 die Heizstromstärke der Röhre 


aufgetragen, als Ordinate die dadurch hervorgerufe- 


vaen Kapazitätsänderungen in Prozenten der Kapazi- 
ät C, als Parameter die Größe des Anodenkonden- 
sators AK. Je nach der Größe von AK wird die Fre- 


1 


“uenz der Schwingungen bei einer Heizstromänderung 


‘von 0,46 auf 0,50 Amp. mehr oder weniger stark be- 
“influßt; für den Wert AK = 90 cm ist der Frequenz- 
-Zinfluß fast Null geworden. 


E 
- 
No 


Die vielfach benutzte Schaltung, wie sie in dem 
Bild 3 dargestellt ist, ist demnach infolge der starken 


ad 


AK» 1160 cm 


1Skalenteñ =$-107 


Heizstromsfärke in Amp 


Bild 3. 


-Koppelung zwischen der Röhre und dem Schwingungs- 


„Kreis durch einen großen Blockkondensator ungünstig. 


Vielmehr ergibt sich die wichtige Forderung, die 


: Röhre durch eine entsprechend kleine AK = Kapa- 


- Hochfrequenzschwingungen 
„messungen wird kurz beschrieben: Das eine Platten- 
‚system eines Kondensators wird durch ein dünnes 
“Bändchen aus Hartgummi gehalten. 


ge 


‚Zität an den Schwingungskreis zu schalten. 


Fine neue Nutzanwendung der Überlagerung von 
für Wärmestrahlungs- 


Bei der Be- 


 strahlung des Bändchens ändert sich seine Länge und 


“bewirkt dadurch eine Kapazitätsänderung, 
 Schwebungston gemessen wird. Der Vorteil dieser 
 Meßmethode liegt in der großen Empfindlichkeit und 
“der schnellen Einstellung. 


RT 


En 


die als 


F. Maske. 


K. B. Eller. DieAenderungderFrequenz 


“von Röhrengeneratoren in Abhängig- 


„keit vom Heizstrom, 


von der Gitter- 


und Anodenspannung und dem äußeren 


“Widerstand. 


(On the variation of generated 


” frequency of a triode oscillator due to changes in 


“ filament current, 


N 
\. 


grid voltage, plate voltage, or 


'“ external resistance.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 1706 
` bis 1728, 1928. 


(Aus dem Forschungs-Laboratorium 


“ der Western Union Co., New York.) 


” hervor. 


Der Inhalt der Arbeit geht schon aus dem Titel 
Betrachtet werden zwei Fälle: der „Tuned- 


“ Grid-Oscillator“ mit Schwingungskreis in der Gitter- 
‚ leitung und der „Tuned-Plate-Oscillator“ mit Schwin- 


1 


: gungskreis in der Anodenleitung. 


Referate. 


155 


Die Untersuchung ist sowohl theoretisch als 
experimentell, das letztere mit UX—201—A Röhren 
und bei einer Frequenz von ungefähr 1000/sec, aus- 
geführt worden. Bei der theoretischen Untersuchung 
‚wird der Gitterstrom, der für die vorliegende Frage 
von großem Einfluß ist, berücksichtigt. Es werden 
aber alle Beziehungen zwischen den Strömen und 
Spannungen in der Röhre als linear angenommen. 
Die theoretisch abgeleiteten Ergebnisse sind dem 
Charakter nach in guter Uebereinstimmung mit den 
gemessenen. 

Am Schluß wird noch der Fall betrachtet, daß ein 
Gitterkondensator mit Ableitung verwendet wird. Der 
Verfasser zeigt, daß bei richtiger Wahl des Gitter- 
kondensators und seiner Ableitung sich besonders 
günstige Verhältnisse erzielen lassen derart, daß man 
hier tatsächlich die Frequenz erhält, die der Kapazität 
und der Selbstinduktion des Schwingungskreises ent- 
spricht, und daß diese Frequenz in weiten Grenzen 
von den Betriebsbedingungen unabhängig ist. Als 
Beispiel mögen folgende Zahlen dienen. Bei einem 
Generator mit Schwingungskreis in der Gitterleitung 
mit richtig gewähltem Kondensator und richtiger Ab- 
leitung war die Frequenzänderung 0,1% bei einer 
Aenderung der Anodenspannung um 60% und 0,08% 
bei einer Aenderung des Heizstroms um 30%. Bei 
einem Röhrengenerator mit Schwingungskreis in der 
Anodenleitung waren die entsprechenden Aende- 
rungen der Frequenz 0,087% bei 60%iger Aenderung 
der Anodenspannung und 0,027% bei einer 30 % igen 
Aenderung des Heizstroms. J. Zenneck. 


D. C. Prince. Charakteristiken von 
DoppelgitterröhrenundihrEinflußauf 
den Wirkungsgrad. (Four-element tube cha- 
racteristics as affecting efficiency.) Aus dem For- 
schungs-Laboratorium der General El. Co. Schenec- 
tady. Proc. Inst. Radio Eng. 16, S. 805—821, 1928. 


Der Ausgangspunkt der Arbeit ist die Tatsache, 
daß bei einer gewöhnlichen Eingitterröhre der Gitter- 
strom im Verhältnis zum Anodenstrom viel stärker 
ist, als man nach den geometrischen Dimensionen 
erwarten sollte. Der Grund ist nach Ansicht des 
Verfassers der, daß das Gitter bei stark positiven 
Spannungen die Sekundärelektronen von der Anode 
bekommt, außerdem mangelhafte Symmetrie im Bau 
der Elektroden. Er hat nun Röhren bauen lassen, 
bei denen zwischen dem Steuergitter und der Anode 
ein zweites (Schutz-)Gitter angebracht und auf einer 
ca. 50 Volt tieferen Spannung gehalten wurde als die 
Anode, bei denen außerdem die Elektroden mög- 
lichst symmetrisch angeordnet waren, d. h. die bei- 
den Gitter und die Anode zylinderförmig und genau 
koaxial mit der geradlinigen Glühkathode und die 
Gitterdrähte parallel dazu. 


Der Verfasser zeigt durch Vergleich seiner Mes- 
sungen mit der Theorie, daß bei einer solchen Röhre 
der Gitterstrom bis auf ganz geringe Abweichungen 
den Betrag hat, den man bei vollkommen symme- 
trischen Verhältnissen nach der Theorie erwartet. 
Er zeigt ferner, daß solche Röhren praktische Vor- 
teile haben, hauptsächlich, weil ihr innerer Wider- 
stand und infolge davon die Verluste viel kleiner 
sind als bei den gewöhnlichen Eingitter-Röhren. 

J. Zenneck. 


156 


E. B. Moullin. Ein Röhrenvoltmeter zur 
Messung der Spitzenspannung und des 
Mittelwertesvon Wechselspannungen 
beliebiger Kurvenform (A thermionic volt- 
meter for measuring the peak value and the mean- 
value of an alternating voltage of any wave-form). 
Journ. Inst. Electr. Eng. London, 66, S. 886-895, 1928. 


Die Spitzenspannung kann man mit einer Anord- 
nung nach Bild 1 feststellen. Hier liegt im Gitterkreis 
der Röhre ein hochohmiger Widerstand R (1—2 M Q) 
und parallel dazu ein großer Kondensator C. Der 
gleichgerichtete Gitterstrom fließt durch den Wider- 
stand R. Die Ladung des Kondensators nimmt einen 
mittleren Wert an. Ist die Zeitkonstante des R-C- 
Kreises groß gegen die Periodendauer des Wechsel- 
stroms, dann schwankt die Ladung des Kondensators 
C kaum. Die Kombination von R und C entspricht 
dann einer Gitterbatterie, deren Spannung gleich 


Bild 1. 


R.J, wo J der mit dem Galvanometer G gemessene 
Gitterstrom ist. Den Verlauf des Gitterstromes in Ab- 
hängigkeit von der Effektivspannung bei sinusförmi- 
gem Kurvenverlauf 90 Hz in einer Schaltung nach 
Bild 1 bei einem Gitterwiderstand von 1,65 M Q zeigt 


AA 


Glos sl 


700 200 300 
IV Sinusförm. Spannung. JOly.Veff. 
Bild 2. 


das Bild 2. Man erhält eine Gerade, welche nicht 
genau durch den Nullpunkt läuft, aber die Abwei- 
chung um 5 Volt ist bald zu vernachlässigen. Aus 
dem Eiffektivwert der Spannung läßt sich bei sinus- 
föürmigem Verlauf leicht der Spitzenwert berechnen. 


Tabelle 1. 
Spitzenspan. Mittl. Gitter- 

Effekti t | Gitterst a V- IR 
d. Spannung a ae RI e I. KAR: V 
Volt nA Volt Volt Volt | 9%, 
50 39 70,7 6,45 6 |83 
180 150 254 248 6 | 24 
200 166 282 274 9 |32 
240 200 339 330 9 | 26 
300 250 425 414 11 2,6 


Die Tabelle 1 zeigt die Zusammenhänge und die er- 
reichten Genauigkeiten. Diese sind etwa die gleichen 


Referate. 


für verschiedene Werte von R zwischen 0,2% bi 
3 Megohm. Das Galvanometer, mit dem man de l 
mittleren Gitterstrom mißt, kann man ohne weiteres 
direkt in Volt eichen, wobei die Teilung linear ver 
läuft. Für einen nicht sinusförmigen Spannungsver- 
lauf, sondern einen komplizierten, ähnlich den, Kurven 
A, B, C des Bildes 3 ist die Abweichung des ge- 
messenen Spitzenwertes von dem wahren berechnet. 


A 8 C 


Bild 3. 


Im Fall A würde z. B. 339 Volt statt 334,7 Volt, also | 
1,25% zu hoch gemessen werden, im Fall B 339 Volt 
statt 344,6 Volt, also 1,6% zu niedrig, während im | 
Fall C der wahre Wert = 336,4 Volt, also 0,75% zu 
hoch angezeigt würde. Der Fehler wird also auch be | 
ungewöhnlichen Kurvenformen den Spitzenwert In 
auf + 2% genau zeigen. 

Um den Mittelwert der Spannung zu messen, wird 
in der Schaltung nach Bild 1 der Kondensator C weg- 
gelassen. Legt man eine Gleichspannung an, dann 
erhält man für den Gitterstrom in Abhängigkeit von 
der Gitterspannung eine Gerade, die bis auf 0,5 Volt 
Abweichung durch den Mittelpunkt geht. Bei sinus- | 
förmigem Spannungsverlauf erhält man auch eine 
lineare Abhängigkeit des mittleren Gitterstromes von 
dem Effektivwert der Spannung. Mit steigender Fre- 
quenz macht sich die Gitter-Kathoden-Kapazität be- 
merkbar und ändert die Meßwerte. Die Anordnung 
ist also nur für Nieder- und Tonfrequenz genau. Die 
zu erzielenden Genauigkeiten bei nicht sinusförmigem 
Spannungsverlauf sind aus Tabelle 2 zu ersehen. Die 
Kurvenform bezieht sich auf das Bild 3. 


m 


Tabelle 2. | 
ven. | Mitteiwere | Dit. | Erlektnwen | DIE: | Ale on. | 
form | beob, | ber. | (0 | beob. | ber. | beob. ber. 
A |1,263| 132 —47 | 1,615| 1,57 125[205 | 208 |-15 ` 
B |1,09 | 116 |-6 |1,80 | 1,85 —2,8 1,96 2,15 |-9) 
C |108 | 1,085—0,5 | 1,60 | 1,59 10,6 | 1,717 1.72 |—0. 
D |1,075| 1,08 |—0,5 |1,325| 1,29 |--2,0 1,423 140 |44 
E |1,092| 1,1 |—0,8 | 1475| 1,48 0,31 1.613 1,63 |—11 


Bild 4. 
Das Meßgerät ist z. B. gut anzuwenden, um Ver- 


zerrungen eines Verstärkers für Tonfrequenz fest- 

zustellen. Hier können Oberschwingungen auftreten, 
welche die Spitzenwerte der positiven und negativen 
Halbwelle ungleich machen. Diese Unterschiede kann 
man leicht feststellen, während man sie mit elektro- 
statischen Instrumenten kaum faßt. In Verbindung 
mit einem elektrostatischen Instrument kann man den a 


Referate. 


"Effektivwert, den Mittelwert und die beiden Spitzen- 
"spannungen messen. Man erhält so ohne Oszillograph 


Nam 


-einen Überblick über die Kurvenform und etwaige 
"Verzerrungen. Mit einer Schaltung nach Bild 4 kann 
~man leicht die Spitzen- und Mittelwerte bestimmen. 
-Bei einer 4 Volt-Röhre setzt man vorteilhaft die 


„Spannung am Faden durch einen Vorschaltwiderstand 
auf 3,5 Volt herab. Die Heizung des Fadens ist auf 


die Voltmeterablesung. ohne wesentlichen Einfluß. 
Der Gitterwiderstand bewirkt bei Änderungen pro- 
portionale Änderungen der Voltmeterablesung. Es 
ist also hier auf einen möglichst konstanten und tem- 


"peraturunabhängigen Widerstand großer Wert zu 


wert 


legen. Auf das Verhältnis von Spitzen- zum Mittel- 
ist aber sein absoluter Wert und dessen 


"Änderung ohne Einfluß. Man kann die Teilung der 
~ Skala so wählen, daß bei sinusförmigem Spannungs- 
© verlauf der Zeiger für Spitzen- und Mittelwert still 
.. stehen bleibt und nur bei nicht sinusförmigem Verlauf 


seine Stellung ändert. 


schaltung 
 Wechselströme. 
- measuring small alternating currents.) 


E. Lübcke. 
E.- R. Martin. Eine Elektronenröhren- 
zur Messung schwacher 
(A vacuum-tube circuit for 
Journ. Opt. 


Soc. Amer. 18, 58—61, 1929. 


Apparate zur Messung von Wechselströmen, die 


¿ für Thermogalvanometer nicht mehr genügend Stärke 
- besitzen, sind oft sehr kostspielig, nur für einen be- 
-> grenzten Frequenzbereich brauchbar und nicht immer 
+ von der gewünschten Empfindlichkeit. Diese Schwie- 
„. rigkeiten soll die im folgenden beschriebene Anord- 
“nung überwinden. 


Vier Elektronenröhren der Type UX 201-A sind 


nach Bild 1 zu einem Meßkreis so zusammengeschaltet, 


| 


g 


>, 


+— X 
V r$ Z, 
u 
A < 
Z, 
w 
Bild 1. Bild 2. 


daß für jede Stromrichtung im äußeren Kreis der 
Strom im Galvanometer G in gleicher Richtung fließt. 
Die Batterie E dient zur Kompensation des infolge 
der Fadenheizung durch das Galvanometer fließenden 
Nullstromes bei fehlender äußerer Wechselspannung. 
Die Röhren 3 und 4 können von einer gemeinsamen 
Heizbatterie gespeist werden, die Röhren 1 und 2 
brauchen getrennte Batterien. Die Gitter der Röhren 
sind mit ihren Kathoden verbunden. Mittels dieser 


: Anordnung können Wechselströme von einer Stärke 
< noch gemessen werden, für die die Empfindlichkeit 
“ des eingeschalteten Galvanometers gerade ausreicht. 
‘ Solange die Frequenz der Wechselströme einige 
= Tausend Hz nicht übersteigt, sind Korrektionen an 
, den beobachteten Werten nicht nötig. 
' Frequenzen ist die Apparatur infolge der Röhren- 


Für höhere 


157 


kapazitäten kein vollkommener Gleichrichter; die be- 
achteten Werte müssen dann korrigiert werden. 

In Bild 2 sind zum Verständnis der Frequenz- 
abhängigkeit die Stromkreise schematisch wieder- 
gegeben. u, v, w, x, yY, z sind die Ströme; 
Z =r] 0+ o er), Z=1/w0C, R und r sind 
Widerstände. Die Abhängigkeit des Wechsel- 
stromes u und des gleichgerichteten Stromes v ist 


nach den Kirchhoffschen Gesetzen bestimmt 
durch: —2RtZtZ ,, 
= gsh 


Diese Beziehung wurde mittels des in den äußeren 
Kreis eingeschalteten Duddell- Thermogalvano- 
meter D nachgeprüft. Dieses Galvanometer ist zuvor 
für den gesamten Frequenzbereich geeicht worden. 
Die Vergleichung der Angaben des Drehspulzalvano- 
meters @ und des Duddellgalvanometers D er- 
folgte im Frequenzgebiet von 60 bis zu 3000 000 Hz. 
Die Größen r und C waren experimentell zu 1209 Q 
bzw. 7,97 uuF für die Röhrentype UX 201-A be- 
stimmt worden. Die Vergleichung ergab völlige Über- 
einstimmung der G- und der D-Werte bis zu Frequen- 
zen von 10% Hz, bei 10° und 10° Hz weichen die G- 
Werte um einen konstanten Betrag von den D-Wer- 
ten ab, der aber nur wenige Prozent beträgt. Eine 


Kurve. die für den Strombereich von 1.107 bis 8.1077 


Amp. und die Frequenzen 60, 10°, 10%, 10°, 10° Hz auf- 
genommen ist, läßt dies erkennen. Die untere Grenze 
von etwa 1-10" Amp. war durch die mangelnde 
Empfindlichkeit des Duddellgalvanometers be- 
dingt, der Verf. verwandte die Apparatur jedoch zur 
Messung von Strömen bis herab zu 10"? Amp. 

A. Scheibe. 


Ch. G. Suits. Das selbstgleichrichtende 
Röhrenvoltmeter. Helv. Phys. Acta 2, S. 3 
bis 32, 1929. 


Das in vorliegender Arbeit beschriebene Röhren- 
voltmeter weist gegenüber den bisherigen Ausfüh- 
rungsformen eine Reihe von Vorzügen auf. Es arbeitet 
in bekannter Weise mit Anodengleichrichtung, doclı 
wird zur Speisung von Gitter, Heizung und Anode 


Galvanometer 


Bild 1. 


50-periodiger, über einen kleinen Transformator dem 
Lichtnetz entnommener Wechselstrom benutzt, wie 
es aus der in Bild 1 wiedergegebenen Schaltung her- 
vorgeht. Die Nullpunkteinstellung geschieht mittels 
eines einzigen, auf der Primärseite des Transfor- 
mators liegenden Regulierwiderstandes, woraus sich 
eine vorzügliche Konstanz und Reproduzierbarkeit 
der Einstellung ergibt. Die theoretischen und experi- 
mentellen Untersuchungen zeigen, daß bei Hochfre- 
quenz die Angaben des Instruments frequenzunab- 
hängig sind. Abweichungen ergeben sich erst bei 
Frequenzen unterhalb 500 Hz, indem Schwebungen 


158 


zwischen der Meßfrequenz und der in der Schaltung 
vorhandenen Speisefrequenz auftreten. Sind beide 
Frequenzen einander gleich, so ist der Anodengleich- 
strom eine Funktion des Phasenwinkes, und das Volt- 
meter läßt sich als Phasenmesser benutzen. Nach 
der Theorie soll die Empfindlichkeit des Wechsel- 
stromvoltmeters nur die Hälfte des entsprechenden 
Gleichstromvoltmeters betragen; praktisch wird sie 
jedoch durch Verwendung indirekt geheizter Röhren 
mit größerer Steilheit nahezu gleich. Während der 
wirksame Widerstand dem anderer Röhrenvoltmeter 
entspricht, liegt der Wellenformfehler unterhalb des 
bei Gleichstrominstrumenten auftretenden. Der durch 
Schwankungen der Netzspannung verursachte Fehler 
liegt unterhalb 0,5 Prozent. 


Seine Einfachheit läßt das Instrument für den 
praktischen Gebrauch vorzüglich geeignet erscheinen. 


H. E. Hollmann. 


G. Pession und G. Montefinale. Die draht- 
lose Zentralstationin Rom (San Paolo). 
(Radio telegraphic center at Rome (San Paolo.) Proc. 
Inst. Radio Eng. 16, 1404—1421, 1928. 


Nach einleitenden Bemerkungen über die An- 
ordnung der Station und ihrem bis vor kurzem ge- 
brauchten Poulsen -Sender beschreiben die Ver- 
fasser hauptsächlich den 34-m-Röhrensender. Er 
arbeitet mit wassergekühlten 25 kW Philips Z 82- 
Röhren, die eine Heizspannung von 16—17 Volt, einen 
Heizstrom von 17 Amp., eine Anodenspannung von 
ca. 12000 Volt und einen Emissionsstrom von nahezu 
S Amp. haben. Der Sender, der mit 20 kW betrieben 
wird, bietet im übrigen keine Besonderheiten. 

Außer diesem Kurzwellen - Sender 
Station noch einen Langwellen - Röhrensender von 
15 kW und mit 12 Marconi MT 6- Röhren. Dieser 
Sender arbeitet auf die große Antenne der Station 
und die Wellenlänge kann auf 4800 m (Strom am 
Fuß der Antenne 38 Amp.) oder auf 2250 m (Antennen- 
strom 18 m) eingestellt werden. Durch diesen Lang- 
wellen-Sender kann die Station mit jeder anderen 
europäischen Station und mit jedem Punkt im Mittel- 
meer verkehren. 


Auf der Station ist auch noch ein 32-m-Sender 
von 6 kW und ein 3-kW-Kurzwellen-Sender vor- 
handen für diejenigen Fälle, in denen die 34-m-Welle 
wegen der Erscheinung der toten Zone nicht gehört 
werden kann. 


Von den Versuchen, die in großer Zahl gemacht 
wurden, berichten die Verfasser u. a. folgendes. Als 
der Reihe nach mit den Wellenlängen 100, 80, 66, 50, 
40, 34 und 32 m gesandt wurde, zeigte sich klar, daß 
der Unterschied zwischen Tag- und Nachtreichweite 
um so ausgesprochener wurde, je größer die Wellen- 
länge war. Mit der Wellenlänge 100 und 80 m ist 
die Tagreichweite ungefähr 25 mal kleiner als die 
Nachtreichweite. Bei 50 m ist die Tagreichweite 
schon ziemlich groß. Bei 40 m macht sich die tote 
Zone bei Nacht bemerkbar. Die 32-m-Welle hatte 
eine viel bessere Tagreichweite als alle die 
anderen; bei Nacht ist die tote Zone auffallend stark 
ausgesprochen, sie geht ungefähr von 500—1500 km. 
Die allgemeine Erfahrung, daß der Einfluß der atmo- 
sphärischen Störungen mit Verminderung der Wellen- 


besitzt die 


Referate. 


bestätigt. 

Bezüglich des Empfängers betonen die Verfasst, 
daß von allen untersuchten Antennen die Beve.: 
raze-Antenne die besten Resultate gab, größer 
Zeichenstärke als die Vertikalantennen und geringer 
Beeinflussung durch die atmosphärischen Störungen 

J. Zenneck | 


länge sehr viel schwächer wird, hat sich auch i 


H. Diamond und E. Z. Stowell. Bemerkungen 
zur Theorie der Hochfrequenz-Trans; 
formatoren. (Note on radio-frequency trans 
former theory.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 1194 bis 
1202, 1928. 


Die Theorie der Verfasser unterscheidet sich von | 
der üblichen dadurch, daß sie die Kapazität zwischen | 
der Primär- und Sekundärspule des Transformator 
berücksichtigen, d. h. also ein Schema von der Form 


des nebenstehenden Bildes zugrunde legen. Die ab- 


geleiteten Ergebnisse werden mit denjenigen N 
Messungen an HF-Transformatoren verglichen un 

liefern eine viel bessere Uebereinstimmung als die | 
jenigen, die die gewöhnliche Theorie ergibt. De 
Hauptunterschied gegenüber dem Fall, in dem di 
Kapazität des Transformators keine Rolle spielt, i$ ’ 
der, daß der Wert des wechıselseitigen Induktion 
koeffizienten, der bei gegebener Frequenz einen mat 
malen Sekundärstrom oder eine maximale Sekundir- 
spannung liefert, erheblich anders werden kam. 
Ebenso ändert sich die Abhängigkeit der wirksame ' 
Impedanz der Primärspule von der Frequenz. Wi 
man schon dem Schema des obenstehenden Bilde- 
ansieht. J. Zenneck ` 


E. T. Cho. Die Bedingung für maxim: 
len Strom in einem Röhrengeneralt! 
(A study of the three-electrode vacuum tube oscil 
tor. — Conditions for maximum current.) Phil. Ms 
(7) 7, 1038—1049, 1929. 


Die Arbeit bezieht sich auf den Fall, dab & 
Schwingungskreis in der Gitterleitung liegt (tt 
grid oscillator). Geändert werden alle mögliche! 
Größen, z. B. Induktivität und Widerstand 6 
Schwingungskreises, Stärke der Rückkopplung, Hei 
spannung usw., und in jedem Fall wird die Kapazit 
des Schwingungskreises so eingestellt, daß der Nr 
ein Maximum wird. Man bekommt auf diese Wè 
eine Menge zusammengehöriger Werte, die der Be 
dingung maximalen Stroms genügen. Die Ergehn“ 
werden dann nach verschiedenen Gesichtspunkt 
(verschiedene Abszissen und Parameter) durcli N 
ven dargestellt. 

Der theoretische Schlußabschnitt vernachlis 
den Gitterstrom und setzt alle Röhrenbeziehungen: N 
linear voraus. J. Zenneck | 


P. Koehler. Die Konstruktion von Tran] 
formatoren für Niederfrequenz-\ 
stärker mit vorgegebener Charakt 


ristik. (The design of transformers for W) 


rcequency amplifiers with preassigned characteristics.) 
roc. Inst. Radio Eng. 16, 1742—1770, 1928. 

Die ausführliche Arbeit beschäftigt sich mit den 
3edingungen, denen Transformatoren für Nieder- 
. requenzverstärker, insbesondere als Kopplungs- 
 »lemente zwischen den einzelnen Stufen eines Mehr- 
“ach-Verstärkers zu genügen haben. Am Schluß 
wird noch eine Methode besprochen, um die Wirkung 
-des Gleichstroms in den Transformator-Windungen 
‚zu kompensieren, und ein Verfahren angegeben, um 
¿die kapazitive und induktive Reaktanz von Trans- 
::ormatoren zu messen. J. Zenneck. 


A. F. van Dyck und F. H. Engel. Die Prüfung 
ron Röhren. (Vacuum -tube produktion tests.) 
| Aus dem Prüfungslaboratorium der Radio Corporation 


Bücherbesprechungen. 


159 


of America.) Proc. Inst. Radio Eng. 16, 1532—1552, 
1928. 

In der Arbeit werden die Apparate und Einrich- 
tungen der Radio Corporation geschildert, die den 
Zweck haben, eine große Zahl von Röhren auf alle 
möglichen Eigenschaften zu prüfen und damit die 
Röhrenfabrikation dauernd zu überwachen. Zu diesen 
Prüfungen gehören z. B. die Bestimmung des Heiz- 
stroms bei gegebener Heizspannung, des Anoden- 
stroms, des Durchgriffs, des Emissionsstroms, des 
Isolationswiderstandes zwischen den Elektroden, des 
Vacuums in der Röhre, der Verstärkung unter Be- 
dingungen, wie sie denjenigen beim wirklichen Emp- 
fang möglichst ähnlich sind, und endlich die Messung 
der Lebensdauer von Stichproben der verschiedenen 
Röhrentypen. J.Zenneck. 


Eingegangene Bücher. 


(Ausführliche Besprechung einzelner Werke vorbehalten.) 


Radiotechnik VI. Die elektrischenWellen. 
Von Dr. F. Kiebitz, Professor der Universität 
Berlin, Dirigent der Abteilung Funkwesen des Reichs- 
‚ postzentralamtes. Sammlung Göschen, Bd. 1010, 
125 S. mit 28 Abb. Berlin und Leipzig 1929, Verlag 
Walter de Gruyter u. Co. In Leinen geb. 1,50 Mk. 
Fernmelderecht mit Rundiunkrecht. Von Dr. 
Eberhard Neugebauer, Ministerialrat. 3. Aufl. 
des „Funkrechts“. Stilkes Rechtsbibliothek Nr. 33. 
1016 S. Berlin 1929, Verlag von Georg Stilke. 
Gz. geb. 24 Mk. 

Grundebgrififte der Elektrotechnik. Von Dr.-Ing. 
F. Bergtold, Dozent an der Technischen Staats- 
lehranstalt München. 1. Bd. 153 S. mit 293 Abb., 


8°. Stuttgart 1929. Verlag von Ferdinand Enke. 
Geh. 7 Mk., geb. 8,50 Mk. 


Uebertragungstechnik. Von Rudolf Winz- 
heimer, Dipl.-Ing., Telegraphendirektor im Reichs- 
postzentralamt. VI u. 235 S. mit 207 Abb., 8°. 
München 1929, Verlag R. Oldenbourg. Brosch. 
10 Mk., geb. 12 Mk. 


Die Akkumulatoren, ihre Theorie, Herstellung, 
Behandlung und Verwendung. Von Prof. Dr. W. 
Bermbach. Vierte vermehrte und verbesserte 
Auflage. VI u. 214 S. mit 107 Textabb. Berlin 1929, 
Verlag von Julius Springer. Geh. 850 Mk., geb. 
9,75 Mk. 


Bücherbesprechungen. 


Handwörterbuch des elektrischen Fernmelde- 
meldewesens, herausgegeben von Dr.-Ing E. H. 
Ernst Feyerabend, Staatssekretär im Reichspost- 
 ministerium, Dr. rer. pol. Hugo Heidecker, Ober- 
. postrat im Reichspostministeriun, Professor Dr. phil. 
Franz Breisig, Abteilungsdirigent im Reichspost- 
. ministerium, August Kruckow, Präsident des 
Reichspostzentralamts. 1. Band: 830 Seiten, 1319 
Bilder, 2. Band: 903 Seiten, 1450 Bilder. Berlin 1929, 
Verlag von Julius Springer. Gebunden RM. 192. —. 


Dieses im besten Sinne groß angelegte Sammel- 
werk umfaßt das gesamte Fernmeldewesen und alle 
. möglichen benachbarten Gebiete: Allgemeine physi- 
.kalische Grundlagen, theoretische Flektrizitätslehre, 
 Telegraphen-, Fernsprech- und Funktechnik (ein- 
schließlich des Eisenbahn-Signalwesens und der Berg- 
. werks- und Schiffstelegraphie), Linien- und Leitungs- 
bau, Betrieb der Fernmeldeanlagen, Telegraphen- und 
Fernsprech-Ordnungen, Tarif-Grundsätze und Tarife, 
 Rechtswesen, Statistik, Organisation des Fernmelde- 
-wesens in den Ländern der Erde, zwischenstaatliche 
Beziehungen, geschichtliche Entwicklungen. Es han- 
delt sich also nicht nur um die technische und physi- 
 kalische Seite des Fernmeldewesens, sondern auch 
um rechts- und wirtschaftswissenschaftliche Fragen, 
die im Zusammenhang damit stehen. 

Wie schon aus dem Titel hervorgeht, hat das 
Handbuch den Charakter eines Wörterbuches. Die zu 
“den einzelnen Worten gehörigen Erklärungen und 


Artikel sind von Spezialisten abgefaßt. Sie sind Knapp, 
aber doch ausführlich genug, um ein Bild über die 
wesentlichen Fragen zu geben. Diese sind außer- 
ordentlich klar hervorgehoben; die Artikel sind in- 
folge davon eine vorzügliche erste Einführung in den 
behandelten Gegenstand. Nach dem Grundsatz, daß 
eine einfache Abbildung unter Umständen sehr viel 
mehr aussagt als eine lange Beschreibung, sind reich- 
lich Bilder beigegeben (vgl. die Zahlenangaben oben). 


Hinter jedem Gegenstand, der im Handwörterbuch 
aufgeführt ist, steht der entsprechende englische und 
französische Ausdruck, so daß das Buch auch als 
sprachliches Wörterbuch auf dem behandelten Ge- 
biete anzusehen ist. Der Gedanke liegt nahe, die in 
dem Buch enthaltenen englischen und französischen 
Ausdrücke in einem Anhang zusammenzustellen und 
bei jedem Wort auf die Seite, in der der Gegenstand 
behandelt und die deutsche Uebersetzung zu finden 
ist, hinzuweisen. Das Buch könnte dann als wert- 
volles technisches Wörterbuch beim Lesen englischer 
oder französischer Abhandlungen auf diesem Gebiete 
dienen. Vielleicht würde es sich lohnen, dies bei einer 
Neuauflage zur Ausführung zu bringen. 


Ich bin überzeugt, daß das Buch jedem, der mit 
irgendeiner Seite dieses Gebietes zu tun hat, sehr viel 
Arbeit abnehmen wird und hoffe, daß es in recht viele 
Instituts-Bibliotheken Eingang findet. 


J. Zenneck. 


Bücherbesprechungen. 


The Physical Principles of Wireless. Von J. A. 
Ratcliffe. Band 3 der Sammlung „Methuen 
Monograph on Physical Subjects“. 102 S. mit 37 Abb., 
8°, London 1929, Methuen & Co. Preis 2 s 6 d. 


Der Inhalt geht am besten aus folgenden Kapitel- 
Ueberschriften hervor: 1. Wechselstromkreise, 
2. Elektronenröhren, 3. Sender, 4. Empfänger, 5. draht- 
lose Telephonie, 6. Verstärker, 7. Verschiedenes 
(kurze Wellen und das vollständige elektromagne- 
tische Spektrum; Messung der Frequenz; Ausbreitung 
der Wellen in der drahtlosen Telegraphie; Funk- 
peilung). 

Das kleine Buch ist nicht etwa eine jener An- 
leitungen für Amateure, wie sie heute in Menge und 
in allen möglichen Gütegraden im Buchandel sind. 
Es ist eine ausgezeichnete konzentrierte Darstellung 
der wichtigsten physikalischen Grundlagen der draht- 
losen Telegraphie..e. Die mathematischen Voraus- 
setzungen sind etwa so, wie man sie von einem 
Experimentalphysiker oder Elektroingenieur ver- 
langt. Die Ausführungen sind knapp, aber immer 
klar, die Auswahl des Stoffes, wie sie gerade bei 
einem Buch von so geringem Umfange besondere 
Schwierigkeiten bietet, vorzüglich. 

Das Buch verdient auch in Deutschland eine weite 
Verbreitung. J. Zenneck. 


Die neuere Entwicklung der Hochfrequenz - Tele- 
phonie und -Telegraphie auf Leitungen. Von E. Ha- 
bann. Sammlung „Die Wissenschaft“, 167 Seiten, 
143 Abbildungen, Braunschweig 1929, Verlag von 
Vieweg & Sohn. Geh. RM. 17,50, geb. RM. 19,50. 


Was das Buch will, zeigt am besten der folgende 
Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis. 


1. Die Elemente des Hochfrequenzgeräts (Ver- 
stärker, Generatoren, Modulationseinrichtungen, Emp- 
fänger, 2. die Vierpol-Theorie und ihre Anwendung 
in der Hochfrequenz-Telephonie längs Leitungen (die 
Vierpol-Theorie, die einfache Fernleitung, Abstimm- 
mittel mit Einschluß von Kettenleitern, Koppelung, Ge- 
samtschaltung), 3. die Ausgleichs-Schaltungen, 4. der 
Mehrfach-Verkehr auf Postleitungen, praktische Aus- 
führung, 5. Zwischenverstärker, 6. die Hochfrequenz- 
Telephonie auf Hochspannungsleitungen, 7. zusammen- 
gesetzte Leitungen, 8. der interferenzfreie Mehrfach- 
Verkehr, 9. die Hochfrequenz-Telephonie und -Tele- 
graphie auf Kabeln. 

Ich habe das Buch mit großem Interesse durch- 
gesehen und möchte es allen denen, die sich für das 
Hochfrequenzgebiet interessieren, angelegentlichst 
empfehlen. Es enthält Anwendungsgebiete der Hoch- 
frequenzströme, über die man Zusammenfassendes 
sonst wenig findet. 

Der Verfasser setzt die Grundlagen der Wechsel- 
strom-Theorie voraus, ebenso auch die Grundlagen 
der Hochfrequenztechnik und die mathematischen 
Hilfsmittel, die auf diesen (Gebieten für die normalen 
linearen Aufgaben ausreichen. Die Darstellung ist 
durchaus klar und anschaulich. Zuerst wird meist die 
Theorie gegeben für den einfachsten oder auch den 
allgemeinen Fall, dann wird die Anwendung in den 
oft recht komplizierten Schaltungen durch schema- 
tische Schaltbilder oder die in der Praxis tatsächlich 
gebrauchten Schaltungen gezeigt und durch photo- 
graphische Abbildungen der Betriebsapparate illu- 
striert. 


Die Ausstattung des Buches ist gut. Daß man a ; 


den Pliotographien der Apparate-Schränke nicht viel 
sieht, ist nicht Schuld der Aufnahmen oder der 
Wiedergabe; man sieht bekanntlich an der Außen- 
seite der wirklichen Apparate-Schränke auch kaum 
etwas. 


Neuauflage den Preis des Buches herabzusetzen. 
J. Zenneck. 


Données Numériques de Radioelectricite. 
R. Mesny. Extrait du Vol. VI des Tables Annuelles 
de Constantes (1923-1924), VII u. 26 S. mit 38 Figuren 
im Text, 4°, Paris 1928, Gauthier-Villars & Cie. Geh. 
Frs. 15.—, geb. Frs. 30.—. 

Das Buch, dessen Verfasser einen sehr guten 
Namen in der drahtlosen Telegraphie besitzt, ist ein 
Auszug aus den Tables annuelles de constantes e 


a 
Š 


| 
| 


Hoffentlich ist es dem Verlag möglich, bei ie 


| 


Von 


données numériques, die auf Veranlassung des Con- 


seil international de recherche herausgegeben werden. 
Der Inhalt ist folgender: 


1. Elektronenröhren (Sende- und Empfangsröhren 
der General Electric Co., zerlegbare Gleichrichter und 
Eingitterröhre nach Holweck, Emission der Heiz- 
drähte usw.), 2. Charakteristiken von Detektorröhren 
mit Alkalidämpfen, 
Nickel bei hoher Frequenz, 4. Ausbreitung der Wellen 
(Absorptionskoeffizient, Feldmessungen, Vergleich 
mit der Formel von Austin - Cohen), 5. Stralilungs- 
messungen in verschiedenen Laboratorien, 6. Funk- 
peilung, 7. Verschiedenes (Wellen-Antenne, Wirkung 
parabolischer Spiegel, Richtung atmosphärischer 
Störungen, Vergleich der Frequenznormalien usw.) 
8. Tabellen für die Berechnung von Selbst- und 
wechselseitigen Induktionskoeffizienten. 


Es handelt sich bei dem ganzen um einen Auszug 
aus allen möglichen Arbeiten, die in den verschieden- 


3. Permeabilität von Eisen und | 


-- nn 


nn 


sten Zeitschriften zerstreut sind. Wie aus der Zu > 


sammenstellung hervorgelit, scheint der Stoff zien- 
lich willkürlich ausgewählt. Tatsächlich ist aber der 
Gedanke der, jährlich derartige Zusammenstellungen 
herauszugeben, die allgemein interessierende Formel, 
Tabellen, Diagramme und Zahlenangaben aus der 
Literatur des letzten Jahres enthalten sollen. 

J. Zenneck. 


Führer durch die Radiotechnik 1930. Der große 
deutsche Radiokatalog. 1200 Radioapparate und 
-Einzelteile einschließlich der Neuheiten der 6. Groben 
Deutschen Funkausstellung. 102 S. mit ca. 500 Abb. 
Berlin 1929, Verlag Anode G. m. b. H. Geh. 1,50 Mk. 


Dieser von Herrn Dr. F. Noack in Zusammel- 
arbeit mit den Herstellerfirmen angefertigte Katalog 
gibt einen umfassenden Ueberblick über die Erzeus- 
nisse der deutschen Rundfunkindustrie. Da nicht 
nur fertige Geräte, sondern vor allem sämtliche I 
Rundfunkempfänger in Betracht kommenden Einzel- 
teile in übersichtlicher Weise und mit Angabe ihrer 
wesentlichen Eigenschaften aufgeführt sind, so WI 
der Katalog für jedes plıysikalische Laboratorium 
ein willkommenes Hilfsmittel sein, das über käuflich 
Bauteile und ihre Bezugsquellen unterrichtet. Eine 
Beilage zum Katalog enthält ein Sachverzeichnis un 
die Preisliste. 


E. Maiz 


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Er EN ET Tr a a 

e < pis e, au ae 
Paer it, 3 ie A RE z ro 9 w $ Ar ss ER AR N 
| . ERTL "isr xi 


aara 1929 


Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie 
und Telephonie 


Zeitschrift für Hoehlrenuenzieehnik!\ 


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d Gegründet 1907 
Eo Unter Mitarbeit i 
4 von 4 
| | Dr, h. c. Graf v. Arco (Berlin), Dr. L. W. Austin (Washington), Postrat Dr. F. Banneitz > 
B (Berlin), Prof. Dr. H. Barkhausen (Dresden), Prof. Dr. W. Burstyn (Berlin), Prof. Dr. A. Esau ie 
E.: (Jena), Prof. Dr. H.-Faßbender (Berlin), Dr. L. de Forest (New-York), Prof. Dr. F. Kiebitz Be z 
| “ (Berlin), Postrat Prof. Dr. G. Leithäuser (Berlin), Dr. S. Loewe (Berlin), Dr. C. Lübben (Berlin), rog 
Mo Dr. E. Lübcke (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. A. Meissner (Berlin), Prof. Dr. H. G. Möller 
H (Hamburg), Dr. E.Nesper (Berlin), Dr. B. van der Pol jr. (Eindhoven), Ingenieur Dr. V. Poulsen 


(Kopenhagen), Prof. Dr. L. Pungs (Braunschweig), Dipl.-Ing. B. Rosenbaum (Berlin), X 
{ Dr. K. Rottgardt (Berlin), Prof. Dr. H. Rukop (Köln), Dr. A. Scheibe (Charlottenburg), _ 
i Oberingenieur O. Scheller (Berlin), Prof. Dr. W. Schottky (Berlin), Prof. Dr. A. Sommerfeld 
(München), Dr. F. Trendelenburg (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. M. Wien (Jena), 


Prof. Dr. H. Wigge (Köthen-Anh.) 


herausgegeben von 
Professor Dr. Dr. ing.E. h. J. Zenneck una Privatdozent Dr. E. Mauz 


Schriftleitung: Dr. E. Mauz 


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| M-KRAYN 
129 BERUN- -W 
| | 15759. E 
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B Monatlich erscheint ein Heft. Abonnementspreis des Bandes (fẹ Jahr) RM. 20.—, Preis des 


S. 161—200 


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einzelnen Heftes RM. 3,50. Alle Buchhandlungen sowie die Verlagsbuchhandlung nehmen Be- 
stellungen an. Inserate werden mit RM. —.15 pro mm Höhe und 41mm _ Breite berechnet. 


ESEN Bei Wiederholung raten OO ogi 


1929 


Heft 5 


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Telefunken, 


Gesellschaft für_ drahtlose Telegrapbie m. b. H. 


Berlin, Hallesches Ufer 12 


liefert alle für drahtlose Telegraphie und Telephonie a 
erforderlichen Geräte entsprechend dem neuesten Stand der Technik ; 


Vollständige Sende- und Empfangsanlagen ye 
jeder Reichweite für den Nachrichten- und Sicherungsdienst 
im Land=, See- und Luftverkehr | gi" 


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Einrichtungen für Telephonie längs Hochspannungsleitungen 
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Rundfunksender jeder Leistung | Ya 


Sende=-, Verstärker- und Gleichrichter-Röhren 


ELEKTROSTATISCHE 


VOLTMETE 


H&B Multizellular-Voltmeter sind die einzigen elek- 
trostatischen Geräte, die zum Messen niedriger Wech- 
selspannungen geeignet sind. Sie arbeiten mit sehr g} 
geringem Eigenverbrauch. Die Hochfrequenz-Technik 

bevorzugt diese Voltmeter, weil sie frequenzunabe = 
hängig sind. In Verbindung mit Spannunggsteilern sind 
statische Voltmeter auch fürHochspannungsmessungen 
bis 1 Million Volt zu verwenden. Jahrzehntelange Er- 
fahrungen im Bau dieser Geräte geben Gewähr für 
höchste Vollendung in Ausführung und Form. 


&BRAUN 


im N ig Kiik zu Ti E 


‚Band 34 


November 1929 


Heft 5 


| Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie | 


| Zeilschril fr ROGNIFBUENZIGCHNIK 


| Seite Seite 
Manfred von Ardenne: Fortschritte beim Bau und bei der An- Referate: 
wendung von Widerstandsverstärkern. (Mit 11 Bildern im Text) 161 H. E. Hollmann (Selbstreferat): Frequenzrückkopplung. (Mit Bild 
A. Ristow: ne ee) Weckanruf für Einzel- und samme A im Text) . 195 
(Mit 2 Bildern im Text . . 16 B.M 
azumdar(H.E. Hollmann): Untersuchungen und MEn en 
F. Kiebitz: Die Wellenausbreitung des Deutschlandsenders. (Mit = a es Wellen. (Mit en im Text) j g ` 196 
J . . 
“I M. Büge: Direkte Messung des Modulationsgrades eines Telephonie- G.L. Beers und W. L. Carison (P. Termanspann: Fortscnente 
senders. (Mit 5 Bildern im Text) . . 175 im Bau von Zwischenfrequenzempfängern . . 197 


Gerhard Gresky: Richtcharakteristiken von Äntennenkombinalie: 
nen, deren einzelne Elemente in ODERSCHBUNENNEER erregt werden. 
Schluß. (Mit 7 Bildern im Text) Be e . 178 


AlbrechtForstmann: Bemerkungen zu der Arbeit von H. a. Möller: 
Berechnung des günstigsten a ien der Ronen im Wider- 


standsverstārker . . 182 

: H.G. Möller: Erwiderung zu den Bemerkungen des Herrn Forst. 
mann x . ; . . . . 183 
Berichtigung . : ? i 7 s ; e ; i . 183 


Wilhelm Geyger: Zusammenfassender Bericht: Die geoelektri- 
schen V ateren ehune metase mit Wechselstrom: en 14 Bildern 
im Text) a : . 184 


Carl Lübben: Patentschäu: (Mit 24 Bildern im Text) . : . 190 


K. W.Jarvis (P.Hermanspann): Eme ee alleine: . 198 


R. L. Smith- ROSS ki PSST); Apparate für die a 
technik . 198 


Shogo Namba und Sadao Matsumura ra Skeba, All- 
gemeine Eigenschaften von piezoelektrischem Quarz und die 
Eignung des SUDAN als re neo. (Mit 2 Bildern 


im Text). R . š ; 5 : . 198 
J.R. Martin (]. Zenneck): Eisenverluste i in HOcHtegnenien magne 
tischen Wechselfeldern ; aS EN . 200 


A.Demski (W. Espe): Die karerien Prüfung des Maxwell- 
schen Geschwindigkeitsverteilungsgesetzes für Elektronen, die 
aus einer Glühkathode austreten. (Mit 1 Bild im Text) e.  . 200 


Manuskripte für das Jahrbuch, möglichst mit klischlerfähigen Figuren versehen, sind an die Schriftleitung Dr. E. Mauz, Frankfurta. M., Physikalisches 
Institut, Robert Mayerstr. 2, zu senden. Die Herren Autoren werden gebeten, eine kurze Zusammenfassung des wesentlichen Inhalts ihrer Arbeit jedem Manuskript beizufügen 
Abonnements nnd Inserate sind zu richten an M. Krayn, Verlagsbuchhandiung Berlin W 10, Genthiner Straße 39, Postscheck-Konto Berlin 32647. 


mnr 


| Fortschritte beim Bau 
und bei der Anwendung von Widerstandsverstärkern. 


Von Manired von Ardenne, Berlin. 


Inhaltsübersicht: 


l. Neue Widerstandsverstärker. 
| A. Reduktion der Stufenzahl. 
B. Verstärkung von Niederfrequenzen. 
C. Gleichzeitige Anodengleichrichtung und Nie- 
derfrequenzverstärkung. 


D. Kopplung zwischen Hochfrequenz- und 
Niederfrequenzteil. 
E. Beispiele für technische Ausführung der 


Röhren. 
F. Verstärker mit hohen Anodenspannungen. 


ll. Abschwächung der Hochfrequenzverstärkung 
in widerstandsgekoppelten NIEGELITSOHENZYETZ 
stärkern. 


Gleichzeitige 
quenzen. 

A. Verstärker für Fernsehgeräte. 
B. Hochfrequenzkraftverstärker. 

C. Aperiodische Feldverstärkung. 


III Verstärkung mehrerer Fre- 


I. Neue Widerstandsverstärker. 
A. Reduktion der Stufenzahl. 


Die neueste Entwicklung beim Bau von Wider- 
standsverstärkern für Niederfrequenz steht im Zeichen 


einer weiteren Verringerung der Stufenzahl auf zwei, 
die dadurch möglich wurde, daß die Verstärkung der 
Vorstufe auf Grund wichtiger Gesichtspunkte erheb- 
lich gesteigert wurde. Rein äußerlich betrachtet kann 
die Entwicklung mit dem im Jahre 1925') ermög- 
lichten Uebergang von der vier- zur dreistufigen 
Kaskade in Parallele gesetzt werden. Tatsächlich 
handelt es sich jedoch im vorliegenden Falle um die 
Einführung eines prinzipiellen Grundsatzes: Span- 
nungsverstärkung bei einer Gittervorspannung von 
Null Volt. Es möge darauf etwas näher eingegangen 
werden. 


Um Gitterströme und Gitterverzerrungen zu ver- 
meiden, wurde bei der bisher üblichen Dimensio- 
nierung eine schwach negative Vorspannung für un- 
bedingt notwendig erachtet. Um bei normalen 
Anodenspannungen überhaupt in einen für: Verstär- 
kung geeigneten Teil der Kennlinie zu kommen, mußte 


daher mindestens ein Durchgriff von D= -f zur 


Anwendung kommen. Für 4. = 100 Volt und E, = 
minus 1 Volt erhält man also zum Beispiel eine Ver- 
stärkungsziffer von 100. Ueber derartige Verstär- 


1) M. v. Ardenne und H. Heinert, Ueber Widerstandsver- 
stärker, ds. Jahrbuch 26, S. 52, 1925. 


162 


kungen hinauszukommen, ist ersichtlich nur möglich 
durch weitere Verringerung der negativen- Gitter- 
vorspannung. Bei der Dimensionierung der zu be- 
sprechenden Verstärker wird bei verschwin- 
dender Gittervorspannung gearbeitet, so 
daß zur Erreichung günstiger Teile der Kennlinie be- 
reits extrem kleine Durchgriffe genügen, 
die zusammen mit hohen Anodenwiderständen Ver- 
stärkungsziffern bis zu 400 pro Stufe ergeben. Es ist 
die Aufgabe der folgenden quantitativen Betrach- 
tungen, den Rechnungsgang bei der Konstruktion 
wiederzugeben und den Nachweis zu erbringen, daß 
die Frequenzbenachteiligungen ausreichend klein ge- 
halten werden konnten. 


B. Verstärkung von Niederfrequenz. 


Die neue Einheit des Zweistufenverstärkers um- 
faßt eine Vorröhre und ein Lautsprecher-Endsystem. 
Von der Vorröhre ist zu verlangen, daß sie bei den 
praktisch, z. B. beim Empfang, vorliegenden Scheitel- 
spannungen von wenigen Hundertstel Volt anoden- 
seitig die volle Aussteuerungsspannung der Endröhre 
zu liefern vermag. Unter Annahme einer Endröhre 
mit 15% Durchgriff und einer Betriebsspannung von 
200 Volt sind im Höchstfalle etwa 15 Volt Scheitel- 
spannung am Ausgang der Vorstufe zu fordern. Die 
nächste Aufgabe ist die Bestimmung des Anoden- 
widerstandes Ra. Im Gegensatz zu den Verhält- 
nissen bei der Verstärkung höherer Frequenzen, bei 
denen sich infolge des Auftretens einer kapazitiven 
Leitfähigkeit parallel zum Ohmschen Widerstand für 
ein endliches|R. | eine optimale Verstärkung ergibt’), 
erscheint hier in jedem Falle die Wahl eines mög- 
lichst großen Ra ratsam. Eine obere Grenze wird bei 
kapazitätsarmem Aufbau und Niederfrequenz-Ver- 
stärkung zuerst durch die Größe des Gitterableitungs- 
widerstandes der Endstufe gegeben?), welcher 10—15 
Megohm beträgt. Man kommt so auf 5 Megohm 
Anodenwiderstand.. Da die Gesamtverstärkung in 
einer Stufe vor sich geht, wird überdies die Frequenz- 
benachteiligung bei hohem Ra nicht so kritisch wie 
bei Kaskadenverstärkern. 

Aus Ra kann nunmehr die maximal erreichbare 
Verstärkung auf Grund der für rein ohmsche Be- 
lastung gültigen Beziehung 


__ 1 E "la 
Vor = are (3 K Ra) (1) 


berechnet werden. Dieser Beziehung liegt das 3/2- 
Gesetz zugrunde, welches für indirekt geheizte Aequi- 
potentialkathoden bei den hier vorliegenden kleinen 
Steuerspannungen von 1—2 Volt gut erfüllt ist. Die 
Güte der indirekten Kathoden ist inzwischen so ver- 
bessert worden, daß praktisch bei Mehrfachröhren- 
kathoden mit Röhrenkonstanten K von etwa 1,9.10-" 
(Amp. Volt-3) zu rechnen ist‘). Für 200 Volt 
Anodenspannung folgt mit diesen Werten aus Glei- 
chung (1) V 400, sowie ein Durchegriff von 
D=0,835°%%. Es würden sich daraus Fingangs- 


2) M. v. Ardenne, Die aperiodische Verstärkung von Rund- 
funkwellen, ds. Jahrbuch 33, S. 168, 1929. 

3) Die Frage der Frequenzabhängigkeit ist ausführlich unter- 
sucht bei H. Kafka, Ein Beitrag zur Theorie der NF-Verstärkung 
mit Widerstandkopplung, ds. Jahrbuch 29, S, 39, 1927. 

41) M. v. Ardenne, Eine einfache Methode zur Bestimmung 
der Röhrenkonstante, ds. Jahrbuch 34, S. 143, 1929, Heft 4. 


Manfred von Ardenne: 


spannungen von- |e,| = 0,0375 Volt ergeben, bei 
denen der Verstärker voll ausgenutzt wäre. 
Praktisch ist zwecks Erreichung geradliniger Teile 
der Charakteristik ein etwas größerer Durchgriff zu 
wählen. Es möge ein nach diesen Gesichtspunkten 
hergestelltes Ausführungsbeispiel besprochen werden. 
Die Vorstufe, deren Kennlinien in Bild 1 wieder- 
gegeben sind, hatte D = 0,15% Durchgriff bei 
Ra = 5 Megohm. Die erreichbaren Verstärkungen 
betrugen dabei 360. Die zu erwartenden Verzerrun- 
gen wirken sich auf der Anoden- und Gitterseite als 


Bild 1. 
Gitter- und Anodenstrom der neuen Spannungsverstärkerstufe. 


Strom bzw. Spannungsverzerrung aus. Die Größe 
der anodenseitigen Verzerrung ermittelt man nach 
der auf Seite 236 der unten zitierten Arbeit’) an- 
gegebenen Gleichung: 


p R? R; | 
Aus der gemessenen Kennlinie folgt durch Reduk- 
tion auf die statische Kennlinie für den Arbeitspunkt: 


1 
d Eu 
, daraus R 015.102. 7 
J” =7,1-10—5 (Amp. Volt=?). 
Daraus resultiert ein Verzerrungsgrad der Anoden- 
seite von: 


K = 


f = 84.10 — 8 Megohm 


K — 0,08. legl. 
Bei der größten zu verarbeitenden Eingangsspannung, 
ET 15 
die in diesem Falle eg =7 
also der Verzerrungsgrad nur 3,2°/v. 
Etwas ungünstiger liegen die Verzerrungen auf der 
Gitterseite. Für den Gitterstrom ist das Anlaufgesetz: 


e 
WW En 


= 0,04 Volt beträgt, ist 


5) M. v. Ardenne, Ueber Röhrenverzerrungen bei Verstä 
Zeitschr. f. techn. Physik 8, S. 235, 1927. Nr. 6. ei Verstärker, 


» 


— — A o m e 


Fortschritte beim Bau und bei der Anwendung’ von Widerstandsverstärkern. 


163 


. bis zu Gitterspannungen von 0,35 Volt mit Meß- 


- genauigkeit erfüllt, 


u. .. 


wenn i=1,3-10-° Amp. und 
p = 0,1 Volt gesetzt werden. An der Stelle eg = 0 
lassen sich daraus die folgenden Werte für die Krüm- 


. mung der Gitterkennlinie und den Gitterwiderstand 
entnehmen: 


R= 77000 Ohm, 
f” = 13-10-* (Amp. Volt”?). 


| Für den Spannungsverzerrungsgrad des Gitters läßt 
sich die Beziehung ableiten 


K =4 f" -Ri legl 


aus der sich der größte zulässige innere Widerstand 


‚ R; der Spannungsquelle herleiten läßt, der bei der ge- 


gebenen Wechselspannungsamplitude zur Einhaltung 
eines maximalen Verzerrungsgrades von 4% erforder- 
lich ist. Es ergibt sich: 


R;< 31000 2 
Dieser geringe Eingangswiderstand ist bemerkens- 


wert. Er bedingt eine verhältnismäßig große Lei- 
stungsaufnahme im Gitterkreis. Lezteres ist jedoch 


_ kein so großer Nachteil, wie es zunächst erscheint. 


\ 


A 


ad N 


Bei größerer Leistungsverstärkung tritt sehr leicht 
Selbsterregung ein. Man kann eine größere Ver- 
stärkung dann doch nicht ausnutzen, wie es die 
Praxis an Mehrfachverstärkern mit hohem Eingangs- 
widerstand gezeigt hat. 


Die Widerstände der üblichen Niederfrequenz- 
Generatoren (Schalldosen, Audionröhren) liegen unter- 
halb von 30000 Ohm, so daß eine verzerrungsfreie 
NF-Verstärkung erreicht wird, ohne daß ein Trans- 
formator nötig ist, der zusätzliche Verluste mit sich 
bringt. Die Möglichkeit einer solchen „Röhren- 
anpassung“ hat besondere Bedeutung bei einer An- 
schaltung der NF-Einheit an vorhergehende Hoch- 


- frequenzstufen. (S. u. Abschn. D.) 


` zerrungsfreiheit 


Bei besonders hohen Anforderungen an Ver- 
ist es ratsam, die angegebenen 
Gitterwiderstände doch zu vergrößern. Der Ver- 


lust an Verstärkung kann, wenn nötig, durch Hin- 


- zufügung einer weiteren Spannungsverstärkerstufe 


` wettgemacht werden. 


Versuche in dieser Richtung 


-~ ergaben auch mit Zweifachröhren von 0,75—1% 


Es i 


A Da 
gewiesen, 


. Gesichtspunkten hergestellte Dreifachröhren, 


4 gleichzeitig die Steilheit sinkt. 


.. Durchgriff gute Ergebnisse. 


Es wurden tatsäch- 
liche Spannungsverstärkungen von 100 hergestellt. 
die anodenseitige Verzerrung, wie nach- 
außerordentlich klein ist, bleibt bei 
Hintereinanderschaltung zweier Spannungsverstärker- 
stufen die Verzerrungsfreiheit erhalten. Nach diesen 
die im 
Durchschnitt mit einer Gittervorspannung von etwa 
0,5 Volt arbeiten, ergaben im mittleren Hörbereich 
Verstärkungen bis zu 5000. Die Möglichkeit, extrem 


- kleine Eingangsspannungen zu verwenden, setzt dabei 


den Verzerrungsgrad noch weiter herab. 


An dieser Stelle soll auf die Wahl der günstigsten 
Gittervorspannung eingegangen werden. Daß für 


< diese und damit auch für den Gitterwiderstand ein 
. Optimum hinsichtlich der Verstärkung vorhanden ist, 


folgt daraus, daß bei stärkeren negativen Vorspan- 
nungen infolge der Verringerung der Belastung des 
Generators die Gitterwechselspannung steigt, während 
Bei kleinen Ampli- 


tuden ist folgende einfache quantitative Behandlung 
möglich: 

Die Gitterwechselspannung |e,| kann zu der bei 
unbelastetem Generator auftretenden |ego| vermöge 


1 
ey wer 


+H 


in Beziehung gesetzt werden. Für R erhält man 


aus dem Anlaufgesetz: 
Rg T Rijo . E p 


Aus dem Emissionsgesetz ergibt sich für die Steil- 
heit S, wenn keine Anodenrückwirkung vorliegt 


(Ra = 0); 
3 "fa 
S=} K Dleg+ D Ea) 


EIEEBEBBELRJREERZ 
EURENFARZAREESZTTT 
Ta | orb. Amp 
ATT NAA | | Aio 
NH IT T als OPR | 
AEN VA NJ I g- eraz 
L N l 11 
S A ANSETT 
I I EEE ER DE EEE 


—> + eg opt 


"aia 2. 
Konstruktion der optimalen Gittervorspannung. 


Die Anodenstromschwankung gewinnt dann folgenden 
Ausdruck: 


t/a 
‘K por O 
+ R; 1 
Ey 
Ryo 
Für ihr Maximum hat die günstigste Gittervorspan- 


nung T=?g p die Bedingung zu erfüllen: 


AY 


| ia| = -| ego | 


= (e+DE, 


Man findet x demnach durch die graphische Konstruk- 
tion von Bild 2. Die Konstruktion wurde für die vor- 
liegende Röhre mit D = 1,5 . 10, sowie für eine 
neuere Versuchstype mit D = 1,5%: durchgeführt. Man 
erhält bei AF-Verstärkung und Ri = 100000 Q Reso- 
nanzwiderstand für Ry = 77 000 Q: êgop = — 0,13 


im ersten Fall, eg, pi = — 0,42 im zweiten Fall. In Wirk- 


lichkeit liegen die Optima weiter im Negativen. Das 
erklärt sich dadurch, daß die Annahme der Theorie, 
der Gitterwiderstand sei angenähert konstant, nur 
für kleine Amplituden gilt, was z. B. für die Aus- 
steuerungsspannung von 0,8 Volt bei 20%ig modu- 
lierter Hochfrequenz (s, Abschnitt D) nicht mehr zu- 
trifft. Es tritt dadurch in Wirklichkeit eine viel 
stärkere Belastung des Schwingungskreises ein. Bei 
Niederfrequenzverstärkung ergibt die Konstruktion an 


164 


sich weniger negative Werte infolge des kleineren 
Eingangswiderstandes von unter 30000 Ohm. Die 
Amplitudenabhängigkeit ist dafür geringer. — Anders 
liegen die Verhältnisse bei Hochfrequenzverstärkung. 
Liegt am Gitter direkt ein Schwingungskreis, so wird 
dieser durch den kleinen Eingangswiderstand zu 
stark gedämpft. Bei der Verwendung der neuen Ein- 
heit in Empfängerschaltungen, bei denen die erste 
Röhre in Anodengleichrichtung arbeitet, ist daher in 
neuerer Zeit mit Erfolg ein etwas größerer Durch- 
griff von etwa 0,8% angewandt worden. Bei gleichem 
Gitterstromverlauf folgt aus der angegebenen Kon- 
struktion als optimale Gittervorspannung etwa 
— 0,2 Volt. Daraus ergibt sich mittels der Wider- 
standscharakteristik ein Gitterwiderstand von über 
w% Megohm. Durch solche Eingangswiderstände 
entsteht kaum mehr eine unzulässige Dekrements- 
erhöhung. Die Verstärkungsfaktoren sind dabei 
immer noclı derart, daß eine 100fache Verstärkung 
pro Stufe möglich ist. 


C. Gleichzeitige Anodengleichrichtung 
und Niederfirequenz-Verstärkung. 


Eine Stufe der angegebenen Dimensionierung 
eignet sich auch zum Empfang modulierter Hochfre- 
quenz. Es sei hierzu bemerkt, daß mit der schon in 
Abschnitt B bei Berechnung der günstigsten Gitter- 
vorspannung erwähnten Vorstufe mit 1,5% Durchgriff 
trotz des 8 Megohm betragenden Anodenwiderstandes 
bei 200 Volt Ueberlagerungsempfang möglich wurde. 
Angesichts der geringen in der Vorstufe umgesetzten 
Energie erscheint dieses experimentelle Ergebnis be- 
merkenswert. Im übrigen war eine außerordentliche 
Weichheit des Schwingungseinsatzes festzustellen, 
was mit den Ergebnissen einer an dieser Stelle er- 
schienenen theoretischen Arbeit (Manfred von 
Ardenne und Kurt Schlesinger: Amplituden- 
abhängigkeit der dynamischen Steilheit beim Richt- 
verstärker. Ds. Jahrbuch, 34, S. 91 u. f. 1929.) in gutem 
Einklang steht. Es ist damit erneut die gute Verein- 
barkeit von optimaler Anodengleichrichtung und guten 
Oszillator-Eigenschaften experimentell erwiesen wor- 
den. — Beim Arbeiten mit Anodengleichrichtung inter- 
essiert dabei besonders die Empfindlichkeit der An- 
ordnung, d. h. derienige Scheitelwert der hoch- 
frequenten Fingangsspannung |e,|, der bei einem 
Modulationsgrad m erforderlich ist, um auf der 
Anodenseite die volle niederfrequente Aussteuerungs- 
spannung |ea| zu liefern. Schreibt man die Gitter- 
spannung in der Form 


| e,—e,(1-+msin (2,9) 
so ergibt sich für die Niederfrequenzspannung der 
Wert: 2 
; Raf '@g = 
ITS E DR 4 


Daraus folgt 
stärkung 


-2 m sin (Qn t). 


eine scheinbare Niederfrequenzver- 


e 
Von | a | 
m | ey | 
die mit dem Gleichrichterwirkungsgrad 
7 R;? 
RER leg! 
F 4 


Manfred von Ardenne: 


í 
und dem berechneten tatsächlichen Niederfrequenz- 
verstärkungsgrad V in dem Zusammenhang: 

l= 2 N V 


steht. Im vorliegenden Falle (s. Abschnitt B) erhält 
man bei der Gitterspannung Null für einen Modula- 
tionsgrad m = 0,2 und eine Aussteuerungsspannung 
lea] = 15 Volt folgenden Wert für die maximal aus- 
nutzbare Hochfrequenzeingangsspannung: 


le =y* eal(1+f D Ra) 
i Raf” m 


: .10-°. -10-3.5. 
-% 151 + 8,4.10-15:109.5-10%) o 83Vol | 
5.10%.7,1.10-3.0,2 i 
| 


x ——. D u 5 


Der zugehörige Spannungs-Gleichrichtungseffekt ist 
das 1 :2m fache der Niederfrequenz-Spannung, d. h. 
im vorliegenden Fall: | 


l 
Ô Ea = Ra Ô ia = g7 | èa | = 38,2 Volt 


wozu ein Stromeffekt von 
: 38,2 u 
Ô ia = zg 7,64. 10 6 Amp 

gehört. Nunmehr kann die scheinbare Niederfrequenz- | 
verstärkung berechnet werden: Es ergibt sich | 
| eg | 
Da der Verstärkungsgrad 360 betrug, folgt nach | 
obiger Beziehung für den Gleichrichterwirkungsgrad 
bei der angegebenen maximalen Eingangsspannung: 


Veh = — 92 


In Bild 1 ist der bei voll aussteuernder Eingangs- 
spannung sich einstellende Anodenstromwert einge- ' 
zeichnet; die Ordinate des Arbeitspunktes verschiebt 
sich bis zur Mitte der Charakteristik. 


D. Kopplung zwischen Mochfirequenz- 
und Niederfrequenzteil. | 


Beim direkten Anschluß hochfrequenter Schwin- 
gungskreise werden diese durch den kleinen Wider- | 
stand der Gitterstrecke verhältnismäßig stark be- 
lastet. Der Einfluß der Anodenrückwirkung tritt 
dieser Belastung gegenüber in den Hintergrund, da 
die durch sie eingeführten Wirkwiderstände viel 
größer als der vorliegende Gitterwiderstand von 
etwa 75000 Ohm sind. Da außerdem die Spannungs- 
empfindlichkeit von 0,8 Volt oft nicht ausreicht, wird ` 
sich die Vorschaltung eines Hochfrequenzverstärkers 
schon aus diesem Grunde empfehlen. Günstig ist da- 
bei der geringe innere Widerstand der üblichen Hoch- 
frequenzröhre, welcher zwischen 20000 und 30000 
Ohm liegt. Da dieser bereits durch die Parallelschal- 
tung des äußeren Anodenwiderstandes, des Gitter- 
ableitungswiderstandes R,, und des Leitwertes der 
Anode-Faden-Kapazität belastet ist, welche bei der 
in Bild 3 angegebenen Dimensionierung allein schon 
etwa 15000 Olım beträgt, so wird diese Belastung 
durch den kleinen Eingangswiderstand des Gleich- 
richters von 75000 Ohm nur ganz unwesentlich ver- / 
größert. 


Las) 


Fortschritte beim Bau und bei der Anwendung von Widerstandsverstärkern. 


165 


Die Uebertragung von Niederfrequenz aus dem 
Fiochfrequenzteil auf den Gleichrichter wird durch 
die kleine Kapazität Ca von etwa 30 cm einerseits, 


‘durch den kleinen Eingangswiderstand im Gitter- 


kreis der NF-Einheit andererseits wirksam verhindert. 
Benutzt man zur Hochfrequenzverstärkung zwei 
Stufen, so liegen bekanntlich die Phasenverhältnisse 
so, daß eine Rückkopplung auf den vor den HF- 
Stufen liegenden Schwingungskreis unter Vermittlung 
eines kleinen Kondensators (Cr in Bild 4) erfolgen 


Bild 3. 
Kopplungslied bei kleinen Gitterwiderständen. 


kann. Bei der durch zwei Vorröhren erzielbaren 
Verstärkung hat dieser eine Maximalkapazität von 


wenigen cm, so daß im allgemeinen nur durch eine: 


besondere Abschirmung der Minimalwert von C, er- 
halten werden kann, bei dem der Rückkopplungs- 
effekt verschwindet. Die Ausführung einer solchen 


Bild 4. 
Aperiodische Kopplung zwischen NF und NF-Teil. 


Rückkopplungskapazität zeigt Bild 5. Durch die Ein- 
führung der aperiodischen Kopplung zwischen Hoch- 
und Niederfrequenzteil hat sich eine Empfängereinheit 
schaffen lassen, die in Bild 4 wiedergegeben ist und 
sich praktisch gut bewährt hat. Als besonderer Vor- 
zug dieser Kopplungsart erscheint außerdem die Not- 
wendigkeit nur eines einzigen Abstimmelementes. 


E. Beispiele für technische Aus- 
führungen der Röhren. 


Um die Ausführung der Gitter zu zeigen, sind in 
den Bildern 6 und 7 Röntgenaufnahmen von Ver- 
suchstypen wiedergegeben. Es handelt sich um 
Durchgriffe in der Größenordnung von 1°/oo. Wichtig 
ist bei diesen extrem kleinen Durchgriffen der Längen- 
unterschied zwischen Gitter- und Anodenzylinder. 
Dadurch soll ein Umgriff in der Röhre vermieden 
werden, der sich als die Verstärkung verschlechtern- 
der Reststrom äußert. Bild 7 zeigt ein System mit 
indirekter Kathode. Bemerkenswert ist bei den Aus- 
führungen, daß die Zuleitungen zum Anodenzylinder 
und zur Kathode nahe benachbart werden. Durch 


Vergrößerung der Faden-Anode-Kapazität soll da- 
durch die Anodenrückwirkung verkleinert werden. 
Zur technischen Ausführung der beschriebenen 
Zweifach-Einheit gibt Bild 8 eine Veranschaulichung. 
Man erkennt die Kombination der Vorstufe mit 
extrem kleinem Durchgriff und indirekter Kathode 


Bild 5. 
Ausführung des Rückkopplungskondensators mit Abschirmung. 


mit einer verhältnismäßig kräftigen Endstufe, die ca. 
1 Watt unverzerrte Leistung (25% der Gleichstrom- 
leistung) hergibt. Beim Aufbau sind Glasstützen 
durchweg vermieden worden. Zur Herstellung der 
Gitter für die Vorstufe wird neuerdings Gaze an 


Bild 6. Bild 7. 
Bild 6. 
Versuchstype mit kleinem Durchgriff 
Bild 7. 


Versuchstype mit kleinem Durchgriff und indirekter Kathode. 


Stelle von Spiralgittern verwendet, um gleich- 
bleibende Durchigriffe zu erzielen. Der Heizstrom für 
die indirekte Kathode hat sich neuerdings bis auf 
180 Milliampere bei 8 Volt reduzieren lassen. Es ist 
daher möglich geworden, dieselbe Type mit Gleich- 
und Wechselstrom zu betreiben‘). 


6) Die Entwicklung der indirekten Kathoden und- die Röhren- 
konstruktion lag in den Händen der Herren B. Wienecke und 
E. Erich im Röhrenlaboratorium der Firma Loewe-Radio, Berlin. 


166 


- Manfred von Ardenne: 


F. Verstärker mit hohen Anoden- 
spannungen. 
Da eine weitere Erhöhung des Verstärkungs- 


grades im Einklang mit der Theorie zu erwarten war, 
wenn die Batteriespannung erhöht wurde, wurden 


Bild 8. 
Systemaufbau der Zweifach-Röhre. 
Versuche in dieser Richtung unternommen. Die 
Charakteristik einer Einrohr - Versuchstype zeigt 


Bild 9. Es war: Ea = 1300 V, Ra = 8.10° Ohm, 


Bild 9. 
Kennlinien einer Versuchstype für hohe Anodenspannung. 


D=0,044%. Mit diesem Rohr ließ sich eine Ver- 
stärkung V = 870 in einer Stufe herstellen. Das Ar- 
beiten mit diesen extremen Anodenspannungen hat 
den großen Vorteil, daß ohne wesentlichen Verlust 
an Verstärkung negative Gitterspannungen und damit 


höhere Eingangswiderstände hergestellt werden 
können. Es ist daher möglich, eine solche Röhre 
direkt an einen hochfrequenten Schwingungskreis 


anzuschließen, ohne dessen Dekrement zu erhöhen. 
Ein weiterer Vorzug der hohen Anodenspannungen 
zeigt sich in der Möglichkeit, trotz großer ohmscher 
Widerstände im Anodenkreise das Rohr in Oszillator- 
schaltungen verwenden zu können. Wie in der 
zitierten Arbeit”) theoretisch untersucht wurde, be- 
steht bei guter Anodenegleichrichtung, d. h. beim Ar- 
beiten auf stark gekrümmten Stellen der Anoden- 
kennlinie, in der Einschaltung einer kritischen ohm- 
schen Mindestbelastung in den Anodenkreis das 
einzige Mittel, einen an sich harten Schwingungs- 
einsatz zu verbessern. Mit einer solchen Kombination 


‚eines mit Anodengleichrichtung arbeitenden Schwing- 


audions wurde mit Erfolg Ueberlagerungsempfang 
bis zu sehr hohen Frequenzen (10°/sec) bei sehr 
weichem Schwingungseinsatz ausgeführt. Dabei ge- 
staltete sich infolge des hohen Anodenwiderstandes 
von 8 Megohm die nachfolgende Spannungs- 
verstärkung recht wirksam. 

Da die Emission außerordentlich klein ist, so kann 
einerseits die Wicklung des 1300-Volt-Transformators 
für extrem kleine Strombelastungen, d. h. sehr billig, 


7300 ° 
200 RER S 
LLL? 
H E 


Bild 10. 
Netzanschlußgerät für gleichzeitige Entnahme von Hoch- 
und Mittelspannung. 


ausgeführt werden, andererseits ist die Vorschaltung 
eines Sicherungswiderstandes von wenigen Megohm 
vor den Gleichrichter für den Betrieb der Anlage 
elektrisch bedeutungslos, macht aber die Gleich- 
richteranlage berührungssicher. Versieht man den 
Transformator mit zwei getrennten Heizwicklungen, 
so wird es außerdem möglich, die hohe Spannung für 
die Spezialröhre sowie die Niederspannungen von 
100—200 Volt für etwa nachfolgende Spannungs- oder 
Endverstärker ein und demselben Gleichrichter- 
aggregat zu entnehmen. 

Bild 10 zeigt eine derartige Schaltung, bei der für 
die Hochvoltstufe Einweg-Gleichrichtung unter Ver- 


“wendung eines Ventiles für schwache Strombelastung 


und ohne besondere Heizung zur Anwendung kommt, 
während die Spannung für die folgenden Röhren 
unter Verwendung eines Glühkathoden-Gleichrichters 
demselben Gerät in Vollweg-Schaltung entnommen 
wird. 


II. Abschwächung der Hochirequenzverstärkung in 
widerstaudsgekoppelten Niederirequenzverstärkern. 


Die Stabilität einer Empfangsanlage, die mit mehr- 
stufiger Hochfrequenzverstärkung arbeitet, kann da- 
durch in Frage gestellt werden, daß infolge eines 


)M. v. Ardenne und K. Schlesinger Amplitudenab- 
hängigkeit der dynamischen Steilheit beim Richtv tärk 
Jahrbuch. 34, S. 91, 1929, Heft 3. ERRE 


—t |. (mn g " > D, mm - EEE iin um - "Elan = 


ı 7 


en ee 


Fortschritte beim Bau und bel der Anwendung von Widerstandsverstärkern. 


-nichtvollkommenen Kurzschlusses des Gleichrichter- 
. Anodenkreises für Hochfrequenz ein Bruchteil der- 


..selben bis 


in die Lautsprecherleitungen gelangt. 


- Hochfrequentes Selbstschwingen der Apparatur tritt 
..selbstverständlich besonders dann ein, wenn sehr 
= große Hochfrequenzverstärkung angewandt wird oder 


..die Lautsprecherleitungen unabgeschirmt sind. 


Je 


. nach der Gestaltung des Eingangskreises und der 
Kopplung mit dem Ausgang ist verschieden große 
j HF-Abschwächung erforderlich, die bei fehlender Ab- 


1 i 
= schirmung etwa in der Größenanordnung y zu liegen 


e hat. 


Bei Widerstandsverstärkern besteht in der 


 kapazitiven Ueberbrückung des Anodenwiderstandes 
. des Gleichrichters ein wirksames Mittel zur Fern- 


` 
b 


vAN 


Veee 


AMA 


haltung der hochfrequenten Grund- und Oberschwin- 
gungen vom nachfolgenden Verstärker. Leider findet 


Schaltung 


Bild 11. 
Hochfrequenzabschwächung 
in Widerstands-Niederfrequenzverstärkern. 


= dieses Verfahren seine Grenze durch die Steigerung 


‘ der Frequenzbenachteiligung an der oberen Grenze 
- des Hörbereiches. 
- durch die Aufbaukapazitäten gegeben. 


Praktisch ist eine solche schon 
Durch einen 


 Parallelkondensator von etwa 30 cm ist bei Mehr- 
-- fachröhrenaufbau wohl die höchstzulässige hoch- 
- frequente Leitfähigkeit hergestellt, bei der gleich- 


- zeitig die 


die Gleichrichtung beeinträchtigende 
Anodenspannungsrückwirkung als aufgehoben gelten 


. kann. Die so erzielbare Hochfrequenzabschwächung 
œ ist aber unter den geschilderten Umständen noch 
“© lange nicht ausreichend. Messungen über die Hoch- 
.- frequenzverstärkung einer 3NF-Röhre von Loewe 
>» olıne Kondensator als Funktion der Wellenlänge 
+ haben erkennen lassen, daß an der oberen Grenze 


- des Rundfunkbereiches die Hochfrequenzverstärkung 


nahezu 1 geworden ist. 


Die Verbesserung, die durch den Kondensator in 
einer Stufe erreichbar ist, läßt sich durch Anwendung 


. desselben Verfahrens in den nachfolgenden Stufen 
“ der 
“ die Schaltung sowie das Ergebnis angegeben. 


NF-Kaskade erhöhen. In Bild 11 ist unter a 
Die 


Ueberbrückung fand dabei in den ersten beiden 


‚' Stufen statt; die Niederfrequenzverstärkung blieb im 
¿< mittleren Hörbereich fast unbeeinilußt. 


HE lerstirtung Eak 


167 


Für weitestgehende Ansprüche muß die Span- 
nungsübertragung zwischen den einzelnen Stufen als 
Siebkette ausgeführt werden. Die Benutzung von 
Induktivitäten in dieser Kette verbietet sich bei Ver- 
stärkern mit großen ohmschen Widerständen, da die 
erzielbaren Impedanzen viel zu klein sind. Das 
Prinzipschema einer für die Praxis geeigneten Aus- 
führung zeigt Bild 12. Während der Verlust an 
Niederfrequenzverstärkung bei der angegebenen 
Dimensionierung nur etwa ein Neuntel beträgt, kommt 
von der Hochfrequenz bei 300 m Wellenlänge nur 
noch der Bruchteil von 5-10”? an das Gitter der näch- 
sten Stufe. Bei längeren Wellen liegen die Verhält- 
nisse naturgemäß ungünstiger. In Tabelle 11 ist 
unter b eine Messung an einem in dieser Weise ab- 
geänderten Exemplar einer 3NF-Einheit wieder- 
gegeben. Obwohl keine Abschirmung der Zuleitung 
zur ersten Anode angebracht war, resultierte doch 
eine etwa 15 mal stärkere Abschwächung als bei 
normalen Röhren dieser Art, während gleichzeitig 
die Tonfrequenzverstärkung bei 3000 Hertz nur um 
25% gesunken ist. Durch die erwähnte Abschirmung 
würden sich die Abschwächungsgrade noclı ver- 
bessern lassen; desgleichen durch Anwendung der- 
selben Spannungsübertragung zwischen den beiden 
nachfolgenden Stufen. Da jedoclı ein gewisser Ver- 
lust an Niederfrequenzverstärkung dabei unvermeid- 
lich ist, wird es sich kaum empfehlen weiterzugehen, 
zumal bei einer vollkommenen Abschirmung der Ein- 
gangsseite und geeigneter Ausbildung der Leitungs- 
führung sich mit der so verbesserten NF-Einheit auch 
bei HF-Verstärkungsgraden von 20000 und Wellen- 
längen bis zu 2000 Metern vollkommene Stabilisierung 
herstellen ließ. 


III. Gleichzeitige Verstärkung mehrerer Frequenzen. 


Die wichtigen Anwendungsmöglichkeiten, die sich 
für die aperiodische Verstärkung im Gegensatz zu ab- 
gestimmten Verstärkern durch die Möglichkeit der 


Bild 12. 
Siebkettenkopplung bei Niederfrequenzverstärkern. 


Simultan-Verstärkung verschiedener Frequenzen er- 
geben, scheinen bisher noch nicht genügend aus- 
genutzt worden zu sein. Solange auf geradlinigen 
Teilen der Charakteristik gearbeitet wird, ist die 
gleichzeitige Verstärkung verschiedener Frequenzen 
ohne gegenseitige Beeinflussung sowie ihre nachträg- 
liche Trennung durch Abstimmungskreise hinter dem 
Verstärker durchaus möglich. Eine gewisse Be- 
schränkung liegt nur in der Erfüllbarkeit der ersten 
Bedingung. Es ist insbesondere erforderlich, daß die 
Summe der Scheitelspannungen aller auftretenden 
Frequenzen stets kleiner bleibt als die maximal auf- 
nehmbare Aussteuerungsspannung. Durch geeignete 
Bemessung der einzelnen Verstärkerstufen ist dies 


Mantred von Ardenne: Fortschritte beim Bau und bei der Anwendung von Widerstandsverstärkern. 


acca e a e a aaa eaa e a a I MŇ aMaaa 


Empfangsorte aufgestellten Zentral - Hochfrequenz- 
verstärkers unter Verwendung rückwirkungsfreier 
Zwischenverstärker einer in der Großstadt gelegenen 
Sende-Anlage zugeführt wird. Sofern diese nur eine 
beschränkte Anzahl stärkerer Fernstationen mit einer 
für die Stadt ausreichenden Feldstärke abzustrahlen 
hat, ist es möglich, die entsprechenden Frequenzen 
der Leitung über scharf abgestimmte Systeme zu ent- 
nehmen und einzelnen Sendern mit scharf abgestimm- 
ten Antennen im Wege der Fremdsteuerung zu- 
zuführen. Mit wesentlich geringerem hochfrequenten 
Wirkungsgrade wäre jedoch auch die Verwendung 
eines einzigen Senders denkbar, der der Fernleitung 
das gesamte spektrale Frequenzgemisch entnimmt 
und es einer Antennenanlage zuführt, der durch an sich 
bekannte Mittel (Abstimmung durch Wellensiebe, 
künstliche Dämpfung) eine geeignete „Resonanz- 
kurvenform‘“ gegeben worden ist. Durch scharf ge- 
richtete Antennen in der Empfangszentrale und große 
‚räumliche Entfernung wird eine Vermeidung von 
Rückkopplung technisch möglich. Weiterhin ergibt 
sich die Möglichkeit der Transponierung von Kurz- 
wellenempfang in der Zentrale zum Zweck einer 
Wiederausstrahlung durch den Sender im Bereich 
der Rundfunkfrequenzen?). 


erreichbar. Bisher sind drei Anwendungsmöglich- 
keiten der aperiodischen Simultan-Verstärkung in An- 
griff genommen worden. 


A. Verstärker für Fernsehgeräte. 


Der Fall, daß eine gleichzeitige Aufnahme zweier 
verschiedener Wellen durch einen Empfänger er- 
forderlich ist, liegt bei Fernsehgeräten vor, bei denen 
die Bildübertragung auf einer anderen Welle zu- 
sammen mit einer Rundfunkübertragung aufzunehmen 
ist. Die Möglichkeit, zwei getrennte Fochfrequenz- 
verstärker durch einen einzigen zu ersetzen, ist bei 
aperiodischer Verstärkung gegeben. Auch wenn die 
Bildsendung durch eine kurze Welle geschieht, bleibt 
der aperiodische Verstärker verwendbar. Obwohl 
man zurzeit noch nicht über sehr leistungsfähige Ge- 
räte dieser Art zur Verstärkung von Wellen unter 
100 m verfügt, so ist doch auf dem bisher beschritte- 
nen Wege, die Aufbaukapazitäten durch besondere 
Anordnung (Mehrfachröhren) zu reduzieren, noch 
lange nicht die technische Grenze erreicht. Es wäre 
dann möglich, ohne besondere Transponierung der 
kurzen Welle auszukommen. Die Möglichkeit der 
Simultanverstärkung ist im letzteren Falle schon 
heute vorhanden. 


B. Hochirequenz - Kraftverstärkung. 


Es liegt nahe, bei Vielfachempfangsanlagen die 
Aufstellung der kostspieligen Hochfrequenzverstärker 
für jeden einzelnen Empfänger dadurch zu ersparen, 
daß eine einzige leistungsfähige Anlage die Hoch- 
frequenzkraftverstärkung übernimmt. Diese Anlage hat 
ausgangsseitig innerhalb des in Frage kommenden 
Wellenbereichs hochfrequente Spannungen zu liefern, 
die zum Betriebe einfacher Empfänger (Audion mit 
Niederfrequenzverstärkung [Ortsempfängern]) aus- 
reichen. Die Zuführung der Hochfrequenzenergie zu 
den einfachen Empfängern durch kapazitiv stark be- 
lastete, strahlungfreie Energieleitungen macht es er- 
forderlich, der Endstufe des Hochfrequenzverstärkers 
einen selır geringen inneren Widerstand zu geben. 
Die Verstärkerzentrale wird zweckmäßig mit Richt- 
antennen arbeiten, um besonders starke Sender aus- 
zuschalten und dadurch eine Uebersteuerung bzw. 
Modulation schwächerer Frequenzen vermeiden zu 
können. Eine abgeschirmte Rahmenantenne empfiehlt 
sich, da sie zur Verringerung der durch Rückstrahlung 
seitens der Verteilerleitungen auf die Eingangsseite 
bedingten Instabilität beiträgt. Die Leitung, die in 
bekannter Weise nach Abschirmung?) und Pupinisie- 
rung mit ausreichendem Wirkungsgrad arbeitet, führt 
den einzelnen Ortsempfängern die Hochfrequenz über 
Transformatoren mit ausreichender Eigendämpfung 


Zusammenfassung. 


Die Arbeit bespricht die Fortschritte, die auf dem 
Gebiete der Widerstandsverstärkung in neuester Zeit 
gemacht wurden und gliedert sich dabei in 

l. Ausbildung der Verstärkerstufen und Röhren. 

2. Verbesserungen bei Kaskadenverstärkern, 

3. Anwendung der simultanen Verstärkung ver- 

schiedener Frequenzen. | 

Unter 1. wird von den Ergebnissen berichtet, die 
durch Anwendung extrem kleiner Durchgriffe in Ver- 
bindung mit hohen Anodenwiderständen bei Span- 
nungsverstärkung erzielt wurden. Bei 200 Volt 
Anodenspannung wurde eine 360fache, bei 1300 Volt 
eine 800-900fache Verstärkung in einer Stufe er- 
reicht. Die Berechnung solcher Röhren wird be- 
sprochen und die Einhaltung eines geringen Ver- 
zerrungsgrades nachgewiesen. 

In 2. werden zweckmäßige Ausgestaltungen der 
Spannungsübertragung zwischen den einzelnen 
Stufen widerstandsgekoppelter NF-Verstärker be- 
schrieben. Es zeigt sich, daß eine Abschwächung der 
Hochfrequenzspannungen im Verhältnis 1:15 ohne 
wesentliche Frequenzbenachteiligung bei rund 1500- 
facher Niederfrequenzverstärkung möglich ist. 

Abschnitt 3 behandelt neue Anwendungsmöglich- 
keiten der nicht abgestimmten Hochfrequenz- 


—n me... 


zu, so daß am Betriebszustand der Anlage durch das 
Hinzutreten oder Abschalten einzelner Empfänger 
keine merkliche Aenderung eintritt, desgl. nicht, wenn 
mehrere Empfänger ihre Abstimmung ändern oder 
dieselbe Frequenz aufzunehmen wünschen. 


C. Aperiodische Feldverstärkung. 


Die Ausgestaltung des unter B dargestellten Prin- 
zips erscheint in der Weise möglich, daß unter Ver- 
wendung von Hochfrequenz-Freileitungen mit gutem 
Wirkungsgrade die Energie eines an einem günstigen 


8) s, a. W. Moser: Übertragung der Energie vom Sender zur 
Antenne bei kurzen Wellen. ENT 5, S. 422. 1928, Heft 11. 


verstärkung, die auf ihrer Fähigkeit beruhen, mehrere 
Frequenzen gleichzeitig zu verstärken. Es handelt 
sich um die gleichzeitige Verstärkung der Bild- und 
Tonwelle bei Fernsehempfängern, um zentrale Hoch- 
frequenzkraftverstärkung für eine größere Anzahl 
einfacher Empfänger mit freier Frequenzauswahl und 
um die Weiterentwicklung der HF-Energieverstärkung 
bis zum empfangsgesteuerten Sender in Verbindung 
mit einer Verstärkerzentrale für die Aufnahme eines 
kontinuierlichen Frequenzspektrums. 


(Eingegangen am 23. Juli 1929.) 


>) Es soll darauf hingewiesen werden, daß auf den Inhalt 
dieser Arbeit eine Reihe von Schutzrechten angemeldet sind. 


A. Ristow: Der drahtlose Weckanruf für Einzel- und Sammelruf. 


169 


Der drahtlose Weckanruf für Einzel- und Sammelruf. 
Von A. Ristow, Berlin. 


Inhaltsübersicht. 

Es werden die Probleme bei einem wahlweisen 
drahtlosen Weckanruf untersucht, die einfachsten und 
betriebssichersten Lösungen besprochen und eine in 
der Praxis bewährte Anlage beschrieben. 


Die Einrichtung, eine Gegenfunkstelle auch an- 
zurufen, wenn bei ihr keine personelle Dauer- 
beobachtung der Anrufwelle erfolgt oder vorher keine 
feste Anrufzeit vereinbart ist, dürfte einen der wesent- 
lichsten Nachteile des drahtlosen gegenüber dem 
Draht - Fernmeldedienst beseitigen. Ein derartiger 
„drahtloser Weckanruf“ erspart bei den Funkstellen, 
die dauernd erreichbar sein müssen, erhebliches Per- 
sonal. Er gibt ferner die Möglichkeit der Verbreitung 
. des drahtlosen Fernmeldedienstes überall da, wo bis- 
her auf ihn infolge des hohen Personalaufwandes und 
der Unzweckmäßigkeit der vorherigen Festsetzung 
einer Anrufzeit verzichtet werden mußte. 

Der Drahtfernmeldedienst ist mit einer Weck- 

einrichtung versehen zur Einführung gelangt. Ohne 
diese hätte er auch nicht annähernd seine Verbreitung 
gefunden. Nur wenige von den vielen, die heute über 
einen Fernsprechanschluß verfügen, hätten es wohl 
notgedrungen auf sich genommen, dauernd eine Per- 
son am Hörer auf einen Anruf achten zu lassen oder 
solche auf eine bestimmte Zeit (z. B. die ersten fünf 
Minuten jeder Stunde! vorher zu beschränken. Beim 
drahtlosen Fernmeldedienst sind erst in letzter Zeit 
hierin einige Erfolge zu verzeichnen (obwohl die Ver- 
suche hierzu sehr alt sind), jedoch nur mit der Ein- 
` führung eines drahtlosen Sammelanrufes z. B. bei 
© SOS-Rufen. Eine der wichtigsten Anforderungen an 
- den drahtlosen Weckanruf scheint mir jedoch die 
Möglichkeit zu sein, wahlweise einzeln oder in 
beliebiger Anzahl gleichzeitig die Gegenfunkstellen im 
© Bereich der Reichweite des Rufsenders anzurufen. 
. Ein Sammelanruf hat sehr beschränkte Verwendung 
z. B. bei dringender Gefahr oder bei den Rundfunk- 
. Nachrichten „an alle“. 
Drei technische Probleme möchte ich beim „draht- 
‘ losen Weckanruf‘ unterscheiden: die Uebertragung 
der erforderlichen Energie zur anzurufenden Emp- 
- Tangsstelle von der Sendefunkstelle — die Stör- 
befreiung des Anrufzeichens zur Vermeidung von 
Fehlanrufen oder Nichtauslösung des Alarmsignals — 
die möglichst einfache Art der Auslösung des Alarm- 
signals nach Eintreffen des Anrufzeichens, auf das die 
Weckeinrichtung der betr. Funkstelle abgestimmt ist 
(iedoch nur dann). Das zweite Problem ist sicher 
das schwierigste. 

Doch dürfen die beiden anderen nicht vernachläs- 
sigt werden. Bei der von mir im Polizeiinstitut für 
Technik und Verkehr entwickelten Apparatur — die 
in Anlehnung an die Untersuchung der drei tech- 
nischen Probleme in folgendem beschrieben wird — 
sind die Energieübertragung und die Einfachheit in 
der Auslösung des Zeichens zum Ausgangspunkt der 
Entwicklung gemacht worden. 

Der Uebertragung der notwendigen Energie zur 
„ anzurufenden Stelle stehen folgende Schwierigkeiten 


entgegen: Ungenauigkeit in der Abstimmung der 
Sender, hiermit in Verbindung die Unmöglichkeit der 
Nachabstimmung der Empfangsanlage und die 
Schwunderscheinungen. Bei personeller Beobachtung 
achtet der Abhörende auch auf die benachbarten 
Frequenzen der Anrufwelle.. Hört er dabei den 
Sender, so kann er seine Empfangseinrichtung leicht 
auf den optimalen Wert einstellen. Diese Möglichkeit 
fällt beim Weckanruf fort, da der Empfangsapparat 
erst nach Auslösung des Weckanrufes bedient wird. 
Die Sendefrequenz wird bei quarzgesteuertem Sender 
ziemlich gleichbleibend, weniger genau bei fremd- 
erregtem und sehr ungenau bei eigenerregtem Sender 
sein. Die quarzgesteuerten Sender können bei diesen 
Ueberlegungen mit Rücksicht auf ihre Genauigkeit 
ohne Berücksichtigung bleiben. Nun gibt es aber 
verhältnismäßig wenig quarzgesteuerte Geräte, ganz 
abgesehen davon, daß die Quarzsteuerung auch ihre 
erheblichen Nachteile hat und in vielen Funkbetrieben 
keine Anwendung finden wird. Bei den fremderregten 
oder gar eigenerregten Sendern muß die Abstimmung 
durch besondere Frequenzkontroller genau beobachtet 
werden. Derartige Frequenzkontroller können sehr 
einfach sein (z. B. ein Einrohr-Ueberlagerer), da es 
oft nicht so sehr darauf ankommt, die zugewiesene 
Sendefrequenz einzuhalten als stets die gleiche 
Frequenz zu verwenden, die bei der erstmaligen Ein- 
stellung verwandt ist. Ist es erforderlich, auch die 
zugewiesene Sendefrequenz genau einzuhalten, so be- 
darf es geeichter Frequenzkontroller, z. B. Wellen- 
messer oder Quarzoszillatoren. Immerhin muß mit 
einer gewissen Ungenauigkeit gerechnet werden. Ich 
habe längere Versuche angestellt, um die Grenzwerte 
der hierbei zu berücksichtigenden Ungenauigkeit fest- 
zustellen. Die Versuche hatten folgendes Ergebnis: 


1. Ein festeingestellter Empfänger, der von zwei 
örtlich getrennten Sendern (eigenerregt ohne beson- 
dere Frequenzkontrolle) angerufen wird. Der Emp- 
fänger wird zunächst auf jeden Sender optimal ab- 
gestimmt. Die Abweichung betrug ca. 1%. In der 
Mittelstellung zwischen diesen optimalen Abstimmun- 
gen ergaben die beiden Sender = 10 bzw. 15 mA. 


Am 2. Tage ergaben Sender I =9 mA, Sender Il = 16 mA 


„ 3. n „ 2) I=11 mA, „ I = 15mA 
n 4. „ „ „ l= —r 13 mA, Rn I == 15 må 
3 5. 19 2» 9 I = 9 mA, 1 JI = 18 mA 


Die Lautstärke schwankte demnach zwischen 18 
und 9 = 2:1 = um 100%. 


2. Ein festeingestellter Empfänger, der von einem 
Sender (eigenerregt mit Einrohr - Ueberlagerungs- 
empfänger als Frequenzkontrolle) gerufen wird: 


Am 1. Tage 20 mA 

— 16 mA 
17 mA 
17 mA 
18 mA 
18 mA 
N 16 mA 


schwankte zwischen 20 und 16 


FERNE 
IN 


Die Lautstärke 
= .5:4 25%: 


170 


Bei optimaler Abstimmung der Empfangsanlage 
muß daher entsprechend mehr Strom im Gleichrichter 
erzielt werden als an sich zur Betätigung der Appa- 
ratur erforderlich. Ist die Apparatur z. B. auf eine 
Empfindlichkeit von 10 mA abgestimnit, so muß man 
lediglich bei Berücksichtigung der Frequenz- 
schwankungen des Senders = 12,5 mA zur Verfügung 
haben, wenn die Empfangsstelle nur von einem 
Sender, und 20 mA, wenn die Empfangsstelle von 
mehreren Sendern angerufen werden soll. Die Emp- 
fangsapparatur bleibt, wie ebenfalls durch sehr ein- 
gehende Messungen überprüft ist, praktisch in der 
gleichen Abstimmung erhalten, wenn die Anoden- 
spannung sich nicht mehr als 10% ändert und die 
Heizspannung nicht unter 3,7 Volt sinkt. Die Rück- 
kopplung ist hierbei so einzustellen, daß sie innerhalb 
dieser Spannungsschwankungen nicht abreißt. Es ist 
daher lediglich notwendig, an der Empfangsstelle von 
Zeit zu Zeit die Stromquellen nachzuprüfen. Die 
Schwierigkeiten der Schwunderscheinungen, die sich 
besonders bei den kürzeren Wellen ergeben, umgeht 
man am besten dadurch, daß die erste Abstimmung 
mit der erwähnten Toleranz im Gleichrichter in der 
empfangsungünstigsten Zeit vorgenommen wird. 

Besondere Beachtung ist hierbei dem zulässigen 
Dauer-Störspiegel zu widmen, der sich aus örtlichen 
Störungen oder auch Ueberlagerungen fremder modu- 
lierter Sender ergibt. Liegt das Anzugsmoment eines 
Relais bei 10 mA, so wird dieses Relais bei sicherem 
Kontakthub erst abfallen, wenn der Erregerstrom auf 
ca. 6 mA zurückgeht. Dies hat zur Folge, daß prak- 
tisch der Störspiegel nicht über 4 mA liegen dürfte. 
Die Sendeimpulse müßten demnach eine Differenz von 
8,5 mA bzw. 16 mA auslösen. Dies würde bei größeren 
Entfernungen Sender von erheblicher Leistung be- 
dingen. Hinzu kommt, daß bei dieser Finstellung des 
Empfängers (Störspiegel 4 mA, optimaler Ausschlag 
bei Aufnahme der Impulse des Senders = 12,5 bzw. 
20 mA) die meister Störer kurzer Dauer zwischen 
6 und 10 mA liegen. Mehrtägige, genaue Beobachtun- 
gen im Februar 1929 auf Welle 1340 (Ort: Empfänger- 
prüfraum des Polizei-Instituts für Technik und Ver- 
kehr in Berlin, Golßenerstr.) ergaben, daß 70—80 % 
aller kurzen Störer im Gleichrichter 6—10 mA an- 
zeigten. Diese Beobachtungen in Verbindung mit dem 
Bestreben, erhöhte Senderleistungen zu vermeiden, 
führte dazu, den Weckanruf mit einer Kontrolle der 
Amplitude des Erregerstromes zu versehen. Diese 
Amplitudenkontrolle unterbricht kurz vor Beendigung 
jedes Impulses den Erregerstrom. Die Unterbrechung 
wird unwirksam, sobald die Amplitude noch 10 mA 
(die Anzugsempfindlichkeit des Eingangsrelais) be- 
trägt. Liegt sie darunter, so zieht das Eingangsrelais 
des Weckanrufes nicht mehr an. Dieser Einrichtung 
dürfte in erster Linie das zuverlässige Arbeiten dieses 
Weckanrufes zuzuschreiben sein. Sie hat außerdem 
den Vorzug, daß der allgemeine Störspiegel wesentlich 
gehoben werden kann, ohne daß die sichere Aus- 
lösung allzusehr in Frage gestellt ist. Es genügt 
crforderlichenfalls auch eine Differenz zwischen Stör- 
spiezel und Ausschlag bei Aufnahme der Sender- 
impulse von 5 mA (evtl. noch weniger). Dies ist bei 
Verwendung von leistungsfähigen Röhren RE 134 oder 
car RE 604) bei Aufnahme von Sendern geringer 
Leistung auch bei größeren Entfernungen leicht zu 
erreichen. 


A. Ristow: 


Weiterhin ist es erforderlich, daß die Sender- 
impulse genau mit der erforderlichen Charakteristik 
des Anrufzeichens (Dauer der Striche und Pausen! 
übereinstimmen. Je höher hier die zulässige Toleranz, 
um so geringer die Selektivität bei der Empfangs- 
apparatur. Mehr als + 5% erscheinen mir nach 
längeren Beobachtungen nicht zulässig, will man die 
Gefahr des Fehlanrufes völlig vermeiden und die 
Dauer der einzelnen Impulse bei verschiederien Anrui- 
zeichen nicht mehr als + 10% auseinander!zgen. Eine 
Genauigkeit von + 5% in der Tastung dsr Sende- 
impulse läßt sich nur maschinell — aber dann ohne 
besondere Schwierigkeit — erzielen. Es genügt ein 
gewöhnlicher Elektromotor, der ein Kontaktrad an 
Stelle der Morsetaste bewegt. Das Anrufzeichen wird 


aus den in der Telegraphie üblichen Strichen ver- 


schiedener Länge zu bilden sein. Man kann es außer- 
dem noch in verschiedenen Frequenzen übermitteln, 
doch halte ich dies nach eingehenden Ueberlegungen 
und Versuchen weniger zweckmäßig. U. a. benötigt 
man bei den Sendestellen Modulationseinrichtungen, 
das Wellenband ist breiter und beim Empfänger muß 
auf die Vorzüge der Rückkopplung verzichtet werden. 
Außerdem ist es m. E. zweifelhaft, ob es dadurch ge- 
lingt, die Apparatur selbst sehr einfach zu gestalten. 
Keineswegs dürfte es genügen, das aufgenommene 
Zeichen unmittelbar über eine niederfrequente Selek- 
tionseinrichtung auf einen Schrittwähler wirken zu 
lassen — wie dies vielfach m.W. versucht wird. 


Das Anrufzeichen muß so gewählt werden, daß es ` 


zwei Aufgaben erfüllt: die Auswahl der gewünschten 
Funkstelle und — in Verbindung mit den anderen Ein- 
richtungen hierzu — die Störbefreiung. Die Gesamt- 
länge soll möglichst gering sein. Je länger das 
Zeichen ist, um so größer ist die Gefahr, daß seine 
Wirkung durch Störer vernichtet wird. Andererseits 
kommt man ohne eine gewisse Länge nicht aus. 
Schon der erste Strich muß erfahrungsgemäß beson- 
ders lang sein. Es ist dies ein einfaches und wirk- 
sames Selektionsmittel.e. Ueber die Zeitdauer des 
ersten Striches gehen allerdings die Ansichten sehr 
auseinander. 2—3 Sekunden dürften genügen. Es 
empfiehlt sich aber, das erste Zeichen etwas länger 
zu machen als die Dauer eines folgender Striches 
und einer Pause. 


Um die Auswahl der gewünschten Funkstelle zu 
ermöglichen, kann man verschiedene Wege ein- 
schlagen. Am nächsten liegt wohl die Anlehnung an 
die Morsezeichen, d. h. eine Kombination von kurzen 
und langen Strichen in beliebiger Reihenfolge. 
Doch ergeben sich hierbei konstruktive Schwierig- 
keiten. Wesentlich einfacher dürfte es sein, innerhalb 
eines Anrufzeichens nur Striche und Pausen von 
gleicher Dauer mit Ausnahme des ersten und des 
letzten Striches zu verwenden. Die Zahl der Zeichen 
zwischen dem Anfangs- und Endstrich wird man nicht 
unter 2 und nicht über 6 wählen dürfen. Niinmt man 
nun nur drei verschiedene Zeiten der Striche bzw. 
Pausen an, so ergeben sich für Verwendung aul 
einer Welle = je 5 Zeichen mit 1, 2, 3 Strichlängen 
und 1, 2, 3 Pausenlängen = 5 X 9 = 45 verschiedene 
Anrufzeichen. Mehr werden wohl bei keinem Funk- 
betrieb auf einer Welle benötigt. Wenn mehrere ört- 
lich voneinander getrennte Sender auf einer Welle 
mit dem Weckanruf arbeiten, so läßt sicli durch die 


- 


Der drahtlose Weckanruf für Einzel- und Sammelruf. 


~- Abstufung der Energie der Sender die Zahl der auf 
-= einer Welle wahlweise anrufbaren Funkstellen (bei 


2—6 Strichen und drei verschiedenen Zeitdauern) er- 
heblich vermehren. 

Zur Störbefreiung kann die Charakteristik des An- 
rufzeichens ganz erheblich beitragen. Den ersten 
Strich habe ich bereits erwähnt. Nun kann durch eine 


© Kombination von Relais usw. ohne große Schwierig- 


.. keit eine weitere Selektion erreicht werden. Die 
=- Relais usw. des Weckanrufes werden dann also durch 
die Impulse erregt. Die Charakteristik des Anruf- 
zeichens ist alsdann unter Berücksichtigung der auf- 
tretenden Störimpulse und der Zweckmäfßigkeit der 
Konstruktion u. a. als Kompromiß günstigst aus- 
zuwählen. 

Aber diese oft gewählte Methode bei den zalıl- 
reichen Versuchen zur Entwicklung eines drahtlosen 
Weckanrufes wird m. E. nie zu einem vollwertigen 
Gerät führen. Den Beweis liefert eine eingehende 
Beobachtung der Störimpulse. Selbst in empfangs- 
günstigen Orten sind die Störungen auf fast allen 
- Wellen derart, daß es in den wenigsten Fällen ge- 
lingen wird, ein Anrufzeichen aufzunehmen, ohne daß 
nicht irgendein Störimpuls von annähernd gleicher 
Amplitude sich in ihm bemerkbar macht — es sei 


. denn, daß ganz ungewöhnliche Sendeenergien zur Ver- 


fügung stehen. Wenn aber irgendein Störimpuls sich 
im Anrufzeichen befindet, so muß durch diesen bei 
dieser Art der Steuerung (unmittelbare Steuerung 
der Relais usw. durch die einfallenden Impulse) das 
‘ Anrufzeichen unwirksam werden oder bei ent- 
sprechender Kombination der Störimpulse zum Fehl- 
anruf führen. Es läßt sich dies teilweise nur ver- 
meiden, wenn die Toleranz der Zeitdauer der Striche 
und Pausen sehr groß ist — aber dann ist hierbei 
wiederum unmöglich, eine größere Anzahl von An- 
rufzeicher zu erhalten. Gewiß ist theoretisch hierzu 
auch dann die Möglichkeit noch gegeben — aber 
nur unter großem Aufwand. Eine Weckeinrichtung 
aber, die kompliziert ist, trägt schon von selbst den 
technischen und ökonomischen Keim der geringen 
Verwendungsfähizkeit in sich. Man hat Weck- 
einrichtungen entwickelt, die einige zwanzig Relais 
usw. enthalten. Selbst wenn es sich dabei um ein- 
fache, in anderen Einrichtungen bewährte Relais 
handelt, kann eine derartige Apparatur keine brauch- 
bare Lösung sein. Zur Vermeidung von vielen 
Relais, Wählern usw. sind in dieser Apparatur mit 
bestem Erfolg Zeitrelais verwandt, bei denen die 
Verzögerung (Anzugs- oder Abfallverzögerung) auf 
mechanischem Wege erfolgt. 

© Die Störer im Funkempfänger lassen sich ein- 
teilen in Dauerstörer (Ueberlagerung durch einen 
modulierten Sender oder örtliche Maschinen usw.), 
atmosphärische Geräusche und fremde Telegraphie- 
störer. Gegen Dauerstörer von annähernd gleicher 
oder größerer Amplitude gibt es m. E. kein Mittel. 
Sie decken den Empfänger zu und machen selbst 
einen Hörempfang unmöglich. Mehr als vom Hör- 
empfang kann man aber zunächst vom Weckanruf 
nicht erwarten. Ein modulierter Sender hätte aller- 
dings die Möglichkeit, mit einer gänzlich anderen 
Frequenz auch dann einen Weckanruf durch- 
zubringen. Aber, wie bereits oben ausgeführt, die 
Nachteile des Weckanrufes auf modulierten Sendern 
sind so erheblich und der praktische Erfolg so 


171 


= 7 — 


zweifelhaft, daß man lieber den Weg eines selek- 
tiven Empfanges gehen soll. Liegt die Aınplitude 
des Dauerstörers etwas unter der des anrufenden 
Senders, so wird der Dauerstörer durch die bereits 
erwähnte Amplitudenkontrolle auch dann unwirsam 
gemacht, wenn die Differenz nur sehr gering ist. 
Zahlreiche Beobachtungen haben gezeigt, daß selbst 
in empfangsungünstigen (Gegenden auf wenig 
störungsfreien Wellen Dauerstörer von hoher Am- 
plitude (mehr als 8-9 mA) bei Verwendung von 
einigermaßen selektiven Empfängern vermieden 
werden können. Schwierig ist es allerdings, Dauer- 
störer zu vermeiden, deren Amplitude noch über der 
Abfallempfindlichkeit des Eingangsrelais liegt — es 
sei denn, man verzichtet auf leistungsfähige Emp- 
fangseinrichtungen und entspr. Reichweite. Aber 
nochmals — derartige Störer, zwischen der Anzugs- 
und Abfallempfindlichkeit macht die Amplituden- 
kontrolle unwirksam. 

Störungen durch atmosphärische Elektrizität oder 
durch fremde Telegraphiesender bestehen fast durch- 
weg aus kurzen Impulsen, die allerdings oft sehr 
rasch hintereinander folgen. Die sehr wenigen 
Zeiten, in denen sie zu einem Dauerimpuls zusammen- 
fallen, können außer acht gelassen werden. Wir 
haben uns demnach in der Hauptsache noch mit den 
kurzen Störimpulsen gleicher oder größerer Ampli- 
tude als die des Rufsenders auseinanderzusetzen. 

Zu ihrer Beseitigung und zur Verwendung mög- 
lichst vieler Anrufzeichen auf gleicher Welle ist der 
Weg der unmittelbaren Steuerung von Relais der 
Weckeinrichtung durch den Rufsender bis zur Aus- 
lösung der Impulsgabe verlassen und folgende An- 
ordnung getroffen: 

Nach Beendigung des ersten Striches beginnt die 
Weckeinrichtung selbsttätig zu arbeiten. In 
der Charakteristik ihrer Anrufzeichen treibt sie ein 
Schrittwähler bis zu dem Kontakt, an dem sich die 
Signaleinrichtung befindet. Die Energie hierzu wird 
örtlichen Stromquellen entnommen. Die vom Sender 
ausgesandten und im Empfänger gleichgerichteten 
Impulse kontrollieren lediglich diesen Vorgang. Das 
selbsttätige Arbeiten und dessen Kontrolle durch die 
aufgenommenen Sendeimpulse muß also sychron in 
der Charakteristik des Anrufzeichens erfolgen — 
sonst wird durch ein Stromstoßpendel die Apparatur 
in die Anfangsstellung zurückgeführt, und zwar — 
was selır wesentlich ist — sofort beim Auftreten der 
ersten Ungenauigkeit, nicht aber erst nach Be- 
endigung des Zeichengebers. 

In der Uebersichtsskizze (Bild 1) ist „J“ das erste 
Eingangsrelais, das im Anodenkreis des Gleichrichters 
liegt und auf das die im Empfänger aufgenommenen 
Impulse wirken. Die Empfindlichkeit dieses Relais 
ist auf 10 mA Anzug und 6 mA Abfall eingestellt. 
Im Anodenstromkreis des Gleichrichters ist in Serie 
mit der Wicklung des „J“-Relais der Unterbrechungs- 
kontakt der Amplitudenkontrolle eingeschaltet — in 
der Skizze der Einfachheit halber als Wagnerscher 
Hammer eingezeichnet. Bei Betätigung dieser Ampli- 
tudenkontrolle wird der Anodenstromkreis völlig 
unterbrochen und der Anker des ,„J“-Relais fällt ab, 
zieht jedoch sofort wieder an, sofern im Anoden- 
kreis des Gleichrichters noch mindestens 10 mA vor- 
handen sind. Ein Kleben des Ankers beim Strom- 
stärken von 10--6 mA (Anzugs- und Abfallempfind- 


172 


A. Ristow: Der drahtlose Weckanruf für Einzel: und Sammelruf. 


lichkeit) ist dadurch unmöglich gemacht. Störer in 
dieser Größenordnung : sind dadurch : unwirksam. 
Durch den Arbeitskontakt des „J“-Relais wird ein 
Stromkreis geschlossen, in dem die Wickelung eines 
Zeitrelais mit Anzugsverzögerung (AZ) liegt. Ruhe- 
und Arbeitskontakte sind außerdem mit entsprechen- 
den Kontakten (2 u. 4) des zweiten Zeitrelais, dessen’ 
Verzögerung jedoch beim Abfall liegt (AB), und dem 
Stromstoßpendel so geschaltet, daß beim richtigen 
Arbeiten der Apparatur der  Erregerstrom. des 
Stromstoßpendels entweder an den Kontakten des 


Empfänger über 
Gleichrichter 


Amplituden-Kontrolle 
dakan 


‚Drahtloser Weckanruf 
| schematisch 
System Tefag-Ristow 


Bild 1. 
Schaltungsschema der Wan nähtung beim Empfänger des 
‚drahtlosen Weckanrufs System Tefag-Ristow. 


„J“-Relais oder an denen (2 er 4) des AB-Relais 
unterbrochen ist. Sobald nach Kontaktgabe des AZ- 
Relais der Anker des AB-Relais angezogen ist, wird 
in dieser Stellung (Kontakt 1) der Schrittwähler er- 
regt, der einen Schritt macht. Gleichzeitig wird ein 
weiterer Kontakt (2) geschlossen, der für einen be- 
stimmten Teil des Ankerabfalls als Folgekontakt aus- 
gebildet ist. Um die Ruhestellung dieses Folge- 
kontaktes (2) wird ein weiterer Folgekontakt (3) ge- 
schlossen, der die Amplitudenkontrolle in Tätigkeit 
setzt. Ist beim verzögerten Abfall des Ankers des 
AB-Relais der Kontakt 2 geöffnet, so wird der Folge- 
kontakt 4 geschlossen. Ist der Anker des AB-Relais 
an seiner Ruhestellung angelangt, so wird über Kon- 


takt 5 das AB-Relais erneut erregt und der Vorgang 


wiederholt sich. Der Wähler macht einen weiteren 
Schritt usw. Die Abfallzeit des Ankers des 4B- 
Relais richtet sich nach der Dauer eines Punktes 
und einer Pause. Nimmt man z. B. ein Zeichen, 
Strich, Pause, Punkt, Pause, Punkt, Pause, Strich, 
so muß die Signalauslösung beim 4. Kontakt des 
Schrittwählers angebracht werden. Die Länge des 
Punktes soll 1 Sek. und die der Pause 0,8 Sek. be- 
tragen. Die gesamte Abfallzeit des Ankers des AB- 
-© Relais ist demnach auf 1,8 Sek. einzustellen. Folge- 
kontakt 2.muß 1 Sek. und Folgekontakt 4 = 0,8 Sek. 
geschlossen sein. Der Zeitpunkt des. Ankeranzuges 
beim AB-Relais muß mit dem des J-Relais zusammen- 
fallen und das Oeffnen des Folgekontaktes 2 bzw. 
das Schließen des Folgekontaktes 4 mit dem Anker- 
abfall des J-Relais, sonst wird das Stromstoßpendel 
ausgelöst. Durch diese Wechselwirkung der Folge- 


kontakte 2 und 4 beim AB-Relais mit dem Ruhe- und 


Arbeitskontakt beim J-Relais auf das Stromstoß- 
pendel erfolgt die Kontrolle der Zeichengabe. Gibt 


der ruhende Sender z. B. Punkte nicht mit 1 Sek. 
Dauer, sondern z. B. mit 1,2 Sek. Dauer, so wird 
der Stromkreis zum Stromstoßpendel bei Kontakt t 
des AB-Relais ‚geschlossen, ohne daß Unterbrechung 
beim Arbeitskontakt des J-Relais erfolgen konnte. 
Entsprechend ist die Wirkung bei zu kurzen Punkten 
bzw. unrichtiger Zeitdauer der Pausen. Andererseits 
läßt diese. Einrichtung in der einfachsten Weise: eine 
fast beliebige Anzahl von Anrufzeichen zu. Als Bei- 
spiel für die Wirkung kurzer Störer wollen wir einen 
Störsender annehmen, der mit Tempo 60 Buchstaben- 
Min. ein Telegramm durchgibt und dessen Amplitude 
im Empfänger 15 mA beträgt. Das J-Relais wird 
dabei dauernd in Tätigkeit gesetzt. Solange nicht die 
Apparatur über das AZ-Relais zum Ansprechen ge- 
bracht ist, sind diese Telegraphiezeichen völlig un- 
wirksam. Ist durch einen längeren Störer das AZ- 
Relais zum Ansprechen gebracht, so geht schon im 
Laufe der nächsten Sekunde die Apparatur wieder 
durch das Stromstoßpendel:. in die Anfangsstellung 
zurück. Die Aufnahmefähigkeit des richtigen Anruf- 
zeichens ist durch ‘die dauernde Betätigung des 
J-Relais durch den Störtelegraphiesender auch nicht 
behindert, denn bei Strichen und Punkten sind Stör- 
telegraphiezeichen unwirksam und die Apparatur 
kommt über das AZ-Relais zunächst zum Arbeiten. 
Am Ende des ersten Striches geht das J-Relais aus 
der Dauererregung zwar wieder in den Rhythmus 
des Störtelegraphiesenders über, die kürzeste Pause 
genügt jedoch, um das AZ-Relais zum Abfall zu 
bringen. In der Wirkung des Stromstoßpendels läßt 
sich ohne Schwierigkeit eine Verzögerung erreichen, 
die schon mit Rücksicht auf die Unkonstanz des 


en 


De ve 


T 
> t 
B 
t 
| 
: 
b 


mee o tu 


Bild 2. 
Der drahtlose Weckanruf „System Tefag-Ristow“ in betriebs- 
fertigem Zustand (Haube abgenommen) an einen 5 Rohr-Empfänger 
angeschaltet. 


Kontaktgebers notwendig ist. Wenn für ein Morse- 


zeichen durchschnittlich fünf Impulse angenommen 


werden, so dauert ein Impuls bei 60 X 5 = 300. Imp.| 
Min. = 5 Imp./Sek. = 0,2 Sek., der durch die Ver- 
zögerung im Stromstoßpendel unwirksam ist. Bei 
einigermaßen selektivem Telegraphieempfänger ist 
aber selbst bei ungünstigen Wellen ein Störsender 
von 10 mA oder mehr sehr selten. Gibt man aber 
außerdem. — wie beim Hörempfänger — den Anruf 
mindestens dreimal durch, so ist eine sichere Gewähr 
für die Auslösung des Anrufes gegeben. Beim 
Polizeiinstitut für Technik und Verkehr sind unter 
den ungünstigsten Verhältnissen über 1, Jahr Dauer- 


TAg 


in ca. 1 km Entfernung der Fiughafensender. 


F. Kiebitz: Die Wellenausbreitung des Deutschlandsenders. 


- versuche angestellt worden. Der Empfänger (5-Rohr- 


Neutrodyn-Rundfunkempfänger) mit der 
Weckeinrichtung (s. Bild 2 u. 3) war im Empfänger- 
prüfraum in der Golßener Straße aufgestellt. In 
100 m Entfernung befand sich ein Polizeisender und 
Die 
vielen elektrischen Anlagen im Polizeiinstitut er- 
zeugten sehr oft einen Dauerstörspiegel von 8 mA. 


- Als Sender wurde ein Polizeisender (eigenerregter 


Telefunkensender mit einer Antennenstrahlleistung 
von ca. 40 Watt) in einer Entfernung von 350 km 
gewählt. Wenn ausnahmsweise Anrufe nicht an- 


kamen, (es wurde täglich zehnmal angerufen), so lag 


es lediglich an der großen Inkonstanz des Senders 


und ungenauer Zeichengabe — Bedienungsfehler, die 
nach einiger Uebung des Personals ebenfalls fast 
völlig aufhörten. 


Zusammenfassung. 


Es wird eine Einrichtung beschrieben, die den 
wahlweisen Anruf von Funkstellen auf gleicher 
Welle durch Auslösung einer Signaleinrichtung bei 
der Empfangsstelle gestattet. Die Probleme hierbei 
— Uebertragung der erforderlichen Energie, Stör- 
befreiung des Anrufzeichens, die Art der Auslösung 
der Signaleinrichtung — werden untersucht und im 


173 


Anschluß hieran die Apparatur beschrieben. Die im 
Empfänger aufgenommenen Impulse des Rufsenders 
betätigen nicht unmittelbar Relais bis zur Auslösung 
der Signaleinrichtung (mit Ausnahme des ersten Zeit- 
relais), sondern kontrollieren lediglich die selbst- 
tätige Inbetriebsetzung eines Schrittwählers im 
Rhythmus des Anrufzeichens. Ist diese Kontrolle 
nicht synchron mit der selbsttätigen Zeichengabe, so 
fällt die Apparatur durch einen Stromstoßpendel in 
sich zusammen. Die Wirksamkeit des Stromstoß- 
pendels wird für die Dauer von Telegraphiezeichen 
unwirksam gemacht. Eine Amplitudenkontrolle der 
Eingangsströme macht ferner alle Störer unwirksam, 
die unter der Anzugsempfindlichkeit des Eingangs- 
relais — insbesondere die über der Abfallempfindlich- 
keit liegen — unwirksam. Eine große Auswahl von 
Anrufzeichen und Beseitigung aller Störer, die sich 
nicht als Dauerstörer mit gleicher oder größerer 
Amplitude als die des Rufsenders auswirken, ist da- 
durch erreicht. 


Das praktische Arbeiten dieser bereits in fabrik- 
mäßiger Serienausführung vorliegenden drahtlosen 
Weckanrufeinrichtung (Fabrikat der Telephonfabrik 
A.-G. Berliner) wird beschrieben. 


(Eingegangen am 10. September 1929.) | 


Die Wellenausbreitung des Deutschlandsenders’. 


Mitteilung aus dem Reichspostzentralamt. 
Von F. Kiebitz. 


Inhaltsübersicht: 


Methoden der Feldstärkebestimmung. 
Genauigkeit der Beobachtungen. 

Berechnung der Strahlen und ihrer Absorption. 
Messergebnisse beim Deutschlandsender. 
Zusammenfassung. 


nun“ 


1. Einleitung: 


Die Ausbreitung elektrischer Wellen ist in den 
letzten Jahren der Gegenstand zahlreicher Beobach- 
tungen, Theorien und Hypothesen gewesen. Ver- 
einzelt sind seit langer Zeit objektive Beobachtungs- 
methoden angewendet worden. So hat M. Reicht) 
im Jahre 1910 Messungen veröffentlicht, bei denen 
der in einer definierten abgestimmten Antenne emp- 
fangene Strom galvanometrisch gemessen wurde. 

Diese Methode der Feldstärkcermittlung aus Emp- 
fangsstrom, Höhe und Widerstand der Antenne ist 
nach Einführung der Verstärkerröhren außerordent- 
lich verfeinert worden, zuerst wohl von G. An- 
ders’) Mit seinem Gerät gelang es M. Bäum- 
Jer°), die Stärke der von Amerika einfallenden 
(iroßBstationswellen in Berlin zu bestimmen. Ein 
(jerät, das sich besonders für Feldstärkemessungen 
im Bereich der Rundfunkwellen eignet, hat Bäumler‘) 


*) Ausführlicher Elektr. Nachr. Techn. 6, S. 303, 1929, Heft 8. 

1) M. Reich, Phys. Ztschr. 14, S. 934, 1913. 

2) G. Anders, ENT 2, S. 401, 1925; Ref. ds. Ztschr. 28, S. 91, 
1926. 

3) M. Bäumler, ENT 1, S. 50, 1924. 

i) M. Bäumler, ENT 1, S. 160, 1924; TFT 17, S. 193, 1928. 


beschrieben. Mit dieser und mit ähnlichen Anord- 
nungen sind in den letzten Jahren viele Feldstärke- 
messungen ausgeführt worden, sowohl in Deutsch- 
land als auch im Ausland’). 

Im vorliegenden Aufsatz sind Messungen dieser 
Art beschrieben, die im Herbst 1928 in der Umgebung 
des Deutschlandsenders in Zeesen angestellt wurden. 


2. Beobachtungsergebnisse. 


Die Beobachtungen erstreckten sich über sechs 
Tage, an denen gleichmäßig schönes Herbstwetter 
herrschte. Nachtbeobachtungen fanden nicht statt. Es 
sollte auf diese Weise erkannt werden, ob die Boden- 
beschaffenheit einen Einfluß auf die Wellen- 
ausbreitung ausübt. Die vorliegenden Beobachtungen 
erstreckten sich auf Abstände von nur 50—100 km 
vom Sender. Um zu prüfen, ob während der Mes- 
sungen Schwankungen vorhanden waren, die vom 
Sender oder vom Wetter verursacht sein konnten, 
wurde in 130 km Entfernung auf der Versuchsstelle 
in Strelitz dauernd die Intensität der ankommenden 
Wellen kontrolliert. Die dort beobachteten Schwan- 
kungen haben 8% nicht überschritten, so daß an- 
zunehmen ist, daß auch bei allen anderen Beobachtun- 


L. Espenschied, Journal Amer. Inst. El. Eng. 46, S. 25, 1927; 
Ref. ds. Ztschr. 30, S. 106, 1927. 


174 


F. Kiebitz: Die Wellenausbreitung des Deutschlandsenders. 


Unregelmäßigkeiten über 8% der Bodenbeschaffen- 


heit zur Last zu legen sind. 


An den sechs Beobachtungstagen wurden mit dem 
Empfangsgerät Fahrten unternommen, während der 
Zeesener Sender beständig mit bestimmter Antennen- 
stromstärke (meist 40 A) betrieben wurde. Die 
Wellenlänge betrug damals 1250 m, die Eigenwelle 
der Antenne hatte nahezu den gleichen Wert. An den 
sechs Beobachtungstagen wurde an je 10—15 Auf- 
stellungspunkten die Feldstärke bestimmt. Das Emp- 
fangsgerät wurde am Tage vor und nach ieder Fahrt 
im Laboratorium geeicht. Diese Eichungen stimmten 
um weniger als 3% untereinander überein. Die 
absolute Genauigkeit der Senderstromstärke betrug 
5%. Die absoluten Feldstärkeangaben erfahren 
außer durch die Eichunterschiede noch eine Unsicher- 
heit, die sich aus der Bestimmung des Dämpfungs- 
widerstandes und der wirksamen Höhe der Empfangs- 
ordnung ergibt. Wenn man diese berücksichtigt, so 
gelangt man zu einer absoluten Genauigkeit der Feld- 
stärkeangaben, die nur 10% beträgt. 


Die Einstellgenauigkeit des Empfängers beträgt 
ebenfalls nur 10%. Die Fahrten wurden so ein- 
gerichtet, daß an ganz verschiedenen Tagen be- 
stimmte Aufstellungspunkte wieder aufgesucht wur- 
den. Z.B. wurde ein Beobachtungspunkt dreimal auf- 
gesucht. Die Unterschiede in den Einstellungen be- 
trugen dann nie mehr als 15%. Sie erklären sich 
zum Teil durch die Witterungsschwankungen (bis 
8%), zum Teil durch die Unsicherheit der Einstellung 
(bis 10%). 


Besondere Vorsicht war bei der Wahl der Auf- 
stellungsorte geboten. In der Nähe von Gebäuden 
und Freileitungen wurden in der Regel andere Werte 
gemessen als auf freiem Feld. Es ergab sich, daß es 
unzulässig ist, Feldstärkeangaben zu machen auf 
Grund von Beobachtungen, die in weniger als 100 m 
Abstand von Häusern, Leitungen oder Baumgruppen 
angestellt worden sind. Die mitgeteilten Beobach- 
tungen sind sämtlich auf freiem, ebenen Feld gemacht 
worden, das im Umkreis von wenigstens 150 m keine 
Gebäude, Leitungen und Baumgruppen aufwies. 


3. Berechnung. 


Für die Amplitude der elektrischen Wellen kann 
man verschiedene Maße anwenden. Die vorliegenden 
Angaben sind alle auf die Strahlung bezogen. Sie ist 
die Summe der elektrischen und magnetischen Feld- 
energie, die in der Zeiteinheit durch den Querschnitt 1 
hindurchfließt und wird nach Poynting aus der 
Formel berechnet: 


C A 
S= 7 £ Hsin (EH), 


wobei c die Lichtgeschwindigkeit, E die elektrische 
und H die magnetische Feldstärke ist und (EH) der 
Winkel zwischen der Richtung des elektrischen und 
magnetischen Feldes. Bei einem reinen Strahlungs- 
vorgang ist E = H und (EH) = 90°, mithin die Dichte 
des Energiestromes: 

C 


S = — E? 


4n 


(1) 


oder wenn man technische Einheiten für Strahlung 
und Feldstärke einführt: 


Watt 


1^ 
akin (1) 


S — 2652 E? = 
Wenn anderseits ein Sender die Gesamtleistung ^ 
ausstrahlt, so geht im Abstand r durch jeden Quer- 
schnitt ein Energiestrom hindurch, der sich durch dit 
Verteilung der Leistung N auf eine Halbkugel von 
der Fläche 2 z1? ergibt. Da normalerweise die Strah- 
lung längs der Erdoberfläche am dichtesten ist, und 
die Feldstärke sinusförmig mit der Annäherung an 
das Zenith abnimmt, so gilt für die Berechnung der 
Strahlungsdichte an der Erdoberfläche die Formel: 


3 N 3N 
Peg In “ 
oder in technischen Einheiten: 
Ss N(kW) Watt i 
DEI 2 (km) qkm 2) 


Im Falle des Zeesener Senders betrug der wahr- 
scheinliche Wert der ausgestrahlten Leistung 30 kW. 
Diese Zahl entspricht einer Anodenstromleistung von 
50 kW. Die wirksame Höhe kann zu 125 m angesetzt 
werden — bei 210 m Turmhöhe — und der Verlust- 
widerstand zu 3 Ohm. Aus diesen Angaben folgt ein 
Strahlungswiderstand von rund 18,5 Ohm, mithin ein 
Gesamtdämpfungswiderstand von 21,5 Ohm und bei 
40 Ohm Antennenstromstärke eine Antennenleistung 


von 34,5 kW und eine Strahlungsleistung von 30 kW.. 


Um eine Absorption der Wellen rechnerisch dar- 
stellen zu können, pflegt man ebenso wie bei der 
Dämpfung ein logarithmisches Maß einzuführen. Das 
Produkt S.r? würde, wenn keinerlei Absorption statt- 
fände, konstant sein. Wenn man die Abnahme, die 
die Strahlung durch Absorption erfährt, durcli die 
Gleichung beschreibt: | 


RA . $ = Dg’ 17 . e-Plrı—ra) 

so stellt g ein Maß der Absorption dar, und zwar den 
l.ogarithmus der Amplitudenabnahme pro km. Mit 
der Feldstärke ist die Absorption verknüpft durch die 
Beziehung: 


ß 
E\r,=Ests-? (nr) 


so daß aus Feldstärke und Abstandsmessungen die 
Absorption nach folgender Formel berechnet wird: 


In Ern—in Er 


vi — Yo 


B/2= (3) 


Es ist dabei zu beachten, daß die Darstellung der 
Absorption in dieser Form streng genommen nur 
unter bestimmten, in der Wirklichkeit nicht erfüllten 
Voraussetzungen Sinn hat. Nämlich 


l. unter der Voraussetzung, daß die Absorptions- 
ursachen auf der ganzen Wellenfront vom Erdboden 
bis zum Zenith in gleicher Weise wirksam sind und 


2. unter der Voraussetzung, daß die Absorptions- 
ursachen sich mit der Entfernung nicht ändern. 


= — 


j 
l 


| 


M. Büge: Direkte Messung des Modulationsgrades eines Telephoniesenders. 


4. Ergebnisse. 


Die Ergebnisse der rund 100 Beobachtungen sind 
in dem nebenstehenden Bild zusammengestellt. Dieses 
Bild ist auf folgende Weise zustande gekommen: Es 
sind auf der Karte alle Beobachtungspunkte, in denen 
eine Strahlung von 2 Watt/gkm £10 % gemessen 


- wurden, verbunden worden; ebenso alle Punkte, in 
. denen 1 Watt/gkm £ 10% und alle Punkte, in denen 
0,4 Watt/qkm + 10% gemessen worden sind. Sie 


t= 


7 


1250 m 
Wellenlänge 


Aufgenommen 
Herbst 7928 


Wiltenberge 


on 
tidus 


i ! à 
L | 
Ht 
53 SAn 
{Cotto 


| w Q4 Walt/gkm s e 


Strahlungsdiagramm des Deutschlandsenders in Zeesen. 


m 
jan 
1W wirksame 


Antennenhöhe 
135m 


= ordnen sich in drei Riegen, die den Sender um- 
“ schlingen; die Gebiete, in denen keine Beobachtungs- 
- punkte vorliegen, sind punktiert eingetragen worden. 
- Außerdem ist der Kreis gezeichnet, in dem nach der 

Strahlungsformel (2°) die Strahlung 1 Watt/qkm zu 


erwarten gewesen wäre. Er hat 85 km Halbmesser. 
Man erkennt, daß das (Gebiet, in dem tatsächlich 
1 Watt/gqkm beobachtet wurde, innerhalb dieses 
Kreises liegt und keine genaue Kreisform mehr be- 
sitzt. Ebenso weist das Gebiet für 2 Watt/qkm er- 
hebliche Verzerrungen gegenüber der Kreisform auf 
und ebenso das Gebiet für 0,4 Watt/qkm. Nach For- 
mel (3) sind ungefähre Werte der Absorption berech- 


175 


net worden. Sie sind im Verhältnis 1:3 zuverlässig, 
d. h., wenn 0,01 als Absorption angegeben ist, so kann 
P Werte zwischen 0,003 und 0,03 haben. 


Es fällt dabei auf, daß die Gebiete kleinster Ab- 
sorption in den größten Entfernungen vorkommen. 
Vielleicht ist dafür der Lauf der Elbe und der Oder 
verantwortlich zu machen, während große Absorp- 
tionsgebiete mit dem Höhenrücken des Fläming, süd- 
lich von Berlin, und mit dem Waldgebiet im Norden 
von Berlin einigermaßen zusammenfallen. Vielleicht 
hat die Abnahme der Absorption mit der Entfernung 
aber eine grundsätzliche Ursache. Man kann nämlich 
auch daran denken, daß ja die Bodenabsorption nur 
in dem untersten Streifen der’ ganzen Kugelwelle 
wirksam ist, während die übrige Raumstrahlung nicht 
beeinträchtigt wird. Dieser Bodenstreifen beträgt 
aber mit steigender Entfernung einen immer ab- 
nehmenden Bruchteil der gesamten Wellenfront, so 
daß auch aus diesem Grunde die örtlichen Störungs- 
ursachen die Wellen eines nahen Senders verhältnis- 
mäßig stärker absorbieren müssen als die eines 
fernen Senders. In der Tat muß nach dem Prinzip von 
MHuyghens und Fresnel die Raumwelle den am 
Boden absorbierten Energiestrom zum Teil wieder 
ersetzen. 


5 Zusammenfassung. 


Im Herbst 1928 wurden an nahezu 100 Stellen im 
Umkreis von 100 km um den Deutschlandsender in 
Zeesen Messungen der Amplitude der ausgestrahlten 
Wellen vorgenommen. Als Amplitude wurde die in 
der Zeiteinheit durch die Einheit des Querschnitts ge- 
strahlte Energie benutzt, angegeben in Watt/qkm als 
Einheit. Es ergab sich, daß die Wellen eine Absorp- 
tion erfahren, die durch die Beschaffenheit der Erd- 
oberfläche verursacht sein muß, und daß diese Ab- 
sorption in verschiedenen Richtungen verschieden 
groß ist. Die Größe der Absorption, angegeben durch 
den Logarithmus, der auf 1 km verursachten Ver- 
ringerung der Strahlung hat Werte von der unge- 
fähren Größe 0,01 in der Nähe und 0,001 in der Ferne. 


(Eingegangen am 2. August 1929.) 


Direkte Messung des Modulationsgrades eines Telephoniesenders. 


Mitteilung aus dem Elektrotechn. Institut der T.H. Breslau. 
Von M. Biüge. 


Inhaltsübersicht. 


Es werden zwei Schaltungen angegeben, die es 
ermöglichen, den Modulationsgrad eines Telephonie- 
senders direkt durch den Ausschlag eines normalen 
Zeigerinstrumentes (Kreuzspul- oder Drehspulinstru- 
ment) zu messen. 


Unter dem Modulationsgrad eines Telephonie- 
senders wird im Folgenden unter der Annahme einer 
symmetrischen Beeinflussung entsprechend Bild 1 der 
Ausdruck!) verstanden 


Ken 
N im 
1) Vgl. Banneitz. Taschenbuch der drahtlosen Telegraphie 
und Telephonie. 


Die übliche Ueberwachung des Modulationsgrades ist 
im Sendebetrieb eine indirekte: Die mittlere bzw. 
momentane Höhe der dem Gitter zugeführten Modu- 
lationsspannung wird kontrolliert. Die Einstellung der 
hierzu verwendeten Meßgeräte — im allgemeinen 
zweier mit verschiedener Vorspannung arbeitender 
Röhrenvoltmeter — erfolgt empirisch am Sender. Es 
wird also nur ein einmal vorgeschriebener Modulations- 
grad innegehalten, nicht aber die absolute Größe be- 
stimmt oder in vorgeschriebener Weise geändert. 
Zur Bestimmung des tatsächlichen Betrages des Mo- 
dulationsgrades sind Anordnungen z. B. von Thur- 
ner, Gabriel und auch Kuhlmann angegeben, 
die jedoch den Nachteil haben, daß der gesuchte Wert 


176 


durch Rechnung oder Konstruktion aus gemessenen 
Größen folgt. Im Folgenden wird eine Schaltung zur 
direkten Ablesung des Modulationsgrades mitgeteilt. 

Als Anzeigeinstrument dient ein Kreuzspulen- 
system, wie es mit nn z als Ohm- 


Au 
LI in 


unmodulier! moduliert 


Bild 1. 
Aussteuerung eines Telephoniesenders. 


meter, mit Erregerspule als Phasenmesser Verwen- 
dung findet. Die Arbeitsweise beruht darauf, daß der 
Ausschlag der Kreuzspule proportional dem Quotien- 
ten der beiden Spulenströme ist (vgl. Bild 2). 


Bild 2. 
Kreuzspulsystem. 


L 
a=c 2 
tg 


Die Eignung des Instrumentes zur Messung des Mo- 
dnlationsgrades ist klar, es ist nur erforderlich, daß 
ii = ism und fə = im gemacht wird. Dies wird durch 


Bild 3. 
Schaltskizze zur Messung des Modulationsgrades. 


die in Bild 3 vereinfacht gezeichnete Schaltung er- 
reicht. 

Der zu untersuchende Sender induziert in der 
Spule L eine Wechselspannung, deren Scheitelwert 
. bei unmoduliertem Senden em betrage, bei modu- 
liertem Senden &u + en. Die Spannung E, ist der 
Größe nach gleich em; es liegt jedoch ihr negativer 
Pol an der Anode der Ventilröhre V, so daß bei nicht- 
moduliertem Senden der Kondensator C nicht auf- 
geladen wird. Bei moduliertem Senden steigt die 


_M. Büge: 


Kondensatorspannung auf den Betrag esms, 
Spannung E, unverändert bleiben soll. 


Null auf 


la = eg k= Kls 


Die Spulenströme des Kreuzspulinstrumentes be- 


tragen also 
t == k' E == ken 


lo —— ta —— Kesm 


Der Ausschlag des Systems beträgt also 


Für k =k wird 


Instrument zeigt direkt den 
Die ausgeführte Schaltung 


d. h. das 
grad an. 


DOQOOF 


Bild 4. 
Schaltschema 
zur Messung des Modulationsgrades mit Kreuzspulsystem. 


Parallel der vom Sender über die Empfangsantenne 
induzierten Spule L liegt ein Abstimmkondensator. 
Als Ventilröhre V dient eine beliebige Dreielektroden- 
röhre. Verwendet wurde eine Telefunkenröhre Type 
R.S. V. Der variable Kondensator © (Stöpselkonden- 
sator von H. u. B.) ist durch einen hochohmigen Wider- 
stand überbrückt, damit seine Ladung abfließen kann. 
Die Spannung E, ist durch Einschaltung eines induk- 
tionsfreien Spannungsteilers veränderlich gemacht. 
An dem Kondensator € ist die Gitterspannung für die 
Arbeitsröhre R abgegriffen. Hier werden in Parallel- 
schaltung zwei Telefunkenröhren Type R.E. 604 (D= 
27% R:=10°Q) verwendet. Der Anodenruhestrom, 
der bei — eg = 20 Volt, ea= 150 Volt ungefähr 20 mA 
beträgt, wird mit Hilfe des Spannungsteilers Sp. kom- 
pensiert. Als Kreuzspulinstrument diente in provi- 
sorischer Weise ein Phasenmesser. Der Widerstand 
der Meßspulen beträgt 150 Q, der normale Spulen- 
strom 30 mA bei einer Erregerstromstärke von 5 A. 


da die 
Damit wächst 
der Anodenstrom der Arbeitsröhre R, der zunächst 
der Gitterspannung proportional gesetzt wird, von 


Modulations- 
zeigt Bild 4. 


| 


e — — e 


+ Einf © Sn 5 


er 


Direkte Messung des Modulationsgrades eines Telephoniesenders. 


a Die Einstellung des Gerätes erfolgt folgendermaßen: 


FE oa 


I. Der Sender gibt unmoduliert. 


A. Der Ruhestrom der Arbeitsröhre R wird kompen- 
sieft. Dabei ist die Induktivität L kurzgeschlossen. 


B. Der Kurzschluß von Z ist aufgehoben. E, ist gleich 
Null. Der Kondensator C wird auf die Scheitel- 
spannung €m aufgeladen. Der Anodenstrom der 
Arbeitsröhre, der unter der Voraussetzung eines 
genügend hohen Widerstandes des Spannungs- 
teilers Sp gleich dem Spulenstrom i, des Kreuz- 
spulinstrumentes gesetzt wird, steigt um den 


Betrag: 
| dia = Sen 
wobei 
ge 5 
1+2SDR, 


C. Die Spannung des Kondensators C wird durch 
Einregulierung von E, kompensiert. Die Kompen- 
sation ist dann erreicht, wenn dia gerade auf Null 
zurückgegangen ist. Mit Hilfe des Widerstandes 
R „wird der Spulenstrom i, desKreuzspulinstrumen- 
tes auf den Betrag dia = S’e„ eingestellt. Die 
vielleicht infolge dieser Belastung auftretende 
Aenderung von E, muß ausgeglichen werden. 


n'a. 


npp 


Rk 


| pé 


Bild 5. 
 Schaltschema zur Messung des Modulationsgrades. 


II. Der Sender gibt moduliert. Der Ausschlag des 
Kreuzspulinstrumentes beträgt: 
S’esm 


Sen 


Die Fehler der Anordnung liegen darin, daß der Kon- 
densator C infolge der parallel liegenden Ableitwider- 
stände nicht auf die volle Scheitelspannung aufgeladen 
wird ‘und in der Vernachlässigung der der einen 
Kreuzspule parallel geschalteten Widerstandsanord- 
nung. Die praktische Ausführung des Versuches 
führte zu keinem brauchbaren Ergebnis, da die zur 
Verfügung stehenden Kreuzspulsysteme ungeeignete 
Dämpfungen besaßen. Die Schaltung wurde dalıer 
nach Bild 5 abgeändert. 

Bei der Kompensation des Anodenruhestromes be- 
trage der Widerstand des Anodenamperemeters nebst 


Q == 


177 


*Nebenwiderstand RQ, der des Kompensationswider- 


standes RQ. Bei unmoduliertem Geben steige der 
Anodenstrom um dia =S’e„; durch Aendern des 
Nebenwiderstandes des Anodenamperemeters von Ry 
auf R’n wird der Ausschlag des Instrumentes auf 
100° gebracht. Die vorher eingestellte Kompensation 
wird durch diese Aenderung von R nicht beeinträch- 
tigt, wenn Rx hinreichend groß ist (z. B. Ra =10 Q, 
R= 10.10° Q). Durch Aendern von Rp wird der Aus- 
schlag a, = S’em = diaı = 100° kompensiert. Bei mo- 
duliertem Senden steigt der Ausschlag an auf & = 
diaz = S’ esm 


Der Ausschlag a» gibt also den Modulationsgrad 
direkt in Prozenten an. 

Bei dieser Entwicklung ist S’ als unabhängig von 
R,. und von der Gitterspannung angesehen. Die Un- 
abhängigkeit von der Gitterspannung ist im gerad- 
linigen Teil der Arbeitskurve gegeben. Damit die 
Steilheit durch Aenderung von Rx nicht beeinflußt 
wird, muß dieses stets groß gegenüber R4 sein. 

Die Schaltung baut darauf auf, daß der Konden- 
sator € auf den Scheitelwert der induzierten Spannung 
aufgeladen wird. Dies ist natürlich nicht genau er- 
füllt, da der Ueberbrückungswiderstand stets endliche 
Größe haben muß, nur die Gitterströme der Arbeits- 
röhren können durch geeignete negative Vorspannung 
beliebig klein gehalten werden. Von Barkhausen 
(Elektronenröhren, Bd. 3) ist jedoch gezeigt, daß die 
Spannung des Kondensators bei großen Werten des 
Ueberbrückungswiderstandes linear steigt mit der 
Amplitude der Wechselspannung, wenn der Verlauf 
der Kennlinie durch eine Parabel dargestellt wird. 
Die Proportionalitätskonstante zwischen Konden- 
satorspannung und Wechselspannungsamplitude fällt 
aber in der Gleichung für den Modulationsgrad her- 
aus, da sie im Zähler und Nenner auftritt. Geeignete 
Wahl des Kondensators C ermöglicht es, den mitt- 
leren oder momentanen Wert des Aussteuerungs- 
faktors zu messen. 

Der Verfasser dankt dem Direktor des Elektro- 
technischen Institutes, Herrn Professor Dr.-Ing. G. 
Hilpert, für seine Unterstützungen und An- 
regungen bei der vorliegenden Arbeit. 


Zusammenfassung. 


Zur direkten Messung des Modulationsgrades eines 
Telephoniesenders werden zwei Schaltungen ange- 
geben, die beide darauf beruhen, daß das Gitter einer 
Verstärkerröhre durch den Scheitelwert der Span- 
nung beeinflußt wird, die von dem zu messenden 
Sender in einer Empfangsspule induziert wird. Dabei 
ist die Größe eines Messkondensators bestimmend, 
ob der mittlere oder momentane Wert des Modu- 
lationsgrades gemessen wird. 


(Eingegangen am 3. August 1929.) 


178 Gerhard Gresky: 


Richtcharakteristiiien von Antennenkombinationen, | | 
deren einzelne Elemente in Oberschwingungen erregt werden. | 


Von Gerhard Gresky, Berlin-Tempelhof. 
Schluß*). 


IV. Kombinationen zweier in verschiedenen Ober- 
schwingungen erregter Antennen. 
a) Serienstellung zweier Antennen mit 
einer zusätzlichen Kunstphase 
von 180°. 


Die allgemeine Formel für diese Kombination 
lautet: 


R =r (a, ; sin wt 


+ r, (a, B, y) sin (wt ge Tag a cos f -+ a). 


In der Vertikalebene m man im allgemeinen 
Nullstellen nur dann erhalten, wenn für einen be- 
stimmten Neigungswinkel 8 r, und rə gleichzeitig ver- 


: . 2nd 
schwinden, oder wenn für r, =f, j7008a COS B=2n 


| 1 
wird, d. h. für d) = FOL wobei 8 den 
Winkel bedeutet, für den rı =r wird. Man kann 
daher die Nullstellen in der Vertikalebene nur für ein 
bestimmtes « und dann nur um höchstens eine ver- 
mehren. 

Fine Ausnahme davon bildet die Ebene a = 90°, 
für die die Charakteristik 

R =r sin œt + r, sin (ot + n) ist. 

Die Strahlung in dieser Ebene ist immer kleiner 
als die einer der beiden Antennen, sie wird gleich der 
Strahlung der einen Antenne, wenn die der anderen 
verschwindet. 

R = r für r, — 0 und R = 1, für r, = 0. 

Nullstellen treten in dieser Ebene unabhängig vom 
Abstandsverhältnis d/A für die Neigungswinkel 8 auf, 
für die r, = r, ist. Sie sind nur dann mit den Null- 
stellen der einzelnen Antennen identisch, wenn für ein 
bestimmtes $ rı =r, =0 wird. Die Nullstellen kann 
man graphisch aus dem Verlauf der Charakteristiken 
für zwei in verschiedenen Oberschwingungen erregte 
Antennen oder auch durch folgende mathematische 
Ueberlegung bestimmen. 

Bei der Kombination zweier in ungeraden Har- 
monischen erregter Antennen müssen zwei Glei- 
chungen der Form 


l N 
71 = @ —— COs sin 
eos L (sng) 


re 7 cos a sin ) 


gleich sein, entsprechend bei der Kombination zweier 
in geraden Harmonischen erregter Antennen zwei 
Gleichungen der Form 


1 — [ma 
rı =4-——; sin 
co 2 


sp 
ro = 5 sin [27 sin 
os f g y 


*) 1. Teil ds. Ztschr. 34, S. 132, 1929, Heft 4. 


sin r) 


Für die Bedingung der Nullstellen in der Ebene | 
— 90° bei der Kombination zweier in geraden oder 
ungeraden Harmonischen erregter Antennen erhält | 

man also folgende zwei Gleichungen: 


| 


cos (257 sin g) =| cos (37 sin J | 


sin 7 sin e) — | sin $ ) 
Da nun 
| cos a | = | cos (x — a) | = | cos (z + a) | 
= | cos (2 x — a) | =. 
und  |sina |= | sin (z — a) | = | sin (x + a) | 
= | sin (2 z —o)|=.... 


so sind diese Gleichungen erfüllt für 


_ MR ng T 
J sin f = 3 in ß 


Daraus- erhält man folgende Werte für sin £, für die 
hk :=0 wird: 


er | 
sin f = m 
| 
er 
iz | an h 


wobei k = 1, 2, 3...ist. 


Bei der Kombination einer Antenne, die in einer 
ungeraden, mit einer zweiten, die in einer geraden 
harmonischen Schwingung erregt wird, müssen zwei 
Głeichungen folgender Form gleich werden: 


N] IT 


l 
ri = er ("sin e) 
01... Mx 
To =u cosß sin = sin e) 


Es muß also 


cos (7 sin 9 = sin G sin B) sein. 


Richtcharakteristiken von Antennenkombinationen, deren einzelne Elemente in Oberschwingungen erregt werden. 


— 
>, 


Da nun |sin 5.) =|cosa 

F: [7 ._ [n . [3x 

` und |sin g — aj |=| sin oTa = |sin |- — a 
= sn +] — a 

:: so muß S = in == sin f 
np and 
SA TT sinp = T sing 


r a > 


sein. 


Man erhält deswegen als Bedingung für die Null- 
stellen 
, 1 
sinß= ——— 
f [n + Na | 


, 1 
sin f = eA 
, 3 
Ber 
sin f è 
| ni — Mo | 
: 2k—1 
oder allgemein: sind — F ; TN 
1 — > 


Soll für einen Winkel, für den in der Ebene a = 90° 
eine Nullstelle auftritt, in der Ebene a = 0° ein Maxi- 
mum vorhanden sein, d.h. will man eine gute Charak- 
teristik in der Horizontalebene für Strahlen mit einem 
bestimmten Neigungswinkel $ erzielen, so muß d/A so 
2nd 

À 2cosß 
wird, wobei für «=90° bei diesem Winkel g eine 
Nullstelle liegen muß. Hat man für a = 90° Nullstellen 
für mehrere Winkel £, so wählt man darunter zur Be- 
stinmung eines günstigen Abstandsverhältnisses 
einen solchen aus, für den die Amplituden in den 
Charakteristiken der Einzelantennen möglichst groß 
sind. 

Wegen der Mannigfaltigkeit der Kombinationen, 
die man je nach Wahl der Antennen und des Ver- 
hältnisses d/A aufstellen kann, soll im folgenden nur 
der vorerwähnte, günstig erscheinende Fall näher be- 
trachtet werden für zwei Antennen, die in der ersten 


gewählt werden, daß cosß=.n, also d/A = 


‚bzw. zweiten Oberschwingung erregt werden. 


Da für diesen Fall n, =2 und n, =3 ist, ergeben 
sich in der Ebene a = 90° Nullstellen für 


sin f = >, p= 11° 32’ 
sin f — 1, ß = 90° 
sing =$, p = 36° 52’ 


179 


von denen die Nullstelle 8 = 90° mit den Nullstellen 
der Einzelantennen zusammenfällt. 

Das Maximum für die in der ersten Oberschwin- 
gung erregten Antenne liegt bei 8=35°, das für die 
in der zweiten Oberschwingung erregten bei 8 = 47°. 
Um in der Horizontalebene für Strahlen mit einem be- 
stimmten Neigungswinkel $ eine möglichst scharfe 


Bild 17. 
Bild 17 und 18. Serlenstellung zweier Antennen. 


Charakteristik zu erhalten, wählt man d/A so, daß für 
B=36' 52’ 
and 1 nn 
j cos ß = N, d h. ai == 2 cos 36° 52 = 0,625 wird. 


Bild 17 und 18 zeigen die Charakteristiken in der 
Vertikal- und Horizontalebene für diese Kombination. 


Ey ZX > 

DRS 

ESSA 
EAH 


1? C) 
AAA 
a 
n,=2, na =3, YA -0,625, & variabel —— f -36 2! 


e 
----/= 60° 
Bild 18. 


Die Charakteristiken in der Vertikalebene zeigen 
Aehnlichkeit mit den entsprechenden für die Kom- 
bination zweier Antennen gleicher Charakteristik. In 
der Horizontalebene erhält man nur für bestimmte 
Neigungswinkel Nullstellen bei a= 90°. Man sieht 
jedoch schon aus dem Verlauf der Charakteristik, daß 
im übrigen die Richtschärfe größer ist, als bei der 
Serienstellung zweier Antennen gleicher Charak- 
teristik mit Ausnahme der Charakteristik für Strahlen 
mit dem Neigungswinkel 8 = 0°, für die diese ein 
Kreis ist, da die in der ersten Oberschwingung er- 


180 


regte Antenne für diesen Neigungswinkel keinen 
Strahlungsanteil liefert. 

Man kann diese Kombination deswegen besonders 
dann mit Vorteil anwenden, wenn man für horizon- 
tale Strahlen eine ungerichtete, für geneigte Strahlen 
dagegen eine gerichtete Charakteristik gleichzeitig 


mit den gleichen Antennen erzeugen will. 
b) Parallelstellung zweier Antennen 
ohne zusätzliche Kunstphase. 


Als allgemeine Formel für diese Kombination er- 
hält man 


R=r,(a, B, y)sinwt + ra(a,ß, y) sin (wt -+ - sin a cos f) 


In der Vertikalebene a =0° wird die Charak- 
teristik dieser Kombination R =r, + rə. Sie ist also 
unabhängig vom Verhältnis d/A. Nullstellen treten nur 
auf, wenn r, = r, gleichzeitig verschwinden. In einer 


28 


Bild 19. 
Bild 19 und 20. Parallelstellung zweier Antennen. 


der übrigen Vertikalebenen kann außerdem noch eine 
Nullstelle auftreten, wenn für r, =r, noch 


2nd . l 
EH Sin a Cos p=rd. h. di= 2 sin a cos ß 


ist, wobei 8 den Winkel bedeutet, für den r, = r, wird. 
Will man diese Nullstelle in der Vertikalebene für 


werden. Gibt 


es mehrere Winkel £, für die r, =r, wird, so wählt 
man d/A so, daß für den Winkel $ bei a = 90° eine Null- 
stelle auftritt, für den bei «a=0° die Amplituden der 
Charakteristiken der Einzelantennen möglichst groß 
sind. 

Zum Vergleich mit der Serienstellung soll für 
diesen Fall die Kombination einer in der ersten mit 
einer in der zweiten Oberschwingung erregten An- 
tenne betrachtet werden. Man hat also zur Er- 
zielung einer günstigen Charakteristik dasselbe d/} 


1 
2 cos 36° 52’ 


. 1 
a = 90° erzeugen, so muß d/ = 2 cos f 


wie bei der Serienstellung, nämlich d/} = 


= 0.625. 

Die mit dieser Kombination erreichbaren Charak- 
teristiken in der Vertikalebene (Bild 19) zeigen ähn- 
liche Erscheinungen wie bei der Kombination zweier 


Gerhard Gresky: 


Antennen mit gleicher Charakteristik. Man sieht auh 
hier die mit wachsendem a eintretende Verschiebung 
des Maximums nach größeren Neigungswinkeln hin. 
Die in der Charakteristik der in der zweiten Ober- 
schwingung erregten Antenne vorhandene Nullstelk ; 
bei 8 = 19° 30° ist bei dieser Kombination infolge der 
Einwirkung der anderen Antenne nur als Minimum 


2a j | 
/3= 36 52" 
--- 9 =45° 


a 
A, =2, n =3, ÍA -0,625 


Bild 20. 


vorhanden, das mit wachsendem a ausgeprägter wird | 
und sich nach kleineren Neigungswinkeln verschiebt. 
Der für a =90° übrigbleibende Strahlungsanteil ist 
größer als bei der Serienstellung. Die Charakteristiken | 
in der Horizontalebene (Bild 20) sind schärfer als bei ` 
der Serienstellung, nur sind dabei die Amplituden 
für a&=W’ mit Ausnahme des Neigungswinkels 
ß=36° 52’, für den eine Nullstelle vorhanden ist, 
durchweg größer als bei der Serienstellung. Ein 
Vergleich der Richtschärfen in der Horizontalebene 
für entsprechende Neigungswinkel £ ist in Tabelle 6 | 
wiedergegeben. In der Vertikalebene ist, wie man 
aus dem Vergleich der Bilder 19 und 17 erkennt, die | 
Richtschärfe der Serienstellung etwas größer. 


Tabelle 6. 


ß = 36° 52' 


Tu 


Man erkennt daraus, vor allem für Strahlen mit 
dem Neigungswinkel $=36 52’, den Vorteil der 
Parallelstellung gegenüber der Serienstellung. Für 
Strahlen mit dem Neigungswinkel 8 = 0° bleibt die 
Charakteristik wie bei der Serienstellung ein Kreis. 


Zusammenfassung des zweiten Teiles. 

Es werden Kombinationen zweier Antennen, die in 
verschiedenen Oberschwingungen erregt werden. 
untersucht. 

Als spezielle Fälle werden Kombinationen zweier 
Antennen, die in der zweiten und dritten Ober- 
schwingung erregt werden, mit einem Abstands- 


1 
2 cos f 


verhältnis von di = behandelt. wobei der 


Richtcharakteristiken von Antennenkombinationen, deren einzelne Elemente in Oberschwingungen erregt werden. 


- Neigungswinkel 8 so gewählt ist, daß für ihn in der 
+ Ebene a = 90° eine Nullstelle auftritt. 
~ Serienstellung zeigen dabei die gleichen Unterschiede 
wie 
- gleicher Charakteristik. 
`. auch bei der Serienstellung die Ebene a = 90° keine 
': Nullebene, sondern es treten in dieser Ebene nur 


Parallel- und 
die mit 
ist 


zweier Antennen 
Im Gegensatz hierzu 


Kombinationen 


mehrere Nullstellen unabhängige vom Abstands- 
verhältnis d/A auf. Es wird ein Weg zur Berechnung 
dieser Nullstellen angegeben, auf Grund deren man 
dann ein zur Erzielung günstiger Charakteristiken 
geeignetes d/A bestimmen kann. Die Charakteristiken 
in der Horizontalebene können je nach Wahl der 
Antennen für bestimmte Neigungswinkel gerichtet, 
für andere aber ungerichtet sein, was für spezielle 
Zwecke einen Vorteil dieser Kombinationsart er- 


geben kann. 


V. Kombinination dreier Antennen. 


Die Kombination dreier Antennen gestattet es, in 
der Horizontalebene eine einseitig gerichtete Charak- 


u teristik zu erzeugen*). Es müssen dabei die Ampli- 
„tuden der beiden äußeren Antennen gleich, die der 


N 
N 
> 7o \ GN 
3 T~ / 2 
ee Fr a 
d 5 vá 
Bild 21. 
Bild 21 bis 23. Kombination dreier Antennen. 


© mittleren doppelt so groß sein. Außerdem müssen die 
beiden äußeren Antennen eine zusätzliche Kunstphase 
© von 
-~ beiden äußeren Antennen müssen in Bezug auf die 


180° erhalten, oder anders ausgedrückt, die 


mittlere Kunstphasen von + 90° bzw. — 90° erhalten. 

Unter dieser Voraussetzung wird nach Bild 21 bei 

der Kombination von Antennen gleicher Charak- 
l 

teristik R=2r sin wt + r sin (t7 cos a cos ß +3) 


l o 
+r sin (+ cos a cos B— z). Für a = 180 


l 
ergibt sich nur eine Nullstelie für 2 cosß—\: 


7 J ` Man 


‚ wird diese Nullstelle zweckmäßig so wählen, daß sie 
. für den Neigungswinkel £ eintritt, für den bei a=0' 
. ein Maximum liegt. Man hat also für diesen Fall das 


Abstandsverhältnis d/} = - —,-— 
2 COS Pmax 
Diese Kombination soll hier nur speziell für drei 

Antennen, die in der ersten Oberschwingung erregt 


zu wählen. 


. werden, untersucht werden. Bild 22 und Tabelle 7 
. zeigen den Verlauf der Charakteristik in der Vertikal- 
` ebene für verschiedene a, wobei als Abstandsverhält- 


nis d) = 


PET: = 0.61 gewählt ist, für das das 


. Maximum bei a = 0° das größtmögliche ist. Es liegt 


* A. Esau, ds. Jahrb. 28, S. 4, 1926. 


181 


im Winkelbereich von a =0 bis «=90° unter dem- 
selben Neigungswinkel 8 = 35° und verschiebt 
sich mit weiter wachsendem a nach größeren Nei- 
gungswinkeln hin. Gleichzeitig wird dabei dieses 


Maximum mit wachsendem a beständig kleiner. 
90° 


BROS, er \\ 
PRENERRZSSS-C Zn 
a ła 3a Ha ŝa 
x=0° bzw 160° 
---- X60 o 240° 
BETEN x=90° u 270° 


Bild 22. 


Sa Ya Ja 2a a 
n=2, Ih 061, [Jrariabel 


In dem Winkelbereich von a =%0° bis a = 180° 
tritt in der Vertikalebene dann eine Nullstelle auf, 


rd N. . y 
wenn | -7 COS a COS ß | Sa ist, d. h. unter einem Nei- 


COS max 
cos a 
unter der Bedingung, daß |cosa | > | cos max | ist. Es 
tritt also eine Nullstelle nur in- dem Bereich von 
g = 145° bis a = 180° auf, die sich mit wachsendem 


gungswinkel, für den cos = | ist und nur 


Tabelle 7. 

00| 0 0,00 0,00 0,00 

100| 2,06 2,10 1,92 1,06 

200| 3,70 3,76 3,26 1,88 

300| 4,62 4,62 4,04 2,32 

350| 4,76 4,69|a =300 |4,06|& — 600 | 2,381. — 900 
400| 4,651 =% |2 60fvzw. 330° | 3,95 fbzw. 300° | 2,35 bzw. 270° 
500| 4,06 3,96 3,32 2,10 

600] 3,00 2,86 2,42 1,64 

700| 1,78 1,69 1,44 1,10 
800] 0,84 0,70) 0,64 0,54) 

900| 0,00 0,00 0,00 0,00 

800] 0,24 0,38 0,44 0,54 

700 0,42 0.51 0,76 1,10 

600| 0,28 0,42 0,86 1,64 

500] 0,14 0,24] _ 0.88] __ 2,10| 9700 
10 0,05 ja = 1800| 0,100, 180° | 075 num. 120° | 235 foru. 90 
350| 0,00 ‚07 0,70 2,38 
300) 0,02 0,02 0,60 2,32 
200, 0,06 0,00 0,50 1,88 

100] 0,05 0,02 0,20 1,06 

00| 0,00 0,00 Fr Fr 


a nach größeren Neigungswinkeln verschiebt und für 
a = 180° bei Smax liegt. Dieses Verhalten ist deutlichı 
aus der Tabelle 7 zu erkennen. 

Die Charakteristik in der Horizontalebene (Bild 23) 
hat nur für 8 = 35° bei a = 180° eine Nullstelle. Für 
andere Neigungswinkel bleibt dabei noch ein Strah- 
lungsanteil übrig. 


182 Albrecht Forstmann: Bemerkungen zu der Arbeit von H. G. Möller. Berechnung des günstigsten Durchgriffes der usw. 


Zusammenfassung des dritten Teiles. 


Von den Kombinationen dreier Antennen erscheint 
zur Erzielung einer günstigen Charakteristik die am 


geeignetsten, für die dA = wird. Es wird 


l 
2 cos Bmax 


\ 


N Si 06 


ISIN 
So 90 Ja da ža a 2a Ja 4a $o 
2 ; Sr 
n=2, OEN VOR E : a 


Bild 23. 


speziell nur die Kombination für Antennen, die in der 
ersten Oberschwingung erregt sind, untersucht. Da- 
mit erzielt man in der Horizontalebene für den Nei- 
gungswinkel 8 = max eine einseitig gerichtete 


Charakteristik, die für a = 180° eine absolute Nul. 
stelle besitzt, während für andere Neigungswinkl 
nur ein Minimum auftritt. | 


VI. Allgemeine Zusammenfassung. 


Es werden Kombinationen von Antennen unter- 
sucht, die in höheren harmonischen Schwingungen 
erregt sind, und zwar Kombinationen von zwei An- 
tennen mit gleichen oder verschiedenen Charak- 
teristiken in Serien- und Parallelstellung und Kombi- 
nationen von drei Antennen mit gleichen Charak- 
teristiken. 


Dabei ergibt sich als wesentliches Uhnterschei- 
dungsmerkmal, daß für die Serienstellung die Charak- 
teristik in der Vertikalebene etwas schärfer ist als 
für die Parallelstellung, während die Richtschärfe der 
Parallelstellung in der Horizontalebene bedeutend 
größer ist als die der Serienstellung. 


Die Arbeit wurde auf Anregung von Herrn Proi. 
Esau-Jena ausgeführt, dem ich auch an dieser 
Stelle meinen ergebensten Dank dafür aussprechen 
möchte. Ä 


— Be ii ann u ie en — I Guai — "E 


(Eingegangen am 17. Juni 1929.) | 


Bemerkungen zu der Arbeit von H. G. Möller: | 
Berechnung des günstigsten Durchgriffes der Röhren 
im Widerstandsverstärker. 


Von Albrecht Forstmann, Berlin. 


Zu der obigen interessanten Arbeit des Herrn 
H. G. Möller seien mir nachstehende Bemerkungen 
gestattet. 

Die Berechtigung der in obigen Ausführungen ge- 
machten generellen Ansätze erscheint mir sehr 
zweifelhaft und auch in ihrer praktischen Auswertung 
nicht einwandfrei, ich verweise nur auf die Vernach- 
lässigung der Streuung des Durchgriffes im unteren 
Kennlinienknick, die die Rechenergebnisse stark 
beeinflußt. 

Hinsichtlich der Berechnungen sei im einzelnen 
folgendes bemerkt, wobei die Verhältnisse bei ge- 
wöhnlicher Schaltung, die ja vor allem interessieren, 
zu Grunde gelegt seien. 

Wenn Möller hinsichtlich der oberen Grenz- 
frequenz die Bedingung S- DIR.|= 1 aufstellt, so muß 
man dies konsequenter Weise auch hinsichtlich der 
unteren Grenzfrequenz tun und würde dann analog 
die Bedingung œo Ca: Ra = 1 erhalten. Für praktische 
Zwecke hat es sich als vorteilhaft erwiesen, nicht Ra 
— Ra. sondern R> Ra zu machen, was auch theore- 
tisch vorteilhafter erscheint. Die generelle Bestim- 
mung von Ca = 1000 cm ist unrichtig. Die Größe von 
Cz ergibt sich vielmehr für den einzelnen Fall aus den 
Bedingungen R> Ra und o Ca Rai =1. 

Das Zahlenbeispiel 1 auf Seite 56 scheint praktisch 
nicht realisierbar, da es nicht möglich ist, bei einer 


1) Ds. Ztschr. 34, S. 53—56, 1929, Heft 2. 


Anodenspannung von Ea = 100 Volt einer Gitter- | 
spannung von Ey = — 1,2 Volt, einem Anodenwider- | 
stand von Ra= 600000 Ohm und einem Durchgrii 
von D = 0,0127 sowie dem hierdurch bedingten 
kleinen Arbeitsstrom eine Steilheit von 


1 1 
~ D-|Ra]  0,0127:.10° 


zu erreichen. Die hierzu erforderliche Emissionskon- 
stante ist praktisch, d. h. für beliebige Kathoden und 
beliebige Elektrodenanordnung auch in der Größen- 
ordnung nicht erreichbar. 


Weiterhin ist die Berücksichtigung der Größe der 
angelegten Gitterwechselspannungen zu vermissen. 
Sollen nichtlineare Verzerrungen vermieden werden, 
so ist bei Feststellung des günstigsten Durchgrifies 
auch die Größe der angelegten Gitterwechselspannung 
zu berücksichtigen. | 


Um weiterhin Verzerrungen infolge der Abklint- 
vorgänge des Systems Gitterkondensator - Gitter- 
ableitewiderstand, die ein Pendeln des Arbeitspunktes 
verursachen und hierdurch nichtlineare Verzerrungen 
bewirken können, zu vermeiden, muß dies Pendel 
innerhalb eines Kennliniengebietes erfolgen, für 
welches R; praktisch konstant ist (anderenfalls wir! 
R; amplitudenabhängig). Es hat sich als praktisch 
herausgestellt, zur Vermeidung solcher Erscheinung?! 
etwa die doppelte maximale Betriebsgitterwechse- 


S 


a 0,8 mAV 


- 


‘spannung in Ansatz zu bringen. 


H. G. Möller: Erwiderung zu den Bemerkungen des Herrn Forstmann. 


Diese Tatsache läßt 
auch die Widerstandskoppelung vor einer Endröhre 
großer Leistung als unzweckmäßig erscheinen, wenn 
man nicht Verzerrungen bei den unteren Frequenzen 


“zulassen will. 


Die Verwendung zu kleiner Durchgriffe und die 


‘hierdurch erforderliche Verwendung sehr hoher Ano- 


 denwiderstände ist praktisch nicht nur wegen der 


183 


Isolationsverhältnisse im allgemeinen unvorteilhaft, 

sondern die erforderlichen hohen Anodenwiderstände 

lassen sich auch wegen der Anodenrückwirkung der 

folgenden Röhre, die einen parallel zum Anodenkreis 

der Vorröhre liegenden Widerstand von der Größe 
1 


Jot c qg ’erursacht, nicht immer aufrechterhalten. 
ga’ 


(Eingegangen am 26. September 1929.) 


Erwiderung zu den Bemerkungen des Herrn Forstmann. 
Von H. G. Möller, Hamburg. 


Herr Forstmann bezweifelt die von mir be- 
nutzten „generellen Ansätze“. Sein Hauptzweifel 
richtet sich dabei gegen die Verwendung der Formel 


+ € Ust 


Te Si £ 
la = Jse KT und S5 = 


Krta 


für den Anlaufstrom, der im Zahlenbeispiel zur Be- 


rechnung der Steilheit von 0,8 mA/V führt, die er 


für „praktisch auch in der Größenordnung nicht er- 


reichbar“ hält. Er bezweifelt damit die Gültigkeit 
des Maxwellschen Geschwindigkeitsverteilungs- 
gesetzes für die Glühelektronen. Auch ich hatte diesen 
Zweifel und ließ daher das Geschwindigkeits- 


‚ verteilungsgesetz von Herrn Dr. Demski prüfen. 


Herr Demski fand dieses Gesetz gut bestätigt, 


‚wenn man durch Verwendung von fremdgeheizten 


-~ n 


Kathoden nichtradiale elektrische Felder in der Röhre 
vermeidet. Da aber auch bei Vorhandensein von 
nichtradialen Feldern die Steilheit der Größenordnung 
nach erhalten bleibt, schien es mir in einem Zahien- 
beispiel, das lediglich die Anwendung abeeleiteter 


-Formeln erläutern soll, zulässig, das einfache Gesetz 


` Durchgriff berechnen. 


soll. 
-= Standsverstärkers mit hohen Gitterableitungswider- 


einzusetzen. 


Wenn natürlich Herr Forstmann Röhren ver- 
wendet, deren Steilheit aus irgendwelchen Gründen 
in dem betrachteten Gebiet kleiner ist, so muß er 
diese kleinere Steilheit einsetzen und für diese den 
Das Hauptresultat der Arbeit: 
„die Methode zur Berechnung des günstigsten Durch- 


- griffes“ wird durch Einsetzen anderer Zahlenwerte 
natürlich nicht beeinträchtigt. 


eilt für die Wahl der Glühdraht- 
Ich habe im Zahlenbeispiel eine Tem- 


Dasselbe 
temperatur. 


= peratur von 1000° abs. gewählt, wie sie etwa für 


Bariummetallkathoden gültig ist. Wer mit Wolfram- 
katlıoden und einer Temperatur von 2000° arbeitet, 
wird eine kleinere Steilheit und einen entsprechend 
höheren Durchgriff erhalten. Auch das ändert nur 
die Werte des Zahlenbeispieles, nicht die Gültigkeit 
der Formeln. 


In Anfang seiner Erwiderung wünscht Herr 


 Forstmann, daß ich ein größeres Ca einsetzen 


möchte, damit die tiefen Töne besser übertragen 
werden. Das kann man machen. Dadurch werden 
weder die Formeln der Arbeit noch die Zahlenwerte 


des Zahlenbeispieles geändert. 


Ferner wünscht er, daß R> Ra gewählt werden 
Da wir beim Aufbau eines mehrstufigen Wider- 


ständen Schwierigkeiten hatten, habe ich mich der 
„Vorsicht halber“ auf Rü=Ra beschränkt. Für 
R;> Ra würde der günstigste Durchgriff noch etwas 


kleiner ausfallen, da dann R 


durch diesen Vorschlag würden nur die Zahlenwerte 
des Beispieles, nicht die Theorie beeinflußt. 

Die Theorie ist, wie das bei Verstärkerrechnungen 
üblich ist, für Wechselspannungen. aufgestellt, die so 
klein sind, daß man die Kennlinie innerhalb des von 
der Wechselspannung überstrichenen Gebietes als 
geradlinig annehmen kann. Eine Erweiterung der 
Theorie für große Wechselspannungen, wie sie für 
Endverstärkerröhren vor einem Lautsprecher in 
Frage kommen, wäre gewiß sehr interessant. Es 
wäre zu begrüßen, wenn Herr Forstmanun eine 
Fortführung meiner Arbeit in dieser Richtung lieferte. 

Herr Forstmann schlägt in einer brieflichen 
Mitteilung vor, bei Verwendung größerer Amplituden 
zu der negativen Gittervorspannung (in meinem Zahlen- 
beispiel 1,2 Volt) die Maximalamplitude (etwa gleich 
der doppelten mittleren Amplitude, bei einer vor- 
letzten Röhre z. B. 0,8 Volt) zuzuzählen. Der Vor- 
schlag ist sicher geeignet, um rechnerisch keine zu 
kleinen Durchgriffe zu erhalten. Der günstigste 
Durchgriff würde sich dann im Zahlenbeispiel auf 
etwa 2,5% erhöhen. Die Theorie selbst bleibt auch 
durch diese Aenderung der Zahlenwerte bestehen. 

Schließlich bezweifelt Herr Forstmann, daß 
die „Scheinkapazität“ der nächsten Röhre so klein 
gehalten werden kann, wie ich angenommen habe. 
Daß dies schwierig ist, ist mir wohl bewußt. In der 
Ueberwindung dieser zweifellos großen Schwierig- 
keit liegt aber gerade die große Bedeutung der 
Löweschen Mehrfachröhren. 


Zusammenfassend ist zu bemerken: 

l. Die Bedenken des Herrn Forstmann bce- 
treffen nicht die Theorie, sondern lediglich das Zahlen- 
beispiel. 

2. Die Werte des Zahlenbeispieles gelten für „gute“ 
Röhren, welche die aus dem Maxwellschen 
Geschwindigkeitsverteilungsgesetze folgenden Steil- 
heiten erreichen. Arbeitet man mit „schlechten“ 
Röhren, welche diese Steilheit nicht erreichen, so 
muß man natürlich auch die geringeren Steilheiten 
dieser Röhren einsetzen, und wird dann die für 
diese Röhren günstigsten Durchgriffe aus den in 
der Arbeit angegebenen Formeln erhalten. 


(Eingegangen am 30. September 1929.) 


größer wird. Auch 


Wilhelm Geyger: 


Berichtigung. 


In der Arbeit von Wilhelm Janovsky „Fre- 
quenzerniedrigung durch Eisenwandler“ (d. Z. S. 34, 
S. 81, 1929, Heft 3) gehören auf Seite 85 die ersten 
5 Zeilen der linken Spalte zwischen die 5. und 4. 
Zeile von unten in dieser Spalte. Der Text dieser 
Spalte lautet somit: 

Pey kann angenähert die übertragene Leistung be- 
rechnet werden: No fn- Cu (Bey — Heip) 

Im Primärkreis kommt zu der freien Schwingung 


von der Eigenfrequenz wy = 


| 
—7=—==noch eine durch 
Li: G 
den Generator erzwungene ters Per, deren Größe von 
und der Maschinenspannung abhängt. 


und End- 


a 
vr Ci 


Zusammen müssen 


or Li — 
( 


sie die Anfangs- 


bedingungen erfüllen: 
Ti ; ! S 
t= te: ioe tig = — ie; t= 2 — T;; iet ig=+i, 


Peer + paf = Pale; 


Im folgenden sollen zwei 


Für Ca= 5,1 u F, ia = -+ ina = — ita =} 


a 


Peer + Pas —— jih 


Fälle von Frequenz. 
erniedrigung auf fu fi/3 näher untersucht werden. 


\ 


| 


N 


I 
Pella = 170 Volt; Pela = 150 Volt) \ 


zeigt Bild 4 den Verlauf der Stoßzeitschwingung, 
Bild 5 die Ermittlung des Strom- und Spannungs- `` 


verlaufes im Primärkreis und Bild 6 den gesamten ` 


[x 


Vorgang. 
Leistung beträgt N œ 80 Watt. 


Zusammenfassender Bericht. 
Die geoeleKtrischen Untersuchungsmethoden mit Wechselstrom. 


Von Wilhelm Geyger. 


| Inhaltsübersicht. 
Einleitung. 
Die theoretischen Grundlagen der geoelektrischen 
Methoden. 


Theorie der elektromagnetischen Methoden. 

Die bei den geoelektrischen Methoden benutzten 
Messprinzipien. 

Gleichstrommessungen. 

Wechselstrommessungen. 

Darstellung der auftretenden Schwingungsvorgänge. 

Art der benutzten Kompensationsmessverfahren. 

Die praktische Durchführung der Geländemessungen. 


Einleitung. 


Der Gedanke, die Unterschiede der physikalischen 
Eigenschaften der Gesteine zu benutzen, um ohne 
langwierige und kostspielige bergmännische Auf- 
schlußarbeiten nutzbare Lagerstätten aufzufinden, hat 
zur Ausbildung verschiedenartiger geophysikalischer 
Aufschlußverfahren geführt, welche sich hauptsächlich 
unterscheiden durch die Wahl der physikalischen 
Eigenschaften, die der Untersuchung zugrunde gelegt 
werden. So werden z. B. die Unterschiede der Dichte 
der Gesteine durch Messung der Aenderung der 
Schwerkraft (gravimetrische Metliode), die Unter- 
schiede ihrer elastischen Eigenschaften mit Hilfe 
künstlich erzeugter elastischer Bodenwellen (seis- 
mische Methode) oder die Unterschiede ihrer magne- 
tischen Eigenschaften durch Beobachtung der Aende- 
rung des erdmagnetischen Feldes (magnetische Me- 
thode) messend verfolgt und hieraus Rückschlüsse 
auf die Beschaffenheit des Untergrundes in den unter- 
suchten Gebieten und auf das Vorhandensein berz- 
baulich wertvoller Einlagerungen gezogen. 

Die als geoelektrische Methoden bezeichneten elek- 
trischen Aufschlußverfahren, welche die Unterschiede 
des elektrischen Leitvermögens der Gesteine zum 


Ausgangspunkt der Untersuchung machen und welche 
besonders im Erzbergbau als Vorbereitung für berg- 
männische Arbeiten in den letzten Jahren in zu 


Die an den Sekundärkreis abgegeben 


| 


nellmendem Maße Anwendung gefunden haben, be- |; 
ruhen darauf, daß die meisten Erze gegenüber den Ä 
Nebengestein für den elektrischen Strom eine seht Ä 


gute Leitfähigkeit besitzen, anderseits Erdöl, Erdzas 
Steinsalz usw. als Nichtleiter 
Stromes anzusehen sind. 
Boden ein elektrischer Strom zugeführt und dess 
durch die Leitfähigkeitsunterschiede bewirkte W- 
eleichförmige Verteilung im Boden an der Erdober 
fläche oder an zugänglichen Stellen des Untergrund 
durch Messungen verfolgt. 

Aus verschiedenen, später genannten Gründen i! 
es zweckmäßig, für derartige Untersuchungel 
Wechselströme mittlerer Frequenz (z. B. von Š% 
Hertz) zu verwenden, welche in dem zu unter 
suchenden Erdreich auf galvanischem oder induktivei 
Wege erzeugt werden. Im ersten Fall wird È! 
Wechselstrom dem Untergrunde über zwei Elek- 
troden, welche im allgemeinen aus in den Boden em- 
gegrabenen Metallplatten bestehen, zugeführt: 1" 
zweiten Fall werden durch eine gegen Erde võlts 


isolierte, auf oder über dem Boden angeordnete, V0! 


einem Wechselstrom durchflossene Leiterschleife im 
Untergrunde Wechselströme (Wirbelströme) induziert 
Die Untersuchung der Stromverteilung im Boden W! 
entweder in der Weise vorgenommen, dab ti 
Spannungsverteilung an der Erdoberfläche mit Hil 
von Sonden festgestellt wird (Sondenmethode), o4! 
derart, daß das magnetische Feld der im Untergrund 
wirksamen Ströme mittels Meßspulen (sog. Induk 
tionsrahmen) ausgemessen wird (Rahmenmethode’. 

Die neuere Literatur der praktischen Geophy 
weist zahlreiche Arbeiten auf, in denen die ger 
elektrischen Untersuchungsmethoden mit Wechs 


des elektrischen 
Es wird deshalb den 


Zusammenfassender Bericht: Die geoelektrischen Untersuchungsmethoden mit Wechselstrom. 


185 


trom ausführlich behandelt werden?!). Im folgenden 
oll ein Ueberblick über die theoretischen Grundlagen 
ieser Methoden und die dabei benutzten Meß- 
rinzipien gegeben werden. . 


Die theoretischen Grundlagen der geoelektrischen 
l Methoden. 


Die geoelektrischen Methoden können in zwei auf 
erschiedenen Grundlagen beruhende Gruppen ein- 
eteilt werden: die Potentialmethoden und die elektro- 
"ıagnetischen Verfahren. Bei den Potentialmethoden 
vird die Potentialverteilung in einem elektrischen 
“elde durch Aufnahme von Aequipotentiallinien oder 
urch Potentialdifferenzmessungen untersucht; bei deu 
lektromagnetischen Verfahren wird Richtung und 
stärke eines elektromagnetischen Feldes bestimmt. 


I 


r 


$ 


Bild 1. 


rläuterung für die Maxwellsche Gleichung des elektrischen 
Potentials. 


 TheoriederPotentialmethoden. Denkt 
‚man sich einen Erzkörper als leitende Kugel ein- 
gelagert in ein Medium von unendlicher Ausdehnung, 
„das von einem konstanten elektrischen Strom in einer 
bestimmten Richtung durchflossen wird (Bild 1) und 
bedeuten 
© Vs das elektrische Potential im Punkte P, 
Vp das Potential im Punkte P. wenn die Kugel nicht 
vorhanden wäre, 
o, den spezifischen Widerstand des umgebenden 
Mediums, 
0 den spezifischen Widerstand der Kugel, 
a den Radius der Kugel und 
r den Abstand zwischen Punkt P und dem Zen- 
trum der Kugel, 


so gilt folgende von Maxwell aufgestellte 
-Gleichung?): 
| 3 
Vos Voes e 2,7 Vs 1 
29-40, 7? 


Die im Punkte P durch die Kugel hervorgerufene 
‚Potentialänderung ist also 

l. unabhängig von den Größenmassen, da VF, kon- 
¿Stant bleibt, solange a/r konstant ist. Hieraus folgt, 


r 
si 
i E 


!) Literatur über geoelektrische Untersuchungsmethoden mit 
“Wechselstrom: K. Sundberg, H. Lundberg und J. Eklund; 
‚ „Electrical Prospecting in Sweden“, Stockholm 1925. — R. Am- 
ronn, „Methoden der angewandten Geophysik“, Verlag von 
‚Th, Steinkopff, Dresden 1926. — E. Pautsch, „Methods of 

Applied Geophysics“, Verlag: Gulf Publishing Co., Houston- 
Texas 1927. — W., Heine, „Elektrische Bodenforschung“, Verlag 
‚Gebr. Borntraeger, Berlin 1928. — C. A. Heiland, „Geophysical 
Methods of Prospecting“, Quarterly of the Colorado School of 
Mines 24, S. 100—163, 1929, Nr. 1. — A. S. Eve und D. A. 
Reys, „Applied geophysics in the search for minerals.“ Cam- 
„bridge University Press, S. 53 bis 148, 1929. 

9 Vgl. z.B. W. Heine, 1. c., S. 15. 


nn nn 


daß in diesem Falle ein in verkleinertem Maßstab 
ausgeführter Laboratoriumsversuch (Modellversuch) 
dasselbe Ergebnis liefert wie die Messung in einem 
großen, den natürlichen Verhältnissen entsprechenden 
01 702 
2 0 +- 0: 
selben Wert hat, d. h. wenn das Verhältnis zwischen 
dem spezifischen Widerstand der Kugel und dem des 
umgebenden Mediums dasselbe ist. 

2. praktisch unabhängig davon, ob die Kugel iin 
Vergleich zu ihrer Umgebung einen mittelmäßig oder 
sehr gut leitenden Körper darstellt. Wenn nämlich 
das Verhältnis o1/o» in einem Falle gleich 10°, in einem 
zweiten Falle gleich 10° ist, so wird der Faktor 


SiT L2? gleich 0,493 bzw. gleich 0,500, d. h. der 
2%-+0ı 


Unterschied der Potentialänderung beträgt nur 1,4%. 

3. umgekehrt proportional dem Kubus des Ab- 
standes vom Kugelzentrum, d. h. die Potential- 
änderung nimmt mit wachsendem Abstande von der 
Kugel sehr stark ab. 

Für eingelagerte Körper von anderen geo- 
metrischen Formen können analoge Gleichungen auf- 
gestellt werden. Daher gelten für die Potential- 
methoden folgende Regeln, die auch durch Modell- 
versuche und praktische Ergebnisse von Messungen 
im Gelände bestätigt wurden?): 

1. Modellversuche ergeben dieselben Resultate wie 
Messungen im Gelände, wenn die spezifischen Wider- 
stände der bei den Modellversuchen verwendeten 
Materialien dieselben sind wie bei den Gelände- 
messungen. 

2. Man erhält praktisch dieselbe Potentialänderung, 
d. h. dieselben elektrischen Indikationen, gleichgültig, 
ob das spezifische Leitvermögen des Erzkörpers 
hundertmal oder millionenmal so groß ist als der des 
ihn umgebenden Gesteins. Hieraus folgt einerseits, 
daß die Potentialmethoden an und für sich sehr emp- 
findlich sind, anderseits aber, daß es bei diesen 
Methoden nicht möglich ist, aus der Stärke der Indi- 
kationen die elektrischen Figenschaften des Erz- 
körpers zu beurteilen. 

3. Die Stärke der Indikationen nimmt bei zu- 
nehmender Entfernung (Tiefe des Erzkörpers) sehr 
rasch ab. 

Die bei den Potentialmethoden ursprünglich all- 
gemein benutzten Elektroden bestehen aus einer 
größeren Anzahl von Metallplatten, die in einem gegen 
den Elektrodenabstand kleinen Bereich verteilt an- 
geordnet sind. Da der von derartigen Elektroden 
eingenommene Raum im: Verhältnis zu Flektroden- 
abstand und Ausdehnung des Untersuchungsgebietes 
als punktförmig anzusehen ist, so werden solche 
Elektroden „Punktelektroden“ genannt. Demgegen- 
über besitzen die von Lundbergu. Nathorst’) 
eingeführten sog. „Linienelektroden“, die den Zweck 
haben, eine möglichst. gleichmäßige Stromverteilung 
im Erdboden zu erzielen, eine im Verhältnis zum 
Elektrodenabstand beträchtliche Ausdelinung. Sie 
können hergestellt werden durch Eingraben langer 
blanker Kabel im Boden oder durch eine Reihe 
untereinander leitend verbundener, längs einer 
geraden Linie angeordneter Metallstäbe. Im letzteren 


3) Vgl. Sundberg, Lundberg und Eklund, 1c., S. 16. 
4) D. R. P. Nr. 328835 (4. Dez. 1918). 


Maßstabe, wenn nur in beiden Fällen den- 


Wilhelm Geyger: 


Be 


Falle ist es allerdings nötig, darauf zu achten, daß die 
Uebergangswiderstände bei allen Stäben gleich groß 
sind, damit eine wirklich gleichmäßige Strom- 
zuführung längs der ganzen Elektrodenlinie statt- 
findet. Die sog. „Flächenelektroden‘“) bestehen aus 
Systemen solcher blanker Kabel, die alle unter- 
einander leitend verbunden, in mehreren Reihen 
parallel und kreuzweise in den Boden gegraben, eine 
größere Fläche überdecken, oder auch aus mehreren 
Reihen in den Boden geschlagener, untereinander in 
leitender Verbindung stehender Metallstäbe. Diese 
Anordnung bezweckt, durch Vergrößerung der Be- 
rührungsfläche von Elektrode und Erdboden die 
Stromdichte und damit den Spannungsabfall in der 
unmittelbaren Nähe der Elektroden, wie auch den 
Uebergangswiderstand von Elektroden zu Erde mög- 
lichst herabzusetzen. 


£, 2, 
R 
2 
W 
$0 
30 
20 
Q 
J 
Z 
Bild 2. 


Zur Sundbergschen Berechnung der Potentlalverteilung bei 
Punktelektroden und Linienelektroden. 


Die Frage, ob Linienelektroden oder Punkt- 
elektroden günstigere Ergebnisse liefern, ist wieder- 
holt lebhaft erörtert worden®). Nach Angabe der 
schwedischen Geophysiker”) soll nicht nur die Form- 
änderung der Aequipotentiallinien bei Linienelektroden 
augenscheinlicher sein als bei Punktelektroden, son- 
dern die Deformation selbst soll bei sonst gleichen 
Verhältnissen bei Linienelektroden stärker sein. 
Sundberg hat die Potentialverteilung für ein 
Punktelektrodenpaar und ein Linienelektrodenpaar 
berechnet, und zwar unter der Annahme, daß beide 
Flektrodenpaare in demselben Abstande über einem 
unendlich gut leitenden Erzkörper von sehr großer 
Länge liegen. Die Berechnung wurde so ausgeführt, 
daß der Quotient zwischen dem Abstand eines 
Punktes von einem gewissen Potential zur nächsten 
Flektrode unter den oben genannten Voraussetzungen 
und im Falle, daß kein Erzkörper vorhanden ist, für 
mehrere Fälle ermittelt wurde. Ist nach dem aus der 
erwähnten Arbeit entnommenen Bild 2 dieser 
Störungsquotient, der ein Maß für die Einbuchtung 
der Linie angibt, für Punktelektroden a/b, für Linien- 
elektroden c/d, dann zeigen die Kurven, daß dieser 
Quotient bei Linienelektroden viel größer wird als 
bei Punktelektroden, d. h. die elektrischen Indika- 
tionen werden viel stärker, wenn Linienelektroden 


6) D. R. P. Nr. 372536 (18. Juni 1921). 
6) Vgl. z.B. W. Heine, 1.c., S. 37 3 
7) Sundberg, Lundberg und Eklund, 1. c.. S. 17/18. 


verwendet werden. Leider sind die Ansätze für diex 
Berechnung nicht mitgeteilt. 

Es sei hier noch auf einige besondere Arten der 
Elektrodenanordnung hingewiesen, die in verschie- 
denen Patentschriften?) beschrieben sind. Bei diesen 
Anordnungen wird jeder Pol der Stromaquelle an min- 
destens zwei oder auch mehr Elektroden ange- 
schlossen, die mit abwechselndem Vorzeichen der 
Spannung sternförmig bzw. in gleichen Abständen aui 
einer Linie angeordnet sind. Eine weitere besondere 
Elektrodenanordnung, die sog. „Zaunelektrode“ oder 
„Abschirmelektrode“?) soll dazu dienen, in Gebieten, 
in denen bereits bekannte größere Störungskörper 
vorhanden sind, den Strom von diesen abzuschirmen 
und dadurch auch ihren Einfluß auf den Verlauf der 
Aequipotentiallinien zu verringern. 


Theorie der elektromagnetischen 
Methoden. Die in Schweden in den Jahren 192 
bis 1924 ausgearbeiteten elektromagnetischen Ver- 
fahren beruhen darauf, daß die Wirkungen der in 
einem Erzkörper fließenden Wechselströme durch 
Ausmessung des an der Erdoberfläche wirksamen 
Wechselfeldes untersucht werden. Diese Verfahren 
können, entsprechend der Art, wie die Wechselströme 
in dem Erzkörper erzeugt werden, eingeteilt werden in 


1. Methoden, bei denen dem Erzkörper auf gal- 
vanischem Wege mittels Elektroden ein Wechsel- 
strom zugeführt wird; in diesem Falle werden unter 
Umständen noch durch die Stromzuführungsleitungen 
zu den Elektroden im Untergrunde auf induktiven 
Wege Wechselströme (Wirbelströme) erzeugt. 


2. Methoden, bei denen in dem Erzkörper auf rein 
induktivem Wege, d. h. mittels einer gegen Erd 
völlig isolierten, wechselstromdurchfilossenen Leiter- 
schleife, Wechselströme (Wirbelströme) induziert 
werden. 

3. Methoden, bei denen der Erzkörper auf kapaz- 
tivem Wege, beispielsweise durch vom Boden iso- 
lierte offene Schwingungskreise (z. B. Antennen) 
stromführend gemacht wird. Zu diesen Methoden gè- 
hören auch die mit elektrischen Wellen arbeitenden 
Hochfrequenzverfahren, die vielfach „drahtlose Metho- 
den“ genannt werden. 


Die Wirkungen der im Erzkörper erzeugten 
Wechselströme können untersucht werden 


1. durch direkte Messung der Richtung und Stärkt 
des an verschiedenen Punkten der Erdoberfläche 
wirksamen Wechselfeldes (unter Berücksichtigung 
der Phasenverhältnisse), 


2. durch Vergleichsmessungen, bei denen die a 
verschiedenen Punkten der Erdoberfläche wirksame! 
Feldstärken unmittelbar miteinander verglich 
werden. 


Bei galvanischer Stromzufuhr über zw 
Elektroden werden die auf Grund der Stromansamm- 
lung im Erzkörper an der Erdoberfläche auftretenden 
charakteristischen Erscheinungen nach der Sonder 
bzw. Rahmenmethode untersucht. Werden z.B. zW% 
Linienelektroden E,, E, (Bild 3) angewendet, ist d 
ein in der Tiefe T unter der Erdoberfläche gelegene! 
linsenförmiger Erzkörper und bedeuten 

8) D. R. P. Nr. 434460 (4. Aug. 1922) und D. R. P, Nr. 435% 


(14. Juni 1924). 
9) D. R. P. Nr. 392158 (11. Juni 1922). 


| 


| 
t 
l 


| 


` Zusammenfassender Bericht. Die geoelektrischen Untersuchungsmethoden mit Wechselstrom. 


- Hsp die auf Grund der Stromansammlung im Erz- 
körper erzeugte Horizontalkomponente des 
vom Erzkörper im Punkte P erzeugten Sekun- 
därfeldes, 

. Hp die elektromagnetische Feldstärke im Punkte P, 
wenn der Erzkörper nicht vorhanden wäre, 

l, b, Z, T die aus Bild 3 ersichtlichen Abstände, 
coı den spezifischen Widerstand des umgebenden 

e Gesteins und 

: ə den spezifischen Widerstand des Erzes, 

:so gilt annähernd folgende Gleichung’®): 


E En 2 72 
Hr Ad) sog Z VEHI 


ui RE EE A . 2 
n? loo TVP+2Z? P ) 


| l 9 


E 
Bild 3. 


„Erläuterung für die Gleichung des elektromagnetischen Feldes 
bei galvanischer Stromzuführung. 


Abgesehen von den geometrischen Abmessungen 

ist somit das Verhältnis der spezifischen Widerstände 

: von Gestein und Erz für die Stärke des Sekundär- 

feldes bestimmend. Eine nähere Diskussion der 

‚ Gleichung (2) sowie Modellversuche und Gelände- 
- messungen ergeben: 


% fs 
eA 


Bild 4. 


Berechneter Wert der Feldstärke H über einer Einlagerung von 
höherer elektrischer Leitfähigkeit. 


L Die Stärke des Sekundärfeldes ist unabhängig 
“ vom Maßstab. Deshalb ergeben Modellversuche das 
. gleiche Resultat wie Messungen im Gelände, wenn die 
- spezifischen Widerstände der bei den Modellver- 
- suchen verwendeten Materialien dieselben sind wie 
” bei den Geländemessungen. | 

` 2 Die Methode ist sehr empfindlich, da auch re- 
” Jativ schlechte Leiter Indikationen ergeben; infolge- 
dessen ist es bei dieser Methode nicht möglich, aus 
der Stärke der Indikationen auf die elektrischen 
* Eigenschaften der Einlagerung zu schließen. 


NO = 102, 


" 10) Sundberg, Lundberg und Eklund, 1.c., S. 22/23. 


187 


3. Die Stärke der Indikationen nimmt relativ 
langsam ab mit zunehmendem Abstand von dem Erz- 
körper, d. h. wachsender Tiefe des Erzkörpers. 

Werden die an verschiedenen Punkten längs der 
Linie c—d (Bild 3) herrschenden Feldstärken H be- 
rechnet und hierbei ? = 500 m, b =T =10 m, Z= 
100 m, oılo = 1000 gesetzt, so erhält man die Werte, 
wie sie Bild 4 zeigt, d. h. man bekommt ein aus- 
geprägtes Maximum über dem Erzkörper, womit 
dessen Lage bestimmt ist. Bild 5 zeigt die Hori- 
zontalkomponente des Sekundärfeldes über zwei 


Bild 5. 
Wert der Feldstärke H, gemessen über zwei parallelen Erzkörpern 


parallelen Erzkörpern nach im Gelände ausgeführten 
Messungen”). 

Bei den praktischen Messungen im Gelände wird 
das auf Grund der Stromansammlung im Erzkörper 
hervorgerufene Sekundärfeld überlagert von zusätz- 


‚ lichen Feldern, die von dem in der Elektrodenleitung 


Bild 6. 


Verlauf der Horizontalkomponenten der einzelnen Felder 
(nach H. Lundberg). 


fließenden Strome (Leitungsstrom) und von den im 
Erzkörper induzierten Wirbelströmen erzeugt werden. 
Den Verlauf der Horizontalkomponenten der ein- 
zelnen Felder zeigt das schematische Bild 6, das 
einer Arbeit von Lundberg?) entnommen ist. 
Hierin bedeuten 
a das auf Grund der Stromansammlung im Erz- 
körper hervorgerufene Sekundärfeld, 
b das vom Leitungsstrom in elektrisch homogenem 
Untergrunde erzeugte Feld (Leitungsfeld), 
c das von den Wirbelströmen des Erzkörpers er- 
zeugte Feld (Wirbelstromfeld), 


11) Sundberg, Lundberg und Eklund, 1. c., S. 24. 

12) H. Lundberg, „Recent Results in Electrical Prospecting 
for Ore“, Technical Publication Nr. 98 des American Institute of 
Mining and Metallurgical Engineers, New York 1928, Fig. 5. 


188 


d das aus dem Sekundärfeld a und dem Leitungs- 
feld b resultierende Feld, 

e das bei der geoelektrischen Vermessung tatsächlich 
gemessene, aus den Feldern a, b und c sich zu- 
sammensetzende Gesamtfeld und 

f das ausschließlich durch den Erzkörper hervor- 
gerufene, aus den Feldern a und c sich zusammen- 
setzende Gesamtfeld. © < 

Bei induktiver Energieübertragung mittels 
einer gegen Erde völlig isolierten, auf oder über dem 
Boden angeordneten, von einem Wechselstrom durch- 
flossenen Leiterschleife kann diese Schleife, der 
Primärkreis, zusammen mit dem Erzkörper als kurz- 
geschlossener Transformotor aufgefaßt werden, dessen 
Sekundärkreis der Erzkörper darstellt. Um die Lage 
und Form des Erzkörpers festzustellen, wird das von 


Bild 7. 


Erläuterung für die Gleichung des elektromagnetischen Feldes 
bei induktiver Energieübertragung. 


den im Erzkörper fließenden Strömen erzeugte elek- 
tromagnetische Feld, das Sekundärfeld, an der Erd- 
oberfläche nach der Rahmenmethode ausgemessen. 
Nimmt man an, daß AB (Bild 7) der Primärkreis und 
CD der durch den Erzkörper dargestellte Sekundär- 
kreis ist (beide kreisförmig) und bedeuten 
Vpa das primäre elektrische Feld in dem beliebigen 
Punkte A, d.h. das durch den im Primärkreis 
fließenden Strome erzeugte Feld, 
Vsa das sekundäre Feld im Punkte A, 
R, r, I, d die aus Bild 7 hervorgehenden Be- 
zeichnungen, 
Q den spezifischen Widerstand des Sekundär- 
kreises (Erzkörpers), 
y die Frequenz des in der Leiterschleife fließen- 
den Wechselstromes, 
M die gegenseitige Induktivität zwischen Primär- 
und Sekundärkreis und 
L die Induktivität des Sekundärkreises, 
so gilt folgende Gleichung”): 


R-r?:-2n-vM 
27T SO 
e| en 44 n?»? L? 


d 
Für die Stärke des Sekundärfeldes sind also maß- 
gebend die Abmessungen und die gegenseitige Lage 
von Primär- und Sekundärkreis, die Frequenz, der 
spezifische Widerstand o und die magnetische Durch- 


Vsa = 


& 


-V pa 3) 


13) Sundberg, Lundberg und Eklund, 1. c., S. 18—22. 


Vgl. auch W. Heine, 1. c.. S. 170. 


Wilhelm Geyger: 


lässigkeit u des Sekundär- (Erz-) Stromkreises (d 
M und L Funktionen von « sind). 

Aus einer näheren Diskussion der Gleichung (3) 
geht folgendes hervor: | 
1. Die Stärke des Sekundärfeldes ist nicht u- 

| 


d 


abhängig vom Maßstab, d. h. die elektrischen un 
magnetischen Eigenschaften des Sekundär- (Erz-) 
Stromkreises müssen mit dem Maßstab in bestimmter 
Weise verändert werden, wenn man bei verschie- 
denen Maßstäben dasselbe Sekundärfeld, also dieselbe 
elektrische Indikation erhalten soll. Man kann be- 
weisen, daß die Gleichung o = s? besteht, wenn s den 
Maßstab bezeichnet. 


2. Die Stärke des Sekundärfeldes ist in hohem 
Grade von den elektrischen und magnetischen Eigen- 
schaften (L und o) des Sekundärstromkreises ab- 
hängig, d. h. man bekommt verschiedene Indikationen 
je nach dem Material, aus welchem dieser Stromkreis 
besteht. 

3. Die Stärke des Sekundärfeldes nimmt verhält 
nismäßig langsam ab mit wachsender Tiefe (T) des 
Erzkörpers. 

4. Der spezifische Widerstand und die magnetische 
Durchlässigkeit einer Einlagerung können bestimmt 
werden, wenn die Stärke des Sekundärfeldes bei ver- 
schiedenen Frequenzen ermittelt wird. 


Da für anders geformte Einlagerungen analoge 
Gleichungen aufgestellt werden können und sich die 
angeführten Sätze auch bei Modellversuchen und Ge- 
ländemessungen als richtig erwiesen haben, gelten 


| 
| 

% | | 
\ 
| 
| 
| 
| 


— — — -m —— 
t s’ 


7 


Bild 8. u 
Horizontal- und Vertikalkomponente des vom Sekundär- (EZ) t 
Stromkreis erzeugten Sekundärfeldes für zwei Fälle. j 
Al 
diese Sätze generell. Was die Möglichkeit betrift x 
qualitative Untersuchungen dureh 
führen, so ist zu bemerken, daß diese Methoden noch 'V 
in Entwicklung begriffen sind, daß man aber Resultate E 
von praktischer Bedeutung bei solchen Unter 
suchungen schon erhalten hat. n 
Die Lage und Ausdehnung des Erzkörpers kam k 
aus dem Sekundärfeld festgestellt werden, wenn mat Fo 
den Verlauf der Vertikalkomponente Vs und der ve 
Horizontalkomponente Hs ermittelt. Bild 8 zeit te 
den Verlauf von Vs und Hs im vorliegenden Falk ‘u 
und zwar bei verschiedenen Durchmessern des „EI? |% 
körpers“. Da man analoge Sekundärfelder aucl k 
bei anders geformten Erzkörpern erhält, können be | 
induktiver Energieübertragung Lage und Form is | 
Erzkörpers aus dem Sekundärfeld bestimmt werd. 


‚ußerdem kann man, wie bereits erwähnt, in gün- 
tigen Fällen aus der Stärke des Sekundärfeldes eine 
’orstellung vom elektrischen Leitvermögen und von 
er magnetischen Durchlässigkeit des Erzkörpers ge- 


vinnen. 
AN, 


Bild 9. 


‚lektromagnetisches Sekundärfeld über einem unmagnetischen 
Erzkörper een 


Bild 10. 


„lektromagnetisches Sekundärfeld: Vertikalkomponenten bei zwei 
erschledenen Frequenzen über einem magnetischen Erzkörper 
(Modellversuch). 


Bild 9 zeigt das Sekundärfeld nach Modell- 
versuchen, Bild 10 die Sekundärfelder (Vertikal- 
componenten) bei zwei verschiedenen Frequenzen 
iber einem magnetischen Erzkörper, ebenfalls nach 
'Modellversuchen, und Bild 11 das Sekundärfeld über 


j 


Bild 11. 


lektromagnetisches Sekundärfeld über zwei geneigten Erzkörpern 
ie durch elektromagnetische Untersuchung entdeckt wurden. 


swei geneigten Erzkörpern, die durch elektromagne- 
ische Untersuchung entdeckt wurden. In Bild 12, 
welches der bereits erwähnten Lundbergschen 
"Arbeit'!*) entnommen ist, ist der Verlauf der Hori- 
zontal- und Vertikalkomponente des von den Wirbel- 
‚strömen des Erzkörpers erzeugten Feldes und der 
‘Verlauf des Normalfeldes (für den Fall, daß kein Erz- 
<örper vorhanden ist) schematisch dargestellt. 


Was schließlich die Theorie der Kapazitäts- 
“ınd speziell der drahtlosen Methoden anbelangt, so 
tönnen die Gleichungen, die Zenneck®) für die 
‚Tortpflanzung der elektromagnetischen Wellen in 
‚verschiedenen Medien aufgestellt hat, direkt an- 
: gewendet werden. Nach einer von Sundberg er- 
“undenen Methode!) wird die Lage des Erzkörpers 
'Jadurch bestimmt, daß eine feststehende Sender- 
„station und eine bewegliche Empfangsstation an- 
4) H, Lundberg, 1.c., Fig. 7a. er Ca 
- 45) J. Zenneck, Ann. d. Phys. (4) 23, S. 846, 1907. 

16) Sundberg, Lundberg und Eklund, I c., S. 24—26. 


Zusammenfassender Bericht. Die geoelektrischen Untersuchungsmethoden mit Wechselstrom. 


189 


gewendet und hierbei die Stromstärke in der 
Empfängerantenne gemessen wird. Diese Stromstärke 
hängt außer vom Abstand von der Senderstation, 


x 


ng 


\ wi 
lat % 


I 

l 

l 

l) 

! A 
l \ 
l 4 $ 
un 


77 A, 


Bild 12. 


Verlauf der Horizontal- und Vertikalkomponente des Sekundär- 
feldes und Verlauf des Normalfeldes (nach H. Lundberg). 


vom spezifischen Widerstand des unter der Erdober- 
fläche liegenden Materials und von der Dielektrizitäts- 
konstante ab. Der Boden hat schon bei geringer 
der Erdoberfläche herrschenden beträgt. Es ist daher, 


J "4 
9 IO SO W JO Ho T32 TE T% O PERAKE 


Bild 13. 


Wahrnehmung eines Erzkörpers bei Messung der Stromstärke 
in einer Empfängerantenne bei verschiedenem Abstand von der 
Senderstation (nach K. Sundberg). 


außer in trockenen Gegenden, undenkbar, die Lage 
von tiefliegenden Erzen mittels elektrischer Wellen, 
welche von einem Punkte der Erdoberfläche aus ge- 
sendet werden, festzustellen. 


J 


0 Jo 507“ 7# m 


Bild 14. 


Gemessene Antennenstromstärke bei Vorhandensein von Wasser, 
das bei diesen Messungen keine Indikationen gibt 
(nach K. Sundberg). 


Daß oberflächlich liegende Erze mittels solcher 
drahtloser Messungen auch in nassen Gegenden ent- 
deckt werden können, beweisen Untersuchungen, die 
Sundberg über bekanntem Erz im mittlerer 
Schweden ausgeführt hat. Bei einer Summe von 
Feuchtigkeit ein so gutes Leitvermögen, daß kurze 
elektromagnetische Wellen rasch absorbiert werden, 
so daß die Energie kurzer Wellen schon bei ge- 
ringer Tiefe nur noch einen Bruchteil von der an 


190 | 


22 Messungen wurden dabei deutliche Indikationen in 
17 Fällen, undeutliche in drei Fällen und gar keine in 
nur zwei Fällen erzielt. In den letztgenannten Fällen 
waren die Erze nur auf Grund magnetischer Unter- 
suchungen bekannt. Wie Bild 13 (nach Gelände- 
messungen) zeigt, gaben sich Erze dadurch zu er- 
kennen, daß die Stromstärke in der Empfänger- 
antenne sich vor dem Erz vergrößert und 
hinter dem Erz verkleinert. Bild 14 zeigt, 
daß bei diesen Messungen Wasser keine Indikationen 
gibt, wahrscheinlich weil sich die elektrischen Eigen- 


Patentschau. 


schaften des Wassers im vorliegenden 
denen der Erdbedeckung nur wenig unterscheiden. 


Im Vergleich zu den übrigen elektromagnetischen | 


Verfahren sind die drahtlosen Metlioden gegenwärtig 
ohne Bedeutung, doch dürfte sich deren Anwendbar- 
keit allınählich vergrößern. Diese Methoden sollen 
hier nicht weiter behandelt werden. Bezüglich der 


Falle vo 


Literatur sei auf die wohl erschöpfende Zusammen- | 


stellung bei Ambronn*) verwiesen. 


(Schluß folgt.) 


Patentschau. 
Von Carl Lübben. 


Fremdgesteuerter Sender. 
: D.R.P. 482448, Klasse 21a‘, Gruppe 15 (Ahemo), 
Pat. vom 13. Juni 1926, ausgegeben am 14. Septem- 
ber 1929. 


Bei der in Bild 1 dargestellten Anordnung soll er- 
findungsgemäß die Leistungsröhre V gleichzeitig als 
Hochfrequenzverstärkerröhre und als Modulations- 
röhre für die Steuerröhre G verwendet werden. Die 
niederfrequente Kopplung der Röhren erfolgt dabei 
durch niederfrequente Kopplung der Anodenkreise, 


Bild 1. 


z. B. durch die Niederfrequenzdrossel Dr, die zugleich 
im Anodenkreis beider Röhren liegt und die für die 
Hochfrequenz durch den Kondensator C überbrückt ist. 

Bild 2 zeigt eine Anordnung, bei der umgekehrt 


Bild 2. 


die Steuerröhre @ moduliert und gleichzeitig als 
Modulationsröhre für die gesteuerte Röhre V benutzt 
wird. 


Röhrensender für hohe Leistungen. 


Franz. Pat. 652 173 (Lorenz, 13. März 1928), Pat. 
vom 5. März 1929. 

Bei Hochleistungs-Röhrensendern werden gewöhn- 
lich sehr hohe Anodenspannungen benötigt, wodurch 
sich leicht Schwierigkeiten bzgl. der Isolation usw. 


3 


ergeben. In Bild 3 ist eine Anordnung dargestellt, bei 
der die Anodenspannung von 10000 Volt durch zwei 
Generatoren A und B von je 5000 Volt geliefert wird, 
die hintereinander geschaltet sind und deren Verbin- 
dungspunkt geerdet ist, so daß für jede Maschine nur 
eine Isolation für 5000 Volt erforderlich ist. 


Bild 3. 


Piezogesteuerter Röhrensender. 


Amerik. Pat. 1722196 (Byrnes, 1. Septbr. 1926), 
Pat. am 23. Juli 1929. 


Bild 4. 


Das Bild 4 zeigt einen piezogesteuerten Röhren- 
sender mit zwei Röhren Z und 77, die im Gegentakt 


17) R. Ambronn, 1. c., S. 142—150, sowie in dem ausführ- 
lichen Literaturverzeichnis des Buches. 


| 
| 
| 
| 


| 


| 
| 


| 


_ Patentschau. 191 


TI | Th N — ee ee e a a amn 
mm lee lt en ae mn a 


=: arbeiten und von dem gemeinsamen Piezokristall P 
. gesteuert werden. Der Piezokristall liegt bei dieser 
Anordnung zwischen beiden Gittern. Der Kapazitäts-. 
` einfluß des Piezokristalles soll bei dieser Anordnung 
` erheblich geringer sein. 


Piezogesteuerter Röhrensender. 
a Brit. Pat. 279 845 (Radiofrequenz, Berlin, 26. Okto- 
.. ber 1926), veröffentlicht am 24. Januar 1929. 
Bei der in Bild 5 dargestellten Anordnung soll 
der zur Schwingungskontrolle dienende Piezokristall P 
- zwischen Gitter und einem Spulenpaar L, und L, ein- 
geschaltet werden, das im Anodenkreis liegt. Die 


Belegungen. In Bild 7 erfolgt durch den Piezokristall 
P eine Kopplung zwischen Anoden- und Gitterkreis. 
Das Bild 8 zeigt ein Dreiröhrengerät mit Widerstands- 
kopplung, bei der der Piezokristall P zwischen Anode 
der dritten und Gitter der ersten Röhre ein- 
geschaltet ist. 


Fading-Beseitigung. 
D.R.P. 481 794, Klasse 21a*, Gruppe 9 (Radio Corp., 
amer. Prior. vom 15. September 1927), Pat. vom 
9. August 1928, ausgegeben am 29. August 1929. 


Zur Beseitigung der Schwundwirkung soll die 
hochfrequente Trägerwelle durch mehrere Förfrequen- 
zen moduliert werden, die sich voneinander um einen 
konstanten Betrag, z. B. je 1000 Perioden, unter- 
scheiden. Durch Kombination der Trägerwelle mit 
einem Seitenband oder der Seitenbänder unterein- 
ander kann beim Empfang der Ton 1000 mehrfach 
auftreten, so daß auch, wenn einzelne Seitenbänder 
zeitweise geschwächt werden, das Signal nicht durch 
die Schwundwirkung vernichtet wird. 


Fading-Beseitigung. 
Brit. Pat. 301326, (Telefunken, 24. November 
1927), veröffentlicht am 28. März 1929. 


Zur Fadingbeseitigung verwendet man Über- 
tragungssysteme, bei denen zwei Wellen ausgesendet 
werden, die einen geringen Wellenunterschied be- 
sitzen und vor der gleichen Niederfrequenz moduliert 
sind. Eine zweckmäßige Anordnung für diesen Zweck 


Bild 5. 


© Schaltung soll den Vorteil haben, daß die Eigenkapa- 
= zität des Piezokristalles keinen Einfluß auf die Fre- 
quenz hat. 
Piezogesteuerter Röhrensender. 
z D.R.P. 481489, Klasse 2lat, Gruppe 8 (Lorenz), 
: Pat. vom 3. Dezember 1927, ausgegeben am 24. August 
1929. 


Bild 6. 


Bei der Steuerung von Röhrensendern mittels 
| Piezokristallen ist die Höchstleistung des Senders ge- 
. wöhnlich durch die Grenze der Belastungsfähigkeit 
des Piezokristalles begrenzt. Um diese zu erhöhen, 


Bild 9. 


sollen erfindungsgemäß in den Gitterkreis zwei oder 
mehrere Piezokristalle PĮ, P, usw. hintereinander- 
geschaltet werden, die gleiche oder annähernd gleiche 
Figenfrequenz besitzen. 


P CZI 


ULLA 


Bild 7. 
Piezoelektrische Wellenkontrolle. 


Bild 8. 


Amer.Re.Pat. 17245, 17246, 17247 (zu 1450246 


und 1472583), (Cady, 29. Mai 1921), veröffentlicht am 
26. März 1929. 


Die Patente betreffen einige besondere Kopplungs- 


anordnungen durch Piezokristalle mit mehr als zwei 


zeigt Bild 9. Zwei Sender I und II werden mit Ano- 
denwechselstrom über einen Transformator T so ge- 
speist, daß die Spannungen an den Anoden der beiden 
Senderöhren gegenphasig abwechselnd positiv und 
negativ sind. 


Antennensystem mit Reflektor. 
Brit. Pat. 307 446, Franz. Pat. 662 802 (Western el. 
Co. bzw. Mater. Tel. 25. November 1927), veröffent- 
licht am 7. März 1929 bzw. 12. August 1929). 


Bild: 10. 


In Bild 10 und 11 sind zwei sogenannte Zickzack- 
antennen dargestellt, bei denen die strahlenden Drähte 
D durch fortlaufende Energiezufuhrleitungen L ab- 
wechselnd oben und unten verbunden sind. Bei Bild 10 


192 


liegt der Empfänger oder Sender am Anfang des 
ganzen Systems, während bei Bild 11 der Sender 
oder Empfänger in der Mitte des Systems liegt (vgl. 
auch en in dieser Zeitschrift 30, S. 38, 1927, 
Heft 1). 


Bild 11. 


In Bild 12 ist eine Anordnung dargestellt, bei der 
ein Antennensystem A und ein Reflektorsystem R der- 
art angeordnet sind, daß sie ein ganzes Vielfaches der 


Bild 12. 


Viertelwellenlänge voneinander getrennt sind. Beide 
Systeme sind nach Art des Bild 10 oder 11 ausgebildet 
und durch Resonanzkreise X, und K., geerdet. Mit 
dem einen Kreis ist die Energieleitung L verbunden. 


Antennensystem. 


Brit. Pat. 298 131 (Koomans, Holland, 3. Oktober 
1917), veröffentlicht am 28. März 1929). 


Bei den in Bild 13 und 14 wiedergegebenen 


Antennensystemen sollen eine Anzahl Doppelstrahler 
a, b mit einer gemeinsamen Energieleitung L verbun- 
den werden. Um ein phasenrichtiges Arbeiten der im 
halben Wellenlänge 


Abstand einer angeordneten 


Bild 13. 


Strahler zu erzielen, ist die Energiedoppelleitung in 
Abständen von einer halben Wellenlänge jedesmal 
gekreuzt. 

Das Bild 14 zeigt eine gemeinsame Energieleitung 
L mit Zweigleitungen b, die die Doppelstrahler d 


Bild 14. 


speisen. Die Zweigleitungen sind in einem Abstand 
von einer Viertelwellenlänge von den Doppelstrali- 
lern ebenfalls wieder gekreuzt. 


Lang-Antenne. 


D.R.P. 483 289, Klasse 21a*, Gruppe 64 (Marconi, 
Zusatz zum Patent 427599), Schweiz. Pat. 129 202, 


von abwechselnden halben Wellenlängen aufgehoben | 


Patentschau. 


Brit. Prior. vom 8. Oktober 1926, Pat. vom 6. Oktober 


1927, ausgegeben am 27. September 1929. 


Die Erfindung betrifft eine Verbesserung der Lang. | 
Antenne nach Patent 427 599, bei der die Ausstrahlung 


ist. Wenn eine solche Antenne eine im Verhältnis zur 


Bild 15. 


Wellenlänge große elektrische Länge besitzt, werden 
die Ströme in den Abschnitten um so kleiner, je weiter 
sie vom Speisepunkt entfernt sind. Erfindungsgemäß 
sollen nun die Abschnitte der einen Halbwellen so 
ausgebildet sein, daß die Strahlung nicht völlig unter- 
drückt wird, sondern nur wesentlich kleiner ist als 
die der anderen Abschnitte. Die besten Ergebnisse sind 
erzielt worden, wenn der Strahlungswiderstand der 
einen Halbwellenabschnitte B, D (Bild 15) ca. 30% 
der Widerstände der anderen Abschnitte A, C, E ist. 
Die Abschnitte B und D bestehen zu diesem Zweck aus 
einem nichtstrahlenden Teil Ba, Da und Schwanz- 
stücken Bo, Do | 


Peileinrichtung. 
D.R.P. 481703, Klasse 21a*, Gruppe 18 (Dieckmann 
u. Hell), Pat. vom 21. Januar 1927, ausgegeben am 
31. August 1929. 
Bei der in Bild 16 viederperiies direkt all- 
zeigenden Peileinrichtung sitzt auf der Achse eines 
Wechselstromgenerators G eine Kopplungsspule L | 


Bild 16. 


die mit dem Peilrahmen R verbunden und mit einer 
zweiten Spule L, gekoppelt ist, die mit einer Linear- 
antenne A verbunden ist. Die Spule L, liegt im 
Gitterkreis eines Audions, dessen Ausgangstransfor- 
mator T mit dem beweglichen System eines Dynamo- 
meters D verbunden ist. Das feste System des 
Dynamometers wird vom Wechselstromgeneratof 
erregt. Sind Rahmenkreis und Antennenkreis auf die 


Patentschau. 


zu peilende Station abgestimmt und steht der Peil- 


rahmen im Empfangsminimum, so wird vom Rahmen- 


kreis keine Empfangsenergie übertragen, so daB auf 
das Audion nur der gleichbleibende Empfang der 
‚Linearantenne wirkt und 
‚Wechselstrom fließt. 


im Ausgangskreis kein 
Das bewegliche System des 
Dynamometers bleibt demnach in Ruhe. Wird die 
Rahmenantenne aus der Minimumstellung heraus- 
gedreht, so überlagert sich dem Audion infolge der 
Drehung der Spule L, ein Wechselstrom, der das be- 
wegliche System des Dynamometers zum Ausschlag 
bringt. Der Ausschlag wird um so größer sein, je 
größer der Winkel des Peilrahmens zur Minimum- 
stellung ist. 

Anstelle der Linearantenne kann eine zweite 
Rahmenantenne verwendet werden. 


Peileinrichtung. 


D.R.P. 482281, Klasse 21a*, Gruppe 48 (Dieckmann 
u. Hell), Pat. vom 5. Februar 1927. Zusatz zum Pat. 
481 703, ausgegeben am 11. September 1929. 

Bei der Peileinrichtung, wie sie im Hauptpatent 
481 703 beschrieben ist, wird ein Hilfsgenerator ver- 
wendet, der mit einer rotierenden Spule gekoppelt ist. 
Die Zusatzerfindung betrifft das gleiche Verfahren 


r==- 


Be 


le 


Daa 


Bild 17. 


| ohne Verwendung rotierender Teile. Bei der in Bild 17 


dargestellten Anordnung sind mit dem Peilrahmen 
zwei Hochfrequenzverstärker a, b verbunden, deren 


- Raumladegitter durch den Hilfsgenerator G abwech- 
- selnd positive und negative Vorspannung erhalten, so 
" daß abwechselnd der Anodenstrom des einen oder 


anderen Verstärkers gesperrt wird. Dadurch fließt 


© der Anodenstrom in der gemeinsamen Kopplungs- 
* spule L, abwechselnd in verschiedener Richtung, so 
` daß im übrigen Teil der Anordnung die gleiche Wir- 


NN 


kung wie beim Hauptpatent erzielt wird. 


Bild 18. 


Richtungsbestimmung. 
Brit. Pat. 307 979 (Preston, Horton, 20. April 1922), 


veröffentlicht am 11. au 1929. 


193 


Die in Bild 18 dargestellte Peileinrichtung besitzt 
neben dem Peilrahmen S ein ungerichtetes Antennen- 
system A, B, das über eine Selbstinduktion L und 
einen Widerstand R geerdet ist. Der Widerstand R 
liegt im Gitterkreis der Röhre. Bei geeigneter Ein- 
stellung von Z und R kann eine scharfe Nulleinstellung 
für alle Stellungen des Rahmens erzielt werden. 


Hochohmwiderstand. 


D.R.P. 482 363, Klasse 21c, Gruppe 1 (Siemens 
& Halske), Pat. vom 22. März 1928, ausgegeben am 
12. September 1929. 


Zur Herstellung hochohmiger Widerstände soll er- 
findungsgemäß auf einen Isolierkörper (Porzellan, 
Steatit usw.) eine Widerstandsschicht aufgebracht 
werden, die teilweise aus Zirkon oder Titan besteht 
und die in erheblich stärkerer Schicht aufgebracht 
werden kann. Vorzugsweise können flüssige Verbin- 
dungen, wie z. B. Titantetrachlorid, verdampft und 
auf den erhitzten Isolator niedergeschlagen werden. 
Auch Überzüge aus Titancarbid können hergestellt 
werden. 


Entladungsröhre. 


D.R.P. 482 531, Klasse 21g, Gruppe 12 (Seibt), Pat. 
vom 30. September 1927, ausgegeben am 16. Septem- 
ber 1929. 


Um den schnellen Verbrauch der Anoden durch 
Metallzerstäubung bei Entladungsröhren, z B. bei 
Glimmlichtventilröhren mit Edelgasfüllung, zu verhin- 
dern, sollen erfindungsgemäß die Elektroden mit 
Mangan oder einem ähnlichen Stoff durch Tempern 
angereichert werden. 


Bildübertragung. | 
D.R.P. 482798, Klasse 2la!, Gruppe 32 (Lorenz), 
Pat. vom 16. Februar 1928, ausgegeben am 20. Sep- 
tember 1929, 


Bei Bildübertragung ist es üblich, in den Lichtweg 
vor der Photozelle eine rotierende Lochscheibe ein- 
zuschalten, um das Licht periodisch zu zerhacken, so 


Bild 19. 


daß der in der Photozelle entstehende veränderliche 
Strom in bekannter Weise verstärkt werden kann. 
Um die erforderlichen hohen Uhnterbrechungszahlen 
zu erhalten, sind große Lochscheiben erforderlich. 
Erfindungsgemäß soll der Lichtstrahl durch eine 
elektrische Steuereinrichtung, z. B. ein Saitengalvano- 
meter, Oszillograph usw. periodisch verändert werden. 


194 Patentschau. 


Eine solche Anordnung zeigt z. B. Bild 19, bei der 
Bildwalze B und ein Hochfrequenzgenerator G von 
dem Motor M angetrieben werden. Das von der 
Lichtquelle Z ausgehende Licht muß durch den Spalt 
eines Saitengalvanometers @ gehen, dessen Faden 
vom Hochfrequenzgenerator G erregt wird. Das von 
der Bildwalze B reflektierte Licht gelangt zur Photo- 
zelle Z, die mit der Verstärkungseinrichtung R ver- 
bunden ist. 


Bildzerlegungsvorrichtung, 


D.R.P. 482 562, Klasse 21a’, Gruppe 32 (Seibt), Pat. 
vom 2. Oktober 1928, ausgegeben am 16. September 
1929. 


Die Erfindung betrifft eine Bildzerlegungsvorrich- 
tung mit einer rotierenden Scheibe oder Walze, auf 
deren Peripherie eine Anzahl Spiegel angeordnet sind. 
Erfindungsgemäß sollen die Spiegel parallel zur 
Scheibenachse angeordnet sein, während die Achse 
der Spiegelscheibe so schwenkbar ist, daß die bei der 
Rotation von jedem Spiegel nacheinander reflek- 
tierten Lichtwege eng nebeneinander abgebildet 
werden. 

Bei der in Bild 20 dargestellten Anordnung sind auf 
der Spiegelwalze w eine Anzahl Spiegel s angeordnet. 


Bild 20. 


Die Achse a, der Spiegelwalze geht durch ein als 
Schlitten ausgeführtes in einer Längsführung f beweg- 
liches Achsenlager h, das einen Ansatz g besitzt, der 
auf einer Herzscheibe e schleift. Bei jeder Umdrehung 
der Achse a, wird die Achse a einmal herauf und her- 
unter bewegt. 


Fernsehen. 


D.R.P. 482800, Klasse 21a, Gruppe 32 (Tele- 
funken), Pat. vom 5. Mai 1927, ausgegeben am 
20. September 1929. 


Zur Darstellung von Bildern verwendet man 
Glimmkathodentableaus, bei denen jedem Bildelement 
eine Glimmlampe zugeordnet ist. Erfindungsgemäß 
soll eine Vergrößerung der Lichtstärke bei einer 
solchen Anordnung durch Nachleuchten der Glimm- 
röhren erzielt werden. Zu diesem Zweck wird an die 
Glimmlampen eine Vorspannung gelegt, so daß durch 
die ankommenden Impulse eine Zündung erfolgt und 
die Glimmlampen auch weiter leuchten, wenn der 
Steuerimpuls aufgehört hat. Durch besondere Ein- 
richtungen, z. B. Schalter, werden die nachleuchten- 
den Glimmstrecken vor Eintreffen des neuen Impulses 
gelöscht. Wird z. B. das Bild senderseitig in der 
Sekunde 15mal abgetastet, so kann nach "/,, sec der 
Betriebsstrom für alle Glimmlampen unterbrochen und 
sofort wieder eingeschaltet werden kurz bevor die 
neue Abtastung beginnt. 


Reflexionsabtastung für Bildtelegraphie. 
D.R.P. 482842, Klasse 21a’, Gruppe 32 (Tele- 
funken), Pat. vom 9. Februar 1928, ausgegeben am 
21. September 1929. 


Wird eine Fläche 1 (Bild 21) im Punkte 2 von 
einenı Lichtkegel getroffen, so tritt an dieser Stelle 
eine diffuse Reflektion ein. Befindet sich der Punkt 2 
im Brennpunkt eines spiegelnden Rotationskörpers, 
z. B. eines Rotationsellipsoides, so werden die reflek- 
tierten diffusen Strahlen im zweiten Brennpunkt F 
gesammelt. Dieser Vorgang soll erfindungsgemäß zur 


Bild 21. 


Abtastung einer Bildfläche verwendet werden. Eine 
derartige Anordnung ist in Bild 22 wiedergegeben. 
1 ist die Oberfläche des abzutastenden Bildes, das 
z. B. auf einer Bildtrommel aufgespannt ist. Der 
Brennfleck wird von einer Lichtquelle 15 mit Umlenk- 
prisma 16 und Linse 3 geliefert. Die im Punkte 2 
reflektierten Strahlen werden durch den Spiegel S auf 


Bild 22. 


die Photozelle Z geworfen. Da es bisher nicht möglich 
ist, Photozellen in sehr kleinen Abmessungen herzu- 
stellen, wird der Spiegel in der Form eines etwas 
deformierten Rotationsellipsoides auszebildet. so daß 
die vom Spiegel reflektierten Strahlen nicht in einem 
Punkt gesammelt werden, sondern verteilt auf die 
Fläche der Photozelle treffen. 


Synchronisierungseinrichtung. 
D.R.P. 482 797, Klasse 2lat, Gruppe 13 (Lorenz), 
Pat. vom 12. Dezember 1926, ausgegeben am 20. Sep- 
tember 1929. 


Zur Herstellung des Gleichlaufes zwischen zwei 
oder mehr rotierenden Vorrichtungen soll die in 
Bild 23 wiedergegebene Anordnung verwendet wer- 
den. Der am Orte A durch den Generator G, er- 
zeugte Synchronisierungswechselstrom wird zur 
Station B geleitet. Dort wird durch einen gleichen 
Hilfsgenerator G, ein Hilfswechselstrom erzeugt und 
beide Ströme überlagert. Durch den Transformator T 
gelangen die überlagerten Ströme zu einem Kommu- 
tator K, der von der gleichen Maschine angetrieben 
wird und eine solche Teilung besitzt, daß auf eine 
Periode des Hiliswechselstromes eine Kommutierung 


ren, —— m e. np o 


! 
y 


Referate. 


195 


ntfällt. Der kommutierte Strom wird an den Bürsten 


ıbgenommen und dem Gitterkreis einer Röhre R zu- 
seführt, in dessen Anodenkreis die Wicklung einer 
Wirbelstrombremse D eingeschaltet ist. 


Bild 23. 


Nehmen wir an, daß bei Gleichlauf die Amplituden 
gleich groß und von entgegengesetzter Phase sind, so 
heben sich beide Ströme auf. Dieser Zustand ist durch 
die Gerade in Bild 24b dargestellt. Bei Nacheilung 


Nachetlung 
Abb. 24a 
Synchronismus 
Abb.24b j 
Voreilung 


Abb.24 c 


der Synchronisierungsmaschine G, ergibt sich die in 
Bild 24a dargestellte Schwebungswelle (stark aus- 
gezogen) bei der Überlagerung, so daß durch die 
Kommutierung die durch Schraffierung hervorgehobe- 
nen Ströme im Gitterkreis der Röhre wirksam wer- 
den, d. h. diese Ströme sind vorwiegend negativ. Bei 
Voreilung der Synchronisierungsmaschine ergibt sich 
die in Bild 24 c dargestellte Schwebung und die kom- 
mutierten Ströme sind jetzt vorwiegend positiv. Bei 
geeigneter Anordnung und Einstellung der Bremse D 


wird also der Gleichlauf sich automatisch einstellen 
-= müssen. 


Die neuesten deutschen Hochfrequenz-Patente 


Klasse | Aus- 
r und gabe- Inhalt 
Gruppe | tag 
480 941| 21al/32 | 1 10.29 | Bildübertragung 
481 210| 21a2/36 |16. 8.29 | Übertragungssystem mit Phasen- 
ausgleich 
481 259| 21a?/l 16. 8.29 | Lautsprechersystem 
*481 489| 21at/8 |24. 8.29 | Piezogesteuerter Röhrensender 
~ 481 490| 21ał/47 |24. 8.29 | Rahmenantenne 
*181 703, 21a4,48 |31. 8.29 | Peileinrichtung 
*481 794) 21ał/9 |29. 8.29 | Fading- Beseitigung 
481 864: 21d?/51 |30. 8.29 | Frequenztransformator 
482 114| 2la!/64 | 6. 9.29 | Antennenturm 
482 134| 21a?/9 7. 9.29 | Kurzwellensender 
*482 281| 2la4/48 |11. 9.29 | Peileinrichtung 
452 294| 210/59 |12. 9.29 | Drehzahlregler für Hochfrequenz- 
maschinen 
482 295 21c/64 |11. 9.29 | Drehzahlregier für Hochfrequenz- 
maschinen 
*482 363| 21c/l 12. 9.29 | Hochohmwiderstand 
»482 4185| 2lat/l5 |14. 9.29 | Fremdgesteuerter Sender 
*482531| 218/12 |16. 9.29 Entladungsröhre 
*482562| 2lal/32 |16. 9.29 | Bildzerlegungsvorrichtung 
482 731| 21a4/72 |19. 9.29 | Kopfhörer-Mehrfachanschluß 
482 717| 21g/10 |19. 9.29 | Blockkondensator 
482 734| 21g/13 |20. 9.29 | Röhrenkathode 
*482 797| 21al/l3 |20. 9.29 | Synchronisierungsvorrichtung 
*482 798| 21al/32 |20. 9.29 | Bildtelegraphie 
*482 800| 2l1al/32 |20. 9.29| Fernsehen 
482 804| 21a!/75 |20. 9.29 | Kopfhörer- Empfänger 
482 807| 21c/59 |20. 9.29 | Drehzahlregler für Hochfrequenz- 
maschinen 
482 808 21c/59 |21. 9.29 | Drehzahlregler für Hochfrequenz- 
maschinen 
*482 842) 2lal/32 |21. 9.29 | Bildtelegraphie 
482 874| 21a4/29 |21. 9.29 | Automatische Begrenzung der 
Lautstärke 
482 875| 21a4,50 |25. 9.29 | Störbeseitigung bei Duplexverkehr 
482 876, 21a1/68 21. 9.29| Herstellung von Spulen 
482 929| 21g/ll | 23. 9.29) Trockner Gleichrichter 
482 960| 21a!/69 |23. 9.29 | Neutrodyne Empfänger 
482 963| 21g/10 |23. 9.29 | Blockkondensator 
483 087| 21ał/24 |25. 9.29 | Überlagerungsempfang 
423 220| 21a4/76 |27. 9.29 | Batterieschnur mit Anoden- 
sicherung 
*483 289| 21at/64 |27. 9.29 | Langantenne 
483 290| 21a!/75 | 1.10.29 Mehrfachröhre (Löwe) 
483 338| 21g/31 |28. 9.29 Siebkette 
483 413| 21.a*/59 1.10.29 | Kondensator in Schnurform 


Die mit * bezeichneten Patente sind in diesem Heft aus- 
führlicher referiert. 


Referate. 


H. E. Hollmann. Frequenzrückkopp- 


lung. Elektr. Nachr. Techn. 6, S. 253—264, 1929. 


Während die bekannte Energierückkopplung ein 
Aufschaukeln der Schwingungsamplitude betrifft, läßt 
‚sich unter bestimmten Umständen ein Aufschaukeln 


der Frequenz beobachten, ein Prozeß, der mit der 
- Energierückkopplung verschiedene Analoga aufweist 
‚und daher als 
- wird. 


„Frequenzrückkopplung“ bezeichnet 


Zunächst werden die Verhältnisse in der Brems- 


; feldschaltung von Barkhausen und Kurz be- 


- handelt, in welcher unter der Einwirkung eines ange- 


. koppelten 


Abstimmsystems Frequenzrückkopplung 


auftritt, die sich in plötzlichen Frequenzsprüngen be- 


` merkbar macht. 


Diese haben ihre Ursache darin, 


daß die zwischen den Röhrenelektroden induzierten 
Wechselfelder auf die Elektronenbewegung zurück- 
wirken und eine Zunahme der Frequenz herbeiführen, 
die mit der Resonanz zwischen den freien Elektronen- 
pendelungen und dem Schwingungssystem einen 
stabilen Zustand erreicht. Die Umkehrung des Ab- 
stimmvorgangs ergibt statt der Frequenzsprünge eine 
stetige Wellenänderung (Vgl. auch den zusammen- 
fassenden Bericht ds. ZS. 33, S. 27 ff, 1929). 


Der Vorgang der Frequenzrückkopplung beruht 
allgemein darauf, daß ein periodischer Schwingungs- 
prozeß, im vorstehenden Beispiel die Elektronen- 
schwingungen, einer bestimmten Abhängigkeit von 
den Betriebsverhältnissen, beispielsweise den Span- 
nungen, unterliegen, daß diese Spannungen ihrerseits 


196 


durch einen angekoppelten Resonanzkreis periodisch 
beeinflußt werden und auf den ursprünglichen, pri- 
mären Schwingungsvorgang zurückwirken, womit 
der Kreislauf der Frequenzrückkopplung geschlossen 
ist. Der abstimmbare Resonanzkreis übernimmt da- 
bei die Rolle des Rückkoppelkanals. 

Ein den ultrafrequenten Elektronenschwingungen 
der Bremsieldschaltung analoges Verhalten weisen 
die Relaxationsschwingungen auf, wie sie 


z. B. die bekannte Blinkschaltung einer Glimmlampe _ 


oder der Multivibrator von Abraham und Bloch 
erzeugt. Wird in eine solche Relaxationsschaltung in 
geeigneter Weise ein veränderlicher Schwingungs- 
kreis gelegt, so tritt auf ähnliche Weise, wie bein 
Elektronenoszillator, Frequenzrückkopplung auf, d. 
h. die Frequenz ändert sich in der einen Abstimm- 
richtung sprunghaft und geht in der anderen stetig in 
ihren alten Wert über. Dieser Frequenzverlauf wird 
im niederfrequenten Tonbereich experimentell nach- 
gewiesen, wobei sich dem Elektronenoszillator ent- 
sprechende Kurven ergeben. 


1800 


N 
L 
w 1000 
F — Schwingungskreis frei 
= 800 : mit Anodenkreis gekoppelt 
g 
IL, 

600 

00 

Pos. v. Neg. Frequenzrückkoppelung beim 
200 Muttiribrator 


10 20 30 40 50 60 70 80 90 


100 C° 


Während in der Blinkschaltung die Frequenz mit 
dem Einsatz der Rückkopplung ansteigt, was als 
positive Frequenzrückkopplung be- 
zeichnet wird, findet beim Multivibrator eine Ab- 
nahme der Frequenz statt: negative Fre- 
quenzrückkopplung. Wie bei der Energie- 
rückkopplung läßt sich durch Drehen des die Rück- 
kopplung bewirkenden Spannungsvektors um 180 
Grad der Sinn der Frequenzrückkopplung umkehren, 
was durch induktive Ankopplung des Frequenzrück- 
koppelkanals experimentell zu erreichen ist. Als Bei- 
spiel sind in dem Bild zwei im Multivibrator auf- 
tretende Frequenzkurven positiver und negativer 
Frequenzrückkopplung wiedergegeben, die durch 
„Anziehen“ der Rückkopplung, hier durch Ver- 
stimmen des Rückkoppelkanals erhalten wurden. 

Anschließend wird an einem hydrodynamischen 
Modell, bestehend aus einem hydraulischen Stoß- 
widder mit pendelnd aufgehängtem Vorratsgefäß die 
Gültigkeit des Frequenzrückkoppelprinzips auch im 
Bereich mechanischer Schwingungen gezeigt. 

H. E. Hollmann. 


B. Mazumdar. Untersuchungen und 
Messungen an ultrakurzen Wellen. 
(A study and measurement of ultra short waves.) 
Indian Journ. of Physics 3, S. 77—93, 1928. 


Referate. 


Die Arbeit umfaßt Theorie und Versuche mit eine 
Rückkoppelschaltung für kurze Wellen. Für induk 
tive Rückkoppelung wird als kürzeste zu erreichendd sií 
Welle 15 m angegeben; darunter macht sich did Ai 
innere Röhrenkapazität störend bemerkbar, so dal zı 
kürzere Wellen nur zu erhalten sind, wenn diese zu ei 
kapazitiven Rückkoppelung herangezogen wird. Ih 
solchen Anordnungen lassen sich mit Empfangsröhrer| dt 
Wellen bis zu 2 m Länge herstellen. D 

S 


Bild 1. di 


Um die Wellenlänge weiter zu verringern, legt di 

v. d. Pol (Phil. Mag. 38, S. 90, 1919), dem Schemų! ' 
des Bildes 1 entsprechend, eine Kapazität K in Reihe 
mit der inneren Röhrenkapazität. L, und L, sind die, \ 
Induktivitäten des Anoden- und Gitterkreises, die je; € 
aus einem 60 cm langen Drahtbügel bestehen. Der? 
Kondensator K wird aus zwei Platten von 10 cm|! 
Durchmesser und 1 cm Abstand gebildet. In dieser‘ 
Anordnung traten Wellen von 2,66 m Länge aui," 
deren Intensität allerdings zufolge des hohen kapazi-|! 
tiven Widerstands von K sehr gering war. x 
| 

| 


. 


l 
$ 
í 
d 
In der Anordnung des Verfassers wird K durch 
einen Kondensator von 0,001 x F ersetzt, und die 
Schwingungskreise erhalten die aus Bild 2 ersicht- | 
liche Kreisform. Da Kupfer bei den in Frage kommen- 
den Frequenzen seinen Widerstand um etwa das 
35 fache erhöht, sind die Induktivitäten aus Manganin 
gefertigt, das seinen Widerstand angenähert bei- 
behält. Die Schwingungsenergie wird in einer 
aperiodischen Drahtschleife von 30 cm Länge, welche 
mit einem Thermogalvanometer in Verbindung steht 
und mit dem Anodenkreis gekoppelt wird, gemessen. 
Die Theorie ergibt als Bedingung für das Ein j 
setzen von Schwingungen die Gleichung: 


L, (u La— L) 
-r r = (R -H R) R 
CL Fa en | 


worin L, und L, sowie R, und R., die Induktivitäten | 
und Widerstände des Anoden- und rec Rreises, | 
C die Gitter - Anodekapazität, R, den entsprechenden 
inneren Röhrenwiderstand und «u den Verstärkungs- 
faktor bedeutet. 


Bild 2. 
| 


CEU a E oo EA 


Referate. 


— 


Die Berechnung der Wellenlänge aus den Dimen- 
sionen der Schwingungskreise, wobei die Gitter- 
A\nodenkapazität zusammen mit der Sockel-Kapazität 
zu 6 cm angenommen wird, ergibt eine gute Ueber- 
:instimmung mit den Meßergebnissen. 

Um große Schwingungsenergien zu erzielen, wur- 
len Versuche mit anderen Schaltungen vorgenommen. 
Jie von Englund (Proc. Inst. Radio Eng. 15, 
5. 914, 1927. Vgl. auch ds. ZS. 33, S. 27, 1929) be- 
schriebene Gegentakt-Anordnung ergab indessen nur 
schwache Schwingungen, während bei Parallel- 
schaltung zweier Röhren eine beträchtliche Zunahme 
"ler Schwingungsintensität festzustellen war. 

Bei der Anregung linearer Drähte von mehreren 
Metern Länge zeigte sich folgende bemerkenswerte 
-Erscheinung: Wurde die Intensitätsverteilung auf 
solchen, vom Sender angeregten Drähten mittels der 
aperiodischen Schleife aufgenommen, indem dieselbe 
an der dem Thermogalvanometer gegenüberliegenden 
Stelle mit dem Draht in Berührung gebracht und an 
diesem entlanggeführt wurde, so ergaben sich Inten- 
sitätsmaxima und -Minima in Abständen von halben 
Wellenlängen. Dies war jedoch nur dann der Fall, 
wenn sich der Sender in der Nähe eines freien Draht- 
endes befand, ohne mit dem Draht weiter gekoppelt 
zu sein. Bei Ankoppelung des Senders in der Mitte 
des Drahtes verschwanden die Ausschläge des 
Thermogalvanometers vollständig und traten erst 
wieder auf, wenn der Kontaktpunkt der Schleife mit 
dem Draht aus der Mittellage nach den Anschluß- 
klemmen des Galvanometers zu verschoben wurde. 

Aus den scharf ausgeprägten Strommaxima auf 
Lecherschen Paralleldrähten gegenüber einer 
nahezu sinusförmigen Stromverteilung auf linearen 
Drähten schließt Mazumdar auf das Vorhanden- 
sein höherer Harmonischer im ersten Fall. 

H. E. Holtmann. 


G. L. Beers und W. L. Carlson. Fortschritte 
in Bau von Zwischenfrequenzempfän- 
gern. (Recent developments in superheterodyne re- 
ceivers.) Proc. Inst. Radio-Eng. 17, S. 501—515, 1929. 


A. Allgemeines. 


Die Verhältnisse, die heute für Rundfunk-Fern- 
empfang vorliegen, stellen an die Empfangsapparatur 
folgende Forderungen: 

1. Der Empfänger muß so empfindlich sein, daß 
eine Zimmerantenne von wenigen Metern gc- 
nügt, um eine größere Anzahl ferner Sender 
gut empfangen zu können. 

2. Die Trennschärfe muß der dichten Verteilung 
der Rundfiunksender auf dem Wellenbereich 
entsprechen, ohne daß dadurch die Bandbreite 
unzulässig stark reduziert wird. 

Diese Forderungen lassen sich in einfacher Weise 
_ durch einen Zwischenfrequenz-Empfänger erfüllen. 


B. Der HF-Teil des Empfängers. 


Da die Möglichkeit besteht, daß mehrere Sender 
gleichzeitig mit dem Ucberlagerer dieselbe oder un- 
zefähr dieselbe Zwischenfrequenz bilden, so ist eine 
 Eingangsselektion erforderlich, um den Empfänger in 
dem gewünschten Maße eindeutig zu machen. Der 
Eingang des Empfängers besteht also zunächst aus 
einem normalen Hochfrequenzverstärker, dessen 
Hauptaufgabe die ist, den Empfänger eindeutig zu 


197 


machen. Hat die Zwischenfrequenz des Empfängers 
die Frequenz z und der Ueberlagerer die Frequenz ù, 
so bilden die Sender öä+2z und ä—z die gleiche 
Zwischenfrequenz. Um also durch eine Vorselektion 
den Störsender möglichst stark zu unterdrücken, ist 
es vorteilhaft, die Zwischenfrequenz hoch zu wählen, 
während man aus Gründen der besseren Verstärkung 
lieber eine kleinere Zwischenfrequenz wählen würde. 
Die Verfasser geben an, daß bei einer Zwischen- 
frequenz von 180 kHz und einer Vorselektion von zwei 
Kreisen die Eindeutigkeit des Empfängers praktisch 
genügt. 

Hochfrequenzverstärker werden im allgemeinen so 
gebaut, daß der abgestimmte Anodenkreis durch 
wenige Windungen an die Anodenleitung angekoppelt 
wird. Die Verfasser wählten im Gegensatz hierzu 
eine Kopplungsspule mit hoher Windungszahl, deren 
Firgenwelle über der größten Rundfunkwelle liegt. 
Auf diese Weise wurde auf dem ganzen Wellenbereich 
nahezu konstante Bandbreite und konstante Verstär- 
kung erzielt. Ein Nachteil dieser Anordnung ist die 
dämpfende Anodenrückwirkung. Denn die Eigenwelle 
der Anodenspule liegt ja über den Empfangswellen, 
wodurch der Anodenkreis kapazitiv belastet wird. 
Um die dadurch verursachte zusätzliche Dämpfung 
aufzuheben, wurde eine Art kapazitiv geregelter (fest 
eingestellter) Rückkopplung angewandt. 


C. Der ZF-Teil des Empfängers. 

Der für eine Frequenz von 180 kHz gebaute ZF- 
Teil besteht aus zwei Verstärkerröhren und drei 
Doppelkreisen. Eine mitgeteilte Resonanzkurve zeigt, 
daß die Kreise nicht überkoppelt sind. Diese Zwischen- 
frequenz-Selektionskurve hat bei 50% ihres Maximal- 
wertes eine Breite von 16 kHz, bei 1% ihres Maximal- 
wertes eine Breite von 40 kHz. Die Flankensteilheit 
ist also sehr groß. 

Es wird darauf hingewiesen, daß direkt gekoppelte 
Kreise zwar eine bessere Bandbreite, aber eine 
schlechtere Selektion ergeben als über Röhren ge- 
koppelte Kreise. 


D. Der NF-Teil des Empfängers. 

Die übliche Anordnung des NF-Teiles ist die Ver- 
bindung eines Audions mit zweifacher Niederfrequenz- 
verstärkung. Da das Audion aber sehr störungs- 
empfindlich ist, so empfiehlt sich der Uebergang zum 
Anodengleichrichter, der unmittelbar aufs Endrohr 
arbeitet. Dies ergibt zwar geringere Lautstärke als 
bei Verwendung eines Audions mit zwei NF-Stufen. 
Nach Angabe der Verfasser erhält man dabei jedoch 
die gleiche Fndlautstärke, wenn man statt der 
fehlenden einen NF-Stufe eine weitere HF-Stufe 
zusetzt. 


E. Automatische Lautstärkenbegrenzung. 


Bei der angewandten Begrenzung wird die ans 
Gitter des NF-Gleichrichters gelangende Spannung 
gleichzeitig über einen Kondensator an das Gitter 
einer Steuerröhre gelegt. Der Spannungsabfiall an 
einem im Anodenkreis der Steuerröhre liegenden 
Widerstand ergibt eine zusätzliche negative Gitter- 
spannung der HF- und ZF-Röhren. Je nach der Vor- 
spannung der Steuerröhre beginnt die Begrenzung bei 
höheren oder kleineren Amplituden. 

P. Hermanspann. 


198 


K. W. Jarvis Empfänger-Prüfeinrich- 
tung. (Radio receiver testing equipment.) Proc. 
Inst. Radio Eng. 17, 664—710, 1929. 


Empfänger - Prüfeinrichtungen sind nicht nur für 
Empfänger-Entwicklung, sondern auch für Kontrolle 
der Fabrikation und zum Vergleich verschiedener 
Typen erforderlich. Die Meßapparatur hat zwei 
Forderungen zu erfüllen: 


1. Man muß dem Empfänger eine sehr kleine 
Spannung von wählbarer Amplitude, Frequenz, 
Modulation und wählbarem Modulationsgrad zu- 
führen können. 


2. Die Ausgangsleistung des Empfängers muß hin- 
sichtlich Intensität und Qualität untersucht wer- 
den können. 


Die Aufgabe 1 wurde hier so gelöst: Man erzeugt 
eine so kleine Spannung, daß man sie mit einem 
empfindlichen Röhrenvoltmeter noch gerade messen 
kann. Durch eine Potentiometeranordnung von be- 
kannten Dimensionen erhält man die erforderliche 
sehr kleine Eingangsspannung für den zu unter- 
suchenden Empfänger. Eine der größten Schwierig- 
keiten bei diesen Anordnungen ist die ausreichende 
Abschirmung aller Teile; denn ungewollte Kopp- 
lungen können leicht mehr Spannung an den Emp- 
fänger liefern als die eigentliche Spannungsteilung. 
Diese Schwierigkeit ist deshalb so groß, weil empfind- 
liche Empfänger mit Eingangsspannungen von ca. 
lu V untersucht werden müssen. Es wurden mehr- 
fache Panzerungen verwandt, wobei die einzelnen 
Panzer jeweils nur an einer Stelle leitend miteinander 
verbunden waren. Auch wurden die Durchführungen 
von Batterieleitungen möglichst in die Nähe dieser 
Panzerverbindungen gelegt. 


Das Röhrenvoltmeter zur Messung der am Poten- 
tiometer liegenden Spannung war ein Anodengleich- 
richter mit angeschlossenem Gleichstromverstärker. 
Die Anordnung hatte einen Meßbereich von etwa 
10—? bis 1 Volt. Um die Anordnung immer wieder auf 
die gleiche Empfindlichkeit einzustellen, wurde vor 
der Messung der Heizstrom so einreguliert, daß ein 
ganz bestimmter Emissionsstrom auftrat, wenn Gitter 
und Anode miteinander verbunden waren. 


Als künstliche Antenne wird die „standard dummy 
antenna“ benutzt, eine Reihenschaltung von 20 «u H, 
25 Q und 200 uu F. 

Der Ausgang des Empfängers wird mit einem 
Ohmschen Widerstand belastet, der dem Innenwider- 
stand des Ausgangsrohres entspricht. Der nieder- 
frequente Spannungsabfall an diesem Widerstand 
wird mit einem Röhrenvoltmeter gemessen. 


Bei der Messung des „Netzbrumms“ wird ein 
Filter verwandt, das die Frequenzabhängigkeit der 
meisten Lautsprecher berücksichtigt und somit den 
„hörbaren Wert“ des Störtones zu messen gestattet. 


Interessant ist die angegebene Bestimmung des 
Modulationsgrades: 


Legt man nämlich an das Gitter eines Anoden- 
gleichrichters eine modulierte HF - Spannung, und 
stellt man immer auf cinen bestimmten Anoden- 
Gleichstrom ein, so läßt sich ein Instrument, das den 
Wechselstromteil des Anodenstromes mißt, in Modu- 
lationsgraden eichen. P.Hermanspann. 


Referate. 


R. L. Smith-Rose. Apparatefür die Hoch- 


— 
ponnu 


y © 


frequenztechnik. (Wireless apparatus). Joum | Re 


Scient. Instr. 6, 63—65, 1929. 


| 
Der Verfasser beschreibt einige Hochfrequenz- | |), 


apparate, die auf der von der Physikalischen und 


Optischen Gesellschaft am 8. bis 10. Januar im Im- ' 
veranstalteten | 


perial College, South Kensington 
19. Jahresausstellung zu sehen waren. 
Von der Firma Cambridge Instrument Co. wurde 


ein von E. B. Moullin konstruiertes Hochfrequenz- ' 


Amperemeter gezeigt, bei dem nach Eichung mit 
Gleichstrom die Korrektion für Hochfrequenzströn« 
berechenbar ist. Das Instrument ist seinem Prinzip 


nach eine Stromwaage, bei der die zwischen zwei vom : 


Wechselstrom durchflossenen Zylindern wirkende 
Kraft gemessen wird. Das Instrument wird in einer 
Ansicht und zwei Querschnitten gezeigt, denen aber 
wissenwerte Einzelheiten leider nicht entnommen 
werden können. Die Höchststromstärke beträgt 
10 Ampere bei einem Verbrauch von weniger als 
1 Watt, die berechnete Korrektion für 3-10° Hz bc- 
trägt 6%. 


Ein für Laboratoriumszwecke brauchbarer Ton- 


sender wird durch Kombination zweier Hochfrequenz- 
sender nach der Überlagerungsmethode mit einem be- 
quem veränderlichen Frequenzbereich von 
10 000 Az erhalten. Tonsender dieser Art werden von 
D. W. Dye und T. J. Jones vom National Physical 
Laboratory und von der General Electric Co. vorge- 
führt. Letztere zeigt die Anwendung des Tonsenders 
auf die Untersuchung des Lautsprechers. 

Die Firma Ferranti, Ltd., stellte Strommesser für 
HMochfrequenzströme aus. die eine Kombination von 
Gleichstrommessern mit Vacuum-Thermoelement der 
Firma Elliott Brothers darstellen. Die Instrumente 
werden mit verschiedenen Meßbereichen von 25 Milli- 
ampere an aufwärts hergestellt. Die Cambridge [n- 
strument Co. zeigte Moullin’s Thermionic Volt- 
meter für Spannungen von 2 bis 240 Volt. R.M. 
Wilmotte von National Physical Laboratory zeigte 


10 bis ' 


tri 


JU 


Apparate zur schnellen Messung der Kapazität und ` 


des Verlustwinkels variabler Kondensatoren. 


F. M. Colebrook von National Physikal Labo- | 


ratory stellte einen Empfänger zur Aufnahme von 
Zeitsignalen aus. Der Empfänger besteht aus vier 
Einzelabteilungen, sein Wellenlängenbereich reicht 
von 1500 bis 20000 m, die Empfindlichkeit ist noch 
hinreichend zur Übertragung von Zeitsignalen, die 
von 4000 Meilen entfernten Stationen kommen, auf 
ein Relais. 

Die Radio Communication Co. zeigt einen Peiler 
für Schiffe, der einen einzigen drehbaren Rahmen 
besitzt und den Wellenbereich von 550 bis 1100 m 
umfaßt. Korrektion der Fehlweisung erfolgt nach 
Eichung des Empfängers automatisch. Zwei Figuren 
erläutern die Anordnung näher. R.L. Smith-Rose 
vom N.P.L. stellt einen tragbaren Peiler ähnlicher 
Konstruktion aus, der in einem Wellenbereich von 
40 bis 2000 m bis auf melırere 100 Meilen arbeitet. 
Die Genauigkeit beträgt unter günstigen Bedin- 
gungen 1°. A. Scheibe. 


Shogo Namba und Sadao Matsumura. Allgemein: 
Eigenschaften von piezoelektrischem Quarz und die 
Eignung des Quarzoszillators als Frequenznormal. 


Referate, 


~ 


IS 


general properties of a piezo-electric quartz and the 
-alue of a quartz oscillator as a frequency standard.) 
es. Electrot. Laborat. Tokyo. Nr. 248, 45 S., 1929. 


.: Die Verfasser benutzen zu ihren Untersuchungen 
Juarzplatten, die in zweierlei Orientierung zur elek- 
-rischen Achse des Quarzes aus dem Kristall heraus- 
‚:eschnitten sind: Type A (s. a. Bild 2a), die elek- 
rische Achse (X-Achse) steht senkrecht auf der 
‚srößten Plattenfläche, die Seiten der Plattenfläche 
Jerlaufen parallel zur optischen (Z) und neutralen 
Achse (Y); Type B, die neutrale Achse steht senk- 
‚echt auf der größten Plattenfläche, die Seiten der 
läche verlaufen parallel der optischen und elek- 
“rischen Achse. 


Kapitel I. Die Verfasser beschreiben etwas näher 
lie bereits bekannten verschiedenen Arten von 
>lattenschwingungen, die bei der Verwendung der 
"Quarzplatte als Piezooszillator erregt werden können. 
3ei jeder Platte treten mindestens zwei Grund- 
schwingungen auf, die als longitudinale Plattenschwin- 
gungen in Richtung der elektrischen Achse bzw. der 
neutralen Achse zu erkennen sind. Da diese Longi- 
tudinalschwingungen mit Verzerrungen des Platten- 
:querschnittes verbunden sind, so stimmen die für 
beide Schwingungen aufgestellten Formeln zur Be- 
rechnung der Frequenz aus der Plattendimension 
nicht miteinander überein, während sie nach der 
"Theorie identisch gleich sein müßten. Ferner kann 


ZIIIKTHIHEL. 


o a 


Bild 1. 


‘noch eine dritte Grundschwingung erregt werden, 
. wenn die Platte kreisförmig oder nahezu quadratisch 
‚ist, diese „Mid-Frequenz“ verschwindet, wenn die 
 Plattendimension in Richtung der elektrischen oder 
optischen Achse sehr groß ist. 


Die Verfasser beschäftigen sich weiter mit den 
' Nebenschwingungen, die besonders bei der Erregung 
der Quarzplatte zu Longitudinalschwingungen in Rich- 
tung der Plattendicke (X-Richtung) bei sehr dünnen 
Platten auftreten, wenn also die Frequenz dieser Lon- 
‚gitudinalschwingungen sehr groß ist (kurze Wellen). 
Diese Nebenschwingungen sind fast von der Fre- 
quenz der eigentlichen Hauptschwingung, ihre Inten- 
sitäten sind jedoch viel kleiner. Der Piezo- 
generator erzeugt in einem solchen Fall Hoch- 
frequenzschwingungen, die mit dem Differenzton der 
sehr benachbarten Frequenzen moduliert sind. Ver- 
ursacht wird das Auftreten der Nebenschwingungen 
durch Ungenauigkeit in der Orientierung der Platten 
zu den Kristallachsen und mangelnder Parallelität 


199 


der Flächen. Oszillogramme zeigen. die ınodulierte 
Form solcher Piezoschwingungen, durch Aenderung 
des Abstandes der Elektroden von der Quarzober- 
fläche wurden die Nebenschwingungen zum Ver- 
schwinden gebracht und die rein sinusförmige Grund- 
schwingung wieder hergestellt. 

Verschiedene Schaltungen von Piezooszillatoren 
mit Vierelektrodenröhren werden angegeben. Eine 
besondere Schaltung zur Erregung von Transversal- 
schwingungen unter Verwendung von zwei Vier- 
elektrodenröhren ist in Bild 1 gezeichnet. Die An- 
regung der ersten Oberschwingung der Type A, von 
Biegungsschwingungen und von Longitudinalschwin- 
gungen der Plattentype B mittels der Streufelder wird 
ebenfalls besprochen. 


san 
Eeo Es 


Bild 2. 


Kapitel II. Die Verteilung der elastischen Kräfte 
an solchen schwingenden Quarzplatten wird mit 
Lycopodiumsamen und besonders mit der Leucht- 
methode von Giebe und Scheibe untersucht. Die 
Quarzplatten werden hierbei als Resonatoren erregt. 
Bild 2 zeigt schematische Zeichnungen der Leucht- 
erscheinungen, die bei Erregung der Platte in ihren drei 
Grundschwingungen auftreten: Bild 2a Longitudinal- 
schwingung in Richtung der neutralen Achse des 
Kristalles (Y-Achse); Bild 2c Schwingung in Rich- 
tung der elektrischen Achse (X-Achse, Dickenschwin- 
gung); Bild 2b Longitudinalschwingung „Mid- 
Frequenz“. 

Kapitel III. Die Verfasser besprechen die Abhän- 
gigkeit der Frequenz des Quarzoszillators von der 
Temperatur, dem Elektrodenabstand und den elek- 
trischen Daten des mit der Anode verbundenen 
Schwingungskreises. Bei der Bestimmung des Tempe- 
raturkoeffizienten der Frequenz wurde dafür gesorgt, 
daß Fälschungen des Wertes durch gleichzeitige Ab- 
standsänderungen der oberen Elektrode vom Quarz 
vermieden wurden. Die Frequenzänderungen wurden 


Tabelle 1. 


mittlerer Temperatur- 


Erregung koeffizient 


Schwingung in Richtung der 


elektrischen Achse —0,002 bis —0,004°/9 


Schwingung in Richtung der 


neutralen Achse | —0,005 bis —0,007°/% 


Schwingung: „Mid-Frequenz“ | —0,004 bis —0,007°/, 

in einem Temperaturintervall von 0 Grad C bis zum 
Umwandlungspunkt von 570 Grad C gemessen. Es 
ergab sich, daß bei den Quarzplatten der Type A 
die Frequenz mit zunehmender Temperatur immer 


200 


Referate. 


stärker kleiner wird, daß hingegen bei den B-Quarz- 
platten die Frequenz sprungweise größer wird. Für 
die drei Grundschwingungen der A-Type ergeben 
sich. innerhalb von 15—30 Grad C die in Tabelle 1 
mitgeteilten Temperaturkoeffizienten der Frequenz. 

An Kurven wird der Frequenzeinfluß des Ab- 
standes der oberen Elektrode von der Quarzplatte 
gezeigt und die Aenderung der Dämpfung durch über- 
gelagerte, stehende Schallwellen dargestellt. Die 
Verfasser finden für den Frequenzeinfluß des Elek- 
trodenabstandes die in Tabelle 2 angegebenen Werte. 


elektr. Achse 


Tabelle 2. 

Plattentype | Schwingungen | pro 0,1 mm Elcktrodenabstard 
ae | 0010 
ee | 0,0162 bis 0,022 

„Mid-Frequenz“ | 0,013%/pbis 0,0250% 
B In Richtung der 0,0450, 


Bei der B-Type ist die Frequenzänderung also be- 
deutend größer als bei der A-Type, als Besonderheit 
ist hierbei zu erwähnen, daß diese Frequenzänderung 
in einem sehr schwachen Abstandsbereich in der 
Nähe von 0 mm Abstand anfänglich negativ ist. 
Einige weitere Kurven zeigen die Frequenz- 
änderungen des Oszillators in Abhängigkeit vom 
Heizstrom, von der Anodenspannung und von der 
Kapazität des Schwingungskreiskondensators, die im 
allgemeinen gering sind. A. Scheibe. 


J. R. Martin. Eisenverluste in hoch- 
frequenten magnetischen Wechsel- 
feldern. (Magnetic losses of iron in high fre- 
quency alternating current fields.) Phys. Rev. 33, 
621—624, 1929, 

In der Einleitung weist der Verfasser darauf hin, 
daß die bisherigen Messungen über die Hochfrequenz- 
verluste in Eisen ganz widersprechende Resultate ge- 
liefert haben, insbesondere bezüglich der Abhängig- 
keit der Verluste von der Frequenz. Die Methode 
des Verfassers ist die bekannte Substitutionsmethode. 
Die Spule mit dem zu untersuchenden Eisenkern 
wurde in einen Schwingungskreis gesetzt, auf den ein 
Generator induziert. Man stellt den Schwingungskreis 
in Resonanz mit dem Generator einmal, wenn sich die 
Spule mit dem zu untersuchenden Eisenkern im 
Schwingungskreis befindet, und dann, wenn das Eisen 
entfernt und ein von der Frequenz unabhängiger 
Widerstand eingeschaltet ist. Im letzteren Falle 
regelt man diesen Widerstand so, daß der Strom im 
Schwingungskreis denselben Wert wie im ersten 
Fall besitzt. Der dafür nötige Wert des Wider- 
standes ist der äquivalente Widerstand der Eisen- 
verluste. Die Versuche wurden mit Frequenzen 
zwischen 5,20 und 9,86-.10°/sec gemacht und mit 
Drähten aus Eisen mit geringem C-Gehalt von 4 cm 
Länge und Ouerschnitten von 0,066, 0,95 und 6,30 mm’. 

Die Ergebnisse entsprechen dem, was man von 
vornherein erwartet: Bei den dünnsten Drähten nalım 
der äquivalente Widerstand mit der Frequenz be- 
sonders stark, bei den mittleren Drähten nur sehr 


wenig zu und bei den dicksten infolge des ‘magee | 
tischen Skin-Effektes ab. 
J. Zenneck 


A. Demski. Die experimentelle Prüfung des Max- 
wellschen Geschwindigkeitsverteilungsgesetzes für 
Elektronen, die aus einer Glühkathode austreten, 
Phys. Z. 30, S. 291—314, 1929. | 


Die Temperatur einer Kathode läßt sich bekannt. I 
lich aus der Austrittsgeschwindigkeit der Elektronen 
bestimmen, indem man mit entzegengeschaltetem } 
Anodenpotential V die sog. Anlaufstromkennlinie 


InJ=f(V) 


aufnimmt, aus deren Neigung sich nach Schottky . 
die „elektrisch“ gemessene Temperatur 


ar 
d inJ 


ergibt. Da die bisherigen Arbeiten im allgemeinen 
nicht sehr gute Übereinstimmung der so ermittelten 
Temperaturwerte mit den pyrometrisch gemessenen 
ergaben, hat der Verfasser der vorliegenden Arbeit 
es unternommen, alle möglichen Fehlerquellen der 
Methode theoretisch und experimentell zu untersuchen 
und zu eliminieren: Spannungsabiall am Glühdrakt, 
Inhomogenität der Erhitzung (Abkühlenden), magneti- 
sches und elektrisches Feld des Heizstromes. Die 

Beseitigung dieses letzten Störeffektes (Messung | 
der Emission bei kurzzeitig abgeschalteter Hei- 

zung) bot die meisten Schwierigkeiten, da a 
nische rotierende Umschalter (Bayer) störende | 
Hochfrequenzschwingungen erzeugen. Recht brauch- 

bare Übereinstimmung der elektrisch und pyro- 

metrisch gemessenen Temperatur wurde mit einer 

Wechselstromunterbrecher - Schaltung erzielt, deren 

Prinzipbild daher wiedergegeben sei: 


Tak 


Gluhfaden 
aer Nehlampe 


7 
Die gleichgerichtete, sehr steil ansteigende Wech- 
selspannung £a dient hierbei zur Heizung des Mess- 


fadens. Durch einen sehr hohen Widerstand Wh im 
Heizkreis an der angegebenen Stelle wird bewirkt, 
daß durch den Spannungsabfall in- Wr in den Heiz- 
momenten die Gegenspannung an den Meßanoden 
rasch so stark negativ gemacht wird, daß nur in den 
Heizpausen Elektronen nach Maßgabe der am Poten- 
tiometer A eingestellten Gegenspannung zu den 
Anoden gelangen können: Die Anlaufstromkennlinie 
wird so bei ausgeschaltetem elektrischen Feld des 
Heizfadens aufgenommen. 

Die beste Übereinstimmung beider Temperatur- 
messungen wurde schließlich mit einer magnetfeldios 
geheizten Äquipotentialkathode erzielt. Nach Aus 
schaltung aller Fehlerquellen bestätigen also die Er- 
gebnisse die Gültigkeit des Maxwelischen Qe 
schwindigkeits-Verteilungsgesetzes. W. Espe 


Dezember 1929 


Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie 
und Telephonie 


|Zeischri ir hchirenuenziecnt 


[num 


Gegründet 1907 


Unter Mitarbeit 
von 


Dr. h. c. Graf v. Arco (Berlin), Dr. L. W. Austin (Washington), Postrat Dr. F. Banneitz 
(Berlin), Prof. Dr. H. Barkhausen (Dresden), Prof. Dr. W. Burstyn (Berlin), Prof. Dr. A. Esau 
(Jena), Prof. Dr. H. Faßbender (Berlin), Dr. L. de Forest (New-York), Prof. Dr. F. Kiebitz 
(Berlin), Postrat Prof.Dr.G.Leithäuser (Berlin), Dr. S.Loewe (Berlin), Dr. C. Lübben (Berlin), 
Dr. E. Lübcke (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. A. Meissner (Berlin), Prof. Dr. H. G. Möller 
(Hamburg), Dr. E.Nesper (Berlin), Dr. B. van der Pol jr. (Eindhoven), Ingenieur Dr. V.Poulsen - 
(Kopenhagen), Prof. Dr. L. Pungs (Braunschweig), Dipl.-Ing. B. Rosenbaum (Berlin), 
Dr. K. Rottgardt (Berlin), Prof. Dr. H. Rukop (Köln), Dr. A. Scheibe (Charlottenburg), 
Oberingenieur O. Scheller (Berlin), Prof. Dr. W. Schottky (Berlin), Prof. Dr. A. Sommerfeld 
q (München), Dr. F. Trendelenburg (Berlin), Prof. Dr. Dr. ing. E. h. M. Wien (Jena), 

; Prof. Dr. H. Wigge (Köthen-Anh.) 
$ 


herausgegeben von 
Professor Dr. Dr. ing. E. h. J. Zenneck una Privatdozent Dr. E. Mauz 


Schriftleitung: Dr. E. Mauz 


Vierunddreißigster Band 


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Dezember 1929 


a 34 


! Jahrbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie 


Zilsehri ür hochirequenziechnik 


Seite Seite 
H. G. Möller: Zur Theorie der Pak Uai Sen San ungen. (Mit Wilhelm Geyger: Zusammenfassender Bericht: Die geoelektri- 
7 Bildern im Text) . ; : . 201 schen Untersuchungsmethoden mit Wechselstrom. Mit 4 Augetn eR 
im Text . . 22 
Erich I synchron laufende Zeitablenkungen Carl NON Patentschan, (Mit 13 Bildern im Text) j i ` 234 


für die Braun’sche Röhre. (Mit 24 Bildern im Text) 

Referate: 

F. E. Terman (J. Zenneck): Prinzipielle Fragen der Gitter- 
gleichrichtung (Mit 5 Bildern im Text) . 236 

Davis und T. S. Litıtier (J. Zenneck): Der Durchgang 

des Schalls durch schwingungsfähige Scheidewände von ver- 
schiedenem Material. 2 

Eitaro Yokoyama und Tomozo Nakai (E. Mauz): Feid- 
starkenmessungen von Großstationen. 2 


L. S. Freimann: Die angenäherte Theorie des MIBEDEIOSUIINUNEN 
Generators. (Mit 7 Bildern im Text) . : ; 


Wilhelm Geyger: Ein komplexer SE EL OMROMIDENSAIDE für 
mittlere Freq 'enzen. (Mit 6 Bildern im Text) i : 


Hanns von Hartel: Eine neue Braun’sche Rene: mn Bildern 
im Text) x š A ; . 227 


EAEEREN E E 
p 
D 


Manuskripte für das Jahrbuch, möglichst mit klischierfähigen Figuren versehen, sind an die Schriftleitung Dr. E. Mauz, Frankfurta. M., Physikalisches 
Institut, Robert Mayerstr. 2, zu senden. Die Herren Autoren werden gebeten, eine kurze Zusammenfassung des wesentlichen Inhalts Ihrer Arbeit jedem Manuskript beizufügen 
Abonnements und Inserate sind zu richten an M. Krayn, Verlagsbuchhandlung Berlin W 10, Genthiner Straße 39, Postscheck-Konto Berlin 32647. 


Zur Theorie der Barihausenschwingungen. 
Von H. G. Möller, Hamburg. 


Inhaltsübersicht. länge bestimmten sie mit dem Lechersystem zi 

neue ae daß die Wellenlänge i tlich 
RE! i ie fanden, daß die Wellenlänge im wesentlichen 
k nun für die Anregung desLecher von den Spannungen der Elektroden abhängt, während 
2 y j sie sich mit der Abstimmung angeschlossener Schwin- 
. Die Schaltungen. gungskreise nur wenig ändert. Die Schwingungsdauer 
3. Erklärungsmöglichkeiten. gleicht der Zeit, welche das Elektron zur Ausführung 
4. Graphische Durchführung der Theorie. einer Pendelbewegung vom Glühdraht durch das 
5. Mathematische Durchführung der Theorie. positive Gitter zur Anode und durch das Gitter zurück 

6. Berechnung der einer schwingenden Raum- zum Glühdraht braucht. 


ladung äquivalenten Schwingdrossel. 
7. Experimentelle Prüfung der Theorie. 
Zusammenfassung. 


Einleitung. 


Bringt man das Gitter einer kleinen Senderöhre 
uf einige hundert Volt positive Spannung, die Anode 
ut die Spannung Null oder auf negative Spannung 
gen die Kathode, so sollte man erwarten, daß der 
nodenstrom Null ist. Barkhausen und Kurz!) 
obachteten aber einen merklichen Anodenstrom. 
us diesem merkwürdigen Versuche schlossen sie auf 
-S Vorhandensein von Schwingungen. Sie konnten 
der Tat Schwingungen nachweisen. Ihre Wellen- 


!) Die bisherige Literatur findet sich in den zusammenfassen- 

n Berichten von K. Kohl: Ann. d. Phys. :4), 85, S. I, 1928 und 

1, Hollmann, Ztschr. f. Hochfrequenztechnik 33, S. 27,61, 
1929 zusammengestellt. 


Durch diesen experimentellen Befund ist gezeigt, 
daß die neuen Schwingungen mit der geschilderten 
Pendelung der Elektronen etwas zu tun haben müssen. 
ihr Mechanismus blieb aber in folgendem wesent- 
lichen Punkte rätselhaft: 


Wenn im Leecher system Wechselströme erregt 
werden sollen, so muß die Raumladung als Ganzes 
vom Glühdraht durch das Gitter zur Anode schwingen, 
und zwar so, daß sich die Raumladung während einer 
Halbperiode vorwiegend im Raume Glühdraht — 
Gitter, während der anderen Halbperiode im Raume 
Anode-—-Gitter aufhält. Die von Barkhausen 
entworfene Vorstellung erklärt aber nur das Pendeln 
der einzelnen Elektronen. Da vom Glühdraht aus in 
jedem Zeitelement gleich viele Elektronen ihre Pendel- 
bewegung antreten, so wird immer eine vor der 
Anode umkehrende und immer eine vor dem Glüh- 
drahte umkehrende Raumladung vorhanden sein. 


202 


Es fehlte bisher die Erklärung, warum die Elek- 


tronen zu einem gemeinsamen Pendeln kommen,. 


warum sie sich zum gemeinsamen Tanze ordnen. 


Wie nun diese Ordnung der zunächst ungeordnet 
durcheinanderschwingenden Elektronen vor sich geht, 
soll in der vorliegenden Arbeit erklärt werden. 


Bei dieser Erklärung wollen wir zunächst von der 
Influenzwirkung der schwingenden Raumladung ab- 
sehen und als einziges schwingungsfähiges System 
das angeschlossene Lechersystem betrachten. Die 
Influenzwirkung der Raumladung soll hernach ge- 
sondert behandelt werden. Es wird sich ergeben, daß 
zwei Kondensatorplatten, zwischen denen eine Raum- 
ladung mit der Eigenfrequenz œ pendelt, sich elek- 
trisch genau so verhalten, wie eine auf die Frequenz 
w abgestimmte Schwingdrossel, und daß diese pen- 
delnde Raumladung demnach das L e c h e r system zu 
ersetzen vermag. 


== 22 se aaa ee 
D eee a a _ı62-. nn. 


eye 


Bild 1. 


1. Die Bedingung für die Anregung des 
L ec her systemes, 


Wir nehmen an, daß durch irgendeinen kleinen 
Anstoß im Lechersystem ein Wechselstrom erregt 
sein möge. Der durch . diesen Wechselstrom im 
Lechersystem erregte Spannungsabfall liegt 
zwischen dem Gitter einerseits und dem Glühdraht 
und der Anode andererseits. Diese Schwankung ‘der 
Elektrodenspannung wird eine Schwankung des 
Elektronenstromes hervorrufen. Sollen Schwin- 
gungen erregt werden, so muß der Elektronenstrom 
dem Strom im Lechersystem Energie zuführen. 


Wenn dem Lechersystem Schwingungsenergie 
zugeführt werden soll, so müssen die negativen Elek- 
tronen immer dann auf das Gitter bzw. auf die Anode 
kommen, wenn das Gitter bzw. die Anode gerade ihre 
niedrigste Spannung haben. Es ist das dieselbe Be- 
dingung, die erfüllt sein muß, wenn der Elektronen- 
strom in einem rückgekoppelten Röhrengenerator die 
Schwingungen in dem zwischen Glühdraht und Anode 
eingeschalteten Schwingungskreise erregen soll. 
Würde die Elektronenlaufzeit kurz gegen die Schwin- 
gungsdauer sein, so würden die Elektronen immer 
dann auf das Gitter bzw. die Anode gelangen, wenn 
diese Elektroden ihre höchsten Spannungen haben. 
Eine Anregung der Schwingungen wäre unmöglich. 
Ist aber die Laufzeit von der Größenordnung der 
Schwingungsdauer, so treten zwischen der Ankunft 
der Elektronen und der Spannung große Phasenver- 
schiebungen auf. Es ist durchaus denkbar, daß diese 
Phasenverschiebungen den Wert 180° erreichen und 
eine Anregung von Schwingungen möglich wird. 


2. Die Schaltungen. 
Um theoretisch einfache Verhältnisse zu haben, 
experimentierten wir mit den beiden in den Bildern 1 
und 2 dargestellten Schaltungen: 


H. G. Möller: 


‚keine Wechselspannung ausbilden, 


—... 


In Bild 1 kann sich zwischen Glühdraht und Gitter) 
da diese beiden ' 
Elektroden durch einen’ Kondensator von etwa 

1000 cm kurzgeschlossen sind. In Bild 2 ist der Glüh- ' 
draht und die Anode durch einen Kondensator kurz“ 
geschlossen. Das Lechersystem wird durch ein’ 
Rohr und einen dicken Kupferdraht gebildet. Die: 
Heizleitungen laufen durch das Rohr. Das Lecher-' 
system ist durch eine geerdete Scheibe abgeschlossen. 


Bild 2. 


Die Batterien stehen hinter der Scheibe. Es gelang : 
uns nicht, die Schaltung Bild 1 zum Schwingen zu : 
bringen, während die Schaltung 2 mühelos Schwin- : 
gungen lieferte. Es sei daher zunächst nur die Schal- ‘ 
tung 2 betrachtet. 


3. Erklärungsmöglichkeiten. 


Wir wollen von folgendem für die Rechnung ver- . 
einfachten Falle ausgehen: Die Anordnung der Röhre ; 
sei eine ebene: d. h. sie bestehe nicht aus einem | 
Glühdrahte, sondern aus einem ebenen Glühbleche, 
dem ein ebenes Gitter im Abstande k und eine ebene . 
Anode im weiteren Abstande a gegenüberliegen. (Vgl. , 
Bild 3.) Glühblech und Anode sollen auf derselben . 


K w— 4 E 
| 

Raum] | Raum U 
N 


Gitter es n 

Glühblech Anode 5 

Bild 3. n 

Spannung liegen, die Spannung des Gitters möge hin-“ 
gegen schwanken. Wir können dann für die Gitter- x 
spannung den Ansatz: i 


lg = U, + U, cos (w Í -}— g ) 'i 


wählen. Da wir uns namentlich für die Anregungder A 
Schwingungen interessieren wollen, sei die Wechsel- . 
spannungsamplitude U, klein gegen die Gittervor- ., 
spannung Uy. Ueber die Bewegung der Elektronen ; 
in diesem zeitlich veränderlichen Felde sind nun ohne 
weiteres zwei Aussagen zu maclıen: 

a) Ohne Wechselspannung würden die Elektronen ` 
gerade bis auf die Anode fliegen, die Steiglıöhe der 
Elektronen wäre = a. Liegt am Gitter eine Wechsel- 
spannung, so wird die Steighöhe im Takte dieser . 
Wechselspannung schwanken. Ist sie größer als a, so “ 
landen die Elektronen auf der Anode; ist sie kleiner „x 
als a, so kehren sie vor der Anode um, und pendeln `" 
zurück. Beim Durchschreiten des Gitters landen sie f’ 
zum Teil auf dem Gitter. Mit Hilfe der schwankenden 
Gitterspannung werden wir aus den ungzeordnet pen-, 
delnden Elektronen im Takte der Spannungs- 
schwankung immer eine Portion aussortieren und über “ 
die Anode zum Glühdraht zurückführen. während die ʻi 
andere Portion zurückschwingt und, durch das Gitter An 
zurücklaufend, de gemeinsam schwingend 4 
Raumladung bildet oder, zum Teil auf dem Gitter ” 


Zur Theorie der Barkhausenschwingungen. 


203 


..ndend, die Gitterspannungsschwankung unterhält, 
<n der wir ausgingen. 

Es bleibt nur nachzuweisen, daß der auf das Gitter 
:langende Elektronenwechselstrom die unter 1 auf- 
. astellte Phasenbedingung zur Aufrechterhaltung der 
-pannungsschwankung erfüllt. 

Die skizzierte Art der Schwingungserregung von 
..arkhausenschwingungen wollen wir „Er- 
egung nach dem Prinzip der Aus- 
ortierung“ nennen. ' 

b) Ohne Wechselspannung würden alle Elektronen 
-ie gleiche Laufzeit haben. Liegt an dem Gitter die 
"Vechselspannung, von der wir ausgingen, so wird 

ie Laufzeit schwanken, und zwar wieder im richtigen 
akte der Gitterwechselspannung. Die Elektronen 
rerden zum Teil in rascherer Folge, als sie den Glüh- 
raht verließen, zum Teil in langsamerer Folge auf 
em Gitter ankommen. Die Gitterstromstärke wird 
‚chwanken. Der Wechselstromanteil dieser schwan- 
enden Gitterstromstärke vermag ebenfalls die 
chwingung im Lechersystem zu unterhalten. Es 
t wieder zu untersuchen, ob die Phase dieses Gitter- 
echselstromes der unter Punkt 1 aufgestellten An- 
'egungsbedingung genügt. Schwingungen, die in 
ieser Art erregt werden, wollen wir nach dem 
"rinzip der Laufzeitschwankung an- 
eregt nennen. 

Um derartige Schwingungen rein zu erhalten, muß 
ıan das „Aussortieren“ der Elektronen durch die 
node verhindern, indem man die Anodenspannung 
egativ wählt und dadurch alle Elektronen zur Um- 
ehr vor der Anode zwingt. 

Das Prinzip der „Laufzeitschwankung“ führt noch 
uf einen weiteren möglichen Mechanismus der 
chwingungserregung. Wenn die Anode an negativer 
pannung liegt, und alle Elektronen vor der Anode 
mkehren, so wird sich an der Umkehrstelle eine 
ichte Raumladung ausbilden. Ist keine Gitterwechsel- 
pannung und keine Laufzeitschwankung vorhanden, 
o ist die Dichte dieser Raumladung zeitlich konstant. 
sei eintretender Laufzeitschwankung beginnt aber 
uch die Dichte dieser Raumladung zu schwanken. 
ie gleicht einer mit Wechselstrom beschickten 
‚ondensatorplatte..e. Die schwankenden Ladungen 
iluenzieren in der Anode und im Gitter Wechsel- 
tröme, welche die Ausgangswechselspannung auf- 
echtzuerhalten imstande sind, wenn die unter 
Punkt 1 aufgestellte Phasenbedingung erfüllt ist. 


Schließlich könnte man auch noch die Schwankung 
er Lage der von den umkehrenden Elektronen ge- 
ildeten Raumladung zur Erklärung der Schwingungs- 
rregung heranziehen. 

Von den in Punkt 3 erwähnten Erklärungsmöglich- 
eiten soll in dieser Arbeit nur die erste, „die Er- 


egung der Barkhausenschwingungen nach dem . 


’rinzip der Aussortierung‘“ durchgeführt und durch 
inige qualitative Versuche bestätigt werden. 


4. Graphische Durchführung der Theorie. 


Wenn wir eine Aequipotentialkathode hätten, und 
venn die Elektronen die Kathode alle mit der Ge- 
chwindigkeit Null verließen und auf ihrem Wege zur 
\node durch die Gitterdrähte nicht aus der horizon- 
alen Richtung abgelenkt würden, so würden sie, falls 
a konstant -= 0 wäre, gerade an der Anode um- 


kehren; würde die Anode ein klein wenig positiv sein, 
so würden sie alle auf die Anode fliegen; würde sie 
ein wenig negativ sein, so würde kein Elektron die 
Anode erreichen. Da nun aber diese Bedingungen 
nicht erfüllt sind, wird der Anodenstrom mit zunehmen- 
der Steighöhe der Elektronen (Anodenspannung) 
nur mäßig zunehmen. Wir können ansetzen: Anoden- 
strom ist proportional dem Ueberschuß der Elek- 
tronensteighöhe über die Anodenentfernung a. Wenn 
wir diesen Ueberschuß s—a mit ôs bezeichnen, er- 
halten wir: l 


la == Ss’ S ÑS 


Die „Steilheit“ S’ kann man experimentell auf- 
nehmen. Man muß dann ôs mit einer verschiebbaren 
Anode aufnehmen und mit feststehender Anode die zu 
den ermittelten ôs gehörigen Anodenströme messen. 
Bei diesen Messungen müssen die Barkhausen- 
schwingungen natürlich durch Kurzschlußkonden- 
satoren zwischen den Elektroden unterdrückt werden. 


Wenn wir diese Steilheit S’ durch einfache Gleich- 
strommessungen ermittelt haben, ist unsere Aufgabe 
darauf zurückgeführt, ös nach Größe und Phase in 
Abhängigkeit von der Gitterspannungsschwankung zu 
ermitteln. 


Bevor wir rechnen, sei eine überschlägige gra- 
phische Betrachtung mitgeteilt. ös wird positiv sein, 
wenn die Elektronen bei ihrer Ankunft an der Anode 
noch eine positive Geschwindigkeit haben. Es wird 
negativ sein, wenn die Elektronengeschwindigkeit 
schon vor dem Erreichen der Anode aufgebraucht ist. 
Bezeichnen wir die Beschleunigung mit b, so ist die 
Geschwindigkeit v = f b.dt, ein Integral, welches sich 
leicht graphisch ermitteln läßt. 


Wir zeichnen zu diesem Zwecke die Gitter- 
spannung beziehentlich die Beschleunigung als Funk- 
tion der Zeit auf. (Bild 4a.) Wir markieren durch 
Punkt @ den Moment, an dem die Elektronen auf dem 
Rückwege das Gitter wieder erreicht haben sollen. 
Ist dann die Laufzeit der Elektronen vom Glühblech 
bis zum Gitter £,, die vom Gitter bis zur Anode t., die 
Schwingungsdauer also 2(t, + t), so sind die Elek- 
tronen in Zeitpunkt A an der Anode, im Zeitpunkt G 
durchfliegen sie das Gitter auf dem Hinwege und im 
Zeitpunkt A verlassen sie den Glühfaden mit der Ge- 
schwindigkeit 0. Im Zeitpunkt H’ (nach Verlauf der 
ganzen Schwingungsdauer) würden sie auf den Glüh- 
draht zurückkehren. Die Geschwindigkeit v = f[b.dt, 
welche diese Elektronen beim Erreichen der Anode 
haben, ist dann gleich der Fläche I vermindert um die 
Fläche II. Dabei ist allerdings noch zu berück- 
sichtigen, daß der Abstand zwischen Glühdraht und 
Gitter kleiner ist und deswegen auch die Laufzeit 
zwischen Glühdraht und Gitter kleiner ist als die 
zwischen Gitter und Anode. Um dem Rechnung zu 


tragen, muß die Beschleunigung zwischen Gitter und 
* Anode kleiner als die zwischen Gitter und Glühdraht 


gewählt werden. Da die Feldstärken umgekehrt pro- 
portional mit den Abständen a und k sind, erhält man 
mit Hilfe der Fallgesetze b, —=b,.t,/t.. Die Fläche II 
ist also mit £,/t. zu multiplizieren. (Durchführung der 
Rechnung siehe Punkt 5.) In Bild 4 ist t/t: = Y: 
gewählt. Durch Auszählen der Quadrate erhalten 
wir für den betrachteten Zeitmoment: Fläche I 
--- Fläche II. t/t. = 35 Quadrate. Ohne Gitter- 


204 | H. G. Möller: 


ea e ee a  n e 


| 


spannungsschwankungen würden wir Null Quadrate nung zur Anregung der Lecher systemschwingun | 
erhalten. Die Elektronen haben also bei ihrer richtig liegt. i 
Ankunft an der Anode einen, Geschwindigkeitsüber- r 

schuß gehabt, sind also aussortiert worden. Bei der 5. Mathematische Durchführung der Theorie. ( 
in Bild 4a beispielsweise herausgegriffenen Gitter- 
spannung gelangen also weniger Elektronen als im 


Durch die Ueberlegungen des Abschnittes 4 ist up 
Prinzip die Theorie der Anregung der Bark- 
hausenschwingungen nach dem Prinzip der „Aus- 
F-UEnd f sortierung“ erledigt. Wir wollen sie aber doch noch, 
ţ -lg mdsu-ig in mathematischer Form darstellen, und dabei die 
8- ar +35 Qvadrate Größe von ös nicht nur durch Proportionalsetzen mit. 
dem Geschwindigkeitsüberschuß abschätzen, sondern` 
durch zweifache Integration der Bewegungsglei-. 
chungen ausrechnen. Bei der dargestellten graphischen 
Methode hatten wir die Laufzeit zwischen Gitter und 
Glühdraht immer gleich t, gesetzt. Das stimmt nicht 
genau. Sie wird je nach der Größe der schwankenden 
Gitterspannung sich etwas ändern. Diese Aenderung. 
wollen wir mit berücksichtigen. 

Die Laufzeiten wollen wir durch den Phasenwinkel -` 
messen. Die kleinere Laufzeit {, soll dem Phasen- 


n 
winkel Z— £, die größere tı dem Phasenwinkel St: 


45-7 = 35 entsprechen. Es sollen dann die Fälle s = positiv, 
í 4 s e=0 und s= negativy diskutiert und mit dem Ex- 
periment verglichen werden. l 


Aufstellung der Bewegungs- 


leichungen. | 
5 - oO, a £ 

4 2 Für die Gitterspannung hatten wir angesetzt: 
tg = Ug -+ Ug cos (wt + p). Die Feldstärke im Raume 
Raume zwischen Glühblech und Gitter ist dann 


6 - Y = -5 gim e utorT p) 
im Raume zwischen Gitter und Anode: 


€ er Ug + Uy cos (wt -+ y) | 


>= 
| 


8 -%% = -JF al 


Die Elektronenfallzeiten bei zeitlich konstanter 


Gitterspannung berechnen sich aus: 
( 


k Ze & u Us zur == ķ j m und analo 
Mittel auf das Gitter. Der Wechselstromanteil des m 2 mk 2o? el, 
Gitterstromes ist negativ. Als Maß für die Menge der 2m | 
aussortierten Elektronen können wir bei unserer über- al, | eu. | 
schlägigen Betrachtung den Geschwindigkeitsüber- ER, 
schuß wählen. während die Beschleunigungen b= — m. und 
mM KR 
e U, ; ; 
la = 2 gr sind. Es ist also f, : t =a : k und b, be 


=a:k oder t,:t,=b,:b, oder t = t,.b,/b.. Diese 
Beziehung hatten wir bereits beim graphischen Ver- 
fahren benutzt. 

Drücken wir die Laufzeiten, wie verabredet, durch 
die Phasenwinkel aus, erhalten wir für kleine e: 


t del, 4 e | 
Bild 5. eo __ Aat E "214 una 4: 
= | 


— ZZ u - nr ie 
L ra lade, a | 


Pri 
überschusses denken wir uns nun für eine Reihe Zeit- Die Bewegungsgleichung für den Raum 1 zwischen! 
momente G durchgeführt (vgl. Bild 4a bis g) und lühdraht und Gitter lautet: 
tragen uns die Gitterspannung und den Gitterstrom- d?x et ú 
überschuß ~ Geschwindigkeitsüberschuß als Funktion ge T T + h cos (ot 4 p) 
der Zeit in ein Diagramm ein (Bild 5). Wir erkennen 
dann, daß tatsächlich der Gitterstrom kleiner als im 
Mittel ist, wenn das Gitter seine größte Spannung da D h 
hat, daß also die Phase zwischen Strom und Span- Ber a. 


Die geschilderte Konstruktion des Gitterstrom- 


und für den Raum lI zwischen Gitter und Anode 


Bedeutung der Phasenwinkel œ und y. œ ist die 
Phase der Gitterspannung in dem Moment, in dem 
-das betrachtete Elektron das Glühblech verläßt, ist 
die Phase der Gitterspannung in dem Moment, in dem 
das Elektron das Gitter auf dem Hinwege passiert. 
 Bezeichnen wir die Phase der Gitterspannung in dem 
Moment, in dem das Elektron auf dem Rückwege das 
Gitter wieder passiert, mit y, so erhalten wir 


p =x — 2 laja + e) — (a2 — e) =x — hr; 
p =p + oh =x— 2a, +9=4— an —2ry+ob 
= y — (aja + £) = Z — afa — € 
Wenn wir die Laufzeit des Elektrons zwischen Glüh- 


blech und Gitter mit t, + ôt bezeichnen, erhalten wir 
durch Integration der Bewegungsgleichung (1) 


g” = b + bi cos (wt +9); Xg = vg = b (t + 8t) 


b ; 
a3 — sin Q] 
a Ë b! 
sk + b t ôt— „2 [cos (œt +9) 
— cos p -+ o sin g] 
b Ë 
Da für zeitlich konstante Gitterspannung k— a 


ty = vo = h t gilt, erhalten wir für ôt 


Òl bi [cos (w t, + p) — cos g + wt sin p) 
b, w t 


und für die Geschwindigkeit vg beim Passieren des 
Gitters auf > Hinwege 


= + 
+ ee (sin (w 4 -+ g) — sin p) = ro + ôv. 


Die Integration der Bewegungsgleichung (2) er- 
gibt dann 


Mo (œw ti + p) —cosp+ ot, sing] 


bat , b 
s == (vo + ĝt) to x m [cos (w t+ y) — cos y 
z . by Ë 
— (0) to sın y] und mit « —= Vo lo es 03 


ÖS=s —M - al? (cos (o t+ p) — cos g + ot, sing) 


+ wt (sin (w ti + p) — sin y) + a [cos (w to + y) 


— cos y + o tasin y).!) 
Setzen wir hierin die Werte für £, und £, und die 
Phasenwinkel o und w ein, so erhalten wir ein gegen 
die Gitterspannung phasenverschobenes ôs. 


Da Acos (y -+ a) = A cos y cos a — A sin y sin a und 

B sin (y -+ a) = B cos y sin a -+ B sin y cos a 
ist die Amplitude der mit cosy in Phase liegenden 
Komponente A . cosa bzw. B . sina. Um sie zu be- 


rechnen, setze man in dem Ausdruck für Òs einfach 
y = 0 ein. 


u 1) Streng genommen schwankt auch t» um ôte. Wir können 
= ð t aber vernachlässigen, da «u = vo t — 2t den Scheitel einer 


Parabel im a-t-Diagramm darstellt und deswegen die Vernach- 
. lässigung von öt, einen Fehler 2. Ordnung bedingt. 


Zur Theorie der Barkhausenschwingungen. 


205 


Die Amplitude der mit «„,=U, cosg in Phase 
liegenden ee ist: 


s= (+a +92.) 
h-t) +a 2e 
= 1 iepel i ne 


b f. 8e be 8 
bie 
+ 1,638, 


Diskussion des Resultates. 


Für positives e ist die zur Gitterspannung gleich- 
phasige Komponente von ös bzw. vom Anodenstrom 
positiv. Das bedeutet: 

Die Elektronen, die dann auf das Gitter zurück- 
kehren würden, wenn dessen Spannung positiv ist, 
haben eine über dem Mittel liegende Steighöhe. Sie 
fliegen also auf die Anode und werden ‚„aussortiert‘“. 
Die Elektronen, die auf das Gitter zurückkehren, 
wenn dies eine negative Wechselspannung hat, haben 
eine unter dem Mittel liegende Steighöhe; sie ge- 
langen nicht bis zur Anode, und werden daher nicht 
„aussortiert“. 

Negativer Strom gelangt auf das Gitter, wenn sein 
Wechselspannungsanteil negativ ist. Der Lecher- 
systemschwingung wird Energie zugeführt. 

Ist e dagegen negativ, so ist eine Anregung von 
Barkhausenschwingungen nicht möglich. e=0 
ist die Grenze der Schwingfähigkeit. 


Mitte 


^ 
-| T k 
A F ex F 
a 1 
Platte | Lady Platte 
Bild 6. 


Weiter sagt die Theorie aus: Diejenige Anoden- 
spannung wird für das Entstehen von Schwingungen 
am günstigsten sein, bei der die Elektronen im Ruhe- 
zustand die Anode eben erreichen. Wegen der Ab- 
lenkung der Elektronen durch die Gitterstäbe aus der 
radialen Bahn wird das eine schwach positive 
Anodenspannung sein. Sowohl eine Erhöhung als 
auch eine Erniedrigung der Anodenspannung muß die 
Schwingfähigkeit der Röhre herabsetzen. 


6. Berechnung der einer schwingenden Raumladung 
äquivalenten Schwingdrossel, 


Vorbemerkung: In Bild 6 sind die Konden- 
satorplatten dargestellt, qọ ist die der Einfachheit 
halber flächenhaft angeordnete schwingende Raum- 
ladung. Wir denken uns, daß diese Raumladung in 
der X-Richtung senkrecht zu den Kondensatorplatten 
eine gedämpfte Schwingung ausführt. Die Konden- 
satorplatten sind in dem Moment bei x x abgeschaltet, 
in dem die Raumladung gerade die Mitte passierte. 
Die Platten tragen dann jede die Ladungsdichte q,/2 


206 


und behalten diese Dichte auch, da sie ja abgeschaltet 
sind. Die Feldstärke, dargestellt durch tga in dem 
Bilde 7, ist dann zeitlich konstant = 4 rn 9/2. Die 
Potentialverteilung ist für verschiedene Lagen der 
Raumladung in Bild 7 dargestellt. 
differenz zwischen den Platten ist 


U=4 N Qo T. 


Die Spannungs- 


Xz negalıy 


Bild 7. 


Die äußere Kraft auf die Raumladung (die Differenz 
der dauernd gleichen Max wellschen Spannungen 
rechts und links) ist dann dauernd gleich Null. 
Schwingt x gedämpft nach: M-x + ọ x +h.x = 0, so 
schwingt auch U gedämpft, genau wie die Spannung 
einer abgeschalteten Schwingdrossel. 

Allgemeiner Fall: Die Ladungsdichte auf 
den Kondensatorplatten sei jetzt nicht mehr konstant, 
sondern es werde dem Kondensator ein Strom ¿i zu- 
geführt. Es gilt dann: i = F .dq/dt. Hierbei ist F die 
Fläche der Plaiten. Es ist für diesen allgemeinen Fall 
der Zusammenhang zwischen ¿i und U zu berechnen. 


Bei der Anregung einer auf  (=1/ V LO) ab- 
gestimmten Schwingdrossel mit der Dämpfung d = 
R/2L durch einen Wechselstrom i=i_*! erhalten 
wir einen Spannungsabfall an der Schwingdrossel von 
der Größe 
y—; GOLA YC __ i 

“Il oLFRE+' jo 2CGdoLtd) 


H. G. Möller: Zur Theorie der Barkhausenschwingungen. | 


| 


wobei die Verstimmung w—w, mit dw bezeichnet und | 
R wL, ĝu <w ist. 

Wenn der Kondensator mit der schwingenden | 
Raumladung einer solchen Drossel äquivalent sein 


4 


= Br | 
soll, so muß das Verhältnis 3 eine entsprechende 


Form erhalten. Der Nachweis hierfür soll im folgen- | 
den erbracht werden. Die von dem Strome i her- 
rührenden zusätzlichen Ladungen seien mit q’ be- | 
zeichnet. Die Kondensatorspannung erhöht sich um : 
q*/C zu 


U=-4nq.:+ F/C. 
Die von q* ausgehenden zusätzlichen Kraftlinien ı 


von der Dichte 4rxg* üben auf die schwingende 
Raumladung eine Kraft 


aus. Nach der Bewegungsgleichung berechnen wir 
für x den Wert: 


a K = tag oF 
~ joljoMFe Fijo joy RERA o) 
— 4ng qo F 
"2joM(jöutd) 


Setzen wir i=Fg*’/jo und den Wert für x in die 
Gleichung für U ein, so erhalten wir 
u l __Arg)i 
~ 2 M œw? (j ò w- d) 


1 
m 
—i re 2.0 AFA Guto 


ne un n o nm 


5 4 
und mit —— = -: 
Foo 


1 1 
e= ee agoa] 


Die Spannung an den beiden Platten mit der 
schwingenden Raumladung ist also die Summe der 
Spannungen, welche sich an den beiden Platten als 
einfacher leerer Kondensator und an einer in Serie 
geschalteten Schwingdrossel mit der Kapazität 


m F 
0’ = Fre n)™), der \V'erstimmung Sw und der Däm- 
[7] 


pfung d ausbildet. Bei den Barkhausen schwin- 
gungen bildet diese Schwingdrossel das schwingungs- 
fähige System, während das Lecher system nur die 
Rolle eines angekoppelten Sekundärsystemes spielt. - 
*) Kontrolliere die Dimension: Der Widerstand einer Schwing- 
mE o\2 
Ber an BE len, VEs j į- 
drossel ist R = IOGT Fa 2 oo .) müßte die D 
mension einer Capazität.haben. Wir haben (— € = 41 q-) im 


——— 


elektrostatischen Maß gerechnet. Fürdiesesgilt: Kraft — E= kadong)? ‘ 
cm 
, _ Masse-cmê ise _ A se _ 
Ladung ?/em Krait m. 


Die Kapazität hat aber im elektrostatischen Maß die Dimension 
des cm. | | 


7. Experimentelle Prüfung der Theorie. 


Die erste Aussage der Theorie lautete: Ist £, die 

Laufzeit zwischen Heizdraht und Gitter, größer als t», 
die Laufzeit zwischen Gitter und Anode, so tritt keine 
. Anregung der Schwingungen ein, ist hingegen 4, 
= kleiner als £» so tritt Anregung ein. Diese Aussage 

läßt sich durch ein einfaches Vorlesungsexperiment 
bestätigen. Ist die Gitterspannung kleiner als die 
 Sättigungsspannung, so steigt die Spannung vom 
Glühdraht aus wegen des vorhandenen Potential- 
minimums parabolisch an. Das Elektron läuft zunächst 
in einem schwachen Felde langsam an, braucht viel 
Zeit zu seinem Wege und gewinnt seine Geschwindig- 
keit erst dicht vor dem Gitter, t, ist größer als t. 
Die Röhre schwingt nicht an. Verringert man aber 
die Heizung solange, bis die angelegte Gitterspannung 
die Sättigungsspannung überschritten hat, so ver- 
wandelt sich der parabolische Spannungsanstieg in 
einen linearen, bei Verwendung von Glühfäden sogar 
in einen nach oben gekrümmten. Das Flektron 
kommt rasch auf seine volle Geschwindigkeit, und 
braucht zur Zurücklegung des Weges eine kurze Zeit. 
- Die Schwingungen treten auf. 

Das Experiment ist besonders überzeugend, da die 
Schwingungen gerade bei schwächerer Heizung ent- 
stehen. Würden sie bei stärkerer Heizung entstehen, 
so läge es nahe zu vermuten, daß bei schwächerer 
Heizung die Energie zur Ueberwindung der Däm- 
pfungswiderstände noch nicht ausgereicht hätte. 


Erich Hudec: Zeitproportionale, synchron laufende Zeitablenkungen für die Braun’sche Röhre. 


207 


Ist unsere Anschauung richtig, so müßte man, 
wenn man zur Verkürzung der Wellenlänge die 
Gitterspannung steigert, auch die Heizung steigern 
dürfen, bevor die Schwingungen erlöschen, da der 
höheren am Gitter liegenden Sättigungsspannung 
auch ein höherer Sättigungsstrom entspricht. Auch 
diese Folgerung aus der Theorie wird vom Ex- 
periment bestätigt. 

Daß wir es mit Schwingungen zu tun hatten, die 
nach dem Prinzip der Aussortierung angeregt waren, 
bestätigt sich experimentell dadurch, daß die Schwin- 
gungen erlöschen, wenn wir der Anode die Möglich- 
keit nehmen, Elektronen auszusortieren. Dies kann 
entweder durch Anlegen einer negativen Spannung 
geschehen; es müssen dann alle Elektronen vor der 
Anode umkehren, ohne daß welche „aussortiert‘ 
werden. Das Aussortieren kann aber auch durch eine 
positive Anodenspannung unterbunden werden. Es 
fliegen dann alle Elektronen auf die Anode und es 
kehren gar keine auf das Gitter zurück, um dort 
Schwingungen anzuregen. Auch dieser Versuch läßt 
sich leicht vorführen. 


Zusammenfassung. 


Es wird erklärt, warum sich bei den Bark- 
hausenschwingungen die Elektronen zu gemein- 
samem Tanze ordnen. Die Theorie wird sowohl 
graphisch wie mathematisch dargestellt. 


(Eingegangen am 15. Juli 1929.) 


Zeitproportionale, synchron laufende Zeitablenkungen 


oo e 9 oo 
für die Braun’sche Röhre. 
Von Erich Hudec. 
Mitteilung aus dem Elektrotechnischen Laboratorium der Technischen Hochschule Berlin. 


Inhaltsübersicht. 


l. Erzeugung einer synchron laufenden, zeitproporti- 
onalen Nilfsspannunz. 


2. Elektrostatische Zeitablenkungen, insbesondere für 

höhere Frequenzen. 

a) Beschreibung einer Strom-Kippvorrichtung. 

h) Ermittlung der Charakteristik der Strom-Kipp- 
vorrichtung. 

c) Diskussion der Kurven. 

d) Brauchbarkeit der Strom-Kippvorrichtung bei 
höheren Frequenzen. 

e) Beschreibung einer Strom - Kippvorrichtung 
mit besonders kurzen Kippzeiten. 


3. Magnetische Zeitablenkungen. 

a) Das Kippen bei Spannungs-Kippschwingungen. 

b) Das Kippen bei Elektronenröhren in Dynatron- 
schaltung. 

c) Verbesserung der Kennlinie einer Elektronen- 
röhre in Dynatronschaltung. 

d) Beschreibung einer Spannungs-Kippvorrichtung. 

e) Versuche mit der Spannungs-Kippvorrichtung. 


Zusammenfassung. 


1. Erzeugung einer synchron laufenden, zeit- 
proportionalen Hilisspannung. 


Für die Verwendung der Bra un’schen Röhre zur 
Ermittlung der Kurvenform einer Spannung oder 
eines Stromes gibt es grundsätzlich zwei Möglich- 
keiten. Man kann die zu untersuchende Kurve vom 
Kathodenstrahl entweder nur einmal oder mehr- 
mals beschreiben lassen. 


Infolge der geringen photographischen Empfind- 
lichkeit des vom Katlıodenstrahl auf dem Fluoreszenz- 
schirm erzeugten Lichtfleckes stößt das erstere Ver- 
fahren auf außerordentliche Schwierigkeiten und ist 
erst in der letzten Zeit durchgeführt worden'!). Ins- 
besondere muß man die photographische Platte in das 
Vakuum bringen und sie direkt vom Kathodenstrahl 
beeinflussen lassen. Der hierfür nötige Aufwand wird 


1) Dufour, L’oscillographe cathodique, Paris 1923; A.B. Wood, 
The Cathode Ray Oscillograph, Proc. ofthe Phys, Soc. of London, 
35, 5.109, 1922; Rogowski und Flegler, „Ein Kathodenstrahl- 
oszillograph für Aufnahmen im Vakuum“, Arch. f. Elektr. 15, 
S.297, 1922; Rogowski, Flegler und Tamm, „Eine neue 
Bauart des Kathodenstrahloszillographen‘“, Arch. f. Elektr. 18, 
S. 513, 1927; Gabor, „Fortschritte im Oszillographieren von 
Wanderwellen“ Arch. f. Elektr. 18, S. 48, 1927. 


208 


m E 


so groß und die Handhabung der Anordnung so ver- 
wickelt und unbequem, daß man dieses Verfahren nur 
in ganz besonderen Fällen verwenden wird. 

Will man zur Erhöhung der photographischen 
Empfindlichkeit die Kurve vom Kathodenstrahl mehr- 
mals beschreiben lassen, so muß man dafür sorgen, 
daß sie immer wieder an derselben Stelle auf 
dem Fluoreszenzschirm aufgezeichnet wird. Man be- 
nötigt daher einen Hilfsstrom oder eine Hilfsspannung, 
die mit der zu untersuchenden Spannung synchron 
laufen. Außerdem muß der zeitliche Verlauf dieser 
Hilfsgröße bekannt sein, damit man aus der Kurve 
auf dem Fluoreszenzschirm den zeitlichen Verlauf der 
zu untersuchenden Größe bestimmen kann. Am be- 
quemsten ist eine Hilfsgröße, die proportional der 
Zeit?) ansteigt und dann möglichst schnell wieder auf 
den Ursprungswert zurückgeht. Während ihres An- 
stieges beschreibt dann der Kathodenstrahl eine 
Kurve, die direkt den zeitlichen Verlauf der zu unter- 
suchenden Größe wiedergibt. 


Aennlinien von 
Jpannun S= 
Aippvorrichtungen. 


, S/IoOmM= 
Aippvorrichtungen : 


c Imin d 
Für die Zeitablenkung besonder geeigwele Hennlinien 
Bild 1. 


Fine Hilfsgröße, die diesen Forderungen genügt, 
die also proportional der Zeit ansteigt und außerdem 
mit der zu untersuchenden Größe synchron läuft, er- 
hält man mit HilfedererzwungenenKipp- 
schwingungen?). Erzwungene Kippschwingun- 
gen entstehen, wenn eine Anordnung, die freie Kipp- 
schwingungen auszuführen vermag, von einer 
Wechselspannung gesteuert wird. 


2) Eine Zusammenstellung der bekannten zeitproportionalen 
Zeitablenkungen für die Braun’sche Röhre findet sich in 
G. Keinath, Die Technik elektrischer Meßgeräte, München und 
Berlin 1928, Bd. 1, S. 417 u. f. Die Zeitablenkungen sind aber 
entweder auf niedrige Frequenzen beschränkt oder sie laufen mit 
der zu untersuchenden Größe nicht synchron. 

3) E. Hudec, „Erzwungene Kippschwingungen und ihre 
technischen Anwendungen“, Arch, f, Elektr. 22, S. 459, 1929. 


7 


Erich Hudec: 


a en ei nme 
2 a ne nn c M 


Zur Erzeugung von freien Kippschwingungen‘) be- | 
nötigt man eine Kippvorrichtung, und zwar entweder ' 
eine Strom-Kippvorrichtung mit einer Kennlinie nach l 


— 
— 


] 


se 
CI 


Bild 1a oder eine Spannungs-Kippvorrichtung mit |g 


einer Kennlinie nach Bild 1b. Schaltet man nach < 


Bild 2a parallel zu einer Strom-Kippvorrichtung einen Ai 


Kondensator und schickt in diese Parallelschaltung 


gÈ 


einen konstanten Strom I, so entstehen , freie Kipp- | 


schwingungen“, sofern der Strom der Bedingung: 


(vgl. Bild 1a) genügt. Durch den Strom ©. =I-i < 
(vgl. Bild 2a) wird der Kondensator bis auf die Span- 
nung emax aufgeladen, alsdann springt der durch die 
Kippvorrichtung fließende Strom i auf den Wert imas. 
Da gemäß Gl. 1a nunmehr ¿œ I ist, so fließt der Dif- 


ferenzstrom —ice = i— I vom Kondensator in die ' 


Strom-Kippvorrichtung, der Kondensator wird somit 
bis auf die untere Kippspannung emin entladen, worauf 
der Strom i plötzlich auf einen viel kleineren Wert fa 
(vgl. Bild 1a) zurückgeht. Da jetzt wieder ¿i< I ist, 
so wird der Kondensator von neuem aufgeladen, 
worauf sich der beschriebene Vorgang periodisch 
wiederholt. 


Aehnlich kommen freie Spannungs-Kipp- 
schwingungen zustande, wenn eine Spannungs- 
Kippvorrichtung nach Bild 2b in Reihe mit einer In- 


Schaltung zur Erzeugung von 
Strom-Kippschwingungen Spannungs-Kippschwingungen 


Bild 2. 


duktivität an eine konstante Gleichspannung E ge- ` 


legt wird, die der Bedingung 
e LE < emin (1b) 


genügt, wobei die Bedeutung der Buchstaben aus Bild 
1b und 2b zu ersehen ist. 


Für die Zeitablenkung einer Braun schen Röhre 
sind Kippvorrichtungen mit einer Kennlinie nach 
Bild 1c und d besonders geeignet. Im Falle einer 
Strom -Kippvorrichtung ist alsdann während der 
Ladezeit der auf den Kondensator fließende Strom 
konstant, die Kondensatorspannung e steigt also ge- 
mäß der Beziehung 


de I 
nr oder e —= c! 


proportional der Zeit an. Im Falle einer Spannungs- 


Kippvorrichtung wächst der Strom i gemäß der 
Gleichung 
di PA 
E=L--—, odei= -—- 
di E 
proportional der Zeit, doch muß dann noch der 


4) Genaueres über die Theorie der freien Kippschwin gungen 
s. Friedländer, Ueber Kippschwingungen, insbesondere bei 
Elektronenröhren, Arch. f. Elektr. 17, S. 1 und 103, 1926, 


Zeitproportionale, synchron laufende Zeitablenkungen für die Braun’sche Röhre. 


„Widerstand der Spule klein gegen ihre Induktivität 
‚sein. Der scharfe Einsatz des fallenden Teiles der 
Charakteristik gestattet außerdem, daß man den 
Strom 7 klein gegen ?min bzw. die Spannung E klein 
‚gegen min wählt, so daß die Entladezeit sehr kurz 
gegenüber der Ladezeit wird. 


Die Kondensatorspannung in Bild 2a bzw. der 
.‚Spulenstrom in Bild 2b laufen zu der zu unter- 
suchenden Wechselspannung synchron, wenn diese 
Anordnungen von der Wechselspannung gesteuert 
werden. Es sind drei verschiedene Steuerungen 
möglich: 
~. 1 eine direkte Steuerung durch eine zusätzliche 
‚Spannung bei Strom -Kippvorrichtungen oder einen 
zusätzlichen Strom bei Spannungs-Kippvorrichtungen, 


2. eine Steuerung durch Beeinflussung des Lade- 
-stromes der Kapazität bzw. des Stromes durch die 
Induktivität, 

- 3. eine Steuerung durch Beeinflussung der Kenn- 
linie der Kippvorrichtung (vgl. Bild 4, 11, 17 u. 20). 

Für die Zeitablenkung ist die dritte Steuerung 
ganz besonders gut verwendbar, da sie eine zeit- 
proportionale Hilisspannung bzw. einen zeitproporti- 
. onalen Hilfsstrom liefert und da sie außerdem die 


AN W 
\a/ 


AN 
A Pi Na ir NA 


I=0,9 mA 


1=1,15mA 


7 Aa \n/ 


\ N MMA 
A f 


Bild 3. 


Zeitlicher Verlauf der Steuerspannung und der von ihr 
erzwungenen Kippschwingung. 


Steuerspannung ıneist nicht belastet. Sie wird im 
folgenden ausschließlich benutzt. 

Die von der Steuerspannung erzwungenen Kipp- 
Schwingungen können eine Frequenz annehmen, die 
gleich einem ganzzahligen Bruchteil der Frequenz 
der Stenerspannung ist. Sie können zur Steuer- 


209 


spannung synchron laufen, d. h. sie können zur 
Steuerspannung stets dieselbe Lage haben, insbeson- 
dere auch dann, wenn von außen kleine Aenderungen 
vorgenommen werden oder kleine Störungen ein- 
treten. Die Bedingungen, an die der Synchronismus 
geknüpft ist, lassen sich mathematisch durch eine 
Ungleichung darstellen; er ist also ohne eine 
besondere Abgleichung innerhalb der Anordnung zu 
erreichen. Vergrößert man z. B. in der Anordnung 
nach Bild 4 den Strom I, so verändert sich die Kon- 
densatorspannung gemäß den oszillographischen Auf- 
nahmen in Bild 3. Die geradlinig ansteigende Kurve 
stellt die Kondensatorspannung, die zackige Kurve 
stellt die Steuerspannung dar. Liegt I zwischen 0,90 
und 1,15 mA, so ist die Frequenz der Kondensator- 
spannung 14 der Frequenz der Steuerspannung. Bei 
wachsendem Strom I werden die Spannungsschwan- 
kungen am Kondensator größer, außerdem ändert sich 


Bild 4. 
Strom - Kippvorrichtung”für die ranea einer Braun’schen 
Röhre, nebst Kondensator, Laderöhre und Steuerspannung ew». 


die gegenseitige Lage der beiden Kurven ein wenig. 
Wächst I über 1,15 mA hinaus, so ist kein Synchro- 
nismus zwischen beiden Kurven vorhanden. Erst 
wenn I den Wert 1,30 mA überschreitet, stellt sich 
wieder ein Synchronismus ein, und zwar ist die 
Frequenz der Kondensatorspannung halb so groß wie 
die Frequenz der Steuerspannung. 

Die in Bild 3 dargestellten Kurven sind bei einer 
Frequenz f = 200 Hertz der Steuerspannung auf- 
genommen. Genau denselben Verlauf erhält man 
auch bei höheren Frequenzen: man braucht dazu nur 
die Eigenfrequenz der Anordnung (die Frequenz der 
freien Kippschwingung) z. B. durch Verkleinern des 
Kondensators C in Bild 2a zu erhöhen. 


2. Elektrostatische Zeitablenkungen, insbesondere für 
höhere Frequenzen. 


a) Beschreibung der Strom-Kipp- 
vorrichtung in Bild 4 


Soll die Zeitablenkung auf dem Schirm einer 
Braun’schen Röhre etwa 10 cm betragen, so be- 
nötigt man für eine normale Röhre von 1 m Länge 
für eine Anodenspannung von 10 bis 20 kV eine Zeit- 
ablenkungsspannung von etwa 1000 V, für eine Glüh- 
kathodenröhre von 30 cm Länge für eine Anoden- 
spannung von 400 V (z. B. Western-Röhre) braucht 
man dagegen nur etwa 100 V. Dies ist somit die 
Mindestspannung, um die sich die obere und untere 
Kippspannung (emax und emin in Bild 1a) einer für 
die Zeitablenkung brauchbaren Strom-Kippvorrichtung 
voneinander unterscheiden müssen. Außerdem muß 
man von der Anordnung fordern, daß die Entladezeit 


Te 


910 Erich Hudec: | | 


des Kondensators gegenüber der Ladezeit möglichst b) Ermittlung der Charakteristik der | 
kurz ist und daß die Spannung am Kondensator mög- Strom-Kippvorrichtung in Bild 4 

lichst proportional der Zeit ansteigt. Das letztere Durch entsprechende Wahl der Spannungen E, 
erreicht man, indem man den Kondensator mit kon- und E, in Bild 4 kann man erreichen, daß die Anoden- , 
stantem Strom, also über eine im Sättigungsgebiett spannungen ea an den beiden Steuerröhren die ` 
arbeitende Elektronenröhre auflädt. Wenn die Ent- Sättigungsspannung nicht unterschreiten. Alsdann 

ladezeit kurz gegenüber der Ladezeit sein soll, muß kann man annehmen, daß alle Kennlinien der beiden ; 
der Entladestrom während der gesamten Entladezeit Röhren den gleichen Abstand voneinander haben, daB 
den Ladestrom weit übertreffen. Der Kondensator sie also der Gleichung 
wird daher über eine kleine Elektronenröhre (Lade- TER RATE, | 

g — a 


In 


m f. genügen, wobei « = u (fa) durch eine Kurve in Bild5 
@ gegeben ist. Es ist eine ideelle Kennlinie für die 


15 Anodenspannung Null. 
a H "Für die Aalen: und Gitterkreise der beiden 
Steuerröhren in Bild 4 gelten folgende Beziehungen: 
SE E 
ZI TILL L A LTE EER AT o? 
Cal — E; —iaı 1 ) (4) 
77 RE I I I BA BI BE Br 
A arte) P 
eg = —ta2 Ao =e? 
98 7 
SEERZERFEREREERSE e2 = —ia RE (7) 
06 CEEE A N E T EN Aus den Gleichungen (3), (5) und (7) erhält man: 
J5 CESAR ESNESCERNE PR E T 
EPU AK EEE HE ER Tue le a 
03 BEHRANRARNIRHEIE und aus den Gleichungen (2), (4) und (6): 
f, 2 SITAT TTT) e= E' -+ D E, cisi (ia) —D (R, a R’) m R, iis (9) 
41 EAEREBERENENEN.: Aus diesen Gleichungen läßt sicl f (ia2) und 
sich e = ?a2) UN 


3 e =F (ia?) ermitteln. Nachstehend wird die Rech- 
2 0723456 9 ONU IEY nung an folgendem Beispiel durchgeführt: Æ, — 250 V, 


a4 ld 5. 
Ideelle Kennlinie einer Elektronenröhre für’die Anoden- 74 
spannung Null. 


| 
| 


rölıre in Bild 4) geladen, deren Sättigungsstrom etwa 
1 mA beträgt, und über eine größere Elektronenrölire 
(Entladeröhre in Bild 4) entladen, deren Anodenstrom 
etwa 50 mA erreicht. Diese Röhre erhält eine starke 
negative Vorspannung, so daß bei entladenem Kon- 
densator überhaupt kein Anodenstrom über sie fließt. 
Wenn der Kondensator auf einen bestimmten Betrag 
aufgeladen ist, muß die Steuerspannung der Entlade- 
röhre plötzlich stark positiv werden, so daß ein hoher 
Anodenstrom fließt, und sie muß solange positiv 
bleiben, bis der Kondensator auf den gewünschten 
Betrag entladen ist. Alsdann muß sie wieder plötz- 
lich stark negativ werden. 


Zur Erzeugung der Steuerspannung es der Ent- "Bild 6. 
laderöhre dienen die beiden Steuerröhren in Bild 4, Zusammenhang pt den Anodenströmen ia, und ia, der 
die zusammen mit den Widerständen R,, R’ und R. eiden Steuerröhren In Bild 4. | 


einen labilen Widerstandsverstärker’) bilden. E, = 150V, E= 50V, E’= _2V; R, = 200 ' 


Im Bild 4 ist die gesamte Anordnung zur Erzeu- Eu 
gung von erzwungenen Kippschwingungen dargestellt. K=100kQ, R,=50kQ, D= 11.5 
Um die Strom-Kippvorrichtung zu erhalten, muß man In Bild 6 ist öaı nach Gleichung (8) in Abhängig- ` 
die Laderöhre, die Spannung E und den Kondensator keit von taz dargestellt. Die Ziffern (1) (2) (3) in 
C fortlassen und die Klemmen für die Wechselspan- diesem und in den folgenden Bildern geben die 
nung ew kurz schließen. Reihenfolge an, in der die einzelnen Kurven ent -~ 


5) L. B. Turner, The Kallirotron, an aperiodic negative 6) Die Klemmen für die Wechselspannung le sind kurz zu 
resistance triode combination, Radio Review, 1, S. 317, 1920. schließen. | 


Zeitproportionale, synchron laufende Zeitablenkungen für die Braun’sche Röhre, 


I 


-standen sind. In Bild 7 stellt die Kurve (4) die Span- 
ung e= f (iai) dar. Sie ist nach Gl. (9) und mit 
.‚NAilfe der Kurven in Bild 5 und 6 ermittelt. Die 
Xurve (5): e =F (ia2) ist aus der Kurve (4) und dem 
'3ild 6 bestimmt. 

. Wenn die Spannung e=0 ist, ist nach Bild 7: 
ial = 1,53 mA und ĉfa2 =0. Vergrößert man e all- 
"mählich, so bleibt tai zunächst unverändert; steigt 
e über 43 V, so sinkt 2.ı bis auf 0,7 mA bei 58 V, als- 
dann springt ©sı auf Null, während ĉa? umgekehrt 
von Null auf 1,26 mA springt. Verringert man nun 
die Spannung e, so behalten beide Ströme ihren Wert 
‚bei. Erst wenn e unter 10,5 V sinkt, geht fai plötz- 
lich auf 1,53 mA und ĉa? von 1,26 mA auf Null zurück. 


SIT 
III 


A I 


fi 
ii 


OLSON 


aa a FA 


211 


Die plötzlichen Spannungsänderungen, die hierbei an 
den Widerständen R, R’ und R, auftreten, werden 


zum Umsteuern der Entladeröhre benutzt. Nach 
Bild 4 ist: 
ea=—E+etiap—ia(Rı+R) (10) 


Nach dieser Gleichung ist in Bild 8 die Steuer- 
spannung es in Abhängigkeit von der Spannung e 
am Kondensator gezeichnet und hieraus in Bild 9 
(mit Hilfe der Kennlinien der Entladeröhre) die 
Charakteristik der Strom-Kippvorrichtung, d. h. die 
Spannung e’ als Funktion des Anodenstromes i der 
Entladeröhre. Hierbei ist E, = 300V und e =2.e 
angenommen, als Entladeröhre diente die Telefunken- 
röhre RV 218. Außerdem ist der Widerstand W so 
groß gewählt, daß die Gitterspannung infolge des ein- 
setzenden Gitterstromes nicht nennenswert positiv 
wird. Wenn W verkleinert wird, so fällt die Spitze 
im rechten Teil der Kurve in Bild 9 schließlich fort, 
sie nähert sich mehr dem Verlauf in Bild Ic. 


c) Diskussion der Kurven in Bild 5—9. 


Die in Bild 4 dargestellte Strom-Kippvorrichtung 
mit den Zahlenwerten des vorangehenden Abschnittes 
hat den Nachteil, daß der Strom tai nach Bild 7 bei 
wachsender Spannung allmählich von 1,53 mA bis auf 
0,70 mA abnimmt. Die hierdurch bewirkte stetige 
4 
z0 


; | K 
TAN N 
2 T N ENT 
701 | H # 
||| Da, HHHH- 
| 022 04 06 08 10 12 14 A6yrms ERBERIESE 
dá O 20 30 W0 30 Mn 0 sw 
- Die beiden Anodenströme ia, nd < als Funktion der Spann- Bild 9. ú 
i nung e in Bild 4. Charakteristik der Ve in Bild 4. 
BD JE EA 
(2) 
ws a 60 
LUTT BE N I AL WE 
I, TI 1 NA I 
Du Au Eu BE EEE ER DE, BE 
/ NIEREN, A 
IE UA EEE EEE EEE EEE u ARE 
PLN IT 
AI III II VII TI 


-200 -I5 10 -125 


Die Gitterspannung es: der Entladeröhre in 


-700 


=D 
Bild 8. 


-50 25 O0 25 IO 


Abhängigkeit von der Spannung e in Bild 4. 


5 00V 


212 


Spannungsänderung an den Widerständen R, und R’ 


geht für die Umsteuerung der Steuerröhre verloren. 
Zwar kann man durch Vergrößerung von R’ den Span- 
nungssprung vergrößern, doch muß dann die Gleich- 
spannung E, unangenehm hoch gewählt werden. Die 
stetige Abnahme des Anodenstromes 2.1 ist nach 
Bild 7 (Kurve 4) und Bild 6 darauf zurückzuführen, 
daß der Anodenstrom ta? = 0 ist, wenn {a1 0,8 mA 
wird. 


Will man die stetige Abnahme des Anoden- 
stromes beseitigen, so muß man dafür sorgen, daß 
auch noch für 2sı =1,53 mA der Anodenstrom der 
zweiten Röhre ia. 0 ist, daß also die Kurve (3) in 
Bild 6 steiler verläuft. Man erreicht dies gemäß 
Bild 6 durch Verkleinerung von R.. Wählt man z.B. 


R, halb so groß, so istöiaa = 0, wenn iai = 1,6 mA er- 


reicht. Die Kurve (4) in Bild 7 beginnt zwar. wieder 
bei emin = 10,5 V, doch verläuft sie flacher, so daß 
sie erst wesentlich später mit der Kurve (3) zu- 


sammenkommt. Alsdann ändert sich 2sı bei wachsen- ` 


der Spannung überhaupt nicht mehr stetig. Doch hat 
die Verkleinerung von R, außerdem zur Folge, daß die 
obere Kippspannung emax ein wenig abnimmt (vgl 
Bild 7). 


Den Unterschied zwischen emax und emin kann 
man nach Bild 7, Kurve (4) dadurch steigern, daß 
man das Produkt R,.i.2 vergrößert, indem man also 
R, vergrößert und außerdem für die zweite Steuer- 
röhre eine Röhre mit größerer Steilheit (vgl. Bild 6) 
wälılt. Leider müssen alsdann die Batteriespannungen 
E, und E’ entsprechend vergrößert werden, so daß 
man zur Erzielung hoher Zeitablenkungsspannungen 
an zwei Stellen eine hohe Gleichspannung braucht, 
nämlich für E und E.. | 


Deswegen ist es vorteilhafter, wenn man in 
Bild 7 den Unterschied emax — min in der Größen- 
SE ‚von 10 bis 20 V wählt, dafür aber das Ver- 


hältnis — — (vgl. Bild 4) entsprechend vergrößert. 


Der R Spannungsteiler benutzte Widerstand W 
in Bild 4 nimmt bei wachsender Spannung e’ einen 
immer größeren Strom auf. Damit sich die Steilheit 
der Spannungskurve e’= f(t) höchstens um 5% 
ändert, darf der über W fließende Strom höchstens 


nu gi 0,05.1= 0,05 mA ` werden, 


—— also muß für 
= 120 V der Widerstand w= 2,4 MQ betragen. 


4 


d) Brauchbarkeit der Strom-Kipp- 
vorrichtung in Bild 4 bei höheren 
Frequenzen. 


Dieses Verfahren zur Vergrößerung des Unter- 
schiedes zwischen oberer und unterer Kippspannung 
ist nur bei geringeren Frequenzen anwendbar., Der- 
jenige Teil des Widerstandes von W’, an dem e ab- 
gegriffen wird, liegt nämlich im Gitterkreis der Ent- 
laderöhre und dient im Verein mit W dazu, die Zeit 
zu verlängern, die für das Laden des Gitters der Ent- 
laderöhre beim Kippen benötigt wird. 


. Nehmen wir z. B. an, daß die Kapazität zwischen 
Gitter und Heizfaden der Entladeröhre Cg = 20 uuF 
betrage. Die Spannungen an den Widerständen R,, 
R’ und R, mögen sich beim Kippen augenblicklich 


Erich Hudec: 


p 


einstellen. Der auf den Kondensator fließende Stromi 


ist dann bestimmt durch die Gleichung 


E=iR+ fia 


— SH z WERL R FRA 


Der zeitliche Verlauf der Gitterspannung der Ent- 
laderöhre erfolgt also nach der Gleichung: 


eg = E, + (EEE), 
wobei E, die Spannung an den Widerständen] R, R 


wobei 


und R, nach dem Kippen und E. dieselbe Spannung 


C, -R ist 
Wenn der Kondensator C in Bild 4 auf e’min i tladen 

ist, ist nach Bild 8: &, = 

Anodenspannung der Entladeröhre 


vor dem Kippen bezeichnet und « = 


—220 V, E = = Ap die 
beträgt dabei 


Bild 10a. 


Aufnahme der Schwingspannung eines Röhrengenerators mit der 
Anordnung pap Bild 4 bei einem Widerstand 
R =2 MQ, f= 115000 Hertz. 


300 V. Aus der Kennlinie der Entladeröhre ergibt sich, 
daß die Gitterspannung mindestens auf e, = — 40V 
sinken muß, damit die Entladung aussetzt. Die hierzu 
erforderliche Zeit erhält man nach Gleichung (11) zu 


t = 12.10 sec, wobei der Gesamtwiderstand zu 


R=2MQ2 angenommen ist. 

Achnlich findet man die Zeit, 
steuern der Entladeröhre bei geladenem Konden- 
sator Č notwendig ist. Insgesamt ergibt sich eine 
Zeit von der Größenordnung 25.10” sec. 


Dies ist die Mindestdauer der Entladezeit des 
Kondensators C. Will man also mit einer solchen 
Anordnung eine Spannung von der Frequenz 10° Hertz 
untersuchen, so werden schon beim Rückgang der 
Zeitablenkungsspannung rund 21% Perioden be- 
schrieben, der Hingang muß mindestens ebenso lang 
sein, so daß man auf dem Schirm der Bra un schen 
Röhre mindestens 5 Perioden der zu untersuchenden 
Spannung erhält. 

Die Aufnahme in Bild 10a bestätigt 
gebnisse. 


die für das Um- 


diese Eri- 


man erhält die Aufnahmen in Bild 10 b u. c. Doch ist 
hier die Entladezeit immer noch in der Größenordnung 
10° sec, also wesentlich größer, als sich aus der 
statischen Charakteristik ergibt. Dies liegt daran, 


u). 


Nimmt man in Bild 4 die Widerstände W 
und W’ fort, so geht die Entladezeit stark zurück, 


i 


daB beim Kippen die Anoden-Heizfaden-Kapazitäten 
“sowie die Gitter-Heizfaden-Kapazitäten der beiden 
 Steuerröhren über die Widerstände R, R’ und R: 
aufgeladen werden müssen; erst nach Ablauf dieser 
Zeit kann der Kondensator entladen werden. 


Bild 10b. 


Dieselbe Aufnahme wie im Bild 10a bei einem Widerstand 
= W=0, f==115000 Hertz. 


Bild 10c. 


Aufnahme des Anodenstromes eines Röhrengenerators mit der 


Anordnung nach Bild 4 bei einem Widerstand 
W = W'=0, f= 115000 Hertz. 


e) Beschreibung einer Strom-Kippvor- 
richtung mit besonders kurzen Kipp- 
zeiten. 


Will man die Entladezeit verkürzen, so muß man 
die Widerstände verkleinern, über die die Kapazitäten 
aufgeladen werden, also insbesondere R,, R’ und R.. 
Dies ist nur möglich, wenn man gleichzeitig die 
Anodenströme čaı und ?a2 vergrößert, also größere 
Elektronenröhren verwendet. In Bild 11 ist dies 
durchgeführt, und zwar ist an Stelle der beiden 
Finzelröhren eine Doppelgitterröhre benutzt. Außer- 
dem erfolgt hier die Spannungsteilung am Konden- 
sator C mittels einer Hilfsröhre. Ihre Anodenspannung 
ist stets negativ, so daß kein Anodenstrom fließt. Die 
Gitterspannung ist positiv (Eg = 30 V), außerdem 
liegen im Gitterkreis große Widerstände im Betrage 
von 20000 Ohm. Der Gitterstrom ist in Abhängig- 
keit von der Anodenspannung in Bild 12 dargestellt. 
Beim Laden des Kondensators C steigt die Span- 
nung e allmählich an. Durch passende Wahl der 


Zeitproportionale, synchron laufende Zeitablenkungen für die Braun’sche Röhre. 


213 


Gitterspannung und der Gitterwiderstände kann das 


Verhältnis — beliebig klein gewählt werden, ohne 


daß die Spannung e’ beeinflußt oder die Entladung 
wesentlich verzögert wird. Mit einer ähnlichen An- 
ordnung wie in Bild 11 konnten Spannungen bis zu 


.4.10° Hertz aufgenommen werden, doch dürfte hier- 


mit noch keineswegs die obere Grenze erreicht sein. 


Bild 11. 
Strom-Kippvorrichtung nebst Laderöhre, Kondensator und 
Steuerspannung für hohe Frequenzen. 


3. Magnetische Zeitablenkungen. 


a) Das Kippen bei Spannungs-Kipp- 
schwingungen. 


Für die magnetische Zeitablenkung einer Braun- 
schen Röhre braucht man einen Hilfsstrom von etwa 
50 mA. Bei diesem kleinen Strom werden aber sehr 
viele Windungen für die Zeitablenkungsspulen be- 
nötigt, so daß ihre Induktivität ziemlich-groß wird 
(der Größenordnung nach 0,1 Henry). Doch wirkt 


mA 
12 


-%0 


-300 


-200 
Bild 12. 


Der Gitterstrom der Hilfsröhre in Bild 11 in Abhängigkeit von 
ihrer Anodenspannung. 


-400 


sie nicht störend, da für die Spannungs -Kipp- 
schwingungen nach Bild 2b ohnehin beträchtliche 
Induktivitäten (z. B. 20 Henry für die Frequenz 
f = 100 Hertz) erforderlich sind. 


Zu den Spannungs - Kippschwingungen ist all- 
gemein zu ‚bemerken, daß die Figenkapazität der 
Spule in Bild 2b nicht ohne weiteres vernachlässigt 
werden kann. Genügt die Spannung E in dieser An- 


214 


ordnung der Gleichung 1b, so steigt der Strom i ge- 
mäß der Gleichung 


E=e+iR+L2 (12) 


"bis zu seinem oberen Grenzwert imax an; e bezeichnet 
hierbei die Spannung an der Kippvorrichtung. 


di 
hernach Ly immer noch positiv ist, so muß der 


Spulenstrom weiter wachsen. Daher fließt von der 
Spulenkapazität in Bild 13 ein Strom in die Spule, 
die Spannungen ee und e steigen rasch an. 
Der Strom i durch die Kippvorrichtung nimmt mit 


Bild 13. 
Ströme und Spannungen während des Kippens. 


wachsender Spannung e gemäß Bild 1b bis auf seinen 
unteren Grenzwert ab und steigt dann wieder an, 
und zwar solange, bis er gleich dem Spulenstrom ?®z 
wird. Dies wird durch das Oszillogramm in Bild 14a 
bestätigt. Die Stromkurve hat nach ihrem Maximum 


Bild 14. 


Zeitlicher Verlauf des durch die Spannungs-Kippvorrichtung 
fließenden Stromes ¿į und der Spannung e an der Kippvorrichtung. 


eine Spitze nach unten, der Kippstrom © durchläuft 
also tatsächlich beim Kippen den zweiten und dritten 
Zweig der Charakteristik in Bild 1b. 


di 
Da nach dem Kippen L RT < 0 ist, so nimmt der 


Spulenstrom allmählich bis auf nin ab. Da er auch 
weiterhin abnehmen muß, so fließt ein Strom von der 
Kapazität in die Spule, die Eigenkapazität wird wieder 
entladen, der Strom i durchläuft rasch den zweiten 
und ersten Zweig der Charakteristik in Bild 1b. Die 
_ Stromkurve hat also unmittelbar nach dem Entladen 
entsprechend dem Bilde 14a eine Spitze nach oben. 
In Bild 14b ist der zeitliche Verlauf der Spannung 
an der Kippvorrichtung wiedergegeben. 


Das Kippen erfordert eine um so größere Zeit, je 
größer die Eigenkapazität der Spule ist. In den Auf- 
nahmen betrug sie 0,001 «F bei einer Induktivität 
. von L7 100 Henry, die Frequenz war fœ 100 Hertz. 


Da 


Erich Hudec: 


Ist im Grenzfalle C = 0, so springt die Spannung e | 


augenblicklich von e, auf emax, die Spitzen des 
Stromes i in Bild 14a fallen dann fort. Diese Spitzen 
sind natürlich im Strom iz, der durch die Spule 
fließt (vgl. Bild 13), auch sonst nicht vorhanden. 


b) Kippen bei Elektronenröhren 
inDynatronschaltung. 


= Legt man an das Gitter einer beliebigen Elek- 
tronenröhre eine hohe positive Spannung (Dynatron- 
schaltung), so hat der Anodenstrom den in Bild 15 


VA EET Gilferspannung 


SOV 


X 


NE E 3 4 
Bild 15. 
Kennlinien einer Elektronenröhre in Dynatronschaltung. 


ee 


gezeichneten Verlauf. An diesen Kennlinien fällt be- 
sonders auf, daß der Anodenstrom bei hoher positiver 
Gitterspannung sogar negativ wird. Da man für die 
Zeitablenkung einen recht großen Unterschied 
zwischen imax und Zmin benötigt, so erscheinen diese 
Kennlinien für die Zwecke einer Zeitablenkung be- 
sonders geeignet. Doch stimmen sie nicht mehr mit 
der in Bild 1b angegebenen Grundiorm überein, so 
daß der zeitliche Verlauf der Kippschwingungen für 
diesen Fall erneut untersucht werden muß. 


Bei der Entladung der Spule nimmt der Strom 
auch bei der Gitterspannung von 620 V in Bild 15 
bis auf min ab, Ba bis zu diesem Punkte nach 


Gleichung (12) > S 0 ist. 


oben DERA Weise der zweite und der erste 
Zweig der Charakteristik durchlaufen. Da jedoch 
der Anodenstrom bei der Anodenspannung Null nicht 
negativ werden kann, der erste Zweig der Charakte- 
ristik also im Nullpunkte endigt, so wird der Strom 
über die Röhre völlig gesperrt. Die Folge davon ist, 
daß durch das magnetische Feld der Spule die Eigen- 
kapazität stark negativ aufgeladen und dann unter 


Hernach wird in der 


\ 


we \), Pe Ä | 


| l 


— 


Zeitproportionale, synchron laufende Zeitablenkungen für die Braun’sche Röhre. 215 


m 
~ 


‚Umkehrung der Stromrichtung entladen wird. Der 
:Spulenstrom wächst dabei schnell auf einen positiven 
-Wert an, der Strom durch die Kippvorrichtung setzt 
-erst dann ein, wenn die Spannung e = E + ee = 0 
wird (vgl. Bild 13). Der Spulenstrom steigt natürlich 
erst dann gleichmäßig an, wenn vom Kondensator 
kein Strom mehr fließt. 

| In den drei Oszillogrammen des Bildes 16a ist der 
“zeitliche Verlauf des Stromes durch die Kippvorrich- 
-tung dargestellt. Damit die Vorgänge besser sichtbar 
:werden, ist in der ersten Kurve eine Zusatz- 
.kapazität von 0,002 uF, in der zweiten eine solche 
_von 0,001 uF, parallel zur Spule geschaltet. Bei der 


-40 -30 -20 -0 0 7#% 20 30 “mA 


Bild 18 
Veränderung der Kennlinie einer Elektronenröhre in Dynatron- 
schaltung durch?eine parallel geschaltete. im Sättigungsgebiet 
=, arbeitende Elektronenröhre.! 


2 Bild 16. 


a) Zeitlicher Verlauf des Stromes durch eine Spannungs-Kipp- 
= vorrichtung mit einer Kennlinie nach Bild 15 (eg = 620 V) 
b) Zeitlicher Verlauf der Spannung an dieser Kippvorrichtung. 


- dritten Aufnahme war nur die Eigenkapazität der 
Spule wirksam. Man erkennt deutlich, daß der Strom 
- nach dem Zurückkippen eine Zeitlang gleich Null ist 


und daß er dann bei einem höheren Wert einsetzt. Bild 19a 
Die folgende Aufnahme zeigt den Verlauf der Span- [zeitlicher Verlauf des Stromes durch eine Elektronenröhre 
nung an der Kippvorrichtung bei einer Zusatz- in Dynatronschaltung.; 


. kapazität von 0,001 «F. 


c) Verbesserung der Kennlinie einer 
| Elektronenröhre in Dynatron- 
schaltung. 


Durch diese Vorgänge wird ein großer Teil der 
Stromkurve für die Zeitablenkung unbrauchbar. Die 


Bild 19b. 


Zeitlicher Verlauf desselben Stromes wie in Bild 19a, jedoch 
im Falle eines periodischen Überschlags. 


Bild 17. 
Schaltung zur Verbesserung der Kennlinie einer Elektronenröhre 
in Dynatronschaltung. 


- besprochenen unangenehmen Erscheinungen würden 
fortfallen, wenn die Charakteristik der Spannungs- 
Kippvorrichtung in Bild 15 nicht im Nullpunkte 

 endigen, sondern in der Abszissenachse ihre 

= Fortsetzung finden würde. Dies kann man dadurch 
verwirklichen, daß man parallel zu der Dynatronröhre 
nach Bild 17 eine zweite Elektronenröhre schaltet, die 
einen konstanten Strom durchläßt, also im Sättigungs- nn 
gebiet arbeitet. Dadurch wird die Kennlinie a in Bild 19c. 
Bild 18 nach rechts verschoben, gleichzeitig wird das Zeitlicher Verlauf des Stromes in der Anordnung nach Bild 17, 


216 


Erich Hudec: 


Stück der Abszissenachse bis zum Nullpunkt gemäß 
der Kurve b in Bild 18 zu einem Teil der Kennlinie. 
Sie hat also in ihrem ersten Teil sogar den ideellen 
Verlauf gemäß Bild 1d. 

Die oszillographischen Aufnahmen in Bild 19 
zeigen, wie die Kurvenform des Kippstromes durch 
die Abänderung der gewöhnlichen Dynatronschaltung 
gemäß Bild 17 verbessert wird. Die Kurve in 
Bild 19a hat den erwarteten Verlauf wie in Bild 16, 
nur daß die Spitzen infolge der Trägheit der Schleife 
zum Teil fehlen. Bei dieser Aufnahme war parallel 
zur Induktivität eine Zusatzkapazität von 0,003 urf 
geschaltet. In Bild 19b war dagegen keine Zusatz- 
kapazität vorhanden. Da die Eigenkapazität der 
Spule sehr klein war, so stieg die Spannung beim 
Zurückkippen auf 10 bis 20 kV an, so daß im Innern 
der Spule ein Ueberschlag erfolgte. Dies war schon 
äußerlich durch ein Geräusch wahrzunehmen, Konnte 
aber durch Parallelschalten einer Funkenstrecke zur 
Spule leicht bewiesen werden. Ein Luftweg von 
1 cm wurde glatt überschlagen, gleichzeitig blieb die 
Kurvenform der Kippschwingung unverändert. Der 
eigentümliche Verlauf dieser Kurve ist im übrigen auf 
den Einfluß des Eisens zurückzuführen. 


Ebenso bewirkt das Eisen die Krümmung der 
Kurve in Bild 19c. Mit wachsendem Strom wird die 


Induktivität kleiner, gemäß der Gleichung E = 


wächst also è immer schneller an, die Stromkurve 
wird nach oben gekrümmt. Da der Widerstand der 
Spule gerade eine umgekehrte Krümmung bewirkt, 
so kann man leicht erreichen, daß der Anstieg des 
Stromes 

di E—i-R 

dd L 
praktisch konstant bleibt. 

Die Anordnung nach Bild 17 hat den Nachteil, daß 
für das Gitter verhältnismäßig hohe Gleichspannungen 
benötigt werden, außerdem werden die Elektronen- 
röhren sehr hoch beansprucht. Man muß verhältnis- 
mäßig große Senderöhren verwenden, wenn die 
Differenz ĉmax—îmin den Betrag von 50 mA erreichen 
soll. Schließlich wird durch den starken Gitterstrom 
die Steuerspannung erheblich belastet. 


d) Beschreibung der Spannungs- 
Kippvorrichtung in Bild 20. 


Diese Nachteile fallen in der Anordnung nach 
Bild 20 fort, wo die Kippröhre die gewünschte 
Charakteristik nach Bild 1b hat. Die doppelte Um- 
kehr in der Charakteristik (vor dem zweiten und vor 
dem dritten Teil in Bild 1b) wird prinzipiell dadurch 
bewirkt, daß der untere und der obere Knick der 
Charakteristik einer Elektronenröhre ausgenutzt wird. 
Parallel zur Kippröhre sind nämlich zwei Steuer- 
röhren geschaltet, deren Anodenstrom in Abhängig- 
keit von der Anodenspannung ea Ähnlich wie 
ta = f(u) in Bild 5 verläuft. Würde man durch die 
Anodenströme :.ı und 2.2 an einem Widerstand R, 
einen Spannungsabiall erzeugen und ihn in geeigneter 
Weise auf das Gitter der Kippröhre wirken lassen, 
so könnte man erreichen, daß die Gitterspannung es 
der Anodenspannung ĉa der Kippröhre so stark ent- 
gegenwirkt, daß der Anodenstrom von einem ge- 


wissen Wert an bei wachsender Anodenspannung ab- 
nimmt. Sobald die Anodenströme čaı und 2a2 das 
Sättigungsgebiet erreicht haben, rufen sie keine 
Aenderungen mehr hervor, die Gitterspannung & 
der Kippröhre bleibt konstant, ihr Anodenstrom fa 
steigt also mit wachsender Anodenspannung ta 
wieder an. 


— 


Va2 
| 
Aöhr 


ia 
Q 
O Ô Ö “ Ö 
Ü Ö 
. > 
Ô 
— 


Bild 20. 
Spannungs-Kippvorrichtung mit geringen Hilfsspannungen. 


Leider läßt sich diese Idee nicht so einfach ver- 
wirklichen, da man an einem Widerstand R, nur 
eine Spannung erzeugen kann, die das Gitter der 
Kippröhre positiv vorspannt. Man benötigt daher 
noch eine Hilfsröhre, durch die eine Umkehr der 
Spannungsrichtung (vgl. die Spannungen an R, und 
R.) bewirkt wird. 


A l 
000 


700 


600 


50 MÅ 


Jo 


0 10 
Bild 21. 


Kennlinien der Spannungs-Kippvorrichtung in Bild 20 für ver- 


schiedene Steuerspannungen est. 


Die beiden ersten Röhren in Bild 20 haben an sich 
die gleiche Funktion. Im Anodenkreis der zweiten 
Röhre liegt ein Widerstand R, von etwa 0,1 MQ, Bei 
wachsendem Anodenstrom ča? tritt an ihm ein immer 
größerer Spannungsabfall auf. Dies hat zur Folge. 
daß die Anodenkennlinie der zweiten Röhre sehr stark 
abgeflacht wird. Erst wenn ea®% 400 V ist. erreicht 
ta? seinen Sättigungswert. Der Widerstand im Ano- 
denkreise der zweiten Röhre bewirkt also, daß der 
fallende Teil der Kennlinie in Bild 21 im Mittel sehr 


| 


| 


x 
| 


Zeitproportionale, synchron laufende Zeitablenkungen für die Braun’sche Röhre. 217 


:. flach verläuft. Dies ist notwendig, wenn die Ent- 
- Jadezeit der erzwungenen Kippschwingung kurz 
à gegenüber der Ladezeit sein soll. 
$ Die erste Steuerröhre bewirkt gerade umgekehrt 
einen steilen Abfall des zweiten Teiles der Charak- 
teristik. Dies ist zu Beginn des fallenden Teils er- 
wünscht, damit er möglichst scharf einsetzt, die 
Charakteristik also der Form in Bild 1b möglichst 
nahekommt. 


Bild 22b. 


Bild 22c. 
Zeitlicher Verlauf der Steuerspannung und des Stromes durch 
die Spannungs-Kippvorrichtung in Bild 20. 


Ähnlich wie für die Strom-Kippvorrichtung in 
Bild 4 kann man auch für die Spannungs-Kippvor- 
richtung in Bild 20 die Charakteristik rechnerisch er- 
mitteln. Die Durchführung dieser Rechnung ist emp- 
fehlenswert, wenn man den Einfluss der einzelnen 
Größen zahlenmäßig erkennen will. In Bild 21 ist 
‘. die experimentell aufgenommene Charakteristik dar- 
gestellt, und zwar für verschiedene Spannungen £s: 
im Gitterkreis der Hilfsröhre. Wegen der starken 
Abhängigkeit der Charakteristik von dieser Spannung 
ist eine statische Steuerung der Spannungs-Kippvor- 
richtung durch eine Wechselspannung an dieser Stelle 


f=1000/sec 
L=0,01 Hy 


Bild 23a. 
Induktive Belastung, 


f=1000/sec 
C=1,] uF 


L = 0,002 
Hy 


Bild 23b. 
Kapazitive Belastung. 


f=1000/sec 
C=17uF 


L = 0,002 
Hy 


Bild 23c. 


Kapazitive Belastung. 


f=1000/sec 
L = 0,005 Hy 


Bild 23d. 


Induktive Belastung. 


Aufnahmen von Strom’und Spannung mit Hilfe einer 
Braun’schen Röhre. 


218. 


Erich Hudec: Zeitproportionale, synchron laufende Zeitablenkungen für die Braun’sche Röhre. 


nn EEE. 
o aaa 


möglich, und zwar reichen ziemlich kleine Spannun- 
gen hierzu aus. Besonders angenehm ist noch, daß 
man die Frequenz der erzwungenen Kippschwingung 
durch die Größe der Steuerspannung es: beeinflussen 
kann. In den Oszillogrammen in Bild 22 ist der zeit- 
liche Verlauf der Steuerspannung es und des Ano- 
denstromes ĉa der Kippröhre dargestellt. Die Steuer- 
spannung wurde hierbei von 22V auf 5 V und 
schließlich auf 5,4 V vergrößert. 


e) Versuche mit der Spannungs-Kipp- 
vorrichtung nach Bild .20. 


Die Aufnahmen in Bild 23 zeigen die Verwendbar- 
keit der Spannungs-Kippvorrichtung nach Bild 20 für 
die Zeitablenkung einer Braun’schen Röhre Es 
wurde eine normale abgeschmolzene Röhre von 1 m 
Länge für eine Anodenspannung von 15 kV benutzt. 
Die Belichtungsdauer der Photoplatten (Andresa- 
platten) betrig 5 Sek. Die Kurve mit der 
kleineren Amplitude stellt in allen Fällen die 
Spannung einer Hochfrequenzmaschine dar. Die 
Kurve mit der größeren Amplitude gibt den zuge- 
hörigen Strom an, und zwar in a und d bei induk- 
tiver und in b und c bei kapazitiver Belastung. Die 
Kurven wurden unmittelbar nacheinander aufgenom- 
men. Mit Hilfe eines rotierenden Umschalters kann 
man auch beide Kurven gleichzeitig auf dem Schirm 
der Braun’schen Röhre. sichtbar machen. 


Da die Steuerspannung bei derselben Einstellung 
stets dieselbe Phasenlage zu der erzwungenen Kipp- 
schwingung hat, so geben die aufgenommenen Kurven 
Strom und Spannung in ihrer gegenseitigen Lage an. 
Man erkennt deutlich die Nacheilung des Stromes bei 
induktiver und die Voreilung bei kapazitiver Be- 
lastung. Die Spannungskurve wurde in den drei ersten 
Aufnahmen statisch mit Hilfe von Aussenelektroden 
aufgenommen. Die Aufladungen der Glaswand be- 
wirkten hier eine Verschiebung des Nullpunktes und 
außerdem eine Verzerrung der Kurve. 


In Bild 23d wurde die Spannung einer andern 
Tochfrequenzmaschine verwandt. Außerdem wurde 
auch die Spannungskurve magnetisch, also über einen 
großen Widerstand (ähnlich wie beim Oszillographen) 
aufgenommen. Die Frequenz betrug in allen Fällen 
1000 Hertz. 

Die Aufnahmen in Bild 24b und c zeigen die Span- 
nungskurve einer Hochfrequenzmaschine bei 8000 
Hertz. Bei dieser Frequenz bildeten die Zeitablen- 
kungsspulen bereits einen nennenswerten Bestandteil 
der Induktivität L zur Erzeugung der erzwungenen 
Spannungs-Kippschwingungen. Die Folge davon war, 
daß an den Zeitablenkungsspulen große Spannungs- 
sprünge auftraten, die den Flektronenstrahl elektro- 
statisch beeinflußten. In Bild 24a waren nur die Zeit- 
ablenkungsspulen angeschlossen, der Elektronen- 
strahl hätte also einen einfachen Strich beschreiben 
müssen. 

Die Störung durch das elektrische Feld der Spulen 
wurde in Bild 24c dadurch beseitigt, daß an die Innen- 
seiten der Spulen zwei durch einen Leiter verbundene 
Messingplatten von etwa 0,5 mm Dicke gelegt wurden. 
Das magnetische Feld des Zeitablenkungsstromes 
wurde durch diese Maßnahme nicht verzerrt, da es ia 
proportional der Zeit ansteigt, die Wirbelströme und 
ihr magnetisches Feld also konstant bleiben. Durch 


dieses Feld wird lediglich das Hauptfield im Inneren 
der Röhre geschwächt. 


Bild 24c zeigt, daß die beschriebene magnetische 
Zeitablenkung auch noch bei Frequenzen von etwa 


| 


j 


| 


\ 


10000 Hertz brauchbar ist: Zu besseren Ergebnissen Ä 
kommt man noch, wenn man Spulen mit geringer 


Figenkapazität verwendet. Zweckmäßig wickelt man 
die Zeitablenkungsspulen auf einen 
Eisenring, der nur an der Braunschen 
unterbrochen ist. 
sehr gesteigert, 


Felder der Spule unschädlich gemacht. 


Bild 24 a—c. 
Verzerrungen durch elektrische Felder und ihre Beseitigung. 


Ich beschließe die vorliegende Arbeit, indem ich 
dem Leiter des Elektrotechnischen Laboratoriums 
der Technischen Hochschule Berlin, Herrn Geh. Rat 
Orlich für seine ständige Förderung und Unter- 
stützung der Arbeit meinen verbindlichsten Dank 
ausspreche. 


Zusammenfassung. 


Will man eine Spannung oder einen Strom direkt | 
in Abhängigkeit von der Zeit auf dem Schirm einer 
Braun’schen Röhre beobachten, so benötigt man 


eine Hilfsgröße (Hilfsspannung oder Hilfsstrom), die ' 


proportional der Zeit ansteigt und mit der zu unter- 
suchenden Größe synchron läuft. 


zwungenen Strom-Kippschwingungen. 
sator wird mit konstantem Strom oder über einen 
Widerstand geladen und über eine parallel geschal- 


rechteckigen ! 
Röhre 
Dadurch wird die Empfindlichkeit _ 
außerdem werden die elektrischen 


` 


— 


Eine derartige 
Hilfsspannung erhält man mit Hilfe der er- 
Ein Konden- ' 


L. S. Freimann: Die angenäherte Theorie des magnetostriktiven Generators. 


tete Strom-Kippvorrichtung entladen; zur Syn- 
chronisierung wird die Anordnung von der zu unter- 
suchenden Größe gesteuert. Als Strom-Kippvorrich- 


- tungen eignen sich besonders Anordnungen von 


n 


N 


Elektronenröhren. Die Charakteristik einer solchen 
Anordnung wird rechnerisch ermittelt und anschlie- 
Bend ihre Abhängigkeit von den einzelnen Größen 
untersucht. Bei höheren Frequenzen (in der Größen- 
ordnung von 10°—10° Hertz) müssen die Kipp- 
zeiten durch Verwendung kleiner Widerstände und 
hoher Anodenströme herabgesetzt werden. 

Einen zeitproportionalen, synchron laufenden 
Hilfsstrom erhält man, wenn man eine Induk- 
tivität in Reihe mit einer Spannungs-Kippvorrichtung 
an eine Gleichspannung legt und von der zu unter- 
suchenden Größe steuert. Der zeitliche Verlauf des 
Stromes wird stark von der Eigenkapazität der 


219 


Spule beeinflußt, insbesondere können in der Strom- 
kurve lästige Spitzen auftreten. Besonders un- 
angenehm sind Kennlinien, bei denen der Strom 
stark negativ werden kann, wie z. B. bei Elektronen- 
röhren in Dynatronschaltung. 

Wenn man die erzwungene Kippschwingung 
immer von derselben Spannung steuert, an die 
Hauptablenkungsplatten aber nacheinander verschie- 
dene Spannungen legt und die Kurven auf dem 
Schirm der Braun’schen Röhre nacheinander 
photographiert, so erhält man auf der Platte alle 
Kurven in ihrer richtigen gegenseitigen Lage. Mit 
Hilfe eines rotierenden Umschalters kann man er- 
reichen, daß auch auf dem Schirm der B r au n’ schen 
Röhre mehrere Kurven nebeneinander sichtbar 
werden. 

(Eingegangen am 25. Juli 1929.) 


Die angenäherte Theorie des magnetostrilitiven Generators. 


Von L. S. Freimann, Leningrad. 


$ 1. G. W. Pierce!) hat die Möglichkeit, den 
magnetostriktiven Effekt zu radiotechnischen Zwecken 
zu verwenden, in umfassender Weise klargestellt. 
Während der letzten zwei Jahre hat die Hoch- 
frequenzphysik diesem Effekt beträchtliche Aufmerk- 
samkeit geschenkt. Es genügt, außer der genannten 
Arbeit von Pierce und von K. Ch. Black?) noch 
Vincent’), Kopilowitsch*), der unabhängig 
von Pierce zu einer vollständigen Lösung der 
Frage gekommen war, sowie H. Lloyd°) und G. H. 
Handley‘) zu erwähnen. Ferner sind dem Ver- 
Iasser mehrere Arbeiten über diesen Gegenstand be- 
kannt, die gegenwärtig in Laboratorien der UdSSR 
ausgeführt werden. 


Trotz der zahlreichen Arbeiten ist die Theorie des 
magnetostriktiven Generators noch nicht soweit ent- 
wickelt, daß eine Aussage über die Bedingungen der 
Schwingungserzeugung möglich sein würde. Der 
Zweck der vorliegenden Arbeit ist, diese Bedingungen 
klarzulegen. 


$ 2. Für jedes mechanische System, das irgend - 
wie durch eine periodische Kraft in oszillierende Be- 
wegung gebracht wird, läßt sich ein entsprechendes 
Bewegungsdiagramm angeben. Stellt man die Be- 
wegung in der komplexen Ebene dar, so wird sie nach 
Amplitude und Phase durch den sogenannten 


1) G.W. Pierce: Magnetostriction oscillators. Proc. Am. Acad. 
of Arts and Sciences 63, S. 1—47, 1928, Nr. 1. Wiederholt ohne 
Aenderungen in Proc. of the Am. Inst. of Radio Engineers 17, 
S. 42—48, 1929, Nr. 1. Ref. ds. Ztschr. 33, S. 117, 1929, Nr. 3. 

2) K.Ch. Black: Study of dynamic magnetostriction. Proc. 
of. the Am. Acad. of Arts and Sciences 63, S. 49, 1928, Nr. 2. 

3) J H. Vincent, New methods of electrically maintaining 
mechanical oscillations. Nature 120, S. 952, 1927, Nr. 3035. 

. 1) E.Kopilowitsch: Magnetostriktive Schwingungen (ukrai- 
nisch) Ukrainische phys. Abhandlung 2, S. 19—22, 1928, Nr. 1. 
>) H. Lloyd, Note on an application of the Whiddington 
ultramicrometer. Journal of Sc. Instruments 6, S. 81—84, 
1929, Nr. 3. 

6) J. H. Handley:"A method for the measurement of the 
Joule magnetostrictive effect in a cold drawn wire. Journal of 
Sc. Instr. 6, S. 84—88, 1929, Nr. 3. 


„Resonanzkreis“ bestimmt’). Andererseits kann ein 
elektrischer Kreis, welchem eine genügende Energie- 
menge zugeführt wird, in irgendeiner Form ein 
miechanisches System beeinflussen, wenn es einen 
Mechanismus gibt, der die elektrische oder die 
magnetische Energie zu transformieren gestattet. Als 
solcher Mechanismus kann der Elektrostriktionseffekt, 
der Magnetostriktionseffekt usw. dienen. Das Ver- 
halten eines derartigen Kreises kann dann ebenfalls 
in der komplexen Ebene durch eine Kurven- 
kombination dargestellt werden. 


Die Aufgabe der vorliegenden Arbeit ist, diejenigen 
Bedingungen aufzufinden, bei welchen ein derartiger 
elektrischer Kreis samt dem mechanischen System 
(im besonderen Falle ein magnetostriktiver Stab) ein 
selbständiges oszillierendes System darstellt. Mit 
anderen Worten, es sind die Bedingungen zu finden, 
unter welchen der Resonanzkreis des Stabes und die 
Kurvenschar des elektrischen Kreises gemeinsame 
Lösungen aufweisen. 


Unsere Berechnungen gehen von folgenden ver- 
einfachenden Annahmen aus: 


1. Der schwingende Stab befinde sich in einem 
konstanten magnetischen Feld von solcher Stärke, 
daß das konstante Glied der Induktion weit größer 
ist als das von dem Wechselstrom herrührende. Diese 
Annahme erlaubt uns die magnetische Permeabilität u 
des Stabes als unabhängig von der Stromstärke an- 
zusehen. 


2. Die träge Masse des Stabes wird an seinen 
Enden konzentriert angenommen. Dann kann die Be- 
wegung des Stabes durch eine gewöhnliche Differen- 
tialgleichung beschrieben werden. 


3. Es gebe keinen Gitterstrom. Der Schwingungs- 
strom sei frei von Oberschwingungen. 
7) A. E. Kennely and G. W. Pierce: The impedance of 


telephone receivers as effected by the motion of their rede 
Proc, Am. Acad. of Arts and Sciences 48, S, 113—151, 1912, Nr. 6 


220 


4. Die Schwingungen seien so langsam, daß die 
Kapazitäten zwischen den Elektroden der Röhre zu 
vernachlässigen sind. 


Bezeichnungen: 


m = effektive Masse des Stabes. Sie be- 
stimmt sich durch die Vergleichung 
der genauen Schwingungs - Gleichung 


des Stabes (partielle Differential- 
gleichung) mit der angenäherten 
Gleichung: 


mgt ra- qae A cos ot 


W. Cady?) hat dies für einen Stab mit recht- 
eckigem Querschnitt durchgerechnet. Seine Resultate 
sind auch auf unseren Fall anwendbar. Auf etwas 
andere Weise wurde ein derartiges Problem von 
N. N. Andréeff?’) behandelt. 

r = mechanischer Widerstandskoeffizient, 
S = Querschnitt des Stabes in cm?, 


2 = halbe Länge des Stabes, 
Any = mechanischer Dämpfungskoeffizient, 
B, = Induktion, die durch ein konstantes 


Magnetfeld hervorgerufen wird, 

B = Induktion, die durch ein magnetisches 
Wechselfeld hervorgerufen wird; sie 
besteht aus zwei Teilen: 

B; = der durch das Feld eines Schwin- 


gungsstromes hervorgerufenen In- 
duktion, 

B= der Induktion des magnetostriktiven 
Effektes, 


e = EMK der Magnetostriktion. 
$ 3. Pierce legt die angenäherten linearen Ge- 
setze der Magnetostriktion zugrunde, und zwar: 
1. Die magnetostriktive Kraft ist dem magnetischen 
Wechselfluß proportional: F=aBS 
wo B=-B+% ist. 
2. Die Induktion des magnetostriktiven Fffektes ist 


der Deformation des Stabes proportional: W == a- 


Daraus folgert Pierce für die EMK der Magneto- 
striktion: 


(=; (1) 
wo 
= Q 
Zm =r 4] wm — (2) 


der komplexe mechanische Widerstand des Stabes 
ist. Hier bedeutet © den Strom in der Spule; A und O 
sind konstante Koeffizienten, die sowohl von der 
Natur des Materials des Stabes, als auch von den 
elektrischen Eigenschaften der Schaltung abhängen. 
Falls an den magnetostriktiven Stab zwei ver- 
schiedene Spulen angesetzt sind, so sind die EMKe 
c’ und e”, die in den Spulen durch die Aenderung von 
9 hervorgerufen werden, verschieden. Man kann 
schreiben 
(3) 


8) W. Cady, A Note in Physical Review 15, S. 146—147. 
Nr. 2. Derselbe, Theory of longitudinal vibrations of viscous rods. 
Phys. Review 19, S. 1—6, 1922, Nr. 1. 

») N. N. Andre&eff: On a reduced aequation of a’ string, 
Journal of applied Physics. Moskau 4, S. 21—26, 1927, Nr. 1. 


[4 


e” =at, 


L. S. Freimann: 


wo a ein Koeffizient ist, der größer, gleich oder 
kleiner als 1 sein kann. 
Die Gleichung (1) kann auch in folgender Form 
geschrieben werden: 
c = Zi (4) 
Wenn man den Stab durch eine ihm äquivalente, 
elektrische Schaltung (Bild 1) darstellt, so erhält man: 


ern 


C|R+ (om 2)] 


wobei man K als klein gegen œ L ansehen kann. 


(5) 


Bild 1. 
Ersatzschaltung des magnetostriktiven Stabes. 


Man erhält daraus folgende Beziehungen zwischen 
den mechanischen und den äquivalenten elektrischen 


Größen: P 
=% | 
=" 6 
2.» 
R= ng 
Bild 2 zeigt die den folgenden Betrachtungen 


zugrunde liegende Schaltung eines magnetostriktiven 


U 


Bild 2. 
Prinzipielle Schaltung des magnetostriktiven Generators. 


Generators. Hierin bezeichnet P einen Stab aus 
magnetostriktivem Material, ¿ den Strom in der 
Spule L, des Schwingungskreises, é die EMK der 
Magnetostriktion, die in der Spule L, hervorgerufen 
wird, e” die EMK der Maenetostriktion in der Gitter- 
spule L.. 

Die Gitterspannung setzt sich aus der EMK der 
gegenseitigen Induktion jwAi, und der EMK der 
Magnetostriktion e” = ae’ = aZi, zusammen; der 
Spannungsabfall andererseits hält der Spannung aı 
der Anode im komplexen Widerstande 


Z,=R, + jwLı (7) 


| 
| 


Die angenäherte Theorie des magnetostriktiven Generators. 


~ und die EMK der. Magnetostriktion e’ = Zi, das 

Gleichgewicht. Demgemäß kann die Schaltung von 
~- Bild 2 durch die Ersatzschaltung von Bild 3 ersetzt 
werden, wo PV einen Phasenverschieber mit dem 


Koeffizienten a=] bedeutet. 
e 


Die Bedingung für Selbsterregung?®) schreiben wir 
in folgender Form: 


€, cE R;-- Ra 

Ca Fa = 
wo €, und!®. die Spannungsvektoren am Gitter und 
an der Anode R; den inneren Widerstand und Ra 


den vektoriellen Widerstand im Anodenkreise be- 
zeichnet. Nach Bild 3 ist 


_ %(4+2) 
n= ZAF K 


1 
wo Z. = P den Widerstand des Kapazitäts- 
1 


zweiges C, darstellt. 


Bild 3. 
Ersatzschaltung des magnetostriktiven Generators. 


Wie erwähnt, bestehen also die Beziehungen 


E, =j w Miü-+taZi (10) 
Ca =Z iti (11) 


Aus (9), (10), (11) und (8) erhalten wir nach ein- 
fachen Umformungen: 
} w M a Z F = R; 
en +A+nlı+z) 12 
c 
Dies ist die Gleichung des magnetostriktiven 
Generators. 


$4. Sonder-Fälle: 
-M= 0, 9; a=], 


Der Fall M=0 tritt ein, wenn der Resonator in 
der dritten harmonischen Schwingung (Bild 4) erregt 
wird. Dann zerfällt die Anodenspule in zwei gleiche 
Teile I u. II, die in der Gitterspule gleiche und ent- 
gegengesetzte EMKe induzieren. Im oberen Teile des 
Bildes ist die Verteilung der longitudinaden Defor- 
mationen längs des Stabes für diesen Fall dargestellt. 


10) H. Barkhausen: Elektronenröhren, Bd. lI, T.IV, $ 14. 


221 
Die Gleichung (12) geht über in 
Z E 
p RkrZärtZ (13) 


Es ist zu beachten, daß diese Gleichung mit der- 
jenigen, die Y. Watanabe?!) für einen Stimm- 
gabelgenerator mit einer ähnlichen elektrischen 
Ersatzschaltung abgeleitet hat, völlig zusammenfällt. 


Die Gleichung (13) gibt ihrerseits zwei Gleichungen: 
die Frequenzgleichung 


Bild 4. 
Erregung des Stabes im dritten Obertone. 
der Longitudinaldeformationen längs des Stabes. 


Oben: Verteilung 


m? 1l En 1 BR 
an? A E Am (14) 
1 + 7, 1+ 7, 
und die Kopplungsgleichung!?) 
r (R; + R) n\® 
er as h+) (15) 


In den Głeichungen (14) und (15) bezeichnen: 


R 
A= F den Dämpfungskoeffizienten des elek- 


trischen Aequivalentkreises (Bild 1), 


an den Dämpfungskoeffizienten des 
Anodenkreises, 
x = . den Verstärkungskoeffizienten der 
Röhre, 
ð = Er das logarithmische Dekrement des 
Anodenkreises. 


I. Einflußvon Mu.o: 
M+0;,CG=0; «#1; 


Gleichung (12) geht über in 


+2(5- = R+Z 


11) Y. Watanabe: Ueber die vermittels einer Stimmgabel 
erregten Röhrenosziilatoren. Ztschr. f. Hochfrequenztechnik 32, 
S. 116—121, 1928, Nr. 4. 

12) Vgl. damit die Gleichungen (13) und (15) der erwähnten 
Arbeit von Y., Watanabe, 


(16) 


222 


Gleichungen (14) und (15) gehen über in 


L. S. Freimann: Die angenäherte Theorie des magnetostriktiven Generators. 


Wir möchten bemerken, daß für S = 0O, R, =—R, 


1 | = Const wird. Bei genügend geringen Dämpfungs- 
w _ = | (17) dekrementen läuft das Vektorende des Widerstandes 
w 1+— Z fast um den ganzen Kreis herum, bei einer so 
4, kleinen Frequenzänderung, daß der rechte Teil (19), 
und d. h. 8,, von der Frequenz bis zu kleinen Prozent- 
> teilen nicht abzuhängen scheint. In diesem Falle ge- 
(z -5) RX nügt es, den Zusammenhang des 3, von S und C, zu 
A R:+R, 1 1 D) (18) untersuchen. Trägt man diesen Zusammenhang in ein 
r ax—l us (R: +R) komplexes Diagramm ein, so wird er durch zwei sich 
, = untereinander schneidende Kurvenscharen dargestellt. 
Hierbei ist Von diesen besteht die eine Schar aus den Linien, 
R-+R längs welchen C, sich ändert bei S = Const. In der 
4, = M anderen Schar ändert sich S längs jeder Linie bei 
2 iz Cı = Const. Als Ergebnis erhält man das Diagramm 
von Bild 5. 
Man sieht daraus, welchen Einfluß M und a auf die Ya 
Größe der Parameter L, und x haben. Schreiben wir $ 
l. M ' 40 
ze lı — p7h C- 035 30 


so kommen wir zu den Gleichungen (14) und (15) 
zurück. 


§ 5 Derallgemeine Fall: 
M+0; C, +0; #1; 
Auf Grund der Ausführungen in Abschnitt II, § 4, 
können wir die Gleichung (12) so schreiben: 


DR+A+alı +) am 


oder 


z=-!+2,+2) +32) (19) 


Indem wir die Steilheit S=5- 10-4 7 DE 26; 


CZ 10-° E und œ = 1,414: 10*annehmen”®), dürfen wir 


D gegen ——- vernachlässigen, da D von jenem Wert 


5 P 
weniger als 1% darstellt. Dann gibt die Gleichung (19°) 


= l+jo CZ, 
8$-joC, 


Die linke Seite wird durch den Resonanzkreis 
graphisch dargestellt, wovon in $ 2 die Rede war. 
Man muß dabei beachten, daß sein Hauptdurchmesser 
laut (19) mit der reellen Achse zusammenfällt. In 
Wirklichkeit ist diese Bedingung, wie man aus der 
Arbeit von K. Ch. Black ersieht, nicht erfüllt: der 
Hauptdurchmesser ist gegen die reelle Achse um einen 
Winkel — 8 geneigt, so daß wir in (19) statt Z, Ze-/P 
schreiben müssen. 

Nach einfachen Umformungen läßt sich die rechte 
Seite in folgender Form darstellen: 


(19) 


3 =R, +j X (20) 
R n SA—oL, C)— o? CR 
= oC 
x _oGl—otL,C)+oGRS 2) 
= S+ wC? 


13) Diese Zahlenwerte sind im Diagramm Abb. 5 benutzt 
worden. 


4 


C, IOF 
100 3% 80 70 60 So +o Fra 


- A | 


S-07% 05 


40 55 0 To &æ mw mo 
—— ta 
oo 20 30 


S 


150 


03 Qil So 


Q05 


Bild 5. 
Vektordiagramm des magnetostriktiven Generators. 


Aus dem Bild 5 ersieht man ohne weiteres, daß 
die Schwingungen des Stabes (mit Ausschluß der 
seltensten Ausnahmen) nur für C, >C,, entstehen 
können, d. h. nur wenn der Anodenschwingungskreis 
auf cine Frequenz unterhalb der jeweiligen Resonanz- 
frequenz abgestimmt ist. Man sieht weiter, daß eine 
Vermehrung der Verluste im Anodenkreise R, (inkl. 
Verluste infolge von Hysteresis und von Wirbel- 
strömen im Stabe) das Gebiet von Selbsterregung ein- 
schränkt; umgekehrt wird es durch Ver- 
größerung von ß erweitert. 


eine 


Wenn die Linie S = S (Anfangssteilheit) den 
Kreis nicht schneidet, so werden die ,„,Oscillator- 
Schwingungen‘“'*) nicht erregt, sondern umgekehrt, die 
„Zieh - Schwingungen“ können stattfinden. Nehmen 
wir z. B. an, daß die Anfangssteilheit der Röhre 


So = 7.10 Falls die 


V 


E 14) Unter den „Oscillator-Schwingungen sind diejenigen zu 
verstehen, deren Auftreten ohne Stab unmöglich wäre. 


ist. Schwingungen im 


Wilhelm Geyger: Ein komplexer Wechselstromkompensator für mittlere Frequenzen. 


A 


- Generator ohne Stab bei der Steilheit S = 5.10—* y 


- bestehen, muß das Leistungsdiagramm Wa dieselbe 


: Form haben wie in Bild 6. Wenn aber die Linie S, 


- den Kreis schneidet, so können auch Schwingungen 
: erregt werden, für welche die graphische Darstellung 
: der Frequenz und des Anodenstromes in Bild 7 an- 
~ gegeben ist. 


& 
0,95 1,00 1,05 110 115 120 € 


Bild 6. 
` Leistungsdiagramm des Generators ohne magnetostriktiven Stab, 


Zum Vergleich seien die experimentell gefundenen 
Werte aus Pierces Arbeit angeführt. Es kann 
natürlich nur von einem qualitativen Zusammenfall 
der Diagramme die Rede sein, da 1. der obere Teil 
des Bildes auf willkürlichen Angaben aufgebaut ist, 
die für den von Pierce angegebenen Generator 
vielleicht nicht gelten, 2. die graphische Darstellung 
von S nicht eindeutig diejenige des Anodenstromes 
definiert; endlich auch 3., weil der Einfluß des Gitter- 
stromes unbeachtet blieb. Von diesem Standpunkte 
aus sind zu beachten 1. Größe und Richtung der 
Frequenzänderungskurve, 2. die Schwinggebiete des 
Stabes und die allgemeine Kurvengestalt, 3. die Art 
der Zunahme und das Abreißen der Leistung. Im 
großen und ganzen stimmen unsere Diagramme mit 
denjenigen von Pierce überein. 


Der Verfasser spricht seinen aufrichtigen Dank 
Herrn Prof. N. N. Andre&eff für die aufmerksame 
und wertvolle Kritik des vorliegenden Aufsatzes aus, 
sowie Herrn J. B. Kobzareff für die liebens- 


223 


würdigen Hinweise auf einige wesentliche Seiten der 
Frage. 


e 
C, 
1 19 20 8ı 28 8 27 SS 26 7 28 29 30 31 32 
Bild 7. 
Vergleich der theoretischen Kurven mit den Messungen von 
G. W. Pierce. 
Zusammenfassung. 
Auf Grund der von Pierce ausgeführten 


Bewegungsgleichung eines magnetostriktiven Stabes 
wird seine elektrische Ersatzschaltung angegeben. 
Ferner werden die Bedingungen für die Selbst- 
erregung des magnetostriktiven Generators abgeleitet 
und graphische Darstellungen seiner Wirkungsweise 
im Schwingbereich und im Ziehbereich mitgeteilt. 
Endlich ist die qualitative Uebereinstimmung mit dem 
früher erhaltenen Ergebnis gezeigt. 


Leningrad, 
Physikalisch-Technisches Staatslaboratorium, 
Abteilung für technische Akustik. 


(Eingegangen am 24. Juni 1929.) 


Ein Komplexer WechselstromKompensator 


für mittlere Frequenzen. 
Von Wilhelm Geyger. 


Inhaltsübersicht: 


Einleitung, 

Prinzip des Kompensators, 

Aufbau und Abmessungen der Lufttransformatoren, 
Eichung der Lufttransformatoren, 

Schaltung des Kompensators, 

Zusammenfassung. 


Einleitung. 


Die Bestimmung der Amplitude und Phase einer 
Wechselspannung nach der Methode der komplexen 


Kompensation wird bekanntlich in der Weise aus- 
geführt, daß die zu untersuchende Wechselspannung 
kompensiert wird durch eine in bezug auf Amplitude 
und Phase veränderbare Vergleichsspannung, welche 
aus zwei hintereinander geschalteter, um 90° in der 
Phase gegeneinander verschobenen Teilspannungen 
zusammengesetzt ist. Bei der Messung werden die 
beiden von einem komplexen Wechselstromkompen- 
sator erzeugten Teilspannungen so lange geändert, 
bis die zusammengesetzte Spannung die zu prüfende 
Spannung kompensiert. 


Wilhelm Geyger: 


A ne E mm nl nn aaa m a a e iiei 
EZ IIa eaae ai a aaa iaa aaa 


Bei dem komplexen Kompensator von A. Lar- 
sen!) wird die eine Teilspannung durch Schleif- 
kontakte an einem geeichten Meßdraht abgegriffen, 
welcher mit der Primärspule eines in der Kopplung 
veränderlichen eisenfreien Transformators in Reihe 
geschaltet ist, während die andere Teilspannung durch 
die in der Sekundärspule dieses Transformators indu- 
zierte EMK dargestellt wird. Ein von Douglas 
C. Gall?) angegebener Wechselstromkompensator 
ermöglicht, die beiden Teilspannungen an zwei mit 
Stromwendern versehenen Kompensationsapparaten 
einzuregulieren, die von zwei um 90° in der Phase 
gegeneinander verschobenen Strömen durchflossen 
werden. Bei dem vom Verfasser ausgebildeten 
„Schleifdraht - Wechselstromkompensator‘“”) werden 
die beiden Teilspannungen als stetig regelbare 
Spannungsabfälle an zwei kalibrierten, mit Schleif- 
kontakten versehenen Meßdrähten abgegriffen, an 
welchen zwei um 90° gegeneinander phasenverscho- 
bene Wechselspannungen von gleicher Amplitude 
wirksam sind. Die Mittelounkte der beiden Meß- 
drähte sind miteinander leitend verbunden. und es 
lassen sich an je zwei der vier Meßdrahthälften, die 
den Achsen eines rechtwinkligen Koordinatensystems 
entsprechen, Kompensationsspannungen beliebiger 
Phase abgreifen, so daß ohne Zuhilfenahme von 
Stromwendern Spannungen in allen vier Quadranten 
kompensiert werden können. 


Werden diese Ausführungsformen des komplexen 
Kompensators für die Messung sehr kleiner Spannun- 
een bei mittleren Frequenzen verwendet. so zeigt 
sich. daß die Vermeidung von Störwirkungen durch 
in der Meßanordnune sich aussleichende kapazitive 
Ströme in manchen Fällen schwierig ist. Solche Stör- 
wirkungen werden hauptsächlich dadurch verursacht, 
daß der Stromkreis des MeßRohiektes und der Kom- 
pensatorstromkreis. also zwei Stromkreise. die unter 
Umständen sehr verschiedenes Potential gegen Erde 
haben können, durch die Komvensationsleitungen gal- 
vanisch miteinander verbunden werden. Das Anlegen 
einer Hilfserdune (7. B. einpolige Erdung des als Null- 
instrument dienenden Vihrationsealvanometers oder 
Telephons) ist oft nicht möglich. da das Meßobjekt an 
einer gegebenen Stelle bereits geerdet ist oder eine 
bestimmte Potentialverteilung aufweist, die bei der 
Messung nicht geändert werden darf. 


Um die galvanische Verbindung zwischen Meß- 
objekt und Kompensationskreis zu vermeiden, hat 
Pages‘) den Vorschlag gemacht, die zu messende 
und die zur Kompensation dienende Wechselspannung 
nicht unmittelbar gegeneinander zu kompensieren, 
sondern unter Zwischenschaltung von Flektronen- 
röhren auf Amplituden- und Phasengleichheit einzu- 
stellen. Bei Verwendung von Flektronenröhren ist es 
außerdem möglich. die Verstärkereigenschaften der 
Röhren zu benutzen. um. z. B. bei der Messung 
extrem kleiner Sirom- und Spannungswerte. eine 
ausreichende Fmopfindlichkeit der Einstellung zu er- 
zielen. Pagès hat bei Benutzung eines Larsen- 
schen Kompensators in Verbindung mit drei Elek- 


1) Larsen. ETZ 31, S. 1039, 1910. 

2) Electrician 90, S. 360. 1993. 

3) Geyger, ETZ 45, S. 1348, 1924 und Arch. f. Elektrot. 17, 
S, 213, 1926. 

4) Pages, Journ. de phys. et le Radium (6) 6, S. 52. 1925 
und Revue generale de l'électricité 19, S. 381, 1926. 


naaa eaae nn a eaaa m e e ŘĖŐ— 
a_a tik mtl le DU nn 


tronenröhren Ströme von der Größenordnung 10- 
Ampere auf einige Prozent genau gemessen. Seine 
Apparatur, die im Laboratorium der Societe d’Etudes 
pour Liaisons téléphoniques et telegraphiques aus- 
gebildet wurde, ist in der erwähnten Arbeit?) ausführ- 
lich beschrieben. 

Eine andere, wesentlich einfachere Möglichkeit zur 
Vermeidung von kapazitiven Störströmen besteht 
darin, daß man einen komplexen Kompensator be- 
nutzt, welcher so beschaffen ist, daß diejenigen Teile, 
an denen die beiden zur Kompensation dienenden 
Teilspannungen abgenommen werden, von den 
übrigen Teilen des Apparates vollkommen isoliert 
sind. Im folgenden wird eine zweckmäßige Aus- 
führungsform eines solchen Kompensators be- 
schrieben, die sich bei Messungen mit Frequenzen 
von 500 bis 5000 Hertz sehr gut bewährt hat. 


Prinzip des Kompensators. 


Der Apparat beruht auf dem vom Verfasser in 
einer früheren Arbeit?) angegebenen Meßprinzip, 
welches darin besteht, daß die beiden zur komplexen 
Kompensation dienenden Teilspannungen dargestellt 
werden durch zwei um 90° in der Phase gegenein- 
ander verschobene und in bezug auf Größe und Rich- 
tung einzeln regelbare EMKe, welche in den 
Sekundärspulen zweier in der Kopplung kontinuier- 
lich veränderlicher. eisenfreier Transformatoren 
(Lufttransformatoren) induziert werden, deren Primär- 
spulen von zwei um 90° gegeneinander phasen- 
verschobenen Strömen durchflossen werden. Um 
ohne Zuhilfenahme von Stromwendern Spannungs- 
vektoren in allen Quadranten kompensieren zu 
können, werden dabei als Lufttransformatoren zwei 
gleichartige Drehspul-Variatoren für gegenseitige In- 
duktion verwendet, welche kontinuierlich veränder- 
bare Teilspannungen nositiven und negativen Vor- 
zeichens zwischen Null und dem Höchstwert einzu- 
stellen und an entsprechend geeichten Skalen un- 
mittelbar abzulesen gestatten. Durch geeignete 
Dimensionierung der rechteckig geformten fest- 
stehenden und drehbaren Variatorsnulen wird ein 
praktisch linearer Verlauf dieser Skalen erzielt. 

Bei der Messung werden durch Drehen der dreh- 
bar angeordneten Primärspulen der T.ufttransforma- 
toren die beiden in den feststehenden Sekundärsnulen 
induzierten EMKe so lange geändert, bis das Null- 
instrument (Vibrationsgalvanometer oder Telephon) 
Stromlosigkeit anzeigt. Die beiden gleichartig be- 
schaffenen Sekundärspulen sind derart in Reihe gce- 
schaltet. daß die von elektromarnetischen Fremd- 
feldern in diesen Spulen etwa induzierten FEMKe 
regeneinander wirken. sich also gegenseitig voll- 
kommen aufheben. Diese astatische Anordnung der 
Sekundärspulen stellt einen sehr wirksamen Schutz 
gegen Fremdfeldeinflüsse dar. 


Da die Sekundärspulen, an denen die beiden zur 
komplexen Kompensation dienenden Teilsnannungen 
abgenommen werden. von den übrigen Teilen des 
Apparates isoliert sind. ist es ohne weiteres möglich. 
den Kompensator und das Meßobiekt unmittelbar. 
also unter Vermeidung von Isoliertransformatoren. 
mit der Stromouelle zu verbinden. was die praktische 
Durchführung der Messungen vereinfacht. Infolge der 


) Pages, Revue generale de lélectricité 19, S. 384, 1926. 
6) Geyger, Arch. f. Elektrot. 14, S. 566/567, 1925. 


Isolierung der Sekundärspulen von den übrigen 


- Teilen der Meßanordnung treten Störungen durch 


Isolations- und Kapazitätsströme, Unsymmetrie der 
Stromquelle usw. nicht auf; besondere Vorsichts- 


- maßregeln (elektrostatische Abschirmungen u. dgl.) 


EEA [4 


sind daher im allgemeinen nicht erforderlich. 

Von besonderem Vorteil ist der aus dem Meß- 
prinzip sich ergebende konstruktiv sehr einfache, auch 
einer derberen Behandlung angepaßte Aufbau, bei 


- dem mechanisch empfindliche Teile, wie Meßdrähte, 
- Schleifkontakte usw., vermieden werden. 


- Dau 


Aufbau und Abmessungen der Luft- 
transformatoren. 


Bild 1 zeigt in schematischer Darstellung den Auf- 


der Lufttransformatoren. Die feststehende 
Z ra S 
CC LEDIGLICH LLC d 


ai 
Bild 1. 
Aufbau der Lufttransformatoren. 


Sekundärspule Sr besteht aus zwei gleichartigen, 
nebeneinander angeordneten und in Reihe geschal- 
teten Teilen, zwischen denen sich die Achse A der 
drehbaren Primärspule Sp befindet. Die beiden Teile 
der Sekundärspule werden mittels Backen B aus 


Bild 2. 
Abmessungen der Sekundärspule Sr. 


Isolationsmaterial an den flachen, aus Pertinax her- 
gestellten Spulenträgern T des Apparates angepreßt 
und unbeweglich festgehalten. Am oberen Ende der 
Achse A ist der Drehgriff G und der über einer 
Skala S sich bewegende Messerzeiger Z befestigt. 
Die Skala sitzt auf der Pertinax-Deckplatte D eines 
Holzkastens, in welchem die beiden Lufttransforma- 
toren untergebracht sind. 

Die äußeren Abmessungen der beiden feststehen- 
den, nebeneinander angeordneten Teile der Sekundär- 
spule sind aus Bild 2 (Maße in mm) ersichtlich. In 
Tabelle I sind für die Gebrauchsfrequenzen 500 und 
5000 Hertz die Wicklungsdaten dieser Spule sowie die 
diesbezüglichen Induktivitäts- und Widerstandswerte 


Ein komplexer Wechselstromkompensator für mittlere Frequenzen. 


225 


zusammengestellt. Die beiden Spulenhälften werden 
unter Zugabe von flüssigem Paraffin auf einem ge- 
eigeneten Wickelfutter gewickelt und nach Fertig- 
stellung der Wicklung und Entfernung des Wickel- 
futters mit Seidenband bandagiert.e Die so her- 
gestellten Spulen haben genügende mechanische 
Festigkeit; eine Deformation derselben ist aus- 
geschlossen, zumal ihre Vertikalseiten durch die zur 
Befestigung der festen Spulen dienenden Klemm- 
backen (B in Bild 1) versteift und in ihrer Lage un- 
veränderlich festgehalten werden. 


Tabelle I: Daten der Sekundärspule Sr. 


Gebrauchs- | Windungs- | Wicklungs- | Induk- | Wider- 
frequenz zahl material tivität stand 
a a e e a aA a A A Ten E GAA AERA A N a E E e = == 

728 (2x 26 | Kupferdraht ur 
500 Hertz | Lagen zu je 0,5 mm en ?| 12 Ohm 
14Windungen | Durchmesser y 
| 240 (2X15 | Kupferdraht S 
5000 Hertz | Lagen zu je 0.9 mm a : 1,3 Ohm 
8 Windungen | Durchmesser y 


Die drehbare Primärspule hat die aus Bild 3 
(Maße in mm) ersichtlichen Abmessungen. In Tab. II 
sind für die Gebrauchsfrequenzen 500 und 5000 Hertz 
die Wicklungsdaten dieser Spule sowie die dies- 
bezüglichen Induktivitäts- und Widerstandswerte zu- 


Bild 3. 
Abmessungen der Primärspule Sn. 


sammengestellt. Die Primärspule wird auf einen 
Hartgummi-Spulenkörper, dessen Abmessungen aus 
Bild 3 ersichtlich sind, unter Zugabe von flüssigem 
Paraffin aufgewickelt und dann auf der Achse be- 
festigt. 


Tabelle II: Daten der Primärspule Sp. 


Gebrauchs- 


Windungs- | Wicklungs- | Induk- | Wider- 
frequenz zahl material tivität stand 
nn 160 (8 Lagen  Kupferdraht | rn u 
500 Hertz | zu je 0,4 mm 110] 2,7 Ohm 
20Windungen |Durchmesser "y 
| | 
. 48 (4 Lagen | Kupferdraht 5 
5000 Hertz! zuje 7mm 710°} 0,25 Ohm 
12Windungen | Durchmesser y 


Eichung der Lufttransformatoren. 


Um die beiden Teilspannungen nach erfolgter 
Kompensation an den Skalen des Kompensators in 
elektrischen Spannungseinheiten unmittelbar ablesen 
zu können, müssen die Lufttransformatoren geeicht 
werden. Zu diesem Zwecke wird die gegenseitige 
Induktivität der Lufttransformatoren bei verschiede- 
nen Winkelstellungen der Drehspule in einer Kom- 
pensationsschaltung’) gemessen. 


1) Vgl. z.B. Geyger, Arch. f. Elektrot. 14, S. 560/561, 1925 
und Arch. f. Elektrot. 17, S. 71/78, 1926. 


226 


Wilhelm Geyger: Ein komplexer Wechselstromkompensator für mittlere Frequenzen. 


Bild 4 zeigt den Verlauf der Skala bei einem 
Kompensator für 500 Hertz. Steht die Windungs- 
ebene der Drehspule senkrecht zur Windungsebene 
der festen Spule („Mittellage‘“ der Drehspule),. so ist 
die gegenseitige Induktivität dieser Spulen gleich 
Null (Nullpunkt der Skala). Wird die Drehspule nach 
rechts oder links aus ihrer Mittellage abgelenkt, so 
wird in der Drehspule eine Spannung (mit positivem 
bzw. negativem Vorzeichen) induziert, welche der je- 
weilig eingestellten gegenseitigen Induktivität pro- 
portional ist. Wie aus Bild 4 ersichtlich, entspricht 


Bild 4. 
Verlauf der Skala bei einem Kompensator für 500 Hertz. 


einem Ablenkungswinkel ap = + 60° eine gegen- 


seitige Induktivität von + 1,6 X 10— Henry. Die Ab- 


weichungen des durch Eichung ermittelten Skalen- 
verlaufs von dem bei vollkommener Proportionalität 
sind sehr gering: die größte Abweichung beträgt 1% 
des Skalenendwertes. 

Bezeichnet J; den in der Primärspule fließenden 
Strom, œw die Kreisfrequenz und y die jeweilig ein- 
gestellte gegenseitige Induktivität, so ergibt sich die 
in der Sekundärspule induzierte Spannung E aus der 
Gleichung 

E == J.w.n. 


Für 500 Hertz (» = 3140) und«p = + 60° ergibt sich 
E = J.3140.1,6.10"° = J.5,02 Volt. 


Der Meßbereich des Kompensators kann also durch 
Aendern des Primärstromes J leicht verändert wer- 
den. Da die Primärspule, ohne daß eine übermäßige 
Erwärmung dieser Spule zu befürchten wäre, mit 
0,4 Ampere belastet werden darf — der Eigen- 
verbrauch der Primärspule bei J = 0,4 Ampere be- 
trägt etwa 0,4 Watt —, so ergibt sich für jene Teil- 
spannung als Höchstwert 


E=0,4.5=2 Volt. 


Bei dem Kompensator für 5000 Hertz ist die pri- 
märe Windungszahl 3,3’'mal so klein, die sekundäre 
Windungszahl 3,03 mal so klein, und somit das Pro- 
dukt dieser Windungszahlen 10 mal so klein wie bei 
dem Kompensator für 500 Hertz. Einem Ablenkungs- 
winkel ap = + 60° entspricht hier eine gegenseitige 
Induktivität von + 1,6 X 10—+ Henry, und es gilt für 
5000 Hertz (o = 31 400) und «p = + 60° 


E = J .31 400. 1,6.10—* = J.5,02 Volt. 


Die Primärspule darf bei diesem Apparat ohne 
weiteres mit 1,2 Ampere belastet werden, so daß sich 
für jene Teilspannung als Höchstwert 

E=12.5=6 Volt 
ergibt. 


Schaltung des Kompensators | 


Die Schaltung des Kompensators ist so zu wählen, 
daß die beiden in den Sekundärspulen induzierten 
EMKe um 90 gegeneinander phasenverschoben sind, 
Eine hierzu geeignete Schaltung ist in Bild 5 dar- 
gestellt. Die Primärspulen Spı und Spa sind über eine 
eisenfreie Induktivität L bzw. über einen olımschen 
Widerstand R, dem eine Kapazität © parallel ge- 
schaltet ist, mit der Stromquelle verbunden, an 


Bild 5. 
Schaltung des Kompensators, 


welche das Meßobjiekt ebenfalls angeschlossen wird. 
Die Sekundärspulen Srı und Sra sind astatisch in 
Reihe geschaltet und über das Nullinstrument N 
(Vibrationsgalvanometer oder Telephon) mit den- 
jenigen Punkten des Meßobiektes verbunden, zwischen 
denen die zu untersuchende Wechselspannung Es 
wirksam ist. 

Das Vektorendiagramm in Bild 6 zeigt die 
Phasenverhältnisse bei dieser Anordnung. Die zur 


Bild 6. 
Diagramm der Ströme und Spannungen. 


Kompensation dienenden ZMKe E, und E, sind gegen 
die in den Primärspulen Spı und Spsfließenden Ströme 
Jı und J, um 90° phasenverschoben. Es kommt dem- 
nach darauf an, die Größen L, R und C so zu be- 
messen, daß die Ströme Jı und J, gleiche Strom- 
stärke besitzen und um 90° gegeneinander verschoben 
sind, was leicht erreicht werden kann. 

| 

Zusammenfassung. | 

Es wird ein komplexer Wechselstromkompensator | 
für mittlere Frequenzen (500 bis 5000 Hertz) be- 
schrieben, welcher so beschaffen ist, daß diejenigen 

Teile, an denen die zur Kompensation dienenden Teil- | 
spannungen abgenommen werden, von den übrigen 
Teilen des Apparates vollkommen isoliert sind. Dit 
beiden Teilspannungen werden dargestellt durch zwei 
um 90° in der Phase gegeneinander verschobene un 
in bezug auf Größe und Richtung einzeln regelbare 


Hanns von Hartel: Eine neue Braun’sche Röhre. 227 


EMKe, welche in den Sekundärspulen zweier in der 
Kopplung kontinuierlich veränderlicher, eisenfreier 
Transformatoren (Lufttransformatoren) induziert wer- 
.den, deren Primärspulen von zwei um 90° gegenein- 
ander phasenverschobenen Strömen durchflossen 
werden. Um ohne Zuhilfenahme von Stromwendern 
Spannungsvektoren in allen Quadranten kompen- 
sieren zu können, werden dabei als Lufttransforma- 
toren zwei gleichartige Drehspulvariatoren für gegen- 
seitige Induktion verwendet, welche kontinuierlich 
veränderbare Teilspannungen positiven und negativen 
Vorzeichens zwischen Null und dem Höchstwert ein- 
zustellen und an entsprechend geeichten Skalen un- 
mittelbar abzulesen gestatten. Durch geeignete 
Dimensionierung der rechteckig geformten fest- 
stehenden und drehbaren Variatorspulen wird ein 
praktisch linearer Verlauf dieser Skalen erzielt. 


Bei der Messung werden durch Drehen der dreh- 
bar angeordneten Primärspulen der Lufttransforma- 
toren die beiden in den feststehenden Sekundär- 


spulen induzierten EMKe so lange geändert, bis das 
Nullinstrument (Vibrationsgalvanometer oder Tele- 
phon) Stromlosigkeit anzeigt. Die beiden gleichartig 
beschaffenen Sekundärspulen sind derart in Reihe ge- 
schaltet, daß die von elektromagnetischen Fremd- 
feldern in diesen Spulen etwa induzierten EMKe 
gegeneinander wirken, sich also gegenseitig voll- 
kommen aufheben. Infolge der Isolierung der 
Sekundärspulen von den übrigen Teilen der Meß- 
anordnung treten Störungen durch Isolations- 
und Kapazitätsströme, Unsymmetrie der Strom- 
quelle usw. nicht auf; besondere Vorsichtsmaßregeln 
(elektrostatische Abschirmungen u. dgl.) sind daher 
im allgemeinen nicht erforderlich. Von besonderem 
Vorteil ist der aus dem Meßprinzip sich ergebende 
konstruktiv sehr einfache, auch einer derberen Be- 
handlung angepaßte Aufbau, bei dem mechanisch 
empfindliche Teile, wie Meßdrähte, Schleifkontakte 
usw., vermieden werden. 


(Eingegangen am 10. August 1929.) 


Eine neue Braun ’sche Röhre. 


Hanns von Hartel, Berlin. 


Im Laboratorium Manfred von Ardenne wurde 
von Manfred von Ardenne und dem Verfasser eine 
Kathodenstrahl-Oszillographenröhre!) entwickelt, die 
vor den bisher bekannten Braun'’schen Röhren 
einige Vorzüge aufweist. 


Bild 1. 
Elektrodenanordnung der Braun’schen Röhre. 


Das Prinzip eines Kathodenstrahl-Oszillographen 
besteht bekanntlich darin, daß ein Elektronenstrahl 
durch ein elektrisches oder magnetisches Feld aus 
seiner geraden Bahn abgelenkt wird. Die Auftreff- 
stelle des Strahles ist auf einem Fluoreszenzschirm 
sichtbar. Wegen der Trägheitslosigkeit der Elektronen 
folgt der Strahl auch den schnellsten elektrischen 
Schwingungen, deren Kurvenform nach bekannten 
Methoden auf diese Weise aufgenommen werden 
kann. 


1) Generalvertretung E. Leybold, Untervertreiung Charlotten- 
burger Motorenges. Preis 200 Mark. 


Das Bild 1 zeigt die Anordnung der Elektroden. 
Innerhalb des Zylinders befindet sich eine auf der Ab- 
bildung nicht sichtbare Glühkathode zur Erzeugung 
der Elektronen. Diese werden durch eine positive 
Spannung an der kreisförmigen Platte beschleunigt 
und treten als Elektronenstrahl durch das Loch der 
Platte. Zur Zentrierung des Strahles wird dem Zylin- 
der eine negative Spannung erteilt, durch welche die 
Elektronen zusammengehalten werden. Die zwei 
Paare der Ablenkelektroden haben eine Kapazität von 
nur einigen Zentimetern, was mit Rücksicht auf Mes- 
sungen von Hochfrequenz-Spannungen, insbesondere 
in Verbindung mit aperiodischen Verstärkern, wich- 
tig ist. 

Die Anordnung des Zylinders verhindert eine 
Störung durch das Licht des Glühfadens. Weiter er- 
möglicht gerade diese Anordnung die Erzeugung eines 
sehr scharfen Brennfleckes, dessen Helligkeit zum 
direkten Photographieren eines elektrischen Vorgan- 
ges ausreicht. 


Der Fluoreszenzschirm bcsteht aus einer Schicht 
von geeignet vorbehandeltem Calzium-Wolframat. 
Das blaue Fluoreszenzlicht ergibt eine besonders 
starke Wirkung auf lichtempfindliche Schicht der nor- 
malen Filme. 


In der Röhre ist ein Gasrest gelassen, durch den 
eine schärfere Einstellung des Brennfleckes erreicht 
und der Einfluß von Wandladungen herabgesetzt wird. 
Die im Gegensatz zu den lonenröhren geringen Be- 
triebsspannungen und die Art des Gases bieten eine 
Gewähr dafür, daß sich der Druck in der Röhre wäh- 
rend des Betriebes nicht ändern kann. 

Der Glühfaden der Röhre wird mit etwa 0,5 Volt 
betrieben und verbraucht einen Strom von etwa 0,8 
Ampere. Bei richtigem Betrieb ist das Licht des 
Fadens kaum zu erkennen. Die Spannung an der 


228 ur Wilhelm Geyger: 


Anode beträgt zwischen 800 und 3000 Volt, je nach- 
dern ob nur eine Sichtbarmachung oder eine direkte 
Photographierung der Kurven gewünscht wird. Die 
Spannung am Zylinder hat etwa den zehnten Teil der 
Anodenspannung. Der genaue Wert dieser Spannung, 
bei der die richtige Schärfe des Brennfleckes erhalten 
wird, muß bei Inbetriebnahme der Röhre richtig ein- 


gestellt werden und ist etwa abhängig von der Hei- 


zung des Glühfadens. 


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Bild 2. 
Anordnung zur Aufnahme von Wechselspannungskurven. 
Der Strahl tritt durch die Ablenkelektroden gerad- 

linig zum Fluoreszenzschirm. Er wird allerdings 

durch das magnetische Feld der Erde etwas abgelenkt, 
so daß der Punkt nicht in die Mitte des Schirmes fällt. 

Das Erdfeld läßt sich aber leicht mit Hilfe eines 

kleinen Stahlmagneten kompensieren und auf diese 

Weise wird der Strahl auf die Mitte des Schirmes 

gelenkt. 


Die erforderlichen hohen Spannungen können 
Anodenbatterien entnommen werden. Da die Röhre 
im Betrieb nur Bruchteile eines Milliampers benötigt, 
werden die Batterien nur sehr schwach belastet. 


Wirtschaftlicher arbeitet man besonders bei Anwen- 
dung von Spannungen über 1000 Volt bei Entnahme 
der Spannungen aus dem Lichtnetz. Durch geeignete 
Spannungsteilung kann gleichfalls die negative Zylin- 
derspannung aus dem Netz entnommen werden. Eine 
Heizung der Röhre mit Wechselstrom ist wegen der 
Störung durch das magnetische Wechselfeld am 
Faden nicht möglich. 

Die Empfindlichkeit der Röhre entspricht einer 
Ablenkung des Strahles um etwa ein Millimeter pro 
Volt. Das Bild 2 zeigt eine Anordnung zur direkten 


` photographischen Aufnahme von Wechselspannungen. 


Bild 3. 
Klangkurve des Vokals „=£“. 


In Bild 3 ist ein mit dieser Röhre aufgenommenes Bild 
des Vokales e wiedergegeben. Zur Aufnahme diente 
ein Mikrophon mit Transformator ohne zusätzliche 
Verstärkung. 


Zusammenfassung. 


Es wird eine Braun’sche Röhre mit Glühkathode 
als Elektronenquelle und zwei gekreuzten Plattenelek- 
troden zur elektrischen Ablenkung des Kathoden- 
strahles beschrieben, deren Empfindlichkeit etwa 
1 Millimeter pro Volt beträgt. 


(Eingegangen am 2. Oktober 1929.) 


Zusammenfassender Bericht. 


Die geoelektrischen Untersuchungsmethoden mit Wechselstrom. 


Von Wilhelm Geyger. 
(Schluß*.) 


Die bei den geoelektrischen Methoden benutzten 
: Meßprinzipien. 


Gleichstrommessungen. Bei dem im 
Jahre 1912 von Schlumberger'*) eingeführten 
Gleiclistromverfahren wurde der zu untersuchende 
Untergrund über zwei Elektroden mit einem Gleich- 
strom beschickt und die räumliche Verteilung von 
Punkten gleichen Potentials an der Erdoberfläche 


*) I. Teil ds. Zeitschr. 34, S. 184, 1929, Heft 5. 

18) C, Schlumberger, „Etude sur la prospection du sous-sol‘, 
Verlag Gautier-Villars, Paris 1920. Vgl. auch: D.R.P. Nr. 269 928 
(6. November 1912). 


durch Aufnahme von Aequipotentiallinien festgestellt. 
Der Verlauf der aufgenommenen Aequipotentiallinien 
wurde dann mit dem Verlauf der für einen elektrisch 
homogenen Untergrund gültigen Aequipotentiallinien 
(Normalbild) verglichen und aus den Abweichungen 
vom Normalbild auf die Anwesenheit von Einlage- 
rungen besserer oder schlechterer Leitfähigkeit ge- 
schlossen. 

Nach der Schlumbergerschen Methode muß- 
ten, um die die Messungen störenden Wirkungen von 
Polarisationserscheinungen und natürlichen Erd- 
strömen auszuschalten, sog. unpolarisierbare Son- 


a i 


 den!”) benutzt und die Pole der an die Elektroden 
‚angelegten Stromquelle periodisch vertauscht werden. 
Als Anzeigeinstrument für den Sondenstromkreis 
konnte man nur ein hochempfindliches Galvanometer 
verwenden. Dies waren Nachteile, welche die prak- 
‚tische Durchführung solcher Untersuchungen sehr er- 
schwerten. Es war daher naheliegend, an Stelle von 
Gleichstrom Wechselstrom anzuwenden, da hier von 
Polarisations- und Eigenströmen nicht beeinflußbare, 
‚für den Feldgebrauch handliche und dabei elektrisch 
hochempfindliche Anzeigeinstrumente (Telephon oder 
Vibrationsgalvanometer) benutzt werden können, die 
-sich gegenüber dem Gleichstromgalvanometer durch 
erhebliche Widerstandsfähigkeit auszeichnen und, da 
sie keine Trägheit besitzen, ein beträchtlich schnel- 
leres Messen gestatten. Bei Verwendung von 
Wechselstrom kann man die unbequemen und zer- 
 brechlichen unpolarisierbaren Sonden durch gewöhn- 
‘Ihe, mechanisch widerstandsfähige Eisenstäbe er- 
setzen und Verstärkervorrichtungen benutzen, welche 
die Empfindlichkeit der Meßanordnung erheblich zu 
steigern ermöglichen. Ferner ist es, wie bereits er- 
wähnt, bei Anwendung von Wechselstrom möglich, 
im Boden auf rein induktivem Wege Ströme zu er- 
zeugen, sowie auch die von den Bodenströmen er- 


“zeugten magnetischen Felder mittels Meßspulen 
(Induktionsrahmen) auszumessen. 
Wechselstrommessungen. Die Ver- 


messung der Verteilung von Wechselstrom im Unter- 
grunde bei geoelektrischen Untersuchungen wurde 
zunächst in derselben Weise wie bei Verwendung von 
Gleichstrom durchgeführt. Jahrelang wurde von den 
meisten geophysikalischen Gesellschaften mit 
Wechselstrom nach der Aequipotentiallinienmethode 
gearbeitet. Da jedoch eine exakte Aufnahme von 
Aequipotentiallinien bei Wechselstrom prinzipiell nicht 
möglich ist, mußten andere Wege beschritten werden, 
um die bei Wechselstrom auftretenden elliptisch 
polarisierten Strömungsfelder einwandfrei untersuchen 
zu können. Bei Sondenmessungen mußte man dazu 
übergehen, die im Untersuchungsgebiete an den 
Sonden auftretenden Wechselspannungen nach Größe 
und Phase zu messen, und zwar so, daß bei den 
Messungen dem Boden kein Strom entnommen wird. 
Ebenso mußten bei der Ausmessung der von den 
Bodenströmen erzeugten elliptisch polarisierten 
magnetischen Felder mittels Induktionsrahmen, die 
‚am Rahmen auftretenden Wechselspannungen nach 
; Größe und Phase gemessen werden, und zwar derart, 
daß dieser bei den Messungen stromlos ist. 


Das für derartige Messungen geeignetste Meß- 
verfahren ist die Kompensationsmethode, die ermög- 
licht, die Amplitude der Sonden- bzw. Rahmen- 
spannung und ihre Phasenverschiebung gegen eine 
Vergleichsspannung oder einen Vergleichsstrom mit 
großer Genauigkeit zu messen. Mit der Anwendung 
der Kompensationsmethode bei geovelektrischen Unter- 
suchungen mit Wechselstrom trat die Entwicklung 
der geoelektrischen Methoden in ein neues Stadium. 


19) Diese Sonden bestehen im wesentlichen aus einem porösen 
Tongefäß, das z. B. eine konzentrierte’ Lösung von Kupfersulfat 
enthält, in welche eine Kupferstange eintaucht (vgl. z. B. D.R.P. 
Nr. 269928). Es bleiben jedoch selbst bei guten Sondenkon- 
struktionen dieser Art noch Störspannungen durch Konzentrations- 

. ketteneffekte übrig. 


Zusammenfassender Bericht. Die geoelektrischen Untersuchungsmethoden mit Wechselstrom. 


229 


Wird dem Untergrunde mittels Elektroden ein 
Wechselstrom zugeführt, so treten folgende Ströme 
und magnetischen Felder auf: 

1. Der Strom in den Zuführungsleitungen zu den 
Elektroden (Leitungsstrom) und sein magne- 
tisches Feld. 

2. Der im Untergrunde zwischen den Elektroden 
fließende Strom und sein magnetisches Feld. 

3. Die vom magnetischen Felde des Leitungs- 
stromes im Untergrunde induzierten Wirbel- 
ströme und ihre magnetischen Felder. 

4. Die Wirbelströme, welche von dem im Unter- 
grunde zwischen den Elektroden fließenden 
Strome im Untergrunde induziert werden, und 
ihre magnetischen Felder. 

Diese elektrischen und magnetischen Wechsel- 
felder, welche elektrodynamisch voneinander ab- 
hängen, bilden ein zusammengesetztes elektromagne- 
tisches Feld, dessen Berechnung von Thomson, 
Rüdenberg, Haberland und anderen Autoren 
behandelt worden ist”). Unter Berücksichtigung 
dieser Betrachtung ergeben sich sowohl für den 
Bodenstrom, als auch für das magnetische Feld der 
im Untergrunde wirksamen Ströme mehrere Kom- 
ponenten, die stets verschiedene Phasen haben und 
im allgemeinen auch verschiedenen räumlichen Ver- 
lauf aufweisen, somit also elliptisch polarisierte 
Strömungsfelder und magnetische Felder. 

Darstellung der auftretenden 
Schwingungsvorgänge. Zur Darstellung der 
an den einzelnen Meßpunkten herrschenden zeitlichen 
und räumlichen Schwingungsvorgänge ergeben sich 
nach A mbron n?!) folgende Möglichkeiten: 

1. Die Darstellung der vom Stromvektor bzw. 
magnetischen Feldvektor umschriebenen Schwin- 
gungsellipsen, d. h. die Bestimmung der Lage, Form 
und Phasenverteilung der Schwingungsellipsen durch 
(graphische oder rechnerische) Ableitung aus den Am- 
plituden- und Phasenwinkelwerten der in den ein- 
zelnen Meßpunkten in verschiedenen räumlichen 
Richtungen gemessenen Sonden- bzw. Rahmen- 
spannungen. 

2. Die Darstellung von Momentanieldern, d. h. die 
Bestimmung zweier linearer, die elliptische Schwin- 
gung ergebender Schwingungskoniponenten, welche 
gegeneinander und gegen eine Normalphase bestimmte 
Phasenverschiebungen aufweisen. 

Die erstgenannte Methode läßt sich durchführen, 
indem entweder die Bestimmungsstücke der Schwin- 
eungsellipse selbst oder aber die Amplituden und die 
Phasen ihrer rechtwinkligen Komponenten dargestellt 


20) Vgl. z.B. J. JıThomson, „Recent researches in3electricity 
and magnetism‘‘, Oxford 1893, S. 262 bis 295; vgl. auch Som mer- 
feld, Ann. d. Phys. 67, S. 234, 1899. — O. Oldenberg, Arch. 
f. Elektrot. 9, S. 289, 1920, — M.’Abraham, Zeitschr. angew. 
Math. u. Mech. 2, S. 109, 1922. — R. Rüdenberg, Zeitschr. 
angew. Math. u. Mech. 5, S. 361, 1925; vgl. auch: R. Rüden- 
berg, ETZ46, S. 1342, 1925 und ETZ 47, S. 322 und 359, 1926. — 
G. Haberland, Zeltschr. angew. Math. u. Mech .'6,15. 366. 1926. — 
W. Lühr, Dissertation Darmstadt 1923. — F. Reich und F. Fi- 
scher, Zeitschr. f. Phys. 32, S. 327, 1925. — O. Mayr, ETZ 46, 
S. 1352 und 1436, 1925. — E. Pautsch, Gerlands Beiträge zur 
Geophysik 20, S. 85—98, 1928. In dieser Arbeit wird auch die 
Frage der Flächen- und Tiefenausbreitung der Erdströme behandelt 
und die Daten für) verschiedene Frequenzen (zwischen 50}jund 
50000 Hertz) gegeben. 

21),R.Ambronn, „Elektrische Bodenforschung mittelsWechsel- 
strömen“, Gerlands Beiträge zur Geophysik 19, S. 5—58, 1928. 


230 


Wilhelm Geyger: 


m  —  _____— —— — —— mn nr nrnn99BK 


werden. Bei Sondenmessungen benötigt man zur 
vollständigen Definition der Ellipse vier voneinander 
unabhängige Bestimmungsstücke, und zwar 

1. die Länge der großen Achse der Ellipse, 

2. die Länge der kleinen Achse der Ellipse, 

3. die Phase der großen Achse der Ellipse, 

4. den Winkel zwischen einer Normal- (z. B. Nord- 
Süd-) Richtung und der großen Achse der 
Ellipse. | 

Für eine Schwingungsellipse im Raume (bei Rahmen- 

messungen) benötigt man zur vollständigen Definition 

sechs voneinander unabhängige Bestimmungsstücke; 

als solche kann man benutzen 

. die Länge der großen Achse der Ellipse, 

. die Länge der kleinen Achse der Ellipse, 

‚ die Phase der großen Achse der Elipse, 

. die Streichrichtung der Ellipsenebene, 

. das Einfallen der Ellipsenebene, 

. den Winkel zwischen der Streichrichtung und 
der großen Achse der Ellipse. 

© Die Darstellung der Strömungsfelder und magne- 
tischen Felder durch Momentanfelder ist besonders 
zweckmäßig, da hier alle miteinander in Beziehung 


Peer E 


AA D- 


£, 


Bild 15. 


Zerlegung der Sonden- bzw. Rahmenspannung (E) in Wirkkom- 
ponente (E) und Blindkomponente (E>). 


gebrachten Sonden- bzw. Rahmenspannungen die 
gleiche Phase besitzen und sich nur durch ihre Größe 
voneinander unterscheiden. Eine für derartige Unter- 
suchungen vorzüglich geeignete Darstellung ergibt 
sich, wenn man die an den Sonden bzw. am Rahmen 
jeweilig auftretende Spannung in zwei um 90° gegen- 
cinander phasenverschobene Komponenten zerlegt, 
die gegen eine Normalphase bestimmte Phasenver- 
schiebungen aufweisen. Dabei ist es zweckmäßig, 
diese Zerlegung so vorzunehmen, daß die beiden 
Komponenten gegen die Vergleichsspannung bzw. den 
Vergleichsstrom um 0° bzw. 90° in der Phase ver- 
schoben sind, und den Leitungsstrom als Vergleichs- 
strom zu benutzen. In diesem Falle kann man nach 
Bild 15 die Sonden- bzw. Rahmenspannung E, welche 
gegen den Leitungsstrom J um den Phasenwinkel o 
verschoben ist, zerlegen in eine Komponente E, = 
E.cos p, die mit dem Strome J phasengleich ist, und 
eine gegen diesen Strom um 90° phasenverschobene 
Komponente E, = E.sin o. Entsprechend der in der 
Wechselstromtechnik üblichen Bezeichnungsweise 
kann man die mit dem Leitungsstrome J phasen- 
gleiche Komponente E, als Wirkkomponente und die 
gegen diesen Strom um 90° phasenverschobene Kom- 
ponente E. als Blindkomponente bezeichnen. 


Werden die Komponenten E, und E, in den ein- 
zelnen Meßpunkten des zu untersuchenden Gebietes 
in verschiedenen räumlichen Richtungen ermittelt, so 
erhält man auf graphischem oder rechnerischem Wege 
die beiden Momentanfelder, welche die wahre 
Spannungs- bzw. Stromverteilung bzw. die Verteilung 
des magnetischen Feldes an der Erdoberfläche für die 


Phasen von E, und E, darstellen. Diese Momentan- 
felder werden gebildet durch die Gesamtheit aller im 
ganzen Untersuchungsgebiete zur gleichen Phase (von 
E, bzw. E) gehörigen Spannungsvektoren. Ent- 
sprechend den obigen Bezeichnungen für E, und E: 
kann man die so gebildeten Momentanfelder Wirk- 
feld und Blindfeld nennen. 


In jedem dieser Momentanfelder prägt sich die 
elektrische Beschaffenheit des Untergrundes aus, und 
zwar prägen sich elektrisch verschiedenartige Ein- 
lagerungen in dem Wirk- und Blindfeld in verschie- 
dener Weise aus. Durch entsprechende zeichnerische 
Darstellung von Schmiegungslinien an die mit Hilfe 
zweier Sonden in den einzelnen Meßpunkten er- 
mittelten Richtungen größter Wirk- und Blind- 
spannung (Wirkstromrichtung und Blindstromrichtung) 
erhält man ein Bild der räumlichen Spannungs- bzw. 
Strömungsverteilung an der Erdoberfläche für die 
Phasen von E, und E.. Die Darstellungsart des 
Strömungsverlaufes durch Ableitung der Momentan- 
felder ist allen anderen Darstellungen vorzuziehen 
und hat daher für die Praxis ganz besondere Bedeu- 
tung erlangt. 

Art der benutzten Kompensations- 
meßverfahren. Was die zur Messung der an 
den Sonden bzw. am Induktionsrahmen jeweilig auf- 
tretenden Wechselspannung dienenden Kompen- 
sationsmeßverfahren anbetrifft, so wird diese Spannung 
kompensiert durch eine in bezug auf Amplitude und 
Phase veränderbare Vergleichsspannung, welche an 
einem Weclhiselstromkompensator abgenommen wird. 
Die im Untergrunde auf galvanischem oder induk- 
tivem Wege erregten \Wechselströme und der zur 
Speisung des Wechselstromkompensators dienende 
Strom werden vom gleichen Generator erzeugt, um 
zu erreichen, daß die beiden gegeneinander zu kom- 
pensierenden Spannungen (Sonden- bzw. Rahmen- 
spannung und Vergleichsspannung) absolut gleiche 
Frequenz haben. Die für vollkommene Kompensation 
(vollkommene Stromlosigkeit des Sonden- bzw. 
Rahmenstromkreises und des in denselben eingeschal- 
teten Nullinstrumentes) bestehende Bedingung, daß 
auch die Kurvenform dieser beiden Spannungen die 
gleiche sein muß, ist praktisch meistens nicht erfüll- 
bar, da die Kurvenformen der in der Meßanordnung 
wirksamen Ströme und Spannungen im allgemeinen 
mehr oder weniger verzerrt sind. Benutzt man zur 
Abgleichung ein Nullinstrument, das nur auf Ströme 
von der Frequenz der Grundwelle, nicht aber auf die 
höheren Harmonischen anspricht (z. B. ein auf die 
Grundwelle abgestimmtes Vibrationsgalvanonıeter), 
so werden nur die Grundwellen der in der Meß- 
anordnung wirksamen Ströme und Spannungen zur 
Messung herangezogen, und das Nullinstrument zeigt 
Stromlosigkeit an, wenn die Grundwellen der Sonden- 
bzw. Rahmenspannung und der am Wechselstrom- 
kompensator abgenommenen Vergleichsspannung 
amplitudengleich und in bezug auf den Kompen- 
sationskreis um 180° gegeneinander in der Phase ver- 
schoben sind. Es wird dann nur die Grundwelle der 
Sonden- bzw. Rahmenspannung gemessen, da die 
höheren Harmonischen auf die Messung keinen Ein- 
fluß haben. 

Ueber die bei geoelektrischen Untersuchungen mit 
Wechselstrom in der Praxis benutzten Kompen- 


le 


Zusammenfassender Bericht: Die geoelektrischen Untersuchungsmethoden mit Wechselstrom. 


sationsmeßanordnungen sind in der Literatur nur 
spärliche Angaben vorhanden, da die Schaltungen der 
von den verschiedenen geophysikalischen Gesell- 
schaften verwendeten Meßapparaturen von diesen 
Gesellschaften geheim gehalten werden. Aus den ein- 
schlägigen Patentschriften??) ergibt sich, daß wohl 
allgemein das folgende, durch das schematische Bild 
16 gekennzeichnete Kompensationsmeßverfahren ange- 
wendet wird”). Es stellt W den zur Erregung der 
Wechselströme im Untergrunde dienenden Generator 


D d Z 


© 


FR 


| 


Bild 16. 
Kompensationsmessanordnung bei Verwendung eines Phasen- 
:schiebers, 


dar, welcher durch die Leitung L mit den zur Ueber- 
‚tragung der elektrischen Energie in den Boden be- 
stimmten Vorrichtungen (Elektroden bzw. Leiter- 
schleife) verbunden ist. Der Wechselstromkompen- 
sator K, im wesentlichen bestehend aus Kompen- 
sationswiderstand (z. B. Schleifdraht) M und Phasen- 
schieber Ph, ist beispielsweise unter Zwischenschal- 
tung eines Isoliertransformators T in die Leitung L 
eingeschaltet und ermöglicht, die an den Sonden S, 
und S bzw. am Rahmen ieweilig auftretenden 
Wechselspannungen durch Regulieren von M und Ph 
zu kompensieren, so daß das Nullinstrument N voll- 
Kommen stromlos wird. Nach erfolgter Kompensation 
wird die Amplitude E der Sonden- bzw. Rahmen- 
spannung am Kompensationswiderstand M abgelesen, 
während der Phasenwinkel œ zwischen dieser 
Spannung und einer Vergleichsspannung oder einem 
Vergleichsstrom, z. B. dem Leitungsstrom J, am 
Phasenschieber Ph abgelesen wird. 

Bei Anwendung dieses Meßverfahrens werden im 
allgemeinen an allen Meßpunkten des zu untersuchen- 
den Gebietes in 2 (bei Sondenmessungen) bzw. 3 (bei 
Rahmenmessungen) zueinander räumlich senkrechten 
Richtungen Amplitude und Phase der Sonden- bzw. 
Rahmenspannung gemessen und aus den so gewonne- 
nen Werten auf graphischem oder rechnerischem Wege 
die oben aufgezählten Bestimmungsstücke der Schwin- 
 gungsellipsen ermittelt. Zur Darstellung der Momentan- 
felder werden im allgemeinen mit der in Bild 16 
schematisch dargestellten Kompensationsmeßanord- 
nung die Amplitude E der Sonden- bzw. Rahmen- 


22) Vgl. z. B. D.R.P. Nr. 464767 (14. November 1924) und 
D. R. P, Nr. 469445 (12. März 1926). 

=) Eine Abbildung eines für geoelektrische Untersuchungen 
benutzten? „Messkarrens“ findet man bei R. Ambronn, Inter- 
nationale Bergwirtschaft 2, S. 220, 1927 (dazugehörige kurze Be- 
schreibung auf S. 223). 


231 


spannung und der Phasenwinkel œ zwischen dieser 
Spannung und einer Normalphase, z. B. dem Leitungs- 
strome J, gemessen und die beiden Komponenten &E, 
und £» nach den Gleichungen 


E, = E.cos o, E:=E.sing 


berechnet oder nach einem entsprechenden graphi- 
schen oder mechanischen Verfahren ermittelt. 


Da ein solches Vorgehen bei der großen Anzahl 
der bei geoelektrischen Untersuchungen erforder- 
lichen Meßreihen bzw. Einzelmessungen sehr mühe- 
voll, zeitraubend und daher unwirtschaftlich ist, und 
da sich bei der Ermittlung der Komponenten E, und 
E. aus den am Wechselstromkompensator abge- 
lesenen Werten E und % Fehler einschleichen Können, 
lat Geyxger°‘*) ein besonderes Kompensationsmeß- 
verfahren ausgebildet, welches gestattet, die Wirk- 
und Blindkomponente der Sonden- bzw. Rahmen- 
spannung ohne Zwischenrechnung od. dgl. direkt zu 
ınessen und an entsprechend geeichten Skalen der 
benutzten Kompensationsmeßeinrichtung unmittelbar 
abzulesen. 


Der Grundgedanke der Methode ist folgender: 
Benutzt man zur Kompensation der Sonden- bzw. 
Rahmenspannung eine Vergleichsspannung, welche 
aus zwei hintereinandergeschalteten, um 90° gegen- 
einander phasenverschobenen Teilspannungen zu- 
sammengesetzt ist und sorgt man dafür, daß eine dieser 
Teilspannungen mit dem Leitungsstrome praktisch 
phasengleich ist, so entspricht nach erfolgter Kom- 
pensation die eine, mit dem Leitungsstrome phasen- 
gleiche Teilspannung bezüglich Größe und Phase der 
Wirkkomponente E,, während die andere, gegen den 
Leitungsstrom um 90° phasenverschobene Teil- 
spannung bezüglich Größe und Phase der Blindkom- 
ponente E. entspricht. Die Sonden- bzw. Rahmen- 
spannung selbst und ihre Phasenlage zum Leitungs- 
strome ergeben sich dann aus der geometrischen 
Summe bzw. aus dem Verhältnis der beiden Teil- 
spannungen. 


Die beiden Teilspannungen werden an einem kom- 
plexen Wechselstromkompensator abgenommen, 
welcher an den die Wechselströme im Untergrunde 
erzeugenden Wechselstromgenerator ebenfalls ange- 
schlossen wird. Als Wechselstromkompensator kann 
man dabei z. B. den Larsen schen Kompensator”“) 
verwenden, bei dem die eine Teilspannung durch 
Schleifkontakte an einem geeichten Meßdraht abge- 
griffen wird, der mit der Primärspule eines in der 
Kopplung veränderlichen eisenfreien Transformators 
in Reihe geschaltet ist, während die andere Teil- 
spannung durch die in der Sekundärspule dieses 
Transformators induzierte EMK dargestellt wird. Be- 
sonders vorteilhaft ist es, bei den vorliegenden 
Messungen den Gey ger schen „Schleifdraht-Wech- 
selstromkompensator‘“") zu verwenden, bei dem die 
beiden Teilspannungen als stetig regelbare Spannungs- 
abfälle an zwei kalibrierten, mit Schleifkontakten 
versehenen Meßdrähten abgegriffen werden, an 
welchen zwei um 90° gegeneinander phasenver- 


=) Vgl.W.Geyger, „Die Anwendung deskomplexenWechsel- 
stromkompensators bei geoelektrischen Untersuchungen.“ Arch. 
f. Elektrot. 23,'S. 109, 1929. 

2) A. Larsen, ETZ 31, S. 1039, 1910. 

2%) W. Geyger, ETZ 45, S. 1348, 1924 und Arch. f. Elektrot. 
17, S. 213, 1926, 


schobene Wechselspannungen von gleicher Amplitude 
wirksam sind. Die Mittelpunkte der beiden Meßdrähte 
sind miteinander leitend verbunden, und es lassen 
sich an je zwei der vier Meßdrahthälften, die den 
Achsen eines recliıtwinkligen Koordinatensystem ent- 
sprechen, Kompensationsspannungen beliebiger Phase 
abgreifen, so daß ohne Zuhilfenahme von Strom- 
wendern beliebige Spannungen in allen vier Quadran- 
ten kompensiert werden können. Die bei Kompen- 
sation abgegriffenen Teilspannungen, welche den 
wirksamen Meßdrahtlängen proportional sind, werden 
an zwei unter den Meßdrähten angebrachten Skalen 
unmittelbar abgelesen. 


Die Anwendung des Schleifdraht-Wechselstrom- 
kompensators bei geoelektrischen Untersuchungen 
nach der beschriebenen Methode führt zu der in 
Bild 17 dargestellten Meßschaltung, die sich von der 


NV 


7 


„ Bild 17. 
Kompensationsmessanordnung bei Verwendung desGeyger’schen 
Schleifdraht-Wechselstromkompensators in Verbindung mit einem 

Stromwandler. 


bisher allgemein gebräuchlichen, in Bild 16 wieder- 
gegebenen Schaltung im Prinzip nur dadurch unter- 
scheidet, daß die aus dem Kompensationswiderstand 
und dem Phasenschieber bestehende Kompensations- 
meßeinrichtung durch den Schleifdraht-Wechselstrom- 
kompensator ersetzt ist. Es stellt wieder W den zur 
Erregung der Wechselströme im Untergrunde dienen- 
den Generator dar und L die Leitung, welche den 
Generator mit den Elektroden bzw. der Leiterschleife 
verbindet. Der Schleifdraht-Wechselstromkompen- 
sator K, im wesentlichen bestehend aus den beiden 
Meßdrähten M, und M., die in der aus Bild 17 ersicht- 
lichen Weise mit den Spulen Sp, und Sp» des (in der 
Kopplung unveränderlichen) eisenfreien Transforma- 
tors T, den Hilfswiderständen R,, Rə, R, und den 
Stromzuführungsleitungen Z verbunden sind, ist unter 
Zwischenschaltung eines Stromwandlers Ty in die 
Leitung L eingeschaltet, so daß der im Kompensator 
fließende Strom (Meßstrom) Jar mit dem Leitungs- 
strome J praktisch phasengleich ist. Die Phasen- 
abweichung des Stromwandlers beträgt bei dieser 
Anordnung, wie früher gezeigt worden ist”), nur 
etwa 10 min, darf also bei den vorliegenden 


Val W. Geyger, Arch. f. Elektrot. 17. S. 229, 1926 und 
81, S. 371, 1927. 


Wilhelm Geyger: 


K 


-dm 


i n n ——_ 
— 


Messungen stets vernachlässigt werden. 
gulieren der beiden an den Meßdrähten abgegriffenen 
Teilspannungen P, und P, wird die an den Sonden 
Sı und 5 bzw. am Induktionsrahmen jeweilig avi- 
tretende Spannung E kompensiert, so daß das Nill- 
instrument N vollkommen stromlos wird. 

Das Vektorendiagramm in Bild 18 zeigt die Phasen- 
verhältnisse bei dieser Messung. 
ist in Anbetracht der Vernachlässigbarkeit der Strom- 
wandler-Phasenabweichung mit dem Leitungsstrome 
J phasengleich bzw. um 180° gegen diesen Strom 
verschoben. Die am ersten Meßdraht M, abgegriffene 
Teilspannung P, ist mit Jm phasengleich; die am 
zweiten Meßdraht M, abgegriffene Teilspannung P. 
ist gegen Jm um 90° verschoben. Da Py = V P} +P: 
nach erfolgter Kompensation in bezug auf Größe und 


Bild 18. 


Diagramm der Ströme und Spannungen bei der Meßanordaung 
nach Bild 17. 


: Phase der Sonden- bzw. Ramenspannung entspricht, 


so muß P, der Wirkkomponente Z,, P, der Blind- 
komponente E. nach Größe und Phase entsprechen, 
d. h. nach erfolgter Kompensation ist 


P, = E, = E.cos g, P} = E, = E sin g. 
Die Komponenten E, und E, können also an den 


Durch Re- 


— 


Der Meßstrom Jy 


en het Sa 


ae —— 


beiden Meßdrähten des Kompensators direkt abge- 


Jesen werden. 


Da es oft darauf ankommt, lediglich die relative 
Verteilung der Sonden- bzw. Rahmenspannungen im 
Untersuchungsgebiet zu ermitteln, so genügt es, bei 
der Darstellung der Meßergebnisse die an den Kom- 
pensator-Schleifdrähten bei Kompensation abge- 
griffenen Meßdrahtlängen an den Meßdrahtskalen in 
Millimetern abzulesen und in die Tabellen oder 
Kurvenblätter einzutragen. Irgendwelche Zwischen- 
rechnungen fallen fort. Die Sonden- bzw. Rahmen- 
spannung selbst und ihre Phasenlage zum Leitungs- 
strome ergeben sich, wie bereits erwähnt, aus der 
geometrischen Summe bzw. aus dem Verhältnis der 
beiden Teilspannungen. Bezüglich des exakten Mab- 
stabes sei hier bemerkt, daß die beiden Teil- 
spannungen P, und P, am Kompensator in elektrischen 
Spannungseinheiten direkt abgelesen werden können. 
Was die praktische Durchführung der eigentlichen 


| 


— 


Kompensationsmessungen, d. h. die Abgleichung der . 


Meßanordnung auf Stromlosigkeit des Vibrations- 
galvanometers bzw. Telephons betrifft, so nimmt 
diese Abgleichung, die hier in eigenartiger Weist 
durch wechselweises Verschieben der beiden Kom- 
pensator-Schleiikontakte erzielt wird, nur sehr wenig 
Zeit in Anspruch und ermöglicht, längere Meßreihen 
in verhältnismäßig kurzer Zeit auszuführen. 

Bei Anwendung des behandelten Meßveriahren‘ 
wird man im allgemeinen an allen Meßpunkten des zU 
untersuchenden Gebietes in 2 (bei Sondenmessunge! 
bzw. 3 (bei Rahmenmessungen) zueinander räul- 


——— 


— 


( 


Zusammenfassender Bericht. Die geoelektrischen Untersuchungsmethoden mit Wechselstrom. 


233 


. ich senkrechten Richtungen die Wirk- und Blind- 


: komponente der 


Sonden- bzw. Rahmenspannung 
direkt messen und aus den so gewonnenen Werten in 


: bekannter Weise die beiden jeweiligen Strom- bzw. 
- Feldrichtungen, sowie die in diesen Richtungen wirk- 


samen Höchstwerte der Wirk- und Blindspannung be- 


stimmen. Sind diese Richtungen jedoch bekannt, so 
- genügt es, die Wirk- und Blindkomponente in diesen 


- Richtungen zu messen. 
zweckmäßig sein, die Wirk- und Blindkomponente in 


In manchen Fällen kann es 


- einer größeren Anzahl (z. B. 6 oder 12) räumlichen 
Richtungen zu messen. 


Die schwedischen und schwedisch-amerikanischen 


 geophysikalischen Gesellschaften”) arbeiten im all- 


. gemeinen mit Wechselströmen von 500 Hertz und be- 


nutzen zur Ausmessung der vertikalen und horizon- 


-talen Feldkomponenten 


d 


‘kann, 


mittels Induktionsrahmen 
einen von Sundberg und Lindblom konstruier- 
ten Wechselstromkompensator, über dessen Aufbau 
und Wirkungsweise nichts Näheres mitgeteilt wird. 
Wo die Aenderung der Phasen zwischen benachbarten 
Punkten so gering ist, daß sie vernachlässigt werden 
gelangt eine ohne Kompensator arbeitende 
Zweirahmenmethode zur Anwendung, bei 
welcher die in zwei an benachbarten Punkten aufge- 


. stellten Industionsrahmen induzierten EMKe durch ent- 


- wähnte Dreirahmenmethode 


sprechendes Verändern der Winkelstellung des einen 
Rahmens zegeneinander kompensiert werden. Diese 
Methode gestattet, die Intensitätsänderung des Feldes 
auf sehr einfache Weise zu messen. Eine kurz er- 
ist, wie die 
Kompensatormethode, imstande, das wahre Verhält- 


: nis der Intensität der Feldkomponenten und die zu- 


gehörigen Phasenverschiebungen zwischen zwei Meß- 


punkten zu ermitteln. 


Eine Reihe geophysikalischer Gesellschaften ver- 
zichten auf quantitative, die Phasenverhältnisse be- 


. rücksichtigende Vermessungen und begnügen sich da- 


mit, an den einzelnen Meßpunkten die Richtung des 


. elektromagnetischen Feldes mit Hilfe eines nach allen 
. Richtungen hin drehbaren Induktionsrahmens zu er- 


mitteln, an den unter Zwischenschaltung eines Röhren- 


. verstärkers ein Telephon als Nullinstrument ange- 


. schlossen ist. 
der Rahmen so eingestellt, daß das Telephon stromlos 


Bei diesen Methoden wird zunächst 


-wird und dann die Winkelstellung des Rahmens an 


strom von 500 Hertz und galvanischer 
. zuführung zum Erdboden arbeitet, wird ein um eine 


- entsprechenden Winkelskalen abgelesen. 


Bei der „Elbof“-Methode‘®), welche mit Wechsel- 
Strom- 


horizontale und eine vertikale Achse drehbarer In- 


= duktionsrahmen angewendet, der über einen Ver- 


50000 Hertz und 


- diesem Verfahren 


. stärker mit einem Nulltelephon verbunden ist. 


Das mit Hochfrequenzströmen von 30000 bis 
induktiver Energieübertragung 
arbeitende Verfahren der Radiore Co.?°) und eine 
ähnliche, von Mason?!) an- 


. gegebene Methode, bei welcher Hochfrequenzströme 


bis zu 60 000 Hertz und induktive Energieübertragung 


. verwendet werden, benutzen einen beliebig drehbaren 


. Induktionsrahmen, der über eine Verstärkervorrich- 


8) K. Sundberg und A. Nordstrom, „Electrical Prospecting 


: for Molybdenite at Questa, N. M. „Technical Publication Nr. 122 


des American Institute of Mining and Metallurgical Engineers, 1928. 
>) Vgl. z.B. W. Heine, 1.c., S. 122/123 und 154 bis 168. 


tung mit einem Nulltelephon verbunden ist. Die bei 
diesen Methoden zur Anwendung gelangende Sender- 
spule ist — im Gegensatz zu dem oben beschriebenen 
Sundbergschen Verfahren mit horizontaler 
Leiterschleife — vertikal angeordnet. Dem die 
Senderspule durchfließenden Hochfrequenzstrom wird 
eine Schwingung von 500 Hertz zum Zwecke des 
Telephonempfangs überlagert. 


Die praktische Durchführung der Geländemessungen. 


Der Arbeit im Gelände geht im allgemeinen eine 
Prüfung der elektrischen Eigenschaften des gesuchten 
Erzes und des dasselbe umgebenden Nebengesteins 
voraus. Bei Bestimmung des spezifischen Wider- 
standes einer Erz- oder Gesteinsprobe wird das 
Probestück z.B. zwischen zwei Quecksilber-Kontakt- 
flächen angeordnet und der Widerstand in einer 
Brückenanordnung mit Wechselstrom gemessen. Zur 
Beurteilung der Anwendbarkeit von Methoden mit 
induktiver Energieübertragung zum Erdboden werden 
die elektromagnetischen Eigenschaften des gesuchten 
Erzes in der Weise untersucht??), daß auf oder um ein 
Probestück eine wechselstromdurchflossene Spule ge- 
legt wird. Die in dem Erzkörper erzeugten Wirbel- 
ströme bewirken eine scheinbare Veränderung des 
Ohmschen Widerstandes und der Induktivität dieser 
Spule, woraus man auf die elektrischen und magne- 
tischen Eigenschaften des Erzes schließen kann. 

Bei der praktischen Vermessung im Gelände geht 
man meistens in der Weise vor, daß man zuerst ein 
quadratisches Netz von 10 oder 20 m Seitenlänge der 
Quadrate auf das zu untersuchende Gelände legt und 
die Quadratpunkte durch in den Boden eingetriebene 
Molzpflöcke kennzeichnet. In den meisten Fällen wird 
dann zunächst eine Rekognoszierungsmessung längs 
Linien mit 40 bis 60 m Abstand voneinander durch- 
geführt, welche den Zweck hat, die Lage von inner- 
halb des Untersuchungsgebietes vorhandenen Ein- 
lagerungen höherer Leitfähigkeit annähernd zu be- 
stimmen. Die gefundenen Indikationen werden dann 
genauer untersucht, wobei die Messungen längs Linien 
mit 10 bis 20 nı Abstand voneinander ausgeführt 
werden. Die Ergebnisse dieser Detailmessung werden 
auf Karten zusammengestellt und der endgültigen 
Auswertung zugrunde gelegt. 

Die zweckmäßige Auswertung der gefundenen Er- 
gebnisse ist Sache der praktischen Erfahrung. Es hat 
sich, besonders in den letzten Jahren, gezeigt, daß die 
systematische Entwicklung der geoelektrischen Unter- 
suchungsmethoden mit Wechselstrom unter verschie- 
denen geologischen Verhältnissen erfolgreich gewesen 
ist und auch weiterhin die Entdeckung von Boden- 
schätzen mit weitgehender finanzieller Tragweite 
verspricht’). 


3) J, J, Jakosky, „Operating Principles of Induktive Geo- 
physical Processes“. Techn. Publ. Nr. 134 des Amer. Inst. of Min. 
and Met. Eng., 1928; vgl, auch „Discussion of the Papers on 
Geophysical Prospecting Presented at the New York Meeting“. 
Febr. 1928, Techn. Publ. Nr. 130 des Amer. Inst. of Min. and Met. 
Eng., 1928. — C. A. Heiland, 1. c., S. 119—125. 

31) M. Mason, „Geophysical Exploration for Ores“, Enginee- 
ring and Mining Journal 124, S. 806, 1927; vgl. auch M. Mason, 
Techn. Publ. Nr. 45 des Amer. Inst. of Min. and Met. Eng., 1928. 

32) Vgl. Sundberg, Lundberg und Eklund, 1. c.. S. 27 

33) Eine sehr ausführliche Darstellung über die mit den ver- 
schiedenen geoelektrischen Methoden bisher erzielten praktischen 
Erfolge findet man in dem erwähnten Buche von C. A. Heiland 
(S. 100—163), das sehr wertvolles statistisches Material enthält. 


234 Patentschau. 


Patentschau. 
Von Carl Lübben. 


Piezogesteuerte Röhrensender. 


Brit. Pat. 287484 (Marconi, 21. März 1927), ver- 
öffentlicht am 28. März 1929. 

Die Bilder 1 und 2 zeigen piezogesteuerte Röhren- 
sender, bei denen der Piezokristall P in den Kopp- 
lungskreisen zwischen Anoden- und Gitterkreis ein- 


un 
u 
m 


Bild 1. Bild 2. 


geschaltet ist. Parallel zu dem Piezokristall P ist ein 
Neutralisationskondensator Ca geschaltet. Zwischen 
Anode und Gitter liegen außerdem noch Ausgleichs- 
kondensatoren Ca. 


Piezoeinrichtung. 


Franz. Pat. 650 367 (Lorenz, 30. März 1927), ver- 
öffentlicht am 8. Januar 1929. 
= Bei der in Bild 3 dargestellten Piezoeinrichtung ist 
der Piezokristall P in einer Vakuumröhre unter- 
gebracht. Um die Schwingungsdämpfung zu verrin- 
gern, ist der Kristall zwischen Federn E gelagert, die 


zugleich als Zuführungen zu den Elektroden dienen. 
Die Elektroden werden durch Metallbelegungen auf 
dem Kristall gebildet und zweckmäßig durch elektro- 
Iytischen oder chemischen Metallniederschlag von 
Kupfer oder Silber hergestellt. 


Fading-Beseitigung. . 


Amerik. Pat. 1719845 (Martin, 24. Februar 1927), 
Pat. am 9. Juli 1929. 


Bei der in Bild 4 dargestellten Empfangsanordnung 
sind zwei getrennte Antennen A und B mit Empfän- 
gern C und D verbunden. Die mittels des gemein- 
samen Ueberlagerers Ü erzeugte Niederfrequenz wird 
durch die Transformatoren T, und T. auf einen ge- 
meinsamen Empfänger E übertragen. Durch den 
Spannungsabfall am Widerstand R, der im Gitterkreis 
der ersten Empfängerröhre des Empfängers E liegt, 
wird die Lautstärke konstant gehalten. Die richtige 
Einstellung der Phase erfolgt mittels des Widerstandes 


zölR 
am 


m 
E l 
1 2ý}—i A 


Bild 4. 


W, durch den die Vormagnetisierung des Transforma- 
tors T, geregelt wird. 


Modulationseinrichtung. 


Brit. Pat. 316 946 (Lorenz, 6. August 1928), ver- 
öffentlicht am 2. Oktober 1929. 

Bei der in Bild 5 dargestellten Modulationseinrich- 
tung ist mit dem Generatorkreis G der Antennenkreis 
A und ein Ballastkreis B gekoppelt. Durch die Modu- 
lationsströme werden über die Transformatoren T, 


u 
und T, sowohl der Antennenkreis A als auch der 
Ballastkreis B so gesteuert, daß die Belastung des 


Generatorkreises @ konstant bleibt und daher Fre- 
quenzänderungen nicht auftreten können. 


se A 
TE 
m” 


Bild 5. 


Modulations-Schaltung. 


Brit. Pat. 317 174 (lgranic, 19. Juni 1928), veröffent- 
licht am 2. Oktober 1929). 


Bild 6. 


Bei der in Bild 6 dargestellten Anordnung zur 
Modulation bei Verwendung einer Doppelgitterröhre 
werden die vom Mikrophonkreis M übertragenen 


= H a a A ’ 


Patentschau. 


Modulationsströme beiden Gittern zugeführt, während 


die von einem Generator G gelieferte Hochfrequenz 
der Anode aufgedrückt wird. Die positive Anoden- 
spannung wird dem zweiten Gitter unmittelbar und 
der Anode über eine Drossel D zugeführt. 


Duplex-Empiangsschaltung. 


Brit. Pat. 317 095 (Dubilier, 10. August 1928), ver- 
öffentlicht am 2. Oktober 1929, 

Zum Empfang mehrerer Frequenzen, z. B. Musik 
und Bildsignale, wird die in Bild 7 wiedergegebene 
Anordnung vorgeschlagen, bei der die niederfrequen- 


Bild 7. 


- ten Schwingungen den Gittern a und c der Doppel- 
- gitterröhren, die höherfrequenten Bildsignalschwingun- 
- gen den anderen Gittern b und d aufgedrückt werden. 


Rahmenantenne. 


Brit. Pat. 317 215 (Montagne, 31. Juli 1928), ver- 
öffentlicht am 2. Oktober 1929. 


Ein Rahmenantennensystem für kurze und lange 
Wellen besteht aus drei Teilen A, B, C (Bild 8, 9), von 
denen ein Teil C im entgegengesetzten Sinne gewickelt 
ist als die beiden anderen Teile A und B. Bei Kurz- 
schaltung (Bild 8) wird nur der Teil A benutzt, 


A dla 


Bild 8. Bild 9. 

während die beiden Teile B und C so miteinander ver- 
bunden sind, daß die in ihnen induzierten Ströme sich 
aufheben. Bei Langschaltung sind alle drei Teile 
phasenrichtig hintereinander geschaltet (Bild 9). 


Richtantennensystem. 


Brit. Pat. 299 472 (Marconi, 28. Oktober 1927), ver- 
öffentlicht am 18. April 1929). 


In Bild 10 ist ein Richtantennensystem dargestellt, 
das aus zwei Teilsystemen C und D besteht, die von 
einem gemeinsamen Zuleitungssystem A, B, Z gespeist 
werden. Die Anordnung ist so getroffen, daß der Ver- 
bindungspunkt der Zuleitung Z zu den Leitungen A, B 
verschoben werden kann. Durch diese Anordnung 
kann das Phasenverhältnis und damit die Strahlrich- 


235 


tung des ganzen Systems in einfacher Weise geändert 
werden. 


Bild 10. 


Elektronenröhre. 


D.R.P. 483 836, Klasse 21g, Gruppe 13 (Loewe), Pat. 
vom 21. April 1918, ausgegeben am 5. Oktober 1929). 
Die Erfindung betrifft eine Elektronenröhre mit 
zwei oder mehreren Elektronenquellen, die sich 
gegenseitig beeinflussen. Eine Schaltung zur Schwin- 


HE 


Bild 12. 


Bild 11. 


gungserzeugung mit einer Röhre, die zwei Glühkatho- 
den K und zwei Anoden A besitzt, zeigt Bild 11. Eine 
andere Ausführungsform der Röhre zeigt Bild 12. Die 
Schaltung ist dabei so getroffen, daß die Elektronen- 
ströme von der Kathode 1 zur Anode 2 und von der 
Kathode 3 zur Anode 4 verlaufen. 


Kathode für Elektronenröhren. 


D.R.P. 483 577, Klasse 21g, Gruppe 13 (Schwarz- 
kopf), Pat. vom 17. Juli 1924, ausgegeben am 4. Okto- 
ber 1929. 


Zur Herstellung von Glühkathoden mit sehr hoher ` 
Elektronenemission soll ein Faden verwendet werden, 
der als Grundstoff aus Molybdän besteht, dem Uran 
oder Uranverbindungen einverleibt sind. Das Uran ist 
in solchen Fäden im metallischen Molybdän gelöst 
oder in chemischer Verbindung mit dem Molybdän 
vorhanden. 


Synchronisierungs-Einrichtung. 


D.R.P. 484088, Klasse 21a', Gruppe 32 (Karolus), 
Pat. vom 14. Juni 1928, ausgegeben am 9. Oktober 
1929. 


Häufig wird eine Synchronisierung dadurch herbei- 
geführt, daß die Antriebsmotore aus dem gleichen Netz 
betrieben werden. Bei den hohen Drehzahlen, die für 
Bildübertragung oder Fernsehen erforderlich sind, 
treten infolge der kleinen Frequenzen der Speisenetze 
Pendelungen der Motore auf, die erhebliche Störungen 


236 


zur Folge haben. Erfindungsgemäß soll die niedrige 
Netzfrequenz in eine höhere harmonische Frequenz 
umgewandelt und diese zum Antrieb bzw. zur Syn- 
chronisierung verwendet werden. Dabei kann ent- 
weder für die Synchronmotore die Gesamtleistung der 


Bild 13. 


höheren Frequenzen entnommen werden oder auch 
nur eine Teilleistung, um den Hauptmotor im Tritt zu 
halten. In Bild 13 wird zum Beispiel der Hauptmotor M 
mit der kleinen Frequenz und der Hilfsmotor H durch 
eine höhere Frequenz gespeist, die durch den Fre- 
quenztransformator F erzeugt wird. 


Referate. 


—_ 
——— DD mn 1a 


Die neuesten deutschen Hochfrequenz-Patente 


Klasse 


Nr. und Ausgabe Lon wat 
-| Gruppe tag 

483 207| 21g4/10 | 2.10.29 | Kondensator 

483 412| 21a4/22 | 2.10.29 | Störbefreiung beim Empfang 
483 414| 2124/75 | 3.10.29 | Wellen-Umschaltvorrichtung 
483 418| 21c/56 | 2.10.29 | Hochohm - Flüssigkeitswiderstand 
*483 517| 21g/13 | 2.10.29 | Gitter für Elektronenröhren 
483 518| 21g/24 | 3.10.29 | Medizinisches Hochfrequenzgerät 
483 577| 21g/13 | 4.10.29 | Glühkathode E 
483 787| 21a4/29 | 8.10.29 | Empfangseinrichtung 

483 787| 21c/54 |10. 10.29 | Regelwiderstand 

483 827| 21a4/29 | 8.10.29 | Empfangseinrichtung 
*483 836| 21g/13 | 5.10.29 | Elektronenröhre 

483 947; 21g/12 | 5.10.29 | Glimmröhre 

483 948| 21g/13 | 9.10.29 | Herstellung von Oxydkathoden 
483 981| 21g/31 |10. 10.29 | Magnetisches Material 

484 031| 21a?/5 |10.10.29 | Mikrophon 

484 033| 21a?/25 | 9.10.29 | Schalltrichter für Lautsprecher 
*484 088| 2lal/32 | 9.10.29 | Synchronisierungsvorrichtung 
484 186| 21g/10 [10.10.29 | Feineinstellung 

11.10.29 | Flachspule 


484 261| 212/68 


Die mit * bezeichneten Patente sind in diesem Helt aus 


führlicher referiert. 


Referate. 


F. E. Terman. Prinzipielle Fragen der 
Gittergleichrichtung. (Some principles of 
grid-leak grid-condenser detection.) Proc. Inst. Radio 
Eng. 16, 1384—1397, 1928. 


l. Bei der üblichen Anordnung für Gittergleich- 
richtung (Bild 1) ist die Wirkung die, daß der Gitter- 


Bild 1. 


strom außer der Hochfrequenzkomponente eine Kom- 
ponente č, erhält, die durch den Amplitudenverlauf der 
Hochfrequenzschwingungen bestimmt ist. Es ist also 
eine Gleichstromkomponente, wenn die Hochfrequenz- 
schwingung konstante Amplitude hat. Dazu kommen 
Niederfrequenzströme, wenn die Amplitude der Hoch- 
frequenzschwingung mit niederfrequenter Periode sich 
ändert. Diese Gleichstrom- bzw. Niederfrequenz- 
komponente läßt sich nun nach einem Satz von 
Carson darstellen als hervorgerufen durch einen 
Gleichstrom- bzw. Niederfrequenzgenerator Ær, den 
man sich nach dem Schema von Bild 2 eingeschaltet 
denken muß. 

Für die EMK dieses Generators gilt: 

a) Ist die Hochfrequenzschwingung eine un- 
gedämpfte, unmodulierte von der Form ês =E£; sin wt, 


so ist : 
Er=8j20. 


b) Besteht der Hochfrequenzstrom aus der Ueber- 
lagerung von zwei ungedämpften Schwingungen mit 
etwas verschiedener Frequenz, ist er also von der 


Form 


es =E,sin2rf, t+ Essin (2 n fat+ o) 


so besteht Z, aus zwei Teilen, einer Gleichstrom- 
komponente 


E, =E oos [2a — fa t— ol 


E, = (E2 + E/20 


und einer Niederfrequenzkomponente von der Fre- 
quenz fı—/. von der Form 


Bild 2, 


c) Ist die Hochfrequenz eine modulierte Schwingun 
ês = Em(l +Ksingt) sin w t, 


so entstehen in Æ, drei Komponenten, eine N 
stromkomponente Zr, eine Komponente Zrı von & 
Modulationskreisfrequenz q und endlich eine Komp? 


) 


m 


pires 


Referate. 


aaaea aaa a aiea aI 
maene ea 


nente Zr, von der doppelten Modulationskreisfrequenz, 
und zwar ist 


Een? (1 3a Bhe. 5 


En -singt 
K En 
E, = 4, ‘cos 2 gt. 


In dieser Zusammenstellung und in Bild 2 bedeutet 
R,=d o den dynamischen Gitterwiderstand, 


“012R Ar av das, was der Verfasser „detector vol- 


- tage constant“ nennt, d. h. einen Ausdruck, für den die 
` Krümmung der Z%_| E, Charakteristik maßgebend ist 


.- und von dem die Gleichrichtwirkung abhängt.*) Die 


ee 


: Kapazität C,’ in Bild 2 ist die „wirksame“ Kapazität 


zwischen Gitter und Glühfaden der Röhre. Diese 
Kapazität hängt nicht nur von der Frequenz, sondern 
auch von der Impedanz des Anodenkreises ab. Da 
Cy parallel zum Gitterkondensator C liegt, so ist die 


.. Wirkung eine Vergrößerung von C. 


Den Vorteil der gewählten Darstellung (Einführung 
von £,) sieht man aus folgendem Beispiel. Es sei 
gesucht die Aenderung (AV,) der Gitterspannung, 
wenn man auf die Anordnung eine modulierte Hoch- 
frequenzschwingung wirken läßt. Entsprechend den 
drei Komponenten Er, Emn und Er, (siehe oben) 
besteht dann die Aenderung der Gitterspannung eben- 
falls aus drei Komponenten, und zwar gilt für jede 
dieser drei Komponenten 


AVgo= Eros" ZoftRg + Ze); A Vg en Zul (R+ 2); 
Vo= o ZAR +2 


wenn Zo Zı, Za die Impedanz (bzw. a Widerstand) 
der Verzweigung CR in Bild 2 bezeichnet, und zwar 
für die betreffenden Komponenten von E,, d. h. also Zo 
den Widerstand der Verzweigung für Gleichstrom, 


HV RIB 


Bild 3. 


Z, die komplexe Impedanz der Verzweigung für die 
Modulationsfrequenz etc. Die Wirkung im Anoden- 
kreis erhält man dann durch die Ueberlegung, daß 
eine Aenderung der Gitterspannung A V} im Anoden- 
kreis dieselbe Stromänderung hervorruft, wie eine 
Aenderung der Anodenspannung um den Betrag 
uA Vy (u = Verstärkungsfaktor). 

2. Um dieses Verfahren anwenden zu können, 
braucht man die zwei Röhrenkonstanten R, und vy. 
Zu ihrer Messung dient die Brückenanordnung von 


*) Praktischer würde es wohl gewesen sein, den reziproken 
Wert einzuführen. 


237 


Bild 3. In ihr ist P, und P. je ein Spannungsteiler, 
und zwar P, einer für größere Aenderung der Span- 
nung, P, ein solcher für Feineinstellung. Die Span- 
nung P, kann durch den Schalter S, kurz geschlossen 
werden. Diese Spannungsteiler mit ihren Spannungs- 
messern V, und V, haben den Zweck, zwischen Gitter 
und Glühfaden eine genau bekannte und fein einregel- 


' bare Spannung zu legen. Um R, für eine bestimmte 
. Gitterspannung zu bekommen, stellt man diese Span- 


nung ein und ändert dann die Widerstände R, Rz, R; 
und event. auch C, so, daß das Telephon keinen Ton 


Dann ist einfach R, =R, Fr Die 


2 
Detektorkonstante v erhält man auf folgende Weise. 
Mit Spannungsteiler P, wird die Spannung V, an das 
Gitter gelegt, für die man die Detektorkonstante 
wissen will; der Gitterwiderstand für diese Spannung 


mehr gibt. 


+70 


0 +04 +06 +08 
Öiterspennung 
Bild 4. 


ergab sich zu R,. Dann wird mit Hilfe von P, die 
Gitterspannung einmal nach oben (V,—+4AV,), dann 
nach unten (V/,—4AV,) um denselben Betrag ge- 
ändert und die dazugehörigen Werte des Wider- 
standes von R,, Ry und Ry , gemesen. Dann ist 
die Detektorkonstante 

Ry o] 


_ dRo) __ 
2 Rollayı) =2R (gay, 
Als Beispiel für die Ergebnisse solcher Messungen 
ist in Bild 4 das Resultat für eine Röhre 201 A wieder- 


gegeben. 


3. Bezüglich der Größe des Gitterkondensators C 
und des Ableitungswiderstandes R führt der Verfasser 
folgendes aus. Die Größe des Gitterkondensators ist 
ein Kompromiß zwischen zwei einander entgegen- 
stehenden Bedingungen. Er sollte möglichst groß 
sein, um der Hochfrequenz eine möglichst kleine Reak- 
a zu bieten; die Spannung am Gitter ist ungefähr 


C Fe mal der EMK, die auf den Gitterkreis wirkt. 


Auf der anderen Seite sollte er klein sein, damit für die 
Niederfrequenzkomponente von Æ, die Reaktanz mög- 
lichst groß wird. Der Verfasser empfiehlt den Gitter- 
kondensator C ungefähr 10 mal so groß wie Cg, die 
Kapazität der Röhre zwischen Gitter und Glühfaden 
für Hochfrequenz, zu machen. Das gibt Gitterkonden- 
satoren von der Größenordnung 150—250 uuF. Ist 
diese Kapazität einmal gewählt, so erhebt sich die 


‘ der besten Gittervorspannung Æg, 


238 | Referate. 


Frage des besten Ableitungswiderstandes R und auch 
von der der 
Wert Ry bei einer bestimmten Röhre abhängt. Die 


Bedingungen liegen verschieden, ie nachdem es sich 


um Telegraphie oder um Telephonie handelt. Im ersten 
Fall wird eine ganz bestimmte Niederfrequenz, z. B. 
1000/sec, hergestellt; bei der Telephonie ist die Auf- 
gabe, Frequenzen zwischen 100 und ca. 5000/sec mög- 
lichst verzerrungsfrei aufzunehmen. 

Man sollte die Vorspannung so wählen, daß der 
Gitterwiderstand R, geringer ist als die Impedanz der 
Verzweigung CR (Bild 2). Dann ist die Spannung an 
der Röhre nie viel kleiner als die EMK Er, von der 
eben die Rede war; die Frequenzabhängigkeit der 
Impedanz von CR spielt dann keine Rolle. Bezüglich 


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Sp (EG =+0065) | III 
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SN 
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a E =+40565, jj 
E77 000 10,000 
Modulatiors Frequenz 
Bild 5. 


des Ableitungswiderstandes R besteht die Bedingung, 
er sollte so groß sein, daß durch ihn nicht ein großer 
Teil der Hochfrequenzenergie im Gitterkreis auf- 
gezehrt wird, aber auch nicht so groß, daß die hohen 
Niederfregquenzkomponenten beim Empfang schlecht 
herauskommen. Die Verhältnisse ergeben sich amı 
besten aus dem Bilde 5, das sich auf dieselbe Röhre 
wie Bild 4 bezieht. Es zeigt, wie stark die Ver- 
zerrung in denienigen Fällen ist, in denen die Aende- 
rung der Gitterspannung bei niederen Frequenzen be- 
sonders groß ist. J. Zenneck. 


A. H. Davis und T. S. Littler. Der Durchgang 
des Schalls durch schwingungsfähige 
Scheidewände von verschiedenem Ma- 
terial. (The transmission of sound through par- 
titions. II. Vibrating partitions.) Aus dem Nat. Phys. 
Lab. in Teddington. Phil. Mag. (7) 7, 1050—1062, 1929. 


Die Arbeit ist eine Fortsetzung einer früheren 
(Phil. Mag. (7) 3, 177, 1927). Es werden alle möglichen 
schwingungsfähigen Materialien von einem Stück 
Papier bis zu einer Ziegelsteinwand untersucht. Die 
Anordnung ist die, daß zwei Zimmer durch eine nicht 
schalldurchlässige Wand getrennt sind, in der eine 
Oeffnung von ca. 150 X 120 cm ausgespart ist. Diese 


ist mit dem zu untersuchenden Material bedeckt. 


In dem einen Zimmer befindet sich die Schallquelle 
(Röhrengenerator mit Lautsprecher), dessen Schall- 


wellen schief auf die Oeffnung auffallen. Im anderen 
Zimmer ist das Aufnahme - Mikrophon mit seinen 
Nebenapparaten zur Messung der Schallintensitāt. 
Ein Vergleich der Intensität mit offenem und bedeck- 
tem Fenster gibt die Absorption des zur Bedeckung 
der Oeffnung benützten Materials. 

Der schiefe Auffall der Schallstrahlen auf die Oeff- 
nung und ebenso die Bedeckung der Wände im 
Sendezimmer mit schallabsorbierendem Material hat 
den Zweck, für die auffallenden Schallstrahlen defi- 
nierte Verhältnisse zu schaffen, die nicht vorhanden 
sein würden, wenn die Reflexion an den Wänden 
oder auch an dem Material in der Oeffnung eine Rolle 
spielen könnte. Nicht selbstverständlich ist, daß bei 
der gewählten Anordnung 'nach den Versuchen der 
Verfasser die Schallstrahlen, die das schwingungs- 
fähige Material in der Oeffnung durchsetzt haben, ihre 
Richtung nicht erheblich ändern, d. h. in dem Auf- 
nahmezimmer sich als ein ziemlich gut begrenztes 
Schallstrahlenbündel fortsetzen. 

Bei solchen Messungen besteht die Schwierigkeit, 
daß man an den verschiedenen Stellen des Empfangs- 
raums infolge von Interferenzen sehr starke Inten- 
sitätsunterschiede bekommt. Es wurde in dreierlei 
Weise versucht, diese Schwierigkeit zu umgehen: 
1. indem man den Mittelwert aus Messungen an ver- 
schiedenen Stellen des Schallstrahls bildete, 2. indem 
man das Aufnahme-Mikrophon mit Schnüren an der 
Decke aufhing und in der Richtung des Schallstrahls 
hin- und herpendeln ließ und 3. indem man die Fre- 
quenz der Schallquelle periodisch änderte. 

Bezüglich der Zahlenwerte, die sich bei 27 Mate- 
rialien in dem Frequenzgebiet zwischen 300 und 
1600/sec ergaben, muß auf die Originalarbeit ver- 
wiesen werden. J..Zenneck. 


Fitaro Yokoyama und Tomozo Nakai. Feld- 
stärkenmessungen von Großstationen. 
(The measurements of the field intensities of some 
high-power long-distance radio stations.) Res. of the 
Electr. Labor. Tokyo. Nr. 229, Teil I, Juni 1928; 
Nr. 233, Teil II, Juli 1928; Nr. 238, Teil III, September 
1928; Nr. 258, Teil IV, April 1929. 


Die Hefte enthalten Messungen von Empfanegsield- 
stärken folgender Stationen: 
Teil I. Bolns 4 = 
(2 = 19100 m). 
Teil II. Malabar (A = 15 600 m), Palao (å — 10 000m), 
Rugby (å = 18740 m). 


13100 m), Bordeaux 


Teil II. Kahuku (A = 16975 m), Pearl Harbor 
(2 = 10500 m), Saigon (A, } = 16200 m: B. 


Teil IV. Warschau A = 18280 m), Teneriffa 
(2 = 15800 m), Monte Grande (} = 12700 m). 

Die Messungen erfolgten in Isohama Town, 100km 
nordöstlich von Tokyo. In den Tabellen sind außer 
den Werten für die Empfangsfeldstärken und für die 
Stromstärke in der Sendeantenne Werte für atmo- 
sphärische Störungen (getrennt nach „grinders“ und 
„clicks“) sowie meteorologische Daten (Temperatur, 
Luftdruck, Feuchtigkeit) für Sende- und Empfangsort 
für je 10 Tage der Monate Oktober 1926 bis Januar 
1928, und zwar für ie 2 Tageszeiten aufgeführt. 
Monatsmittel sämtlicher Werte für die 2 Beobach- 
tungszeiten sind außerdem noch in Kurven wiceder- 
gegeben. E. Mauz. 


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